{"numero_id": "bm-bmtnabi-1856-10-11-01", "volume": "bmtnabi_1856-10-11_01", "ocr_sha256": "fa82ec7ce6be7d22696e7892fabaecdeb6a8c95c71279547636726f051a8cd37", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1856/10/11_01/bmtnabi_1856-10-11_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561011-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1856-10-11-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-10-11_01#c001", "volume": "bmtnabi_1856-10-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "325", "page_fin": "325", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561011-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "325", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561011-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 493, "texte": "Inhalt.\nEntgegnung auf den Protest des Herrn Mortier de Fontaine. Von H. W. Stolze. - Claviermusik (H. Cramer-Alfred\ninpil _ Vinc Adler —St Heller). Tages- und Un terh alt un gs bI att (Köln, Reinthaler, M. DuMont-Fier und die „brenzboten\n-1 Trier Einweihung der Basilica - Frankfurt am Main, Karl Halle - Dresden, Gedächtnissfeier für R. Schumann - Hamburg Fr.\nNina Hartmann - Wien, J. Frühwald f, Original-Partitur von Mozart's Figaro - Brüssel, Jubiläum von fr etis Paris —M. 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Wenn daher in der von mir revidirten Ausgabe Fehler\nvorkommen, so versteht es sich zunächst von selbst, dass\ndiese Fehler nicht „vorsätzliche Aenderungen Entstellun-\ngen— geflissentliche Auslassungen\" und wie die starken\nAusdrücke des Herrn Mortier de Fontaine von Moskau aus\nweiter lauten, genannt werden können.\nDer einzige gegründete Vorwurf, den man mir machen\nkönnte, ist der: Warum hast du bei deiner Revision nicht\ndie Original-Ausgabe von allen Sonaten in Besitz gehabt?\nDie Revision ist meist geschehen nach der Schlesinger'schen\nAusgabe, von der ja selbst Herr M. de Fontaine zugesteht,\ndass sie „allen anderen\" vorzuziehen ist. Wiewohl ich nun\nzwar der Meinung bin, Beethoven sei so gross, dass selbst\neine neueste Schule ihn nie und nimmer von seiner Höhe\nherunterstossen könne, viel weniger eine von einem seiner\ntreuesten Verehrer revidirte Ausgabe seiner letzten Sona-\nten, in der einige Fehler stehen geblieben sind, so bin ich\nes doch der musicalischen Welt schuldig, näher auf die\nvon mir revidirte Ausgabe und auf den Protest des Herrn\nM. de Fontaine einzugehen.\nNachdem die erste Auflage der Beethoven'schen 32\nClavier-Sonaten bei Holle in Wolfenbüttel vor einigen Jah-\nren erschienen war und durch ihren wohlfeilen Preis sich\nschnell verbreitete, hatte ich Gelegenheit, mich bald davon\nzu überzeugen, dass viele Druckfehler die sonst recht gut\nausgestattete Ausgabe verunstalteten. Ich machte mündlich\nbei einer Reise durch Wolfenbüttel den mir bekannten\nVerleger darauf aufmerksam; und da derselbe behauptete,\ndie Correctur schon durch einige Sachkenner be-\nsorgt zu haben, so erbot ich mich, zum Beweise meines\nan ihn gerichteten Tadels, die ersten zwei Sonaten ordent-\nlich corrigiren zu wollen, worauf ich denn auch bald den\nAuftrag erhielt, die ganze Sammlung auf diese Art\nzu revidiren.\nMit wahrer Lust und Liebe ging ich daran, die mir so\nlieb gewordenen Sonaten von allen Fehlern zu reinigen,\num dadurch zur guten Sache mit beitragen zu können.\nOhne irgend ein Honorar in Anspruch zu nehmen, erhielt\nich die Zusicherung von einigen Frei-Exemplaren. Noch\nehe ich aber mit dieser herculischen Arbeit zu Ende kam,\nwar der Verleger genöthigt worden, wegen der vielen\nNachfragen und wegen des Absatzes mehrerer Hefte eine\nzweite Auflage zu veranstalten, in die meine Verbesserun-\ngen noch nicht hatten aufgenommen werden können. In\nden Heften, in welche diese mit aufgenommen wurden,\nward eine besondere Notiz davon auf dem Titelblatte bei-\nge,ügt .. • .. 1 y V\nEine ähnliche Revision ward auch später der bereits\ngedruckten ersten Ausgabe derselben Verlagshandlung von\nMozart's Ciavierwerken in zwei Bänden zu Theil.\nWas nun Beethoven's grosse J.-ciwr-Sonate, Op. 101,\nbetrifft, über welche Herr M. de Fontaine zuerst sich so\nheftig gegen mich ereifert, so kann ich nur darauf hinwei-\nsen, dass der Titel dieser Sonate nur angibt: „ Metronomi-\nsirt von J. Moscheies.\" Dass ich eine Revision dieser So-\nnate vorgenommen hätte, ist nirgends gesagt. Die hierbei\nso scharf gerügten Mängel und Fehler und deren sind"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "326", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561011-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3658, "texte": "neunzehn aufgelührt können mithin mir gar nicht zur\nLast gelegt werden, eben so die noch stehen gebliebenen\nFehler in den von mir bereits revidirten und gedruckten\nHeften dieser zweiten Aullage, weil ich von letzteren nach\nder Zeit keine Exemplare zur Durchsicht erhalten habe.\nDer Verleger aber wird hoffentlich Alles aufbieten, seine\nAusgaben künftig auf das correcteste zu liefern, und hierzu\nhabe ich ihm die noch nachträglich aufgefundenen Fehler\nzur Abänderung notirt.\nZu der Sonate Op. 101 wieder zurückkehrend, so\nglaube ich der Entgegnung auf die vielen dabei gerügten\nMängel nach dem vorhin Gesagten überhoben zu sein. Nur\nEines erlaube ich mir anzuführen, wogegen ein Zweifel er-\nhoben werden kann. Den Bass Seite 2, Zeile 8,\nTact 8 und 9 (nicht, wie steht, S. 3) hier auf der Domi-\nnante und später S. 3, Z. 10, T. 1 und 2 auf der To-\nnica (a e gis) und in Noten so:\nkann schwerlich Beethoven's Absicht gewesen sein, bei -f- -f-\n-mit ehe zu setzen, auch wenn die Original-Ausgabe so\nzeigt, da dergleichen bei Beethoven nie vorkommt.\nIch wende mich nun zu den Sonaten Op. 106, 109,\n110 und 111, die alle auf dem Titel mit meinem Namen\n„revidirt\" verzeichnet und metronomisirt von J. Moscheies\nstehen.\nDie Sonate Op. 109 in E-dur ist nach der voa J. P.\nSpehr in Braunschweig erschienenen neuesten Ausgabe von\ndem Verleger Holle in Wolfenbüttel abgedruckt worden,\nda die wiener Original-Ausgabe nicht aufzutreiben gewe-\nsen war, die bei den Sonaten Op. 110 und 111 benutzt\nund zu Grunde gelegt worden ist.\nDie Fehler der sonst ziemlich correcten Spehr'schen\nAusgabe, die sich grösstenteils auch hier wiederfinden,\nsind also keine Zusätze und dergleichen vorsätzliche Abän-\nderungen von mir, wie sie mir der Schreiber des Protestes\nzur Last legt. So ist: 1) das S. 2, T. 5 und S. 3, Z. 11\nund 12 (soll wohl heissen Z. 9 und 10), T. 1 hinzuge-\nsetzte Crescendo schon in der Spehr'schen Ausgabe aufzu-\nfinden; eben so 2) das auf S. 3, Z. 3 und 4 (soll wohl\nheissen Z. 7und 8, wo erst ein vorkommt) ange-\nbrachte fstatt p; 3) das dis 5.3, Z. 1, T. 1 als Quinte\nist wohl von Beethoven gesetzt worden, wie gewiss ange-\nnommen werden kann, da die Folge dieser Accorde deut-\nlich zeigt, dass gerade an dieser Stelle die Quinte nicht\nfehlen solle, da gar kein Grund dazu vorhanden war, die\nnatürliche Folge zu unterbrechen. Dieses sowohl, wie 4)\nS. 3, Z. 3 und 4, T. 6 (wo übrigens der Secunden-Accord\nsich ganz natürlich in den Sexten-Accord auflöset) ist nur\nals ein Irrthum des Herrn M. de Fontaine anzusehen. 5)\nDie auf S. 10 gerügte unklare italiänische Uebersetzung\nzur vierten Variation des „etwas langsamer als das Thema\",\nso wie die 6) auf S. 11, Z. 1 und 2, T, 3 und Z. 3 und\n4, T. 1 gerügte, Quintenfolgen erzeugende Entstellung\nist ebenfalls dort in genannter Ausgabe zu finden. Wie es\nim Original heisst, kann ich natürlicher Weise nicht wis-\nsen, da mir dasselbe nicht vorliegt; aber um die Quinten-\nfolgen wegzuschaffen, brauchte nur die Figur des Basses\n5. 11, Z. 4, T. 1, statt so:\nIn dieser Sonate ist also von den sechs Fehlern kein einzi-\nger, der mir zur Last gelegt werden könnte.\nDie Sonate in As-duv, Op. 110, ist vom Verleger\nnach der Original-Ausgabe, Wien, bei Haslinger gedruckt,\nund mit der von Schlesinger in Berlin, die auch die Bemer-\nkung der „einzig rechtmässigen Original-Ausgabe\" trägt,\nverglichen worden. Es haben sich freilich drei Fehler ein-\ngeschlichen, die mir bei der Correctur durchgeschlüpft\nsind, was mir um so mehr leid thut, da sie jetzt mir als\n„vorsätzliche Veränderungen\" aufgebürdet werden. Es\nsind: 7) zu Anfange T. 4 beim Ruhezeichen, wo ohen in\nder zweiten Stimme ein unrichtiges b stehen geblieben ist."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "327", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561011-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4255, "texte": "was gheissen muss; 8) hingegen das zugesetzte S. 3,\nZ. 8, T. 1 kann schon aus der Schlesinger'schen Ausgabe\nersehen werden, wo es Pag. 4. Z. 8, T. 2 auch steht und\nfolglich kein Zusatz von mir ist. 9) S, 5, Z. 13 und 14,\nT. 3 ist weiter nichts als ein in der Correctur übersehener\nfalscher Quartsexten-Accord, statt eines Dreiklanges. 10)\nWas aber das d statt des auf S. 7, Z. 5, T. 5 und S. 8,\nZ. 9, T. 5 betrifft, so gibt Herr M. de Fontaine doch\nselbst zu, dass dies von Beethoven Abweichendes wäre; es\nist daher um so mehr zu entschuldigen, wenn ich das lei-\ntereigene des wählte, da ich das abweichende immer auch\nfür einen Druckfehler der Original-Ausgabe halten konnte.\nMan urtheile selbst:\nHätte mir, wie jetzt, damals die wiener Original-Ausgabe\nauch vorgelegen, so würde ich das des entschieden verwor-\nfen haben.\nDie Sonate Op. 111, C-moll, betreffend, so ist diese\nebenfalls auch nach der Haslinger'schen Original-Ausgabe\nabgedruckt, aber nur nach der ebenfalls „einzig rechtmäs-\nsigen Original-Ausgabe von Schlesinger in Berlin\" revidirt\nworden. Es findet sich hier mit Kecht monirt: 11) die auf\nS 2 T. 1 und 8 entstellten Accorde, wo das mit\n• 7\nverwechselt worden ist, was aber bei der Correctur wegen\nder Aehnlichkeit der Figuren übersehen worden, und\nschwerlich auf Rechnung von vorsätzlicher Entstellung zu\nbringen ist. Hingegen sind 12) die S. 5 gerügten unge-\nhörigen Vortragszeichen ==- alle sowohl in der\nwiener als in der berliner Ausgabe zu finden. 13) Endlich\n„wären noch kleinere Fehler im zweiten und letzteren\nSatze, welche bei Vorlage der Original-Ausgabe theilweise\nbeseitigt werden könnten.\" Welche Fehler dieses wären,\ndas wird nicht erwähnt. Wahrscheinlich erstrecken sich die-\nselben auf die allerdings manchmal unrichtig gesetzten vie-\nlen kleinen Bindebogen, deren zuweilen drei und vier zu-\ngleich vorkommen und nicht immer egal zu den Noten ge-\ndruckt sind. Diese stehen gebliebenen und nicht nach mei-\nner Correctur abgeänderten Mängel werden hoffentlich\nbeim künftigen Abdruck verschwinden.\nWas nun endlich noch die Sonate in Op. 106,\nbetrifft, so hat sie der Herausgeber Holle nach der bei\nSpehr in Braunschweig edirten Ausgabe, die von J. Mo-\nscheies metronomisirt sein soll (wie der Titel auch hier\nzeigt), abgedruckt, und es findet sich monirt: 14) die Metro-\nnom-Bezeichnung des ersten Satzes Allegro mit J = 138,\nstatt J= 138, steht in besagter Ausgabe schon, und\nHerr M. de Fontaine tastet sonderbarer Weise nicht Herrn\nProfessor J. Moscheies, sondern mich desshalb an. 15) Die\ngerügten kleinen Noten-Intervalle, die S. 6, Z. 13, 1. 5\nund 7 zu grossen erhoben wären, sind ebenfalls in besag-\nter Ausgabe schon, und sind wie 16) die Verwechslungen\nvon ganzen mit halben Noten (Schlägen), S. 6, Z. 11, T.\n5 und S. 10, Z. 1, T. 5, auch in jener Ausgabe schon,\nkeine Zusätze von mir. Was aber 17) die unrichtigen\nSetzungen des Octaven-Zeichens S. 7, Z. 7, 1. 2 und S.\n8, Z. 2, T. 4 betrifft, so sind hier gar keine solche Zei-\nchen anzutreffen, und es ist das Sündenregister, wie schon\nmehrere Male der Fall war, irrthümlich von Herrn M. de\nFontaine vermehrt worden. Dahingegen ist 18) unter auf-\nfallenden Fälschungen bezeichnet S. 8, Z. 8, T. 6, wo die\nerste Note h, statt c, im Bass durch ein Versehen gesetzt\nist, und 19) S. 9, Z. 10, T. 5 die Stelle:\nirrthümlich anders gedruckt, was sich bei Vorlage der Ori-\nginal-Ausgabe nicht ereignet hätte. 20) Das Scherzo steht\nin der zum Grunde gelegten Spehr'schen Ausgabe eben-\nfalls hier nach dem Adagio, so wie 21) die Metronomisi-\nrung desselben S. 20 nach J. Moscheies mit J— 132 ge-\nblieben war. Dass dieselbe aber nach Beethoven J = 80\nsein soll, ist jetzt notirt worden. 22) Dass ferner der Ada-\ngio-Bezeichnung S. 12 noch sostenuto fehle, konnte aus\nder braunschweiger Ausgabe nicht ersehen werden. 23)\nDie ersonnen sein sollenden Correcturen S. 13, Z. 12, T.\n3 und S. 17, Z. 12, T. 3 finden sich auch schon in be-\nsagter Spehr'scher Ausgabe. Bei ersterer Stelle ist nichts\ndazu gekommen, und es ist hier auch nichts Auffallendes\nzu finden; hingegen bei letzterer ist vor dem ersten em\nfehlendes $ und beim zweiten gleich darauf folgenden e ein\ntj hinzugefügt worden. Worin nun die hier ersonneneir\nCorrecturen bestehen sollen, ist mir nicht klar geworden."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "328", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561011-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3859, "texte": "24) Das geschmacklose Verbrämen S. 16, Z. 7 besteht\nin einem Zusatz von einem Triller, den schon die Spehr'-\nsche Ausgabe zeigt. 25) Die im Tacte 2, Seite 14, Zeile\n3 und 4, so wie Seite 18, Zeile 3 und 4, Tact 3\nverwischten Synkopen sind nur durch einen Irrthum ent-\nstanden, der bei Vorlage einer Original-Ausgabe ausser al-\nlem Zweifel gewesen wäre. 26) Das kleine Largo auf S.\n24, das nach dem Adagio, also vor dem Scherzo, stehen\nmüsse, findet sich ebenfalls in jener von Moscheies metro-\nnomisirten braunschweiger Ausgabe. Da in derselben nun\ndie Metronom-Bezeichnung auf J = 76 verzeichnet steht,\nso nahm ich es als Druckfehler an und setzte 76;\ndass es nun sogar h = 76 heissen solle, konnte ich, ohne\ndie Original-Ausgabe zur Einsicht zu haben und ohne auch\ndie hier fehlende italiänische Bemerkung zu kennen, nicht\nahnen. Alles ist bis auf die Versetzung der Sätze, die einen\nganzen Umdruck zur Folge hätte, in Ordnung gebracht.\nWessen Schuld diese hier gemachten Abänderungen sind,\nkann ich nicht wissen; so viel ist aber gewiss, dass sie mir\nnicht beigemessen werden dürfen.\n27) Die letzte und heftigste Beschuldigung betrifft\nmich nun allerdings. S. 25, Z. 11, T. 5 und Z. 13, T. 1\nund 2, in der schon genannten, von Moscheies metronomi-\nsirten Ausgabe ist die ursprüngliche Stelle, S. 21, Z. 8,\nT. 3, 4 und 5, so:\ndies muss mir den Beweis liefern, dass ich diese Stelle\nnicht corrumpirt, sondern vielmehr nur ausgefüllt habe, da\nich in der notwendigen Lage war, Fehlendes hier zu er-\nsetzen. Dass das Hinzugesetzte nun nicht mit dem Originale,\ndas nicht zur Hand war, so ganz genau übereinstimmen\nwürde und konnte, liegt klar vor Augen, da hier mehrere\nverschiedene Lesearten, die als Ausfüllung dienen sollten,\nangewandt werden konnten. Es entsteht nur die Frage,\nauf wessen Schuld hier die Corrumpirung fällt. ■— Wenn\nnun für die zweite Stimme hier gesetzt wurde:\nso ist dies wenigstens eine Aushülfe und kein Verderben,\nkein eigenmächtiger Eingriff oder geflissentliche Verbesse-\nrung, die, wie das Original zeigen soll, so:\nstehen musste.\nVon den in dieser letzten Sonate gerügten vierzehn\nMängeln fallen also vielleicht nur vier auf meine Seite.\nWäre bei der Ausgabe der Plan, einen besonderen Com-\nmentar über alle zweifelhaften Stellen zu geben, ausgelührt,\nso würde vielleicht alles dieses nicht hervorgerufen worden\nsein. Hoffentlich wird es aber der neueren Ausgabe nicht\nzum Schaden gereichen, dass sie hier so angefochten wurde,\nund ich kann demnach Herrn Mortier de Fontaine nur dan-\nken für die genaue Durchsicht, die er derselben hat ange-\ndeihen lassen.\nCelle, 29. Sept. 1856. H. W. Stolze.\nAus obiger Nachweisung geht hervor, dass eigentliche\nDruckfehler im Ganzen nur sehr wenige in der angefochte-\nnen Ausgabe enthalten sind, und wenn man berücksichtigt,\ndass das ganze Sündenregister sich über 88 enggedruckte\nNotenseiten erstreckt, und dass bei den sorgfältigsten Cor-\nrecturen der Musikwerke dennoch überall leicht einige Feh-\nler durchschleichen, so wird jeder billig Denkende die we-\nnigen vorhandenen mit Nachsicht aufnehmen und darüber\ndas wesentliche Verdienst dieser Ausgabe nicht verkennen,\nwelches in der Erleichterung der Anschaffung classischer\nMusik besteht, indem ich zuerst von allen Musik-Verlegern\nden Preis des Bogens von 5 auf 1 % Sgr. gesetzt habe.\nIch will gleichzeitig erwähnen, aus welchem Grunde ich bei\nden Sonaten Op, 101, 106 und 109 nicht die wiener\noder berliner, sondern die braunschweiger (Spehr'sche) Aus-\ngabe zu Grunde gelegt habe. Herr Joh. P. Spehr hatte,\nwie er mir persönlich mehrere Jahre vor seinem Tode ver-\nsicherte, seine neue Gesammt-Ausgabe der Beethoven'schen\nSonaten nach der von Herrn Professor J. Moscheies be-\nsorgten und metronomisirten londoner Ausgabe stechen\nlassen, und dies veranlasste mich, nach dem Tode des Herrn\nSpehr diese Gesammt-Ausgabe mit Vorräthen und Platten"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "329", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561011-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1123, "texte": "anzukaufen und solche als Grundlage zu meiner neuen Ste-\nreotvp-Ausgabe zu benutzen. Die meisten der von Herrn\nMortier de Fontaine gerügten Mängel finden sich nun aber\ngerade sowohl in dieser als in der londoner und in vielen\nanderen theuren Ausgaben, während sie nur in dieser mei-\nner wohlfeilen Ausgabe gerügt werden. Die erste starke\nStereotyp-Auflage derselben war binnen Jahresfrist vergrif-\nfen und ein zweiler Abdruck derselben so rasch nöthig,\ndass ich, ehe die von einigen tüchtigen Musikern, nament-\nlich auch von Herrn Musik-Director Stolze, gütigst mitge-\ntheilten Druckfehler-Verzeichnisse mir zugingen, denselben\nbesorgen musste und solche leider nur noch bei den letz-\nten Heften des zweiten Abdrucks benutzen konnte, wäh-\nrend die weitere Benutzung dem dritten, bald bevorstehen-\nden Abdrucke der ersten Hefte vorbehalten bleiben musste.\nDass von meiner Seite alle mögliche Sorgfalt auf die\ngrösste Correctheit meiner Stereotyp-Ausgaben classischer\nMusikwerke verwandt wird, möge man aus meinen späteren\nneuen Ausgaben von Haydn, Bach und Clementi ersehen*).\nWolfenbüttel, 2. October 1856.\n\nG. F. L. Holle."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-10-11-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-10-11_01#c010", "volume": "bmtnabi_1856-10-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "329", "page_fin": "330", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561011-01.2.3", "titre_corps": "Claviermusik.", "titre_sommaire": "Claviermusik.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "329", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561011-01.1.5", "debut_caractere": 1125, "fin_caractere_exclue": 4980, "texte": "Claviermusik.\nNoten, Noten, nichts als Noten, aber sehr wenig Musik! Da1\nhaben wir z. B.:\nH. Gramer, Op. 98, Douze Compositicms originales\npour Piano. Offenbach s. M., chez Jean Andre.\nVon diesen Original-Compositionen liegen uns nur Nr. 2:\nLa Grdce. Rondeau elegant; Nr. 3: Taranteile; Nr. 4: Scene de Bai.\nValse brillante; Nr. 5: L'esperance, und Nr. 6: Mazurka, vor. Nach\nihrer Durchsicht entsteht die Frage: „Woher kommt es, dass so\nleichte und seichte Waare viele Abnehmer findet?\" Es kommt da-\nher, weil allen diesen Sachen eine gewisse Klangwirkung, die den\nLaien besticht, nicht abzusprechen ist: es sind meist dankbare\nSachen für gedankenlose Spieler, mit denen sie sich zeigen zu\nkönnen meinen; es ist reines Fingerwerk, wo man gedankenlos da-\nbei sitzen kann, sei es als Spieler oder als Hörer. Hierin liegt in\nnuce unser Urtheil über die vorliegenden Stücke, die bei Weitem\nnoch nicht zu den seichtesten, aus dem grossen Fabrikgeschäfte\nvon H. Gramer & Comp, hervorgegangenen, gehören. Zur Veran-\nschaulichung wollen wir einige Motive hersetzen, die jede weitere\nErläuterung überflüssig machen.\nu. 's. w. Rein formell; inhaltsloses Vogelgezwitscher.\nNr. 3. Taranteile. G-moll, 6/ö. Ganz trivial.\nNr. 4. As-dur.\nAuch noch nicht da gewesen. Die dynamische Bezeichnung erin-\nnert an die Cyklopen-Schmiede des Vulcan.\nNr. 5. Air saris paroles. Einige Gemeinplätze und einiger Jam-\nmer in H-moll.\nNr. 6. Mazurka favorite, dreht sich um diese vier Tacte:\nDie componirenden ernsten oder guten Musiker tragen auch mit\nSchuld, dass dergleichen breite Bettelsuppen immer noch nicht ge-\nnug gekocht werden können, sofern sie oft mehr Knochen als\nFleisch geben. Darüber viele Worte zu machen, lohnt nicht der\nMühe. Es gilt Handeln und mit Gemeinem sich nicht befassen.\nLetzteres sei vornehmlich den Herren Musiklehrern ans Herz gelegt.\nVon Herrn Alfred Ja eil, dem vielgereisten Virtuosen, liegen\nuns drei sämmtlich bei F. Hofmeister in\nLeipzig erschienen, vor.\n1. Op. 36, Caprice, eigentlich Variationen auf eine Merca-\ndante'sche Romanze. Fis-dur mit H-dur-'Vorzeichnung, vielleicht\num den Spieler, der noch viele Doppelkreuze und andere chroma-\ntische Zeichen mit in den Kajif zu nehmen hat, von Hause aus\nnicht gleich zurückzuschrecken. Nachdem das Thema, das Interes-\nsanteste am ganzen Stücke, von der Tenor-Lage aus auch die mitt-\nlere und höchste passirt hat, kommt zu guter Letzt am Schlüsse\nzum Thema noch eine reiche Figuration für beide Hände, deren\nsaubere Ausführung nur wenigen Dilettanten gelingen dürfte. An-\ngenehm ist, dass zu den 24 Sechszehnteln der linken Hand meist\n48 Zweiunddreissigstel in der rechten kommen. (Sieben bedruckte\nSeiten.) 15 Sgr.\n2. Op. 37. „Aux Bords du Missisippi\", Morceau caracteristique.\n15 Sgr. Circa sieben bedruckte Seiten. Ein zuckersüsses Salon-\nThema mit noch weichlicheren Salon-Variationen. Die Begleitung\nin Achteln beginnend und mit Zweiunddreissig-Theilen endigend.\nWollüstiges Tasten-Gestreichel, Gekribbel und Gewimmel, das in\nnichtssagendem Geklingel ppp una Cordci sin9 al Fine ermattend\nermattet. Wahres Gift für Mädchen-Institute. Unserer Ueberzeu-\ngung nach gibt es auch entsittlichende Musik; die hier angezeigte\ngehört dazu»\n\n*) Wir haben diese Artikel desshalb aufgenommen, weil es sich\ndabei mehr um die Sache handelt, als um die Personen, und\njede Controverse über verschiedene Lesarten in den Werken\nBeethoven's Beachtung verdient. So wünschenswerth die wohl-\nfeile Verbreitung der Classiker ist, so berechtigt sind dage-\ngen auch die Ansprüche des Publicums darauf, dass die\nneuesten Ausgaben auch den richtigsten Text liefern.\nJeder Beitrag zur Feststellung desselben wird daher dem ge-\nwissenhaften Verleger stets willkommen sein. Ueber die Ein-\nrichtung und die mannigfachen Vorzüge der Ausgaben des\nHerrn G. F. L. Holle werden wir nächstens ausführlicher\nsprechen. Die Red ac tion."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "330", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561011-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3360, "texte": "3. Op. 38. Illuslralions de VOpera de G. Verdi „II Trovatore\".\n15 Sgr. Und wieder auf genau sieben Seiten einiges Salon-Ge-\nschwätz, im anfangend und in\nendigend.\nE. M. Arndt hat Recht, wenn er im zweiten Bande seines\nBuches „über Menschenbildung\" hinsichtlich der Musik sagt: „Von\nallen Musenkünsten greift keine so sehr das Selige und Innerste\ndes Gemüthes an, als die Musik; keine ist also gefährlicher. Ich\nsehe es immer mit Angst und Mitleid, wenn ein Knabe oder Mäd-\nchen in diese gefährliche Kunst eingeweiht werden soll, weil ich\nsehe, was die meisten, so sie üben, für Menschen sind. Weil\nsie nie bis zum einfachen Maasse des Schönen drangen, das vor\nallen Künsten klar in der Musik liegen muss; weil sie alle Töne\nmehr als Nervenkitzler und Empfindungs-Erreger, denn als\norpheische Anklänge und Ueberklänge zum grossen Weltmaasse\nbrauchen lernten, so mussten es freilich mürbe, flatterhafte und\nseichte Gesellen werden, welchen für die Schönheit des Weltalls\nund für den Zauber aller anderen Künste durch das ewige Ge-\nklimper doch nie die Brust aufgeschlossen ward. Und wel-\nchen Händen übergibt man die Jugend? Meistens kümmerlichen\nStümpern, die in ihrer Kunst höchstens Handfertigkeit haben,\naber mit dem Zeitalter in dem weichlichen und weinerlichen Ge-\nklingel und in allen den flachen Mode-Tönen des Tages leben, die\nfast nie, auch wenn sie die edleren Werke der Tonkunst fühlen\nkönnen, eine Idee haben von dem Reinsittlichen und Schö-\nnen, das in ihr liegt.u\nVincent Adler, Op. 1, Deux Impromptus. Berlin,\nbei Schlesinger. 17 x/i Sgr.— Op. 2, Styrienne.\nEbend. 15 Sgr. Op. 3, Danse Bohemienne.\nEbend. 17 % Sgr. Op. 4, Grande Etüde.\nEbend. 15 Sgr.\nWir haben es hier mit einem musicalischen Gesinnungsgenos-\nsen Alfred Jaell's zu thun, nur dass Herr Vincent Adler in den\nvorliegenden Compositionen noch nicht so bodenlos weich lind\nraffinirt ist.\nOp. 1. Nr. 1, As-dur, 3/4-Tact, ist ein artiger, gefälliger Wal-\nzer, reichlich mit Arpeggio-Figuren gespickt. Nr. 2, La petite\nMendiante (Die kleine Bettlerin), ist, wenn auch etwas eintönig, ein\nanziehendes, charakteristisches Stückchen, dem aber auch folgender,\nleicht erkennbarer Zug nicht fehlt:\nOp. 2. Styrienne. Ein Walzer in A-dur, dem es an Arpeggien,\ndie Herr Adler sehr zu lieben scheint, und an coquettem Finger-\nspiel nicht fehlt, so dass man den Spieler nicht nur hören, sondern\nauch sehen muss, wie er die Arme so graziös überzuschlagen\nversteht u. s. w.\nOp. 3 (fünf bedruckte Seiten wieder (ür 171 Sgr.).\nquasi Introdmione, Ges-dur,z. B:\nDer Uebergang zum Vivace ist nicht uninteressant. Denkt man sich\nkurz vor dem Schlüsse einige unvermeidliche chromatische\nBravour-Gänge hinzu, so ist im Wesentlichen in folgenden acht\nTacten der Inhalt des Stückes wiedergegeben:\nOp. 4 (Stephen Heller gewidmet) mag immerhin als „Uebung\"\n(namentlich für die rechte Hand) gelten, erscheint aber doch for-\ncirt und unschön, keineswegs als im Heller'schen Geiste ge-\nschrieben.\nDagegen bietet Stephen Heller in seinen Feuillets d'Album,\nOp. 83 (Schlesinger, 1 Tblr.), wieder poetische, melodiöse, instru-\nmentgemässe, dabei nicht schwierige und zugleich instructive Stücke\n(z. B. im Ständchen Nr. 5, wo zu dem Legato der rechten die linke\nHand Staccalo hat), die nach der frivolen Musik jener Salon-Her-\nren eine wahre Erquickung sind. Und damit wollen wir denn\nauch für diesmal abschliessen.\n111-"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-10-11-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-10-11_01#c017", "volume": "bmtnabi_1856-10-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "330", "page_fin": "332", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561011-01.2.4", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "330", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561011-01.1.6", "debut_caractere": 3362, "fin_caractere_exclue": 4953, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKfr'ln. Herr Musik-Director Rein thaler ist nach Erfurt,\nseiner Geburtsstadt, gereis't, um dort am 15. d. Mts. die Auffüh-\nrung seines Oratoriums Jephta und seine Tochter zu diri-\ngiren.\nZu demjenigen Concerte des Musik-Vereins in Hamburg, in\nwelchem Beethoven's neunte Sinfonie diesen Winter aufgeführt\nwerden soll, hat Herr Capellmeister Otten, unter dessen Direction\njene Concerte Statt finden, bereits jetzt Herrn M. DuMont-Fier\ndurch eine in sehr schmeichelhaften Ausdrücken abgefasste und\ndurch den Vortrag der Bass-Partie durch den gedachten Sänger\nbei dem letzten Musikfeste in Düsseldorf motivirte Einladung zur\nMitwirkung ersucht: - ein neuer Beweis (wenn es dessen be-\ndürfte!), in wie diametralem Widerspruche das schroffe, höchst ein-\nseitige und dabei lieblose Urtheil des Referenten der ~Grenzbot-\nen\" über die Leistungen dieses vorzüglichen Sängers an jenem\nMusikftste nicht nur mit dem Publicum, sondern auch mit allen\nwirklichen Kennern der Gesangeskunst steht. Abgesehen von der\nbeispiellosen Anmaassung des Herrn Referenten, nach einmaligem\nHören auch über alle früheren Leistungen des Künstlers\nabzusprechen, trotz der anerkennendsten Urlheile von Männern wie\nB. Klein, F. Ries, Friedr. Schneider, C. Kreutzer, F. Mendelssohn,\nH. Marschner u. s. w. in Deutschland, und sämmtlieher kritischer\nund künstlerischer Autoritäten in London und Paris (von denen\nwir in Paris nur Halevy, Panseron und Rossini anführen wollen,\ndie doch schwerlich der Belehrung des Grenzboten-Referenten über\nGesang bedürfen); abgesehen davon, so wie von der naiven"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "331", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561011-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6998, "texte": "Vornehmtbuerei, von einer „durch lebhaftes Interesse für Musik\nund überall bereitwilliges Eintreten verdienten localen Berühmt-\nheil\" zu sprechen bei einem in jeder Hinsicht höchst ehrenwerthen\nDilettanten, der in den Hauptstädten der gebildetsten Nationen\nAufsehen gemacht hat: müssen wir mit Bedauern aussprechen,\ndass, so hoch wir die Forschungen von Otto Jahn über Mozart's\nLeben und Werke und deren Resultat achten, dennoch seine Auto-\nrität als Kritiker künstlerischer Leistungen durch den gedachten\nBericht in den „Grenzboten\" einen grossen Stoss erlitten hat, und\nzwar nicht nur durch seinen Tadel und dessen Formen, sondern\neben so sehr durch sein Lob, durch die Art und Weise, mit wel-\ncher er die schwache Leistung des Herrn Stockhausen im „Elias\"\nzu einem Typus der vollendeten Charakteristik zu stempeln bemüht\nist. Eine würdigere Aufgabe für den gegenwärtigen Biographen\nMozart's und den künftigen Beethoven's dürfte es gewesen sein,\ndie Ailegro-Sätze der neunten Sinfonie und der Ouvertüre zur\nZauberflöte vor Misshandlung durch die Tempi einer Hetzjagd zu\nw;ahren. Darüber schlüpft jedoch der gedachte Bericht mit kaum\nfühlbarer Berührung dieser heutzutage gar sehr wichtigen Sache\nhinweg.\n**Nach einer Notiz in der leipziger Neuen Zeitschrift beabsichtigt\nHerr v. Wasielewski, eine Biographie Hob. Schumann's\nund Charakteristik seiner Werke zu schreiben. Es ist doch son-\nderbar, wie so manchen bedeutenden Mann ein unabwendbares\nMissgeschick selbst noch nach dem Tode verfolgt!\nBei der Einweihung der Constantinischen Basilica in Trier\nzur evangelischen Kirche zum Erlöser, verherrlicht durch Ge-\ngenwart Sr. Majestät des Königs und des Prinzen von Preussen\nKöniglicher Hoheit, war der musicalische Theil der Feierlichkeit\nvon grosser Wirkung. Die neue Orgel, gebaut von Ad. Ibach\nSöhne in Barmen, war in der kurzen Zeit von acht Monaten be-\nreits in der Hälfte der sechszig Stimmen, auf welche sie berechnet\nist, fertig und entfaltete unter den künstlerischen Händen des Herrn\nvan Eyken aus Elberfeld ihre majestätischen Klänge. Der Gesang\nwährend der Liturgie und der Weihe der Kirche wurde theils\ndurch die Militärsänger von Coblenz, unter Leitung von Wagner,\ntheils und hauptsächlich durch die Dom-Capelle Sr. Majestät des\nKönigs (eine Auswahl der sechszehn vortrefflichsten Stimmen aus\ndem berliner Dom-Chor) unter dem würdigen Neithardt ausge-\nführt. Wir hörten diesen Domsänger-Chor hier zum ersten Male an\nheiliger Stelle und in der Function seiner eigentlichen Bestimmung,\nund haben nie einen erhebenderen Kirchengesang vernommen.\nDiese herrlichen Sopran- und Altstimmen, deren eigenthümlicher\nKlang tief zum Herzen dringt, diese schönen Tenöre und sonoren\nBässe (wir hörten nicht nur das tiefe C in voller Tonschwingung,\nsondern sogar das und As) und dazu der genau studirte\nund seelenvoll ausgeführte Vortrag schöner Compositionen, nament-\nlich des 84. Psalms von Grell und der grossen Doxologie von\nBortnianski, machten einen schwer zu beschreibenden Ein-\ndruck. In solcher Vollkommenheit ausgeführt, ist allerdings die\nreine Vocalmusik die angemessenste für den Gottesdienst, aber auch\nnur dann; wo hingegen die vollkommen reine Intonation und der\nwirklich künstlerische Vortrag fehlen, ist ein so genannter kirch-\nlicher Gesang mehr störend, als zur Andacht erhebend. Uebrigens\nkann bei allen, die nicht in Vorurtheilen befangen sind, keine\nFrage darüber sein, dass die Würde der Kirchenmusik nicht in\nden Mitteln der Ausführung, sondern im Inhalt des Musik-\nstückes, im Charakter der Composition liegt; und so thaten denn\nauch am Schlüsse der Feierlichkeit in Trier, als der Chor den am-\nbrosianischen Lobgesang intonirte, der Hinzutritt der Orgel, Trom-\npeten, Posaunen und Pauken dem erhabenen Eindruck der allen\nkirchlichen Weise wahrlich keinen Abbruch, sondern sie erhöh-\nten ihn. L. B.\n> ■ - ' * t lx •\n*** Frankfurt am Main« Unter den Musikern von mehr\noder weniger künstlerischer Bedeutung, die in der abgewichenen\nSommerzeit unserer freundlichen Mainstadt einen kurzen Besuch\ngemacht, ragt wohl Herr Karl Halle am meisten hervor. Herr\nHalle ein Westfale —, in Paris gebildet, hat bekanntlich seit\nmehreren Jahren in Manchester als Dirigent und Lehrer einen in\nEngland bevorzugten Wirkungskreis gefunden, von wo aus er in\njeder Saison auch in London eine Reihe von Vorträgen veranstal-\ntet. Er ist Virtuose im besten Sinne, indem er nur der gediegenen\nCiaviermusik huldigt und selbe ausschliesslich zu Gehör bringt.\nSein vieljähriger Verkehr mit Chopin lehrte ihn zugleich mit dem\nGeiste seiner Compositionen auch das Pianoforte in echt künstleri-\nscher Weise behandeln, so dass er im modernen Virtuosen-Ge-\nschlechte wohl nur wenige Rivalen finden dürfte* Unter seiner\nHand singt Alles, die Passage wie die Cantilene. Man ist daher nur\ngerecht, sein Spiel als ein höchst gediegenes und darum empfeh-\nlenswerthes Muster anzuerkennen. Er erfreute hier einige Kreise\nmit Werken verschiedener Meister, wobei lebhaft ausgesprochen\nwurde, dass dem vertrackten, entweder geklimperten oder geschla-\ngenen Ciavierspiele vielleicht nachhaltig entgegengewirkt werden\nkönnte, wenn nur einige Künstler von echtem Schrot und Korn,\nwie Herr Halle, den Continent bereisen wollten. Wir sehen in un-\nseren Tagen nach verschiedenen Seiten hin geistliche Missionen\ndie Länder durchziehen: warum nicht auch künstlerische? In\nKunstsachen ist dermal die Noth eben so geboten, wie in kirch-\nlichen. Eine Vereinigung von Männern, die es mit der Besserung\ndes Geschmacks, überhaupt mit der Kunst-Mora 1, redlich meinen,\nkönnte nur segensreiche Wirkungen erzeugen, bestände auch der\npositive Gewinn vor der Hand in nichts Anderem, als in Belehrung\nund Ueberzeugung der Kunstrichterschar, was eine wahrhaft schöne\nund in jeder Beziehung zu lobende Kunstleistung in Ciaviermusik\nzu nennen sei. Könnte dieser Zweck erreicht werden, noch Wei-\nteres wäre damit gewonnen.\n„Polyphem\" oder „Ein Abenteurer auf x\\lartinique\", komische\nOper in vier Acten von P. F. Trautmann, Musik von Capellmeister\nRichard Genee, ist in Elbing am 20. September von der\n„danziger\" Gesellschaft, wie danziger Blätter melden, zum ersten\nMale mit überraschendem Glück gegeben worden.\nDie Gesanglehrerin Frau Cornet und Herr Dr. Töpfer be-\nabsichtigen in Hamburg die Gründung einer Anstalt, in welcher\njunge Talente für die Oper gebildet werden sollen.\nFlotow arbeitet an einer neuen Oper, deren Stoff der meck-\nlenburgischen Geschichte entnommen ist.\nIlresden. Der hiesige Tonkünstler- Ver ein bat am 22.\nSeptember eine Gedächtnissfeier für Robert Schumann (geb.\nzu Zwickau den 5. Juni 1810) veranstaltet. Das Programm enthielt:\n1) Prolog von Dr. Lindner; 2) Sonate in Fis-moll, Op. 11 (Flore-\nstan und Eusebius); 3) Lieder: „Dein Angesicht\" (Op. 127, 2) und\n„Mondnacht\" (Op. 39, 5); 4) Quartetf für Violine u. s. w. in A-\nmoll (Op. 41, 1), gespielt von den Herren Hüllweck, Körner, Gö*\nring, C. Kummer; ö) Andante und Variationen für zwei Pianoforte\nin B-dur (Op. 16), gespielt von den Herren Blassmann und Weh-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "332", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561011-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4041, "texte": "ner; 6) Requiem: „Ruh' von schmerzensreichen Mühen\", aus Op.\n90, Nr, 7 s'ämmtlich Compositionen von R. Schumann.\nAlle harn burger Blätter sprechen sich höchst günstig über\ndas Auftreten der Fräul. Nina Hartmann aus Köln aus. So\nheisst es z. B. in der Theater-Chronik von H. Meyer: „Wahrhaft\nim Sturm errang sich Fräul. Hartmann die Gunst des Publicums.\nSie ist eine Schülerin des Gesanglehrers E. Koch in Köln. Eine\nganz vortreffliche Schule, correcter, frischer Gesang, herrliche Be-\nnutzung der zu Gebote stehenden Mittel, tadelloser Vortrag wirk-\nten so sehr zusammen, dass wir ihre Leistung als Adalgisa fast\nals die beste des Abends bezeichnen möchten. Nur das Spiel lässt\nfreilich noch viel zu wünschen übrig; indess das wird eifriges Stu-\ndium bald ausgleichen/4\nWien« Vor einigen Monaten starb hier Joseph Früh wald,\nk. k. Hofcapell-Sänger, Hof-Musik-Archivar und Subcantor an der\nDomkirche zu Sanct Stephan. Er war den 19. Januar 1783 zu\nHöhenbach in Nieder-Oesterreich geboren, eines Bauers Sohn,\nzeichnete sich früher als Sänger und bis in seine letzten Jahre als\ntrefflicher Gesanglehrer aus. Mit ihm ist ein würdiger Ueberrest\njener echten kunstgemässen Gesangbildung, die leider immer selte-\nner wird, zu Grabe gegangen.\nDie Pressburger Zeitung, Nr. 201, bringt Folgendes: Die\nMozartfeier in Salzburg gibt uns Veranlassung, unseren Lesern\nmitzutheilen, dass sich seit Kurzem ein höchst werthvolles Manu-\nscript dieses Meisters in unserer Stadt befindet. Es ist die Origi-\nnal-Partitur zu „Le 7iozze de Figaro\" (Figaro's Hochzeit von Mo-\nzart), ein Eigenthum des Herrn Volkmar Schur ig, welcher\nvon Dresden an die hiesige evangelische Gemeinde als Cantor und\nOrganist berufen wurde.\nLiszt's Einweihungs-Messe wurde verflossenen Sonntag (28,\nSeptember) in Prag aufgeführt.\nBrüssel, 6. Oct. . Der hochverdiente Director des hiesigen\nConservatoriums für Musik, Herr Fetis, hat heute seinen 72. Ge-\nburtstag und damit zugleich den 50. Jahrestag seiner Verheirathung\ngefeiert. Um 11 Uhr früh ward eine von dem berühmten Jubilar\nim Jahre 1810 componirte Messe in der Sablon-Kirche von den\nausgezeichnetsten Mitgliedern des von ihm seit 1831 geleiteten In-\nstitutes aufgeführt, in Gegenwart des Jubelpaares und alles dessen,\nwas unsere Stadt an hervorragenden Grössen in Kunst, Wissen-\nschaft und Gesellschaft besitzt. Im Vorhofe des Conservatoriums\nversammelten sich von Neuem alle die, welche der Messe beige-\nwohnt, um die Enthüllung der Erz-Statue Felis' anzusehen, welche\nzur ewigen Erinnerung an ihn, den Gründer und ersten Leiter\ndieser A hier aufgestellt worden ist. Herr Quelus, einer der\nProfessoren des Conservatoriums, hielt eine angemessene, tiefge-\nfühlte Rede, in welcher er in allgemeinen Umrissen die künstleri-\nsche Laufbahn des Gefeierten schilderte und die Verdienste her-\nvorhob, welche die Musik im Allgemeinen und die Erfolge dersel-\nben in unserem Lande im Besondern ihm verdankt. Als darauf\nUnter den Klängen des Gretry'schen Liedes: „Oü peut-on etre\nmieuxa, der verhüllende Vorhang fiel und das von Herrn Geefs\nausgeführte Standbild des würdigen Greises auf diesen selbst, der\ntief ergriffen daneben stand, herniederblickte, da durchbrach ein\nmächtiger Jubclruf der Versammelten die Luft.\nl\"aris Fräul. Hamackers, eine Niederländerin, ist in der\ngrossen Oper als Mathilde in Rossini's Teil aufgetreten. Stimme\nund Erscheinung sind schön, allein der Gesang bedarf noch sehr\nder Studien.\nDie italiänische Oper ward mit Rossini's Cenereniola (Mad.\nA 1 bon i) wieder eröffnet.\nDas Buch der Operette, welches den sechs erwählten Bewer-\nbern um den Preis, den J. Offenbach ausgesetzt hat, zur Compo-\nsition vorgelegt ist, heisst Le Docteur miracle (der Wunder-Doctor).\nRussland hat seinen ersten Kunst-Mäcen verloren ; am 9. Sep-\ntember starb in Moskau während der Krönungs-Feierlichkeiten Graf\nMichael Wilhorski. Der Graf war sowohl seiner Natur als\nseines Talentes zufolge ein wahrer Künstler. Alle auswärtigen wie\ninländischen Musiker fanden stets in den gastfreien Salons des rei-\nchen Mäcen die beste Aufnahme."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "325", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561011-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nEntgegnung auf den Protest des Herrn Mortier de Fontaine. Von H. W. Stolze. - Claviermusik (H. Cramer-Alfred\ninpil _ Vinc Adler —St Heller). Tages- und Un terh alt un gs bI att (Köln, Reinthaler, M. DuMont-Fier und die „brenzboten\n-1 Trier Einweihung der Basilica - Frankfurt am Main, Karl Halle - Dresden, Gedächtnissfeier für R. Schumann - Hamburg Fr.\nNina Hartmann - Wien, J. Frühwald f, Original-Partitur von Mozart's Figaro - Brüssel, Jubiläum von fr etis Paris —M. W llhorski t).\n\nEntgegnung\nauf den Protest des Herrn Mortier de Fontaine.\n\nIn Nr. 36 der Niederrheinischen Musik-Zeitung vom\n6. September d. J. findet sich unter dem Titel „ Protestu\neine scharfe Kritik der zweiten, verbesserten und von mir\nrevidirten Stereotyp-Ausgabe von L. van Beethoven's letz-\nten Clavier-Sonaten (bei L. Holle zu Wolfenbüttel).\nEs kann keinem wahrhaft gebildeten Tonkünstler ein-\nfallen, auch nur ein Pünktchen in den Beethoven'schen\nCompositionen vorsätzlich ändern oder entstellen zu wol-\nlen. Wenn daher in der von mir revidirten Ausgabe Fehler\nvorkommen, so versteht es sich zunächst von selbst, dass\ndiese Fehler nicht „vorsätzliche Aenderungen Entstellun-\ngen— geflissentliche Auslassungen\" und wie die starken\nAusdrücke des Herrn Mortier de Fontaine von Moskau aus\nweiter lauten, genannt werden können.\nDer einzige gegründete Vorwurf, den man mir machen\nkönnte, ist der: Warum hast du bei deiner Revision nicht\ndie Original-Ausgabe von allen Sonaten in Besitz gehabt?\nDie Revision ist meist geschehen nach der Schlesinger'schen\nAusgabe, von der ja selbst Herr M. de Fontaine zugesteht,\ndass sie „allen anderen\" vorzuziehen ist. Wiewohl ich nun\nzwar der Meinung bin, Beethoven sei so gross, dass selbst\neine neueste Schule ihn nie und nimmer von seiner Höhe\nherunterstossen könne, viel weniger eine von einem seiner\ntreuesten Verehrer revidirte Ausgabe seiner letzten Sona-\nten, in der einige Fehler stehen geblieben sind, so bin ich\nes doch der musicalischen Welt schuldig, näher auf die\nvon mir revidirte Ausgabe und auf den Protest des Herrn\nM. de Fontaine einzugehen.\nNachdem die erste Auflage der Beethoven'schen 32\nClavier-Sonaten bei Holle in Wolfenbüttel vor einigen Jah-\nren erschienen war und durch ihren wohlfeilen Preis sich\nschnell verbreitete, hatte ich Gelegenheit, mich bald davon\nzu überzeugen, dass viele Druckfehler die sonst recht gut\nausgestattete Ausgabe verunstalteten. Ich machte mündlich\nbei einer Reise durch Wolfenbüttel den mir bekannten\nVerleger darauf aufmerksam; und da derselbe behauptete,\ndie Correctur schon durch einige Sachkenner be-\nsorgt zu haben, so erbot ich mich, zum Beweise meines\nan ihn gerichteten Tadels, die ersten zwei Sonaten ordent-\nlich corrigiren zu wollen, worauf ich denn auch bald den\nAuftrag erhielt, die ganze Sammlung auf diese Art\nzu revidiren.\nMit wahrer Lust und Liebe ging ich daran, die mir so\nlieb gewordenen Sonaten von allen Fehlern zu reinigen,\num dadurch zur guten Sache mit beitragen zu können.\nOhne irgend ein Honorar in Anspruch zu nehmen, erhielt\nich die Zusicherung von einigen Frei-Exemplaren. Noch\nehe ich aber mit dieser herculischen Arbeit zu Ende kam,\nwar der Verleger genöthigt worden, wegen der vielen\nNachfragen und wegen des Absatzes mehrerer Hefte eine\nzweite Auflage zu veranstalten, in die meine Verbesserun-\ngen noch nicht hatten aufgenommen werden können. In\nden Heften, in welche diese mit aufgenommen wurden,\nward eine besondere Notiz davon auf dem Titelblatte bei-\nge,ügt .. • .. 1 y V\nEine ähnliche Revision ward auch später der bereits\ngedruckten ersten Ausgabe derselben Verlagshandlung von\nMozart's Ciavierwerken in zwei Bänden zu Theil.\nWas nun Beethoven's grosse J.-ciwr-Sonate, Op. 101,\nbetrifft, über welche Herr M. de Fontaine zuerst sich so\nheftig gegen mich ereifert, so kann ich nur darauf hinwei-\nsen, dass der Titel dieser Sonate nur angibt: „ Metronomi-\nsirt von J. Moscheies.\" Dass ich eine Revision dieser So-\nnate vorgenommen hätte, ist nirgends gesagt. Die hierbei\nso scharf gerügten Mängel und Fehler und deren sind"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "326", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561011-01.1.2", "texte": "neunzehn aufgelührt können mithin mir gar nicht zur\nLast gelegt werden, eben so die noch stehen gebliebenen\nFehler in den von mir bereits revidirten und gedruckten\nHeften dieser zweiten Aullage, weil ich von letzteren nach\nder Zeit keine Exemplare zur Durchsicht erhalten habe.\nDer Verleger aber wird hoffentlich Alles aufbieten, seine\nAusgaben künftig auf das correcteste zu liefern, und hierzu\nhabe ich ihm die noch nachträglich aufgefundenen Fehler\nzur Abänderung notirt.\nZu der Sonate Op. 101 wieder zurückkehrend, so\nglaube ich der Entgegnung auf die vielen dabei gerügten\nMängel nach dem vorhin Gesagten überhoben zu sein. Nur\nEines erlaube ich mir anzuführen, wogegen ein Zweifel er-\nhoben werden kann. Den Bass Seite 2, Zeile 8,\nTact 8 und 9 (nicht, wie steht, S. 3) hier auf der Domi-\nnante und später S. 3, Z. 10, T. 1 und 2 auf der To-\nnica (a e gis) und in Noten so:\nkann schwerlich Beethoven's Absicht gewesen sein, bei -f- -f-\n-mit ehe zu setzen, auch wenn die Original-Ausgabe so\nzeigt, da dergleichen bei Beethoven nie vorkommt.\nIch wende mich nun zu den Sonaten Op. 106, 109,\n110 und 111, die alle auf dem Titel mit meinem Namen\n„revidirt\" verzeichnet und metronomisirt von J. Moscheies\nstehen.\nDie Sonate Op. 109 in E-dur ist nach der voa J. P.\nSpehr in Braunschweig erschienenen neuesten Ausgabe von\ndem Verleger Holle in Wolfenbüttel abgedruckt worden,\nda die wiener Original-Ausgabe nicht aufzutreiben gewe-\nsen war, die bei den Sonaten Op. 110 und 111 benutzt\nund zu Grunde gelegt worden ist.\nDie Fehler der sonst ziemlich correcten Spehr'schen\nAusgabe, die sich grösstenteils auch hier wiederfinden,\nsind also keine Zusätze und dergleichen vorsätzliche Abän-\nderungen von mir, wie sie mir der Schreiber des Protestes\nzur Last legt. So ist: 1) das S. 2, T. 5 und S. 3, Z. 11\nund 12 (soll wohl heissen Z. 9 und 10), T. 1 hinzuge-\nsetzte Crescendo schon in der Spehr'schen Ausgabe aufzu-\nfinden; eben so 2) das auf S. 3, Z. 3 und 4 (soll wohl\nheissen Z. 7und 8, wo erst ein vorkommt) ange-\nbrachte fstatt p; 3) das dis 5.3, Z. 1, T. 1 als Quinte\nist wohl von Beethoven gesetzt worden, wie gewiss ange-\nnommen werden kann, da die Folge dieser Accorde deut-\nlich zeigt, dass gerade an dieser Stelle die Quinte nicht\nfehlen solle, da gar kein Grund dazu vorhanden war, die\nnatürliche Folge zu unterbrechen. Dieses sowohl, wie 4)\nS. 3, Z. 3 und 4, T. 6 (wo übrigens der Secunden-Accord\nsich ganz natürlich in den Sexten-Accord auflöset) ist nur\nals ein Irrthum des Herrn M. de Fontaine anzusehen. 5)\nDie auf S. 10 gerügte unklare italiänische Uebersetzung\nzur vierten Variation des „etwas langsamer als das Thema\",\nso wie die 6) auf S. 11, Z. 1 und 2, T, 3 und Z. 3 und\n4, T. 1 gerügte, Quintenfolgen erzeugende Entstellung\nist ebenfalls dort in genannter Ausgabe zu finden. Wie es\nim Original heisst, kann ich natürlicher Weise nicht wis-\nsen, da mir dasselbe nicht vorliegt; aber um die Quinten-\nfolgen wegzuschaffen, brauchte nur die Figur des Basses\n5. 11, Z. 4, T. 1, statt so:\nIn dieser Sonate ist also von den sechs Fehlern kein einzi-\nger, der mir zur Last gelegt werden könnte.\nDie Sonate in As-duv, Op. 110, ist vom Verleger\nnach der Original-Ausgabe, Wien, bei Haslinger gedruckt,\nund mit der von Schlesinger in Berlin, die auch die Bemer-\nkung der „einzig rechtmässigen Original-Ausgabe\" trägt,\nverglichen worden. Es haben sich freilich drei Fehler ein-\ngeschlichen, die mir bei der Correctur durchgeschlüpft\nsind, was mir um so mehr leid thut, da sie jetzt mir als\n„vorsätzliche Veränderungen\" aufgebürdet werden. Es\nsind: 7) zu Anfange T. 4 beim Ruhezeichen, wo ohen in\nder zweiten Stimme ein unrichtiges b stehen geblieben ist."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "327", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561011-01.1.3", "texte": "was gheissen muss; 8) hingegen das zugesetzte S. 3,\nZ. 8, T. 1 kann schon aus der Schlesinger'schen Ausgabe\nersehen werden, wo es Pag. 4. Z. 8, T. 2 auch steht und\nfolglich kein Zusatz von mir ist. 9) S, 5, Z. 13 und 14,\nT. 3 ist weiter nichts als ein in der Correctur übersehener\nfalscher Quartsexten-Accord, statt eines Dreiklanges. 10)\nWas aber das d statt des auf S. 7, Z. 5, T. 5 und S. 8,\nZ. 9, T. 5 betrifft, so gibt Herr M. de Fontaine doch\nselbst zu, dass dies von Beethoven Abweichendes wäre; es\nist daher um so mehr zu entschuldigen, wenn ich das lei-\ntereigene des wählte, da ich das abweichende immer auch\nfür einen Druckfehler der Original-Ausgabe halten konnte.\nMan urtheile selbst:\nHätte mir, wie jetzt, damals die wiener Original-Ausgabe\nauch vorgelegen, so würde ich das des entschieden verwor-\nfen haben.\nDie Sonate Op. 111, C-moll, betreffend, so ist diese\nebenfalls auch nach der Haslinger'schen Original-Ausgabe\nabgedruckt, aber nur nach der ebenfalls „einzig rechtmäs-\nsigen Original-Ausgabe von Schlesinger in Berlin\" revidirt\nworden. Es findet sich hier mit Kecht monirt: 11) die auf\nS 2 T. 1 und 8 entstellten Accorde, wo das mit\n• 7\nverwechselt worden ist, was aber bei der Correctur wegen\nder Aehnlichkeit der Figuren übersehen worden, und\nschwerlich auf Rechnung von vorsätzlicher Entstellung zu\nbringen ist. Hingegen sind 12) die S. 5 gerügten unge-\nhörigen Vortragszeichen ==- alle sowohl in der\nwiener als in der berliner Ausgabe zu finden. 13) Endlich\n„wären noch kleinere Fehler im zweiten und letzteren\nSatze, welche bei Vorlage der Original-Ausgabe theilweise\nbeseitigt werden könnten.\" Welche Fehler dieses wären,\ndas wird nicht erwähnt. Wahrscheinlich erstrecken sich die-\nselben auf die allerdings manchmal unrichtig gesetzten vie-\nlen kleinen Bindebogen, deren zuweilen drei und vier zu-\ngleich vorkommen und nicht immer egal zu den Noten ge-\ndruckt sind. Diese stehen gebliebenen und nicht nach mei-\nner Correctur abgeänderten Mängel werden hoffentlich\nbeim künftigen Abdruck verschwinden.\nWas nun endlich noch die Sonate in Op. 106,\nbetrifft, so hat sie der Herausgeber Holle nach der bei\nSpehr in Braunschweig edirten Ausgabe, die von J. Mo-\nscheies metronomisirt sein soll (wie der Titel auch hier\nzeigt), abgedruckt, und es findet sich monirt: 14) die Metro-\nnom-Bezeichnung des ersten Satzes Allegro mit J = 138,\nstatt J= 138, steht in besagter Ausgabe schon, und\nHerr M. de Fontaine tastet sonderbarer Weise nicht Herrn\nProfessor J. Moscheies, sondern mich desshalb an. 15) Die\ngerügten kleinen Noten-Intervalle, die S. 6, Z. 13, 1. 5\nund 7 zu grossen erhoben wären, sind ebenfalls in besag-\nter Ausgabe schon, und sind wie 16) die Verwechslungen\nvon ganzen mit halben Noten (Schlägen), S. 6, Z. 11, T.\n5 und S. 10, Z. 1, T. 5, auch in jener Ausgabe schon,\nkeine Zusätze von mir. Was aber 17) die unrichtigen\nSetzungen des Octaven-Zeichens S. 7, Z. 7, 1. 2 und S.\n8, Z. 2, T. 4 betrifft, so sind hier gar keine solche Zei-\nchen anzutreffen, und es ist das Sündenregister, wie schon\nmehrere Male der Fall war, irrthümlich von Herrn M. de\nFontaine vermehrt worden. Dahingegen ist 18) unter auf-\nfallenden Fälschungen bezeichnet S. 8, Z. 8, T. 6, wo die\nerste Note h, statt c, im Bass durch ein Versehen gesetzt\nist, und 19) S. 9, Z. 10, T. 5 die Stelle:\nirrthümlich anders gedruckt, was sich bei Vorlage der Ori-\nginal-Ausgabe nicht ereignet hätte. 20) Das Scherzo steht\nin der zum Grunde gelegten Spehr'schen Ausgabe eben-\nfalls hier nach dem Adagio, so wie 21) die Metronomisi-\nrung desselben S. 20 nach J. Moscheies mit J— 132 ge-\nblieben war. Dass dieselbe aber nach Beethoven J = 80\nsein soll, ist jetzt notirt worden. 22) Dass ferner der Ada-\ngio-Bezeichnung S. 12 noch sostenuto fehle, konnte aus\nder braunschweiger Ausgabe nicht ersehen werden. 23)\nDie ersonnen sein sollenden Correcturen S. 13, Z. 12, T.\n3 und S. 17, Z. 12, T. 3 finden sich auch schon in be-\nsagter Spehr'scher Ausgabe. Bei ersterer Stelle ist nichts\ndazu gekommen, und es ist hier auch nichts Auffallendes\nzu finden; hingegen bei letzterer ist vor dem ersten em\nfehlendes $ und beim zweiten gleich darauf folgenden e ein\ntj hinzugefügt worden. Worin nun die hier ersonneneir\nCorrecturen bestehen sollen, ist mir nicht klar geworden."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "328", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561011-01.1.4", "texte": "24) Das geschmacklose Verbrämen S. 16, Z. 7 besteht\nin einem Zusatz von einem Triller, den schon die Spehr'-\nsche Ausgabe zeigt. 25) Die im Tacte 2, Seite 14, Zeile\n3 und 4, so wie Seite 18, Zeile 3 und 4, Tact 3\nverwischten Synkopen sind nur durch einen Irrthum ent-\nstanden, der bei Vorlage einer Original-Ausgabe ausser al-\nlem Zweifel gewesen wäre. 26) Das kleine Largo auf S.\n24, das nach dem Adagio, also vor dem Scherzo, stehen\nmüsse, findet sich ebenfalls in jener von Moscheies metro-\nnomisirten braunschweiger Ausgabe. Da in derselben nun\ndie Metronom-Bezeichnung auf J = 76 verzeichnet steht,\nso nahm ich es als Druckfehler an und setzte 76;\ndass es nun sogar h = 76 heissen solle, konnte ich, ohne\ndie Original-Ausgabe zur Einsicht zu haben und ohne auch\ndie hier fehlende italiänische Bemerkung zu kennen, nicht\nahnen. Alles ist bis auf die Versetzung der Sätze, die einen\nganzen Umdruck zur Folge hätte, in Ordnung gebracht.\nWessen Schuld diese hier gemachten Abänderungen sind,\nkann ich nicht wissen; so viel ist aber gewiss, dass sie mir\nnicht beigemessen werden dürfen.\n27) Die letzte und heftigste Beschuldigung betrifft\nmich nun allerdings. S. 25, Z. 11, T. 5 und Z. 13, T. 1\nund 2, in der schon genannten, von Moscheies metronomi-\nsirten Ausgabe ist die ursprüngliche Stelle, S. 21, Z. 8,\nT. 3, 4 und 5, so:\ndies muss mir den Beweis liefern, dass ich diese Stelle\nnicht corrumpirt, sondern vielmehr nur ausgefüllt habe, da\nich in der notwendigen Lage war, Fehlendes hier zu er-\nsetzen. Dass das Hinzugesetzte nun nicht mit dem Originale,\ndas nicht zur Hand war, so ganz genau übereinstimmen\nwürde und konnte, liegt klar vor Augen, da hier mehrere\nverschiedene Lesearten, die als Ausfüllung dienen sollten,\nangewandt werden konnten. Es entsteht nur die Frage,\nauf wessen Schuld hier die Corrumpirung fällt. ■— Wenn\nnun für die zweite Stimme hier gesetzt wurde:\nso ist dies wenigstens eine Aushülfe und kein Verderben,\nkein eigenmächtiger Eingriff oder geflissentliche Verbesse-\nrung, die, wie das Original zeigen soll, so:\nstehen musste.\nVon den in dieser letzten Sonate gerügten vierzehn\nMängeln fallen also vielleicht nur vier auf meine Seite.\nWäre bei der Ausgabe der Plan, einen besonderen Com-\nmentar über alle zweifelhaften Stellen zu geben, ausgelührt,\nso würde vielleicht alles dieses nicht hervorgerufen worden\nsein. Hoffentlich wird es aber der neueren Ausgabe nicht\nzum Schaden gereichen, dass sie hier so angefochten wurde,\nund ich kann demnach Herrn Mortier de Fontaine nur dan-\nken für die genaue Durchsicht, die er derselben hat ange-\ndeihen lassen.\nCelle, 29. Sept. 1856. H. W. Stolze.\nAus obiger Nachweisung geht hervor, dass eigentliche\nDruckfehler im Ganzen nur sehr wenige in der angefochte-\nnen Ausgabe enthalten sind, und wenn man berücksichtigt,\ndass das ganze Sündenregister sich über 88 enggedruckte\nNotenseiten erstreckt, und dass bei den sorgfältigsten Cor-\nrecturen der Musikwerke dennoch überall leicht einige Feh-\nler durchschleichen, so wird jeder billig Denkende die we-\nnigen vorhandenen mit Nachsicht aufnehmen und darüber\ndas wesentliche Verdienst dieser Ausgabe nicht verkennen,\nwelches in der Erleichterung der Anschaffung classischer\nMusik besteht, indem ich zuerst von allen Musik-Verlegern\nden Preis des Bogens von 5 auf 1 % Sgr. gesetzt habe.\nIch will gleichzeitig erwähnen, aus welchem Grunde ich bei\nden Sonaten Op, 101, 106 und 109 nicht die wiener\noder berliner, sondern die braunschweiger (Spehr'sche) Aus-\ngabe zu Grunde gelegt habe. Herr Joh. P. Spehr hatte,\nwie er mir persönlich mehrere Jahre vor seinem Tode ver-\nsicherte, seine neue Gesammt-Ausgabe der Beethoven'schen\nSonaten nach der von Herrn Professor J. Moscheies be-\nsorgten und metronomisirten londoner Ausgabe stechen\nlassen, und dies veranlasste mich, nach dem Tode des Herrn\nSpehr diese Gesammt-Ausgabe mit Vorräthen und Platten"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "329", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561011-01.1.5", "texte": "anzukaufen und solche als Grundlage zu meiner neuen Ste-\nreotvp-Ausgabe zu benutzen. Die meisten der von Herrn\nMortier de Fontaine gerügten Mängel finden sich nun aber\ngerade sowohl in dieser als in der londoner und in vielen\nanderen theuren Ausgaben, während sie nur in dieser mei-\nner wohlfeilen Ausgabe gerügt werden. Die erste starke\nStereotyp-Auflage derselben war binnen Jahresfrist vergrif-\nfen und ein zweiler Abdruck derselben so rasch nöthig,\ndass ich, ehe die von einigen tüchtigen Musikern, nament-\nlich auch von Herrn Musik-Director Stolze, gütigst mitge-\ntheilten Druckfehler-Verzeichnisse mir zugingen, denselben\nbesorgen musste und solche leider nur noch bei den letz-\nten Heften des zweiten Abdrucks benutzen konnte, wäh-\nrend die weitere Benutzung dem dritten, bald bevorstehen-\nden Abdrucke der ersten Hefte vorbehalten bleiben musste.\nDass von meiner Seite alle mögliche Sorgfalt auf die\ngrösste Correctheit meiner Stereotyp-Ausgaben classischer\nMusikwerke verwandt wird, möge man aus meinen späteren\nneuen Ausgaben von Haydn, Bach und Clementi ersehen*).\nWolfenbüttel, 2. October 1856.\n\nG. F. L. Holle.\n\nClaviermusik.\nNoten, Noten, nichts als Noten, aber sehr wenig Musik! Da1\nhaben wir z. B.:\nH. Gramer, Op. 98, Douze Compositicms originales\npour Piano. Offenbach s. M., chez Jean Andre.\nVon diesen Original-Compositionen liegen uns nur Nr. 2:\nLa Grdce. Rondeau elegant; Nr. 3: Taranteile; Nr. 4: Scene de Bai.\nValse brillante; Nr. 5: L'esperance, und Nr. 6: Mazurka, vor. Nach\nihrer Durchsicht entsteht die Frage: „Woher kommt es, dass so\nleichte und seichte Waare viele Abnehmer findet?\" Es kommt da-\nher, weil allen diesen Sachen eine gewisse Klangwirkung, die den\nLaien besticht, nicht abzusprechen ist: es sind meist dankbare\nSachen für gedankenlose Spieler, mit denen sie sich zeigen zu\nkönnen meinen; es ist reines Fingerwerk, wo man gedankenlos da-\nbei sitzen kann, sei es als Spieler oder als Hörer. Hierin liegt in\nnuce unser Urtheil über die vorliegenden Stücke, die bei Weitem\nnoch nicht zu den seichtesten, aus dem grossen Fabrikgeschäfte\nvon H. Gramer & Comp, hervorgegangenen, gehören. Zur Veran-\nschaulichung wollen wir einige Motive hersetzen, die jede weitere\nErläuterung überflüssig machen.\nu. 's. w. Rein formell; inhaltsloses Vogelgezwitscher.\nNr. 3. Taranteile. G-moll, 6/ö. Ganz trivial.\nNr. 4. As-dur.\nAuch noch nicht da gewesen. Die dynamische Bezeichnung erin-\nnert an die Cyklopen-Schmiede des Vulcan.\nNr. 5. Air saris paroles. Einige Gemeinplätze und einiger Jam-\nmer in H-moll.\nNr. 6. Mazurka favorite, dreht sich um diese vier Tacte:\nDie componirenden ernsten oder guten Musiker tragen auch mit\nSchuld, dass dergleichen breite Bettelsuppen immer noch nicht ge-\nnug gekocht werden können, sofern sie oft mehr Knochen als\nFleisch geben. Darüber viele Worte zu machen, lohnt nicht der\nMühe. Es gilt Handeln und mit Gemeinem sich nicht befassen.\nLetzteres sei vornehmlich den Herren Musiklehrern ans Herz gelegt.\nVon Herrn Alfred Ja eil, dem vielgereisten Virtuosen, liegen\nuns drei sämmtlich bei F. Hofmeister in\nLeipzig erschienen, vor.\n1. Op. 36, Caprice, eigentlich Variationen auf eine Merca-\ndante'sche Romanze. Fis-dur mit H-dur-'Vorzeichnung, vielleicht\num den Spieler, der noch viele Doppelkreuze und andere chroma-\ntische Zeichen mit in den Kajif zu nehmen hat, von Hause aus\nnicht gleich zurückzuschrecken. Nachdem das Thema, das Interes-\nsanteste am ganzen Stücke, von der Tenor-Lage aus auch die mitt-\nlere und höchste passirt hat, kommt zu guter Letzt am Schlüsse\nzum Thema noch eine reiche Figuration für beide Hände, deren\nsaubere Ausführung nur wenigen Dilettanten gelingen dürfte. An-\ngenehm ist, dass zu den 24 Sechszehnteln der linken Hand meist\n48 Zweiunddreissigstel in der rechten kommen. (Sieben bedruckte\nSeiten.) 15 Sgr.\n2. Op. 37. „Aux Bords du Missisippi\", Morceau caracteristique.\n15 Sgr. Circa sieben bedruckte Seiten. Ein zuckersüsses Salon-\nThema mit noch weichlicheren Salon-Variationen. Die Begleitung\nin Achteln beginnend und mit Zweiunddreissig-Theilen endigend.\nWollüstiges Tasten-Gestreichel, Gekribbel und Gewimmel, das in\nnichtssagendem Geklingel ppp una Cordci sin9 al Fine ermattend\nermattet. Wahres Gift für Mädchen-Institute. Unserer Ueberzeu-\ngung nach gibt es auch entsittlichende Musik; die hier angezeigte\ngehört dazu»\n\n*) Wir haben diese Artikel desshalb aufgenommen, weil es sich\ndabei mehr um die Sache handelt, als um die Personen, und\njede Controverse über verschiedene Lesarten in den Werken\nBeethoven's Beachtung verdient. So wünschenswerth die wohl-\nfeile Verbreitung der Classiker ist, so berechtigt sind dage-\ngen auch die Ansprüche des Publicums darauf, dass die\nneuesten Ausgaben auch den richtigsten Text liefern.\nJeder Beitrag zur Feststellung desselben wird daher dem ge-\nwissenhaften Verleger stets willkommen sein. Ueber die Ein-\nrichtung und die mannigfachen Vorzüge der Ausgaben des\nHerrn G. F. L. Holle werden wir nächstens ausführlicher\nsprechen. Die Red ac tion."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "330", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561011-01.1.6", "texte": "3. Op. 38. Illuslralions de VOpera de G. Verdi „II Trovatore\".\n15 Sgr. Und wieder auf genau sieben Seiten einiges Salon-Ge-\nschwätz, im anfangend und in\nendigend.\nE. M. Arndt hat Recht, wenn er im zweiten Bande seines\nBuches „über Menschenbildung\" hinsichtlich der Musik sagt: „Von\nallen Musenkünsten greift keine so sehr das Selige und Innerste\ndes Gemüthes an, als die Musik; keine ist also gefährlicher. Ich\nsehe es immer mit Angst und Mitleid, wenn ein Knabe oder Mäd-\nchen in diese gefährliche Kunst eingeweiht werden soll, weil ich\nsehe, was die meisten, so sie üben, für Menschen sind. Weil\nsie nie bis zum einfachen Maasse des Schönen drangen, das vor\nallen Künsten klar in der Musik liegen muss; weil sie alle Töne\nmehr als Nervenkitzler und Empfindungs-Erreger, denn als\norpheische Anklänge und Ueberklänge zum grossen Weltmaasse\nbrauchen lernten, so mussten es freilich mürbe, flatterhafte und\nseichte Gesellen werden, welchen für die Schönheit des Weltalls\nund für den Zauber aller anderen Künste durch das ewige Ge-\nklimper doch nie die Brust aufgeschlossen ward. Und wel-\nchen Händen übergibt man die Jugend? Meistens kümmerlichen\nStümpern, die in ihrer Kunst höchstens Handfertigkeit haben,\naber mit dem Zeitalter in dem weichlichen und weinerlichen Ge-\nklingel und in allen den flachen Mode-Tönen des Tages leben, die\nfast nie, auch wenn sie die edleren Werke der Tonkunst fühlen\nkönnen, eine Idee haben von dem Reinsittlichen und Schö-\nnen, das in ihr liegt.u\nVincent Adler, Op. 1, Deux Impromptus. Berlin,\nbei Schlesinger. 17 x/i Sgr.— Op. 2, Styrienne.\nEbend. 15 Sgr. Op. 3, Danse Bohemienne.\nEbend. 17 % Sgr. Op. 4, Grande Etüde.\nEbend. 15 Sgr.\nWir haben es hier mit einem musicalischen Gesinnungsgenos-\nsen Alfred Jaell's zu thun, nur dass Herr Vincent Adler in den\nvorliegenden Compositionen noch nicht so bodenlos weich lind\nraffinirt ist.\nOp. 1. Nr. 1, As-dur, 3/4-Tact, ist ein artiger, gefälliger Wal-\nzer, reichlich mit Arpeggio-Figuren gespickt. Nr. 2, La petite\nMendiante (Die kleine Bettlerin), ist, wenn auch etwas eintönig, ein\nanziehendes, charakteristisches Stückchen, dem aber auch folgender,\nleicht erkennbarer Zug nicht fehlt:\nOp. 2. Styrienne. Ein Walzer in A-dur, dem es an Arpeggien,\ndie Herr Adler sehr zu lieben scheint, und an coquettem Finger-\nspiel nicht fehlt, so dass man den Spieler nicht nur hören, sondern\nauch sehen muss, wie er die Arme so graziös überzuschlagen\nversteht u. s. w.\nOp. 3 (fünf bedruckte Seiten wieder (ür 171 Sgr.).\nquasi Introdmione, Ges-dur,z. B:\nDer Uebergang zum Vivace ist nicht uninteressant. Denkt man sich\nkurz vor dem Schlüsse einige unvermeidliche chromatische\nBravour-Gänge hinzu, so ist im Wesentlichen in folgenden acht\nTacten der Inhalt des Stückes wiedergegeben:\nOp. 4 (Stephen Heller gewidmet) mag immerhin als „Uebung\"\n(namentlich für die rechte Hand) gelten, erscheint aber doch for-\ncirt und unschön, keineswegs als im Heller'schen Geiste ge-\nschrieben.\nDagegen bietet Stephen Heller in seinen Feuillets d'Album,\nOp. 83 (Schlesinger, 1 Tblr.), wieder poetische, melodiöse, instru-\nmentgemässe, dabei nicht schwierige und zugleich instructive Stücke\n(z. B. im Ständchen Nr. 5, wo zu dem Legato der rechten die linke\nHand Staccalo hat), die nach der frivolen Musik jener Salon-Her-\nren eine wahre Erquickung sind. Und damit wollen wir denn\nauch für diesmal abschliessen.\n111-\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKfr'ln. Herr Musik-Director Rein thaler ist nach Erfurt,\nseiner Geburtsstadt, gereis't, um dort am 15. d. Mts. die Auffüh-\nrung seines Oratoriums Jephta und seine Tochter zu diri-\ngiren.\nZu demjenigen Concerte des Musik-Vereins in Hamburg, in\nwelchem Beethoven's neunte Sinfonie diesen Winter aufgeführt\nwerden soll, hat Herr Capellmeister Otten, unter dessen Direction\njene Concerte Statt finden, bereits jetzt Herrn M. DuMont-Fier\ndurch eine in sehr schmeichelhaften Ausdrücken abgefasste und\ndurch den Vortrag der Bass-Partie durch den gedachten Sänger\nbei dem letzten Musikfeste in Düsseldorf motivirte Einladung zur\nMitwirkung ersucht: - ein neuer Beweis (wenn es dessen be-\ndürfte!), in wie diametralem Widerspruche das schroffe, höchst ein-\nseitige und dabei lieblose Urtheil des Referenten der ~Grenzbot-\nen\" über die Leistungen dieses vorzüglichen Sängers an jenem\nMusikftste nicht nur mit dem Publicum, sondern auch mit allen\nwirklichen Kennern der Gesangeskunst steht. Abgesehen von der\nbeispiellosen Anmaassung des Herrn Referenten, nach einmaligem\nHören auch über alle früheren Leistungen des Künstlers\nabzusprechen, trotz der anerkennendsten Urlheile von Männern wie\nB. Klein, F. Ries, Friedr. Schneider, C. Kreutzer, F. Mendelssohn,\nH. Marschner u. s. w. in Deutschland, und sämmtlieher kritischer\nund künstlerischer Autoritäten in London und Paris (von denen\nwir in Paris nur Halevy, Panseron und Rossini anführen wollen,\ndie doch schwerlich der Belehrung des Grenzboten-Referenten über\nGesang bedürfen); abgesehen davon, so wie von der naiven"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "331", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561011-01.1.7", "texte": "Vornehmtbuerei, von einer „durch lebhaftes Interesse für Musik\nund überall bereitwilliges Eintreten verdienten localen Berühmt-\nheil\" zu sprechen bei einem in jeder Hinsicht höchst ehrenwerthen\nDilettanten, der in den Hauptstädten der gebildetsten Nationen\nAufsehen gemacht hat: müssen wir mit Bedauern aussprechen,\ndass, so hoch wir die Forschungen von Otto Jahn über Mozart's\nLeben und Werke und deren Resultat achten, dennoch seine Auto-\nrität als Kritiker künstlerischer Leistungen durch den gedachten\nBericht in den „Grenzboten\" einen grossen Stoss erlitten hat, und\nzwar nicht nur durch seinen Tadel und dessen Formen, sondern\neben so sehr durch sein Lob, durch die Art und Weise, mit wel-\ncher er die schwache Leistung des Herrn Stockhausen im „Elias\"\nzu einem Typus der vollendeten Charakteristik zu stempeln bemüht\nist. Eine würdigere Aufgabe für den gegenwärtigen Biographen\nMozart's und den künftigen Beethoven's dürfte es gewesen sein,\ndie Ailegro-Sätze der neunten Sinfonie und der Ouvertüre zur\nZauberflöte vor Misshandlung durch die Tempi einer Hetzjagd zu\nw;ahren. Darüber schlüpft jedoch der gedachte Bericht mit kaum\nfühlbarer Berührung dieser heutzutage gar sehr wichtigen Sache\nhinweg.\n**Nach einer Notiz in der leipziger Neuen Zeitschrift beabsichtigt\nHerr v. Wasielewski, eine Biographie Hob. Schumann's\nund Charakteristik seiner Werke zu schreiben. Es ist doch son-\nderbar, wie so manchen bedeutenden Mann ein unabwendbares\nMissgeschick selbst noch nach dem Tode verfolgt!\nBei der Einweihung der Constantinischen Basilica in Trier\nzur evangelischen Kirche zum Erlöser, verherrlicht durch Ge-\ngenwart Sr. Majestät des Königs und des Prinzen von Preussen\nKöniglicher Hoheit, war der musicalische Theil der Feierlichkeit\nvon grosser Wirkung. Die neue Orgel, gebaut von Ad. Ibach\nSöhne in Barmen, war in der kurzen Zeit von acht Monaten be-\nreits in der Hälfte der sechszig Stimmen, auf welche sie berechnet\nist, fertig und entfaltete unter den künstlerischen Händen des Herrn\nvan Eyken aus Elberfeld ihre majestätischen Klänge. Der Gesang\nwährend der Liturgie und der Weihe der Kirche wurde theils\ndurch die Militärsänger von Coblenz, unter Leitung von Wagner,\ntheils und hauptsächlich durch die Dom-Capelle Sr. Majestät des\nKönigs (eine Auswahl der sechszehn vortrefflichsten Stimmen aus\ndem berliner Dom-Chor) unter dem würdigen Neithardt ausge-\nführt. Wir hörten diesen Domsänger-Chor hier zum ersten Male an\nheiliger Stelle und in der Function seiner eigentlichen Bestimmung,\nund haben nie einen erhebenderen Kirchengesang vernommen.\nDiese herrlichen Sopran- und Altstimmen, deren eigenthümlicher\nKlang tief zum Herzen dringt, diese schönen Tenöre und sonoren\nBässe (wir hörten nicht nur das tiefe C in voller Tonschwingung,\nsondern sogar das und As) und dazu der genau studirte\nund seelenvoll ausgeführte Vortrag schöner Compositionen, nament-\nlich des 84. Psalms von Grell und der grossen Doxologie von\nBortnianski, machten einen schwer zu beschreibenden Ein-\ndruck. In solcher Vollkommenheit ausgeführt, ist allerdings die\nreine Vocalmusik die angemessenste für den Gottesdienst, aber auch\nnur dann; wo hingegen die vollkommen reine Intonation und der\nwirklich künstlerische Vortrag fehlen, ist ein so genannter kirch-\nlicher Gesang mehr störend, als zur Andacht erhebend. Uebrigens\nkann bei allen, die nicht in Vorurtheilen befangen sind, keine\nFrage darüber sein, dass die Würde der Kirchenmusik nicht in\nden Mitteln der Ausführung, sondern im Inhalt des Musik-\nstückes, im Charakter der Composition liegt; und so thaten denn\nauch am Schlüsse der Feierlichkeit in Trier, als der Chor den am-\nbrosianischen Lobgesang intonirte, der Hinzutritt der Orgel, Trom-\npeten, Posaunen und Pauken dem erhabenen Eindruck der allen\nkirchlichen Weise wahrlich keinen Abbruch, sondern sie erhöh-\nten ihn. L. B.\n> ■ - ' * t lx •\n*** Frankfurt am Main« Unter den Musikern von mehr\noder weniger künstlerischer Bedeutung, die in der abgewichenen\nSommerzeit unserer freundlichen Mainstadt einen kurzen Besuch\ngemacht, ragt wohl Herr Karl Halle am meisten hervor. Herr\nHalle ein Westfale —, in Paris gebildet, hat bekanntlich seit\nmehreren Jahren in Manchester als Dirigent und Lehrer einen in\nEngland bevorzugten Wirkungskreis gefunden, von wo aus er in\njeder Saison auch in London eine Reihe von Vorträgen veranstal-\ntet. Er ist Virtuose im besten Sinne, indem er nur der gediegenen\nCiaviermusik huldigt und selbe ausschliesslich zu Gehör bringt.\nSein vieljähriger Verkehr mit Chopin lehrte ihn zugleich mit dem\nGeiste seiner Compositionen auch das Pianoforte in echt künstleri-\nscher Weise behandeln, so dass er im modernen Virtuosen-Ge-\nschlechte wohl nur wenige Rivalen finden dürfte* Unter seiner\nHand singt Alles, die Passage wie die Cantilene. Man ist daher nur\ngerecht, sein Spiel als ein höchst gediegenes und darum empfeh-\nlenswerthes Muster anzuerkennen. Er erfreute hier einige Kreise\nmit Werken verschiedener Meister, wobei lebhaft ausgesprochen\nwurde, dass dem vertrackten, entweder geklimperten oder geschla-\ngenen Ciavierspiele vielleicht nachhaltig entgegengewirkt werden\nkönnte, wenn nur einige Künstler von echtem Schrot und Korn,\nwie Herr Halle, den Continent bereisen wollten. Wir sehen in un-\nseren Tagen nach verschiedenen Seiten hin geistliche Missionen\ndie Länder durchziehen: warum nicht auch künstlerische? In\nKunstsachen ist dermal die Noth eben so geboten, wie in kirch-\nlichen. Eine Vereinigung von Männern, die es mit der Besserung\ndes Geschmacks, überhaupt mit der Kunst-Mora 1, redlich meinen,\nkönnte nur segensreiche Wirkungen erzeugen, bestände auch der\npositive Gewinn vor der Hand in nichts Anderem, als in Belehrung\nund Ueberzeugung der Kunstrichterschar, was eine wahrhaft schöne\nund in jeder Beziehung zu lobende Kunstleistung in Ciaviermusik\nzu nennen sei. Könnte dieser Zweck erreicht werden, noch Wei-\nteres wäre damit gewonnen.\n„Polyphem\" oder „Ein Abenteurer auf x\\lartinique\", komische\nOper in vier Acten von P. F. Trautmann, Musik von Capellmeister\nRichard Genee, ist in Elbing am 20. September von der\n„danziger\" Gesellschaft, wie danziger Blätter melden, zum ersten\nMale mit überraschendem Glück gegeben worden.\nDie Gesanglehrerin Frau Cornet und Herr Dr. Töpfer be-\nabsichtigen in Hamburg die Gründung einer Anstalt, in welcher\njunge Talente für die Oper gebildet werden sollen.\nFlotow arbeitet an einer neuen Oper, deren Stoff der meck-\nlenburgischen Geschichte entnommen ist.\nIlresden. Der hiesige Tonkünstler- Ver ein bat am 22.\nSeptember eine Gedächtnissfeier für Robert Schumann (geb.\nzu Zwickau den 5. Juni 1810) veranstaltet. Das Programm enthielt:\n1) Prolog von Dr. Lindner; 2) Sonate in Fis-moll, Op. 11 (Flore-\nstan und Eusebius); 3) Lieder: „Dein Angesicht\" (Op. 127, 2) und\n„Mondnacht\" (Op. 39, 5); 4) Quartetf für Violine u. s. w. in A-\nmoll (Op. 41, 1), gespielt von den Herren Hüllweck, Körner, Gö*\nring, C. Kummer; ö) Andante und Variationen für zwei Pianoforte\nin B-dur (Op. 16), gespielt von den Herren Blassmann und Weh-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "332", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561011-01.1.8", "texte": "ner; 6) Requiem: „Ruh' von schmerzensreichen Mühen\", aus Op.\n90, Nr, 7 s'ämmtlich Compositionen von R. Schumann.\nAlle harn burger Blätter sprechen sich höchst günstig über\ndas Auftreten der Fräul. Nina Hartmann aus Köln aus. So\nheisst es z. B. in der Theater-Chronik von H. Meyer: „Wahrhaft\nim Sturm errang sich Fräul. Hartmann die Gunst des Publicums.\nSie ist eine Schülerin des Gesanglehrers E. Koch in Köln. Eine\nganz vortreffliche Schule, correcter, frischer Gesang, herrliche Be-\nnutzung der zu Gebote stehenden Mittel, tadelloser Vortrag wirk-\nten so sehr zusammen, dass wir ihre Leistung als Adalgisa fast\nals die beste des Abends bezeichnen möchten. Nur das Spiel lässt\nfreilich noch viel zu wünschen übrig; indess das wird eifriges Stu-\ndium bald ausgleichen/4\nWien« Vor einigen Monaten starb hier Joseph Früh wald,\nk. k. Hofcapell-Sänger, Hof-Musik-Archivar und Subcantor an der\nDomkirche zu Sanct Stephan. Er war den 19. Januar 1783 zu\nHöhenbach in Nieder-Oesterreich geboren, eines Bauers Sohn,\nzeichnete sich früher als Sänger und bis in seine letzten Jahre als\ntrefflicher Gesanglehrer aus. Mit ihm ist ein würdiger Ueberrest\njener echten kunstgemässen Gesangbildung, die leider immer selte-\nner wird, zu Grabe gegangen.\nDie Pressburger Zeitung, Nr. 201, bringt Folgendes: Die\nMozartfeier in Salzburg gibt uns Veranlassung, unseren Lesern\nmitzutheilen, dass sich seit Kurzem ein höchst werthvolles Manu-\nscript dieses Meisters in unserer Stadt befindet. Es ist die Origi-\nnal-Partitur zu „Le 7iozze de Figaro\" (Figaro's Hochzeit von Mo-\nzart), ein Eigenthum des Herrn Volkmar Schur ig, welcher\nvon Dresden an die hiesige evangelische Gemeinde als Cantor und\nOrganist berufen wurde.\nLiszt's Einweihungs-Messe wurde verflossenen Sonntag (28,\nSeptember) in Prag aufgeführt.\nBrüssel, 6. Oct. . Der hochverdiente Director des hiesigen\nConservatoriums für Musik, Herr Fetis, hat heute seinen 72. Ge-\nburtstag und damit zugleich den 50. Jahrestag seiner Verheirathung\ngefeiert. Um 11 Uhr früh ward eine von dem berühmten Jubilar\nim Jahre 1810 componirte Messe in der Sablon-Kirche von den\nausgezeichnetsten Mitgliedern des von ihm seit 1831 geleiteten In-\nstitutes aufgeführt, in Gegenwart des Jubelpaares und alles dessen,\nwas unsere Stadt an hervorragenden Grössen in Kunst, Wissen-\nschaft und Gesellschaft besitzt. Im Vorhofe des Conservatoriums\nversammelten sich von Neuem alle die, welche der Messe beige-\nwohnt, um die Enthüllung der Erz-Statue Felis' anzusehen, welche\nzur ewigen Erinnerung an ihn, den Gründer und ersten Leiter\ndieser A hier aufgestellt worden ist. Herr Quelus, einer der\nProfessoren des Conservatoriums, hielt eine angemessene, tiefge-\nfühlte Rede, in welcher er in allgemeinen Umrissen die künstleri-\nsche Laufbahn des Gefeierten schilderte und die Verdienste her-\nvorhob, welche die Musik im Allgemeinen und die Erfolge dersel-\nben in unserem Lande im Besondern ihm verdankt. Als darauf\nUnter den Klängen des Gretry'schen Liedes: „Oü peut-on etre\nmieuxa, der verhüllende Vorhang fiel und das von Herrn Geefs\nausgeführte Standbild des würdigen Greises auf diesen selbst, der\ntief ergriffen daneben stand, herniederblickte, da durchbrach ein\nmächtiger Jubclruf der Versammelten die Luft.\nl\"aris Fräul. Hamackers, eine Niederländerin, ist in der\ngrossen Oper als Mathilde in Rossini's Teil aufgetreten. Stimme\nund Erscheinung sind schön, allein der Gesang bedarf noch sehr\nder Studien.\nDie italiänische Oper ward mit Rossini's Cenereniola (Mad.\nA 1 bon i) wieder eröffnet.\nDas Buch der Operette, welches den sechs erwählten Bewer-\nbern um den Preis, den J. Offenbach ausgesetzt hat, zur Compo-\nsition vorgelegt ist, heisst Le Docteur miracle (der Wunder-Doctor).\nRussland hat seinen ersten Kunst-Mäcen verloren ; am 9. Sep-\ntember starb in Moskau während der Krönungs-Feierlichkeiten Graf\nMichael Wilhorski. Der Graf war sowohl seiner Natur als\nseines Talentes zufolge ein wahrer Künstler. Alle auswärtigen wie\ninländischen Musiker fanden stets in den gastfreien Salons des rei-\nchen Mäcen die beste Aufnahme."}]}