{"numero_id": "bm-bmtnabi-1856-10-25-01", "volume": "bmtnabi_1856-10-25_01", "ocr_sha256": "1473e34f8520652cda390094f7a398a41f3006046236a18a3314f5ace1a701ee", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1856/10/25_01/bmtnabi_1856-10-25_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561025-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1856-10-25-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-10-25_01#c001", "volume": "bmtnabi_1856-10-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "341", "page_fin": "341", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561025-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "341", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561025-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 490, "texte": "Inhalt.\nBeurtheilungen. F. Kühmstedt, „Die Verklärung des Herrn\". F. Layriz, Deutseher Kirchengesang. Von L. Kind-\nscher. Lieder für gemischten Chor von F. Möhring, Heft 1 und 2, von (Mendelssohn) J. Stern. Für Männerchor von L. Erk, Ed. Sab-\nbath, C. Kuntze, G. Barth, H. Bönicke, J. Otto, Die Gebrüder Müller. Von L. Kindscher. Zu J. S. Bach's Leben. I, Gesell-\nschafts-Conccrt in Köln. Tages- und IJnterh altungsblatt (Köln, dasMaurin'sche Quartett, Coblenz, Ems, Dessau, Leipzig, Wien)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-10-25-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-10-25_01#c002", "volume": "bmtnabi_1856-10-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "341", "page_fin": "343", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561025-01.2.2", "titre_corps": "Beurtheilungen.", "titre_sommaire": "Beurtheilungen.", "signature_source": "Louis Kindscher", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "341", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561025-01.1.1", "debut_caractere": 492, "fin_caractere_exclue": 3930, "texte": "Beurtheilungen.\n\n„Die Verklärung des Herrn.\" Grosses Ora-\ntorium nach Joh. Jerem. Kummer von Friedrich\nLudwig, in Musik gesetzt von Fr. Kühmstedt. Op.\n30. Clavier-Auszug, vom Componisten eingerich-\ntet. Preis 7 Thlr. Erfurt und Leipzig, bei G. W.\nKörner.\nWie ein Maler, der sich die „Verklärung\" zum Vor-\nwurf genommen, diesen Gegenstand rein geistig zu er-\nfassen und auszuführen hat, so nicht minder der Dichter.\nDer Gegenstand ist allerdings nicht leicht zu behandeln, da\ndie geistige Idee, sich dort in der Form, hier im Worte\nverkörpernd, aus beiden hervorleuchten muss. Wie nahe\nist z. B. diesem Ideal ein Raphael in seiner Sixtinischen\nMadonna, ein Correggio in seiner heiligen Nacht, ein Mengs\nin seinem grossen Altarbilde (wie in den beiden kleineren\nan den benachbarten Pfeiler-Altären) der dresdener katho-\nlischen Kirche gekommen! So nahe, dass der Beschauer,\nin der Wonne der Anschauung verloren, sich zugleich ge-\nhoben und selbst verklärt fühlt. Legen wir diesen Maass-\nstab nun an vorliegende Dichtung, so rückt das Ideal in\nweite Ferne; wir suchen wohl Derartiges und finden's\nnicht: wir finden statt einer Verklärung nur Un-\nklares, chaotisches Material, geistige Finsterniss, Flick- und\nStückwerk, mit Phraseologie verbunden. Wenn das Orato-\nrium eine „geistliche Oper\" genannt werden kann und so-\nmit der Text auch schon plangemäss eine gewisse drama-\ntische Basis haben muss (Händel's Josua, Samson,\nAlexanderfest, Ramler's Tod Jesu u. s. w.), so wäre das\nder nächste Prüfstein für eine Oratorien-Dichtung, wenn\nman sich dieselbe dramatisch dargestellt dächte. Schon\ndiese erste Probe vermag vorliegende poetische Grundlage\nnicht auszuhalten, sie würde mit ihren aufgeputzten Phra-\nsen ohne Handlung gleich „Steifleinen\" zusammenfallen.\nAber das schon kränkelnde Drama geräth nun noch voll-\nends ins Siechthum durch Sonderbarkeit, auch Trivialität\ndes sprachlichen Ausdrucks. Maria singt: „Mir ist Alles\nnun auf Erden ewig nun dahin für mich.\" (!) Dieselbe\nsingt ferner: „Wo sollt' ich jemals Ruhe finden und wo-\nhin sicher flieh'n, und meinen Sohn, wer gäb' ihn mir zu-\nrück?\" Ein Mutterherz, gross in seiner Liebe, denkt\nnicht an sich und seine Sicherheit, nur an die des gelieb-\nten Gegenstandes, kennt keine Ruhe und wird Muth sogar\nbis zur Todesverachtung zeigen. Unter den vorkommenden\nvier Engelchören hat es dem Dichter gefallen, seine himm-\nlischen Heerscharen einmal in Hexametern singen zu lassen,\nworaus folgender Vers: „Noch in dem Grabe getreu (!),\nruht dort dein Sohn, der Geliebte.\" Die Möglichkeit des\nVordersatzes zu beweisen, wird der Dichter schuldig blei-\nben; wenigstens hätte er sich des bekannten Gedichtes er-\ninnern sollen: „Ueb' immer Treu' und Redlichkeit bis an\ndein stilles Grab.\" Nach diesem Hexameter-Engelchor singt\nder erste Wächter:\nVersiegelt ist des Grabes Tiefe,\nBei Todlen hält das Leben Wacht.\n0, dass ich selbst im Grabe schliefe (!?)\nDie schattenstille, letzte Nacht!\nZweiter Wächter :\nDer wird den Mächten nicht entrinnen,\nDie sich vertrau'n des Todes Raub. (Blühender Unsinn!)\nEs ist ein thörichtes Beginnen,\nZu hegen (!?) einen Menschenstaub.\nWarum sagte nicht schon der Componist hier zum Dich-\nter: „Lieber,.ich verstehe Sie nicht! Sie wollten wohl sa-\ngen: „„zu hüten einen Menschenstaub?\"\" Und da es\nnicht geschehen, so nehmen nun Andere daran Anstoss.\nAber es widerfährt somit nothwendig auch Leid der Com-\nposition, obgleich dieselbe ungleich höher steht als das Ge-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "342", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561025-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4980, "texte": "dicht. Was lür ein dramatisches Zerrbild würde z. B.\nnicht dieser sentimentale und philosophirende Wächter (!)\nschon abgeben! Dergleichen unwahre Schönreden gehören\neher in den sonstigen Roman» als an den Ort» wo das\nwirkliche Leben sich getreu abspiegeln soll. Das Publi-\ncum würde hier nur, aus seiner Illusion bei den Maaren\nherausgerissen, entweder seine Belustigung oder seinen Un-\nwillen an den Tag zu legen streben. Es hat daher über-\nhaupt der Componist das Recht, Inconvenienzen im Texte\nvon der Hand zu weisen oder zu ignoriren, soll seine Mühe\nnicht verloren gehen. So verbinden sich endlich im Texte\ndie lyrischen, sentimentalen Ergüsse mit der allernüchtern-\nsten Prosa:\nLass uns eilen, lass uns schauen,\nWas die Nacht geschehen!\nund zuletzt noch mit Gebeten und Bibelsprüchen, die ins-\ngesammt die geistige Nacktheit verschleiern oder verdecken\nsollen. Ueber den Componisten dagegen ist zu sagen,\ndass er ein rühmliches Zeugniss seines Fleisses und resp.\nseiner contrapunktischen Gewandtheit gegeben hat. Insbe-\nsondere sind die Chöre der Beachtung werth. Ob auch\nEiniges mehr die Arbeit als die Idee verräth, oder auch\netwas gesucht erscheint, so leuchtet doch im Allgemeinen\nein rühmliches Streben nach Ausdruck hervor, das auch\neines guten Erfolges sicher ist. Zu erwähnen im ersten\nTheil Nr. 16, Doppelchor der Engel, und im zweiten Theil\nEngelchor Nr. 1 und Sextett Nr. 13.\nKern des deutschen Kirchengesanges zum\nGebrauche evangelisch-lutherischer Gemeinden und\nFamilien, herausgegeben von Dr. Fri(e)dricb Layriz.\nVierte Abtheilung. 120 liturgische Weisen ent-\nhaltend.\nSeinem Inhalte nach gibt das Werk nichts mehr und\nnichts weniger als eine förmliche Kirche n - A g e n d e, sci-\nlicet altlutherische, die liturgischen Weisen, resp. ganz in\nderjenigen Form, wie sie im sechszehnten und siebenzehn-\nten Jahrhundert gesungen, enthaltend. Da Luther sich durch\nseine Reformation von der katholischen Kirche lossagte, so\nerscheint es nun hier eben so verwunderlich wie zweifelhaft,-\ndass derselbe in seiner neu geschaffenen kirchlichen Litur-\ngie auch alle die katholischen Texte, die hier nun in\ndeutscher Uebersetzung wiedergegeben sind, wirklich be-\nnutzt haben sollte. Und namentlich finden wir hier\nTexte aus der katholischen Messe, die mit latei-\nnischen Ueberschriften versehen sind. Somit dürfte vor-\nliegendes Werk dem Anscheine nach schon weniger\neine lutherische, als vielmehr eine katholische Tendenz\nvindiciren. Oder soll vielleicht hier kein Unterschied\nStatt finden? Zu verwundern auch, dass Luther den\nkatholischen Priest er gesang beibehielt, und zwar auch\nnoch ganz in der gebräuchlichen monotonen Form (Col-\nlecten) im Ton-Umfange von nur ein?r kleinen Terz bis\nhöchstens zur reinen Quarte. Wie aber diese protestantisch-\nfremdartige Liturgie noch auf das Privat-Familienleben aus-\nzudehnen und überzutragen sei, das will vollends nicht\nrecht einleuchten; auch steht im Volke gegenwärtig die\nKunst selbst auf einem ganz anderen Standpunkte über-\nhaupt. So erscheinen daher auch die hier unter dem Na-\nmen „Kern des deutschen Kirchengesanges\" (!) vor 300\nJahren (vorgeblich) in den griechischen Tonarten und mehr\nrhythmischer Form (?) gesungenen Liedweisen in vorliegen-\nder Gestalt fast mehr kirchlich-einfältig als kirchlich-einfach\nund daher unserem vorgeschrittenen musicalischcn\nStandpunkte durchaus nicht mehr entsprechend. (Siehe\nhierzu auch das nachstehende Noten-Beispiel.) Ein hinten\nangefügtes Register gibt die Nachweisung der Quellen lür\ndie meisten Lieder, welche auch zumeist aus dem sechs-\nzehnten Jahrhundert stammen. Ganz gewiss wird es jeden\nMusikfreund und insbesondere den Geschichtsforscher\ninteressiren, die Gesänge einer grauen Vorzeit in ihrer da-\nmaligen Gestalt wieder zu erblicken. Diese haben aber ihre\nZeit durchlebt und sind dahin geschwunden. In einen\nLeichnam kommt ein- lür allemal kein Leben wieder zu-\nrück, sei er auch durch galvanische Zuckungen künstlich\nerregt, und die Kunst, vor 300 Jahren noch unmündig\nund klein, ist nun mit der Zeit gross geworden. Ganz na-\ntürlich wollen ihr nun auch die alten, noch dazu vom\n„Zahn der Zeit\" recht mürbe gewordenen Kindergevvän-\nder nicht mehr passen. Und wenn im Laufe der Zeit\ndie Kunst mündig geworden, so rückt sie immer weiter\nauf ihrer Schönheitsbahn vor, lässt sich darauf nicht\nzurück-, so wie überhaupt Unschönes, Geschmack- und\nAusdrucksloses sich nicht auf drängen. Wohl ändert im welt-\nlichen Treiben die launen- und flatterhafte Mode chamäieon-\nartig stets ihre Farbe und liess sogar noch vor etlichen\nJahren den alten Renaissance- oder Rococo-Stvl wieder er-\nstehen; die Kunst aber soll ihre Charakterfestigkeit behaup-\nten, und es soll auch kein weltlicher Wechsel ins ruhevolle\nHeiligthum der Kirche dringen, deren musicalisch würdig-\nster Repräsentant nun einmal der Choral in der bisherigen\n(durch die Zeit verklärten) Gestalt, nimmer aber weder der\nrhythmisch bewegte, noch auch der in den dahinge-\nschwundenen Kirchen-Tonarten ist und sein kann."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "343", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561025-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2538, "texte": "So passen natürlich auch die alten Texte nicht mehr. Wer\nz. B. wird jetzt aus dem vorliegenden Werke (in Kirche\noder Familie) noch singen können oder wollen: „Erhalt'\nuns, Herr, bei Deinem Wort und steur' des Papst's und\nTürken Mord\" ? Auch sind die alten Texte nicht lyrisch\ngenug und geben daher zugleich zum Gesänge nicht Grund\ngenug, z. B: „Jesaia, dem Propheten, das geschah\". Der\nGeist der alten Glaubens-Einfalt, der sich vor 300 Jahren\nin Wort und Ton aussprach, wird schwerlich durch die\nblosse Form wieder ins Leben treten; denn der Buch-\nstabe tödtet, nur der Geist macht lebendig. Wie monoton\nund mehr geisttödtend als erhebend erscheint z. B. hier\nnicht die Litanei und eine Masse von Responsorien, worin\nauf Einem und demselben Dreiklange eine unendlich lange\nReihe (unlyrischer) Worte gesungen wird! Wie geliihls-\nwidrig und steif klingt ferner nicht der häufige Hader des\nWort-Accents mit dem rhythmischen, wovon auch das fol-\ngende Noten-Beispiel bei „erbarme dich unser\" einen Be-\nleg hergibt! Dazu gesellen sich auch noch in harmonischer\nBeziehung die häufigen alten Querstand-Sünden * 'cl *ig und\nviele Dreikiang-Harmonieen ohne Ter». Drollig und ko-\nmisch genug wird von der „Lamentation\" Nr. 117 auch\ndie Ueberschri ft mitgesungen, welche lautet: „Weh-\nklage des Propheten Jeremias über Jerusalem.\" Wahrlich,\nein geradezu „verbohrter\" Geschmack vermag nur so etwas\nin der Ordnung zu finden. Wie sonderbar klingt ferner in\nden Introitender Solo-Sopran: „Ich halte\", und nun gleich\ndarauf die Folge der übrigen Stimmen einfallend mit den\nWorten: „mich, Herr, zu Deinem Altar.\" Fasst man nun\nendlich diese vielen Uebelstände zusammen, von welchen\nsich noch mehrere aus dem Werke schöpfen lassen, so drängt\nsich von selbst die Frage auf: Was soll der alle Kram aus\nseinem Staub-Archive hervor ans frische Leben gezogen\nwerden, für das er nun einmal nicht mehr passt, und wo-\nzu oder woher somit eine dritte und „sehr vermehrte\"\nAuflage?? Diese Frage oder vielmehr dieses Räthsel\nschien dem Referenten beim Umwenden des Buches auf\ndessen grüner Rückseite die abgebildete kleine Sphinx, in\nihren Klauen ein grosses Buch, wahrscheinlich die alle\nKirchenmusik, hallend, geben zu wollen. Doch nur getrost!\nWir dürfen in unserer Drangsal auch noch auf das Er-\nscheinen eines kleinen Oedipus hoffen, und fragen schliess-\nlich noch das hochzuverehrende Publicum, ob es auch ge-\nsonnen ist, seine gewohnten und schönen Kirchen-Me-\nlodieen für nachstehende Probe in Parallele oder gar in\nTausch zu geben:\nGöthen.\n\nLouis Kindscher."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-10-25-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-10-25_01#c004", "volume": "bmtnabi_1856-10-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "343", "page_fin": "344", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561025-01.2.3", "titre_corps": "Vierstimmige Lieder für gemischten Chor.", "titre_sommaire": "Vierstimmige Lieder für gemischten Chor.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "343", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561025-01.1.3", "debut_caractere": 2540, "fin_caractere_exclue": 3234, "texte": "Vierstimmige Lieder für gemischten Chor.\nFerdinand Möhring, Lieder und Gesänge. Heft\n1 und 2. Partitur ä 15 Sgr., jede Stimme ä 3\nSgr. Schleusingen, bei Conrad Glaser.\nNr. 1, „In die Ferne\", von Rletke, eignet sich nicht\nfür die mehrstimmige Behandlung und ist überdies ober-\nflächlich in der Auffassung und ziemlich gewöhnlich in der\nErfindung. Man sehe:\nEin gleiches Urtheil muss man über Nr. 2 lallen: „Erstes\nGrün\" von J. Kerner. Auch machen wir den Componisten\nauf die darin herrschende rhythmische Monotonie aufmerk-\nsam. Nr. 3, Herbstlied, ist ein recht freundliches Lied, das\naber mehr aus Phrasen als aus wirklichen Gedanken be-\nsteht. Unschön ist der lünftactige Rhythmus zum Schluss."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "344", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561025-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1940, "texte": "Was würde der alte Nägeli zu solchem Verstoss gegen\ndieEurhythmie gesagt haben? Ein gleicher Verstoss ist im\nfolgenden Liede Nr. 4, „Nachruf\". Der Cömponist, wel-\ncher selber hinter den Fehler gekommen zu sein scheint,\nhat sich die Verbesserung leicht gemacht, indem er plötz-\nlich aus dem 6/3-Tact s/3-Tact macht. Da ist der Fehler\nzwar versteckt, aber vorhanden ist er dennoch, und die\nLeichtfertigkeit, mit der man den Componisten über den\nFehler hinwegschlüpfen sieht, der ihm nicht verborgen\nblieb, verstimmt mehr, als der Fehler selbst. Tadeinswerth\nist die folgende Behandlung der Singstimmen, selbst abge-\nsehen von der schlechten Declamation:\nWährend man nun unter den noch übrigen zwölf Lie-\ndern manchem niedlichen Liedchen begegnet, wie Nr. 7,\n„Ein Glöcklein klinget\", Nr. 8, Die Laube, Nr. 12, Volks-\nlied, Nr. 16, In blauer Luft, so begegnet man auch wie-\nder manchen Ungeschicklichkeiten, wie z. B.:\nso dass man eben zu der Ueberzeugung gelangt, dass dem\nComponisten vor Allem noch geläuterter Geschmack, ern-\nster Wille und besseres Streben, wie auch strengere\nSelbstkritik zu wünschen ist, wenn sein unläugbar hüb-\nsches Talent edle Früchte treiben soll. Er gebe in Zukunft\nweniger auf einmal und nur das Bessere! Auch ist eine\nstrengere Auswahl der Texte vounöthen; es eignet sich\ndoch nicht jedes Gedicht lür den Chorgesang!\nGesänge und Lieder von Felix Mendelssohn-Bar-\ntholdy, für Sopran, Alt, Tenor und Bass eingerich-\ntet von Julius Stern. Aus Op. 1 und 9. Lief. I.\nPr. 25 Sgr. Berlin, bei Schlesinger.\nDie vorliegende Lieferung enthält „Maienlied\", „Im\nHerbste *, „ Aerntelied8, „ Wanderlied\". Sie sind sämmt-\nlich so geschickt und wirksam arrangirt, wie man es von\nJulius Stern nur erwarten konnte, und werden die schö-\nnen Weisen in dieser Gestalt den Sing-Vereinen eine schöne\nBereicherung ihres Repertoires sein. Von besonders schö-\nner Wirkung ist das alte Kirchenlied: „Es ist ein Schnit-\nter, der heisst Tod.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-10-25-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-10-25_01#c009", "volume": "bmtnabi_1856-10-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "344", "page_fin": "345", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561025-01.2.4", "titre_corps": "Lieder für Männerchor.", "titre_sommaire": "Lieder für Männerchor.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "344", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561025-01.1.4", "debut_caractere": 1942, "fin_caractere_exclue": 2183, "texte": "Lieder für Männerchor.\nLudwig Erk, Der liebe Hahnemann. Altdeutsches\nLied. Partitur und Stimmen 17% Sgr. Berlin,\nbei Schlesinger.\nDas Lied wird als „ Preis Quartett, bei der Stiftungs-\nfeier der neuen berliner Liedertafel zum ersten Male ge-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "345", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561025-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3859, "texte": "sungen\", näher bezeichnet, und glauben wir, dass es auch\nin anderen Vereinen um seiner gesunden Fröhlichkeit und\nhumoristischen Färbung willen sich Freunde erwerben\nwird. Es ist keine unzweckmässige Erleichterung für we-\nniger geübte Vereine, dass das Lied, welches in H-dur ge-\nsungen werden soll, in C-durgeschrieben worden.\nEduard Sabbath, „Noch ist die blühende, goldne\nZeit\" von Otto Roquette. Op. 9. Partitur und\nStimmen 15 Sgr. Ebendaselbst.\nEin frisches Lied, das, aus voller Brust gesungen, seine\nWirkung nicht verfehlen wird. Aus so einem einzelnen,\nnicht absonderlich originellen Liedchen lässt sich freilich\nauf die Begabung eines Componisten im Allgemeinen noch\nkein Schluss ziehen. Auffallend ist der orthographische Feh-\nler gleich im ersten Tacte des Liedes, wo es im zweiten\nTenor b, anstatt ais, heissen muss, eben so Tact 7 und 8,\nwährend das ais in Tact 9 ganz richtig ist.\nC. Kuntze, Heitere Männergesänge. Zweite Folge,\nHeft 3. Op. 19. Pr. % Thlr. Ebendaselbst.\nDas Heft enthält zwei Lieder: „Im Quartier\" und\n„ Soldatenliebe\", welche zu jener Sorte gehören, bei deren\nAnhören einem ordentlichen Künstler brühsiedendheiss vor\nSchaam wird. In einem der letzten Blätter sagte ein Refe-\nrent bei Gelegenheit von Jaell'schen Salon-Compositionen,\nsie seien wahres Gift für Mädchen-Institute; denn es gäbe\nauch entsittlichende Musik, wozu jene zu zählen. Wir stim-\nmen dem geehrten Referenten in dieser Behauptung (wel-\nche schon der alte, würdige Thibaut in seinem Werke über\n„Reinheit der Tonkunst\" ausspricht) vollkommen bei und\nwenden den Ausspruch auf diese Lieder an, welche wahres\nGift für Männergesang-Vereine sind. Auf welcher Stufe der\nComponist steht, kann man schon an seiner Text-Wahl\nerkennen; die Texte sind nicht etwa ein wenig derb, son-\ndern so zweideutiger und geradezu gemeiner Natur, dass\nich es nicht wagen darf, diese Behauptung durch Belege\nzu begründen, weil ich voraussetzen muss, dass diese Blät-\nter auch von kunstliebenden Damen gelesen werden, wel-\nchen ich begreiflicher Weise solche Verse von Herrn R.\nLindenberg nicht vorführen dürfte.\nGustav Barth, Lied der Landsknechte auf dem\nZuge. Op. 19, Nr. 5. Preis 30 Kr. Wien, bei\nWitzendorf.\nNicht ohne charakteristische Färbung, welcher der\nComponist leider aber nicht ganz treu bleibt, was bei der\nKür/.e des Liedes doch wohl nicht schwer gewesen wäre.\nUebrigens recht wohl zu empfehlen.\nH. Boenicke, Die wilde Jagd. Op. 3. Preis 17l/2\nSgr. Magdeburg, bei Heinrichshofen.\nBei Weitem das beste der bis dahin besprochenen\nWerke. Der Componist zeigt unverkennbares Talent und\neinen redlichen Willen. Die wilde Jngd selber klingt zwar\nnicht sonderlich wild und könnte besser charakterisirt sein;\nnichts desto weniger empfehlen wir das Werk, welches\nübrigens eine gute Aufgabe für geübte Männerchöre ist,\ndringend. Der Dichter ist nicht genannt worden, und kön-\nnen wir nicht verhehlen, dass es uns scheint, als verdanke\ndas Gedicht ausschliesslich seine Entstehung dem momen-\ntanen Bedürfnisse des Componisten, welcher für eine der-\nartige Composition die nöthigen Worte brauchte. Diese\nscheinbare Absichtlichkeit wirkt etwas verstimmend. Doch\nist dies eine individuelle Ansicht. Möglich ist's, dass wir in\nunserer Voraussetzung irren.\nJulius Otto, Sechs Chor-Lieder (ohne Opuszahl).\n2 Hefte, ä 1 Thlr. Breslau, Leuckart.\nDer Componist, welcher wohl etwas zu fleissig für die\nLiedertafeln schreibt, liefert hier sechs Lieder, welche mit\nseinem gewöhnlichen Geschick geschrieben sind und seinen\nzahlreichen Freunden recht willkommen sein werden. Wir\nkönnen uns, aufrichtig gesagt, für alle seine Lieder nicht\nsonderlich begeistern, doch bescheiden wir uns gern, da\ndie Majorität offenbar gegen uns ist. Die einzelnen Num-\nmern des vorliegenden Heftes heissen: Tonkünstlerlied,\nToast, Die schweren Zeiten, Den Noah mag ich leiden,\nDeutscher Trost, Rheinisches Trinklied."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-10-25-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-10-25_01#c010", "volume": "bmtnabi_1856-10-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "345", "page_fin": "346", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561025-01.2.5", "titre_corps": "Das neue Streich-Quartett, die Gebrüder Müller aus Braunschweig.", "titre_sommaire": "Das neue Streich-Quartett, die Gebrüder Müller aus Braunschweig.", "signature_source": "Louis Kindscher", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "345", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561025-01.1.5", "debut_caractere": 3861, "fin_caractere_exclue": 4503, "texte": "Das neue Streich-Quartett, die Gebrüder Müller\naus Braunschweig.\n\nEs ist gewiss höchst beklagenswerth, dass die aus-\nübenden Tonkünstler ihr Talent mit ins Grab nehmen\nund von ihrer Kunst der Welt nichts weiter als die blosse\nErinnerung daran zurücklassen, während andere Künstler,\nwie z. B.Maler, Bildhauer und Dichter, durch Bild und Schrift\nnochauf die fernste Nachwelt gelangen können. Ein so trauri-\nges, wie vorerwähnt beklagenswertes Loos trifft nun nament-\nlich und ausschliesslich Berühmtheiten von Schauspielern,\nSängern und Instrumental-Virtuosen u. s. w. Und dennoch\ngeht deren geistige Wirksamkeit nicht ganz verloren; das B e i-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "346", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561025-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2587, "texte": "spiel, das sie von ihrer Kunsthöhe gaben, wirkte zu mäch-\ntig auf andere nachstrebende Geister. Und so wie im Staate\nauch eigentlich kein König stirbt, da bekanntlich beim\nTode eines Königs der Ruf erschallt: „Der König ist todt!\nEs lebe der König!\" so sterben auch eben so wenig die\nwirklichen Künstler oder die Koryphäen und Könige im\ngrossen, weiten Kunstreiche. Dank daher der Vorsehung,\ndass trotz dem Aller oder Verluste eines genialen Künst-\nlers ihr geistigstes Geschenk, das wirkliche Palladium, die\nKunst selber, nicht mit verloren geht.\nEinen europäischen Ruf haben sich, wie bekannt, die\nvier Gebrüder Müller aus Braunschweig durch ihr Quar-\ntettspiel erworben. Dies wurde aber auch von ihnen in\neminenter, höchster Vollendung geleistet, sowohl was den\ngeistigen Vortrag der einzelnen Musikstücke als auch die.\nerhöhte Technik (selbst im rapidesten Tempo die grösste\nPräcision und Deutlichkeit) und vor allen Dingen das En-\nsemblespiel betrifft, so dass das lauschende Publicum\nsich in Begeisterung und Entzücken versetzt sah. Nament-\nlich war die Vortrags-Einheit im Zusammenspiel oft so\nbewundernswürdig fabelhaft in der gleichmässigsten Be-\nobachtung der Nuancirung, des und des\ncendo und Decrescendo,des und\nu.s.w., dass es in der That schien, als ob dieses Künstler-\nVierkleeblatt nur Ein Körper wäre. Ganz natürlich konnte\nauch unter solchen Umständen die auf die Ausführung der\nCT\nQuartett-Meisterwerke von Haydn, Mozart und Beelhoven\nverwandte grösste Sorgfalt nicht ohne den nachhalfigsten\nEinfluss auf das Zuhörer-Publicum bleiben. Leider übte\nder grausame Tod seine zerstörende Gewalt auch auf\ndiesen seltenen Kunst-Verein aus und raubte ihm zwei sei-\nner Glieder. Mit Recht konnten wohl alle die trauern, wel-\nche die Freude gehabt, ihn zu hören, die sich überhaupt\nfür echte, wahre Kunst interessiren. Aber „es blüht\nauch neues Leben aus den Ruinen\" : ein neuer Künsfler-\nVerein ist dem alten entsprossen, und vier neue Ge-\nbrüder Müller, sämmtEeh Söhne des vormaligen ersten\nViolinspielers, des braunschweigischen Concerlmeisters\nMüller, wandeln nun auf derselben Kunst-Laufbahn wieder\nfort, indem sich unter des kunstgeübten Vaters sorgsamer\nLeitung ihre künstlerischen Leistungen bereits auch so hoch\ngesteigert haben, dass sie jenen Verlust schon weniger\niühibar machen, wo nicht wirklich ersetzen. Und ist\ndies schon beim ersten Ausfluge in die Welt der Fall,\nwas steht da noch alles von der Zukunft zu erwarten!\nWohlauf denn, junger Aar! du prüftest deine Schwin-\ngen; erhebe dich von der Scholle und strebe kühn zur\nSonne empor!'\nGöthen.\n\nLouis Kindscher."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-10-25-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-10-25_01#c011", "volume": "bmtnabi_1856-10-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "346", "page_fin": "346", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561025-01.2.6", "titre_corps": "Zu Joh. Seb. Bach's Leben.", "titre_sommaire": "Zu Joh. Seb. Bach's Leben.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "346", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561025-01.1.6", "debut_caractere": 2589, "fin_caractere_exclue": 3533, "texte": "Zu Joh. Seb. Bach's Leben.\nHerr Heinr. Bern li. Stade, Stadt-Cantor, Organist\nund Director des Gesang-Vereins in Arnstadt, hat die\nGefälligkeit gehabt, uns einen Auszug aus dem Kirchen-\nbuche zu Dorn heim bei Arnstadt, betreffend die erste\nVerheirathung Joh. Seb. Bach's, mitzutheilen. Das Acten-\nstück, dessen unseres Wissens noch nirgend Erwähnung\ngethan, lautet, wie folgt\n„17. Oct. 1707 ist der ehrenveste Herr Johann Se-\nbastian Bach, ein lediger Gesell und Organist zu St. Blasii\nin Mühlhausen, des weil, wohlehrenvesten Herrn Ambrosii\nBachen, berühmten Stadtorganisten und Musici in Eisenach\nnachgelassener eheleibl. Sohn, mit der lugendsamen Jgfr.\nMaria Barbara Bachin, des weil, wohlehrenvesten und kunst-\nberühmten Herrn Johann Michael Bachen, Organisten in\nAmtgehren, nachgelassenen jüngsten Tochter allhier in un-\nserm Gotteshause auf gnädigster Herrschaft Vergünstigung,\nnachdem sie zu Arnstadt aufgeboten worden, copulirt\nworden.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-10-25-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-10-25_01#c012", "volume": "bmtnabi_1856-10-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "346", "page_fin": "347", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561025-01.2.7", "titre_corps": "Erstes Geseĺschafts-Concert in Köln im Casinosaale, unter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferdinand Hiller.", "titre_sommaire": "Erstes Geseĺschafts-Concert in Köln im Casinosaale, unter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferdinand Hiller.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "346", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561025-01.1.6", "debut_caractere": 3535, "fin_caractere_exclue": 4768, "texte": "Erstes Geseĺschafts-Concert in Köln\nim Casinosaale,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn\nFerdinand Hiller.\nDinstag, den 21. October 1856.\nProgramm. I. !) Cherubini, Ouvertüre zu den Abencera-\ngen; 2) Spobr, Gesangscene für die Violine, gespielt von Herrn\nConcertmeister Riccius; 3) C. M. v. Weber, grosse Seene aus\nOberon, gesungen von Friiul. Aug. Brenken; 4) Franz Schu-\nbert, Tarantella für Violine, gespielt von Herrn Iliccius; ö) F.\nMendelssohn - B a r t h o 1 d y, Psaliu 42 für Soli, Chor und Or-\nchester, Sopran-Solo: Fräul. A. Brenken. 11.\nvon L. van Beethoven.\nDie Eröffnung der Abonnements-Concerte für diesen Winter\nhatte ein sehr zahlreiches Publicum im Casinosaale versammelt.\n. Unser trefflicher (Kapellmeister F. Hiller hat seine diesjährige Thä-\nI tigktit als Dingern. mit einer sehr sorgfaltigen Vorbereitung der\nI Orchester- und Chor-Auffünrungen dieses Abends begonnen, welche\ndurch Anerkennung und Befriedigung der Kenner und den wieder-\nholten Beifall des Publicums lohnend gewürdigt wurde. Die Ouver-\ntüre und die Sinfonie wurden recht gut ausgeführt, die erstere fein\nand genau, die letztere mit breitem und ruhigem Vortrage, wie er\nden symphonischen Schöpfungen Becthoven's gebührt, deren erha-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "347", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561025-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3922, "texte": "bene Schönheit heutzutage leider so oft duich \\eiiicniie Auffassung\nin ihren edelsten und charaktervollsten Zügen verzerrt wird. Bei\nder Mitwirkung so mancher neuen Mitglieder im Orchester und\ndem Mangel eines gewohnten Anführers konnte man kaum eine\nso gelungene Ausführung erwarten, als wir wirklich hörten. In\ndem Finale der Sinfonie dürfte das langsamere Zeilmaass der letz-\nten Variation eine weniger schleppende Bewegung erfordern; es ist\nnur poco Andante und als integrireiidei Ineil in ein Ganzes ein-\ngefügt, dessen Tempo durchweg Allegro molto ist. Diese Bemer-\nkung kann und soll jedoch dem grossen Verdienste des Dirigenten\num die Auffassung und Darstellung der Reethoven'sehen Sinfonieen,\nnamentlich auch durch das richtige Zeitmaass, nicht im Geringsten\nEintrag thun, und es ist laut zu rühmen, dass nach allem, was\nwir in neueren Zeiten selbst erlebt und von anderen Seiten gehört\nhaben Hiller einer der wenigen Dirigenten ist, die sich nicht\ndurch den Fortschritt der Instrumental-Technik zu einem unver-\nantwortlichen Wettrennen hinreissen lassen, bei welchem die mög-\nlichst schnelle Besiegung der Hindernisse, in der Musik Schwierig-\nkeiten genannt, die Aufgabe der Ausführung zu sein scheint und\ndie plastische Darstellung des Kunstwerkes zur Nebensache herab-\nsinkt. Auch die Orchester können so gut wie die einzelnen Künst-\nler zu Leistungen falscher Virtuosität gelangen und dadurch die\nschönste Musik verhunzen und eine Sünde gegen den heilig zu\nhaltenden Geist derselben begehen. Man kann daher einen Diri-\ngenten, der mit Beharrlichkeit diesem Unfug entgegen tritt, nicht\nhoch genug halten.\nDer 42. Psalm von Mendelssohn, ein Werk von ungleichem\nWerthe in seinen verschiedenen Theilen, wurde ebenfalls gut aus-\ngeführt, und der Chor liess durch die erste Leistung für die fol-\ngenden das Beste hoffen. Kraul. Auguste Brenken sang die\nSopran-Partie und trug ausserdem, wie im Programm angegeben,\ndie grosse Scene aus Oheron: „Ozean, du Ungeheuer!\" vor. Ihre\nvolltönende, runde und umfangreiche Stimme entfaltete sich in bei-\nden Musikstücken auf grossartige Weise, und es gereichte uns zur\nbesonderen Freude, zu gewahren, dass ihre Studien in Paris die-\nsem herrlichen Material nicht Abbruch gethan haben, sondern dass\nes noch an Gehalt und Fülle gewonnen hat. Leider kann man das\nbekanntlich nicht immer von den deutschen Sängerinnen sagen,\ndie in Paris oft an Stimme einbüssen, was sie an Kunstfertigkeit\ngewinnen. Was den Vortrag betrifft, so geben wir der Leistung lr\ndem grossen Solo in dem Psalm Andante in D-moll, „Meine\nSeele dürstet\", und dem darauf folgenden Allegro assai in A-moll\nden Vorzug in Bezug auf Würde und Haltung des Ganzen,\nwährend allerdings in der Arie von Weber einzelne Glanzpunkte\ndie grosse Befähigung der Sängerin zu dramatischen Effecten be-\nkundeten, andere Stellen aber etwas mehr Wärme des Ausdrucks\nfordern dürften. Wie wir vernehmen, hat die Concert-Direction\nFrau!. Brenken auf mehrere Concerte engagirt, wozu wir uns nur\nGlück wünschen können.\nIn der ersten Abtheilung trat Herr Riccius aus Dresden,\neiner der beiden an die Stellen der verewigten Concertmeister\nII artmann und Pixis hieher berufenen Violinspieler, zum ersten\nMale auf. Das Debüt war kein ganz glückliches, was zum Theil\nauf die Befangenheit des Künstlers, zum Theil auf die Wahl des\nMusikstückes zu schreiben ist, indem bei den ersten Klängen der\nGesangscene von Spohr in jedem Kölner unwillkürlich die Erin-\nnerung an Hartmann's unvergleichlichen Vortrag dieser trefflichen\nComposition seines Lehrers und Meisters aufsteigen musste. Incless\nzeigte sich Herr Ricciiis sowohl in dem Spohr'schen Concerte als\nin der Tarantella von Franz Schubert, die uns neu war, als einen\nsehr fertigen und gewandten Spieler, der bei seiner Jugend und\nrüstigem Streben wohl auch dem Vortrage von Compositionen ge-\nwachsen werden wird, die einen seelenvollen Gesang und idealen\nSchwung des Ausdrucks verlangen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-10-25-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-10-25_01#c013", "volume": "bmtnabi_1856-10-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "347", "page_fin": "348", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561025-01.2.8", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "347", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561025-01.1.7", "debut_caractere": 3924, "fin_caractere_exclue": 6728, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nI&öln. Am Dinstag den 28. October steht dem musicalischen\nPublicum ein grosser Genuss bevor, indem der Quartett-Ver-\nein der Herren Maurin und Genossen aus Paris im Hotel Disch\nihre erste Soiree geben werden. Schon vor einigen Jahren haben\nwir die feine und virtuose Ausführung dieses Vereins von ausge-\nzeichneten Künstlern bewundert, welche ursprünglich hauptsächlich\nnur zum Vortrag der Quartette Beethoven's aus dessen letzter\nSchöpfungs-Periode zusammen getreten sind. Auch ist in den „Pa-\nriser Briefen\" unseres Herrn Correspondenten häufig von den Lei-\nstungen derselben die Rede gewesen. Ihr Auftreten bei uns ist\njedenfalls eine der interessantesten Erscheinungen. L. B.\n* Coftlenz. Der hiesige Männergesang-Verein „Concordia\",\nwelcher am Vorabende der Abreise Ihrer Königlichen Hoheit der\njetzigen Frau Grossherzogin von Baden die Ehre hatte, Höchstder-\nselben einen musicalischen Abschiedsgruss zu bringen, erhielt jetzt,\nden Abschiedsworten gemäss, mit denen die hohen Fürstinnen da-\nmals die Sänger zu entlassen geruhten, eine reiche, in Gold ge-\nstickte, mit den Namenszügen der hohen Geberinnen geschmückte\nFahnenschleife nebst folgendem an den Dirigenten des Vereins\ngerichteten huldvollen Schreiben:\n„Ich sende Ihnen in meiner geliebten Tochter und meinem\nNamen das Fahnenband der Concordia. Wir wünschen durch das-\nselbe in steter Verbindung mit einem Vereine zu bleiben, der,\ndeutscher Sitte gemäss, durch Gesinnung und Kunst das Gute för-\ndern will und Anderen Genuss bereitet.\n„Weimar, den 27. September 1856.\n„Prinzessin von Preussen.\"\nEüts. In der verflossenen, sehr concertreichen Saison hör-\nten wir die Pianisten Henri Herz, Alfred Ja eil, A. H. Ehr-\nlich, die jugendlichen Violinisten Rosi und Rancheraye, den\nCellisten Giovanni di Dio, sodann die Sängerinnen Mad. de\nFortuni, Mad. Verdini vom Theater in Bordeaux, Fräulein\nLouise Michal, de Villar, Caroline Miller aus Berlin und\nAndere. De Beriot, der wiederholt die emser Brunnen ge-\nbraucht, lässt sich hier an einem der schönsten Punkte eine artige\nVilia erbauen, die er im Sommer mit seiner Familie bewohnen will.\nDessau; Am 3. October wurde in der hiesigen Johannis-\nkirche, und zwar zum Besten des vor dieser auf dem Lindenplalze\nzu errichtenden Leopold-Friedrich-Franz-Denkmals, Mendelssohn's\nPaulus aufgeführt. Die Solo-Partieen waren in den Händen der\nDamen Michalesi und Meyer Erstere vom herzoglichen Hof-\ntheater und Letztere aus Berlin und der beiden herzoglichen\nKammersänger, der Herren Pielke und Krüger. Das zahlreiche\nChor-Personal bestand aus der dessauer Sing-Akademie (die bereits\n1819 durch Reinicke gegründet) und zwei Sing-Vereinen aus Göthen,\nDie Aufführung von im Ganzen über 200 Personen war eine be-\nfriedigende. Das Orchester behauptete unter der sorgfältigen Lei-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "348", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561025-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6157, "texte": "I\ntung seines neuen Dirigenten, des Herrn Musik-Directors E.Thiele\n(Fr. Schneider's Schüler und Nachfolger), seinen alten Ruf.\nAus Leipzig schreibt man uns, dass im zweiten Gewandhaus-\nConcerte C. Reinecke's Ouvertüre zu „Dame Kobold\" als ein\nfrisches und lebendiges Werk mit allgemeinem Beifall aufgenom-\nmen worden ist. Fräul. Agnes Bury, die geschätzte Coloratur-\nsängerin, welche für einige Concerte engagirt ist, hat bereits zwei\nMal gesungen, jedoch nur mit getheiltem Beifall.\nIn Wien ist am 18. October Friedrich Halm's neuestes\nDrama in fünf Acten „Iphigenie in Delphi\" auf dem k. k.\nHofburgtheater zum ersten Male gegeben worden. Der Dichter\nwurde mehrere Male gerufen.\nWien. Dr. Hanslick's Antritts-Vorlesung über die\nGeschichte der Tonkunst. Bei dem ungewöhnlichen Interesse,\nwelches die Ankündigung der Vorträge des Verfassers der musica-\nlischen Briefe in der „Presse\" und der Schrift „Vom Musicalisch-\nSchönen\" in allen gebildeten Kreisen rege gemacht hat, glauben\n■wir Ihren Lesern einen Dienst zu erweisen, wenn wir in flüchtigen\nUmrissen den Gedankengang seiner am 13. October gehaltenen Er-\nöffnungsrede wiederzugeben versuchen. Zur Rechtfertigung der\nWahl seines Gegenstandes wies Herr Hanslick anf das überall aus\ndem regeren Kunstleben und erhöhten Kunstverständniss sich ent-\nwickelnde Bedürfniss hin, durch den empirischen Genuss auf den\ninneren ästhetischen Grund durchzudringen. Wer in der Lage ge-\nwesen sei, die rousicalischen Zustände in Oesterreich vor dem in\nder Welt des Geistes epochemachenden Jahre 1848 zu beobachten,\nkönne nicht anstehen, die jetzigen Zustände für weitaus bessere zu\nerklären. Die Zeit jener unerhörten Blüthe der Productivität, wie\nsie durch Gluck, Mozart und Beethoven in Wien sich entfaltete,\nsei allerdings nicht mehr; dafür lasse sich ein entschiedener Fort-\nschritt auf Seiten der Hörer erkennen. Die Theorie der Musik,\nGeneralbass- und Compositions-Lehre, liege seinem Zwecke fern, da\ndiese als Zuhörer Musiker von Fach und wirklichen gründlichen\nUnterricht erfordern. Bei den weiteren Kreisen von Gebildeten\näussere sich das Streben nach wissenschaftlicher Kenntniss der Mu-\nsik in zwei Richtungen, welche sich durch die Fragen bezeichnen\nlassen: „Was ist schön in der Musik?\" und: „Welches war das\nSchicksal der Musik von Anfang an?\" also Aesthetik und Ge-\nschichte. Es habe viel Verlockendes, mit der Aesthetik zu begin-\nnen, aber der methodische Vortrag müsse mit der Geschichte be-\nginnen, da die Aesthetik sich nur auf den gegebenen Stoff gründen\nlasse. Der Docent rechtfertigte hierauf die Trennung dieses Zwei-\nges von der allgemeinen Aesthetik. Die Musik, die älteste aller\nKünste, sei ihrer Entwicklung nach die allerjüngste. Jahrhunderte\nseien vergangen über den Erwerb der rohesten Formen, und nach-\ndem in diesen Formen das Material gegeben war, herrschte lange\nnur die Freude am Bezwingen des Materials. Von der Gränz-\nscheide des fünfzehnten und sechszehnten Jahrhunderts an lasse\nsich dann eine um so schnellere Entwicklung beobachten, indem\nJahrzehende genügten, wozu ehedem Jahrhunderte nöthig gewesen.\nFür Wien insbesondere bedürften Vorträge über die Aesthetik der\nMusik keiner besonderen Rechtfertigung. Wien besitze nicht nur\naus der Zeit der genannten Meister die glänzendsten Traditionen,\nsondern behaupte auch jetzt noch den ersten [?] Platz unter den Mu-\nsikstädten Deutschlands, und von je her habe hier unter allen Kün-\nsten die Musik die liebevollste Pflege gefunden. Der Fortschritt der\nGeschmacks-Entwicklung sei an dem Verschwinden des Haschens\nnach blosser Virtuosität einer- und der Vorliebe lür die italienische\nOper andererseits zu erkennen. Die Musik sei nun auch an der\nUniversität den anderen Künsten gleichgestellt, indem sie eine\nStätte erobert habe, wie sie derselben in Berlin, Leipzig, Heidel-\nberg und anderen deutschen Universitätsstädten bereits früher ein-\ngeräumt worden. Unter den Schwierigkeiten, welche sich solchen\nVorträgen entgegenstellten, wurden die Dürftigkeit und Zerstreut-\nheit des Materials, der Mangel an genügenden Vorarbeiten und die\nUnmöglichkeit namhaft gemacht, ein Kunstwerk wie einen histori-\nschen Gegenstand nur durch das lebendige Wort darzustellen und\nzu charakterisiren. Die Anschauung sei unbedingt erforderlich, und\ner werde daher in Zukunft die Mitwirkung von Sängern und Mu-\nsikern in Anspruch nehmen und den Zuhörern den in einem Hör-\nsaale ungewohnten Anblick eines Pianoforte bieten. Wenn man,\nschloss der Vortrag, unterscheiden gelernt, was nothwendige Ent-\nwicklung war und was Experiment, was Früchte trug und was\nverkam, dann wird leicht der Einblick in die Gegenwart, ja, selbst\nin die Zukunft.\nDie grosse musicalische Schluss-Akademie des mailänder\nMusik-Conservatoriums für das Studienjahr 1855—56 hatte folgen-\ndes Resultat. Die zwei Hauptschulen, nämlich jene der Compo-\nsition und jene des Gesanges, erschienen in diesem Jahre vorwie-\ngend produetiv; denn ausser einer bereits früher dem Publicum\nvorgelührten vollständigen Oper eines gewissen Pollini waren\nunter eilf Tonstücken, die in dieser Akademie zur Ausführung ka-\nmen, sieben von Zöglingen componirt. In dem aus 46 Individuen\nbestehenden Orchester wirkten 35 Zöglinge des Conservatoriums\nmit; zwei Zöglinge traten als Concerlspieler auf. Der erste, Luigi\nNegri, spielte ein Capriccio eigener Composition für Violine über\nMotive aus „Rigoletto\" mit viel Ausdruck und grosser Nettheit; der\nzweite, Giulio Bavesi, spielte ein Concert von Vieuxtemps;\nseine Bogenführung, die Schönheit seines Tones und sein Vortrag\nerhielten allgemeine Anerkennung, nur seine Intonation war nicht\nvollkommen rein. Derselbe hat auch eine Sinfonie componirt, deren\nFaclur gelobt wird. Zwei andere ausgeführte Sinfonieen, die eben-\nfalls Talent zeigen, haben die Zöglinge Giuseppe Macchi und\nEmilio Mantelli zu Verfassern. Als das vorzüglichste Compo-\nsitionsslück wird ein Finale von Giulio Zuccoli hervorgehoben,\nvierstimmig mit Chor. Auch unter den Gesangschülern und Schü-\nlerinnen zeigten mehrere eine schöne Ausbildung, die zu Hoffnun-\ngen berechtigt. •\nBerichtigung.\nIn Nr. 42, S. 335, Sp. 2, Z. 18 v. u., ist hinter „Paris\" hinzu-\nzufügen: „gerechtfertigt sein.\""}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "341", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561025-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nBeurtheilungen. F. Kühmstedt, „Die Verklärung des Herrn\". F. Layriz, Deutseher Kirchengesang. Von L. Kind-\nscher. Lieder für gemischten Chor von F. Möhring, Heft 1 und 2, von (Mendelssohn) J. Stern. Für Männerchor von L. Erk, Ed. Sab-\nbath, C. Kuntze, G. Barth, H. Bönicke, J. Otto, Die Gebrüder Müller. Von L. Kindscher. Zu J. S. Bach's Leben. I, Gesell-\nschafts-Conccrt in Köln. Tages- und IJnterh altungsblatt (Köln, dasMaurin'sche Quartett, Coblenz, Ems, Dessau, Leipzig, Wien).\n\nBeurtheilungen.\n\n„Die Verklärung des Herrn.\" Grosses Ora-\ntorium nach Joh. Jerem. Kummer von Friedrich\nLudwig, in Musik gesetzt von Fr. Kühmstedt. Op.\n30. Clavier-Auszug, vom Componisten eingerich-\ntet. Preis 7 Thlr. Erfurt und Leipzig, bei G. W.\nKörner.\nWie ein Maler, der sich die „Verklärung\" zum Vor-\nwurf genommen, diesen Gegenstand rein geistig zu er-\nfassen und auszuführen hat, so nicht minder der Dichter.\nDer Gegenstand ist allerdings nicht leicht zu behandeln, da\ndie geistige Idee, sich dort in der Form, hier im Worte\nverkörpernd, aus beiden hervorleuchten muss. Wie nahe\nist z. B. diesem Ideal ein Raphael in seiner Sixtinischen\nMadonna, ein Correggio in seiner heiligen Nacht, ein Mengs\nin seinem grossen Altarbilde (wie in den beiden kleineren\nan den benachbarten Pfeiler-Altären) der dresdener katho-\nlischen Kirche gekommen! So nahe, dass der Beschauer,\nin der Wonne der Anschauung verloren, sich zugleich ge-\nhoben und selbst verklärt fühlt. Legen wir diesen Maass-\nstab nun an vorliegende Dichtung, so rückt das Ideal in\nweite Ferne; wir suchen wohl Derartiges und finden's\nnicht: wir finden statt einer Verklärung nur Un-\nklares, chaotisches Material, geistige Finsterniss, Flick- und\nStückwerk, mit Phraseologie verbunden. Wenn das Orato-\nrium eine „geistliche Oper\" genannt werden kann und so-\nmit der Text auch schon plangemäss eine gewisse drama-\ntische Basis haben muss (Händel's Josua, Samson,\nAlexanderfest, Ramler's Tod Jesu u. s. w.), so wäre das\nder nächste Prüfstein für eine Oratorien-Dichtung, wenn\nman sich dieselbe dramatisch dargestellt dächte. Schon\ndiese erste Probe vermag vorliegende poetische Grundlage\nnicht auszuhalten, sie würde mit ihren aufgeputzten Phra-\nsen ohne Handlung gleich „Steifleinen\" zusammenfallen.\nAber das schon kränkelnde Drama geräth nun noch voll-\nends ins Siechthum durch Sonderbarkeit, auch Trivialität\ndes sprachlichen Ausdrucks. Maria singt: „Mir ist Alles\nnun auf Erden ewig nun dahin für mich.\" (!) Dieselbe\nsingt ferner: „Wo sollt' ich jemals Ruhe finden und wo-\nhin sicher flieh'n, und meinen Sohn, wer gäb' ihn mir zu-\nrück?\" Ein Mutterherz, gross in seiner Liebe, denkt\nnicht an sich und seine Sicherheit, nur an die des gelieb-\nten Gegenstandes, kennt keine Ruhe und wird Muth sogar\nbis zur Todesverachtung zeigen. Unter den vorkommenden\nvier Engelchören hat es dem Dichter gefallen, seine himm-\nlischen Heerscharen einmal in Hexametern singen zu lassen,\nworaus folgender Vers: „Noch in dem Grabe getreu (!),\nruht dort dein Sohn, der Geliebte.\" Die Möglichkeit des\nVordersatzes zu beweisen, wird der Dichter schuldig blei-\nben; wenigstens hätte er sich des bekannten Gedichtes er-\ninnern sollen: „Ueb' immer Treu' und Redlichkeit bis an\ndein stilles Grab.\" Nach diesem Hexameter-Engelchor singt\nder erste Wächter:\nVersiegelt ist des Grabes Tiefe,\nBei Todlen hält das Leben Wacht.\n0, dass ich selbst im Grabe schliefe (!?)\nDie schattenstille, letzte Nacht!\nZweiter Wächter :\nDer wird den Mächten nicht entrinnen,\nDie sich vertrau'n des Todes Raub. (Blühender Unsinn!)\nEs ist ein thörichtes Beginnen,\nZu hegen (!?) einen Menschenstaub.\nWarum sagte nicht schon der Componist hier zum Dich-\nter: „Lieber,.ich verstehe Sie nicht! Sie wollten wohl sa-\ngen: „„zu hüten einen Menschenstaub?\"\" Und da es\nnicht geschehen, so nehmen nun Andere daran Anstoss.\nAber es widerfährt somit nothwendig auch Leid der Com-\nposition, obgleich dieselbe ungleich höher steht als das Ge-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "342", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561025-01.1.2", "texte": "dicht. Was lür ein dramatisches Zerrbild würde z. B.\nnicht dieser sentimentale und philosophirende Wächter (!)\nschon abgeben! Dergleichen unwahre Schönreden gehören\neher in den sonstigen Roman» als an den Ort» wo das\nwirkliche Leben sich getreu abspiegeln soll. Das Publi-\ncum würde hier nur, aus seiner Illusion bei den Maaren\nherausgerissen, entweder seine Belustigung oder seinen Un-\nwillen an den Tag zu legen streben. Es hat daher über-\nhaupt der Componist das Recht, Inconvenienzen im Texte\nvon der Hand zu weisen oder zu ignoriren, soll seine Mühe\nnicht verloren gehen. So verbinden sich endlich im Texte\ndie lyrischen, sentimentalen Ergüsse mit der allernüchtern-\nsten Prosa:\nLass uns eilen, lass uns schauen,\nWas die Nacht geschehen!\nund zuletzt noch mit Gebeten und Bibelsprüchen, die ins-\ngesammt die geistige Nacktheit verschleiern oder verdecken\nsollen. Ueber den Componisten dagegen ist zu sagen,\ndass er ein rühmliches Zeugniss seines Fleisses und resp.\nseiner contrapunktischen Gewandtheit gegeben hat. Insbe-\nsondere sind die Chöre der Beachtung werth. Ob auch\nEiniges mehr die Arbeit als die Idee verräth, oder auch\netwas gesucht erscheint, so leuchtet doch im Allgemeinen\nein rühmliches Streben nach Ausdruck hervor, das auch\neines guten Erfolges sicher ist. Zu erwähnen im ersten\nTheil Nr. 16, Doppelchor der Engel, und im zweiten Theil\nEngelchor Nr. 1 und Sextett Nr. 13.\nKern des deutschen Kirchengesanges zum\nGebrauche evangelisch-lutherischer Gemeinden und\nFamilien, herausgegeben von Dr. Fri(e)dricb Layriz.\nVierte Abtheilung. 120 liturgische Weisen ent-\nhaltend.\nSeinem Inhalte nach gibt das Werk nichts mehr und\nnichts weniger als eine förmliche Kirche n - A g e n d e, sci-\nlicet altlutherische, die liturgischen Weisen, resp. ganz in\nderjenigen Form, wie sie im sechszehnten und siebenzehn-\nten Jahrhundert gesungen, enthaltend. Da Luther sich durch\nseine Reformation von der katholischen Kirche lossagte, so\nerscheint es nun hier eben so verwunderlich wie zweifelhaft,-\ndass derselbe in seiner neu geschaffenen kirchlichen Litur-\ngie auch alle die katholischen Texte, die hier nun in\ndeutscher Uebersetzung wiedergegeben sind, wirklich be-\nnutzt haben sollte. Und namentlich finden wir hier\nTexte aus der katholischen Messe, die mit latei-\nnischen Ueberschriften versehen sind. Somit dürfte vor-\nliegendes Werk dem Anscheine nach schon weniger\neine lutherische, als vielmehr eine katholische Tendenz\nvindiciren. Oder soll vielleicht hier kein Unterschied\nStatt finden? Zu verwundern auch, dass Luther den\nkatholischen Priest er gesang beibehielt, und zwar auch\nnoch ganz in der gebräuchlichen monotonen Form (Col-\nlecten) im Ton-Umfange von nur ein?r kleinen Terz bis\nhöchstens zur reinen Quarte. Wie aber diese protestantisch-\nfremdartige Liturgie noch auf das Privat-Familienleben aus-\nzudehnen und überzutragen sei, das will vollends nicht\nrecht einleuchten; auch steht im Volke gegenwärtig die\nKunst selbst auf einem ganz anderen Standpunkte über-\nhaupt. So erscheinen daher auch die hier unter dem Na-\nmen „Kern des deutschen Kirchengesanges\" (!) vor 300\nJahren (vorgeblich) in den griechischen Tonarten und mehr\nrhythmischer Form (?) gesungenen Liedweisen in vorliegen-\nder Gestalt fast mehr kirchlich-einfältig als kirchlich-einfach\nund daher unserem vorgeschrittenen musicalischcn\nStandpunkte durchaus nicht mehr entsprechend. (Siehe\nhierzu auch das nachstehende Noten-Beispiel.) Ein hinten\nangefügtes Register gibt die Nachweisung der Quellen lür\ndie meisten Lieder, welche auch zumeist aus dem sechs-\nzehnten Jahrhundert stammen. Ganz gewiss wird es jeden\nMusikfreund und insbesondere den Geschichtsforscher\ninteressiren, die Gesänge einer grauen Vorzeit in ihrer da-\nmaligen Gestalt wieder zu erblicken. Diese haben aber ihre\nZeit durchlebt und sind dahin geschwunden. In einen\nLeichnam kommt ein- lür allemal kein Leben wieder zu-\nrück, sei er auch durch galvanische Zuckungen künstlich\nerregt, und die Kunst, vor 300 Jahren noch unmündig\nund klein, ist nun mit der Zeit gross geworden. Ganz na-\ntürlich wollen ihr nun auch die alten, noch dazu vom\n„Zahn der Zeit\" recht mürbe gewordenen Kindergevvän-\nder nicht mehr passen. Und wenn im Laufe der Zeit\ndie Kunst mündig geworden, so rückt sie immer weiter\nauf ihrer Schönheitsbahn vor, lässt sich darauf nicht\nzurück-, so wie überhaupt Unschönes, Geschmack- und\nAusdrucksloses sich nicht auf drängen. Wohl ändert im welt-\nlichen Treiben die launen- und flatterhafte Mode chamäieon-\nartig stets ihre Farbe und liess sogar noch vor etlichen\nJahren den alten Renaissance- oder Rococo-Stvl wieder er-\nstehen; die Kunst aber soll ihre Charakterfestigkeit behaup-\nten, und es soll auch kein weltlicher Wechsel ins ruhevolle\nHeiligthum der Kirche dringen, deren musicalisch würdig-\nster Repräsentant nun einmal der Choral in der bisherigen\n(durch die Zeit verklärten) Gestalt, nimmer aber weder der\nrhythmisch bewegte, noch auch der in den dahinge-\nschwundenen Kirchen-Tonarten ist und sein kann."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "343", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561025-01.1.3", "texte": "So passen natürlich auch die alten Texte nicht mehr. Wer\nz. B. wird jetzt aus dem vorliegenden Werke (in Kirche\noder Familie) noch singen können oder wollen: „Erhalt'\nuns, Herr, bei Deinem Wort und steur' des Papst's und\nTürken Mord\" ? Auch sind die alten Texte nicht lyrisch\ngenug und geben daher zugleich zum Gesänge nicht Grund\ngenug, z. B: „Jesaia, dem Propheten, das geschah\". Der\nGeist der alten Glaubens-Einfalt, der sich vor 300 Jahren\nin Wort und Ton aussprach, wird schwerlich durch die\nblosse Form wieder ins Leben treten; denn der Buch-\nstabe tödtet, nur der Geist macht lebendig. Wie monoton\nund mehr geisttödtend als erhebend erscheint z. B. hier\nnicht die Litanei und eine Masse von Responsorien, worin\nauf Einem und demselben Dreiklange eine unendlich lange\nReihe (unlyrischer) Worte gesungen wird! Wie geliihls-\nwidrig und steif klingt ferner nicht der häufige Hader des\nWort-Accents mit dem rhythmischen, wovon auch das fol-\ngende Noten-Beispiel bei „erbarme dich unser\" einen Be-\nleg hergibt! Dazu gesellen sich auch noch in harmonischer\nBeziehung die häufigen alten Querstand-Sünden * 'cl *ig und\nviele Dreikiang-Harmonieen ohne Ter». Drollig und ko-\nmisch genug wird von der „Lamentation\" Nr. 117 auch\ndie Ueberschri ft mitgesungen, welche lautet: „Weh-\nklage des Propheten Jeremias über Jerusalem.\" Wahrlich,\nein geradezu „verbohrter\" Geschmack vermag nur so etwas\nin der Ordnung zu finden. Wie sonderbar klingt ferner in\nden Introitender Solo-Sopran: „Ich halte\", und nun gleich\ndarauf die Folge der übrigen Stimmen einfallend mit den\nWorten: „mich, Herr, zu Deinem Altar.\" Fasst man nun\nendlich diese vielen Uebelstände zusammen, von welchen\nsich noch mehrere aus dem Werke schöpfen lassen, so drängt\nsich von selbst die Frage auf: Was soll der alle Kram aus\nseinem Staub-Archive hervor ans frische Leben gezogen\nwerden, für das er nun einmal nicht mehr passt, und wo-\nzu oder woher somit eine dritte und „sehr vermehrte\"\nAuflage?? Diese Frage oder vielmehr dieses Räthsel\nschien dem Referenten beim Umwenden des Buches auf\ndessen grüner Rückseite die abgebildete kleine Sphinx, in\nihren Klauen ein grosses Buch, wahrscheinlich die alle\nKirchenmusik, hallend, geben zu wollen. Doch nur getrost!\nWir dürfen in unserer Drangsal auch noch auf das Er-\nscheinen eines kleinen Oedipus hoffen, und fragen schliess-\nlich noch das hochzuverehrende Publicum, ob es auch ge-\nsonnen ist, seine gewohnten und schönen Kirchen-Me-\nlodieen für nachstehende Probe in Parallele oder gar in\nTausch zu geben:\nGöthen.\n\nLouis Kindscher.\n\nVierstimmige Lieder für gemischten Chor.\nFerdinand Möhring, Lieder und Gesänge. Heft\n1 und 2. Partitur ä 15 Sgr., jede Stimme ä 3\nSgr. Schleusingen, bei Conrad Glaser.\nNr. 1, „In die Ferne\", von Rletke, eignet sich nicht\nfür die mehrstimmige Behandlung und ist überdies ober-\nflächlich in der Auffassung und ziemlich gewöhnlich in der\nErfindung. Man sehe:\nEin gleiches Urtheil muss man über Nr. 2 lallen: „Erstes\nGrün\" von J. Kerner. Auch machen wir den Componisten\nauf die darin herrschende rhythmische Monotonie aufmerk-\nsam. Nr. 3, Herbstlied, ist ein recht freundliches Lied, das\naber mehr aus Phrasen als aus wirklichen Gedanken be-\nsteht. Unschön ist der lünftactige Rhythmus zum Schluss."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "344", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561025-01.1.4", "texte": "Was würde der alte Nägeli zu solchem Verstoss gegen\ndieEurhythmie gesagt haben? Ein gleicher Verstoss ist im\nfolgenden Liede Nr. 4, „Nachruf\". Der Cömponist, wel-\ncher selber hinter den Fehler gekommen zu sein scheint,\nhat sich die Verbesserung leicht gemacht, indem er plötz-\nlich aus dem 6/3-Tact s/3-Tact macht. Da ist der Fehler\nzwar versteckt, aber vorhanden ist er dennoch, und die\nLeichtfertigkeit, mit der man den Componisten über den\nFehler hinwegschlüpfen sieht, der ihm nicht verborgen\nblieb, verstimmt mehr, als der Fehler selbst. Tadeinswerth\nist die folgende Behandlung der Singstimmen, selbst abge-\nsehen von der schlechten Declamation:\nWährend man nun unter den noch übrigen zwölf Lie-\ndern manchem niedlichen Liedchen begegnet, wie Nr. 7,\n„Ein Glöcklein klinget\", Nr. 8, Die Laube, Nr. 12, Volks-\nlied, Nr. 16, In blauer Luft, so begegnet man auch wie-\nder manchen Ungeschicklichkeiten, wie z. B.:\nso dass man eben zu der Ueberzeugung gelangt, dass dem\nComponisten vor Allem noch geläuterter Geschmack, ern-\nster Wille und besseres Streben, wie auch strengere\nSelbstkritik zu wünschen ist, wenn sein unläugbar hüb-\nsches Talent edle Früchte treiben soll. Er gebe in Zukunft\nweniger auf einmal und nur das Bessere! Auch ist eine\nstrengere Auswahl der Texte vounöthen; es eignet sich\ndoch nicht jedes Gedicht lür den Chorgesang!\nGesänge und Lieder von Felix Mendelssohn-Bar-\ntholdy, für Sopran, Alt, Tenor und Bass eingerich-\ntet von Julius Stern. Aus Op. 1 und 9. Lief. I.\nPr. 25 Sgr. Berlin, bei Schlesinger.\nDie vorliegende Lieferung enthält „Maienlied\", „Im\nHerbste *, „ Aerntelied8, „ Wanderlied\". Sie sind sämmt-\nlich so geschickt und wirksam arrangirt, wie man es von\nJulius Stern nur erwarten konnte, und werden die schö-\nnen Weisen in dieser Gestalt den Sing-Vereinen eine schöne\nBereicherung ihres Repertoires sein. Von besonders schö-\nner Wirkung ist das alte Kirchenlied: „Es ist ein Schnit-\nter, der heisst Tod.\"\n\nLieder für Männerchor.\nLudwig Erk, Der liebe Hahnemann. Altdeutsches\nLied. Partitur und Stimmen 17% Sgr. Berlin,\nbei Schlesinger.\nDas Lied wird als „ Preis Quartett, bei der Stiftungs-\nfeier der neuen berliner Liedertafel zum ersten Male ge-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "345", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561025-01.1.5", "texte": "sungen\", näher bezeichnet, und glauben wir, dass es auch\nin anderen Vereinen um seiner gesunden Fröhlichkeit und\nhumoristischen Färbung willen sich Freunde erwerben\nwird. Es ist keine unzweckmässige Erleichterung für we-\nniger geübte Vereine, dass das Lied, welches in H-dur ge-\nsungen werden soll, in C-durgeschrieben worden.\nEduard Sabbath, „Noch ist die blühende, goldne\nZeit\" von Otto Roquette. Op. 9. Partitur und\nStimmen 15 Sgr. Ebendaselbst.\nEin frisches Lied, das, aus voller Brust gesungen, seine\nWirkung nicht verfehlen wird. Aus so einem einzelnen,\nnicht absonderlich originellen Liedchen lässt sich freilich\nauf die Begabung eines Componisten im Allgemeinen noch\nkein Schluss ziehen. Auffallend ist der orthographische Feh-\nler gleich im ersten Tacte des Liedes, wo es im zweiten\nTenor b, anstatt ais, heissen muss, eben so Tact 7 und 8,\nwährend das ais in Tact 9 ganz richtig ist.\nC. Kuntze, Heitere Männergesänge. Zweite Folge,\nHeft 3. Op. 19. Pr. % Thlr. Ebendaselbst.\nDas Heft enthält zwei Lieder: „Im Quartier\" und\n„ Soldatenliebe\", welche zu jener Sorte gehören, bei deren\nAnhören einem ordentlichen Künstler brühsiedendheiss vor\nSchaam wird. In einem der letzten Blätter sagte ein Refe-\nrent bei Gelegenheit von Jaell'schen Salon-Compositionen,\nsie seien wahres Gift für Mädchen-Institute; denn es gäbe\nauch entsittlichende Musik, wozu jene zu zählen. Wir stim-\nmen dem geehrten Referenten in dieser Behauptung (wel-\nche schon der alte, würdige Thibaut in seinem Werke über\n„Reinheit der Tonkunst\" ausspricht) vollkommen bei und\nwenden den Ausspruch auf diese Lieder an, welche wahres\nGift für Männergesang-Vereine sind. Auf welcher Stufe der\nComponist steht, kann man schon an seiner Text-Wahl\nerkennen; die Texte sind nicht etwa ein wenig derb, son-\ndern so zweideutiger und geradezu gemeiner Natur, dass\nich es nicht wagen darf, diese Behauptung durch Belege\nzu begründen, weil ich voraussetzen muss, dass diese Blät-\nter auch von kunstliebenden Damen gelesen werden, wel-\nchen ich begreiflicher Weise solche Verse von Herrn R.\nLindenberg nicht vorführen dürfte.\nGustav Barth, Lied der Landsknechte auf dem\nZuge. Op. 19, Nr. 5. Preis 30 Kr. Wien, bei\nWitzendorf.\nNicht ohne charakteristische Färbung, welcher der\nComponist leider aber nicht ganz treu bleibt, was bei der\nKür/.e des Liedes doch wohl nicht schwer gewesen wäre.\nUebrigens recht wohl zu empfehlen.\nH. Boenicke, Die wilde Jagd. Op. 3. Preis 17l/2\nSgr. Magdeburg, bei Heinrichshofen.\nBei Weitem das beste der bis dahin besprochenen\nWerke. Der Componist zeigt unverkennbares Talent und\neinen redlichen Willen. Die wilde Jngd selber klingt zwar\nnicht sonderlich wild und könnte besser charakterisirt sein;\nnichts desto weniger empfehlen wir das Werk, welches\nübrigens eine gute Aufgabe für geübte Männerchöre ist,\ndringend. Der Dichter ist nicht genannt worden, und kön-\nnen wir nicht verhehlen, dass es uns scheint, als verdanke\ndas Gedicht ausschliesslich seine Entstehung dem momen-\ntanen Bedürfnisse des Componisten, welcher für eine der-\nartige Composition die nöthigen Worte brauchte. Diese\nscheinbare Absichtlichkeit wirkt etwas verstimmend. Doch\nist dies eine individuelle Ansicht. Möglich ist's, dass wir in\nunserer Voraussetzung irren.\nJulius Otto, Sechs Chor-Lieder (ohne Opuszahl).\n2 Hefte, ä 1 Thlr. Breslau, Leuckart.\nDer Componist, welcher wohl etwas zu fleissig für die\nLiedertafeln schreibt, liefert hier sechs Lieder, welche mit\nseinem gewöhnlichen Geschick geschrieben sind und seinen\nzahlreichen Freunden recht willkommen sein werden. Wir\nkönnen uns, aufrichtig gesagt, für alle seine Lieder nicht\nsonderlich begeistern, doch bescheiden wir uns gern, da\ndie Majorität offenbar gegen uns ist. Die einzelnen Num-\nmern des vorliegenden Heftes heissen: Tonkünstlerlied,\nToast, Die schweren Zeiten, Den Noah mag ich leiden,\nDeutscher Trost, Rheinisches Trinklied.\n\nDas neue Streich-Quartett, die Gebrüder Müller\naus Braunschweig.\n\nEs ist gewiss höchst beklagenswerth, dass die aus-\nübenden Tonkünstler ihr Talent mit ins Grab nehmen\nund von ihrer Kunst der Welt nichts weiter als die blosse\nErinnerung daran zurücklassen, während andere Künstler,\nwie z. B.Maler, Bildhauer und Dichter, durch Bild und Schrift\nnochauf die fernste Nachwelt gelangen können. Ein so trauri-\nges, wie vorerwähnt beklagenswertes Loos trifft nun nament-\nlich und ausschliesslich Berühmtheiten von Schauspielern,\nSängern und Instrumental-Virtuosen u. s. w. Und dennoch\ngeht deren geistige Wirksamkeit nicht ganz verloren; das B e i-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "346", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561025-01.1.6", "texte": "spiel, das sie von ihrer Kunsthöhe gaben, wirkte zu mäch-\ntig auf andere nachstrebende Geister. Und so wie im Staate\nauch eigentlich kein König stirbt, da bekanntlich beim\nTode eines Königs der Ruf erschallt: „Der König ist todt!\nEs lebe der König!\" so sterben auch eben so wenig die\nwirklichen Künstler oder die Koryphäen und Könige im\ngrossen, weiten Kunstreiche. Dank daher der Vorsehung,\ndass trotz dem Aller oder Verluste eines genialen Künst-\nlers ihr geistigstes Geschenk, das wirkliche Palladium, die\nKunst selber, nicht mit verloren geht.\nEinen europäischen Ruf haben sich, wie bekannt, die\nvier Gebrüder Müller aus Braunschweig durch ihr Quar-\ntettspiel erworben. Dies wurde aber auch von ihnen in\neminenter, höchster Vollendung geleistet, sowohl was den\ngeistigen Vortrag der einzelnen Musikstücke als auch die.\nerhöhte Technik (selbst im rapidesten Tempo die grösste\nPräcision und Deutlichkeit) und vor allen Dingen das En-\nsemblespiel betrifft, so dass das lauschende Publicum\nsich in Begeisterung und Entzücken versetzt sah. Nament-\nlich war die Vortrags-Einheit im Zusammenspiel oft so\nbewundernswürdig fabelhaft in der gleichmässigsten Be-\nobachtung der Nuancirung, des und des\ncendo und Decrescendo,des und\nu.s.w., dass es in der That schien, als ob dieses Künstler-\nVierkleeblatt nur Ein Körper wäre. Ganz natürlich konnte\nauch unter solchen Umständen die auf die Ausführung der\nCT\nQuartett-Meisterwerke von Haydn, Mozart und Beelhoven\nverwandte grösste Sorgfalt nicht ohne den nachhalfigsten\nEinfluss auf das Zuhörer-Publicum bleiben. Leider übte\nder grausame Tod seine zerstörende Gewalt auch auf\ndiesen seltenen Kunst-Verein aus und raubte ihm zwei sei-\nner Glieder. Mit Recht konnten wohl alle die trauern, wel-\nche die Freude gehabt, ihn zu hören, die sich überhaupt\nfür echte, wahre Kunst interessiren. Aber „es blüht\nauch neues Leben aus den Ruinen\" : ein neuer Künsfler-\nVerein ist dem alten entsprossen, und vier neue Ge-\nbrüder Müller, sämmtEeh Söhne des vormaligen ersten\nViolinspielers, des braunschweigischen Concerlmeisters\nMüller, wandeln nun auf derselben Kunst-Laufbahn wieder\nfort, indem sich unter des kunstgeübten Vaters sorgsamer\nLeitung ihre künstlerischen Leistungen bereits auch so hoch\ngesteigert haben, dass sie jenen Verlust schon weniger\niühibar machen, wo nicht wirklich ersetzen. Und ist\ndies schon beim ersten Ausfluge in die Welt der Fall,\nwas steht da noch alles von der Zukunft zu erwarten!\nWohlauf denn, junger Aar! du prüftest deine Schwin-\ngen; erhebe dich von der Scholle und strebe kühn zur\nSonne empor!'\nGöthen.\n\nLouis Kindscher.\n\nZu Joh. Seb. Bach's Leben.\nHerr Heinr. Bern li. Stade, Stadt-Cantor, Organist\nund Director des Gesang-Vereins in Arnstadt, hat die\nGefälligkeit gehabt, uns einen Auszug aus dem Kirchen-\nbuche zu Dorn heim bei Arnstadt, betreffend die erste\nVerheirathung Joh. Seb. Bach's, mitzutheilen. Das Acten-\nstück, dessen unseres Wissens noch nirgend Erwähnung\ngethan, lautet, wie folgt\n„17. Oct. 1707 ist der ehrenveste Herr Johann Se-\nbastian Bach, ein lediger Gesell und Organist zu St. Blasii\nin Mühlhausen, des weil, wohlehrenvesten Herrn Ambrosii\nBachen, berühmten Stadtorganisten und Musici in Eisenach\nnachgelassener eheleibl. Sohn, mit der lugendsamen Jgfr.\nMaria Barbara Bachin, des weil, wohlehrenvesten und kunst-\nberühmten Herrn Johann Michael Bachen, Organisten in\nAmtgehren, nachgelassenen jüngsten Tochter allhier in un-\nserm Gotteshause auf gnädigster Herrschaft Vergünstigung,\nnachdem sie zu Arnstadt aufgeboten worden, copulirt\nworden.\"\n\nErstes Geseĺschafts-Concert in Köln\nim Casinosaale,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn\nFerdinand Hiller.\nDinstag, den 21. October 1856.\nProgramm. I. !) Cherubini, Ouvertüre zu den Abencera-\ngen; 2) Spobr, Gesangscene für die Violine, gespielt von Herrn\nConcertmeister Riccius; 3) C. M. v. Weber, grosse Seene aus\nOberon, gesungen von Friiul. Aug. Brenken; 4) Franz Schu-\nbert, Tarantella für Violine, gespielt von Herrn Iliccius; ö) F.\nMendelssohn - B a r t h o 1 d y, Psaliu 42 für Soli, Chor und Or-\nchester, Sopran-Solo: Fräul. A. Brenken. 11.\nvon L. van Beethoven.\nDie Eröffnung der Abonnements-Concerte für diesen Winter\nhatte ein sehr zahlreiches Publicum im Casinosaale versammelt.\n. Unser trefflicher (Kapellmeister F. Hiller hat seine diesjährige Thä-\nI tigktit als Dingern. mit einer sehr sorgfaltigen Vorbereitung der\nI Orchester- und Chor-Auffünrungen dieses Abends begonnen, welche\ndurch Anerkennung und Befriedigung der Kenner und den wieder-\nholten Beifall des Publicums lohnend gewürdigt wurde. Die Ouver-\ntüre und die Sinfonie wurden recht gut ausgeführt, die erstere fein\nand genau, die letztere mit breitem und ruhigem Vortrage, wie er\nden symphonischen Schöpfungen Becthoven's gebührt, deren erha-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "347", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561025-01.1.7", "texte": "bene Schönheit heutzutage leider so oft duich \\eiiicniie Auffassung\nin ihren edelsten und charaktervollsten Zügen verzerrt wird. Bei\nder Mitwirkung so mancher neuen Mitglieder im Orchester und\ndem Mangel eines gewohnten Anführers konnte man kaum eine\nso gelungene Ausführung erwarten, als wir wirklich hörten. In\ndem Finale der Sinfonie dürfte das langsamere Zeilmaass der letz-\nten Variation eine weniger schleppende Bewegung erfordern; es ist\nnur poco Andante und als integrireiidei Ineil in ein Ganzes ein-\ngefügt, dessen Tempo durchweg Allegro molto ist. Diese Bemer-\nkung kann und soll jedoch dem grossen Verdienste des Dirigenten\num die Auffassung und Darstellung der Reethoven'sehen Sinfonieen,\nnamentlich auch durch das richtige Zeitmaass, nicht im Geringsten\nEintrag thun, und es ist laut zu rühmen, dass nach allem, was\nwir in neueren Zeiten selbst erlebt und von anderen Seiten gehört\nhaben Hiller einer der wenigen Dirigenten ist, die sich nicht\ndurch den Fortschritt der Instrumental-Technik zu einem unver-\nantwortlichen Wettrennen hinreissen lassen, bei welchem die mög-\nlichst schnelle Besiegung der Hindernisse, in der Musik Schwierig-\nkeiten genannt, die Aufgabe der Ausführung zu sein scheint und\ndie plastische Darstellung des Kunstwerkes zur Nebensache herab-\nsinkt. Auch die Orchester können so gut wie die einzelnen Künst-\nler zu Leistungen falscher Virtuosität gelangen und dadurch die\nschönste Musik verhunzen und eine Sünde gegen den heilig zu\nhaltenden Geist derselben begehen. Man kann daher einen Diri-\ngenten, der mit Beharrlichkeit diesem Unfug entgegen tritt, nicht\nhoch genug halten.\nDer 42. Psalm von Mendelssohn, ein Werk von ungleichem\nWerthe in seinen verschiedenen Theilen, wurde ebenfalls gut aus-\ngeführt, und der Chor liess durch die erste Leistung für die fol-\ngenden das Beste hoffen. Kraul. Auguste Brenken sang die\nSopran-Partie und trug ausserdem, wie im Programm angegeben,\ndie grosse Scene aus Oheron: „Ozean, du Ungeheuer!\" vor. Ihre\nvolltönende, runde und umfangreiche Stimme entfaltete sich in bei-\nden Musikstücken auf grossartige Weise, und es gereichte uns zur\nbesonderen Freude, zu gewahren, dass ihre Studien in Paris die-\nsem herrlichen Material nicht Abbruch gethan haben, sondern dass\nes noch an Gehalt und Fülle gewonnen hat. Leider kann man das\nbekanntlich nicht immer von den deutschen Sängerinnen sagen,\ndie in Paris oft an Stimme einbüssen, was sie an Kunstfertigkeit\ngewinnen. Was den Vortrag betrifft, so geben wir der Leistung lr\ndem grossen Solo in dem Psalm Andante in D-moll, „Meine\nSeele dürstet\", und dem darauf folgenden Allegro assai in A-moll\nden Vorzug in Bezug auf Würde und Haltung des Ganzen,\nwährend allerdings in der Arie von Weber einzelne Glanzpunkte\ndie grosse Befähigung der Sängerin zu dramatischen Effecten be-\nkundeten, andere Stellen aber etwas mehr Wärme des Ausdrucks\nfordern dürften. Wie wir vernehmen, hat die Concert-Direction\nFrau!. Brenken auf mehrere Concerte engagirt, wozu wir uns nur\nGlück wünschen können.\nIn der ersten Abtheilung trat Herr Riccius aus Dresden,\neiner der beiden an die Stellen der verewigten Concertmeister\nII artmann und Pixis hieher berufenen Violinspieler, zum ersten\nMale auf. Das Debüt war kein ganz glückliches, was zum Theil\nauf die Befangenheit des Künstlers, zum Theil auf die Wahl des\nMusikstückes zu schreiben ist, indem bei den ersten Klängen der\nGesangscene von Spohr in jedem Kölner unwillkürlich die Erin-\nnerung an Hartmann's unvergleichlichen Vortrag dieser trefflichen\nComposition seines Lehrers und Meisters aufsteigen musste. Incless\nzeigte sich Herr Ricciiis sowohl in dem Spohr'schen Concerte als\nin der Tarantella von Franz Schubert, die uns neu war, als einen\nsehr fertigen und gewandten Spieler, der bei seiner Jugend und\nrüstigem Streben wohl auch dem Vortrage von Compositionen ge-\nwachsen werden wird, die einen seelenvollen Gesang und idealen\nSchwung des Ausdrucks verlangen.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nI&öln. Am Dinstag den 28. October steht dem musicalischen\nPublicum ein grosser Genuss bevor, indem der Quartett-Ver-\nein der Herren Maurin und Genossen aus Paris im Hotel Disch\nihre erste Soiree geben werden. Schon vor einigen Jahren haben\nwir die feine und virtuose Ausführung dieses Vereins von ausge-\nzeichneten Künstlern bewundert, welche ursprünglich hauptsächlich\nnur zum Vortrag der Quartette Beethoven's aus dessen letzter\nSchöpfungs-Periode zusammen getreten sind. Auch ist in den „Pa-\nriser Briefen\" unseres Herrn Correspondenten häufig von den Lei-\nstungen derselben die Rede gewesen. Ihr Auftreten bei uns ist\njedenfalls eine der interessantesten Erscheinungen. L. B.\n* Coftlenz. Der hiesige Männergesang-Verein „Concordia\",\nwelcher am Vorabende der Abreise Ihrer Königlichen Hoheit der\njetzigen Frau Grossherzogin von Baden die Ehre hatte, Höchstder-\nselben einen musicalischen Abschiedsgruss zu bringen, erhielt jetzt,\nden Abschiedsworten gemäss, mit denen die hohen Fürstinnen da-\nmals die Sänger zu entlassen geruhten, eine reiche, in Gold ge-\nstickte, mit den Namenszügen der hohen Geberinnen geschmückte\nFahnenschleife nebst folgendem an den Dirigenten des Vereins\ngerichteten huldvollen Schreiben:\n„Ich sende Ihnen in meiner geliebten Tochter und meinem\nNamen das Fahnenband der Concordia. Wir wünschen durch das-\nselbe in steter Verbindung mit einem Vereine zu bleiben, der,\ndeutscher Sitte gemäss, durch Gesinnung und Kunst das Gute för-\ndern will und Anderen Genuss bereitet.\n„Weimar, den 27. September 1856.\n„Prinzessin von Preussen.\"\nEüts. In der verflossenen, sehr concertreichen Saison hör-\nten wir die Pianisten Henri Herz, Alfred Ja eil, A. H. Ehr-\nlich, die jugendlichen Violinisten Rosi und Rancheraye, den\nCellisten Giovanni di Dio, sodann die Sängerinnen Mad. de\nFortuni, Mad. Verdini vom Theater in Bordeaux, Fräulein\nLouise Michal, de Villar, Caroline Miller aus Berlin und\nAndere. De Beriot, der wiederholt die emser Brunnen ge-\nbraucht, lässt sich hier an einem der schönsten Punkte eine artige\nVilia erbauen, die er im Sommer mit seiner Familie bewohnen will.\nDessau; Am 3. October wurde in der hiesigen Johannis-\nkirche, und zwar zum Besten des vor dieser auf dem Lindenplalze\nzu errichtenden Leopold-Friedrich-Franz-Denkmals, Mendelssohn's\nPaulus aufgeführt. Die Solo-Partieen waren in den Händen der\nDamen Michalesi und Meyer Erstere vom herzoglichen Hof-\ntheater und Letztere aus Berlin und der beiden herzoglichen\nKammersänger, der Herren Pielke und Krüger. Das zahlreiche\nChor-Personal bestand aus der dessauer Sing-Akademie (die bereits\n1819 durch Reinicke gegründet) und zwei Sing-Vereinen aus Göthen,\nDie Aufführung von im Ganzen über 200 Personen war eine be-\nfriedigende. Das Orchester behauptete unter der sorgfältigen Lei-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "348", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561025-01.1.8", "texte": "I\ntung seines neuen Dirigenten, des Herrn Musik-Directors E.Thiele\n(Fr. Schneider's Schüler und Nachfolger), seinen alten Ruf.\nAus Leipzig schreibt man uns, dass im zweiten Gewandhaus-\nConcerte C. Reinecke's Ouvertüre zu „Dame Kobold\" als ein\nfrisches und lebendiges Werk mit allgemeinem Beifall aufgenom-\nmen worden ist. Fräul. Agnes Bury, die geschätzte Coloratur-\nsängerin, welche für einige Concerte engagirt ist, hat bereits zwei\nMal gesungen, jedoch nur mit getheiltem Beifall.\nIn Wien ist am 18. October Friedrich Halm's neuestes\nDrama in fünf Acten „Iphigenie in Delphi\" auf dem k. k.\nHofburgtheater zum ersten Male gegeben worden. Der Dichter\nwurde mehrere Male gerufen.\nWien. Dr. Hanslick's Antritts-Vorlesung über die\nGeschichte der Tonkunst. Bei dem ungewöhnlichen Interesse,\nwelches die Ankündigung der Vorträge des Verfassers der musica-\nlischen Briefe in der „Presse\" und der Schrift „Vom Musicalisch-\nSchönen\" in allen gebildeten Kreisen rege gemacht hat, glauben\n■wir Ihren Lesern einen Dienst zu erweisen, wenn wir in flüchtigen\nUmrissen den Gedankengang seiner am 13. October gehaltenen Er-\nöffnungsrede wiederzugeben versuchen. Zur Rechtfertigung der\nWahl seines Gegenstandes wies Herr Hanslick anf das überall aus\ndem regeren Kunstleben und erhöhten Kunstverständniss sich ent-\nwickelnde Bedürfniss hin, durch den empirischen Genuss auf den\ninneren ästhetischen Grund durchzudringen. Wer in der Lage ge-\nwesen sei, die rousicalischen Zustände in Oesterreich vor dem in\nder Welt des Geistes epochemachenden Jahre 1848 zu beobachten,\nkönne nicht anstehen, die jetzigen Zustände für weitaus bessere zu\nerklären. Die Zeit jener unerhörten Blüthe der Productivität, wie\nsie durch Gluck, Mozart und Beethoven in Wien sich entfaltete,\nsei allerdings nicht mehr; dafür lasse sich ein entschiedener Fort-\nschritt auf Seiten der Hörer erkennen. Die Theorie der Musik,\nGeneralbass- und Compositions-Lehre, liege seinem Zwecke fern, da\ndiese als Zuhörer Musiker von Fach und wirklichen gründlichen\nUnterricht erfordern. Bei den weiteren Kreisen von Gebildeten\näussere sich das Streben nach wissenschaftlicher Kenntniss der Mu-\nsik in zwei Richtungen, welche sich durch die Fragen bezeichnen\nlassen: „Was ist schön in der Musik?\" und: „Welches war das\nSchicksal der Musik von Anfang an?\" also Aesthetik und Ge-\nschichte. Es habe viel Verlockendes, mit der Aesthetik zu begin-\nnen, aber der methodische Vortrag müsse mit der Geschichte be-\nginnen, da die Aesthetik sich nur auf den gegebenen Stoff gründen\nlasse. Der Docent rechtfertigte hierauf die Trennung dieses Zwei-\nges von der allgemeinen Aesthetik. Die Musik, die älteste aller\nKünste, sei ihrer Entwicklung nach die allerjüngste. Jahrhunderte\nseien vergangen über den Erwerb der rohesten Formen, und nach-\ndem in diesen Formen das Material gegeben war, herrschte lange\nnur die Freude am Bezwingen des Materials. Von der Gränz-\nscheide des fünfzehnten und sechszehnten Jahrhunderts an lasse\nsich dann eine um so schnellere Entwicklung beobachten, indem\nJahrzehende genügten, wozu ehedem Jahrhunderte nöthig gewesen.\nFür Wien insbesondere bedürften Vorträge über die Aesthetik der\nMusik keiner besonderen Rechtfertigung. Wien besitze nicht nur\naus der Zeit der genannten Meister die glänzendsten Traditionen,\nsondern behaupte auch jetzt noch den ersten [?] Platz unter den Mu-\nsikstädten Deutschlands, und von je her habe hier unter allen Kün-\nsten die Musik die liebevollste Pflege gefunden. Der Fortschritt der\nGeschmacks-Entwicklung sei an dem Verschwinden des Haschens\nnach blosser Virtuosität einer- und der Vorliebe lür die italienische\nOper andererseits zu erkennen. Die Musik sei nun auch an der\nUniversität den anderen Künsten gleichgestellt, indem sie eine\nStätte erobert habe, wie sie derselben in Berlin, Leipzig, Heidel-\nberg und anderen deutschen Universitätsstädten bereits früher ein-\ngeräumt worden. Unter den Schwierigkeiten, welche sich solchen\nVorträgen entgegenstellten, wurden die Dürftigkeit und Zerstreut-\nheit des Materials, der Mangel an genügenden Vorarbeiten und die\nUnmöglichkeit namhaft gemacht, ein Kunstwerk wie einen histori-\nschen Gegenstand nur durch das lebendige Wort darzustellen und\nzu charakterisiren. Die Anschauung sei unbedingt erforderlich, und\ner werde daher in Zukunft die Mitwirkung von Sängern und Mu-\nsikern in Anspruch nehmen und den Zuhörern den in einem Hör-\nsaale ungewohnten Anblick eines Pianoforte bieten. Wenn man,\nschloss der Vortrag, unterscheiden gelernt, was nothwendige Ent-\nwicklung war und was Experiment, was Früchte trug und was\nverkam, dann wird leicht der Einblick in die Gegenwart, ja, selbst\nin die Zukunft.\nDie grosse musicalische Schluss-Akademie des mailänder\nMusik-Conservatoriums für das Studienjahr 1855—56 hatte folgen-\ndes Resultat. Die zwei Hauptschulen, nämlich jene der Compo-\nsition und jene des Gesanges, erschienen in diesem Jahre vorwie-\ngend produetiv; denn ausser einer bereits früher dem Publicum\nvorgelührten vollständigen Oper eines gewissen Pollini waren\nunter eilf Tonstücken, die in dieser Akademie zur Ausführung ka-\nmen, sieben von Zöglingen componirt. In dem aus 46 Individuen\nbestehenden Orchester wirkten 35 Zöglinge des Conservatoriums\nmit; zwei Zöglinge traten als Concerlspieler auf. Der erste, Luigi\nNegri, spielte ein Capriccio eigener Composition für Violine über\nMotive aus „Rigoletto\" mit viel Ausdruck und grosser Nettheit; der\nzweite, Giulio Bavesi, spielte ein Concert von Vieuxtemps;\nseine Bogenführung, die Schönheit seines Tones und sein Vortrag\nerhielten allgemeine Anerkennung, nur seine Intonation war nicht\nvollkommen rein. Derselbe hat auch eine Sinfonie componirt, deren\nFaclur gelobt wird. Zwei andere ausgeführte Sinfonieen, die eben-\nfalls Talent zeigen, haben die Zöglinge Giuseppe Macchi und\nEmilio Mantelli zu Verfassern. Als das vorzüglichste Compo-\nsitionsslück wird ein Finale von Giulio Zuccoli hervorgehoben,\nvierstimmig mit Chor. Auch unter den Gesangschülern und Schü-\nlerinnen zeigten mehrere eine schöne Ausbildung, die zu Hoffnun-\ngen berechtigt. •\nBerichtigung.\nIn Nr. 42, S. 335, Sp. 2, Z. 18 v. u., ist hinter „Paris\" hinzu-\nzufügen: „gerechtfertigt sein.\""}]}