{"numero_id": "bm-bmtnabi-1856-11-01-01", "volume": "bmtnabi_1856-11-01_01", "ocr_sha256": "28af9cc2af830b599d06b5a1123e4181e180d1b450c84586f91e3499c079c4e9", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1856/11/01_01/bmtnabi_1856-11-01_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561101-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1856-11-01-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-11-01_01#c001", "volume": "bmtnabi_1856-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "349", "page_fin": "349", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561101-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "349", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561101-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 350, "texte": "Inhalt.\nHolle's neue Ausgaben classischer Ciavierwerke. Von Dixi. Berliner Briefe (Oper Gastspiele Tenor Hoff-\nmann Cortez, Titus, Carlo Broschi). Aus Erfurt (K. Reinthaler's Jephta). Das pariser Beethoven-Quartett von Maurin und\nGenossen. Aus Barmen (l. Abonnements-Coneert). Tages- und Un terh alt ungsblall (Weimar, Compositions-Projecte Liszt's)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-11-01-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-11-01_01#c002", "volume": "bmtnabi_1856-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "349", "page_fin": "351", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561101-01.2.2", "titre_corps": "Holle's neue Ausgaben classischer Clavierwerke.", "titre_sommaire": "Holle's neue Ausgaben classischer Clavierwerke.", "signature_source": "DIXI", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "349", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561101-01.1.1", "debut_caractere": 352, "fin_caractere_exclue": 3932, "texte": "Holle's neue Ausgaben classischer Clavierwerke.\n\nDie neuen Ausgaben, welche durch den unermüdlichen\nL. Holle in Wolfenbüttel veranstaltet werden, erregen\nAufmerksamkeit und verdienen sie. Beethoven, Haydn,\nMozart, Clementi, Seb. Bach kommen in rascher Folge,\ngrossentheils correct gedruckt und von solcher Wohlfeil-\nheit, wie es bisher bei Musicalien unerhört gewesen, in\nVieler Hände. Offenbar ist, dass der künstlerische und pä-\ndagogische Zweck, dem Vollkommenen Eingang und Ver-\nbreitung zu schaffen, durch solche Ausgaben mächtig ge-\nfördert wird. Die herrlichen Werke unvergänglicher Schön-\nheit sollen nicht Eigenthum weniger Auserwählten sein,\nzumal nicht solcher Erwählten, die es nur durch Reichthum\nsind. Wenn unsere Zeit nach Freiheit, nach Verallgemei-\nnerung der höchsten Güter ringt, und nicht bloss im dia-\nbolischen Sinne communistischer Demokratie, sondern auch\nim Sinne der Wahrheit und Liebe, auf dass das ewige\nLicht sich verbreite und der Geist in alles Volk ausgegossen\nwerde: so sind wohl sicherlich solche Unternehmungen mit\nDank aufzunehmen, die gleich den Bibel-Gesellschaften da-\nhin trachten, Worte des Lebens in alle Hütten zu tragen.\nDabei ist uns nicht unbekannt, welche Gefahren der\nguten Neuerung zur Seite gehen. Wenn die Mäcenate und\nKrösusse des Musicalien-Verlages anheben zu klagen, der-\ngleichen Ausgaben ruinirten den Musikhandel, so mag auch\ndieses Wort ernste Aufmerksamkeit erregen. Gewiss! Nie-\nmand darf läugnen, dass jene älteren, mit Fleiss und Sorg-\nfalt hergestellten Ausgaben aus Peters' und Breitkopf's\nVerlag durch diese neueren eine unerwartete Concurrenz\nerhalten. Die Frage, wiefern diese Concurrenz gefährlich,\nungerecht oder verderblich wirken müsse, kann verschieden\nbeantwortet werden.\nEin Unrecht läge freilich nur dann vor, wenn ein Pri-\nvilegium verletzt wäre oder wenn diebischer Nachdruck\nvorläge. Privilegien gleich den Cottaischen und Schle-\nsinger'schen beide sind reich geworden an Schiller,\nGöthe und C. M. Weber! stehen bei unserem Falle\nnicht in Frage. Wäre es möglich und rechtlich, solch\neisern Privileg zu brechen, das nur dem Eigennutz diente:\nso würden wir es eben nicht für ein Unglück achten; doch\nallerdings mag man es dem Cottaischen Verlag zu Ehren\nnachsagen, dass er eine Zeit lang (nicht immer, nicht\nüberall!) durch Wohlfeilheit auch wirklich für das Be-\ndürfniss gesorgt hat; und im Allgemeinen freuen wir uns,\ndass der deutsche Buchhandel mehr Redlichkeit beobachtet,\nals jeder andere, was er auch durch die durchschnittlich\ngeringeren Preise bethätigt: man vergleiche die Mode-\nbücher, die nothwendigen und die classischen Werke in\ndeutschen und englischen Preisen! Daneben sind auch Aus-\nnahmen zu beklagen: wie denn z. B. alles, was Schlesinger\nin Verlag hat, sehr theuer ist, im Vergleich zu den Her-\nstellungskosten unbegreiflich theuer. Was sodann den\nNachdruck angeht, so ist dieser juristisch schwankende,\ndoch dem sittlichen Sinne wohl erkennbare Begriff offen-\nbar nur dann vorhanden, wenn entweder ein anerkanntes\nPrivilegium verletzt, oder das wohlerworbene Werk eines\nAnderen ungerecht angeeignet wird. Also kann die Be-\nzüchtigung des Nachdrucks nicht erhoben werden, wo die\nWerke längst Verstorbener, die keinen Erben mit Privi-\nlegium hinterlassen, erneuert werden, oder auch, wo von\nclassischen Werken verschiedene Ausgaben und Manuscripte\nzur Hand sind.\nVon den Obengenannten: Bach, Clementi, Haydn,\nMozart, Beethoven, sind privilegirte Erben nicht bekannt ;\nvon ihren Werken gibt es zum Theil Original-Ausgaben,\nderen Vorrecht, wo nicht juristisch, doch moralisch feststeht,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "350", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561101-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4910, "texte": "indem was Einer mit Fieiss und Opfern hergestellt, auch\nohne officielles Patent die sittliche Anerkennung des Eigen-\nthums fordert. Desshalb ist es billig und gerecht, auch den\nnichtprivilegirten Ausgaben, welche erweislich ein-\nzige oder erste sind, einen Vorrang einzuräumen: so\ndie Beethoven'schen Quartette, deren Partituren der Mann-\nheimer Hecke 1 ehrenhafter Weise nur mit ausdrück-\nlicher Bewilligung der ursprünglichen Verleger hat\ndrucken lassen. Ein Anderes ist es jedoch mit denjeni-\ngen Werken, wo der Erweis einer Incunabel, d. h. einer\nanerkannten Quell-Ausgabe schwer oder unmöglich ist.\nZumal bei Seb. Bach, dessen Werke ausser den mehrfachen\nälteren Drucken auch noch in mehreren Handschriften exi-\nstiren. Hier ist weder ein rechtliches noch sittliches Hin-\nderniss, die sämmtlichen Werke als Gemeingut zu betrach-\nten; wer wollte z. B. die Ur-Ausgabe des „temperirten\nClaviers\" nachweisen? Wenn nun hier alle älteren\nDrucke, auch die vor Peters und Breitkopf dagewesenen,\ninsgemein theuren Preises sind: wie sollte ein Vorwurf\ndaraus erwachsen, wenn Jemand, die vorhandenen be-\nnutzend, aber die älteren nebst den Urschriften verglei-\nchend, eine verbesserte und bereicherte Art dennoch wohl-\nfeiler lieferte ?\nWohl kennen wir den doppelten Einwurf, den die\ngrossen Buchhändler hier geltend machen; einerseits: es\nwürden classische Werke weniger gekauft, daher müssten\nsie (gleich medicinischen und philosophischen Schriften)\ntheurer im Preise sein; andererseits es müssen die ver-\nschiedenen Verlags-Artikel einander decken, die theuren\nmit den wohlfeilen zusammen die Bilanz herbeiführen\nwobei noch das Handwerksgeheimniss hindurch schimmert:\ndie guten Zahlen müssen für die bösen mit einstehen,\ndie stark honorirten Opera mit den nicht honorirten in aus-\ngleichendes Verhällniss gesetzt werden, welche beide Posten,\nwie mir ein Eingeweihter verrieth, zu etwa 5 bis 10 Pro-\ncent der Bilanz-Rechnung zu veranschlagen seien. Der\nerstgenannteJjrund ist nicht erheblich: denn wenn das\nClassische theuer ist, so wird's eben darum wenig gekauft;\nund der Krösus-Mäcen, der sich rühmt, für die Kunst Opfer\nzu bringen, kann eben durch Herabsetzung der Preise ein\nOpfer belhätigen, welches sich reichlich lohnt. Der zweite\nGrund ist erheblicher; wäre nur nicht bei dieser Bilanz\nder leidige Umstand vergessen, dass für das schlechte Ka-\nnonenfutter, das mit prächtigen Titeln, mit vielen weissen\nBlättern, vielen gelehrten Vorreden und wenig Noten da-\nherfährt, durchschnittlich am meisten bezahlt wird. Eine\nwässerige Romanze ä la Puget, die auf zwei Seiten\nden gesammten Text mit Noten enthielt, habe ich\nmit 1 0 Ngr. bezahlen sehen, weil ausser den zwei Seiten\nmit zu zahlen waren:\n1 Pag, Titel,\n4 Pag. Weisse Blätter,\n1 Pag. Vorrede, Widmung und Abdruck des\nTextes der doch im Opus selber schon\nzu lesen war!\nHalte ich dagegen ein schönes Mozart'sches Lied oder\nein fliegendes Blatt mit einem Volksliede zu 2% Sgr., so\nweiss ich zwar, was ich zu wählen habe, möchte aber auch\ngern das Rechenexempel entdecken, nach welchem jener\nandere Preis für das Bestehen des Buchhandels noth-\nwendig wäre.\nWeil letzthin über jene kaufmännischen Fragen mir\nmancherlei Wunderliches zu Ohren gekommen ist, so habe\nich dabei länger verweilt, ohne Furcht, in den Vorwurf zu\nfallen, den das Sprüchwort spricht: Qui s'excuse, s'accuse.\nEs kommt ja nicht allein auf Entschuldigung an für\nHolle oder andere jüngere Verleger: sondern es soll auch\ndie Schuld oder Unschuld der alten grossen Verlagsstätten\nzum gemeinen Besten erwogen werden. Das vorab ist ge-\nwiss, dass im Ganzen betrachtet, der deutsche Buch-\nhandel ehrenhafter ist, als irgend ein anderer; auch sind\nso tüchtige selbstständige Verleger, wie Reimer,\nCotta, Breitkopf u. a. Ausser Deutschland wenige zu finden.\nNeben dieser deutschen Ehrenhaftigkeit des bürgerlich\nselbstständigen Willens ist auch anzuerkennen die Gefällig-\nkeit der Ansichts-Sendungen, die freilich im musicalischen\nGebiete bedenklich abgenommen hat, obwohl der Musik-\nhandel dabei nicht mehr riskirt, als der Buchhandel.\nDagegen verhehlen wir auch die Schattenseite nicht: dass\nein grosser Theil der kritischen Journale fast in Jahressold\nder grösseren Buchhandlungen steht: so klagt schon\nWolfg. Menzel vor 20 Jahren, und höchst naiv gibt die\nDarmstädter Kirchenzeitung davon Kunde, indem sie nächst\ndem Rubriken-Index ihrer Monatshefte auch hinstellt ein\n„Verzeichniss derjenigen Buchhandlungen, aus\nderen Verlag Werke recensirt sind\"!!!\nWollte man aber diesem allem gegenüber noch gel-\ntend machen, der grosse Musikhandel werde dennoch durch\ndie neuen Concurrenz-Ausgaben mit der Zeit ruinirt, so\ndürfte dem ein Beispiel aus der Geschichte des Buchdruckes\nentgegen treten. Als Gutenberg seine weltbewegende Er-\nfindung gemacht, da schrieen und jammerten die byzanti-\nnischen Schreiber, es gehe mit ihnen zu Ende: und siehe\nda! schon damals, mehr noch in nachfolgender Zeit, hat"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "351", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561101-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4249, "texte": "sich die Masse des Geschriebenen neben dem Gedruckten\nmehr als verzehnfacht! Aehnlich die Bibeldrucke: als Can-\nstein die erste Bibel-Anstalt gründete, als später die eng-\nlische Bibel-Gesellschaft wohlfeile Bibeln herstellte: da\nfürchtete Mancher für seinen Verlag; und doch hat sich\nneben Canstein und den Engländern noch immer neues\nBedürfniss gezeigt: alljährlich werden neue Privat-Au «ga-\nben, ja, Pracht-Ausgaben der Bibel neu unternommen, und\ndoch haben sie ihr Bestehen, Niemand hat verloren, Alle\ngewonnen. Dessgleichen hat sich nebe 11 den Eisen-\nbahnen das Chaussee- und Rossfuhrwerk fast überall ver-\ndoppelt und vermehrfacht, während zu Anfang die Fuhr-\nleute jammerten gleich jenen byzantinischen Schreiberlingen.\nGenug hiervon. Die neuen Holle'schen Musicaiien em-\npfehlen sich durch Sauberkeit, Klarheit, Wohlfeilheit. Dass\nsie auch richtig und correct werden, dafür ist Fr. Chry-\nsander in löblicher Weise bemüht, indem er alte Drucke\nund Handschriften vergleicht und vom Seinen nichts hin-\nzuthut, sondern den allen Sebastian selbst reden\nlässt, ohne schmerzhafte virtuosische Nadelstiche und\nSchulmeister-Didaktik. Die schöne Ausgabe des ersten\nTheiles von S. Bach's Clavier-Compositionen liegt\nvor unseren Augen; das Wenige, was zur Rechtfertigung\nund Belehrung zu wissen noth thut, ist in eine kurze Vor-\nrede gefasst, die auf 4 Seiten darlegt, was von Manieren,\nTempo, Namen, Charakter und Ausführung der Tonslücke\naus beglaubigten Quellen nachweisbar ist. Den Inhalt bil-\nden 12 kleine Präludien, 6 französische Suiten, 15 In-\nventionen und Sinfonieen. Die Benennungen Invention,\nSinfonie, Prälud, Etüde, Toccata u. s. w. werden in der\neinsichtsvollen Vorrede S. 3 recht gut erläutert; doch\nmöchten wir beifügen, dass sie grossentheils schwan-\nkend sind, wie denn z. B. das Wort Sinfonia mindestens\n3 Bedeutungen darbietet; dessgleichen Excercice, Etüde\nund Toccata, welche unter einander vertauscht werden;\nPartita und Suite scheinen im Wesen darin Eins, dass sie\ninsgesammt gleich tonige Stücke enthalten, also hierin\nwesentlich unterschieden sind von der späteren Sonaten-\nform, welche (wie die Beethoven'sche Sinfonie) auf der G e-\ngensätzlichkeit der Tonarten beruht. Sonate und\nSinfonie in neuerer Bedeutung sind völlig gleichgestaltet\nseit Beethoven, nur dass jene solistisch concerthaft, diese\norchestral chorartig ausgestattet wird. Wir möchten war-\nnen vor der literar-didaktischen Schrulle, auf die\nspecies plantarumnach Linneischem System viel Gewicht zu\nlegen: ist doch die Fuga und Fughetta, selbst nach Marx'\nscharfsinniger Deduction (in der Compositions-Lehre) bei\nS. Bach keineswegs deutlich zu unterscheiden, wie die\nBeispiele in Peters' Ausgabe 13.\nPianof. ed. Griepenkerl, livr.9 (Peters Nro. 2838), zeigen.\nNoch einen Druckfehler ausser den bemerkten haben\nwir gefunden S. 1 4 Zeile 4 Tact 1, wo die Anfangstöne\ndes Basses sein müssen dis e,statt\nGleichzeitig erhalten wir den ersten Band von Cle-\nmenti's Clavier-Sonaten, herausgegeben von Juj.\nKnorr. Dieser lleissige und gewissenhafte Redacteur hat\nfreilich am Fingersatze viel gethan, mehr, als uns erspriess-\nlich scheint; auch ist zweifelhaft, ob die zahlreichen Octa-\nvengänge alle original sind. Uebrigens ist dieses Heft sehr\ncorrect, was leider bei einer früheren Holle'schen Ausgabe\nder Beethoven'schen B-dur-Sonate Op. 106 nicht\nder Fall war: auf den etwas rhetorisch gehaltenen Protest\ndes Mortier de Fontaine antwortet der Redacteur\nStolze in Einem Punkt ungenügend, indem er zugesteht,\nnicht alle Ausgaben, namentlich nicht die anerkannte wiener\nOriginal-Ausgabe, verglichen zu haben. Das ist ein böser\nLapsus, der unserem Freund Holle zur Warnung dienen\nwird.\nIndem wir dem Holle'schen Unternehmen jedoch\ninnerhalb der Schranken der Billigkeit besten Fortgang\nwünschen, machen wir noch aufmerksam auf Scarlatti,\nwovon jetzt nur eine theure Ausgabe zu 20 Thlrn. besteht.\nSollte dieser treffliche Tondichter auch nur zur Hälfte erneut\nwerden, so bitten wir nur,auch seine schönsten Sätze\nvollständig zu geben und nicht, wie Cotta beim Klinger\nthat, ein Hauptwerk (Sturm und Drang!) wegzu-\nlassen. Es ist nicht billig, Könige und Staatsmänner all-\ntäglich zu striegeln, und daneben die Buchhändler und\nLiteraten ungeschoren zu lassen.\n\nDIXI."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-11-01-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-11-01_01#c003", "volume": "bmtnabi_1856-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "351", "page_fin": "353", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561101-01.2.3", "titre_corps": "Berliner Briefe.", "titre_sommaire": "Berliner Briefe.", "signature_source": "G. E", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "351", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561101-01.1.3", "debut_caractere": 4251, "fin_caractere_exclue": 4836, "texte": "Berliner Briefe.\n\n[Die königliche Oper. Gastspiele. Der Tenoris\nHoffmann. Neu in Scene gesetzt: Cortez\nTitus Carlo Broschi.]\nDen 22. Octobcr 1856.\nAn der königl. Oper haben seit meinem letzten Be-\nrichte einige Gastspiele und neue Engagements Statt ge-\nfunden. Zuerst erschien, nach dem Schlüsse der Oper-\nFerien, Frl. Karl aus Königsberg und trat dreimal, als\nDonna Anna, Elisabeth im Tannhäuser und Agathe, auf.\nSie ist keine hervortretende, aber eine recht begabte Sän-\ngerin, weit mehr zum Ausdruck des Zarten und Anmuthi-\ngen, als des Leidenschaftlichen geeignet. Ganz ohne Erfolg"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "352", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561101-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5209, "texte": "trat Frl. Fischer-Tiefensee als Valentine in den Hu-\ngenotten auf; doch kann ich über sie nur nach fremder\nMittheilung berichten. Ihr folgte Frau Fischer-Nimbs,\nschon aus früheren Jahren vortheilhaft hier bekannt. Ihr\ndiesmaliges Gastspiel war kurz; den Höhepunkt desselben\nbildete die Elisabeth im Tannhäuser, der sie durch die In-\nnigkeit und Lebendigkeit des Ausdrucks zu einer grösseren\nBedeutung verhalf, als alle ihre Vorgängerinnen, selbst\nFrl. Wagner nicht ausgeschlossen. Frl. Stork aus Braun-\nschweig, die bei einem früheren Gastspiel sich als eine zwar\nunvollkommen gebildete, aber doch verwendbare Sängerin\ngezeigt halte, war für die Rolle der Amazily in Cortez an-\ngagirt worden, wusste aber dieser Aufgabe nicht im Min-\ndesten zu genügen. Die unangenehmen Eigenschaften ihrer\nTonbildung traten fast ausschliesslich darin hervor. Sie hat\neinen sentimentalen und dabei etwas zudringlichen Tonan-\nsatz; die Mittellage ist heiser und unsicher. Doch wusste\nsie in Rollen, mit deren Auffassung es ihr glückte, diese\nMängel einiger Maassen zu verdecken. Hier zeigte es sich\nwieder, wie wichtig oft das Verständniss auch für eine\nbessere Behandlung derjenigen Seiten der Kunst ist, die\nals technisch gelten. Zuletzt trat Frl. Mandl aus Stutt-\ngart als Julia auf. Sie hat eine hohe Sopranstimme von\nfrischem und dabei ziemlich weichem Klange. Die Register\nsind gut ausgeglichen, die Coloratur ist zwar nicht bedeu-\ntend entwickelt, aber doch recht geschickt. Ausdruckslos\nist ihr Gesang nicht zu nennen, doch neigt er sich etwas\nzur Sentimentalität hin, und dadurch erhält auch der Ton\neine stärkere nasale Beimischung, als wünschenswerth wäre.\nOb Frl. M. für unsere Bühne eine gute Acquisition wäre,\nwird theils davon abhangen, wie bildsam ihr Talent noch\nist, theils von der Ausdauer ihrer Stimme. Denn leider\nstellte sich im dritten Acte eine Heiserkeit ein, welche die\nBefürchtung erregt, dass das Organ nicht die nölhige Kraft\nzur Ausführung grosser Partieen besitzt. Seitdem ist Frl.\nM. nicht wieder aufgetreten.\nNeu engagirt ist ausser Frl. Siber, einer jungen\nSängerin von angenehmer äusserer Erscheinung, die aber\nbei ihrem ersten und bis jetzt einzigen Auftreten (als Irma\nim Maurer) so befangen war, dass wir weder über ihre\nBegabung, noch über den Grad ihrer Ausbildung ein\nsicheres Urtheil haben, Hr. Hoffmann von Danzig. Er\nist bis jetzt als Prophet, Tannhäuser, Cortez und Cassian\n(in Adlers Horst) aufgetreten. Leider habe ich ihn in der\nRolle des Propheten, in der er bisher jedesmal den glän-\nzendsten Erfolg hatte, nicht gehört. Er besitzt die äusseren\nBedingungen eines Heldentenors: eine schöne, männliche\nGestalt und ein Organ von mächtiger Fülle. Seine Stimme\nmacht den Eindruck eines Tenor-Baritons; die Mittellage\nund die Tiefe sind zwar wenig biegsam und eines mannig-\nfaltigen Ausdrucks nur in geringem Grade fähig, haben\naber etwas Kerniges, Edles. Die Behandlung der Höhe ist\ndagegen noch sehr mangelhaft. Am besten gelang ihm die-\nselbe noch in der launigen Partie des Cassian, in der er\ndie Höhe leicht nahm. In heroischen Partieen dagegen er-\ndrückt er durch zu grossen materiellen Kraftaufwand die\nklare Ansprache des Tones; das Organ wird gedrückt und\ntonlos. Bei dem eigentümlichen Klanggepräge seiner\nStimme wird es übrigens nicht leicht sein, die Höhe so zu\nbehandeln, dass sie den maasslosen Anforderungen der mo-\ndernen Oper ganz gewachsen ist. Man thut Unrecht, wenn\nman die Schuld des unvollkommenen Gesanges nur auf die\nSänger schiebt; die Componisten tragen dieselbe in höhe-\nrem Grade; und indem sie den Sänger nöthigen, ihren An-\nsprüchen, so gut als es geht, zu genügen, verderben sie\ndie Stimmen auch für die classische Musik.\nIm Uebrigen hat sich an unserer Oper nichts verän-\ndert. Frl. Wagner, die, obschon verlobt, doch noch\neinige Zeit bei der Bühne bleiben wird, stellte sich als\nLucrezia unserem Publicum zum ersten Male wieder vor.\nDie Stimme klang frisch; selbst die Höhe sprach leichter\nals gewöhnlich an, auch in der Coloratur zeigte sich ein\nFortschritt. Im Ganzen aber ist sie mit ihren Schatten-\nund Lichtseiten unverändert geblieben. Wir haben sie seit-\ndem in den Nibelungen, in Adlers Horst, im Romeo und\nTitus wieder gesehen und finden keinen wesentlichen Un-\nterschied. Frau Köster trat als Fidelio zum ersten Male\nwieder auf. Obschon die Vorstellung dadurch eine unan-\ngenehme Störung erlitt, dass Hr. Formes, der zum\nersten Male den Florestan sang, wegen plötzlicher Heiser-\nkeit die grosse Arie wegliess, war dieselbe doch eine der\nergreifendsten. Fidelio gehört zu den Opern, bei denen\nalle Mitwirkenden, Sänger und Orchester, das Beste geben,\nwas sie vermögen. Selbst die schwächeren Kräfte werden\ndurch die heilige Macht der Musik gehoben. Frau K. ist\neine fast vollendete Darstellerin der Leonore.\nDas Repertoire der Oper ist um ein neues Werk nicht\nreicher geworden. Doch sind mehrere ältere Opern neu\neinstudirt worden: Ferdinand Cortez, Titus und Carlo\nBroschi. Mit grossem Glanz ist Cortez in Scene gesetzt.\nUeber die Ausführung der Hauptrolle habe ich schon oben\ngesprochen. Hr. Hoflmann lässt Manches zu wünschen\nübrig, namentlich in der wichtigsten Scene, im Finale des\nzweiten Actes, weil seine Höhe trotz aller Anstrengung"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "353", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561101-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3741, "texte": "nicht ausgiebig genug ist. Die Rolle der Amazily ist nun\nin die Hände der Frau Köster übergegangen, von der sie\nausgezeichnet gegeben wird. Den Telasco singt Hr. Krause\nmit der gediegenen Festigkeit und dem männlichen Adel,\nder seiner Gesangesbildung eigentümlich ist. Nächstdem\nsind die Herren Mantius und Zschiesche am meisten an\nihrem Platze; die jüngeren Kräfte befriedigen am allerwe-\nnigsten. Es war nicht mehr als billig, den Cortez wieder\nauf das Repertoire zu bringen. Wenn die grossen Bühnen\nSpontini ignoriren, so findet er gar keine Stelle mehr in\ndem Musikleben der Gegenwart. Nun ist der Reichthum\nseiner musicalischen Phantasie zwar nicht so bedeutend,\nseine künstlerische Richtung nicht so rein, dass dies ein\nunersetzlicher Verlust wäre; abgesehen von der beklagens-\nwerten Verirrung, überall durch die Massen der Instru-\nmente wirken zu wollen, abgesehen von dem geringen\ntechnischen Geschick in der Handhabung höherer Form,\nfinden wir selbst in der ursprünglichen melodischen Erfin-\ndung eine gewisse Kälte und Gemüthslosigkeit bei ihm.\nMan braucht nur an den Antipoden Spontini's, an Weber,\nzu denken, um zu wissen, wie wir dies verstehen. Die zar-\nteren Regungen des Gemiithslebens spielen eine unterge-\nordnete Rolle bei ihm; er kennt keine Begeisterung der\nLiebe und Hingebung, wohl aber die Begeisterung des\nEhrgeizes und der Ruhmsucht. Ueberall, wo diese Empfin-\ndungen auszudrücken sind, ist Spontini gross. So ist im\nCortez das kriegerische Ehrgefühl die belebende Seele des\nGanzen. Das Finale des zweiten Actes allein ist es werth,\ndass der Cortez der Bühne erhalten bleibe. Dem Titus\nkann man kein langes Verbleiben auf dem Repertoire vor-\nhersagen. Auch liess die Ausführung viel zu wünschen,\nobschon die Hauptrollen (Vitellia und Sextus) in den Hän-\nden der Damen Köster und Wagner gut aulgehoben wa-\nren. Die wenigen Stücke des Titus, die, wie das Finale des\nersten Actes, einen ewigen Werth haben, würden im Con-\ncertsaale ganz an ihrer Stelle sein. Doch erinnert uns der\nTitus daran, die Klage über das gänzliche Verschwinden\nvon Cosi fan Tutte und Belmonte und Constanze zu erneuen.\nNicht nur darum ist die Zurücksetzung dieser Opern zu\nbeklagen, weil sie zu dem Liebenswürdigsten, Anmuthigsten\ngehören, was Mozart geschrieben hat, sondern auch, weil\nunser Repertoire an Werken heiteren Genre's offenbaren\nMangel leidet. Es ist, wie wenn die Schaubühne nur\nTrauerspiele und keine Lustspiele zur Aufführung bringen j\nwollte. Mag immer das Publicum, das sich dafür interessirt, j\nein kleineres sein, es ist ja nicht nöthig, dass man immer\n.\nund immer nur an die Masse denkt. Die einseitige Bevor-\nzugung der Pracht-Oper, der Oper im grossen Stile, rächt\nsich auch am Gesänge; denn die Sänger verlernen die\nleichte, anmuthige Behandlung, den Conversationston der\nStimme. Vielleicht sollte Carlo Broschi von Auber eine\nAbschlagszahlung sein. Doch dann hatte man sich in der\nWahl vergriffen. Carlo Broschi ist eine Oper, die im Sujet\ndie Spuren des verderbten pariser Geschmacks überall an\nsich trägt und musicalisch, wenige Stellen des zweiten\nActes ausgenommen, ganz werthlos ist. Ein für eine Posse\nallenfalls geeigneter Gedanke wird drei Acte lang in einer\nWeise ausgetreten, die theils plump und anstössig, theils\nkindisch ist. Dennoch ist der Text noch das Beste. Denn\nwer naiv genug ist und nicht mit Ansprüchen ins Theater\ngeht, wird wenigstens einiger Maassen belustigt. Die Musik\nist aber ganz seicht und wässerig. Ueberdies war auch die\nAufführung schlecht.\nUeber die Concert-Saison, die noch kaum begonnen\nhat, in meinem nächsten Berichte. Die neueste Compositions-\nSchule scheint sich für diesen Winter etwas zurückzuziehen.\nBesonders reich wird das Streichquartett diesmal vertreten\nsein. v\n\nG. E."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-11-01-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-11-01_01#c004", "volume": "bmtnabi_1856-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "353", "page_fin": "355", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561101-01.2.4", "titre_corps": "Aus Erfurt.", "titre_sommaire": "Aus Erfurt.", "signature_source": "X", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "353", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561101-01.1.5", "debut_caractere": 3743, "fin_caractere_exclue": 4990, "texte": "Aus Erfurt.\n\nIn unserer Stadt bestehen zwei Musik-Vereine, welche\nseit einer Reihe von Jahren glücklich mit einander rivali-\nsiren. Wenn hiedurch sehr selten Aufführungen zu Stande\ngekommen sind, in denen alle Gesanges- und Orchester-\nkräfte sich vereinigt fanden, so lässt sich nicht läugnen,\ndass gerade der Wetteifer auf beiden Seiten mehr Theil-\nnehmer zu den Vereinen herangezogen hat und zu einer\ngrossen Anzahl gelungener Leistungen beider Veranlassung\nwird. Der „Erfurter Verein\" wird von Hrn. Musik-Direc-\ntor Ketschau geleitet, einem Manne, der zu seinen Ver-\ndiensten als Dirigent die eines trefflichen Componisten und\nGesanglehrers hinzufügt, der „Soller'sche Verein\" von\nHrn. Musik-Director Golde, der sich besonders in der\nVerfeinerung der Militär-Musik hervorgelhan hat und den\nRuf eines der besten Capellmeister geniesst. Daher ist der\nErfurter Verein vielleicht Seitens der Gesanges-Leistungen,\nder Soller'sche in Beziehung auf Orchester-Musik über-\nlegen. Beide veranstalten jedes Jahr eine Reihe von Abonne-\nments-Concerten, in welchen von der Sinfonie und vom\nOratorium an alle Musikgattungen Berücksichtigung finden,\nund sie sind mit der Zeit vorangeschritten. Die Nähe der\nbeiden Residenzen Weimar und Gotha gibt Gelegenheit,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "354", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561101-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5097, "texte": "gute Solisten ohne grossen Aufwand zu gewinnen, und der\nGeschmack des Publicuras ist an feinen Vortrag gewohnt.\nIn Erlurt ist der Musiksinn ein altes Erbtheil; durch\nden Schüler Seb. Bach's, Kittel, hat sich dort eine Schule\ntrefflicher Organisten erhalten, unter denen die Namen\nFischer, Gebhardi, der geniale Scheibner und zu-\nletzt Ritter hervorragen. Den Bestrebungen dieser Män-\nner und ihrer Anregung für Kunst, die tief in das Volks-\nleben hinein greifen, steht HummeTs Wirksamkeit in der\nNachbarstadt zur Seite, zu dem man vor Zeiten hinüber-\nwallfahrtete; jetzt gibt Liszt ihr vielfache Anregung und\nkommt nicht selten nach Erfurt.\nDa unter den Bewohnern der alten Hauptstadt Thü-\nringens sonst kein hervorragendes Interesse bemerkbar ist,\nwenn man nicht den Hang zum Naturgenuss als solches\nbezeichnen will und derselbe ist immer mit Empfäng-\nlichkeit für Kunst verbunden —, so waltet die Tonkunst\nvor, und der Sinn für dieselbe ist nicht nur in den höheren\nClassen der Gesellschaft, sondern im Mittelstande weit ver-\nbreitet und geweckt.\nDies charakterisirt auch die Concerte, für welche weit\nmehr ausführende Kräfte vorhanden sind, als Geldmittel,\ndie von einem zahlenden und ausser den Vereinen stehen-\nden Publicum aufgebracht werden könnten. Die hier leben-\nden Musiker sind daher nicht besonders gestellt, und es\ngehört jene nur in Deutschland mögliche Liebe zur Kunst\nals solcher, jene Entsagung und Aufopferung dazu, um sie\nin ihrem Berufe aufrecht und strebend zu erhalten.\nDer Wunsch, das Werk Karl Reinthal er's, der aus\nErfurt gebürtig ist und Neigung und Antrieb zur Kunst\nim Schoosse dieser Vereine empfangen hat, zur Auflührung zu\nbringen, war in beiden Vereinen zu gleicher Zeit entstanden\nund führte sie zur Vereinigung. In langer und sorgfältiger Vor-\nbereitung hat man Alles für eine würdige Aufführung des\nOratoriums „Jephta und seine Tochter\" aufgeboten, und\nso fand sich ein zahlreicher und geübter Chor zusammen,\ndessen Eifer durch die Anwesenheit und Leitung des Com-\nponisten noch erhöht wurde.\nUeber den Charakter des Werkes können wir uns\neiner Schilderung enthalten, da die Niederrheinische Musik-\nZeitung demselben schon ausführliche Artikel gewidmet\nhat; dass wir nach dem frischen Eindruck einer gelungenen\nAufführung in voller Begeisterung sind, können Sie Sich\ndenken. Wir bemerken nur, dass der Componist einige\nvielleicht nicht unwesentliche Mängel, die aus der Gruppi-\nrung der Solostimmen entstanden, vor der hiesigen Auf-\nführung beseitigt hat, indem er einige Nummern geändert,\nund durch Umwandlung der Bass-Partie des Propheten in\neine Tenor-Partie, Hinzufügung der Alt-Arie im ersten\nTheile u. s. w. ein schönes Verhältniss von Licht und\nSchatten hergestellt hat.\nDa beide Vereine zahlreiche Mitglieder haben, und\ndie festliche Gelegenheit es war der Geburtstag Sr.\nMaj. des Königs so wie das Interesse an der Sache,\nauch die Betheiiigung von zahlreichen Fremden voraussetzen\nliess, so ward, da die grosse und prächtig wiederherge-\nstellte Barfüsser-Kirche leider eine schlechte Akustik be-\nkommen hat, im Theater, das etwa 1360 Personen fasst,\neine doppelte Aufführung veranstaltet. Die Gefahr der Ab-\nspannung, die beim geringsten Fehlschlagen am ersten\nAbend nahe gelegen hätte, ist, Dank der Composition, der\ntrefflichen Ausführung, der enthusiastischen Aufnahme bei\nden Zuhörern, nicht eingetreten, im Gegentheil hatte die\nWiederholung des Werkes noch einen freieren und leben-\ndigeren Charakter, als die erste Aufführung. Das Haus\nwar beide Male gedrängt voll. Man hält es hier für unan-\ngemessen, den Zusammenhang eines ernsten Kunstwerkes\ndurch laute Beifalls-Bezeugungen zu unterbrechen; man\nfolgte der Aufführung mit jener vollkommen gespannten\nStille, die sich sehr wohl von Gleichgültigkeit unterscheiden\nlässt. Am Schlüsse des ersten Theiles aber, so wie am\nSchlüsse des Ganzen erschallte der anhaltendste und un-\ngetheilteste Beifall. Am zweiten Abend durchbrach das\nnatürliche Gefühl die Schranken, man gab sich vielfach\nlauter Bewunderung hin; am Schlüsse ward der Componist\nunter dem dreimaligen Schmettern des Orchesters und dem\nallgemeinsten Zurufe des Publicums mit dem Lorber gekrönt.\nEinen schönen Antheil an diesem allgemeinen und\nausserordentlichen Erfolge hatten die Solisten. Herr D u-\nM ont-Fier aus Köln (er hatte mit besonderer Zuvor-\nkommenheit die weite Reise gemacht) fand beide Male\ndurch den Glanz seiner sympathischen Bassstimme eben\nso sehr als durch belebten und aus echter Empfindung\nhervorquellenden künstlerischen Gesang allgemeinste An-\nerkennung, so dass die begeisterte Zuhörerschaft, trotz\nder, wie oben erwähnt, hier herrschenden Sitte, bei der\nzweiten Aufführung sogar mitten in der ersten Arie des Jephta\nin Beifail ausbrach und fortan jede Nummer des trefflichen\nSängers applaudirte. Auch j. Rietz, der von Leipzig herüber-\ngekommen, sprach sich höchst ehrenvoll für den Sänger aus.\nFräulein Auguste Brenken aus Soest sang die\nMirjam, die Tochter Jephta's; ihre hohe, lieblich und voll\nklingende Sopranstimme passte vortrefflich zu dem heroi-\nschen Charakter dieser Partie, die sie am zweiten Abend"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "355", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561101-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1636, "texte": "noch mehr als am ersten durch energischen Vortrag her-\nvorhob. Aber auch die weicheren Stimmungen vvussle sie\nschön wiederzugeben. Wenn ihr Vortrag an künstlerischer\nAbrundüng, Wärme und feiner Nuancirung des Ausdrucks\ndurch die Praxis, was nicht fehlen kann, noch gewinnt, so\nwird diese junge Künstlerin eine bedeutende Laufbahn\nmachen, da sie schon jetzt durch Frische, Anmuth und wobl-\nthuende Einfachheit ihres Gesanges sehr für sich einnimmt.\nFräulein Schreck, welche die Alfpartie übernommen\nhatte, verdient, was Stimme und Vortrag betrifft, als Ora-\ntorien-Sängerin unter den Besten genannt zu werden. Die\nArie, welche sie so innig und mit echter Künstlerschaft\nvortrug, war unter den reichen Genüssen beider Abende\nein Moment, von dem man gern sagte: Verweile!\nDie Tenorpartie war durch einen jungen, mit ange-\nnehmen Stimmmitteln begabten Dilettanten, Hrn. Günzel,\nganz befriedigend besetzt.\nDer Chor zählte 180 Mitwirkende: an Klang und\nFrische dürften unsere Frauenstimmen wohl den Männer-\nstimmen überlegen sein. Alles sang mit grosser Freudig-\nkeit; das Werk war mit Liebe und Eifer studirt, und\nReinthaler verstand auch als Dirigent die vereinigten Chor-\nund Orchesterkräfte zu begeistern. So war denn auch\nSchwung in den Chören, die durch ihre melodiöse Poly-\nphonie und prachtvolle Instrumentirung imponirten.\nDer zweite Concert-Abend vereinigte die Theilneh-\nmenden zu einem Festessen zu Ehren unseres gefeierten\nLandsmannes. „Möge ihm Kraft und Müsse beschieden\nsein, solch einem Erstgebornen, wie Jephta, ebenbürtige\nBrüder folgen zu lassen!\" Das war der Wunsch, mit dem\n<u\nwir ihn aus seiner Heimat scheiden liessen."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "355", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561101-01.1.7", "debut_caractere": 5968, "fin_caractere_exclue": 5970, "texte": "X."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-11-01-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-11-01_01#c005", "volume": "bmtnabi_1856-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "355", "page_fin": "356", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561101-01.2.5", "titre_corps": "Das pariser Beethoven-Quartett.", "titre_sommaire": "Das pariser Beethoven-Quartett.", "signature_source": "L. 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Wir sind eben keine Freunde von über-\nschwänglichen Ausdrücken: wenn wir daher sagen, dass dieses\nViergestirn einen Einfluss auf die Begeisterung der Zuhörer aus-\nübte, wie man ihn nur sehr selten wahrnimmt, so ist dies nichts\nals eine ungeschmückte Angabe der Thatsache, wiewohl wir gern\ngestehen, dass wir selbst noch unter dem Eindrucke dieser Be-\ngeisterung schreiben.\nWir wissen sehr wohl, dass dies der Kritik, d. h. dem, was\nman so gewöhnlich darunter versteht, nicht günstig ist denn\nviele Menschen meinen, dass die Kritik in der Aufsuchung von\nMängeln und in gelehrter Sylben- oder Notenstecherei bestehe ;\nallein wenn eine künstlerische Leistung in ihrem Gesammt-Aus-\ndrucke derartig ist, dass der Gedanke an jene Art von Kritik gar\nnicht aufkommt und selbst die Spürkraft der feinsten Nase für den\nAugenblick ganz und gar versagt, so ist das wahrlich ein Triumph\nder Kunst, und wir möchten nicht gern zu denen gehören, die\ndurch ein unausstehliches Ml admirari ihn verkümmern zu müssen\nglauben, dadurch aber eigentlich nur ihrer verknöcherten Natur ein\nArmuthszeugniss an Phantasie und Gefühl ausstellen. Und das ist\ndie W'irkung der Vorträge dieses pariser Quartett-Vereins: die\nVortrefflichkeit des Ganzen lässt kein Bedenken über Einzelnes zur\nGeltung kommen, und eben desswegen prophezeien wir diesen\nMissionären zur Verbreitung des Geistes Beethoven's, wie er in\nseinen letzten Thaten waltet, in Deutschland grossen Erfolg.\nDenn die deutsche Kunstliebe unterscheidet sich gerade.dadurch\nvon der französischen, dass wir am liebsten das Ganze des Kunst-\nwerkes in uns aufnehmen, während unsere Nachbarn die Vollen-\ndung des Details und der Ausführung vorzugsweise berücksichtigen.\nUnd nun kommt wunderbarer Weise aus Frankreich ein Verein\nvon Künstlern, die, gleichsam dem Geiste ihrer Nation zum Trotz,\ndem Einzelnen zwar die grösste Aufmerksamkeit widmen und den\nvollendetsten Ausdruck geben, aber doch die Auffassung des Gan-\nzen, die plastische Hinstellung des Kunstwerkes als der sinnlichen\nErscheinung einer Idee, sich zur Aufgabe gemacht haben, und diese\nAufgabe in einer Weise lösen, die nur durch die Verbindung der\nvollständigen Herrschaft über alle technischen Mittel des Ausdrucks\nmit der lebendigen geistigen Erfassung der Idee des Kunstwerkes\nmöglich zu machen ist.\nFünf Jahre eines eifrigen, über Alles beharrlichen und aus-\ndauernden Studiums hat dieser Verein seinem erhabenen Zwecke\ngewidmet und tritt jetzt eine grössere Kunstreise durch Deutsch-\nland an, durchdrungen von der Ueberzeugung, dass nicht Paris\nund Frankreich, sondern nur das Vaterland Beethoven's, das Land\nder Musik und Poesie, ihm die Weihe zum wahren Priesterthum\nder Kunst geben könne. Lasst uns daher diese fremden Künstler,\ndie, begeistert von Liebe und Verehrung der deutschen Meister und\nbesonders des grössten unter ihnen, es sich zur Lebens-Aufgabe\ngemacht haben, den Geist desselben, der sich am reichsten in sei-\nnen letzten Werken entfaltet, zu verlebendigen und zu verklären,\nund die Räthsel zu lösen, die er der Nachwelt aufgegeben; lasst\nuns sie überall mit Freuden begrüssen und mit Zuvorkommenheit\naufnehmen! Der Beifall aber, den wir ihnen spenden, ist mehr als\neine Pflicht der Dankbarkeit, es ist der Tribut der höchsten Aner-\nkennung, welchen nicht nur ihr kühnes Streben, ihr eiserner Fleiss\nfordern, sondern welchen ihre geniale Befähigung und die Vollen-\ndung, die jenes Streben bereits erreicht hat, unwillkürlich dem Zu-\nhörer abzwingen.\nAusser den oben genannten Compositionen von Beethoven haben\nwir noch in einem Privatzirkel die zwei grossen Quartette in B-dur\nund in Es-dur gehört, und der Vortrag hat denselben Zauber auf\nuns und alle Anwesenden ausgeübt, wie das erste Mal. Es ist der\nreinste musicalische Genuss, den man haben kann: es stört einen"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "356", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561101-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 528, "texte": "gar nichts dabei, diese vier Künstler spielen wie Ein Mann, sie\nsind Ein Herz und Eine Seele, und zu diesem vortrefflichen, in\nsolcher Vollkommenheit noch nicht dagewesenen Zusammenspiele\nkommt noch der schöne Zusammenklang ihrer Instrumente, der\neinen wunderbaren Gesammtton bildet, welcher nicht wenig zu der\nzauberischen Wirkung des Ganzen beiträgt.\nNach dem Besuche von Düsseldorf, Barmen und Elberfeld wer-\nden die vier Künstler zu uns nach Köln zurückkehren und Dins-\nlag den 4. Nov. noch einmal öffentlich spielen.\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-11-01-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-11-01_01#c006", "volume": "bmtnabi_1856-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "356", "page_fin": "356", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561101-01.2.6", "titre_corps": "Aus Barmen.", "titre_sommaire": "Aus Barmen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "356", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561101-01.1.8", "debut_caractere": 530, "fin_caractere_exclue": 3390, "texte": "Aus Barmen.\nUnsere Abonnements-Con certe haben am 25. October\nunter Leitung des Hrn. Musik-Directors Karl Reinecke wieder\nbegonnen. Das Programm des ersten war vortrefflich ausgestattet,\nindem der 1, Theil Weber's Oberon-Ouverture, Beethoven's\nEs-dur-Concert für Ciavier, Fr. Schubert's Mirjam's Siegsgesang\nfür Sopran-Solo, Chor und Orchester, der 11. Theil J. Haydn's\nSturm und Mendelssohn's Sinfonie Nr. 4 in A-dur brachte.\nDie hiesigen musicalischen Kräfte sind erfreulich vermehrt und\nerstarkt. Der Chor hat sehr gewonnen, besonders auch dadurch,\ndass die Altpartie jetzt noch einmal so stark besetzt ist, als früher,\nund das Orchester hat vorzüglich im Streichquartett und auch bei\nden Blas-Instrumenten einige treffliche Acquisitionen gemacht. Die\ngrossen Orchesterstücke, die Ouvertüre und die Sinfonie wurden\ngut und mit feurigem Vortrag gespielt: einige schwierige Stellen\nin der letzteren Hessen freilich noch zu wünschen übrig. Ganz be-\nsonders bewahrte sich aber das Orchester auch bei der Begleitung\ndes Beethoven'schen Concertes. Hr. Reinecke trug diese wunder-\nvolle Composition ganz in dem grossartigen, ruhig erhabenen Stil\nvor, den sie verlangt; es war ein Genuss, den Künstler zu\nhören, dem die Virtuosität in der Beherrschung des Instrumentes\nnur Mittel ist, den Geist des Componisten überall klar darzustellen.\nAuf diese Art konnte der überwältigende Eindruck nicht ausbleiben.\nWeniger als die übrigen Gesang-Compositionen von Fr. Schu-\nbert ist „Mirjam's Siegsgesang\", Text von Grillparzer, bekannt,\nder den Durchgang der Israeliten durch das rothe Meer und Pha-\nraon's Untergang besingt. Das Werk ist durch J. A. van Eyken\ngeschickt und wirkungsvoll instrumentirt und in dieser Gestalt,\nzumal bei dem Mangel an Chorgesangstücken von kleinerem Um-\nfange, eine schöne Bereicherung des Concert-Repertoires. Es ist in\ndiesen echt Schubert'schen Melodieen mehr Volkstümliches, als man\nsonst bei Schubert gewohnt ist; die Schlussfuge, obwohl vielleicht\nam wenigsten meisterlich gearbeitet, wirkt dennoch grossartig.\nAm 19. Oct. gab der Violinist Herr Franz Seiss eine sehr\nbesuchte Soiree. Wir können uns Glück wünschen, dass dieser\ntüchtige Künstler sich hier niedergelassen hat: in allem, was er\nspielt, zeigt sich eine ausgezeichnete Technik, Reinheit des Tones\nund Eleganz des Vortrages. Sein Ton, obwohl von intensiver Fülle,\nwürde noch ausgiebiger sein, wenn er ein vorzüglicheres Instru-\nment hätte. In der Soiree spielte er ein Air varie von Vieuxtemps,\nKinderlied und Etüde von David, ein Notturno von eigener Com-\nposition und ein Saltarello von Alard. Die hiesige Liedertafel\nsang einige Lieder von Schneider, Mendelssohn, Zelter und eine\nHymne von Rossini. Es ist sehr anerkennungswerth, dass dieser\nVerein bei öffentlichem Auftreten bis jetzt stets den Vortrag fader\nMode-Compositionen verschmäht und nur gute Sachen gegeben hat."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-11-01-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-11-01_01#c007", "volume": "bmtnabi_1856-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "356", "page_fin": "356", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561101-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "356", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561101-01.1.8", "debut_caractere": 3392, "fin_caractere_exclue": 6116, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nWeimar. Die N. Z. f. M. theilt Einiges über die Composi-\ntions-Projecte Liszt's mit. Zuerst wird eine Schüler-Sinfonie in\nAussicht gestellt, der die Schillcr'schen „Ideale\" zur Grundlage\ndienen sollen. Ferner ist noch im Laufe dieses Jahres von Liszt\nein neues Werk (wahrscheinlich ein Psalm) für Chor, Soli und\nOrchester zu erwarten, das er, wie wir hören, für den Stenrschen\nGesang-Verein in Berlin bestimmt hat. Das dritte Werk, dessen\nVollendung im Laufe dieses Winters erfolgen soll, ist die Compo-\nsition einer zweiten grossen Fest-Messe, welche der Erzbischof von\nSiebenbürgen zur Einweihung der Domkirche in Kalocsa bei Liszt\nbestellte. Dass Liszt ferner beabsichtigt, eine ungarische National-\nOper zu componiren, ist Thatsache. Es fehlt nur noch an der dich-\nterischen Anregung, am Libretto. Der Intendant des ungarischen\nNational-Theaters, Graf Raday, hat einen Preis von 80 Ducaten für\ndas beste Original-Libretto aus der ungarischen Geschichte oder\nSagenwelt ausgeschrieben, welches Liszt zur Composition übergeben\nwerden soll. Ungarischen Nachrichten zufolge soll der Baron J.\nEötvös, der talentvolle Autor des Karthäuser, beabsichtigen, einen\nder ungarischen Geschichte entnommenen Stoff für Liszt als Opern-\ntext zu bearbeiten. Noch aber ist die Liste der neuen Werke Liszt's\nnicht zu Ende. Roquette hat auf des Meisters Anregung\neine Legende gedichtet, welche das Leben der heiligen Elisabeth\nin sechs Tableaux schildert, den sechs Fresken von M. v. Schwind\nentsprechend, welche Letzterer in der W'artburg dem gleichen Mo-\ntiv gewidmet hat. In diesen sechs Abtheilungen werden die Haupt-\nMomente aus dem Leben der h. Elisabeth dichterisch geschildert,\nnämlich: 1) Ihre Ankunft in Thüringen im Kindesalter. 2) Das\nbekannte Rosenwunder. 3) Der Zug ihres Gemahls, des Landgrafen\nLudwig, nach dem heiligen Lande. 4) Die Vertreibung der b. Eli-\nsabeth von der Wartburg. 5) Ihr Tod in einsamer Zelle. 6) Ihr\nfeierliches Begräbniss in Marburg in dem von ihr erbauten Dome.\nEine weitere künstlerische Vereinigung der Motive der Musik und\nMalerei will Liszt in einer Sinfonie niederlegen, die das grossartige\nMotiv der Hunnenschlacht von Kaulbach zu dem ihrigen gemacht\nhat. Diesen Attila wird Liszt beginnen, sobald er seine Schiller-\nSinfonie, die „Ideale\", vollendet hat. Sind erst die neue Messe und\ndie Legende vollendet, so will Liszt eine kirchliche Cantate com-\nponiren, welche die acht Seligpreisungen der Bergpredigt poetisch-\nmusicalisch verherrlichen soll. Ferner soll Liszt mit der Idee um-\ngehen, ein Oratorium „Christus\" zu componiren, zu welchem\nFriedrich Rückert (nach seiner Evangelien-Harmonie) den Text\ndichten würde. [Vorher wird dem Hercules Musagetes geopfert.]"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "349", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561101-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nHolle's neue Ausgaben classischer Ciavierwerke. Von Dixi. Berliner Briefe (Oper Gastspiele Tenor Hoff-\nmann Cortez, Titus, Carlo Broschi). Aus Erfurt (K. Reinthaler's Jephta). Das pariser Beethoven-Quartett von Maurin und\nGenossen. Aus Barmen (l. Abonnements-Coneert). Tages- und Un terh alt ungsblall (Weimar, Compositions-Projecte Liszt's).\n\nHolle's neue Ausgaben classischer Clavierwerke.\n\nDie neuen Ausgaben, welche durch den unermüdlichen\nL. Holle in Wolfenbüttel veranstaltet werden, erregen\nAufmerksamkeit und verdienen sie. Beethoven, Haydn,\nMozart, Clementi, Seb. Bach kommen in rascher Folge,\ngrossentheils correct gedruckt und von solcher Wohlfeil-\nheit, wie es bisher bei Musicalien unerhört gewesen, in\nVieler Hände. Offenbar ist, dass der künstlerische und pä-\ndagogische Zweck, dem Vollkommenen Eingang und Ver-\nbreitung zu schaffen, durch solche Ausgaben mächtig ge-\nfördert wird. Die herrlichen Werke unvergänglicher Schön-\nheit sollen nicht Eigenthum weniger Auserwählten sein,\nzumal nicht solcher Erwählten, die es nur durch Reichthum\nsind. Wenn unsere Zeit nach Freiheit, nach Verallgemei-\nnerung der höchsten Güter ringt, und nicht bloss im dia-\nbolischen Sinne communistischer Demokratie, sondern auch\nim Sinne der Wahrheit und Liebe, auf dass das ewige\nLicht sich verbreite und der Geist in alles Volk ausgegossen\nwerde: so sind wohl sicherlich solche Unternehmungen mit\nDank aufzunehmen, die gleich den Bibel-Gesellschaften da-\nhin trachten, Worte des Lebens in alle Hütten zu tragen.\nDabei ist uns nicht unbekannt, welche Gefahren der\nguten Neuerung zur Seite gehen. Wenn die Mäcenate und\nKrösusse des Musicalien-Verlages anheben zu klagen, der-\ngleichen Ausgaben ruinirten den Musikhandel, so mag auch\ndieses Wort ernste Aufmerksamkeit erregen. Gewiss! Nie-\nmand darf läugnen, dass jene älteren, mit Fleiss und Sorg-\nfalt hergestellten Ausgaben aus Peters' und Breitkopf's\nVerlag durch diese neueren eine unerwartete Concurrenz\nerhalten. Die Frage, wiefern diese Concurrenz gefährlich,\nungerecht oder verderblich wirken müsse, kann verschieden\nbeantwortet werden.\nEin Unrecht läge freilich nur dann vor, wenn ein Pri-\nvilegium verletzt wäre oder wenn diebischer Nachdruck\nvorläge. Privilegien gleich den Cottaischen und Schle-\nsinger'schen beide sind reich geworden an Schiller,\nGöthe und C. M. Weber! stehen bei unserem Falle\nnicht in Frage. Wäre es möglich und rechtlich, solch\neisern Privileg zu brechen, das nur dem Eigennutz diente:\nso würden wir es eben nicht für ein Unglück achten; doch\nallerdings mag man es dem Cottaischen Verlag zu Ehren\nnachsagen, dass er eine Zeit lang (nicht immer, nicht\nüberall!) durch Wohlfeilheit auch wirklich für das Be-\ndürfniss gesorgt hat; und im Allgemeinen freuen wir uns,\ndass der deutsche Buchhandel mehr Redlichkeit beobachtet,\nals jeder andere, was er auch durch die durchschnittlich\ngeringeren Preise bethätigt: man vergleiche die Mode-\nbücher, die nothwendigen und die classischen Werke in\ndeutschen und englischen Preisen! Daneben sind auch Aus-\nnahmen zu beklagen: wie denn z. B. alles, was Schlesinger\nin Verlag hat, sehr theuer ist, im Vergleich zu den Her-\nstellungskosten unbegreiflich theuer. Was sodann den\nNachdruck angeht, so ist dieser juristisch schwankende,\ndoch dem sittlichen Sinne wohl erkennbare Begriff offen-\nbar nur dann vorhanden, wenn entweder ein anerkanntes\nPrivilegium verletzt, oder das wohlerworbene Werk eines\nAnderen ungerecht angeeignet wird. Also kann die Be-\nzüchtigung des Nachdrucks nicht erhoben werden, wo die\nWerke längst Verstorbener, die keinen Erben mit Privi-\nlegium hinterlassen, erneuert werden, oder auch, wo von\nclassischen Werken verschiedene Ausgaben und Manuscripte\nzur Hand sind.\nVon den Obengenannten: Bach, Clementi, Haydn,\nMozart, Beethoven, sind privilegirte Erben nicht bekannt ;\nvon ihren Werken gibt es zum Theil Original-Ausgaben,\nderen Vorrecht, wo nicht juristisch, doch moralisch feststeht,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "350", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561101-01.1.2", "texte": "indem was Einer mit Fieiss und Opfern hergestellt, auch\nohne officielles Patent die sittliche Anerkennung des Eigen-\nthums fordert. Desshalb ist es billig und gerecht, auch den\nnichtprivilegirten Ausgaben, welche erweislich ein-\nzige oder erste sind, einen Vorrang einzuräumen: so\ndie Beethoven'schen Quartette, deren Partituren der Mann-\nheimer Hecke 1 ehrenhafter Weise nur mit ausdrück-\nlicher Bewilligung der ursprünglichen Verleger hat\ndrucken lassen. Ein Anderes ist es jedoch mit denjeni-\ngen Werken, wo der Erweis einer Incunabel, d. h. einer\nanerkannten Quell-Ausgabe schwer oder unmöglich ist.\nZumal bei Seb. Bach, dessen Werke ausser den mehrfachen\nälteren Drucken auch noch in mehreren Handschriften exi-\nstiren. Hier ist weder ein rechtliches noch sittliches Hin-\nderniss, die sämmtlichen Werke als Gemeingut zu betrach-\nten; wer wollte z. B. die Ur-Ausgabe des „temperirten\nClaviers\" nachweisen? Wenn nun hier alle älteren\nDrucke, auch die vor Peters und Breitkopf dagewesenen,\ninsgemein theuren Preises sind: wie sollte ein Vorwurf\ndaraus erwachsen, wenn Jemand, die vorhandenen be-\nnutzend, aber die älteren nebst den Urschriften verglei-\nchend, eine verbesserte und bereicherte Art dennoch wohl-\nfeiler lieferte ?\nWohl kennen wir den doppelten Einwurf, den die\ngrossen Buchhändler hier geltend machen; einerseits: es\nwürden classische Werke weniger gekauft, daher müssten\nsie (gleich medicinischen und philosophischen Schriften)\ntheurer im Preise sein; andererseits es müssen die ver-\nschiedenen Verlags-Artikel einander decken, die theuren\nmit den wohlfeilen zusammen die Bilanz herbeiführen\nwobei noch das Handwerksgeheimniss hindurch schimmert:\ndie guten Zahlen müssen für die bösen mit einstehen,\ndie stark honorirten Opera mit den nicht honorirten in aus-\ngleichendes Verhällniss gesetzt werden, welche beide Posten,\nwie mir ein Eingeweihter verrieth, zu etwa 5 bis 10 Pro-\ncent der Bilanz-Rechnung zu veranschlagen seien. Der\nerstgenannteJjrund ist nicht erheblich: denn wenn das\nClassische theuer ist, so wird's eben darum wenig gekauft;\nund der Krösus-Mäcen, der sich rühmt, für die Kunst Opfer\nzu bringen, kann eben durch Herabsetzung der Preise ein\nOpfer belhätigen, welches sich reichlich lohnt. Der zweite\nGrund ist erheblicher; wäre nur nicht bei dieser Bilanz\nder leidige Umstand vergessen, dass für das schlechte Ka-\nnonenfutter, das mit prächtigen Titeln, mit vielen weissen\nBlättern, vielen gelehrten Vorreden und wenig Noten da-\nherfährt, durchschnittlich am meisten bezahlt wird. Eine\nwässerige Romanze ä la Puget, die auf zwei Seiten\nden gesammten Text mit Noten enthielt, habe ich\nmit 1 0 Ngr. bezahlen sehen, weil ausser den zwei Seiten\nmit zu zahlen waren:\n1 Pag, Titel,\n4 Pag. Weisse Blätter,\n1 Pag. Vorrede, Widmung und Abdruck des\nTextes der doch im Opus selber schon\nzu lesen war!\nHalte ich dagegen ein schönes Mozart'sches Lied oder\nein fliegendes Blatt mit einem Volksliede zu 2% Sgr., so\nweiss ich zwar, was ich zu wählen habe, möchte aber auch\ngern das Rechenexempel entdecken, nach welchem jener\nandere Preis für das Bestehen des Buchhandels noth-\nwendig wäre.\nWeil letzthin über jene kaufmännischen Fragen mir\nmancherlei Wunderliches zu Ohren gekommen ist, so habe\nich dabei länger verweilt, ohne Furcht, in den Vorwurf zu\nfallen, den das Sprüchwort spricht: Qui s'excuse, s'accuse.\nEs kommt ja nicht allein auf Entschuldigung an für\nHolle oder andere jüngere Verleger: sondern es soll auch\ndie Schuld oder Unschuld der alten grossen Verlagsstätten\nzum gemeinen Besten erwogen werden. Das vorab ist ge-\nwiss, dass im Ganzen betrachtet, der deutsche Buch-\nhandel ehrenhafter ist, als irgend ein anderer; auch sind\nso tüchtige selbstständige Verleger, wie Reimer,\nCotta, Breitkopf u. a. Ausser Deutschland wenige zu finden.\nNeben dieser deutschen Ehrenhaftigkeit des bürgerlich\nselbstständigen Willens ist auch anzuerkennen die Gefällig-\nkeit der Ansichts-Sendungen, die freilich im musicalischen\nGebiete bedenklich abgenommen hat, obwohl der Musik-\nhandel dabei nicht mehr riskirt, als der Buchhandel.\nDagegen verhehlen wir auch die Schattenseite nicht: dass\nein grosser Theil der kritischen Journale fast in Jahressold\nder grösseren Buchhandlungen steht: so klagt schon\nWolfg. Menzel vor 20 Jahren, und höchst naiv gibt die\nDarmstädter Kirchenzeitung davon Kunde, indem sie nächst\ndem Rubriken-Index ihrer Monatshefte auch hinstellt ein\n„Verzeichniss derjenigen Buchhandlungen, aus\nderen Verlag Werke recensirt sind\"!!!\nWollte man aber diesem allem gegenüber noch gel-\ntend machen, der grosse Musikhandel werde dennoch durch\ndie neuen Concurrenz-Ausgaben mit der Zeit ruinirt, so\ndürfte dem ein Beispiel aus der Geschichte des Buchdruckes\nentgegen treten. Als Gutenberg seine weltbewegende Er-\nfindung gemacht, da schrieen und jammerten die byzanti-\nnischen Schreiber, es gehe mit ihnen zu Ende: und siehe\nda! schon damals, mehr noch in nachfolgender Zeit, hat"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "351", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561101-01.1.3", "texte": "sich die Masse des Geschriebenen neben dem Gedruckten\nmehr als verzehnfacht! Aehnlich die Bibeldrucke: als Can-\nstein die erste Bibel-Anstalt gründete, als später die eng-\nlische Bibel-Gesellschaft wohlfeile Bibeln herstellte: da\nfürchtete Mancher für seinen Verlag; und doch hat sich\nneben Canstein und den Engländern noch immer neues\nBedürfniss gezeigt: alljährlich werden neue Privat-Au «ga-\nben, ja, Pracht-Ausgaben der Bibel neu unternommen, und\ndoch haben sie ihr Bestehen, Niemand hat verloren, Alle\ngewonnen. Dessgleichen hat sich nebe 11 den Eisen-\nbahnen das Chaussee- und Rossfuhrwerk fast überall ver-\ndoppelt und vermehrfacht, während zu Anfang die Fuhr-\nleute jammerten gleich jenen byzantinischen Schreiberlingen.\nGenug hiervon. Die neuen Holle'schen Musicaiien em-\npfehlen sich durch Sauberkeit, Klarheit, Wohlfeilheit. Dass\nsie auch richtig und correct werden, dafür ist Fr. Chry-\nsander in löblicher Weise bemüht, indem er alte Drucke\nund Handschriften vergleicht und vom Seinen nichts hin-\nzuthut, sondern den allen Sebastian selbst reden\nlässt, ohne schmerzhafte virtuosische Nadelstiche und\nSchulmeister-Didaktik. Die schöne Ausgabe des ersten\nTheiles von S. Bach's Clavier-Compositionen liegt\nvor unseren Augen; das Wenige, was zur Rechtfertigung\nund Belehrung zu wissen noth thut, ist in eine kurze Vor-\nrede gefasst, die auf 4 Seiten darlegt, was von Manieren,\nTempo, Namen, Charakter und Ausführung der Tonslücke\naus beglaubigten Quellen nachweisbar ist. Den Inhalt bil-\nden 12 kleine Präludien, 6 französische Suiten, 15 In-\nventionen und Sinfonieen. Die Benennungen Invention,\nSinfonie, Prälud, Etüde, Toccata u. s. w. werden in der\neinsichtsvollen Vorrede S. 3 recht gut erläutert; doch\nmöchten wir beifügen, dass sie grossentheils schwan-\nkend sind, wie denn z. B. das Wort Sinfonia mindestens\n3 Bedeutungen darbietet; dessgleichen Excercice, Etüde\nund Toccata, welche unter einander vertauscht werden;\nPartita und Suite scheinen im Wesen darin Eins, dass sie\ninsgesammt gleich tonige Stücke enthalten, also hierin\nwesentlich unterschieden sind von der späteren Sonaten-\nform, welche (wie die Beethoven'sche Sinfonie) auf der G e-\ngensätzlichkeit der Tonarten beruht. Sonate und\nSinfonie in neuerer Bedeutung sind völlig gleichgestaltet\nseit Beethoven, nur dass jene solistisch concerthaft, diese\norchestral chorartig ausgestattet wird. Wir möchten war-\nnen vor der literar-didaktischen Schrulle, auf die\nspecies plantarumnach Linneischem System viel Gewicht zu\nlegen: ist doch die Fuga und Fughetta, selbst nach Marx'\nscharfsinniger Deduction (in der Compositions-Lehre) bei\nS. Bach keineswegs deutlich zu unterscheiden, wie die\nBeispiele in Peters' Ausgabe 13.\nPianof. ed. Griepenkerl, livr.9 (Peters Nro. 2838), zeigen.\nNoch einen Druckfehler ausser den bemerkten haben\nwir gefunden S. 1 4 Zeile 4 Tact 1, wo die Anfangstöne\ndes Basses sein müssen dis e,statt\nGleichzeitig erhalten wir den ersten Band von Cle-\nmenti's Clavier-Sonaten, herausgegeben von Juj.\nKnorr. Dieser lleissige und gewissenhafte Redacteur hat\nfreilich am Fingersatze viel gethan, mehr, als uns erspriess-\nlich scheint; auch ist zweifelhaft, ob die zahlreichen Octa-\nvengänge alle original sind. Uebrigens ist dieses Heft sehr\ncorrect, was leider bei einer früheren Holle'schen Ausgabe\nder Beethoven'schen B-dur-Sonate Op. 106 nicht\nder Fall war: auf den etwas rhetorisch gehaltenen Protest\ndes Mortier de Fontaine antwortet der Redacteur\nStolze in Einem Punkt ungenügend, indem er zugesteht,\nnicht alle Ausgaben, namentlich nicht die anerkannte wiener\nOriginal-Ausgabe, verglichen zu haben. Das ist ein böser\nLapsus, der unserem Freund Holle zur Warnung dienen\nwird.\nIndem wir dem Holle'schen Unternehmen jedoch\ninnerhalb der Schranken der Billigkeit besten Fortgang\nwünschen, machen wir noch aufmerksam auf Scarlatti,\nwovon jetzt nur eine theure Ausgabe zu 20 Thlrn. besteht.\nSollte dieser treffliche Tondichter auch nur zur Hälfte erneut\nwerden, so bitten wir nur,auch seine schönsten Sätze\nvollständig zu geben und nicht, wie Cotta beim Klinger\nthat, ein Hauptwerk (Sturm und Drang!) wegzu-\nlassen. Es ist nicht billig, Könige und Staatsmänner all-\ntäglich zu striegeln, und daneben die Buchhändler und\nLiteraten ungeschoren zu lassen.\n\nDIXI.\n\nBerliner Briefe.\n\n[Die königliche Oper. Gastspiele. Der Tenoris\nHoffmann. Neu in Scene gesetzt: Cortez\nTitus Carlo Broschi.]\nDen 22. Octobcr 1856.\nAn der königl. Oper haben seit meinem letzten Be-\nrichte einige Gastspiele und neue Engagements Statt ge-\nfunden. Zuerst erschien, nach dem Schlüsse der Oper-\nFerien, Frl. Karl aus Königsberg und trat dreimal, als\nDonna Anna, Elisabeth im Tannhäuser und Agathe, auf.\nSie ist keine hervortretende, aber eine recht begabte Sän-\ngerin, weit mehr zum Ausdruck des Zarten und Anmuthi-\ngen, als des Leidenschaftlichen geeignet. Ganz ohne Erfolg"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "352", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561101-01.1.4", "texte": "trat Frl. Fischer-Tiefensee als Valentine in den Hu-\ngenotten auf; doch kann ich über sie nur nach fremder\nMittheilung berichten. Ihr folgte Frau Fischer-Nimbs,\nschon aus früheren Jahren vortheilhaft hier bekannt. Ihr\ndiesmaliges Gastspiel war kurz; den Höhepunkt desselben\nbildete die Elisabeth im Tannhäuser, der sie durch die In-\nnigkeit und Lebendigkeit des Ausdrucks zu einer grösseren\nBedeutung verhalf, als alle ihre Vorgängerinnen, selbst\nFrl. Wagner nicht ausgeschlossen. Frl. Stork aus Braun-\nschweig, die bei einem früheren Gastspiel sich als eine zwar\nunvollkommen gebildete, aber doch verwendbare Sängerin\ngezeigt halte, war für die Rolle der Amazily in Cortez an-\ngagirt worden, wusste aber dieser Aufgabe nicht im Min-\ndesten zu genügen. Die unangenehmen Eigenschaften ihrer\nTonbildung traten fast ausschliesslich darin hervor. Sie hat\neinen sentimentalen und dabei etwas zudringlichen Tonan-\nsatz; die Mittellage ist heiser und unsicher. Doch wusste\nsie in Rollen, mit deren Auffassung es ihr glückte, diese\nMängel einiger Maassen zu verdecken. Hier zeigte es sich\nwieder, wie wichtig oft das Verständniss auch für eine\nbessere Behandlung derjenigen Seiten der Kunst ist, die\nals technisch gelten. Zuletzt trat Frl. Mandl aus Stutt-\ngart als Julia auf. Sie hat eine hohe Sopranstimme von\nfrischem und dabei ziemlich weichem Klange. Die Register\nsind gut ausgeglichen, die Coloratur ist zwar nicht bedeu-\ntend entwickelt, aber doch recht geschickt. Ausdruckslos\nist ihr Gesang nicht zu nennen, doch neigt er sich etwas\nzur Sentimentalität hin, und dadurch erhält auch der Ton\neine stärkere nasale Beimischung, als wünschenswerth wäre.\nOb Frl. M. für unsere Bühne eine gute Acquisition wäre,\nwird theils davon abhangen, wie bildsam ihr Talent noch\nist, theils von der Ausdauer ihrer Stimme. Denn leider\nstellte sich im dritten Acte eine Heiserkeit ein, welche die\nBefürchtung erregt, dass das Organ nicht die nölhige Kraft\nzur Ausführung grosser Partieen besitzt. Seitdem ist Frl.\nM. nicht wieder aufgetreten.\nNeu engagirt ist ausser Frl. Siber, einer jungen\nSängerin von angenehmer äusserer Erscheinung, die aber\nbei ihrem ersten und bis jetzt einzigen Auftreten (als Irma\nim Maurer) so befangen war, dass wir weder über ihre\nBegabung, noch über den Grad ihrer Ausbildung ein\nsicheres Urtheil haben, Hr. Hoffmann von Danzig. Er\nist bis jetzt als Prophet, Tannhäuser, Cortez und Cassian\n(in Adlers Horst) aufgetreten. Leider habe ich ihn in der\nRolle des Propheten, in der er bisher jedesmal den glän-\nzendsten Erfolg hatte, nicht gehört. Er besitzt die äusseren\nBedingungen eines Heldentenors: eine schöne, männliche\nGestalt und ein Organ von mächtiger Fülle. Seine Stimme\nmacht den Eindruck eines Tenor-Baritons; die Mittellage\nund die Tiefe sind zwar wenig biegsam und eines mannig-\nfaltigen Ausdrucks nur in geringem Grade fähig, haben\naber etwas Kerniges, Edles. Die Behandlung der Höhe ist\ndagegen noch sehr mangelhaft. Am besten gelang ihm die-\nselbe noch in der launigen Partie des Cassian, in der er\ndie Höhe leicht nahm. In heroischen Partieen dagegen er-\ndrückt er durch zu grossen materiellen Kraftaufwand die\nklare Ansprache des Tones; das Organ wird gedrückt und\ntonlos. Bei dem eigentümlichen Klanggepräge seiner\nStimme wird es übrigens nicht leicht sein, die Höhe so zu\nbehandeln, dass sie den maasslosen Anforderungen der mo-\ndernen Oper ganz gewachsen ist. Man thut Unrecht, wenn\nman die Schuld des unvollkommenen Gesanges nur auf die\nSänger schiebt; die Componisten tragen dieselbe in höhe-\nrem Grade; und indem sie den Sänger nöthigen, ihren An-\nsprüchen, so gut als es geht, zu genügen, verderben sie\ndie Stimmen auch für die classische Musik.\nIm Uebrigen hat sich an unserer Oper nichts verän-\ndert. Frl. Wagner, die, obschon verlobt, doch noch\neinige Zeit bei der Bühne bleiben wird, stellte sich als\nLucrezia unserem Publicum zum ersten Male wieder vor.\nDie Stimme klang frisch; selbst die Höhe sprach leichter\nals gewöhnlich an, auch in der Coloratur zeigte sich ein\nFortschritt. Im Ganzen aber ist sie mit ihren Schatten-\nund Lichtseiten unverändert geblieben. Wir haben sie seit-\ndem in den Nibelungen, in Adlers Horst, im Romeo und\nTitus wieder gesehen und finden keinen wesentlichen Un-\nterschied. Frau Köster trat als Fidelio zum ersten Male\nwieder auf. Obschon die Vorstellung dadurch eine unan-\ngenehme Störung erlitt, dass Hr. Formes, der zum\nersten Male den Florestan sang, wegen plötzlicher Heiser-\nkeit die grosse Arie wegliess, war dieselbe doch eine der\nergreifendsten. Fidelio gehört zu den Opern, bei denen\nalle Mitwirkenden, Sänger und Orchester, das Beste geben,\nwas sie vermögen. Selbst die schwächeren Kräfte werden\ndurch die heilige Macht der Musik gehoben. Frau K. ist\neine fast vollendete Darstellerin der Leonore.\nDas Repertoire der Oper ist um ein neues Werk nicht\nreicher geworden. Doch sind mehrere ältere Opern neu\neinstudirt worden: Ferdinand Cortez, Titus und Carlo\nBroschi. Mit grossem Glanz ist Cortez in Scene gesetzt.\nUeber die Ausführung der Hauptrolle habe ich schon oben\ngesprochen. Hr. Hoflmann lässt Manches zu wünschen\nübrig, namentlich in der wichtigsten Scene, im Finale des\nzweiten Actes, weil seine Höhe trotz aller Anstrengung"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "353", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561101-01.1.5", "texte": "nicht ausgiebig genug ist. Die Rolle der Amazily ist nun\nin die Hände der Frau Köster übergegangen, von der sie\nausgezeichnet gegeben wird. Den Telasco singt Hr. Krause\nmit der gediegenen Festigkeit und dem männlichen Adel,\nder seiner Gesangesbildung eigentümlich ist. Nächstdem\nsind die Herren Mantius und Zschiesche am meisten an\nihrem Platze; die jüngeren Kräfte befriedigen am allerwe-\nnigsten. Es war nicht mehr als billig, den Cortez wieder\nauf das Repertoire zu bringen. Wenn die grossen Bühnen\nSpontini ignoriren, so findet er gar keine Stelle mehr in\ndem Musikleben der Gegenwart. Nun ist der Reichthum\nseiner musicalischen Phantasie zwar nicht so bedeutend,\nseine künstlerische Richtung nicht so rein, dass dies ein\nunersetzlicher Verlust wäre; abgesehen von der beklagens-\nwerten Verirrung, überall durch die Massen der Instru-\nmente wirken zu wollen, abgesehen von dem geringen\ntechnischen Geschick in der Handhabung höherer Form,\nfinden wir selbst in der ursprünglichen melodischen Erfin-\ndung eine gewisse Kälte und Gemüthslosigkeit bei ihm.\nMan braucht nur an den Antipoden Spontini's, an Weber,\nzu denken, um zu wissen, wie wir dies verstehen. Die zar-\nteren Regungen des Gemiithslebens spielen eine unterge-\nordnete Rolle bei ihm; er kennt keine Begeisterung der\nLiebe und Hingebung, wohl aber die Begeisterung des\nEhrgeizes und der Ruhmsucht. Ueberall, wo diese Empfin-\ndungen auszudrücken sind, ist Spontini gross. So ist im\nCortez das kriegerische Ehrgefühl die belebende Seele des\nGanzen. Das Finale des zweiten Actes allein ist es werth,\ndass der Cortez der Bühne erhalten bleibe. Dem Titus\nkann man kein langes Verbleiben auf dem Repertoire vor-\nhersagen. Auch liess die Ausführung viel zu wünschen,\nobschon die Hauptrollen (Vitellia und Sextus) in den Hän-\nden der Damen Köster und Wagner gut aulgehoben wa-\nren. Die wenigen Stücke des Titus, die, wie das Finale des\nersten Actes, einen ewigen Werth haben, würden im Con-\ncertsaale ganz an ihrer Stelle sein. Doch erinnert uns der\nTitus daran, die Klage über das gänzliche Verschwinden\nvon Cosi fan Tutte und Belmonte und Constanze zu erneuen.\nNicht nur darum ist die Zurücksetzung dieser Opern zu\nbeklagen, weil sie zu dem Liebenswürdigsten, Anmuthigsten\ngehören, was Mozart geschrieben hat, sondern auch, weil\nunser Repertoire an Werken heiteren Genre's offenbaren\nMangel leidet. Es ist, wie wenn die Schaubühne nur\nTrauerspiele und keine Lustspiele zur Aufführung bringen j\nwollte. Mag immer das Publicum, das sich dafür interessirt, j\nein kleineres sein, es ist ja nicht nöthig, dass man immer\n.\nund immer nur an die Masse denkt. Die einseitige Bevor-\nzugung der Pracht-Oper, der Oper im grossen Stile, rächt\nsich auch am Gesänge; denn die Sänger verlernen die\nleichte, anmuthige Behandlung, den Conversationston der\nStimme. Vielleicht sollte Carlo Broschi von Auber eine\nAbschlagszahlung sein. Doch dann hatte man sich in der\nWahl vergriffen. Carlo Broschi ist eine Oper, die im Sujet\ndie Spuren des verderbten pariser Geschmacks überall an\nsich trägt und musicalisch, wenige Stellen des zweiten\nActes ausgenommen, ganz werthlos ist. Ein für eine Posse\nallenfalls geeigneter Gedanke wird drei Acte lang in einer\nWeise ausgetreten, die theils plump und anstössig, theils\nkindisch ist. Dennoch ist der Text noch das Beste. Denn\nwer naiv genug ist und nicht mit Ansprüchen ins Theater\ngeht, wird wenigstens einiger Maassen belustigt. Die Musik\nist aber ganz seicht und wässerig. Ueberdies war auch die\nAufführung schlecht.\nUeber die Concert-Saison, die noch kaum begonnen\nhat, in meinem nächsten Berichte. Die neueste Compositions-\nSchule scheint sich für diesen Winter etwas zurückzuziehen.\nBesonders reich wird das Streichquartett diesmal vertreten\nsein. v\n\nG. E.\n\nAus Erfurt.\n\nIn unserer Stadt bestehen zwei Musik-Vereine, welche\nseit einer Reihe von Jahren glücklich mit einander rivali-\nsiren. Wenn hiedurch sehr selten Aufführungen zu Stande\ngekommen sind, in denen alle Gesanges- und Orchester-\nkräfte sich vereinigt fanden, so lässt sich nicht läugnen,\ndass gerade der Wetteifer auf beiden Seiten mehr Theil-\nnehmer zu den Vereinen herangezogen hat und zu einer\ngrossen Anzahl gelungener Leistungen beider Veranlassung\nwird. Der „Erfurter Verein\" wird von Hrn. Musik-Direc-\ntor Ketschau geleitet, einem Manne, der zu seinen Ver-\ndiensten als Dirigent die eines trefflichen Componisten und\nGesanglehrers hinzufügt, der „Soller'sche Verein\" von\nHrn. Musik-Director Golde, der sich besonders in der\nVerfeinerung der Militär-Musik hervorgelhan hat und den\nRuf eines der besten Capellmeister geniesst. Daher ist der\nErfurter Verein vielleicht Seitens der Gesanges-Leistungen,\nder Soller'sche in Beziehung auf Orchester-Musik über-\nlegen. Beide veranstalten jedes Jahr eine Reihe von Abonne-\nments-Concerten, in welchen von der Sinfonie und vom\nOratorium an alle Musikgattungen Berücksichtigung finden,\nund sie sind mit der Zeit vorangeschritten. Die Nähe der\nbeiden Residenzen Weimar und Gotha gibt Gelegenheit,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "354", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561101-01.1.6", "texte": "gute Solisten ohne grossen Aufwand zu gewinnen, und der\nGeschmack des Publicuras ist an feinen Vortrag gewohnt.\nIn Erlurt ist der Musiksinn ein altes Erbtheil; durch\nden Schüler Seb. Bach's, Kittel, hat sich dort eine Schule\ntrefflicher Organisten erhalten, unter denen die Namen\nFischer, Gebhardi, der geniale Scheibner und zu-\nletzt Ritter hervorragen. Den Bestrebungen dieser Män-\nner und ihrer Anregung für Kunst, die tief in das Volks-\nleben hinein greifen, steht HummeTs Wirksamkeit in der\nNachbarstadt zur Seite, zu dem man vor Zeiten hinüber-\nwallfahrtete; jetzt gibt Liszt ihr vielfache Anregung und\nkommt nicht selten nach Erfurt.\nDa unter den Bewohnern der alten Hauptstadt Thü-\nringens sonst kein hervorragendes Interesse bemerkbar ist,\nwenn man nicht den Hang zum Naturgenuss als solches\nbezeichnen will und derselbe ist immer mit Empfäng-\nlichkeit für Kunst verbunden —, so waltet die Tonkunst\nvor, und der Sinn für dieselbe ist nicht nur in den höheren\nClassen der Gesellschaft, sondern im Mittelstande weit ver-\nbreitet und geweckt.\nDies charakterisirt auch die Concerte, für welche weit\nmehr ausführende Kräfte vorhanden sind, als Geldmittel,\ndie von einem zahlenden und ausser den Vereinen stehen-\nden Publicum aufgebracht werden könnten. Die hier leben-\nden Musiker sind daher nicht besonders gestellt, und es\ngehört jene nur in Deutschland mögliche Liebe zur Kunst\nals solcher, jene Entsagung und Aufopferung dazu, um sie\nin ihrem Berufe aufrecht und strebend zu erhalten.\nDer Wunsch, das Werk Karl Reinthal er's, der aus\nErfurt gebürtig ist und Neigung und Antrieb zur Kunst\nim Schoosse dieser Vereine empfangen hat, zur Auflührung zu\nbringen, war in beiden Vereinen zu gleicher Zeit entstanden\nund führte sie zur Vereinigung. In langer und sorgfältiger Vor-\nbereitung hat man Alles für eine würdige Aufführung des\nOratoriums „Jephta und seine Tochter\" aufgeboten, und\nso fand sich ein zahlreicher und geübter Chor zusammen,\ndessen Eifer durch die Anwesenheit und Leitung des Com-\nponisten noch erhöht wurde.\nUeber den Charakter des Werkes können wir uns\neiner Schilderung enthalten, da die Niederrheinische Musik-\nZeitung demselben schon ausführliche Artikel gewidmet\nhat; dass wir nach dem frischen Eindruck einer gelungenen\nAufführung in voller Begeisterung sind, können Sie Sich\ndenken. Wir bemerken nur, dass der Componist einige\nvielleicht nicht unwesentliche Mängel, die aus der Gruppi-\nrung der Solostimmen entstanden, vor der hiesigen Auf-\nführung beseitigt hat, indem er einige Nummern geändert,\nund durch Umwandlung der Bass-Partie des Propheten in\neine Tenor-Partie, Hinzufügung der Alt-Arie im ersten\nTheile u. s. w. ein schönes Verhältniss von Licht und\nSchatten hergestellt hat.\nDa beide Vereine zahlreiche Mitglieder haben, und\ndie festliche Gelegenheit es war der Geburtstag Sr.\nMaj. des Königs so wie das Interesse an der Sache,\nauch die Betheiiigung von zahlreichen Fremden voraussetzen\nliess, so ward, da die grosse und prächtig wiederherge-\nstellte Barfüsser-Kirche leider eine schlechte Akustik be-\nkommen hat, im Theater, das etwa 1360 Personen fasst,\neine doppelte Aufführung veranstaltet. Die Gefahr der Ab-\nspannung, die beim geringsten Fehlschlagen am ersten\nAbend nahe gelegen hätte, ist, Dank der Composition, der\ntrefflichen Ausführung, der enthusiastischen Aufnahme bei\nden Zuhörern, nicht eingetreten, im Gegentheil hatte die\nWiederholung des Werkes noch einen freieren und leben-\ndigeren Charakter, als die erste Aufführung. Das Haus\nwar beide Male gedrängt voll. Man hält es hier für unan-\ngemessen, den Zusammenhang eines ernsten Kunstwerkes\ndurch laute Beifalls-Bezeugungen zu unterbrechen; man\nfolgte der Aufführung mit jener vollkommen gespannten\nStille, die sich sehr wohl von Gleichgültigkeit unterscheiden\nlässt. Am Schlüsse des ersten Theiles aber, so wie am\nSchlüsse des Ganzen erschallte der anhaltendste und un-\ngetheilteste Beifall. Am zweiten Abend durchbrach das\nnatürliche Gefühl die Schranken, man gab sich vielfach\nlauter Bewunderung hin; am Schlüsse ward der Componist\nunter dem dreimaligen Schmettern des Orchesters und dem\nallgemeinsten Zurufe des Publicums mit dem Lorber gekrönt.\nEinen schönen Antheil an diesem allgemeinen und\nausserordentlichen Erfolge hatten die Solisten. Herr D u-\nM ont-Fier aus Köln (er hatte mit besonderer Zuvor-\nkommenheit die weite Reise gemacht) fand beide Male\ndurch den Glanz seiner sympathischen Bassstimme eben\nso sehr als durch belebten und aus echter Empfindung\nhervorquellenden künstlerischen Gesang allgemeinste An-\nerkennung, so dass die begeisterte Zuhörerschaft, trotz\nder, wie oben erwähnt, hier herrschenden Sitte, bei der\nzweiten Aufführung sogar mitten in der ersten Arie des Jephta\nin Beifail ausbrach und fortan jede Nummer des trefflichen\nSängers applaudirte. Auch j. Rietz, der von Leipzig herüber-\ngekommen, sprach sich höchst ehrenvoll für den Sänger aus.\nFräulein Auguste Brenken aus Soest sang die\nMirjam, die Tochter Jephta's; ihre hohe, lieblich und voll\nklingende Sopranstimme passte vortrefflich zu dem heroi-\nschen Charakter dieser Partie, die sie am zweiten Abend"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "355", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561101-01.1.7", "texte": "noch mehr als am ersten durch energischen Vortrag her-\nvorhob. Aber auch die weicheren Stimmungen vvussle sie\nschön wiederzugeben. Wenn ihr Vortrag an künstlerischer\nAbrundüng, Wärme und feiner Nuancirung des Ausdrucks\ndurch die Praxis, was nicht fehlen kann, noch gewinnt, so\nwird diese junge Künstlerin eine bedeutende Laufbahn\nmachen, da sie schon jetzt durch Frische, Anmuth und wobl-\nthuende Einfachheit ihres Gesanges sehr für sich einnimmt.\nFräulein Schreck, welche die Alfpartie übernommen\nhatte, verdient, was Stimme und Vortrag betrifft, als Ora-\ntorien-Sängerin unter den Besten genannt zu werden. Die\nArie, welche sie so innig und mit echter Künstlerschaft\nvortrug, war unter den reichen Genüssen beider Abende\nein Moment, von dem man gern sagte: Verweile!\nDie Tenorpartie war durch einen jungen, mit ange-\nnehmen Stimmmitteln begabten Dilettanten, Hrn. Günzel,\nganz befriedigend besetzt.\nDer Chor zählte 180 Mitwirkende: an Klang und\nFrische dürften unsere Frauenstimmen wohl den Männer-\nstimmen überlegen sein. Alles sang mit grosser Freudig-\nkeit; das Werk war mit Liebe und Eifer studirt, und\nReinthaler verstand auch als Dirigent die vereinigten Chor-\nund Orchesterkräfte zu begeistern. So war denn auch\nSchwung in den Chören, die durch ihre melodiöse Poly-\nphonie und prachtvolle Instrumentirung imponirten.\nDer zweite Concert-Abend vereinigte die Theilneh-\nmenden zu einem Festessen zu Ehren unseres gefeierten\nLandsmannes. „Möge ihm Kraft und Müsse beschieden\nsein, solch einem Erstgebornen, wie Jephta, ebenbürtige\nBrüder folgen zu lassen!\" Das war der Wunsch, mit dem\n<u\nwir ihn aus seiner Heimat scheiden liessen.\n\nDas pariser Beethoven-Quartett.\n\nAm Dinstag den 28. October haben die Herren Maurin (I.\nVioline), Chevillard (Violoncelli), Mas (Bratsche) und Sabatt ier\n(11. Violine) ihre erste Quartett-Sitzung im Saale des Hotel Disch\nmit einem Erfolge gegeben, den man in diesem Locale und bei\ndem Publicum der Kammermusik beispiellos nennen kann. Sie\nspielten das grosse Quartett in Cis-moll Op. 131 und das Quartett\nin Es-dur Op. 74. Dazwischen trugen die Herren Hiller, Mau-\nrin und Chevillard das Trio für Piano, Violine und Viotoncell\nOp. 70 in D-dur vor. Wir sind eben keine Freunde von über-\nschwänglichen Ausdrücken: wenn wir daher sagen, dass dieses\nViergestirn einen Einfluss auf die Begeisterung der Zuhörer aus-\nübte, wie man ihn nur sehr selten wahrnimmt, so ist dies nichts\nals eine ungeschmückte Angabe der Thatsache, wiewohl wir gern\ngestehen, dass wir selbst noch unter dem Eindrucke dieser Be-\ngeisterung schreiben.\nWir wissen sehr wohl, dass dies der Kritik, d. h. dem, was\nman so gewöhnlich darunter versteht, nicht günstig ist denn\nviele Menschen meinen, dass die Kritik in der Aufsuchung von\nMängeln und in gelehrter Sylben- oder Notenstecherei bestehe ;\nallein wenn eine künstlerische Leistung in ihrem Gesammt-Aus-\ndrucke derartig ist, dass der Gedanke an jene Art von Kritik gar\nnicht aufkommt und selbst die Spürkraft der feinsten Nase für den\nAugenblick ganz und gar versagt, so ist das wahrlich ein Triumph\nder Kunst, und wir möchten nicht gern zu denen gehören, die\ndurch ein unausstehliches Ml admirari ihn verkümmern zu müssen\nglauben, dadurch aber eigentlich nur ihrer verknöcherten Natur ein\nArmuthszeugniss an Phantasie und Gefühl ausstellen. Und das ist\ndie W'irkung der Vorträge dieses pariser Quartett-Vereins: die\nVortrefflichkeit des Ganzen lässt kein Bedenken über Einzelnes zur\nGeltung kommen, und eben desswegen prophezeien wir diesen\nMissionären zur Verbreitung des Geistes Beethoven's, wie er in\nseinen letzten Thaten waltet, in Deutschland grossen Erfolg.\nDenn die deutsche Kunstliebe unterscheidet sich gerade.dadurch\nvon der französischen, dass wir am liebsten das Ganze des Kunst-\nwerkes in uns aufnehmen, während unsere Nachbarn die Vollen-\ndung des Details und der Ausführung vorzugsweise berücksichtigen.\nUnd nun kommt wunderbarer Weise aus Frankreich ein Verein\nvon Künstlern, die, gleichsam dem Geiste ihrer Nation zum Trotz,\ndem Einzelnen zwar die grösste Aufmerksamkeit widmen und den\nvollendetsten Ausdruck geben, aber doch die Auffassung des Gan-\nzen, die plastische Hinstellung des Kunstwerkes als der sinnlichen\nErscheinung einer Idee, sich zur Aufgabe gemacht haben, und diese\nAufgabe in einer Weise lösen, die nur durch die Verbindung der\nvollständigen Herrschaft über alle technischen Mittel des Ausdrucks\nmit der lebendigen geistigen Erfassung der Idee des Kunstwerkes\nmöglich zu machen ist.\nFünf Jahre eines eifrigen, über Alles beharrlichen und aus-\ndauernden Studiums hat dieser Verein seinem erhabenen Zwecke\ngewidmet und tritt jetzt eine grössere Kunstreise durch Deutsch-\nland an, durchdrungen von der Ueberzeugung, dass nicht Paris\nund Frankreich, sondern nur das Vaterland Beethoven's, das Land\nder Musik und Poesie, ihm die Weihe zum wahren Priesterthum\nder Kunst geben könne. Lasst uns daher diese fremden Künstler,\ndie, begeistert von Liebe und Verehrung der deutschen Meister und\nbesonders des grössten unter ihnen, es sich zur Lebens-Aufgabe\ngemacht haben, den Geist desselben, der sich am reichsten in sei-\nnen letzten Werken entfaltet, zu verlebendigen und zu verklären,\nund die Räthsel zu lösen, die er der Nachwelt aufgegeben; lasst\nuns sie überall mit Freuden begrüssen und mit Zuvorkommenheit\naufnehmen! Der Beifall aber, den wir ihnen spenden, ist mehr als\neine Pflicht der Dankbarkeit, es ist der Tribut der höchsten Aner-\nkennung, welchen nicht nur ihr kühnes Streben, ihr eiserner Fleiss\nfordern, sondern welchen ihre geniale Befähigung und die Vollen-\ndung, die jenes Streben bereits erreicht hat, unwillkürlich dem Zu-\nhörer abzwingen.\nAusser den oben genannten Compositionen von Beethoven haben\nwir noch in einem Privatzirkel die zwei grossen Quartette in B-dur\nund in Es-dur gehört, und der Vortrag hat denselben Zauber auf\nuns und alle Anwesenden ausgeübt, wie das erste Mal. Es ist der\nreinste musicalische Genuss, den man haben kann: es stört einen\n\nX."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "356", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561101-01.1.8", "texte": "gar nichts dabei, diese vier Künstler spielen wie Ein Mann, sie\nsind Ein Herz und Eine Seele, und zu diesem vortrefflichen, in\nsolcher Vollkommenheit noch nicht dagewesenen Zusammenspiele\nkommt noch der schöne Zusammenklang ihrer Instrumente, der\neinen wunderbaren Gesammtton bildet, welcher nicht wenig zu der\nzauberischen Wirkung des Ganzen beiträgt.\nNach dem Besuche von Düsseldorf, Barmen und Elberfeld wer-\nden die vier Künstler zu uns nach Köln zurückkehren und Dins-\nlag den 4. Nov. noch einmal öffentlich spielen.\n\nL. B.\n\nAus Barmen.\nUnsere Abonnements-Con certe haben am 25. October\nunter Leitung des Hrn. Musik-Directors Karl Reinecke wieder\nbegonnen. Das Programm des ersten war vortrefflich ausgestattet,\nindem der 1, Theil Weber's Oberon-Ouverture, Beethoven's\nEs-dur-Concert für Ciavier, Fr. Schubert's Mirjam's Siegsgesang\nfür Sopran-Solo, Chor und Orchester, der 11. Theil J. Haydn's\nSturm und Mendelssohn's Sinfonie Nr. 4 in A-dur brachte.\nDie hiesigen musicalischen Kräfte sind erfreulich vermehrt und\nerstarkt. Der Chor hat sehr gewonnen, besonders auch dadurch,\ndass die Altpartie jetzt noch einmal so stark besetzt ist, als früher,\nund das Orchester hat vorzüglich im Streichquartett und auch bei\nden Blas-Instrumenten einige treffliche Acquisitionen gemacht. Die\ngrossen Orchesterstücke, die Ouvertüre und die Sinfonie wurden\ngut und mit feurigem Vortrag gespielt: einige schwierige Stellen\nin der letzteren Hessen freilich noch zu wünschen übrig. Ganz be-\nsonders bewahrte sich aber das Orchester auch bei der Begleitung\ndes Beethoven'schen Concertes. Hr. Reinecke trug diese wunder-\nvolle Composition ganz in dem grossartigen, ruhig erhabenen Stil\nvor, den sie verlangt; es war ein Genuss, den Künstler zu\nhören, dem die Virtuosität in der Beherrschung des Instrumentes\nnur Mittel ist, den Geist des Componisten überall klar darzustellen.\nAuf diese Art konnte der überwältigende Eindruck nicht ausbleiben.\nWeniger als die übrigen Gesang-Compositionen von Fr. Schu-\nbert ist „Mirjam's Siegsgesang\", Text von Grillparzer, bekannt,\nder den Durchgang der Israeliten durch das rothe Meer und Pha-\nraon's Untergang besingt. Das Werk ist durch J. A. van Eyken\ngeschickt und wirkungsvoll instrumentirt und in dieser Gestalt,\nzumal bei dem Mangel an Chorgesangstücken von kleinerem Um-\nfange, eine schöne Bereicherung des Concert-Repertoires. Es ist in\ndiesen echt Schubert'schen Melodieen mehr Volkstümliches, als man\nsonst bei Schubert gewohnt ist; die Schlussfuge, obwohl vielleicht\nam wenigsten meisterlich gearbeitet, wirkt dennoch grossartig.\nAm 19. Oct. gab der Violinist Herr Franz Seiss eine sehr\nbesuchte Soiree. Wir können uns Glück wünschen, dass dieser\ntüchtige Künstler sich hier niedergelassen hat: in allem, was er\nspielt, zeigt sich eine ausgezeichnete Technik, Reinheit des Tones\nund Eleganz des Vortrages. Sein Ton, obwohl von intensiver Fülle,\nwürde noch ausgiebiger sein, wenn er ein vorzüglicheres Instru-\nment hätte. In der Soiree spielte er ein Air varie von Vieuxtemps,\nKinderlied und Etüde von David, ein Notturno von eigener Com-\nposition und ein Saltarello von Alard. Die hiesige Liedertafel\nsang einige Lieder von Schneider, Mendelssohn, Zelter und eine\nHymne von Rossini. Es ist sehr anerkennungswerth, dass dieser\nVerein bei öffentlichem Auftreten bis jetzt stets den Vortrag fader\nMode-Compositionen verschmäht und nur gute Sachen gegeben hat.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nWeimar. Die N. Z. f. M. theilt Einiges über die Composi-\ntions-Projecte Liszt's mit. Zuerst wird eine Schüler-Sinfonie in\nAussicht gestellt, der die Schillcr'schen „Ideale\" zur Grundlage\ndienen sollen. Ferner ist noch im Laufe dieses Jahres von Liszt\nein neues Werk (wahrscheinlich ein Psalm) für Chor, Soli und\nOrchester zu erwarten, das er, wie wir hören, für den Stenrschen\nGesang-Verein in Berlin bestimmt hat. Das dritte Werk, dessen\nVollendung im Laufe dieses Winters erfolgen soll, ist die Compo-\nsition einer zweiten grossen Fest-Messe, welche der Erzbischof von\nSiebenbürgen zur Einweihung der Domkirche in Kalocsa bei Liszt\nbestellte. Dass Liszt ferner beabsichtigt, eine ungarische National-\nOper zu componiren, ist Thatsache. Es fehlt nur noch an der dich-\nterischen Anregung, am Libretto. Der Intendant des ungarischen\nNational-Theaters, Graf Raday, hat einen Preis von 80 Ducaten für\ndas beste Original-Libretto aus der ungarischen Geschichte oder\nSagenwelt ausgeschrieben, welches Liszt zur Composition übergeben\nwerden soll. Ungarischen Nachrichten zufolge soll der Baron J.\nEötvös, der talentvolle Autor des Karthäuser, beabsichtigen, einen\nder ungarischen Geschichte entnommenen Stoff für Liszt als Opern-\ntext zu bearbeiten. Noch aber ist die Liste der neuen Werke Liszt's\nnicht zu Ende. Roquette hat auf des Meisters Anregung\neine Legende gedichtet, welche das Leben der heiligen Elisabeth\nin sechs Tableaux schildert, den sechs Fresken von M. v. Schwind\nentsprechend, welche Letzterer in der W'artburg dem gleichen Mo-\ntiv gewidmet hat. In diesen sechs Abtheilungen werden die Haupt-\nMomente aus dem Leben der h. Elisabeth dichterisch geschildert,\nnämlich: 1) Ihre Ankunft in Thüringen im Kindesalter. 2) Das\nbekannte Rosenwunder. 3) Der Zug ihres Gemahls, des Landgrafen\nLudwig, nach dem heiligen Lande. 4) Die Vertreibung der b. Eli-\nsabeth von der Wartburg. 5) Ihr Tod in einsamer Zelle. 6) Ihr\nfeierliches Begräbniss in Marburg in dem von ihr erbauten Dome.\nEine weitere künstlerische Vereinigung der Motive der Musik und\nMalerei will Liszt in einer Sinfonie niederlegen, die das grossartige\nMotiv der Hunnenschlacht von Kaulbach zu dem ihrigen gemacht\nhat. Diesen Attila wird Liszt beginnen, sobald er seine Schiller-\nSinfonie, die „Ideale\", vollendet hat. Sind erst die neue Messe und\ndie Legende vollendet, so will Liszt eine kirchliche Cantate com-\nponiren, welche die acht Seligpreisungen der Bergpredigt poetisch-\nmusicalisch verherrlichen soll. Ferner soll Liszt mit der Idee um-\ngehen, ein Oratorium „Christus\" zu componiren, zu welchem\nFriedrich Rückert (nach seiner Evangelien-Harmonie) den Text\ndichten würde. [Vorher wird dem Hercules Musagetes geopfert.]"}]}