{"numero_id": "bm-bmtnabi-1856-11-15-01", "volume": "bmtnabi_1856-11-15_01", "ocr_sha256": "461513876a854d2d6351605393520b5b051b54d849613987fd9dee7503665d04", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1856/11/15_01/bmtnabi_1856-11-15_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561115-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1856-11-15-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-11-15_01#c001", "volume": "bmtnabi_1856-11-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "365", "page_fin": "365", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561115-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "365", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561115-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 316, "texte": "Inhalt.\nVon weltlicher Musik. Von Dr. Ed. Krüger. Aus Crefeld (lliller's Zerstörung von Jerusalem). Nanette Falk.\nVon E. K. Für Männerchor: K. Hoffmann Ad. Trübe J. Hoven Op. 49. IL Gesellschafts-Concert in Köln. - Theater\nzu Frankfurt a. M. Tages- und Ün terh alt u ngsbla tt Paris (Stockhausen) Zwischenact-Musik)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-11-15-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-11-15_01#c002", "volume": "bmtnabi_1856-11-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "365", "page_fin": "368", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561115-01.2.2", "titre_corps": "Von weltlicher Musik", "titre_sommaire": "Von weltlicher Musik", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "365", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561115-01.1.1", "debut_caractere": 318, "fin_caractere_exclue": 4257, "texte": "Von weltlicher Musik\n*)■\nI.\nGeistliches und Weltliches ist nicht ursprünglich ge-\nschieden. Sowohl in den ältesten Zeiten, im alten Morgen-\nlande als im früheren Mittelalter und in den ersten Jahren\ndes sechszehnten und siebenzehnten Jahrhunderts, war in\nEinhei-t, was wir heute als getrennt anzusehen gewohnt\nsind. Damals war es dem Herzen offenbar, dass zwischen\nGöttlichem und Menschlichem im Menschenleben keine\nScheidewand zu ziehen, nicht eines ohne das andere zu be-\ngreifen sei; die Kirche überschattete das ganze Leben, das\nBewusstsein des Höheren hielt das Niedere umschlungen;\nalles öffentliche und häusliche Treiben war an einen Punkt\nangeknüpft, der Anfang und Ende zugleich: die weltlichen\nBedürfnisse erschienen als Gaben des Geistes, die religiö-\nsen Handlungen schritten ins Leben und begleiteten es im-\nmerdar. Auch der fröhlichen Weltlust fehlte nicht der tie-\nfere Ton; selbst das Verbrechen ward nicht bloss vom bür-\ngerlichen und königlichen Richter geahndet, sondern fiel\nals Sünde dem christlichen Gericht anheim. Aus solchen\nZeiten stammen jene eigentümlichen Bauten, Bilder, Lie-\nder und Töne* deren selige Schönheit uns überwältigt, weil\nsie uns unerreichber geworden: jene Werke frommer\nWeltlust, in denen das Himmlische auf Erden verkörpert\nscheint, und die ihrer doppelten Beziehung halber eben so\nsehr kindlich fasslich wie göttlich unbegreiflich erscheinen.\nNicht als ob jenen Zeiten der Widerspruch, der Schmerz,\ndie Sünde gefehlt hätten; aber sie waren gewohnt, auch\ndiese wie alles Endliche unter dem Gesichtspunkte des\nEwigen zu betrachten, den Blick nach oben gewandt, das\nGemüth in unzerbrechlicher Fessel süss und schmerzlich\ngebunden. Darum sind nicht bloss die Volksfeste des Mit-\ntelalters, die politischen und bürgerlichen Einrichtungen,\nReichstage, Krieg und Frieden, Zünfte und Lehnswesen\nmit diesem ernsten Tone umgehen, sondern selbst die fröh-\nlichsten Lieder klingen im Nachklange jener Alles durch-\nwaltenden Stimmung. In unserem heutigen Sinne erkennen\nwir kaum einen Unterschied zwischen Geistlich und Nicht-\ngeistlich, wenn uns Volkslieder in der ältesten Form der\nKirchentöne gesungen werden; und diese innerste Gemein-\nsamkeit ist das Ursprüngliche, auch jetzt noch nicht Unter-\ngegangene, das sich nach allen Umschleierungen endlich\nwieder hervorthun muss.\nAus jener Einheit, die uns jetzt verloren, ging die\nnächste Zeit nach der Kirchentrennung zur Zerspaltung\nfort, Anfangs naturgemäss entwickelnd, was einer selbst-\nständigen Erweiterung zu bedürfen schien, dann immer\nweiter gesonderte Kreise hinstellend bis zu der äussersten\nEntfremdung beider Gebiete, welche die letzten Tage des\nverflossenen Jahrhunderts ausführten. Für jedes Gebiet des\nLebens und der Wissenschaft bildete sich gleichsam eine\neigene Selbstständigkeit, ein eigener Körper, der mit dem\n\n*) Bei dem Heisshunger der gegenwärtigen Zeit nach Neuem\nscheint es uns bei aller Berücksichtigung dieses Neuen die\nPflicht der Kritik, dann und wann auf das Aeltere, bereits\nVorhandene hinzuweisen, welches gar oft manches, was heut-\nzutage in Frage gestellt wird, längst aufs Reine gebracht,\nvieles, was als ungeahntes Kunstsystem geltend gemacht wer-\nden soll, schon widerlegt hat, ehe es unsere Zeit zur Wieder-\ngeburt brachte. In diese Classe von Werken über Musik ge-\nhören die „Beiträge für Leben und Wissenschaft\nder Tonkunst\" von Dr. Ed. Krüger, welche bereits vor\neinigen Jahren bei Breitkopf und Härtel in Leipzig erschie-\nnen sind. Dieses Buch bringt in drei Haupt-Abschnitten:\n1) Gegenwärtige Zustände—2) Wissenschaftliche\nBetrachtungen 3) Sitte und Lehre der Kunst,\neine Reihe von Aufsätzen, welche von tiefer Ivenntniss des\nGegenstandes und trefflicher Gesinnung in Leben und Kunst-\nlehre zeugen und des Beherzigungswerthen und Anregenden\nfür die jetzige Zeit gar viel enthalten. Wir geben desshalb\neinige Auszüge, welche die Leser von selbst zu weiterem\nStudium des Buches auffordern werden. Die Redaction."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "366", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561115-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5146, "texte": "grossen Körper des Gesammliebens nur äusseriichc Ge-\nmeinschaft hatte; der Staat glaubte der Religion, der Krie-\nger des Vaterlandes, der Künstler Beides entbehren zu\nkönnen. Nicht alle freilich sind bis zu dieser Consequenz\nder Trennung gelangt, die Besten am wenigsten; doch lag\ndie Neigung dazu im Sinne der Zeit. Umgekehrt scheint\ndie gegenwärtige Neigung, in allen geistigen Erscheinungen\nEinen Mittelpunkt zu suchen, die alte Einheit wiederbrin-\ngen zu wollen, wobei sich dann auch ältere Verirrungen\nwiederfinden, selbst neben dem Streit geschiedener Schulen,\nnämlich die Verwischung aller Elemente bis zur Aulhebung\ndes Unterschiedes.\nIn der Geschichte der Künste spiegelt sich derselbe\nGang. Die Zeit von den Kreuzzügen bis zum Ende des\nsechszehnten Jahrhunderts ist im weitesten Sinne kirchlich\nzu nennen, weil alles weltliche Bewusstsein, alle Erschei-\nnungen des Lebens, die meisten künstlerischen Werke von\nkirchlicher Haltung durchhaucht sind. Nur das V o 1 k s 1 i e d\nselbst, mit und ohne Beziehung auf Heiliges, von uralter\nHerkunft und der geschichtlichen Forschung entzogen, hat\nsich vor, mit und nach der kirchlichen Zeit, und vorzüg-\n-7 o\nlieh in Deutschland, gezeigt. Wenn im Christenthume selbst\nein Gegensatz des Geis!liehen und Weltlichen, wie ihn das\nAlterlhum nicht kannte, ausgesprochen ist: so hat diesen\nbesonders der Germarie gefühlt und nirgends früher und\noffener dargelegt, als im weltlichen Volksliede. Dies be-\nzeugt nicht bloss der altbekannte Reichthum, die Fülle\ndeutscher Volkslieder, deren Zahl zu keiner Zeit von einem\nanderen Volke übertroffen ist, sondern auch die Geltung\nund Bedeutung derselben, welche sogar eine kirchlich-\nvolksthümliche ward zu Luther's Zeit. -\nDas echte Volkslied ist die erste Weise, wie die Welt-\nlichkeit in die Musik eintritt, alles Uebrige mehr zufällig,\nnicht als gerundete poetische Form erkennbar. Für die\nWahrheit dieses Satzes spricht die älteste Erwähnung und\nAuffassung desselben bei den Minne- und Meistersängern.\nDie eigentümlichen Namen „Kerzenwis, schwarze Don\"\netc. bezeichnen jene Weisen als längst bekannte, der Er-\nklärung nicht bedürftige; bei manchen (s. Winterf. Evang,\nChoral 1, 40\nwiss vorauszusetzen. Dass ferner das Volkslied auch lange\nZeit die einzige poetische d. h. abgeschlossene künst-\nlerische Form weltlicher Musik war, erhellt zunächst dar-\naus, dass auch zum Tanz wie zum Marsch, zur Wanderung\nu. s. w. nicht gespielt, sondern gesungen ward, lange Zeit\nmit keinem anderen als nur begleitendem Instrumen-\ntale, wogegen erst weit später, nach Durchlebung und\nDurchbildung reiner Vocalität, die seib sls tändigen In-\nstrumentalien erscheinen, und zwar eher die geistlichen\n(Orgel) als die well liehen.\nIn der Zeit der höchsten Blüthe geistlichen Gesanges\nin Italien, zu 'Anfang des siebenzehnten Jahrhunderts, wuchs\nauch die rein weltliche Musik heran, Anfangs von jenem ent-\nlehnend in Ton und Behandlung, bald freie eigentümliche\nGestalten in heiterer Freude erschaffend. Sowohl jene Ent-\nlehnung als diese freudige Neuschöpfung ist das dauernde\ngeblieben über ein Jahrhundert lang. Freudig-\nkeit sei der Grundton, ist ein altes Gesetz weltlicher Mu-\nsik, welches die ältesten Opernsetzer so lebendig fühlten,\nals es Göthe in seinen scharfsinnigen Aphorismen mit Be-\nwusstsein aussprach. Dies schliesst den Eintritt der Leiden-\nschaften nicht aus; denn diese mit ihrer schmerzlichen Re-\ngung kehren doch immer im versöhnten Abschluss in das\nGebiet der Freudigkeit zurück, und der Grundton selbst\nder pathetischen Oper war doch kein zerrissener. - Lange\nblieb diese innere Verbindung des weltlichen Drama mit\ndem geistlichen, in der Musik wie in der Wortdichtung.\nAeusserlich erscheint dieses Band schon darin, dass die be-\ndeutendsten Tonsetzer selten, wie heute, Einem Fache allein\nhingegeben waren, sondern grossentheils in beiden Gebieten\nschöpferisch walteten, wenn auch nach Maassgabe der na-\ntürlichen Begabung in Einem glücklicher und reicher. In-\nnerlich erscheint jene Verwandtschaft in dem Umstände,\ndass die Gegenstände der Oper meist der alten Mythologie\nentnommen, und also der feierlichen Erhebung, dem höhe-,\nren Anklänge nicht fremd waren. Die Oper war aber\nweder damals noch spätier ein Gut, das in gleichem Maasse,\nwie in dem perikleischen Athen das Drama, dem ganzen\nVolke angehört hätte. Hieraus ist vielleicht zu erklären,\ndass eigentliche Volksweisen ursprünglich weder in sie auf-\ngenommen wurden, noch von ihr ausgingen; Beides, die\nAufnahme und die Wiedergabe von Volksweisen, scheint\nerst seit den Zeiten Handel's geschehen zu sein. Ein mit-\ntelbarer Einfluss jedoch, den die Oper auf den Volksgesang\nausübte, lässt sich nachweisen in der Steigerung der Mittel,\nder Erweiterung harmonischer Freiheit, der Einführung leb-\nhafterer Färbung überhaupt, welche von den Künstlern\ntheils mit, theils ohne Willen in die Kirche übertragen\nwurden.\nEndlich ist auch die freie weltliche Instrumentalität\naus jenem gemeinsamen Grunde empor gewachsen. Selbst-\nständig wirkt zuerst die Orgel, dann das Ritornell vor dem\nein- und mehrstimmigen Gesänge, hierauf, von romanischer\nSeite eingeführt, freie Tanz- und Kriegsmusik, dann die"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "367", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561115-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5180, "texte": "freier ausgeführten Salze zur Einleitung der Oper; zuletzt\nerst, gegen das Ende des siebenzehnten Jahrhunderts, tritt\ndie selbstständige Kammermusik auf, also kurz- vor S. Bach,\nder die begründete zu bestimmterer Gestalt weiter führte\nund hiermit die Scheidewand zwischen Geistlich und Welt-\nlich zuerst künstlerisch ausspricht. Doch auch die freiesten\nphantastischen Sätze dieses Meisters sind nicht so weit von\nder Mutter gelallen, dass man nicht an den alten Grundton\nerinnert würde.\nVolkslied, Oper und freie Instrumentalien sind es also,\nwas man unter dem Namen weltlicher Musik zusammen-\nfassen mag. Wie sie ursprünglich dem geistlichen Grunde\nentsprossen, so ist ihr Grundton lange der Ton versöhnli-\ncher Heiterkeit gewesen; eine Gesundheit des Lebens,\nwelche dem geistlichen Grundwesen gar nicht widerspricht\nund die sich der Leidenschaft hingibt als einer Notwen-\ndigkeit, einem Schicksal, das zu überwinden, nicht wie einer\nLust, die aufzusuchen oder gar zu steigern wäre. Aber\nauch die letzte offenbare Trennung musste ausgesprochen\nwerden; die neckische Lust, der dämonische Humor gehen\naus dem Gebiete des Geistlichen entschieden heraus; end-\nlich erscheint die reine Gewalt selbstberechtigter Leiden-\nschaft, aber auch diese noch nicht ungöttlich, nicht wider-\ngöttlich. Wie ein weinendes Auge, ein heldischer Zorn, ein\ngöttliches Leiden gar wohl in das Menschenleben, somit\nauch in die Kunst eintritt, ohne den Zusammenhang mit\ndem Allsein und Allleben zu zerlösen: so ist die Bedeutung\ndes Tragischen nicht Vernichtung, sondern Versöhnung;\nja, man kann, einen Schritt weiter gehend, behaupten, das\nTragische, obwohl scheinbar die äusserste Consequertz welt-\nlicher (unkirchlicher) Leidenschaft, sei doch weit mehr als\nalle übrigen welllichen Gewalten des Scherzes, Lachens,\nHumors mit unsichtbarem Bande an das Heilige ge-\nknüpft, weil es seinem Wesen nach, so auch im echten\nKunstwerke, immer als Widerspruch gegen das niedere\nLeben, als Ringen nach Versöhnung über die Welt hinaus\ndeutet: ein Suchen des Göttlichen auf weltlichem Wege,\ndie höchste und letzte Aufgabe der schönen Kunst. Was\nhinter dem Tragischen liegt, ist die kalte Teufelei, der Ekel\nder Selbstvernichtung. Diese Stufe ist nicht nur möglich,\nsie ist auch in verirrten Künstlern zur Wirklichkeit gewor-\nden; die krankhafte Reizung, die den rohen natürli-\nchen Schmerz an sich für ein Kunstwerk halten mag,\ngeht fort bis zur Zerrissenheit und Selbstvernichtung, und\ndie Trennung wird ewig. Auf diesem letzten getrennten\nStandpunkte angekommen, ist der Künstler durch Zeit- und\nWeltstellung gedrungen, sich Einem Gebiete hartnäckiger\nhinzugeben, um überhaupt bestimmte, dem Bewusstsein\nseiner Zeit fassbare Kunstgebilde zu erschaffen; schwer\nwird es desshalb vielen neueren Künstlern, nach Haydn\nund Beethoven die alte Vereinigung wieder zu finden, wenn\nsie nicht den Weg von dem Anfange her mit Willen, Ernst\nund Uebung wieder durchmachen.\nWas dem Geschieden-Weltlichen besonders eigenthüm-\nlich, ist die Durchbildung pathetischer Gestalten, die Ver-\nminderung ethischer. Die Kategorieen Ethos und Pathos,\nwie sie Aristoteles gebraucht, werden unsere Ansicht zweck-\nmässig erläutern. Ethos nennt der Grieche die gleich-\nmässige Grundstimmung der Seele, die Seele in Ruhe, das\nUrsprüngliche, Seiende; Pathos, jenem entgegengesetzt,\nbezeichnet die Bewegung, das Werden, das Blühendver-\nwelkende, die Höhen und Spitzen des Seelenlebens, die\nleidenschaltlichen Zustände. Beide Grundgestalten sind allen\nKünsten gemein: die tönenden Künste geben Vorstellungen\nvon ruhender sowohl als bewegter Seele, wie die räum-\nlichen ruhende und bewegende Gestalten darstellen. Ethos\nund Pathos sind, verständig angesehen, reine Gegen-\nsätze: tieferes Innewerden ihrer Bedeutung zeigt, dass\neines ohne das andere undenkbar, dass nur gemeinsam\nihre Wirksamkeit lebendige Schöne erzeugt. Bleiben\nwir vorerst bei der Erörterung des selbstständigen\nPathos neben dem Ethos; dies ist im besten Sinne\nweltliche Kunst.\nDer natürliche Mensch neben dem sittlichen, der Mensch\nan sich dem christlichen und geistlichen gegenübergestellt,\nist das weltliche Bewusstsein. Der natürliche Mensch ist\nweder ungöttlich noch widergöttlich; er wird es, wenn er,\naus dem geistlichen Wirken wissentlich umgekehrt, dieses\nselbst angreift. Natürlich Göttlich: so kann man auf\neinfacheres Maass zurückführen, was in concreterer Fassung\nWeltlich Geistlich genannt wird; in diesem Sinne so\nwenig eine reine Polarität, als die erstgenannten Gegen-\nsätze Ethos und Pathos. Jenseits und ausser diesen beiden\nliegt die trübe Mischung des Geistlosen, Gottlosen, Lügneri-\nschen, Satanischen: Verzweiflung und Vernichtung, womit\ndie reine, unschuldige Weltlichkeit nichts gemein hat. Denn\nselbst die poetische Erscheinung des Satans, der Sünde u.\ns. W.ist in wahren Kunstwerken nur accidentiel, nicht sub-\nstantiel; wo der Teufel an sich als letzte siegende Macht\naufträte, da wäre entweder ein zweites Göttliches statt des\nEinen Gottes erdacht, also nur Wandlung der Factoren,\noder das absolute Nichts das Ergebniss, mit dem sich wohl\ndie Logik, aber nicht die lebendigen Gewalten der Kunst,\nSitte und Religion zufriedenstellen könnten. Wie und wo"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "368", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561115-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3074, "texte": "diese Lügengewalt aus den Wirren der Zeitlichkeit auch\nin unsere Kunst eingeflossen, wird uns aus manchen gegen-\nwärtigen Erscheinungen offenbar werden; auch uns hat sie\nberührt, wenngleich nicht in dem Maasse, wie andere Völ-\nker, denen die Innigkeit des Lebens fern ist.\nSo lange aber der pathetische Pol nicht den ethi-\nschen verdrängt hat, so lange die Leidenschaft nur ein\nUebermaass natürlicher Gesundheit, so lange sie der Aus-\ndruck der Menschheit an sich ist, ohne widergöttlich, ver-\nzweifelnd und vernichtend zu sein: so lange behauptet die\nschöne Weltlichkeit ihre Rechte, das Recht der Zeit und\nGegenwart. Nirgends ist diese so vollkommen ausgespro-\nchen, wie in Mozart's Opern, denen auch das specifische\nChristenthum nichts Feindliches aufbürden kann, ohne das\nRecht der Schönheit selbst in Frage zu stellen. In ihnen\nerscheint die Liebe in natürlicher Gluth, das Heldenthum\nin männlichem Entzücken, die Geselligkeit mit schalkischem\nLächeln, Alles mit jenem Zauberhauch umflossen, den die\nursprüngliche Gesundheit eines kräftigen Ethos diesem\nHochbegabten gewährt. Nicht minder sind in Beelhoven's\nSinfonieen neben allem Ringen und Rasen der Leidenschaft\ndie ethischen Grundgewalten sichtbar in der besonnenen,\nobwohl durch ihn neubelebten periodischen Rhythmik, so\nwie überhaupt in der Weise, wie er das Pathos einführt,\ndurchsetzt und abschliesst. Denn auch er, der Hochtragi-\nsche, der pathetische Heros, lässt das Ethos nicht im Pa-\nthos untergehen, sondern in organischerWeise den ewigen\nHintergrund leuchten, der der Leidenschaften Quell und\nMündung ist; weit entfernt von fieberischen Krämpfen, der-\ngleichen später gleichsam unter dem Schilde seines Namens\nPathos geheissen wurden, bleibt er doch der innerlich kräf-\ntige, reine Künstler, und selbst wo ihm Versöhnung zu\nfehlen scheint, ist's doch nicht reine Vernichtungslust, was\ner singt: immer vernimmt man den reinen, seienden Ge-\nsang über dem Sturme, unter, vor und nach ihm. WTie an-\nders die Schwächlinge, die in kindischem Zorne gegen Gott\nund Natur zu rasen vorgeben, und in kunst- und seelen-\nlosen Bildern endlich zu Tage bringen was denn?\nnichts als die Offenbarung selbstschänderischer Kleinheit\nund Nichtigkeit, lächerlich aufgebläht in Riesenmäntel die\nzwergischen Glieder, lächerlich befriedigt in nachgeahmtem\nGötterweh, Weltschmerz und Heldenzorn. Wir nennen\nkeine Beispiele der Verzweiflungs-Poesie, die auch unsere\nkeusche Kunst befleckt hat, erwähnen ihrer aber desshalb,\num durch den Gegensatz auch diesen Punkt, das tragi-\nsche Pathos, welches am herrlichsten unter allen in Beet-\nhovens Instrumentalien erscheint, ins Gedächtniss zu rufen,\nund an den Unterschied zwischen Tragisch und Verzweifelt\noder zwischen göttlichem Schmerz und thierischer Häss-\nlichkeit noch einmal zu erinnern. So wenig Mozart und\nBeethoven eigentlich geistlich oder kirchlich dichten konn-\nlen, so wenig sind sie doch in Feindschaft mit dem, was\nAlle trägt und erbauet, gleich dem feurigen Kriegsmanne,\nder selten betet und doch nicht gottlos ist; er weiss den\nGott in sich, aber predigt ihn nicht."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-11-15-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-11-15_01#c003", "volume": "bmtnabi_1856-11-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "368", "page_fin": "369", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561115-01.2.3", "titre_corps": "Aus Crefeld.", "titre_sommaire": "Aus Crefeld.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "368", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561115-01.1.4", "debut_caractere": 3076, "fin_caractere_exclue": 4908, "texte": "Aus Crefeld.\nAm 6. d. M. wurde uns endlich der schon langst in\nAussicht gestellte Genuss zu Theil, F. Hiller's „Zer-\nstörung Jerusalems\", das grosse und an Schönheiten\nso reiche Werk, zu hören. Die Aufführung sollte den Schluss\nder vorjährigen Concert-Saison bilden, wurde aber durch\nein mehrmonatliches Kranksein unseres Musik-Directors\nWoiff unmöglich. Dafür bildete sie jetzt eine glänzende\nEröffnung des diesjährigen Concertreigens.\nVor Allem müssen wir das Bemühen des Herrn Direc-\ntors Wolff anerkennen, der uns das Werk zum ersten\nMale vorführte und, trotz mancher Hindernisse, welche ein\nböses Geschick in den Weg legte, in einer des Werkes\nwürdigen Weise. Der Tod halte einen grossen Theil vom\nChor dahin genommen, Jugendblüthe und schöne Stimmen;\nein anderer Theil war dadurch in Trauer versetzt und so\nvorläufig der Mitwirkung entzogen. Allein neuer Flor ist\nhinzugekommen, mit ihm neues Leben, neue Kraft und\nreger Eifer; dazu die unverdrossene Thätigkeit des Diri-\ngenten, welches vereint ein so schönes Resultat zu Tage\nförderte, dass die Chöre einen jeden, der eben nicht Klei-\nnigkeitskrämer ist, in vollem Maasse befriedigen mussten,\nsowohl die sicheren Einsätze, wie die Schattirungen im\nVortrage.\nDass unsere Kräfte noch Besseres leisten können, wol-\nlen wir nicht in Abrede stellen; nur muss man nicht ver-\ngessen, dass dazu Zeit und günstiges Geschick gehört, welch\nletzteres kein Musik-Director mit seinem Stabe lenkt und\nleitet.\nSämmtliche Solisten hatte uns dieses Mal die Nach-\nbarstadt Köln geliefert. Jeremias, die Haupt-Partie des\nWerkes, war in den Händen von Herrn Schieffer, der\ndiesen sowohl in Grösse als hoher Stimmlage anstrengen-\nden Part mit einem Ausdruck und einer Ausdauer zu Ge-\nhör brachte, welche zum lautesten Beilalle aufforderten.\nEinen doppelten Triumph feierte Herr E. Koch als Sänger"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "369", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561115-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2232, "texte": "und als Lehrer, indem die Sopran- und Alt-Soli von zwei\nseiner Schülerinnen vorgetragen wurden. Die Sopran-Soli\nsang Frl. Katharina Deutz mit einer schönen, umfang-\nreichen und in der Ausbildung schon ziemlich weit vorge-\nschrittenen Stimme. Reicher Beifall wurde ihr gespendet;\nmöge sie denselben als Aufmunterung nehmen, welche ihr\nschönes Talent verdient, rüstig weiter streben und sich\nnicht zur Selbstüberschätzung verleiten lassen. Frl. Helene\nÜeltzen, die gleichfalls eine angenehme Sopran-Stimme\nbesitzt, hatte die All-Parlie übernommen, da zu dieser Auf-\nführung keine eigentliche Altistin aufzufinden war; es war\ndies um so eher thunlich, da die Partie weniger Tiefe\nverlangt. Dennoch müssen wir Frl. Ueltzen um so dank-\nbarer für die Uebernahme sein, da sie dadurch auf ein\nselbstständiges Hervortreten verzichtete und doch zum voll-\nständigen Gelingen des Ganzen viel beitrug. Der Beifall im\nDuett (»0, wär' mein Haupt\") mit Herrn Koch war ein\nwohlverdienter, und um den verspäteten Einsatz: „ Der\nHerr, um dessen Wort\" etc., wollen wir nicht streng rech-\nten. Beiden Damen, deren erstes Auftreten bei dieser Ge-\nlegenheit ein sehr wohlwollendes Entgegenkommen fand,\nrufen wir ein „Vorwärts\" zu und wünschen ihnen Glück\nzur Fortsetzung ihrer Studien unter einem so trefflichen\nLehrer.\nSonnabend darauf feierte der Singverein sein Stiflungs-\nFest, und zwar das 36. seines Bestehens. Ein Concert ging\ndem Festmahle voraus, erwähnenswert!) durch die Mitwir-\nkung von Frl. Deutz und Herrn E. Koch, welche zu\ndieser Feier ihren Aufenthalt verlängert hatten. Es wurden\neinige Chöre und die Sopran-Arie ~ Mit diesen Düften\" aus\nder Zerstörung Jerusalems wiederholt, ferner von Frl.\nDeutz (und Herrn Koch) das Duett aus Euryanthe, die\nCavatine aus dem Freischütz, und von Herrn Koch mehrere\nSchubert'sche Lieder gesungen, welche durch die klangvolle\nStimme und den seelenvollen Vortrag des Sängers bei der\nSchönheit der Composition einen gewaltigen Eindruck mach-\nten. Der „Doppelgänger\", der „Atlas\", „Gute Nacht\",\neinige Müllerlieder, so verschieden in ihrem Charakter, so\nverschieden wurden sie aufgefasst und mit gleicher Meister-\nschaft im Ausdrucke vorgeführt.\nDen Abend beschloss ein heiteres Mahl und fröhlicher\nTanz. **"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-11-15-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-11-15_01#c004", "volume": "bmtnabi_1856-11-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "369", "page_fin": "370", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561115-01.2.4", "titre_corps": "Nanette Falk", "titre_sommaire": "Nanette Falk", "signature_source": "E. K", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "369", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561115-01.1.5", "debut_caractere": 2234, "fin_caractere_exclue": 4870, "texte": "Nanette Falk\n\naus Hamburg, die wir kürzlich zu hören mehrmals Gelegen-\nheit hatten, ist eine talentvolle Ciavieristin so sagen wir\nlieber mit Emanuel Bach, als nach moderner Verdrehung\nPianistin: denn sie spielt nicht allein Piano, sondern auch\nForte, und Beides in geistigem wie in leiblichem Sinne. Da-\nmit Sie, mein verehrter Herr Redacteur, nicht Furcht em-\npfinden wegen Auftauchens einer neuen Meister-Hämmer-\niings-Ceiebrität von europäischem Rufe und phrenetischem\nApplause nebst anderweiten parisischen Appositionen, so\ngebe ich Ihnen den Thatbestand, was ich mit Augen gese-\nhen und mit Ohren gehört.\nZuerst auf der Insel Norderney im August machte\nich ihre Bekanntschaft, nicht ohne einige Furcht aus\ngewohnter Apprehension gegen alles Virtuosenwesen, und\nauch darum, weil ich gleich Anfangs einige Tempi rubati\nvernahm, die mich dergestalt erzürnten, dass ich mit Rache-\nGedanken umging und sie ihres Lebens vor mir nicht sicher\nwar. Aber das war nur ein Präludio, Spasses halber, um\ndas norderneyer Bade-Clavier aus seiner Schläfrigkeit zu\nrütteln. Bald darauf ging sie ernstlich ans Werk und spielte\ndie ganze ungeheure Orgelfuge in (aus den Haslin-\nger'schen 6 Son. von Seb. Bach p. Org.:\nH-moll, C-dur, A-moll, E-moll)sammt dem Präludio voll-\nkommen aus dem Gedächtniss, richtig, ausdrucks-\nvoll, klar, mit Lieblichkeit und Hoheit und Stärke, und in\ndiesem vollendeten Vortrage um so bewundernswerther, da\ndas Bade-Clavier, obwohl ein Irmler'scher Flügel, doch\nnicht besonders ausgiebig war, weil es unter den Fusstrit-\nten unzähliger Clavier-Husaren bereits lange geseufzet und\nfast zertreten war. Wir mussten uns in Ehrfurcht beugen\nund für begangene feindselige Gesinnung Abbitte thun.\nSpäter spielte sie Mozart's vierhändige F-dur-Sonate mit\ngleicher Schönheit.\nAm 3. Sept. gab sie in Aurich Concert und trug\nvor: Beethoven's Son. in COp. 53, Seb. Bach's\nOrgel-Sonate, d. h. Prälud. c. Fuga in C-moll (aus der oben\nerwähnten Sammlung), Chopin's Impromptu, Mendels-\nsohn's Rondo capriccioso, Liszt's Hochzeitsmarsch und\nElfen-Reigen nach Mendelssohn also doch überwiegend\nVernünftiges, wo denn die Liszt'sche Teufelei in Gnaden\nhingehen mochte. Alle diese Tonsätze trug sie ohne No-\ntenblatt vor, dessgleichen in einem Privatcirkel Beet-\nhoven's letzte grosse B-dur-Sonate »für das Hammer-\nCiavier\" mit vollendeter Technik, Klarheit und Schön-\nheit. Damit doch ein kleines Luftloch für die negative Kri-\ntik bliebe, spielte sie freilich niemals Bach'sche Sachen,\naber manchmal die modernen in willkürlichen\nTempi rubati; hier ist die Stätte, wo du sterblich bist!\nMussten wir unwillkürlich ausrufen, wie sehr uns auch"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "370", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561115-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 947, "texte": "sonst entzückte Bewunderung fesselte. Sie ist, wie wir ver-\nnehmen, aus der Wieck'schen Schule, Clara Schumann*)\nund Jenny Lind sind ihre Freundinnen und zum Theil\nLehrerinnen.\nKurz zuvor hatten wir auch Gelegenheit, eine andere\nSchülerin des alten Wieck selber zu hören, die zwei Jahre\nlang bei ihm Studien gemacht: Rosalie Krimping,\nTochter eines königl. hannov. Obergerichts-Rathes in Ver-\nden. Auch an ihr mussten wir Talent und Schule bewun-\ndern ja, fast schien es, es werde der gründliche Vir-\ntuosenhass gemildert in ein sanltes Säuseln, und das harte\nEis unserer classischen Brust zerschmölze, dass kaum ein\ngelindes Raisonniren auf dem Grunde des Herzens zurück-\nbliebe— das Raisonniren aber ging aus in die Frage: Was\nhelfen nun alle diese Künste dem Volke, auf dass es\nbesser werde und Theil habe an den Gaben des Geistes?\nAnerkennung schliesse ich heute, der ich bin Ihr\net musicisgleichgesinnter Getreuer\nDen 30. October 1856.\n\nE. K."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-11-15-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-11-15_01#c005", "volume": "bmtnabi_1856-11-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "370", "page_fin": "370", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561115-01.2.5", "titre_corps": "Lieder für Männerchor.", "titre_sommaire": "Lieder für Männerchor.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "370", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561115-01.1.6", "debut_caractere": 949, "fin_caractere_exclue": 3526, "texte": "Lieder für Männerchor.\nKarl Hoffmann. Du bist mein Traum in stiller\nNacht. Op. 1. Pr. 7 x/t Sgr. Breslau, bei Leuckart.\nKarl Hoffmann. Drei Lieder. Op. 2. Pr. 1 Thlr.\nEbendaselbst.\nDie Lieder verrathen nicht viel Erfindungsgabe und\nauch nicht genug ernstes Streben, dagegen eine gewisse\nRoutine in wirksamer Behandlung des Männerchors, ohne\ndass sich jedoch der Componist von jenem wohfeilen Effect\nrein zu erhalten weiss, wie wir ihm auf Seite 12 und 13\nbegegnen. Es ist ein gänzliches Misskennen der Aulgabe\neines Gesanges-Componisten, wenn man der menschlichen\nStimme zumuthet, das bekannte „Schrumm, schrumm\"\nnachzumachen, welches in jedem beliebigen Walzer Contra-\nbass und zweite Geige machen.\nAdolf Trübe. Fünf Gesänge. Op. 22. Pr. 1 Thlr.\n8 Sgr. Magdeburg, Heinrichshofen.\nDer Componist huldigt ebenfalls in dem ersten dieser\nLieder der so eben getadelten Behandlungsweise der mensch-\nliehen Stimme. Hinsichtlich der Erfindung stehen diese Lie-\nder nicht höher als jene von Karl Hoffmann, doch klingen\neinzelne ebenfalls recht wirksam.\nWährend wir gegen Lieder, wie die Kuntze'schen,\nernstlich Protest einlegen müssen, können wir Lieder, wie\ndie vorliegenden, immerhin ruhig ihren Weg gehen lassen,\nda manches der Lieder in weniger gebildeten Vereinen mit\nNutzen gesungen werden kann. Mit etwas mehr Emst und\nFleiss bei der Ausarbeitung würde jedoch von beiden Com-\nponisten manche unschöne und unsangbare Stimmenführung\nzu vermeiden gewesen sein. Siehe Trübe S. 4,Tact 2 u. 3\nJ. Hoven. Sechs Lieder. Op. 49. Pr. 1 Thlr. 10\nSgr. Wien, Pielro Mechetti sei. Wilvve.\nDie Lieder sind mit mehr als oberflächlicher Auffas-\nsung und mit der lobenswerthesten Sorgfalt in der Aus-\narbeitung geschrieben und machen einen höchst wohlthuen-\nden Eindruck. Haben wir auch bereits originellere Schöpfun-\ngen des geschätzten Componisten kennen gelernt, so müs-\nsen wir dennoch gestehen, dass wir mit wahrem Vergnü-\ngen ihm auf diesem Gebiete, das er unseres Wissens zum\nersten Male betritt, begegnet sind. Besonders zu erwähnen\nist noch der grosse Wohlklang, der in allen diesen Liedern\nherrscht, und der von gar vielen Componisten jüngster Zeit\ngar nicht mehr als Conditio sine qua non betrachtet wird.\nDie einzelnen Lieder heissen: Abendglöcklein, Mondes-\nAufgang, Ständchen, Frühlings-Lied, Pfingsten, Nächtliche\nSehnsucht.\n*) Sollte hierauf auch die Unart der Tempi appassionati, die zu-\nweilen bis zur Un ver stä n d lic*hke it rasch waren, zu-\nrückzuführen sein? Hoffentlich hat die Tempo-Raserei bald\nden Höhepunkt erreicht. Sie, löbliche Redaction, kämpfen\nauch wacker dagegen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-11-15-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-11-15_01#c007", "volume": "bmtnabi_1856-11-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "371", "page_fin": "371", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561115-01.2.6", "titre_corps": "Zweites Gesellschafts-Concert in Köln im Casinosaale, unter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferdinand Hiller.", "titre_sommaire": "Zweites Gesellschafts-Concert in Köln im Casinosaale, unter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferdinand Hiller.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "371", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561115-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3388, "texte": "Zweites Gesellschafts-Concert in Köln\nim Casinosaale,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn\nFerdinand Hiller.\nDinstag, den 11. November 1856.\nProgramm. I. 1) Gluck, Ouvertüre zu Iphigenie in Aulis.\n2) G. F. Händel, Recitativ und Arie für Sopran aus der Oper\nFunaldo, instrumentirt von G. Meyerbeer, gesungen von Frl.\nJosephine H efner aus München. 3) Melodie für Violoncell,\nvorgetragen von Herrn CheviMard, Mitglied der kaiserl. Capelle\nzu Paris. 4) Spontini, Ouvertüre zur Yestalin.\nIL Die Weihe des Frühlings (Ver sacrum). Gedieht von\nL. Bisch off, für Soli, Chor und Orchester in Musik gesetzt von\nF. Hill er.\nGluck's Ouvertüre wurde ganz ihrem Charakter gemäss ausge-\nführt, grossartig und breit, wobei sich besonders die Saiten-Instru-\nmente hervorthaten. Die Ausführung der Spontini'schen Ouvertüre\nliess dagegen viel zu wünschen übrig in Feinheit und Ausdruck.\nAuch wurde im Andante sostenuto das Insensibilmerite mene sostenuto,\ndas schon bei dem ersten Eintritt der Oboe beginnt, nicht beob-\nachtet. Da diese Stelle in vielen Orchestern jetzt nicht so, wie der\nComponist es wollte, gespielt wird, indem bald das Insensibilmente\nbloss mit Pochissimo gleichbedeutend genommen, bald die ganze\nBezeichnung gar nicht beachtet wird, so wird es zweckmässig sein,\nhier zu bemerken, dass Spontini durch seine Bezeichnung nicht nur\ndem Schleppen (welches leider so oft ganz fälschlisch für Ausdruck\ngenommen wird!) vorbeugen wollte, sondern dass er von dem er-\nwähnten Eintritt der Oboe an die Bewegung unmerklich und all-\nmählich steigerte, welche Steigerung ihren Höhepunkt bei dem ff'\nder Violinen in den letzten -zwei Tacten vor dem A-dur erreichte:\nmit den drei Achteln der Hörner (a), oder richtiger innerhalb der-\nselben, kehrte er zum ersten Sostenuto zurück, liess aber die zwei\nvorletzten Tacte streng im Tact und nur den letzten ein wrenig\nritardando blasen.\nFräulein-Hefner trug, die schöne, durch Meyerbeer trefflich\ninstrumentirte Arie von Händel mit Ausdruck und künstlerischem\nBewusstsein vor. Ihre Schule ist sehr gut, allein es scheint, als\nhätte die Stimme unter dem Uebermaass und der Anstrengung der\nHebungen gelitten, wie dies leider bei dem Unterricht der Gesang-\nlehrer in Paris häufig der Fall ist. Die mittlere Region ihrer Töne\nist schwach und der Einsatz derselben unsicher, während die höheren\nschön und wohlklingend ansprechen,\nDass Herr Cheviliard durch seinen herrlichen Ton und die\nReinheit und Seele desselben in allen Lagen des schwierigen In-\nstrumentes entzücken würde, war nach seinen Leistungen in den\nQuartett-Aufführungen vorauszusehen. Zu bedauern war, dass er,\nbei der nothwendig gewordenen Beschränkung des Programms für\ndie erste Abtheilung, kein grösseres Concertstück zum Vortrag\nwählen konnte.\nDas Gesangwerk von F. Hill er: „Die Weihe des Früh-\nlings (Ver sacriim)\", ist zu bedeutend, um mit wenigen Worten\nabgethan zu werden. Wir denken darauf zurück zu kommen und\nbeschränken uns jetzt nur auf.den Bericht, dass dessen erste Auf-\nführung einen ganz ausserordentlichen Erfolg gehabt hat. Es ist\nnur Eine Stimme darüber im ganzen Publicum, dass dieses neueste\nWerk des Componisten der „Zerstörung Jerusalems\" von Anfang\nbis zu Ende das Gepräge genialer Erfindung trägt und dabei eine\nBehandlung des Orchesters zeigt, die sowohl durch den Glanz als\ndurch den wunderbaren Reiz der Instrumentirung eine bezaubernde\nWirkung macht."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-11-15-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-11-15_01#c008", "volume": "bmtnabi_1856-11-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "371", "page_fin": "372", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561115-01.2.7", "titre_corps": "Theater zu Frankfurt a. M.", "titre_sommaire": "Theater zu Frankfurt a. M.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "371", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561115-01.1.7", "debut_caractere": 3390, "fin_caractere_exclue": 6407, "texte": "Theater zu Frankfurt a. M.\nAus der „Uebersieht der Leistungen des Theaters\nzu Frankfurt a. M. unter der Intendanz von Roderich Be-\nnedix - vom 5. November 1855 bis 31. October 1856 —\" er-\nfahren wir, dass am 30. April 1855 das bis dahin unter Leitung\ndes Herrn Hoffmann stehende Theater geschlossen wurde. In den\nMonaten Mai, Juni und Juli fand ein Interim Statt, während dessen\ndie Gesellschaft unter Leitung eines provisorischen Comite's die\nVorstellungen für eigene Rechnung fortsetzte. Dieses Interim er-\nreichte am 31. Juli sein Ende. Es bildete sich eine Actien-Gesell-\nschaft, welche das Theater zu Frankfurt am Main auf sechs Jahre\nübernahm. Nachdem in einem Zeiträume von drei Monaten das\nSchauspielhaus auf Kosten des Staates umgebaut und wiederherge-\nstellt worden, begannen die Vorstellungen des neuen Unternehmens\nam 5. November.\nVon der früheren Gesellschaft war ein grosser Theil wiederum\nengagirt worden, doch waren auch sehr viele neue Mitglieder hin-\nzugetreten. Dadurch und durch eine Unterbrechung von mehr denn\ndrei Monaten war ein eigentliches Stamm-Repertoire sowohl in der\nOper als im Schauspiel verloren gegangen. Demnach wäre eigent-\nlich fast jedes gegebene Stück als neu einstudirt zu bezeichnen. In\nder nachstehenden Uebersicht sind jedoch« nur solche Stücke so be-\nzeichnet worden, welche entweder drei Jahre lang ganz geruht\nhatten oder in denen der überwiegend grössere Theil der Dar-\nsteller zum ersten Male spielte.\nVom 5. November 1855 bis 31. Oct. 1856 fanden im Schauspiel-\nhause 285 Vorstellungen Statt. Davon gab zwei die italiänische Ge-\nsellschaft der Frau Ristori und zwei die französische Gesellschaft\nunter Direction des Herrn Brindeau. Somit gab die Gesellschaft des\nfrankfurter Theaters 281 Vorstellungen mit eigenen Kräften.\nDavon waren 255 in und 26 ausser Abonnement.\nIn diesen 281 Theater-Abenden wurden gegeben 124 verschie-\ndene Stücke und 39 verschiedene Opern. Von diesen Vorstellun-\ngen kommen 120 auf die Oper, die übrigen auf das recitirende\nSchauspiel.\nVon den Stücken wurden 27 zum ersten Male und 36 neu ein-\nstudirt gegeben.\nVon den Opern ward I zum ersten Male gegeben, neu einstu-\ndirt wurden deren 10.\nVon den aufgeführten Stücken waren 22 Tragödien, 24 Schau-\nspiele, 72 Lustspiele, 6 Possen und Vaudevilles. Davon waren 24\nUebersetzungen und 100 Dichtungen folgender 50 deutscher Auto-\nren: Albini, Angely, Bauernfeld, M. Beer, Benedix, Berger, Ch.\nBirch-Pfeiffer, Devrient, Deinhardstein, Feldmann, Freitag, Goll-\nmick, Görner, Göthe, Grandjean, Gutzkow, Hallenstein, Halm,\nHesse, Holbein, Holtey, Iffland, Jordan, Jünger, Kaiisch, Kötzebue,\nLaube, Lebrun, Lessing, Malss, Marsano, M. Meyr, Mosenthal,\nNestroy, A. P. Plötz, Räder, Raupach, Schall, Schiller, Schlegel,\nSchleich, Steigentesch, Tempeltey, Töpfer, Trautmann, Weissen-\nthurm West, Wilhelmi, Wolf.\nVon den aufgeführten Opern waren 19 von deutschen, 11 von\nfranzösischen, 9 von italiänischen Componisten, und zwar: von Flo-\ntow, Gluck, Kreutzer, Lortzing, Marschner, Mendelssohn, Meyerbeer,"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "372", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561115-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1137, "texte": "Mozart, W. Müller, Schenk, B. Wagner, Weber, Wcigl; Auber,\nBoieldieu, Cherubini, Halcvy, Herold, Mehul, Thomas; Bellini,\nDonizetti, Rossini.\nEs wurden 56 Mal deutsche, 37 Mal französische, 27 Mal ita-\nliänische Opern gegeben. Daraus namentlich: Gluck Iphigenia in\nTauris (2 Mal), Mozart Don Juan (2), Figaro's Hochzeit (5). C.\nM. v. Weber Freischütz (6), C. Kreutzer Nachtlager von Gra-\nnada (5), Schenk Dorfbarbier (4), W. Müller Schwestern von\nPrag (2), Lortzing Diebeiden Schützen (2\\ Undine (3), Czar und\nZimmermann (3), Weigl Die Schweizer-Familie (2), B. Wagner\nTannhäuser (2), Marschner Templer und Jüdin (3), v. Flotow\nMartha (4), Stradella (3), Meyerbecr Hugenotten (5), Prophet (1),\nBobert der Teufel (1), Auber Maurer und Schlosser (1), Stumme\nvon Porlici (3), Der Schwur (2), Des Teufels Antheil 15), Der Lie-\nbesfrank (4), Mehul Joseph (3), Boieldieu Kalif von Bagdad\n(2), Johann von Paris (2), Cherubini Wasserträger (3), A. Tho-\nmas Baymond (9), Halevy Die Jüdin (2), Herold Zampa (2).\nBossini Wilhelm Teil (3), Donizetti Beiisar (1), Linda (3),\nLucrezia Borgia (3), Begiments-Tochter (5), Favorite (2), Bellini\nNorma (4)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-11-15-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-11-15_01#c009", "volume": "bmtnabi_1856-11-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "372", "page_fin": "372", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561115-01.2.8", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "372", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561115-01.1.8", "debut_caractere": 1139, "fin_caractere_exclue": 5773, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMöln. Das pariser Quartett der Herren Maurin und Ge-\nnossen hat uns am 12. d. M. verlassen, um nach Berlin zu gehen.\nDiebleine Schrift: „Die Kirchenmusik in Blick sieht\nauf ihr Missverhältniss zum Hörer der Gegen war t\",\nwelche vor zwei Jahren anonym bei J. J. Weber in Leipzig er-\nschien, hat den Lieder-Componisten J oh. Wolf von Ehrenstein\nin Dresden zum Verfasser.\n\"Wien. Am 5. October d. J. erhielt die innsbrucker Liedertafel\ndas ihr beim Mozart-Säcular-Feste zu Salzburg von Herrn Karl\nMozart, Sohn des unsterblichen Tonmeisters, versprochene Trink-\nglas seines Vaters, dessen sich dieser in den letzten drei Jahren\nseines Lebens täglich bediente.\nDer Guitarre-Virluose Kaspar Mertz ist am 14. October in\nWien gestorben.\nDer König von Würtemberg hat eine Gedächtniss-Feier Lind-\npaintner's im Theater zu Stuttgart zu veranstalten genehmigt!\naus deren Einnahme die Kosten eines Denkmals auf seinem Crabe\nbestritten werden sollen.\nAm 27. Oct. wurde das neu erbaute Hof-Theater in Dessau\nfeierlich eröffnet.\nParis, den 9. Nov. Debüt des Herrn Stockhausen.\nDie beiden vorzüglichsten Organe der musicalischen Welt drücken\nsich darüber so aus: „Stockhausen hat in der Bolle des Sene-\nschall im Johann von Paris vortreffliche Eigenschaften als Sänger\ngezeigt. Seine Bariton-Stimme ist umfangreich, rein, biegsam, aber\nein wenig dumpf; er phrasirt und vocalisirt sehr gut. Unglück-\nlicher Weise ist seine Maske wenig komisch, und er hat noch sehr\nviel zu thun, um Schauspieler zu werden. Was hat er aber auch\nfür einen sonderbaren Einfall gehabt, in einer Bolle aufzutreten,\ndie seiner Natur so zuwider ist?\" (Gaz. mus.) „Die Wiedcr-\nAufnahme von Jean de Paris bot nichts Interessantes dar, als die\ntreffliche Art der Ausführung der kleinen Bolle des Pagen durch\nMlle. Henrion. Der Debütant Stockhausen hat den Seneschall\nlinkisch gespielt und angemessen gesungen. Er hat guten Vorlrag\nund eine gute Stimme, wird aber niemals etwas Anderes als ein\nConcertsänger werden.\" (France mus.)\n(Zwischenact-Musik.) Bekanntlich ist in dem königlichen\nSchauspielhause zu Berlin seit einiger Zeit die Sinfonie vor Be-\nginn der Vorstellung und in den Zwischenakten gänzlich beseitigt\nworden. Die gesammte Presse hat sich, übereinstimmend mit der\nübei wiegenden Mehrheit des Publicums, gegen diese Neuerung er-\nklärt; und namentlich hat sich der Kritiker Gubitz das Verdienst\nerworben, die Frage nach allen Seiten hin gründlich zu beleuchten,\naus welcher Untersuchung die Wahrheit resullirte, dass der Weg-\nfall der Zwischenact-Musik als eine entschiedene Verkürzung des\nGenusses betrachtet werden muss, den das Publicum von einerVor-\nstellung im Schauspielhause zu erwarten berechtigt ist.\nDoch ich will mich über dieses unerquickliche Thema nicht des\nLängeren verbreiten, sondern nur mittheilen, wie Lessing sich\nin seiner hamburgischen Dramaturgie über die Zwischenact-Musik\nauslässt:\n„Da das Orchester bei unseren Schauspielen gewisser Maassen\ndie Stelle der alten Chöre vertritt, so haben Kenner schon längst\ngewünscht, dass die Musik, welche vor und zwischen und nach dem\nStücke gespielt wird, mit dem Inhalte desselben mehr übereinstim-\nmen möchte. Herr Scheibe ist unter den Musicis derjenige, welcher\nzuerst hier ein ganz neues Feld für die Kunst bemerkte' Da er\neinsah, dass, wenn die Rührung des Zuschauers nicht auf eine un-\nangenehme Art geschwächt und unierbrochen werden sollte, ein\njedes Schauspiel seine eigene musicalische Begleitung erfordere, so\nmachte er nicht allein bereits 1738 mit dem Polyeukt und Miihri-\ndat den ersuch, besondere, diesen Stücken entsprechende Sinfo-\nnieen zu verfertigen, welche' bei der Gesellschaft der Neuberin hier\nin Hamburg, in Leipzig und anderwärts aufgeführt wurden, son-\ndern liess sich auch in einem besonderen Blatte seines Kritischen\nMusicus umständlich darüber aus, was überhaupt der Componist\nzu beobachten habe, der in dieser neuen Gattung mit Buhm ar-\nbeiten wolle.\"\nHierauf führt er die Ansichten Scheibe's wörtlich an und fährt\nfort:\n„Dieses sind die wichtigsten Regeln, um 'auch hier die Tonkunst\nund Poesie in eine genauere Verbindung zu bringen. Ich habe sie\nlieber mit den Worten eines Tonkünstlers, und zwar desjenigen\nvortragen wollen, der sich die Ehre der Erfindung anmaassen kann,\nals mit meinen. Denn die Dichter und Kunstrichter bekommen\nnicht selten von den Musicis den Vorwurf, dass sie weit mehr von\nihnen erwarten und verlangen, als die Kunst zu leisten im Stande\nsei. Die mehrsten müssen es von ihren Kunstverwandten erst hören,\ndass die Sache zu bewerkstelligen ist, che sie die geringsts Auf-\nmerksamkeit darauf wenden.\" (Berk Th.-Mon.)"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "365", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561115-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nVon weltlicher Musik. Von Dr. Ed. Krüger. Aus Crefeld (lliller's Zerstörung von Jerusalem). Nanette Falk.\nVon E. K. Für Männerchor: K. Hoffmann Ad. Trübe J. Hoven Op. 49. IL Gesellschafts-Concert in Köln. - Theater\nzu Frankfurt a. M. Tages- und Ün terh alt u ngsbla tt Paris (Stockhausen) Zwischenact-Musik).\n\nVon weltlicher Musik\n*)■\nI.\nGeistliches und Weltliches ist nicht ursprünglich ge-\nschieden. Sowohl in den ältesten Zeiten, im alten Morgen-\nlande als im früheren Mittelalter und in den ersten Jahren\ndes sechszehnten und siebenzehnten Jahrhunderts, war in\nEinhei-t, was wir heute als getrennt anzusehen gewohnt\nsind. Damals war es dem Herzen offenbar, dass zwischen\nGöttlichem und Menschlichem im Menschenleben keine\nScheidewand zu ziehen, nicht eines ohne das andere zu be-\ngreifen sei; die Kirche überschattete das ganze Leben, das\nBewusstsein des Höheren hielt das Niedere umschlungen;\nalles öffentliche und häusliche Treiben war an einen Punkt\nangeknüpft, der Anfang und Ende zugleich: die weltlichen\nBedürfnisse erschienen als Gaben des Geistes, die religiö-\nsen Handlungen schritten ins Leben und begleiteten es im-\nmerdar. Auch der fröhlichen Weltlust fehlte nicht der tie-\nfere Ton; selbst das Verbrechen ward nicht bloss vom bür-\ngerlichen und königlichen Richter geahndet, sondern fiel\nals Sünde dem christlichen Gericht anheim. Aus solchen\nZeiten stammen jene eigentümlichen Bauten, Bilder, Lie-\nder und Töne* deren selige Schönheit uns überwältigt, weil\nsie uns unerreichber geworden: jene Werke frommer\nWeltlust, in denen das Himmlische auf Erden verkörpert\nscheint, und die ihrer doppelten Beziehung halber eben so\nsehr kindlich fasslich wie göttlich unbegreiflich erscheinen.\nNicht als ob jenen Zeiten der Widerspruch, der Schmerz,\ndie Sünde gefehlt hätten; aber sie waren gewohnt, auch\ndiese wie alles Endliche unter dem Gesichtspunkte des\nEwigen zu betrachten, den Blick nach oben gewandt, das\nGemüth in unzerbrechlicher Fessel süss und schmerzlich\ngebunden. Darum sind nicht bloss die Volksfeste des Mit-\ntelalters, die politischen und bürgerlichen Einrichtungen,\nReichstage, Krieg und Frieden, Zünfte und Lehnswesen\nmit diesem ernsten Tone umgehen, sondern selbst die fröh-\nlichsten Lieder klingen im Nachklange jener Alles durch-\nwaltenden Stimmung. In unserem heutigen Sinne erkennen\nwir kaum einen Unterschied zwischen Geistlich und Nicht-\ngeistlich, wenn uns Volkslieder in der ältesten Form der\nKirchentöne gesungen werden; und diese innerste Gemein-\nsamkeit ist das Ursprüngliche, auch jetzt noch nicht Unter-\ngegangene, das sich nach allen Umschleierungen endlich\nwieder hervorthun muss.\nAus jener Einheit, die uns jetzt verloren, ging die\nnächste Zeit nach der Kirchentrennung zur Zerspaltung\nfort, Anfangs naturgemäss entwickelnd, was einer selbst-\nständigen Erweiterung zu bedürfen schien, dann immer\nweiter gesonderte Kreise hinstellend bis zu der äussersten\nEntfremdung beider Gebiete, welche die letzten Tage des\nverflossenen Jahrhunderts ausführten. Für jedes Gebiet des\nLebens und der Wissenschaft bildete sich gleichsam eine\neigene Selbstständigkeit, ein eigener Körper, der mit dem\n\n*) Bei dem Heisshunger der gegenwärtigen Zeit nach Neuem\nscheint es uns bei aller Berücksichtigung dieses Neuen die\nPflicht der Kritik, dann und wann auf das Aeltere, bereits\nVorhandene hinzuweisen, welches gar oft manches, was heut-\nzutage in Frage gestellt wird, längst aufs Reine gebracht,\nvieles, was als ungeahntes Kunstsystem geltend gemacht wer-\nden soll, schon widerlegt hat, ehe es unsere Zeit zur Wieder-\ngeburt brachte. In diese Classe von Werken über Musik ge-\nhören die „Beiträge für Leben und Wissenschaft\nder Tonkunst\" von Dr. Ed. Krüger, welche bereits vor\neinigen Jahren bei Breitkopf und Härtel in Leipzig erschie-\nnen sind. Dieses Buch bringt in drei Haupt-Abschnitten:\n1) Gegenwärtige Zustände—2) Wissenschaftliche\nBetrachtungen 3) Sitte und Lehre der Kunst,\neine Reihe von Aufsätzen, welche von tiefer Ivenntniss des\nGegenstandes und trefflicher Gesinnung in Leben und Kunst-\nlehre zeugen und des Beherzigungswerthen und Anregenden\nfür die jetzige Zeit gar viel enthalten. Wir geben desshalb\neinige Auszüge, welche die Leser von selbst zu weiterem\nStudium des Buches auffordern werden. Die Redaction."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "366", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561115-01.1.2", "texte": "grossen Körper des Gesammliebens nur äusseriichc Ge-\nmeinschaft hatte; der Staat glaubte der Religion, der Krie-\nger des Vaterlandes, der Künstler Beides entbehren zu\nkönnen. Nicht alle freilich sind bis zu dieser Consequenz\nder Trennung gelangt, die Besten am wenigsten; doch lag\ndie Neigung dazu im Sinne der Zeit. Umgekehrt scheint\ndie gegenwärtige Neigung, in allen geistigen Erscheinungen\nEinen Mittelpunkt zu suchen, die alte Einheit wiederbrin-\ngen zu wollen, wobei sich dann auch ältere Verirrungen\nwiederfinden, selbst neben dem Streit geschiedener Schulen,\nnämlich die Verwischung aller Elemente bis zur Aulhebung\ndes Unterschiedes.\nIn der Geschichte der Künste spiegelt sich derselbe\nGang. Die Zeit von den Kreuzzügen bis zum Ende des\nsechszehnten Jahrhunderts ist im weitesten Sinne kirchlich\nzu nennen, weil alles weltliche Bewusstsein, alle Erschei-\nnungen des Lebens, die meisten künstlerischen Werke von\nkirchlicher Haltung durchhaucht sind. Nur das V o 1 k s 1 i e d\nselbst, mit und ohne Beziehung auf Heiliges, von uralter\nHerkunft und der geschichtlichen Forschung entzogen, hat\nsich vor, mit und nach der kirchlichen Zeit, und vorzüg-\n-7 o\nlieh in Deutschland, gezeigt. Wenn im Christenthume selbst\nein Gegensatz des Geis!liehen und Weltlichen, wie ihn das\nAlterlhum nicht kannte, ausgesprochen ist: so hat diesen\nbesonders der Germarie gefühlt und nirgends früher und\noffener dargelegt, als im weltlichen Volksliede. Dies be-\nzeugt nicht bloss der altbekannte Reichthum, die Fülle\ndeutscher Volkslieder, deren Zahl zu keiner Zeit von einem\nanderen Volke übertroffen ist, sondern auch die Geltung\nund Bedeutung derselben, welche sogar eine kirchlich-\nvolksthümliche ward zu Luther's Zeit. -\nDas echte Volkslied ist die erste Weise, wie die Welt-\nlichkeit in die Musik eintritt, alles Uebrige mehr zufällig,\nnicht als gerundete poetische Form erkennbar. Für die\nWahrheit dieses Satzes spricht die älteste Erwähnung und\nAuffassung desselben bei den Minne- und Meistersängern.\nDie eigentümlichen Namen „Kerzenwis, schwarze Don\"\netc. bezeichnen jene Weisen als längst bekannte, der Er-\nklärung nicht bedürftige; bei manchen (s. Winterf. Evang,\nChoral 1, 40\nwiss vorauszusetzen. Dass ferner das Volkslied auch lange\nZeit die einzige poetische d. h. abgeschlossene künst-\nlerische Form weltlicher Musik war, erhellt zunächst dar-\naus, dass auch zum Tanz wie zum Marsch, zur Wanderung\nu. s. w. nicht gespielt, sondern gesungen ward, lange Zeit\nmit keinem anderen als nur begleitendem Instrumen-\ntale, wogegen erst weit später, nach Durchlebung und\nDurchbildung reiner Vocalität, die seib sls tändigen In-\nstrumentalien erscheinen, und zwar eher die geistlichen\n(Orgel) als die well liehen.\nIn der Zeit der höchsten Blüthe geistlichen Gesanges\nin Italien, zu 'Anfang des siebenzehnten Jahrhunderts, wuchs\nauch die rein weltliche Musik heran, Anfangs von jenem ent-\nlehnend in Ton und Behandlung, bald freie eigentümliche\nGestalten in heiterer Freude erschaffend. Sowohl jene Ent-\nlehnung als diese freudige Neuschöpfung ist das dauernde\ngeblieben über ein Jahrhundert lang. Freudig-\nkeit sei der Grundton, ist ein altes Gesetz weltlicher Mu-\nsik, welches die ältesten Opernsetzer so lebendig fühlten,\nals es Göthe in seinen scharfsinnigen Aphorismen mit Be-\nwusstsein aussprach. Dies schliesst den Eintritt der Leiden-\nschaften nicht aus; denn diese mit ihrer schmerzlichen Re-\ngung kehren doch immer im versöhnten Abschluss in das\nGebiet der Freudigkeit zurück, und der Grundton selbst\nder pathetischen Oper war doch kein zerrissener. - Lange\nblieb diese innere Verbindung des weltlichen Drama mit\ndem geistlichen, in der Musik wie in der Wortdichtung.\nAeusserlich erscheint dieses Band schon darin, dass die be-\ndeutendsten Tonsetzer selten, wie heute, Einem Fache allein\nhingegeben waren, sondern grossentheils in beiden Gebieten\nschöpferisch walteten, wenn auch nach Maassgabe der na-\ntürlichen Begabung in Einem glücklicher und reicher. In-\nnerlich erscheint jene Verwandtschaft in dem Umstände,\ndass die Gegenstände der Oper meist der alten Mythologie\nentnommen, und also der feierlichen Erhebung, dem höhe-,\nren Anklänge nicht fremd waren. Die Oper war aber\nweder damals noch spätier ein Gut, das in gleichem Maasse,\nwie in dem perikleischen Athen das Drama, dem ganzen\nVolke angehört hätte. Hieraus ist vielleicht zu erklären,\ndass eigentliche Volksweisen ursprünglich weder in sie auf-\ngenommen wurden, noch von ihr ausgingen; Beides, die\nAufnahme und die Wiedergabe von Volksweisen, scheint\nerst seit den Zeiten Handel's geschehen zu sein. Ein mit-\ntelbarer Einfluss jedoch, den die Oper auf den Volksgesang\nausübte, lässt sich nachweisen in der Steigerung der Mittel,\nder Erweiterung harmonischer Freiheit, der Einführung leb-\nhafterer Färbung überhaupt, welche von den Künstlern\ntheils mit, theils ohne Willen in die Kirche übertragen\nwurden.\nEndlich ist auch die freie weltliche Instrumentalität\naus jenem gemeinsamen Grunde empor gewachsen. Selbst-\nständig wirkt zuerst die Orgel, dann das Ritornell vor dem\nein- und mehrstimmigen Gesänge, hierauf, von romanischer\nSeite eingeführt, freie Tanz- und Kriegsmusik, dann die"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "367", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561115-01.1.3", "texte": "freier ausgeführten Salze zur Einleitung der Oper; zuletzt\nerst, gegen das Ende des siebenzehnten Jahrhunderts, tritt\ndie selbstständige Kammermusik auf, also kurz- vor S. Bach,\nder die begründete zu bestimmterer Gestalt weiter führte\nund hiermit die Scheidewand zwischen Geistlich und Welt-\nlich zuerst künstlerisch ausspricht. Doch auch die freiesten\nphantastischen Sätze dieses Meisters sind nicht so weit von\nder Mutter gelallen, dass man nicht an den alten Grundton\nerinnert würde.\nVolkslied, Oper und freie Instrumentalien sind es also,\nwas man unter dem Namen weltlicher Musik zusammen-\nfassen mag. Wie sie ursprünglich dem geistlichen Grunde\nentsprossen, so ist ihr Grundton lange der Ton versöhnli-\ncher Heiterkeit gewesen; eine Gesundheit des Lebens,\nwelche dem geistlichen Grundwesen gar nicht widerspricht\nund die sich der Leidenschaft hingibt als einer Notwen-\ndigkeit, einem Schicksal, das zu überwinden, nicht wie einer\nLust, die aufzusuchen oder gar zu steigern wäre. Aber\nauch die letzte offenbare Trennung musste ausgesprochen\nwerden; die neckische Lust, der dämonische Humor gehen\naus dem Gebiete des Geistlichen entschieden heraus; end-\nlich erscheint die reine Gewalt selbstberechtigter Leiden-\nschaft, aber auch diese noch nicht ungöttlich, nicht wider-\ngöttlich. Wie ein weinendes Auge, ein heldischer Zorn, ein\ngöttliches Leiden gar wohl in das Menschenleben, somit\nauch in die Kunst eintritt, ohne den Zusammenhang mit\ndem Allsein und Allleben zu zerlösen: so ist die Bedeutung\ndes Tragischen nicht Vernichtung, sondern Versöhnung;\nja, man kann, einen Schritt weiter gehend, behaupten, das\nTragische, obwohl scheinbar die äusserste Consequertz welt-\nlicher (unkirchlicher) Leidenschaft, sei doch weit mehr als\nalle übrigen welllichen Gewalten des Scherzes, Lachens,\nHumors mit unsichtbarem Bande an das Heilige ge-\nknüpft, weil es seinem Wesen nach, so auch im echten\nKunstwerke, immer als Widerspruch gegen das niedere\nLeben, als Ringen nach Versöhnung über die Welt hinaus\ndeutet: ein Suchen des Göttlichen auf weltlichem Wege,\ndie höchste und letzte Aufgabe der schönen Kunst. Was\nhinter dem Tragischen liegt, ist die kalte Teufelei, der Ekel\nder Selbstvernichtung. Diese Stufe ist nicht nur möglich,\nsie ist auch in verirrten Künstlern zur Wirklichkeit gewor-\nden; die krankhafte Reizung, die den rohen natürli-\nchen Schmerz an sich für ein Kunstwerk halten mag,\ngeht fort bis zur Zerrissenheit und Selbstvernichtung, und\ndie Trennung wird ewig. Auf diesem letzten getrennten\nStandpunkte angekommen, ist der Künstler durch Zeit- und\nWeltstellung gedrungen, sich Einem Gebiete hartnäckiger\nhinzugeben, um überhaupt bestimmte, dem Bewusstsein\nseiner Zeit fassbare Kunstgebilde zu erschaffen; schwer\nwird es desshalb vielen neueren Künstlern, nach Haydn\nund Beethoven die alte Vereinigung wieder zu finden, wenn\nsie nicht den Weg von dem Anfange her mit Willen, Ernst\nund Uebung wieder durchmachen.\nWas dem Geschieden-Weltlichen besonders eigenthüm-\nlich, ist die Durchbildung pathetischer Gestalten, die Ver-\nminderung ethischer. Die Kategorieen Ethos und Pathos,\nwie sie Aristoteles gebraucht, werden unsere Ansicht zweck-\nmässig erläutern. Ethos nennt der Grieche die gleich-\nmässige Grundstimmung der Seele, die Seele in Ruhe, das\nUrsprüngliche, Seiende; Pathos, jenem entgegengesetzt,\nbezeichnet die Bewegung, das Werden, das Blühendver-\nwelkende, die Höhen und Spitzen des Seelenlebens, die\nleidenschaltlichen Zustände. Beide Grundgestalten sind allen\nKünsten gemein: die tönenden Künste geben Vorstellungen\nvon ruhender sowohl als bewegter Seele, wie die räum-\nlichen ruhende und bewegende Gestalten darstellen. Ethos\nund Pathos sind, verständig angesehen, reine Gegen-\nsätze: tieferes Innewerden ihrer Bedeutung zeigt, dass\neines ohne das andere undenkbar, dass nur gemeinsam\nihre Wirksamkeit lebendige Schöne erzeugt. Bleiben\nwir vorerst bei der Erörterung des selbstständigen\nPathos neben dem Ethos; dies ist im besten Sinne\nweltliche Kunst.\nDer natürliche Mensch neben dem sittlichen, der Mensch\nan sich dem christlichen und geistlichen gegenübergestellt,\nist das weltliche Bewusstsein. Der natürliche Mensch ist\nweder ungöttlich noch widergöttlich; er wird es, wenn er,\naus dem geistlichen Wirken wissentlich umgekehrt, dieses\nselbst angreift. Natürlich Göttlich: so kann man auf\neinfacheres Maass zurückführen, was in concreterer Fassung\nWeltlich Geistlich genannt wird; in diesem Sinne so\nwenig eine reine Polarität, als die erstgenannten Gegen-\nsätze Ethos und Pathos. Jenseits und ausser diesen beiden\nliegt die trübe Mischung des Geistlosen, Gottlosen, Lügneri-\nschen, Satanischen: Verzweiflung und Vernichtung, womit\ndie reine, unschuldige Weltlichkeit nichts gemein hat. Denn\nselbst die poetische Erscheinung des Satans, der Sünde u.\ns. W.ist in wahren Kunstwerken nur accidentiel, nicht sub-\nstantiel; wo der Teufel an sich als letzte siegende Macht\naufträte, da wäre entweder ein zweites Göttliches statt des\nEinen Gottes erdacht, also nur Wandlung der Factoren,\noder das absolute Nichts das Ergebniss, mit dem sich wohl\ndie Logik, aber nicht die lebendigen Gewalten der Kunst,\nSitte und Religion zufriedenstellen könnten. Wie und wo"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "368", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561115-01.1.4", "texte": "diese Lügengewalt aus den Wirren der Zeitlichkeit auch\nin unsere Kunst eingeflossen, wird uns aus manchen gegen-\nwärtigen Erscheinungen offenbar werden; auch uns hat sie\nberührt, wenngleich nicht in dem Maasse, wie andere Völ-\nker, denen die Innigkeit des Lebens fern ist.\nSo lange aber der pathetische Pol nicht den ethi-\nschen verdrängt hat, so lange die Leidenschaft nur ein\nUebermaass natürlicher Gesundheit, so lange sie der Aus-\ndruck der Menschheit an sich ist, ohne widergöttlich, ver-\nzweifelnd und vernichtend zu sein: so lange behauptet die\nschöne Weltlichkeit ihre Rechte, das Recht der Zeit und\nGegenwart. Nirgends ist diese so vollkommen ausgespro-\nchen, wie in Mozart's Opern, denen auch das specifische\nChristenthum nichts Feindliches aufbürden kann, ohne das\nRecht der Schönheit selbst in Frage zu stellen. In ihnen\nerscheint die Liebe in natürlicher Gluth, das Heldenthum\nin männlichem Entzücken, die Geselligkeit mit schalkischem\nLächeln, Alles mit jenem Zauberhauch umflossen, den die\nursprüngliche Gesundheit eines kräftigen Ethos diesem\nHochbegabten gewährt. Nicht minder sind in Beelhoven's\nSinfonieen neben allem Ringen und Rasen der Leidenschaft\ndie ethischen Grundgewalten sichtbar in der besonnenen,\nobwohl durch ihn neubelebten periodischen Rhythmik, so\nwie überhaupt in der Weise, wie er das Pathos einführt,\ndurchsetzt und abschliesst. Denn auch er, der Hochtragi-\nsche, der pathetische Heros, lässt das Ethos nicht im Pa-\nthos untergehen, sondern in organischerWeise den ewigen\nHintergrund leuchten, der der Leidenschaften Quell und\nMündung ist; weit entfernt von fieberischen Krämpfen, der-\ngleichen später gleichsam unter dem Schilde seines Namens\nPathos geheissen wurden, bleibt er doch der innerlich kräf-\ntige, reine Künstler, und selbst wo ihm Versöhnung zu\nfehlen scheint, ist's doch nicht reine Vernichtungslust, was\ner singt: immer vernimmt man den reinen, seienden Ge-\nsang über dem Sturme, unter, vor und nach ihm. WTie an-\nders die Schwächlinge, die in kindischem Zorne gegen Gott\nund Natur zu rasen vorgeben, und in kunst- und seelen-\nlosen Bildern endlich zu Tage bringen was denn?\nnichts als die Offenbarung selbstschänderischer Kleinheit\nund Nichtigkeit, lächerlich aufgebläht in Riesenmäntel die\nzwergischen Glieder, lächerlich befriedigt in nachgeahmtem\nGötterweh, Weltschmerz und Heldenzorn. Wir nennen\nkeine Beispiele der Verzweiflungs-Poesie, die auch unsere\nkeusche Kunst befleckt hat, erwähnen ihrer aber desshalb,\num durch den Gegensatz auch diesen Punkt, das tragi-\nsche Pathos, welches am herrlichsten unter allen in Beet-\nhovens Instrumentalien erscheint, ins Gedächtniss zu rufen,\nund an den Unterschied zwischen Tragisch und Verzweifelt\noder zwischen göttlichem Schmerz und thierischer Häss-\nlichkeit noch einmal zu erinnern. So wenig Mozart und\nBeethoven eigentlich geistlich oder kirchlich dichten konn-\nlen, so wenig sind sie doch in Feindschaft mit dem, was\nAlle trägt und erbauet, gleich dem feurigen Kriegsmanne,\nder selten betet und doch nicht gottlos ist; er weiss den\nGott in sich, aber predigt ihn nicht.\n\nAus Crefeld.\nAm 6. d. M. wurde uns endlich der schon langst in\nAussicht gestellte Genuss zu Theil, F. Hiller's „Zer-\nstörung Jerusalems\", das grosse und an Schönheiten\nso reiche Werk, zu hören. Die Aufführung sollte den Schluss\nder vorjährigen Concert-Saison bilden, wurde aber durch\nein mehrmonatliches Kranksein unseres Musik-Directors\nWoiff unmöglich. Dafür bildete sie jetzt eine glänzende\nEröffnung des diesjährigen Concertreigens.\nVor Allem müssen wir das Bemühen des Herrn Direc-\ntors Wolff anerkennen, der uns das Werk zum ersten\nMale vorführte und, trotz mancher Hindernisse, welche ein\nböses Geschick in den Weg legte, in einer des Werkes\nwürdigen Weise. Der Tod halte einen grossen Theil vom\nChor dahin genommen, Jugendblüthe und schöne Stimmen;\nein anderer Theil war dadurch in Trauer versetzt und so\nvorläufig der Mitwirkung entzogen. Allein neuer Flor ist\nhinzugekommen, mit ihm neues Leben, neue Kraft und\nreger Eifer; dazu die unverdrossene Thätigkeit des Diri-\ngenten, welches vereint ein so schönes Resultat zu Tage\nförderte, dass die Chöre einen jeden, der eben nicht Klei-\nnigkeitskrämer ist, in vollem Maasse befriedigen mussten,\nsowohl die sicheren Einsätze, wie die Schattirungen im\nVortrage.\nDass unsere Kräfte noch Besseres leisten können, wol-\nlen wir nicht in Abrede stellen; nur muss man nicht ver-\ngessen, dass dazu Zeit und günstiges Geschick gehört, welch\nletzteres kein Musik-Director mit seinem Stabe lenkt und\nleitet.\nSämmtliche Solisten hatte uns dieses Mal die Nach-\nbarstadt Köln geliefert. Jeremias, die Haupt-Partie des\nWerkes, war in den Händen von Herrn Schieffer, der\ndiesen sowohl in Grösse als hoher Stimmlage anstrengen-\nden Part mit einem Ausdruck und einer Ausdauer zu Ge-\nhör brachte, welche zum lautesten Beilalle aufforderten.\nEinen doppelten Triumph feierte Herr E. Koch als Sänger"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "369", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561115-01.1.5", "texte": "und als Lehrer, indem die Sopran- und Alt-Soli von zwei\nseiner Schülerinnen vorgetragen wurden. Die Sopran-Soli\nsang Frl. Katharina Deutz mit einer schönen, umfang-\nreichen und in der Ausbildung schon ziemlich weit vorge-\nschrittenen Stimme. Reicher Beifall wurde ihr gespendet;\nmöge sie denselben als Aufmunterung nehmen, welche ihr\nschönes Talent verdient, rüstig weiter streben und sich\nnicht zur Selbstüberschätzung verleiten lassen. Frl. Helene\nÜeltzen, die gleichfalls eine angenehme Sopran-Stimme\nbesitzt, hatte die All-Parlie übernommen, da zu dieser Auf-\nführung keine eigentliche Altistin aufzufinden war; es war\ndies um so eher thunlich, da die Partie weniger Tiefe\nverlangt. Dennoch müssen wir Frl. Ueltzen um so dank-\nbarer für die Uebernahme sein, da sie dadurch auf ein\nselbstständiges Hervortreten verzichtete und doch zum voll-\nständigen Gelingen des Ganzen viel beitrug. Der Beifall im\nDuett (»0, wär' mein Haupt\") mit Herrn Koch war ein\nwohlverdienter, und um den verspäteten Einsatz: „ Der\nHerr, um dessen Wort\" etc., wollen wir nicht streng rech-\nten. Beiden Damen, deren erstes Auftreten bei dieser Ge-\nlegenheit ein sehr wohlwollendes Entgegenkommen fand,\nrufen wir ein „Vorwärts\" zu und wünschen ihnen Glück\nzur Fortsetzung ihrer Studien unter einem so trefflichen\nLehrer.\nSonnabend darauf feierte der Singverein sein Stiflungs-\nFest, und zwar das 36. seines Bestehens. Ein Concert ging\ndem Festmahle voraus, erwähnenswert!) durch die Mitwir-\nkung von Frl. Deutz und Herrn E. Koch, welche zu\ndieser Feier ihren Aufenthalt verlängert hatten. Es wurden\neinige Chöre und die Sopran-Arie ~ Mit diesen Düften\" aus\nder Zerstörung Jerusalems wiederholt, ferner von Frl.\nDeutz (und Herrn Koch) das Duett aus Euryanthe, die\nCavatine aus dem Freischütz, und von Herrn Koch mehrere\nSchubert'sche Lieder gesungen, welche durch die klangvolle\nStimme und den seelenvollen Vortrag des Sängers bei der\nSchönheit der Composition einen gewaltigen Eindruck mach-\nten. Der „Doppelgänger\", der „Atlas\", „Gute Nacht\",\neinige Müllerlieder, so verschieden in ihrem Charakter, so\nverschieden wurden sie aufgefasst und mit gleicher Meister-\nschaft im Ausdrucke vorgeführt.\nDen Abend beschloss ein heiteres Mahl und fröhlicher\nTanz. **\n\nNanette Falk\n\naus Hamburg, die wir kürzlich zu hören mehrmals Gelegen-\nheit hatten, ist eine talentvolle Ciavieristin so sagen wir\nlieber mit Emanuel Bach, als nach moderner Verdrehung\nPianistin: denn sie spielt nicht allein Piano, sondern auch\nForte, und Beides in geistigem wie in leiblichem Sinne. Da-\nmit Sie, mein verehrter Herr Redacteur, nicht Furcht em-\npfinden wegen Auftauchens einer neuen Meister-Hämmer-\niings-Ceiebrität von europäischem Rufe und phrenetischem\nApplause nebst anderweiten parisischen Appositionen, so\ngebe ich Ihnen den Thatbestand, was ich mit Augen gese-\nhen und mit Ohren gehört.\nZuerst auf der Insel Norderney im August machte\nich ihre Bekanntschaft, nicht ohne einige Furcht aus\ngewohnter Apprehension gegen alles Virtuosenwesen, und\nauch darum, weil ich gleich Anfangs einige Tempi rubati\nvernahm, die mich dergestalt erzürnten, dass ich mit Rache-\nGedanken umging und sie ihres Lebens vor mir nicht sicher\nwar. Aber das war nur ein Präludio, Spasses halber, um\ndas norderneyer Bade-Clavier aus seiner Schläfrigkeit zu\nrütteln. Bald darauf ging sie ernstlich ans Werk und spielte\ndie ganze ungeheure Orgelfuge in (aus den Haslin-\nger'schen 6 Son. von Seb. Bach p. Org.:\nH-moll, C-dur, A-moll, E-moll)sammt dem Präludio voll-\nkommen aus dem Gedächtniss, richtig, ausdrucks-\nvoll, klar, mit Lieblichkeit und Hoheit und Stärke, und in\ndiesem vollendeten Vortrage um so bewundernswerther, da\ndas Bade-Clavier, obwohl ein Irmler'scher Flügel, doch\nnicht besonders ausgiebig war, weil es unter den Fusstrit-\nten unzähliger Clavier-Husaren bereits lange geseufzet und\nfast zertreten war. Wir mussten uns in Ehrfurcht beugen\nund für begangene feindselige Gesinnung Abbitte thun.\nSpäter spielte sie Mozart's vierhändige F-dur-Sonate mit\ngleicher Schönheit.\nAm 3. Sept. gab sie in Aurich Concert und trug\nvor: Beethoven's Son. in COp. 53, Seb. Bach's\nOrgel-Sonate, d. h. Prälud. c. Fuga in C-moll (aus der oben\nerwähnten Sammlung), Chopin's Impromptu, Mendels-\nsohn's Rondo capriccioso, Liszt's Hochzeitsmarsch und\nElfen-Reigen nach Mendelssohn also doch überwiegend\nVernünftiges, wo denn die Liszt'sche Teufelei in Gnaden\nhingehen mochte. Alle diese Tonsätze trug sie ohne No-\ntenblatt vor, dessgleichen in einem Privatcirkel Beet-\nhoven's letzte grosse B-dur-Sonate »für das Hammer-\nCiavier\" mit vollendeter Technik, Klarheit und Schön-\nheit. Damit doch ein kleines Luftloch für die negative Kri-\ntik bliebe, spielte sie freilich niemals Bach'sche Sachen,\naber manchmal die modernen in willkürlichen\nTempi rubati; hier ist die Stätte, wo du sterblich bist!\nMussten wir unwillkürlich ausrufen, wie sehr uns auch"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "370", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561115-01.1.6", "texte": "sonst entzückte Bewunderung fesselte. Sie ist, wie wir ver-\nnehmen, aus der Wieck'schen Schule, Clara Schumann*)\nund Jenny Lind sind ihre Freundinnen und zum Theil\nLehrerinnen.\nKurz zuvor hatten wir auch Gelegenheit, eine andere\nSchülerin des alten Wieck selber zu hören, die zwei Jahre\nlang bei ihm Studien gemacht: Rosalie Krimping,\nTochter eines königl. hannov. Obergerichts-Rathes in Ver-\nden. Auch an ihr mussten wir Talent und Schule bewun-\ndern ja, fast schien es, es werde der gründliche Vir-\ntuosenhass gemildert in ein sanltes Säuseln, und das harte\nEis unserer classischen Brust zerschmölze, dass kaum ein\ngelindes Raisonniren auf dem Grunde des Herzens zurück-\nbliebe— das Raisonniren aber ging aus in die Frage: Was\nhelfen nun alle diese Künste dem Volke, auf dass es\nbesser werde und Theil habe an den Gaben des Geistes?\nAnerkennung schliesse ich heute, der ich bin Ihr\net musicisgleichgesinnter Getreuer\nDen 30. October 1856.\n\nE. K.\n\nLieder für Männerchor.\nKarl Hoffmann. Du bist mein Traum in stiller\nNacht. Op. 1. Pr. 7 x/t Sgr. Breslau, bei Leuckart.\nKarl Hoffmann. Drei Lieder. Op. 2. Pr. 1 Thlr.\nEbendaselbst.\nDie Lieder verrathen nicht viel Erfindungsgabe und\nauch nicht genug ernstes Streben, dagegen eine gewisse\nRoutine in wirksamer Behandlung des Männerchors, ohne\ndass sich jedoch der Componist von jenem wohfeilen Effect\nrein zu erhalten weiss, wie wir ihm auf Seite 12 und 13\nbegegnen. Es ist ein gänzliches Misskennen der Aulgabe\neines Gesanges-Componisten, wenn man der menschlichen\nStimme zumuthet, das bekannte „Schrumm, schrumm\"\nnachzumachen, welches in jedem beliebigen Walzer Contra-\nbass und zweite Geige machen.\nAdolf Trübe. Fünf Gesänge. Op. 22. Pr. 1 Thlr.\n8 Sgr. Magdeburg, Heinrichshofen.\nDer Componist huldigt ebenfalls in dem ersten dieser\nLieder der so eben getadelten Behandlungsweise der mensch-\nliehen Stimme. Hinsichtlich der Erfindung stehen diese Lie-\nder nicht höher als jene von Karl Hoffmann, doch klingen\neinzelne ebenfalls recht wirksam.\nWährend wir gegen Lieder, wie die Kuntze'schen,\nernstlich Protest einlegen müssen, können wir Lieder, wie\ndie vorliegenden, immerhin ruhig ihren Weg gehen lassen,\nda manches der Lieder in weniger gebildeten Vereinen mit\nNutzen gesungen werden kann. Mit etwas mehr Emst und\nFleiss bei der Ausarbeitung würde jedoch von beiden Com-\nponisten manche unschöne und unsangbare Stimmenführung\nzu vermeiden gewesen sein. Siehe Trübe S. 4,Tact 2 u. 3\nJ. Hoven. Sechs Lieder. Op. 49. Pr. 1 Thlr. 10\nSgr. Wien, Pielro Mechetti sei. Wilvve.\nDie Lieder sind mit mehr als oberflächlicher Auffas-\nsung und mit der lobenswerthesten Sorgfalt in der Aus-\narbeitung geschrieben und machen einen höchst wohlthuen-\nden Eindruck. Haben wir auch bereits originellere Schöpfun-\ngen des geschätzten Componisten kennen gelernt, so müs-\nsen wir dennoch gestehen, dass wir mit wahrem Vergnü-\ngen ihm auf diesem Gebiete, das er unseres Wissens zum\nersten Male betritt, begegnet sind. Besonders zu erwähnen\nist noch der grosse Wohlklang, der in allen diesen Liedern\nherrscht, und der von gar vielen Componisten jüngster Zeit\ngar nicht mehr als Conditio sine qua non betrachtet wird.\nDie einzelnen Lieder heissen: Abendglöcklein, Mondes-\nAufgang, Ständchen, Frühlings-Lied, Pfingsten, Nächtliche\nSehnsucht.\n*) Sollte hierauf auch die Unart der Tempi appassionati, die zu-\nweilen bis zur Un ver stä n d lic*hke it rasch waren, zu-\nrückzuführen sein? Hoffentlich hat die Tempo-Raserei bald\nden Höhepunkt erreicht. Sie, löbliche Redaction, kämpfen\nauch wacker dagegen."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "371", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561115-01.1.7", "texte": "Zweites Gesellschafts-Concert in Köln\nim Casinosaale,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn\nFerdinand Hiller.\nDinstag, den 11. November 1856.\nProgramm. I. 1) Gluck, Ouvertüre zu Iphigenie in Aulis.\n2) G. F. Händel, Recitativ und Arie für Sopran aus der Oper\nFunaldo, instrumentirt von G. Meyerbeer, gesungen von Frl.\nJosephine H efner aus München. 3) Melodie für Violoncell,\nvorgetragen von Herrn CheviMard, Mitglied der kaiserl. Capelle\nzu Paris. 4) Spontini, Ouvertüre zur Yestalin.\nIL Die Weihe des Frühlings (Ver sacrum). Gedieht von\nL. Bisch off, für Soli, Chor und Orchester in Musik gesetzt von\nF. Hill er.\nGluck's Ouvertüre wurde ganz ihrem Charakter gemäss ausge-\nführt, grossartig und breit, wobei sich besonders die Saiten-Instru-\nmente hervorthaten. Die Ausführung der Spontini'schen Ouvertüre\nliess dagegen viel zu wünschen übrig in Feinheit und Ausdruck.\nAuch wurde im Andante sostenuto das Insensibilmerite mene sostenuto,\ndas schon bei dem ersten Eintritt der Oboe beginnt, nicht beob-\nachtet. Da diese Stelle in vielen Orchestern jetzt nicht so, wie der\nComponist es wollte, gespielt wird, indem bald das Insensibilmente\nbloss mit Pochissimo gleichbedeutend genommen, bald die ganze\nBezeichnung gar nicht beachtet wird, so wird es zweckmässig sein,\nhier zu bemerken, dass Spontini durch seine Bezeichnung nicht nur\ndem Schleppen (welches leider so oft ganz fälschlisch für Ausdruck\ngenommen wird!) vorbeugen wollte, sondern dass er von dem er-\nwähnten Eintritt der Oboe an die Bewegung unmerklich und all-\nmählich steigerte, welche Steigerung ihren Höhepunkt bei dem ff'\nder Violinen in den letzten -zwei Tacten vor dem A-dur erreichte:\nmit den drei Achteln der Hörner (a), oder richtiger innerhalb der-\nselben, kehrte er zum ersten Sostenuto zurück, liess aber die zwei\nvorletzten Tacte streng im Tact und nur den letzten ein wrenig\nritardando blasen.\nFräulein-Hefner trug, die schöne, durch Meyerbeer trefflich\ninstrumentirte Arie von Händel mit Ausdruck und künstlerischem\nBewusstsein vor. Ihre Schule ist sehr gut, allein es scheint, als\nhätte die Stimme unter dem Uebermaass und der Anstrengung der\nHebungen gelitten, wie dies leider bei dem Unterricht der Gesang-\nlehrer in Paris häufig der Fall ist. Die mittlere Region ihrer Töne\nist schwach und der Einsatz derselben unsicher, während die höheren\nschön und wohlklingend ansprechen,\nDass Herr Cheviliard durch seinen herrlichen Ton und die\nReinheit und Seele desselben in allen Lagen des schwierigen In-\nstrumentes entzücken würde, war nach seinen Leistungen in den\nQuartett-Aufführungen vorauszusehen. Zu bedauern war, dass er,\nbei der nothwendig gewordenen Beschränkung des Programms für\ndie erste Abtheilung, kein grösseres Concertstück zum Vortrag\nwählen konnte.\nDas Gesangwerk von F. Hill er: „Die Weihe des Früh-\nlings (Ver sacriim)\", ist zu bedeutend, um mit wenigen Worten\nabgethan zu werden. Wir denken darauf zurück zu kommen und\nbeschränken uns jetzt nur auf.den Bericht, dass dessen erste Auf-\nführung einen ganz ausserordentlichen Erfolg gehabt hat. Es ist\nnur Eine Stimme darüber im ganzen Publicum, dass dieses neueste\nWerk des Componisten der „Zerstörung Jerusalems\" von Anfang\nbis zu Ende das Gepräge genialer Erfindung trägt und dabei eine\nBehandlung des Orchesters zeigt, die sowohl durch den Glanz als\ndurch den wunderbaren Reiz der Instrumentirung eine bezaubernde\nWirkung macht.\n\nTheater zu Frankfurt a. M.\nAus der „Uebersieht der Leistungen des Theaters\nzu Frankfurt a. M. unter der Intendanz von Roderich Be-\nnedix - vom 5. November 1855 bis 31. October 1856 —\" er-\nfahren wir, dass am 30. April 1855 das bis dahin unter Leitung\ndes Herrn Hoffmann stehende Theater geschlossen wurde. In den\nMonaten Mai, Juni und Juli fand ein Interim Statt, während dessen\ndie Gesellschaft unter Leitung eines provisorischen Comite's die\nVorstellungen für eigene Rechnung fortsetzte. Dieses Interim er-\nreichte am 31. Juli sein Ende. Es bildete sich eine Actien-Gesell-\nschaft, welche das Theater zu Frankfurt am Main auf sechs Jahre\nübernahm. Nachdem in einem Zeiträume von drei Monaten das\nSchauspielhaus auf Kosten des Staates umgebaut und wiederherge-\nstellt worden, begannen die Vorstellungen des neuen Unternehmens\nam 5. November.\nVon der früheren Gesellschaft war ein grosser Theil wiederum\nengagirt worden, doch waren auch sehr viele neue Mitglieder hin-\nzugetreten. Dadurch und durch eine Unterbrechung von mehr denn\ndrei Monaten war ein eigentliches Stamm-Repertoire sowohl in der\nOper als im Schauspiel verloren gegangen. Demnach wäre eigent-\nlich fast jedes gegebene Stück als neu einstudirt zu bezeichnen. In\nder nachstehenden Uebersicht sind jedoch« nur solche Stücke so be-\nzeichnet worden, welche entweder drei Jahre lang ganz geruht\nhatten oder in denen der überwiegend grössere Theil der Dar-\nsteller zum ersten Male spielte.\nVom 5. November 1855 bis 31. Oct. 1856 fanden im Schauspiel-\nhause 285 Vorstellungen Statt. Davon gab zwei die italiänische Ge-\nsellschaft der Frau Ristori und zwei die französische Gesellschaft\nunter Direction des Herrn Brindeau. Somit gab die Gesellschaft des\nfrankfurter Theaters 281 Vorstellungen mit eigenen Kräften.\nDavon waren 255 in und 26 ausser Abonnement.\nIn diesen 281 Theater-Abenden wurden gegeben 124 verschie-\ndene Stücke und 39 verschiedene Opern. Von diesen Vorstellun-\ngen kommen 120 auf die Oper, die übrigen auf das recitirende\nSchauspiel.\nVon den Stücken wurden 27 zum ersten Male und 36 neu ein-\nstudirt gegeben.\nVon den Opern ward I zum ersten Male gegeben, neu einstu-\ndirt wurden deren 10.\nVon den aufgeführten Stücken waren 22 Tragödien, 24 Schau-\nspiele, 72 Lustspiele, 6 Possen und Vaudevilles. Davon waren 24\nUebersetzungen und 100 Dichtungen folgender 50 deutscher Auto-\nren: Albini, Angely, Bauernfeld, M. Beer, Benedix, Berger, Ch.\nBirch-Pfeiffer, Devrient, Deinhardstein, Feldmann, Freitag, Goll-\nmick, Görner, Göthe, Grandjean, Gutzkow, Hallenstein, Halm,\nHesse, Holbein, Holtey, Iffland, Jordan, Jünger, Kaiisch, Kötzebue,\nLaube, Lebrun, Lessing, Malss, Marsano, M. Meyr, Mosenthal,\nNestroy, A. P. Plötz, Räder, Raupach, Schall, Schiller, Schlegel,\nSchleich, Steigentesch, Tempeltey, Töpfer, Trautmann, Weissen-\nthurm West, Wilhelmi, Wolf.\nVon den aufgeführten Opern waren 19 von deutschen, 11 von\nfranzösischen, 9 von italiänischen Componisten, und zwar: von Flo-\ntow, Gluck, Kreutzer, Lortzing, Marschner, Mendelssohn, Meyerbeer,"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "372", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561115-01.1.8", "texte": "Mozart, W. Müller, Schenk, B. Wagner, Weber, Wcigl; Auber,\nBoieldieu, Cherubini, Halcvy, Herold, Mehul, Thomas; Bellini,\nDonizetti, Rossini.\nEs wurden 56 Mal deutsche, 37 Mal französische, 27 Mal ita-\nliänische Opern gegeben. Daraus namentlich: Gluck Iphigenia in\nTauris (2 Mal), Mozart Don Juan (2), Figaro's Hochzeit (5). C.\nM. v. Weber Freischütz (6), C. Kreutzer Nachtlager von Gra-\nnada (5), Schenk Dorfbarbier (4), W. Müller Schwestern von\nPrag (2), Lortzing Diebeiden Schützen (2\\ Undine (3), Czar und\nZimmermann (3), Weigl Die Schweizer-Familie (2), B. Wagner\nTannhäuser (2), Marschner Templer und Jüdin (3), v. Flotow\nMartha (4), Stradella (3), Meyerbecr Hugenotten (5), Prophet (1),\nBobert der Teufel (1), Auber Maurer und Schlosser (1), Stumme\nvon Porlici (3), Der Schwur (2), Des Teufels Antheil 15), Der Lie-\nbesfrank (4), Mehul Joseph (3), Boieldieu Kalif von Bagdad\n(2), Johann von Paris (2), Cherubini Wasserträger (3), A. Tho-\nmas Baymond (9), Halevy Die Jüdin (2), Herold Zampa (2).\nBossini Wilhelm Teil (3), Donizetti Beiisar (1), Linda (3),\nLucrezia Borgia (3), Begiments-Tochter (5), Favorite (2), Bellini\nNorma (4).\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMöln. Das pariser Quartett der Herren Maurin und Ge-\nnossen hat uns am 12. d. M. verlassen, um nach Berlin zu gehen.\nDiebleine Schrift: „Die Kirchenmusik in Blick sieht\nauf ihr Missverhältniss zum Hörer der Gegen war t\",\nwelche vor zwei Jahren anonym bei J. J. Weber in Leipzig er-\nschien, hat den Lieder-Componisten J oh. Wolf von Ehrenstein\nin Dresden zum Verfasser.\n\"Wien. Am 5. October d. J. erhielt die innsbrucker Liedertafel\ndas ihr beim Mozart-Säcular-Feste zu Salzburg von Herrn Karl\nMozart, Sohn des unsterblichen Tonmeisters, versprochene Trink-\nglas seines Vaters, dessen sich dieser in den letzten drei Jahren\nseines Lebens täglich bediente.\nDer Guitarre-Virluose Kaspar Mertz ist am 14. October in\nWien gestorben.\nDer König von Würtemberg hat eine Gedächtniss-Feier Lind-\npaintner's im Theater zu Stuttgart zu veranstalten genehmigt!\naus deren Einnahme die Kosten eines Denkmals auf seinem Crabe\nbestritten werden sollen.\nAm 27. Oct. wurde das neu erbaute Hof-Theater in Dessau\nfeierlich eröffnet.\nParis, den 9. Nov. Debüt des Herrn Stockhausen.\nDie beiden vorzüglichsten Organe der musicalischen Welt drücken\nsich darüber so aus: „Stockhausen hat in der Bolle des Sene-\nschall im Johann von Paris vortreffliche Eigenschaften als Sänger\ngezeigt. Seine Bariton-Stimme ist umfangreich, rein, biegsam, aber\nein wenig dumpf; er phrasirt und vocalisirt sehr gut. Unglück-\nlicher Weise ist seine Maske wenig komisch, und er hat noch sehr\nviel zu thun, um Schauspieler zu werden. Was hat er aber auch\nfür einen sonderbaren Einfall gehabt, in einer Bolle aufzutreten,\ndie seiner Natur so zuwider ist?\" (Gaz. mus.) „Die Wiedcr-\nAufnahme von Jean de Paris bot nichts Interessantes dar, als die\ntreffliche Art der Ausführung der kleinen Bolle des Pagen durch\nMlle. Henrion. Der Debütant Stockhausen hat den Seneschall\nlinkisch gespielt und angemessen gesungen. Er hat guten Vorlrag\nund eine gute Stimme, wird aber niemals etwas Anderes als ein\nConcertsänger werden.\" (France mus.)\n(Zwischenact-Musik.) Bekanntlich ist in dem königlichen\nSchauspielhause zu Berlin seit einiger Zeit die Sinfonie vor Be-\nginn der Vorstellung und in den Zwischenakten gänzlich beseitigt\nworden. Die gesammte Presse hat sich, übereinstimmend mit der\nübei wiegenden Mehrheit des Publicums, gegen diese Neuerung er-\nklärt; und namentlich hat sich der Kritiker Gubitz das Verdienst\nerworben, die Frage nach allen Seiten hin gründlich zu beleuchten,\naus welcher Untersuchung die Wahrheit resullirte, dass der Weg-\nfall der Zwischenact-Musik als eine entschiedene Verkürzung des\nGenusses betrachtet werden muss, den das Publicum von einerVor-\nstellung im Schauspielhause zu erwarten berechtigt ist.\nDoch ich will mich über dieses unerquickliche Thema nicht des\nLängeren verbreiten, sondern nur mittheilen, wie Lessing sich\nin seiner hamburgischen Dramaturgie über die Zwischenact-Musik\nauslässt:\n„Da das Orchester bei unseren Schauspielen gewisser Maassen\ndie Stelle der alten Chöre vertritt, so haben Kenner schon längst\ngewünscht, dass die Musik, welche vor und zwischen und nach dem\nStücke gespielt wird, mit dem Inhalte desselben mehr übereinstim-\nmen möchte. Herr Scheibe ist unter den Musicis derjenige, welcher\nzuerst hier ein ganz neues Feld für die Kunst bemerkte' Da er\neinsah, dass, wenn die Rührung des Zuschauers nicht auf eine un-\nangenehme Art geschwächt und unierbrochen werden sollte, ein\njedes Schauspiel seine eigene musicalische Begleitung erfordere, so\nmachte er nicht allein bereits 1738 mit dem Polyeukt und Miihri-\ndat den ersuch, besondere, diesen Stücken entsprechende Sinfo-\nnieen zu verfertigen, welche' bei der Gesellschaft der Neuberin hier\nin Hamburg, in Leipzig und anderwärts aufgeführt wurden, son-\ndern liess sich auch in einem besonderen Blatte seines Kritischen\nMusicus umständlich darüber aus, was überhaupt der Componist\nzu beobachten habe, der in dieser neuen Gattung mit Buhm ar-\nbeiten wolle.\"\nHierauf führt er die Ansichten Scheibe's wörtlich an und fährt\nfort:\n„Dieses sind die wichtigsten Regeln, um 'auch hier die Tonkunst\nund Poesie in eine genauere Verbindung zu bringen. Ich habe sie\nlieber mit den Worten eines Tonkünstlers, und zwar desjenigen\nvortragen wollen, der sich die Ehre der Erfindung anmaassen kann,\nals mit meinen. Denn die Dichter und Kunstrichter bekommen\nnicht selten von den Musicis den Vorwurf, dass sie weit mehr von\nihnen erwarten und verlangen, als die Kunst zu leisten im Stande\nsei. Die mehrsten müssen es von ihren Kunstverwandten erst hören,\ndass die Sache zu bewerkstelligen ist, che sie die geringsts Auf-\nmerksamkeit darauf wenden.\" (Berk Th.-Mon.)"}]}