{"numero_id": "bm-bmtnabi-1856-11-22-01", "volume": "bmtnabi_1856-11-22_01", "ocr_sha256": "f7070f1adca4fa1591e318b262ab84b423b4fb7a77ec646b55e9aaad4c4a2b13", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1856/11/22_01/bmtnabi_1856-11-22_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561122-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1856-11-22-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-11-22_01#c001", "volume": "bmtnabi_1856-11-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "373", "page_fin": "373", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561122-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "373", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561122-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 313, "texte": "Inhalt.\nVon weltlicher Musik. 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Wir meinen mit jenem so vielfältig miss-\nverstandenen Worte nicht flache Popularität und Seichtig-\nkeit, oder eine Leere, dergleichen Donizetti, Bellini, Auber,\nFlotow u. A. harmlos genug für Volkstümlichkeit ver-\nkaufen, sondern die weltliche Freude und Fasslichkeit, wie\nsie unsere Volkslieder voll Tiefsinn offenbaren: mit ihr\nkönnte die Oper hergestellt und selbst gegen Mozart er-\nhöht werden, wenn ein gleicher Melodieenstrom in unserer\nZeit möglich wäre, und die heutigen dramatischen Compo-\nnisten eben Lust hätten, was Rechtes zu lernen, und aus\ndem tüchtigen, saftreichen Alten ihr dürres Neuthum zu er-\nneuen nicht verschmähten. Denn wunderlich zum mindesten\nscheint uns jene Lehre, zur Erneuung der Oper erst völlig\nbrechen zu müssen mit dem Alterthum! als wenn Mozart\n(der Alte!) ohne Alterthum geworden wäre, was er ist!\nZu jenem ersten Erforderniss müsste dann hinzutreten,\nwas eben so schwierig beizuschaffen ist als die mangelnde\nTonschönheit: nämlich gute Textbücher. Neulich ist nicht\nunglücklich der Vorschlag gemacht worden, die altdeutsche\nRomantik, die Nibelungen etc. in das musicalische Drama\neinzuführen. Auch uns scheint der Plan nicht verwerflich,\nnur fürchten wir für die Ausführung, wenn wir dessen ge-\ndenken, was in den letzten zwanzig Jahren in diesem Fache\nversucht und geleistet ist.\nMan meint im Ganzen gegenwärtig bessere Texte zu\nbesitzen, als im vergangenen Jahrhundert; dagegen hat E.\nT. A. Hoffmann auf die poetische Tiefe der Mozartischen\nOperntexte aufmerksam gemacht. Wenn nun auch dieHoff-\nmann'sche Auffassung phantastisch übertrieben ist, so stim-\nmen doch alle poetisch Gesinnten in dem allgemeinen Er-\ngebniss überein, dass der Mangel an Poesie in jenen älteren\nTexten mehr scheinbar sei als wirklich, weil nur das äussere\nSprachgewand nachlässiger behandelt war. Der innere Ge-\nhalt des heroisch sinnlichen Don Juan, des humoristischen\nFigaro, der mystischen Zauberflöte, der naiv zärtlichen Ent-\nführung und so vieler damals beliebten Opern ist doch gross\ngenug, um die Ungelenkheiten der Sprache zu übertragen.\nSeitdem aber Hoffmann's Wort gefährlich missverstanden\ndie Kleinen ergriff, da meinten sie alle, es müsse nunmehr\nfür die wahre Oper etwas ganz Erstaunliches und Uner-\nhörtes ins Werk gesetzt werden, und fabelten von neuen\nromantischen Dichtungen als dem wahren Stoffe musicali-\nscher Dramatik: als wenn diese nicht längst vor Scribe und\nMelesville bestanden, gedichtet und gesungen wären von\nMozart bis Weber! Bald erwuchs den Componisten Ver-\nlegenheit aus den ins Eitle überwachsenden Textbüchern,\ndie nun auch für sich poetische Bedeutung in Anspruch\nnahmen. Davon war Euryanthe das erste bedenkliche\nBeispiel, denn der gewissenhafte Tondichter fühlte sich ge-\ndrungen, jedes Wort des Textes auszudrücken, ja, auszu-\npressen; eine kränkliche, verzerrte Gestalt war das Ergeb-\nniss, in welcher die Töne wie die Worte sich selbst mehr\nverdunkelten, als gestalteten; höchstens gaben einzelne lich-\ntere Stellen selbstständigen Melodieenfluss in kleinen Gebil-\nden, die meisten jedoch nur verständig kalte Declamation.\nUnd was ist nun das Ergebnisss der erhöhten Textbe-\nhandlung bisher gewesen? Nehmen wir ein namhaftes Bei-\nspiel statt aller, den französischen Kotzebue Scribe, der"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "374", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561122-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5201, "texte": "mit seinem deutschen Geislesgenossen die Virtuosität in der\näusseren Form gemein hat wie die nichtswürdige Frivolität,\ndie für heitere Weltlichkeit gilt. Allerdings erträgt, ja, for-\ndert die Opera buffaihr tüchtig Maass von Tollheit und\nSpass; dazu aber sind leichte Anspielungen, derbere Platt-\nheiten hinreichend und übergenug: der appetitlichen Ver-\nhüllungen, der versteckten lüsternen Zöllein, der schaam-\nlosen Nacht- und Badescenen bedarf es zur Heiterkeit nicht.\nWarum mussten dergleichen Scenen in seinen Opern ste-\nhend werden? Und die blöde Gutmülhigkcit der Deut-\nschen lässt sich bereden, dort Naivetät zu sehen, wo in der\nThat nur öde, kraftlose Liederlichkeit erscheint! Lange\nhatte man sich die Scribe'schen Bordell-Scenen gefallen las-\nsen; man sprang um der löblichen Tendenz willen in die\npolitische Poesie über; man glaubte, da die schein-\nbar eine lebendige Revolution zu Wege gebracht, höher sei\ndie Wirkung der Musik noch nie gestiegen. Man war end-\nlich, so schien es, mit dem Stoffe zu Rande gekommen, und\nComponist wie Textdichter fragten sich, mit welcher Stei-\ngerung dem gesteigerten Bedürlniss genügt werden könnte.\nDa griffen sie endlich zur Religion, um auch sie zum\nSubstrat eines Sinnenkitzels zu erniedrigen; denn nur Sub-\nstrat ist der scheussüche Kampf um die neue Kirche und\ndas viehische, nicht tragische Ende der Bartholomäus-Nacht,\nwelche Meyerbeer musicalisch zu verherrlichen meinte; der-\nselbe, der mit seinem Robert le diable den Katholiken ein\nReligions-Spässchen aufgetischt, rühmte sich nun, beiden\nConfessionen mit seltener Unparteilichkeit ein Gleiches ge-\nboten zu haben. Und dazu kommt der höhere poetisch sitt-\nliche Fehler, dass der ganze calvinistische Religionslärm\nwieder nur dienend verbraucht ist, dienend als Substrat\nfür die Ehrensache der Herren Nevers und St. Bris und\nfür die künstlich verflochtene Liebes-!ritrigue Margarethens\nund Valentinens. Wenigstens ist der abscheuliche Miss-\nbrauch des lutherischen Chorals weder poetisch noch reli-\ngiös zu rechtfertigen ; und doch soll auf ihm die ganze Cha-\nrakteristik des wunderlichen bornirten Marcel beruhen, der\nan nichts weiter kennbar ist, als an dieser Keule, die er\nüberall, wo Noth an den Mann geht, drein schmeisst. Er\ngönnt den lustigen Brüdern ihr lustig Lied nicht, er warnt\nden Raoul didaktisch confessionel:\neiite le festin, und als die heiteren Gesellen losbrechen:\n„Au seul objet de matendresse buvons\", da brüllt der Gute,\nbegleitet von Paukengeschmetter im fff:\net seul soutien,und gleich darauf ppp: fim-\nplore. Nicht vernünftiger noch heiliger ist die andere Stelle,\nwo Marcel zwischen das Unisono von 3*2 Tacten (wie\nSt. Bris dem Raoul seine Tochter anbietet, dieser sich wei-\ngert, jener sehr zornig wird, Valentine jammert, Margarethe\nvergeblich Frieden räth) — urplötzlich mit dem Choral da-\nzwischen haut! Und so fort — Das heisst\nnun ein polilisch-historisch-religiöses Drama, wo die Politik\nein Spielwerk in der Hand eines liederlichen Weibes und\nähnlicher Männer, wo die Geschichte entstellt, die Religion\nerlogen ist! — Was sonst noch von Texten insgemein\nvorliegt, ist zum geringsten Theile der Rede werth, und\nwir begnügen uns, an jenem äusserlich glänzenden Muster\ndie Ansicht im Allgemeinen dargelegt zu haben, wie wenig\npoetisch und musicalisch der gefeiertste Textdichter begabt\nist — weltlich vielleicht, doch nicht in dem Sinne, der uns\nals die echte Art, gesund und gesundmachend, erschienen\nist. — —\nDie Oper könnte nächst der Gesundung der Texte und\nVereinfachung der Handlungen nirgend besser in die Schule\ngehen, als bei dem alten Volksliede. Dies hat Auber ge-\nfühlt, und für diesen einzigen Blick ist ihm mehr zu danken,\nals für all das Gesungene, was nicht gesungen ist in seinen\ndürren, leblosen Tönen; die hübschen neapolitanischen\nVolkslieder dagegen sind die wahre Lebendigkeit seiner\nOper, und haben nächst Scribe alleiniges Verdienst an dem\nRuhme derselben. — Wenn wir nun für diesen Augen-\nblick an eine Erhebung der Oper nicht glauben, so lassen\nwir alle Rathschläge lieber bei Seite und wenden uns zu\nden geselligen Kreisen, wo weltliche Musik erklingt\nund mit Recht gehegt wird. — —\nSollen die eigentlichen Concerte künstlerische Bedeu-\ntung haben, so müssen die Leitenden vor Allem bedacht\nsein, nur ganze und wirkliche und dem Orte ange-\nmessene Kunstwerke vorzuführen; also nicht Bruch-\nstücke, nicht Etüden, nicht einsame Lyrik, sondern abge-\nschlossene Dichterwerke, wahrhaft erfreuliche oder be-\n*\ngeisternde Sätze, grosse Chor- und Ensemble- und Orche-\nster-Musik. Einzelne Opernsätze verhalten sich, wie die De-\nclamation eines Schiller'scben Monologs in der Schule: dem\nKenner sind sie werth, dem Unbekannten in ihrem Wesen\nnicht verständlich; nur als historische Zeugnisse oder als\nMahnungen an werthvolle, im Tageslauf vergessene Opern\nmögen sie erweckend wirken; selbstständigen Kunstwerth\nhat ein Bruchstück nicht. Mit jener Einschränkung auf\nhistorische Zwecke müsste man also folgerecht alles Rein-\ndramatische von Concerten ausschliessen; und doch drän-\ngen sich hier am häufigsten die sogenannten Bedürfnisse\nder Gegenwart ein, denen einstweilen, bis ein höherer\nSchwung des Kunstlebens auch den Concerten ihren Ernst"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "375", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561122-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5272, "texte": "wiedergibt, mit Concessionen genügt werden möge, so weit\nnur nicht solche Opernbrüche das ganze Programm beherr-\nschen. Dagegen ist, wozu es vieler Mitwirkenden und eben\nso eines reichen Hörerkreises, auch heiterer erregter Stim-\nmung bedarf, die grosse Instrumental -Musik unse-\nrer Zeit, das wellliche Orchester, Sinfonie, Ouvertüre,\nQuartett, Trio etc. im öffentlichen Concerte recht eigent-\nlich zu Hause. Ihr gegenüber die grosse Chor-Musik\nin möglichst abgeschlossenen Kunstwerken; denn hier fin-\nden sich noch häufigere Concessionen, auch gerechtere, in\nso fern manches Oratorium ohne fragmentarische Auffüh-\nrung kaum bekannt wird, viele der trefflichsten um äusse-\nrer Schwierigkeiten willen nicht oft im Ganzen zu Gehör\nkommen. Seinem Wesen nach ist das Concert veredelte\nGeselligkeit, künstlerische Zusammenkunft ohne bestimmte\nTendenz; diese scheinbare Zerrissenheit wird der Kunst\nschädlich, wenn nicht ein fester Ausgangspunkt von künst-\nlerischen Zwecken hergenommen wird. Der einfachste ist,\nder höheren Geselligkeit ein Vorbild zu sein, oder vorbild-\nlich das Beste, was auch häuslichen Kreisen Künstlerisches\nangehören möchte, vollständig und vollkommen auszuführen.\nDiesemnach dürfen auch Solosätze von objectivem Gehalt,\nVirtuosenspiel, Volkslieder etc. im Concert Eingang ver-\nlangen.\nDie letzteren, aus öffentlicher Darstellung in die Einsam-\nkeit hinüber genommen, bilden den Stoff der häuslichen\nMusik. Während Orchester und Chor dem Concert, so eig-\nnet dagegen die Sonate und das Volkslied dem einsamen\nKunstleben und der veredelten freien Geselligkeit. Dies\nscheint so einfach begreiflich, und ist doch so selten in der\nWirklichkeit erfüllt. Wenn ein grosser Kenner des Kunst-\nwesens es beklagt, wie sehr die Musik ihren hohen Einlluss\nauf das Gemüth der Menschheit verloren, so liegt der Grund\nnächst den übrigen Verkehrtheiten, die wir bisher erörtert,\nganz besonders in der unkünstlerischen Weise, wie im Con-\ncert der Director, im Hause der Musiklehrer unsere edle\nKunst handhabt. Wird mehr als die Hälfte der Jugend mit\nFinger-Uebungen ohne poetischen Genuss hingebracht,\nnehmen die Etüden und Solfeggien den Raum alles Unter-\nrichts dahin, bleiben die Kraft-Sonaten unserer besten Zeit\ndem Concert allein aufgespart, bleibt das Volkslied und der\nChoral neben den glänzenden Opern-Arien unbekannt: so\nist die Gleichgültigkeit sehr natürlich, die man derblasirten\nJugend Schuld gibt: ein günstiges Zeichen vielmehr, wenn\nsie sich beim Gleichgültigen gleichgültig verhält! Immer\nnoch die alte Klage: wer verschuldet den Verfall der Kunst?\n—•— Und doch ist die Aufgabe nicht so gar gross, im\nHause wie in der Oeffentlichkeit das Vernünftige und Ge-\nmässe anzufassen. Alt-England zu Shakespeare's Zeiten hatte,\nwie die Sage geht, einen Schatz von Volksliedern, der seit-\ndem in Büchern versickert, zum Theil verloren ist; damals\nwar jede gesellige Lust, wie in Norddeutschland zu Eccard's,\nRist's, Alberus' Zeiten, durch liebliche Rundgesänge ge-\nwürzt: seitdem sind wir stumm geworden wie die Englän-\nder und doch nicht künstlerischer, vielleicht etwas gelehr-\nter, als unsere guten Alten. Damals sangen sie auch noch\nhier und da zum Tanz, wie in den Ritterzeiten; heute schämt\nsich nicht bloss der Ciaviermeister, sondern gar das gebil-\ndete Fräulein, zum Tanz aufzuspielen oder ein Volkslied zu\nbegleiten; darum ist der Tanz auch zur Tändelei, der Ge-\nsang zum Gewimmer gesunken, und wir haben nur die ab-\nstracten Pole behalten: den seelenlosen Ballet-Tanz und\nden verspotteten geselligen, das unwahre Operngesinge und\ndas ungelenk gewordene Volkslied. Ein Fortschritt zu edle-\nrer Welllichkeit ist allerdings gegeben in den häufiger ge-\nwordenen Volkslieder-Sammlungen. Damit aber diese noch\nmehr, als es bisher geschehen, in alle Kreise des Lebens\neindringen mögen, ist eine grössere Sorgfalt in der Her-\nstellung der echten ältesten Gestalt vonnöthen; einfache\nwohlfeile Ausgaben, wo möglich einstimmig, aller Harmo-\nnisirung sich enthaltend, werden genügen, um der geselli-\ngen Lust neuen Stoff zu geben. Ein kleines Maass gu-\nter Volkslieder ist noch in den Studenten-Liedern ge-\nblieben ; doch leider schwinden auch diese dahin bei dem\nveränderten Zustande der Universitäten. Traurig mag\nman es nennen, dass wir gezwungen sind, die schönen Lie-\nder, die einst von Mund zu Munde gingen, durch mühe-\nvolle Schrift dem Untergange zu entziehen; lästig mag wohl\nmanchem erscheinen, wenn ein mehr gelehrter als empfin-\ndender Sammler, in übermässigem Sammlerlleiss der Schön-\nheit nicht gedenkend, um der Historie willen viel trockenen\nBuchstabenkram in seine Lieder aufnimmt, oder ein Ent-\nzücken am Kleinlichen ausspricht, das wir nicht begreifen;\ndennoch sind solche Sammlungen für die Gegenwart wich-\ntig genug, um selbst für Halbgelungenes dankbar zu sein.\nEin recht kernhaftes Volksliederbuch mangelt uns noch,\ndas für alle Geselligkeit als Grundbuch gölte: vielleicht noch\nlange, vielleicht immer, wie das in deutschen «Allge-\nmeinheiten\" gewöhnlich so geht. In Einem wenigstens\nhaben wir uns nicht zu beklagen: die Fülle des Gesanges\nohne Schrift liegt so reichlich vor, dass wir um den\nMangel eines specifischen Patrioten-Liedes, ähn-\nlich dem God save the hing oder nicht zu\nerröthen brauchen; denn dem Deutschen ist so viel gege-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "376", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561122-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1559, "texte": "ben, dass ihm auch hier, wie sonst, die centralisirte Einheit\nfehlt. Dennoch möchten wir unsere zerfahrene Vielfältigkeit\nnicht tauschen mit dem trockenen dem declama-\ntorischen Geschrei ga ira,dem, ach! so kläglichen slawischen\nJammer des czaarischen Hof-Dichters Lwoff und meinen\ndagegen: unser „Prinz Eugen\" „Es ritten drei Reuter\"\n„Frisch auf zum fröhlichen Jagen\" „Lützow's\nJagd\" wiegen viele fremde auf, wo nicht alle; denn selbst\ndas stolz-herrlichste von allen, das echteste Volkslied, wo\nSinn und Schöne Eins geworden: Rule Britannia dieses\nhat ein Deutscher gesungen. Wenn übrigens Deutschland\npolitisch Eins sein wird, dann werden wir auch Vaterlands-\nlieder haben besser als England, besser als wir selbst mit\nRhein- und Holsteins-Liedern.\nHeiteres Volkslied, neckischer Tanz, muntere, offene\nGeselligkeit ohne eitles Rennen würden Hand in Hand\ngehen und Allen zu Gute kommen, wenn die Künstler,\nmehr noch die Lehrer der Kunst, die Grösse ihrer Aulgabe\nerkännten. Allerdings setzen wir mit unseren Forderungen\neinen Zustand voraus, der in den nächsten Jahren kaum\nallgemein werden kann; so erlaube man uns denn den\nTraum einer Herstellung, die vielleicht unseren Enkeln zu\nGute kommt, wo das deutsche Volk seines Liedes wieder\nfroh wird, wo es hefreit sein wird von Concerten voll Lan-\ngerweile, von Opern voll Tendenzen und ohne Musik, von\ntragen und Klagen um echte Tonkunst. Eine Aulgabe ist's,\nan der wir alle arbeiten sollen, der Musik ihren heiligen\nEinfluss auf das Gemüth wieder zu geben. „Zwar ist es\nleicht, doch ist das Leichte schwer.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-11-22-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-11-22_01#c003", "volume": "bmtnabi_1856-11-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "376", "page_fin": "378", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561122-01.2.3", "titre_corps": "Mozart's Cosi fan tntte.", "titre_sommaire": "Mozart's Cosi fan tntte.", "signature_source": "L. Nitzsche, geb. Kindscher", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "376", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561122-01.1.4", "debut_caractere": 1561, "fin_caractere_exclue": 4971, "texte": "Mozart's Cosi fan tntte.\n\nDresden, den 10. Nove m b e r.\nNachdem in Dresden vor wenigen Jahren der Idome-\nneus wieder erstanden, hat sich in neuester Zeit auch\n[an tutlehier als Phönix auf dem Repertoire niedergelas-\nsen. Somit glänzt nun bei uns vollzählig das Siebengestirn\nder classischen Opern Mozarl's. Endlich ist das möglich\ngeworden, und zwar, seitdem wir im Besitz von Frau\nBürde-Ney sind, deren Stimme man einen Helden-Sopran\nnennen muss; erstens, weil sie alle schwierigen Aufgaben\nbesiegt, und dann, weil sie uns doch eigentlich damit den\nWiedergewinn der genannten Opern erobert hat. Das gibt\nzugleich der Hoffnung auf das Wieder-E'rscheinen Gluck's\nneue Nahrung. Doch freuen wir uns an dem, was wir ha-\nben, und da wir schon Gelegenheit fanden, über Idomeneus\nzu berichten, sprechen wir nun von Cosi fan lulle. Der\nText zu dieser Oper, der schon früher von der Kritik ver-\ndammt wurde, ist freilich nicht besser geworden: oberfläch-\nlich und abgeschmackt, aber doch unbefangen dabei\nwährend in vielen unserer modernen Opern das Abge-\nschmackte und Oberflächliche sich mit dramatischen Fetzen\nbehängt, oder poetisch zu schminken versucht, wodurch es\nnur noch widerlicher wird. Also: trotzdem über den Text\nim Ganzen der Stab gebrochen bleibt, bleibt eben so die\ndazu gehörige Musik ein Nektar und Ambrosia, wodurch\ndas an sich Ungeniessbare des Textes nicht bloss geniess-\nbar, sondern eigentlich ganz aufgelöst wird. Wir stehen\nhier buchstäblich vor einem Wunder Mozart'scher Schö-\npfung; denn wie sollte man es für möglich halten, zu einem\nmehr als mittelmässigen Libretto eine so tadellose Musik\nzu componiren? Wer diese Oper noch nicht kennt, ver-\nmuthet etwa, dass sich Mozart in diesem verdriesslichen\nFalle vielleicht so zu helfen versucht hätte, wie manche ita-\nliänische Componisten, die sich oft gar nicht um den Text\nkümmern und ihre Melodieen ganz das Entgegengesetzte\nvon den untergelegten Worten sagen lassen. 0 nein! Mo,-\nzart machte es anders und darin eben liegt das Wunder.\nIn die plumpe Skizze der Worte malte er mit charakteristi-\nschen Strichen und köstlichen Farben eine Musik, die so\ngänzlich in die gegebenen Umrisse passt und doch so an-\nderen Gehalt hineinlegt: aus dem vorhandenen rohen Ma-\nterial meisselt er ein vollendetes Standbild; auf dürrem,\nwüstem Boden zaubert er eine Fata Morgana fest. Wollt\nIhr das nicht glauben, so denkt doch nur an geniale Sän-\nger, welche durch ihren Vortrag aus unscheinbaren, unbe-\ndeutenden Liedern bedeutende machen, an geniale Schau-\nspieler, die eine Neben-Rolle zu einer wichtigen erheben;\ngerade so ist es auch Mozart gegangen, als er seine\nMusik zu Cosi f'an lutte und noch manches Andere compo-\nnirte. Daher kommt es denn, dass hier die Handlung ganz\nin Musik aufgegangen zu sein scheint, oder wenigstens, dass\nman von dem groben Faden, der einem so köstlichen Gewebe\nzur Anknüpfung diente, ganz und gar absieht. Die Handlung\nan sich betrachtet, verläuft ungefähr folgender Maassen:\nZwei Cavaliere, Ferrando und Guilelmo, sind Verlobte zweier\nSchwestern, Dorabelia und Fiordiligi. Die Liebhaber sind\nentzückt von ihren Schönen, während ein alter Freund,\nAlphonso, als verneinender Geist ein für alle Mal die Frauen-\ntreue bezweifelt und das Motto: fest hält.\nDas regt zu einer Wette an, welche sämmtliche Herren\neingehen. Die verlobten Schwestern sehen wir ebenfalls\nglücklich und damit beschäftigt, die Portraits ihrer Gelieb-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "377", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561122-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5289, "texte": "ten einander zu zeigen und zu rühmen, als der alte Alphonso\nmit der Nachricht eintrifft, dass die verlobten Herren in den\nKrieg müssten und abreisen würden. Darauf erscheinen die\nHerren mit betrübten Mienen, wodurch es ihnen auch ge-\nlingt, ihre Dräute vollkommen zu täuschen. Diese sagen\nihnen schluchzend Addio, und begleiten sie noch nach der\nAbfahrt mit innigen Blicken und Wehmuth. Nachdem die\nSchwestern sich selbst überlassen sind, fasst sie Traurigkeit\nund Verzweiflung, und man hört sie sich wechselseitig ihr\nLeid klagen. Das Kammermädchen Despina sucht sie darüber\nmit leichtfertigen Bemerkungen zu trösten. Die Damen\nziehen sich kummervoll in ihre Gemächer zurück. Darauf\nkommt Alphonso, dem Kammermädchen zwei Fremde als\nseine besten Freunde anzukündigen und für dieselben um\nfreundliche Aufnahme zu bitten. Nun erscheinen Ferrando\nund Guilelmo möglichst unkenntlich gemacht, so dass die\nerstaunte Despina nicht weiss, ob sie dieselben für Piraten\noder sonst etwas halten soll. Einige Goldstücke, welche sie\nvon den Herren empfängt, beruhigen sie, und gleichzeitig\nübernimmt es Alphonso, sie in den Betrug einzuweihen\nund ihr sogar eine darin thätige Rolle zu erlheilen. Als die\nSchwestern wieder erscheinen, wollen die verkleideten Frem-\nden deren Herzen sogleich im Sturm erobern, was diese\naber mit Schrecken und Entrüstung zurückweisen. Beim\nzweiten Angriff, wo die vermeintlich unglücklichen neuen\nLiebhaber im Garten vor den Augen der Damen einen To-\ndeskampf affectiren, den ihnen ihre gebrochenen Herzen\nverursachen, antwortet doch das Mitgefühl: erst leiser, dann\nimmer lauter, und man schickt nach dem Doctor um Ret-\ntung. Despina erscheint, als Arzt verkleidet, und lässt die\nSterbenden durch Anwendung des Magnetes urplötzlich\nwieder genesen. Das Mitgefühl bei den Damen lässt sich\nnun nicht mehr unterdrücken, obwohl bei der ungebührlich\nschnellen Forderung der neuen Liebhaber um einen Kuss\ndas Ehrgefühl sich wiederholt empört. Endlich aber gibt\nzuerst Dorabella den Bitten Guilelmo's und später Fiordiiigi\ndem Flehen Ferrando's Gehör, während ursprünglich Fer-\nrando der Geliebte Dorabella's, und Guilelmo der Fiordiligi's\nist. Alphonso hat also nun die Wette gewonnen, räth aber\nzugleich den entrüsteten Liebhabern, die Sache als Spass\nzu betrachten, indem er wiederholt ausspricht, dass es ein-\nmal Alle so machten. Dies wird dann auch befolgt, und\nnachdem alle Masken fallen, die Damen erschrocken und\nbeschämt um Verzeihung flehen, welche sie nach einigem\nZögern erhalten, tritt allgemeine Wieder-Versöhnung ein.\nAus dieser grob zugeschnittenen Textes-Unterlage nahm\nalso der Genius Mozart's dennoch verschiedene Winke wahr,\num prachtvolle Combinationen herauszustellen. Die Musik\nzeigt uns eine fortlaufende Intrigue, deren Faden nie ab-\nreisst, während wir in der Handlung bloss eine langweilige\nLüge sehen. Man muss sich mit eigenen Obren von allen\nden überraschenden Einfällen überzeugen und sich selbst\nvon diesem poetischen Regen übergiessen lassen, um es für\nwirklich zu halten. Die Ensembles, deren es in dieser Oper\nviele gibt, sind lauter Prachtstücke in Darstellung der ver-\nschiedensten Charaktere und Gefühle zu gleicher Zeit es\nsind immer Gruppen verschiedener Personen und Situatio-\nnen, auf Einem Gemälde harmonisch vereinigt. Im ersten\nActe reihen sich z. B. zwei Abschieds-Quintette fast dicht\nan einander, und doch wiederholen sie keineswegs ihre\nPhrasen, sondern gleichen sich bloss in ihrem hohen musi-\ncalischen Werthe. In den Sextetten gibt die Stimme der\nDespina die Gegenbewegung zu den Parallelen der beiden\nFrauenstimmen, während Alphonso ebenfalls selbstständig\nneben den sich gleichenden Interessen der Herren bleibt.\nMan muss beim Anhören dieser Oper alle Aufmerksamkeit\nanspannen, um sich nichts entgehen zu lassen; denn es ist\nein unaufhaltsam sprudelnder Humor, der geistreiche Re-\ndensarten von Singstimmen und Orchester wechselseitig\naussprechen lässt. Die Beziehungen greifen oft so schnell in\neinander, dass man Mühe hat, sie im Gedanken fest zu hal-\nten, und oft scheint der Muthwille in Person durch alle In-\nstrumente zu laufen und sich unter dem leichten Zügel der\nAnmuth nach Herzenslust zu bewegen. Ja, es ist ein wah-\nrer Reichthum! Und dazu liegt ein harmonischer Reiz, eine\nromantische Färbung auf dem Ganzen, so dass man sich\nunausgesetzt in einem glücklichen geistigen Klima fühlt.\nAusser den grösseren Ensembles sind auch alle übrigen\nEinzelheiten der Oper frisch und voll köstlichen Inhaltes:\ndie reizenden Duette der beiden Schwestern, ihre Arien,\ndie leichtfertigen, aber graciösen Arielten der Despina, das\nwonnevolle Terzett zwischen den beiden Schwestern und\nAlphonso, das Lach-Terzelt der Herren u. s. w. Der mu-\nsicalischen Behandlung nach sieht Figaro's Hochzeit den Cosl\nfan tutte schwesterlich ähnlich, weil hier wie dort die In-\ntrigue ihr blitzendes Spiel treibt und die kunstvollsten En-\nsembles zusammenschürzt. Jedoch ist nicht zu läugnen,\ndass Figaro ausserdem für die Musik bei Weitem mehr dra-\nmatische Entwicklung und Steigerung zulässt, nächstdem\nauch für die Ensembles grössere Abwechslung der Situa-\ntion herbeibringt, und endlich in den verschiedenen Arien\nmehr Müsse für den Ausdruck der Gefühlstiefe und Lei-\ndenschaft erlaubt, woran Ohr und Seele nicht genug sich\nsättigen können."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "378", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561122-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 342, "texte": "Aus der Betrachtung jedes classischen Werkes von\nMozart erhellt aber immer wieder: dass er ein unübertroffe-\nner musicalischer Poet ist, und besonders belehrt uns\nfan lutte,dass er vermochte, herrliche Musik auf einen Text\nzu dichten, gegen den Don Juan, die Zauberflöte u. s. w.\nwahre poetische Kunstwerke sind.\n\nL. Nitzsche, geb. Kindscher."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-11-22-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-11-22_01#c004", "volume": "bmtnabi_1856-11-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "378", "page_fin": "379", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561122-01.2.4", "titre_corps": "Beethoven's Musik zu dem Ballet: Die Geschöpfe des Prometheus.", "titre_sommaire": "Beethoven's Musik zu dem Ballet: Die Geschöpfe des Prometheus.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "378", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561122-01.1.6", "debut_caractere": 344, "fin_caractere_exclue": 4392, "texte": "Beethoven's Musik zu dem Ballet: Die Geschöpfe des\nPrometheus.\nEs hat sich hier und da die Annahme geltend gemacht\nwir wissen nicht, auf welche Quelle gestützt —, als\nsei die oben genannte Composition von Beethoven nie auf-\ngeführt worden. Herr Dr. Leopold Sonnleithner in\nWien widerlegt diese ganz unbegründete Annahme durch\nfolgenden Aufsatz in den wiener „Blättern für Musik\" u.\ns. w., den wir als einen interessanten Beitrag zur Geschichte\nder Beethoven'schen Werke mittheilen:\n„Das Ballet: Die Geschöpfe des Prometheus,\nwurde zum ersten Male im k. k. Hof-Burgtheater in Wien\nam 28. März 1801 aufgeführt, wie der unten folgende\nTheaterzettel nachweist, der hier vollständig raitgetheilt\nwird, weil er die Namen der Personen und den Inhalt der\nHandlung enthält, der zum besseren Verständnisse der Mu-\nsik dient. Dieses Ballet wurde günstig aufgenommen und in\nden Jahren 1801 und 1802 ziemlich oft gegeben. Es\nverschwand nun für viele Jahre von der wiener Bühne. Erst\nam 18. November 1843 wurde im Kärnthnerthor-Thealer\nin Wien aufgeführt: Die Geschöpfe des Prometheus,\nmythologisches Ballet in 2 Acten und 6 Abtheilungen,\nconjponirt und in Scene gesetzt von August Hus, Ballet-\nmeister dieses Theaters, mit Musik von Beethoven, Mozart\nund Haydn. Dieses Ballet ist von dem älteren gänzlich ver-\nschieden; doch wurden die interessantesten Stücke der\nBeethoven'schen Musik dabei benutzt. Auch in dieser Ge-\nstalt gefiel Prometheus und wurde in den Jahren 1843\nund 1844 oft gegeben, und vom 1. October 1845 an,\nals neu in Scene gesetzt, wieder aufgeführt. In späteren\nJahren fand keine Wiederholung Statt.\n„Die Ouvertüre und mehrere einzelne Nummern der\nPrometheus-Musik wurden im k. k. Hof-Burgtheater häufig\nals Eingangs- und Zwischen-Musik zu Schauspielen benutzt.\n„Am 22. Mai 1843 wurde zu Mailand im Theater\nAtta Scala gegeben; Prometeo, ballo milologico in 6 atli,\ninventalo e posto sulle scene\nDie Handlung und deren Bearbeitung weicht von der ersten\nwiener Bearbeitung wesentlich ab, wie das vorhandene Pro-\ngramm zeigt. Dazu wurde Beethoven's Musik benutzt, aber\nmit Einschaltung mehrerer Tonstücke von Jos. Haydn und\nanderen Meistern.\n„Die erste Concer t-Production dieser Musik fand in\nWien am 4. März 1841 im Concert spirituel Statt, wobei\ndie von Herrn J. G. Sei dl verfasste poetische Einleitung\nund Erläuterung von der k. k. Hof-Schauspielerin Frau\nRettich declamirt wurde. In gleicher Weise führte die\nGesellschaft der Musik-Freunde des österreichischen Kaiser-\nstaates dieses Werk am 20. Febr. 1853 im k. k. Redouten-\nSaale in einem ihrer Gesellschafts-Concerte auf, wobei Frau\nMitter-Weissbach das verbindende Gedicht vortrug. Dies\nsind die dem Gefertigten bekannt gewordenen öffentlichen\nAufführungen. Dr. Leopold Sonnleithner.\n„Der besagte Theaterzettel lautet wörtlich folgender\nMaassen:\nIm k. k. Hof-Theater nächst der Burg wird von den k. k.\nHof-Operisten Samstag den 28. März 1801 aufgeführt:\nzum Vortheile der Mlle. Casentini:\nDer Dorfbarbier.\nEin Singspiel in 1 Aufzuge. Nach dem Lustspiele dieses\nNamens bearbeitet.\nNachher zum ersten Male:\n» *\nDie Geschöpfe des Prometheus.\nEin heroisch-allegorisches Ballet in zwei Aufzügen. Von der\nErfindung und Ausführung des Herr Salvatore Vigano.\nPersonen:\nPrometheus Hr. Cesari. Thalia Mad. Cesari.\n/ Mlle. Casentini. Melpomene Mad. Renth.\n\\Hr. Salv. Vigano. Apollo.\nBachus Hr. Ferd. Girja. Anfione. ......\nPan Hr. Aichinger. Arione. ......\nTerpsichore Mad. Brendi. Orpheus.\n„Inhalt: Die Grundlage dieses allegorischen Ballettes\nist die Fabel des Prometheus.\n„Die Philosophen Griechenlands, denen er bekannt war,\nerklären die Anspielung der Fabel dahin, dass sie denselben\nals einen erhabenen Geist schildern, der die Menschen zu\nseiner Zeit in einem Zustande von Unwissenheit antraf, sie\ndurch Künste und Wissenschaften verfeinerte und ihnen\nSitten beibrachte.\n„Von diesem Grundsatze ausgegangen, stellen sich im\ngegenwärtigen Ballet zwo belebt werdende Statuen dar,\nwelche durch die Macht der Harmonie zu allen Leiden-\nschaften des menschlichen Lebens empfänglich gemacht\nwerden."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "379", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561122-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 593, "texte": "„Prometheus führt sie auf den Parnass, um sie vom\nApoll, dem Gott der schönen Künste, unterrichten zu las-\nsen. Apoll befiehlt dem Amphion, dein Arion und dem\nOrpheus, sie mit der Tonkunst, der Melpomene und\nder Thalia, mit dem Trauer- und Lustspiele, der Terpsi-\nchore und dem Pan, sie mit dem von dem letzteren erfun-\ndenen Schäfertanze, und dem Bachus, mit dem heroi-\nschen Tanze, dessen Erfinder er ist, bekannt zu machen.\n„Die Musik ist von Herrn van Beethoven.\n„Die Decorationen sind von Herrn Platzer, k. k. Hof-\nKammermaler und Hof-Tbealral-Decorateur. Der An-\nfang ist um halb 7 Uhr.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-11-22-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-11-22_01#c005", "volume": "bmtnabi_1856-11-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "379", "page_fin": "379", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561122-01.2.5", "titre_corps": "Die neue Orgel im Münster zu Ulm.", "titre_sommaire": "Die neue Orgel im Münster zu Ulm.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "379", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561122-01.1.7", "debut_caractere": 595, "fin_caractere_exclue": 4495, "texte": "Die neue Orgel im Münster zu Ulm.\nDer längst ersehnte Augenblick der Vollendung der\nneuen Orgel im Münster war gekommen. Wralcker in Lud-\nwigsburg, der berühmte Orgel-Baumeister, übergab sie der\nKirchenstiftungs-Behörde zur Prüfung, und um 12. Oct.\nward sie feierlich geweiht. Diese Orgel, eines der grössten\nWerke, die je gebaut worden sind, hatte schon eine lange\nGeschichte, bevor sie nur fertig war. Bis ins Jahr 1838\nzurück datirt sich der erste Plan und Ueberschlag Wal-\ncker's. Gegen Ende des Jahres 1845 fertigte er einen drit-\nten Plan zu 80 Stimmen und einem Kosten-Anschlag von\n23,000 Gulden. Anfangs des Jahres 1846 kam Walcker's\nvierte Disposition mit 94 Stimmen und einem Kosten-An-\nschlag von 28,000 Gulden. Er ward angenommen; doch\nzogen sich die Berathungen wegen der Orgelstellung da-\nzwischen hinein, so dass der definitive Beschluss erst am\n30. Nov. 1848 gefasst und der Vertrag mit Walcker end-\nlich am 11. Jan. 1849 unterzeichnet wurde. Vom 22.\nJan. bis 17. März 1849 wurde die alte Orgel mit ihrem\nUnterbau abgetragen, am 26. August 1850 mit der Fun-\ndation des neuen Unterbaues begonnen. Im Monat Mai\n1854 konnte Walcker mit der Aufstellung der neuen Orgel\nanfangen, und im Sept. 1856 war dieselbe beendigt; sie\ndauerte somit zwei Jahre und vier Monate; von Unterzeich-\nnung des Vertrages bis zur Einweihung der Orgel verliefen\ndagegen sieben Jahre und neun Monate. Sie hat 4 Manuale\nund 2 Pedale, im Ganzen 94 klingende Stimmen, ferner\n6286 Pfeifen, 18 Blasbälge u. s. w. Dabei sind alle tech-\nnischen und mechanischen Vervollkommnungen angebracht,\nwelche das Werk auf die höchste Stufe der Orgelbaukunst\nzu heben vermögen, und, was die Hauptsache ist, der un-\nendliche Reichthum in Stimmen und Tonweisen ist mit einer\nReinheit und Schönheit derselben gepaart, dass der Bau-\nmcister sich in diesem Werke wahrhaft ein bleibendes Denk-\nmal gesetzt hat. Am 13. October fand nun zur Feier der\nOrgel-Einweihung ein Orgel-Concert Statt. Aus der Nähe\nund bis aus weiter Ferne waren auf öffentliche Einladung\ndes Kirchen-Conventes viele Hunderte von Menschen zu-\nsammengeströmt, um die Orgel zu hören, und Alles war\ngespannt, aber Wenige wurden befriedigt. Wir übergehen\nvorübergehende Störungen. Doch dass die Orgel selbst einen\nbleibenden Mangel hat, der zum ersten Male den Zuhörern\nzum Bewusstsem kam, das wirkt unabänderlich zu ihrem\nNachtheil. Die Orgelstellung war vom Augenblick ihrer\nWahl an vom architektonischen Standpunkte aus verur-\ntheilt, aber sie wurde um der Akustik willen .vertheidigt.\nNun hegt aber am läge, dass auch dieser Grund unwahr\nist. Die Orgel präsentirt sich dem Auge nur zwischen die\nThurmpfeiler eingeklemmt, und zeigt sich, da sie zugleich\nvon der Profil-Ausladung des grossen Scheidebogens zwi-\nschen Thurmhalle und Mittelschiff an den Seiten verdeckt\nwird, von keinem Standpunkte aus als ein Ganzes. Dervon\nder Orgel ausgehende Schall wird nun von diesen Bogen-\nVorsprüngen bedeutend gehemmt und zurückgeworfen, denn\ndie akustischen Gesetze sind mit den katoptrischen hierin\nnahe verwandt. Dazu kommt noch, dass die Massen von\nfeineren Tönen, welche hinter den vorderen Riesenpfeifen\naufgestellt sind, sich für das Ohr des in der Kirche unten\nbefindlichen Zuhörers nicht in ihrem vollen Werthe zu ent-\nwickeln und zur Geltung zu bringen vermögen; sie werden\nvon ihrer Umgebung gedrückt. Diese mit der Stellung und\nAnordnung der Orgel unzertrennlich verbundenen Nach-\ntheile, die der Erbauer durch die Erhöhung der früher pro-\njectirten 80 auf 94 Register selbst zugab und zum Theil\nbeseitigen wollte, hatte er die Pflicht, durch die Wahl einer\nanderen Stellung zu vermeiden, wobei es immer noch da-\nhingestellt bleibt, ob sein sonst so kunstreiches Werk an\ndieser Stelle durch die Einflüsse der Zugluft und des Wit-\nterungs-Wechsels nicht früher in einem Grade Noth leidet,\ndass ein bedeutender Theil der aufgewandten Kosten da-\ndurch nutzlos wird."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-11-22-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-11-22_01#c006", "volume": "bmtnabi_1856-11-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "379", "page_fin": "380", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561122-01.2.6", "titre_corps": "Deutsche Tonhalle.", "titre_sommaire": "Deutsche Tonhalle.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "379", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561122-01.1.7", "debut_caractere": 4497, "fin_caractere_exclue": 4922, "texte": "Deutsche Tonhalle.\nAuf unsere Anzeige vom 8. Ostermonat d. J., dass der Verein\nden Preis von 250 Gulden rhein. für Musik zur „Jungfrau von\nOrleans\" von Schiller ausgesetzt habe, sind uns in der bis Ende\nv. M. bestimmten Einsendungszeit zweiundzwanzig Preisbewerbungs-\nWerke zugekommen, welche wir nun den nach den Vereinssatzun-\ngen (14b. und c.) erwählten drei Herren Preisrichtern zur Beur-\ntheilung nach und nach zusenden."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "380", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561122-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 418, "texte": "Der Erfolg wird geehrte Redaetion dieses Blattes auf unser Er-\nsuchen bekannt machen.\nWegen Rückgabe bezüglicher Bewerbungen machen wir die\nHerren Verfasser wiederholt aufmerksam, dass solche nicht mittel-\nbar und nur nach Inhalt gedachter Satzungen bewirkt werden\nkann; welche wir, wie bisher, auch ferner auf Verlangen durch\npostfreie Briefe oder Handelsgelegenheit abgeben.\nMannheim, 4. November 1856. Der Vorstand."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-11-22-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-11-22_01#c007", "volume": "bmtnabi_1856-11-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "380", "page_fin": "380", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561122-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltimgs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltimgs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "380", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561122-01.1.8", "debut_caractere": 420, "fin_caractere_exclue": 6105, "texte": "Tages- und Unterhaltimgs-Blatt.\n** Elberfeld. Am 15. d. M. kam die Zerstörung von\nJerusalem, Oratorium von F. Hiller, unter Leitung des Com-\nponisten, zur Aufführung. Dieses herrliche Werk, welches mit der\nFrische jugendlicher Phantasie die Klarheit durchgebildeter Formen-\nbeherrschung, feinsten Geschmackes für die Farbe der Instrumen-\ntation verbindet, dessen Schöpfung in die glückliche Periode ge-\nhört. in welcher Hiller mit seinem verewigten Freunde Mendels-\nsohn um die Palme rang, wurde mit wärmster Begeisterung aufge-\nnommen.\nDie Aufführung war durch Herrn Musik-Director H. Schorn-\nstein sorgfältigst vorbereitet, der Chor sang mit Feuer und Hin-\ngebung, die Soli waren besetzt durch die Damen Frl. Danne-\nmann (Chamital) und Frl. Hammer. Die Alt-Partie hatte eine\nDilettantin aus' Elberfeld freundlichst übernommen. Frl. Danne-\nmann hat in der letzten Zeit bedeutende Fortschritte gemacht, ihr\nOrgan gewinnt an Fülle, der Vortrag zeugte von Verständniss und\nkünstlerischem Gefühl. In Herrn Göbbels aus Aachen, Schüler\nder Rheinischen Musikschule (wie früher auch die genannten Da-\nmen), welcher die Tenor-Partie sehr schnell übernommen hatte,\nmachte man die Bekanntschaft einer angenehmen, wohllhuenden\nTenor-Stimme, mit reiner Intonation und seelenvollem Vortrage.\nHerr Schleifer sang die Partie des Jeremias mit seltener Aus-\ndauer, mit grösserer künstlerischer Wärme und Nuancirung, als wir\nuns erinnern, jemals diesen trefflichen Bariton gehört zu haben.\nEsse». Herr Karl Hartmann (Sohn des verstorbenen Con.\ncertmeisters Hartmann in Köln), der als Sänger von Herrn E. Koch\nausgebildet ist, hat hier am 12. d. M. seinen ersten theatralischen\nVersuch als Stradella in Flolow's gleichnamiger Oper mit Erfolg\ngemacht. Er wurde am Schlüsse gerufen, und die Oper wurde kurz\ndarauf wiederholt.\nKerlin. In der Versammlung des Tonkünstler-Vereins am\n18. Oct. legte Herr Dr. J urke sein noch ungedruckles Werk über\ndie physicalische Lehre vom Schalle vor, eine Arbeit von fast 30\nJahren, in welcher er die von Chladni gegebenen Grundlagen mit\nden seitdem gemachten Entdeckungen zu einem geordneten Ganzen\nzu verarbeiten sich bemüht und durchweg die Anwendung dieser\nLehre auf die Tonkunst und Tonwerkzeuge berücksichtigt hat. Der\nerste Theil handelt von den quantitativen Tonverhältnissen (reine\nTonlehre), von der Entstehung und Ausbildung des Tonsystems,\ndem Umfange hörbarer Töne der Stimmung u. s. f. Im zweiten\nTheile (Klanglehre) wird die Entstehung des Schalles betrachtet\nund, nach einer sorgfältigen Entwicklung der allgemeinen Gesetze\nder schwingenden Bewegung, von den einzelnen Arten der klin-\ngenden Körper, als: Saiten, Stäben, Glocken, Membranen, haupt-\nsächlich der Luft in Röhren, den Zungen und Rohrpfeifen, und\nendlich der Stimme des Menschen und der Thiere gehandelt. Hier-\nbei sind gegen 300 Tonwerkzeuge angeführt und grösstentheils\ntheoretisch erklärt. Der dritte Theil handelt von der Mittheilung\nder Schallschwingungen durch unmittelbare Berührung zwischen\nfesten Körpern, durch begränzten Luftraum, so wie durch Luft und\nW asser. Der vierte Theil bespricht sodann die Forlpflanzung des\nSchalles nach seiner Natur im Allgemeinen, Geschwindigkeit, Stärke,\nVerbreitung des Schalles im begränzten Räume, endlich durch\nGase, Wasser, starke Körper. Der fünfte Theil schliesst mit der\nWahrnehmung des Schalles durch das Gehör. Um sodann von der\nArt der Behandlung, zumal von dem Grade der Vollständigkeit des\nWerkes, ein Urtheil möglich zu machen, wurde ein einzelner Ab-\nschnitt vorgetragen, und dazu die Geschichte des Claviers gewählt,\nworin das Ciavier von seinen ältesten bis zu seinen jüngsten Ge-\nstaltungen (Hackbrett, Zimbel, Federflügel, Spinet, Pantaleon, Clavi-\nchord, Lauten- und Harfen-Clavier, Pianoforte u. s. f.) beschrieben\nwird. Hr. Dr. Jurke versprach, nächstens einen Vortrag über die\nGrundzüge einer akustischen Baukunst zu halten. (B. M.-Z.)\nLeipzig. Der Beschluss der Musicalien-Verleger zum Schutze\ndes Verlags-Eigenthums gegen die Directionen von Gesang-Vereinen\nund Liedertafeln klagbar zu werden, welche Stimmen von Chorge-\nsängen für ihre Vereine durch Umdruck haben herstellen lassen,\nstatt sie von den rechtmässigen Verlegern zu entnehmen, soll jetzt\nzur Ausführung kommen, auch soll zu gleicher Zeit in Sachsen und\nPreussen eingeschritten werden. Das Criminal-Gericht in Berlin,\nwelches einen Musicalienhändler wegen wiederholten Nachdrucks\nbestraft hat, wird gegen Dircctoren von Gesang-Vereinen eine nicht\ngeringere Strafe feststellen. -\nDas in diesen Blättern bereits früher als baldigst erscheinend\nangekündigte „System der Gesangkunst nach physiologischen\nGrundsätzen ein theoretisch-praktisches Lehrbuch von Dr. W.\nSchwarz\"--r ist in Hannover, Helwing'sche Buchhandlung, her-\nausgekommen. Nächstens mehr darüber.\nAm 4. Oct. ist Theodor Döhler in Moskau auf dem katho-\nlischen Kirchhofe feierlich zur Erde bestattet worden und bin-\nnen Kurzem wird ein Denkmal die Stelle bezeichnen, wo der da-\nhingeschiedene Künstler endlich seine letzte Ruhestätte fand. Döhler\nstarb nämlich, wie wir zur Zeit berichtet haben, vor acht Monaten\nin Florenz, und seine Gemahlin, aus der Familie Tscheremetiew in\nMoskau, wollte ihm in der alterthümlichen Kirche zu San Miniato,\nwo er begraben wurde, ein Monument setzen lassen. Weil jedoch\nein Russe, Herr Brulow, die Zeichnung dazu geliefert hatte und\nein deutscher Künstler, Hautmann aus München, dessen Ausarbei-\ntung übernehmen sollte, wurden dadurch locale Eitelkeiten und\nAnsprüche verletzt; man legte diesem Projecte so vielerlei Hinder-\nnisse in den Weg, dass Döhler's Gattin sich endlich entschloss,\nihrem Gemahle ein gastfreundlicheres Asyl in ihrer Geburlstadt\nMoskau zu sichern."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "373", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561122-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nVon weltlicher Musik. IL Von Dr. Ed. Krüger. Mozart's Cosi fan tutte. Yon L. Nitzsche, geb. Kindscher.\nBeethoven's Musik zum Ballet Prometheus. Eine Berichtigung. Yon Dr. L. Sonnleithner. Walcker's Orgel im Münster zu\nUlm. Deutsche Tonhalle. Tages- und Unterhaltungsblatt (Elberfeld Essen Berlin Leipzig).\n\nVon weltlicher Musik.\nII.\nSoll nun wirklich von einem Fortschritt in der Oper,\ndem man heutzutage sehr auf der Spur sein will, die Rede\nsein, so ist eine Rückkehr aus fieberhafter Ueberspannung\nzu echter gesunder Volkstümlichkeit die erste\nForderung, welche zu erfüllen indess neben der gesunkenen\nProductivität dieser Zeit noch manche andere Einflüsse hin-\nderlich sind. Wir meinen mit jenem so vielfältig miss-\nverstandenen Worte nicht flache Popularität und Seichtig-\nkeit, oder eine Leere, dergleichen Donizetti, Bellini, Auber,\nFlotow u. A. harmlos genug für Volkstümlichkeit ver-\nkaufen, sondern die weltliche Freude und Fasslichkeit, wie\nsie unsere Volkslieder voll Tiefsinn offenbaren: mit ihr\nkönnte die Oper hergestellt und selbst gegen Mozart er-\nhöht werden, wenn ein gleicher Melodieenstrom in unserer\nZeit möglich wäre, und die heutigen dramatischen Compo-\nnisten eben Lust hätten, was Rechtes zu lernen, und aus\ndem tüchtigen, saftreichen Alten ihr dürres Neuthum zu er-\nneuen nicht verschmähten. Denn wunderlich zum mindesten\nscheint uns jene Lehre, zur Erneuung der Oper erst völlig\nbrechen zu müssen mit dem Alterthum! als wenn Mozart\n(der Alte!) ohne Alterthum geworden wäre, was er ist!\nZu jenem ersten Erforderniss müsste dann hinzutreten,\nwas eben so schwierig beizuschaffen ist als die mangelnde\nTonschönheit: nämlich gute Textbücher. Neulich ist nicht\nunglücklich der Vorschlag gemacht worden, die altdeutsche\nRomantik, die Nibelungen etc. in das musicalische Drama\neinzuführen. Auch uns scheint der Plan nicht verwerflich,\nnur fürchten wir für die Ausführung, wenn wir dessen ge-\ndenken, was in den letzten zwanzig Jahren in diesem Fache\nversucht und geleistet ist.\nMan meint im Ganzen gegenwärtig bessere Texte zu\nbesitzen, als im vergangenen Jahrhundert; dagegen hat E.\nT. A. Hoffmann auf die poetische Tiefe der Mozartischen\nOperntexte aufmerksam gemacht. Wenn nun auch dieHoff-\nmann'sche Auffassung phantastisch übertrieben ist, so stim-\nmen doch alle poetisch Gesinnten in dem allgemeinen Er-\ngebniss überein, dass der Mangel an Poesie in jenen älteren\nTexten mehr scheinbar sei als wirklich, weil nur das äussere\nSprachgewand nachlässiger behandelt war. Der innere Ge-\nhalt des heroisch sinnlichen Don Juan, des humoristischen\nFigaro, der mystischen Zauberflöte, der naiv zärtlichen Ent-\nführung und so vieler damals beliebten Opern ist doch gross\ngenug, um die Ungelenkheiten der Sprache zu übertragen.\nSeitdem aber Hoffmann's Wort gefährlich missverstanden\ndie Kleinen ergriff, da meinten sie alle, es müsse nunmehr\nfür die wahre Oper etwas ganz Erstaunliches und Uner-\nhörtes ins Werk gesetzt werden, und fabelten von neuen\nromantischen Dichtungen als dem wahren Stoffe musicali-\nscher Dramatik: als wenn diese nicht längst vor Scribe und\nMelesville bestanden, gedichtet und gesungen wären von\nMozart bis Weber! Bald erwuchs den Componisten Ver-\nlegenheit aus den ins Eitle überwachsenden Textbüchern,\ndie nun auch für sich poetische Bedeutung in Anspruch\nnahmen. Davon war Euryanthe das erste bedenkliche\nBeispiel, denn der gewissenhafte Tondichter fühlte sich ge-\ndrungen, jedes Wort des Textes auszudrücken, ja, auszu-\npressen; eine kränkliche, verzerrte Gestalt war das Ergeb-\nniss, in welcher die Töne wie die Worte sich selbst mehr\nverdunkelten, als gestalteten; höchstens gaben einzelne lich-\ntere Stellen selbstständigen Melodieenfluss in kleinen Gebil-\nden, die meisten jedoch nur verständig kalte Declamation.\nUnd was ist nun das Ergebnisss der erhöhten Textbe-\nhandlung bisher gewesen? Nehmen wir ein namhaftes Bei-\nspiel statt aller, den französischen Kotzebue Scribe, der"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "374", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561122-01.1.2", "texte": "mit seinem deutschen Geislesgenossen die Virtuosität in der\näusseren Form gemein hat wie die nichtswürdige Frivolität,\ndie für heitere Weltlichkeit gilt. Allerdings erträgt, ja, for-\ndert die Opera buffaihr tüchtig Maass von Tollheit und\nSpass; dazu aber sind leichte Anspielungen, derbere Platt-\nheiten hinreichend und übergenug: der appetitlichen Ver-\nhüllungen, der versteckten lüsternen Zöllein, der schaam-\nlosen Nacht- und Badescenen bedarf es zur Heiterkeit nicht.\nWarum mussten dergleichen Scenen in seinen Opern ste-\nhend werden? Und die blöde Gutmülhigkcit der Deut-\nschen lässt sich bereden, dort Naivetät zu sehen, wo in der\nThat nur öde, kraftlose Liederlichkeit erscheint! Lange\nhatte man sich die Scribe'schen Bordell-Scenen gefallen las-\nsen; man sprang um der löblichen Tendenz willen in die\npolitische Poesie über; man glaubte, da die schein-\nbar eine lebendige Revolution zu Wege gebracht, höher sei\ndie Wirkung der Musik noch nie gestiegen. Man war end-\nlich, so schien es, mit dem Stoffe zu Rande gekommen, und\nComponist wie Textdichter fragten sich, mit welcher Stei-\ngerung dem gesteigerten Bedürlniss genügt werden könnte.\nDa griffen sie endlich zur Religion, um auch sie zum\nSubstrat eines Sinnenkitzels zu erniedrigen; denn nur Sub-\nstrat ist der scheussüche Kampf um die neue Kirche und\ndas viehische, nicht tragische Ende der Bartholomäus-Nacht,\nwelche Meyerbeer musicalisch zu verherrlichen meinte; der-\nselbe, der mit seinem Robert le diable den Katholiken ein\nReligions-Spässchen aufgetischt, rühmte sich nun, beiden\nConfessionen mit seltener Unparteilichkeit ein Gleiches ge-\nboten zu haben. Und dazu kommt der höhere poetisch sitt-\nliche Fehler, dass der ganze calvinistische Religionslärm\nwieder nur dienend verbraucht ist, dienend als Substrat\nfür die Ehrensache der Herren Nevers und St. Bris und\nfür die künstlich verflochtene Liebes-!ritrigue Margarethens\nund Valentinens. Wenigstens ist der abscheuliche Miss-\nbrauch des lutherischen Chorals weder poetisch noch reli-\ngiös zu rechtfertigen ; und doch soll auf ihm die ganze Cha-\nrakteristik des wunderlichen bornirten Marcel beruhen, der\nan nichts weiter kennbar ist, als an dieser Keule, die er\nüberall, wo Noth an den Mann geht, drein schmeisst. Er\ngönnt den lustigen Brüdern ihr lustig Lied nicht, er warnt\nden Raoul didaktisch confessionel:\neiite le festin, und als die heiteren Gesellen losbrechen:\n„Au seul objet de matendresse buvons\", da brüllt der Gute,\nbegleitet von Paukengeschmetter im fff:\net seul soutien,und gleich darauf ppp: fim-\nplore. Nicht vernünftiger noch heiliger ist die andere Stelle,\nwo Marcel zwischen das Unisono von 3*2 Tacten (wie\nSt. Bris dem Raoul seine Tochter anbietet, dieser sich wei-\ngert, jener sehr zornig wird, Valentine jammert, Margarethe\nvergeblich Frieden räth) — urplötzlich mit dem Choral da-\nzwischen haut! Und so fort — Das heisst\nnun ein polilisch-historisch-religiöses Drama, wo die Politik\nein Spielwerk in der Hand eines liederlichen Weibes und\nähnlicher Männer, wo die Geschichte entstellt, die Religion\nerlogen ist! — Was sonst noch von Texten insgemein\nvorliegt, ist zum geringsten Theile der Rede werth, und\nwir begnügen uns, an jenem äusserlich glänzenden Muster\ndie Ansicht im Allgemeinen dargelegt zu haben, wie wenig\npoetisch und musicalisch der gefeiertste Textdichter begabt\nist — weltlich vielleicht, doch nicht in dem Sinne, der uns\nals die echte Art, gesund und gesundmachend, erschienen\nist. — —\nDie Oper könnte nächst der Gesundung der Texte und\nVereinfachung der Handlungen nirgend besser in die Schule\ngehen, als bei dem alten Volksliede. Dies hat Auber ge-\nfühlt, und für diesen einzigen Blick ist ihm mehr zu danken,\nals für all das Gesungene, was nicht gesungen ist in seinen\ndürren, leblosen Tönen; die hübschen neapolitanischen\nVolkslieder dagegen sind die wahre Lebendigkeit seiner\nOper, und haben nächst Scribe alleiniges Verdienst an dem\nRuhme derselben. — Wenn wir nun für diesen Augen-\nblick an eine Erhebung der Oper nicht glauben, so lassen\nwir alle Rathschläge lieber bei Seite und wenden uns zu\nden geselligen Kreisen, wo weltliche Musik erklingt\nund mit Recht gehegt wird. — —\nSollen die eigentlichen Concerte künstlerische Bedeu-\ntung haben, so müssen die Leitenden vor Allem bedacht\nsein, nur ganze und wirkliche und dem Orte ange-\nmessene Kunstwerke vorzuführen; also nicht Bruch-\nstücke, nicht Etüden, nicht einsame Lyrik, sondern abge-\nschlossene Dichterwerke, wahrhaft erfreuliche oder be-\n*\ngeisternde Sätze, grosse Chor- und Ensemble- und Orche-\nster-Musik. Einzelne Opernsätze verhalten sich, wie die De-\nclamation eines Schiller'scben Monologs in der Schule: dem\nKenner sind sie werth, dem Unbekannten in ihrem Wesen\nnicht verständlich; nur als historische Zeugnisse oder als\nMahnungen an werthvolle, im Tageslauf vergessene Opern\nmögen sie erweckend wirken; selbstständigen Kunstwerth\nhat ein Bruchstück nicht. Mit jener Einschränkung auf\nhistorische Zwecke müsste man also folgerecht alles Rein-\ndramatische von Concerten ausschliessen; und doch drän-\ngen sich hier am häufigsten die sogenannten Bedürfnisse\nder Gegenwart ein, denen einstweilen, bis ein höherer\nSchwung des Kunstlebens auch den Concerten ihren Ernst"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "375", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561122-01.1.3", "texte": "wiedergibt, mit Concessionen genügt werden möge, so weit\nnur nicht solche Opernbrüche das ganze Programm beherr-\nschen. Dagegen ist, wozu es vieler Mitwirkenden und eben\nso eines reichen Hörerkreises, auch heiterer erregter Stim-\nmung bedarf, die grosse Instrumental -Musik unse-\nrer Zeit, das wellliche Orchester, Sinfonie, Ouvertüre,\nQuartett, Trio etc. im öffentlichen Concerte recht eigent-\nlich zu Hause. Ihr gegenüber die grosse Chor-Musik\nin möglichst abgeschlossenen Kunstwerken; denn hier fin-\nden sich noch häufigere Concessionen, auch gerechtere, in\nso fern manches Oratorium ohne fragmentarische Auffüh-\nrung kaum bekannt wird, viele der trefflichsten um äusse-\nrer Schwierigkeiten willen nicht oft im Ganzen zu Gehör\nkommen. Seinem Wesen nach ist das Concert veredelte\nGeselligkeit, künstlerische Zusammenkunft ohne bestimmte\nTendenz; diese scheinbare Zerrissenheit wird der Kunst\nschädlich, wenn nicht ein fester Ausgangspunkt von künst-\nlerischen Zwecken hergenommen wird. Der einfachste ist,\nder höheren Geselligkeit ein Vorbild zu sein, oder vorbild-\nlich das Beste, was auch häuslichen Kreisen Künstlerisches\nangehören möchte, vollständig und vollkommen auszuführen.\nDiesemnach dürfen auch Solosätze von objectivem Gehalt,\nVirtuosenspiel, Volkslieder etc. im Concert Eingang ver-\nlangen.\nDie letzteren, aus öffentlicher Darstellung in die Einsam-\nkeit hinüber genommen, bilden den Stoff der häuslichen\nMusik. Während Orchester und Chor dem Concert, so eig-\nnet dagegen die Sonate und das Volkslied dem einsamen\nKunstleben und der veredelten freien Geselligkeit. Dies\nscheint so einfach begreiflich, und ist doch so selten in der\nWirklichkeit erfüllt. Wenn ein grosser Kenner des Kunst-\nwesens es beklagt, wie sehr die Musik ihren hohen Einlluss\nauf das Gemüth der Menschheit verloren, so liegt der Grund\nnächst den übrigen Verkehrtheiten, die wir bisher erörtert,\nganz besonders in der unkünstlerischen Weise, wie im Con-\ncert der Director, im Hause der Musiklehrer unsere edle\nKunst handhabt. Wird mehr als die Hälfte der Jugend mit\nFinger-Uebungen ohne poetischen Genuss hingebracht,\nnehmen die Etüden und Solfeggien den Raum alles Unter-\nrichts dahin, bleiben die Kraft-Sonaten unserer besten Zeit\ndem Concert allein aufgespart, bleibt das Volkslied und der\nChoral neben den glänzenden Opern-Arien unbekannt: so\nist die Gleichgültigkeit sehr natürlich, die man derblasirten\nJugend Schuld gibt: ein günstiges Zeichen vielmehr, wenn\nsie sich beim Gleichgültigen gleichgültig verhält! Immer\nnoch die alte Klage: wer verschuldet den Verfall der Kunst?\n—•— Und doch ist die Aufgabe nicht so gar gross, im\nHause wie in der Oeffentlichkeit das Vernünftige und Ge-\nmässe anzufassen. Alt-England zu Shakespeare's Zeiten hatte,\nwie die Sage geht, einen Schatz von Volksliedern, der seit-\ndem in Büchern versickert, zum Theil verloren ist; damals\nwar jede gesellige Lust, wie in Norddeutschland zu Eccard's,\nRist's, Alberus' Zeiten, durch liebliche Rundgesänge ge-\nwürzt: seitdem sind wir stumm geworden wie die Englän-\nder und doch nicht künstlerischer, vielleicht etwas gelehr-\nter, als unsere guten Alten. Damals sangen sie auch noch\nhier und da zum Tanz, wie in den Ritterzeiten; heute schämt\nsich nicht bloss der Ciaviermeister, sondern gar das gebil-\ndete Fräulein, zum Tanz aufzuspielen oder ein Volkslied zu\nbegleiten; darum ist der Tanz auch zur Tändelei, der Ge-\nsang zum Gewimmer gesunken, und wir haben nur die ab-\nstracten Pole behalten: den seelenlosen Ballet-Tanz und\nden verspotteten geselligen, das unwahre Operngesinge und\ndas ungelenk gewordene Volkslied. Ein Fortschritt zu edle-\nrer Welllichkeit ist allerdings gegeben in den häufiger ge-\nwordenen Volkslieder-Sammlungen. Damit aber diese noch\nmehr, als es bisher geschehen, in alle Kreise des Lebens\neindringen mögen, ist eine grössere Sorgfalt in der Her-\nstellung der echten ältesten Gestalt vonnöthen; einfache\nwohlfeile Ausgaben, wo möglich einstimmig, aller Harmo-\nnisirung sich enthaltend, werden genügen, um der geselli-\ngen Lust neuen Stoff zu geben. Ein kleines Maass gu-\nter Volkslieder ist noch in den Studenten-Liedern ge-\nblieben ; doch leider schwinden auch diese dahin bei dem\nveränderten Zustande der Universitäten. Traurig mag\nman es nennen, dass wir gezwungen sind, die schönen Lie-\nder, die einst von Mund zu Munde gingen, durch mühe-\nvolle Schrift dem Untergange zu entziehen; lästig mag wohl\nmanchem erscheinen, wenn ein mehr gelehrter als empfin-\ndender Sammler, in übermässigem Sammlerlleiss der Schön-\nheit nicht gedenkend, um der Historie willen viel trockenen\nBuchstabenkram in seine Lieder aufnimmt, oder ein Ent-\nzücken am Kleinlichen ausspricht, das wir nicht begreifen;\ndennoch sind solche Sammlungen für die Gegenwart wich-\ntig genug, um selbst für Halbgelungenes dankbar zu sein.\nEin recht kernhaftes Volksliederbuch mangelt uns noch,\ndas für alle Geselligkeit als Grundbuch gölte: vielleicht noch\nlange, vielleicht immer, wie das in deutschen «Allge-\nmeinheiten\" gewöhnlich so geht. In Einem wenigstens\nhaben wir uns nicht zu beklagen: die Fülle des Gesanges\nohne Schrift liegt so reichlich vor, dass wir um den\nMangel eines specifischen Patrioten-Liedes, ähn-\nlich dem God save the hing oder nicht zu\nerröthen brauchen; denn dem Deutschen ist so viel gege-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "376", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561122-01.1.4", "texte": "ben, dass ihm auch hier, wie sonst, die centralisirte Einheit\nfehlt. Dennoch möchten wir unsere zerfahrene Vielfältigkeit\nnicht tauschen mit dem trockenen dem declama-\ntorischen Geschrei ga ira,dem, ach! so kläglichen slawischen\nJammer des czaarischen Hof-Dichters Lwoff und meinen\ndagegen: unser „Prinz Eugen\" „Es ritten drei Reuter\"\n„Frisch auf zum fröhlichen Jagen\" „Lützow's\nJagd\" wiegen viele fremde auf, wo nicht alle; denn selbst\ndas stolz-herrlichste von allen, das echteste Volkslied, wo\nSinn und Schöne Eins geworden: Rule Britannia dieses\nhat ein Deutscher gesungen. Wenn übrigens Deutschland\npolitisch Eins sein wird, dann werden wir auch Vaterlands-\nlieder haben besser als England, besser als wir selbst mit\nRhein- und Holsteins-Liedern.\nHeiteres Volkslied, neckischer Tanz, muntere, offene\nGeselligkeit ohne eitles Rennen würden Hand in Hand\ngehen und Allen zu Gute kommen, wenn die Künstler,\nmehr noch die Lehrer der Kunst, die Grösse ihrer Aulgabe\nerkännten. Allerdings setzen wir mit unseren Forderungen\neinen Zustand voraus, der in den nächsten Jahren kaum\nallgemein werden kann; so erlaube man uns denn den\nTraum einer Herstellung, die vielleicht unseren Enkeln zu\nGute kommt, wo das deutsche Volk seines Liedes wieder\nfroh wird, wo es hefreit sein wird von Concerten voll Lan-\ngerweile, von Opern voll Tendenzen und ohne Musik, von\ntragen und Klagen um echte Tonkunst. Eine Aulgabe ist's,\nan der wir alle arbeiten sollen, der Musik ihren heiligen\nEinfluss auf das Gemüth wieder zu geben. „Zwar ist es\nleicht, doch ist das Leichte schwer.\"\n\nMozart's Cosi fan tntte.\n\nDresden, den 10. Nove m b e r.\nNachdem in Dresden vor wenigen Jahren der Idome-\nneus wieder erstanden, hat sich in neuester Zeit auch\n[an tutlehier als Phönix auf dem Repertoire niedergelas-\nsen. Somit glänzt nun bei uns vollzählig das Siebengestirn\nder classischen Opern Mozarl's. Endlich ist das möglich\ngeworden, und zwar, seitdem wir im Besitz von Frau\nBürde-Ney sind, deren Stimme man einen Helden-Sopran\nnennen muss; erstens, weil sie alle schwierigen Aufgaben\nbesiegt, und dann, weil sie uns doch eigentlich damit den\nWiedergewinn der genannten Opern erobert hat. Das gibt\nzugleich der Hoffnung auf das Wieder-E'rscheinen Gluck's\nneue Nahrung. Doch freuen wir uns an dem, was wir ha-\nben, und da wir schon Gelegenheit fanden, über Idomeneus\nzu berichten, sprechen wir nun von Cosi fan lulle. Der\nText zu dieser Oper, der schon früher von der Kritik ver-\ndammt wurde, ist freilich nicht besser geworden: oberfläch-\nlich und abgeschmackt, aber doch unbefangen dabei\nwährend in vielen unserer modernen Opern das Abge-\nschmackte und Oberflächliche sich mit dramatischen Fetzen\nbehängt, oder poetisch zu schminken versucht, wodurch es\nnur noch widerlicher wird. Also: trotzdem über den Text\nim Ganzen der Stab gebrochen bleibt, bleibt eben so die\ndazu gehörige Musik ein Nektar und Ambrosia, wodurch\ndas an sich Ungeniessbare des Textes nicht bloss geniess-\nbar, sondern eigentlich ganz aufgelöst wird. Wir stehen\nhier buchstäblich vor einem Wunder Mozart'scher Schö-\npfung; denn wie sollte man es für möglich halten, zu einem\nmehr als mittelmässigen Libretto eine so tadellose Musik\nzu componiren? Wer diese Oper noch nicht kennt, ver-\nmuthet etwa, dass sich Mozart in diesem verdriesslichen\nFalle vielleicht so zu helfen versucht hätte, wie manche ita-\nliänische Componisten, die sich oft gar nicht um den Text\nkümmern und ihre Melodieen ganz das Entgegengesetzte\nvon den untergelegten Worten sagen lassen. 0 nein! Mo,-\nzart machte es anders und darin eben liegt das Wunder.\nIn die plumpe Skizze der Worte malte er mit charakteristi-\nschen Strichen und köstlichen Farben eine Musik, die so\ngänzlich in die gegebenen Umrisse passt und doch so an-\nderen Gehalt hineinlegt: aus dem vorhandenen rohen Ma-\nterial meisselt er ein vollendetes Standbild; auf dürrem,\nwüstem Boden zaubert er eine Fata Morgana fest. Wollt\nIhr das nicht glauben, so denkt doch nur an geniale Sän-\nger, welche durch ihren Vortrag aus unscheinbaren, unbe-\ndeutenden Liedern bedeutende machen, an geniale Schau-\nspieler, die eine Neben-Rolle zu einer wichtigen erheben;\ngerade so ist es auch Mozart gegangen, als er seine\nMusik zu Cosi f'an lutte und noch manches Andere compo-\nnirte. Daher kommt es denn, dass hier die Handlung ganz\nin Musik aufgegangen zu sein scheint, oder wenigstens, dass\nman von dem groben Faden, der einem so köstlichen Gewebe\nzur Anknüpfung diente, ganz und gar absieht. Die Handlung\nan sich betrachtet, verläuft ungefähr folgender Maassen:\nZwei Cavaliere, Ferrando und Guilelmo, sind Verlobte zweier\nSchwestern, Dorabelia und Fiordiligi. Die Liebhaber sind\nentzückt von ihren Schönen, während ein alter Freund,\nAlphonso, als verneinender Geist ein für alle Mal die Frauen-\ntreue bezweifelt und das Motto: fest hält.\nDas regt zu einer Wette an, welche sämmtliche Herren\neingehen. Die verlobten Schwestern sehen wir ebenfalls\nglücklich und damit beschäftigt, die Portraits ihrer Gelieb-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "377", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561122-01.1.5", "texte": "ten einander zu zeigen und zu rühmen, als der alte Alphonso\nmit der Nachricht eintrifft, dass die verlobten Herren in den\nKrieg müssten und abreisen würden. Darauf erscheinen die\nHerren mit betrübten Mienen, wodurch es ihnen auch ge-\nlingt, ihre Dräute vollkommen zu täuschen. Diese sagen\nihnen schluchzend Addio, und begleiten sie noch nach der\nAbfahrt mit innigen Blicken und Wehmuth. Nachdem die\nSchwestern sich selbst überlassen sind, fasst sie Traurigkeit\nund Verzweiflung, und man hört sie sich wechselseitig ihr\nLeid klagen. Das Kammermädchen Despina sucht sie darüber\nmit leichtfertigen Bemerkungen zu trösten. Die Damen\nziehen sich kummervoll in ihre Gemächer zurück. Darauf\nkommt Alphonso, dem Kammermädchen zwei Fremde als\nseine besten Freunde anzukündigen und für dieselben um\nfreundliche Aufnahme zu bitten. Nun erscheinen Ferrando\nund Guilelmo möglichst unkenntlich gemacht, so dass die\nerstaunte Despina nicht weiss, ob sie dieselben für Piraten\noder sonst etwas halten soll. Einige Goldstücke, welche sie\nvon den Herren empfängt, beruhigen sie, und gleichzeitig\nübernimmt es Alphonso, sie in den Betrug einzuweihen\nund ihr sogar eine darin thätige Rolle zu erlheilen. Als die\nSchwestern wieder erscheinen, wollen die verkleideten Frem-\nden deren Herzen sogleich im Sturm erobern, was diese\naber mit Schrecken und Entrüstung zurückweisen. Beim\nzweiten Angriff, wo die vermeintlich unglücklichen neuen\nLiebhaber im Garten vor den Augen der Damen einen To-\ndeskampf affectiren, den ihnen ihre gebrochenen Herzen\nverursachen, antwortet doch das Mitgefühl: erst leiser, dann\nimmer lauter, und man schickt nach dem Doctor um Ret-\ntung. Despina erscheint, als Arzt verkleidet, und lässt die\nSterbenden durch Anwendung des Magnetes urplötzlich\nwieder genesen. Das Mitgefühl bei den Damen lässt sich\nnun nicht mehr unterdrücken, obwohl bei der ungebührlich\nschnellen Forderung der neuen Liebhaber um einen Kuss\ndas Ehrgefühl sich wiederholt empört. Endlich aber gibt\nzuerst Dorabella den Bitten Guilelmo's und später Fiordiiigi\ndem Flehen Ferrando's Gehör, während ursprünglich Fer-\nrando der Geliebte Dorabella's, und Guilelmo der Fiordiligi's\nist. Alphonso hat also nun die Wette gewonnen, räth aber\nzugleich den entrüsteten Liebhabern, die Sache als Spass\nzu betrachten, indem er wiederholt ausspricht, dass es ein-\nmal Alle so machten. Dies wird dann auch befolgt, und\nnachdem alle Masken fallen, die Damen erschrocken und\nbeschämt um Verzeihung flehen, welche sie nach einigem\nZögern erhalten, tritt allgemeine Wieder-Versöhnung ein.\nAus dieser grob zugeschnittenen Textes-Unterlage nahm\nalso der Genius Mozart's dennoch verschiedene Winke wahr,\num prachtvolle Combinationen herauszustellen. Die Musik\nzeigt uns eine fortlaufende Intrigue, deren Faden nie ab-\nreisst, während wir in der Handlung bloss eine langweilige\nLüge sehen. Man muss sich mit eigenen Obren von allen\nden überraschenden Einfällen überzeugen und sich selbst\nvon diesem poetischen Regen übergiessen lassen, um es für\nwirklich zu halten. Die Ensembles, deren es in dieser Oper\nviele gibt, sind lauter Prachtstücke in Darstellung der ver-\nschiedensten Charaktere und Gefühle zu gleicher Zeit es\nsind immer Gruppen verschiedener Personen und Situatio-\nnen, auf Einem Gemälde harmonisch vereinigt. Im ersten\nActe reihen sich z. B. zwei Abschieds-Quintette fast dicht\nan einander, und doch wiederholen sie keineswegs ihre\nPhrasen, sondern gleichen sich bloss in ihrem hohen musi-\ncalischen Werthe. In den Sextetten gibt die Stimme der\nDespina die Gegenbewegung zu den Parallelen der beiden\nFrauenstimmen, während Alphonso ebenfalls selbstständig\nneben den sich gleichenden Interessen der Herren bleibt.\nMan muss beim Anhören dieser Oper alle Aufmerksamkeit\nanspannen, um sich nichts entgehen zu lassen; denn es ist\nein unaufhaltsam sprudelnder Humor, der geistreiche Re-\ndensarten von Singstimmen und Orchester wechselseitig\naussprechen lässt. Die Beziehungen greifen oft so schnell in\neinander, dass man Mühe hat, sie im Gedanken fest zu hal-\nten, und oft scheint der Muthwille in Person durch alle In-\nstrumente zu laufen und sich unter dem leichten Zügel der\nAnmuth nach Herzenslust zu bewegen. Ja, es ist ein wah-\nrer Reichthum! Und dazu liegt ein harmonischer Reiz, eine\nromantische Färbung auf dem Ganzen, so dass man sich\nunausgesetzt in einem glücklichen geistigen Klima fühlt.\nAusser den grösseren Ensembles sind auch alle übrigen\nEinzelheiten der Oper frisch und voll köstlichen Inhaltes:\ndie reizenden Duette der beiden Schwestern, ihre Arien,\ndie leichtfertigen, aber graciösen Arielten der Despina, das\nwonnevolle Terzett zwischen den beiden Schwestern und\nAlphonso, das Lach-Terzelt der Herren u. s. w. Der mu-\nsicalischen Behandlung nach sieht Figaro's Hochzeit den Cosl\nfan tutte schwesterlich ähnlich, weil hier wie dort die In-\ntrigue ihr blitzendes Spiel treibt und die kunstvollsten En-\nsembles zusammenschürzt. Jedoch ist nicht zu läugnen,\ndass Figaro ausserdem für die Musik bei Weitem mehr dra-\nmatische Entwicklung und Steigerung zulässt, nächstdem\nauch für die Ensembles grössere Abwechslung der Situa-\ntion herbeibringt, und endlich in den verschiedenen Arien\nmehr Müsse für den Ausdruck der Gefühlstiefe und Lei-\ndenschaft erlaubt, woran Ohr und Seele nicht genug sich\nsättigen können."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "378", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561122-01.1.6", "texte": "Aus der Betrachtung jedes classischen Werkes von\nMozart erhellt aber immer wieder: dass er ein unübertroffe-\nner musicalischer Poet ist, und besonders belehrt uns\nfan lutte,dass er vermochte, herrliche Musik auf einen Text\nzu dichten, gegen den Don Juan, die Zauberflöte u. s. w.\nwahre poetische Kunstwerke sind.\n\nL. Nitzsche, geb. Kindscher.\n\nBeethoven's Musik zu dem Ballet: Die Geschöpfe des\nPrometheus.\nEs hat sich hier und da die Annahme geltend gemacht\nwir wissen nicht, auf welche Quelle gestützt —, als\nsei die oben genannte Composition von Beethoven nie auf-\ngeführt worden. Herr Dr. Leopold Sonnleithner in\nWien widerlegt diese ganz unbegründete Annahme durch\nfolgenden Aufsatz in den wiener „Blättern für Musik\" u.\ns. w., den wir als einen interessanten Beitrag zur Geschichte\nder Beethoven'schen Werke mittheilen:\n„Das Ballet: Die Geschöpfe des Prometheus,\nwurde zum ersten Male im k. k. Hof-Burgtheater in Wien\nam 28. März 1801 aufgeführt, wie der unten folgende\nTheaterzettel nachweist, der hier vollständig raitgetheilt\nwird, weil er die Namen der Personen und den Inhalt der\nHandlung enthält, der zum besseren Verständnisse der Mu-\nsik dient. Dieses Ballet wurde günstig aufgenommen und in\nden Jahren 1801 und 1802 ziemlich oft gegeben. Es\nverschwand nun für viele Jahre von der wiener Bühne. Erst\nam 18. November 1843 wurde im Kärnthnerthor-Thealer\nin Wien aufgeführt: Die Geschöpfe des Prometheus,\nmythologisches Ballet in 2 Acten und 6 Abtheilungen,\nconjponirt und in Scene gesetzt von August Hus, Ballet-\nmeister dieses Theaters, mit Musik von Beethoven, Mozart\nund Haydn. Dieses Ballet ist von dem älteren gänzlich ver-\nschieden; doch wurden die interessantesten Stücke der\nBeethoven'schen Musik dabei benutzt. Auch in dieser Ge-\nstalt gefiel Prometheus und wurde in den Jahren 1843\nund 1844 oft gegeben, und vom 1. October 1845 an,\nals neu in Scene gesetzt, wieder aufgeführt. In späteren\nJahren fand keine Wiederholung Statt.\n„Die Ouvertüre und mehrere einzelne Nummern der\nPrometheus-Musik wurden im k. k. Hof-Burgtheater häufig\nals Eingangs- und Zwischen-Musik zu Schauspielen benutzt.\n„Am 22. Mai 1843 wurde zu Mailand im Theater\nAtta Scala gegeben; Prometeo, ballo milologico in 6 atli,\ninventalo e posto sulle scene\nDie Handlung und deren Bearbeitung weicht von der ersten\nwiener Bearbeitung wesentlich ab, wie das vorhandene Pro-\ngramm zeigt. Dazu wurde Beethoven's Musik benutzt, aber\nmit Einschaltung mehrerer Tonstücke von Jos. Haydn und\nanderen Meistern.\n„Die erste Concer t-Production dieser Musik fand in\nWien am 4. März 1841 im Concert spirituel Statt, wobei\ndie von Herrn J. G. Sei dl verfasste poetische Einleitung\nund Erläuterung von der k. k. Hof-Schauspielerin Frau\nRettich declamirt wurde. In gleicher Weise führte die\nGesellschaft der Musik-Freunde des österreichischen Kaiser-\nstaates dieses Werk am 20. Febr. 1853 im k. k. Redouten-\nSaale in einem ihrer Gesellschafts-Concerte auf, wobei Frau\nMitter-Weissbach das verbindende Gedicht vortrug. Dies\nsind die dem Gefertigten bekannt gewordenen öffentlichen\nAufführungen. Dr. Leopold Sonnleithner.\n„Der besagte Theaterzettel lautet wörtlich folgender\nMaassen:\nIm k. k. Hof-Theater nächst der Burg wird von den k. k.\nHof-Operisten Samstag den 28. März 1801 aufgeführt:\nzum Vortheile der Mlle. Casentini:\nDer Dorfbarbier.\nEin Singspiel in 1 Aufzuge. Nach dem Lustspiele dieses\nNamens bearbeitet.\nNachher zum ersten Male:\n» *\nDie Geschöpfe des Prometheus.\nEin heroisch-allegorisches Ballet in zwei Aufzügen. Von der\nErfindung und Ausführung des Herr Salvatore Vigano.\nPersonen:\nPrometheus Hr. Cesari. Thalia Mad. Cesari.\n/ Mlle. Casentini. Melpomene Mad. Renth.\n\\Hr. Salv. Vigano. Apollo.\nBachus Hr. Ferd. Girja. Anfione. ......\nPan Hr. Aichinger. Arione. ......\nTerpsichore Mad. Brendi. Orpheus.\n„Inhalt: Die Grundlage dieses allegorischen Ballettes\nist die Fabel des Prometheus.\n„Die Philosophen Griechenlands, denen er bekannt war,\nerklären die Anspielung der Fabel dahin, dass sie denselben\nals einen erhabenen Geist schildern, der die Menschen zu\nseiner Zeit in einem Zustande von Unwissenheit antraf, sie\ndurch Künste und Wissenschaften verfeinerte und ihnen\nSitten beibrachte.\n„Von diesem Grundsatze ausgegangen, stellen sich im\ngegenwärtigen Ballet zwo belebt werdende Statuen dar,\nwelche durch die Macht der Harmonie zu allen Leiden-\nschaften des menschlichen Lebens empfänglich gemacht\nwerden."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "379", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561122-01.1.7", "texte": "„Prometheus führt sie auf den Parnass, um sie vom\nApoll, dem Gott der schönen Künste, unterrichten zu las-\nsen. Apoll befiehlt dem Amphion, dein Arion und dem\nOrpheus, sie mit der Tonkunst, der Melpomene und\nder Thalia, mit dem Trauer- und Lustspiele, der Terpsi-\nchore und dem Pan, sie mit dem von dem letzteren erfun-\ndenen Schäfertanze, und dem Bachus, mit dem heroi-\nschen Tanze, dessen Erfinder er ist, bekannt zu machen.\n„Die Musik ist von Herrn van Beethoven.\n„Die Decorationen sind von Herrn Platzer, k. k. Hof-\nKammermaler und Hof-Tbealral-Decorateur. Der An-\nfang ist um halb 7 Uhr.\"\n\nDie neue Orgel im Münster zu Ulm.\nDer längst ersehnte Augenblick der Vollendung der\nneuen Orgel im Münster war gekommen. Wralcker in Lud-\nwigsburg, der berühmte Orgel-Baumeister, übergab sie der\nKirchenstiftungs-Behörde zur Prüfung, und um 12. Oct.\nward sie feierlich geweiht. Diese Orgel, eines der grössten\nWerke, die je gebaut worden sind, hatte schon eine lange\nGeschichte, bevor sie nur fertig war. Bis ins Jahr 1838\nzurück datirt sich der erste Plan und Ueberschlag Wal-\ncker's. Gegen Ende des Jahres 1845 fertigte er einen drit-\nten Plan zu 80 Stimmen und einem Kosten-Anschlag von\n23,000 Gulden. Anfangs des Jahres 1846 kam Walcker's\nvierte Disposition mit 94 Stimmen und einem Kosten-An-\nschlag von 28,000 Gulden. Er ward angenommen; doch\nzogen sich die Berathungen wegen der Orgelstellung da-\nzwischen hinein, so dass der definitive Beschluss erst am\n30. Nov. 1848 gefasst und der Vertrag mit Walcker end-\nlich am 11. Jan. 1849 unterzeichnet wurde. Vom 22.\nJan. bis 17. März 1849 wurde die alte Orgel mit ihrem\nUnterbau abgetragen, am 26. August 1850 mit der Fun-\ndation des neuen Unterbaues begonnen. Im Monat Mai\n1854 konnte Walcker mit der Aufstellung der neuen Orgel\nanfangen, und im Sept. 1856 war dieselbe beendigt; sie\ndauerte somit zwei Jahre und vier Monate; von Unterzeich-\nnung des Vertrages bis zur Einweihung der Orgel verliefen\ndagegen sieben Jahre und neun Monate. Sie hat 4 Manuale\nund 2 Pedale, im Ganzen 94 klingende Stimmen, ferner\n6286 Pfeifen, 18 Blasbälge u. s. w. Dabei sind alle tech-\nnischen und mechanischen Vervollkommnungen angebracht,\nwelche das Werk auf die höchste Stufe der Orgelbaukunst\nzu heben vermögen, und, was die Hauptsache ist, der un-\nendliche Reichthum in Stimmen und Tonweisen ist mit einer\nReinheit und Schönheit derselben gepaart, dass der Bau-\nmcister sich in diesem Werke wahrhaft ein bleibendes Denk-\nmal gesetzt hat. Am 13. October fand nun zur Feier der\nOrgel-Einweihung ein Orgel-Concert Statt. Aus der Nähe\nund bis aus weiter Ferne waren auf öffentliche Einladung\ndes Kirchen-Conventes viele Hunderte von Menschen zu-\nsammengeströmt, um die Orgel zu hören, und Alles war\ngespannt, aber Wenige wurden befriedigt. Wir übergehen\nvorübergehende Störungen. Doch dass die Orgel selbst einen\nbleibenden Mangel hat, der zum ersten Male den Zuhörern\nzum Bewusstsem kam, das wirkt unabänderlich zu ihrem\nNachtheil. Die Orgelstellung war vom Augenblick ihrer\nWahl an vom architektonischen Standpunkte aus verur-\ntheilt, aber sie wurde um der Akustik willen .vertheidigt.\nNun hegt aber am läge, dass auch dieser Grund unwahr\nist. Die Orgel präsentirt sich dem Auge nur zwischen die\nThurmpfeiler eingeklemmt, und zeigt sich, da sie zugleich\nvon der Profil-Ausladung des grossen Scheidebogens zwi-\nschen Thurmhalle und Mittelschiff an den Seiten verdeckt\nwird, von keinem Standpunkte aus als ein Ganzes. Dervon\nder Orgel ausgehende Schall wird nun von diesen Bogen-\nVorsprüngen bedeutend gehemmt und zurückgeworfen, denn\ndie akustischen Gesetze sind mit den katoptrischen hierin\nnahe verwandt. Dazu kommt noch, dass die Massen von\nfeineren Tönen, welche hinter den vorderen Riesenpfeifen\naufgestellt sind, sich für das Ohr des in der Kirche unten\nbefindlichen Zuhörers nicht in ihrem vollen Werthe zu ent-\nwickeln und zur Geltung zu bringen vermögen; sie werden\nvon ihrer Umgebung gedrückt. Diese mit der Stellung und\nAnordnung der Orgel unzertrennlich verbundenen Nach-\ntheile, die der Erbauer durch die Erhöhung der früher pro-\njectirten 80 auf 94 Register selbst zugab und zum Theil\nbeseitigen wollte, hatte er die Pflicht, durch die Wahl einer\nanderen Stellung zu vermeiden, wobei es immer noch da-\nhingestellt bleibt, ob sein sonst so kunstreiches Werk an\ndieser Stelle durch die Einflüsse der Zugluft und des Wit-\nterungs-Wechsels nicht früher in einem Grade Noth leidet,\ndass ein bedeutender Theil der aufgewandten Kosten da-\ndurch nutzlos wird.\n\nDeutsche Tonhalle.\nAuf unsere Anzeige vom 8. Ostermonat d. J., dass der Verein\nden Preis von 250 Gulden rhein. für Musik zur „Jungfrau von\nOrleans\" von Schiller ausgesetzt habe, sind uns in der bis Ende\nv. M. bestimmten Einsendungszeit zweiundzwanzig Preisbewerbungs-\nWerke zugekommen, welche wir nun den nach den Vereinssatzun-\ngen (14b. und c.) erwählten drei Herren Preisrichtern zur Beur-\ntheilung nach und nach zusenden."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "380", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561122-01.1.8", "texte": "Der Erfolg wird geehrte Redaetion dieses Blattes auf unser Er-\nsuchen bekannt machen.\nWegen Rückgabe bezüglicher Bewerbungen machen wir die\nHerren Verfasser wiederholt aufmerksam, dass solche nicht mittel-\nbar und nur nach Inhalt gedachter Satzungen bewirkt werden\nkann; welche wir, wie bisher, auch ferner auf Verlangen durch\npostfreie Briefe oder Handelsgelegenheit abgeben.\nMannheim, 4. November 1856. Der Vorstand.\n\nTages- und Unterhaltimgs-Blatt.\n** Elberfeld. Am 15. d. M. kam die Zerstörung von\nJerusalem, Oratorium von F. Hiller, unter Leitung des Com-\nponisten, zur Aufführung. Dieses herrliche Werk, welches mit der\nFrische jugendlicher Phantasie die Klarheit durchgebildeter Formen-\nbeherrschung, feinsten Geschmackes für die Farbe der Instrumen-\ntation verbindet, dessen Schöpfung in die glückliche Periode ge-\nhört. in welcher Hiller mit seinem verewigten Freunde Mendels-\nsohn um die Palme rang, wurde mit wärmster Begeisterung aufge-\nnommen.\nDie Aufführung war durch Herrn Musik-Director H. Schorn-\nstein sorgfältigst vorbereitet, der Chor sang mit Feuer und Hin-\ngebung, die Soli waren besetzt durch die Damen Frl. Danne-\nmann (Chamital) und Frl. Hammer. Die Alt-Partie hatte eine\nDilettantin aus' Elberfeld freundlichst übernommen. Frl. Danne-\nmann hat in der letzten Zeit bedeutende Fortschritte gemacht, ihr\nOrgan gewinnt an Fülle, der Vortrag zeugte von Verständniss und\nkünstlerischem Gefühl. In Herrn Göbbels aus Aachen, Schüler\nder Rheinischen Musikschule (wie früher auch die genannten Da-\nmen), welcher die Tenor-Partie sehr schnell übernommen hatte,\nmachte man die Bekanntschaft einer angenehmen, wohllhuenden\nTenor-Stimme, mit reiner Intonation und seelenvollem Vortrage.\nHerr Schleifer sang die Partie des Jeremias mit seltener Aus-\ndauer, mit grösserer künstlerischer Wärme und Nuancirung, als wir\nuns erinnern, jemals diesen trefflichen Bariton gehört zu haben.\nEsse». Herr Karl Hartmann (Sohn des verstorbenen Con.\ncertmeisters Hartmann in Köln), der als Sänger von Herrn E. Koch\nausgebildet ist, hat hier am 12. d. M. seinen ersten theatralischen\nVersuch als Stradella in Flolow's gleichnamiger Oper mit Erfolg\ngemacht. Er wurde am Schlüsse gerufen, und die Oper wurde kurz\ndarauf wiederholt.\nKerlin. In der Versammlung des Tonkünstler-Vereins am\n18. Oct. legte Herr Dr. J urke sein noch ungedruckles Werk über\ndie physicalische Lehre vom Schalle vor, eine Arbeit von fast 30\nJahren, in welcher er die von Chladni gegebenen Grundlagen mit\nden seitdem gemachten Entdeckungen zu einem geordneten Ganzen\nzu verarbeiten sich bemüht und durchweg die Anwendung dieser\nLehre auf die Tonkunst und Tonwerkzeuge berücksichtigt hat. Der\nerste Theil handelt von den quantitativen Tonverhältnissen (reine\nTonlehre), von der Entstehung und Ausbildung des Tonsystems,\ndem Umfange hörbarer Töne der Stimmung u. s. f. Im zweiten\nTheile (Klanglehre) wird die Entstehung des Schalles betrachtet\nund, nach einer sorgfältigen Entwicklung der allgemeinen Gesetze\nder schwingenden Bewegung, von den einzelnen Arten der klin-\ngenden Körper, als: Saiten, Stäben, Glocken, Membranen, haupt-\nsächlich der Luft in Röhren, den Zungen und Rohrpfeifen, und\nendlich der Stimme des Menschen und der Thiere gehandelt. Hier-\nbei sind gegen 300 Tonwerkzeuge angeführt und grösstentheils\ntheoretisch erklärt. Der dritte Theil handelt von der Mittheilung\nder Schallschwingungen durch unmittelbare Berührung zwischen\nfesten Körpern, durch begränzten Luftraum, so wie durch Luft und\nW asser. Der vierte Theil bespricht sodann die Forlpflanzung des\nSchalles nach seiner Natur im Allgemeinen, Geschwindigkeit, Stärke,\nVerbreitung des Schalles im begränzten Räume, endlich durch\nGase, Wasser, starke Körper. Der fünfte Theil schliesst mit der\nWahrnehmung des Schalles durch das Gehör. Um sodann von der\nArt der Behandlung, zumal von dem Grade der Vollständigkeit des\nWerkes, ein Urtheil möglich zu machen, wurde ein einzelner Ab-\nschnitt vorgetragen, und dazu die Geschichte des Claviers gewählt,\nworin das Ciavier von seinen ältesten bis zu seinen jüngsten Ge-\nstaltungen (Hackbrett, Zimbel, Federflügel, Spinet, Pantaleon, Clavi-\nchord, Lauten- und Harfen-Clavier, Pianoforte u. s. f.) beschrieben\nwird. Hr. Dr. Jurke versprach, nächstens einen Vortrag über die\nGrundzüge einer akustischen Baukunst zu halten. (B. M.-Z.)\nLeipzig. Der Beschluss der Musicalien-Verleger zum Schutze\ndes Verlags-Eigenthums gegen die Directionen von Gesang-Vereinen\nund Liedertafeln klagbar zu werden, welche Stimmen von Chorge-\nsängen für ihre Vereine durch Umdruck haben herstellen lassen,\nstatt sie von den rechtmässigen Verlegern zu entnehmen, soll jetzt\nzur Ausführung kommen, auch soll zu gleicher Zeit in Sachsen und\nPreussen eingeschritten werden. Das Criminal-Gericht in Berlin,\nwelches einen Musicalienhändler wegen wiederholten Nachdrucks\nbestraft hat, wird gegen Dircctoren von Gesang-Vereinen eine nicht\ngeringere Strafe feststellen. -\nDas in diesen Blättern bereits früher als baldigst erscheinend\nangekündigte „System der Gesangkunst nach physiologischen\nGrundsätzen ein theoretisch-praktisches Lehrbuch von Dr. W.\nSchwarz\"--r ist in Hannover, Helwing'sche Buchhandlung, her-\nausgekommen. Nächstens mehr darüber.\nAm 4. Oct. ist Theodor Döhler in Moskau auf dem katho-\nlischen Kirchhofe feierlich zur Erde bestattet worden und bin-\nnen Kurzem wird ein Denkmal die Stelle bezeichnen, wo der da-\nhingeschiedene Künstler endlich seine letzte Ruhestätte fand. Döhler\nstarb nämlich, wie wir zur Zeit berichtet haben, vor acht Monaten\nin Florenz, und seine Gemahlin, aus der Familie Tscheremetiew in\nMoskau, wollte ihm in der alterthümlichen Kirche zu San Miniato,\nwo er begraben wurde, ein Monument setzen lassen. Weil jedoch\nein Russe, Herr Brulow, die Zeichnung dazu geliefert hatte und\nein deutscher Künstler, Hautmann aus München, dessen Ausarbei-\ntung übernehmen sollte, wurden dadurch locale Eitelkeiten und\nAnsprüche verletzt; man legte diesem Projecte so vielerlei Hinder-\nnisse in den Weg, dass Döhler's Gattin sich endlich entschloss,\nihrem Gemahle ein gastfreundlicheres Asyl in ihrer Geburlstadt\nMoskau zu sichern."}]}