{"numero_id": "bm-bmtnabi-1856-12-06-01", "volume": "bmtnabi_1856-12-06_01", "ocr_sha256": "df71ec58f8e41f72166a3b639961fc85bb0264cef2bded9dd333034165bd359a", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1856/12/06_01/bmtnabi_1856-12-06_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561206-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1856-12-06-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-12-06_01#c001", "volume": "bmtnabi_1856-12-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "389", "page_fin": "389", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561206-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "389", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561206-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 436, "texte": "Inhalt.\nMünchener Briefe (Hof-Capelle, Odeons-Concerte, Kammer-Musik, Oratorien-Verein). Von A. Z. Orgel-Com-\nPositionen (B. Braehmig D. H. Engel F Kühmstedt G. Merkel —Franz Rein - A. G. Ritter C. 11. Saemann H.\nSattler). Von V. D. Aus Münster (Elias). Von Kg. - Aus Barmen (Schumann's Gedächtniss Kammer-Musik). 111. Ge-\nsellschafts-Concert in Köln. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln Liedertafel in Berlin Stuttgart Wien Rotterdam)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-12-06-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-12-06_01#c002", "volume": "bmtnabi_1856-12-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "389", "page_fin": "391", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561206-01.2.2", "titre_corps": "Münchener Briefe.", "titre_sommaire": "Münchener Briefe.", "signature_source": "A. 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Wir haben vor Allem\ndie Odeon-Concerte, welche uns die grossen Instrumental-\nso wie Gesangs-Compositionen, namentlich der classischen\nEpoche, vorführen; daneben wird die ernste Kammer-Musik\nwohl gepflegt, und der Oratorien-Verein will uns Vocal-\nwerke der Kunstheroen zu Gehör bringen.\nW?e Treffliches im Allgemeinen die königliche Capelle\nunter der Leitung Franz Lachner's leistet, ist bekannt, und\nsie dürfte in manchen Leistungen von keinem Orchester\nerreicht oder übertreffen werden. Ein Theil der Capelle\nhatte in diesem Jahre ein Vorgefecht in Salzburg bei dem\nMozart-Feste zu bestehen; der Kern des dortigen Orche-\nsters, namentlich die Harmonie, bestand aus münchener Hof-\nMusikern, und es ist unläugbar grossentheils engherziger\nspecifisch-österreichischer Patriotismus gewesen, welcher\ndiesen Künstlern das Lob, das sie verdienten, bestritt. Den\nmeisten wiener Musikern war es durch Verbote der betref-\nfenden Theater-Directionen unmöglich gemacht worden, bei\ndem salzburger Feste mitzuwirken; von hiesiger Seite war\nman dem vaterländischen Unternehmen freundlich entgegen\ngekommen und hatte ein wackeres Contingent zur Verherr-\nlichung Mozart's gestellt. Nun liess man dort undankbarer\nWeise keine Gelegenheit vorüber gehen, den anwesenden\nwiener Künstlern zu zeigen, dass man „vaterländische,\nösterreichische\" Kunst besonders ehre,empfing z. B. Hell-\nmesberger, dessen Verdienst hier durchaus nicht geschmä-\nlert werden soll, noch ehe er eine Note gegeigt hatte, mit\neinem ganz fürchterlichem Beifallssturme, und verschwen-\ndete eben solchen Beifall an Rudolf Willmers, der das\nMozarl'sche D-moll-Concert doch wahrlich sehr wenig Mo-\nzartisch gespielt hatte; dagegen spendete man Lauterbach,\ndem Sologeiger der hiesigen Capelle, der Beiden mindestens\nebenbürtig ist, und dem tüchtigen Mittermaier nur karges\nLob. Ich komme auf das salzburger Musikfest nur desshalb\nnochmals zurück, um das Verdienst der dort anwesenden\nmünchener Hof-Musiker um dasselbe hervorzuheben und\nihnen die Anerkennung zu zollen, die sie beanspruchen\ndürfen.\nDas erste Odeon-Concert (ausser Abonnement) brachte\nSchumann's „Paradies und Peri\". Das Werk hat im All-\ngemeinen nicht gefallen; wir müssen die Ursache davon\ntheils in ihm selbst, theils in der Aufführung, theils im\nPublicum suchen. Die Composition enthält sehr viele schöne\nZüge, doch leidet sie an einer Monotonie, welche die zahl-\nreichen schönen Einzelheiten nicht recht zur Geltung kom-\nmen lässt. Diese Einförmigkeit besteht theils darin, dass der\nBau des Werkes im Grossen nicht wohl gegliedert ist, dass\nkeine Massen zusammengehalten sind, nirgends eine Tren-\nnung der Theile und ein Ruhepunct fühlbar wird; theils\nliegt sie in der Art der Gesangführung der Soli, welche\nmehr ein freies Schweifen und Phantasiren der Singstimme\nüber Harmonieen und contrapunktischen Combinationen ist,\nals eigentlich abgerundete, in sich fertige Melodie in dem\nSinne, wie wir sie bei den Classikern, namentlich Mozart,\nfinden. Es leidet ferner der Text an vielen Längen, und\ndieses thut dem Werke vielleicht den meisten Abbruch;\ndenn trotz der gerügten Mängel enthält es viel Zartes und\nFeines; es ist der Duft eines schönen, poetischen Gemüthes\nüber das Ganze gehaucht. Dies ist es aber gerade, was bei\nder hiesigen Aufführung nicht recht zur Geltung kam. Es\nlässt sich gegen die Technik derselben namentlich von Seiten"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "390", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561206-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5241, "texte": "des Orchesters und des Chores wenig einwenden; das Blech\nherrschte wohl öfters zu viel vor, aber im Allgemeinen gin-\ngen die Tutti sehr „brav\"; es fehlte jedoch an dem Ein-\ngehen auf den Geist des Werkes, auf das Fein-poetische in\ndemselben. Wohl ist es wahr, dass dieser Geist ein subtiler,\ndie Empfindungsweise schon eine pointirte ist im Vergleiche\nzu der Kraft echter Innigkeit und Tiefe, welche die gros-\nsen Werke der vergangenen Periode kennzeichnet; allein\nwill man Paradies und Peri verdolmetschen, so muss man\ndiesen Geist darzustellen suchen. Nun war der Vortrag der\nSoli nicht sehr duftig: Frl. Schwarzbach sang zwar correct,\nwar aber eine etwas derbe Peri, und gar die zarte liebende\nJungfrau, das indische Königskind, ging mit einer Energie\nins Zeug, dass man vor ihr erschrecken musste. Es hatte\njedoch die Aufführung sehr gelungene Momente, z. B. das\nFinale des zweiten Theiles. Dass diese Momente nicht wirk-\nten, daran trägt das Publicum die Schuld; man muss hier\nkräftig packen, um Eindruck zu machen, und die Münche-\nner sind für feinere Stimmungen etwas unzugänglich.\nIm zweiten Concert (dem ersten im Abonnement) lern-\nten wir eine wenig aufgeführte Sinfonie in von Mo-\nzart kennen. Es ist seine 34., und er schrieb sie im 18.\nJahre! Diese Sinfonie ist ein Werk voll köstlicher Jugend-\nfrische; es spukt darin oft ganz Haydn'scher Humor, und\ndoch ist dabei schon überall der Reiz Mozart'scher Melodie.\nDie Capelle trug die Sinfonie ganz meisterlich vor. Man\nsah, mit welcher Liebe Lachner diese reizende Composition\neinstudirt hatte; auch war das Publicum davon ganz be-\ngeistert. Die darauf folgende Aufführung des Septetts von\nBeethoven zeigte, weiche ausgezeichnete Solisten die hiesige\nHof-Musik aufzuweisen hat; doch blieb Manches zu wün-\nschen übrig: der Violinist Mittermaier, welcher Haydn'sche\nQuartette ganz vortrefflich spielt, versteht es nicht recht,\naus der Tiefe Beethoven'schen Geistes zu schöpfen. Die\nherrliche Composition sprach indess, wie immer, an. Die\ndritte Nummer war ein Duett für zwei Bässe aus „Faust\"\nvon Spohr, welches eigentlich für ein Concert wenig geeig-\nnet ist, da es in der Oper mit Musik auf der Bühne be-\nginnt, und dies im Saale nicht zu Verständniss kommt;\nder letzte Satz des Duettes macht aber auch so eine schöne\nWirkung, wie denn gute Musik immer gut bleibt. Die Her-\nren Kindermann und Lindemann sangen recht brav, und es\nwar wohlthuend, die beiden frischen Stimmen zu hören.\nDen Schluss des Concertes bildete die berühmte Orgel-\nToccata in F-dur vom alten ehrwürdigen Johann Sebastian\nBach, für Orchester eingerichtet von 11. Esser. Die Instru-\nmentation ist recht gelungen, der Vortrag durch die Ca-\npelle war ausgezeichnet, und die versammelte Menge ganz\nerstaunt über die Majestät dieses Werkes, das gewaltig wie\nim Sturmwind daherfährt. Doch wirkt die Toccata auf der\nOrgel weit mächtiger; ein gutes Pedal ist eben durch alle\nContrabässe der Welt nicht zu ersetzen, und noch so viele\nViolen und zweite Geigen kommen gegen die Kraft guter\nMittelstimmen auf der Orgel nicht an.\nIm Fache der Kammer-Musik bieten die Soireen der\nHerren Lauterbach und F. Wüllner Streich-Quartette der\ngrossen Meister, so wie deren Ciavierwerke mit und ohne\nBegleitung; dabei wird auch neueren Componisten ihr Recht\nzu Theil, und es wird hier und da ein Werk der jüngeren\nund jüngsten Zeit vorgeführt. Die erste Soiree brachte ein\nTrio von Haydn in Es, welches die Herren Wüllner (Cia-\nvier), Lauterbach (Geige) und Müller (Violoncello) fein und\neinfach, im Geiste des alten Herrn, vortrugen. Wie be-\nscheiden gebraucht er doch die Instrumente, und wie\ngross wirkt er damit! Eine Notiz für diejenigen, welche die\nCompositionen ihrer Parteigenossen nicht anders zu loben\nwissen, als dass sie deren Instrumental-EfTecte hervorheben:\nein echter musicalischer Gedanke bedarf nur geringer Mittel,\num zum Ausdruck und zur Wirkung zu gelangen! Auf\ndas Trio folgte das Cis-moll-Quartelt von Beethoven, dieses\nwunderbare und wundersamste Werk des Meisters, in dem\ner Schönheiten geoffenbaret, wie kein Anderer; in dem er\nfreilich auch wieder Dinge gewagt und Härten geschrieben,\nmit denen ein feines Ohr sich wohl nie ganz einverstanden\nerklären wird. Die Herren Lauterbach, Kahl, E. Moralt und\nMüller hotten sich sehr lange vorher das eifrige Studium\ndieses schwierigsten der Quartette zur Aufgabe gemacht,\nund haben dasselbe ausgezeichnet schön vorgetragen. Es\nwäre zu wünschen, dass sie es bald wiederholten, um dem\nPublicum, welches das grösste Interesse bekundete, aber\nnatürlich nicht zum vollen Verständniss kommen konnte,\nGelegenheit zu geben, das herrliche Werk, welches hier\nzum ersten Male aufgeführt wurde, näher kennen zu lernen.\nDas reizende Ciavier-Quartett in von Mozart er-\nheiterte wieder durch seine Frische das durch den ernsten\nBeethoven etwas nachdenklich gewordene Publicum. Dieses\nlohnte den Herrn Wüilner und Genossen durch reichlichen\nBeifall.\nEs besteht für Kammer-Musik noch eine Gesellschaft\nköniglicher Hof-Musiker, mit dem verdienstvollen Mitter-\nmaier an der Spitze. Diese hält regelmässige Versammlun-\ngen für Bekannte und Eingeführte. Diese Zusammenkünfte\nhaben mehr den Charakter eines geselligen Vereins und\nsind halb privatim. Dort wird ausschliesslich Quartett-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "391", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561206-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1710, "texte": "Musik, und vorzüglich Haydn, cultivirt, und darin leistet\ndieses Quartett Vortreffliches.\nEs bleibt nun noch ein Concert des Oratorien-Vereins\nzu erwähnen, in welchem das Dettinger Te-Deum von Händel,\neinige Scenen aus Armide von Gluck und die Phantasie für\nCiavier, Orchester und Chor von Beethoven gemacht wurden.\nDer Verein hat recht gute Kräfte, der Chor ist zahlreich genug,\nund es sind viel schöne, frische Stimmen darunter. Um\nso mehr ist zu bedauern, dass mit so schönen Kräften\nnichts Würdiges erreicht wird. Statt einer Besprechung des\nganzen letzten Concertes diene eine Beleuchtung der Auf-\nführung der ersten Nummer, des Dettinger Te-Deum. Die\nChöre waren vor Allem so mangelhaft einstudirt, dass von\neinem kräftigen Einsätze nirgends die Rede war: die Stim-\nmen fanden sich immer erst im zweiten oder dritten Tacte\nzusammen; bei einem Chor setzte der Alt einen\nTact zu spät ein und veranlasste beinahe ein vollständiges\nUmwerfen. Ferner bekundete die Instrumental-Besetzung\neine schreckliche Unwissenheit von Seiten des Leiters. Er\nwird uns erwidern, er habe sich streng an Händel's Ori-\nginal gehalten. Wie würde sich aber Händel entsetzt ha-\nben, wenn er diese armen zwei verwais'ten Solo-Oboen und\ndazu den kümmerlichen Fagott, oder gar das Solo-Duett (!)\neiner kleinen Klappen-Trompete in den höchsten Lagen und\ndes Contrabasses gehört hätte! Die Orgel ging immer nur\nda mit, wo sie am ersten hätte entbehrt werden können,\nmit dem vollen Chor; bei dem eben erwähnten Duo aber,\ndas wahrhaft kindisch klang, schwieg sie. Was soll man\nnun von einem solchen Director sagen? Hoffen wir, dass\nder Verein diese Scharte auswetzen wird; es wird zu sei-\nnem Besten und zum Besten der Hörer sein!\n\nA. Z."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-12-06-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-12-06_01#c003", "volume": "bmtnabi_1856-12-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "391", "page_fin": "393", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561206-01.2.3", "titre_corps": "Orgel-Compositionen.", "titre_sommaire": "Orgel-Compositionen.", "signature_source": "V. D", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "391", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561206-01.1.3", "debut_caractere": 1712, "fin_caractere_exclue": 4943, "texte": "Orgel-Compositionen.\n\nObgleich J. S. Bach so Vieles für die Orgel geschrie-\nben hat, dass ein tüchtiger Orgelspieler ein halbes Leben\nbraucht, um Alles gründlich kennen und künstlerisch vor-\ntragen zu lernen, so hat dennoch die neuere Zeit, nament-\nlich seit Mendelssohn's trefflichen Arbeiten, Zeugniss gege-\nben, dass es in Deutchland auch dem Gebiete der Orgel-\nMusik, welches wahrlich in gar mancher Beziehung ein un-\ndankbares zu nennen ist, nicht an ernsthalt strebenden und\nmeist recht tüchtigen Bebauern fehlt. Die Literatur der\nOrgel-Compositionen ist auf die mannigfachste Weise be-\nreichert worden, und das ist in jeder Hinsicht ein erfreu-\nliches Zeichen der Zeit, durch welches die deutschen Mu-\nsiker einmal wieder kund thun, wie sehr ihnen die ernste\nund edle Gattung der Musik am Herzen liegt und wie rein\nihre Liebe zur Kunst ist. Denn wir sind überzeugt, da wir\ndie Besoldungen der Organisten kennen, welche seit einem\nhalben Jahrhundert oder noch länger dieselben geblieben\nsind, während das Leben mehr als noch einmal so theuer\ngeworden, dass die meisten im Schweisse ihres Angesichts\nihr Brod essen und durch Beschäftigungen und Unterrichts-\nstunden, welche gar häufig mit der Kunst der h. Cacilia\neher in Gegensatz, als in Verbindung stehen, die Mittel zum\nUnterhalte ihrer Familien herbeischaffen müssen. Und den-\nnoch finden sie Zeit und Lust zum Schaffen für ihr Instru-\nment, weil der innere Drang sie dazu treibt und sie die\nhohe Bedeutung der kirchlichen Kunst erkannt haben. Müs-\nsen sie doch obenein noch sehr häufig auch die Freude des\neigenen Vortrags ihrer Compositionen entbehren, welche\nden anderen Tonkünstlern eine befriedigende Belohnung ist,\nda ihr Instrument, die Orgel, nicht nur im Hause ihnen\nnicht zu Gebote steht, sondern auch in der Kirche olt so\nmittelmässig, so alt, so schlecht conservirt, so mangelhaft,\nso verstimmt ist, dass ein ehrlicher Musiker froh sein muss,\nwenn der obligate Dienst vorbei ist, und eine wahre Scheu\ndavor bekommt, sein Ohr, mehr als er muss, auf die Folter\nzu spannen. Die heutigen Domcapitel, Consistorien und Kir-\nchen-Vorstände bekümmern sich um gar Vieles, eifern um\nZucht und Busse, thun Haydn, Mozart und Beethoven in\nden Bann; aber dass sie vor Allem gute Orgeln, die der\nWürde der Kirche und des Gottesdienstes angemessen wä-\nren, herstellen müssten, das fällt ihnen nicht ein.\nBei diesen traurigen Zuständen, mit denen die Orgel-\nspieler zu kämpfen haben, und die man aus den Archiven\nder Kirchen-Vorstände, der Kirchen-Inspectionen, der hie-\nrarchischen Vorgesetzten und Oberen, die da oft von der\nOrgel ein vielleicht sehr geistliches, aber nichts weniger als\nmusicalisches Verständniss haben, bis ins Unendliche ver-\nmehren könnte —, ist der Reichthum an Orgel-Composi-\ntionen doppelt erfreulich. Deutschland steht als das einzige\nLand da, welches diesen Zweig der Kunst pflegt: was an-\nderswo erscheint, wenn überhaupt etwas erscheint, ist nicht\nder Rede werth.\nWir wollen für heute einige grössere, zum Concert-\nGebrauch geeignete Compositionen betrachten, und später\ndiejenigen, welche kirchliche und pädagogische Zwecke ver-\nfolgen, besprechen.\nBernhard Braehmig. Op.l. Grosse Phantasie und\nFuge, seinen ehemaligen Lehrern E. H en t s che 1,"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "392", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561206-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4820, "texte": "Julius Otto und Joh. Schneider gewidmet.\nPreis 12% Sgr.\nDieses Op. 1 zeugt von musicalischer Begabung, gu-\nten Studien im Contrapunkt, wovon die Fuge mit ihren\nUmkehrungen, Vergrösserungen u. s. w. Zeugniss gibt, von\nErfindung und Phantasie. Die Handhabung der Form ist\njedoch noch mangelhaft. Z. B. die Phantasie steht in C-moll,\neine Art Mittelsatz (Andante) in F-dur: doch schon im 13.\nTact ist der Gomponist in C-moll zurück, wo doch ein län-\nger ausgeführter Satz in Es oder besser am Platze ge-\nwesen wäre. Der Gomponist beurkundet, ein guter Orgel-\nspieler zu sein, denn die Phantasie ist schwer zu spielen.\nWenn er noch mehr mit sich selber ins Klare gekommen\nund weniger schwülstig sein wird, kann man gewiss Be-\ndeutendes von ihm erwarten.\nD. H. Engel. Op. 16. Phantasie und Fuge, Herrn\nMusik-Director A. E. Grell gewidmet. Preis\n10 Sgr.\nDieses Werk lobt den Meister. Hier vereinigt sich\nSchwung mit höchster Solidität der Behandlung der Form\nund der contrapunktischen Gesetze. Man erkennt überall\nden Mann, der des Stoffes Herr ist. Da diese Phantasie\ntrotz ihrer grossen Wirkung (der Gomponist eröffnete da-\nmit, wenn wir uns nicht irren, die Einweihung der erneuer-\nten grossen merseburger Orgel) durchaus nicht schwer zu\nspielen ist, so sei sie hiermit bestens empfohlen. Nun kom-\nmen aber die leidigen Druckfehler. Der Gomponist scheint\nkein guter Corrector zu sein, oder die Verlagshandlung hat\ngemeint, das Corrigiren selber thun zu können. Z. B. Tact\n30 muss das jf vor Fis stehen, und von Tact 47 50\nmuss vor jedem aein bstehen (also Js). Im Tact 6 2 muss\ngewiss die obere Note b heissen.\nF. Kühmstedt. Op. 47. Phantasie (ein Concertstück),\nden Herren Capelimeister Hermann und Orga-\nnist Zimmer tha I in Lübeck gewidmet. Preis\n12% Sgr.\nUnter den Componisten für Orgel nimmt der bedeu-\ntende Contrapunktist Kühmstedt eine hervorragende Stel-\nlung ein. Fanden wir auch in früheren Werken manchmal\nmehr die Arbeit als die Erfindung bemerkenswert!), so ist\ndies in vorliegender Phantasie nicht der Fall, vielmehr un-\nterscheidet sich dieselbe hierin von manchen früheren Wer-\nken vortheilhaft. Auf einer schönen Orgel vorgetragen, muss\ndieses Werk, bei passender Registrirung, von erhabener\nWirkung sein. Wir vermuthen, dass der Componist es als\neine Erinnerung nach der Einweihung der grossen lübecker\nDom-Orgel niedergeschrieben hat. Zu bedauern ist es, dass\ndas Werk nicht, wie es bei Orgel-Gompositionen immer\nder Fall sein sollte, auf drei Systemen gedruckt ist; in der\njetzigen Gestalt ist Manches schwer zu entziffern.\nGustav Merkel. Op. 3. Drei Fugen, Herrn C. E.\nHering, Organisten in Bautzen, zugeeignet.\nPreis 15 Sgr.\nObgleich man meinen sollte, Bach hätte genug Fugen\ngeschrieben, so finden doch noch immer wieder Versuche\nauf diesem Gebiete Statt. Ein geistreicher Kritiker (ich\nmeine, es war Berlioz) sagte einmal, dass viele dieser Geistes-\nkinder todtgeboren auf die Welt kämen, d. h. Dass das\nThema an sich keine Bedeutung und keine Lebensfähigkeit\nhätte. Dies ist aber bei den vorliegenden Fugen keinesweges\nder Fall. Im Gegentheil unterscheiden sich diese Fugen von\nHunderten ihrer Schwestern, was die Wahl der Themata\nso wie die Bearbeitung betrifft, auf höchst vortheilhafte\nWeise. Und so wie Freunde des Quartettspiels, denen nichts\nüber Haydn, Mozart und Beethoven geht, auch zuweilen\nwohl nach Onslow, Veit u. A. greifen, so glauben wir,\ndass der grösste Verehrer J. S. Bach's auch diese Fugen\nmit Vergnügen spielen wird. Und das ist ein grosses Lob\nfür ein Op. 3. Wir hoffen, dem Componisten bald wieder\nauf diesem Gebiete zu begegnen.\nFranz Rein (Organist und Seminar-Musiklehrer in\nEisleben), Sonate (EsPreis 15 Sgr.\nDie verehrten Leser werden uns nach allem Obigen\nnicht für musicalische Rigoristen, Menschen, die alles, was\nnicht dem Höchsten in der Musik gleich kommt, verwerfen,\nhalten. Vorzüglich haben wir uns bemüht, junge Talente\nschonend und aufmunternd zu behandeln, wovon bis jetzt\nunsere Recensionen den besten Beweis liefern. Es thut uns\nalso wirklich leid, vorliegender Sonate keine Seite abgewin-\nnen zu können, wodurch wir sie empfehlen könnten, wenn\nauch aus dem Satz und der Stimmführung deutlich hervor-\ngeht, dass der Componist gute contrapunktische Studien\ngemacht hat. Die Mängel liegen in der Erfindung und der\nnoch nicht vollkommenen Beherrschung des Stoffes. Am\nbesten ist noch die kleine Fuge gerathen, die wirklich recht\nfrisch ist. Wir möchten dieses Werk seines rhapsodischen\nInhaltes wegen lieber Phantasie nennen. Der Componist zeigt\nhier und da Talent: desshalb empfehlen wir ihm strenge\nSelbstkritik.\nA. G. Ritter. Op. 31. Sonate (Nr. 4). Herrn\nVan Eyken zugeeignet. Preis 15 Sgr.\nDer Name Ritter hat als Virtuos so wie als Componist\nschon längsteinen guten Klang. Werseine früheren Werke\nund vorzüglich seine drei Sonaten kennt, wird sich auch"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "393", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561206-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2639, "texte": "Gewiss bald Nr. 4 haben kommen lassen, Für den, der es\naber noch versäumt hat, hoffen wir, dass eine blosse An-\nkündigung mit dem Bemerken, dass diese Nr. 4 alle frü-\nheren noch übertrifft, genügen wird, um das Versäumniss\nso bald wie möglich nach/.uholen. Diese Sonate beginnt mit\neinem lieblichen Andante, das merkwürdiger Weise einige\nAnklänge aus R. Wagner's Pilgerchor aus dem Tannhäuser\nenthält, ergeht sich ferner in effectvollen Variationen über\ndas niederländische Volkslied in freier Weise, und schliesst\nmit einem feurigen Fugensatze.\nEine richtige Sonaten-Form finden wir also auch hier\nnicht; doch\n„Der Meister darf die Form zerbrechen.\"\nDas Werk eignet sich besonders für Orgel-Concerte*).\nC. H. Saemann. Op. 24, Nr. 1. Präludium (und\nFuge). Preis 10 Sgr.\nUm beurtheilen zu können, zu welcher Höhe sich die\nComposition für die Orgel wieder emporgeschwungen hat,\nkaufe man diese und die folgende Composition von Saemann.\nIn langer Zeit hat uns kein Werk, was Inhalt, Form und\nBeherrschung des Stoffes betrifft, so viel Freude gemacht,\nwie dieses schwungvolle Präludium und diese kernige, ge-\nsunde und kunstreiche Fuge. Man könnte fast meinen, dass\nder alte Sebastian daran mitgeholfen hätte! Freilich ver-\nlangt die Ausführung auch einen Spieler, der die Bach'schen\nCompositionen gehörig bewältigen kann. Wir hätten, um\ndas Lesen zu erleichtern, gern gesehen, dass der hochge-\nschätzte Componist das Präludium mit 3 Been\nvorgezeichnet hätte, wie Schumann solches in seiner\nManfred-Ouverture und im 4. Satze seiner 3. Sinfonie ge-\nthan hat**).\nC. H. Saemann. Op. 24, Nr. 2. Toccata. Preis\n1 0 Sgr.\nAlles frühere Lob gilt auch von dieser höchst fiiessen-\nderi und interessanten Composition. Nur auf Seite 5 und 6\nfinden wir eine Länge durch das dreimalige Zurückkehren\ndes Orgelpunktes auf der Dominante. Wir sehen mit Freu-\nden ferneren Orgel-Compositionen des Herrn Saemann ent-\ngegen.\nH. Sattler. Op. 13. Leichte Phantasie (D-tnoll').\nPreis 10 Sgr.\nEine, wie es auf dem Titel bemerkt ist, leichte aber\nwirkungsvolle Phantasie, woraus man den tüchtigen Musiker\nüberall ersieht, ohne dass dieselbe in Erfindung oder Bear-\nbeitung etwas Besonderes darbietet. Sie ist denjenigen Or-\nganisten zu empfehlen, denen Ritter's und Saemann's\nCompositionen zu schwer sind.\nAlle diese Compositionen sind von der thätigen Ver-\nlagshandlung von G. W. Körner in Erfurt herausgege-\nben. Stich, Druck und Format sind zu loben und die Preise\nbillig zu nennen.\n*) Der Orgel-Virtuos Van Eyken liess sich damit u. A. mit\nvielem Beifall in Hannover hören. Die Red.\n♦*) Und längst vorher J. N. Hummel in dem grossen Quintett\nOp. 87. Die Red.\n\nV. D."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-12-06-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-12-06_01#c004", "volume": "bmtnabi_1856-12-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "393", "page_fin": "394", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561206-01.2.4", "titre_corps": "Aus Münster.", "titre_sommaire": "Aus Münster.", "signature_source": "Kg", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "393", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561206-01.1.5", "debut_caractere": 2641, "fin_caractere_exclue": 4552, "texte": "Aus Münster.\n\nDen 28. November 1856.\nDie diesjährige Wiederkehr des in hiesiger Stadt seit\nlangen Jahren durch Aufführung eines Oratoriums gefeier-\nten Cäcilien-Tages (22.November)brachte uns Mendels-\nsohn's „Elias\". Der hiesige Musik-Verein hatte dieses\nletzte grosse- Werk des früh vollendeten Meisters bereits\nvor mehreren Jahren zur Aufführung gebracht. Bekannt\nmit den grossartigen Schönheiten desselben, begrüssten da-\nher die hiesigen Musikfreunde dessen Wahl für das dies-\njährige Fest mit freudiger Zustimmung, und bekundeten\nihre Theilnahme durch einen ausserordentlich zahlreichen\nBesuch sowohl der Haupt-Probe, als der Fest-Aufführung.\nDer Elias gehört zu denjenigen Werken, die vorzugs-\nweise auf die Tiefe geistiger Anschauung gerichtet sind.\nDer Componist verschmäht darin mit keuschem Sinne alles\nBlendende und allen Glanz, der nur die Sinne aufregt. Die\nSparsamkeit in der Benutzung von Coloraturen und Ziera-\nthen, die vorzugsweise Anwendung des contrapunktischen\nSatzes, die hier besonders hervortretende Art und Weise\ndes Componisten, durch den sogar recitirend auftretenden\nChor die Handlung, soweit hier von einer solchen die Rede\nsein kann, fortführen und zur Entwicklung bringen zu hel-\nfen, alles dies verleiht dem Werke, auch abgesehen von\ndem geistlichen Inhalte des Textes, einen ernsten Charakter.\nUm so mehr verdient daher jene grosse Theilnahme an der\nAufführung Anerkennung.\nDieser Theilnahme sowohl als der Vortrefllichkeit des\nWerkes entsprach auch die Aufführung. Sie wurde geleitet\ndurch den Dirigenten des Musik-Vereins, Herrn Musik-\nDirector Müller. Seine tiefe Auffassung des grossartigen\nWerkes, seine Fähigkeit, die Mitwirkenden in die Intentio-\nnen des Componisten und in die Schönheiten des Werkes\neinzuführen und von denselben den entsprechenden Aus-\ndruck zu gewinnen, seine classische Ruhe bei tiefer innerer\nBewegung sicherten das Gelingen der Aufführung mit einem"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "394", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561206-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3149, "texte": "Chor und Orchester, welche unter seiner Führung in den\nmonatlich zweimal Statt findenden Concerten des Vereins\nveilfache Proben ihrer Vortrefflichkeit abgegeben. Der Chor\nentfaltete schöne Stimmmittel und zeichnete sich durch prä-\ncises Einsetzen mit der vollen Kraft seiner einzelnen Stim-\nmen, so wie durch feine Nuancirung des Ausdruckes aus.\nDas Zusammengehen des aus 50 Mitwirkenden bestehen-\nden Orchesters mit dem 140 Theilnehmer zählenden Chore\nliess nichts zu wünschen übrig; beide zeigten in ihrem ge-\nmeinschaftlichen Voranschreiten unter dem trefflichen Füh-\nrer eine unerschütterliche Sicherheit und Festigkeit. Vor-\nzüglich gelangen der erste Chor mit seinen feinen Einsätzen:\n„Die Aernte ist vergangen\"; der grossartige Schluss-Chor\ndes ersten Theiles in Es-dur,\nfuoco, in welchem vortrefflich gezeigt wurde, dass die feu-\nrige Bewegung nicht im Geschwindschritt besteht; in der\nG-dur-Fuge: „Ob Tausend fallen\", mit dem innigen Ein-\ngange: „Fürchte dich nicht\" ; in dem grossartigen Chor in\nE-moll: sDer Herr ging vorüber\", namentlich in dem pp\ndes Schlusses in E-dur:„Und nach dem Feuer kam ein\nstilles, sanftes Sausen\". In dem Chor in „Und der\nProphet Elias brach hervor\", wurde das schwierige: „Er\nhat stolze Könige gestürzt\", von allen Stimmen vortreff-\nlich eingesetzt Endlich war die Ausführung des Chores in\nD-dur: „Aber Einer erwacht von Mitternacht, und er\nkommt vom Aufgang der Sonne\", in welchem das Orato-\nrium seinen Culminationspunkt hat, wie denn auch der\nProphet Elias in seinem Glauben und in seinem Eifer an\nund für Jehova auf jenen Einen vorbereitet und in demsel-\nben seinen Centraipunkt findet, so wie des Schluss-\nChores, von mächtiger Wirkung.\nVon der Ausführung der Solo-Partieen ragte die des\nElias, welche Herr DuMont-Fier aus Köln zu überneh-\nmen die Gefälligkeit gehabt hatte, besonders hervor. So-\nwohl die Energie und Kralt, welche in dem ersten Theile\ndes Oratoriums den Elias charakterisirt, als seine Trauer\nüber den Abfall Israels und die Hingebung seiner selbst an\nJehova im zweiten Theile, namentlich in der grossen Fis-\nmoM-Arie, in Verbindung mit allem dramatischen Leben,\nwelches die Scene mit der Witwe in Zarpath, der Streit\nmit dem Könige Ahab, den Baals-Priestern etc. erfordert,\nfanden in der klangvollen Stimme dieses bedeutenden Sän-\ngers ihren vollen, entsprechenden Ausdruck. Die Tenor-\nSoli sang Herr Dr. Rodewald aus Steinfurt mit schöner,\nschmelzender Stimme. Seine Auffassung und sein geschmack-\nvoller Vortrag der Arie des Obadja in „So ihr\nmich von ganzem Herzen suchet\", machte einen grossen\nEindruck. In gleicher Art verdienen die Leistungen des\nFräulein Th ü ssi ng, welche die grösseren Sopran-Partieen\nsang und sich im Vortrage der ersten Arie des zweiten\nTheiles: „Höre Israel\", mit ihrer lieblichen, klaren Stimme\nauszeichnete, des Fräulein Theis sing, welche die klei-\nneren Ensemble-Stücke für Sopran vortrug, und der Frau\nBitter mit schöner Alt-Stimme, alle drei Mitglieder des\nVereins, hervorgehoben zu werden.\nSämmtliche Mitwirkende, vor allen ihr verehrter Diri-\ngent, verdienen für diese bedeutende Leistung den Dank\nder hiesigen Musikfreunde in reichem Maasse.\n\nKg."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-12-06-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-12-06_01#c005", "volume": "bmtnabi_1856-12-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "394", "page_fin": "395", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561206-01.2.5", "titre_corps": "Aus Barmen.", "titre_sommaire": "Aus Barmen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "394", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561206-01.1.6", "debut_caractere": 3151, "fin_caractere_exclue": 4754, "texte": "Aus Barmen.\n[Gedächtniss-Feier Schumann's Soiree für Kammer-\nMusik.]\nDas zweite Abonnements-Concert fand am 22. Nov.\nStatt und war der Erinnerung an Robert Schumann\ngewidmet. Es war überaus zahlreich besucht, und das Publi-\ncum zeigte sich von Anfang bis zu Ende sehr aufmerksam\nund zu gespannter Theilnahme angeregt.\nDie Feier wurde durch einen ergreifenden Prolog von\nFriedrich Rober eröffnet, dem sich der „Grabchor\"\naus „Der Rose Pilgerfahrt\" unmittelbar anschloss. Später-\nhin folgte aus demselben Gesangstücke auch der „ Wald-\nchor \". Ausserdem betheiligte sich noch der Gesang-Verein\nan der Feier durch einige Chorlieder, die er überaus fein\nnuancirt und sauber vortrug. Fräulein Ida Dannemann\nhatte grossen Erfolg durch den Vortrag einiger Lieder von\nSchumann, und musste sogar den „Hidalgo\" auf lautes Be-\ngehren wiederholen. Sämmtliche Gesangstücke wurden nur\nam Pianoforte begleitet.\nFür Instrumentalsachen hatte die Direction in den Va-\nriationen für zwei Flügel und in dem Quintett für\nPianoforle und Streich-Instrumente eine glückliche Wahl\ngetroffen. Ausserdem spielte Herr Musik-Director R a i n e c k e\nnoch von den kleineren Ciavierstücken „Schlummerlied\",\n„Aufschwung\" und „Jagdlied\".\nZwei Duette für Sopran und Alt und einige Vocal-\nQnartette für vier Solo-Männerstimmen vervollständigten\ndas freilich etwas bunte Programm. Ein Orchesterwerk von\nder Composition des Verewigten aufzuführen, war für die-\nsen Tag unmöglich, da die Capelle und viele der einzelnen\nKünstler, welche vereint unser Orchester bilden, zur Cä-\ncilien-Feier anderweitig mannigfach in Anspruch genom-\nmen waren."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "395", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561206-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1225, "texte": "Herr Musik-Director Reinecke hat auch in diesem\nJahre wieder Soireen für Kammer-Musik unternommen,\n211 denen er sich mit dem Violinspieler Herrn F ranz Seiss\nvon hier und dem Violoncellisten Herrn Friedrich For-\nberg aus Düsseldorf vereinigt hat. Wenngleich die erste\nSoiree am 29. Nov. nur schwach besucht war, so möge sich\ndas Künstler-Kleeblatt deswegen nicht abschrecken lassen,\nauf dem begonnenen Pfade zu beharren. Gewiss wird ihnen\njeder, der es gut mit der Tonkunst meint, dafür dankbar\nsein, da es kein geeigneteres Mittel gibt, den wahrhaft\nedeln Sinn für Musik und den Geschmack an classischen\nSachen zu bilden, als fein und gut ausgeführte Kammer-\nMusik. Wir billigen desswegen auch sehr, dass man das\nPublicum nicht gleich mit den höchsten Blüthen derselben\nüberschüttet, sondern mit den Werken der vorzugsweise\nmelodischen Periode anfängt und nach und nach weiter\ngeht. Zu diesen rechnen wir das Trio in E-dur von Mo-\nzart, die Sonate in As zu vier Händen von Hummel\n(gespielt von den Herren Reinecke und Schmitz), die\nSonate in F-dur Op. 5 von Beethoven für Pianoforte\nund Violoncell, welche wir, nebst den Phantasiestücken von\nRob. Schumann für Piano und Violine, an diesem Abend\nsehr schön ausgeführt hörten."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-12-06-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-12-06_01#c006", "volume": "bmtnabi_1856-12-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "395", "page_fin": "395", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561206-01.2.6", "titre_corps": "Drittes Gesellschafts-Concert in Köln im Casinosaale, unter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferdinand Hiller.", "titre_sommaire": "Drittes Gesellschafts-Concert in Köln im Casinosaale, unter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferdinand Hiller.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "395", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561206-01.1.7", "debut_caractere": 1227, "fin_caractere_exclue": 4003, "texte": "Drittes Gesellschafts-Concert in Köln\nim Casinosaale,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn\nFerdinand Hiller.\nDinstag, den 2. December 1856.\nProgramm: i. Thcil: 1) Ouvertüre zu Jessonda von L. Spobr.\n2) Concerto militare für die Violine von Lipinsky, gespielt von\nHerrn Concertmeister Grunwald. 3) Der 145. Psalm für Soli,\nChor und Orchester von J. J. H. Ye rhu Ist. IL Theil: Sinfo-\nnie Nr. IV. von L. v a ri B e e t h o v e n.\nDer Saal war dicht besetzt, aber das Publicum blieb fast bei\nallen Musikstücken, mit Ausnahme der Sinfonie, kaif, was zum\ngrösseren Theile die Compositionen bewirkten, wiewohl wir auch\nnicht behaupten wollen, dass die Ausführung das Solospiel des\nHerrn Grunwald ausgenommen eine vorzüglich gelungene ge-\nwesen sei. Sehr störend war die unreine Stimmung des Or-\nchesters, die besonders auffallend war. Der Chor war schwach\nbesetzt und sang nicht mit der gewöhnlichen Lust und Liebe. Frei-\nlich ist der Psalm von Yer hülst auch nicht geeignet, Begeisterung\nhervorzurufen. Er trägt zwar die Opü&zahl 45, dürfte aber wohl zu\nder Zeit geschrieben sein, als Verhulst, ein talentvoller Schüler\nnoch ganz in den Fesseln der Schule lag. Der An-\nfangs- und der Schlusschor ermangeln nicht eines gewissen Schwun-\nges, allein im Grunde ist doch auch kein Gehalt von einiger Be-\ndeutung darin, und die Instrumentirung macht durchweg den Ein-\ndruck einer Arbeit früherer Zeit, in welcher man wohl Effect sucht*\naber sich in den Mitteln vergreift, ihn zu erreichen. Alles, was\nzwischen Anfang und Ende liegt, namentlich auch die Solosätze,\nlässt kalt: an Originalität ist gar nicht zu denken, Alles ist Copie,\nund zwar leider gerade desjenigen Stiles, der auch bei dem Origi-\nnale desselben zuweilen ziemlich trocken und monoton erscheint.\nHerr Concertmeister Grunwald bewährte sich durch den Vor-\ntrag des Lipinsky'schen Concertes als ein trefflicher Violinspieler.\nDie Reinheit liess nirgends etwas zu wünschen übrig, was bei den\nzahlreichen und schwierigen Doppelgriffen viel sagen will. Ueber-\nhaupt zeigte sich der Spieler auf der Höhe der heutigen Technik,\nseine Fertigkeit ist gross und die Bogenführung untadelhaft. Der\nTon ist in den zarten Stellen schön; allein das Markige, das die\nCompositionen von Lipinsky, wie die von Spohr, verlangen, ver-\nmisst man noch. Die Composition sprach unser Publicum nicht\nsehr an, und sie klingt in der That, bei allem Werthe derselben\nbesonders im ersten Satze, doch etwas nüchtern. Dennoch erin-\nnern wir uns aus früheren Tagen, dass Lipinsky, wenn er dieses\nConcert selbst spielte, grosse Wirkung damit hervorbrachte. Damals\nbezog man aber auch die Violinen ganz anders, und die dicken Saiten\ngaben einen Tön her, der unter den Händen eines Meisters der\nHaupt-Factor des künstlerischen Vortrages wurde."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1856-12-06-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1856-12-06_01#c007", "volume": "bmtnabi_1856-12-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "395", "page_fin": "396", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561206-01.2.7", "titre_corps": "Tages-und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages-und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "395", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561206-01.1.7", "debut_caractere": 4005, "fin_caractere_exclue": 6069, "texte": "Tages-und Unterhaltungs-Blatt.\nVorigen Sonnabend trug Herr E. Koch in der Musi-\ncalischen Gesellschaft die Scene und Arie vor, welche C. M. v.\nWeber in London für den Tenoristen Braham in seinen Oberon\neingelegt hat. C. Reinecke's Ouverlure zu „Dame Kobold4'\nwurde am Schlüsse gegeben. Wir waren verhindert, sie zu hören.\nIn der Philharmonischen Gesellschaft kam in der letzten Sitzung\neine Sinfonie von Reuling vor. Sie ist überall klar und mit Ge-\nschick gearbeitet; man vermisst aber den höheren Schwung und\nim ersten Satze auch den sinfonistischen Charakter. Reuling (jetzt,\nso viel wir wissen, in Darmstadt lebend) war Capellmeister am\nKärnthnerthor-Theater in Wien und hat dort nicht weniger als\neinundzwanzig einactige Operetten geschrieben, eine grosse Oper\nund die Musik zu fünf grossen Ballets. Bei der Oper hatte er das\nleider gar zu häufige Unglück deutscher Componisten, ein einfälti-\nges Buch zu Grunde zu legen. Von den Operetten haben sieh meh-\nrere auf dem wiener Repertoire erhalten. ln derselben Ver-\nsammlung spielte Herr L. Brassin (dem während des zweimonat-\nlichen Urlaubs des Herrn Breunung dessen Unterrichfs-Stunden auf\nder Musikschule übertragen sind) das D-moll-Concert für Ciavier\nvon F. Mendelssohn mit grossem und wohlverdientem Beifalle. Zum\nSchlüsse hörten wir eine feurige und präcise Ausführung der\nOberon-Ouverture, welche dem Orchester und dessen Dirigenten\nFranz Weber sehr zur Ehre gereicht.\nDie mainzer Liedertafel, welche am 22. Nov. ihr fünf-\nundzwanzigjähriges Bestehen feierte, ward am 31. Oct. 1831 ge-\ngründet, vorzüglich auf Betreiben des Herrn J. J. Schott, der den\nVerein fortwährend aufs wärmste geliebt, aufs kräftigste gehalten,\naufs eifrigste gehoben, dafür aber auch aller Mitglieder Vertrauen,\nHochachtung und Liebe geärntet hat. Kurz nach seinem Beginne\nhatte der Verein das Glück, in Herrn Messer einen jugendlich-\nfeurigen und vortrefflichen Gesang-Director zu erhalten, der wäh-\nrend seiner fast neunjährigen Direction (vom April 1832 bis Ende\n1840) die Liedertafel so hob, dass sie zum gediegenen und ge-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "396", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561206-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5766, "texte": "schmackvolten Vortrage auch der schwierigsten Gesangwerke heran-\ngebildet ward. Schon im Anfange des Jahres 1836 rief die Lieder-\ntafel einen Damengesang-Verein ips Leben und verband ihn\nauf eine sehr einsichtsvolle Weise mit sich. Dadurch wurde sie zur\nAufführung der grössten Tonwerke befähigt.\nBis zur Gründung des aus ihr hervorgegangenen Vereines für\nKirchen-Musik führte sie auch jährlich ein passendes Werk in\neiner der Stadtkirchen auf. Die grösste Entfaltung ihrer bedeuten-\nden Mittel zeigte sie aber in den Musik festen, bei denen sie\nvon den Gesangskrätten der näheren und ferneren Umgegend, und\nabwechselnd von den Orchestern von Darmstadt, Mannheim und\nWiesbaden unterstützt ward. Sehr oft nahm auch die Liedertafel,\nallein oder in Verbindung mit ihrem Damengesang-Verein, Antheil\nan auswärtigen musicalischen Fest-Veranstaltungen, so zu Coblenz,\nKöln, Darmstadt, Frankfurt, Lille, Wiesbaden, Würzburg und an-\nderen Orten. Der Verein zählt in seiner Totalität an 500 Mitglie-\nder. Die Musik-Directoren nach Messer waren die Herren H. Esser\n6V2 Jahr, E. Pauer, 4 Jahre, L. Fischer 1% Jahr, G. Vierling 1\nJahr, Winkelmeier l 1 Jahr, C. Reiss (provis.) l'/4 Jahr. Leider\nblieben die Letzteren, entweder durch glückliche Vocationen oder\ndurch Gesundheils-Rücksichten bewogen, nur allzu kurze Zeit in\nihrer hiesigen Stellung. Der gegenwärtige Dirigent, Herr Capell-\nmeister Marpurg, hat seit Antritt seines Amtes (im September\n1856) bereits grosse Energie und Directions-Talent bekundet, so\ndass der Verein einer dauernd glücklichen Zukunft entgegensehen\ndarf. (S. M.-Z )\nDie neue berliner Liedertafel, welche zur Förderung der Quar-\ntett-Compositionen jährlich einen Preis für Tonkünstler aus ihrer\nMitte aussetzt, hatte diesmal durch ihren Vorstand die Composilion\ndes Gedichtes „Vortanz\" von Hoffmann von Fallersleben zur Auf-\ngabe, und die Partitur von van Beethovens grosser Messe in Pracht-\nband, nebst einem Lorberkranz als Belohnung für den Sieger be-\nstimmt. Die Capellmeister Dorn und Taubert, so wie Musik-Director\nNeithardt, waren Schiedsrichter. Die Aufgabe gehörte nicht zu den\nleichtesten, denn der Text mit seinen abgerissenen Sätzen, seinem\neigenthümlichen Versmaass und dem Uugleichen im Sinne der Verse,\nbot um so grössere Schwierigkeiten dar, als die gewöhnliche Be-\nhandlung eines Strophenliedes selbstredend ausgeschlossen blieb.\nDem Musik-Director Würst, dem die Richter den Preis zuerkannt\nhatten, war es ausserordentlich gelungen, diese Schwierigkeiten\nglücklich zu überwinden.\nStuttgart. Nach Lindpaintner's Tode ist Fr. Kücken erster\nHof-Capellmeister geworden. Wir benutzten diese Gelegenheit, die\nNamen seiner Vorgänger hier folgen zu lassen. Würtembergische\nCapellmeister seit 1716 waren: Joseph Brescianello; er erhielt den\nCapellmeister Hart an die Seite. 1754 wurde die „Kammer-, Hof-\nund Kirchen-Musik\" unter den von Rom berufenen Nicoli Jomelli\nals Ober-Capellmeister gestellt. Auf Jomelli folgten Antonio Boroni\nund August Poli, und 1792 der Zögling der Karls-Akadcmie, Ru-\ndolf Zumsteeg, dem später Dietter aus Ludwigsburg, gleichfalls\nKarls-Schüler, als Musik-Director an die Seite gegeben wurde. Auf\ndiese folgten als Capellmeister: J. F. Kranz (1803—1808), neben\nihm Franz Danzi (1807—1821), Konradin Kreutzer (1812—1816)\nund J. N. Hummel (1816—1819). 1819 trat Lindpaintner ein, dem\nim Jahre 1851 Kücken zur Seite gestellt wurde.\nDer berühmte Violoncell-Virtuose Max Bohrer, der früher\nNordamerica und Westindien bereis'te, hat jetzt einen Künstler-\nAusflug nach Algier, Aegypten und Ostindien angetreten.\nWien. Chcrubini's Requiem für Männerchor und grosses\nOrchester, am 13. Nov. vom hiesigen Männergesang-Vereine in der\nAugustiner-Kirche zur Aufführung gebracht, ragt sowohl als eine\nNovität (hier nur von Wenigen gekannt), als auch durch die bei\ndessen Aufführung sich betheiligenden Kräfte unter der Reihe kirch-\nlicher Productionen heraus. Die vorzüglichsten Künstler Wiens und\ndie Zöglinge des Conservatoriums wirkten im Orchester mit. Alle\nFreunde guter Kirchen-Musik in der gedrängt vollen Kirche, so\nwie die Verwandten und Freunde der verstorbenen Mitglieder des\nVereins, deren Gedächtnisse die kirchliche Feier galt, werden die\nWahl dieses herrlichen Tonwerkes mit Dank anerkennen. Hier\nwaltet schöpferische Kraft, geistreiche Conception und dramatischer\nAusdruck, stets innerhalb der Gränzen des Kirchenstiles einher-\nschreitend, und eine Auffassung des kirchlichen Textes im Geiste\nBeethoven's. Die Aufführung war unter der Leitung des Chormeisters\nSchläger eine vortreffliche.\nAm Allerheiligen-Feste wurde die bereits in dieser Musik-\nZeitung besprochene Messe des eilfjährigen Componisten Su-\ncher in Wien in der Minoriten-Pfarrkirche und wiederholt in der\nitaliänischen Kirche, unter der Leitung des Chorregenten Herrn\nEd er, aufgeführt. Man geräth wirklich in Erstaunen, wenn man\ndem ruhigen Gange der Composition folgt, wenn man die würde-\nvolle Haltung, die ungesuchten, einfach schönen Effecte ins Auge fasst.\n** Rotterdam, den 2. Dec. Vor einigen Tagen hat Herr\nAlbert Hahn, der, wie wir hören, die Grundlagen seiner musi-\ncalischen Bildung der Rheinischen Musikschule zu Köln ver-\ndankt und sich seit einigen Monaten hier niedergelassen hat, ein\nOrcheslerwerk von seiner Composition mit Beifall zur Aufführung\ngebracht. Es ist in Ouverturen-Form geschrieben, wegen seiner\ngrösseren Ausdehnung aber vom Verfasser als „Phantasie für\nOrchester\" bezeichnet.\nDer belgische Componist Gevaert hat von dem Könige der\nBelgier den Leopolds-Orden erhalten. Seine Composition einer na-\ntionalen Canlate, welche die Societe des Choeurs von Gent bei\nden Festlichkeiten zu Brüssel mit dem Orchester des dortigen\nConservatoires unter Leitung von Felis aufführte, hatte sich der\nAllerhöchsten Gunst zu erfreuen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "389", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561206-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nMünchener Briefe (Hof-Capelle, Odeons-Concerte, Kammer-Musik, Oratorien-Verein). Von A. Z. Orgel-Com-\nPositionen (B. Braehmig D. H. Engel F Kühmstedt G. Merkel —Franz Rein - A. G. Ritter C. 11. Saemann H.\nSattler). Von V. D. Aus Münster (Elias). Von Kg. - Aus Barmen (Schumann's Gedächtniss Kammer-Musik). 111. Ge-\nsellschafts-Concert in Köln. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln Liedertafel in Berlin Stuttgart Wien Rotterdam).\n\nMünchener Briefe.\n\nDen 20. November 1856.\nDer Winter hat begonnen, und mit ihm die Concert-\nSaison. Unsere Stadt ist bis jetzt von einer Ueberflutung\ndurch Musik, wie sie Leipzig, Berlin und Wien jährlich zu\nerleiden haben, verschont geblieben. Doch sind alle Zweige\ndieser Kunst hier genügend vertreten. Wir haben vor Allem\ndie Odeon-Concerte, welche uns die grossen Instrumental-\nso wie Gesangs-Compositionen, namentlich der classischen\nEpoche, vorführen; daneben wird die ernste Kammer-Musik\nwohl gepflegt, und der Oratorien-Verein will uns Vocal-\nwerke der Kunstheroen zu Gehör bringen.\nW?e Treffliches im Allgemeinen die königliche Capelle\nunter der Leitung Franz Lachner's leistet, ist bekannt, und\nsie dürfte in manchen Leistungen von keinem Orchester\nerreicht oder übertreffen werden. Ein Theil der Capelle\nhatte in diesem Jahre ein Vorgefecht in Salzburg bei dem\nMozart-Feste zu bestehen; der Kern des dortigen Orche-\nsters, namentlich die Harmonie, bestand aus münchener Hof-\nMusikern, und es ist unläugbar grossentheils engherziger\nspecifisch-österreichischer Patriotismus gewesen, welcher\ndiesen Künstlern das Lob, das sie verdienten, bestritt. Den\nmeisten wiener Musikern war es durch Verbote der betref-\nfenden Theater-Directionen unmöglich gemacht worden, bei\ndem salzburger Feste mitzuwirken; von hiesiger Seite war\nman dem vaterländischen Unternehmen freundlich entgegen\ngekommen und hatte ein wackeres Contingent zur Verherr-\nlichung Mozart's gestellt. Nun liess man dort undankbarer\nWeise keine Gelegenheit vorüber gehen, den anwesenden\nwiener Künstlern zu zeigen, dass man „vaterländische,\nösterreichische\" Kunst besonders ehre,empfing z. B. Hell-\nmesberger, dessen Verdienst hier durchaus nicht geschmä-\nlert werden soll, noch ehe er eine Note gegeigt hatte, mit\neinem ganz fürchterlichem Beifallssturme, und verschwen-\ndete eben solchen Beifall an Rudolf Willmers, der das\nMozarl'sche D-moll-Concert doch wahrlich sehr wenig Mo-\nzartisch gespielt hatte; dagegen spendete man Lauterbach,\ndem Sologeiger der hiesigen Capelle, der Beiden mindestens\nebenbürtig ist, und dem tüchtigen Mittermaier nur karges\nLob. Ich komme auf das salzburger Musikfest nur desshalb\nnochmals zurück, um das Verdienst der dort anwesenden\nmünchener Hof-Musiker um dasselbe hervorzuheben und\nihnen die Anerkennung zu zollen, die sie beanspruchen\ndürfen.\nDas erste Odeon-Concert (ausser Abonnement) brachte\nSchumann's „Paradies und Peri\". Das Werk hat im All-\ngemeinen nicht gefallen; wir müssen die Ursache davon\ntheils in ihm selbst, theils in der Aufführung, theils im\nPublicum suchen. Die Composition enthält sehr viele schöne\nZüge, doch leidet sie an einer Monotonie, welche die zahl-\nreichen schönen Einzelheiten nicht recht zur Geltung kom-\nmen lässt. Diese Einförmigkeit besteht theils darin, dass der\nBau des Werkes im Grossen nicht wohl gegliedert ist, dass\nkeine Massen zusammengehalten sind, nirgends eine Tren-\nnung der Theile und ein Ruhepunct fühlbar wird; theils\nliegt sie in der Art der Gesangführung der Soli, welche\nmehr ein freies Schweifen und Phantasiren der Singstimme\nüber Harmonieen und contrapunktischen Combinationen ist,\nals eigentlich abgerundete, in sich fertige Melodie in dem\nSinne, wie wir sie bei den Classikern, namentlich Mozart,\nfinden. Es leidet ferner der Text an vielen Längen, und\ndieses thut dem Werke vielleicht den meisten Abbruch;\ndenn trotz der gerügten Mängel enthält es viel Zartes und\nFeines; es ist der Duft eines schönen, poetischen Gemüthes\nüber das Ganze gehaucht. Dies ist es aber gerade, was bei\nder hiesigen Aufführung nicht recht zur Geltung kam. Es\nlässt sich gegen die Technik derselben namentlich von Seiten"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "390", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561206-01.1.2", "texte": "des Orchesters und des Chores wenig einwenden; das Blech\nherrschte wohl öfters zu viel vor, aber im Allgemeinen gin-\ngen die Tutti sehr „brav\"; es fehlte jedoch an dem Ein-\ngehen auf den Geist des Werkes, auf das Fein-poetische in\ndemselben. Wohl ist es wahr, dass dieser Geist ein subtiler,\ndie Empfindungsweise schon eine pointirte ist im Vergleiche\nzu der Kraft echter Innigkeit und Tiefe, welche die gros-\nsen Werke der vergangenen Periode kennzeichnet; allein\nwill man Paradies und Peri verdolmetschen, so muss man\ndiesen Geist darzustellen suchen. Nun war der Vortrag der\nSoli nicht sehr duftig: Frl. Schwarzbach sang zwar correct,\nwar aber eine etwas derbe Peri, und gar die zarte liebende\nJungfrau, das indische Königskind, ging mit einer Energie\nins Zeug, dass man vor ihr erschrecken musste. Es hatte\njedoch die Aufführung sehr gelungene Momente, z. B. das\nFinale des zweiten Theiles. Dass diese Momente nicht wirk-\nten, daran trägt das Publicum die Schuld; man muss hier\nkräftig packen, um Eindruck zu machen, und die Münche-\nner sind für feinere Stimmungen etwas unzugänglich.\nIm zweiten Concert (dem ersten im Abonnement) lern-\nten wir eine wenig aufgeführte Sinfonie in von Mo-\nzart kennen. Es ist seine 34., und er schrieb sie im 18.\nJahre! Diese Sinfonie ist ein Werk voll köstlicher Jugend-\nfrische; es spukt darin oft ganz Haydn'scher Humor, und\ndoch ist dabei schon überall der Reiz Mozart'scher Melodie.\nDie Capelle trug die Sinfonie ganz meisterlich vor. Man\nsah, mit welcher Liebe Lachner diese reizende Composition\neinstudirt hatte; auch war das Publicum davon ganz be-\ngeistert. Die darauf folgende Aufführung des Septetts von\nBeethoven zeigte, weiche ausgezeichnete Solisten die hiesige\nHof-Musik aufzuweisen hat; doch blieb Manches zu wün-\nschen übrig: der Violinist Mittermaier, welcher Haydn'sche\nQuartette ganz vortrefflich spielt, versteht es nicht recht,\naus der Tiefe Beethoven'schen Geistes zu schöpfen. Die\nherrliche Composition sprach indess, wie immer, an. Die\ndritte Nummer war ein Duett für zwei Bässe aus „Faust\"\nvon Spohr, welches eigentlich für ein Concert wenig geeig-\nnet ist, da es in der Oper mit Musik auf der Bühne be-\nginnt, und dies im Saale nicht zu Verständniss kommt;\nder letzte Satz des Duettes macht aber auch so eine schöne\nWirkung, wie denn gute Musik immer gut bleibt. Die Her-\nren Kindermann und Lindemann sangen recht brav, und es\nwar wohlthuend, die beiden frischen Stimmen zu hören.\nDen Schluss des Concertes bildete die berühmte Orgel-\nToccata in F-dur vom alten ehrwürdigen Johann Sebastian\nBach, für Orchester eingerichtet von 11. Esser. Die Instru-\nmentation ist recht gelungen, der Vortrag durch die Ca-\npelle war ausgezeichnet, und die versammelte Menge ganz\nerstaunt über die Majestät dieses Werkes, das gewaltig wie\nim Sturmwind daherfährt. Doch wirkt die Toccata auf der\nOrgel weit mächtiger; ein gutes Pedal ist eben durch alle\nContrabässe der Welt nicht zu ersetzen, und noch so viele\nViolen und zweite Geigen kommen gegen die Kraft guter\nMittelstimmen auf der Orgel nicht an.\nIm Fache der Kammer-Musik bieten die Soireen der\nHerren Lauterbach und F. Wüllner Streich-Quartette der\ngrossen Meister, so wie deren Ciavierwerke mit und ohne\nBegleitung; dabei wird auch neueren Componisten ihr Recht\nzu Theil, und es wird hier und da ein Werk der jüngeren\nund jüngsten Zeit vorgeführt. Die erste Soiree brachte ein\nTrio von Haydn in Es, welches die Herren Wüllner (Cia-\nvier), Lauterbach (Geige) und Müller (Violoncello) fein und\neinfach, im Geiste des alten Herrn, vortrugen. Wie be-\nscheiden gebraucht er doch die Instrumente, und wie\ngross wirkt er damit! Eine Notiz für diejenigen, welche die\nCompositionen ihrer Parteigenossen nicht anders zu loben\nwissen, als dass sie deren Instrumental-EfTecte hervorheben:\nein echter musicalischer Gedanke bedarf nur geringer Mittel,\num zum Ausdruck und zur Wirkung zu gelangen! Auf\ndas Trio folgte das Cis-moll-Quartelt von Beethoven, dieses\nwunderbare und wundersamste Werk des Meisters, in dem\ner Schönheiten geoffenbaret, wie kein Anderer; in dem er\nfreilich auch wieder Dinge gewagt und Härten geschrieben,\nmit denen ein feines Ohr sich wohl nie ganz einverstanden\nerklären wird. Die Herren Lauterbach, Kahl, E. Moralt und\nMüller hotten sich sehr lange vorher das eifrige Studium\ndieses schwierigsten der Quartette zur Aufgabe gemacht,\nund haben dasselbe ausgezeichnet schön vorgetragen. Es\nwäre zu wünschen, dass sie es bald wiederholten, um dem\nPublicum, welches das grösste Interesse bekundete, aber\nnatürlich nicht zum vollen Verständniss kommen konnte,\nGelegenheit zu geben, das herrliche Werk, welches hier\nzum ersten Male aufgeführt wurde, näher kennen zu lernen.\nDas reizende Ciavier-Quartett in von Mozart er-\nheiterte wieder durch seine Frische das durch den ernsten\nBeethoven etwas nachdenklich gewordene Publicum. Dieses\nlohnte den Herrn Wüilner und Genossen durch reichlichen\nBeifall.\nEs besteht für Kammer-Musik noch eine Gesellschaft\nköniglicher Hof-Musiker, mit dem verdienstvollen Mitter-\nmaier an der Spitze. Diese hält regelmässige Versammlun-\ngen für Bekannte und Eingeführte. Diese Zusammenkünfte\nhaben mehr den Charakter eines geselligen Vereins und\nsind halb privatim. Dort wird ausschliesslich Quartett-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "391", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561206-01.1.3", "texte": "Musik, und vorzüglich Haydn, cultivirt, und darin leistet\ndieses Quartett Vortreffliches.\nEs bleibt nun noch ein Concert des Oratorien-Vereins\nzu erwähnen, in welchem das Dettinger Te-Deum von Händel,\neinige Scenen aus Armide von Gluck und die Phantasie für\nCiavier, Orchester und Chor von Beethoven gemacht wurden.\nDer Verein hat recht gute Kräfte, der Chor ist zahlreich genug,\nund es sind viel schöne, frische Stimmen darunter. Um\nso mehr ist zu bedauern, dass mit so schönen Kräften\nnichts Würdiges erreicht wird. Statt einer Besprechung des\nganzen letzten Concertes diene eine Beleuchtung der Auf-\nführung der ersten Nummer, des Dettinger Te-Deum. Die\nChöre waren vor Allem so mangelhaft einstudirt, dass von\neinem kräftigen Einsätze nirgends die Rede war: die Stim-\nmen fanden sich immer erst im zweiten oder dritten Tacte\nzusammen; bei einem Chor setzte der Alt einen\nTact zu spät ein und veranlasste beinahe ein vollständiges\nUmwerfen. Ferner bekundete die Instrumental-Besetzung\neine schreckliche Unwissenheit von Seiten des Leiters. Er\nwird uns erwidern, er habe sich streng an Händel's Ori-\nginal gehalten. Wie würde sich aber Händel entsetzt ha-\nben, wenn er diese armen zwei verwais'ten Solo-Oboen und\ndazu den kümmerlichen Fagott, oder gar das Solo-Duett (!)\neiner kleinen Klappen-Trompete in den höchsten Lagen und\ndes Contrabasses gehört hätte! Die Orgel ging immer nur\nda mit, wo sie am ersten hätte entbehrt werden können,\nmit dem vollen Chor; bei dem eben erwähnten Duo aber,\ndas wahrhaft kindisch klang, schwieg sie. Was soll man\nnun von einem solchen Director sagen? Hoffen wir, dass\nder Verein diese Scharte auswetzen wird; es wird zu sei-\nnem Besten und zum Besten der Hörer sein!\n\nA. Z.\n\nOrgel-Compositionen.\n\nObgleich J. S. Bach so Vieles für die Orgel geschrie-\nben hat, dass ein tüchtiger Orgelspieler ein halbes Leben\nbraucht, um Alles gründlich kennen und künstlerisch vor-\ntragen zu lernen, so hat dennoch die neuere Zeit, nament-\nlich seit Mendelssohn's trefflichen Arbeiten, Zeugniss gege-\nben, dass es in Deutchland auch dem Gebiete der Orgel-\nMusik, welches wahrlich in gar mancher Beziehung ein un-\ndankbares zu nennen ist, nicht an ernsthalt strebenden und\nmeist recht tüchtigen Bebauern fehlt. Die Literatur der\nOrgel-Compositionen ist auf die mannigfachste Weise be-\nreichert worden, und das ist in jeder Hinsicht ein erfreu-\nliches Zeichen der Zeit, durch welches die deutschen Mu-\nsiker einmal wieder kund thun, wie sehr ihnen die ernste\nund edle Gattung der Musik am Herzen liegt und wie rein\nihre Liebe zur Kunst ist. Denn wir sind überzeugt, da wir\ndie Besoldungen der Organisten kennen, welche seit einem\nhalben Jahrhundert oder noch länger dieselben geblieben\nsind, während das Leben mehr als noch einmal so theuer\ngeworden, dass die meisten im Schweisse ihres Angesichts\nihr Brod essen und durch Beschäftigungen und Unterrichts-\nstunden, welche gar häufig mit der Kunst der h. Cacilia\neher in Gegensatz, als in Verbindung stehen, die Mittel zum\nUnterhalte ihrer Familien herbeischaffen müssen. Und den-\nnoch finden sie Zeit und Lust zum Schaffen für ihr Instru-\nment, weil der innere Drang sie dazu treibt und sie die\nhohe Bedeutung der kirchlichen Kunst erkannt haben. Müs-\nsen sie doch obenein noch sehr häufig auch die Freude des\neigenen Vortrags ihrer Compositionen entbehren, welche\nden anderen Tonkünstlern eine befriedigende Belohnung ist,\nda ihr Instrument, die Orgel, nicht nur im Hause ihnen\nnicht zu Gebote steht, sondern auch in der Kirche olt so\nmittelmässig, so alt, so schlecht conservirt, so mangelhaft,\nso verstimmt ist, dass ein ehrlicher Musiker froh sein muss,\nwenn der obligate Dienst vorbei ist, und eine wahre Scheu\ndavor bekommt, sein Ohr, mehr als er muss, auf die Folter\nzu spannen. Die heutigen Domcapitel, Consistorien und Kir-\nchen-Vorstände bekümmern sich um gar Vieles, eifern um\nZucht und Busse, thun Haydn, Mozart und Beethoven in\nden Bann; aber dass sie vor Allem gute Orgeln, die der\nWürde der Kirche und des Gottesdienstes angemessen wä-\nren, herstellen müssten, das fällt ihnen nicht ein.\nBei diesen traurigen Zuständen, mit denen die Orgel-\nspieler zu kämpfen haben, und die man aus den Archiven\nder Kirchen-Vorstände, der Kirchen-Inspectionen, der hie-\nrarchischen Vorgesetzten und Oberen, die da oft von der\nOrgel ein vielleicht sehr geistliches, aber nichts weniger als\nmusicalisches Verständniss haben, bis ins Unendliche ver-\nmehren könnte —, ist der Reichthum an Orgel-Composi-\ntionen doppelt erfreulich. Deutschland steht als das einzige\nLand da, welches diesen Zweig der Kunst pflegt: was an-\nderswo erscheint, wenn überhaupt etwas erscheint, ist nicht\nder Rede werth.\nWir wollen für heute einige grössere, zum Concert-\nGebrauch geeignete Compositionen betrachten, und später\ndiejenigen, welche kirchliche und pädagogische Zwecke ver-\nfolgen, besprechen.\nBernhard Braehmig. Op.l. Grosse Phantasie und\nFuge, seinen ehemaligen Lehrern E. H en t s che 1,"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "392", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561206-01.1.4", "texte": "Julius Otto und Joh. Schneider gewidmet.\nPreis 12% Sgr.\nDieses Op. 1 zeugt von musicalischer Begabung, gu-\nten Studien im Contrapunkt, wovon die Fuge mit ihren\nUmkehrungen, Vergrösserungen u. s. w. Zeugniss gibt, von\nErfindung und Phantasie. Die Handhabung der Form ist\njedoch noch mangelhaft. Z. B. die Phantasie steht in C-moll,\neine Art Mittelsatz (Andante) in F-dur: doch schon im 13.\nTact ist der Gomponist in C-moll zurück, wo doch ein län-\nger ausgeführter Satz in Es oder besser am Platze ge-\nwesen wäre. Der Gomponist beurkundet, ein guter Orgel-\nspieler zu sein, denn die Phantasie ist schwer zu spielen.\nWenn er noch mehr mit sich selber ins Klare gekommen\nund weniger schwülstig sein wird, kann man gewiss Be-\ndeutendes von ihm erwarten.\nD. H. Engel. Op. 16. Phantasie und Fuge, Herrn\nMusik-Director A. E. Grell gewidmet. Preis\n10 Sgr.\nDieses Werk lobt den Meister. Hier vereinigt sich\nSchwung mit höchster Solidität der Behandlung der Form\nund der contrapunktischen Gesetze. Man erkennt überall\nden Mann, der des Stoffes Herr ist. Da diese Phantasie\ntrotz ihrer grossen Wirkung (der Gomponist eröffnete da-\nmit, wenn wir uns nicht irren, die Einweihung der erneuer-\nten grossen merseburger Orgel) durchaus nicht schwer zu\nspielen ist, so sei sie hiermit bestens empfohlen. Nun kom-\nmen aber die leidigen Druckfehler. Der Gomponist scheint\nkein guter Corrector zu sein, oder die Verlagshandlung hat\ngemeint, das Corrigiren selber thun zu können. Z. B. Tact\n30 muss das jf vor Fis stehen, und von Tact 47 50\nmuss vor jedem aein bstehen (also Js). Im Tact 6 2 muss\ngewiss die obere Note b heissen.\nF. Kühmstedt. Op. 47. Phantasie (ein Concertstück),\nden Herren Capelimeister Hermann und Orga-\nnist Zimmer tha I in Lübeck gewidmet. Preis\n12% Sgr.\nUnter den Componisten für Orgel nimmt der bedeu-\ntende Contrapunktist Kühmstedt eine hervorragende Stel-\nlung ein. Fanden wir auch in früheren Werken manchmal\nmehr die Arbeit als die Erfindung bemerkenswert!), so ist\ndies in vorliegender Phantasie nicht der Fall, vielmehr un-\nterscheidet sich dieselbe hierin von manchen früheren Wer-\nken vortheilhaft. Auf einer schönen Orgel vorgetragen, muss\ndieses Werk, bei passender Registrirung, von erhabener\nWirkung sein. Wir vermuthen, dass der Componist es als\neine Erinnerung nach der Einweihung der grossen lübecker\nDom-Orgel niedergeschrieben hat. Zu bedauern ist es, dass\ndas Werk nicht, wie es bei Orgel-Gompositionen immer\nder Fall sein sollte, auf drei Systemen gedruckt ist; in der\njetzigen Gestalt ist Manches schwer zu entziffern.\nGustav Merkel. Op. 3. Drei Fugen, Herrn C. E.\nHering, Organisten in Bautzen, zugeeignet.\nPreis 15 Sgr.\nObgleich man meinen sollte, Bach hätte genug Fugen\ngeschrieben, so finden doch noch immer wieder Versuche\nauf diesem Gebiete Statt. Ein geistreicher Kritiker (ich\nmeine, es war Berlioz) sagte einmal, dass viele dieser Geistes-\nkinder todtgeboren auf die Welt kämen, d. h. Dass das\nThema an sich keine Bedeutung und keine Lebensfähigkeit\nhätte. Dies ist aber bei den vorliegenden Fugen keinesweges\nder Fall. Im Gegentheil unterscheiden sich diese Fugen von\nHunderten ihrer Schwestern, was die Wahl der Themata\nso wie die Bearbeitung betrifft, auf höchst vortheilhafte\nWeise. Und so wie Freunde des Quartettspiels, denen nichts\nüber Haydn, Mozart und Beethoven geht, auch zuweilen\nwohl nach Onslow, Veit u. A. greifen, so glauben wir,\ndass der grösste Verehrer J. S. Bach's auch diese Fugen\nmit Vergnügen spielen wird. Und das ist ein grosses Lob\nfür ein Op. 3. Wir hoffen, dem Componisten bald wieder\nauf diesem Gebiete zu begegnen.\nFranz Rein (Organist und Seminar-Musiklehrer in\nEisleben), Sonate (EsPreis 15 Sgr.\nDie verehrten Leser werden uns nach allem Obigen\nnicht für musicalische Rigoristen, Menschen, die alles, was\nnicht dem Höchsten in der Musik gleich kommt, verwerfen,\nhalten. Vorzüglich haben wir uns bemüht, junge Talente\nschonend und aufmunternd zu behandeln, wovon bis jetzt\nunsere Recensionen den besten Beweis liefern. Es thut uns\nalso wirklich leid, vorliegender Sonate keine Seite abgewin-\nnen zu können, wodurch wir sie empfehlen könnten, wenn\nauch aus dem Satz und der Stimmführung deutlich hervor-\ngeht, dass der Componist gute contrapunktische Studien\ngemacht hat. Die Mängel liegen in der Erfindung und der\nnoch nicht vollkommenen Beherrschung des Stoffes. Am\nbesten ist noch die kleine Fuge gerathen, die wirklich recht\nfrisch ist. Wir möchten dieses Werk seines rhapsodischen\nInhaltes wegen lieber Phantasie nennen. Der Componist zeigt\nhier und da Talent: desshalb empfehlen wir ihm strenge\nSelbstkritik.\nA. G. Ritter. Op. 31. Sonate (Nr. 4). Herrn\nVan Eyken zugeeignet. Preis 15 Sgr.\nDer Name Ritter hat als Virtuos so wie als Componist\nschon längsteinen guten Klang. Werseine früheren Werke\nund vorzüglich seine drei Sonaten kennt, wird sich auch"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "393", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561206-01.1.5", "texte": "Gewiss bald Nr. 4 haben kommen lassen, Für den, der es\naber noch versäumt hat, hoffen wir, dass eine blosse An-\nkündigung mit dem Bemerken, dass diese Nr. 4 alle frü-\nheren noch übertrifft, genügen wird, um das Versäumniss\nso bald wie möglich nach/.uholen. Diese Sonate beginnt mit\neinem lieblichen Andante, das merkwürdiger Weise einige\nAnklänge aus R. Wagner's Pilgerchor aus dem Tannhäuser\nenthält, ergeht sich ferner in effectvollen Variationen über\ndas niederländische Volkslied in freier Weise, und schliesst\nmit einem feurigen Fugensatze.\nEine richtige Sonaten-Form finden wir also auch hier\nnicht; doch\n„Der Meister darf die Form zerbrechen.\"\nDas Werk eignet sich besonders für Orgel-Concerte*).\nC. H. Saemann. Op. 24, Nr. 1. Präludium (und\nFuge). Preis 10 Sgr.\nUm beurtheilen zu können, zu welcher Höhe sich die\nComposition für die Orgel wieder emporgeschwungen hat,\nkaufe man diese und die folgende Composition von Saemann.\nIn langer Zeit hat uns kein Werk, was Inhalt, Form und\nBeherrschung des Stoffes betrifft, so viel Freude gemacht,\nwie dieses schwungvolle Präludium und diese kernige, ge-\nsunde und kunstreiche Fuge. Man könnte fast meinen, dass\nder alte Sebastian daran mitgeholfen hätte! Freilich ver-\nlangt die Ausführung auch einen Spieler, der die Bach'schen\nCompositionen gehörig bewältigen kann. Wir hätten, um\ndas Lesen zu erleichtern, gern gesehen, dass der hochge-\nschätzte Componist das Präludium mit 3 Been\nvorgezeichnet hätte, wie Schumann solches in seiner\nManfred-Ouverture und im 4. Satze seiner 3. Sinfonie ge-\nthan hat**).\nC. H. Saemann. Op. 24, Nr. 2. Toccata. Preis\n1 0 Sgr.\nAlles frühere Lob gilt auch von dieser höchst fiiessen-\nderi und interessanten Composition. Nur auf Seite 5 und 6\nfinden wir eine Länge durch das dreimalige Zurückkehren\ndes Orgelpunktes auf der Dominante. Wir sehen mit Freu-\nden ferneren Orgel-Compositionen des Herrn Saemann ent-\ngegen.\nH. Sattler. Op. 13. Leichte Phantasie (D-tnoll').\nPreis 10 Sgr.\nEine, wie es auf dem Titel bemerkt ist, leichte aber\nwirkungsvolle Phantasie, woraus man den tüchtigen Musiker\nüberall ersieht, ohne dass dieselbe in Erfindung oder Bear-\nbeitung etwas Besonderes darbietet. Sie ist denjenigen Or-\nganisten zu empfehlen, denen Ritter's und Saemann's\nCompositionen zu schwer sind.\nAlle diese Compositionen sind von der thätigen Ver-\nlagshandlung von G. W. Körner in Erfurt herausgege-\nben. Stich, Druck und Format sind zu loben und die Preise\nbillig zu nennen.\n*) Der Orgel-Virtuos Van Eyken liess sich damit u. A. mit\nvielem Beifall in Hannover hören. Die Red.\n♦*) Und längst vorher J. N. Hummel in dem grossen Quintett\nOp. 87. Die Red.\n\nV. D.\n\nAus Münster.\n\nDen 28. November 1856.\nDie diesjährige Wiederkehr des in hiesiger Stadt seit\nlangen Jahren durch Aufführung eines Oratoriums gefeier-\nten Cäcilien-Tages (22.November)brachte uns Mendels-\nsohn's „Elias\". Der hiesige Musik-Verein hatte dieses\nletzte grosse- Werk des früh vollendeten Meisters bereits\nvor mehreren Jahren zur Aufführung gebracht. Bekannt\nmit den grossartigen Schönheiten desselben, begrüssten da-\nher die hiesigen Musikfreunde dessen Wahl für das dies-\njährige Fest mit freudiger Zustimmung, und bekundeten\nihre Theilnahme durch einen ausserordentlich zahlreichen\nBesuch sowohl der Haupt-Probe, als der Fest-Aufführung.\nDer Elias gehört zu denjenigen Werken, die vorzugs-\nweise auf die Tiefe geistiger Anschauung gerichtet sind.\nDer Componist verschmäht darin mit keuschem Sinne alles\nBlendende und allen Glanz, der nur die Sinne aufregt. Die\nSparsamkeit in der Benutzung von Coloraturen und Ziera-\nthen, die vorzugsweise Anwendung des contrapunktischen\nSatzes, die hier besonders hervortretende Art und Weise\ndes Componisten, durch den sogar recitirend auftretenden\nChor die Handlung, soweit hier von einer solchen die Rede\nsein kann, fortführen und zur Entwicklung bringen zu hel-\nfen, alles dies verleiht dem Werke, auch abgesehen von\ndem geistlichen Inhalte des Textes, einen ernsten Charakter.\nUm so mehr verdient daher jene grosse Theilnahme an der\nAufführung Anerkennung.\nDieser Theilnahme sowohl als der Vortrefllichkeit des\nWerkes entsprach auch die Aufführung. Sie wurde geleitet\ndurch den Dirigenten des Musik-Vereins, Herrn Musik-\nDirector Müller. Seine tiefe Auffassung des grossartigen\nWerkes, seine Fähigkeit, die Mitwirkenden in die Intentio-\nnen des Componisten und in die Schönheiten des Werkes\neinzuführen und von denselben den entsprechenden Aus-\ndruck zu gewinnen, seine classische Ruhe bei tiefer innerer\nBewegung sicherten das Gelingen der Aufführung mit einem"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "394", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561206-01.1.6", "texte": "Chor und Orchester, welche unter seiner Führung in den\nmonatlich zweimal Statt findenden Concerten des Vereins\nveilfache Proben ihrer Vortrefflichkeit abgegeben. Der Chor\nentfaltete schöne Stimmmittel und zeichnete sich durch prä-\ncises Einsetzen mit der vollen Kraft seiner einzelnen Stim-\nmen, so wie durch feine Nuancirung des Ausdruckes aus.\nDas Zusammengehen des aus 50 Mitwirkenden bestehen-\nden Orchesters mit dem 140 Theilnehmer zählenden Chore\nliess nichts zu wünschen übrig; beide zeigten in ihrem ge-\nmeinschaftlichen Voranschreiten unter dem trefflichen Füh-\nrer eine unerschütterliche Sicherheit und Festigkeit. Vor-\nzüglich gelangen der erste Chor mit seinen feinen Einsätzen:\n„Die Aernte ist vergangen\"; der grossartige Schluss-Chor\ndes ersten Theiles in Es-dur,\nfuoco, in welchem vortrefflich gezeigt wurde, dass die feu-\nrige Bewegung nicht im Geschwindschritt besteht; in der\nG-dur-Fuge: „Ob Tausend fallen\", mit dem innigen Ein-\ngange: „Fürchte dich nicht\" ; in dem grossartigen Chor in\nE-moll: sDer Herr ging vorüber\", namentlich in dem pp\ndes Schlusses in E-dur:„Und nach dem Feuer kam ein\nstilles, sanftes Sausen\". In dem Chor in „Und der\nProphet Elias brach hervor\", wurde das schwierige: „Er\nhat stolze Könige gestürzt\", von allen Stimmen vortreff-\nlich eingesetzt Endlich war die Ausführung des Chores in\nD-dur: „Aber Einer erwacht von Mitternacht, und er\nkommt vom Aufgang der Sonne\", in welchem das Orato-\nrium seinen Culminationspunkt hat, wie denn auch der\nProphet Elias in seinem Glauben und in seinem Eifer an\nund für Jehova auf jenen Einen vorbereitet und in demsel-\nben seinen Centraipunkt findet, so wie des Schluss-\nChores, von mächtiger Wirkung.\nVon der Ausführung der Solo-Partieen ragte die des\nElias, welche Herr DuMont-Fier aus Köln zu überneh-\nmen die Gefälligkeit gehabt hatte, besonders hervor. So-\nwohl die Energie und Kralt, welche in dem ersten Theile\ndes Oratoriums den Elias charakterisirt, als seine Trauer\nüber den Abfall Israels und die Hingebung seiner selbst an\nJehova im zweiten Theile, namentlich in der grossen Fis-\nmoM-Arie, in Verbindung mit allem dramatischen Leben,\nwelches die Scene mit der Witwe in Zarpath, der Streit\nmit dem Könige Ahab, den Baals-Priestern etc. erfordert,\nfanden in der klangvollen Stimme dieses bedeutenden Sän-\ngers ihren vollen, entsprechenden Ausdruck. Die Tenor-\nSoli sang Herr Dr. Rodewald aus Steinfurt mit schöner,\nschmelzender Stimme. Seine Auffassung und sein geschmack-\nvoller Vortrag der Arie des Obadja in „So ihr\nmich von ganzem Herzen suchet\", machte einen grossen\nEindruck. In gleicher Art verdienen die Leistungen des\nFräulein Th ü ssi ng, welche die grösseren Sopran-Partieen\nsang und sich im Vortrage der ersten Arie des zweiten\nTheiles: „Höre Israel\", mit ihrer lieblichen, klaren Stimme\nauszeichnete, des Fräulein Theis sing, welche die klei-\nneren Ensemble-Stücke für Sopran vortrug, und der Frau\nBitter mit schöner Alt-Stimme, alle drei Mitglieder des\nVereins, hervorgehoben zu werden.\nSämmtliche Mitwirkende, vor allen ihr verehrter Diri-\ngent, verdienen für diese bedeutende Leistung den Dank\nder hiesigen Musikfreunde in reichem Maasse.\n\nKg.\n\nAus Barmen.\n[Gedächtniss-Feier Schumann's Soiree für Kammer-\nMusik.]\nDas zweite Abonnements-Concert fand am 22. Nov.\nStatt und war der Erinnerung an Robert Schumann\ngewidmet. Es war überaus zahlreich besucht, und das Publi-\ncum zeigte sich von Anfang bis zu Ende sehr aufmerksam\nund zu gespannter Theilnahme angeregt.\nDie Feier wurde durch einen ergreifenden Prolog von\nFriedrich Rober eröffnet, dem sich der „Grabchor\"\naus „Der Rose Pilgerfahrt\" unmittelbar anschloss. Später-\nhin folgte aus demselben Gesangstücke auch der „ Wald-\nchor \". Ausserdem betheiligte sich noch der Gesang-Verein\nan der Feier durch einige Chorlieder, die er überaus fein\nnuancirt und sauber vortrug. Fräulein Ida Dannemann\nhatte grossen Erfolg durch den Vortrag einiger Lieder von\nSchumann, und musste sogar den „Hidalgo\" auf lautes Be-\ngehren wiederholen. Sämmtliche Gesangstücke wurden nur\nam Pianoforte begleitet.\nFür Instrumentalsachen hatte die Direction in den Va-\nriationen für zwei Flügel und in dem Quintett für\nPianoforle und Streich-Instrumente eine glückliche Wahl\ngetroffen. Ausserdem spielte Herr Musik-Director R a i n e c k e\nnoch von den kleineren Ciavierstücken „Schlummerlied\",\n„Aufschwung\" und „Jagdlied\".\nZwei Duette für Sopran und Alt und einige Vocal-\nQnartette für vier Solo-Männerstimmen vervollständigten\ndas freilich etwas bunte Programm. Ein Orchesterwerk von\nder Composition des Verewigten aufzuführen, war für die-\nsen Tag unmöglich, da die Capelle und viele der einzelnen\nKünstler, welche vereint unser Orchester bilden, zur Cä-\ncilien-Feier anderweitig mannigfach in Anspruch genom-\nmen waren."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "395", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561206-01.1.7", "texte": "Herr Musik-Director Reinecke hat auch in diesem\nJahre wieder Soireen für Kammer-Musik unternommen,\n211 denen er sich mit dem Violinspieler Herrn F ranz Seiss\nvon hier und dem Violoncellisten Herrn Friedrich For-\nberg aus Düsseldorf vereinigt hat. Wenngleich die erste\nSoiree am 29. Nov. nur schwach besucht war, so möge sich\ndas Künstler-Kleeblatt deswegen nicht abschrecken lassen,\nauf dem begonnenen Pfade zu beharren. Gewiss wird ihnen\njeder, der es gut mit der Tonkunst meint, dafür dankbar\nsein, da es kein geeigneteres Mittel gibt, den wahrhaft\nedeln Sinn für Musik und den Geschmack an classischen\nSachen zu bilden, als fein und gut ausgeführte Kammer-\nMusik. Wir billigen desswegen auch sehr, dass man das\nPublicum nicht gleich mit den höchsten Blüthen derselben\nüberschüttet, sondern mit den Werken der vorzugsweise\nmelodischen Periode anfängt und nach und nach weiter\ngeht. Zu diesen rechnen wir das Trio in E-dur von Mo-\nzart, die Sonate in As zu vier Händen von Hummel\n(gespielt von den Herren Reinecke und Schmitz), die\nSonate in F-dur Op. 5 von Beethoven für Pianoforte\nund Violoncell, welche wir, nebst den Phantasiestücken von\nRob. Schumann für Piano und Violine, an diesem Abend\nsehr schön ausgeführt hörten.\n\nDrittes Gesellschafts-Concert in Köln\nim Casinosaale,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn\nFerdinand Hiller.\nDinstag, den 2. December 1856.\nProgramm: i. Thcil: 1) Ouvertüre zu Jessonda von L. Spobr.\n2) Concerto militare für die Violine von Lipinsky, gespielt von\nHerrn Concertmeister Grunwald. 3) Der 145. Psalm für Soli,\nChor und Orchester von J. J. H. Ye rhu Ist. IL Theil: Sinfo-\nnie Nr. IV. von L. v a ri B e e t h o v e n.\nDer Saal war dicht besetzt, aber das Publicum blieb fast bei\nallen Musikstücken, mit Ausnahme der Sinfonie, kaif, was zum\ngrösseren Theile die Compositionen bewirkten, wiewohl wir auch\nnicht behaupten wollen, dass die Ausführung das Solospiel des\nHerrn Grunwald ausgenommen eine vorzüglich gelungene ge-\nwesen sei. Sehr störend war die unreine Stimmung des Or-\nchesters, die besonders auffallend war. Der Chor war schwach\nbesetzt und sang nicht mit der gewöhnlichen Lust und Liebe. Frei-\nlich ist der Psalm von Yer hülst auch nicht geeignet, Begeisterung\nhervorzurufen. Er trägt zwar die Opü&zahl 45, dürfte aber wohl zu\nder Zeit geschrieben sein, als Verhulst, ein talentvoller Schüler\nnoch ganz in den Fesseln der Schule lag. Der An-\nfangs- und der Schlusschor ermangeln nicht eines gewissen Schwun-\nges, allein im Grunde ist doch auch kein Gehalt von einiger Be-\ndeutung darin, und die Instrumentirung macht durchweg den Ein-\ndruck einer Arbeit früherer Zeit, in welcher man wohl Effect sucht*\naber sich in den Mitteln vergreift, ihn zu erreichen. Alles, was\nzwischen Anfang und Ende liegt, namentlich auch die Solosätze,\nlässt kalt: an Originalität ist gar nicht zu denken, Alles ist Copie,\nund zwar leider gerade desjenigen Stiles, der auch bei dem Origi-\nnale desselben zuweilen ziemlich trocken und monoton erscheint.\nHerr Concertmeister Grunwald bewährte sich durch den Vor-\ntrag des Lipinsky'schen Concertes als ein trefflicher Violinspieler.\nDie Reinheit liess nirgends etwas zu wünschen übrig, was bei den\nzahlreichen und schwierigen Doppelgriffen viel sagen will. Ueber-\nhaupt zeigte sich der Spieler auf der Höhe der heutigen Technik,\nseine Fertigkeit ist gross und die Bogenführung untadelhaft. Der\nTon ist in den zarten Stellen schön; allein das Markige, das die\nCompositionen von Lipinsky, wie die von Spohr, verlangen, ver-\nmisst man noch. Die Composition sprach unser Publicum nicht\nsehr an, und sie klingt in der That, bei allem Werthe derselben\nbesonders im ersten Satze, doch etwas nüchtern. Dennoch erin-\nnern wir uns aus früheren Tagen, dass Lipinsky, wenn er dieses\nConcert selbst spielte, grosse Wirkung damit hervorbrachte. Damals\nbezog man aber auch die Violinen ganz anders, und die dicken Saiten\ngaben einen Tön her, der unter den Händen eines Meisters der\nHaupt-Factor des künstlerischen Vortrages wurde.\n\nTages-und Unterhaltungs-Blatt.\nVorigen Sonnabend trug Herr E. Koch in der Musi-\ncalischen Gesellschaft die Scene und Arie vor, welche C. M. v.\nWeber in London für den Tenoristen Braham in seinen Oberon\neingelegt hat. C. Reinecke's Ouverlure zu „Dame Kobold4'\nwurde am Schlüsse gegeben. Wir waren verhindert, sie zu hören.\nIn der Philharmonischen Gesellschaft kam in der letzten Sitzung\neine Sinfonie von Reuling vor. Sie ist überall klar und mit Ge-\nschick gearbeitet; man vermisst aber den höheren Schwung und\nim ersten Satze auch den sinfonistischen Charakter. Reuling (jetzt,\nso viel wir wissen, in Darmstadt lebend) war Capellmeister am\nKärnthnerthor-Theater in Wien und hat dort nicht weniger als\neinundzwanzig einactige Operetten geschrieben, eine grosse Oper\nund die Musik zu fünf grossen Ballets. Bei der Oper hatte er das\nleider gar zu häufige Unglück deutscher Componisten, ein einfälti-\nges Buch zu Grunde zu legen. Von den Operetten haben sieh meh-\nrere auf dem wiener Repertoire erhalten. ln derselben Ver-\nsammlung spielte Herr L. Brassin (dem während des zweimonat-\nlichen Urlaubs des Herrn Breunung dessen Unterrichfs-Stunden auf\nder Musikschule übertragen sind) das D-moll-Concert für Ciavier\nvon F. Mendelssohn mit grossem und wohlverdientem Beifalle. Zum\nSchlüsse hörten wir eine feurige und präcise Ausführung der\nOberon-Ouverture, welche dem Orchester und dessen Dirigenten\nFranz Weber sehr zur Ehre gereicht.\nDie mainzer Liedertafel, welche am 22. Nov. ihr fünf-\nundzwanzigjähriges Bestehen feierte, ward am 31. Oct. 1831 ge-\ngründet, vorzüglich auf Betreiben des Herrn J. J. Schott, der den\nVerein fortwährend aufs wärmste geliebt, aufs kräftigste gehalten,\naufs eifrigste gehoben, dafür aber auch aller Mitglieder Vertrauen,\nHochachtung und Liebe geärntet hat. Kurz nach seinem Beginne\nhatte der Verein das Glück, in Herrn Messer einen jugendlich-\nfeurigen und vortrefflichen Gesang-Director zu erhalten, der wäh-\nrend seiner fast neunjährigen Direction (vom April 1832 bis Ende\n1840) die Liedertafel so hob, dass sie zum gediegenen und ge-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "396", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18561206-01.1.8", "texte": "schmackvolten Vortrage auch der schwierigsten Gesangwerke heran-\ngebildet ward. Schon im Anfange des Jahres 1836 rief die Lieder-\ntafel einen Damengesang-Verein ips Leben und verband ihn\nauf eine sehr einsichtsvolle Weise mit sich. Dadurch wurde sie zur\nAufführung der grössten Tonwerke befähigt.\nBis zur Gründung des aus ihr hervorgegangenen Vereines für\nKirchen-Musik führte sie auch jährlich ein passendes Werk in\neiner der Stadtkirchen auf. Die grösste Entfaltung ihrer bedeuten-\nden Mittel zeigte sie aber in den Musik festen, bei denen sie\nvon den Gesangskrätten der näheren und ferneren Umgegend, und\nabwechselnd von den Orchestern von Darmstadt, Mannheim und\nWiesbaden unterstützt ward. Sehr oft nahm auch die Liedertafel,\nallein oder in Verbindung mit ihrem Damengesang-Verein, Antheil\nan auswärtigen musicalischen Fest-Veranstaltungen, so zu Coblenz,\nKöln, Darmstadt, Frankfurt, Lille, Wiesbaden, Würzburg und an-\nderen Orten. Der Verein zählt in seiner Totalität an 500 Mitglie-\nder. Die Musik-Directoren nach Messer waren die Herren H. Esser\n6V2 Jahr, E. Pauer, 4 Jahre, L. Fischer 1% Jahr, G. Vierling 1\nJahr, Winkelmeier l 1 Jahr, C. Reiss (provis.) l'/4 Jahr. Leider\nblieben die Letzteren, entweder durch glückliche Vocationen oder\ndurch Gesundheils-Rücksichten bewogen, nur allzu kurze Zeit in\nihrer hiesigen Stellung. Der gegenwärtige Dirigent, Herr Capell-\nmeister Marpurg, hat seit Antritt seines Amtes (im September\n1856) bereits grosse Energie und Directions-Talent bekundet, so\ndass der Verein einer dauernd glücklichen Zukunft entgegensehen\ndarf. (S. M.-Z )\nDie neue berliner Liedertafel, welche zur Förderung der Quar-\ntett-Compositionen jährlich einen Preis für Tonkünstler aus ihrer\nMitte aussetzt, hatte diesmal durch ihren Vorstand die Composilion\ndes Gedichtes „Vortanz\" von Hoffmann von Fallersleben zur Auf-\ngabe, und die Partitur von van Beethovens grosser Messe in Pracht-\nband, nebst einem Lorberkranz als Belohnung für den Sieger be-\nstimmt. Die Capellmeister Dorn und Taubert, so wie Musik-Director\nNeithardt, waren Schiedsrichter. Die Aufgabe gehörte nicht zu den\nleichtesten, denn der Text mit seinen abgerissenen Sätzen, seinem\neigenthümlichen Versmaass und dem Uugleichen im Sinne der Verse,\nbot um so grössere Schwierigkeiten dar, als die gewöhnliche Be-\nhandlung eines Strophenliedes selbstredend ausgeschlossen blieb.\nDem Musik-Director Würst, dem die Richter den Preis zuerkannt\nhatten, war es ausserordentlich gelungen, diese Schwierigkeiten\nglücklich zu überwinden.\nStuttgart. Nach Lindpaintner's Tode ist Fr. Kücken erster\nHof-Capellmeister geworden. Wir benutzten diese Gelegenheit, die\nNamen seiner Vorgänger hier folgen zu lassen. Würtembergische\nCapellmeister seit 1716 waren: Joseph Brescianello; er erhielt den\nCapellmeister Hart an die Seite. 1754 wurde die „Kammer-, Hof-\nund Kirchen-Musik\" unter den von Rom berufenen Nicoli Jomelli\nals Ober-Capellmeister gestellt. Auf Jomelli folgten Antonio Boroni\nund August Poli, und 1792 der Zögling der Karls-Akadcmie, Ru-\ndolf Zumsteeg, dem später Dietter aus Ludwigsburg, gleichfalls\nKarls-Schüler, als Musik-Director an die Seite gegeben wurde. Auf\ndiese folgten als Capellmeister: J. F. Kranz (1803—1808), neben\nihm Franz Danzi (1807—1821), Konradin Kreutzer (1812—1816)\nund J. N. Hummel (1816—1819). 1819 trat Lindpaintner ein, dem\nim Jahre 1851 Kücken zur Seite gestellt wurde.\nDer berühmte Violoncell-Virtuose Max Bohrer, der früher\nNordamerica und Westindien bereis'te, hat jetzt einen Künstler-\nAusflug nach Algier, Aegypten und Ostindien angetreten.\nWien. Chcrubini's Requiem für Männerchor und grosses\nOrchester, am 13. Nov. vom hiesigen Männergesang-Vereine in der\nAugustiner-Kirche zur Aufführung gebracht, ragt sowohl als eine\nNovität (hier nur von Wenigen gekannt), als auch durch die bei\ndessen Aufführung sich betheiligenden Kräfte unter der Reihe kirch-\nlicher Productionen heraus. Die vorzüglichsten Künstler Wiens und\ndie Zöglinge des Conservatoriums wirkten im Orchester mit. Alle\nFreunde guter Kirchen-Musik in der gedrängt vollen Kirche, so\nwie die Verwandten und Freunde der verstorbenen Mitglieder des\nVereins, deren Gedächtnisse die kirchliche Feier galt, werden die\nWahl dieses herrlichen Tonwerkes mit Dank anerkennen. Hier\nwaltet schöpferische Kraft, geistreiche Conception und dramatischer\nAusdruck, stets innerhalb der Gränzen des Kirchenstiles einher-\nschreitend, und eine Auffassung des kirchlichen Textes im Geiste\nBeethoven's. Die Aufführung war unter der Leitung des Chormeisters\nSchläger eine vortreffliche.\nAm Allerheiligen-Feste wurde die bereits in dieser Musik-\nZeitung besprochene Messe des eilfjährigen Componisten Su-\ncher in Wien in der Minoriten-Pfarrkirche und wiederholt in der\nitaliänischen Kirche, unter der Leitung des Chorregenten Herrn\nEd er, aufgeführt. Man geräth wirklich in Erstaunen, wenn man\ndem ruhigen Gange der Composition folgt, wenn man die würde-\nvolle Haltung, die ungesuchten, einfach schönen Effecte ins Auge fasst.\n** Rotterdam, den 2. Dec. Vor einigen Tagen hat Herr\nAlbert Hahn, der, wie wir hören, die Grundlagen seiner musi-\ncalischen Bildung der Rheinischen Musikschule zu Köln ver-\ndankt und sich seit einigen Monaten hier niedergelassen hat, ein\nOrcheslerwerk von seiner Composition mit Beifall zur Aufführung\ngebracht. Es ist in Ouverturen-Form geschrieben, wegen seiner\ngrösseren Ausdehnung aber vom Verfasser als „Phantasie für\nOrchester\" bezeichnet.\nDer belgische Componist Gevaert hat von dem Könige der\nBelgier den Leopolds-Orden erhalten. Seine Composition einer na-\ntionalen Canlate, welche die Societe des Choeurs von Gent bei\nden Festlichkeiten zu Brüssel mit dem Orchester des dortigen\nConservatoires unter Leitung von Felis aufführte, hatte sich der\nAllerhöchsten Gunst zu erfreuen."}]}