{"numero_id": "bm-bmtnabi-1857-01-10-01", "volume": "bmtnabi_1857-01-10_01", "ocr_sha256": "025483ed87bf189f795e27240b58589c1c7f78591800aa5691d6f8783f5b1cf2", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1857/01/10_01/bmtnabi_1857-01-10_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570110-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1857-01-10-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-01-10_01#c001", "volume": "bmtnabi_1857-01-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "9", "page_fin": "9", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570110-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570110-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 310, "texte": "Inhalt.\nHeinrich Marschner. I. Von L. Bischoff. Ans Frankfurt am Main. Von A. S. Aus Dresden (Man-\nnergesang). Von A. V. Tages- und Unterhaltungsblatt (Barmen, 111. Abonnements-Concert Essen Hannover Berlin\nHamburg, Fräul. Hartmann Fräul. Marlow Therese Milanollo Dorn's Nibelungen F. Liszt Rom, Kirchenmusik.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-01-10-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-01-10_01#c002", "volume": "bmtnabi_1857-01-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "9", "page_fin": "12", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570110-01.2.2", "titre_corps": "Heinrich Marschner.", "titre_sommaire": "Heinrich Marschner.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570110-01.1.1", "debut_caractere": 312, "fin_caractere_exclue": 2155, "texte": "Heinrich Marschner.\nI.\nAm 1. Januar 1831 hatte Heinrich Marschner sein\nAmt als königlicher Hof-Capellmeister in Hannover ange-\ntreten. Nach einer sechsundzwanzigjährigen Wirksamkeit\nwurde der grosse Meister der Töne am 1. Januar 1857\ndurch eine Abgesandtschaft des Magistrats und Bürger-\nVorsteher-Collegiums von Hannover, den Herrn Stadt-Di-\nrector J. Rasch an der Spitze, zu seinem Jubelfeste be-\nglückwünscht und ihm „als ein Zeichen der Anerkennung\nder grossen Verdienste, welche derselbe als der Ersten\neiner unter den deutschen Componisten und Orchester-\nDirigenten auf dem Gebiete der Kunst, namentlich auch\nwährend seiner langjährigen Thätigkeit in Hannover sich\nerworben hat\", das Ehrenbürgerrecht der königlichen Re-\nsidenzstadt Hannover verliehen und die betreffende Ur-\nkunde überreicht.\nUm vier Uhr wurde der Gefeierte zu einem Mittags-\nmahle abgeholt, welches in der Börsenhalle von einem\nengeren Kreise seiner Freunde veranstaltet worden war,\nwobei es an ehrenvollen Hochs und Kränzen und Blumen-\nspenden für den Meister nicht fehlte.\nVon Köln überbrachte Professor L. Bischoff im Na-\nmen der Freunde und Verehrer Marschner's folgenden\nFestgruss vom Rheine:\nAn Heinrich üarschner.\nZum l. Januar 1857.\nWenn Dir an Deinem Ehrenfeste heut\nDen Gruss vom Rhein die Kunstgenossen senden,\nUnd kunstverwandte Freunde, die Dich lieben:\nSo wolle freundlieh ihre Namenszüge\nBetrachten und des alten Kölns gedenken,\nDer alten Liebe und des alten Weins,\nDer Sangeslust auf bunt beflaggten Schiffen,\nUnd aller Gaben, die der Rhein uns spendet.\nWie gerne kämen wir Dich selbst zu grüssen!\nDoch wehrt es uns die strenge Herrin Zeit,\nDie Jeden fest &n seinen Webstuhl kettet.\nJa> dürften wir ausbreiten nur den Mantel,\nDer durch die Luft uns trüge hin und her !\nDoch uns ist jener Zauber nicht verliehen,\nMit dem die Geister Du heraufbeschwörst."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570110-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4760, "texte": "Du ziehst den Mond mit süssen Tönen nieder,\nDass mild sein Licht die Todeswunde heilt1):\nDu öffnest kühn der Erde tiefe Klüfte2),\nWo Erz und Gold in mächtigen Adern glüh'n,\nIn bunter Pracht die Edelsteine prangen\nUnd dennoch ihn nicht fesseln, den sein Herz\nHinauf zieht, Ein Mal nur als Mensch zu fühlen,\nEin Mai im Leben nur geliebt zu werden!\nSo führest Du der Sage düstre Schauer\n7 Unheimlich schön an unserm Ohr vorüber.\nDann lassest Du den Sturm der Leidenschaft\nUm die verschmähte Lieb' im Herzen rasen,\nBis eines Schwertes Blitz die Nacht zerreisst\nUnd im getroffnen Herzen Alles schweigt3).\nUnd wieder lockst Du uns in lichten Wald,\nUnd da beginnt erst recht Dein Zauberspiel.\nDenn wie das „Liebchen\" neckisch ruft: „Da bin ich\" —,\nSo ruft aus jedem Busch, von jedem Zweige\nDer unsichtbaren Stimmen holder Laut,\nDass wir kaum wissen mehr, wohin uns wenden,\nWeil Lieb' und Frühling klingt an allen Enden.\nUnd wie wir still den sanften Tönen lauschen,\nDa hören plötzlich wir die Wipfel rauschen,\nUnd „wie des Adlers mächtiges Gefieder\"\nErhebt sich aus dem Thal zur Höh' empor,\nGetragen von den Schwingen Deiner Lieder,\nVereinter Stimmen kräftig voller Chor.\nUnd wunderbar gestalten heut' die Lieder\nZu Blättern sich und Blülhen allzumal,\nf\nUnd senken auf Dein Haupt als Kranz sich nieder,\nUmleuchtet von des Ruhmes Sonnenstrahl.\nEs naht der Genius wieder, Dich zu krönen,\nDer lächelnd einst an Deiner Wiege stand,\nDer Dich geweiht zum Herolde des Schönen\nIm liederreichen deutschen Vaterland.\nAm treusten bliebst du ihm von seinen Söhnen-\nDenn Du hast nicht den deutschen Sinn verbannt.\nDu bist zu stolz, dem fremden Glanz zu fröhnen,\nDein deutsches ilerz, wir haben's nie verkannt.\nDrum hat der Rhein Dir diesen Gruss gesandt:\nEs soll das ganze Vaterland Dich krönen!\nDiese Zuschrift war von den Herren Capellmeister F.\nHiller, Dom-Capellmeister Leibi, den Musik-Direcloren F.\nWeber, Ed. Franck, C. Reinthaler, den Vorständen sämmt-\nlicher musicalischer Institute (der Musicalischen Gesell-\nschaft, der Concert-Geselischaft, der Rheinischen Musik-\nschule, des Orchesters, des städtischen Gesang-Vereins,\nder Sing-Akademie, der Philharmonischen Gesellschaft) und\neiner grossen Anzahl von Kunstfreunden unterschrieben.\nAusserdem hatte der kölner Männergesang-Verein\nnoch folgende, mit den Unterschriften seines Dirigenten F.\nWeber, des Vorstandes und sämmllicher Vereins-Mitglie-\nder bedeckte Adresse dem Meister gewidmet:\n„Hochgeehrter Meister! Ihre Freunde in Hannover\nbereiten Ihnen heule ein Fest für die glänzenden Siege,\ndie Sie in den Kämpfen für das Schöne und Edle auf dem\nGebiete der Kunst seit 25 Jahren errungen. Der kölner\nMännergesang-Verein, welcher Sie, hochverehrter Meister,\nmit Stolz sein Ehren-Mitglied nennt, lühlt sich hoch be-\nglückt, Ihnen so nahe zu stehen, dass er es wagen darf,\nseine innigste Theilnahme am heutigen Feste durch die\nherzlichsten Glückwünsche zu bethätigen: einem Feste,\nwelches zunächst einen nationalen Charakter trägt denn\nder Deutsche ehrt noch seine grossen Männer—, aber zu-\ngleich auch einen universellen; denn das wahre Verdienst\nfindet in der ganzen Welt Anerkennung. Möchten Sie,\nhochverehrter Herr, in der allgemeinen ur.d freudigen Wür-\ndigung Ihrer grossen Verdienste einen Theil des Ihnen ge-\nbührenden Lohnes lür alles das erblicken, was Ihr ausge-\nzeichnetes Talent Grosses und Erhabenes geschaffen, und\nmöchten Sie an der Seite der liebenswürdigen Gemahlin\nnoch recht lange der deutschen Tonkunst erhalten bleiben,\nderen Hauptstütze wir in Ihnen verehren! Köln, den 31.\nDecember 1856.\"\nBeide Schriftstücke waren kalligraphische Kunstwerke\nder Herren J. X. Mennig und F. C. Witte zu Köln.\nWir lassen diesem Berichte einige Nachrichten über\nMarschner's Leben und Werke folgen.\nHeinrich Marschner ist am 16. August 1796 zu\nZittau in der sächsischen Oberlausitz geboren. Seine musi-\ncalische Anlage zeigte sich in seiner ersten Jugend beson-\nders durch eine schöne Sopranstimme und ein vortreff-\nliches Gehör. Beides bildete er im Singchor des Gymna-\nsiums unter dem Präfecten Friedr. Schneider aus. Der\ntüchtige Componist August Bergt, Organist in Bautzen, veran-\nlasste die Eltern Heinrich's, ihn nach Bautzen auf das Gym-\nnasium zu schicken; sie hegten die Hoffnung, dass Bergt seine\ntheoretischen Musik-Studien leiten werde. Diese Hoffnung\nerlüllle sich zwar nicht, allein Marschner legte doch dort\nden Grund zu seiner wissenschaftlichen Bildung, kehrte,\nnachdem er die Tertia durchgemacht, wieder nach Zittau\nzurück, besuchte fleissig die Schule und componirte frisch\ndarauf los, weil er musste, weil der angeborene Drang zum\nmusicalischen Schaffen mächtiger in ihm war, als das Be-\nwusstsein mangelhafter Vorkenntnisse. So schrieb er schon\n\n') Vanjpyr.\n2) Hans Heiling.\n:i) Templer und Jüdin."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570110-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5196, "texte": "damals eine Menge Lieder und Motetten, auch Bondo s\nund Sonaten für das Ciavier, anf welchem er es schon zu\nbedeutender Fertigkeit gebracht hatte, ja sogar Stücke lür\ndas ganze Orchester, wenn auch nur Tanzmusik.\nEine grössere Arbeit der Art war ein kleines Ballet:\n„Die stolze Bäuerin\", welches von einer Tänzer-Gesell-\nschaft unter der Direction eines Herrn Butenop, der die\nkleinern Städte bereis'te, aufgeführt wurde. Die Probe des-\nselben wurde für Heinrich verhängnissvoll. Er hatte dem\nDirector die strengste Verschwiegenheit über den Compo-\nnisten auferlegt, schlich sich aber in die Probe, um zu hö-\nren, wie seine Musik klinge. Die Ouvertüre beginnt, und\nes geht Alles gut, bis auf einmal das Spiel durch den\nHornisten unterbrochen wird, der in wahrer Wuth in die\nWorte ausbricht: „Was für ein Esel hat das denn ge-\nmacht? das kann kein Mensch blasen!\"— Marschner wurde\nbei der ungeheuren Spannung seiner Nerven durch dieses\nWort so erschüttert, dass er die Besinnung verlor. Erst\nam späten Abend erwachte er in seinem Versteck, zitierte\nfieberhaft, tappte durch den unheimlichen, finsteren Raum\nzum Ausgange und erreichte mit Mühe das mütterliche\nHaus. Ein heftiges Nervenfieber brach aus und fesselte ihn\nsieben Wochen lang ans Bett. Endlich siegte die kräftige\nNatur und die Jugend; er erwachte zu neuem Leben und\nWirken und erstarkte zu einer Gesundheit, die seitdem\nnicht wieder erschüttert worden ist. Nur Eines hatte er\nohne Wiederkehr verloren: die schöne Stimme. Sein Ballet\nwar übrigens aufgeführt worden der Hornist wurde be-\nruhigt, als man ihm bemerkte, er möge die gefährliche\nStelle nur in der höheren Octave blasen ,und die Musik\ngefiel. Marschner war aber um den ersehnten Genuss, sein\nWerk zu hören, gekommen; denn bei seiner Genesung\nwar die Tänzer-Gesellschaft längst verschwunden.\nDieses Erlebniss machte den jungen Componisten, Irei-\nlich auf sehr harte Weise, auf das, was ihm fehlte, auf-\nmerksam. Er begann sich über die Natur und den Umfang\nder Instrumente theoretisch und praktisch zu unterrichten\nund bekam nun auch durch die Freundlichkeit eines aus-\ngezeichneten Dilettanten und Beförderers aller musicali-\nschen Bestrebungen in seiner Vaterstadt einige Partituren\nin die Hände, namentlich von Opern und Messen von\nRighini. Ein Wanderer durch die Wüste kann nicht Ireu-\ndiger das frische Grün der Oase und die klare (Juelle be-\ngrüssen, als Marschner diesen unschätzbaren Fund. Nun\nging er mit neuem Muthe an das eifrigste Studium dieser\nWerke, und je mehr Marschner aus diesen Notenblät-\ntern sich die ersten Geheimnisse der Kunst enträthselle,\ndesto mehr wuchs die Lust zum eigenen Schaffen, und es\nerstarkte unmerklich in ihm das Bewusstsein eines inneren\nBerufes zur Tonkunst.\nTrotzdem bezog er noch mit dem Vorsatze, die Rechte\nzu sludiren, die Universität Leipzig im Jahre 1816. Er\nhörte die Vorlesungen der Professoren Krug, Wieland,\nHaubold, Plattner und Wendt, aber des Nachts spielte er\nCiavier und componirte. Das war freilich nicht allen Haus-\nherren recht, und der musicalische Student sah sich häufig\nzu einem unfreiwilligen Wohnungswechsel genölhigt. Bald\naber wurde sein Talent in musicalischen Kreisen geschätzt,\ner wurde mit Gleich, Lindner, Rochlitz, endlich besonders\nauch mit Schicht bekannt; sein treflliches Clavierspiel, na-\nmentlich auch seine ausnehmende Fertigkeit im Partitur-\nspielen, gewannen allgemeine Anerkennung, und man drang\nin ihn, sich der Tonkunst zu widmen.\nMarschner, so sehr die innere Stimme auch für diesen\nEntschluss sprach, misstraute doch noch immer seinem\nTalente mit einer Bescheidenheit, die (vollends bei solchen\nNatur-Anlagen, wie der Himmel sie ihm verliehen) heutzu-\ntage kaum erhört sein dürfte, wo die Genie's wie Pilze aus\nder Erde wachsen und nicht mehr das Werk den Meister\nlobt, sondern die guten Freunde. Auch hielt ihn, der ohne\nVermögen war, die geringe Aussicht aul die Ergiebigkeit\nder Künstler-Laufbahn zurück, bis endlich das freundliche\nAnerbieten Schicht's, ihm Unterricht in der Theorie und\nCompositions-Lehre zu ertheiien, und die reissenden Fort-\nschritte, welche er darin machte und sich selbst nicht ver-\nhehlen konnte, alle Bedenken und Zweifel lös'ten und ihm\ndas volle Vertrauen zu sich selbst gaben. Nun widmete er\nsich mit jener energischen Thätigkeit und Arbeitslust, die\nihm sein ganzes Leben lang zu eigen geblieben ist, dem\nerwählten Berufe, arbeitete unter Schicht's Leitung die\nverschiedenen theoretischen Systeme durch, studirte dieje-\nnigen Partituren, die er von Haydn's und Mozart's Werken\nauftreiben konnte, gründlich und schrieb sich die Beetho-\nven'schen Sinfonieen selbst in Partitur. Dabei hatte er die\nGenugthuung, mehrere von seinen Compositionen gedruckt\nund von den leipziger Verlegern bezahlt zu sehen, so dass\ner seinen liebsten Wunsch, seiner Mutter dann und wann\nmit Geschenken eine Freude zu machen, erfüllen konnte.\nAus dieser Zeit rühren die ersten 20 bis 23 Num-\nmern seiner gedruckten Werke her, Lieder mit Begleitung\nvon Ciavier oder von Guitarre, kleinere Ciavierstücke, auch\nschon ein paar Sonaten (Op. 6 und 9) für das Pianoforte\nu. s. w. Schon damals drängte es ihn, eine Oper zu schrei-\nben, und in Ermangelung eines Textes griff er zu dem Li-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570110-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1518, "texte": "bretto des Titus, das der Partitur von Mozart vorgedruckt\nwar. Er versuchte doch wenigstens seine Kräfte daran,\nübte sich in Handhabung der dramatischen Formen und\ngewann Vertrauen zu ähnlichen Arbeiten in der Zukunft.\nAus der geheim gehaltenen Partitur brachte er später nur\nein Terzett mit verändertem Texte zum Vorschein, das Bei-\nfall erhielt und eine unverkennbare Begabung für drama-\ntische Musik bekundete.\nIm Jahre 1817 reis'te er nach Karlsbad, goldene\nBerge von dem Ertrage eines Concertes träumend, das er\ndort zu geben hoffte. Wer weiss aber, wie es damit ge-\ngangen sein würde, wenn nicht gleich in den ersten Tagen\nseines Aufenthalten ein günstiges Geschick ihn mit dem un-\ngarischen Grafen Thaddee von Amadee zusammengeführt\nhätte! Der Graf, selbst ein ausgezeichneter Clavierspieler\nund tüchtiger Musiker, der sich auch im Componiren ver-\nsuchte, gewann Marschner lieb, und die beiden jungen\nMänner schlössen einen Freundschaftsbund, der um so\ndauernder war, als die gleiche Begeisterung für die Kunst\nihm die Weihe gab. Diese Bekanntschaft ist als ein Wende-\npunkt in Marschner's Leben anzusehen. Dass er durch die\nEmpfehlung und Theilnahme des Grafen in Karlsbad nun\nwirklich ein gutes Concert machte, war das Wenigste; der\nGraf lud ihn ein, im Herbste zu ihm nach Wien zu kom-\nmen, Marschner folgte der Einladung, blieb bis 1821 in\nder Nähe seines vornehmen Freundes und Gönners, theils\nin Wien, theils. in Ungarn, und fand durch die Liberalität\ndes Grafen die sorgenfreie Müsse, der Kunst zu leben."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-01-10-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-01-10_01#c003", "volume": "bmtnabi_1857-01-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "12", "page_fin": "13", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570110-01.2.3", "titre_corps": "Aus Frankfurt am Main.", "titre_sommaire": "Aus Frankfurt am Main.", "signature_source": "A. S", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570110-01.1.4", "debut_caractere": 1520, "fin_caractere_exclue": 4924, "texte": "Aus Frankfurt am Main.\n\nWelch ungewöhnlichen Anklang die in Nr. 52 dieses\nBlattes (Jahrg. 1856) enthaltenen „Bemerkungen eines\nEngländers über musicalische Zustände in Deutschland\"\nhier gefunden, zeigt auch deren alsbaldiges Uebergehen in\ndie Spalten des Conversations-Blattes. Die von dem engli-\nschen Kunstfreunde gegebene Skizze, wenngleich im We-\nsen nicht neu, aber der Wahrheit getreu, wird sicherlich\nvon allen deutschen Kunstfreunden bewillkommt werden.\nVorwiegend Geschwätz über Musik aber nicht\nbloss von Jungen, wie der Engländer bemerkt hat, auch\nvon Alten, in Wort und Schrift das ist die leidige Cha-\nrakteristik der musicalischen Gegenwart! Hätte der ehren-\nwerthe Gentleman noch den Stilus curiae einer gewissen\nleipziger Zeitschrift zu übersetzen verstanden, wie wäre\nerst dann seine Beurtheilung ausgefallen?!\nIn welch absonderlicher Art wir Frankfurter von der\nSchwatzhaftigkeit in Sachen der Tonkunst zu leiden haben,\nist in diesen Blättern wiederholt signalisirt worden, und\nverdiente unser Schicksal wohl Theilnahme wahrhafter\nKunstfreunde, auch jenes englischen. Möge diese durch\nMittheilung eines gar seltsamen Specimen von Schwatz-\nhaftigkeit wach gerufen werden können, das zweifelsohne\nnoch mancherlei Bedenken erwecken dürfte, wenn man\nhört, dass der Sprecher ein alter Kunstgelehrter und Com-\nponist ist, der seit längerer Zeit im hiesigen „Volksfreund\nlür das mittlere Deutschland\" die kritische Feder zu füh-\nren beliebt. In seinem jüngsten Aufsatze: „Ein Ehrentag\ndes frankfurter Cäcilien-Vereins\" —Nr. 148 —der über\ndie Aufführung von Seb. Bach's H-moll-Messe handelt, er-\nklärt der Erfinder eines neuen Harmonie-Systems den\nContrapunkt in folgendem Gleichnisse:\n„Da wohl manche nicht musicalische Leser des Volks-\nfreundes keinen klaren Begriff haben, was Contrapunkt sei,\nso wollen wir versuchen, es ihnen deutlich zu machen.\nDenken SieSich, es sei Neujahrstag, und das Officier Corps\nmache dem Herrn Bürgermeister die übliche Visite; da\nwird nur Einer sprechen, der Vornehmste, und die Ande-\nren zeigen ihre Theilnahme in den freundlichen Gesichts-\nzügen und durch gelegentliche Bücklinge. Das ist ein Solo\nmit nicht obligatem Accompagnement. Denken Sie Sich\njetzt eine z. B. vom gesetzgebenden Körper bestellte Com-\nmission, die über irgend einen Gegenstand ein Gutachten\nabzugeben hat. Da wird bei der Berathung bald Dieser,\nbald Jener in mehr oder weniger wohlgesetzler Rede seine\nAnsicht aussprechen, während die Anderen sich nicht\nobligat bezeigen. Das ist ein concertirendes Tonstück, wo\ndie Instrumente mit ihrem Solo abwechseln. Nun denken\nSie Sich schliesslich einige eifrige Bürger bei dem Glase\nAepfelwein an einem Tisch, die alle bloss Ein Thema, zum\nBeispiel die Wasserratten-Bahn, verhandeln. Das Interesse,\nwelches sie an der Sache nehmen, macht, dass Alle zugleich\nsprechen, und der Kuckuck mag aus dem Geschwätze\nklug werden. Das ist Contrapunkt.\"\nWerden wohl sämmtliche musikliebende Bediente\nund Kammerzofen aus Frankfurt und Umgegend auf das\nhoffentlich bald zu erscheinende Harmonie-System subscri-\nbiren? Wir erwarten, dass dieses aus schuldiger Dankbar-\nkeit geschehen werde, indem der witz- und phantasiereiche\nKritiker doch hauptsächlich für den ästhetischen Geschmack\ndieser ehrsamen Classe von Dilettanten zu wirken bestrebt\nist. Ein beinahe vierzigjähriger Aufenthalt in dieser Stadt\nhat ihn über den ernsten Sinn noch nicht aufgeklärt, der"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570110-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3962, "texte": "allen Schichten ihrer Bewohner eigen, einen Sinn, der natur-\ngemäss jedes Ding in ernster Weise aufzufassen und so\nzu behandeln gewohnt ist. Was insbesondere unsere Mu-\nsiker in der Mehrzahl betrifft, so ist auch deren Sinn und\nStreben dem Ernsten und Gediegenen in Wort und Ton\nzugewandt, demnach wohl nicht zu besorgen steht, dass\nselbst Lob, in platter Stilform gespendet, ihnen munden\nund eben so wenig bei dem gebildeten Publicum förderlich\nsein könne.\nNoch mögen einige charakteristische Züge unseres\nhochgelehrten Kunslrichters hier Platz finden. Im genann-\nten Blatte Nr. 144 wird von Ausführung der Euryanthen-\nOuverture gesprochen und gesagt: „Anstatt dieses allzu\nbekannten und besonders in der Fugen-Episode etwas\nplumpen Tonstückes hätten wir lieber etwas Anderes\ngehört.\" Weiter rückwärts wurden wir von dem scharf-\nsinnigen Contrapunkt-Erklärer belehrt, dass eine imitatori-\nsche Stelle im ersten Theile vom Gloria der Becthoven'-\nschen C-dur-Messe kindisch sei. Kurz: die Rubrik der\n„Stoppellese\" könnte allein mit ähnlichen Sentenzen des\nvolksfreundlichen Kritikers angefüllt werden.\nDiese Vorgänge in der frankfurter Kunstkritik, die\nsich bekanntlich keiner besonderen Achtung bisher zu er-\nfreuen gehabt, aber in jüngster Zeit factisch bestrebt ist\nvornehmlich Conversations-Blatt und Didaskalia—, einen\nbesseren Ruf nach innen und nach aussen zu erwerben,\nmussten endlich in diesem Organe nach Gebühr gekenn-\nzeichnet werden, um der auswärtigen Beurtheilung die\nrechte Richtung zugeben. Zur Ehre der meisten frankfurter\nJournale darf versichert werden, dass der von ihnen ange-\nschlagene Ton überhaupt weder plump noch kindisch,\nam wenigsten trivial zu nennen ist— Eigenschaften, auf\nwelche nur allein die kritischen Expectorationen des „ge-\nlehrten Nestors\" Anspruch machen dürfen. Mitleidiges Be-\nlächeln ist ihr jedesmaliger Lohn von Seiten des gebildeten\nPublicums.\nBei Beginn des neuen Jahres hat Ihr Correspondent\ndas Vergnügen, von Verminderung musicalischer\nZeitschriften in unserer Stadt berichten zu können,\nund zwar in einem Locale, wo selbe in ziemlicher Anzahl\nleicht zugänglich sind. Von französischen Zeitschriften\nwurden beurlaubt Gazette Musund\nbis beide im Stande sind, grösseres Interesse bei deutschen\nLesern zu erwecken. Von deutschen sind die „Blätter\nfür Musik\" (Wien) von uns geschieden, dieselben, welche\nin dem vor zwei Jahren ausgesandten Prospectus nichts\nweniger als „absolute Unparteilichkeit* versprochen ha-\nben; leider aber wollten die hiesigen Leser in dem Inhalte\nzumeist parleigängerisehes Geschwätz und Lobhudeleien,\nvon Unparteilichkeit und Wissenschafllichkeit jedoch nur\nwenig Spuren finden. Ferner werden ausbleiben die\n„Signale\" (Leipzig), die in den letzten Jahren den wei-\nmar'schen Kunstgrössen zu willig die Spalten geöffnet und\nsich fast unter ihren Schutz und Schirm gestellt, die vor-\nzugsweise sich bestrebt, die Triumphe des reisenden Vir-\ntuosenthums der Welt zu verkünden. Verwiesen wurde\nnoch das gesinnungstüchtige und nur den wahrhaften\nKunst-Interessen dienende Organ doch stille, das wol-\nlen wir noch in petto behalten. Die Beseitigung der be-\nzeichneten Blätter möge vorläufig darlhun, wie man hier-\norts, müde der mehrjährigen Täuschungen, ernstlich be-\ngonnen hat, dem Parteitreuen und meist nur verlegerischen\nZwecken dienenden Blättern keinen Platz mehr einzuräu-\nmen. Es verbleiben indessen immer noch mehr vorhanden,\n4\nals die eigentlichen Kunslzwecke bedürfen und die Le-\nser zu bewältigen im Stande sind*). Auch von\ndiesen werden wir früher oder später noch manches schei-\nden sehen müssen. Beschränkung der musicalischen Organe\nauf eine bescheidene Anzahl ist eines der ersten Erforder-\nnisse, wenn dem maasslosen Geschwätz über Musik, so\neng verschwistert mit Feilheit und Verrath an der Kunst,\nnachdrücklich gesteuert werden soll. Was soll wohl aus\ndem heranwachsenden Künstiergeschlechle werden, wenn\nder gegenwärtige Zustand der Dinge noch lange derselhe\nbleibt?\n\nA. S."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-01-10-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-01-10_01#c004", "volume": "bmtnabi_1857-01-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "13", "page_fin": "15", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570110-01.2.4", "titre_corps": "Aus Dresden.", "titre_sommaire": "Aus Dresden.", "signature_source": "A. V", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570110-01.1.5", "debut_caractere": 3964, "fin_caractere_exclue": 4804, "texte": "Aus Dresden.\n\nBei einer Ende November vorigen Jahres (den 19.)\nhier veranstalteten grossen geistlichenMusik in der\nfestlich erleuchteten Frauenkirche, zur Förderung des\nThurmbaues hiesiger Neustadt, wurde folgendes Programm\nausgeführt: 1) Choral „Befiehl du deine Wege\"; 2)\nHymne von C. G. Reissiger; 3) Religiöser Fest-\ngesang von J. G. Müller; 4) Hiob, Oratorium in drei\nTheilen von J. Otto. Die Ausführung der Chöre geschah\ndurch die Männergesang-Vereine Liedertafel, Orpheus, Ger-\nmania, Arion und Liederkreis; die Haupt-Partieen hatten\ndie königlichen Hof-Opernsänger Herren Rudolph, Mitter-\n\n*) In dem reichhaltigen Lese-CabineUe des Bürger-Vereins ist\ndie musicalische Literatur schon längst beschränkt worden\nauf die Berliner und die Niederrheinische Musik-Zeitung,\nNeue Zeitschrift für Musik und Monatschrilt für Theater und\nMusik."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570110-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5158, "texte": "wurzer und Conradi zu übernehmen die Güte gehabt, und\ndie Instrumental-Begleitung wurde durch das Musikcorps\ndes Herrn Hi'inerfürst ausgeführt. Wenn ein Bericht über\ndieses musicalische Unternehmen erst jetzt, also\nerscheint, so hat das seinen guten Grund. Referent gab\nsich der Hoffnung hin, es werde eine oder die andere Fe-\nder der hiesigen musicalischen Kritik sich herablassen und\neinen der Sache würdigen Bericht abfassen. Da dies nun\nbis jetzt nicht geschehen und die ganze Aufführung von\nderselben vornehm ignorirt wird, so hofft Einsender dieses\nbei der Bedeutung, welche der Männerchor-Gesang heuti-\ngen Tages gewonnen, die freundliche Aufnahme dieser Zei-\nlen in Ihre Zeitung.\nZwei Strophen des Chorals „Befiehl du deine Wege\",\nTür Männerchor eingerichtet von J. Otto, eröffneten in\nwürdiger Weise die Aufführung. Diesen folgte der Hym-\nnus „Ein König ist der Herr\" für grossen Männerchor\nohne Begleitung, componirt von C. G. Reissiger. Der Com-\nponist schrieb dieses Opus 174 für das im Jahre 1843\nin Dresden Statt gefundene grosse Männergesang-Fest.\nDie nicht geringen Schwierigkeiten, welche die Composition\ndarbietet, wurden auf gelungene Weise überwunden; der\nEindruck war ein mächtiger. Die dritte Nummer des Pro-\ngramms: „Religiöser Festgesang\" mit Instrumental-Be-\ngleitung von J. G. Müller, Director des hiesigen Männer-\ngesang-Vereins Orpheus, war eine einfache, aber nicht min-\nder wirkungsvolle Composition. Die mit musicalischer Ge-\nwandtheit geschriebene Instrumentation ist effectvoll. Herr\nMüller leitete die bisher besprochenen Nummern, welche\nden ersten Theil bildeten, und halte sich namentlich dem\nsorgfältigsten Einstudiren der Reissiger'schen Composition\nunterzogen.\nDer zweite Theil der geistlichen Musik umfasste eine\ngrössere Composition, das Oratorium „Hiob\", gedichtet\nvon J. Mosen, componirt von J. Otto, ausgeführt unter\nLeitung des Componisten. Es sind bereits 21 Jahre ver-\ngangen, seit der talentvolle Componist dieses Oratorium\nschrieb und in der Frauenkirche zu Dresden zur Auffüh-\nrung brachte. Derselbe ist seitdem nicht nur im ganzen\ndeutschen Vaterlande als Componist für Männergesang ge-\nkannt und geschätzt, auch jenseit des Oceans singt man\nseine Lieder. Das in Rede stehende Werk war überhaupt\neine der ersten grösseren Compositionen für Männerstim-\nmen mit Instrumental-Begleitung. Es wurde dasselbe 1840\nin Dresden nochmals aufgeführt und ist seitdem in Chem-\nnitz, Rochlitz, Bitterfeld, Breslau und an mehreren anderen\nOrten zur Aufführung gekommen. Der gemüthvolle Dich-\nter, damals in Dresden heimisch und nicht ahnend, welch\ntrauriges Loos ihn treffen sollte, war mit Otto sehr be-\nfreundet, und daher kam es denn, dass sich Beide so recht\nverstanden. Der Schwerpunkt des Werkes dürfte wohl in\nden Chören zu suchen sein, welche in die der „himmlischen\nHeerscharen\" und in die der „höllischen Geister\" zerfal-\nlen. Nachdem nach einer charakteristischen Einleitung Hiob\nin einem längeren, sehr melodiös geschriebenen Satze sich\nseines irdischen Glückes gefreut, tritt der Chor der Himm-\nlischen in einem in Des-durgehaltenen Gebete ohne Be-\ngleitung auf, welches kindliche Demuth und Gottergeben-\nheit athmet. Im Gegensatze zu diesem zeihen die höllischen\nGeister Hiob der Heuchelei, und Satan selbst bietet Alles\nauf, um Hiob von seinem Gott abtrünnig zu machen. Ra-\nphael tritt auf und verkündet dem Fürsten der Unterwelt,\ndass Hiob's Hab' uud Gut in seine Gewalt gegeben sei.\nVon da an folgt der Dichter im Wesentlichen den Worten\nder heiligen Schrift. Dem Componisten wurde dadurch Ge-\nlegenheit gegeben, eines der bedeutendsten Werke lür den\nMännergesang zu schaffen, das noch lange nicht so bekannt\nist, als es verdient. Die Aufführung war sehr gut. Die\nPartie des Hiob ist wie lür Herrn Mitterwurzer geschaffen,\ndaher auch seine sonore Stimme in den Worten: „Der\nHerr hat's gegeben\" „lch weiss, dass mein Erlöser lebt\"\nu. s. w. in der herrlichen Kirche mächtig wiederhallte.\nNicht minder brachte Herr Conradi durch seinen eben so\nmarkigen als klangvollen Bass die Partie des Satan zur\nGeltung. Vorzüglich gelungen war die vom Componisten\nmit diabolischer Färbung gezeichnete Stelle: „Rollend,\ngrollend, zur Hölle hinab!\" Auch Herr Rudolph sang die\nkleine, jedoch nicht minder dankbare Partie des Raphael\nmit vielem Verständniss. Zum Gelingen des Ganzen hat\nHerr Musik-Director Hünerfi'irst mit seinem verstärkten\nChor wesentlich beigetragen. Ueberhaupt freuten sich Mit-\nwirkende wie Zuhörende des vollständigen Gelingens des\nUnternehmens, und auch der materielle Ertrag war ein\nreichlicher. Wenn daher unlängst geschrieben stand: „Poeti-\nsches Erfassen ist nun einmal nicht Sache der Männerge-\nsang-Vereine, die im Gegentheil gewohnt sind, ernsteren\nBestrebungen den Rücken zu kehren und dem sich zuzu-\nwenden, was sich in seiner alltäglichen Miltelmässigkeit\nohne. Gedanken-Anstrengung herunterleiern lässt\", so\nwünschte Referent um so mehr, der musicalische Schrift-\ngelehrte, der dies behauptet, wäre in der Frauenkirche zu\nDresden gewesen und hätte die geistliche Musik an jenem\nAbende gehört; hoffentlich wäre er eines Besseren belehrt\nworden. Wenn aber wirklich manche Sänger-Vereine den"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570110-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 474, "texte": "Vorwurf verdienen mögen, künstlerische Anstrengung zu\nscheuen und mehr dem Trivialen und Bequemen in der\nKunst zu Frohnen, als einer ernsten und edeln Richtung\nderselben, so verdienen die hoffentlich nicht seltenen\nBeispiele vom Gegentheil desto mehr Erwähnung, zumal\nda die hiesige Presse theilweise es an Mühe und Tribu-\nlationen und Zusendungen an alle möglichen Journale nicht\nfehlen lässt, um weit geringere musicalische Facta oder\nPersonen ins Licht zu stellen.\n\nA. V."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-01-10-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-01-10_01#c005", "volume": "bmtnabi_1857-01-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "15", "page_fin": "16", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570110-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570110-01.1.7", "debut_caractere": 476, "fin_caractere_exclue": 6266, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\n** Barmen. Das dritte Abonnements-Conccrt, Dinstag, den\n30. December v. J., war nicht so zahlreich besacht, wie die frühe-\nren, wahrscheinlich, weil es zwischen die Festtage fiel. Wir hörten\nBeethovens Fest-Ouverture, Op. 124, und Mozart's Es-dur-\nSinfonie in recht gelungenen Ausführungen, und von Gesangwer-\nken das Ave verum von Mozart, den 125. Psalm von F. Hill er\nund ein dreistimmiges Schlummerlied (für Frauenstimmen) von C.\nRein ecke. Die Liedertafel sang den Schlachtgesang von J. Rietz.\nFräul. Schreck aus Erfurt sang eine Arie von Händel, eine\nandere von C. Reinthaler und drei Lieder von C. Reinecke.\nEin Glanzpunkt war der Vortrag des Violin-Concertes (militaire)\nvon Lipinski durch Herrn Seiss. Wir können uns Glück wün-\nschen, dass dem Vernehmen nach dieser treffliche Künstler den\nehrenvollen Antrag der Hof-Concertmeister-Stelle in Kassel nicht\nannehmen wird.\nlassen, 5. Jan. Gestern (Sonntag) fand unter sehr zahlreicher\nTheilnahme das zweite Concert des hiesigen Gesang-Mu-\nsik-Vereins Statt. Es wurde dasselbe sehr gehoben durch die\nGegenwart und gefällige Mitwirkung des Herrn Musik-Directors\nReinecke aus Barmen. Bewundernswerth waren die Vorträge\ndieses Virtuosen auf dem Ciavier, meisterhaft war namentlich die\nAusführung des Clavier-Concerts von WTeber. Von den Gesang-\nVorträgen: „Zigeunerleben\", Chor von Schumann, und „Geistliches\nAbendlied4' von Reinecke, heben wir besonders die letztere Com-\nposition horvor; sie ist von ausserordentlicher Zartheit und Lieb-\nlichkeit, umweht vom Dufte Mendelssohn'scher Tondichtung. Der\nzweite Thcil des Concertes wurde ausgefüllt durch die 11. Sinfonie\n(D-dur) von Beethoven. Unter der Leitung des Herrn Reinecke\nwurde dieselbe mit vieler Accuratesse ausgeführt, was um so mehr\nAnerkennung verdient, als die Mitspielenden zum Theil Dilettanten\naus dem hiesigen Instrumental-Verein waren. 5...1.\nHannover. Zwei Abonnements-Concerte fanden im Decem-\nber Statt. Die Eröffnung mit Beethovcn's F-c/wr-Sinfonie Nr. 8 gab\ndem Orchester unter der Direction des Herrn Concertmeisters\nJoachim Gelegenheit, seine bekannte Meisterschaft aufs Neue zu\nbewähren. Namentlich wurden die beiden letzten Sätze dieses ge-\nnialen Tonwerkes mit grosser Vollendung executirt. Herr Kam-\nmermusicus Kömpel erwarb sich in dem für die\nVioline von Rode durch seelenvollen Ton, reine Intonation und\nvollendete Technik in Behandlung seines Instrumentes lebhafte\nAnerkennung des Publicums. Der zweite Theil des Concertes ent-\nhielt: Ouvertüre, Melodram, Chöre u. s. w. zu Pretiosa von C. M.\nvon Weber, mit verbindendem Texte von E. 0. Sternau. Im\nzweiten Concerte unter derselben Direction musste der erste Satz\nder yl-</wr-Sinfonie von Mendelssohn nach den ersten acht\nTacten wieder von vorn angefangen werden. Es geht das Gerücht,\nJoachim habe, wie bereits schon einige Mal, seine Entlassung\neingereicht.\nBerlin. Lieber die neue komische Oper von Dorn, „Ein\nTag in Russland'4, sagt die Berliner Musik-Zeitung: „Es ist, wie\nuns scheint, der Hauptfehler des W'erkes, dass der Componist sein\nTalent, seine Kunst an einen Gegenstand verwandt hat, der mög-\nlicher Weise vorweg gegen sich einnehmen könnte. Doch liegt es\nnicht ausser der Möglichkeit, dass man durch Kürzungen über\ndiese Bedenken hinwegsehen und daher auch dem Ganzen ein\ngünstigerer Erfolg verschafft werden könnte. Einen sehr günstigen\nEindruck machte auf uns eine Ballet-Fuge, mit welcher der dritte\nAct beginnt. Es ist jedenfalls etwas Neues, eine vollständige Fuge\nzu einem Tanze zu schreiben. Zur vollständigen Wiikung dieses\nStückes ist freilich erforderlich, dass man über ein so vortreffliches\nBallet-Personal und über einen so ausgezeichneten Balletmeister,\nwie Herr Taglioni ist, verfügen kann. Dem sei, wie ihm wolle, die\nWirkung dieses Ensemble ist im höchsten Grade anziehend. Einen\nansprechenden Charakter haben demnächst die Tänze des dritten\nActes. Der erste Act, dem durch Kürzungen in seinen musicali-\nschen Partieen nachgeholfen werden müsste, enthält Einzelheiten\ndie anziehend und musicalisch interessant sind, aber durch den\nMangel an Interesse für die Handlung, in der zu wenig vorgeht,\nabgeschwächt werden. Es unterliegt keinem Zweifel, dass man für\ndas Werk, wenn ihm die erforderliche Umgestaltung zu Theil\nwird, eine Theilnahme wird gewinnen können. Dem Componisten\naber inuss es überlassen bleiben, hier den richtigen Tact zu ent-\nfalten.\"\nHamburg:« Die Aufführung des „Freischütz\" vor den Fest-\ntagen war eine gelungene, in manchen Partieen sogar ausgezeich-\nnete. Fräul. Ilartmann entfaltete als Agathe eine so warme,\nkraftvolle und edle Stimme, dass sich uns die lebhafte Erinnerung\nan Frau Maximilien aufdrängte. Dazu war ihr musicalischer Vor-\ntrag sicher gebildet, von Geist und Empfindung belebt, und wenn\nauch das Spiel in der Haltung des Körpers und den Armbewegun-\ngen noch die Bühnen-Anfängerin verrieth, so brachte es doch einen\ngünstigen Eindruck durch die treuherzige Natürlichkeit seiner gan-\nzen Anlage hervor. Das Auditorium war entzückt von der Leistung\nund rief Fräul. Hartmann im zweiten Acte mitten in der Scene.\nDer grosse Erfolg dient der Direction hoffentlich zur Aufforderung,\ndie jnnge Künstlerin öfter in bedeutenden Aufgaben zu beschäftigen.\nHier werden zwei neue Opern in Scene gehen: „Lorelcy\" von\nJ. Lachner und „Bianca Siftredi\" von Dupont.\nDie Stuttgarter Hof-Opernsängerin Marlow, die aus Anlass\neiner Fusslähmung der Bühne durch lange Zeit entzogen war, hat\nin der canstatt'schen electro-magnetischen Heilanstalt so wirksame\nHülfe gefunden, dass sie demnächst wieder auftreten wird.\nTherese Milanoll o hat in Strassburg vier Concerte, das\nletzte für die Armen, gegeben.\nDer ersten Aufführung von Dorn's „Nibelungen\", die Anfangs\nJanuar Statt finden dürfte, wird der Componist persönlich anwohnen."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570110-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4477, "texte": "Einem Privatschreiben Liszt's aus Zürich an Franz Erkel in\nPesth entnehmen pesther Blätter Folgendes: „Ein langwieriges Un-\nwohlsein hielt mich vierzehn Tage im Bette. In diesen Jagen\nüberkamen mir Andeutungen der „symphonischen Dichtung44, wel-\nche die Fortsetzung der „Hungaria\" bilden soll, und wozu Ihr\nschönes „Gebet44, mir so recht ans Herz gewachsen, die Veranlas-\nsung darbot. Wahrscheinlich bringe ich Ihnen das Kindlein\nnächsten Sommer ganz fertig mit. Zuerst muss ich aber an die\nAusarbeitung meiner Schiller'schen „Ideale\" schreiten. Die vier\nEinsätze, statt zwei, sind nach Ihrem guten Rathe gemacht. Bis\nzu Ostern schicke ich Ihnen die Partitur der Messe, welche in\nder k. k. Staatsdruckerei typographirt wird. Es wird Ihnen die-\nses Werk mit den Erleichterungen, Verbesserungen, Zusätzen und\nder Schluss-Fuge im Gloria, die ich bei meiner Ankunft hier auf-\ngeschrieben habe, ziemlich behagen. Mit Wagner verlebte ich\nherrliche Tage. Seine „Nibelungen4' (die er zur Hälfte beendet)\nsind eine gänzlich ungeahnte sublime Welt. In zwei Jahren sollen\ndie vier Opern zur Aufführung bereit sein. Wahrlich, lieber Freund,\ndas müssen Sie hören und sehen. Wie sieht es mit Ihrer Hunyadi-\nUebersetzung für Weimar? In ungefähr drei Wochen gedenke ich\ndort zurück zu sein, und wenn Sie nicht zu lange zögern mit der\nEinsendung der Partitur, kann dieses Werk noch, so wie ich es\nwünsche, im Laufe dieser Saison einstudirt werden. Wenn meine\n„ungarische Oper44 einmal entbunden ist, werde ich Herrn Grafen\nRäday bitten, eine Art von Pathenstelle zu übernehmen.44\nRom« Die vielen Missbräuche, die sich in neuerer Zeit in der\nrömischen Kirchenmusik eingeschlichen und ihr den ernsten, erhe-\nbenden Stil, der ihr durch die alten Meister, wie Palestrina, Alle-\ngri, Zingarelli etc., eigentümlich geworden war, genommen hatten,\nhaben das Vicariat bewogen, eine Kundmachung zu erlassen, welche\nden weltlichen, profanen Charakter neuerer kirchlicher Compo-\nsitionen rügt und im Wesentlichen folgende Verliigungen enthält:\n1) Instrumental-Musiken können in den Kirchen nur nach vorläu-\nfig eingeholter Erlaubniss des Cardinal-Vicars executirt werden; 2)\nTrommeln, Becken und ähnliche allzu lärmende Instrumente dür-\nfen nicht zur Anwendung kommen; 3) Vocal- wie Instrumental-\nMusiken müssen stets in ernstem Stil gehalten sein und dürfen\nnicht im Entferntesten an Theater-Melodieen erinnern; 4) Orgel-\nspieler haben insbesondere die Ausführung profaner Musikstücke\nzu unterlassen etc. [Dagegen sind an den Weihnachtstagen in\nWien aufgeführt worden: in St. Peter Pastoral-Messe von Lind-\npainlner (Op. posth.J, am Hof Rotter's Pastoral-Messer in St. Ste-\nphan Mozart's C-dur-Messe, in St. Michael J. Haydn's Mariazell-\nMesse, bei St. Augustin Mozarl's Kiönungs-Messe in C-dur (Nr. 16).]\nRobert Bowley, der Schatzmeister der londoner Sacred\nHarmonie Society, veröffentlicht eine Denkschrift an die Mitglieder,\nSubscribenten und Freunde der Gesellschaft in Angelegenheiten\ndes für das nächste Jahr bestimmten grossen Händel-Musik-\nfestes. Das Comite hat danach ein Arrangement mit den Directo-\nren des Krystall-Palastes getroffen und das Fest für den Sommer\ndes nächsten Jahres festgesetzt. Es werden on ausführenden Künst-\nlern daran Theil nehmen 2300 Personen, dergestalt, dass der Ge-\nsangchor aus 2000 zu je 500 für die vier Chorstimmen, das Or-\nchester aus 300 Spielern, nämlich 112 Violinen, 36 Bratschen, Vio-\nloncells und Contrabässen und verhältnissmässigen Blas-Instrumen-\nten bestehen solL Händel wird in diesem Denkschreiben ein Adop-\ntivsohn Englands oder vielmehr England das Adoptiv-Vaterland\nHandels (England was Händel*s country by adoplionj genannt, seine\nWerke sind für England, für Engländer, in englischer Sprache ge-\nschrieben, nirgend sind sie so sorgfältig und gründlich studirt wor-\nden, wie in England, und nirgend können sie zu einer so vollen-\ndeten Ausführung gebracht werden. Händers Sterbetag fällt auf\nden 14. August des Jahres 1759. Dafür sind andere des Meisters\nund Englands würdige Feierlichkeiten beschlossen. Das Musikfest\nvom nächsten Jahre ist ein Vorfest. Die Schrift verbreitet sich\neines Weiteren über alle die Aufführungen, welche die Händel'-\nschen Oratorien in England erfahren haben, insbesondere durch\ndie Sacred Harmonie Society, und ist in sofern historisch interessant.\nThalberg hat am 11. December sein dreizehntes und letztes\nConcert im Theätre-Niblo zu New-York gegeben und war dabei\nvon den Sängerinnen Angri und Patania unterstützt."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570110-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nHeinrich Marschner. I. Von L. Bischoff. Ans Frankfurt am Main. Von A. S. Aus Dresden (Man-\nnergesang). Von A. V. Tages- und Unterhaltungsblatt (Barmen, 111. Abonnements-Concert Essen Hannover Berlin\nHamburg, Fräul. Hartmann Fräul. Marlow Therese Milanollo Dorn's Nibelungen F. Liszt Rom, Kirchenmusik.)\n\nHeinrich Marschner.\nI.\nAm 1. Januar 1831 hatte Heinrich Marschner sein\nAmt als königlicher Hof-Capellmeister in Hannover ange-\ntreten. Nach einer sechsundzwanzigjährigen Wirksamkeit\nwurde der grosse Meister der Töne am 1. Januar 1857\ndurch eine Abgesandtschaft des Magistrats und Bürger-\nVorsteher-Collegiums von Hannover, den Herrn Stadt-Di-\nrector J. Rasch an der Spitze, zu seinem Jubelfeste be-\nglückwünscht und ihm „als ein Zeichen der Anerkennung\nder grossen Verdienste, welche derselbe als der Ersten\neiner unter den deutschen Componisten und Orchester-\nDirigenten auf dem Gebiete der Kunst, namentlich auch\nwährend seiner langjährigen Thätigkeit in Hannover sich\nerworben hat\", das Ehrenbürgerrecht der königlichen Re-\nsidenzstadt Hannover verliehen und die betreffende Ur-\nkunde überreicht.\nUm vier Uhr wurde der Gefeierte zu einem Mittags-\nmahle abgeholt, welches in der Börsenhalle von einem\nengeren Kreise seiner Freunde veranstaltet worden war,\nwobei es an ehrenvollen Hochs und Kränzen und Blumen-\nspenden für den Meister nicht fehlte.\nVon Köln überbrachte Professor L. Bischoff im Na-\nmen der Freunde und Verehrer Marschner's folgenden\nFestgruss vom Rheine:\nAn Heinrich üarschner.\nZum l. Januar 1857.\nWenn Dir an Deinem Ehrenfeste heut\nDen Gruss vom Rhein die Kunstgenossen senden,\nUnd kunstverwandte Freunde, die Dich lieben:\nSo wolle freundlieh ihre Namenszüge\nBetrachten und des alten Kölns gedenken,\nDer alten Liebe und des alten Weins,\nDer Sangeslust auf bunt beflaggten Schiffen,\nUnd aller Gaben, die der Rhein uns spendet.\nWie gerne kämen wir Dich selbst zu grüssen!\nDoch wehrt es uns die strenge Herrin Zeit,\nDie Jeden fest &n seinen Webstuhl kettet.\nJa> dürften wir ausbreiten nur den Mantel,\nDer durch die Luft uns trüge hin und her !\nDoch uns ist jener Zauber nicht verliehen,\nMit dem die Geister Du heraufbeschwörst."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570110-01.1.2", "texte": "Du ziehst den Mond mit süssen Tönen nieder,\nDass mild sein Licht die Todeswunde heilt1):\nDu öffnest kühn der Erde tiefe Klüfte2),\nWo Erz und Gold in mächtigen Adern glüh'n,\nIn bunter Pracht die Edelsteine prangen\nUnd dennoch ihn nicht fesseln, den sein Herz\nHinauf zieht, Ein Mal nur als Mensch zu fühlen,\nEin Mai im Leben nur geliebt zu werden!\nSo führest Du der Sage düstre Schauer\n7 Unheimlich schön an unserm Ohr vorüber.\nDann lassest Du den Sturm der Leidenschaft\nUm die verschmähte Lieb' im Herzen rasen,\nBis eines Schwertes Blitz die Nacht zerreisst\nUnd im getroffnen Herzen Alles schweigt3).\nUnd wieder lockst Du uns in lichten Wald,\nUnd da beginnt erst recht Dein Zauberspiel.\nDenn wie das „Liebchen\" neckisch ruft: „Da bin ich\" —,\nSo ruft aus jedem Busch, von jedem Zweige\nDer unsichtbaren Stimmen holder Laut,\nDass wir kaum wissen mehr, wohin uns wenden,\nWeil Lieb' und Frühling klingt an allen Enden.\nUnd wie wir still den sanften Tönen lauschen,\nDa hören plötzlich wir die Wipfel rauschen,\nUnd „wie des Adlers mächtiges Gefieder\"\nErhebt sich aus dem Thal zur Höh' empor,\nGetragen von den Schwingen Deiner Lieder,\nVereinter Stimmen kräftig voller Chor.\nUnd wunderbar gestalten heut' die Lieder\nZu Blättern sich und Blülhen allzumal,\nf\nUnd senken auf Dein Haupt als Kranz sich nieder,\nUmleuchtet von des Ruhmes Sonnenstrahl.\nEs naht der Genius wieder, Dich zu krönen,\nDer lächelnd einst an Deiner Wiege stand,\nDer Dich geweiht zum Herolde des Schönen\nIm liederreichen deutschen Vaterland.\nAm treusten bliebst du ihm von seinen Söhnen-\nDenn Du hast nicht den deutschen Sinn verbannt.\nDu bist zu stolz, dem fremden Glanz zu fröhnen,\nDein deutsches ilerz, wir haben's nie verkannt.\nDrum hat der Rhein Dir diesen Gruss gesandt:\nEs soll das ganze Vaterland Dich krönen!\nDiese Zuschrift war von den Herren Capellmeister F.\nHiller, Dom-Capellmeister Leibi, den Musik-Direcloren F.\nWeber, Ed. Franck, C. Reinthaler, den Vorständen sämmt-\nlicher musicalischer Institute (der Musicalischen Gesell-\nschaft, der Concert-Geselischaft, der Rheinischen Musik-\nschule, des Orchesters, des städtischen Gesang-Vereins,\nder Sing-Akademie, der Philharmonischen Gesellschaft) und\neiner grossen Anzahl von Kunstfreunden unterschrieben.\nAusserdem hatte der kölner Männergesang-Verein\nnoch folgende, mit den Unterschriften seines Dirigenten F.\nWeber, des Vorstandes und sämmllicher Vereins-Mitglie-\nder bedeckte Adresse dem Meister gewidmet:\n„Hochgeehrter Meister! Ihre Freunde in Hannover\nbereiten Ihnen heule ein Fest für die glänzenden Siege,\ndie Sie in den Kämpfen für das Schöne und Edle auf dem\nGebiete der Kunst seit 25 Jahren errungen. Der kölner\nMännergesang-Verein, welcher Sie, hochverehrter Meister,\nmit Stolz sein Ehren-Mitglied nennt, lühlt sich hoch be-\nglückt, Ihnen so nahe zu stehen, dass er es wagen darf,\nseine innigste Theilnahme am heutigen Feste durch die\nherzlichsten Glückwünsche zu bethätigen: einem Feste,\nwelches zunächst einen nationalen Charakter trägt denn\nder Deutsche ehrt noch seine grossen Männer—, aber zu-\ngleich auch einen universellen; denn das wahre Verdienst\nfindet in der ganzen Welt Anerkennung. Möchten Sie,\nhochverehrter Herr, in der allgemeinen ur.d freudigen Wür-\ndigung Ihrer grossen Verdienste einen Theil des Ihnen ge-\nbührenden Lohnes lür alles das erblicken, was Ihr ausge-\nzeichnetes Talent Grosses und Erhabenes geschaffen, und\nmöchten Sie an der Seite der liebenswürdigen Gemahlin\nnoch recht lange der deutschen Tonkunst erhalten bleiben,\nderen Hauptstütze wir in Ihnen verehren! Köln, den 31.\nDecember 1856.\"\nBeide Schriftstücke waren kalligraphische Kunstwerke\nder Herren J. X. Mennig und F. C. Witte zu Köln.\nWir lassen diesem Berichte einige Nachrichten über\nMarschner's Leben und Werke folgen.\nHeinrich Marschner ist am 16. August 1796 zu\nZittau in der sächsischen Oberlausitz geboren. Seine musi-\ncalische Anlage zeigte sich in seiner ersten Jugend beson-\nders durch eine schöne Sopranstimme und ein vortreff-\nliches Gehör. Beides bildete er im Singchor des Gymna-\nsiums unter dem Präfecten Friedr. Schneider aus. Der\ntüchtige Componist August Bergt, Organist in Bautzen, veran-\nlasste die Eltern Heinrich's, ihn nach Bautzen auf das Gym-\nnasium zu schicken; sie hegten die Hoffnung, dass Bergt seine\ntheoretischen Musik-Studien leiten werde. Diese Hoffnung\nerlüllle sich zwar nicht, allein Marschner legte doch dort\nden Grund zu seiner wissenschaftlichen Bildung, kehrte,\nnachdem er die Tertia durchgemacht, wieder nach Zittau\nzurück, besuchte fleissig die Schule und componirte frisch\ndarauf los, weil er musste, weil der angeborene Drang zum\nmusicalischen Schaffen mächtiger in ihm war, als das Be-\nwusstsein mangelhafter Vorkenntnisse. So schrieb er schon\n\n') Vanjpyr.\n2) Hans Heiling.\n:i) Templer und Jüdin."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570110-01.1.3", "texte": "damals eine Menge Lieder und Motetten, auch Bondo s\nund Sonaten für das Ciavier, anf welchem er es schon zu\nbedeutender Fertigkeit gebracht hatte, ja sogar Stücke lür\ndas ganze Orchester, wenn auch nur Tanzmusik.\nEine grössere Arbeit der Art war ein kleines Ballet:\n„Die stolze Bäuerin\", welches von einer Tänzer-Gesell-\nschaft unter der Direction eines Herrn Butenop, der die\nkleinern Städte bereis'te, aufgeführt wurde. Die Probe des-\nselben wurde für Heinrich verhängnissvoll. Er hatte dem\nDirector die strengste Verschwiegenheit über den Compo-\nnisten auferlegt, schlich sich aber in die Probe, um zu hö-\nren, wie seine Musik klinge. Die Ouvertüre beginnt, und\nes geht Alles gut, bis auf einmal das Spiel durch den\nHornisten unterbrochen wird, der in wahrer Wuth in die\nWorte ausbricht: „Was für ein Esel hat das denn ge-\nmacht? das kann kein Mensch blasen!\"— Marschner wurde\nbei der ungeheuren Spannung seiner Nerven durch dieses\nWort so erschüttert, dass er die Besinnung verlor. Erst\nam späten Abend erwachte er in seinem Versteck, zitierte\nfieberhaft, tappte durch den unheimlichen, finsteren Raum\nzum Ausgange und erreichte mit Mühe das mütterliche\nHaus. Ein heftiges Nervenfieber brach aus und fesselte ihn\nsieben Wochen lang ans Bett. Endlich siegte die kräftige\nNatur und die Jugend; er erwachte zu neuem Leben und\nWirken und erstarkte zu einer Gesundheit, die seitdem\nnicht wieder erschüttert worden ist. Nur Eines hatte er\nohne Wiederkehr verloren: die schöne Stimme. Sein Ballet\nwar übrigens aufgeführt worden der Hornist wurde be-\nruhigt, als man ihm bemerkte, er möge die gefährliche\nStelle nur in der höheren Octave blasen ,und die Musik\ngefiel. Marschner war aber um den ersehnten Genuss, sein\nWerk zu hören, gekommen; denn bei seiner Genesung\nwar die Tänzer-Gesellschaft längst verschwunden.\nDieses Erlebniss machte den jungen Componisten, Irei-\nlich auf sehr harte Weise, auf das, was ihm fehlte, auf-\nmerksam. Er begann sich über die Natur und den Umfang\nder Instrumente theoretisch und praktisch zu unterrichten\nund bekam nun auch durch die Freundlichkeit eines aus-\ngezeichneten Dilettanten und Beförderers aller musicali-\nschen Bestrebungen in seiner Vaterstadt einige Partituren\nin die Hände, namentlich von Opern und Messen von\nRighini. Ein Wanderer durch die Wüste kann nicht Ireu-\ndiger das frische Grün der Oase und die klare (Juelle be-\ngrüssen, als Marschner diesen unschätzbaren Fund. Nun\nging er mit neuem Muthe an das eifrigste Studium dieser\nWerke, und je mehr Marschner aus diesen Notenblät-\ntern sich die ersten Geheimnisse der Kunst enträthselle,\ndesto mehr wuchs die Lust zum eigenen Schaffen, und es\nerstarkte unmerklich in ihm das Bewusstsein eines inneren\nBerufes zur Tonkunst.\nTrotzdem bezog er noch mit dem Vorsatze, die Rechte\nzu sludiren, die Universität Leipzig im Jahre 1816. Er\nhörte die Vorlesungen der Professoren Krug, Wieland,\nHaubold, Plattner und Wendt, aber des Nachts spielte er\nCiavier und componirte. Das war freilich nicht allen Haus-\nherren recht, und der musicalische Student sah sich häufig\nzu einem unfreiwilligen Wohnungswechsel genölhigt. Bald\naber wurde sein Talent in musicalischen Kreisen geschätzt,\ner wurde mit Gleich, Lindner, Rochlitz, endlich besonders\nauch mit Schicht bekannt; sein treflliches Clavierspiel, na-\nmentlich auch seine ausnehmende Fertigkeit im Partitur-\nspielen, gewannen allgemeine Anerkennung, und man drang\nin ihn, sich der Tonkunst zu widmen.\nMarschner, so sehr die innere Stimme auch für diesen\nEntschluss sprach, misstraute doch noch immer seinem\nTalente mit einer Bescheidenheit, die (vollends bei solchen\nNatur-Anlagen, wie der Himmel sie ihm verliehen) heutzu-\ntage kaum erhört sein dürfte, wo die Genie's wie Pilze aus\nder Erde wachsen und nicht mehr das Werk den Meister\nlobt, sondern die guten Freunde. Auch hielt ihn, der ohne\nVermögen war, die geringe Aussicht aul die Ergiebigkeit\nder Künstler-Laufbahn zurück, bis endlich das freundliche\nAnerbieten Schicht's, ihm Unterricht in der Theorie und\nCompositions-Lehre zu ertheiien, und die reissenden Fort-\nschritte, welche er darin machte und sich selbst nicht ver-\nhehlen konnte, alle Bedenken und Zweifel lös'ten und ihm\ndas volle Vertrauen zu sich selbst gaben. Nun widmete er\nsich mit jener energischen Thätigkeit und Arbeitslust, die\nihm sein ganzes Leben lang zu eigen geblieben ist, dem\nerwählten Berufe, arbeitete unter Schicht's Leitung die\nverschiedenen theoretischen Systeme durch, studirte dieje-\nnigen Partituren, die er von Haydn's und Mozart's Werken\nauftreiben konnte, gründlich und schrieb sich die Beetho-\nven'schen Sinfonieen selbst in Partitur. Dabei hatte er die\nGenugthuung, mehrere von seinen Compositionen gedruckt\nund von den leipziger Verlegern bezahlt zu sehen, so dass\ner seinen liebsten Wunsch, seiner Mutter dann und wann\nmit Geschenken eine Freude zu machen, erfüllen konnte.\nAus dieser Zeit rühren die ersten 20 bis 23 Num-\nmern seiner gedruckten Werke her, Lieder mit Begleitung\nvon Ciavier oder von Guitarre, kleinere Ciavierstücke, auch\nschon ein paar Sonaten (Op. 6 und 9) für das Pianoforte\nu. s. w. Schon damals drängte es ihn, eine Oper zu schrei-\nben, und in Ermangelung eines Textes griff er zu dem Li-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570110-01.1.4", "texte": "bretto des Titus, das der Partitur von Mozart vorgedruckt\nwar. Er versuchte doch wenigstens seine Kräfte daran,\nübte sich in Handhabung der dramatischen Formen und\ngewann Vertrauen zu ähnlichen Arbeiten in der Zukunft.\nAus der geheim gehaltenen Partitur brachte er später nur\nein Terzett mit verändertem Texte zum Vorschein, das Bei-\nfall erhielt und eine unverkennbare Begabung für drama-\ntische Musik bekundete.\nIm Jahre 1817 reis'te er nach Karlsbad, goldene\nBerge von dem Ertrage eines Concertes träumend, das er\ndort zu geben hoffte. Wer weiss aber, wie es damit ge-\ngangen sein würde, wenn nicht gleich in den ersten Tagen\nseines Aufenthalten ein günstiges Geschick ihn mit dem un-\ngarischen Grafen Thaddee von Amadee zusammengeführt\nhätte! Der Graf, selbst ein ausgezeichneter Clavierspieler\nund tüchtiger Musiker, der sich auch im Componiren ver-\nsuchte, gewann Marschner lieb, und die beiden jungen\nMänner schlössen einen Freundschaftsbund, der um so\ndauernder war, als die gleiche Begeisterung für die Kunst\nihm die Weihe gab. Diese Bekanntschaft ist als ein Wende-\npunkt in Marschner's Leben anzusehen. Dass er durch die\nEmpfehlung und Theilnahme des Grafen in Karlsbad nun\nwirklich ein gutes Concert machte, war das Wenigste; der\nGraf lud ihn ein, im Herbste zu ihm nach Wien zu kom-\nmen, Marschner folgte der Einladung, blieb bis 1821 in\nder Nähe seines vornehmen Freundes und Gönners, theils\nin Wien, theils. in Ungarn, und fand durch die Liberalität\ndes Grafen die sorgenfreie Müsse, der Kunst zu leben.\n\nAus Frankfurt am Main.\n\nWelch ungewöhnlichen Anklang die in Nr. 52 dieses\nBlattes (Jahrg. 1856) enthaltenen „Bemerkungen eines\nEngländers über musicalische Zustände in Deutschland\"\nhier gefunden, zeigt auch deren alsbaldiges Uebergehen in\ndie Spalten des Conversations-Blattes. Die von dem engli-\nschen Kunstfreunde gegebene Skizze, wenngleich im We-\nsen nicht neu, aber der Wahrheit getreu, wird sicherlich\nvon allen deutschen Kunstfreunden bewillkommt werden.\nVorwiegend Geschwätz über Musik aber nicht\nbloss von Jungen, wie der Engländer bemerkt hat, auch\nvon Alten, in Wort und Schrift das ist die leidige Cha-\nrakteristik der musicalischen Gegenwart! Hätte der ehren-\nwerthe Gentleman noch den Stilus curiae einer gewissen\nleipziger Zeitschrift zu übersetzen verstanden, wie wäre\nerst dann seine Beurtheilung ausgefallen?!\nIn welch absonderlicher Art wir Frankfurter von der\nSchwatzhaftigkeit in Sachen der Tonkunst zu leiden haben,\nist in diesen Blättern wiederholt signalisirt worden, und\nverdiente unser Schicksal wohl Theilnahme wahrhafter\nKunstfreunde, auch jenes englischen. Möge diese durch\nMittheilung eines gar seltsamen Specimen von Schwatz-\nhaftigkeit wach gerufen werden können, das zweifelsohne\nnoch mancherlei Bedenken erwecken dürfte, wenn man\nhört, dass der Sprecher ein alter Kunstgelehrter und Com-\nponist ist, der seit längerer Zeit im hiesigen „Volksfreund\nlür das mittlere Deutschland\" die kritische Feder zu füh-\nren beliebt. In seinem jüngsten Aufsatze: „Ein Ehrentag\ndes frankfurter Cäcilien-Vereins\" —Nr. 148 —der über\ndie Aufführung von Seb. Bach's H-moll-Messe handelt, er-\nklärt der Erfinder eines neuen Harmonie-Systems den\nContrapunkt in folgendem Gleichnisse:\n„Da wohl manche nicht musicalische Leser des Volks-\nfreundes keinen klaren Begriff haben, was Contrapunkt sei,\nso wollen wir versuchen, es ihnen deutlich zu machen.\nDenken SieSich, es sei Neujahrstag, und das Officier Corps\nmache dem Herrn Bürgermeister die übliche Visite; da\nwird nur Einer sprechen, der Vornehmste, und die Ande-\nren zeigen ihre Theilnahme in den freundlichen Gesichts-\nzügen und durch gelegentliche Bücklinge. Das ist ein Solo\nmit nicht obligatem Accompagnement. Denken Sie Sich\njetzt eine z. B. vom gesetzgebenden Körper bestellte Com-\nmission, die über irgend einen Gegenstand ein Gutachten\nabzugeben hat. Da wird bei der Berathung bald Dieser,\nbald Jener in mehr oder weniger wohlgesetzler Rede seine\nAnsicht aussprechen, während die Anderen sich nicht\nobligat bezeigen. Das ist ein concertirendes Tonstück, wo\ndie Instrumente mit ihrem Solo abwechseln. Nun denken\nSie Sich schliesslich einige eifrige Bürger bei dem Glase\nAepfelwein an einem Tisch, die alle bloss Ein Thema, zum\nBeispiel die Wasserratten-Bahn, verhandeln. Das Interesse,\nwelches sie an der Sache nehmen, macht, dass Alle zugleich\nsprechen, und der Kuckuck mag aus dem Geschwätze\nklug werden. Das ist Contrapunkt.\"\nWerden wohl sämmtliche musikliebende Bediente\nund Kammerzofen aus Frankfurt und Umgegend auf das\nhoffentlich bald zu erscheinende Harmonie-System subscri-\nbiren? Wir erwarten, dass dieses aus schuldiger Dankbar-\nkeit geschehen werde, indem der witz- und phantasiereiche\nKritiker doch hauptsächlich für den ästhetischen Geschmack\ndieser ehrsamen Classe von Dilettanten zu wirken bestrebt\nist. Ein beinahe vierzigjähriger Aufenthalt in dieser Stadt\nhat ihn über den ernsten Sinn noch nicht aufgeklärt, der"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570110-01.1.5", "texte": "allen Schichten ihrer Bewohner eigen, einen Sinn, der natur-\ngemäss jedes Ding in ernster Weise aufzufassen und so\nzu behandeln gewohnt ist. Was insbesondere unsere Mu-\nsiker in der Mehrzahl betrifft, so ist auch deren Sinn und\nStreben dem Ernsten und Gediegenen in Wort und Ton\nzugewandt, demnach wohl nicht zu besorgen steht, dass\nselbst Lob, in platter Stilform gespendet, ihnen munden\nund eben so wenig bei dem gebildeten Publicum förderlich\nsein könne.\nNoch mögen einige charakteristische Züge unseres\nhochgelehrten Kunslrichters hier Platz finden. Im genann-\nten Blatte Nr. 144 wird von Ausführung der Euryanthen-\nOuverture gesprochen und gesagt: „Anstatt dieses allzu\nbekannten und besonders in der Fugen-Episode etwas\nplumpen Tonstückes hätten wir lieber etwas Anderes\ngehört.\" Weiter rückwärts wurden wir von dem scharf-\nsinnigen Contrapunkt-Erklärer belehrt, dass eine imitatori-\nsche Stelle im ersten Theile vom Gloria der Becthoven'-\nschen C-dur-Messe kindisch sei. Kurz: die Rubrik der\n„Stoppellese\" könnte allein mit ähnlichen Sentenzen des\nvolksfreundlichen Kritikers angefüllt werden.\nDiese Vorgänge in der frankfurter Kunstkritik, die\nsich bekanntlich keiner besonderen Achtung bisher zu er-\nfreuen gehabt, aber in jüngster Zeit factisch bestrebt ist\nvornehmlich Conversations-Blatt und Didaskalia—, einen\nbesseren Ruf nach innen und nach aussen zu erwerben,\nmussten endlich in diesem Organe nach Gebühr gekenn-\nzeichnet werden, um der auswärtigen Beurtheilung die\nrechte Richtung zugeben. Zur Ehre der meisten frankfurter\nJournale darf versichert werden, dass der von ihnen ange-\nschlagene Ton überhaupt weder plump noch kindisch,\nam wenigsten trivial zu nennen ist— Eigenschaften, auf\nwelche nur allein die kritischen Expectorationen des „ge-\nlehrten Nestors\" Anspruch machen dürfen. Mitleidiges Be-\nlächeln ist ihr jedesmaliger Lohn von Seiten des gebildeten\nPublicums.\nBei Beginn des neuen Jahres hat Ihr Correspondent\ndas Vergnügen, von Verminderung musicalischer\nZeitschriften in unserer Stadt berichten zu können,\nund zwar in einem Locale, wo selbe in ziemlicher Anzahl\nleicht zugänglich sind. Von französischen Zeitschriften\nwurden beurlaubt Gazette Musund\nbis beide im Stande sind, grösseres Interesse bei deutschen\nLesern zu erwecken. Von deutschen sind die „Blätter\nfür Musik\" (Wien) von uns geschieden, dieselben, welche\nin dem vor zwei Jahren ausgesandten Prospectus nichts\nweniger als „absolute Unparteilichkeit* versprochen ha-\nben; leider aber wollten die hiesigen Leser in dem Inhalte\nzumeist parleigängerisehes Geschwätz und Lobhudeleien,\nvon Unparteilichkeit und Wissenschafllichkeit jedoch nur\nwenig Spuren finden. Ferner werden ausbleiben die\n„Signale\" (Leipzig), die in den letzten Jahren den wei-\nmar'schen Kunstgrössen zu willig die Spalten geöffnet und\nsich fast unter ihren Schutz und Schirm gestellt, die vor-\nzugsweise sich bestrebt, die Triumphe des reisenden Vir-\ntuosenthums der Welt zu verkünden. Verwiesen wurde\nnoch das gesinnungstüchtige und nur den wahrhaften\nKunst-Interessen dienende Organ doch stille, das wol-\nlen wir noch in petto behalten. Die Beseitigung der be-\nzeichneten Blätter möge vorläufig darlhun, wie man hier-\norts, müde der mehrjährigen Täuschungen, ernstlich be-\ngonnen hat, dem Parteitreuen und meist nur verlegerischen\nZwecken dienenden Blättern keinen Platz mehr einzuräu-\nmen. Es verbleiben indessen immer noch mehr vorhanden,\n4\nals die eigentlichen Kunslzwecke bedürfen und die Le-\nser zu bewältigen im Stande sind*). Auch von\ndiesen werden wir früher oder später noch manches schei-\nden sehen müssen. Beschränkung der musicalischen Organe\nauf eine bescheidene Anzahl ist eines der ersten Erforder-\nnisse, wenn dem maasslosen Geschwätz über Musik, so\neng verschwistert mit Feilheit und Verrath an der Kunst,\nnachdrücklich gesteuert werden soll. Was soll wohl aus\ndem heranwachsenden Künstiergeschlechle werden, wenn\nder gegenwärtige Zustand der Dinge noch lange derselhe\nbleibt?\n\nA. S.\n\nAus Dresden.\n\nBei einer Ende November vorigen Jahres (den 19.)\nhier veranstalteten grossen geistlichenMusik in der\nfestlich erleuchteten Frauenkirche, zur Förderung des\nThurmbaues hiesiger Neustadt, wurde folgendes Programm\nausgeführt: 1) Choral „Befiehl du deine Wege\"; 2)\nHymne von C. G. Reissiger; 3) Religiöser Fest-\ngesang von J. G. Müller; 4) Hiob, Oratorium in drei\nTheilen von J. Otto. Die Ausführung der Chöre geschah\ndurch die Männergesang-Vereine Liedertafel, Orpheus, Ger-\nmania, Arion und Liederkreis; die Haupt-Partieen hatten\ndie königlichen Hof-Opernsänger Herren Rudolph, Mitter-\n\n*) In dem reichhaltigen Lese-CabineUe des Bürger-Vereins ist\ndie musicalische Literatur schon längst beschränkt worden\nauf die Berliner und die Niederrheinische Musik-Zeitung,\nNeue Zeitschrift für Musik und Monatschrilt für Theater und\nMusik."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570110-01.1.6", "texte": "wurzer und Conradi zu übernehmen die Güte gehabt, und\ndie Instrumental-Begleitung wurde durch das Musikcorps\ndes Herrn Hi'inerfürst ausgeführt. Wenn ein Bericht über\ndieses musicalische Unternehmen erst jetzt, also\nerscheint, so hat das seinen guten Grund. Referent gab\nsich der Hoffnung hin, es werde eine oder die andere Fe-\nder der hiesigen musicalischen Kritik sich herablassen und\neinen der Sache würdigen Bericht abfassen. Da dies nun\nbis jetzt nicht geschehen und die ganze Aufführung von\nderselben vornehm ignorirt wird, so hofft Einsender dieses\nbei der Bedeutung, welche der Männerchor-Gesang heuti-\ngen Tages gewonnen, die freundliche Aufnahme dieser Zei-\nlen in Ihre Zeitung.\nZwei Strophen des Chorals „Befiehl du deine Wege\",\nTür Männerchor eingerichtet von J. Otto, eröffneten in\nwürdiger Weise die Aufführung. Diesen folgte der Hym-\nnus „Ein König ist der Herr\" für grossen Männerchor\nohne Begleitung, componirt von C. G. Reissiger. Der Com-\nponist schrieb dieses Opus 174 für das im Jahre 1843\nin Dresden Statt gefundene grosse Männergesang-Fest.\nDie nicht geringen Schwierigkeiten, welche die Composition\ndarbietet, wurden auf gelungene Weise überwunden; der\nEindruck war ein mächtiger. Die dritte Nummer des Pro-\ngramms: „Religiöser Festgesang\" mit Instrumental-Be-\ngleitung von J. G. Müller, Director des hiesigen Männer-\ngesang-Vereins Orpheus, war eine einfache, aber nicht min-\nder wirkungsvolle Composition. Die mit musicalischer Ge-\nwandtheit geschriebene Instrumentation ist effectvoll. Herr\nMüller leitete die bisher besprochenen Nummern, welche\nden ersten Theil bildeten, und halte sich namentlich dem\nsorgfältigsten Einstudiren der Reissiger'schen Composition\nunterzogen.\nDer zweite Theil der geistlichen Musik umfasste eine\ngrössere Composition, das Oratorium „Hiob\", gedichtet\nvon J. Mosen, componirt von J. Otto, ausgeführt unter\nLeitung des Componisten. Es sind bereits 21 Jahre ver-\ngangen, seit der talentvolle Componist dieses Oratorium\nschrieb und in der Frauenkirche zu Dresden zur Auffüh-\nrung brachte. Derselbe ist seitdem nicht nur im ganzen\ndeutschen Vaterlande als Componist für Männergesang ge-\nkannt und geschätzt, auch jenseit des Oceans singt man\nseine Lieder. Das in Rede stehende Werk war überhaupt\neine der ersten grösseren Compositionen für Männerstim-\nmen mit Instrumental-Begleitung. Es wurde dasselbe 1840\nin Dresden nochmals aufgeführt und ist seitdem in Chem-\nnitz, Rochlitz, Bitterfeld, Breslau und an mehreren anderen\nOrten zur Aufführung gekommen. Der gemüthvolle Dich-\nter, damals in Dresden heimisch und nicht ahnend, welch\ntrauriges Loos ihn treffen sollte, war mit Otto sehr be-\nfreundet, und daher kam es denn, dass sich Beide so recht\nverstanden. Der Schwerpunkt des Werkes dürfte wohl in\nden Chören zu suchen sein, welche in die der „himmlischen\nHeerscharen\" und in die der „höllischen Geister\" zerfal-\nlen. Nachdem nach einer charakteristischen Einleitung Hiob\nin einem längeren, sehr melodiös geschriebenen Satze sich\nseines irdischen Glückes gefreut, tritt der Chor der Himm-\nlischen in einem in Des-durgehaltenen Gebete ohne Be-\ngleitung auf, welches kindliche Demuth und Gottergeben-\nheit athmet. Im Gegensatze zu diesem zeihen die höllischen\nGeister Hiob der Heuchelei, und Satan selbst bietet Alles\nauf, um Hiob von seinem Gott abtrünnig zu machen. Ra-\nphael tritt auf und verkündet dem Fürsten der Unterwelt,\ndass Hiob's Hab' uud Gut in seine Gewalt gegeben sei.\nVon da an folgt der Dichter im Wesentlichen den Worten\nder heiligen Schrift. Dem Componisten wurde dadurch Ge-\nlegenheit gegeben, eines der bedeutendsten Werke lür den\nMännergesang zu schaffen, das noch lange nicht so bekannt\nist, als es verdient. Die Aufführung war sehr gut. Die\nPartie des Hiob ist wie lür Herrn Mitterwurzer geschaffen,\ndaher auch seine sonore Stimme in den Worten: „Der\nHerr hat's gegeben\" „lch weiss, dass mein Erlöser lebt\"\nu. s. w. in der herrlichen Kirche mächtig wiederhallte.\nNicht minder brachte Herr Conradi durch seinen eben so\nmarkigen als klangvollen Bass die Partie des Satan zur\nGeltung. Vorzüglich gelungen war die vom Componisten\nmit diabolischer Färbung gezeichnete Stelle: „Rollend,\ngrollend, zur Hölle hinab!\" Auch Herr Rudolph sang die\nkleine, jedoch nicht minder dankbare Partie des Raphael\nmit vielem Verständniss. Zum Gelingen des Ganzen hat\nHerr Musik-Director Hünerfi'irst mit seinem verstärkten\nChor wesentlich beigetragen. Ueberhaupt freuten sich Mit-\nwirkende wie Zuhörende des vollständigen Gelingens des\nUnternehmens, und auch der materielle Ertrag war ein\nreichlicher. Wenn daher unlängst geschrieben stand: „Poeti-\nsches Erfassen ist nun einmal nicht Sache der Männerge-\nsang-Vereine, die im Gegentheil gewohnt sind, ernsteren\nBestrebungen den Rücken zu kehren und dem sich zuzu-\nwenden, was sich in seiner alltäglichen Miltelmässigkeit\nohne. Gedanken-Anstrengung herunterleiern lässt\", so\nwünschte Referent um so mehr, der musicalische Schrift-\ngelehrte, der dies behauptet, wäre in der Frauenkirche zu\nDresden gewesen und hätte die geistliche Musik an jenem\nAbende gehört; hoffentlich wäre er eines Besseren belehrt\nworden. Wenn aber wirklich manche Sänger-Vereine den"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570110-01.1.7", "texte": "Vorwurf verdienen mögen, künstlerische Anstrengung zu\nscheuen und mehr dem Trivialen und Bequemen in der\nKunst zu Frohnen, als einer ernsten und edeln Richtung\nderselben, so verdienen die hoffentlich nicht seltenen\nBeispiele vom Gegentheil desto mehr Erwähnung, zumal\nda die hiesige Presse theilweise es an Mühe und Tribu-\nlationen und Zusendungen an alle möglichen Journale nicht\nfehlen lässt, um weit geringere musicalische Facta oder\nPersonen ins Licht zu stellen.\n\nA. V.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\n** Barmen. Das dritte Abonnements-Conccrt, Dinstag, den\n30. December v. J., war nicht so zahlreich besacht, wie die frühe-\nren, wahrscheinlich, weil es zwischen die Festtage fiel. Wir hörten\nBeethovens Fest-Ouverture, Op. 124, und Mozart's Es-dur-\nSinfonie in recht gelungenen Ausführungen, und von Gesangwer-\nken das Ave verum von Mozart, den 125. Psalm von F. Hill er\nund ein dreistimmiges Schlummerlied (für Frauenstimmen) von C.\nRein ecke. Die Liedertafel sang den Schlachtgesang von J. Rietz.\nFräul. Schreck aus Erfurt sang eine Arie von Händel, eine\nandere von C. Reinthaler und drei Lieder von C. Reinecke.\nEin Glanzpunkt war der Vortrag des Violin-Concertes (militaire)\nvon Lipinski durch Herrn Seiss. Wir können uns Glück wün-\nschen, dass dem Vernehmen nach dieser treffliche Künstler den\nehrenvollen Antrag der Hof-Concertmeister-Stelle in Kassel nicht\nannehmen wird.\nlassen, 5. Jan. Gestern (Sonntag) fand unter sehr zahlreicher\nTheilnahme das zweite Concert des hiesigen Gesang-Mu-\nsik-Vereins Statt. Es wurde dasselbe sehr gehoben durch die\nGegenwart und gefällige Mitwirkung des Herrn Musik-Directors\nReinecke aus Barmen. Bewundernswerth waren die Vorträge\ndieses Virtuosen auf dem Ciavier, meisterhaft war namentlich die\nAusführung des Clavier-Concerts von WTeber. Von den Gesang-\nVorträgen: „Zigeunerleben\", Chor von Schumann, und „Geistliches\nAbendlied4' von Reinecke, heben wir besonders die letztere Com-\nposition horvor; sie ist von ausserordentlicher Zartheit und Lieb-\nlichkeit, umweht vom Dufte Mendelssohn'scher Tondichtung. Der\nzweite Thcil des Concertes wurde ausgefüllt durch die 11. Sinfonie\n(D-dur) von Beethoven. Unter der Leitung des Herrn Reinecke\nwurde dieselbe mit vieler Accuratesse ausgeführt, was um so mehr\nAnerkennung verdient, als die Mitspielenden zum Theil Dilettanten\naus dem hiesigen Instrumental-Verein waren. 5...1.\nHannover. Zwei Abonnements-Concerte fanden im Decem-\nber Statt. Die Eröffnung mit Beethovcn's F-c/wr-Sinfonie Nr. 8 gab\ndem Orchester unter der Direction des Herrn Concertmeisters\nJoachim Gelegenheit, seine bekannte Meisterschaft aufs Neue zu\nbewähren. Namentlich wurden die beiden letzten Sätze dieses ge-\nnialen Tonwerkes mit grosser Vollendung executirt. Herr Kam-\nmermusicus Kömpel erwarb sich in dem für die\nVioline von Rode durch seelenvollen Ton, reine Intonation und\nvollendete Technik in Behandlung seines Instrumentes lebhafte\nAnerkennung des Publicums. Der zweite Theil des Concertes ent-\nhielt: Ouvertüre, Melodram, Chöre u. s. w. zu Pretiosa von C. M.\nvon Weber, mit verbindendem Texte von E. 0. Sternau. Im\nzweiten Concerte unter derselben Direction musste der erste Satz\nder yl-</wr-Sinfonie von Mendelssohn nach den ersten acht\nTacten wieder von vorn angefangen werden. Es geht das Gerücht,\nJoachim habe, wie bereits schon einige Mal, seine Entlassung\neingereicht.\nBerlin. Lieber die neue komische Oper von Dorn, „Ein\nTag in Russland'4, sagt die Berliner Musik-Zeitung: „Es ist, wie\nuns scheint, der Hauptfehler des W'erkes, dass der Componist sein\nTalent, seine Kunst an einen Gegenstand verwandt hat, der mög-\nlicher Weise vorweg gegen sich einnehmen könnte. Doch liegt es\nnicht ausser der Möglichkeit, dass man durch Kürzungen über\ndiese Bedenken hinwegsehen und daher auch dem Ganzen ein\ngünstigerer Erfolg verschafft werden könnte. Einen sehr günstigen\nEindruck machte auf uns eine Ballet-Fuge, mit welcher der dritte\nAct beginnt. Es ist jedenfalls etwas Neues, eine vollständige Fuge\nzu einem Tanze zu schreiben. Zur vollständigen Wiikung dieses\nStückes ist freilich erforderlich, dass man über ein so vortreffliches\nBallet-Personal und über einen so ausgezeichneten Balletmeister,\nwie Herr Taglioni ist, verfügen kann. Dem sei, wie ihm wolle, die\nWirkung dieses Ensemble ist im höchsten Grade anziehend. Einen\nansprechenden Charakter haben demnächst die Tänze des dritten\nActes. Der erste Act, dem durch Kürzungen in seinen musicali-\nschen Partieen nachgeholfen werden müsste, enthält Einzelheiten\ndie anziehend und musicalisch interessant sind, aber durch den\nMangel an Interesse für die Handlung, in der zu wenig vorgeht,\nabgeschwächt werden. Es unterliegt keinem Zweifel, dass man für\ndas Werk, wenn ihm die erforderliche Umgestaltung zu Theil\nwird, eine Theilnahme wird gewinnen können. Dem Componisten\naber inuss es überlassen bleiben, hier den richtigen Tact zu ent-\nfalten.\"\nHamburg:« Die Aufführung des „Freischütz\" vor den Fest-\ntagen war eine gelungene, in manchen Partieen sogar ausgezeich-\nnete. Fräul. Ilartmann entfaltete als Agathe eine so warme,\nkraftvolle und edle Stimme, dass sich uns die lebhafte Erinnerung\nan Frau Maximilien aufdrängte. Dazu war ihr musicalischer Vor-\ntrag sicher gebildet, von Geist und Empfindung belebt, und wenn\nauch das Spiel in der Haltung des Körpers und den Armbewegun-\ngen noch die Bühnen-Anfängerin verrieth, so brachte es doch einen\ngünstigen Eindruck durch die treuherzige Natürlichkeit seiner gan-\nzen Anlage hervor. Das Auditorium war entzückt von der Leistung\nund rief Fräul. Hartmann im zweiten Acte mitten in der Scene.\nDer grosse Erfolg dient der Direction hoffentlich zur Aufforderung,\ndie jnnge Künstlerin öfter in bedeutenden Aufgaben zu beschäftigen.\nHier werden zwei neue Opern in Scene gehen: „Lorelcy\" von\nJ. Lachner und „Bianca Siftredi\" von Dupont.\nDie Stuttgarter Hof-Opernsängerin Marlow, die aus Anlass\neiner Fusslähmung der Bühne durch lange Zeit entzogen war, hat\nin der canstatt'schen electro-magnetischen Heilanstalt so wirksame\nHülfe gefunden, dass sie demnächst wieder auftreten wird.\nTherese Milanoll o hat in Strassburg vier Concerte, das\nletzte für die Armen, gegeben.\nDer ersten Aufführung von Dorn's „Nibelungen\", die Anfangs\nJanuar Statt finden dürfte, wird der Componist persönlich anwohnen."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570110-01.1.8", "texte": "Einem Privatschreiben Liszt's aus Zürich an Franz Erkel in\nPesth entnehmen pesther Blätter Folgendes: „Ein langwieriges Un-\nwohlsein hielt mich vierzehn Tage im Bette. In diesen Jagen\nüberkamen mir Andeutungen der „symphonischen Dichtung44, wel-\nche die Fortsetzung der „Hungaria\" bilden soll, und wozu Ihr\nschönes „Gebet44, mir so recht ans Herz gewachsen, die Veranlas-\nsung darbot. Wahrscheinlich bringe ich Ihnen das Kindlein\nnächsten Sommer ganz fertig mit. Zuerst muss ich aber an die\nAusarbeitung meiner Schiller'schen „Ideale\" schreiten. Die vier\nEinsätze, statt zwei, sind nach Ihrem guten Rathe gemacht. Bis\nzu Ostern schicke ich Ihnen die Partitur der Messe, welche in\nder k. k. Staatsdruckerei typographirt wird. Es wird Ihnen die-\nses Werk mit den Erleichterungen, Verbesserungen, Zusätzen und\nder Schluss-Fuge im Gloria, die ich bei meiner Ankunft hier auf-\ngeschrieben habe, ziemlich behagen. Mit Wagner verlebte ich\nherrliche Tage. Seine „Nibelungen4' (die er zur Hälfte beendet)\nsind eine gänzlich ungeahnte sublime Welt. In zwei Jahren sollen\ndie vier Opern zur Aufführung bereit sein. Wahrlich, lieber Freund,\ndas müssen Sie hören und sehen. Wie sieht es mit Ihrer Hunyadi-\nUebersetzung für Weimar? In ungefähr drei Wochen gedenke ich\ndort zurück zu sein, und wenn Sie nicht zu lange zögern mit der\nEinsendung der Partitur, kann dieses Werk noch, so wie ich es\nwünsche, im Laufe dieser Saison einstudirt werden. Wenn meine\n„ungarische Oper44 einmal entbunden ist, werde ich Herrn Grafen\nRäday bitten, eine Art von Pathenstelle zu übernehmen.44\nRom« Die vielen Missbräuche, die sich in neuerer Zeit in der\nrömischen Kirchenmusik eingeschlichen und ihr den ernsten, erhe-\nbenden Stil, der ihr durch die alten Meister, wie Palestrina, Alle-\ngri, Zingarelli etc., eigentümlich geworden war, genommen hatten,\nhaben das Vicariat bewogen, eine Kundmachung zu erlassen, welche\nden weltlichen, profanen Charakter neuerer kirchlicher Compo-\nsitionen rügt und im Wesentlichen folgende Verliigungen enthält:\n1) Instrumental-Musiken können in den Kirchen nur nach vorläu-\nfig eingeholter Erlaubniss des Cardinal-Vicars executirt werden; 2)\nTrommeln, Becken und ähnliche allzu lärmende Instrumente dür-\nfen nicht zur Anwendung kommen; 3) Vocal- wie Instrumental-\nMusiken müssen stets in ernstem Stil gehalten sein und dürfen\nnicht im Entferntesten an Theater-Melodieen erinnern; 4) Orgel-\nspieler haben insbesondere die Ausführung profaner Musikstücke\nzu unterlassen etc. [Dagegen sind an den Weihnachtstagen in\nWien aufgeführt worden: in St. Peter Pastoral-Messe von Lind-\npainlner (Op. posth.J, am Hof Rotter's Pastoral-Messer in St. Ste-\nphan Mozart's C-dur-Messe, in St. Michael J. Haydn's Mariazell-\nMesse, bei St. Augustin Mozarl's Kiönungs-Messe in C-dur (Nr. 16).]\nRobert Bowley, der Schatzmeister der londoner Sacred\nHarmonie Society, veröffentlicht eine Denkschrift an die Mitglieder,\nSubscribenten und Freunde der Gesellschaft in Angelegenheiten\ndes für das nächste Jahr bestimmten grossen Händel-Musik-\nfestes. Das Comite hat danach ein Arrangement mit den Directo-\nren des Krystall-Palastes getroffen und das Fest für den Sommer\ndes nächsten Jahres festgesetzt. Es werden on ausführenden Künst-\nlern daran Theil nehmen 2300 Personen, dergestalt, dass der Ge-\nsangchor aus 2000 zu je 500 für die vier Chorstimmen, das Or-\nchester aus 300 Spielern, nämlich 112 Violinen, 36 Bratschen, Vio-\nloncells und Contrabässen und verhältnissmässigen Blas-Instrumen-\nten bestehen solL Händel wird in diesem Denkschreiben ein Adop-\ntivsohn Englands oder vielmehr England das Adoptiv-Vaterland\nHandels (England was Händel*s country by adoplionj genannt, seine\nWerke sind für England, für Engländer, in englischer Sprache ge-\nschrieben, nirgend sind sie so sorgfältig und gründlich studirt wor-\nden, wie in England, und nirgend können sie zu einer so vollen-\ndeten Ausführung gebracht werden. Händers Sterbetag fällt auf\nden 14. August des Jahres 1759. Dafür sind andere des Meisters\nund Englands würdige Feierlichkeiten beschlossen. Das Musikfest\nvom nächsten Jahre ist ein Vorfest. Die Schrift verbreitet sich\neines Weiteren über alle die Aufführungen, welche die Händel'-\nschen Oratorien in England erfahren haben, insbesondere durch\ndie Sacred Harmonie Society, und ist in sofern historisch interessant.\nThalberg hat am 11. December sein dreizehntes und letztes\nConcert im Theätre-Niblo zu New-York gegeben und war dabei\nvon den Sängerinnen Angri und Patania unterstützt."}]}