{"numero_id": "bm-bmtnabi-1857-01-24-01", "volume": "bmtnabi_1857-01-24_01", "ocr_sha256": "3beea926b8ed6b5bf28d342f40f511a57a92d77a1e30ebcce4023d2532954092", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1857/01/24_01/bmtnabi_1857-01-24_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570124-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1857-01-24-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-01-24_01#c001", "volume": "bmtnabi_1857-01-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "25", "page_fin": "25", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570124-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "25", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570124-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 380, "texte": "Inhalt.\nHeinrich Marschner. 111. Von L. Bischoff. Münchener Briefe (IX. Sinfonie Ernst Pauer Oratorien-\nVerein Oper). Von A. Z. Tages- und Un terh alt ungsblatt (Dresden, Templer und Jüdin Wien, I. Concert des Män-\nnergesang-Vereins, I. philharmonisches Concert, 11. Concert der Gesellschaft der Musikfreunde Paris, Maitre Pathelin, Roger New-\nYork Rio-Janeiro Deutsche Tonhalle)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-01-24-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-01-24_01#c002", "volume": "bmtnabi_1857-01-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "25", "page_fin": "29", "image_debut": 1, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570124-01.2.2", "titre_corps": "Heinrich Marschner.", "titre_sommaire": "Heinrich Marschner.", "signature_source": "L. Bischoff", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "25", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570124-01.1.1", "debut_caractere": 382, "fin_caractere_exclue": 3826, "texte": "Heinrich Marschner.\n\nIII.\nWährend der Vorbereitungen zu dem Aufenthalte in\nLondon studirte Marschner auch fleissig Englisch. Walter\nScott's Roman „Ivanhoe\" brachte ihn auf den Gedanken,\ndass die Haupt-Charaktere und viele Situationen sich treff-\nlich zu musicalischer Darstellung eigneten. Er entwarf\nselbst eine scenirte Skizze und wandte sich damit wieder\nan seinen Schwager Wohlbrück. Das Buch erhielt Marsch-\nner im März 1829, und im Juli hatte er die Partitur von\n„Templer und Jüdin\" vollendet. In Leipzig trat da-\nmals gerade eine neue Theater-Unternehmung ins Leben,\nund die Verwaltung wünschte die Bühne mit dieser neuen\nOper zu eröffnen. Indess Marschner lehnte die Ehre ab,\nweil er besorgt war, die Aufnahme seines Werkes möchte\nunter den Parteiuncen, die fast immer bei neuen Theater-\n-7\nZuständen auftauchen, leiden. Auch wollte er wohl zuvor\ndie neuen Kräfte kennen lernen. Im December 1829 fand\ndie erste Auflührung Statt. Der Erfolg war beispiellos; die\nOper verbreitete sich eben so rasch, wie der „Vampyr\",\nund hat sich bekanntlich bis jetzt auf dem Repertoire er-\nhalten*).\nIm folgenden Jahre (1830) erhielt Marschner zwar\nverschiedene Anträge zu ehrenvollen amtlichen Stellungen,\nallein er zog es vor, sich noch nicht zu binden, nahm aber\nmit Vergnügen die Einladung der Direction des Königs-\nstädter Theaters an, lür diese Bühne, welche damals in\nihrer besten Blüthe stand, eine Oper heiteren Inhalts zu\nschreiben. Wohlbrück schlug als Stoff „Des Falkners\nBraut\", nach einer Erzählung von Spindler, vor, was der\nTheater-Direction und dem Componisten genehm war.\nMarschner arbeitete im Stillen rasch und mit grossem Ge-\nnügen an dem neuen Werke, dessen Hauptparlie für den\nvortrefflichen Sänger und Schauspieler Spitzeder bestimmt\nwar.\nSchon Ende 1830 sandte er die Partitur nach Ber-\nlin, und die Aufführung in der Königsstadt wurde bereits\nvorbereitet, als der Vorstand der königlichen Bühne davon\nNachricht erhielt und Einspruch that. Die neue Oper sei\nim königlichen Schauspielhause auf das Repertoire gesetzt\nund dürfe vertragsmässig nicht auf der königsstädter Bühne\ngegeben werden. In der That wurde Marschner von der\nIntendanz um Einsendung der Partitur unter gleichen Be-\ndingungen ersucht und die Zusage sofortiger Aufführung\ngegeben. Allein diese wurde Jahre lang verzögert und fand\nerst im Sommer 1838 Statt. Unter der Zeit hatten Leip-\nzig (1832), Dresden, Hannover, Breslau u. s. w. die Oper\ngegeben. Sie blieb nicht ohne Beifall, hatte aber weder so\ngrossen, noch so nachhaltigen Erfolg, als die beiden frühe-\nren. Wäre sie indess von dem trefflichen Personale der\nkönigsstädter komischen Oper, für welches sie geschrieben\nwar, zuerst gegeben worden, so würde wahrscheinlich der\nErfolg ein ganz anderer gewesen sein.\nIn Clavier-Auszügen erschienen der Vampyr als Op.\n42, Templer und Jüdin als Op. 61 —beide in Leipzig bei\nHofmeister und Des Falkners Braut, komische Oper in\ndrei Acten, als Op. 66 bei Breitkopf & Härtel.\nUm diese Zeit erhielt Marschner von Hannover den\nwiederholten Antrag der Hof-Capellmeister-Stelle daselbst.\nEr nahm ihn an und begann am 1. Januar 1831 seine\ndortige Wirksamkeit. Er trat sein Amt nach eigener Wahl\nmit der Direction des Don Juan an. Was er als Dirigent\nder Oper und Capelle geleistet, ist weltbekannt; er hat das\nOrchester in Hannover auf eine Höhe gebracht, auf wel-\ncher es sich den berühmtesten Künstler-Vereinen gleich-\nstellen kann.\n\n*) Vergl. im Tagesblatt „Dresden\"."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570124-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5168, "texte": "Noch in demselben Jahre brachte ihm Dr. Klinge-\nmann ein Opernbuch, „Das Schloss am Aetna\", welches\nMarschner nicht gerade zurückwies, allein doch für jetzt\nbei Seite legte, da ihn ein anderes, das ihm anonym zuge-\nsandt war, weit mehr anzog und seine ganze Einbildungs-\nkraft erfüllte. Es war dies „Hans Heiling\", und der\nDichter war Eduard Devrient, damals Sänger bei der\nköniglichen Oper in Berlin. Der Gegenstand, der so recht\nin Marschner's Neigung für das Romantische und Geister-\nhafte einschlug, beschäftigte ihn auch unter den überhäuf-\nten Arbeiten seiner neuen Stellung immerwährend; jede\nStunde, die er dem Amte abstehlen konnte, weihte er der\nneuen musicalischen Schöpfung; und bei diesem der Zeit\nnach fragmentarischen Arbeiten ist wahrlich nichts mehr\nzu bewundern, als der vollkommen einheitlich ausgeprägte\nCharakter der Musik dieser Oper, der Fluss der Melodieen\nund die herrlich durchgeführte Individualisirung der Haupt-\npersonen der Handlung. Marschner hat hier jene Höhe des\nGenius erreicht, auf welcher Kunst und Phantasie sich so\ndurchdringen, dass man sie in dem Kunstwerke selbst nicht\nmehr zu trennen vermag. Die Partitur von Hans Heiling\nstellt ihn in die Reihe der grössten dramatischen Compo-\nnisten aller Nationen; in ihr ist reine, aus der drängenden\nKünstlerseele quellende Begeisterung und Erfindung, wel-\nche die Farbe der Leidenschaft aus der Tiefe des mensch-\nlichen Gefühls schöpft, so dass Melodie, Harmonie und In-\nstrumentirung alles in der Brust wecken und auf und ab\nwogen lassen, was sie bewegen kann, Freude und Schauer,\nLiebe und Grauen, Aufschwung und Vernichtung.\nAm Schlüsse des Jahres 1832 war die Oper voll-\nendet und wurde zum ersten Male im Mai 1833 in Ber-\nlin gegeben, wo Ed. Devrient den Heiling sang. Der Err\nfolg war weder beim Publicum noch bei der Kritik ein so\ndurchschlagender, wie ihn Marschner erwartet hatte, der\nwohl wusste, dass er diese Musik mit seinem Herzblute\ngeschrieben hatte. Publicum und Kritik schämten sich zwar\nbald nachher ein wenig; allein sie hatten doch den Com-\nponisten einige Tage lang verstimmt und fast wieder etwas\nirre an sich selbst gemacht, da er zu bescheiden war, um\ndas Publicum für unzurechnungsfähig, die Kritik für blöd-\nsinnig und die Zukunft für seine Göttin zu erklären, wie\ndas heutzutage geschieht. Glücklicher Weise ging er zu\nder ersten Aufi'ülirung in Leipzig selbst hinüber, wo ihm\nder Theater Director Ringelhardt die gemachte Bedingung\nder Einübung der Oper und der Direction der drei ersten\nVorstellungen gern einräumte. Es war hohe Zeit, dass er\nkam! Er fand Wiükürlichkeilen in Verstümmelung der\nPartitur, vergriffene Tempi und mehr dergleichen Dinge\nvor, die ihn fast zur Verzweiflung brachten. Eben so ein-\nmal später in Wien, wo man z. B. bei dem köstlichen Auf-\nspielen der paar beduselten Dorf-Musicanten eine vollstän-\ndige Regiments-Musik auf die Bühne gebracht hatte! Auch\nan Verbreitung missgünstiger Urtheile unter dem Bühncn-\nund Orchester-Personale hatte es nicht gefehlt. Aber alles\ndas änderte sich und verschwand nach wenigen Proben\nunter des Meisters eigener Hand und machte bei allen Mit-\nwirkenden einer begeisterten Liebe zur Sache Platz. Und\nsiehe da, am 19. Juli 1833 war das Haus übervoll be-\nsetzt, und die Oper wurde mit einem unbeschreiblichen\nEnthusiasmus aufgenommen. Mnrschner wurde mit Ehren-\nbezeigungen überhäuft; es mochte wohl einer der glück-\nlichsten Tage seines Lebens sein, in dieser kunstsinnigen\nStadt, welche er vor siebenzehn Jahren als armer Student\nbetrat, jetzt einen solchen Triumph zu feiern. Die Univer-\nsität ernannte ihn zum Doctor der Musik und ehrte sich\nselbst durch diese Anerkennung seines Verdienstes um die\nKunst.\nWie sich nun Hans Heiling über die Bühnen von\nganz Deutschland und überall hin, wo eine deutsche Oper\nim Auslande vorhanden war, verbreitete, ist allgemein be-\nkannt. Weniger vielleicht, dass diese Oper auch Veranlas-\nsung zu einem Rufe Marschner's nach Kopenhagen wurde,\nwo er und seine Gattin über sechs Wochen unter einer\nFülle von Ehrenbezeigungen zubrachten. Es war im März\n1836, als er die Einladung erhielt, seinen Heiling dort\nselbst in Scene zu setzen und zu dirigiren. Er fand bei\n*Hofe und in den musikfreundlichen Kreisen der Stadt die\nzuvorkommendste Aufnahme. Nicht nur in verschiedenen\nN > • >\nHof-Concerten wirkte das Künstlerpaar mit, sondern der\nKönig empfing Marschner auch sonst häufig und unterhielt\nsich, eben so wie der Erbprinz (nachmals Christian VIII.),\ngern mit dem deutschen Meister, der mit seinem gewohn-\nten Humor und anständiger Freimütigkeit nicht immer\nmit den hohen Herrschaften gleicher Meinung war, zumal\nwenn es sich um die italiänische Opernmusik handelte.\nBei der Aufführung war das Hans zu bedeutend er-\nhöhten Preisen ausverkauft. Der ganze Hof, auch der Kö-\nnig, der seit Jahren das Theater nicht besucht hatte, war\nzugegen. Marschner wurde schon bei seinem Erscheinen\nvor dem Dirigentenpulte mit einem Beifallssturme und zu-\ngeworfenen Kränzen begrüsst was vor zwanzig Jahren\nnoch eine Seltenheit war. Heutzutage ist bekanntlich ein\nKünstler, der nicht ein halbes Dutzend Lorberkränze auf-\nzuweisen hat, gar nichts. Die Oper wurde mit ausser-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570124-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5048, "texte": "ordentlichem Beifall aufgenommen, und an Marschner erging\ndie Anfrage, ob er die Stelle eines königlichen Hof-Capell-\nmeisters und General Musik-Directors, die man ihm zu\nübertragen gedenke, annehmen würde. Marschner, wiewohl\nin Hannover kurz vor seiner Abreise in seinem künstleri-\nschen Selbstgefühle verletzt, erbat sich dennoch eine Frist\nzu einer entscheidenden Antwort.\nEr halte nämlich das oben erwähnte Opernbuch von\nKlingemann: „Das Schloss am Aetna\", im Jahre\n1835 componirt. Im Anfange des folgenden Jahres begann\ndie Einstudirung; allein plötzlich mussten auf höheren Be-\nfehl d ie Proben aulhören, um denen zu Bellini's Slraniera\nPlatz zu machen. Bald darauf reis'te M. nach Kopenhagen.\nJetzt, Anfangs Mai 1836, kehrte er mit reichen Ehren\nund Geschenken vom dänischen Hofe zurück. Am Abende\n. j - *I r|| . .J ~\nseiner Rückkehr hallen die Mitglieder der Capelle und des\nTheaters einen glänzenden Fackelzug veranstaltet, dem sich\nTausende von den Bürgern Hannovers anschlössen. Dabei\nwurde in Anreden, Gedichten und Hufen der herzliche\nWunsch ausgesprochen, ihn in Hannover zu behalten. Der\ngemüthvolle Künstler widerstand dem Eindrucke dieses\nAuftrittes nicht und gab laut sein Wort, dass er Hannover\nnie verlassen werde. Er hat es bis jetzt gehalten ; es dürfte\naber vielleicht gut sein, gewisse Kreise in Hannover an\njene Zeit zu erinnern.\nDas „Schloss am Aetna\", romantische Oper in drei\nActen, wurde am 5. Juni 1836 zum ersten Male gegeben,\nund zwar in Hannover selbst, wo die Oper grossen Beifall\nerhielt. Andere Theater folgten nach, auch im Auslande,\nz. B. in Kopenhagen und in Amsterdam; indess die weitere\nVerbreitung und ein nachhalliger Erfolg scheiterte haupt-\nsächlich an dem Text. „Hans Heiling\" erschien als Op.\n81 bei Hofmeister, „Das Schloss am Aetna\" als Op. 96\nbei Wunder in Leipzig.\nBald darauf fielen dem Meister die »Lebensbilder aus\ndem Osten\" in die Hände. Die Darstellung der orientali-\nschen Zustände regten ihm Geist und Phantasie gewaltig\nan, und er hätte viel darum gegeben, wenn sich irgend ein\ndramatisches Bild daraus hätte gestalten lassen. Fürs Erste\ngab er seiner Neigung Ausdruck durch die schöne Compo-\nsition der „Bilder des Orients von H. Stieglitz\",\nderen I.und 11. Heft, Op. 90, bei Fröhlich in Berlin her-\nauskamen und denen Marschner später noch zwei Hefte\nfolgen Hess, die als Op. 141 bei Kistner in Leipzig erschie-\nnen. Auch eine Ouvertüre, „Klänge aus Osten\" (Ciavier-\nAuszug, Op. 110, bei Hofmeister in Leipzig), scheint aus\ndieser Periode herzustammen, so wie die „Israelitischen\nGesänge von Byron\" (Op. 101, Berlin, bei Trautwein).\nAuf den dringenden Wunsch Marschner's arbeitete\nihm endlich sein Schwager Wohlbrück ein Buch zu einer\nkomischen Oper von orientalischer Farbe aus, „ Der Bäbu '\nbetitelt. Der Componist soll, nach seiner eigenen Aeusse-\nrung, nie mit mehr Lust und Eifer gearbeitet haben, als\nan dieser Oper. Ende des Jahres 1837 war die Partitur\nfertig*). Die Hauptrolle der „Dilafrose\" hatte er für die\nvortreffliche Sängerin und Schauspielerin Jazede, nach-\nherige Frau Herbst, geschrieben, die damals am Theater\nzu Hannover angestellt war. Die Oper hatte einen ausser-\nordentlichen Erfolg, wurde, ganz gegen die Sitte in Han-\nnover, viele Male hinter einander gegeben und machte\nstets ein volles Haus. Anderswo war dies jedoch nicht der\nFall, und Marschner selbst verhehlte sich keineswegs, dass\neine Hauptbedingung des Erfolgs eine Künstlerin wie die\nJazede sei. Aus diesem Grunde scheuten es auch viele\nTheater-Directionen, die Oper auf die Bühne zu bringen.\nAuch mochten, wie in jener Zeit wenigstens berichtet\nwurde, die Schwierigkeit, die mitunter etwas derbe Komik\nder Situationen auf geschickte Weise zu bebandeln, und\ndie Kosten der Scenirung abschrecken. Jedoch darf man\nnicht vergessen, dass die traurige Zeit schon begonnen\nhatle, in welcher die deutschen Opernbühnen nach frem-\nden Füttern haschten und die gediegenen Erzeugnisse der\nHeimat unbeachtet liegen Hessen, so dass Bellini und Do-\nnizelti die Theater beherrschten, freilich nicht ohne grosse\nSchuld des Publicums.\nMarschner empfand diese Zustände des deutschen\nTheaters mit tiefem innerem Missbehagen, das sich durch\nTrauerlälle in seiner Familie und vollends noch durch die\nUnmöglichkeit steigerte, sich in seiner amtlichen Stellung\nauf die Dauer dem Eindringen des Verderbnisses auch an\nderjenigen Opernbühne, welche er grösstentheils als seine\nSchöpfung betrachten konnte und die ihm am Herfen lag,\nmit Erfolg widersetzen zu können. Musste er doch sogar,\nwie die Verhältnisse nun einmal waren, selbst Öfters die\nHand dazu bieten, Werke aufzuführen, gegen die seine\nganze Natur sich empörte und deren Flachheit und Leere\nihn um so mehr anwidern musste, als er das Bewusstsein\nin sich trug, zehn Mal Besseres, Edleres und dem deutschen\nGenius Entsprechenderes geschaffen zu haben und schaffen\nzu können. Dass er seine Ansichten über die Richtung der\nKunst und des Geschmackes des Publicums, welche oft von\n\n*) Der Bäbu, komische Oper in drei Acten, Op. 99. Clavicr-\nAuszug bei Wunder in Leipzig."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570124-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5055, "texte": "den höchsten Kreisen begünstigt wurde, ohne Rückhalt\naussprach, war nicht mehr als natürlich und lür einen\nMann von seiner Stellung in der musicalischen Welt eine\ngebotene Pflicht. Dass er aber, wenn die Verstimmung des\nGemüthes ihn übermannte, seine Worte nicht immer auf\ndie Goldwage legte und seine Meinung theils mit schla-\ngendem Humor, theils mit scharfer Satire ausdrückte, das\nkonnte bei der Reinheit der Absicht doch wahrlich nur die-\njenigen verletzen, welche angeborene Charakterlosigkeit\noder langjährige Dienstbarkeit gewöhnt hatte, allem eigenen\nUrtheile zu entsagen und fremdem nicht durch Widerle-\ngung, sondern durch Verdächtigung seiner Gründe die Spitze\nabzubrechen. Freilich musste eine solche in diesem beson-\nderen Falle bei allen Vernünftigen misslingen, da es in\nHannover allgemein bekannt war, dass Marschner sehr\nschwer zur Aufführung seiner Opern auf dem dortigen\nHoftheater zu bringen war und nur auf ausdrückliches\nVerlangen der Intendanz darauf einging. Ein Beweis davon\nwar die nächste Oper von ihm, welche gar nicht in Hanno-\nver aufgeführt wurde, weil man den Componisten nicht\ndazu aufforderte.\nEs war dies „Adolf von Nassau\", grosse roman-\ntische Oper in vier Acten von H. Rau. Marschner begann\ndie Partitur Ende 1843 und beendigte sie im September\n1844. Sie wurde nur in Dresden, Hamburg und Breslau\naufgelührt, auch mehrere Male wiederholt, hielt sich jedoch\nnicht auf dem Repertoire. Der Clavier-Auszug, so wie die\nOuvertüre für Orchester erschienen als Op. 131 bei Bach-\nmann in Hannover. Man wirft der Handlung Mangel an In-\nteresse vor. Wir haben kein Urtheil darüber, da wir die\nOper nicht kennen.\nMittlerweile bewies das Jahrzehend von Marschner's\nLeben (1 835 1845), das wir zuletzt besprochen, auf\nerfreuliche Weise, wie hohe Anerkennung von den ver-\nschiedensten Seiten dem genialen Meister der Töne gezollt\nwurde. Im Jahre 1835 erhielt er vom Kaiser von Oester-\nreich die grosse goldene Verdienst-Medaille, 1840 vom\nKönige von Dänemark das Ritterkreuz des Danebrog-Or-\ndens, 1841 vom Könige von Hannover die grosse goldene\nMedaille für Kunst und Wissenschaft, 1845 die Ernen-\nnung zum ordentlichen Mitgliede der Akademie der Künste\nzu Berlin, als Folge einer einstimmigen Wahl, und mehrere\nEhren-Diplome musicalischer Vereine. '\nBis zum Jahre 1850 schrieb Marschner nichts für\ndas Theater. Im September dieses Jahres aber begann er\ndie Composition der Oper „Austin\", welche er im Octo-\nber 1851 beendigte. Sie hat bis jetzt nur Aufführungen\nin Hannover erlebt, was sehr zu bedauern ist. Namentlich\nwäre es die Pflicht aller Hoflheater, einem Werke von\nMarschner bereitwilligst die Pforten zu öffnen, ohne alle Rück-\nsicht auf den Erfolg. Denn in der That geben doch die Kö-\nnige und Fürsten in Deutschland den Theatern nur desshalb\ngrosse Summen zur Unterstützung, um sie als deutsche\nKunst-Anstalten aufrecht zu erhalten. Muss aber eine jede\nvon diesen nicht erröthen, die eine neue Oper von Hein-\nrich Marschner ignorirt, während sie freilich von Paris\nkommende Sterne aus Norden und Süden mit ungeheu-\nren Kosten zum Durchfallen in Scene setzt??\n< • . i * ■ - 4 '\nIn Hannover fanden die ersten beiden Aufführungen\nder Oper „Austin\" am 25. und 27. Januar 1852 Statt.\nAn beiden Abenden war die Zuhörerschaft sehr zahlreich;\nsie folgte der Vorstellung mit lebendiger Theilnahme, nahm\nsämmtliche Nummern beifällig, die meisten aber mit gros-\nsem Applaus auf und ehrte den Componisten durch öfteren\nHervorruf. Unser damaliger Correspondent in Hannover\ndrückte sich über die Oper selbst unter Anderem folgen-\nder Maassen aus:\n„ Der Held der Oper ist Erbe von Bearn im fünfzehn-\nten Jahrhundert. Eine starke Partei macht ihm sein Recht\nstreitig, sein Erbtheil wird ihm, so wie seine Geliebte, Co-\nrisanda, entrissen; Verhältnisse zwingen sie, dem Conne-\ntable ihre Hand zu reichen. Austin siegt über seine Gegner\nim Felde, allein Corisanda findet er dem heimlichen Haupte\nderselben bereits vermählt. Der Connetable sinnt auf das\nVerderben des Königs und versucht, ihn durch eine vergif-\ntete Flöte zu tödten; allein Austin wird gerettet und auch\nmit der Geliebten vereinigt, da ihr Gatte ein Opfer der\nVolkswuth geworden. Die Liebe Austin's auf der einen, die\nRacheplane der Gegenpartei auf der anderen Seite bilden\ndie Hanpt-Elemente der dramatischen Handlung. Indess\nleidet der Text an manchen Unklarheiten; es ist darin\netwas von dem geheimnissvollen Dunkel ä la Robert der\nTeufel; ein tiefer Bass, Bermudez, spielt die Rolle des Ber-\ntram oder Mephistopheles. Ueberhaupt ist der Text mehr\nnur ein Mittel für .den Ausdruck der musicalischen Gedan-\nken, als ein integrirender Bestandteil des Werkes. [Das\nist freilich nicht gut.]\n„Die Musik Marschner's ist aber dafür um so klarer,\ndurchweg verständlich und fasslich, von gelehrter Breite\nwie von Oberflächlichkeit oder fragmentarischer Kürze\ngleich weit entfernt. Mit vielem Geschick sind die grossen\ndramatischen Momente der Handlung als Hauptsache er-\nfasst und ragen über andere unbedeutendere Theile des\nWerkes hervor. Seinen Schwerpunkt hat es im zweiten"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "29", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570124-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5073, "texte": "Acte. Die Krönung Austin's soll im Dome vollzogen wer-\nden: Alles ist versammelt, nur der Erzbischof wird durch\ndie Ränke der Gegenpartei verhindert, zu erscheinen: da\nsetzt sich Auslin selbst die Krone auf. In diesem Finale\n%\nzeigt sich wiederum ganz und gar der Meister der drama-\ntischen Musik, es ist ein vollkommenes Kunstwerk. Orgel-\nklang leitet es ein, dann folgt ein ausgezeichnet schöner\nChorgesang ohne Orchester-Begleitung; der Hass der Par-\nteien bricht los und droht zu blutigem Streit zu führen,\nwelchen Corisanda hemmt und den heiligen Ort vor Ent-\nweihung schützt. Ueberhaupt sind alle mehrstimmigen Mu-\nsikstücke und die Chöre ganz vorzüglich gearbeitet und\nvon grosser Wirkung. Vor Allem zu rühmen ist, dass das\nmelodiöse Element durchaus nicht vernachlässigt ist, wie\nes sich freilich von dem Tondichter so herrlicher Lieder\nund so vortrefflicher Quartette für Männergesang nicht an-\nders erwarten liess. Das melodische Element ist so stark\nvertreten, dass schon dadurch der Erfolg der Oper überall\ngesichert ist. In Bezug auf die Besetzung der Rollen stellt\ndie Oper nur diejenigen Forderungen, welche man an eine\njede Bühne machen muss, die überhaupt im Stande ist,\nOpern zu geben. Zwei Soprane (Corisanda und ihre Schwe-\nster Bianca), ein erster Tenor (Austin), ein zweiter (Joan,\nBlanca's Geliebter), ein Bariton (der Connetable) und ein\ntiefer Bass (Bermudez) sind die Haupt-Partieen. Die Chöre\nbedürfen allerdings einer starken und guten Besetzung.\nDass auch dem Orchester eine bedeutende Aufgabe gestellt\nist, bedarf bei einem Meister der Instrumentation wie\nMarschner keiner besonderen Erwähnung.\"\nVon ehrenvollen Auszeichnungen wurden Marschner\nlerner in den letzten lünf Jahren zu Theil: 1851 der\nGuelphen-Orden von Sr. Majestät dem Könige Ernst August\nvon Hannover; 1852 die goldene Medaille für Kunst und\nWissenschaft von Sr. Majestät dem Könige von Sachsen;\n1853 das Verdienst-Kreuz des Haus-Ordens von dem Her-\nzog zu Sachsen-Coburg-Gotha und das Ritterkreuz des\nMaximilians-Ordens für Wissenschaft und Kunst von Sr.\nMajestät dem Könige von Baiern ein erfreulicher Beweis,\nwie hoch auch die deutschen Fürsten die Tonkunst in\neinem ihrer grössten Meister ehren.\nAuf dieser von wenigen Künstlern erreichten Höhe\nder Ehre und des Ruhmes traf ihn der Verlust der gelieb-\nten Gattin um so schrecklicher. Der Schmerz griff nicht\nnur sein Gemüth heftig an, auch sein Körper widerstand\nihm nicht; er erkrankte, und auch nach der Genesung litt\ner noch Monate lang an einer Lähmung der Sehkraft.\nErst eine Erholungsreise am Rheine frischte seinen\nGeist wieder auf. Unter den theilnehmenden Freunden und\ninmitten des rührigen, immer wechselnden Verkehrs und\nder ungezwungenen, gemüthlichen Geselligkeit fand er sich\nselbst wieder; die Lust am Leben und am Schaffen kehrte\nallmählich zurück, wie sie denn den Glücklichen, dem die\nTonkunst ein inneres Leben erschlossen hat, so leicht nicht\nverlässt. Sein Freund Inkermann (C. 0. Sternau) in Köln\ndichtete ihm einen „Chor der Nymphen am Rheine\",\nMarschner componirte ihn dreistimmig, und auf der Sänger-\nfahrt am 30. Juli 1854 wurde er auf dem bewimpelten\nund bekränzten Dampfschiffe gesungen und auf Schloss\nArgenfels wiederholt. Dem Componisten, von dem auch\neine treffliche, damals noch ungedruckte Composition von\nBodenstedts „Zigeunerlied\" vom kölnischen Chor gesun-\ngen wurde, ertönten weithin über die Wogen des Rheines\nlängs den Felsen hin schallende Lebehochs! Da musste ja\nwohl mit dem lichten Blau des Himmels und mit der hei-\nteren Sonne und den frischen Stimmen der rheinischen\nSängerinnen und Sänger neue Wärme in das Gemüth des\nTondichters ziehen und ihn dem Leben wieder gewinnen.\nSo war es denn auch, und im Juni des Jahres 1855\nhatten wir die Freude, ihn wieder in Köln zu sehen, als\ner eben seine Verbindung mit der schönen und liebens-\nwürdigen, eben so talentreichen als geistvollen Sängerin\nTherese Janda geschlossen hatte. Er fuhr von hier\nwiederum den Rhein hinauf, besuchte seine kölnischen\nFreunde in Weinheim und verlebte am 19. Juni einen\nschönen Tag mit ihnen in Heidelberg. Im Herbste dessel-\nben Jahres kehrte er mit seiner jungen Gattin zu uns zu-\nrück, und Beide verherrlichten am 20. November das dritte\nGesellschafts-Concert durch ihre Mitwirkung. (Vergl. den\nBericht in Nr. 47 des Jahrgangs 1855 dieser Blätter.)\nDiese neueste Periode von Marschner's Leben brachte\nauch der Tonkunst wieder schöne Früchte, besonders in\nder Composition von Liedern, unter denen der „orienta-\nlische Liederschatz\" von Bodenstedt und „der fah-\nrende Schüler\" von Julius von Rodenberg hervorragen\nund eine Frische und Ursprünglichkeit der Melodieen zei-\ngen, die sie den Arbeiten aus der besten früheren Zeit des\nComponisten zur Seite stellen. Auch ein grösseres, umfang-\nreiches Werk hat Marschner fast vollendet; doch wissen\nwir nicht, ob er sich entschliessen wird, es zu veröffentlichen.\nUeber Marschner's Werke, deren Ausgabe-Nummer die\nZahl 170 erreicht hat, wobei neun Opern, so wie über die\nCharakteristik seiner Musik behalten wir uns einen späte-\nRen Artikel vor.\n\nL. Bischoff."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-01-24-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-01-24_01#c003", "volume": "bmtnabi_1857-01-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "30", "page_fin": "31", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570124-01.2.3", "titre_corps": "Münchener Briefe..", "titre_sommaire": "Münchener Briefe..", "signature_source": "A. 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Von Fastnacht\nbis Ostern ist die zweite Hälfte der hiesigen Concert-Sai-\nson, und man hat uns dafür schon recht schöne Genüsse\nin Aussicht gestellt, unter Anderem die erste und sechste\n(Pastoral-) Sinfonie von Beethoven, eine von Haydn und\ndie grosse C-dw-Sinfonie von Franz Schubert. Der Ora-\ntorien-Verein wird „Israel in Aegypten\" bringen. Wir\nwünschten recht sehnlich, die Zeit des Tanzes wäre vorüber,\nund die der Musik begänne wieder.\nAm ersten Weihnachlstage hörten wir im vierten\nAbonnements-Concerte im Odeon die neunte Sinfonie von\nBeethoven eine Aufführung dieses Werkes, die jedenfalls\nden gelungensten an die Seite gesetzt werden darf. Lachner\nhat ein ganz vortreffliches Ensemble herzustellen gewusst,\nOrchester, Soli und Chor (vom Theater) thaten ihre Schul-\ndigkeit vollkommen. Das unendlich schwere Werk ging\nleicht, und das ist gewiss das beste Lob, das man zollen\nkann. Unser Bassist Kindermann that sich besonders rühm-\nlich hervor, und die Wirkung seines ersten Einsatzes war\neine mächtige. Nach unserem Dalürhalten hätte nur das\nBlech weniger stark besetzt sein können; es herrschte na-\nmentlich im Vergleich zum Chor hier und da ein wenig\nvor. Die Tempi waren im Allgemeinen sehr schön, nur das\nTrio im Scherzo hätten wir langsamer gewünscht; ein klei-\nner Unfall am Schlüsse des Scherzo war zu geringfügig,\num die schöne Wirkung der ganzen Sinfonie zu beein-\nträchtigen. Auf die »eunte Sinfonie folgte das Concertstück\nvon Weber, welches Ernst Pauer, der dazu hieher gereis't\nwar, mit grosser Bravour, brillanter Technik und durchaus\nedlem Tone vortrug. Er nahm es freilich ein Bisschen rasch,\ndoch hat dies bei dem Concertstücke weniger zu sagen.\nDie drille Nummer war „Meeresstille und glückliche Fahrt\"\nvon Beethoven. Diese schöne Composition ging sehr präcis\nund schwungvoll. Hierauf spielte Herr Pauer eine von ihm\narrangirte Suite von Händel ganz vortrefflich. Dass er es\nnicht unterliess, nach der neunten Sinfonie auch noch eine\nTarantella, ein allerdings ganz anständiges Salonstück sei-\nner Composition, zu bringen, müssen wir dagegen höch-\nlichst rügen, und es ist uns nur rälhselhaft, dass ein Künst-\nler wie Pauer nicht selbst die Unziemlichkeit eines solchen\nVerfahrens fühlt. Die Oberon-Ouverture, welche köstlich\nfrisch vorgetragen wurde, schloss das Concert sehr würdig.\nHerr Pauer erfreute noch ausserdem einen kleineren\nKreis von Freunden und Bekannten durch den Vortrag der\nSonaten Op. 106 und 111, der C-mo//-Variationen und\ndes Andante in F-dur von Beethoven, so wie einer Bach'-\nschen Fuge. Er spielte diese Stücke in dem Saale des\nrühmlichst bekannten Pianoforte-Fabricanten Aloys Biber.\nDer Oratorien-Verein hat in einem kleinen Concerte\nam 29. December v. J. die jüngst erlittene Niederlage\nwieder Vergessen zu machen gesucht, und es war uns recht\nerfreulich, unsere Ansicht bestätigt zu hören, dass mit den\nvorhandenen Kräften etwas Gutes geleistet werden kann.\nDer Vortrag eines Madrigals von John Bennelt, eines geist-\nlichen Liedes von Eccard und des von Mozart\nwar recht brav; auch einige Quartelte von Hauptmann,\nMendelssohn und J. Maier gingen schön; nur die Wahl\nder Stücke, welche etwas sehr bunt war, konnten wir nicht\nganz billigen: uns will bedünken, ein Oratorien-Ver-\nein solle sich ausschliesslich der ernstesten Musikrichtung\nzuwenden. Derselbe Verein wiederholte am Sylvester-Abend\nin der Bonifacius-Kirche das Dettinger Te Deum von Hän-\ndel, dessen unglückliche erste Aufführung wir neulich rü-\ngen mussten. Die Chöre waren dieses Mal besser einstu-\ndirt und klangen gut; aber den Uebelständen in der Instru-\nmentation war nicht abgeholfen. Trompete und Contrabass\ntanzten nach wie vor ihren Pa und die armen\nSolo-Oboen waren sehr ergötzlich anzuhören.\nIn d er königlichen Oper hatten wir unter Anderem\ndie Dorfsängerinncn von Fioravanti, ein reizendes Stück,\ndas sich auch die volle Gunst des Pubücums erwarb. Fer-\nner hörten wir den Don Juan von Mozart. In der Titelrolle\nzeichnete sich Herr Kindermann mit seiner gewaltigen\nStimme aus; auch Frau Maximilien (Donna Anna) zeigte\nsich wieder als die feine, geschulte Sängerin, doch reicht\nihre Stimme in unserem grossen Hause für diese Rolle\nnicht aus, namentlich in der grossen Arie in D. Die Brief-\nArie dagegen sang Frau Maximilien sehr schön; wir\nwünschten nicht, dass die Direction die geschätzte Künst-\nlerin durch öftere Wiederholung des Don Juan anstrenge,\neinen so grossen Genuss uns auch diese herrliche Oper ge-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570124-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 658, "texte": "währt. Frau Diez war eine reizende Zerline. Eine köstliche\nRolle derselben ist auch die der Frau Fluth in den „Lusti-\ngen Weibern\" von Nicolai. Diese nette Oper wird hier\nüberhaupt sehr abgerundet gegeben. Herr Kindermann ist\nals Herr Fluth recht gut, und die Herren Sigl (Falstaff),\nHoppe (Spärlich) und Lang (Dr. Cajus) sind höchst origi-\nnelle Figuren voll Humor. Das Ballet im letzten Acte ist\nfreilich traurig anzusehen. Die meisten der hiesigen Elfen\nhaben weit nu'hr als das canonische Alter und bedürfen\nweder grüner Tricots noch langer Röcke, um das liebe\nPublicum kalt zu lassen. Vielleicht hat die Intendanz eben\ndiese lobenswerthe Absicht!\n\nA. Z."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-01-24-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-01-24_01#c004", "volume": "bmtnabi_1857-01-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "31", "page_fin": "32", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570124-01.2.4", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570124-01.1.7", "debut_caractere": 660, "fin_caractere_exclue": 6451, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nTiiozart's komisches Sextett „Die Dorf-Musicanten\" für Streich-\nQuartett und zwei Hörner ist hei Schlesinger in Berlin in\nPartitur (1 Thlr.) erschienen.\n* Mresden, 1. Januar. Unser Hoftheater hat das Jahr mit\neiner Oper beschlossen, deren Aufführung ein wahres Fest für alle\nFreunde deutscher Musik v>ar. Wie zahlreich diese aber hier sind,\nzeigte der Zudrang zu der Vorstellung von H. Marschner's\n„Templer und Jüdin\". Das Haus war überfüllt, obwohl die freien\nEntreen nicht gültig waren. Die Aufführung war glänzend in jeder\nHinsicht; es wirkten aber auch Alle mit sichtbarer Liebe zur\nSache mit. Mitter wurzer als Templer übertraf sich in der That\nselbst; wir haben ihn lange nicht mit so viel Leidenschaft und\nBegeisterung singen und spielen hören. Ueber die Rebecca der\nFran Bürde-Ney kann man nur sagen, dass sie bewunderns-\nwert!) war. Nehmen Sie dazu Tichatschek als Ivanhoe, Fräul.\nBunke als Rowena, Rudolph als Narr und das treffliche Or-\nchester, und Sie werden es natürlich finden, dass sich die ganze\nZuhörerschaft von dieser Musik gehoben und entzückt lühlte.\nAus Wien. Aus dem vorigen Jahre (Monat Decemher) haben\nwir noch nachzuholen das erste Concert des Männ ergesang-\nVereins. Die wiener Blatter für Musik sprechen sich folgender\nMaassen darüber aus: „Im Ganzen die unpassende Wahl der\nLortzing'schcn „Verlor'nen Rippe\" ausgenommen kann die Zu-\nsammenstellung des Programms, wiewohl einige offenbar matte Sa-\nchen mit unterliefen, guigeheissen werden. Auch zeichnete es sich\ndurch Vorführung mehrerer Novitäten aus, unter welchen der Chor\naus Schumann s „Pilgerfahrt der Rose\" in erster Reihe zu nennen\nist, der sich durch Kraft und edle Einfachheit auszeichnet. Die\n„Dithyrambe\" von J. Kietz, eine breite Composition, verlangt\nzum intentionirten Effecte, das Orchester, welches durch die magere\nClavier-Begleitung nicht ersetzt werden konnte, so gut auch diese\nschwierige Surrogat-Partie von Herrn Dachs ausgeführt wurde.\nZwei Compositionen von C. L. Fischer, ein Vocal-Quartett, „Rös-\nlein im Walde\", und der Chor „Trinklied der Alten\" zeigen eine\ngeübte Hand, sind klar gehalten, ohne jedoch durch den In-\nhalt besonders hervorragend zu sein. Dasselbe lässt sich\nauch von dein Quintette des Herrn Debrois sagen, das wie-\nderholt werden musste. In II e r b e k' s Chor, „Sterne sind\nschweigende Siegel\", mit Solo-Quartett und Clavier-Lcgleitung\nliegt der Anlage nach unbestreitbar poetisches Element; aber wir\nglauben, dass zur Darstellung des sehr duftigen Stoffes, wie ihn\ndas Gedicht Roquette's bietet, zu viel Mittel und Wege versucht\nworden sind, wodurch die Sache schwerfällig wurde. Andererseits\ngeräth die Fülle der in etwas hastiger Folge sich drängenden Mo-\ndulationen und das stellenweise Gesuchte derselben mit dem Cha-\nrakter der Dichtung einiger Maassen in Widerspruch. Herr Herbek\nleidet, wie alle jungen Componisten, an dem Fehler, sein ganzes\nWissen, Können und Empfinden in einer Composition nieder-\nlegen zu wollen. Die Glanzpunkte des Concertes bildeten Mendels-\nsohns „Der Jäger Abschied\" und Schuberts „Nachtgesang im\nWalde\". Letzterer musste sich leider mit einer auf dem Ciavier er-\nsetzten Hörnerbegleitung begnügen, da das gleichzeitige Stattfinden\nanderweiter Orchcster-Produetionen das Anlangen der erforderlichen\nAnzahl Hornisten vereitelte. Die Ausführung fast sämmtlicher\nPiecen zeigte von vielem Fleisse. In den Solo-Vorträgen machte\nsich ein Tenorist (Namens Kunz) mit sehr schöner Stimme be-\nmerkbar. Das Concert war stark besucht.\"\nFerner das erste philharmonische Concert (am 7. De-\nccmber vorigen Jahres), unter Leitung von K. Eckert. Es brachte\nBeethoven's Coriolan-Ouverture, Mendelssohn's .A-</«r-Sinfonie (Nr.\n4), Berlioz' Fee Mab. Daneben J, S. Bach's Concert für drei Cla-\nviere (durch die Herren Eckert, Fischhof und Dachs) und\ndie Kirchen-Arie von Stradella (durch Herrn Ander). Das\nConcert des Pianisten Karl Evers (den 14. December), dessen\nCompositionen: Sonate in F-durfür Pianoforte und Violine, meh-\nrere Lieder und ein Duett grossen Beifall fanden, während die\n„Frühlingslieder\" für Pianoforte allein, eine Art von Phantasieen\nüber drei Gedichte von Lenau, nicht allgemein ansprachen. Die\nAufnahme des bewährten Künstlers war eine sehr ehrenvolle, und\ner wurde am Schlüsse gerufen.\nIm zweiten Concerte der Gesellschaft der Musikfreunde\nwurden Mendelssohn's Hebriden, dieScene aus Gluck s Orpheus\n(Fräul. Tobisch) mit dem Furien-Chor und Beethoven's\nneunte Sinfonie aufgeführt. Die Ausführung des Finale, das man\nhier zu Lande „eine Cantate\" nennt, misslang ganz und gar.\nIm Ilofburgtheatcr waren am 22. und 23. December die Jah-\nreszeiten von J. Haydn; die Soli sangen Fräul. Tletjens,\nHerr Erl und Herr Panzer, der freilich seinen Vorgänger Stau-\ndigl nicht erreichte, aber doch grossen Beifall ärntete.\nParis. Bazin's Maiire Patheliverschafft fortwährend der\nDirection der komischen Oper wöchentlich drei Mal eine Einnahme\nvon 5000 Francs.\nVon Ambroise Thomas wird „Amor und Psyche\" stu-\ndirt. Eine zweite Oper von ihm, „ ist eben-\nfalls angenommen.\nIn der grossen Oper bereitet man ein Ballet von Scribc und\nAuber vor und die Oper „Le Tr\nDer deutsche Pianist IgnazTedesco ist hier angekommen\nund wird in Erard's Saale ein Concert geben. Eben so die schwe-\ndische Sängerin Bertha Westerstrand.\nRoger hat den Text von Haydn's „Jahreszeiten\" ins Fran-\nzösische übersetzt. Das Werk soll in einem der diesjährigen Con-\ncerte des Conservatoires gegeben werden ein ganzes Oratorium!\nDas wäre lür die Socieie des Concein gewaltiger I ortschritt.\nWenn das Vorhaben zu Stande kommt, was aber nur durch einen\nbedeutend verstärkten Chor mit Erfolg ausgeführt werden kann, so\nwünschen wir den Franzosen Glück dazu. Jedenfalls konnte kein\ngeeigneteres Werk zu diesem Reform-Versuche gewählt werden,"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570124-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1540, "texte": "*\nund Roger hat sich ein grosses Verdienst durch seine Arbeit er-\nworben. Dem Vernehmen nach wird er selbst die Tenor-Partie\nsingen.\nDer berühmte belgische Violoncellist Servais gibt seit dem 28.\nDecember v. J. Concerte in Warschau.\nDie deutsche Oper hat nach 21 Vorstellungen\nschliessen müssen. Die Ausgaben waren enorm: an Tageskosten\n500 Dollars, die wöchentliche Miethe des Theaters 900 Dollars.\nDas Deficit in den Einnahmen betrug manchmal mehr als 300\nDollars an einem Tage,\nRio-Janeiro. Mlle. Jul i en neD ej ea n hat in ihrer Benefiz-\nVorstellung ~La Regina di Cypro\" und den ersten Act der Norma\ngesungen. Unter den unzählbaren Kränzen und Sträussen, womit\nihr gehuldigt wurde, befand sich einer, vom Orchester aus darge-\nreicht, worin mitten unter Blumen sich ein Collier von Brillanten\nbefand, das auf 15,000 Francs geschätzt wurde. [Der Tausend! die\ndortigen Orchester-Musici müssen reich sein! Auf, nach Rio!]\n* - ' i > . i»,\nDeutsche Tonhalle.\nDie auf das 11. Preis-Ausschreiben des Vereins uns zugekom-\nmenen 39 Operetten-Texte versenden wir heute an die satzungs-\nmässig erwählten drei Herren Preisrichter, und werden wir das\nErgebniss ihrer Beurtheilungen dieser Werke s. Z. anzeigen.\nDie Uebersicht der Tonhalle in ihrem fünften Jahre (1856) wer-\nden wir noch im nächsten Monate den verehrlichen Mitgliedern\nderselben zusenden, daher wir diejenigen, welchen sie wegen Auf-\nenthaltswechsels u. s. w. etwa nicht zukommen sollte, bitten, uns\ngefälligst Nachricht davon geben zu wollen.\nMannheim, 3. Januar 1857. Der Vorstand."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "25", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570124-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nHeinrich Marschner. 111. Von L. Bischoff. Münchener Briefe (IX. Sinfonie Ernst Pauer Oratorien-\nVerein Oper). Von A. Z. Tages- und Un terh alt ungsblatt (Dresden, Templer und Jüdin Wien, I. Concert des Män-\nnergesang-Vereins, I. philharmonisches Concert, 11. Concert der Gesellschaft der Musikfreunde Paris, Maitre Pathelin, Roger New-\nYork Rio-Janeiro Deutsche Tonhalle).\n\nHeinrich Marschner.\n\nIII.\nWährend der Vorbereitungen zu dem Aufenthalte in\nLondon studirte Marschner auch fleissig Englisch. Walter\nScott's Roman „Ivanhoe\" brachte ihn auf den Gedanken,\ndass die Haupt-Charaktere und viele Situationen sich treff-\nlich zu musicalischer Darstellung eigneten. Er entwarf\nselbst eine scenirte Skizze und wandte sich damit wieder\nan seinen Schwager Wohlbrück. Das Buch erhielt Marsch-\nner im März 1829, und im Juli hatte er die Partitur von\n„Templer und Jüdin\" vollendet. In Leipzig trat da-\nmals gerade eine neue Theater-Unternehmung ins Leben,\nund die Verwaltung wünschte die Bühne mit dieser neuen\nOper zu eröffnen. Indess Marschner lehnte die Ehre ab,\nweil er besorgt war, die Aufnahme seines Werkes möchte\nunter den Parteiuncen, die fast immer bei neuen Theater-\n-7\nZuständen auftauchen, leiden. Auch wollte er wohl zuvor\ndie neuen Kräfte kennen lernen. Im December 1829 fand\ndie erste Auflührung Statt. Der Erfolg war beispiellos; die\nOper verbreitete sich eben so rasch, wie der „Vampyr\",\nund hat sich bekanntlich bis jetzt auf dem Repertoire er-\nhalten*).\nIm folgenden Jahre (1830) erhielt Marschner zwar\nverschiedene Anträge zu ehrenvollen amtlichen Stellungen,\nallein er zog es vor, sich noch nicht zu binden, nahm aber\nmit Vergnügen die Einladung der Direction des Königs-\nstädter Theaters an, lür diese Bühne, welche damals in\nihrer besten Blüthe stand, eine Oper heiteren Inhalts zu\nschreiben. Wohlbrück schlug als Stoff „Des Falkners\nBraut\", nach einer Erzählung von Spindler, vor, was der\nTheater-Direction und dem Componisten genehm war.\nMarschner arbeitete im Stillen rasch und mit grossem Ge-\nnügen an dem neuen Werke, dessen Hauptparlie für den\nvortrefflichen Sänger und Schauspieler Spitzeder bestimmt\nwar.\nSchon Ende 1830 sandte er die Partitur nach Ber-\nlin, und die Aufführung in der Königsstadt wurde bereits\nvorbereitet, als der Vorstand der königlichen Bühne davon\nNachricht erhielt und Einspruch that. Die neue Oper sei\nim königlichen Schauspielhause auf das Repertoire gesetzt\nund dürfe vertragsmässig nicht auf der königsstädter Bühne\ngegeben werden. In der That wurde Marschner von der\nIntendanz um Einsendung der Partitur unter gleichen Be-\ndingungen ersucht und die Zusage sofortiger Aufführung\ngegeben. Allein diese wurde Jahre lang verzögert und fand\nerst im Sommer 1838 Statt. Unter der Zeit hatten Leip-\nzig (1832), Dresden, Hannover, Breslau u. s. w. die Oper\ngegeben. Sie blieb nicht ohne Beifall, hatte aber weder so\ngrossen, noch so nachhaltigen Erfolg, als die beiden frühe-\nren. Wäre sie indess von dem trefflichen Personale der\nkönigsstädter komischen Oper, für welches sie geschrieben\nwar, zuerst gegeben worden, so würde wahrscheinlich der\nErfolg ein ganz anderer gewesen sein.\nIn Clavier-Auszügen erschienen der Vampyr als Op.\n42, Templer und Jüdin als Op. 61 —beide in Leipzig bei\nHofmeister und Des Falkners Braut, komische Oper in\ndrei Acten, als Op. 66 bei Breitkopf & Härtel.\nUm diese Zeit erhielt Marschner von Hannover den\nwiederholten Antrag der Hof-Capellmeister-Stelle daselbst.\nEr nahm ihn an und begann am 1. Januar 1831 seine\ndortige Wirksamkeit. Er trat sein Amt nach eigener Wahl\nmit der Direction des Don Juan an. Was er als Dirigent\nder Oper und Capelle geleistet, ist weltbekannt; er hat das\nOrchester in Hannover auf eine Höhe gebracht, auf wel-\ncher es sich den berühmtesten Künstler-Vereinen gleich-\nstellen kann.\n\n*) Vergl. im Tagesblatt „Dresden\"."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570124-01.1.2", "texte": "Noch in demselben Jahre brachte ihm Dr. Klinge-\nmann ein Opernbuch, „Das Schloss am Aetna\", welches\nMarschner nicht gerade zurückwies, allein doch für jetzt\nbei Seite legte, da ihn ein anderes, das ihm anonym zuge-\nsandt war, weit mehr anzog und seine ganze Einbildungs-\nkraft erfüllte. Es war dies „Hans Heiling\", und der\nDichter war Eduard Devrient, damals Sänger bei der\nköniglichen Oper in Berlin. Der Gegenstand, der so recht\nin Marschner's Neigung für das Romantische und Geister-\nhafte einschlug, beschäftigte ihn auch unter den überhäuf-\nten Arbeiten seiner neuen Stellung immerwährend; jede\nStunde, die er dem Amte abstehlen konnte, weihte er der\nneuen musicalischen Schöpfung; und bei diesem der Zeit\nnach fragmentarischen Arbeiten ist wahrlich nichts mehr\nzu bewundern, als der vollkommen einheitlich ausgeprägte\nCharakter der Musik dieser Oper, der Fluss der Melodieen\nund die herrlich durchgeführte Individualisirung der Haupt-\npersonen der Handlung. Marschner hat hier jene Höhe des\nGenius erreicht, auf welcher Kunst und Phantasie sich so\ndurchdringen, dass man sie in dem Kunstwerke selbst nicht\nmehr zu trennen vermag. Die Partitur von Hans Heiling\nstellt ihn in die Reihe der grössten dramatischen Compo-\nnisten aller Nationen; in ihr ist reine, aus der drängenden\nKünstlerseele quellende Begeisterung und Erfindung, wel-\nche die Farbe der Leidenschaft aus der Tiefe des mensch-\nlichen Gefühls schöpft, so dass Melodie, Harmonie und In-\nstrumentirung alles in der Brust wecken und auf und ab\nwogen lassen, was sie bewegen kann, Freude und Schauer,\nLiebe und Grauen, Aufschwung und Vernichtung.\nAm Schlüsse des Jahres 1832 war die Oper voll-\nendet und wurde zum ersten Male im Mai 1833 in Ber-\nlin gegeben, wo Ed. Devrient den Heiling sang. Der Err\nfolg war weder beim Publicum noch bei der Kritik ein so\ndurchschlagender, wie ihn Marschner erwartet hatte, der\nwohl wusste, dass er diese Musik mit seinem Herzblute\ngeschrieben hatte. Publicum und Kritik schämten sich zwar\nbald nachher ein wenig; allein sie hatten doch den Com-\nponisten einige Tage lang verstimmt und fast wieder etwas\nirre an sich selbst gemacht, da er zu bescheiden war, um\ndas Publicum für unzurechnungsfähig, die Kritik für blöd-\nsinnig und die Zukunft für seine Göttin zu erklären, wie\ndas heutzutage geschieht. Glücklicher Weise ging er zu\nder ersten Aufi'ülirung in Leipzig selbst hinüber, wo ihm\nder Theater Director Ringelhardt die gemachte Bedingung\nder Einübung der Oper und der Direction der drei ersten\nVorstellungen gern einräumte. Es war hohe Zeit, dass er\nkam! Er fand Wiükürlichkeilen in Verstümmelung der\nPartitur, vergriffene Tempi und mehr dergleichen Dinge\nvor, die ihn fast zur Verzweiflung brachten. Eben so ein-\nmal später in Wien, wo man z. B. bei dem köstlichen Auf-\nspielen der paar beduselten Dorf-Musicanten eine vollstän-\ndige Regiments-Musik auf die Bühne gebracht hatte! Auch\nan Verbreitung missgünstiger Urtheile unter dem Bühncn-\nund Orchester-Personale hatte es nicht gefehlt. Aber alles\ndas änderte sich und verschwand nach wenigen Proben\nunter des Meisters eigener Hand und machte bei allen Mit-\nwirkenden einer begeisterten Liebe zur Sache Platz. Und\nsiehe da, am 19. Juli 1833 war das Haus übervoll be-\nsetzt, und die Oper wurde mit einem unbeschreiblichen\nEnthusiasmus aufgenommen. Mnrschner wurde mit Ehren-\nbezeigungen überhäuft; es mochte wohl einer der glück-\nlichsten Tage seines Lebens sein, in dieser kunstsinnigen\nStadt, welche er vor siebenzehn Jahren als armer Student\nbetrat, jetzt einen solchen Triumph zu feiern. Die Univer-\nsität ernannte ihn zum Doctor der Musik und ehrte sich\nselbst durch diese Anerkennung seines Verdienstes um die\nKunst.\nWie sich nun Hans Heiling über die Bühnen von\nganz Deutschland und überall hin, wo eine deutsche Oper\nim Auslande vorhanden war, verbreitete, ist allgemein be-\nkannt. Weniger vielleicht, dass diese Oper auch Veranlas-\nsung zu einem Rufe Marschner's nach Kopenhagen wurde,\nwo er und seine Gattin über sechs Wochen unter einer\nFülle von Ehrenbezeigungen zubrachten. Es war im März\n1836, als er die Einladung erhielt, seinen Heiling dort\nselbst in Scene zu setzen und zu dirigiren. Er fand bei\n*Hofe und in den musikfreundlichen Kreisen der Stadt die\nzuvorkommendste Aufnahme. Nicht nur in verschiedenen\nN > • >\nHof-Concerten wirkte das Künstlerpaar mit, sondern der\nKönig empfing Marschner auch sonst häufig und unterhielt\nsich, eben so wie der Erbprinz (nachmals Christian VIII.),\ngern mit dem deutschen Meister, der mit seinem gewohn-\nten Humor und anständiger Freimütigkeit nicht immer\nmit den hohen Herrschaften gleicher Meinung war, zumal\nwenn es sich um die italiänische Opernmusik handelte.\nBei der Aufführung war das Hans zu bedeutend er-\nhöhten Preisen ausverkauft. Der ganze Hof, auch der Kö-\nnig, der seit Jahren das Theater nicht besucht hatte, war\nzugegen. Marschner wurde schon bei seinem Erscheinen\nvor dem Dirigentenpulte mit einem Beifallssturme und zu-\ngeworfenen Kränzen begrüsst was vor zwanzig Jahren\nnoch eine Seltenheit war. Heutzutage ist bekanntlich ein\nKünstler, der nicht ein halbes Dutzend Lorberkränze auf-\nzuweisen hat, gar nichts. Die Oper wurde mit ausser-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570124-01.1.3", "texte": "ordentlichem Beifall aufgenommen, und an Marschner erging\ndie Anfrage, ob er die Stelle eines königlichen Hof-Capell-\nmeisters und General Musik-Directors, die man ihm zu\nübertragen gedenke, annehmen würde. Marschner, wiewohl\nin Hannover kurz vor seiner Abreise in seinem künstleri-\nschen Selbstgefühle verletzt, erbat sich dennoch eine Frist\nzu einer entscheidenden Antwort.\nEr halte nämlich das oben erwähnte Opernbuch von\nKlingemann: „Das Schloss am Aetna\", im Jahre\n1835 componirt. Im Anfange des folgenden Jahres begann\ndie Einstudirung; allein plötzlich mussten auf höheren Be-\nfehl d ie Proben aulhören, um denen zu Bellini's Slraniera\nPlatz zu machen. Bald darauf reis'te M. nach Kopenhagen.\nJetzt, Anfangs Mai 1836, kehrte er mit reichen Ehren\nund Geschenken vom dänischen Hofe zurück. Am Abende\n. j - *I r|| . .J ~\nseiner Rückkehr hallen die Mitglieder der Capelle und des\nTheaters einen glänzenden Fackelzug veranstaltet, dem sich\nTausende von den Bürgern Hannovers anschlössen. Dabei\nwurde in Anreden, Gedichten und Hufen der herzliche\nWunsch ausgesprochen, ihn in Hannover zu behalten. Der\ngemüthvolle Künstler widerstand dem Eindrucke dieses\nAuftrittes nicht und gab laut sein Wort, dass er Hannover\nnie verlassen werde. Er hat es bis jetzt gehalten ; es dürfte\naber vielleicht gut sein, gewisse Kreise in Hannover an\njene Zeit zu erinnern.\nDas „Schloss am Aetna\", romantische Oper in drei\nActen, wurde am 5. Juni 1836 zum ersten Male gegeben,\nund zwar in Hannover selbst, wo die Oper grossen Beifall\nerhielt. Andere Theater folgten nach, auch im Auslande,\nz. B. in Kopenhagen und in Amsterdam; indess die weitere\nVerbreitung und ein nachhalliger Erfolg scheiterte haupt-\nsächlich an dem Text. „Hans Heiling\" erschien als Op.\n81 bei Hofmeister, „Das Schloss am Aetna\" als Op. 96\nbei Wunder in Leipzig.\nBald darauf fielen dem Meister die »Lebensbilder aus\ndem Osten\" in die Hände. Die Darstellung der orientali-\nschen Zustände regten ihm Geist und Phantasie gewaltig\nan, und er hätte viel darum gegeben, wenn sich irgend ein\ndramatisches Bild daraus hätte gestalten lassen. Fürs Erste\ngab er seiner Neigung Ausdruck durch die schöne Compo-\nsition der „Bilder des Orients von H. Stieglitz\",\nderen I.und 11. Heft, Op. 90, bei Fröhlich in Berlin her-\nauskamen und denen Marschner später noch zwei Hefte\nfolgen Hess, die als Op. 141 bei Kistner in Leipzig erschie-\nnen. Auch eine Ouvertüre, „Klänge aus Osten\" (Ciavier-\nAuszug, Op. 110, bei Hofmeister in Leipzig), scheint aus\ndieser Periode herzustammen, so wie die „Israelitischen\nGesänge von Byron\" (Op. 101, Berlin, bei Trautwein).\nAuf den dringenden Wunsch Marschner's arbeitete\nihm endlich sein Schwager Wohlbrück ein Buch zu einer\nkomischen Oper von orientalischer Farbe aus, „ Der Bäbu '\nbetitelt. Der Componist soll, nach seiner eigenen Aeusse-\nrung, nie mit mehr Lust und Eifer gearbeitet haben, als\nan dieser Oper. Ende des Jahres 1837 war die Partitur\nfertig*). Die Hauptrolle der „Dilafrose\" hatte er für die\nvortreffliche Sängerin und Schauspielerin Jazede, nach-\nherige Frau Herbst, geschrieben, die damals am Theater\nzu Hannover angestellt war. Die Oper hatte einen ausser-\nordentlichen Erfolg, wurde, ganz gegen die Sitte in Han-\nnover, viele Male hinter einander gegeben und machte\nstets ein volles Haus. Anderswo war dies jedoch nicht der\nFall, und Marschner selbst verhehlte sich keineswegs, dass\neine Hauptbedingung des Erfolgs eine Künstlerin wie die\nJazede sei. Aus diesem Grunde scheuten es auch viele\nTheater-Directionen, die Oper auf die Bühne zu bringen.\nAuch mochten, wie in jener Zeit wenigstens berichtet\nwurde, die Schwierigkeit, die mitunter etwas derbe Komik\nder Situationen auf geschickte Weise zu bebandeln, und\ndie Kosten der Scenirung abschrecken. Jedoch darf man\nnicht vergessen, dass die traurige Zeit schon begonnen\nhatle, in welcher die deutschen Opernbühnen nach frem-\nden Füttern haschten und die gediegenen Erzeugnisse der\nHeimat unbeachtet liegen Hessen, so dass Bellini und Do-\nnizelti die Theater beherrschten, freilich nicht ohne grosse\nSchuld des Publicums.\nMarschner empfand diese Zustände des deutschen\nTheaters mit tiefem innerem Missbehagen, das sich durch\nTrauerlälle in seiner Familie und vollends noch durch die\nUnmöglichkeit steigerte, sich in seiner amtlichen Stellung\nauf die Dauer dem Eindringen des Verderbnisses auch an\nderjenigen Opernbühne, welche er grösstentheils als seine\nSchöpfung betrachten konnte und die ihm am Herfen lag,\nmit Erfolg widersetzen zu können. Musste er doch sogar,\nwie die Verhältnisse nun einmal waren, selbst Öfters die\nHand dazu bieten, Werke aufzuführen, gegen die seine\nganze Natur sich empörte und deren Flachheit und Leere\nihn um so mehr anwidern musste, als er das Bewusstsein\nin sich trug, zehn Mal Besseres, Edleres und dem deutschen\nGenius Entsprechenderes geschaffen zu haben und schaffen\nzu können. Dass er seine Ansichten über die Richtung der\nKunst und des Geschmackes des Publicums, welche oft von\n\n*) Der Bäbu, komische Oper in drei Acten, Op. 99. Clavicr-\nAuszug bei Wunder in Leipzig."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570124-01.1.4", "texte": "den höchsten Kreisen begünstigt wurde, ohne Rückhalt\naussprach, war nicht mehr als natürlich und lür einen\nMann von seiner Stellung in der musicalischen Welt eine\ngebotene Pflicht. Dass er aber, wenn die Verstimmung des\nGemüthes ihn übermannte, seine Worte nicht immer auf\ndie Goldwage legte und seine Meinung theils mit schla-\ngendem Humor, theils mit scharfer Satire ausdrückte, das\nkonnte bei der Reinheit der Absicht doch wahrlich nur die-\njenigen verletzen, welche angeborene Charakterlosigkeit\noder langjährige Dienstbarkeit gewöhnt hatte, allem eigenen\nUrtheile zu entsagen und fremdem nicht durch Widerle-\ngung, sondern durch Verdächtigung seiner Gründe die Spitze\nabzubrechen. Freilich musste eine solche in diesem beson-\nderen Falle bei allen Vernünftigen misslingen, da es in\nHannover allgemein bekannt war, dass Marschner sehr\nschwer zur Aufführung seiner Opern auf dem dortigen\nHoftheater zu bringen war und nur auf ausdrückliches\nVerlangen der Intendanz darauf einging. Ein Beweis davon\nwar die nächste Oper von ihm, welche gar nicht in Hanno-\nver aufgeführt wurde, weil man den Componisten nicht\ndazu aufforderte.\nEs war dies „Adolf von Nassau\", grosse roman-\ntische Oper in vier Acten von H. Rau. Marschner begann\ndie Partitur Ende 1843 und beendigte sie im September\n1844. Sie wurde nur in Dresden, Hamburg und Breslau\naufgelührt, auch mehrere Male wiederholt, hielt sich jedoch\nnicht auf dem Repertoire. Der Clavier-Auszug, so wie die\nOuvertüre für Orchester erschienen als Op. 131 bei Bach-\nmann in Hannover. Man wirft der Handlung Mangel an In-\nteresse vor. Wir haben kein Urtheil darüber, da wir die\nOper nicht kennen.\nMittlerweile bewies das Jahrzehend von Marschner's\nLeben (1 835 1845), das wir zuletzt besprochen, auf\nerfreuliche Weise, wie hohe Anerkennung von den ver-\nschiedensten Seiten dem genialen Meister der Töne gezollt\nwurde. Im Jahre 1835 erhielt er vom Kaiser von Oester-\nreich die grosse goldene Verdienst-Medaille, 1840 vom\nKönige von Dänemark das Ritterkreuz des Danebrog-Or-\ndens, 1841 vom Könige von Hannover die grosse goldene\nMedaille für Kunst und Wissenschaft, 1845 die Ernen-\nnung zum ordentlichen Mitgliede der Akademie der Künste\nzu Berlin, als Folge einer einstimmigen Wahl, und mehrere\nEhren-Diplome musicalischer Vereine. '\nBis zum Jahre 1850 schrieb Marschner nichts für\ndas Theater. Im September dieses Jahres aber begann er\ndie Composition der Oper „Austin\", welche er im Octo-\nber 1851 beendigte. Sie hat bis jetzt nur Aufführungen\nin Hannover erlebt, was sehr zu bedauern ist. Namentlich\nwäre es die Pflicht aller Hoflheater, einem Werke von\nMarschner bereitwilligst die Pforten zu öffnen, ohne alle Rück-\nsicht auf den Erfolg. Denn in der That geben doch die Kö-\nnige und Fürsten in Deutschland den Theatern nur desshalb\ngrosse Summen zur Unterstützung, um sie als deutsche\nKunst-Anstalten aufrecht zu erhalten. Muss aber eine jede\nvon diesen nicht erröthen, die eine neue Oper von Hein-\nrich Marschner ignorirt, während sie freilich von Paris\nkommende Sterne aus Norden und Süden mit ungeheu-\nren Kosten zum Durchfallen in Scene setzt??\n< • . i * ■ - 4 '\nIn Hannover fanden die ersten beiden Aufführungen\nder Oper „Austin\" am 25. und 27. Januar 1852 Statt.\nAn beiden Abenden war die Zuhörerschaft sehr zahlreich;\nsie folgte der Vorstellung mit lebendiger Theilnahme, nahm\nsämmtliche Nummern beifällig, die meisten aber mit gros-\nsem Applaus auf und ehrte den Componisten durch öfteren\nHervorruf. Unser damaliger Correspondent in Hannover\ndrückte sich über die Oper selbst unter Anderem folgen-\nder Maassen aus:\n„ Der Held der Oper ist Erbe von Bearn im fünfzehn-\nten Jahrhundert. Eine starke Partei macht ihm sein Recht\nstreitig, sein Erbtheil wird ihm, so wie seine Geliebte, Co-\nrisanda, entrissen; Verhältnisse zwingen sie, dem Conne-\ntable ihre Hand zu reichen. Austin siegt über seine Gegner\nim Felde, allein Corisanda findet er dem heimlichen Haupte\nderselben bereits vermählt. Der Connetable sinnt auf das\nVerderben des Königs und versucht, ihn durch eine vergif-\ntete Flöte zu tödten; allein Austin wird gerettet und auch\nmit der Geliebten vereinigt, da ihr Gatte ein Opfer der\nVolkswuth geworden. Die Liebe Austin's auf der einen, die\nRacheplane der Gegenpartei auf der anderen Seite bilden\ndie Hanpt-Elemente der dramatischen Handlung. Indess\nleidet der Text an manchen Unklarheiten; es ist darin\netwas von dem geheimnissvollen Dunkel ä la Robert der\nTeufel; ein tiefer Bass, Bermudez, spielt die Rolle des Ber-\ntram oder Mephistopheles. Ueberhaupt ist der Text mehr\nnur ein Mittel für .den Ausdruck der musicalischen Gedan-\nken, als ein integrirender Bestandteil des Werkes. [Das\nist freilich nicht gut.]\n„Die Musik Marschner's ist aber dafür um so klarer,\ndurchweg verständlich und fasslich, von gelehrter Breite\nwie von Oberflächlichkeit oder fragmentarischer Kürze\ngleich weit entfernt. Mit vielem Geschick sind die grossen\ndramatischen Momente der Handlung als Hauptsache er-\nfasst und ragen über andere unbedeutendere Theile des\nWerkes hervor. Seinen Schwerpunkt hat es im zweiten"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "29", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570124-01.1.5", "texte": "Acte. Die Krönung Austin's soll im Dome vollzogen wer-\nden: Alles ist versammelt, nur der Erzbischof wird durch\ndie Ränke der Gegenpartei verhindert, zu erscheinen: da\nsetzt sich Auslin selbst die Krone auf. In diesem Finale\n%\nzeigt sich wiederum ganz und gar der Meister der drama-\ntischen Musik, es ist ein vollkommenes Kunstwerk. Orgel-\nklang leitet es ein, dann folgt ein ausgezeichnet schöner\nChorgesang ohne Orchester-Begleitung; der Hass der Par-\nteien bricht los und droht zu blutigem Streit zu führen,\nwelchen Corisanda hemmt und den heiligen Ort vor Ent-\nweihung schützt. Ueberhaupt sind alle mehrstimmigen Mu-\nsikstücke und die Chöre ganz vorzüglich gearbeitet und\nvon grosser Wirkung. Vor Allem zu rühmen ist, dass das\nmelodiöse Element durchaus nicht vernachlässigt ist, wie\nes sich freilich von dem Tondichter so herrlicher Lieder\nund so vortrefflicher Quartette für Männergesang nicht an-\nders erwarten liess. Das melodische Element ist so stark\nvertreten, dass schon dadurch der Erfolg der Oper überall\ngesichert ist. In Bezug auf die Besetzung der Rollen stellt\ndie Oper nur diejenigen Forderungen, welche man an eine\njede Bühne machen muss, die überhaupt im Stande ist,\nOpern zu geben. Zwei Soprane (Corisanda und ihre Schwe-\nster Bianca), ein erster Tenor (Austin), ein zweiter (Joan,\nBlanca's Geliebter), ein Bariton (der Connetable) und ein\ntiefer Bass (Bermudez) sind die Haupt-Partieen. Die Chöre\nbedürfen allerdings einer starken und guten Besetzung.\nDass auch dem Orchester eine bedeutende Aufgabe gestellt\nist, bedarf bei einem Meister der Instrumentation wie\nMarschner keiner besonderen Erwähnung.\"\nVon ehrenvollen Auszeichnungen wurden Marschner\nlerner in den letzten lünf Jahren zu Theil: 1851 der\nGuelphen-Orden von Sr. Majestät dem Könige Ernst August\nvon Hannover; 1852 die goldene Medaille für Kunst und\nWissenschaft von Sr. Majestät dem Könige von Sachsen;\n1853 das Verdienst-Kreuz des Haus-Ordens von dem Her-\nzog zu Sachsen-Coburg-Gotha und das Ritterkreuz des\nMaximilians-Ordens für Wissenschaft und Kunst von Sr.\nMajestät dem Könige von Baiern ein erfreulicher Beweis,\nwie hoch auch die deutschen Fürsten die Tonkunst in\neinem ihrer grössten Meister ehren.\nAuf dieser von wenigen Künstlern erreichten Höhe\nder Ehre und des Ruhmes traf ihn der Verlust der gelieb-\nten Gattin um so schrecklicher. Der Schmerz griff nicht\nnur sein Gemüth heftig an, auch sein Körper widerstand\nihm nicht; er erkrankte, und auch nach der Genesung litt\ner noch Monate lang an einer Lähmung der Sehkraft.\nErst eine Erholungsreise am Rheine frischte seinen\nGeist wieder auf. Unter den theilnehmenden Freunden und\ninmitten des rührigen, immer wechselnden Verkehrs und\nder ungezwungenen, gemüthlichen Geselligkeit fand er sich\nselbst wieder; die Lust am Leben und am Schaffen kehrte\nallmählich zurück, wie sie denn den Glücklichen, dem die\nTonkunst ein inneres Leben erschlossen hat, so leicht nicht\nverlässt. Sein Freund Inkermann (C. 0. Sternau) in Köln\ndichtete ihm einen „Chor der Nymphen am Rheine\",\nMarschner componirte ihn dreistimmig, und auf der Sänger-\nfahrt am 30. Juli 1854 wurde er auf dem bewimpelten\nund bekränzten Dampfschiffe gesungen und auf Schloss\nArgenfels wiederholt. Dem Componisten, von dem auch\neine treffliche, damals noch ungedruckte Composition von\nBodenstedts „Zigeunerlied\" vom kölnischen Chor gesun-\ngen wurde, ertönten weithin über die Wogen des Rheines\nlängs den Felsen hin schallende Lebehochs! Da musste ja\nwohl mit dem lichten Blau des Himmels und mit der hei-\nteren Sonne und den frischen Stimmen der rheinischen\nSängerinnen und Sänger neue Wärme in das Gemüth des\nTondichters ziehen und ihn dem Leben wieder gewinnen.\nSo war es denn auch, und im Juni des Jahres 1855\nhatten wir die Freude, ihn wieder in Köln zu sehen, als\ner eben seine Verbindung mit der schönen und liebens-\nwürdigen, eben so talentreichen als geistvollen Sängerin\nTherese Janda geschlossen hatte. Er fuhr von hier\nwiederum den Rhein hinauf, besuchte seine kölnischen\nFreunde in Weinheim und verlebte am 19. Juni einen\nschönen Tag mit ihnen in Heidelberg. Im Herbste dessel-\nben Jahres kehrte er mit seiner jungen Gattin zu uns zu-\nrück, und Beide verherrlichten am 20. November das dritte\nGesellschafts-Concert durch ihre Mitwirkung. (Vergl. den\nBericht in Nr. 47 des Jahrgangs 1855 dieser Blätter.)\nDiese neueste Periode von Marschner's Leben brachte\nauch der Tonkunst wieder schöne Früchte, besonders in\nder Composition von Liedern, unter denen der „orienta-\nlische Liederschatz\" von Bodenstedt und „der fah-\nrende Schüler\" von Julius von Rodenberg hervorragen\nund eine Frische und Ursprünglichkeit der Melodieen zei-\ngen, die sie den Arbeiten aus der besten früheren Zeit des\nComponisten zur Seite stellen. Auch ein grösseres, umfang-\nreiches Werk hat Marschner fast vollendet; doch wissen\nwir nicht, ob er sich entschliessen wird, es zu veröffentlichen.\nUeber Marschner's Werke, deren Ausgabe-Nummer die\nZahl 170 erreicht hat, wobei neun Opern, so wie über die\nCharakteristik seiner Musik behalten wir uns einen späte-\nRen Artikel vor.\n\nL. Bischoff."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570124-01.1.6", "texte": "Münchener Briefe..\n\nAnfang Januars 1857.\nDie erste Hälfte der münchener Concert-Saison hat\nmit dem Neujahrstage ihren Abschluss gefunden. Der Car-\nneval verdrängt die ernsteren musicalischen Bestrebungen,\nrauschende Tanzmusik erschallt in den Sälen, in denen\nsonst die Klänge Beethoven'scher und Mozart'seher Sin-\nfonieen und Händel'scher Oratorien ertönen. Bezeichnend\nfür diese Zeit der Musik-Ebbe ist, dass Frau Clara Schu-\nmann, die lange erwartete, für ihr in diesem Monate beab-\nsichtigtes Concert keinen passenden Saal bekommen konnte,\nso dass wir wahrscheinlich erst nach dem Fasching das\nVergnügen haben werden, sie zu hören. Von Fastnacht\nbis Ostern ist die zweite Hälfte der hiesigen Concert-Sai-\nson, und man hat uns dafür schon recht schöne Genüsse\nin Aussicht gestellt, unter Anderem die erste und sechste\n(Pastoral-) Sinfonie von Beethoven, eine von Haydn und\ndie grosse C-dw-Sinfonie von Franz Schubert. Der Ora-\ntorien-Verein wird „Israel in Aegypten\" bringen. Wir\nwünschten recht sehnlich, die Zeit des Tanzes wäre vorüber,\nund die der Musik begänne wieder.\nAm ersten Weihnachlstage hörten wir im vierten\nAbonnements-Concerte im Odeon die neunte Sinfonie von\nBeethoven eine Aufführung dieses Werkes, die jedenfalls\nden gelungensten an die Seite gesetzt werden darf. Lachner\nhat ein ganz vortreffliches Ensemble herzustellen gewusst,\nOrchester, Soli und Chor (vom Theater) thaten ihre Schul-\ndigkeit vollkommen. Das unendlich schwere Werk ging\nleicht, und das ist gewiss das beste Lob, das man zollen\nkann. Unser Bassist Kindermann that sich besonders rühm-\nlich hervor, und die Wirkung seines ersten Einsatzes war\neine mächtige. Nach unserem Dalürhalten hätte nur das\nBlech weniger stark besetzt sein können; es herrschte na-\nmentlich im Vergleich zum Chor hier und da ein wenig\nvor. Die Tempi waren im Allgemeinen sehr schön, nur das\nTrio im Scherzo hätten wir langsamer gewünscht; ein klei-\nner Unfall am Schlüsse des Scherzo war zu geringfügig,\num die schöne Wirkung der ganzen Sinfonie zu beein-\nträchtigen. Auf die »eunte Sinfonie folgte das Concertstück\nvon Weber, welches Ernst Pauer, der dazu hieher gereis't\nwar, mit grosser Bravour, brillanter Technik und durchaus\nedlem Tone vortrug. Er nahm es freilich ein Bisschen rasch,\ndoch hat dies bei dem Concertstücke weniger zu sagen.\nDie drille Nummer war „Meeresstille und glückliche Fahrt\"\nvon Beethoven. Diese schöne Composition ging sehr präcis\nund schwungvoll. Hierauf spielte Herr Pauer eine von ihm\narrangirte Suite von Händel ganz vortrefflich. Dass er es\nnicht unterliess, nach der neunten Sinfonie auch noch eine\nTarantella, ein allerdings ganz anständiges Salonstück sei-\nner Composition, zu bringen, müssen wir dagegen höch-\nlichst rügen, und es ist uns nur rälhselhaft, dass ein Künst-\nler wie Pauer nicht selbst die Unziemlichkeit eines solchen\nVerfahrens fühlt. Die Oberon-Ouverture, welche köstlich\nfrisch vorgetragen wurde, schloss das Concert sehr würdig.\nHerr Pauer erfreute noch ausserdem einen kleineren\nKreis von Freunden und Bekannten durch den Vortrag der\nSonaten Op. 106 und 111, der C-mo//-Variationen und\ndes Andante in F-dur von Beethoven, so wie einer Bach'-\nschen Fuge. Er spielte diese Stücke in dem Saale des\nrühmlichst bekannten Pianoforte-Fabricanten Aloys Biber.\nDer Oratorien-Verein hat in einem kleinen Concerte\nam 29. December v. J. die jüngst erlittene Niederlage\nwieder Vergessen zu machen gesucht, und es war uns recht\nerfreulich, unsere Ansicht bestätigt zu hören, dass mit den\nvorhandenen Kräften etwas Gutes geleistet werden kann.\nDer Vortrag eines Madrigals von John Bennelt, eines geist-\nlichen Liedes von Eccard und des von Mozart\nwar recht brav; auch einige Quartelte von Hauptmann,\nMendelssohn und J. Maier gingen schön; nur die Wahl\nder Stücke, welche etwas sehr bunt war, konnten wir nicht\nganz billigen: uns will bedünken, ein Oratorien-Ver-\nein solle sich ausschliesslich der ernstesten Musikrichtung\nzuwenden. Derselbe Verein wiederholte am Sylvester-Abend\nin der Bonifacius-Kirche das Dettinger Te Deum von Hän-\ndel, dessen unglückliche erste Aufführung wir neulich rü-\ngen mussten. Die Chöre waren dieses Mal besser einstu-\ndirt und klangen gut; aber den Uebelständen in der Instru-\nmentation war nicht abgeholfen. Trompete und Contrabass\ntanzten nach wie vor ihren Pa und die armen\nSolo-Oboen waren sehr ergötzlich anzuhören.\nIn d er königlichen Oper hatten wir unter Anderem\ndie Dorfsängerinncn von Fioravanti, ein reizendes Stück,\ndas sich auch die volle Gunst des Pubücums erwarb. Fer-\nner hörten wir den Don Juan von Mozart. In der Titelrolle\nzeichnete sich Herr Kindermann mit seiner gewaltigen\nStimme aus; auch Frau Maximilien (Donna Anna) zeigte\nsich wieder als die feine, geschulte Sängerin, doch reicht\nihre Stimme in unserem grossen Hause für diese Rolle\nnicht aus, namentlich in der grossen Arie in D. Die Brief-\nArie dagegen sang Frau Maximilien sehr schön; wir\nwünschten nicht, dass die Direction die geschätzte Künst-\nlerin durch öftere Wiederholung des Don Juan anstrenge,\neinen so grossen Genuss uns auch diese herrliche Oper ge-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570124-01.1.7", "texte": "währt. Frau Diez war eine reizende Zerline. Eine köstliche\nRolle derselben ist auch die der Frau Fluth in den „Lusti-\ngen Weibern\" von Nicolai. Diese nette Oper wird hier\nüberhaupt sehr abgerundet gegeben. Herr Kindermann ist\nals Herr Fluth recht gut, und die Herren Sigl (Falstaff),\nHoppe (Spärlich) und Lang (Dr. Cajus) sind höchst origi-\nnelle Figuren voll Humor. Das Ballet im letzten Acte ist\nfreilich traurig anzusehen. Die meisten der hiesigen Elfen\nhaben weit nu'hr als das canonische Alter und bedürfen\nweder grüner Tricots noch langer Röcke, um das liebe\nPublicum kalt zu lassen. Vielleicht hat die Intendanz eben\ndiese lobenswerthe Absicht!\n\nA. Z.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nTiiozart's komisches Sextett „Die Dorf-Musicanten\" für Streich-\nQuartett und zwei Hörner ist hei Schlesinger in Berlin in\nPartitur (1 Thlr.) erschienen.\n* Mresden, 1. Januar. Unser Hoftheater hat das Jahr mit\neiner Oper beschlossen, deren Aufführung ein wahres Fest für alle\nFreunde deutscher Musik v>ar. Wie zahlreich diese aber hier sind,\nzeigte der Zudrang zu der Vorstellung von H. Marschner's\n„Templer und Jüdin\". Das Haus war überfüllt, obwohl die freien\nEntreen nicht gültig waren. Die Aufführung war glänzend in jeder\nHinsicht; es wirkten aber auch Alle mit sichtbarer Liebe zur\nSache mit. Mitter wurzer als Templer übertraf sich in der That\nselbst; wir haben ihn lange nicht mit so viel Leidenschaft und\nBegeisterung singen und spielen hören. Ueber die Rebecca der\nFran Bürde-Ney kann man nur sagen, dass sie bewunderns-\nwert!) war. Nehmen Sie dazu Tichatschek als Ivanhoe, Fräul.\nBunke als Rowena, Rudolph als Narr und das treffliche Or-\nchester, und Sie werden es natürlich finden, dass sich die ganze\nZuhörerschaft von dieser Musik gehoben und entzückt lühlte.\nAus Wien. Aus dem vorigen Jahre (Monat Decemher) haben\nwir noch nachzuholen das erste Concert des Männ ergesang-\nVereins. Die wiener Blatter für Musik sprechen sich folgender\nMaassen darüber aus: „Im Ganzen die unpassende Wahl der\nLortzing'schcn „Verlor'nen Rippe\" ausgenommen kann die Zu-\nsammenstellung des Programms, wiewohl einige offenbar matte Sa-\nchen mit unterliefen, guigeheissen werden. Auch zeichnete es sich\ndurch Vorführung mehrerer Novitäten aus, unter welchen der Chor\naus Schumann s „Pilgerfahrt der Rose\" in erster Reihe zu nennen\nist, der sich durch Kraft und edle Einfachheit auszeichnet. Die\n„Dithyrambe\" von J. Kietz, eine breite Composition, verlangt\nzum intentionirten Effecte, das Orchester, welches durch die magere\nClavier-Begleitung nicht ersetzt werden konnte, so gut auch diese\nschwierige Surrogat-Partie von Herrn Dachs ausgeführt wurde.\nZwei Compositionen von C. L. Fischer, ein Vocal-Quartett, „Rös-\nlein im Walde\", und der Chor „Trinklied der Alten\" zeigen eine\ngeübte Hand, sind klar gehalten, ohne jedoch durch den In-\nhalt besonders hervorragend zu sein. Dasselbe lässt sich\nauch von dein Quintette des Herrn Debrois sagen, das wie-\nderholt werden musste. In II e r b e k' s Chor, „Sterne sind\nschweigende Siegel\", mit Solo-Quartett und Clavier-Lcgleitung\nliegt der Anlage nach unbestreitbar poetisches Element; aber wir\nglauben, dass zur Darstellung des sehr duftigen Stoffes, wie ihn\ndas Gedicht Roquette's bietet, zu viel Mittel und Wege versucht\nworden sind, wodurch die Sache schwerfällig wurde. Andererseits\ngeräth die Fülle der in etwas hastiger Folge sich drängenden Mo-\ndulationen und das stellenweise Gesuchte derselben mit dem Cha-\nrakter der Dichtung einiger Maassen in Widerspruch. Herr Herbek\nleidet, wie alle jungen Componisten, an dem Fehler, sein ganzes\nWissen, Können und Empfinden in einer Composition nieder-\nlegen zu wollen. Die Glanzpunkte des Concertes bildeten Mendels-\nsohns „Der Jäger Abschied\" und Schuberts „Nachtgesang im\nWalde\". Letzterer musste sich leider mit einer auf dem Ciavier er-\nsetzten Hörnerbegleitung begnügen, da das gleichzeitige Stattfinden\nanderweiter Orchcster-Produetionen das Anlangen der erforderlichen\nAnzahl Hornisten vereitelte. Die Ausführung fast sämmtlicher\nPiecen zeigte von vielem Fleisse. In den Solo-Vorträgen machte\nsich ein Tenorist (Namens Kunz) mit sehr schöner Stimme be-\nmerkbar. Das Concert war stark besucht.\"\nFerner das erste philharmonische Concert (am 7. De-\nccmber vorigen Jahres), unter Leitung von K. Eckert. Es brachte\nBeethoven's Coriolan-Ouverture, Mendelssohn's .A-</«r-Sinfonie (Nr.\n4), Berlioz' Fee Mab. Daneben J, S. Bach's Concert für drei Cla-\nviere (durch die Herren Eckert, Fischhof und Dachs) und\ndie Kirchen-Arie von Stradella (durch Herrn Ander). Das\nConcert des Pianisten Karl Evers (den 14. December), dessen\nCompositionen: Sonate in F-durfür Pianoforte und Violine, meh-\nrere Lieder und ein Duett grossen Beifall fanden, während die\n„Frühlingslieder\" für Pianoforte allein, eine Art von Phantasieen\nüber drei Gedichte von Lenau, nicht allgemein ansprachen. Die\nAufnahme des bewährten Künstlers war eine sehr ehrenvolle, und\ner wurde am Schlüsse gerufen.\nIm zweiten Concerte der Gesellschaft der Musikfreunde\nwurden Mendelssohn's Hebriden, dieScene aus Gluck s Orpheus\n(Fräul. Tobisch) mit dem Furien-Chor und Beethoven's\nneunte Sinfonie aufgeführt. Die Ausführung des Finale, das man\nhier zu Lande „eine Cantate\" nennt, misslang ganz und gar.\nIm Ilofburgtheatcr waren am 22. und 23. December die Jah-\nreszeiten von J. Haydn; die Soli sangen Fräul. Tletjens,\nHerr Erl und Herr Panzer, der freilich seinen Vorgänger Stau-\ndigl nicht erreichte, aber doch grossen Beifall ärntete.\nParis. Bazin's Maiire Patheliverschafft fortwährend der\nDirection der komischen Oper wöchentlich drei Mal eine Einnahme\nvon 5000 Francs.\nVon Ambroise Thomas wird „Amor und Psyche\" stu-\ndirt. Eine zweite Oper von ihm, „ ist eben-\nfalls angenommen.\nIn der grossen Oper bereitet man ein Ballet von Scribc und\nAuber vor und die Oper „Le Tr\nDer deutsche Pianist IgnazTedesco ist hier angekommen\nund wird in Erard's Saale ein Concert geben. Eben so die schwe-\ndische Sängerin Bertha Westerstrand.\nRoger hat den Text von Haydn's „Jahreszeiten\" ins Fran-\nzösische übersetzt. Das Werk soll in einem der diesjährigen Con-\ncerte des Conservatoires gegeben werden ein ganzes Oratorium!\nDas wäre lür die Socieie des Concein gewaltiger I ortschritt.\nWenn das Vorhaben zu Stande kommt, was aber nur durch einen\nbedeutend verstärkten Chor mit Erfolg ausgeführt werden kann, so\nwünschen wir den Franzosen Glück dazu. Jedenfalls konnte kein\ngeeigneteres Werk zu diesem Reform-Versuche gewählt werden,"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570124-01.1.8", "texte": "*\nund Roger hat sich ein grosses Verdienst durch seine Arbeit er-\nworben. Dem Vernehmen nach wird er selbst die Tenor-Partie\nsingen.\nDer berühmte belgische Violoncellist Servais gibt seit dem 28.\nDecember v. J. Concerte in Warschau.\nDie deutsche Oper hat nach 21 Vorstellungen\nschliessen müssen. Die Ausgaben waren enorm: an Tageskosten\n500 Dollars, die wöchentliche Miethe des Theaters 900 Dollars.\nDas Deficit in den Einnahmen betrug manchmal mehr als 300\nDollars an einem Tage,\nRio-Janeiro. Mlle. Jul i en neD ej ea n hat in ihrer Benefiz-\nVorstellung ~La Regina di Cypro\" und den ersten Act der Norma\ngesungen. Unter den unzählbaren Kränzen und Sträussen, womit\nihr gehuldigt wurde, befand sich einer, vom Orchester aus darge-\nreicht, worin mitten unter Blumen sich ein Collier von Brillanten\nbefand, das auf 15,000 Francs geschätzt wurde. [Der Tausend! die\ndortigen Orchester-Musici müssen reich sein! Auf, nach Rio!]\n* - ' i > . i»,\nDeutsche Tonhalle.\nDie auf das 11. Preis-Ausschreiben des Vereins uns zugekom-\nmenen 39 Operetten-Texte versenden wir heute an die satzungs-\nmässig erwählten drei Herren Preisrichter, und werden wir das\nErgebniss ihrer Beurtheilungen dieser Werke s. Z. anzeigen.\nDie Uebersicht der Tonhalle in ihrem fünften Jahre (1856) wer-\nden wir noch im nächsten Monate den verehrlichen Mitgliedern\nderselben zusenden, daher wir diejenigen, welchen sie wegen Auf-\nenthaltswechsels u. s. w. etwa nicht zukommen sollte, bitten, uns\ngefälligst Nachricht davon geben zu wollen.\nMannheim, 3. Januar 1857. Der Vorstand."}]}