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Sie führt nicht bloss\nin die Stimmung ein, sondern drückt diese schon sehr be-\nstimmt dadurch aus, dass der Chor (E-moll, Andante mossö,\n%) mit den Worten: „Geschlagen, ist das' Heer!\" die er-\nsten Tacte der Oboen, Clarinetten und Fagotte als Haupt-\nMotiv wieder aufnimmt. Der Componist hat diesem. Chor\nnicht den Charakter der Unruhe, Verwirrung und verzwei-\nfelnden Rathlosigkeit gegeben, sondern er spricht den ge-\nsunkenen Muth, Wehklage über das Missgeschick und eine\ngewisse Resignation auf ergreifende Weise aus. Nur bei\nden Worten: „Wie auf dem empörten Meere Wogen an\neinander prallen\", erheben sich die Stimmen zu einigen\nkräftigeren und schärfer rhythmisirten Tacten; bald aber\nstirbt die Klage wieder dahin in dumpfen Accorden, wobei\nder Nachruf der einzelnen Männerstimmen: „Uns ersteht\nkein Held!\" ohne eigentlichen Schiuss in dem H-dur-Ac-\ncorde verhallt. .\nGerade dies ist von Wirkung; denn die Stimme des\nPriesters schlägt nun wie ein zündender Funke mitten in\nden feigen Jammer hinein. In den Tönen des Priesters\nsprüht der Zorn, und doch kündet die Erinnerung an die\nalte Weissagung Muth und Zuversicht an. Der Componist\nhat hier die Absicht des Dichters, in wenigen Worten auf\ndie zwei Hauptpunkte des Ganzen hinzuweisen auf den\nCultus des Mars und die Wunder seines heiligen Speers\nund auf die Gründung Roms, durch die musicalische Be-\nHandlung vortrefflich ins Licht gestellt, indem die Worte i\n„Habt ihr vergessen, was einst Mars verhiess, als er den\nheirgen Speer in diesen Roden stiess\", ein in Melodie und\nHarmonie gesteigertes Recitativ bilden, die Weissagung\nselbst: „Erwachsen soll auf sein allmächtig Werde aus\ndiesem Grund die Herrscherin der Erde\", aber ein Arioso\nin tempo,worauf dann wieder der Zorn recitativisch los-\nbricht. Dabei lässt das Orchester überall die Stimme frei\nwalten: nur gehaltene Accorde in dem Saiten-Quartett bil-\nden ihre harmonische Grundlage, aber die melodische Phrase\nder Weissagung wird von den Oboen, Clarinetten, Fagot-\nten und der Tenor-Posaune im (Jnisono eingeleitet und,\nnachdem sie der Priester gesungen, von der Trompete und\nAlt-Posaune, die, in Sexten aufsteigend, den Glanz der Zu-\nkunft verkündigen, geschlossen. Es liegt sowohl in der\nMelodie und Instrumentirung dieser Stelle, als besonders\nauch in der Abwechslung der leidenschaftlichen Form des\nRecitativs mit der würdigen, seherhaften Farbe des Arioso\neine Wirkung, die ihren Eindruck nicht verfehlen kann.\nEs wird einem bei solchen Stellen ganz unbegreiflich, wie\neinige neuere Componisten, z. ß. Schumann und Wagner,\ndurch Verschmähung des Recitativs .und Wiedereinführung\nder alten abgestandenen, psalmodireriden Tact-Leier eines\nLully und Rameau (die sie uns lür Fortschritt verkündigen\nwollen) sich um die schönsten Effecte bringen! Wo der\nfreie Rhythmus, der sich nach der Wichtigkeit des Wortes\n. . \" \\ . ' *\nund nach dem individuellen Gefühle richtet, ganz an seiner\nStelle ist, da wollen die Neu-Herren ihn nicht; wo aber\nder strenge Tact zum präcisen Zusammenspiel eines gan-\nzen Orchesters nicht entbehrt werden kann, da soll die\npersönliche Freiheit des Einzelnen zur Geltung kommen!\nCuriose Signori Rubati!\nDer kurze Chor (A-moll, fi/8) erhebt\nsich von demüthigem Flehen in einer Art von Canon"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "42", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570207-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4489, "texte": "zwischen dem Frauen- und Mannerchor r— zu dem energi-\nschen Aufrufe in C-dur: „Mavors allein sei unser Hort!\"\nDas Tempo darf nicht zu schnell genommen werden, frei-\nlich auch keinesfalls schleppend.\nDas folgende Solo des Priesters, in welchem er das\nGelübde des ganzen Frühlings fordert (Andante soslenulo,\nA-dur, 'YÖ), bildet mit dem Einfallen des Chors in kurzen\nSätzen von wenigen Tacten eine musicalisch sehr gelun-\ngene Scene. Das Orchester betheiligt sich dabei mehr als\nfrüher durch eine reiche Begleitung, die das Weben und\nTreiben des Frühlings malt, eine ziemliche Reihe von Tac-\nten lang im Pianissimobleibt, während der breit angelegte\nGesang von den Accorden der Holz-Blasinstrumente, auf\nder schwirrenden Bewegung der Geigen und Violen in der\nmittleren Ton-Region, getragen wird. Nach einer Modu-\nlation nach C-dur kehrt er in den Grundton zurück, in\nwelchem die Worte: „Der ganze Frühling soll sein eigen\nsein!\" endlich im Forlissimo ausbrechen und erst von den\nMännern, dann von den Frauen und hierauf vom ganzen\nChor zu einem mächtigen Zusammenrufe aufgenommen\nwerden. Unmittelbar daran knüpft sich ohne Tact- und\nTempo-Veränderung die Aufforderung des Priesters zum\nSchwur, der im E-dur-Accord einen Tact lang über die\nfeurige Orchester-Begleitung in den Männerstimmen hinaus\nklingt; nur die Pauke rollt dabei fort und verhallt auf dem\ne in einem folgenden Tacte ganz allein. Mit ihrem letzten\nSechszehntel auf dem neuen guten Tacttheil tritt der Prie-\nster mit folgendem Schluss ein:\nWie schön liegt in dem Eintritt dieser Harmonie der Aus-\ndruck des Ernstes, der ganzen Folgenschwere jenes\nSclnvurs und zugleich der inneren Befriedigung und Zuver-\nsicht des beruhigten Gemülhes!\nNun erhebt sieh im folgenden Chor (Allegro con fuoco,\nC-dur, 2/i)ein neues Leben, das gegen alles Vorhergegan-\ngene mächtig absticht, ein Wogen und Drängen des Mu-\nthes und der Kampflust, das sich zuerst in dem Ausrufe\nder männlichen Jugend (Tenor): „Des Mut lies Flammen\nschürt dies Wort!\" Luft macht und sich dann durch den\nEinsatz der anderen Stimmen bis zu dem gewalligen Uni-\nsono Aller: „Mavors allein ist unser Hort, die Kraft ist\nseine Braut!\" steigert und mit einem feurigen, marscharti-\ngen Salze schliesst, in dem sich der Glanz der Stimmen\nund der Instrumente vereinigen. Man hört diesem Satze\nwohl nicht an, dass ein musicalisches Kunststückchen darin\nsteckt, indem die Tacte 58, 13—16 und 29 —4O\nzuerst in den Kassen des Orchesters allein, zuletzt im Uni-\nsono mit den Bratschen und Geigen das Hauptmotiv der\nersten vier Tacte immer wiederbringen, während der Chor\ndas Complement des Hauptmotivs singt. Dies gibt dem\nganzen Stücke etwas Trotzigwildes, das der Lage vollkom-\nmen angemessen ist.\nHierauf folgt eine grosse Gesang-Scene des Priesters,\ndie sich zuerst in demselben Tempo und derselben Tonart\ndem Chor anschliesst, als er seinen Erstschluss, selbst dem\nHeere mit dem heiligen Speer des Gottes vorauszuziehen,\nankündigt. Mit den Worten: „Ich will ihn hoch erhaben\ntragen, er flamme leuchtend vor euch her!\" tritt ein feier-\nliches Adagio (C-dur, '%) ein, von vier Hörnern begleitet,\nmit kurzen, getragenen Zwischenspielen von Trompeten\nund Posaunen. Alsdann folgt im\n4y) unter wallenden Instrumental-Fluten der Fluch, mit\ndem der Priester die Etrusker den unterirdischen Göttern\nweiht, wobei das Orchester und namentlich die Bässe mit\nihren aufsteigeuden Figuren einen wilden Charakter anneh-\nmen, ohne jedoch die Stimme nur im Geringsten zu decken,\nso dass, wie die ganze Scene, besonders aber dieser Ab-\nschnitt ein wahres Prachtstück lür einen Bariton ist, der\nnamentlich die hohe Quinte von bis zum eingestrichenen\ne mit vollem Klange in der Gewalt hat. Nach einem voll-\nständigen Schlüsse in A-moll beginnt der Moment des sieg-\nbringenden Adlerfluges (s. Art. 1., Nr. 5, S. 35: „IIa!\nwelch ein Bauschen in den Lüften!\"). Während die zwei-\nten Geigen und Bratschen in der Mitte in wechselnd stei-\ngendem und sinkendem Piano schwirren, die Flöten und\nClarinetten in synkopirlen Noten athmen, haben die gelheil-\nten ersten Geigen in der Höhe einen eigenthümlich auf-\nund absteigenden Gesang, der durch seine Originalität das\nSausen und Durchschneiden der Luft auf die glücklichste\nWeise nachahmt und eine der schönsten Tonmalereien bil-\ndet, die wir je gehört haben. Dicht vor den Worten: „Seht\ndroben ihr die Adler fliegen!\" reisst diese jetzt im\ntissimo einherrauschende und von der kleinen Flöte in der\nhöchsten Octave unterstützte Geigenfigur die Phantasie des"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "43", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570207-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5078, "texte": "Zuhörers fast zum wirklichen Aufschauen nach der Höhe\nempor, und er begreift es, wenn das Volk begeistert aus-\nruft: „Wir seh'n die Adler fliegen, wohlauf zum Siegen!\"\nDas Ganze schliesst in C-dur ab.\nDa d ie besprochene Gesangscene ein Hauptstück der\nPartie des Priesters ist, so wollen wir hier die Bemerkung\neinschalten, dass die musicalische Charakteristik des Prie-\nsters keine leichte Aufgabe war, weil er in Einer Person\nden Priester und Scher, den Krieger und Volkslührer ver-\neinist. Der Comnonist hat sich bestrebt, diese verschiede-\nD •\nnen Charakterzüge, je nachdem der eine mehr, der andere\nweniger hervortritt, musicalisch wiederzugeben; nament-\nlich scheint aus diesem Streben denn auch der Adagio-Satz\nmit den Zwischenspielen der Trompeten und Posaunen her-\nvorgegangen zu sein. Dieser Satz spricht uns aber persön-\nlich gerade dessvvegen vielleicht, weil jenes Streben darin\n7iu sichtbar erscheint, weniger an. Dagegen finden wir die\nCharakteristik des priesterlichen Heros im Ganzen vortreff-\nlich, weil sie sowohl hier als besonders auch im zweiten\nTheile stets uns den Eindruck der gläubigen Ueberzeu-\ngung und einer ed>*hi, aber von menschlichen Gefühlen nicht\nentblössten Willenskraft gibt und in keinem Tone und kei-\nner melodischen Phrase den Gedanken an Unwahrheit und\nHeuchelei aufkommen lässt. Es ist ein wahrer Prophet,\nder uns dargestellt wird, obgleich ein Heide, nicht aber ein\nfalscher.\nNach dem Abschlüsse in beginnt ein rasches, fast\nwildes Marsch-Motiv in E-moll,das sich jedoch kurz nach\ndem Eintritt der Stimmen bei den Worten: „Wir ziehen\nfort, Mars unser Hort!\" nach wendet. Der Chor\nder Krieger ist als solcher nicht ausgeführt: der Marsch\nzum Aulbruch war dem Componisten die Hauptsache.\nNachdem der Marsch geräuschvoll genug aufgetreten,\nverklingt er allmählich, und das Orchester wird ruhiger. In\nlangsamerem Tempo (Andante mosso, V 4) deuten in einem\nSatze von Blas-Instrumenten zarte Motive, einander nach-\nahmend, den Anbruch der Nacht an. Die Modulation wen-\ndet sich nach As-diir, und auf dem Wege dahin tritt der\nSolo-Sopran, die Stimme der Prieslerin der Vesta, mit\ndem gehaltenen Ausrufe: „Heilige Nacht!\" auf überra-\nschend schöne Weise ein. Dann beginnt sie (Piü lento, As-\ndur, V 4) mit den Worten: „0, breite deine Schwingen\nschützend über ihren Heereszug!\" einen Gesang in Vier-\ntelsnoten, der sich mit innig empfundener Melodie über die\n-Pedalnote As,begleitet von den Geigen und Bratschen\nsordini, ausbreitet. Er wird von dem Chor der Jungfrauen\nwiederholt und kehrt dann nochmals mit einiger Verände-\niHing bei der zweiten Strophe: „Und du, o Vesta!\" wie-\nder, jedoch mit bewegterer, wiewohl immer ganz einfacher\nBegleitung und mit einem breiteren Schlüsse, in welchem\nsich die Stimme der Priesterin auf einfach schöne nnd doch\nlür die Sängerin sehr dankbare Weise mit dem Frauenchor\nverwebt. Dieser Hymnus bildet eine vortreffliche lyrische\nEpisode; auch der einleitende Instrumentalsatz ist ganz ge-\neignet, „das Gemüth zu beruhigen und empfänglich zu\nmachen, die magisch erleuchtete und sanft getragene Perle\nder Preghierain sich aufzunehmen.\"\nEs schliesst sich ein längerer Orchestersatz in demsel-\nben Tempo an, welcher die Nacht und am Schlüsse den\nAnbruch des Morgens der Phantasie des Zuhörers vorzu-\nführen sucht. Er ist sehr glücklich erfunden und herrlich\ninstrumenl irt. Feierlicher Posaunengesang über den ge-\ndämpften Violinen und Bratschen, Murmeln der Violoncelle\nin der Tiefe, mysteriöse Modulationen, die nach\nführen, bereiten den Eintritt einer Solo-Violine (senza Sor-\ndino) in dieser Tonart vor, deren Gesang uns wie ein auf-\ngehender Stern aus dem unheimlichen Dunkel in lichte Re-\ngionen führt, zumal wenn am Schlüsse des Solo's die Stimme\nder Prieslerin auf dem Quartsext-Accord von mit\nden Worten: „Dem Tage weicht die Nacht!\" eintritt. Die\nnun folgenden Verse:\nEs soll, o Menschcnherz, dein banges Zagen,\nWeil neues Leben spriesst an allen Enden,\nAurora's Rosenlicht in Hoffnung wenden!\"\nbilden ein .4rtoso, in welchem sich die Solo-Violine mit der\nSingstimme zum Theil canonisch verwebt, wobei man nur\no\nbedauert, dass dieser liebliche Satz so kurz ist. Bei den\nnächsten Versen:\n„Schon steigt empor auf seinem Strahlenwagen\nl)cr Sonnengott in Pracht —\"\ntritt recitativische Declamation mit steigender Kraft des\nOrchesters ein, welche zu einem Fortissimo in A-dur mäch-\ntig anschwillt und auf einer lange gehaltenen Fermate ruht.\nSo majestätisch diese Stelle auch ist, so deckt doch der\nAnfang des Crescendo und Slringendo im Orchester die\nSingslimme bereits zu sehr; wir glauben, die Wirkung\nwürde noch grösser sein, wenn der Zuhörer zuerst Ton und\nWort klar vernähme und dann das Orchester die aufstei-\ngende Pracht am Himmel versinnlichte. Dieselbe Ansicht\nwird in einem anderen Urtheile folgender Maassen sehr\nsinnig ausgesprochen: „Jetzt greift die Instrumental-Musik\nmächtiger ein, sie hebt den Sonnengott auf seinen Thron\nund drängt die Menschenstimme in den Hintergrund. Das\nist in der Idee sehr schön, aber ich möchte doch die Worte\ngern deutlicher vernehmen; wenn gesungen wird, dann"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "44", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570207-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4014, "texte": "habe ich immer vor Allem gern, dass die Stimme auch\nmit dem Worte durchdringen kann.4 Auch mit der ande-\nren hierauf folgenden Bemerkung einer geistreichen Zu-\nhörerin, die sehr oft das Richtige herausfühlt, sind wir\nganz einverstanden, dass nämlich der „wirbelnde Staub\ndem Sonnengotte etwas zu schnell auf dem Fusse nach-\nfolge.\" Zum Glück ist hier, bei dem vollkommenen Schlüsse\nin A-dur und der Fermate, durch eine Pause, die in der\nWillkür des Dirigenten liegt, nachzuhelfen. Wir gehen\naber noch weiter und möchten den ganzen ersten Theil,\nder wie ein grosses Finale behandelt ist, in drei Abschnitte\nsondern; den ersten sehliessen wir mit Nr. (3, der grossen\nScene des Priesters und dem kurzen Chor-Aufschwung:\nO\n„Wohlauf, zum Siegen!\" —den zweiten beginnt der Marsch\nund Kriegerchor Nr. T; er enthält den Abzug des Heeres\nund die ganze Nachtscene bis zur Fermate in A-dur;—im\ndritten wird dann die Rückkehr und die Siegesfreude Ge-\ngenstand der Handlung. Die Pause nach dem ersten .Ab-\nschnitte ist durch den vollkommenen Schluss in C-dur eben\nso gut ermöglicht, wie die zweite durch den in\nMit dem Recitativ der Priesterin (Nr. 10), welche den\nBoten heransprengen sieht, beginnt die Handlung von\nNeuem; es ist lebhaft declamirt und wird von malenden\nZwischenspielen unterbrochen. Der Bericht des jungen\nFührers der Albaner war zum Verständnisse der Hand-\nlung unentbehrlich; obwohl im Gedichte so kurz wie mög-\nlich gehalten, ist solch ein Stückchen Erzählung doch im-\nmer eine kleine Klippe für den Componisten. Hiller hat sie\nmit Hülfe von Instrumentalwogen glücklich genug umschifft,\nzumal wenn bei der Fahrt eine kräftige und feurig (aber ja\nnicht oratorienmässig ruhig) declamirende Tenorstimme das\nSteuer führt. Solche Stellen beweisen recht schlagend den\nUnterschied zwischen Drama und Oper, zwischen Poesie\nund Musik. Was hätte hier dem Dichter für ein prächtiger\nStoff' zu einer poetischen Schilderung zu Gebote gestan-\nden! Der Ueberfall der Etrusker bei Nacht, die Wuth der\nFlammen in ihrem Lager, die Verwirrung, die Gefangen-\nnehmung des Königs, die Beschwörung des Friedens. Und\ner hat das alles mit Resignation in acht Zeilen zusammen-\ngedrängt! Warum? weil er die Tonkunst als ebenbürtige\nSchwester der Dichtkunst anerkennt und, wenn er für sie\ndichtet, nicht ihre Schwingen lähmen, sondern kräftigen\nwill.. Man denke sich z. B. den herrlichen Bericht des\nschwedischen Hauptmannes in Schillers Wallenstein in Mu-\nsik gesetzt! Wahrlich,, die Wagner'sche Theorie über\nPoesie-Musik, nach welcher das Drama der Zukunft nur\ngesungen werden soll, ist doch, gerade heraus gesagt,\nzu dumm, um noch Worte darüber au verlieren.\nAm Ende des Recitativs des Führers, der auch das\nNahen des siegreichen Heeres ankündigt, tritt im Orchester\neine wirksame Beminiscenz des Motivs aus Nr. 5: „ Mavors\nallein, ist unser Hortl\"\nim Pianissimo, wie von Weitem gehört, ein; sie steigert\nsich bis zu dem Chor der rückkehrenden Krieger\n% s. Nr. 5, S. 35), welcher aber sehr stark von sono-\nren Männerstimmen besetzt sein muss, um durch die In-\nstrumentirung durchzudringen; auch sind die Intervalle\nnicht leicht zu .treffen. Nachdem er ziemlich wild daherge-\nbraus't, fällt der volle Chor des ganzen Volkes r, ,2/3)\nmit dem jubelnden Thema:\nein, welches mit breitem Schwung glänzend durchgeführt\nwird. Ein Frauenchor in F-durzunächst bloss mit Blas-\ninstrumenten begleitet, in welchem besonders die Stelle\nanspricht: .\n„Nun ziehet ein\nIn Mavors' Hain,\nDass nach dem Schlachtgewühl\nDer Lorber euch die heisse Stirne kühle!\"\nunterbricht den stürmenden Jubel. Darauf leitet das Or-\nchester durch einige Tacte Steigerung, in welche zuerst\ndie Bässe allein einfallen, wieder in den vollen .4-dur-Chor\nein, der nun noch einmal seine gewaltigen Schwingen ent-\nfaltet und mit zwei marschähnlichen Tacten: „Nun ziehet\nein\", und dem in der höchsten Lage der Singstimmen aus-\ngehaltenen A-dur-Accord,der gleichsam den Hain des\nGottes den Einziehenden aufschliesst, den ersten Theil\ndes Werkes grossartig und prachtvoll endigt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-02-07-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-02-07_01#c006", "volume": "bmtnabi_1857-02-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "45", "page_fin": "45", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570207-01.2.3", "titre_corps": "Aus Bremen.", "titre_sommaire": "Aus Bremen.", "signature_source": "B. K", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570207-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3541, "texte": "Aus Bremen.\nB. K.\n[Komala, Oper von Sobolewski.j\n- * * • •• • '• • • •-\nDen 27. Januar 1857.\nGestatten Sie, über ein Werk zu berichten, welches\nliier wiederholt zur Aufführung gebracht wurde und in al-\nlen musicalischen Kreisen die wärmste Theilnahme und\nAnerkennung gefunden hat. Es ist eine neue Oper „Ko-\nmala, die Königstochter von Inisthore\", nach Ossian, von\nunserem Capellmeister, Herrn E. Sobolewski. Dieses Ge-\ndicht, unstreitig den schönsten Theil der Fingals-Sage Os-\nsian's bildend, hat doch viel Unklares, Nebelhaftes (Nebel\nund Nebelgestalten spielen ja überhaupt eine bedeutende\nRolle bei Ossian). Der Componist hat es aber verstanden,\ndie ihm dadurch erwachsenen Schwierigkeiten zu über-\nwinden. Seine herrliche musicalische Declamation wirkt\ngleichsam klärend auf den Text. Sie ist die Sonne, die den\nNebel siegreich durchdringt und zerstreut. Die Musik der\nOper überhaupt ist sehr bedeutend. Grosser Melodieen-\nReichthum, feine, geistreiche Instrumentation, herrliche\nChöre und ganz prachtvolle musicalische Declamation kenn-\nzeichnen das Werk durchaus als eine der bedeutendsten Er-\nscheinungen der Zeit. Die Richtung des Componisten ist\neine verwandte von der Wagner's in so fern* als seine Mu-\nsik nicht in einzelne Musikstücke zerfällt. Die allen Formen\nsind nicht benutzt. Sonst ist aber Sobolewski's Musik von\nder Wagner'schen so verschieden, wie eine Concert-Ouver-\nture Mendelssohn's von einer Concert-Ouverture Wagner's.\n(Ich erinnere an Wagner's Faust-Ouverture, und man wird\nmich verstehen.)\nVon den Hauptfiguren der Oper ist die des „Hidallan\"\ndem Gedichte nach die schwächste; der Componist, dies\nwohl fühlend, hat diese Figur musicalisch am schönsten\nausgestattet und sie dadurch den anderen gleichberechtigt\ngemacht. Hidallan's Vision ist ein Meisterstück der musica-\nlischen Declamation und des Gesanges:\n„Wenn sich der Morgen erhebt mit seinem Strahl,\nGedenk' ich ihrer, Schmerz in der Seele.\"\nKlagen der nicht erhörten Liebe kommen da zum wahr-\nsten musicalischen Ausdruck. Dagegen erhebt sich Hidallan\nzur höchsten Kraft, wenn er im Finale des zweiten Actes\nsingt: *.\n„Nun zum Kampf! Er fiel;\nEs lächelt nun Hoffnung mir!\nJetzt kann ich den Siegerpreis\nUnd Komala erringen.\nO du grosse, schöne Well! ich möchte wie ein Aar\nMich in des Aethers weite Hallen\nMäcbt'gen Fluges schwingen hoch hinauf!\" u. *.w.\nDie anderen Hauptfiguren der Oper, Komala und Fingal,\nsind an sich schon anziehend, und werden es durch ihre\nmusicalische Ausstattung im höchsten Grade. Genauer\ndarüber zu sprechen, gestattet schwerlich der Raum*).\nWir wollen daher einige Theile der Oper erwähnen, wel»\nche uns besonders lieb geworden.\nZuerst die Einleitung, welche die Stelle der Ouvertüre\nvertritt, ein tief-inniges Musikstück, welches das Bedeu-\ntendste von der Oper erwarten lässt; der Marsch, der\ndem Auftreten FingaPs vorhergeht, ist das prächtigste Ge-\ngenstück dazu: majestätisch und durch schwungvolle Be-\ngeisterung sich auszeichnend ist der Morgengesang der\nBarden. Die Chöre sind überhaupt durchweg trefllicb,\nkonnten hier aber der schlechten Besetzung wegen nicht\nzur Geltung kommen. Unsere Kräfte reichen leider nicht\nlür solche Opern aus. Doppelt zu wünschen wäre es da-\nher, dass bald Vorstände grösserer Bühnen sich des Wer-\nkes annähmen. Die Träger der Haupt-Partieen leisteten\nVorzügliches, dieses erkennen wir gern an. Ihnen (Herrn\nEilers Fingal, Fräul. Volk —Komala, Herrn Seiflart—Hi-\ndallan), vor Allen aber dem Componisten, sagen wir un-\nseren wärmsten Dank für den herrlichen Genuss, den sie\nuns bereiteten."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-02-07-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-02-07_01#c007", "volume": "bmtnabi_1857-02-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "45", "page_fin": "46", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570207-01.2.4", "titre_corps": "Na, so muss et kommen!", "titre_sommaire": "Na, so muss et kommen!", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570207-01.1.5", "debut_caractere": 3543, "fin_caractere_exclue": 4672, "texte": "Na, so muss et kommen!\nDieses berliner Spriiehwort hat sich neuerdings auch\nauf dem Felde der musicalischen Kritik bewährt, und da\nSie, geelirter Herr Redacteur, erst neulich noch geäussert\nhaben, wir lebten in einer Zeit, wo «nicht mehr das Werk\nden Meister lobte, sondern die guten Freunde\", so müssen\nSie denn doch erfahren, dass das zwar bei uns hier in\nBerlin auch zuweilen der Fall ist, dass es aber alsdann\nauch noch Männer gibt, welche eine solche Cameraderie\nempört.\nNeulich las Jemand in einer Restauration in einer hie-\nsigen Zeitung (ich glaube, es war die berliner Musik-Zei-\ntung von Bote u. Bock) eine sehr lobende, mit den Schlag-\nwörtern der neuesten Schule gespickte Beurtheilung eines\n„Scherzo ä la Tarantelle\" und dreier Lieder: „Misekätz-\nchen\" (wie lieb!),. „ Nachtigallenlied\", „ Jagdlied * Op. 3\nund 4, von Herrn Alb. Hahn. Als er gelesen, sprang er\nauf und rief: „Dass dich der Tausend! das ist zu toll!*\nund lief in edlem Zorne auf und ab. Ein französischer Mu-\n\n*) Warum denn nicht? Die genauen, d. h. wirklich kritischen\nBesprechungen neuer Werke sind uns lieber, als flüchtige\nNotizen. Die Redaction."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570207-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2591, "texte": "siker, der nur wenig Deutsch verstand, fragte einen Nach-\nbar, was das auf Französisch heisse. „ Que le le milleu\nantwortete der dicke Brauherr, „und toll heisst fou.u\n„Mais non,u bemerkte der Franzose, der indess das Blatt\nergriflVn halle: nil y a lä Albert Hahn et en bas Hans\nvon Bülow.u „Ach wat, des is allens ecn Deiwel!u rief\nder Dicke, klopfte dem zürnenden Wandler auf die Schul-\nter und sagle: „Nicht wahr, Herr Musik-Director!\"\nBei dem Worle Mosik-Dircctor sprang der Franzose\n,j ■ •\nauf, stellte sieh als Kunslgenossen vor, und das Gespräch\nentwickeile sich, indem es sich an den Grund der Auf-\nwallung des Musik-Directors krii'ipftc. „Sehen Sie Sich\nnur,\" sagte dieser, indem er eine Rolle Musik aus der\nTasche hohe, ~ dieses Zeug hier an da vorn gleich\ndas CavaUerie-Signal, welches das Haupt-Thema der Ta-\nrantella ist, und hier die Querstände, Quinten, Octaven,\nund hier diese gar nicht zu benennenden Ha'rmonie-\nSchnitzer, diese trivialen Sequenzen; mit Einem Worte:\ndas ist nicht Modulation, das ist Manscherei!\"\n'' I 9\nqui dirait barbouillage'/I'fragte der Pariser. „Richtig.\"\n» m'a dit, que barbouillage sc traduit en allem and\npar Sauerei?\" »Oes is allens een Deiwel!\" fiel der\nDicke ein.\n„Nun denken Sie Sich!\" fuhr der Musik-Director\nfort, „dieses Product einer von Quinten und Octaven ge-\nschwollenen Tarantel\" (dabei fing er an, auch in den\nLiedern Op. 4zu blättern)— „und dieses graziöse Kater-\nmiauen dazu und das Wasserorgel-Gekoller, das als Nach-\ntigall geht, und diesen gemeinen Gesang des Jägers, der\nnicht deh Duft des Waldes, sondern den Staub der Land-\nstrasse ä fTimet —\"\n„Mais\" unterbrach ihn der Franzose nc'est selon\nla nalure:\nle lievre et la pu. ain\nfaut ehereher pres du grand chemin!\"\n„Alles das finde ich\", rief der Musik-Director, „ge-\nlobt und erhoben, da, in diesem Blatte, das Sie in der Hand\nhalten. Was sagen Sie dazu? Ich werde den Recensenten\naber abstrafen!\"\n„ C'est deleslable! Mais M *\n„Das ist ein Freund vom Componisten.\"\n„ Ah! cest different das at man aouk in Paris.\nVous direz alors, que la crilique —\"\n„Den Teufel auch inexacle!lch werde die ganze Wahr-\nheit sagen in der nächsten Nummer des Echo von 11.\nSchlesinger.\"\n„ Mais, Mr. Schlesinger, at sie nix public die Opera\nvon die Hahn?\"\n„Nein.\"\n„Ala bonne lieure! (Er sieht den Titel des Op. 3\nan und ruft stutzend aus:) Mais que vois-ie? dedie ä Mr.\nLiizl?*\n„Des is man allens een Deiwel!\" sagte der Dicke und\nging seiner Wege.\nAm Sonntag den 25. Januar las man wirklich in Nr.\n3 des „Echo\": „Drei Lieder und Taran-\nfeile, Op. 4 und 3, kritisch beleuchtet von Richard\nW ü r s t.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-02-07-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-02-07_01#c008", "volume": "bmtnabi_1857-02-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "46", "page_fin": "46", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570207-01.2.5", "titre_corps": "Aus Düsseldorf.", "titre_sommaire": "Aus Düsseldorf.", "signature_source": "r", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570207-01.1.6", "debut_caractere": 2593, "fin_caractere_exclue": 4837, "texte": "Aus Düsseldorf.\n-r.\nDen 30. Januar 1857.\nGestern Abends wurde im Geislerschen Locale das Oratorium\n4 • 4\nJephta, nach Worten der heiligen Schrift componirl von Musik-\nDireclor Keinthaler aus Köln, zur Aufführung gebracht. Nach-\ndem dieses Oratorium, welches unter den Gesanges-Compositioijen\nder letzten Jahre sicherlich eine der ersten Stellen einnimmt, in\nden Naehbarsfadlen Elberfeld, Aachen, Bonn, so wie früher in\nLondon schon dem Publicum vorgeführt worden ist, auch schon\nin diesen BiäUern ausführliche Würdigung gefunden hat, erscheint\nes überflüssig, in eine genauere Analyse des Werkes einzugehen.\nDie zweckmässige Anordnung des Textbuches möge indessen nicht\nunerwähnt bleiben; das Werk ist nämlich ausser in zwei Haupt-\nAbiheilungen in einzelne Unter-Abschnitte getheili, welche folgende\nUebersehriften tragen: „Die Nolh der Kinder Israel.44 „Jephta's Er-\nwählung.\" „Der Kampf.44 „Der Sieg und das Leid.44 „Auf dem Ge-\nbirge.44 „Die Entscheidung.44\nBei dem in unseren Tagen fort und fort gesponnenen Streit«,\nwelches Gewicht dem W orte und welches dem Tone zukomme, ob\nder Dichter des Textes ein Diener des Componisten sein müsse,\noder ob letzlerer nur die Intentionen des Dichters zu befolgen\nhabe, ist es wichtig, dass bei einem grösseren Werke, wo der Com-\nponist beiden, dem Worte und dem Tone, Gerechtigkeit widerfah-\nren zu lassen sich zur Aufgabe gestellt hat, dem Publicum, das\nnun einmal zum Theil aus Kunst-Enthusiasten, zum gn>ssten Theile\naus Indifferenten besteht, das Begreifen zu erleichtern. Durch dio\nAnordnung des Textbuches ist es möglich geworden, den hiesigen.\nConcertbesuchern, welche allerdings durch ihre Vorliebe zur classi-\nschen Musik Lob verdienen, bei der ersten Aufführung das Werk\nzum Verständniss zu bringen. Einsender dieses hat vielfach Gele-\ngenheit gefunden, zu beobachten, mit welcher Spannung die Zuhö-\nrer der Entwicklung des ihnen vorgeführten Drama's gefolgt sind.\nDie Aufführung selbst, unter Leitung des Componisten, war\neine gelungene; gute Solisten, meistens aus Köln, vor Allen Frau\nDr. Mampe-Babnigg und Herr Schiffer, haben die hiesigen\nmusicalischen Kräfte unterstützt, und fehlte es daher auch nicht an\ndem verdienten Beifalle, namentlich am Schlüsse der beiden Haupt-\nAbiheilungen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-02-07-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-02-07_01#c009", "volume": "bmtnabi_1857-02-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "47", "page_fin": "48", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570207-01.2.6", "titre_corps": "Aus Wien.", "titre_sommaire": "Aus Wien.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570207-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6873, "texte": "Aus Wien.\nOpern-Theater. In unserem vorigen Berichte halten wir\nweder Neuigkeiten noch Reprisen zu besprechen; diesmal ergeht\nes uns eben so. Auch der December verstrich ohne irgend welche\nbemerkenswerte Anstrengung unseres Opern-Theaters. Die berli-\nner Gäste in ihren bekannten Balletcn und Herr Steger in sei-\nnem nicht minder bekannten Rollenkrcise bildeten den Haupt-Be-\nstand:heil des Repertoirs, und da ein Unwohlsein des Herrn Beck\ndie erwarteten „Nibelungen44 von Dorn zu verschieben nöthigte\nund die Wiederholung mancher anderen Oper unmöglich machte,\n$o dürfen \\>ir uns nicht einmal darüber wundern, dass auch das\nübrige Repertoire kein musterhaftes war. Von der Ausführung\ndesselben Gutes zu sprechen, wird uns bei dem besten Willen un-\nmöglich. Wir wissen recht wohl, welche Kräfte der wiener Oper\nzu Gebote stehen und wie sehr diese Kräfte sich abmühen; und\neben weil wir das anerkennen, können wir den oft ausgesproche-\nnen Gedanken: „Was könnte wohl Alles mit diesen Kräften und\ndiesen Anstrengungen geleistet werden!44 nicht bannen. Was könnte\nAlles geleistet werden, wenn man auf sorgsames Einstudiren, leid-\nliches Inscenesetzen, Frische und Genauigkeit im Ensemble, Cor-\nreetheit und Natürlichkeit im Vortrage jene Mühe verwenden\nwollte, die man an rastloses, unerspriessliches Drängen und Fletzen,\nan eitlen und kostspieligen Tand vergeudet! Wenn man unserem\n„berühmten44 Orchester weniger physische Anstrengung und mehr\nGenauigkeit und Eifer zumuthete, wer weiss, vielleicht brächte man\nes dazu, die unzähligen Gewohnheitsfehler, mit denen es behaftet,\nallmählich abzulegen und wahrhaft Tüchtiges zu leisten. Wenn die\nSänger zu einem natürlichen, geschmackvollen Vortrage die nöthige\nAneiferung und Anleitung erhielten, wie viel Treffliches könnte da\ngeleistet werden! Von unseren Operislen haben mehrere offenbar\nNeigung und Geschick zum einfachen, natürlichen Gesangsstil so\nFräul. Tietjens, Fräul. Wildauer, Herr WTolf, Herr Schmid, Herr\nErl —, manche Andere sind zwar auf ganz falschem Wege, allein\nauch sie würden sich vielleicht belehren lassen. Welche treffliche\nSängerin hätten wir an Fräul. Cash, stände ihr Stimmansatz und\nihr Vortrag in richtigem Verhältnisse zu den vorhandenen Mitteln!\nWie bildungsfähig wäre Herr Walter! Ja, selbst die gefeierten\nLieblinge des Publicums, die Herren Ander, Beck, Steger, welche\nsich bei all ihren treff.ichcn Eigenschaften dennoch auf Abwegen\nbelinden, würden in richtiger Erwägung ihres eigenen Vortheils\nund zu ihrem eigenen Ruhme auf den Weg edler Natürlichkeit zu\ngehen lernen. Allein ihnen allen fehlt jene Anleitung, welche nur\nallein ein kunstverständiger Director im Vereine mit erfahrenen\nund gebildeten Regisseuren und Capellmeistern zu geben im Stande\nwäre und deren sichtbare Resultate denn auch im Publicum und\nin der Presse mehr Aufmunterung finden würden, als jetzt einigen\nrereinzelten Versuchen thatsächlich zu Theil wird. Ausser diesen\nallgemeinen Betrachtungen ist das Repertoire nicht geeignet, eine\nerneute Besprechung hervorzurufen; wir müssten bei fast jeder\nOper von Neuem auf den unnatürlichen Vortrag mehrerer Sänger\nund auf das schlechte Ensemble hinweisen.\nVon den Ilelmesberger'schen Quartett-Productioncn fand\ndie vierte am 21. December v. J. Statt. Sie wurde durch ein\nHerbeck'sches Quartett eröffnet, an welchem sich die verderblichen\nFolgen der so genannten Schumann'schen Schule deutlich nachwei-\nscn lassen. In keinem der vier Sätze ist ein schöner, einfacher Ge-\ndanke klar ausgeführt; vielleicht würde ein öfteres Anhören des\nQuartetts einzelne feine Züge darin entdecken lassen, der Eindruck\ndes Ganzen wird schwerlich je ein wohlthuender sein. Entweder\nist Herrn Herbeck gar nichts eingefallen, oder er hat sein Möglich-\nstes gethan, um die Verbreitung seiner Ideen zu verhindern. Diese\neigentümliche Erscheinung zeigt sich in den Werken mancher\nComponisten unserer Zeit; möchte sich doch jeder von ihnen einer\nbesseren Einsicht, einem sorgsameren, fruchtbringenden Studium\nder Classiker hingeben, und möge der Himmel jeden von ihnen\nvor so ungeschickten Freunden bewahren, wie z. B. diejenigen,\nwelche Herrn Herbeck nach der Aufführung seines verfehlten Pro-\nduetes hervorriefen. Die darauf folgende Sonate von Raff intcres-\nsirt durch einzelne melodiöse Lichtpunkte und durch ein etwas\nexcentrisches, aber schwung- und phanlasie-erfülltes Wesen, bildet\naber kein organisch reif gewordenes Ganze. Auch sind manche\nLängen darin; das Adagio wäre, um die Hälfte gekürzt, viel wirk-\nsamer. Die Aufführung war eine vorzügliche. Herr Helmes ber-\nger spielte mit Schwung und Gefühl, Herr Pruckncr einfach\nnatürlich und mit zartem Anschlage. Den Beschluss machte ein\nQuartett von Mendelssohn,\nAm 28. December v. J. fand das zweite philharmonische\nConcert Statt. Mende Issohn's „Meeresstille und glückliche\nFahrt44 eröffnete es. Die zweite Nummer war eine ursprünglich für\nOrgel geschriebene, von Herrn Esser geschickt und wirksam in*\nstrumentirte „Toccata'4 von S. Bach, welche mit gehöriger Energie,\naber ohne Schattirung und in keineswegs regelmässigem Tempo\nausgeführt wurde; die dritte ebenfalls eine neu bearbeitete Anti-\nD . f\nquität, nämlich eine Arie aus Händel's „Rinaldo14, von Meyerbeer\nmit passender Orchester-Begleitung versehen. Frau Csillag sang\ndiese Arie mit wohlklingender Stimme, aber leider auch in ihrer\noft beklagten Vortragsweise, welche in fortwährender unmolivirter\nAbwechslung zwischen tonlosem Piano und grellem Herausschreien\nder hohen Noten besteht. Darauf folgte die ß-Sinfonie von Beet-\nhoven, von deren Aufführung dasselbe gilt, wie von fast sämmt-\nlichen Leistungen der gegenwärtigen Philharmonisten; sie sind in\njeder Beziehung genügend, in keiner vorzüglich. Am besten ging\ndas Adagio, welches schon durch das würdig langsame, consequent\nfestgehaltene Tempo eine gewisse Weihe erhielt und correct ge-\nspielt wurde. Schade, dass die Stimmung der Blasinstrumente mit\nder der übrigen nicht ganz übereinstimmend war. Die übrigen drei\nSätze würden uns befriedigt haben, wenn man nicht von allen Sei-\nten auf die vielen Proben, die Herr Eckert veranstaltete und auf\ndie vollendete Virtuosität der dadurch erzielten Leistungen hinge-\nwiesen hätte. Aufführungen gegenüber, welche ihren Schwerpunkt\ndarauf legen, und welche allgemein mit bisher nicht ganz verdien-\nten Lobeserhebungen begrüsst werden, dürfen wir wohl strengere\nAnforderungen stellen und die thatsächlich mögliche Vollendung\nbeanspruchen. Dieses Prädicat vermögen wir aber weder der Lei-\nstung des Dirigenten, noch der des Orchesters beizulegen. Herr\nEckert taclirt matt, unbestimmt, ohne jene Buhe, welche die Er-\nfahrung, ohne jene Energie, welche die Begeisterung gibt. Das Or-\nchester entbehrt in gleicher Weise all jener unerschütterlichen Fe-\nstigkeit eines gut eingeschulten sieggewohnten Tonkörpers und all\njenes dahinstürmenden Feuers jugendlicher Begeisterung. Schnelle»"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570207-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 396, "texte": "Tempo und feuriger Vortrag sind zweierlei, so sehr man in neuerer\nZeit auch bestrebt ist, eines lür das andere zu nehmen. Man kann\nund soll Herrn Eckert für die Veranstaltung der philharmonischen\nConcerte -Dank und Anerkennung zollen ; allein von einer hervor-\nragenden Bedeutung dieser Orchester-Leistungen kann dabei, unse-\nres Erachtens, nicht die Bede sein.\n(Monatsschr. f. Theater u. Musik.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-02-07-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-02-07_01#c010", "volume": "bmtnabi_1857-02-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "48", "page_fin": "48", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570207-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570207-01.1.8", "debut_caractere": 398, "fin_caractere_exclue": 5576, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. Am 2. d. Mts. gab der Männergesang-Verein\nsein zweites Abonnements-Concert unter Leitung des königlichen\nMusik-Direclors Franz Weber im Casinosaale. Es war eines der\nbesten, sowohl in der Wahl der Gesangstücke als in der Ausfüh-\nrung. Ganz besondere Auszeichnung erwarben mit Recht Men-\nNachtgesang: „Schlummernd an des Vaters Brust44,\nSiicher's Grablied zur See, Fr.. Schubert's Gondelfahrer (ein\ngar liebliches Stück mit einfacher Pianoforte-Begleitung) und dessen\nNachtgesang im Walde mit Begleitung von vier Hörnern, und Men-\ndelssohn's Festgesang an die Künstler mit Blech-Instrumenten,\nso wie er ursprünglich geschrieben. Herr Concertmcister J u 1.\nGrunwald spielte ein Andante und Scherzo capriccwso von Da-\nvid und Ernst's Othello-Phantasie mit ausnehmender Fertigkeit\nund edeim Vortrage; er wurde sehr beklatscht und gerufen.\nüerlin« W. Taubcrt's Musik zu Shakespeares „Sturm44 ist\nvon der königlichen Intendantur nicht angenommen worden.\n. Beet h o ven's nachgelassene Violin-Quarteite Nr. 12 und 17\n(pp. 132 und 135) sind in .einer ganz correclen Partitur-Ausgabe\nim Schlesinger'schen Original-Verlage von Neuem erschienen.\nDie Portraits der königlichen Kammersängerin Mad, Tuczek-\nHerrenburg,namentlich das höchst ähnliche; und. künstlerisch\ntrefflich ausgelührte von .Schertle, hatten so lebhafte Theilnahme\ngefunden, dass auch das neue, nach der Busse'schen Zeichnung\nlithographirte, auf einen zahlreichen Kreis im Publicum zählen kann.\ni -••• - • \" 4——=—l——* \\ \\ -v\n*** Hannover. Am 21. Januar erschien der neu einsludirte\n„Ferdinand Coriez\" von S p o n ti n i mit allem Pomp auf unse-\nrer Bühne und wurde bis auf einige Kleinigkeiten gut zur Auffüh-\nrung gebracht. Nicma nn sang den Cortez, Rudolph den Te-\nasco. Dass Ersterer. was die Mittel anbetrifft, zu den vorzüglich-\nsten Tenoristen der Gegenwart gehört, ist unläugbar; in den lei-\ndenschaftlichen Stellen hat seine Stimme und auch sein Ausdruck\neine imponirende Macht, wie sich dies jetzt wieder, so wie vor\nKurzem auch in seiner Darstellung des Eleazar in Halevy's Jüdin\nzeigte. Möge er sich nur nicht hinreissen lassen, das Maass des\nSchönen in der Kraft zu überschreiten! Ueberhaupt wäre es sehr\nzu bedauern, wenn er bei diesen seltenen Natur-Anlagen nicht\ndurch ausdauernde Gesang-Studien die Höhe der Kunst erreichte.\nDas Haus war ganz besetzt, auch bei der Wiederholung. Orchester,\nChor, Tänzer, Decorationen waren glänzend; auch zogen die\neilf Pferde, obwohl sie geritten wurden. Wenn die Musik\nauch nicht durchweg einen grossen Eindruck machte, so zündete\ndoch das in ihr lodernde Feuer und Leben an den meisten Stellen,\nvor Allem in dem Chor der Verschworenen, und im Ganzen war\ndie Erscheinung des Werkes eine imposante und für die Zukiinft-\nler demüthigende und hoffentlich belehrende. In dem 111. Abon-\nnemenls-Conrerle entzückte uns Frau Sehumann durch den Vor-\ntrag der so genannten Kreuzer-Sonate für Piano und Violine von\nBeethoven, welche Joachim, namentlich in den beiden letzten\nSätzen, gleich vorzüglich spielte* Den Glanzpunkt bildete die ewig\nschöne, sonnenklare D-dur-Sinhuic von Mozart. Im IV. Con-\ncerte hörten wir Meister Ludwig'« Pastoral-Sinfonie; angenehme\nZugabe war das Violoncellspiel des Herrn Grützmachcr von\nLeipzig. Er spielte das Concert von Molique, eine schöne Arbeit;\nseine eigene Phantasie war mehr dankbar, als .gehaltvoll,\nMünchen. Nach der A. A. Ztg. ist Dr. Dingclstedt nun\nwirklich von der Stelle eines Intendanten des königl. Hoftheaten\nmit 1000 Gulden (!) Pension entlassen, und zwar keineswegs, weil\nman von seiner künstlerischen Leitung der Bühne nicht befriedigt\nwar, welcher Niemand grosses Verdienst absprechen kann, sondern\nweil die Ausgaben die Einnahmen zu bedeutend überstiegen haben.\nEine solche Entscheidung eines der ersten Hoftheater in Deutsch-\nland dürfte für die Zukunft vorsichtig machen, namentlich wenn\nein Schriftsteller oder ein Dichter eine praktische Amtstätigkeit in\nder Kunst-Sphäre übernimmt, welche seine ganze Zeit in Anspruch\nnimmt und es ihm unmöglich macht, an eigene literarische oder\npoetische Arbeiten zu denken,\nIgn. Lachner in Hamburg soll zu dem Texte der Oper\n„Lorelei\", den Gei bei für Mendelssohn geschrieben, von\ndessen Composition bekanntlich nur das Finale des ersten Acte#\nvorhanden ist, eine vollständige Partitur vollendet haben.\nParis. Der Mcssager du Thedire bemerkt, dass die kaiserliche\ngrosse Oper das Theater ist, welches die Autoren am schlechtesten\nbezahlt. So hat z. B. das Vaudeville-Theater im December 116,518\nFr. eingenommen und an seine Autoren 15,855 Fr. bezahlt, wäh-\nrend die Oper bei einer Einnahme von 113,167 Fr. nur 4729 zu\nvergüten hatte. Die hundert ersten Aufführungen des Robert der\nTeufel trogen der grossen Oper eine Million, den Autoren 32,000\nFr. ein. Die hundert, ersten Aufführungen von Aleyerbeers Nord-\nstern brachten der komischen Oper 500,000 Fr. und denselben\nAutoren 65,843 Fr. ein. So hat auch Halevy aus den hundert er-\nsten Darstellungen der Jüdin 16,000 Fr. und aus den hundert er-\nsten Aufführungen der Musketiere der Königin 33,000 Fr. c-rlös'L\nAuf sämmlliehen pariser Theatern wurden im vorigen Jahn#\n262 neue Stücke aufgeführt."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "41", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570207-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie Weihe des Frühlin'gs {Vcr sacrum\\ Für Soli, Chor und Orchester componirt von F. Hiller. II.— Aas\nBremen (Sobolewski's Komata, Oper). Von B. K - „Na, so muss et kommen!4' (Berlin: Hahn, Biilow und Wurst). Aus Düssel-\ndorf (Jephta). Aus Wien (Oper, Quartett, 11. philharmonisches Coneert). -r- Tages* und Unterhalt ungsb I a 11 (Köln, Zwei-\ntes Concert des Mannergesang-Vereins Berlin Hannover, Cortez München, Dingelstedt Hamburg, Oper Lorelei Paris).\n\nDie Weihe des Frühlings (Ver sacrum).\nFür Soli, Chor und Orchester componirt\nvon\nFerdinand Hiller.\nII.\nDas Werk hat keine Ouvertüre, sondern beginnt mit\ndein Chor der Albaner, dem jedoch eine Instrumental-Ein-\nleitung von 32 Tacten vorausgeht. Sie führt nicht bloss\nin die Stimmung ein, sondern drückt diese schon sehr be-\nstimmt dadurch aus, dass der Chor (E-moll, Andante mossö,\n%) mit den Worten: „Geschlagen, ist das' Heer!\" die er-\nsten Tacte der Oboen, Clarinetten und Fagotte als Haupt-\nMotiv wieder aufnimmt. Der Componist hat diesem. Chor\nnicht den Charakter der Unruhe, Verwirrung und verzwei-\nfelnden Rathlosigkeit gegeben, sondern er spricht den ge-\nsunkenen Muth, Wehklage über das Missgeschick und eine\ngewisse Resignation auf ergreifende Weise aus. Nur bei\nden Worten: „Wie auf dem empörten Meere Wogen an\neinander prallen\", erheben sich die Stimmen zu einigen\nkräftigeren und schärfer rhythmisirten Tacten; bald aber\nstirbt die Klage wieder dahin in dumpfen Accorden, wobei\nder Nachruf der einzelnen Männerstimmen: „Uns ersteht\nkein Held!\" ohne eigentlichen Schiuss in dem H-dur-Ac-\ncorde verhallt. .\nGerade dies ist von Wirkung; denn die Stimme des\nPriesters schlägt nun wie ein zündender Funke mitten in\nden feigen Jammer hinein. In den Tönen des Priesters\nsprüht der Zorn, und doch kündet die Erinnerung an die\nalte Weissagung Muth und Zuversicht an. Der Componist\nhat hier die Absicht des Dichters, in wenigen Worten auf\ndie zwei Hauptpunkte des Ganzen hinzuweisen auf den\nCultus des Mars und die Wunder seines heiligen Speers\nund auf die Gründung Roms, durch die musicalische Be-\nHandlung vortrefflich ins Licht gestellt, indem die Worte i\n„Habt ihr vergessen, was einst Mars verhiess, als er den\nheirgen Speer in diesen Roden stiess\", ein in Melodie und\nHarmonie gesteigertes Recitativ bilden, die Weissagung\nselbst: „Erwachsen soll auf sein allmächtig Werde aus\ndiesem Grund die Herrscherin der Erde\", aber ein Arioso\nin tempo,worauf dann wieder der Zorn recitativisch los-\nbricht. Dabei lässt das Orchester überall die Stimme frei\nwalten: nur gehaltene Accorde in dem Saiten-Quartett bil-\nden ihre harmonische Grundlage, aber die melodische Phrase\nder Weissagung wird von den Oboen, Clarinetten, Fagot-\nten und der Tenor-Posaune im (Jnisono eingeleitet und,\nnachdem sie der Priester gesungen, von der Trompete und\nAlt-Posaune, die, in Sexten aufsteigend, den Glanz der Zu-\nkunft verkündigen, geschlossen. Es liegt sowohl in der\nMelodie und Instrumentirung dieser Stelle, als besonders\nauch in der Abwechslung der leidenschaftlichen Form des\nRecitativs mit der würdigen, seherhaften Farbe des Arioso\neine Wirkung, die ihren Eindruck nicht verfehlen kann.\nEs wird einem bei solchen Stellen ganz unbegreiflich, wie\neinige neuere Componisten, z. ß. Schumann und Wagner,\ndurch Verschmähung des Recitativs .und Wiedereinführung\nder alten abgestandenen, psalmodireriden Tact-Leier eines\nLully und Rameau (die sie uns lür Fortschritt verkündigen\nwollen) sich um die schönsten Effecte bringen! Wo der\nfreie Rhythmus, der sich nach der Wichtigkeit des Wortes\n. . \" \\ . ' *\nund nach dem individuellen Gefühle richtet, ganz an seiner\nStelle ist, da wollen die Neu-Herren ihn nicht; wo aber\nder strenge Tact zum präcisen Zusammenspiel eines gan-\nzen Orchesters nicht entbehrt werden kann, da soll die\npersönliche Freiheit des Einzelnen zur Geltung kommen!\nCuriose Signori Rubati!\nDer kurze Chor (A-moll, fi/8) erhebt\nsich von demüthigem Flehen in einer Art von Canon"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "42", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570207-01.1.2", "texte": "zwischen dem Frauen- und Mannerchor r— zu dem energi-\nschen Aufrufe in C-dur: „Mavors allein sei unser Hort!\"\nDas Tempo darf nicht zu schnell genommen werden, frei-\nlich auch keinesfalls schleppend.\nDas folgende Solo des Priesters, in welchem er das\nGelübde des ganzen Frühlings fordert (Andante soslenulo,\nA-dur, 'YÖ), bildet mit dem Einfallen des Chors in kurzen\nSätzen von wenigen Tacten eine musicalisch sehr gelun-\ngene Scene. Das Orchester betheiligt sich dabei mehr als\nfrüher durch eine reiche Begleitung, die das Weben und\nTreiben des Frühlings malt, eine ziemliche Reihe von Tac-\nten lang im Pianissimobleibt, während der breit angelegte\nGesang von den Accorden der Holz-Blasinstrumente, auf\nder schwirrenden Bewegung der Geigen und Violen in der\nmittleren Ton-Region, getragen wird. Nach einer Modu-\nlation nach C-dur kehrt er in den Grundton zurück, in\nwelchem die Worte: „Der ganze Frühling soll sein eigen\nsein!\" endlich im Forlissimo ausbrechen und erst von den\nMännern, dann von den Frauen und hierauf vom ganzen\nChor zu einem mächtigen Zusammenrufe aufgenommen\nwerden. Unmittelbar daran knüpft sich ohne Tact- und\nTempo-Veränderung die Aufforderung des Priesters zum\nSchwur, der im E-dur-Accord einen Tact lang über die\nfeurige Orchester-Begleitung in den Männerstimmen hinaus\nklingt; nur die Pauke rollt dabei fort und verhallt auf dem\ne in einem folgenden Tacte ganz allein. Mit ihrem letzten\nSechszehntel auf dem neuen guten Tacttheil tritt der Prie-\nster mit folgendem Schluss ein:\nWie schön liegt in dem Eintritt dieser Harmonie der Aus-\ndruck des Ernstes, der ganzen Folgenschwere jenes\nSclnvurs und zugleich der inneren Befriedigung und Zuver-\nsicht des beruhigten Gemülhes!\nNun erhebt sieh im folgenden Chor (Allegro con fuoco,\nC-dur, 2/i)ein neues Leben, das gegen alles Vorhergegan-\ngene mächtig absticht, ein Wogen und Drängen des Mu-\nthes und der Kampflust, das sich zuerst in dem Ausrufe\nder männlichen Jugend (Tenor): „Des Mut lies Flammen\nschürt dies Wort!\" Luft macht und sich dann durch den\nEinsatz der anderen Stimmen bis zu dem gewalligen Uni-\nsono Aller: „Mavors allein ist unser Hort, die Kraft ist\nseine Braut!\" steigert und mit einem feurigen, marscharti-\ngen Salze schliesst, in dem sich der Glanz der Stimmen\nund der Instrumente vereinigen. Man hört diesem Satze\nwohl nicht an, dass ein musicalisches Kunststückchen darin\nsteckt, indem die Tacte 58, 13—16 und 29 —4O\nzuerst in den Kassen des Orchesters allein, zuletzt im Uni-\nsono mit den Bratschen und Geigen das Hauptmotiv der\nersten vier Tacte immer wiederbringen, während der Chor\ndas Complement des Hauptmotivs singt. Dies gibt dem\nganzen Stücke etwas Trotzigwildes, das der Lage vollkom-\nmen angemessen ist.\nHierauf folgt eine grosse Gesang-Scene des Priesters,\ndie sich zuerst in demselben Tempo und derselben Tonart\ndem Chor anschliesst, als er seinen Erstschluss, selbst dem\nHeere mit dem heiligen Speer des Gottes vorauszuziehen,\nankündigt. Mit den Worten: „Ich will ihn hoch erhaben\ntragen, er flamme leuchtend vor euch her!\" tritt ein feier-\nliches Adagio (C-dur, '%) ein, von vier Hörnern begleitet,\nmit kurzen, getragenen Zwischenspielen von Trompeten\nund Posaunen. Alsdann folgt im\n4y) unter wallenden Instrumental-Fluten der Fluch, mit\ndem der Priester die Etrusker den unterirdischen Göttern\nweiht, wobei das Orchester und namentlich die Bässe mit\nihren aufsteigeuden Figuren einen wilden Charakter anneh-\nmen, ohne jedoch die Stimme nur im Geringsten zu decken,\nso dass, wie die ganze Scene, besonders aber dieser Ab-\nschnitt ein wahres Prachtstück lür einen Bariton ist, der\nnamentlich die hohe Quinte von bis zum eingestrichenen\ne mit vollem Klange in der Gewalt hat. Nach einem voll-\nständigen Schlüsse in A-moll beginnt der Moment des sieg-\nbringenden Adlerfluges (s. Art. 1., Nr. 5, S. 35: „IIa!\nwelch ein Bauschen in den Lüften!\"). Während die zwei-\nten Geigen und Bratschen in der Mitte in wechselnd stei-\ngendem und sinkendem Piano schwirren, die Flöten und\nClarinetten in synkopirlen Noten athmen, haben die gelheil-\nten ersten Geigen in der Höhe einen eigenthümlich auf-\nund absteigenden Gesang, der durch seine Originalität das\nSausen und Durchschneiden der Luft auf die glücklichste\nWeise nachahmt und eine der schönsten Tonmalereien bil-\ndet, die wir je gehört haben. Dicht vor den Worten: „Seht\ndroben ihr die Adler fliegen!\" reisst diese jetzt im\ntissimo einherrauschende und von der kleinen Flöte in der\nhöchsten Octave unterstützte Geigenfigur die Phantasie des"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "43", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570207-01.1.3", "texte": "Zuhörers fast zum wirklichen Aufschauen nach der Höhe\nempor, und er begreift es, wenn das Volk begeistert aus-\nruft: „Wir seh'n die Adler fliegen, wohlauf zum Siegen!\"\nDas Ganze schliesst in C-dur ab.\nDa d ie besprochene Gesangscene ein Hauptstück der\nPartie des Priesters ist, so wollen wir hier die Bemerkung\neinschalten, dass die musicalische Charakteristik des Prie-\nsters keine leichte Aufgabe war, weil er in Einer Person\nden Priester und Scher, den Krieger und Volkslührer ver-\neinist. Der Comnonist hat sich bestrebt, diese verschiede-\nD •\nnen Charakterzüge, je nachdem der eine mehr, der andere\nweniger hervortritt, musicalisch wiederzugeben; nament-\nlich scheint aus diesem Streben denn auch der Adagio-Satz\nmit den Zwischenspielen der Trompeten und Posaunen her-\nvorgegangen zu sein. Dieser Satz spricht uns aber persön-\nlich gerade dessvvegen vielleicht, weil jenes Streben darin\n7iu sichtbar erscheint, weniger an. Dagegen finden wir die\nCharakteristik des priesterlichen Heros im Ganzen vortreff-\nlich, weil sie sowohl hier als besonders auch im zweiten\nTheile stets uns den Eindruck der gläubigen Ueberzeu-\ngung und einer ed>*hi, aber von menschlichen Gefühlen nicht\nentblössten Willenskraft gibt und in keinem Tone und kei-\nner melodischen Phrase den Gedanken an Unwahrheit und\nHeuchelei aufkommen lässt. Es ist ein wahrer Prophet,\nder uns dargestellt wird, obgleich ein Heide, nicht aber ein\nfalscher.\nNach dem Abschlüsse in beginnt ein rasches, fast\nwildes Marsch-Motiv in E-moll,das sich jedoch kurz nach\ndem Eintritt der Stimmen bei den Worten: „Wir ziehen\nfort, Mars unser Hort!\" nach wendet. Der Chor\nder Krieger ist als solcher nicht ausgeführt: der Marsch\nzum Aulbruch war dem Componisten die Hauptsache.\nNachdem der Marsch geräuschvoll genug aufgetreten,\nverklingt er allmählich, und das Orchester wird ruhiger. In\nlangsamerem Tempo (Andante mosso, V 4) deuten in einem\nSatze von Blas-Instrumenten zarte Motive, einander nach-\nahmend, den Anbruch der Nacht an. Die Modulation wen-\ndet sich nach As-diir, und auf dem Wege dahin tritt der\nSolo-Sopran, die Stimme der Prieslerin der Vesta, mit\ndem gehaltenen Ausrufe: „Heilige Nacht!\" auf überra-\nschend schöne Weise ein. Dann beginnt sie (Piü lento, As-\ndur, V 4) mit den Worten: „0, breite deine Schwingen\nschützend über ihren Heereszug!\" einen Gesang in Vier-\ntelsnoten, der sich mit innig empfundener Melodie über die\n-Pedalnote As,begleitet von den Geigen und Bratschen\nsordini, ausbreitet. Er wird von dem Chor der Jungfrauen\nwiederholt und kehrt dann nochmals mit einiger Verände-\niHing bei der zweiten Strophe: „Und du, o Vesta!\" wie-\nder, jedoch mit bewegterer, wiewohl immer ganz einfacher\nBegleitung und mit einem breiteren Schlüsse, in welchem\nsich die Stimme der Priesterin auf einfach schöne nnd doch\nlür die Sängerin sehr dankbare Weise mit dem Frauenchor\nverwebt. Dieser Hymnus bildet eine vortreffliche lyrische\nEpisode; auch der einleitende Instrumentalsatz ist ganz ge-\neignet, „das Gemüth zu beruhigen und empfänglich zu\nmachen, die magisch erleuchtete und sanft getragene Perle\nder Preghierain sich aufzunehmen.\"\nEs schliesst sich ein längerer Orchestersatz in demsel-\nben Tempo an, welcher die Nacht und am Schlüsse den\nAnbruch des Morgens der Phantasie des Zuhörers vorzu-\nführen sucht. Er ist sehr glücklich erfunden und herrlich\ninstrumenl irt. Feierlicher Posaunengesang über den ge-\ndämpften Violinen und Bratschen, Murmeln der Violoncelle\nin der Tiefe, mysteriöse Modulationen, die nach\nführen, bereiten den Eintritt einer Solo-Violine (senza Sor-\ndino) in dieser Tonart vor, deren Gesang uns wie ein auf-\ngehender Stern aus dem unheimlichen Dunkel in lichte Re-\ngionen führt, zumal wenn am Schlüsse des Solo's die Stimme\nder Prieslerin auf dem Quartsext-Accord von mit\nden Worten: „Dem Tage weicht die Nacht!\" eintritt. Die\nnun folgenden Verse:\nEs soll, o Menschcnherz, dein banges Zagen,\nWeil neues Leben spriesst an allen Enden,\nAurora's Rosenlicht in Hoffnung wenden!\"\nbilden ein .4rtoso, in welchem sich die Solo-Violine mit der\nSingstimme zum Theil canonisch verwebt, wobei man nur\no\nbedauert, dass dieser liebliche Satz so kurz ist. Bei den\nnächsten Versen:\n„Schon steigt empor auf seinem Strahlenwagen\nl)cr Sonnengott in Pracht —\"\ntritt recitativische Declamation mit steigender Kraft des\nOrchesters ein, welche zu einem Fortissimo in A-dur mäch-\ntig anschwillt und auf einer lange gehaltenen Fermate ruht.\nSo majestätisch diese Stelle auch ist, so deckt doch der\nAnfang des Crescendo und Slringendo im Orchester die\nSingslimme bereits zu sehr; wir glauben, die Wirkung\nwürde noch grösser sein, wenn der Zuhörer zuerst Ton und\nWort klar vernähme und dann das Orchester die aufstei-\ngende Pracht am Himmel versinnlichte. Dieselbe Ansicht\nwird in einem anderen Urtheile folgender Maassen sehr\nsinnig ausgesprochen: „Jetzt greift die Instrumental-Musik\nmächtiger ein, sie hebt den Sonnengott auf seinen Thron\nund drängt die Menschenstimme in den Hintergrund. Das\nist in der Idee sehr schön, aber ich möchte doch die Worte\ngern deutlicher vernehmen; wenn gesungen wird, dann"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "44", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570207-01.1.4", "texte": "habe ich immer vor Allem gern, dass die Stimme auch\nmit dem Worte durchdringen kann.4 Auch mit der ande-\nren hierauf folgenden Bemerkung einer geistreichen Zu-\nhörerin, die sehr oft das Richtige herausfühlt, sind wir\nganz einverstanden, dass nämlich der „wirbelnde Staub\ndem Sonnengotte etwas zu schnell auf dem Fusse nach-\nfolge.\" Zum Glück ist hier, bei dem vollkommenen Schlüsse\nin A-dur und der Fermate, durch eine Pause, die in der\nWillkür des Dirigenten liegt, nachzuhelfen. Wir gehen\naber noch weiter und möchten den ganzen ersten Theil,\nder wie ein grosses Finale behandelt ist, in drei Abschnitte\nsondern; den ersten sehliessen wir mit Nr. (3, der grossen\nScene des Priesters und dem kurzen Chor-Aufschwung:\nO\n„Wohlauf, zum Siegen!\" —den zweiten beginnt der Marsch\nund Kriegerchor Nr. T; er enthält den Abzug des Heeres\nund die ganze Nachtscene bis zur Fermate in A-dur;—im\ndritten wird dann die Rückkehr und die Siegesfreude Ge-\ngenstand der Handlung. Die Pause nach dem ersten .Ab-\nschnitte ist durch den vollkommenen Schluss in C-dur eben\nso gut ermöglicht, wie die zweite durch den in\nMit dem Recitativ der Priesterin (Nr. 10), welche den\nBoten heransprengen sieht, beginnt die Handlung von\nNeuem; es ist lebhaft declamirt und wird von malenden\nZwischenspielen unterbrochen. Der Bericht des jungen\nFührers der Albaner war zum Verständnisse der Hand-\nlung unentbehrlich; obwohl im Gedichte so kurz wie mög-\nlich gehalten, ist solch ein Stückchen Erzählung doch im-\nmer eine kleine Klippe für den Componisten. Hiller hat sie\nmit Hülfe von Instrumentalwogen glücklich genug umschifft,\nzumal wenn bei der Fahrt eine kräftige und feurig (aber ja\nnicht oratorienmässig ruhig) declamirende Tenorstimme das\nSteuer führt. Solche Stellen beweisen recht schlagend den\nUnterschied zwischen Drama und Oper, zwischen Poesie\nund Musik. Was hätte hier dem Dichter für ein prächtiger\nStoff' zu einer poetischen Schilderung zu Gebote gestan-\nden! Der Ueberfall der Etrusker bei Nacht, die Wuth der\nFlammen in ihrem Lager, die Verwirrung, die Gefangen-\nnehmung des Königs, die Beschwörung des Friedens. Und\ner hat das alles mit Resignation in acht Zeilen zusammen-\ngedrängt! Warum? weil er die Tonkunst als ebenbürtige\nSchwester der Dichtkunst anerkennt und, wenn er für sie\ndichtet, nicht ihre Schwingen lähmen, sondern kräftigen\nwill.. Man denke sich z. B. den herrlichen Bericht des\nschwedischen Hauptmannes in Schillers Wallenstein in Mu-\nsik gesetzt! Wahrlich,, die Wagner'sche Theorie über\nPoesie-Musik, nach welcher das Drama der Zukunft nur\ngesungen werden soll, ist doch, gerade heraus gesagt,\nzu dumm, um noch Worte darüber au verlieren.\nAm Ende des Recitativs des Führers, der auch das\nNahen des siegreichen Heeres ankündigt, tritt im Orchester\neine wirksame Beminiscenz des Motivs aus Nr. 5: „ Mavors\nallein, ist unser Hortl\"\nim Pianissimo, wie von Weitem gehört, ein; sie steigert\nsich bis zu dem Chor der rückkehrenden Krieger\n% s. Nr. 5, S. 35), welcher aber sehr stark von sono-\nren Männerstimmen besetzt sein muss, um durch die In-\nstrumentirung durchzudringen; auch sind die Intervalle\nnicht leicht zu .treffen. Nachdem er ziemlich wild daherge-\nbraus't, fällt der volle Chor des ganzen Volkes r, ,2/3)\nmit dem jubelnden Thema:\nein, welches mit breitem Schwung glänzend durchgeführt\nwird. Ein Frauenchor in F-durzunächst bloss mit Blas-\ninstrumenten begleitet, in welchem besonders die Stelle\nanspricht: .\n„Nun ziehet ein\nIn Mavors' Hain,\nDass nach dem Schlachtgewühl\nDer Lorber euch die heisse Stirne kühle!\"\nunterbricht den stürmenden Jubel. Darauf leitet das Or-\nchester durch einige Tacte Steigerung, in welche zuerst\ndie Bässe allein einfallen, wieder in den vollen .4-dur-Chor\nein, der nun noch einmal seine gewaltigen Schwingen ent-\nfaltet und mit zwei marschähnlichen Tacten: „Nun ziehet\nein\", und dem in der höchsten Lage der Singstimmen aus-\ngehaltenen A-dur-Accord,der gleichsam den Hain des\nGottes den Einziehenden aufschliesst, den ersten Theil\ndes Werkes grossartig und prachtvoll endigt."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570207-01.1.5", "texte": "Aus Bremen.\nB. K.\n[Komala, Oper von Sobolewski.j\n- * * • •• • '• • • •-\nDen 27. Januar 1857.\nGestatten Sie, über ein Werk zu berichten, welches\nliier wiederholt zur Aufführung gebracht wurde und in al-\nlen musicalischen Kreisen die wärmste Theilnahme und\nAnerkennung gefunden hat. Es ist eine neue Oper „Ko-\nmala, die Königstochter von Inisthore\", nach Ossian, von\nunserem Capellmeister, Herrn E. Sobolewski. Dieses Ge-\ndicht, unstreitig den schönsten Theil der Fingals-Sage Os-\nsian's bildend, hat doch viel Unklares, Nebelhaftes (Nebel\nund Nebelgestalten spielen ja überhaupt eine bedeutende\nRolle bei Ossian). Der Componist hat es aber verstanden,\ndie ihm dadurch erwachsenen Schwierigkeiten zu über-\nwinden. Seine herrliche musicalische Declamation wirkt\ngleichsam klärend auf den Text. Sie ist die Sonne, die den\nNebel siegreich durchdringt und zerstreut. Die Musik der\nOper überhaupt ist sehr bedeutend. Grosser Melodieen-\nReichthum, feine, geistreiche Instrumentation, herrliche\nChöre und ganz prachtvolle musicalische Declamation kenn-\nzeichnen das Werk durchaus als eine der bedeutendsten Er-\nscheinungen der Zeit. Die Richtung des Componisten ist\neine verwandte von der Wagner's in so fern* als seine Mu-\nsik nicht in einzelne Musikstücke zerfällt. Die allen Formen\nsind nicht benutzt. Sonst ist aber Sobolewski's Musik von\nder Wagner'schen so verschieden, wie eine Concert-Ouver-\nture Mendelssohn's von einer Concert-Ouverture Wagner's.\n(Ich erinnere an Wagner's Faust-Ouverture, und man wird\nmich verstehen.)\nVon den Hauptfiguren der Oper ist die des „Hidallan\"\ndem Gedichte nach die schwächste; der Componist, dies\nwohl fühlend, hat diese Figur musicalisch am schönsten\nausgestattet und sie dadurch den anderen gleichberechtigt\ngemacht. Hidallan's Vision ist ein Meisterstück der musica-\nlischen Declamation und des Gesanges:\n„Wenn sich der Morgen erhebt mit seinem Strahl,\nGedenk' ich ihrer, Schmerz in der Seele.\"\nKlagen der nicht erhörten Liebe kommen da zum wahr-\nsten musicalischen Ausdruck. Dagegen erhebt sich Hidallan\nzur höchsten Kraft, wenn er im Finale des zweiten Actes\nsingt: *.\n„Nun zum Kampf! Er fiel;\nEs lächelt nun Hoffnung mir!\nJetzt kann ich den Siegerpreis\nUnd Komala erringen.\nO du grosse, schöne Well! ich möchte wie ein Aar\nMich in des Aethers weite Hallen\nMäcbt'gen Fluges schwingen hoch hinauf!\" u. *.w.\nDie anderen Hauptfiguren der Oper, Komala und Fingal,\nsind an sich schon anziehend, und werden es durch ihre\nmusicalische Ausstattung im höchsten Grade. Genauer\ndarüber zu sprechen, gestattet schwerlich der Raum*).\nWir wollen daher einige Theile der Oper erwähnen, wel»\nche uns besonders lieb geworden.\nZuerst die Einleitung, welche die Stelle der Ouvertüre\nvertritt, ein tief-inniges Musikstück, welches das Bedeu-\ntendste von der Oper erwarten lässt; der Marsch, der\ndem Auftreten FingaPs vorhergeht, ist das prächtigste Ge-\ngenstück dazu: majestätisch und durch schwungvolle Be-\ngeisterung sich auszeichnend ist der Morgengesang der\nBarden. Die Chöre sind überhaupt durchweg trefllicb,\nkonnten hier aber der schlechten Besetzung wegen nicht\nzur Geltung kommen. Unsere Kräfte reichen leider nicht\nlür solche Opern aus. Doppelt zu wünschen wäre es da-\nher, dass bald Vorstände grösserer Bühnen sich des Wer-\nkes annähmen. Die Träger der Haupt-Partieen leisteten\nVorzügliches, dieses erkennen wir gern an. Ihnen (Herrn\nEilers Fingal, Fräul. Volk —Komala, Herrn Seiflart—Hi-\ndallan), vor Allen aber dem Componisten, sagen wir un-\nseren wärmsten Dank für den herrlichen Genuss, den sie\nuns bereiteten.\n\nNa, so muss et kommen!\nDieses berliner Spriiehwort hat sich neuerdings auch\nauf dem Felde der musicalischen Kritik bewährt, und da\nSie, geelirter Herr Redacteur, erst neulich noch geäussert\nhaben, wir lebten in einer Zeit, wo «nicht mehr das Werk\nden Meister lobte, sondern die guten Freunde\", so müssen\nSie denn doch erfahren, dass das zwar bei uns hier in\nBerlin auch zuweilen der Fall ist, dass es aber alsdann\nauch noch Männer gibt, welche eine solche Cameraderie\nempört.\nNeulich las Jemand in einer Restauration in einer hie-\nsigen Zeitung (ich glaube, es war die berliner Musik-Zei-\ntung von Bote u. Bock) eine sehr lobende, mit den Schlag-\nwörtern der neuesten Schule gespickte Beurtheilung eines\n„Scherzo ä la Tarantelle\" und dreier Lieder: „Misekätz-\nchen\" (wie lieb!),. „ Nachtigallenlied\", „ Jagdlied * Op. 3\nund 4, von Herrn Alb. Hahn. Als er gelesen, sprang er\nauf und rief: „Dass dich der Tausend! das ist zu toll!*\nund lief in edlem Zorne auf und ab. Ein französischer Mu-\n\n*) Warum denn nicht? Die genauen, d. h. wirklich kritischen\nBesprechungen neuer Werke sind uns lieber, als flüchtige\nNotizen. Die Redaction."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570207-01.1.6", "texte": "siker, der nur wenig Deutsch verstand, fragte einen Nach-\nbar, was das auf Französisch heisse. „ Que le le milleu\nantwortete der dicke Brauherr, „und toll heisst fou.u\n„Mais non,u bemerkte der Franzose, der indess das Blatt\nergriflVn halle: nil y a lä Albert Hahn et en bas Hans\nvon Bülow.u „Ach wat, des is allens ecn Deiwel!u rief\nder Dicke, klopfte dem zürnenden Wandler auf die Schul-\nter und sagle: „Nicht wahr, Herr Musik-Director!\"\nBei dem Worle Mosik-Dircctor sprang der Franzose\n,j ■ •\nauf, stellte sieh als Kunslgenossen vor, und das Gespräch\nentwickeile sich, indem es sich an den Grund der Auf-\nwallung des Musik-Directors krii'ipftc. „Sehen Sie Sich\nnur,\" sagte dieser, indem er eine Rolle Musik aus der\nTasche hohe, ~ dieses Zeug hier an da vorn gleich\ndas CavaUerie-Signal, welches das Haupt-Thema der Ta-\nrantella ist, und hier die Querstände, Quinten, Octaven,\nund hier diese gar nicht zu benennenden Ha'rmonie-\nSchnitzer, diese trivialen Sequenzen; mit Einem Worte:\ndas ist nicht Modulation, das ist Manscherei!\"\n'' I 9\nqui dirait barbouillage'/I'fragte der Pariser. „Richtig.\"\n» m'a dit, que barbouillage sc traduit en allem and\npar Sauerei?\" »Oes is allens een Deiwel!\" fiel der\nDicke ein.\n„Nun denken Sie Sich!\" fuhr der Musik-Director\nfort, „dieses Product einer von Quinten und Octaven ge-\nschwollenen Tarantel\" (dabei fing er an, auch in den\nLiedern Op. 4zu blättern)— „und dieses graziöse Kater-\nmiauen dazu und das Wasserorgel-Gekoller, das als Nach-\ntigall geht, und diesen gemeinen Gesang des Jägers, der\nnicht deh Duft des Waldes, sondern den Staub der Land-\nstrasse ä fTimet —\"\n„Mais\" unterbrach ihn der Franzose nc'est selon\nla nalure:\nle lievre et la pu. ain\nfaut ehereher pres du grand chemin!\"\n„Alles das finde ich\", rief der Musik-Director, „ge-\nlobt und erhoben, da, in diesem Blatte, das Sie in der Hand\nhalten. Was sagen Sie dazu? Ich werde den Recensenten\naber abstrafen!\"\n„ C'est deleslable! Mais M *\n„Das ist ein Freund vom Componisten.\"\n„ Ah! cest different das at man aouk in Paris.\nVous direz alors, que la crilique —\"\n„Den Teufel auch inexacle!lch werde die ganze Wahr-\nheit sagen in der nächsten Nummer des Echo von 11.\nSchlesinger.\"\n„ Mais, Mr. Schlesinger, at sie nix public die Opera\nvon die Hahn?\"\n„Nein.\"\n„Ala bonne lieure! (Er sieht den Titel des Op. 3\nan und ruft stutzend aus:) Mais que vois-ie? dedie ä Mr.\nLiizl?*\n„Des is man allens een Deiwel!\" sagte der Dicke und\nging seiner Wege.\nAm Sonntag den 25. Januar las man wirklich in Nr.\n3 des „Echo\": „Drei Lieder und Taran-\nfeile, Op. 4 und 3, kritisch beleuchtet von Richard\nW ü r s t.\"\n\nAus Düsseldorf.\n-r.\nDen 30. Januar 1857.\nGestern Abends wurde im Geislerschen Locale das Oratorium\n4 • 4\nJephta, nach Worten der heiligen Schrift componirl von Musik-\nDireclor Keinthaler aus Köln, zur Aufführung gebracht. Nach-\ndem dieses Oratorium, welches unter den Gesanges-Compositioijen\nder letzten Jahre sicherlich eine der ersten Stellen einnimmt, in\nden Naehbarsfadlen Elberfeld, Aachen, Bonn, so wie früher in\nLondon schon dem Publicum vorgeführt worden ist, auch schon\nin diesen BiäUern ausführliche Würdigung gefunden hat, erscheint\nes überflüssig, in eine genauere Analyse des Werkes einzugehen.\nDie zweckmässige Anordnung des Textbuches möge indessen nicht\nunerwähnt bleiben; das Werk ist nämlich ausser in zwei Haupt-\nAbiheilungen in einzelne Unter-Abschnitte getheili, welche folgende\nUebersehriften tragen: „Die Nolh der Kinder Israel.44 „Jephta's Er-\nwählung.\" „Der Kampf.44 „Der Sieg und das Leid.44 „Auf dem Ge-\nbirge.44 „Die Entscheidung.44\nBei dem in unseren Tagen fort und fort gesponnenen Streit«,\nwelches Gewicht dem W orte und welches dem Tone zukomme, ob\nder Dichter des Textes ein Diener des Componisten sein müsse,\noder ob letzlerer nur die Intentionen des Dichters zu befolgen\nhabe, ist es wichtig, dass bei einem grösseren Werke, wo der Com-\nponist beiden, dem Worte und dem Tone, Gerechtigkeit widerfah-\nren zu lassen sich zur Aufgabe gestellt hat, dem Publicum, das\nnun einmal zum Theil aus Kunst-Enthusiasten, zum gn>ssten Theile\naus Indifferenten besteht, das Begreifen zu erleichtern. Durch dio\nAnordnung des Textbuches ist es möglich geworden, den hiesigen.\nConcertbesuchern, welche allerdings durch ihre Vorliebe zur classi-\nschen Musik Lob verdienen, bei der ersten Aufführung das Werk\nzum Verständniss zu bringen. Einsender dieses hat vielfach Gele-\ngenheit gefunden, zu beobachten, mit welcher Spannung die Zuhö-\nrer der Entwicklung des ihnen vorgeführten Drama's gefolgt sind.\nDie Aufführung selbst, unter Leitung des Componisten, war\neine gelungene; gute Solisten, meistens aus Köln, vor Allen Frau\nDr. Mampe-Babnigg und Herr Schiffer, haben die hiesigen\nmusicalischen Kräfte unterstützt, und fehlte es daher auch nicht an\ndem verdienten Beifalle, namentlich am Schlüsse der beiden Haupt-\nAbiheilungen."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570207-01.1.7", "texte": "Aus Wien.\nOpern-Theater. In unserem vorigen Berichte halten wir\nweder Neuigkeiten noch Reprisen zu besprechen; diesmal ergeht\nes uns eben so. Auch der December verstrich ohne irgend welche\nbemerkenswerte Anstrengung unseres Opern-Theaters. Die berli-\nner Gäste in ihren bekannten Balletcn und Herr Steger in sei-\nnem nicht minder bekannten Rollenkrcise bildeten den Haupt-Be-\nstand:heil des Repertoirs, und da ein Unwohlsein des Herrn Beck\ndie erwarteten „Nibelungen44 von Dorn zu verschieben nöthigte\nund die Wiederholung mancher anderen Oper unmöglich machte,\n$o dürfen \\>ir uns nicht einmal darüber wundern, dass auch das\nübrige Repertoire kein musterhaftes war. Von der Ausführung\ndesselben Gutes zu sprechen, wird uns bei dem besten Willen un-\nmöglich. Wir wissen recht wohl, welche Kräfte der wiener Oper\nzu Gebote stehen und wie sehr diese Kräfte sich abmühen; und\neben weil wir das anerkennen, können wir den oft ausgesproche-\nnen Gedanken: „Was könnte wohl Alles mit diesen Kräften und\ndiesen Anstrengungen geleistet werden!44 nicht bannen. Was könnte\nAlles geleistet werden, wenn man auf sorgsames Einstudiren, leid-\nliches Inscenesetzen, Frische und Genauigkeit im Ensemble, Cor-\nreetheit und Natürlichkeit im Vortrage jene Mühe verwenden\nwollte, die man an rastloses, unerspriessliches Drängen und Fletzen,\nan eitlen und kostspieligen Tand vergeudet! Wenn man unserem\n„berühmten44 Orchester weniger physische Anstrengung und mehr\nGenauigkeit und Eifer zumuthete, wer weiss, vielleicht brächte man\nes dazu, die unzähligen Gewohnheitsfehler, mit denen es behaftet,\nallmählich abzulegen und wahrhaft Tüchtiges zu leisten. Wenn die\nSänger zu einem natürlichen, geschmackvollen Vortrage die nöthige\nAneiferung und Anleitung erhielten, wie viel Treffliches könnte da\ngeleistet werden! Von unseren Operislen haben mehrere offenbar\nNeigung und Geschick zum einfachen, natürlichen Gesangsstil so\nFräul. Tietjens, Fräul. Wildauer, Herr WTolf, Herr Schmid, Herr\nErl —, manche Andere sind zwar auf ganz falschem Wege, allein\nauch sie würden sich vielleicht belehren lassen. Welche treffliche\nSängerin hätten wir an Fräul. Cash, stände ihr Stimmansatz und\nihr Vortrag in richtigem Verhältnisse zu den vorhandenen Mitteln!\nWie bildungsfähig wäre Herr Walter! Ja, selbst die gefeierten\nLieblinge des Publicums, die Herren Ander, Beck, Steger, welche\nsich bei all ihren treff.ichcn Eigenschaften dennoch auf Abwegen\nbelinden, würden in richtiger Erwägung ihres eigenen Vortheils\nund zu ihrem eigenen Ruhme auf den Weg edler Natürlichkeit zu\ngehen lernen. Allein ihnen allen fehlt jene Anleitung, welche nur\nallein ein kunstverständiger Director im Vereine mit erfahrenen\nund gebildeten Regisseuren und Capellmeistern zu geben im Stande\nwäre und deren sichtbare Resultate denn auch im Publicum und\nin der Presse mehr Aufmunterung finden würden, als jetzt einigen\nrereinzelten Versuchen thatsächlich zu Theil wird. Ausser diesen\nallgemeinen Betrachtungen ist das Repertoire nicht geeignet, eine\nerneute Besprechung hervorzurufen; wir müssten bei fast jeder\nOper von Neuem auf den unnatürlichen Vortrag mehrerer Sänger\nund auf das schlechte Ensemble hinweisen.\nVon den Ilelmesberger'schen Quartett-Productioncn fand\ndie vierte am 21. December v. J. Statt. Sie wurde durch ein\nHerbeck'sches Quartett eröffnet, an welchem sich die verderblichen\nFolgen der so genannten Schumann'schen Schule deutlich nachwei-\nscn lassen. In keinem der vier Sätze ist ein schöner, einfacher Ge-\ndanke klar ausgeführt; vielleicht würde ein öfteres Anhören des\nQuartetts einzelne feine Züge darin entdecken lassen, der Eindruck\ndes Ganzen wird schwerlich je ein wohlthuender sein. Entweder\nist Herrn Herbeck gar nichts eingefallen, oder er hat sein Möglich-\nstes gethan, um die Verbreitung seiner Ideen zu verhindern. Diese\neigentümliche Erscheinung zeigt sich in den Werken mancher\nComponisten unserer Zeit; möchte sich doch jeder von ihnen einer\nbesseren Einsicht, einem sorgsameren, fruchtbringenden Studium\nder Classiker hingeben, und möge der Himmel jeden von ihnen\nvor so ungeschickten Freunden bewahren, wie z. B. diejenigen,\nwelche Herrn Herbeck nach der Aufführung seines verfehlten Pro-\nduetes hervorriefen. Die darauf folgende Sonate von Raff intcres-\nsirt durch einzelne melodiöse Lichtpunkte und durch ein etwas\nexcentrisches, aber schwung- und phanlasie-erfülltes Wesen, bildet\naber kein organisch reif gewordenes Ganze. Auch sind manche\nLängen darin; das Adagio wäre, um die Hälfte gekürzt, viel wirk-\nsamer. Die Aufführung war eine vorzügliche. Herr Helmes ber-\nger spielte mit Schwung und Gefühl, Herr Pruckncr einfach\nnatürlich und mit zartem Anschlage. Den Beschluss machte ein\nQuartett von Mendelssohn,\nAm 28. December v. J. fand das zweite philharmonische\nConcert Statt. Mende Issohn's „Meeresstille und glückliche\nFahrt44 eröffnete es. Die zweite Nummer war eine ursprünglich für\nOrgel geschriebene, von Herrn Esser geschickt und wirksam in*\nstrumentirte „Toccata'4 von S. Bach, welche mit gehöriger Energie,\naber ohne Schattirung und in keineswegs regelmässigem Tempo\nausgeführt wurde; die dritte ebenfalls eine neu bearbeitete Anti-\nD . f\nquität, nämlich eine Arie aus Händel's „Rinaldo14, von Meyerbeer\nmit passender Orchester-Begleitung versehen. Frau Csillag sang\ndiese Arie mit wohlklingender Stimme, aber leider auch in ihrer\noft beklagten Vortragsweise, welche in fortwährender unmolivirter\nAbwechslung zwischen tonlosem Piano und grellem Herausschreien\nder hohen Noten besteht. Darauf folgte die ß-Sinfonie von Beet-\nhoven, von deren Aufführung dasselbe gilt, wie von fast sämmt-\nlichen Leistungen der gegenwärtigen Philharmonisten; sie sind in\njeder Beziehung genügend, in keiner vorzüglich. Am besten ging\ndas Adagio, welches schon durch das würdig langsame, consequent\nfestgehaltene Tempo eine gewisse Weihe erhielt und correct ge-\nspielt wurde. Schade, dass die Stimmung der Blasinstrumente mit\nder der übrigen nicht ganz übereinstimmend war. Die übrigen drei\nSätze würden uns befriedigt haben, wenn man nicht von allen Sei-\nten auf die vielen Proben, die Herr Eckert veranstaltete und auf\ndie vollendete Virtuosität der dadurch erzielten Leistungen hinge-\nwiesen hätte. Aufführungen gegenüber, welche ihren Schwerpunkt\ndarauf legen, und welche allgemein mit bisher nicht ganz verdien-\nten Lobeserhebungen begrüsst werden, dürfen wir wohl strengere\nAnforderungen stellen und die thatsächlich mögliche Vollendung\nbeanspruchen. Dieses Prädicat vermögen wir aber weder der Lei-\nstung des Dirigenten, noch der des Orchesters beizulegen. Herr\nEckert taclirt matt, unbestimmt, ohne jene Buhe, welche die Er-\nfahrung, ohne jene Energie, welche die Begeisterung gibt. Das Or-\nchester entbehrt in gleicher Weise all jener unerschütterlichen Fe-\nstigkeit eines gut eingeschulten sieggewohnten Tonkörpers und all\njenes dahinstürmenden Feuers jugendlicher Begeisterung. Schnelle»"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570207-01.1.8", "texte": "Tempo und feuriger Vortrag sind zweierlei, so sehr man in neuerer\nZeit auch bestrebt ist, eines lür das andere zu nehmen. Man kann\nund soll Herrn Eckert für die Veranstaltung der philharmonischen\nConcerte -Dank und Anerkennung zollen ; allein von einer hervor-\nragenden Bedeutung dieser Orchester-Leistungen kann dabei, unse-\nres Erachtens, nicht die Bede sein.\n(Monatsschr. f. Theater u. Musik.)\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. Am 2. d. Mts. gab der Männergesang-Verein\nsein zweites Abonnements-Concert unter Leitung des königlichen\nMusik-Direclors Franz Weber im Casinosaale. Es war eines der\nbesten, sowohl in der Wahl der Gesangstücke als in der Ausfüh-\nrung. Ganz besondere Auszeichnung erwarben mit Recht Men-\nNachtgesang: „Schlummernd an des Vaters Brust44,\nSiicher's Grablied zur See, Fr.. Schubert's Gondelfahrer (ein\ngar liebliches Stück mit einfacher Pianoforte-Begleitung) und dessen\nNachtgesang im Walde mit Begleitung von vier Hörnern, und Men-\ndelssohn's Festgesang an die Künstler mit Blech-Instrumenten,\nso wie er ursprünglich geschrieben. Herr Concertmcister J u 1.\nGrunwald spielte ein Andante und Scherzo capriccwso von Da-\nvid und Ernst's Othello-Phantasie mit ausnehmender Fertigkeit\nund edeim Vortrage; er wurde sehr beklatscht und gerufen.\nüerlin« W. Taubcrt's Musik zu Shakespeares „Sturm44 ist\nvon der königlichen Intendantur nicht angenommen worden.\n. Beet h o ven's nachgelassene Violin-Quarteite Nr. 12 und 17\n(pp. 132 und 135) sind in .einer ganz correclen Partitur-Ausgabe\nim Schlesinger'schen Original-Verlage von Neuem erschienen.\nDie Portraits der königlichen Kammersängerin Mad, Tuczek-\nHerrenburg,namentlich das höchst ähnliche; und. künstlerisch\ntrefflich ausgelührte von .Schertle, hatten so lebhafte Theilnahme\ngefunden, dass auch das neue, nach der Busse'schen Zeichnung\nlithographirte, auf einen zahlreichen Kreis im Publicum zählen kann.\ni -••• - • \" 4——=—l——* \\ \\ -v\n*** Hannover. Am 21. Januar erschien der neu einsludirte\n„Ferdinand Coriez\" von S p o n ti n i mit allem Pomp auf unse-\nrer Bühne und wurde bis auf einige Kleinigkeiten gut zur Auffüh-\nrung gebracht. Nicma nn sang den Cortez, Rudolph den Te-\nasco. Dass Ersterer. was die Mittel anbetrifft, zu den vorzüglich-\nsten Tenoristen der Gegenwart gehört, ist unläugbar; in den lei-\ndenschaftlichen Stellen hat seine Stimme und auch sein Ausdruck\neine imponirende Macht, wie sich dies jetzt wieder, so wie vor\nKurzem auch in seiner Darstellung des Eleazar in Halevy's Jüdin\nzeigte. Möge er sich nur nicht hinreissen lassen, das Maass des\nSchönen in der Kraft zu überschreiten! Ueberhaupt wäre es sehr\nzu bedauern, wenn er bei diesen seltenen Natur-Anlagen nicht\ndurch ausdauernde Gesang-Studien die Höhe der Kunst erreichte.\nDas Haus war ganz besetzt, auch bei der Wiederholung. Orchester,\nChor, Tänzer, Decorationen waren glänzend; auch zogen die\neilf Pferde, obwohl sie geritten wurden. Wenn die Musik\nauch nicht durchweg einen grossen Eindruck machte, so zündete\ndoch das in ihr lodernde Feuer und Leben an den meisten Stellen,\nvor Allem in dem Chor der Verschworenen, und im Ganzen war\ndie Erscheinung des Werkes eine imposante und für die Zukiinft-\nler demüthigende und hoffentlich belehrende. In dem 111. Abon-\nnemenls-Conrerle entzückte uns Frau Sehumann durch den Vor-\ntrag der so genannten Kreuzer-Sonate für Piano und Violine von\nBeethoven, welche Joachim, namentlich in den beiden letzten\nSätzen, gleich vorzüglich spielte* Den Glanzpunkt bildete die ewig\nschöne, sonnenklare D-dur-Sinhuic von Mozart. Im IV. Con-\ncerte hörten wir Meister Ludwig'« Pastoral-Sinfonie; angenehme\nZugabe war das Violoncellspiel des Herrn Grützmachcr von\nLeipzig. Er spielte das Concert von Molique, eine schöne Arbeit;\nseine eigene Phantasie war mehr dankbar, als .gehaltvoll,\nMünchen. Nach der A. A. Ztg. ist Dr. Dingclstedt nun\nwirklich von der Stelle eines Intendanten des königl. Hoftheaten\nmit 1000 Gulden (!) Pension entlassen, und zwar keineswegs, weil\nman von seiner künstlerischen Leitung der Bühne nicht befriedigt\nwar, welcher Niemand grosses Verdienst absprechen kann, sondern\nweil die Ausgaben die Einnahmen zu bedeutend überstiegen haben.\nEine solche Entscheidung eines der ersten Hoftheater in Deutsch-\nland dürfte für die Zukunft vorsichtig machen, namentlich wenn\nein Schriftsteller oder ein Dichter eine praktische Amtstätigkeit in\nder Kunst-Sphäre übernimmt, welche seine ganze Zeit in Anspruch\nnimmt und es ihm unmöglich macht, an eigene literarische oder\npoetische Arbeiten zu denken,\nIgn. Lachner in Hamburg soll zu dem Texte der Oper\n„Lorelei\", den Gei bei für Mendelssohn geschrieben, von\ndessen Composition bekanntlich nur das Finale des ersten Acte#\nvorhanden ist, eine vollständige Partitur vollendet haben.\nParis. Der Mcssager du Thedire bemerkt, dass die kaiserliche\ngrosse Oper das Theater ist, welches die Autoren am schlechtesten\nbezahlt. So hat z. B. das Vaudeville-Theater im December 116,518\nFr. eingenommen und an seine Autoren 15,855 Fr. bezahlt, wäh-\nrend die Oper bei einer Einnahme von 113,167 Fr. nur 4729 zu\nvergüten hatte. Die hundert ersten Aufführungen des Robert der\nTeufel trogen der grossen Oper eine Million, den Autoren 32,000\nFr. ein. Die hundert, ersten Aufführungen von Aleyerbeers Nord-\nstern brachten der komischen Oper 500,000 Fr. und denselben\nAutoren 65,843 Fr. ein. So hat auch Halevy aus den hundert er-\nsten Darstellungen der Jüdin 16,000 Fr. und aus den hundert er-\nsten Aufführungen der Musketiere der Königin 33,000 Fr. c-rlös'L\nAuf sämmlliehen pariser Theatern wurden im vorigen Jahn#\n262 neue Stücke aufgeführt."}]}