{"numero_id": "bm-bmtnabi-1857-02-28-01", "volume": "bmtnabi_1857-02-28_01", "ocr_sha256": "1f5c79571554971439d48a1acbbead0ddbdf353851f0f894a5c0f83d5188ff6f", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1857/02/28_01/bmtnabi_1857-02-28_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570228-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1857-02-28-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-02-28_01#c001", "volume": "bmtnabi_1857-02-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "65", "page_fin": "65", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570228-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "65", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570228-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 464, "texte": "Inhalt.\nDie Bedeutung der schönen Kunst. 111. Von A. E. K. Beurth eilungen: Karl von Bruyk, lonbilder lür das\nPianoforle, Op. 4, Heft 1 und 2. Das Pianoforte, redigirt von F. Liszt, herausgegeben von E. Hallberger. Heft I. Aus Frankfurt\nam Main (Bach's H-moll-Messe). Von —r. Aus Lüttich (Concert-Gesellschaft, J. Dupuis). Von G. F. Tages- und Unterhal-\ntungsblatt (Köln, H. Marschner und Frau, Prophet, Hans Heiling Stettin Stuttgart New-lork). 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Nicht so glücklich ist\nGünther gewesen; er hat in einer ungeheuer gelehrten\nAbhandlung Schiller's Glocke zu einem christlichen\nGedichte zu stempeln versucht, während es jedem offe-\nnen Sinne klar ist, dass jenes schöne Gedicht zwar, wie\ndas ganze neudeutsche Leben, auf christlichem Grunde\nruhet, aber nirgends positives biblisches Christenthum ver-\ntritt. Günther's Büchlein hätte viel Unheil gestiftet, wenn\nes nicht so bald verschollen wäre, da es den Gegnern wi-\ndersinnig, den Gläubigen höchst absonderlich vorkam.\nAuch Schiller's Götter Griechenlands haben Züge der Sehn-\nsucht und tiefer Liebe, dergleichen bei ausserchristlichen\nVölkern unmöglich sind; wer wollte sie aber desshalb ein\nchristliches Gedicht nennen?\nAuch die Lehrer im engeren Sinne, die Schulmeister\nund was ihnen verwandt ist, unterliegen öfter, als Wahr-\nheit und Schönheit erlauben, dem falschen Asketismus.\nHaben wir nicht Schullieder-Sammlungen leider in\ngrosser Zahl, wo die ursprünglichen Volkslied-Worte den\nmageren, verschleimten Moral-Texten weichen müssen vom\nguten Kinde, von der loyalen Schülerfreudigkeit, vom\nNutzen des Frühaufstehens, vom Segen des Unterrichts?\nLauter Salzmann-Basedow'sche Philanthropinen-Prosa! Es\nist gleich unwahr wie unschön, den Waldklang an die\nHolzbank schrauben, mit einem Jägerton ein Lied vom Din-\ntenfasse reimen. Leider sind die sonst gutgemeinten gü-\ntersloher Lieder nicht frei— auch die treffliche Samm-\nlung „Unsere Lieder\" vom Rauhen Hause nicht ganz\nfrei von dieser Schulkrankheit. Eben so verwerflich, obwohl\nseltener, ist der umgekehrte Missgriff, grundarmselige, un-\nsingbare Melodieen in die Schulen zu bringen, um from-\nmer oder moralischer Texte willen. Weit besser, man ent-\nsagt allem Volksliede in der Schule, als dass man es un-\nwahr macht. Ehe wir eine echte Sammlung guter Volks-\nlieder lür die Schule besitzen, möge man sich begnügen\nam Choralgesange, wo Ton und Wort gleich schön und\nwahr sind. Die S i I c h er' sehen Volkslieder sind wohl heute\ndie besten, doch der Texte wegen nicht alle der Schule\nzugehörig.\nSehen wir die Schule näher an, so ist sie, wie alle\nZucht, nur Mittel zum Zwecke; denn gleichwie alle Zucht\ndes Gesetzes auf Christus hinleitet, so ist auch die Schule\nbestimmt, die Zöglinge zur Freiheit zu führen, zu der\nFreiheit, welche zugleich Ende und Erfüllung der Schule\nist. Wer daher die Schule zum Selbstzwecke macht\nund somit jene albernen Liedertexte gutheisst, der versteht\nauch 1. Mose 4, 26 falsch, als wäre die erste Predigt\njenem Zeitalter zum Lobe gesagt; sie ist aber vielmehr\nein Zeugniss, dass die Menschen, der ersten Welt immer\nweiter entfremdet, nicht mehr göttlich dachten, sondern an\nGott durch die Schule erinnert werden mussten.\nWie die Schönheit wahrhaft in die Schule eintrete,\ndazu hat Schnorr durch seine biblischen Bilder einen\nguten Weg gezeigt. Diese Bilder ruhen auf heiligem Ge-\nschichtsgrunde und stellen dar, was sie sollen, mit Wahr-\nheit und Schönheit. Neben ihnen wäre wohl eine holz-\nschnittige Vervielfältigung italischer Heiligenbilder erwünscht."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570228-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5057, "texte": "Auch mit hübschen Bücher-Umschlägen mag man suchen,\ndie Kindlein plastisch zu belehren; wären nur die Verse\ndazu immer erquicklich! Selbst die von dem übrigens ge-\nsinnungstüchtigen Dichter Hey sind zuweilen sehr matt\nund unpoetisch. Vielleicht ist's gerathen, die Künste sauber\naus einander zu halten und nicht Wort und Bild allzu sehr\n(wie zu einem didaktischen Commentar) zu verbinden; wir\nstehen sonst nahe an der Allerwelts-Confusion, welche die\nR. Wagner'sche Schule aJs Kunst der Zukunft will\nanerkannt wissen.\nSchülerhaft didaktisch ist auch die Erfindung neuer\nZeit, historische Goncerte zu geben, auf dass der\nGedanke die Schönheit verzehre. Künstlerisch wirksame,\nherzerfreuende Concerte sind solche, in denen entweder\ndie lebende Einheit an sich vorhanden ist, wie in Oratorien,\nOpern, Motetten, Cantaten u. s. w., oder wo eine logische\nEinheit erwirkt ist durch organisches Verhältniss der\nKunstgattungen und Tonarten. Also nicht, wie Franz\nLiszt und leider auch Jenny Lind gethan, hinter einan-\nder 2 3 sonderliche Stücklein von gleichem Munde auf\ngleichem Hackebrett vorgetragen, und das bald mit gleichen,\nbald mit gänzlich disparaten Tonarten, z. B. wenn zwei\nTonsätze, die im Tri t onus gegen einander stehen, wie\nc— fs,unmittelbar einander folgen solche Concert-Pro-\ngramme sind weder logisch noch natürlich, weil das liefe\nNaturgesetz der Polarität (sonst das Zauberwort der\nzeitsinnigen Natur-Geist-Forschung!) verachtet wird; und\ndoch wirkt dieses in der Tonkunst so lieblich zauberisch,\nwie in keiner anderen Kunst, und desto gewaltiger, je mehr\nes unbewusst natürlich angewandt wird.\n. Neben den trockenen Schul-Symbolikern stehen die\ntrockenen Phantasten, die mit mehr Geschick als Natur-\n» 7\ngäbe berücken, um unter dem gleissenden Scheine der Dich-\ntung kernlose Sternschnuppen für Schönheitsbilder zu geben.\nSo Andersen, der nunmehr fast verschollene Däne, mit\nseinen Treibhaus-Märchen voll Schulmoral und Primaner-\nNaivetät. Aber hier, im Gebiete der neuesten Dichtung,\nmöchten wir uns diesmal nicht verlieren, da es schon seit\nPfeffel's Ep igramm und Göthe's Epistel für unendlich\nerkannt ist. Und wollten wir gar die 666 Lyriker unseres\ngesegneten Vaterlandes durchgehen wozu die Arbeit?\nHelfen uns doch eben so viele Kritiker denken; Glück\ngenug, wenn auf jeden Poeten nur ein Kritiker kommt.\nNur den Einzigen dürfen wir nicht vorbei gehen, H.\nHeine, dessen eigentümliche Begabung manchen so ge-\nnannt conservativen Urtheiler dennoch bestochen hat, ihn\ne nen wahren Dichter zu heissen. Sei es, dass einzelne\nJugendgedichte einen neuen Ton anschlügen: die Urlüge\ntrat doch früh hervor dem aufmerksamen Blicke spät\nfreilich erst den geisttreiberischen Schönheits-Anbetern, die\nkaum an der „Wallfahrt nach Kevelaer\" inne wur-\nden, dass diese Phantasmagorie weder katholisch noch evan-\ngelisch, weder christlich noch poetisch, sondern nichts als\neine Etüde war, ein Toiletter.-Uebungsstück gleich ande-\nren Yirtuosenntückchen, ein chinesisches Schattenspiel von\nReminiscenzen ; das Ganze, wie der ganze Heine, eine kern-\nlose Sternschnuppe.\nEs hängt uns Deutschen die Unart an, den Menschen\nimmerfort als ein Gebild der Schule zu betrachten, als wäre\ner nur in der Weif, um zu lernen gegen das Wort des\nApostels. 2. Tim. 3, 7. Aber auch den Gegensatz je-\nner Schulkrankheit hegen wir mehr, als gut ist: die geist-\nlose Schönbildnerei. Das sind die vorhin genannten Ab-\nirrungen : einerseits das Tendenzthum, das um der Schule\nwillen den Dichter preiset oder verdammt; andererseits das\nVirtuosenthum*), das an der leeren Schönheit des Scheines,\ndes Machenkönnens (vergl. Hegel's Aesthelik 3, 218 u.a.)\nsich genügen lässt. Aus dem Zwiespalt beider Krankheiten\nentstehen wunderliche Urtheile, deren Fehlerhaftigkeit oft\nschwer zu beweisen ist, weil wir fast insgesammt an einer\nder beiden Theil haben. Albert Knapp z. B. wird von\nmanchen Treugesinnten als Dichter verehrt, während er\ndoch nur als Sammler und Wiederbeleber ehrenwerth ist;\nzum Dichter dagegen fehlt ihm die schöpferische Gestal-\ntung, die durch rhetorische Breite obendrein verdunkelt\nwird, wo noch ein Kern poetischer Idee vorhanden ist,\nz. B. in dem warm beginnenden Liede: „Einer ist's, an\ndem wir hangen.\" Wilhelm Jordan dagegen ist,\nweil er 1848 ins liberale Horn sticss, bei vielen Urtheils-\nlähigen in Verruf gekommen; und doch: welche herrliche\nGestaltungskraft, welche Bild- und Seelen-Schönheit ist in\ndem kürzlich erschienenen „Demiurgos\", wo die Fortfüh-\nrung und Lösung der Faust-Fragen, gleichwie in Immer-\nraann's „Merlin\" versucht ist, glücklicher und reicher als\nbei allen Nachfolgern Gölhe's, wenn auch nicht gänzlich\nerfüllend. Wie aber in dem tiefsinnigen Erilis sicut Dem\nder poetische Gehalt und der sittliche Kern in vollem Gleich-\ngewichte stehen, so dass Eines das Andere wesentlich her-\nvorbringt und durchdringt, das wird immer mehr offenbar,\ntrotz einzelner Widerbeller, die sich getroffen fühlen.\n\n*) Dessen äusserste Entartung die heutige Claviererei zeigt in\ndem subjectiven (act- und rhythmuslosen, so genannt aus-\ndrucksvollen Spiel."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "67", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570228-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4968, "texte": "Zur höchsten Ehre deutscher Dichtung sei es gescgt:\nUnsere geliebtesten Dichter halten fest an dem Bekennt-\nnisse, dass aller Dichtung Beruf sei, Wahrheit zu ver-\nkünden, nicht Schein. An dem Bekenntnisse der\nSchein Wahrheit kranken sonst viele seihst grosse Dichter;\nShakespeare sogar, der den Theseus im Sommernachts-\ntraum sagen lässt (Act 5, Scene 1):-\nthe poels eye, in a fin\n(des Dichters Aug' in schönem Wahnsinn rollend)\nund:\nihe poets pen gives to airy nothing\na local habitalion and a name\n(des Dichters Feder gibt dem luftigen Nichts Woh-\nnung und Namen auf Erden),\nbekennt hiermit, dass die Dichtung nicht ihrem Wesen nach\nWahrheit sei. Doch mag dies als Ausschweifung, als Muth-\nwille gelten, da seine historischen Schauspiele durchaus auf\nWahrheit ruhen und zielen. Dagegen das offene Bekennt-\nniss, in aller Dichtung nur der Wahrheit zu\ndienen, ist eine Gabe, der wir uns an unseren Dichtern\nerfreuen. Wolfram und Walter thun das mit Bewusstsein\nchristliches Bekenntnisses. Göthe's Zueignung, Schiller's\nKünstler und Reich der Schatten (Ideal und Leben) spre-\nchen dasselbe Bekenntniss nicht auf kirchlichem, aber auf\nmenschlichem Grunde ruhend. Wenn es heissl: „Der Dich-\ntung Schleier aus der Hand der Wahrheit\"—oder: „Nur\ndurch das Morgenlhor des Schönen gelangst du zur\nWahrheit\" und: „Die himmlische Schönheit —Venus\nUrania ist im tiefsten Grunde nur leiblebende Wahrheit\"\nso sind das theure Zeugnisse, aul'schliessende Worte,\ndie mindestens allen denjenigen sittlichen Fragen und For-\nderungen vollkommen genügen, welche einst Alb. Knapp\nin der berühmten Controvers-Predigt gegen Göthe (Christo-\nterpe, 1833) mit schiefer Rhetorik aufstellte, Vilmar (in\nder Literatur-Geschichte) ohne Bedekunst genügend lös'te.\nAn Göthe insbesondere erscheint, was aller Orten im-\nmer selten gewesen und vielleicht nur von Sophokles über-\ntroffen ist: die innige Einheit von Wahrheit und\nSchönheit; daher denn die keusche Enthaltsamkeit von\nGleichnissen, der Mangel an aller (überflüssigen) Symbolik.\nGöthe würde sich schwer dazu herbei gelassen haben, die\nLiebe der Nachtigall zur Purpurrose zu besingen. „Eben\nso gut könnte sich das Ofenloch in die Ivellerthür verlie-\nben, der Bratapfel in die Fledermaus, als jene verliebten\nCreaturen nach dem orientalischen Geschmacke\" so\nsprach kürzlich ein Unbefangener, dem zum ersten Male\nkundward, was in Daumer's, des Molochiten, Schule\nPoesie genannt wird. So ist auch Fr eil igrath's schönes\nTalent der frischen Bildkraft in Unwahrheit zergangen, seit-\ndem er „Der Blumen Bache\" gesungen.\nRes severa est verum gaudiuwahre Lust ist ernst,\nwahrer Ernst ist Seelenlust. Nicht die Subjectivität an\nsich ist Sünde, nicht die Objectivität an sich ist Seligkeit;\naber die Differenz von Subject und Object ist der leere\nRaum, wo die Quelle der Sünde entspringt, wo sich das\nHerz sonderliche Bildnisse imaginirt von überlebendigen\nDingen, die nicht in der Wahrheit bestehen, und wo die\no '\nstehende, ewig klare Wahrheit nicht warme Herzen findet,\nsie zu empfangen. Dieser Zwiespalt ist Sünde. Rom. 14, 23.\nWie aber unsere Zeit in s ittlieh e Aufgaben auf Le-\nben und Tod verhaftet, eben desshalb nicht kunstschö-\npferisch sei, das ist oft behauptet, oft widerlegt worden.\nWir stimmen bei, die reine Neuschöpfung für heute fraglich,\nungewiss, zweifelhaft zu erkennen. Das bezeugt sich in dem\nMangel allgemein anerkannter Künstler und tieflebendiger\nKunstwirkungen, wie aus der Ueberwucht kritischer, histo-\nrischer, naturforschender Thäligkeit. Aehnliche Zeiten-\nschwünge sind bezeugt in früheren Zeiträumen, wo auf ge-\nwaltige Produclionskraft ein anderes Geschlecht zu folgen\npflegte voll sittlicher Sammlung. Unsere Erziehungs-Expe-\nrimenle, unsere Armennoth, unsere politischen und socialen\nFragen haben nun einmal des Volkes Herz gefangen und\nbrausen auf allen Strassen daher mit der Hast des Feuer-\nrosses. So sind wir Sammelnde, Suchende, nicht Gestal-\ntende. Dennoch können wir ruhen in den Armen der Schön-\nheit, wenn auch neuschaffende Kraft versagt ist. Schöpferi-\nsche Zeiten können wiederkehren, wenn die heutige Zeit-\narbeit gethan ist. Zwei Leidenschaften zugleich\n(d. h. urkräftige, zeugungskräftige Grundstimmungen ver-\nschiedenen Inhalts), sagt Napoleon schon zu Göthe's Wer-\nlher, sind unmöglich. Das gilt vom Einzelnen, wie\nvon Volk und Zeitalter.\nDer Inhalt der Kunst ist das Seiende, nicht das Werdende.\nDarum kann es eine Kunst der Vergangenheit und Gegen-\nwart geben, nie eine der Zukunft, obwohl dieses die\nberlin-leipziger Hegelei durch Marx, Wagner und Brendel\nmit grosser Dreistigkeit versichert. Zukünftiges, Werden-\ndes gehört der Sitte, dem Gedanken der Geschichte, Philoso-\nphie und Prophetie an. Also freuen wir uns des Vorhandenen\nund warten ahnungsvoll der Zukunft; geniessen wir, was\nGenusses werth ist, suchen wir es gründlich zu kennen und\nzu lieben; neue Bahnen suche der Denker; die er-\nrungenen wird der Dichter betreten und neue Schönheit\nbilden, die unseren Enkeln leuchte.\n\nA. E. K."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-02-28-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-02-28_01#c003", "volume": "bmtnabi_1857-02-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "68", "page_fin": "69", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570228-01.2.3", "titre_corps": "Für Pianoforte.", "titre_sommaire": "Für Pianoforte.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570228-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2730, "texte": "Für Pianoforte.\nTonbilder für das Pianofort e\" von Karl von\nBruyk. 4. Werk. Heft I. und 11. Verlag von\nPietro Mechetti sei. Witwe in Wien. a 2 Fl. C.-M.\nEs ist ein Rem in diesen Sachen. Tritt der Compo-\nnist auch noch nicht ganz selbstständig auf, vermisst man\nin diesen Stücken auch noch, was man „Stil\" nennt, so\nist er doch weit entfernt von nichtssagendem Salon-Ge-\nschwätz und jener Klopffechterei unserer modernen Clavier-\nNothzüchtiger, die mit aufgeblasenen Backen aufgeputztes\nFlitterwerk mit grosser Ostentation auftischen, während\nihre Armuth an musicalischen Gedanken überall durchschim-\nmert. Exempla sunt odiosa. Was unserem Componisten zu\nwünschen wäre, ist weniger Breite, also Gedrungenheit im\nmusicalischen Ausdrucke, eine cfaviergemässe Schreibweise\n(viele Stellen sind orchestermässig gedacht) und dass er\nnicht zu Ungleichartiges in Hinsicht auf Inhalt und Aus-\nführbarkeit neben einander stellt. Uebrigens haben wir es\nmit einem Op. 4 zu thun, und das zweite Heft zeigt schon\neinen Fortschritt.\nIm ersten Hefte geben wir dem Trio des Marsches\nNr. 1 und den beiden Scherzi Nr. und Nr. 4 den\nVorzug. Das Haupt-Motiv des Frühlings-Marsches:\nMendelssohn's Schluss der Ouvertüre zum Sommernachts-\ntraum :\nerkennt man sofort als eine Reminiscenz. Dagegen ist das\nIrio allerliebst. Den ganz unverändert gebliebenen Haupt-\nsatz wiederholt abdrucken zu lassen, wie öfter geschieht,\nist eigentlich Papier-Verschwendung. Unsere lieben Alten\nhatten dafür ihr praktisches D oder\nDas „Album-Blatt\", Nr. 3, bietet auf fünf Seiten\nnichts besonders Hervorstechendes. Stellen wie:\nsind wenig claviermässig und nichts weniger als neu. In\nNr. 5 und 6 („Trotz und Beruhigung\") sind die Con-\ntraste nicht scharf genug gezeichnet, so dass man zuletzt\nnicht beruhigt wird. Schluss:\nIm zweiten Hefte treten die Humoreske (Nr. 7)\nund das Scherzo (Nr. 9) mit seinem einfachen, aber sehr\nansprechenden, weil gefühlten Trio recht männlich und\nkernig auf, während Nr. 10 („Im Cypressenhain\") eine\nechte Liebesklage ist mit fast überschwänglicher Zärtlich-\nkeit: etwas für die Jugend voll „Hangens und Bangens in\nschwebender Pein\".\nIn Nr. 8 (Album-Blatt) befindet sich im zweiten Inter-\nmezzo folgendes Motiv:\nDieses Motiv und „Zweites Intermezzo\" erinnern sofort an\nKob. Schumann. Und nun der Schluss:\nWer dächte da nicht an den Schluss einer gewissen Eg-\nmont-Ouverture?\nDas längste Stück der ganzen Sammlung ist Nr. 11,\nBallade, das auch an zu grosser Breite leidet. Die Be-\nhandlung des Claviers ist wieder eine überwiegend orche-\nstrale und bietet in der Vereinigung von 6/8- und %-Tact\nnoch ganz besondere Schwierigkeiten. An Contrasten fehlt\nes dem Stücke nicht, nur bringt die Wiederholung des\nzweiten Haupt-Motivs im Marsch-Tempo:"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "69", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570228-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3797, "texte": "das drei mal Note für Note wiederkehrt und an und für\nsich nicht an Neuheit leidet, zuletzt doch fast des Guten\nzu viel. Dennoch würde es wegen seiner Vollgriffigkeit im\nhellen C-dur einen passenderen Schluss gebildet haben,\nals das Genrebildchen Nr. 1 2, das, wenig beruhigend, viel-\nmehr leidenschaftlich erregt, in abschliesst.\nDer Componist möge aus diesen Notizen erkennen,\ndass wir seine Stücke mit Vorliebe durchgesehen haben.\nWir wünschen, ihm oft wieder zu begegnen; er strebe\nnur, immer mehr und mehr auf eigenen Füssen stehen zu\nlernen. An seiner musicalischen Gesinnung ist nichts aus-\nzusetzen, und das ist heutzutage eine sehr erfreuliche Er-\nscheinung. tii\nDas Pianoforte. Sammlung von Original-Compo-\nsitionen u.s.w., unter Redaction von Dr. Franz\nLiszt I. Heft. Stuttgart, Druck und Verlag von\nEd. Hallberger.\nDas erste Heft der neuen Hallberger'schen Unterneh-\nmung liegt uns vor. Es enthält: 1. Franz Liszt's „Fest-\nvorspiel Prelude.\"Einige und sechszig Tacte\nmaestoso, in denen das Motiv:\nfortwährend mit ganz unbedeutender Abweichung im\nBass sempre marcatissimo e pommit dazwischen ange-\nschlagenen vollen Achtel-Accorden in den höheren Octaven,\nwiederholt wird, wobei keine Spur von Verarbeitung des\nThema's vorhanden ist, nennt Liszt ein Präludium! Wie\ndoch die Zeiten sich ändern! Wenn Bach, Clementi, Mo-\nzart, Hummel präludirten, so gaben sie musicalische Gedan-\nken: jetzt gibt man Klänge und Griffe. Doch ist ja dies\nnur ein Vorspiel, das Fest kommt wahrscheinlich erst hin-\nterher. Den gewaltigen Bass eines Erard'schen Flügels und\ndie Kraft der Faustfertigkeit des Spielers zu zeigen, dazu\nist dieses Festvorspiel trefflich geeignet. W er Freude daran\nhat, den Lärm des Pedalflügels bis zur Orchesterwucht zu\nsteigern, der wird am Schlüsse ausrufen: „Wie haben\nwir's doch so herrlich weit gebracht!\"—Uebrigens ist das\nStück immer noch das beste in diesem Hefte.\nDie zweite Blüthe an dem neuen Stamme ist ein\n„Phantasiestück\" von Alexander Dreyschock,\nOp. 113, Andante con moto in C-dur, V 4. Die französi-\nsche Ueberschrift: „Morceau deutet den Inhalt\nrichtig an; es ist hier kejneswegs Yon dichterischer Phan-\ntasie die Rede, sondern nur von einem sehr gewöhnlichen\nSalon-Motiv:\nwelches mit modern clavieristischem Beiwerk, wie das von\neinem Virtuosen nicht anders zu erwarten steht, zu einem\nfünf Seiten langen Amüsement ausgesponnen wird.\nZum Dritten gibt uns Louis Köhler eine kleine\nProbe von „Melodieen-Dialogen\", als Op. 34,\nNr. 1, bezeichnet; er droht also mit mehreren. Sie sollen\nuns willkommen sein, wenn sie mehr sagen, als dieser\nerste, bei welchem die jungen Herzen vielleicht noch zu\nscheu sind, etwas Neues oder gar Bedeutendes zu äussern.\nEs ist übrigens mit dem musicalischen Dialog nicht weit\nher, indem der Tenor ein paar Mal nur die zwei ersten\nTacte des Soprans imitirt und dann auf der zweiten Seite\n(im Ganzen nur 40 Tacte), zum Basso gereift, die ganze\nMelodie wiederholt. Von canonischer Verflechtung ist nicht\ndie Rede. Die tirilirenden Zwischenspiele sind doch selbst\nfür die triviale Haupt-Melodie noch zu ordinär. Herr\nKöhler gehört (beiläufig gesagt) zu denen, die aus Vater-\nlandsliebe deutsche Bezeichnungen gebrauchen, also hier\n„Sanft bewegt\" wahrscheinlich für Andante, „Immer mehr\nverschwindend\" u. s. w. und dabei wirft er doch den\nehrlichen Ludwig über Bord und nennt sich Louis!!\nWir sind vielleicht in der Beurtheilung dieses ersten\nHeltes etwas streng gewesen; allein wir halten es für\nPflicht, bei einem Unternehmen, das so grosse Verbreitung\ngefunden hat, die Redaction (wenn sie wirklich mehr als\nden Namen dazu hergibt) und die Verlagshandlung daraul\naufmerksam zu machen, dass es gerade die Aufgabe des\n„Pianoforte\" sein sollte, dem wüsten und gehaltlosen\nCiaviertreiben entgegen zu treten, nicht aber es zu be-\nfördern."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-02-28-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-02-28_01#c013", "volume": "bmtnabi_1857-02-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "70", "page_fin": "70", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570228-01.2.4", "titre_corps": "Aus Frankfurt am Main.", "titre_sommaire": "Aus Frankfurt am Main.", "signature_source": "r", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "70", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570228-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3298, "texte": "Aus Frankfurt am Main.\n-r.\n[Concert des Cäci 1 ien-Vereins Die H-moll-Messe\nvon J. S. Bach.]\nIm Februar 1857.\nNachdem in früheren Jahren unter der Leitung des\nunvergesslichen Schelble die grössere Hälfte dieses höch-\nsten Werkes des Kirchenstils zu verschiedenen Malen in\nConcerten und beim Gottesdienste aufgeführt worden war,\nstellte der Verein unter Franz Messer's, des jetzigen\nDirectors, ausgezeichneter Leitung als vornehmste Aufgabe\nseiner diesjährigen Winterübungen auf, das kolossale Werk\nvollständig sich zum Eigenthum zu machen. Nach vielen\nsorgfältigen Proben, in denen sich Lust und Eifer mit dem\nVerständnisse steigerte bis zu wahrer Begeisterung, konnte\nam 28. November v. J. die Aufführung Statt finden. Der\nEindruck war auf Zuhörer und Aufführende ein wahrhaft\nüberwältigender, und selbst die, welche nicht die wunder-\nbare Architektonik der einzelnen Theile überschauen konn-\n• 4 *\nten, fühlten sich doch aufs tiefste bewegt von der Geniali-\ntät und Gemüthstiefe dieses wahrhaft frommen Dombau-\nmeisters und erkannten in seiner Tonschöpfung den Triumph\nreligiöser Kunst. Schon am 16. Januar d. J. folgte die\nzweite Aufführung vor einem dichtgedrängten, andächtig\nlauschenden Auditorium. Diese Wiederholung darf man\nnach dem lauten Bekenntnisse der einheimischen und frem-\nden Musiker, die zahlreich gekommen waren, als eine in\nhohem Grade vollendete bezeichnen. Es war ein Gottes-\n' ■ /.\ndienst voll religiöser Weihe, die in der lautlos andächtigen\nStille der Zuhörer ihre Vollendung fand. Präcision und\nKlarheit der Figuren, Reinheit und Fülle des Tones, eine\nvortreffliche Rhythmik und Dynamik, Gediegenheit und\nPracht der Klangfarbe: Alles vereinigte sich, um dem Mei-\nsterwerke auch die Meisterschaft in der Ausführung zu ver-\nleihen. Der Verein hat durch diese Aufführung ein Werk\ngewonnen, aus dem neben der jährlich aufzuführenden\nMatthäus-Passion für die Dauer die edelste musicaiische\nBildung geschöpft werden wird. Ehre dem Director, der\nso Gewaltiges zu Stande gebracht hat!\nZu dem, was Herr Capellmeister Rietz in seinem hi-\nstorischen Vorworte der in diesen Tagen erschienenen Par-\ntitur-Ausgabe der H-moll-Messe gesagt hat, möchten wir\nFolgendes bemerken. Dass Seb. Bach ursprünglich nur das\nKyrie und Gloria als Ganzes componirt hat, lässt uns mit\nGewissheit schliessen, er habe es für seine Thomaner zur\nAufführung in der protestantischen Kirche bestimmt, in\nder, wie noch heutzutage, durch den Geistlichen vor der\nPredigt das Kyrie eleison und das Gloria in eoscelsis Deo\nvom Altare gesprochen und sodann nach jedem im Chor\ngesungen wird. Auf jeden Fall ist dies nicht, wie Rietz\nmeint, eine Missa brevis;denn eine solche enthält alle\nTheile der Messe, nur in kürzerem Maassstabe. Als später\n(1736) Bach zum Hof-Compositeur ernannt wurde, mag\ner, um lür den katholischen Hof eine Arbeit zu liefern,\ndie übrigen Theile hinzugefügt haben, wolür auch das alte\nThema im Credo spricht, das man überall in den katholi-\nschen Kirchen noch hören kann. Es möchte sich daraus\nauch erklären, warum er mehrere Theile im Wesentlichen\naus früheren Werken entlehnte und sogar im das\nGratias wiederholte. Uebrigens hat dies dem Werke in sei-\nner Einheit nicht geschadet, da der Charakter der verschie-\ndenen Theile doch durch Worte und Handlung als ein\nfeststehender bedingt ist."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-02-28-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-02-28_01#c014", "volume": "bmtnabi_1857-02-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "70", "page_fin": "71", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570228-01.2.5", "titre_corps": "Aus Lüttich.", "titre_sommaire": "Aus Lüttich.", "signature_source": "G. F", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "70", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570228-01.1.6", "debut_caractere": 3300, "fin_caractere_exclue": 4910, "texte": "Aus Lüttich.\n\nDen 15. Februar 1857.\nEs ist nicht leicht, die Menge zu erziehen, zu beleh-\nren, zu bilden; vollends aber sie zum Cullus des wahren\nSchönen zu bekehren, das ist eine missliche, mühsame und\ngefährliche Aufgabe. Die leichtfertigen und gleichgültigen\nGemüther, welche fast überall die Majorität bilden, lassen\nnicht leicht von dem, was sie „Vergnügen\" zu nennen be-\nlieben. Werke der Kunst, die gewissenhaft und andächtig\nbetrachtet oder angehört, die studirt oder wenigstens mit\nNachdenken und anstrengender Aufmerksamkeit verfolgt\nwerden müssen, sind ihnen Räthsel; sie behaupten, sie wol-\nlen sich vergnügen und ergötzen, aber vor allen Dingen\nohne Ernst und ohne Kopfbrechen. Vollends bei der Musik!\nZwischen einer Sinfonie von Beethoven und einer Potpourri-\nOuverture von Adam wird ein grosser Theil des Publicums\neben so wenig über den Vorzug schwanken, als zwischen\neinem Lustspiele von Moliere und einem Vaudeville von\nScribe. Was sollen Compositionen, worin Gedanken, Lei-\ndenschaft, alles, was des Menschen Herz bewegt, ausge-\nprägt sind, da wir ja eine Masse von fertigen Leierkasten-\nMelodieen haben, bei denen man hüpfen und springen kann?\nDas zu ändern, besonders hier bei uns zu ändern, wo\ndas französische Element vorwaltet, dazu gehört mehr als\nEin Tag; eine Revolution im Kunstgeschmacke ist schwe-\nrer zu machen, als eine politische. An jener muss die ganze\nClasse der Gebildeten Theil nehmen, diese bewirken oft\neinige Schreier und einige Verschwörer. Trotz alledem hat\nunsere Concert-Gesellschaft (Socielc des Concerts du\nConservaloire) den Muth gehabt, es zu wagen, die Gleich-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570228-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2948, "texte": "Gültigkeit und Leichtfertigkeit des Publicums in Sachen der\nKunst zu bekämpfen, die Grundsätze, welche die Concert-\nDirectionen in Deutschland und namentlich bei Ihnen in\nKöln leiten, anzunehmen, nur ernste, gediegene Musik auf\ndas Programm zu bringen und vor Allen Ihre grossen deut-\nt\nsehen Meister dem Publicum vorzuführen.\nSo brachte uns denn das erste Concert (Ende Januar)\ndie Sinfonie „Jupiter\" von M oz a r t, das V i o I i n - Co n-\ncert von Beethoven und den ersten Theil der „Schö-\npfung\" von Haydn. Was sagen Sie dazu? Sie werden\ngestehen, dass wir nicht mit Kleinem beginnen. Wahrhaf-\ntig! man könnte mit dem Texte der „Schöpfung\" sagen:\n„Und eine neue Welt ging uns auf!\" Was aber die Auf-\nnahme beim Publicum betrifft, so werden Sie Sich vielleicht\nnoch mehr wundern, wenn ich Ihnen sage, dass von den\nvorgeführten drei Werken das Concert von Beethoven den\ngrössten Erfolg hatte. Allerdings wurde es von allen am\nbesten ausgeführt, und das trägt bei uns Belgiern, denen,\nwie den Parisern, die Ausführung auch am höchsten steht,\ngar viel zum Ei folge bei. In der Sinfonie von Mozart halte\ndas Orchester gute Momente; allein es war nicht frei von\nSchwankungen, und die Feinheit der Schattirung wurde oft\nvermisst. Die Aulführung des ersten Theiles der Schöpfung\nkonnte vollends nicht befriedigen, und es war der unsterb-\nlichen Schönheit des Werkes allein überlassen, einiger\nMaassen durchzudringen. Aber das Violin-Concert wurde\nvortrefflich accompagnirt.\nUeber das Werk selbst drückt sich ein hiesiger Be-\nrichterstatter im Feuilleton der folgender Maassen\naus: „Dasjenige von den drei Werken, welches den gröss-\nten Eindruck gemacht hat, ist jene eigentliche Sinfonie, die\nBeethoven ein Violin-Concert genannt hat. Dieses herrliche\nWerk hat das Publicum eleclrisirt, und man wusste nicht,\nwelchen Satz desselben man am meisten bewundern sollte.\nNach unserem Sinne ist das Andante der vorzüglichste; die\nkeusche Schönheit, die zarte Lieblichkeit und durchsichtige\nKlarheit können wohl keinen besseren Ausdruck finden, als\nin diesem Satze. Herr Jacques Dupuis hat das Concert\nmit einem unbestrittenen glänzenden Erfolge vorgetragen;\ner hat uns auf die überzeugendste Weise die grosse Kluft\nfühlbar gemacht, welche zwischen einem Künstler und einem\nVirtuosen liegt. Er hat die grosse Aufgabe, die er sich ge-\nstellt, sehr wohl begriffen, er hat uns nicht bloss die glän-\nzenden Stellen genau und technisch vollendet wiedergege-\nben, sondern vor Allem den Geist, und Charakter des gan-\nzen von erhabenen Gedanken erfüllten Kunstwerkes in sei-\nnen Tönen dargestellt. In den zwei eingelegten grossen\nCadenzen, von denen wir in Bezug auf die musicalische\nArbeit die erstere vorziehen, zeigte sich Herr Dupuis als\nComponist und Virtuose auf gleich tüchtige Weise. Der\nausserordentliche Beifall, den er ärntete, war der Beweis\neines wahrhaften Sieges, den Beethoven durch den begei-\nsterten Vortrag seines Dolmetschers errungen hatte.\n\nG. F."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-02-28-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-02-28_01#c015", "volume": "bmtnabi_1857-02-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "71", "page_fin": "72", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570228-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570228-01.1.7", "debut_caractere": 2950, "fin_caractere_exclue": 5826, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nDr. 11. Marschner hat seinen hiesigen Freunden\neinen Besuch gemacht und weilt seit acht Tagen rpit seiner Gattin\nunter uns. Die Anwesenheit des gefeierten Kiinstlerpaares hat uns\nherrliche Kunstgenüsse nicht bloss in Privatcirkeln, sondern auch\nim Theater verschafft. Am Montag den 23. d. Mts. trat Frau\nMarsch ner-Jan da als Fides in Meyerbeer's „Prophet\" auf und\nentzückte das vollbesetzte Haus durch die vortreffliche Darstellung\ndieser Rolle. Ihre umfangreiche Stimme, welche in dem tiefen\nBrust-Register zu jenen seltenen Begabungen gehört, die uns mit\nden blossen Tönen allein schon das innerste Herz bewegen, ent-\nfaltete sich in dieser schwierigen Partie auf glänzende Weise, zu-\nmal da die Künstlerin trotz der schweren Klangfülle ihres Organs\ndoch auch eine merkwürdige Biegsamkeit und technische Fertigkeit\nbewährte. Dabei trat der Natur und Kunst des Gesanges ein Spiel\nzur Seite, welches eine ideale Auffassung bekundete und im Aus-\ndruck der Wechsel der Gefühle und der Leidenschaft durch das\nüberall beobachtete Maasshalten auf echt künstlerische Weise dra-\nmatische Wahrheit vor Augen stellte. Die Künstlerin wurde wie-\nderholt gerufen.\nAm 25. d. Mts. wurde Hans Ileiling gegeben, und zwar\nhatte Marschner mit der dankenswertesten Bereitwilligkeit die\nDirection selbst übernommen. So hörten wir denn das herrliche\nWerk, das mit Weber's Freischütz den Stolz der deutschen Oper\nbildet, in einer so gelungenen Aufführung, wie es die Kräfte der\nhiesigen Bühne nur gestatten. Marschner wurde durch ein jubeln-\ndes Hoch, das mit Trompeten und Pauken in dem überfüllten\nHause erschallte, empfangen, am Schlüsse hervorgerufen und ihm\nvom Regisseur Herrn Weiss, der den Heiling trefflich gegeben\nhatte, unter allgemeinem Applaus ein Lorberkranz überreicht. Den\nganzen Abend war das Publicum in einer begeisterten Stimmung.\nUeber 400 Personen mussten mit ihren Billetforderungen zurück-\ngewiesen werden Der nächste Sonntag wird uns eine Wiederho-\nlung des prachtvollen Werkes bringen. Frau Marschner hatte\ndie Kleine Rolle der Gertrud übernommen; auch die übrigen Par-\ntieen (Anna - Frau Mampe-Babnigg, Königin —Fräul. Mül-\nler, Leibschütz Herr Prelinger u. s. w.) waren gut besetzt.\nDer Chor bestrebte sich wacker, um es dem Meister am Dirigen-\ntenpulte recht zu machen.\nStettita. „Iliob\", Oratorium nach der heiligen Schrift, gedich-\ntet von W. Tclschow, componirt von Dr. Loewe. Unter den\nmodernen Oratorien-Componisten ist Herr Karl Loewe wohl einer\nder fruchtbarsten. Im Winter hatten wir Gelegenheit, sein „Hohes\nLied Salomonis\", das von der glühendsten orientalischen Liebes-\nPoesie, der ein Schatten schwermüthiger Mystik nicht übel stand,\ndurchweht war, zu hören. Am Dinstag den 10. d. Mts. führte uns\nder Componist sein 1848 geschriebenes Oratorium „Hiob\" vor, das\nbereits 1849 in Stettin und im vergangenen Winter in Berlin mit"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570228-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1706, "texte": "Allseitiger Anerkennung aufgeführt worden ist. Der Hiob beginnt\nund schliesst mit einer Fuge, die den Chor und Commentar des\nganzen gewaltigen Inhalts bildet. Die Ouvertüre, die nach der Ein-\nleitung unter Nr. 4 folgt, eröffnet mit kurzen, grandiosen Zügen\neine reiche Perspective auf das beginnende Drama. Die grosse\nScene des Originals, die so kühn gedacht ist, wie keine zweite im\nganzen Gebiete heiliger und profaner Poesie, die Unterredung im\nHimmel zwischen Gott und Satan, hat der Componist in ihrem in-\nnersten dramatischen Nerv zu erfassen gewusst und mit macht-\nvollen Klängen dem Zuhörer vorgeführt. An Gewalt und Erhaben-\nheit des Ausdrucks kommt dieser Stelle im Oratorium nur noch\ndas Wort Jehovah's zu Hiob und seinen Freunden im Gewitter\ngleich. (Echo.)\nStuttgart, 28. Januar. Das gestrige Abonnements-Concert\nder Hof-Capelle hat uns Händel's „Israel in Aegypten\" gebracht.\nDa die Ausführung der doppelten Chöre wegen bedeutende Mas-\nsen fordert, hatte sich der Faisst'sche „Verein für classische Kir-\nchenmusik\" den Kräften der Hof-Opernbühne angeschlossen. Die\nWirkung war gewaltig und ergreifend. Das dichtgefüllte Haus be-\nwies abermals, wie zahlreich dasjenige Publicum ist, welches solche\nMusik zu würdigen weiss.\nUTew-York, 31. Januar. Ole Bull, der drei Monate lang\nin einer kleinen Stadt in Illinois am Fieber krank gelegen, war\nkaum hier angekommen, als er von einem Gläubiger verhaftet\nwurde. Die Sache hängt mit der verunglückten Opern-Speculation\nzusammen, bei der Ole Bull nicht der Betrüger, sondern der Be-\ntrogene war. Ole Bull will dieses „freie Land\", wo er, wie er sagt,\nAlles, Gesundheit, Geld und guten Namen verloren hat, verlassen,\num nach Norwegen zurück zu kehren."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-02-28-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-02-28_01#c016", "volume": "bmtnabi_1857-02-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "72", "page_fin": "72", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570228-01.2.7", "titre_corps": "Deutsche Tonhalle.", "titre_sommaire": "Deutsche Tonhalle.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570228-01.1.8", "debut_caractere": 1708, "fin_caractere_exclue": 4147, "texte": "Deutsche Tonhalle.\nV. Uebersieht. 1856.\nSeit wir die jüngste l'ebersicht der Tonhalle (1855) ausgegeben,\nist eine weitere Anzahl Künstler, Musikfreunde und kunsisinniger\nFrauen zusammen 63 diesem Vereine zur Förderung der\nTonkunst als Mitglieder beigetreten, und so hat sich die Gesammt-\nzahl derselben auf 470 erhöht.\nIm verflossenen fünften Vereinsjahre (1856) wurde das VIII.\nund IX. Preis-Ausschreiben der Tonhalle erledigt.\nJenes, ein Männergesang: „Gott, Vaterland, Liebe\", durch die\ndem Werke des Herrn Musik-Directors L. Liebe in Strassburg\neinstimmig ertheilte Belobung der drei Herren Preisrichter; das\nneunte: „Schillerfest-Gesang\", tür gemischten Chor und Soli mit\nHarmonie-Begleitung dadurch, dass von den sieben vorgelegenen\nBewerbungen der des Herrn Magistrats-Secretärs Becker in\nWürzburg der Preis zuerkannt worden ist.\nGleichzeitig wurden der Preis von 250 Gulden für Musik zur\nTragödie „Die Jungfrau von Orleans\" von Schiller* und - der von\n200 Gulden tür den Text zu einer Operette in Einem Aufzuge\nausgesetzt. . /\nDie im October, beziehungsweise December 1856 nach den Be-\nstimmungen in den bezüglichen Ausschreiben eingekommenen 22\nund 39 Bewerbungen um diese Preise liegen dermal unter Beur-\nteilung der satzungsmässig erwählten je drei Herren Preisrichter.\nMöchten Künstler und Musikfreunde, wie auch musicalische\nVereine, welche von der Tonhalle noch keine Kenntniss erhalten\nhaben, nicht unterlassen, der hiermit an sie gestellten Einladung\nzur gefälligen Theilnahme kunstförderlich entsprechen zu wollen*).\nStand der Tonhalle-Casse am Ende ihres fünften\nJahres (1856).\nEinnahme:\n1) Aus voriger Rechnung 349 Gld. 44 Kr,\n2) Eintrittsgeld .......... 31 „ 30 „\n3) Beiträge der Mitglieder 211 ~ 34 „\n4) Mehrbeiträge und besondere Geschenke . . 223 „ 9 „\n5) Verschiedenes 3 „ 52 „\nZusammen . . 819 Gld. 49 Kr.\nAusgabe:\n1) Für Schreibbedürfnisse 15 Gld. 5 Kr.\n2) Druck- und Schreibkosten 55 „ 26 „\n3) Post- und Sendgebühren 51 „ 45 „\n4) Für Preise verwendet 100 „ „\n5) Bedienung und Verschiedenes 27 „ 32 „\nZusammen . . 249 Gld. 48 Kr.\nVorrath am Ende December 1856: . . 570 „ 1 „\n(worauf 2 Preise, 450 Gld., haften).\n819 Gld. 49 Kr.\nMannheim, Januar 1857.\nDer Vorstand:\nDr. Barazetti. L. A. Bassermann.\nDr. Bensinger. K. F. He ekel. A. Schüssler.\n*) Eintritt \\ Thlr. und jährlicher Beitrag ebenfalls nur 35 Kr.\nJede höhere Beihülfe, auch Beiträge auf mehrere Jahre vor-\naus, wird der Verein dankbarlichst bescheinigen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "65", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570228-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie Bedeutung der schönen Kunst. 111. Von A. E. K. Beurth eilungen: Karl von Bruyk, lonbilder lür das\nPianoforle, Op. 4, Heft 1 und 2. Das Pianoforte, redigirt von F. Liszt, herausgegeben von E. Hallberger. Heft I. Aus Frankfurt\nam Main (Bach's H-moll-Messe). Von —r. Aus Lüttich (Concert-Gesellschaft, J. Dupuis). Von G. F. Tages- und Unterhal-\ntungsblatt (Köln, H. Marschner und Frau, Prophet, Hans Heiling Stettin Stuttgart New-lork). Deutsche lonhalle.\n\nDie Bedeutung der schönen Kunst.\n\nIII.\n(S. Nr. 8 und 9.)\nMehr noch als die Waltenden im eigentlichen Sinne\nhaben die Lehrer und Gelehrten die Pflicht, hier zur ge-\nsunden Vernunft zu leiten. Eichendorff's Forschungen\nüber den modernen Roman geben erkannte Thatsachen\ngeschichtliches Erlebnisses, Winterfeid's Darstellungen\nevangelischer und römisch-katholischer Tonkunst haben\nauch in diesem Gebiete heilige Schönheit eröffnet voll neuer\nFruchtkeime des kirchlichen Lebens. Nicht so glücklich ist\nGünther gewesen; er hat in einer ungeheuer gelehrten\nAbhandlung Schiller's Glocke zu einem christlichen\nGedichte zu stempeln versucht, während es jedem offe-\nnen Sinne klar ist, dass jenes schöne Gedicht zwar, wie\ndas ganze neudeutsche Leben, auf christlichem Grunde\nruhet, aber nirgends positives biblisches Christenthum ver-\ntritt. Günther's Büchlein hätte viel Unheil gestiftet, wenn\nes nicht so bald verschollen wäre, da es den Gegnern wi-\ndersinnig, den Gläubigen höchst absonderlich vorkam.\nAuch Schiller's Götter Griechenlands haben Züge der Sehn-\nsucht und tiefer Liebe, dergleichen bei ausserchristlichen\nVölkern unmöglich sind; wer wollte sie aber desshalb ein\nchristliches Gedicht nennen?\nAuch die Lehrer im engeren Sinne, die Schulmeister\nund was ihnen verwandt ist, unterliegen öfter, als Wahr-\nheit und Schönheit erlauben, dem falschen Asketismus.\nHaben wir nicht Schullieder-Sammlungen leider in\ngrosser Zahl, wo die ursprünglichen Volkslied-Worte den\nmageren, verschleimten Moral-Texten weichen müssen vom\nguten Kinde, von der loyalen Schülerfreudigkeit, vom\nNutzen des Frühaufstehens, vom Segen des Unterrichts?\nLauter Salzmann-Basedow'sche Philanthropinen-Prosa! Es\nist gleich unwahr wie unschön, den Waldklang an die\nHolzbank schrauben, mit einem Jägerton ein Lied vom Din-\ntenfasse reimen. Leider sind die sonst gutgemeinten gü-\ntersloher Lieder nicht frei— auch die treffliche Samm-\nlung „Unsere Lieder\" vom Rauhen Hause nicht ganz\nfrei von dieser Schulkrankheit. Eben so verwerflich, obwohl\nseltener, ist der umgekehrte Missgriff, grundarmselige, un-\nsingbare Melodieen in die Schulen zu bringen, um from-\nmer oder moralischer Texte willen. Weit besser, man ent-\nsagt allem Volksliede in der Schule, als dass man es un-\nwahr macht. Ehe wir eine echte Sammlung guter Volks-\nlieder lür die Schule besitzen, möge man sich begnügen\nam Choralgesange, wo Ton und Wort gleich schön und\nwahr sind. Die S i I c h er' sehen Volkslieder sind wohl heute\ndie besten, doch der Texte wegen nicht alle der Schule\nzugehörig.\nSehen wir die Schule näher an, so ist sie, wie alle\nZucht, nur Mittel zum Zwecke; denn gleichwie alle Zucht\ndes Gesetzes auf Christus hinleitet, so ist auch die Schule\nbestimmt, die Zöglinge zur Freiheit zu führen, zu der\nFreiheit, welche zugleich Ende und Erfüllung der Schule\nist. Wer daher die Schule zum Selbstzwecke macht\nund somit jene albernen Liedertexte gutheisst, der versteht\nauch 1. Mose 4, 26 falsch, als wäre die erste Predigt\njenem Zeitalter zum Lobe gesagt; sie ist aber vielmehr\nein Zeugniss, dass die Menschen, der ersten Welt immer\nweiter entfremdet, nicht mehr göttlich dachten, sondern an\nGott durch die Schule erinnert werden mussten.\nWie die Schönheit wahrhaft in die Schule eintrete,\ndazu hat Schnorr durch seine biblischen Bilder einen\nguten Weg gezeigt. Diese Bilder ruhen auf heiligem Ge-\nschichtsgrunde und stellen dar, was sie sollen, mit Wahr-\nheit und Schönheit. Neben ihnen wäre wohl eine holz-\nschnittige Vervielfältigung italischer Heiligenbilder erwünscht."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570228-01.1.2", "texte": "Auch mit hübschen Bücher-Umschlägen mag man suchen,\ndie Kindlein plastisch zu belehren; wären nur die Verse\ndazu immer erquicklich! Selbst die von dem übrigens ge-\nsinnungstüchtigen Dichter Hey sind zuweilen sehr matt\nund unpoetisch. Vielleicht ist's gerathen, die Künste sauber\naus einander zu halten und nicht Wort und Bild allzu sehr\n(wie zu einem didaktischen Commentar) zu verbinden; wir\nstehen sonst nahe an der Allerwelts-Confusion, welche die\nR. Wagner'sche Schule aJs Kunst der Zukunft will\nanerkannt wissen.\nSchülerhaft didaktisch ist auch die Erfindung neuer\nZeit, historische Goncerte zu geben, auf dass der\nGedanke die Schönheit verzehre. Künstlerisch wirksame,\nherzerfreuende Concerte sind solche, in denen entweder\ndie lebende Einheit an sich vorhanden ist, wie in Oratorien,\nOpern, Motetten, Cantaten u. s. w., oder wo eine logische\nEinheit erwirkt ist durch organisches Verhältniss der\nKunstgattungen und Tonarten. Also nicht, wie Franz\nLiszt und leider auch Jenny Lind gethan, hinter einan-\nder 2 3 sonderliche Stücklein von gleichem Munde auf\ngleichem Hackebrett vorgetragen, und das bald mit gleichen,\nbald mit gänzlich disparaten Tonarten, z. B. wenn zwei\nTonsätze, die im Tri t onus gegen einander stehen, wie\nc— fs,unmittelbar einander folgen solche Concert-Pro-\ngramme sind weder logisch noch natürlich, weil das liefe\nNaturgesetz der Polarität (sonst das Zauberwort der\nzeitsinnigen Natur-Geist-Forschung!) verachtet wird; und\ndoch wirkt dieses in der Tonkunst so lieblich zauberisch,\nwie in keiner anderen Kunst, und desto gewaltiger, je mehr\nes unbewusst natürlich angewandt wird.\n. Neben den trockenen Schul-Symbolikern stehen die\ntrockenen Phantasten, die mit mehr Geschick als Natur-\n» 7\ngäbe berücken, um unter dem gleissenden Scheine der Dich-\ntung kernlose Sternschnuppen für Schönheitsbilder zu geben.\nSo Andersen, der nunmehr fast verschollene Däne, mit\nseinen Treibhaus-Märchen voll Schulmoral und Primaner-\nNaivetät. Aber hier, im Gebiete der neuesten Dichtung,\nmöchten wir uns diesmal nicht verlieren, da es schon seit\nPfeffel's Ep igramm und Göthe's Epistel für unendlich\nerkannt ist. Und wollten wir gar die 666 Lyriker unseres\ngesegneten Vaterlandes durchgehen wozu die Arbeit?\nHelfen uns doch eben so viele Kritiker denken; Glück\ngenug, wenn auf jeden Poeten nur ein Kritiker kommt.\nNur den Einzigen dürfen wir nicht vorbei gehen, H.\nHeine, dessen eigentümliche Begabung manchen so ge-\nnannt conservativen Urtheiler dennoch bestochen hat, ihn\ne nen wahren Dichter zu heissen. Sei es, dass einzelne\nJugendgedichte einen neuen Ton anschlügen: die Urlüge\ntrat doch früh hervor dem aufmerksamen Blicke spät\nfreilich erst den geisttreiberischen Schönheits-Anbetern, die\nkaum an der „Wallfahrt nach Kevelaer\" inne wur-\nden, dass diese Phantasmagorie weder katholisch noch evan-\ngelisch, weder christlich noch poetisch, sondern nichts als\neine Etüde war, ein Toiletter.-Uebungsstück gleich ande-\nren Yirtuosenntückchen, ein chinesisches Schattenspiel von\nReminiscenzen ; das Ganze, wie der ganze Heine, eine kern-\nlose Sternschnuppe.\nEs hängt uns Deutschen die Unart an, den Menschen\nimmerfort als ein Gebild der Schule zu betrachten, als wäre\ner nur in der Weif, um zu lernen gegen das Wort des\nApostels. 2. Tim. 3, 7. Aber auch den Gegensatz je-\nner Schulkrankheit hegen wir mehr, als gut ist: die geist-\nlose Schönbildnerei. Das sind die vorhin genannten Ab-\nirrungen : einerseits das Tendenzthum, das um der Schule\nwillen den Dichter preiset oder verdammt; andererseits das\nVirtuosenthum*), das an der leeren Schönheit des Scheines,\ndes Machenkönnens (vergl. Hegel's Aesthelik 3, 218 u.a.)\nsich genügen lässt. Aus dem Zwiespalt beider Krankheiten\nentstehen wunderliche Urtheile, deren Fehlerhaftigkeit oft\nschwer zu beweisen ist, weil wir fast insgesammt an einer\nder beiden Theil haben. Albert Knapp z. B. wird von\nmanchen Treugesinnten als Dichter verehrt, während er\ndoch nur als Sammler und Wiederbeleber ehrenwerth ist;\nzum Dichter dagegen fehlt ihm die schöpferische Gestal-\ntung, die durch rhetorische Breite obendrein verdunkelt\nwird, wo noch ein Kern poetischer Idee vorhanden ist,\nz. B. in dem warm beginnenden Liede: „Einer ist's, an\ndem wir hangen.\" Wilhelm Jordan dagegen ist,\nweil er 1848 ins liberale Horn sticss, bei vielen Urtheils-\nlähigen in Verruf gekommen; und doch: welche herrliche\nGestaltungskraft, welche Bild- und Seelen-Schönheit ist in\ndem kürzlich erschienenen „Demiurgos\", wo die Fortfüh-\nrung und Lösung der Faust-Fragen, gleichwie in Immer-\nraann's „Merlin\" versucht ist, glücklicher und reicher als\nbei allen Nachfolgern Gölhe's, wenn auch nicht gänzlich\nerfüllend. Wie aber in dem tiefsinnigen Erilis sicut Dem\nder poetische Gehalt und der sittliche Kern in vollem Gleich-\ngewichte stehen, so dass Eines das Andere wesentlich her-\nvorbringt und durchdringt, das wird immer mehr offenbar,\ntrotz einzelner Widerbeller, die sich getroffen fühlen.\n\n*) Dessen äusserste Entartung die heutige Claviererei zeigt in\ndem subjectiven (act- und rhythmuslosen, so genannt aus-\ndrucksvollen Spiel."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "67", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570228-01.1.3", "texte": "Zur höchsten Ehre deutscher Dichtung sei es gescgt:\nUnsere geliebtesten Dichter halten fest an dem Bekennt-\nnisse, dass aller Dichtung Beruf sei, Wahrheit zu ver-\nkünden, nicht Schein. An dem Bekenntnisse der\nSchein Wahrheit kranken sonst viele seihst grosse Dichter;\nShakespeare sogar, der den Theseus im Sommernachts-\ntraum sagen lässt (Act 5, Scene 1):-\nthe poels eye, in a fin\n(des Dichters Aug' in schönem Wahnsinn rollend)\nund:\nihe poets pen gives to airy nothing\na local habitalion and a name\n(des Dichters Feder gibt dem luftigen Nichts Woh-\nnung und Namen auf Erden),\nbekennt hiermit, dass die Dichtung nicht ihrem Wesen nach\nWahrheit sei. Doch mag dies als Ausschweifung, als Muth-\nwille gelten, da seine historischen Schauspiele durchaus auf\nWahrheit ruhen und zielen. Dagegen das offene Bekennt-\nniss, in aller Dichtung nur der Wahrheit zu\ndienen, ist eine Gabe, der wir uns an unseren Dichtern\nerfreuen. Wolfram und Walter thun das mit Bewusstsein\nchristliches Bekenntnisses. Göthe's Zueignung, Schiller's\nKünstler und Reich der Schatten (Ideal und Leben) spre-\nchen dasselbe Bekenntniss nicht auf kirchlichem, aber auf\nmenschlichem Grunde ruhend. Wenn es heissl: „Der Dich-\ntung Schleier aus der Hand der Wahrheit\"—oder: „Nur\ndurch das Morgenlhor des Schönen gelangst du zur\nWahrheit\" und: „Die himmlische Schönheit —Venus\nUrania ist im tiefsten Grunde nur leiblebende Wahrheit\"\nso sind das theure Zeugnisse, aul'schliessende Worte,\ndie mindestens allen denjenigen sittlichen Fragen und For-\nderungen vollkommen genügen, welche einst Alb. Knapp\nin der berühmten Controvers-Predigt gegen Göthe (Christo-\nterpe, 1833) mit schiefer Rhetorik aufstellte, Vilmar (in\nder Literatur-Geschichte) ohne Bedekunst genügend lös'te.\nAn Göthe insbesondere erscheint, was aller Orten im-\nmer selten gewesen und vielleicht nur von Sophokles über-\ntroffen ist: die innige Einheit von Wahrheit und\nSchönheit; daher denn die keusche Enthaltsamkeit von\nGleichnissen, der Mangel an aller (überflüssigen) Symbolik.\nGöthe würde sich schwer dazu herbei gelassen haben, die\nLiebe der Nachtigall zur Purpurrose zu besingen. „Eben\nso gut könnte sich das Ofenloch in die Ivellerthür verlie-\nben, der Bratapfel in die Fledermaus, als jene verliebten\nCreaturen nach dem orientalischen Geschmacke\" so\nsprach kürzlich ein Unbefangener, dem zum ersten Male\nkundward, was in Daumer's, des Molochiten, Schule\nPoesie genannt wird. So ist auch Fr eil igrath's schönes\nTalent der frischen Bildkraft in Unwahrheit zergangen, seit-\ndem er „Der Blumen Bache\" gesungen.\nRes severa est verum gaudiuwahre Lust ist ernst,\nwahrer Ernst ist Seelenlust. Nicht die Subjectivität an\nsich ist Sünde, nicht die Objectivität an sich ist Seligkeit;\naber die Differenz von Subject und Object ist der leere\nRaum, wo die Quelle der Sünde entspringt, wo sich das\nHerz sonderliche Bildnisse imaginirt von überlebendigen\nDingen, die nicht in der Wahrheit bestehen, und wo die\no '\nstehende, ewig klare Wahrheit nicht warme Herzen findet,\nsie zu empfangen. Dieser Zwiespalt ist Sünde. Rom. 14, 23.\nWie aber unsere Zeit in s ittlieh e Aufgaben auf Le-\nben und Tod verhaftet, eben desshalb nicht kunstschö-\npferisch sei, das ist oft behauptet, oft widerlegt worden.\nWir stimmen bei, die reine Neuschöpfung für heute fraglich,\nungewiss, zweifelhaft zu erkennen. Das bezeugt sich in dem\nMangel allgemein anerkannter Künstler und tieflebendiger\nKunstwirkungen, wie aus der Ueberwucht kritischer, histo-\nrischer, naturforschender Thäligkeit. Aehnliche Zeiten-\nschwünge sind bezeugt in früheren Zeiträumen, wo auf ge-\nwaltige Produclionskraft ein anderes Geschlecht zu folgen\npflegte voll sittlicher Sammlung. Unsere Erziehungs-Expe-\nrimenle, unsere Armennoth, unsere politischen und socialen\nFragen haben nun einmal des Volkes Herz gefangen und\nbrausen auf allen Strassen daher mit der Hast des Feuer-\nrosses. So sind wir Sammelnde, Suchende, nicht Gestal-\ntende. Dennoch können wir ruhen in den Armen der Schön-\nheit, wenn auch neuschaffende Kraft versagt ist. Schöpferi-\nsche Zeiten können wiederkehren, wenn die heutige Zeit-\narbeit gethan ist. Zwei Leidenschaften zugleich\n(d. h. urkräftige, zeugungskräftige Grundstimmungen ver-\nschiedenen Inhalts), sagt Napoleon schon zu Göthe's Wer-\nlher, sind unmöglich. Das gilt vom Einzelnen, wie\nvon Volk und Zeitalter.\nDer Inhalt der Kunst ist das Seiende, nicht das Werdende.\nDarum kann es eine Kunst der Vergangenheit und Gegen-\nwart geben, nie eine der Zukunft, obwohl dieses die\nberlin-leipziger Hegelei durch Marx, Wagner und Brendel\nmit grosser Dreistigkeit versichert. Zukünftiges, Werden-\ndes gehört der Sitte, dem Gedanken der Geschichte, Philoso-\nphie und Prophetie an. Also freuen wir uns des Vorhandenen\nund warten ahnungsvoll der Zukunft; geniessen wir, was\nGenusses werth ist, suchen wir es gründlich zu kennen und\nzu lieben; neue Bahnen suche der Denker; die er-\nrungenen wird der Dichter betreten und neue Schönheit\nbilden, die unseren Enkeln leuchte.\n\nA. E. K."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570228-01.1.4", "texte": "Für Pianoforte.\nTonbilder für das Pianofort e\" von Karl von\nBruyk. 4. Werk. Heft I. und 11. Verlag von\nPietro Mechetti sei. Witwe in Wien. a 2 Fl. C.-M.\nEs ist ein Rem in diesen Sachen. Tritt der Compo-\nnist auch noch nicht ganz selbstständig auf, vermisst man\nin diesen Stücken auch noch, was man „Stil\" nennt, so\nist er doch weit entfernt von nichtssagendem Salon-Ge-\nschwätz und jener Klopffechterei unserer modernen Clavier-\nNothzüchtiger, die mit aufgeblasenen Backen aufgeputztes\nFlitterwerk mit grosser Ostentation auftischen, während\nihre Armuth an musicalischen Gedanken überall durchschim-\nmert. Exempla sunt odiosa. Was unserem Componisten zu\nwünschen wäre, ist weniger Breite, also Gedrungenheit im\nmusicalischen Ausdrucke, eine cfaviergemässe Schreibweise\n(viele Stellen sind orchestermässig gedacht) und dass er\nnicht zu Ungleichartiges in Hinsicht auf Inhalt und Aus-\nführbarkeit neben einander stellt. Uebrigens haben wir es\nmit einem Op. 4 zu thun, und das zweite Heft zeigt schon\neinen Fortschritt.\nIm ersten Hefte geben wir dem Trio des Marsches\nNr. 1 und den beiden Scherzi Nr. und Nr. 4 den\nVorzug. Das Haupt-Motiv des Frühlings-Marsches:\nMendelssohn's Schluss der Ouvertüre zum Sommernachts-\ntraum :\nerkennt man sofort als eine Reminiscenz. Dagegen ist das\nIrio allerliebst. Den ganz unverändert gebliebenen Haupt-\nsatz wiederholt abdrucken zu lassen, wie öfter geschieht,\nist eigentlich Papier-Verschwendung. Unsere lieben Alten\nhatten dafür ihr praktisches D oder\nDas „Album-Blatt\", Nr. 3, bietet auf fünf Seiten\nnichts besonders Hervorstechendes. Stellen wie:\nsind wenig claviermässig und nichts weniger als neu. In\nNr. 5 und 6 („Trotz und Beruhigung\") sind die Con-\ntraste nicht scharf genug gezeichnet, so dass man zuletzt\nnicht beruhigt wird. Schluss:\nIm zweiten Hefte treten die Humoreske (Nr. 7)\nund das Scherzo (Nr. 9) mit seinem einfachen, aber sehr\nansprechenden, weil gefühlten Trio recht männlich und\nkernig auf, während Nr. 10 („Im Cypressenhain\") eine\nechte Liebesklage ist mit fast überschwänglicher Zärtlich-\nkeit: etwas für die Jugend voll „Hangens und Bangens in\nschwebender Pein\".\nIn Nr. 8 (Album-Blatt) befindet sich im zweiten Inter-\nmezzo folgendes Motiv:\nDieses Motiv und „Zweites Intermezzo\" erinnern sofort an\nKob. Schumann. Und nun der Schluss:\nWer dächte da nicht an den Schluss einer gewissen Eg-\nmont-Ouverture?\nDas längste Stück der ganzen Sammlung ist Nr. 11,\nBallade, das auch an zu grosser Breite leidet. Die Be-\nhandlung des Claviers ist wieder eine überwiegend orche-\nstrale und bietet in der Vereinigung von 6/8- und %-Tact\nnoch ganz besondere Schwierigkeiten. An Contrasten fehlt\nes dem Stücke nicht, nur bringt die Wiederholung des\nzweiten Haupt-Motivs im Marsch-Tempo:"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "69", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570228-01.1.5", "texte": "das drei mal Note für Note wiederkehrt und an und für\nsich nicht an Neuheit leidet, zuletzt doch fast des Guten\nzu viel. Dennoch würde es wegen seiner Vollgriffigkeit im\nhellen C-dur einen passenderen Schluss gebildet haben,\nals das Genrebildchen Nr. 1 2, das, wenig beruhigend, viel-\nmehr leidenschaftlich erregt, in abschliesst.\nDer Componist möge aus diesen Notizen erkennen,\ndass wir seine Stücke mit Vorliebe durchgesehen haben.\nWir wünschen, ihm oft wieder zu begegnen; er strebe\nnur, immer mehr und mehr auf eigenen Füssen stehen zu\nlernen. An seiner musicalischen Gesinnung ist nichts aus-\nzusetzen, und das ist heutzutage eine sehr erfreuliche Er-\nscheinung. tii\nDas Pianoforte. Sammlung von Original-Compo-\nsitionen u.s.w., unter Redaction von Dr. Franz\nLiszt I. Heft. Stuttgart, Druck und Verlag von\nEd. Hallberger.\nDas erste Heft der neuen Hallberger'schen Unterneh-\nmung liegt uns vor. Es enthält: 1. Franz Liszt's „Fest-\nvorspiel Prelude.\"Einige und sechszig Tacte\nmaestoso, in denen das Motiv:\nfortwährend mit ganz unbedeutender Abweichung im\nBass sempre marcatissimo e pommit dazwischen ange-\nschlagenen vollen Achtel-Accorden in den höheren Octaven,\nwiederholt wird, wobei keine Spur von Verarbeitung des\nThema's vorhanden ist, nennt Liszt ein Präludium! Wie\ndoch die Zeiten sich ändern! Wenn Bach, Clementi, Mo-\nzart, Hummel präludirten, so gaben sie musicalische Gedan-\nken: jetzt gibt man Klänge und Griffe. Doch ist ja dies\nnur ein Vorspiel, das Fest kommt wahrscheinlich erst hin-\nterher. Den gewaltigen Bass eines Erard'schen Flügels und\ndie Kraft der Faustfertigkeit des Spielers zu zeigen, dazu\nist dieses Festvorspiel trefflich geeignet. W er Freude daran\nhat, den Lärm des Pedalflügels bis zur Orchesterwucht zu\nsteigern, der wird am Schlüsse ausrufen: „Wie haben\nwir's doch so herrlich weit gebracht!\"—Uebrigens ist das\nStück immer noch das beste in diesem Hefte.\nDie zweite Blüthe an dem neuen Stamme ist ein\n„Phantasiestück\" von Alexander Dreyschock,\nOp. 113, Andante con moto in C-dur, V 4. Die französi-\nsche Ueberschrift: „Morceau deutet den Inhalt\nrichtig an; es ist hier kejneswegs Yon dichterischer Phan-\ntasie die Rede, sondern nur von einem sehr gewöhnlichen\nSalon-Motiv:\nwelches mit modern clavieristischem Beiwerk, wie das von\neinem Virtuosen nicht anders zu erwarten steht, zu einem\nfünf Seiten langen Amüsement ausgesponnen wird.\nZum Dritten gibt uns Louis Köhler eine kleine\nProbe von „Melodieen-Dialogen\", als Op. 34,\nNr. 1, bezeichnet; er droht also mit mehreren. Sie sollen\nuns willkommen sein, wenn sie mehr sagen, als dieser\nerste, bei welchem die jungen Herzen vielleicht noch zu\nscheu sind, etwas Neues oder gar Bedeutendes zu äussern.\nEs ist übrigens mit dem musicalischen Dialog nicht weit\nher, indem der Tenor ein paar Mal nur die zwei ersten\nTacte des Soprans imitirt und dann auf der zweiten Seite\n(im Ganzen nur 40 Tacte), zum Basso gereift, die ganze\nMelodie wiederholt. Von canonischer Verflechtung ist nicht\ndie Rede. Die tirilirenden Zwischenspiele sind doch selbst\nfür die triviale Haupt-Melodie noch zu ordinär. Herr\nKöhler gehört (beiläufig gesagt) zu denen, die aus Vater-\nlandsliebe deutsche Bezeichnungen gebrauchen, also hier\n„Sanft bewegt\" wahrscheinlich für Andante, „Immer mehr\nverschwindend\" u. s. w. und dabei wirft er doch den\nehrlichen Ludwig über Bord und nennt sich Louis!!\nWir sind vielleicht in der Beurtheilung dieses ersten\nHeltes etwas streng gewesen; allein wir halten es für\nPflicht, bei einem Unternehmen, das so grosse Verbreitung\ngefunden hat, die Redaction (wenn sie wirklich mehr als\nden Namen dazu hergibt) und die Verlagshandlung daraul\naufmerksam zu machen, dass es gerade die Aufgabe des\n„Pianoforte\" sein sollte, dem wüsten und gehaltlosen\nCiaviertreiben entgegen zu treten, nicht aber es zu be-\nfördern."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "70", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570228-01.1.6", "texte": "Aus Frankfurt am Main.\n-r.\n[Concert des Cäci 1 ien-Vereins Die H-moll-Messe\nvon J. S. Bach.]\nIm Februar 1857.\nNachdem in früheren Jahren unter der Leitung des\nunvergesslichen Schelble die grössere Hälfte dieses höch-\nsten Werkes des Kirchenstils zu verschiedenen Malen in\nConcerten und beim Gottesdienste aufgeführt worden war,\nstellte der Verein unter Franz Messer's, des jetzigen\nDirectors, ausgezeichneter Leitung als vornehmste Aufgabe\nseiner diesjährigen Winterübungen auf, das kolossale Werk\nvollständig sich zum Eigenthum zu machen. Nach vielen\nsorgfältigen Proben, in denen sich Lust und Eifer mit dem\nVerständnisse steigerte bis zu wahrer Begeisterung, konnte\nam 28. November v. J. die Aufführung Statt finden. Der\nEindruck war auf Zuhörer und Aufführende ein wahrhaft\nüberwältigender, und selbst die, welche nicht die wunder-\nbare Architektonik der einzelnen Theile überschauen konn-\n• 4 *\nten, fühlten sich doch aufs tiefste bewegt von der Geniali-\ntät und Gemüthstiefe dieses wahrhaft frommen Dombau-\nmeisters und erkannten in seiner Tonschöpfung den Triumph\nreligiöser Kunst. Schon am 16. Januar d. J. folgte die\nzweite Aufführung vor einem dichtgedrängten, andächtig\nlauschenden Auditorium. Diese Wiederholung darf man\nnach dem lauten Bekenntnisse der einheimischen und frem-\nden Musiker, die zahlreich gekommen waren, als eine in\nhohem Grade vollendete bezeichnen. Es war ein Gottes-\n' ■ /.\ndienst voll religiöser Weihe, die in der lautlos andächtigen\nStille der Zuhörer ihre Vollendung fand. Präcision und\nKlarheit der Figuren, Reinheit und Fülle des Tones, eine\nvortreffliche Rhythmik und Dynamik, Gediegenheit und\nPracht der Klangfarbe: Alles vereinigte sich, um dem Mei-\nsterwerke auch die Meisterschaft in der Ausführung zu ver-\nleihen. Der Verein hat durch diese Aufführung ein Werk\ngewonnen, aus dem neben der jährlich aufzuführenden\nMatthäus-Passion für die Dauer die edelste musicaiische\nBildung geschöpft werden wird. Ehre dem Director, der\nso Gewaltiges zu Stande gebracht hat!\nZu dem, was Herr Capellmeister Rietz in seinem hi-\nstorischen Vorworte der in diesen Tagen erschienenen Par-\ntitur-Ausgabe der H-moll-Messe gesagt hat, möchten wir\nFolgendes bemerken. Dass Seb. Bach ursprünglich nur das\nKyrie und Gloria als Ganzes componirt hat, lässt uns mit\nGewissheit schliessen, er habe es für seine Thomaner zur\nAufführung in der protestantischen Kirche bestimmt, in\nder, wie noch heutzutage, durch den Geistlichen vor der\nPredigt das Kyrie eleison und das Gloria in eoscelsis Deo\nvom Altare gesprochen und sodann nach jedem im Chor\ngesungen wird. Auf jeden Fall ist dies nicht, wie Rietz\nmeint, eine Missa brevis;denn eine solche enthält alle\nTheile der Messe, nur in kürzerem Maassstabe. Als später\n(1736) Bach zum Hof-Compositeur ernannt wurde, mag\ner, um lür den katholischen Hof eine Arbeit zu liefern,\ndie übrigen Theile hinzugefügt haben, wolür auch das alte\nThema im Credo spricht, das man überall in den katholi-\nschen Kirchen noch hören kann. Es möchte sich daraus\nauch erklären, warum er mehrere Theile im Wesentlichen\naus früheren Werken entlehnte und sogar im das\nGratias wiederholte. Uebrigens hat dies dem Werke in sei-\nner Einheit nicht geschadet, da der Charakter der verschie-\ndenen Theile doch durch Worte und Handlung als ein\nfeststehender bedingt ist.\n\nAus Lüttich.\n\nDen 15. Februar 1857.\nEs ist nicht leicht, die Menge zu erziehen, zu beleh-\nren, zu bilden; vollends aber sie zum Cullus des wahren\nSchönen zu bekehren, das ist eine missliche, mühsame und\ngefährliche Aufgabe. Die leichtfertigen und gleichgültigen\nGemüther, welche fast überall die Majorität bilden, lassen\nnicht leicht von dem, was sie „Vergnügen\" zu nennen be-\nlieben. Werke der Kunst, die gewissenhaft und andächtig\nbetrachtet oder angehört, die studirt oder wenigstens mit\nNachdenken und anstrengender Aufmerksamkeit verfolgt\nwerden müssen, sind ihnen Räthsel; sie behaupten, sie wol-\nlen sich vergnügen und ergötzen, aber vor allen Dingen\nohne Ernst und ohne Kopfbrechen. Vollends bei der Musik!\nZwischen einer Sinfonie von Beethoven und einer Potpourri-\nOuverture von Adam wird ein grosser Theil des Publicums\neben so wenig über den Vorzug schwanken, als zwischen\neinem Lustspiele von Moliere und einem Vaudeville von\nScribe. Was sollen Compositionen, worin Gedanken, Lei-\ndenschaft, alles, was des Menschen Herz bewegt, ausge-\nprägt sind, da wir ja eine Masse von fertigen Leierkasten-\nMelodieen haben, bei denen man hüpfen und springen kann?\nDas zu ändern, besonders hier bei uns zu ändern, wo\ndas französische Element vorwaltet, dazu gehört mehr als\nEin Tag; eine Revolution im Kunstgeschmacke ist schwe-\nrer zu machen, als eine politische. An jener muss die ganze\nClasse der Gebildeten Theil nehmen, diese bewirken oft\neinige Schreier und einige Verschwörer. Trotz alledem hat\nunsere Concert-Gesellschaft (Socielc des Concerts du\nConservaloire) den Muth gehabt, es zu wagen, die Gleich-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570228-01.1.7", "texte": "Gültigkeit und Leichtfertigkeit des Publicums in Sachen der\nKunst zu bekämpfen, die Grundsätze, welche die Concert-\nDirectionen in Deutschland und namentlich bei Ihnen in\nKöln leiten, anzunehmen, nur ernste, gediegene Musik auf\ndas Programm zu bringen und vor Allen Ihre grossen deut-\nt\nsehen Meister dem Publicum vorzuführen.\nSo brachte uns denn das erste Concert (Ende Januar)\ndie Sinfonie „Jupiter\" von M oz a r t, das V i o I i n - Co n-\ncert von Beethoven und den ersten Theil der „Schö-\npfung\" von Haydn. Was sagen Sie dazu? Sie werden\ngestehen, dass wir nicht mit Kleinem beginnen. Wahrhaf-\ntig! man könnte mit dem Texte der „Schöpfung\" sagen:\n„Und eine neue Welt ging uns auf!\" Was aber die Auf-\nnahme beim Publicum betrifft, so werden Sie Sich vielleicht\nnoch mehr wundern, wenn ich Ihnen sage, dass von den\nvorgeführten drei Werken das Concert von Beethoven den\ngrössten Erfolg hatte. Allerdings wurde es von allen am\nbesten ausgeführt, und das trägt bei uns Belgiern, denen,\nwie den Parisern, die Ausführung auch am höchsten steht,\ngar viel zum Ei folge bei. In der Sinfonie von Mozart halte\ndas Orchester gute Momente; allein es war nicht frei von\nSchwankungen, und die Feinheit der Schattirung wurde oft\nvermisst. Die Aulführung des ersten Theiles der Schöpfung\nkonnte vollends nicht befriedigen, und es war der unsterb-\nlichen Schönheit des Werkes allein überlassen, einiger\nMaassen durchzudringen. Aber das Violin-Concert wurde\nvortrefflich accompagnirt.\nUeber das Werk selbst drückt sich ein hiesiger Be-\nrichterstatter im Feuilleton der folgender Maassen\naus: „Dasjenige von den drei Werken, welches den gröss-\nten Eindruck gemacht hat, ist jene eigentliche Sinfonie, die\nBeethoven ein Violin-Concert genannt hat. Dieses herrliche\nWerk hat das Publicum eleclrisirt, und man wusste nicht,\nwelchen Satz desselben man am meisten bewundern sollte.\nNach unserem Sinne ist das Andante der vorzüglichste; die\nkeusche Schönheit, die zarte Lieblichkeit und durchsichtige\nKlarheit können wohl keinen besseren Ausdruck finden, als\nin diesem Satze. Herr Jacques Dupuis hat das Concert\nmit einem unbestrittenen glänzenden Erfolge vorgetragen;\ner hat uns auf die überzeugendste Weise die grosse Kluft\nfühlbar gemacht, welche zwischen einem Künstler und einem\nVirtuosen liegt. Er hat die grosse Aufgabe, die er sich ge-\nstellt, sehr wohl begriffen, er hat uns nicht bloss die glän-\nzenden Stellen genau und technisch vollendet wiedergege-\nben, sondern vor Allem den Geist, und Charakter des gan-\nzen von erhabenen Gedanken erfüllten Kunstwerkes in sei-\nnen Tönen dargestellt. In den zwei eingelegten grossen\nCadenzen, von denen wir in Bezug auf die musicalische\nArbeit die erstere vorziehen, zeigte sich Herr Dupuis als\nComponist und Virtuose auf gleich tüchtige Weise. Der\nausserordentliche Beifall, den er ärntete, war der Beweis\neines wahrhaften Sieges, den Beethoven durch den begei-\nsterten Vortrag seines Dolmetschers errungen hatte.\n\nG. F.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nDr. 11. Marschner hat seinen hiesigen Freunden\neinen Besuch gemacht und weilt seit acht Tagen rpit seiner Gattin\nunter uns. Die Anwesenheit des gefeierten Kiinstlerpaares hat uns\nherrliche Kunstgenüsse nicht bloss in Privatcirkeln, sondern auch\nim Theater verschafft. Am Montag den 23. d. Mts. trat Frau\nMarsch ner-Jan da als Fides in Meyerbeer's „Prophet\" auf und\nentzückte das vollbesetzte Haus durch die vortreffliche Darstellung\ndieser Rolle. Ihre umfangreiche Stimme, welche in dem tiefen\nBrust-Register zu jenen seltenen Begabungen gehört, die uns mit\nden blossen Tönen allein schon das innerste Herz bewegen, ent-\nfaltete sich in dieser schwierigen Partie auf glänzende Weise, zu-\nmal da die Künstlerin trotz der schweren Klangfülle ihres Organs\ndoch auch eine merkwürdige Biegsamkeit und technische Fertigkeit\nbewährte. Dabei trat der Natur und Kunst des Gesanges ein Spiel\nzur Seite, welches eine ideale Auffassung bekundete und im Aus-\ndruck der Wechsel der Gefühle und der Leidenschaft durch das\nüberall beobachtete Maasshalten auf echt künstlerische Weise dra-\nmatische Wahrheit vor Augen stellte. Die Künstlerin wurde wie-\nderholt gerufen.\nAm 25. d. Mts. wurde Hans Ileiling gegeben, und zwar\nhatte Marschner mit der dankenswertesten Bereitwilligkeit die\nDirection selbst übernommen. So hörten wir denn das herrliche\nWerk, das mit Weber's Freischütz den Stolz der deutschen Oper\nbildet, in einer so gelungenen Aufführung, wie es die Kräfte der\nhiesigen Bühne nur gestatten. Marschner wurde durch ein jubeln-\ndes Hoch, das mit Trompeten und Pauken in dem überfüllten\nHause erschallte, empfangen, am Schlüsse hervorgerufen und ihm\nvom Regisseur Herrn Weiss, der den Heiling trefflich gegeben\nhatte, unter allgemeinem Applaus ein Lorberkranz überreicht. Den\nganzen Abend war das Publicum in einer begeisterten Stimmung.\nUeber 400 Personen mussten mit ihren Billetforderungen zurück-\ngewiesen werden Der nächste Sonntag wird uns eine Wiederho-\nlung des prachtvollen Werkes bringen. Frau Marschner hatte\ndie Kleine Rolle der Gertrud übernommen; auch die übrigen Par-\ntieen (Anna - Frau Mampe-Babnigg, Königin —Fräul. Mül-\nler, Leibschütz Herr Prelinger u. s. w.) waren gut besetzt.\nDer Chor bestrebte sich wacker, um es dem Meister am Dirigen-\ntenpulte recht zu machen.\nStettita. „Iliob\", Oratorium nach der heiligen Schrift, gedich-\ntet von W. Tclschow, componirt von Dr. Loewe. Unter den\nmodernen Oratorien-Componisten ist Herr Karl Loewe wohl einer\nder fruchtbarsten. Im Winter hatten wir Gelegenheit, sein „Hohes\nLied Salomonis\", das von der glühendsten orientalischen Liebes-\nPoesie, der ein Schatten schwermüthiger Mystik nicht übel stand,\ndurchweht war, zu hören. Am Dinstag den 10. d. Mts. führte uns\nder Componist sein 1848 geschriebenes Oratorium „Hiob\" vor, das\nbereits 1849 in Stettin und im vergangenen Winter in Berlin mit"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570228-01.1.8", "texte": "Allseitiger Anerkennung aufgeführt worden ist. Der Hiob beginnt\nund schliesst mit einer Fuge, die den Chor und Commentar des\nganzen gewaltigen Inhalts bildet. Die Ouvertüre, die nach der Ein-\nleitung unter Nr. 4 folgt, eröffnet mit kurzen, grandiosen Zügen\neine reiche Perspective auf das beginnende Drama. Die grosse\nScene des Originals, die so kühn gedacht ist, wie keine zweite im\nganzen Gebiete heiliger und profaner Poesie, die Unterredung im\nHimmel zwischen Gott und Satan, hat der Componist in ihrem in-\nnersten dramatischen Nerv zu erfassen gewusst und mit macht-\nvollen Klängen dem Zuhörer vorgeführt. An Gewalt und Erhaben-\nheit des Ausdrucks kommt dieser Stelle im Oratorium nur noch\ndas Wort Jehovah's zu Hiob und seinen Freunden im Gewitter\ngleich. (Echo.)\nStuttgart, 28. Januar. Das gestrige Abonnements-Concert\nder Hof-Capelle hat uns Händel's „Israel in Aegypten\" gebracht.\nDa die Ausführung der doppelten Chöre wegen bedeutende Mas-\nsen fordert, hatte sich der Faisst'sche „Verein für classische Kir-\nchenmusik\" den Kräften der Hof-Opernbühne angeschlossen. Die\nWirkung war gewaltig und ergreifend. Das dichtgefüllte Haus be-\nwies abermals, wie zahlreich dasjenige Publicum ist, welches solche\nMusik zu würdigen weiss.\nUTew-York, 31. Januar. Ole Bull, der drei Monate lang\nin einer kleinen Stadt in Illinois am Fieber krank gelegen, war\nkaum hier angekommen, als er von einem Gläubiger verhaftet\nwurde. Die Sache hängt mit der verunglückten Opern-Speculation\nzusammen, bei der Ole Bull nicht der Betrüger, sondern der Be-\ntrogene war. Ole Bull will dieses „freie Land\", wo er, wie er sagt,\nAlles, Gesundheit, Geld und guten Namen verloren hat, verlassen,\num nach Norwegen zurück zu kehren.\n\nDeutsche Tonhalle.\nV. Uebersieht. 1856.\nSeit wir die jüngste l'ebersicht der Tonhalle (1855) ausgegeben,\nist eine weitere Anzahl Künstler, Musikfreunde und kunsisinniger\nFrauen zusammen 63 diesem Vereine zur Förderung der\nTonkunst als Mitglieder beigetreten, und so hat sich die Gesammt-\nzahl derselben auf 470 erhöht.\nIm verflossenen fünften Vereinsjahre (1856) wurde das VIII.\nund IX. Preis-Ausschreiben der Tonhalle erledigt.\nJenes, ein Männergesang: „Gott, Vaterland, Liebe\", durch die\ndem Werke des Herrn Musik-Directors L. Liebe in Strassburg\neinstimmig ertheilte Belobung der drei Herren Preisrichter; das\nneunte: „Schillerfest-Gesang\", tür gemischten Chor und Soli mit\nHarmonie-Begleitung dadurch, dass von den sieben vorgelegenen\nBewerbungen der des Herrn Magistrats-Secretärs Becker in\nWürzburg der Preis zuerkannt worden ist.\nGleichzeitig wurden der Preis von 250 Gulden für Musik zur\nTragödie „Die Jungfrau von Orleans\" von Schiller* und - der von\n200 Gulden tür den Text zu einer Operette in Einem Aufzuge\nausgesetzt. . /\nDie im October, beziehungsweise December 1856 nach den Be-\nstimmungen in den bezüglichen Ausschreiben eingekommenen 22\nund 39 Bewerbungen um diese Preise liegen dermal unter Beur-\nteilung der satzungsmässig erwählten je drei Herren Preisrichter.\nMöchten Künstler und Musikfreunde, wie auch musicalische\nVereine, welche von der Tonhalle noch keine Kenntniss erhalten\nhaben, nicht unterlassen, der hiermit an sie gestellten Einladung\nzur gefälligen Theilnahme kunstförderlich entsprechen zu wollen*).\nStand der Tonhalle-Casse am Ende ihres fünften\nJahres (1856).\nEinnahme:\n1) Aus voriger Rechnung 349 Gld. 44 Kr,\n2) Eintrittsgeld .......... 31 „ 30 „\n3) Beiträge der Mitglieder 211 ~ 34 „\n4) Mehrbeiträge und besondere Geschenke . . 223 „ 9 „\n5) Verschiedenes 3 „ 52 „\nZusammen . . 819 Gld. 49 Kr.\nAusgabe:\n1) Für Schreibbedürfnisse 15 Gld. 5 Kr.\n2) Druck- und Schreibkosten 55 „ 26 „\n3) Post- und Sendgebühren 51 „ 45 „\n4) Für Preise verwendet 100 „ „\n5) Bedienung und Verschiedenes 27 „ 32 „\nZusammen . . 249 Gld. 48 Kr.\nVorrath am Ende December 1856: . . 570 „ 1 „\n(worauf 2 Preise, 450 Gld., haften).\n819 Gld. 49 Kr.\nMannheim, Januar 1857.\nDer Vorstand:\nDr. Barazetti. L. A. Bassermann.\nDr. Bensinger. K. F. He ekel. A. Schüssler.\n*) Eintritt \\ Thlr. und jährlicher Beitrag ebenfalls nur 35 Kr.\nJede höhere Beihülfe, auch Beiträge auf mehrere Jahre vor-\naus, wird der Verein dankbarlichst bescheinigen."}]}