{"numero_id": "bm-bmtnabi-1857-03-14-01", "volume": "bmtnabi_1857-03-14_01", "ocr_sha256": "4b4371d01b1ff616e8b0909ab9e243aeaf257b19035387ac41eaf3fc9fad3369", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1857/03/14_01/bmtnabi_1857-03-14_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570314-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1857-03-14-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-03-14_01#c001", "volume": "bmtnabi_1857-03-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "81", "page_fin": "81", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570314-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "81", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570314-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 374, "texte": "Inhalt.\nErinnerungen an Franz Schubert. 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Schindler.\n(In vier Abtheilungen.)\nIII.\n„Der Grabstein allein hält die Erinnerung\nan den Todten wach.\"\nVor längerer Zeit kam mir die Abhandlung eines alten\nSchriftstellers zu Gesicht, der es sich zur Aufgabe ge-\nstellt, nachzuweisen, das im Menschen am schnellsten\nSchwindende sei das Gedächtniss für die Abgeschiedenen.\nDer Schlusssatz dieser Abhandlung dient hier als Motto.\nJa, ja, wo sie mit ihm gegessen und getrunken, wel-\nches Bier, ob März- oder Bluzer-Bier, ihm besser gemun-\ndet, wie viel Pfeifen Tabak er täglich geraucht, und ande-\nres Hochwichtiges, der täglichen Hantierung Angehöriges,\ndas wissen sie noch, das ist in ihrem grossstädtischen Ge-\ndächtnisskasten hangen geblieben; wie es aber nm das\ngeistige Leben und Weben des Abgeschiedenen stand, wel-\nches Datum diese und jene ihn nahe berührende Begeben-\nheit trägt, das wissen sie nicht mehr; kaum erinnern sie\nsich dieser Begebenheit, deren persönliche Zeugen sie doch\ngewesen, »weil es schon zu lange her ist\". Allerdings\nsind seit jenem Tage schon fünf, vielleicht zehn, vielleicht\ngar fünfzehn Jahre verflossen; inzwischen gab es in Frank-\nreich eine Revolution, in Oesterreich ward eine Verzeh-\nrungssteuer eingeführt das alles hat euren materiellen\nIdeengang stark in Anspruch genommen und in eurem\nGedächtnisse Tabula rasa gemacht. Seit den Tagen des\nfreundschaftlichen Verkehrs mit dem abgeschiedenen Franz\nSchubert hat der Eine der Vertrautesten eine hohe Stel-\nlung in der Musikwelt eingenommen, ein Anderer „sich\nverreisV, ein Dritter ist ein unglücklicher Gatte geworden,\nkurz das Bild des Freundes ist bereits bei allen gegen\ndie Wand gekehrt.\nIm Jahre 1840 ward ich von einigen Freunden Schu-\nberts aus Wien ersucht, eine biographische Schrift über\nihn abzufassen. Ich fand mich dazu bereit und wünschte\ndie Zusendung von Materialien. Unterm 12. August 1841\nschickte mir der Bruder des Componisten, Herr Ferdinand\nSchubert (gegenwärtig Director der kaiserlichen Normal-\nHauptschule zu St. Anna in Wien), ein Heft von 2 Bo-\ngen ,Skizzen zu Franz Schubert'sßiographie«, davon zwei\nDrittheile mit dem Kataloge sämmtlicher Werke des Com-\nponisten (ausgenommen Lieder und Gesänge) angefüllt sind.\nZu sagen, wie ungenügend diese Skizzen sogar in Hinsicht\nauf die zu einer biographischen Arbeit benöthigten Vorfra-\ngen seien, wie es mir ferner bei angestellter Umfrage über\nbestimmt angegebene Punkte bei verschiedenen in sehr\nengen Beziehungen mit Schubert gestandenen Männern in\nund ausserhalb Oesterreichs nicht gelungen ist, mehr zu\nerfahren, als mir bereits bekannt—dürfte nach dem Sinne\nder Eingangsworte hier überflüssig sein. Die für höhere\nBegriffe empfänglichen Freunde Pinterics und Vogel waren\nunserem Componisten bald ins Jenseits nachgefolgt, Aloys\nFuchs, der treffliche musicalische Antiquar und Sammler,\nhatte sich um F. Schubert immer ku wenig bekümmert\nwo also noch ferner anklopfen? (In ganz ähnlicher Weise\nerging es mir mit verschiedenen Umfragen in Wien in Sa-\nchen Beethoven's.)\nEs ist wahr, in Schubert's Leben gab es nicht Berg,\nnicht Thal, nur gebahnte Fläche, in der er sich in stets\ngleichmässigem Rhythmus bewegte. Auch sein Gemüths-\nzustand glich einer spiegelglatten Fläche und war durch\näusserliche Dinge nur schwer zu irritiren; er befand sich\nim schönsten Einklänge mit dem Grundwesen seiner Cha-\nrakter-Eigenschaften. Man darf gestehen, dass sein« Tage"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "82", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570314-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5093, "texte": "dahinflössen, wie es dem arm Geborenen und arm Geblie-\nbenen in bürgerlicher Sphäre geziemt. Bis ins zehnte Le-\nbensjahr im väterlichen Hause, von da bis ins siebenzehnte\n„ Sängerknabe\" im kaiserlichen Convict und auf den Schul-\nbänken des Gymnasiums sitzend, alsdann drei Jahre Schul-\ngehülfe bei seinem Vater in der wiener Vorstadt Lichten-\nthal, letztlich Ciavierspieler und zwar musterhaft und\nComponist nach alleinigem Gefallen, dabei frei und unab-\nhängig, weil sein Verleger schon 10 Gulden lür ein Heft\nLieder, 15 Gulden lür ein Ciavierwerk honorirt hat. Für\nden Abgang so genannter nobler Passionen und Bedürf-\nnisse nach Art moderner Musiker hatte die Dürftig-\nkeit im väterlichen Hause frühzeitig gesorgt. Familiensor-\ngen und Kümmernisse mancherlei Art, in nicht gesicherten\nehelichen Verhältnissen ihre Quelle findend, lähmten dem\nGenius die Schwingen auch nicht; denn er stand allein in\nseinem Zauberkreise, von Familien-Prosa nicht angefochten.\nDas Lehramt in Musik hatte er die letzten acht Jahre\ngleichfalls aufgegeben, somit auch die Quelle grosser Müh-\nsale und grossen Undanks verstopft. Beisen hat er auch\nnicht gemacht. Was er in weiterer Ferne als in der wiener\nUmgegend kennen lernte, beschränkt sich auf einige Aus-\nflüge mit Vogel auf dessen Landgut zu Stadt-Steyer in\nOber-Oesterreich, hauptsächlich auf den längeren Aufent-\nhalt mit diesem Freunde in Gastein (1825), wo die Be-\nkanntschaft mit dem Patriarchen von Venedig, Ladislaus\nPyrker, dem grossen epischen Dichter, erfolgte. Diesen\nMoment pries Schubert als einen der erhebendsten in sei-\nnem Leben.\nDies der unvergoldete Rahmen dieses ruhig und un-\ngestört dahin fliessenden Künstlerlebens, ohne besondere\nAnsprüche an die Gegenwart, mit äusserst bescheidenen\nHoffnungen lür die Zukunft. Wie gern würde ich mich be-\nmühen, es nach bestem Vermögen zu illustriren! jedoch\nman kennt die Gründe, warum es nicht geschieht. Wie\nmager und dürftig das mir zugekommene Heft ist, mag\nman daraus erkennen, dass selbst der im Illustriren moder-\nner Künstlergrössen so geschickte Herr Franz Liszt\nausser Stande gewesen zu sein scheint, in diesen Skizzen,\ndie ihm später zu gleichem Zwecke zugeschickt wurden\n(wie man mir aus Wien gemeldet), den benöthigten Stoff\nzu einem effectvollen Panegyrikus in hebräischer Spra-\nche zu entdecken.\n• Indess, bedarf es denn wirklich dicker Bücher oder\ngar Folianten zur Schilderung eines bedeutenden Mannes\nin Kunst und Wissenschaft? Hat uns denn nicht der alte\nPlutarch schon das ungefähre Längenmaass zum Aufzeich-\n* !\nnen von Biographieen gegeben, ein Maass, das Jedermann\nzu überschauen im Stande ist? Vermag denn das Anhäu-\nfen von Material und individuellen Urlheilen zum tieferen\nVerständnisse eines Autors in Summa, vornehmlich eines\nComponisten, in der That beizutragen, dessen Werke längst\nGemeingut der Völker geworden? Ansicht gegen Ansicht?\nUrtheil gegen Urtheil? Auf welcher Seite ist absolute\nWahrheit oder nur ein entscheidendes Uebergewicht der\naproximativen Wahrheit*)? Glückliches Zeitalter der\nKünste, in dem die Vielschreiberei noch nicht gekannt war,\nin dem es noch nicht Tausende von Journalen und Büchern\ngegeben, die sich abmühen, die widersprechendsten Urtheile\nüber Einen und denselben Gegenstand, so in Politik, so in\nKunslsachen, ins Publicum zu bringen! Eingangs dieser\nAufzeichnungen erlaubte ich mir, die wiener Presse frühe-\nrer Jahre indolent zu nennen. Gut, dass es so damit ge-\nstanden ; wäre sie geschwätzig, vorgreifend, parteiisch oder\naller Welt Dienerin gewesen, wie die von heute**), die\ngefeierten Meister Beethoven und Schubert wären dem\nSchicksale nicht entgangen, von dem Einen kritisch zersetzt,\nrichtiger zerfetzt, von dem Anderen aber unverschämt ge-\nlobhudelt zu werden.\nVerzeiht dem nachgerade müde gewordenen Wande-\nrer, der auf seinen künstlerischen Lebenswegen nicht we-\nnigen von der Natur reich ausgestatteten Talenten begeg-\nnet, sie aber oft schon in ihrer ersten Entwicklungs-Periode\nverkümmern oder in Folge journalistischer Einwirkungen\nzu Grunde gehen gesehen, wenn er wieder von der einge-\nschlagenen Dahn etwas abwich. Dennoch will es ihn be-\ndünken, dass er mit festem Fusse darauf stehen verblieben.\nEinst hatte ich Veranlassung, zu zeigen, wie misslich es\num die primitive und auch künstlerische Erziehung bei\nBeethoven ausgesehen. Dennoch hat sein Genius einen\nHöhepunkt erstiegen, von dem er frei und frank ins künf-\ntige Jahrhundert hinüber blicken wird, unbehindert von\njenen Kritikern, die seine Musik mit Ohren aus dem acht-\nzehnten Jahrhundert hören. Wrer hat denn Schubert's\nkünstlerische Erziehung geleitet? Zumeist die Umstände\nund der Genius selbst, am wenigsten der unmittelbare Un-\nterricht. Vernehmet beispielsweise an geeigneter Stelle,\ndass die Ossi an i sehen Gesänge, die Jedermann als\neines der hervorragendstenProducte des reifen Künstlers\n\n*) Z. B. Fetis, Berlioz, Lenz und nun Ulibischeff —■. über Beet-\nhoven.\n**) Dass dies nicht auch die Monatschrift für Theater und Musik\ntreffen kann, das einzige in jeder Beziehung unabhängige\nKunst-Organ in ganz Oesterreich, versteht sich wohl von selbst."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "83", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570314-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4999, "texte": "Begrüsste, schon im Alter von sechszehn Jahren, also noch\nim Convict, componirt worden, und zwar mit einem so\nschlechten, undeutschen Texte, der bei Schubert's Vor-\ntrage in unserem oben geschilderten Kreise Lachen erregt\nhat. Das veranlasste Herrn Pinterics, seinen Freund, Herrn\nvon Hummelauer (gegenwärtig Ministerial-Rath im\nauswärtigen Departement), zu ersuchen, eine vollständige\nUmarbeitung nach dem englischen Texte vorzunehmen, die\nalsdann der Musik unterlegt wurde.\nSo Vieles, unseren Schubert betreffend, lebt noch frisch\nin meiner Erinnerung, das der Mittheilung nicht unwerth\nwäre. Aber wie leicht könnte ich in den Fehler verfallen,\nden man verschiedenen Schubert'schen Compositionen mit\nRecht vorwirft! Es möge darum nur Eines noch angereiht\nwerden, bevor wir uns dem Monumente nähern, das unser\nFreund sich selber gesetzt hat. Sicherlich wird es den Be-\nschauer in nicht geringes Erstaunen versetzen, wären ihm\nauch dessen Umrisse schon zum Theil bekannt.\nDer gute Erfolg meines Bemühens, Beethoven noch\nauf seinem Sterbebette Gelegenheit gegeben zu haben,\nSchubert's Talent von der rechten Seite kennen und wür-\ndigen zu lernen, was durch gemeine Naturen früher immer\nverhindert worden, hat mir Schubert's Dank und besondere\nAnnäherung erworben. Ich hatte somit das Vergnügen, ihn\nim Sommer von 1827 öfters bei mir „auf-\ngeknöpft\" zu sehen. Bei diesen Besuchen hatten ihn ge-\nwisse Abtheilungen in dem literarischen Nachlasse Beetho-\nven's ganz besonders beschäftigt, darunter wieder die man-\ncherlei dem grossen Meister eingesandten lyrischen Dich-\ntungen. Eine Sammlung von vielleicht zwanzig Nummern\nfesselte seine Aufmerksamkeit, weil ich ihm sagen konnte,\ndass Beethoven mehrere davon zu eigener Composition be-\nzeichnet halte. Die Frage nach dem Dichter dieser Samm-\nlung— die noch vollständig vorhanden— wusste ich nicht\nmit Gewissheit zu beantworten; es schien mir Herr L.\nRellstab oder Varnhagen von Ense zu sein. Schubert\nsteckte diese Gedichte zu sich. Schon nach zwei Tagen\nbrachte er mir in Musik gesetzt: „Liebesbotschaft\", „Krie-\ngers Ahnung\" und „Aufenthalt\". Diese, wie noch vier\nandere aus jener Sammlung bilden den grössten Theil des\nInhalts im „Schwanengesang\", mit Beisetzung des Namens\n„Rellstab\". 1843 in Berlin fragte ich Herrn Reilstab,\nob er wirklich der Verfasser jener Gedichte sei. Seine\nAntwort war weder ein entschiedenes Ja, noch ein Nein.\nAnfragen bei Anderen blieben gleichfalls erfolglos. Da je-\ndoch andere Gründe als blosse Neugierde vorliegen, den\nNamen des Dichters sicher zu kennen, so erlaube ich mir,\ndas laute Ansuchen zu stellen, wer den Namen der Verfas-\nser jener sieben Texte in Scbubert's „ Schwanengesang\"\nkennt, ihn gefälligst bekannt machen zu wollen. Der pa-\ntriotische Inhalt einiger weiset auf einen Preussen hin.\nVarnhagen ist der Verfasser nicht.\nIV.\nVixi, scripsi, dixi.\n*\nNach Aufzählung der enormen Anzahl von Joseph\nHaydn's Werken bemerkt der Verfasser der biographi-\nschen Notizen (der königlich sächsische Legationsrath Grie-\nsinger, Haydn's vertrauter Freund) auf Seile 4: „Man\nstaunt über eine solche Fruchtbarkeit; Haydn selbst pflegte\nsich darüber zu wundern und zu sagen, er wisse sich keine\npassendere Grabschrift, als die drei Worte: Vixi, scripsi,\ndixi!\" Mit den beiden ersten Worten lässt sich füglich\nauch der ganze Lebensgang von Schubert charakterisiren,\nmit dem Unterschiede jedoch, dass dem Vater Haydn zur\nHervorbringung seiner Kunstwerke mehr denn fünfzig\nJahre zugemessen waren, Schubert aber nur sechszebn\nbis achtzehn, wenn man noch einige seiner Knabenjahre\nmit hinzu zählen will.\nSpricht die Hinterlassenschaft unseres jungen Meisters\nnicht klar und deutlich aus, wie es um seinen sittlichen\nWrandel und folgerecht um die Verwendung jeder Stunde\nZeit bei ihm ausgesehen? Und dennoch ist der falsche\nGlaube verbreitet und fest gewurzelt, Schubert habe ein\nunordentliches Leben gelührt, sei dem Trünke ergeben ge-\nwesen u. dgl. *). Das ist so unwahr, als es unwahr ist,\nBeethoven habe Noth gelitten und sei Hungers gestorben.\nSolche Lügen niederzuschlagen, ist keine Möglichkeit, weil\nsie von einzelnen theils unwissenden, theils böswilligen\nJournalisten immer wieder vorgebracht werden, um ihren\nschaamlosen Doctrinen als Folie zu dienen. Was half es\nmir, Herrn Escudier, Redacteur der France Musicale,\npersönlich über Beethoven's Lebenslage aufzuklären? Sein\nAusfall aus jüngster Zeit im J zeigt es.\nEr hat die Unverschämtheit, dort auszurufen: „Das Leben\nBeethoven's, der bis zum Grabe von Entbehrungen und\nLeiden, vom Neide und von der Intrigue verfolgt wurde,\nist eine ewige Schmach lür diese deutsche Nation, die kalt\n\n*) Wie sehr diese üble Nachrede verbreitet ist, findet sich in\nUlibischefFs Beethoven, ses critiques et ses glossateursDort\nheisst es Seite 37: ~// nie reste ä faire mention d'un musicien\nqui s'cssaya dans tons les genres et qui aurait peut-etre egale\nBeethoven ou Weber, si des passions mavvaises ne Vavaient\nperdu et sil n'elait morl tont jeune. Je parle de Franz Schubert/'"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "84", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570314-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4671, "texte": "wie ihr Himmel ist. \"Und diesen Schimpf konnten deutsche\nBlätter ohne irgend eine Anmerkung weiterverbreiten!?\n[Welche denn?]\nSomit sind wir bei jenem Monumente angekommen,\ndas uns die ungeheure Fruchtbarkeit des Schubert'schen\nGenius mit wenig Blicken übersichtlich macht, das die\nStelle einer voluminösen Biographie vertritt, überhaupt die\nschönste Grabrede ist, die der Heimgegangene sich selber\ngeschrieben. Ich meine den Katalog seiner Werke. Daraus\nmöge die Musikwelt ersehen, wie viele Sinfonieen, Quar-\ntette, dramatische und kirchliche Werke u. s. w. vorhan-\nden und wie wenige davon edirt sind. Rechnen wir nach\nDiabelli's Mittheilung von 1831, der den Nachlass damals\nerworben noch fünfhundert einige und sie ben-\nzig Lieder und Gesänge, mit Einschluss der geist-\nlichen und mehrstimmigen Chöre u. dgl. hinzu, so haben\nwir die Gesammtmasse der Erzeugnisse der Schubert'schen\nTonmuse vor Augen.\nDer Katalog beginnt mit Schubert's dreizehntem Le-\nbensjahre, mithin von\n1810. In diesem Jahre componirte er die erste Phantasie für Cia-\nvier zu vier Händen.\n1811. a.Eine Quintett-Ouverture.\nb.Ein Streich-Quartett.\nc. Eine Phantasie zu vier Händen.\nd.Mehrere Lieder, darunter sein allererstes, „Hagar's Klage\".\n1812. a. Zwei Streich-Quartette (D und B).\nB.Sonate, resp. Trio für Pianoforte, Violine und Cello.\nc. Quartett-Ouverlure in B.\nD.Ouvertüre für Orchester in\ne. Sechs Variationen für Pianoforte in Es.\nf. Andante in C für Pianoforte.\ng. Salve Regina, vierstimmiger Canon.\nh. Kyrie für vier Singstimmen, und\ni.mehrere Lieder.\n1813. a.Octett für Blas-Instrumente.\nB.Drei Menuette und Trio's für ganzes Orchester.\nC.Vier Streich-Quartette in C, und\nd. Drei Kyrie,\ne. Dreissig Menuette und Trios für Pianoforte.\nF.Sinfonie in D.\ng.Die dritte Phantasie zu vier Händen.\nh.Mehrere Terzette und Canons.\nEine Menge Lieder, darunter der Taucher von Schiller.\n1814. a. Drei Streich-Quartette in C-moll, D und B.\nB.Fünf Menuette und sechs Deutsche sammt Trio's für Quar-\ntett und zwei Hörner.\nC.Lied und Chor mit Orchester-Begleit. (Wer ist wohl gross?)\nd.Grosse Messe in F.\ne. Tantum ergo in C.\nf. Salve Regina für Tenor-Solo.\ng. Wieder viele Lieder.\n1815. a. Zwölf Deutsche sammt Coda für Pianoforte.\nb. Zehn Variationen für Pianoforte.\nc. Grosses Magniftcat.\nd. Die Freunde von Salamanca. Komisches Singspiel in 2 Acten.\ne. Der vierjährige Posten. Singspiel in 1 Act. Geschr. in 7 Tagen.\nf. Salve Regina. Sopran-Solo.\ng. Offertorium. (Tres su?it.)\nh. Fernando. Singspiel in 1 Act. Geschrieben in 7 Tagen.\ni. Zwei Sinfonieen, in D und B.\nk. Zweites Dona nobis zur Messe in F.\nI. Namensfeier. Kleine Cantate.\nm. Zwei Sonaten für Pianoforte, in E und C.\nn. Streich-Quartett in G-moll.\n0. Messe in G.\np. Ungeheuer viele Lieder, darunter „Adelwald und Emma\"\nund Schiller's Bürgschaft.\n1816.a. Trio für Violine, Viola und Violoncello.\nb. Quartett in E-dur.\nc. Concert für die Violine.\nd. Rondo in A für Violine.\ne. Die Bürgschaft. Oper in drei Acten. (Nicht vollendet.)\nf. Sinfonie in B.\ng. Tragische Sinfonie in C-moll.\nh. Stabat maiev von Klopstock. Oratorium.\n». Cantate von Hoheisel.\nk. Sonate für Pianoforte in Es.\n1. Drei Sonaten für Pianoforte und Violine.\nm. Clavier-Concert.\nn. Requiem. (Nur der erste' Satz bis zur Fuge.)\no. Ouvertüre zur Cantate von Hoheisel.\np. Tantum ergo.\nq. Chor der Engel für 4 Singstimmen. (Christ ist erstanden.)\nr. Deutsches Salve Regina für 4 Singstimmen mit Orgel.\ns. Duetto für Sopran und Tenor.\nt. Eine Menge Lieder.\nu. Messe in C-dur.\n1817. a, Quintett f. Pianof., Violine, Viola, Violoncell u. Contrabass.\nb. Polonaise für Violine.\nc. Trio für Violine, Viola und Violoncell.\nd. Sinfonie in C-dnr. (Die einzige bis nun gedruckte.)\ne. Zwei Ouvertüren in italienischem Stil, in C und D.\nf. Vier Sonaten für Pianoforte in Es, E-moll, A-moll und As.\ng. Sonate für Pianoforte und Violine in A-dur.\nh. Viele Lieder.\n1818. a. Rondo für Pianoforte zu 4 Händen.\nb. Zwei Sonaten für Pianoforte in C-dur und F-moll.\nc. Variationen zu 4 Händen. (Beethoven gewidmet.)\nd. Sonate zu vier Händen in B,\ne. Viele Lieder.\n1819. a. Die Zwillingsbrüder. Posse in einem Acte.\nb. Ouvertüre in E.\nc. Cantale für Sopran, Tenor und Bass mit Pianoforte-Begl.\nd. Viele Lieder.\n1820. a. Quartett in C-moll.\nb. Auferstehung. Oratorium von Niemeyer. (Ein TheiL)\nc. Sechs Antiphonen zur Palmweihe.\nd. Viele Lieder.\n1821. a. Gesang der Geister über den Wassern von Göthe, für 8\nMännerstimmen mit Begleitung von 2 Violen, 2 Violon-\ncelli und Contrabass.\nb. Sehr viele Lieder.\n1822. a. Alphonso und Estrella. Grosse Oper in 3 Acten.\nb. Tantum ergo in D.\nc. Lieder.\n1823. a. Fierabras. Heroische Oper in 3 Acten.\nb. Der häusliche Krieg von Castellh Operette in 1 Act."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "85", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570314-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1935, "texte": "e. Siebenzehn Deutsche für Pianoforte.\nda Sonate in A-moll.\ne. Sonate für Pianoforte und Arpeggione (?) in A-moll.\nf. Viele Lieder.\n1824. a. Octett für zwei Violinen, Viola, Clarinette, Fagott, Horn,\nVioloncello und Contrabass.\nb. Quartett in D-moll.\nc. Salve Regina in C für vier Männerstimmen.\nd. Viele Lieder.\n1825. a. Drei Sonaten, A-dur, C und D, letztere in Gastein comp.\n182 G a. Trio in Es für Pianoforte, Violine und Violoncello.\nund b. Schlachtlied von Klopstock für 8 Männerstimmen.\n1827. c. Chor mit Alt-Solo und Pianoforte-Begleitung.\nd. Deutsche Messe für vier Singstimmen und Orgel,\nc. Quartett in G-dur.\nf. Nachthelle, Solo u. Chor für xMännerst. u. Pianoforte-Begl.\ng. Eine Menge Lieder.\n1828 a. Grosse Messe in Es-dur (eines seiner vollendetsten Werke).\nb. Quintett für 2 Violinen, Alto und 2 Violoncelle.\nc. Drei grosse Sonaten für Pianoforte, mit der Dedication an\nHummel. Die Verlagshandlung dedicirte sie später Robert\nSchumann.\nd. Sonate in Es-moll.\ne. Duo für Pianoforte in A-moll.\nf. Hymnus an den heiligen Geist, für 8 Männerstimmen mit\nwillkürlicher Begleitung von Blas-Inslrumenten.\ng. Ein zweites Benedictas zur Messe in C-dur.\nh. Tantum ergo in Es.\nt. Tenor-Arie mit Chor.\nk. Viele Lieder, darunter mehrere, die im „Schwanengesang'4\naufgenommen sind.\nI. Die Correclur des Druckes der zweiten Abtheilung von der\n„Winterreise44 macht den Beschluss der künstlerischen\nWirksamkeit dieses ausserordentlichen Mannes,\nAm 19. Nov. raffte ihn ein Nervenfieber hinweg.\nWer ein gutes Bildniss von Schubert besitzen will,\ngreife nach dem kleinen, von Passini noch bei Lebzeiten\no\ndes Componisten gefertigten (Wien, Witzendorf). Das von\nKriehuber erst 1846 bei Spina erschienene (in Gross-\nFolio) ist der massiven Umrisse und nothwendig daraus\nhervorgehenden Mängel wegen vielleicht das wohlgetrof-\nfene Bildniss einer mit der Materie in naher Berührung\nstehenden Celebrilät, nicht aber des Tondichters Franz\nSchubert."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-03-14-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-03-14_01#c003", "volume": "bmtnabi_1857-03-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "85", "page_fin": "87", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570314-01.2.3", "titre_corps": "Aus Leipzig.", "titre_sommaire": "Aus Leipzig.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "85", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570314-01.1.5", "debut_caractere": 1937, "fin_caractere_exclue": 4894, "texte": "Aus Leipzig.\n[Liszt-Concert\nKammermusik.]\nDer grosse Tag, der 26. Februar, ist vorüber. Das\nConcert zum Besten des Orchester-Pensions-\nInstituts ist verrauscht, aber „die Resultate desselben\nhaben tiefe Wurzeln geschlagen, die Folgen werden uner-\nmesslich sein!\" Das möchte man uns gern glauben ma-\nchen; aber es glaubt's Niemand. Den bekannten kleinen\nKreis von gescheiterten Componisten und unmusicalischen\nLiteraten ausgenommen, haben höchstens einige Enthu-\nsiasten die Sache lür Ernst gehalten; (ür die ganze übrige\nmusicalisch gebildete leipziger Welt war es ein interessan-\nter Spass, der weder kunstgelährliche noch kunstlördernde\nFolgen haben wird, sondern gar keine. Heutzutage ist bei\nden meisten Dingen der Rumor, der vorher gemacht\nwird, die Hauptsache; kommt das Ding endlich selbst zum\nVorschein, so verpufft es, und einige Tage daraut weiss\nman kaum noch, dass es da gewesen. Auch bei uns waren\ndie Leute weit mehr gespannt und bewegt, als die Sache\nverdient. Jetzt sind die Aufgeregten meist ernüchtert und\nhaben sich von dem, was die Vernünftigen längst wussten,\nebenfalls überzeugt, dass nämlich bei den Orchester-Com-\npositionen von Franz Liszt von dem Aufleuchten einer\nneuen grossen Wahrheit, von dem Durchbruche einer die\nTonkunst neu gestaltenden Idee gar keine Spur vorhanden\nist. Was von seinen symphonischen Dichtungen bis jetzt\ngedruckt vorliegt, ist nichts Anderes als instrumen-\ntirte Ciaviermusik in Form der modernen so genann-\nten Clavier-Phantasie, d. h. ungefähr eben so viel, als ohne\nalle Form. Wie man diesen Compositionen gegenüber mit\nscheinbarem Ernste von einem „ganz neuen Genre\", von\n„Erschaffung einer selbstständigen Form\", von einer\n„künstlerischen Erscheinung ersten Ranges\", von der „Ge-\nwalt des Genie's\" sprechen kann, ist einem Unbefangenen\ngeradezu unbegreiflich. Es sind Transscriptionen,\nweiter nichts; der Verfasser ist desUebertragens der Lieder-,\nOpern- und Sinfonie-Musik auf das Ciavier überdrüssig und\ntransscribirt nun am Ciavier gedachte Musik für das\nOrchester.\nWir hörten in dem Concert am 26. Februar die Pre-\nludes und den Mazeppa zwei Compositionen, zu denen\nGedichte von Lamartine und Victor Hugo den Verfasser\nbegeistert haben. Dass die neue Schule den so genannten\nInhalt ihrer Musik immer von aussen holt, sind wir schon\ngewohnt; der Verdacht, dass die innere Armuth an musi-\ncalischen Gedanken sie dazu nölhigt, liegt freilich nahe und\nwird leider sehr häufig durch die That bestätigt. Beide\nDichtungen beruhen auf fremder, dem deutschen Gemüthe\nweder entwachsener, noch ihm zusagender Gefühls- und\nEmpfindungs-Weise, und ohne über den poetischen oder\nsittlichen Werth derselben absprechen zu wollen, bemerken\nwir nur das Eine, dass in diesen Poesieen das Abson-\nderliche den Grundton anschlägt, der durch das Ganze\nfortklingt. Und so ist es denn auch in der Musik Liszt's;\neinen Strom von melodischer Lebenswärme, eine aus dem\nInnern quellende harmonische Befriedigung, einen musica-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "86", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570314-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5039, "texte": "lisch-logisch sich entwickelnden Ideengang suchen wir ver-\ngebens. Nur die Willkür, der Kunstgriff, nicht das Kunst-\nGenie, halten die Form nothdürflig zusammen, und der\nzügel- und flügellose Pegasus tummelt sich namentlich im\nMazeppa wie seine Genossen im Renz'schen Circus auf der\nErde herum, vermag nicht, sich irgendwo und irgendwie\nzu erheben, und begnügt sich, Staub aufzuwirbeln (pulve-\nrem collegisse).ln den Preludestaucht wohl noch hier und\nda ein in etwa musicalisches Motiv auf, das dem Ausdruck\neiner menschlichen Regung ähnlich sieht; aber wie bald\nwird es erstickt und begraben von der Springflut des\nhereinbrechenden Tonmeeres! An künstlerisches Ebenmaass,\nan selige Beruhigung durch Anschauen der Schönheit und\nWahrheit ist bei diesen fieberhaft athmenden Tongebilden\nnicht zu denken.\nRein musicalisch betrachtet, ist ausser der wirklich\nauffallenden Gedanken-Armuth der gänzliche Mangel an\nthematischer Arbeit zu rügen. Man wird uns von der an-\nderen Seite entgegen halten, thematische Arbeit sei alter\nZopf, Liszt verschmähe sie. Um Verzeihung! müssen wir\nantworten, das Letzte ist so wenig wahr, wie das Erste;\nLiszt wie sein Freund Wagner Berlioz steht in diesem\nPunkte höher legen allerdings Themata's zum Grunde\nund versuchen, sie durchzuführen; aber wie? Sie bringen\nsie, nachdem allerlei Hokuspokus, der nicht im Geringsten\ndamit zusammenhängt, dazwischen gebruddelt worden, ein\noder ein paar Mal in verschiedenen Lagen wieder, trans-\nponiren sie in andere Tonarten, verbreiten sie durch rhyth-\nmische Dehnung, steigern sie durch Klangwirkungen und\nLärm, nicht aber durch neue harmonische Unterlage; aber\ndie eigentliche Entwicklung derselben als Grundgedanken,\nihr sich ausbreitendes Emporwachsen und die organische\nHerausbildung des ganzen Beiwerkes (der Nebengedanken)\naus ihnen das ist nirgends zu finden. Sie wollen wohl\nthematisch arbeiten (sonst wäre ja auch der Gedanke, ein\nbestimmt Ausgesprochenes ein Gedicht, eine Stim-\nmung, eine Empfindung— ihrer Musik zum Grunde zu le-\ngen, ein wahrer Irrsinn), aber sie können nicht; das Ta-\nlent versagt ihnen, und da nun auch die Erfindung nicht\ngenial ist, so kann diese Art, zu componiren, keinen Boden\ngewinnen auf dem Gebiete der Tonkunst, und wird nur\n'\nephemere Erscheinungen ans Licht lördern. Selbst die\nsonst bei wirklich tiefer Musik oft mit Recht, bei abstruser\nund überkünstelter mit Unrecht und nur zur Entschuldi-\ngung vorgebrachte Phrase: „Man kann solche Werke\nnicht auf der Stelle fassen, man muss sie studiren, ergrün-\nden, öfter hören\" passt hier keineswegs. Nichts ist\nleichter, als das Verständniss dieser symphonischen Dich-\ntungen; das, was andere Compositionen, z. B. die meisten\nSchumann'schen, schwer macht, die versteckte und com-\nplicirte thematische Arbeit, die Consequenz der Ideen-\nDurchführung, die contrapunktische Combination, \"das ist\nalles bei Liszt nicht vorhanden. Es ist kindei leicht, die\nStücke und die Stückchen, die an einander gesetzt sind,\nzu sondern und zu gliedern; aber den rothen Faden zu\nentdecken, der sie alle durchzieht und zur Einheit verbin-\ndet, das ist nicht etwa mühsam, sondern unmöglich, weil\neben keiner da ist.\nIch bin mit meinem Berichte gleich in medias res\nhinein gerathen. Ich hole jetzt den Concert-Zettel und\nNotizen über Aeusseres nach. Das Concert hatte zwei\nTheile; im ersten dirigirte Rietz, im zweiten Liszt. Diese\nVerzichtleistung des Ersteren wurde von der Concert-Di-\nrection, wir wissen nicht, ob verlangt oder nur gebilligt,\nund war wohl mehr als blosse Höflichkeit, die sonst eben\nnicht die starke Seile derselben gegen fremde Künstler ist.\nDemjenigen, dem es um ein wirkliches Urlheil über die\nLiszt'schen Compositionen zu thun war, musste es lieb sein,\ndass er sie selbst dirigirte, weil ja nun, wie es ihre Vor-\nreden verlangen, „dem periodischen Vortrage mit\ndem Hervortreten der besonderen Accente und der Ab-\nrundung der melodischen und rhythmischen Nuancirung\ndurch die geistige Auffassung des Dirigenten, durch sym-\npathisch schwungvolles Reproduciren\" (!) sein volles Recht\nwerden musste mithin die Entschuldigung einer schlech-\nten Ausführung eben so wegfiel, wie die eines schweren\nVerständnisses. Nicht lieb war uns dagegen das von Wei-\nmar mitgebrachte Gefolge der Adepten und Aspiranten,\nwelche, da viele Plätze leer geblieben, sich gleichmässig\ndurch den Saal vertheilten, die Stimmung der Umsilzenden\nzu bearbeiten und missliebige Meinungs-Aeusserungen durch\nSchreien und Klatschen zu unterdrücken suchten. Dieses\nManöver war unwürdig und rief Gegen-Demonslrationen\nhervor, die eben so wenig am Orte waren. Der besonnene\nTheil der Zuhörerschaft betrachtete die Komödie mit Lä-\ncheln und Schweigen.\nIm ersten Theile hörten wir eine kurze Ouvertüre\nvon Rob. Schumann zu einem Singspiel „Hermann und\nDorothea\", in welcher die Marseillaise das Haupt-Thema\nbildet. Sie wäre besser im Familienschrein geblieben, aus\ndem man sie als nachgelassenes Opus 136 hervorgezogen\nhat. Frau von Milde sang das Gebet aus Schümann'«\nGenovefa recht schön, worauf ein Herr Grün aus Pesth,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570314-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3862, "texte": "ein noch junger, tüchtiger Geiger, das Adagio und Rondo\naus Vieuxlemps' E-dur-Concert spielte.\nMan sieht, der erste Theil war Nebensache. Im zwei-\nten gab es ausser den bereits genannten zwei symphoni-\nschen Dichtungen noch ein Clavier-Concert in mit\nOrchester, vortrefflich gespielt von Herrn von Bülow,\nund eine Romanze, gesungen von Herrn von Milde, eben-\nfalls von Liszt; dazwischen ein Duett aus dem „Fliegen-\nden Holländer\" von Wagner. Das Clavier-Concert steht\nauf einer etwas höheren Stufe, als der Mazeppa; eine be-\nsondere Bedeutung können wir ihm aber auch nicht zuge-\nstehen, es strotzt ebenfalls von Absonderlichkeiten und lässt\nkeinen Total-Eindruck aufkommen. Das Duett von Wagner\ngehört seiner früheren Periode an; es wurde sehr schön\ngesungen und gefiel mit Recht.\nDas Exlra-Concert der Euterpe am 3.März brachte\nGluck's Ouvertüre zur Iphigenie, die Scene mit dem Fu-\nrienchor aus dessen Orpheus (Fräul. Franc iscaSchreck\nsang mit Ausdruck, doch wünschten wir eine pathetischere\nDramatik), Beethoven's Phantasie mit Chor (Pianoforte-\nstimme von W. Speidel sehr brav ausgeführt) und Rob.\nSchumann's „Pilgerfahrt der Rose\", eine Composition,\ndie schon bei einer früheren Aufführung durch ihre Innig-\nkeit ansprach, jedoch an Eintönigkeit leidet, was sich auch\njetzt, trotz der guten Ausführung, wieder herausstellte.\nIm 19. Gewandhaus-Concerte, den 5. März, machten\ndie alten Heroen, Händel mit dem Alexanderfest und\nBeethoven mit der C-mo//-Sinfonie, recht auffallend Front\nmit ihrer Musik voll Poesie gegen die Musik nach der\nPo esie. Es war, als wenn eine eherne Phalanx drein-\nschlüge und ein bramarbasirendes, bunt belapptes und be-\nkapptes Gesindel nach allen vier Winden aus einander\nstäubte. Das Publicum nahm besonders die Sinfonie mit\neinem wahren Jubel auf. Die Soli im Händel sangen Frau\nNissen-Saloman, Herr R. Otto (Tenor) und Herr E.\nSabbath (liass) mit seltener Meisterschaft.\nDie VI. Abend-Unterhaltung für Kammermusik\nbeschloss am 16. Februar den Cyklus. Sie führte ein Vio-\nlin-Quartett von Friedr Hermann und „humoristische\nVariationen, Scherzo und Festmarsch\" von J. Moscheies\nvor. Das Quartett erhielt einen Moscheies\nspielte selbst; er wurde mit rauschendem Beifalle begrüsst,\nund sein Werk, das zu Ostern bei F. Kistner erscheinen\nwird, fand wie sein meisterhaftes Spiel eine glänzende Auf-\nnahme. - In dem ganzen diesjährigen Cyklus kamen zum\nersten Male zur Aufführung: Beethoven's nachgelasse-\nnes Quartett für Streich-Instrumente in F-dur, Op. 135\nQuartett von Friedr. Hermann Variationen,\nScherzo und Marsch von Ignaz Moscheies Quartett\nin G-dur,Op. 161, von Franz Schubert und Octett\nvon demselben, Op. 166. Die übrigen zu Gehör ge-\nbrachten Compositionen waren: 1) sieben Quartette für\nStreich-Instrumente: Beethoven, Op. 18, Nr. 3, D-dur,\nOp. 127, Es-dur, und Op. 131, —Mendelssohn,\nE-moll, Op. 44, Nr. 2—-Fr. Schubert, .Schu-\nmann, A-dur—Spohr, Doppel-Quartett in —2)\nein Quartett für Pianoforte und Streich-Instrumente von\nMmdelssohn, /7-mo//, Op. 3; —3) ein Quintett für Streich-\nInstrumente von Mozart, Es-dur; —4) vier Trio's, für\nStreich-Instrumente: Beethoven, Op. 8, Serenade, und Op.\n3 von demselben; b) für Pianoforte, Violine und Violon-\ncell: Beethoven, Op. 97, und Schumann, Op. 110, Nr. 3;\n5) ein Pianoforte-Stück: Beethoven's Sonate, Op. 27,\nNr. 1. Die Instrumente waren durch folgende Künstler\nvertreten: 1) Pianoforte: Fräul. Louise Hauffe, Herr\nProfessor Moscheies, Frau Clara Schumann, Fräul.\nEmma v. Staudach aus Wien. 2) Violine: Herr Con-\ncertmeister David (erste), Herr Concertmeister Drey-\nschock (erste), Herr Haubold (zweite), Herr Röntgen\n(erste und zweite). 3) Bratsche: Herr Hermann, Herr\nHunger. 4) Violoncell: Herr Elz ig, Herr Grützma-\ncher, Herr Capellmeister Rietz. 5) Contrabass: Herr\nBackhaus. 6) Clarinette: Herr Landgraf. 7) Fagott:\nHerr Weissenborn. 8) Waldhorn: Herr Lindner."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-03-14-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-03-14_01#c004", "volume": "bmtnabi_1857-03-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "87", "page_fin": "88", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570314-01.2.4", "titre_corps": "Aus Elberfeld.", "titre_sommaire": "Aus Elberfeld.", "signature_source": "d", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570314-01.1.7", "debut_caractere": 3864, "fin_caractere_exclue": 5355, "texte": "Aus Elberfeld.\n\nAm verflossenen Samstag fand im hiesigen Casino unter Lei-\ntung des Musik-Directors Herrn Schornstein eine Gedächtniss-\nfeier zu Ehren Robert Schumann's Statt, die zu den glän-\nzendsten Aufführungen gehörte, welche wir jemals hier erlebten. Das\nProgramm enthielt nur Schumann'sche Compositionen, und zwar der\nerste Theil die überaus frische B-dur-Sinfonie, Op. 38, und das rei-\nzende Clavier-Concert in A-tnoll, Op. 54, von Herrn Brahms meister-\nhaft vorgetragen. Der zweite Theil brachte Werke aus Schümanns\nNachlass, die bis jetzt noch unbekannt waren und in Elberfeld ihre\nallererste Aufführung feierten. Die Ouvertüre zu Hermann und Do-\nrothea, eine liebliche Idylle im Genre des Singspiels, wollen wir hier\nnicht weiter besprechen, da sie bereits unter der Presse ist und bin-\nnen vierzehn Tagen der Oeffentlichkeit übergeben wird. Um so mehr\nfühlen wir uns aber gedrungen, bei dem darauf folgenden Werke zu\nverweilen, weil es eine der bedeutendsten Compositionen Schumann's\nist und jedenfalls durch ganz Deutschland die grösste Sensation\nmachen wird. Wir meinen hier Uhland's allbekannte Ballade ~Des\nSängers Fluch\", welche in der Form wie etwa Mendelssohn's Wal-\npurgisnacht von Richard Pohl, unter möglichster Beibehaltung der\nUhland'schen Verse, dramatisch gestaltet wurde.\nSchumann componirte das Gedicht im December 1851, unmittel-\nbar nach der Rose Pilgerfahrt. So hohe Schönheiten letztere auch\nenthalten mag, so steht doch einer lebensfrischen Gestaltung sowohl"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "88", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570314-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3846, "texte": "hier, wie auch in Paradies und Peri der durchaus ideale Stoff mit\nseinen körperlosen Wesen, die als Träger der leitenden Ideen vorge-\nführt werden, entgegen. Bei „Sängers Fluch\" befindet sich aber der\nComponist mitten in einer wirklichen Welt; dadurch werden die\nFormen präciser, die Gestalten plastischer, ein warmer Lebenshauch\ndurchströmt das Ganze. Der Hörer steht hier nicht mehr ausserhalb\ndes Stoffes; durch das hinzugewonnene dramatische Element fühlt\ner sich allmählich in die Handlung selbst versetzt, er erlebt sie mit,\nund seine Theilnahme wird dadurch endlich so sehr gesteigert, dass\nsie nicht mehr dem Kunstwerke, sondern der Sache selbst gilt\ngewiss der höchste Erfolg, den ein Künstler erreichen kann. Diesen\nErfolg hat Schumann in „Sängers Fluch\" so entschieden errungen,\ndass wir gerade desshalb dieses Werk seinen übrigen grösseren Ge-\nsang-Compositionen vorziehen.\nWir haben bereits gesagt, dass der Bearbeiter die Uhland'sche\nBallade fast unverändert beibehalten hat. Nur statt der drei Stro-\nphen, in welchen ganz im Allgemeinen erzählt wird, dass Harfner\nund Jüngling „von allem Süssen, was Menschenbrust durchbebt,\nund allem Hohen, was Menschenherz erhebt\", sangen, da werden\ndiese Gesänge selbst eingeflochten, und zwar in sechs Uhland'schen\nGedichten, die nicht besser gewählt werden konnten. Zuerst singt\nder Jüngling als provencalisches Lied den Anfang von „Rudello\",\ndessen reizende, innige Melodie die süsseste Liebesschwärmerei ath-\nmet. Hierauf der Harfner die Ballade: „Die drei Lieder\", durch die\neine düstere, wilde, kaum verhaltene Kraft pulsirt und durch die\noriginelle Instrumentirung ganz eigenthümliche Effecte erhält. Dann\nfolgen einige Strophen aus ~Gesang und Krieg\" als Zwiegesang zwi-\nschen Harfner und Jüngling. Der frische Odem des deutsehen Volks-\nliedes weht so erquickend durch diesen Vaterlands-Gesang, dass Je-\nder gleich mit einstimmen möchte. Nach einigen Strophen aus dem\nGedichte „Das Thal ', welche die Königin, wie in sich verloren, in\nkurzen Absätzen dazwischen singt, beginnt der Jüngling die herr-\nliche Romanze „Entsagung\", von der er unmittelbar in die Strophe\n„Hohe Liebe\" übergeht. Wunderbar treffend hat hier der Componist\ndas Ueberströmen der mächtigsten Leidenschaft bis zum delirirenden\nSelbstvergessen gezeichnet, wodurch sich die Eifersucht des Königs\nbis zur bekannten grässlichen Katastrophe steigert. Von unbeschreib-\nlicher Wirkung ist der darauf folgende Weheruf des Harfners; Pic-\ncolo, Flöte und drei Oboen bewegen sich durch Secunden-Fortschrei-\ntungen in der höchsten Lage, „dass es schaurig durch Schloss und\nGarten gellt\", und die gedämpften Violinen murmeln in der Tiefe\neine abgebrochene Triolen-Figur dazwischen. Aber die Krone des\nGanzen ist die Schlussnummer, wo der Chor mit den Worten: „Der\nAlte hat's gerufen, der Himmel hat's gehört\", das Thema der Ein-\nleitung im Unisono aufnimmt und pianissimo in den tiefsten Lagen,\nwie eine Geisterstimme, mit den Worten: „Das ist des Sängers\nFluch!\" zitternd verhallt.\nDer Eindruck, den dieses wunderbare Werk bei der ersten Auf-\nführung hervorbrachte, ist ein in Elberfeld ganz unerhörter. Der\nEnthusiasmus, den die ersten Nummern entzündeten, steigerte sich\nallmählich bis zu fieberhafter Aufregung, und allgemein sprach sich\ndie Ueberzeugung aus, dass während des letzten Decenniums keine\nComposition entstanden, die sich dieser an die Seite setzen dürfe.\nWir theilen diese Ansicht mit voller Ueberzeugung und fühlen uns\nglücklich, der Ehre theilhaftig zu sein, dem deutschen Vaterlande die\nerste Kunde von diesem köstlichen Schatze bringen zu können, der\nunser musicalisches Nationalgut um ein strahlendes Geschmeide mehr\nbereichern wird.\nIn diesem Augenblicke vernehmen wir, dass Aachen das Manu-\nscript von „Sängers Fluch\" verlangt hat, um es bei dem bevorste-\nhenden Musikfeste zur Aufführung zu bringen.\n\nd."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-03-14-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-03-14_01#c005", "volume": "bmtnabi_1857-03-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "88", "page_fin": "88", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570314-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "88", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570314-01.1.8", "debut_caractere": 3848, "fin_caractere_exclue": 5421, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nAmsterdam* Am 14. Februar ist hier van Bree im 56.\nJahre seines Alters gestorben. Sein Tod ist ein grosser Verlust für\ndie Tonkunst und namentlich für ihre Pflege in Amsterdam. Er\nstand als Dirigent der Concerte in Felix Meritis an der Spitze aller\nbedeutenderen Productionen der hiesigen musicalischen Gesellschaf-\nten, war ein ausgezeichneter Componist und Orchester-Dirigent und\nglänzte als Violinist besonders im Quartettspiel. Er hat in den letz-\nten Monaten viel gelitten und hinterlässt eine Witwe mit fünf Kin-\ndern, von denen nur erst der älteste Sohn selbstständig ist. Vermö-\ngen konnte dieser treffliche Künstler trotz seiner grossen Thätigkeit\nauch als Lehrer und trotz seiner allgemeinen Beliebtheit in dem rei-\nchen Amsterdam dennoch nicht erwerben. Jetzt rührt man sich\nfreilich; ein Concert zum Besten der Witwe hat nahe an 3000 Fl.\neingebracht, und man wird zusammentreten, um der Familie eine\nanständige Existenz zu sichern. Das Concert brachte (an der Stelle\nder früher bestimmten Fes t - Ouvertüre von van Bree) zur Eröffnung\neinen Männerchor von Viotte, Text von Heye mit Blech-Instru-\nmenten, das an seinem Grabe gesungen worden war; darauf Schü-\nmanns ~Der Rose Pilgerfahrt; im zweiten Theile F. Hiller's\n„Gesang der Geister über dem Wasser\", eine Motette von Mozart\nund Mendelssohns Finale zur Lorelei. Frau Offermans und Frau\nAlberdingk Thym sangen die Sopran-Soli, Herr Thenbergh die\nTenor-Partie. Der Saal war mit einer Büste von van Bree und mit\nTrauer-Draperieen geschmückt, alle Damen vom Chor weiss gekleidet."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "81", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570314-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nErinnerungen an Franz Schubert. (In vier Abtheilungen.) Milgetheilt von A. Schindler. 111. und IV. - Aus\nO ... . .. . < • . /-> \"1.. 1 . • /> • T» & P-1\nLeipzig (Liszt-Concert 19. Abonnements-Concert Euterpe Kammermusik). Aus Elberfeld (Gedächtnissfeier für Kobert Schu-\nmann „Des Sängers Fluch\" von demselben). lages- und Unterhaltungsblatt (Amsterdam, van Bree |).\n\nErinnerungen an Franz Schubert.\nAufgezeichnet von A. Schindler.\n(In vier Abtheilungen.)\nIII.\n„Der Grabstein allein hält die Erinnerung\nan den Todten wach.\"\nVor längerer Zeit kam mir die Abhandlung eines alten\nSchriftstellers zu Gesicht, der es sich zur Aufgabe ge-\nstellt, nachzuweisen, das im Menschen am schnellsten\nSchwindende sei das Gedächtniss für die Abgeschiedenen.\nDer Schlusssatz dieser Abhandlung dient hier als Motto.\nJa, ja, wo sie mit ihm gegessen und getrunken, wel-\nches Bier, ob März- oder Bluzer-Bier, ihm besser gemun-\ndet, wie viel Pfeifen Tabak er täglich geraucht, und ande-\nres Hochwichtiges, der täglichen Hantierung Angehöriges,\ndas wissen sie noch, das ist in ihrem grossstädtischen Ge-\ndächtnisskasten hangen geblieben; wie es aber nm das\ngeistige Leben und Weben des Abgeschiedenen stand, wel-\nches Datum diese und jene ihn nahe berührende Begeben-\nheit trägt, das wissen sie nicht mehr; kaum erinnern sie\nsich dieser Begebenheit, deren persönliche Zeugen sie doch\ngewesen, »weil es schon zu lange her ist\". Allerdings\nsind seit jenem Tage schon fünf, vielleicht zehn, vielleicht\ngar fünfzehn Jahre verflossen; inzwischen gab es in Frank-\nreich eine Revolution, in Oesterreich ward eine Verzeh-\nrungssteuer eingeführt das alles hat euren materiellen\nIdeengang stark in Anspruch genommen und in eurem\nGedächtnisse Tabula rasa gemacht. Seit den Tagen des\nfreundschaftlichen Verkehrs mit dem abgeschiedenen Franz\nSchubert hat der Eine der Vertrautesten eine hohe Stel-\nlung in der Musikwelt eingenommen, ein Anderer „sich\nverreisV, ein Dritter ist ein unglücklicher Gatte geworden,\nkurz das Bild des Freundes ist bereits bei allen gegen\ndie Wand gekehrt.\nIm Jahre 1840 ward ich von einigen Freunden Schu-\nberts aus Wien ersucht, eine biographische Schrift über\nihn abzufassen. Ich fand mich dazu bereit und wünschte\ndie Zusendung von Materialien. Unterm 12. August 1841\nschickte mir der Bruder des Componisten, Herr Ferdinand\nSchubert (gegenwärtig Director der kaiserlichen Normal-\nHauptschule zu St. Anna in Wien), ein Heft von 2 Bo-\ngen ,Skizzen zu Franz Schubert'sßiographie«, davon zwei\nDrittheile mit dem Kataloge sämmtlicher Werke des Com-\nponisten (ausgenommen Lieder und Gesänge) angefüllt sind.\nZu sagen, wie ungenügend diese Skizzen sogar in Hinsicht\nauf die zu einer biographischen Arbeit benöthigten Vorfra-\ngen seien, wie es mir ferner bei angestellter Umfrage über\nbestimmt angegebene Punkte bei verschiedenen in sehr\nengen Beziehungen mit Schubert gestandenen Männern in\nund ausserhalb Oesterreichs nicht gelungen ist, mehr zu\nerfahren, als mir bereits bekannt—dürfte nach dem Sinne\nder Eingangsworte hier überflüssig sein. Die für höhere\nBegriffe empfänglichen Freunde Pinterics und Vogel waren\nunserem Componisten bald ins Jenseits nachgefolgt, Aloys\nFuchs, der treffliche musicalische Antiquar und Sammler,\nhatte sich um F. Schubert immer ku wenig bekümmert\nwo also noch ferner anklopfen? (In ganz ähnlicher Weise\nerging es mir mit verschiedenen Umfragen in Wien in Sa-\nchen Beethoven's.)\nEs ist wahr, in Schubert's Leben gab es nicht Berg,\nnicht Thal, nur gebahnte Fläche, in der er sich in stets\ngleichmässigem Rhythmus bewegte. Auch sein Gemüths-\nzustand glich einer spiegelglatten Fläche und war durch\näusserliche Dinge nur schwer zu irritiren; er befand sich\nim schönsten Einklänge mit dem Grundwesen seiner Cha-\nrakter-Eigenschaften. Man darf gestehen, dass sein« Tage"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "82", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570314-01.1.2", "texte": "dahinflössen, wie es dem arm Geborenen und arm Geblie-\nbenen in bürgerlicher Sphäre geziemt. Bis ins zehnte Le-\nbensjahr im väterlichen Hause, von da bis ins siebenzehnte\n„ Sängerknabe\" im kaiserlichen Convict und auf den Schul-\nbänken des Gymnasiums sitzend, alsdann drei Jahre Schul-\ngehülfe bei seinem Vater in der wiener Vorstadt Lichten-\nthal, letztlich Ciavierspieler und zwar musterhaft und\nComponist nach alleinigem Gefallen, dabei frei und unab-\nhängig, weil sein Verleger schon 10 Gulden lür ein Heft\nLieder, 15 Gulden lür ein Ciavierwerk honorirt hat. Für\nden Abgang so genannter nobler Passionen und Bedürf-\nnisse nach Art moderner Musiker hatte die Dürftig-\nkeit im väterlichen Hause frühzeitig gesorgt. Familiensor-\ngen und Kümmernisse mancherlei Art, in nicht gesicherten\nehelichen Verhältnissen ihre Quelle findend, lähmten dem\nGenius die Schwingen auch nicht; denn er stand allein in\nseinem Zauberkreise, von Familien-Prosa nicht angefochten.\nDas Lehramt in Musik hatte er die letzten acht Jahre\ngleichfalls aufgegeben, somit auch die Quelle grosser Müh-\nsale und grossen Undanks verstopft. Beisen hat er auch\nnicht gemacht. Was er in weiterer Ferne als in der wiener\nUmgegend kennen lernte, beschränkt sich auf einige Aus-\nflüge mit Vogel auf dessen Landgut zu Stadt-Steyer in\nOber-Oesterreich, hauptsächlich auf den längeren Aufent-\nhalt mit diesem Freunde in Gastein (1825), wo die Be-\nkanntschaft mit dem Patriarchen von Venedig, Ladislaus\nPyrker, dem grossen epischen Dichter, erfolgte. Diesen\nMoment pries Schubert als einen der erhebendsten in sei-\nnem Leben.\nDies der unvergoldete Rahmen dieses ruhig und un-\ngestört dahin fliessenden Künstlerlebens, ohne besondere\nAnsprüche an die Gegenwart, mit äusserst bescheidenen\nHoffnungen lür die Zukunft. Wie gern würde ich mich be-\nmühen, es nach bestem Vermögen zu illustriren! jedoch\nman kennt die Gründe, warum es nicht geschieht. Wie\nmager und dürftig das mir zugekommene Heft ist, mag\nman daraus erkennen, dass selbst der im Illustriren moder-\nner Künstlergrössen so geschickte Herr Franz Liszt\nausser Stande gewesen zu sein scheint, in diesen Skizzen,\ndie ihm später zu gleichem Zwecke zugeschickt wurden\n(wie man mir aus Wien gemeldet), den benöthigten Stoff\nzu einem effectvollen Panegyrikus in hebräischer Spra-\nche zu entdecken.\n• Indess, bedarf es denn wirklich dicker Bücher oder\ngar Folianten zur Schilderung eines bedeutenden Mannes\nin Kunst und Wissenschaft? Hat uns denn nicht der alte\nPlutarch schon das ungefähre Längenmaass zum Aufzeich-\n* !\nnen von Biographieen gegeben, ein Maass, das Jedermann\nzu überschauen im Stande ist? Vermag denn das Anhäu-\nfen von Material und individuellen Urlheilen zum tieferen\nVerständnisse eines Autors in Summa, vornehmlich eines\nComponisten, in der That beizutragen, dessen Werke längst\nGemeingut der Völker geworden? Ansicht gegen Ansicht?\nUrtheil gegen Urtheil? Auf welcher Seite ist absolute\nWahrheit oder nur ein entscheidendes Uebergewicht der\naproximativen Wahrheit*)? Glückliches Zeitalter der\nKünste, in dem die Vielschreiberei noch nicht gekannt war,\nin dem es noch nicht Tausende von Journalen und Büchern\ngegeben, die sich abmühen, die widersprechendsten Urtheile\nüber Einen und denselben Gegenstand, so in Politik, so in\nKunslsachen, ins Publicum zu bringen! Eingangs dieser\nAufzeichnungen erlaubte ich mir, die wiener Presse frühe-\nrer Jahre indolent zu nennen. Gut, dass es so damit ge-\nstanden ; wäre sie geschwätzig, vorgreifend, parteiisch oder\naller Welt Dienerin gewesen, wie die von heute**), die\ngefeierten Meister Beethoven und Schubert wären dem\nSchicksale nicht entgangen, von dem Einen kritisch zersetzt,\nrichtiger zerfetzt, von dem Anderen aber unverschämt ge-\nlobhudelt zu werden.\nVerzeiht dem nachgerade müde gewordenen Wande-\nrer, der auf seinen künstlerischen Lebenswegen nicht we-\nnigen von der Natur reich ausgestatteten Talenten begeg-\nnet, sie aber oft schon in ihrer ersten Entwicklungs-Periode\nverkümmern oder in Folge journalistischer Einwirkungen\nzu Grunde gehen gesehen, wenn er wieder von der einge-\nschlagenen Dahn etwas abwich. Dennoch will es ihn be-\ndünken, dass er mit festem Fusse darauf stehen verblieben.\nEinst hatte ich Veranlassung, zu zeigen, wie misslich es\num die primitive und auch künstlerische Erziehung bei\nBeethoven ausgesehen. Dennoch hat sein Genius einen\nHöhepunkt erstiegen, von dem er frei und frank ins künf-\ntige Jahrhundert hinüber blicken wird, unbehindert von\njenen Kritikern, die seine Musik mit Ohren aus dem acht-\nzehnten Jahrhundert hören. Wrer hat denn Schubert's\nkünstlerische Erziehung geleitet? Zumeist die Umstände\nund der Genius selbst, am wenigsten der unmittelbare Un-\nterricht. Vernehmet beispielsweise an geeigneter Stelle,\ndass die Ossi an i sehen Gesänge, die Jedermann als\neines der hervorragendstenProducte des reifen Künstlers\n\n*) Z. B. Fetis, Berlioz, Lenz und nun Ulibischeff —■. über Beet-\nhoven.\n**) Dass dies nicht auch die Monatschrift für Theater und Musik\ntreffen kann, das einzige in jeder Beziehung unabhängige\nKunst-Organ in ganz Oesterreich, versteht sich wohl von selbst."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "83", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570314-01.1.3", "texte": "Begrüsste, schon im Alter von sechszehn Jahren, also noch\nim Convict, componirt worden, und zwar mit einem so\nschlechten, undeutschen Texte, der bei Schubert's Vor-\ntrage in unserem oben geschilderten Kreise Lachen erregt\nhat. Das veranlasste Herrn Pinterics, seinen Freund, Herrn\nvon Hummelauer (gegenwärtig Ministerial-Rath im\nauswärtigen Departement), zu ersuchen, eine vollständige\nUmarbeitung nach dem englischen Texte vorzunehmen, die\nalsdann der Musik unterlegt wurde.\nSo Vieles, unseren Schubert betreffend, lebt noch frisch\nin meiner Erinnerung, das der Mittheilung nicht unwerth\nwäre. Aber wie leicht könnte ich in den Fehler verfallen,\nden man verschiedenen Schubert'schen Compositionen mit\nRecht vorwirft! Es möge darum nur Eines noch angereiht\nwerden, bevor wir uns dem Monumente nähern, das unser\nFreund sich selber gesetzt hat. Sicherlich wird es den Be-\nschauer in nicht geringes Erstaunen versetzen, wären ihm\nauch dessen Umrisse schon zum Theil bekannt.\nDer gute Erfolg meines Bemühens, Beethoven noch\nauf seinem Sterbebette Gelegenheit gegeben zu haben,\nSchubert's Talent von der rechten Seite kennen und wür-\ndigen zu lernen, was durch gemeine Naturen früher immer\nverhindert worden, hat mir Schubert's Dank und besondere\nAnnäherung erworben. Ich hatte somit das Vergnügen, ihn\nim Sommer von 1827 öfters bei mir „auf-\ngeknöpft\" zu sehen. Bei diesen Besuchen hatten ihn ge-\nwisse Abtheilungen in dem literarischen Nachlasse Beetho-\nven's ganz besonders beschäftigt, darunter wieder die man-\ncherlei dem grossen Meister eingesandten lyrischen Dich-\ntungen. Eine Sammlung von vielleicht zwanzig Nummern\nfesselte seine Aufmerksamkeit, weil ich ihm sagen konnte,\ndass Beethoven mehrere davon zu eigener Composition be-\nzeichnet halte. Die Frage nach dem Dichter dieser Samm-\nlung— die noch vollständig vorhanden— wusste ich nicht\nmit Gewissheit zu beantworten; es schien mir Herr L.\nRellstab oder Varnhagen von Ense zu sein. Schubert\nsteckte diese Gedichte zu sich. Schon nach zwei Tagen\nbrachte er mir in Musik gesetzt: „Liebesbotschaft\", „Krie-\ngers Ahnung\" und „Aufenthalt\". Diese, wie noch vier\nandere aus jener Sammlung bilden den grössten Theil des\nInhalts im „Schwanengesang\", mit Beisetzung des Namens\n„Rellstab\". 1843 in Berlin fragte ich Herrn Reilstab,\nob er wirklich der Verfasser jener Gedichte sei. Seine\nAntwort war weder ein entschiedenes Ja, noch ein Nein.\nAnfragen bei Anderen blieben gleichfalls erfolglos. Da je-\ndoch andere Gründe als blosse Neugierde vorliegen, den\nNamen des Dichters sicher zu kennen, so erlaube ich mir,\ndas laute Ansuchen zu stellen, wer den Namen der Verfas-\nser jener sieben Texte in Scbubert's „ Schwanengesang\"\nkennt, ihn gefälligst bekannt machen zu wollen. Der pa-\ntriotische Inhalt einiger weiset auf einen Preussen hin.\nVarnhagen ist der Verfasser nicht.\nIV.\nVixi, scripsi, dixi.\n*\nNach Aufzählung der enormen Anzahl von Joseph\nHaydn's Werken bemerkt der Verfasser der biographi-\nschen Notizen (der königlich sächsische Legationsrath Grie-\nsinger, Haydn's vertrauter Freund) auf Seile 4: „Man\nstaunt über eine solche Fruchtbarkeit; Haydn selbst pflegte\nsich darüber zu wundern und zu sagen, er wisse sich keine\npassendere Grabschrift, als die drei Worte: Vixi, scripsi,\ndixi!\" Mit den beiden ersten Worten lässt sich füglich\nauch der ganze Lebensgang von Schubert charakterisiren,\nmit dem Unterschiede jedoch, dass dem Vater Haydn zur\nHervorbringung seiner Kunstwerke mehr denn fünfzig\nJahre zugemessen waren, Schubert aber nur sechszebn\nbis achtzehn, wenn man noch einige seiner Knabenjahre\nmit hinzu zählen will.\nSpricht die Hinterlassenschaft unseres jungen Meisters\nnicht klar und deutlich aus, wie es um seinen sittlichen\nWrandel und folgerecht um die Verwendung jeder Stunde\nZeit bei ihm ausgesehen? Und dennoch ist der falsche\nGlaube verbreitet und fest gewurzelt, Schubert habe ein\nunordentliches Leben gelührt, sei dem Trünke ergeben ge-\nwesen u. dgl. *). Das ist so unwahr, als es unwahr ist,\nBeethoven habe Noth gelitten und sei Hungers gestorben.\nSolche Lügen niederzuschlagen, ist keine Möglichkeit, weil\nsie von einzelnen theils unwissenden, theils böswilligen\nJournalisten immer wieder vorgebracht werden, um ihren\nschaamlosen Doctrinen als Folie zu dienen. Was half es\nmir, Herrn Escudier, Redacteur der France Musicale,\npersönlich über Beethoven's Lebenslage aufzuklären? Sein\nAusfall aus jüngster Zeit im J zeigt es.\nEr hat die Unverschämtheit, dort auszurufen: „Das Leben\nBeethoven's, der bis zum Grabe von Entbehrungen und\nLeiden, vom Neide und von der Intrigue verfolgt wurde,\nist eine ewige Schmach lür diese deutsche Nation, die kalt\n\n*) Wie sehr diese üble Nachrede verbreitet ist, findet sich in\nUlibischefFs Beethoven, ses critiques et ses glossateursDort\nheisst es Seite 37: ~// nie reste ä faire mention d'un musicien\nqui s'cssaya dans tons les genres et qui aurait peut-etre egale\nBeethoven ou Weber, si des passions mavvaises ne Vavaient\nperdu et sil n'elait morl tont jeune. Je parle de Franz Schubert/'"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "84", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570314-01.1.4", "texte": "wie ihr Himmel ist. \"Und diesen Schimpf konnten deutsche\nBlätter ohne irgend eine Anmerkung weiterverbreiten!?\n[Welche denn?]\nSomit sind wir bei jenem Monumente angekommen,\ndas uns die ungeheure Fruchtbarkeit des Schubert'schen\nGenius mit wenig Blicken übersichtlich macht, das die\nStelle einer voluminösen Biographie vertritt, überhaupt die\nschönste Grabrede ist, die der Heimgegangene sich selber\ngeschrieben. Ich meine den Katalog seiner Werke. Daraus\nmöge die Musikwelt ersehen, wie viele Sinfonieen, Quar-\ntette, dramatische und kirchliche Werke u. s. w. vorhan-\nden und wie wenige davon edirt sind. Rechnen wir nach\nDiabelli's Mittheilung von 1831, der den Nachlass damals\nerworben noch fünfhundert einige und sie ben-\nzig Lieder und Gesänge, mit Einschluss der geist-\nlichen und mehrstimmigen Chöre u. dgl. hinzu, so haben\nwir die Gesammtmasse der Erzeugnisse der Schubert'schen\nTonmuse vor Augen.\nDer Katalog beginnt mit Schubert's dreizehntem Le-\nbensjahre, mithin von\n1810. In diesem Jahre componirte er die erste Phantasie für Cia-\nvier zu vier Händen.\n1811. a.Eine Quintett-Ouverture.\nb.Ein Streich-Quartett.\nc. Eine Phantasie zu vier Händen.\nd.Mehrere Lieder, darunter sein allererstes, „Hagar's Klage\".\n1812. a. Zwei Streich-Quartette (D und B).\nB.Sonate, resp. Trio für Pianoforte, Violine und Cello.\nc. Quartett-Ouverlure in B.\nD.Ouvertüre für Orchester in\ne. Sechs Variationen für Pianoforte in Es.\nf. Andante in C für Pianoforte.\ng. Salve Regina, vierstimmiger Canon.\nh. Kyrie für vier Singstimmen, und\ni.mehrere Lieder.\n1813. a.Octett für Blas-Instrumente.\nB.Drei Menuette und Trio's für ganzes Orchester.\nC.Vier Streich-Quartette in C, und\nd. Drei Kyrie,\ne. Dreissig Menuette und Trios für Pianoforte.\nF.Sinfonie in D.\ng.Die dritte Phantasie zu vier Händen.\nh.Mehrere Terzette und Canons.\nEine Menge Lieder, darunter der Taucher von Schiller.\n1814. a. Drei Streich-Quartette in C-moll, D und B.\nB.Fünf Menuette und sechs Deutsche sammt Trio's für Quar-\ntett und zwei Hörner.\nC.Lied und Chor mit Orchester-Begleit. (Wer ist wohl gross?)\nd.Grosse Messe in F.\ne. Tantum ergo in C.\nf. Salve Regina für Tenor-Solo.\ng. Wieder viele Lieder.\n1815. a. Zwölf Deutsche sammt Coda für Pianoforte.\nb. Zehn Variationen für Pianoforte.\nc. Grosses Magniftcat.\nd. Die Freunde von Salamanca. Komisches Singspiel in 2 Acten.\ne. Der vierjährige Posten. Singspiel in 1 Act. Geschr. in 7 Tagen.\nf. Salve Regina. Sopran-Solo.\ng. Offertorium. (Tres su?it.)\nh. Fernando. Singspiel in 1 Act. Geschrieben in 7 Tagen.\ni. Zwei Sinfonieen, in D und B.\nk. Zweites Dona nobis zur Messe in F.\nI. Namensfeier. Kleine Cantate.\nm. Zwei Sonaten für Pianoforte, in E und C.\nn. Streich-Quartett in G-moll.\n0. Messe in G.\np. Ungeheuer viele Lieder, darunter „Adelwald und Emma\"\nund Schiller's Bürgschaft.\n1816.a. Trio für Violine, Viola und Violoncello.\nb. Quartett in E-dur.\nc. Concert für die Violine.\nd. Rondo in A für Violine.\ne. Die Bürgschaft. Oper in drei Acten. (Nicht vollendet.)\nf. Sinfonie in B.\ng. Tragische Sinfonie in C-moll.\nh. Stabat maiev von Klopstock. Oratorium.\n». Cantate von Hoheisel.\nk. Sonate für Pianoforte in Es.\n1. Drei Sonaten für Pianoforte und Violine.\nm. Clavier-Concert.\nn. Requiem. (Nur der erste' Satz bis zur Fuge.)\no. Ouvertüre zur Cantate von Hoheisel.\np. Tantum ergo.\nq. Chor der Engel für 4 Singstimmen. (Christ ist erstanden.)\nr. Deutsches Salve Regina für 4 Singstimmen mit Orgel.\ns. Duetto für Sopran und Tenor.\nt. Eine Menge Lieder.\nu. Messe in C-dur.\n1817. a, Quintett f. Pianof., Violine, Viola, Violoncell u. Contrabass.\nb. Polonaise für Violine.\nc. Trio für Violine, Viola und Violoncell.\nd. Sinfonie in C-dnr. (Die einzige bis nun gedruckte.)\ne. Zwei Ouvertüren in italienischem Stil, in C und D.\nf. Vier Sonaten für Pianoforte in Es, E-moll, A-moll und As.\ng. Sonate für Pianoforte und Violine in A-dur.\nh. Viele Lieder.\n1818. a. Rondo für Pianoforte zu 4 Händen.\nb. Zwei Sonaten für Pianoforte in C-dur und F-moll.\nc. Variationen zu 4 Händen. (Beethoven gewidmet.)\nd. Sonate zu vier Händen in B,\ne. Viele Lieder.\n1819. a. Die Zwillingsbrüder. Posse in einem Acte.\nb. Ouvertüre in E.\nc. Cantale für Sopran, Tenor und Bass mit Pianoforte-Begl.\nd. Viele Lieder.\n1820. a. Quartett in C-moll.\nb. Auferstehung. Oratorium von Niemeyer. (Ein TheiL)\nc. Sechs Antiphonen zur Palmweihe.\nd. Viele Lieder.\n1821. a. Gesang der Geister über den Wassern von Göthe, für 8\nMännerstimmen mit Begleitung von 2 Violen, 2 Violon-\ncelli und Contrabass.\nb. Sehr viele Lieder.\n1822. a. Alphonso und Estrella. Grosse Oper in 3 Acten.\nb. Tantum ergo in D.\nc. Lieder.\n1823. a. Fierabras. Heroische Oper in 3 Acten.\nb. Der häusliche Krieg von Castellh Operette in 1 Act."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "85", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570314-01.1.5", "texte": "e. Siebenzehn Deutsche für Pianoforte.\nda Sonate in A-moll.\ne. Sonate für Pianoforte und Arpeggione (?) in A-moll.\nf. Viele Lieder.\n1824. a. Octett für zwei Violinen, Viola, Clarinette, Fagott, Horn,\nVioloncello und Contrabass.\nb. Quartett in D-moll.\nc. Salve Regina in C für vier Männerstimmen.\nd. Viele Lieder.\n1825. a. Drei Sonaten, A-dur, C und D, letztere in Gastein comp.\n182 G a. Trio in Es für Pianoforte, Violine und Violoncello.\nund b. Schlachtlied von Klopstock für 8 Männerstimmen.\n1827. c. Chor mit Alt-Solo und Pianoforte-Begleitung.\nd. Deutsche Messe für vier Singstimmen und Orgel,\nc. Quartett in G-dur.\nf. Nachthelle, Solo u. Chor für xMännerst. u. Pianoforte-Begl.\ng. Eine Menge Lieder.\n1828 a. Grosse Messe in Es-dur (eines seiner vollendetsten Werke).\nb. Quintett für 2 Violinen, Alto und 2 Violoncelle.\nc. Drei grosse Sonaten für Pianoforte, mit der Dedication an\nHummel. Die Verlagshandlung dedicirte sie später Robert\nSchumann.\nd. Sonate in Es-moll.\ne. Duo für Pianoforte in A-moll.\nf. Hymnus an den heiligen Geist, für 8 Männerstimmen mit\nwillkürlicher Begleitung von Blas-Inslrumenten.\ng. Ein zweites Benedictas zur Messe in C-dur.\nh. Tantum ergo in Es.\nt. Tenor-Arie mit Chor.\nk. Viele Lieder, darunter mehrere, die im „Schwanengesang'4\naufgenommen sind.\nI. Die Correclur des Druckes der zweiten Abtheilung von der\n„Winterreise44 macht den Beschluss der künstlerischen\nWirksamkeit dieses ausserordentlichen Mannes,\nAm 19. Nov. raffte ihn ein Nervenfieber hinweg.\nWer ein gutes Bildniss von Schubert besitzen will,\ngreife nach dem kleinen, von Passini noch bei Lebzeiten\no\ndes Componisten gefertigten (Wien, Witzendorf). Das von\nKriehuber erst 1846 bei Spina erschienene (in Gross-\nFolio) ist der massiven Umrisse und nothwendig daraus\nhervorgehenden Mängel wegen vielleicht das wohlgetrof-\nfene Bildniss einer mit der Materie in naher Berührung\nstehenden Celebrilät, nicht aber des Tondichters Franz\nSchubert.\n\nAus Leipzig.\n[Liszt-Concert\nKammermusik.]\nDer grosse Tag, der 26. Februar, ist vorüber. Das\nConcert zum Besten des Orchester-Pensions-\nInstituts ist verrauscht, aber „die Resultate desselben\nhaben tiefe Wurzeln geschlagen, die Folgen werden uner-\nmesslich sein!\" Das möchte man uns gern glauben ma-\nchen; aber es glaubt's Niemand. Den bekannten kleinen\nKreis von gescheiterten Componisten und unmusicalischen\nLiteraten ausgenommen, haben höchstens einige Enthu-\nsiasten die Sache lür Ernst gehalten; (ür die ganze übrige\nmusicalisch gebildete leipziger Welt war es ein interessan-\nter Spass, der weder kunstgelährliche noch kunstlördernde\nFolgen haben wird, sondern gar keine. Heutzutage ist bei\nden meisten Dingen der Rumor, der vorher gemacht\nwird, die Hauptsache; kommt das Ding endlich selbst zum\nVorschein, so verpufft es, und einige Tage daraut weiss\nman kaum noch, dass es da gewesen. Auch bei uns waren\ndie Leute weit mehr gespannt und bewegt, als die Sache\nverdient. Jetzt sind die Aufgeregten meist ernüchtert und\nhaben sich von dem, was die Vernünftigen längst wussten,\nebenfalls überzeugt, dass nämlich bei den Orchester-Com-\npositionen von Franz Liszt von dem Aufleuchten einer\nneuen grossen Wahrheit, von dem Durchbruche einer die\nTonkunst neu gestaltenden Idee gar keine Spur vorhanden\nist. Was von seinen symphonischen Dichtungen bis jetzt\ngedruckt vorliegt, ist nichts Anderes als instrumen-\ntirte Ciaviermusik in Form der modernen so genann-\nten Clavier-Phantasie, d. h. ungefähr eben so viel, als ohne\nalle Form. Wie man diesen Compositionen gegenüber mit\nscheinbarem Ernste von einem „ganz neuen Genre\", von\n„Erschaffung einer selbstständigen Form\", von einer\n„künstlerischen Erscheinung ersten Ranges\", von der „Ge-\nwalt des Genie's\" sprechen kann, ist einem Unbefangenen\ngeradezu unbegreiflich. Es sind Transscriptionen,\nweiter nichts; der Verfasser ist desUebertragens der Lieder-,\nOpern- und Sinfonie-Musik auf das Ciavier überdrüssig und\ntransscribirt nun am Ciavier gedachte Musik für das\nOrchester.\nWir hörten in dem Concert am 26. Februar die Pre-\nludes und den Mazeppa zwei Compositionen, zu denen\nGedichte von Lamartine und Victor Hugo den Verfasser\nbegeistert haben. Dass die neue Schule den so genannten\nInhalt ihrer Musik immer von aussen holt, sind wir schon\ngewohnt; der Verdacht, dass die innere Armuth an musi-\ncalischen Gedanken sie dazu nölhigt, liegt freilich nahe und\nwird leider sehr häufig durch die That bestätigt. Beide\nDichtungen beruhen auf fremder, dem deutschen Gemüthe\nweder entwachsener, noch ihm zusagender Gefühls- und\nEmpfindungs-Weise, und ohne über den poetischen oder\nsittlichen Werth derselben absprechen zu wollen, bemerken\nwir nur das Eine, dass in diesen Poesieen das Abson-\nderliche den Grundton anschlägt, der durch das Ganze\nfortklingt. Und so ist es denn auch in der Musik Liszt's;\neinen Strom von melodischer Lebenswärme, eine aus dem\nInnern quellende harmonische Befriedigung, einen musica-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "86", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570314-01.1.6", "texte": "lisch-logisch sich entwickelnden Ideengang suchen wir ver-\ngebens. Nur die Willkür, der Kunstgriff, nicht das Kunst-\nGenie, halten die Form nothdürflig zusammen, und der\nzügel- und flügellose Pegasus tummelt sich namentlich im\nMazeppa wie seine Genossen im Renz'schen Circus auf der\nErde herum, vermag nicht, sich irgendwo und irgendwie\nzu erheben, und begnügt sich, Staub aufzuwirbeln (pulve-\nrem collegisse).ln den Preludestaucht wohl noch hier und\nda ein in etwa musicalisches Motiv auf, das dem Ausdruck\neiner menschlichen Regung ähnlich sieht; aber wie bald\nwird es erstickt und begraben von der Springflut des\nhereinbrechenden Tonmeeres! An künstlerisches Ebenmaass,\nan selige Beruhigung durch Anschauen der Schönheit und\nWahrheit ist bei diesen fieberhaft athmenden Tongebilden\nnicht zu denken.\nRein musicalisch betrachtet, ist ausser der wirklich\nauffallenden Gedanken-Armuth der gänzliche Mangel an\nthematischer Arbeit zu rügen. Man wird uns von der an-\nderen Seite entgegen halten, thematische Arbeit sei alter\nZopf, Liszt verschmähe sie. Um Verzeihung! müssen wir\nantworten, das Letzte ist so wenig wahr, wie das Erste;\nLiszt wie sein Freund Wagner Berlioz steht in diesem\nPunkte höher legen allerdings Themata's zum Grunde\nund versuchen, sie durchzuführen; aber wie? Sie bringen\nsie, nachdem allerlei Hokuspokus, der nicht im Geringsten\ndamit zusammenhängt, dazwischen gebruddelt worden, ein\noder ein paar Mal in verschiedenen Lagen wieder, trans-\nponiren sie in andere Tonarten, verbreiten sie durch rhyth-\nmische Dehnung, steigern sie durch Klangwirkungen und\nLärm, nicht aber durch neue harmonische Unterlage; aber\ndie eigentliche Entwicklung derselben als Grundgedanken,\nihr sich ausbreitendes Emporwachsen und die organische\nHerausbildung des ganzen Beiwerkes (der Nebengedanken)\naus ihnen das ist nirgends zu finden. Sie wollen wohl\nthematisch arbeiten (sonst wäre ja auch der Gedanke, ein\nbestimmt Ausgesprochenes ein Gedicht, eine Stim-\nmung, eine Empfindung— ihrer Musik zum Grunde zu le-\ngen, ein wahrer Irrsinn), aber sie können nicht; das Ta-\nlent versagt ihnen, und da nun auch die Erfindung nicht\ngenial ist, so kann diese Art, zu componiren, keinen Boden\ngewinnen auf dem Gebiete der Tonkunst, und wird nur\n'\nephemere Erscheinungen ans Licht lördern. Selbst die\nsonst bei wirklich tiefer Musik oft mit Recht, bei abstruser\nund überkünstelter mit Unrecht und nur zur Entschuldi-\ngung vorgebrachte Phrase: „Man kann solche Werke\nnicht auf der Stelle fassen, man muss sie studiren, ergrün-\nden, öfter hören\" passt hier keineswegs. Nichts ist\nleichter, als das Verständniss dieser symphonischen Dich-\ntungen; das, was andere Compositionen, z. B. die meisten\nSchumann'schen, schwer macht, die versteckte und com-\nplicirte thematische Arbeit, die Consequenz der Ideen-\nDurchführung, die contrapunktische Combination, \"das ist\nalles bei Liszt nicht vorhanden. Es ist kindei leicht, die\nStücke und die Stückchen, die an einander gesetzt sind,\nzu sondern und zu gliedern; aber den rothen Faden zu\nentdecken, der sie alle durchzieht und zur Einheit verbin-\ndet, das ist nicht etwa mühsam, sondern unmöglich, weil\neben keiner da ist.\nIch bin mit meinem Berichte gleich in medias res\nhinein gerathen. Ich hole jetzt den Concert-Zettel und\nNotizen über Aeusseres nach. Das Concert hatte zwei\nTheile; im ersten dirigirte Rietz, im zweiten Liszt. Diese\nVerzichtleistung des Ersteren wurde von der Concert-Di-\nrection, wir wissen nicht, ob verlangt oder nur gebilligt,\nund war wohl mehr als blosse Höflichkeit, die sonst eben\nnicht die starke Seile derselben gegen fremde Künstler ist.\nDemjenigen, dem es um ein wirkliches Urlheil über die\nLiszt'schen Compositionen zu thun war, musste es lieb sein,\ndass er sie selbst dirigirte, weil ja nun, wie es ihre Vor-\nreden verlangen, „dem periodischen Vortrage mit\ndem Hervortreten der besonderen Accente und der Ab-\nrundung der melodischen und rhythmischen Nuancirung\ndurch die geistige Auffassung des Dirigenten, durch sym-\npathisch schwungvolles Reproduciren\" (!) sein volles Recht\nwerden musste mithin die Entschuldigung einer schlech-\nten Ausführung eben so wegfiel, wie die eines schweren\nVerständnisses. Nicht lieb war uns dagegen das von Wei-\nmar mitgebrachte Gefolge der Adepten und Aspiranten,\nwelche, da viele Plätze leer geblieben, sich gleichmässig\ndurch den Saal vertheilten, die Stimmung der Umsilzenden\nzu bearbeiten und missliebige Meinungs-Aeusserungen durch\nSchreien und Klatschen zu unterdrücken suchten. Dieses\nManöver war unwürdig und rief Gegen-Demonslrationen\nhervor, die eben so wenig am Orte waren. Der besonnene\nTheil der Zuhörerschaft betrachtete die Komödie mit Lä-\ncheln und Schweigen.\nIm ersten Theile hörten wir eine kurze Ouvertüre\nvon Rob. Schumann zu einem Singspiel „Hermann und\nDorothea\", in welcher die Marseillaise das Haupt-Thema\nbildet. Sie wäre besser im Familienschrein geblieben, aus\ndem man sie als nachgelassenes Opus 136 hervorgezogen\nhat. Frau von Milde sang das Gebet aus Schümann'«\nGenovefa recht schön, worauf ein Herr Grün aus Pesth,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570314-01.1.7", "texte": "ein noch junger, tüchtiger Geiger, das Adagio und Rondo\naus Vieuxlemps' E-dur-Concert spielte.\nMan sieht, der erste Theil war Nebensache. Im zwei-\nten gab es ausser den bereits genannten zwei symphoni-\nschen Dichtungen noch ein Clavier-Concert in mit\nOrchester, vortrefflich gespielt von Herrn von Bülow,\nund eine Romanze, gesungen von Herrn von Milde, eben-\nfalls von Liszt; dazwischen ein Duett aus dem „Fliegen-\nden Holländer\" von Wagner. Das Clavier-Concert steht\nauf einer etwas höheren Stufe, als der Mazeppa; eine be-\nsondere Bedeutung können wir ihm aber auch nicht zuge-\nstehen, es strotzt ebenfalls von Absonderlichkeiten und lässt\nkeinen Total-Eindruck aufkommen. Das Duett von Wagner\ngehört seiner früheren Periode an; es wurde sehr schön\ngesungen und gefiel mit Recht.\nDas Exlra-Concert der Euterpe am 3.März brachte\nGluck's Ouvertüre zur Iphigenie, die Scene mit dem Fu-\nrienchor aus dessen Orpheus (Fräul. Franc iscaSchreck\nsang mit Ausdruck, doch wünschten wir eine pathetischere\nDramatik), Beethoven's Phantasie mit Chor (Pianoforte-\nstimme von W. Speidel sehr brav ausgeführt) und Rob.\nSchumann's „Pilgerfahrt der Rose\", eine Composition,\ndie schon bei einer früheren Aufführung durch ihre Innig-\nkeit ansprach, jedoch an Eintönigkeit leidet, was sich auch\njetzt, trotz der guten Ausführung, wieder herausstellte.\nIm 19. Gewandhaus-Concerte, den 5. März, machten\ndie alten Heroen, Händel mit dem Alexanderfest und\nBeethoven mit der C-mo//-Sinfonie, recht auffallend Front\nmit ihrer Musik voll Poesie gegen die Musik nach der\nPo esie. Es war, als wenn eine eherne Phalanx drein-\nschlüge und ein bramarbasirendes, bunt belapptes und be-\nkapptes Gesindel nach allen vier Winden aus einander\nstäubte. Das Publicum nahm besonders die Sinfonie mit\neinem wahren Jubel auf. Die Soli im Händel sangen Frau\nNissen-Saloman, Herr R. Otto (Tenor) und Herr E.\nSabbath (liass) mit seltener Meisterschaft.\nDie VI. Abend-Unterhaltung für Kammermusik\nbeschloss am 16. Februar den Cyklus. Sie führte ein Vio-\nlin-Quartett von Friedr Hermann und „humoristische\nVariationen, Scherzo und Festmarsch\" von J. Moscheies\nvor. Das Quartett erhielt einen Moscheies\nspielte selbst; er wurde mit rauschendem Beifalle begrüsst,\nund sein Werk, das zu Ostern bei F. Kistner erscheinen\nwird, fand wie sein meisterhaftes Spiel eine glänzende Auf-\nnahme. - In dem ganzen diesjährigen Cyklus kamen zum\nersten Male zur Aufführung: Beethoven's nachgelasse-\nnes Quartett für Streich-Instrumente in F-dur, Op. 135\nQuartett von Friedr. Hermann Variationen,\nScherzo und Marsch von Ignaz Moscheies Quartett\nin G-dur,Op. 161, von Franz Schubert und Octett\nvon demselben, Op. 166. Die übrigen zu Gehör ge-\nbrachten Compositionen waren: 1) sieben Quartette für\nStreich-Instrumente: Beethoven, Op. 18, Nr. 3, D-dur,\nOp. 127, Es-dur, und Op. 131, —Mendelssohn,\nE-moll, Op. 44, Nr. 2—-Fr. Schubert, .Schu-\nmann, A-dur—Spohr, Doppel-Quartett in —2)\nein Quartett für Pianoforte und Streich-Instrumente von\nMmdelssohn, /7-mo//, Op. 3; —3) ein Quintett für Streich-\nInstrumente von Mozart, Es-dur; —4) vier Trio's, für\nStreich-Instrumente: Beethoven, Op. 8, Serenade, und Op.\n3 von demselben; b) für Pianoforte, Violine und Violon-\ncell: Beethoven, Op. 97, und Schumann, Op. 110, Nr. 3;\n5) ein Pianoforte-Stück: Beethoven's Sonate, Op. 27,\nNr. 1. Die Instrumente waren durch folgende Künstler\nvertreten: 1) Pianoforte: Fräul. Louise Hauffe, Herr\nProfessor Moscheies, Frau Clara Schumann, Fräul.\nEmma v. Staudach aus Wien. 2) Violine: Herr Con-\ncertmeister David (erste), Herr Concertmeister Drey-\nschock (erste), Herr Haubold (zweite), Herr Röntgen\n(erste und zweite). 3) Bratsche: Herr Hermann, Herr\nHunger. 4) Violoncell: Herr Elz ig, Herr Grützma-\ncher, Herr Capellmeister Rietz. 5) Contrabass: Herr\nBackhaus. 6) Clarinette: Herr Landgraf. 7) Fagott:\nHerr Weissenborn. 8) Waldhorn: Herr Lindner.\n\nAus Elberfeld.\n\nAm verflossenen Samstag fand im hiesigen Casino unter Lei-\ntung des Musik-Directors Herrn Schornstein eine Gedächtniss-\nfeier zu Ehren Robert Schumann's Statt, die zu den glän-\nzendsten Aufführungen gehörte, welche wir jemals hier erlebten. Das\nProgramm enthielt nur Schumann'sche Compositionen, und zwar der\nerste Theil die überaus frische B-dur-Sinfonie, Op. 38, und das rei-\nzende Clavier-Concert in A-tnoll, Op. 54, von Herrn Brahms meister-\nhaft vorgetragen. Der zweite Theil brachte Werke aus Schümanns\nNachlass, die bis jetzt noch unbekannt waren und in Elberfeld ihre\nallererste Aufführung feierten. Die Ouvertüre zu Hermann und Do-\nrothea, eine liebliche Idylle im Genre des Singspiels, wollen wir hier\nnicht weiter besprechen, da sie bereits unter der Presse ist und bin-\nnen vierzehn Tagen der Oeffentlichkeit übergeben wird. Um so mehr\nfühlen wir uns aber gedrungen, bei dem darauf folgenden Werke zu\nverweilen, weil es eine der bedeutendsten Compositionen Schumann's\nist und jedenfalls durch ganz Deutschland die grösste Sensation\nmachen wird. Wir meinen hier Uhland's allbekannte Ballade ~Des\nSängers Fluch\", welche in der Form wie etwa Mendelssohn's Wal-\npurgisnacht von Richard Pohl, unter möglichster Beibehaltung der\nUhland'schen Verse, dramatisch gestaltet wurde.\nSchumann componirte das Gedicht im December 1851, unmittel-\nbar nach der Rose Pilgerfahrt. So hohe Schönheiten letztere auch\nenthalten mag, so steht doch einer lebensfrischen Gestaltung sowohl"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "88", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570314-01.1.8", "texte": "hier, wie auch in Paradies und Peri der durchaus ideale Stoff mit\nseinen körperlosen Wesen, die als Träger der leitenden Ideen vorge-\nführt werden, entgegen. Bei „Sängers Fluch\" befindet sich aber der\nComponist mitten in einer wirklichen Welt; dadurch werden die\nFormen präciser, die Gestalten plastischer, ein warmer Lebenshauch\ndurchströmt das Ganze. Der Hörer steht hier nicht mehr ausserhalb\ndes Stoffes; durch das hinzugewonnene dramatische Element fühlt\ner sich allmählich in die Handlung selbst versetzt, er erlebt sie mit,\nund seine Theilnahme wird dadurch endlich so sehr gesteigert, dass\nsie nicht mehr dem Kunstwerke, sondern der Sache selbst gilt\ngewiss der höchste Erfolg, den ein Künstler erreichen kann. Diesen\nErfolg hat Schumann in „Sängers Fluch\" so entschieden errungen,\ndass wir gerade desshalb dieses Werk seinen übrigen grösseren Ge-\nsang-Compositionen vorziehen.\nWir haben bereits gesagt, dass der Bearbeiter die Uhland'sche\nBallade fast unverändert beibehalten hat. Nur statt der drei Stro-\nphen, in welchen ganz im Allgemeinen erzählt wird, dass Harfner\nund Jüngling „von allem Süssen, was Menschenbrust durchbebt,\nund allem Hohen, was Menschenherz erhebt\", sangen, da werden\ndiese Gesänge selbst eingeflochten, und zwar in sechs Uhland'schen\nGedichten, die nicht besser gewählt werden konnten. Zuerst singt\nder Jüngling als provencalisches Lied den Anfang von „Rudello\",\ndessen reizende, innige Melodie die süsseste Liebesschwärmerei ath-\nmet. Hierauf der Harfner die Ballade: „Die drei Lieder\", durch die\neine düstere, wilde, kaum verhaltene Kraft pulsirt und durch die\noriginelle Instrumentirung ganz eigenthümliche Effecte erhält. Dann\nfolgen einige Strophen aus ~Gesang und Krieg\" als Zwiegesang zwi-\nschen Harfner und Jüngling. Der frische Odem des deutsehen Volks-\nliedes weht so erquickend durch diesen Vaterlands-Gesang, dass Je-\nder gleich mit einstimmen möchte. Nach einigen Strophen aus dem\nGedichte „Das Thal ', welche die Königin, wie in sich verloren, in\nkurzen Absätzen dazwischen singt, beginnt der Jüngling die herr-\nliche Romanze „Entsagung\", von der er unmittelbar in die Strophe\n„Hohe Liebe\" übergeht. Wunderbar treffend hat hier der Componist\ndas Ueberströmen der mächtigsten Leidenschaft bis zum delirirenden\nSelbstvergessen gezeichnet, wodurch sich die Eifersucht des Königs\nbis zur bekannten grässlichen Katastrophe steigert. Von unbeschreib-\nlicher Wirkung ist der darauf folgende Weheruf des Harfners; Pic-\ncolo, Flöte und drei Oboen bewegen sich durch Secunden-Fortschrei-\ntungen in der höchsten Lage, „dass es schaurig durch Schloss und\nGarten gellt\", und die gedämpften Violinen murmeln in der Tiefe\neine abgebrochene Triolen-Figur dazwischen. Aber die Krone des\nGanzen ist die Schlussnummer, wo der Chor mit den Worten: „Der\nAlte hat's gerufen, der Himmel hat's gehört\", das Thema der Ein-\nleitung im Unisono aufnimmt und pianissimo in den tiefsten Lagen,\nwie eine Geisterstimme, mit den Worten: „Das ist des Sängers\nFluch!\" zitternd verhallt.\nDer Eindruck, den dieses wunderbare Werk bei der ersten Auf-\nführung hervorbrachte, ist ein in Elberfeld ganz unerhörter. Der\nEnthusiasmus, den die ersten Nummern entzündeten, steigerte sich\nallmählich bis zu fieberhafter Aufregung, und allgemein sprach sich\ndie Ueberzeugung aus, dass während des letzten Decenniums keine\nComposition entstanden, die sich dieser an die Seite setzen dürfe.\nWir theilen diese Ansicht mit voller Ueberzeugung und fühlen uns\nglücklich, der Ehre theilhaftig zu sein, dem deutschen Vaterlande die\nerste Kunde von diesem köstlichen Schatze bringen zu können, der\nunser musicalisches Nationalgut um ein strahlendes Geschmeide mehr\nbereichern wird.\nIn diesem Augenblicke vernehmen wir, dass Aachen das Manu-\nscript von „Sängers Fluch\" verlangt hat, um es bei dem bevorste-\nhenden Musikfeste zur Aufführung zu bringen.\n\nd.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nAmsterdam* Am 14. Februar ist hier van Bree im 56.\nJahre seines Alters gestorben. Sein Tod ist ein grosser Verlust für\ndie Tonkunst und namentlich für ihre Pflege in Amsterdam. Er\nstand als Dirigent der Concerte in Felix Meritis an der Spitze aller\nbedeutenderen Productionen der hiesigen musicalischen Gesellschaf-\nten, war ein ausgezeichneter Componist und Orchester-Dirigent und\nglänzte als Violinist besonders im Quartettspiel. Er hat in den letz-\nten Monaten viel gelitten und hinterlässt eine Witwe mit fünf Kin-\ndern, von denen nur erst der älteste Sohn selbstständig ist. Vermö-\ngen konnte dieser treffliche Künstler trotz seiner grossen Thätigkeit\nauch als Lehrer und trotz seiner allgemeinen Beliebtheit in dem rei-\nchen Amsterdam dennoch nicht erwerben. Jetzt rührt man sich\nfreilich; ein Concert zum Besten der Witwe hat nahe an 3000 Fl.\neingebracht, und man wird zusammentreten, um der Familie eine\nanständige Existenz zu sichern. Das Concert brachte (an der Stelle\nder früher bestimmten Fes t - Ouvertüre von van Bree) zur Eröffnung\neinen Männerchor von Viotte, Text von Heye mit Blech-Instru-\nmenten, das an seinem Grabe gesungen worden war; darauf Schü-\nmanns ~Der Rose Pilgerfahrt; im zweiten Theile F. Hiller's\n„Gesang der Geister über dem Wasser\", eine Motette von Mozart\nund Mendelssohns Finale zur Lorelei. Frau Offermans und Frau\nAlberdingk Thym sangen die Sopran-Soli, Herr Thenbergh die\nTenor-Partie. Der Saal war mit einer Büste von van Bree und mit\nTrauer-Draperieen geschmückt, alle Damen vom Chor weiss gekleidet."}]}