{"numero_id": "bm-bmtnabi-1857-04-25-01", "volume": "bmtnabi_1857-04-25_01", "ocr_sha256": "e419ab04be10c342f8fd5555d1bcfb659c2df49ff724d18bca9838dc254182f7", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1857/04/25_01/bmtnabi_1857-04-25_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570425-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1857-04-25-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-04-25_01#c001", "volume": "bmtnabi_1857-04-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "129", "page_fin": "129", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570425-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "129", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570425-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 451, "texte": "Inhalt.\nZur Geschichte der Charakteristik der Tonarten. 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Bekanntlich gibt es Mu-\nsiker und Musikgelehrte, denen dieselbe über allen Zweifel\nerhaben gilt. Diese gehen so weit, dass sie auf die Wohl-\nbegründung des Witzwortes von Hoffmann (glaube ich)\nschwören, der von einem unmoralischen Menschen sagte:\n„Er glaubt weder an Gott, noch an den Charakter der\nTonarten.\" Diese sprechen von einem wirklichen absolu-\nten Charakter, den die Tonarten unter allen Verhältnissen,\nunter allen Umgebungen, unter allen Bedingungen offen-\nbaren nämlich den Eingeweihten! Andere läugnen das\nCharakteristische der Tonarten nicht, beschränken es aber\nauf das Relative, auf die Verhältnisse der Zusammenstel-\nlung oder Contrastirung. Eine dritte Fraction ist die von\nHoffmann bezeichnete, die ganz und gar Ungläubigen. Diese\nKetzer behaupten, es komme bei der charakteristischen\nMusik gar nicht auf die Tonart an, sondern allein auf Me-\nlodie, Harmonie und Rhythmus, und man könne in dersel-\nben Tonart eben so gut lustigen Jubel als vvehmüthige\nTrauer ausdrücken. Ja, sie sind so dreist, sich zum Be-\nweise aus den Werken Eines und desselben Componisten\nzu vermessen, und ich muss gestehen, dass auch mein\nGlaube etwas wankend wird, wenn ich z. B. an D-dur\ndenke und die sprudelnde Lust im Finale der zweiten Sin-\nfonie, das heroisch Entschlossene im ersten Allegro des\nClavicr-Trio's Op. 70, Nr. 1, und die sanfte Wehmuth\nund Sehnsucht des Adagio in dem grossen von\nBeethoven, die alle drei in D-dur geschrieben sind, mit\neinander vergleiche.\nHeute jedoch will ich nur die Frage aufstellen: Ist\ndie Charakteristik der Tonarten etwas Neues? „So we-\nnig, wie die Programm Musik.\" So könnte man vielleicht\nzur Aufklärung der Sache etwas beitragen, wenn man das\nHistorische derselben einiger Maassen aufgrübe? „Wa-\nrum das nicht? Jedenfalls dürften diese Auf- und Ausgra-\nbungen allerlei Curiosa zu Tage bringen, und wenn auch\nnicht den Charakter der Tonarten, doch das Spiel, das man\ndamit getrieben, und die Gefühlsweise der früheren Musik-\ngelehrten ins Licht setzen.\"\nNun denn, so wollen wir einmal ein Jahrhundert und\nzwei Jahrzehende zurück gehen, auf das Jahr 1737, mit\ndem dort Gefundenen die Ansichten von 1787 zusammen-\nstellen und es unseren Lesern vorläufig überlassen, die\nzweifelsohne weit tieferen Deutungen von 1857 bei sielt\nselbst zu recapituliren. Wir folgen dabei für 1737 dem\ndamals zu Chemnitz gedruckten Buche: „Kurigefass-\ntes musicalisches Lexikon\" u. s. w., welches mit\nfolgenden Worten beginnt: „An den Musicliebenden Leser.\nDass die Music eine sehr alte Kunst sey, bezeuget unter\nandern auch dieses, dass sie schon vor der Sündfluth be-\nkannt und in der Uebung gewesen, und gereichet zu der-\nselben nicht geringen Ruhm, dass der Heil. Geist den Er-\nfinder derselben, den Jubal, mit Nahmen nennen und an-\nmercken wollen.\" Aus der Einleitung erfahren wir unter\nAnderem auch, dass Zwingli „eine Supplikation auf dem\nRathhause zu Basel einst selbst singend vorgestellt, um zu\nzeigen, wie seltsam es sey, vor denen Menschen sein An-\nliegen abzusingen, so sey es auch ungereimt, dass unser\nAnliegen und Gebet Gott singend vorgetragen werde.\"\nFerner, dass ein Bischof „keinen Figuralgesang habe leiden\nwollen, unter dem Vorwande, dass, weil nur Ein Gott sey,\nauch nur Eine Stimme, nicht aber Discant, Alt, Tenor und\nBass vonnölhen sei.\"\nFür die Ansichten nach vierzig weiteren Jahren be-\nnutzen wir den Jahrgang 1787 des musicalischen Maga-\nzins von C. F. Cramer."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "130", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570425-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4716, "texte": "A-dur. 173 T. Dieser Ton soll sehr angreiflen, ob\ner gleich brilliret und mehr zu klagenden und traurigen\nPassionen, als zu Divertissements geneigt ist. Insonderheit\nschicket er sich sehr wohl zu Violin-Sachen. 1787.\nEtwas Stolz mischt sich mit dem Lustigen von D-dur und\nschwächt es.\nA-moll. 1737. Soll einen prächtigen und ernsthaf-\nten Afiect haben, so dass er doch dabey zur Schmeicheley\ngelenkt werden mag. Die Natur dieses Tons ist recht mas-\nsig und kann fast zu allerhand Gemüthsbewegungen ge-\nbraucht werden. Ist dabey gelinde und über die massen\nsüsse. Der 1787 iger lässt sich gar nicht auf die Moll-\nTonarten ein, weil „ihr Charakter nicht so genau begränzt\nund so unveränderlich sei, als der der Dur-Tonarten\".\nB-dur. 1737. Ist gar divertissant und prächtig, be-\nhält dabey gerne etwas Modestes, und kann demnach zu-\ngleich vor Magnißc passiren. Nach Kirchero: Elevat ad\nardua animam. 1787. Herablassende Grösse mit ehr-\nwürdigem Ernste gemischt.\nC-dur.1737. Hat eine ziemliche und freche\nEigenschaft, wird aber zu Rejouissancen, wenn man der\nFreude ihren Lauf lässt, nicht ungeschickt söyn. Dem un-\ngeacht kann ihn ein habiler Componist, wenn er inson-\nderheit die accompagnirenden Instrumenta wohl choisirt,\nzu gar was charmantes umtauffen und lüglich auch in\ntendren Fällen anbringen. 1787. Eine Mischung von\nheiterer Fröhlichkeit und sanftem Ernst ist der Hauptzug\ndieser Tonart. Menuetten und anmuthige Sonaten sind ihr\nangemessen.\nC-moll, ein überaus lieblicher, auch trauriger Ton.\nWeil man aber des Süssen leicht überdrüssig werden kann,\nso ist nicht übel gethan, durch etwas mouvement ihn mehr\nzu beleben, sonst möchte Einer bei der Gelindigkeit leicht\nschläfrig werden. Soll es aber eine Piece sevn, die den\nO j\nSchlaf befördern muss, so kann man diese remarque sparen\nund natürlicher Weise zum Zweck gelangen.\nD-d ur. 1737. Scharf und eigensinnig, zum Lärmen\nund lustigen und aufmunternden Sachen bequem. Doch\nkann auch dieser harte Ton, zumal wenn anstatt der Cla-\nrine eine Flöte und statt der Pauke eine Violine dominirt,\nartige Anleitung zu delicaten Sachen geben.— 1787. Der\nErnst wird verdrängt, das Sanfte verschwindet, und ausge-\nlassene, oft niedrige Lustigkeit tritt an seine Stelle. Ganz\ndie Tonart für drollichte Stücke und lustige Tänze.\n-moll hat was devotes und ruhiges, auch etwas\ngrosses, angenehmes und zufriedenes. Das hindert aber\nnicht, dass man auch etwas ergötzliches und fliessendes\nmit succesdarin setzen könne.\nE-dur.1737. Drucket eine Verzweifllungsvolle oder\ngantz tödtliche Traurigkeit unvergleichlich wohl aus; ist\nvor extrem-Ver\\\\ebte, Hülff- und Hoffnungslose Sachen am\nbequemsten, hat was schneidendes, leidendes, durchdrin-\ngendes, dass es mit nichts als einer fatalen Trennung des\nLeibes und der Seelen verglichen werden kann. 1787.\nDer Stolz wird hervorstechend und abstossend.\nE -moll kann schwerlich etwas lustigem beigelegt\nwerden, man mache es auch, wie man wolle. be-\ntrübt und traurig. Hurtiges geht wohl, aber hurtig ist da-\nrum nicht gleich lustig.\nE-dur. 1737. D >eser Ton ist capable,die schönsten\nSentiments von der Welt zu ees sey nun Gross-\nmuth, Standhaftigkeit, Liebe u. d. g., und solches mit na-\ntürlicher Art und unvergleichlicher facilite, dass gar kein\nZwang dabei vonnöthen ist. 178 7. Alles Grosse ist\nweg; sanfte Würde und holdes Lächeln sticht unverkenn-\nbar hervor.\nF-moll scheinet eine gelinde und gelassene, wiewohl\ndabei tiefe und schwere, mit etwas Verzweiflung vergesell-\nschaffte, tödtliche Herzensangst vorzustellen und ist über\ndie massen beweglich. Es drücket eine Hülff-lose Melan-\ncholie schön aus, und will den Zuhörern bisweilen ein\nGrauen oder Schauern verursachen.\nEs-dur. 1 787. Stille Majestät, die etwas vom Glän-\nzenden des As-dur vernachlässigt, das Gelühl erregt, dem\nZuhörer interessant und nie zuwider wird, und etwas un-\nbeschreiblich Sanftes enthält, das auch dem musicalischen\nGelühle des Nichtkenners nicht verborgen bleibt.\nFis-dur.1737. Leitet zu grosser Betrübnis», i*t\naber mehr languissantund verliebt, als lethal; er hat etwas\nabandonirtes, singulaires, misantliropisches an sich.\nH-dur. 1737. Hält bisweilen her, hat eine wider-\nwärtige und harte Eigenschaft an sich.— 1787. Erhaben-\nheit macht den früheren Stolz von erträglich.\nG-dur. 1 737. Hat viel insinuantes und redendes in\nsich, brilliret dabey nicht wenig, ist zu und mun-\nteren Dingen geschickt.— 1 787. Ein grösserer Grad von\nFröhlichkeit, als in C-dur,mit vieler Anmuth gemischt.\nG-moll ist der allerschönste Ton, weil er eine unge-\nmeine Anmuth und Gefälligkeit mit sich führet, dadurch er\nsowohl zu zärtlichen als erquickenden, sehnenden als ver-\ngnügten, mässigen Klagen und temperirler Fröhlichkeit be-\nquem und überaus Bexibleist."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "131", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570425-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4543, "texte": "Schliesslich sagt der Lexikograph von 1737: „Der\nEffect, den die noch übrigen Töne Ihun, ist noch wenigen\nbekannt und muss der Posterilaet überlassen werden, all-\ndieweil man sich heutiges Tages ihrer gar selten zum\nGrunde eines Stückes bedient.\"\nIch lasse hierauf die Charakteristik der Tonarten durch\nC. F. Dan. Schubart, um 1 786 auf dem Hohenasperg\nvon ihm dictirt und 1806 von seinem Sohne in den „Ideen\nzu einer Aesthetik der Tonkunst\" veröffentlicht, folgen:\nC-dur ist ganz rein. Sein Charakter heisst: Unschuld,\nEinfalt, Naivetät, Kindersprache.\nA-moll. fromme Weiblichkeit und Weichheit des Cha-\nrakters.\nF-dur,Gefälligkeit und Ruhe.\nD-moll,schwermüthige Weiblichkeit, die Spleen und\nDünste brütet.\nB-dur, heitere Liebe, gutes Gewissen, Hoffnung, Hin-\nsehnen nach einer besseren Welt.\nH-moll, Missvergnügen, Unbehaglichkeit, Zerren an\neinem verunglückten Plane; missmuthiges Nagen am Ge-\nbiss; mit Einem Worte: Groll und Unlust.\nEs-dur,der Ton der Liebe, der Andacht, des trauli-\nchen Gespräches mit Gott; durch seine drei die heilige\nTrias ausdrückend. (!)\nC-moll,Liebeserklärung, und zugleich Klage der un-\nglücklichen Liebe. Jedes Schmachten, Sehnen, Seufzen\nder liebetrunkenen Seele liegt in diesem Tone.\nAs-dur, der Gräberton. Tod, Grab, Verwesung, Ge-\nricht, Ewigkeit liegen in seinem Umfange.\nF-moll, tiefe Schwermuth, Leichenklage, Jammer-\ngeächz und grabverlangende Sehnsucht.\nDes-dur. Ein schielender Ton, ausartend in Leid und\nWonne. Lachen kann er nicht, aber lächeln; heulen kann\ner wicht, aber wenigstens das Weinen grimassiren.\nB-nuill.Ein Sonderling, in. das Gewand\nder Nacht gekleidet. Er ist etwas mürrisch und nimmt\nhöchst selten eine gefällige Miene an. Moquerieen gegen Gott\nund die Welt, Missvergnügen mit sich und Allem, Vorbe-\nreitung -/.um Selbstmord hallen in diesem Tone.\nGes-dur. Triumph in der Schwierigkeit, freyes Auf-\nathmen auf überstiegenen Hügeln; Nachklang einer Seele,\ndie stark gerungen und endlich gesiegt hat.\nEs-moll. Empfindungen der Bangigkeit, des allertief-\nsten Seelendrangs, der hinbrülenden Verzweiflung, der\nschwärzesten Schwermuth, der düstersten Seelenverfassung.\nJede Angst, jedes Zagen des schaudernden Herzens\nathmct aus dem grässlichen Es-moll. Wenn Gespenster\nsprechen könnten, so sprächen sie ungefähr aus diesem\nTone.\nH-dur. Stark gefärbt, wilde Leidenschaften ankündend,\naus den grellsten Farben zusammengesetzt. Zorn, Wuth,\nEifersucht, Raserei, Verzweiflung und jeder Jast (Leiden-\nschaft) des Herzens liegt in seinem Gebiete.\nGis-moll. Griesgram, gepresstes Herz bis zum Er-\nsticken; Jammerklage, die im Doppelkreuz hinseufzt; schwe-\nrer Kampf, mit Einem Wort: alles, was mühsam durch-\nringt, ist dieses Tons Farbe.\nE-dur.Lautes Aufjauchzen, lachende Freude und noch\nnicht ganzer, voller Genuss.\nCis-moll.Bussklage, trauliche Unterredung mit Gott;\ndem Freunde; und der Gespielin des Lebens; Seufzer der\nunbefriedigten Freundschaft und Liebe.\nA-dur. Erklärungen unschuldiger Liebe, Zufriedenheit\nüber seinen Zustand; Hoffnung des Wiedersehens beim\nScheiden des Geliebten; jugendliche Heiterkeit und Gottes-\nvertrauen.\nFis-moll. Ein finsterer Ton: er zerrt an der Leiden-\nschaft, wie der bissige Hund am Gewände. Groll und Miss-\nvergnügen ist seine Sprache. Es scheint ihm ordentlich in\nseiner Lage nicht wohl zu sein; daher schmachtet er im-\nmer nach der Ruhe von A-dur,oder nach der triumphi-\nrenden Seligkeit von D-durhin.\nD-dur.Der Ton des Triumphes, des Halleluja's, des\nKriegsgeschrei's, des Siegsjubels.\nH-moll.lst gleichsam der Ton der Geduld, der stillen\nErwartung seines Schicksals und der Ergebung in die gött-\nliche Fügung. Darum ist seine Klage so sanft, ohne jemals\nin beleidigendes Murren oder Wimmern auszubrechen.\nH-durAll es Ländliche, Idylkn- und Eklogenmässige,\njede ruhige und befriedigte Leidenschaft, jeder zärtliche\nDank für aufrichtige Freundschaft und treue Liebe; mit\nEinem Worte: jede sanfte und ruhige Bewegung des Her-\nzens lässt sich trefilich in diesem Tone ausdrücken.\n4\nE-moll.Naive, weibliche, unschuldige Liebeserklärung,\nKlage ohne Murren; Seufzer, von wenigen Thränen beglei-\ntet; nahe Hoffnung der reinsten, in sich auflösenden\nSeligkeit spricht dieser Ton. Da er von Natur nur Eine\nFarbe hat, so könnte man ihn mit einem Mädchen verglei-\nchen, weiss gekleidet, mit einer rosenrothen Schleife am\nBusen. Von diesem Tone tritt man mit unaussprechlicher\nAnmuth wieder in den Grundton C-dur zurück, wo Herz\nund Ohr die vollkommenste Befriedigung finden.\n► f% f ff k li. 5 f fi; Vj 5 *-4 \"| - ; I < £f \\ * h ) f\\' jj M i-J fJV * * K kjmM * J"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-04-25-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-04-25_01#c003", "volume": "bmtnabi_1857-04-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "132", "page_fin": "133", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570425-01.2.3", "titre_corps": "Ein Ereigniss zu Frankfurt am Main.", "titre_sommaire": "Ein Ereigniss zu Frankfurt am Main.", "signature_source": "A. Schindler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "132", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570425-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5106, "texte": "Ein Ereigniss zu Frankfurt am Main.\n\nWenn eines der grössten Werke des grössten Com-\nponisten des Jahrhunderls, um dessen ästhetischen Werth\ndie Kunst-Philosophen sich so hartnäckig bekämpfen, nach\ndreissigjähriger Existenz in einer musikreichen Stadt wie\nFrankfurt zum ersten Male erst vollständig zu Gehör\ngebracht wird, so darf diese Thatsache wohl in die Rubrik\nder städtischen Kunst-Ereignisse verzeichnet werden. Die-\nses Ereigniss betrifft Beethoven's neunte Sinfonie.\nEs hat uns neulich der Bericht aus Hamburg in Nr. 14\ndieser Musik-Zeitung nicht wenig stutzen gemacht, zu ver-\nnehmen, dass dort an der Elbe dasselbe Werk jüngst erst\ndie zweite vollständige Aufführung seit seinem Bestehen\nerlebt habe, und dies noch mit Zuziehung fremder Sänger\nin den Solo-Partieen des vierten Satzes. Ein Trostgrund\ndies lür die Schwesterstadt am Main.\nUeber die Schicksale, die das Werk bis zum Jahre\n1852 hierorts zu erfahren gehabt, hat sich Verfasser be-\nreits in Nr. 46 dieses Blattes von 1854 des Weiteren\nausgesprochen. Es mag demnach beigehend nur erinnert\nwerden, dass der capellmeisterliche Alleinherrscher Guhr\nmit den Kräften des Theaters den vierten Satz in zwei\nweit aus einander liegenden Aufführungen allein zu Ge-\nhör gebracht, und zwar beide Mal mit nur einer einzigen\nflüchtigen Probe. Noch mag erinnert werden, wie nach\nAussage verständiger Musiker das summarische Urtheii des\nPublicums auch über diesen vierten Satz, wie vordem schon\nüber die drei anderen Sätze der Sinfonie, mit dem einzigen\nWorte „Unsinn\" zum Ausdrucke gekommen, welches\nUrlheil, resp. Yerurtheilung, Guhr stillschweigend gelten\ngelassen hat. Hätte ein solch wegwerfendes Urlheil das\nWerk eines minder berühmten Autors oder gar eines noch\nunbekannten getroffen, so war es in der zur Classicomanie\nsich nur allzu sehr hinneigenden Mainstadt lür alle Zeit ge-\nopfert. In den grossen Concerl-Sälen zu Frankfurt verzich-\ntet man nämlich seit vordenklichen Zeiten auf die Ehre, die\nKunst zu fördern, mit anderen Worten: Kunstge-\nschichte zu machen oder nur wesentliche Beiträge\ndazu zu liefern ganz im Gegensatze zu dem, was hier\nlür Förderung der bildenden Künste Achtungswerthes ge-\nschieht. Hier, wo man an den Satzungen des grossen Kir-\nchen-Reformators festhält, scheint dessen Ausspruch: „Prü-\nfet Alles und behaltet das Beste!\" in Beziehung auf Ton-\nkunst kaum gekannt zu sein. Referent ist so kühn, zu be-\nhaupten, dass kaum eine zweite, so musikreiche Stadt in\nDeutschland zu finden sein dürfte, in der ein so grosser\nTheil der musicalischen Literatur (die katholische Kirchen-\nmusik aller Epochen insgesammt, vier bis lünf Werke der\nNeuzeit ausgenommen) so unbekannt wäre, wie in dieser\nMainstadt. Diese Thatsache kann nicht scharf genug betont\nwerden, weil sie eben sowohl das einseitige als auch das\nbefangene Urtheii der Berufenen und Unberufenen involvirt,\ndas bei jeder Gelegenheit sich zu erkennen gibt.\nDem zweiten Nachfolger Guhr's am Dirigenten-Pulte\ndes Thealers, Herrn Capellmeister Gustav Schmidt,\nhaben es die hiesigen Musiker und Musikfreunde zu dan-\nken, die neunte Sinfonie endlich in allen vier Sätzen ge-\nhört zu haben, und zwar ausschliesslich mit den Kräften\ndes Hauses im Hause. Sie bildete den Haupt-Bestandtheil\neines auserlesenen Programms zu seinem Benefiz-Concerle\nam Oster-Sonntag, das vielleicht in den Nummern des er-\nsten Theils etwas zu classisch gewesen sein dürfte: 1}\nOuvertüre zu „Iphigenie in Aulis\"; 2) Scene aus „Ido-\nmeneus\", vorgetragen von Frau Anschütz-Capitain und\ndem Chor-Personale; 3) Finale aus „Cosi fan lulle\", vor-\ngetragen von den Damen Veith, Oswald, Zirndorfer und\nden Herren Baumann, Pichler und Dettmer; 4) Ouvertüre\nzu „Medea\" ; s)Hymne aus „Medea\", vorgetragen von\nFräul. Zirndorfer, Herrn Eppich und Herrn Dettmer.\nAuffassung und Tempi waren das ganze Werk hin-\ndurch so vollkommen im Sinne des Autors, dass es diese\nFeder wahrhaft freut, nach gleichem Erlebnisse 1841 im\npariser Conservaloire, dies von einem de u tsehen Diri-\ngenten aussagen zu können*). Welche Missverständnisse\nfast aller Orten bei dieser Sinfonie Seitens der Herren Di-\nrigenten sich offenbarten, dessen ist auch die Niederrhei-\nnische Musik-Zeitung schon öfters Zeuge gewesen. Und\nwas halle nicht diese Feder einstens über die Missverständ-\nnisse hierbei sogar von Seiten Mendelssohn's auszusagen!\nDas frankfurter Theater-Orchester belhätigte seine Vor-\nzüglichkeit in dieser schwierigen Aufgabe aufs rühmens-\nwerlhesle. Zwanzig zweckmässig vertheilte Saiten-Instru-\nmente wären jedoch noch erforderlich gewesen, um vor-\nnehmlich im ersten Satze mehr Kraft entwickeln zu können.\nIn den anderen Sätzen wurde diese weniger vermisst.\nDer Chor war gleichfalls vortrefflich und leistete bei so ge-\nringer Anzahl sowohl an Reinheit der Intonation als auch\nan Kralt und Ausdruck Ueberraschendes. Ehre dem Herrn\nMusik-Director Goltermann, der die schwierige Aufgabe\nin solcher Weise zu lösen verstand! Referent, der 1824\nin Wien auch die Chöre des Opernhauses mit dem Chor-\n\n*) Könnte man doch gleiches Lob auch bei den meisten Allegro-\nSätzen in Mozart's Werken unserem Capellmeister spenden!"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "133", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570425-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4867, "texte": "Director zur ersten Aufführung des Werkes vorzubereiten\ngehabt, weiss aus eigener Erfahrung, welche ungewohnte\nHindernisse einem Opern-Chor darin entgegen stehen.\nDie Solo-Stimmen befanden sich in den Händen der\nDamen Veilh und Schmidt, dann der Herren Bau-\nmann und Dettmer. Auch ihre Gesammtleistung steht\nim besten Einklänge mit den Vorbenannlen, nur war ihnen\ndie Nähe des Orchesters gelährlich. Solo-Stimmen sollen\nallzeit wenigstens vier bis fünf Schritte vom Orchester ent-\nfernt stehen, sonst werden sie erdrückt. Das verpönte Fis\nim Reeitativ der Bass-Partie, das au vielem Aerger schon\nAnlass gegeben, hat Herr Dettmer glücklich überwunden.\nDer am Schlüsse des Werkes von dem vollen Hause\ngespendete Beifall war für den Dirigenten wie für die Aus-\nführenden ein sprechender Beweis der Zufriedenheit. Viel-\nleicht findet Herr Capellmeister Schmidt darin zugleich\neine Aufmunterung, dasselbe Werk bei einer sich darbie-\ntenden Gelegenheit nochmals zur Aufführung zu bringen,\num dessen Verständniss, das sich nur aus der Totalität er-\ngibt, den Musikfreunden zu ermöglichen.\nBei dieser Gelegenheit sei es dem Unterzeichneten er-\nlaubt, auf eine Nichtübereinstimmung zwischen der Partitur\nund den gedruckten Orchester-Stimmen, die schon mehr-\nfach, so gegenwärtig wieder, Zweifel bei den Dirigenten\nhervorgerufen, aufmerksam zu machen. Die gedruckten\nStimmen weisen vor dem Schlüsse des zweiten Satzes\nein Da capo al segnoauf, von da es zur geht. Die\nPartitur zeigt die Wiederholung des A/\\ bis zum Ruhe-\npuncte Tact 3, Seite 65, nicht an. Es unterliegt jedoch\nkeinem Zweifel, dass die Wiederholung nach Wortlaut der\ngedruckten Stimmen Statt finden muss, wenn man auch\nvon dem Herkömmlichen absehen wollte; nur wäre es kei-\nnesfalls als Crimen laesaezu verzeichnen, wenn in Betracht\nder Länge des Satzes und dessen humoristischen Charak-\nters die Wiederholung des zweiten Theiles allzeit weg-\nfiele. Wie es Beethoven mit den herkömmlichen Wieder-\nholungen in seinen letzten Lebensjahren gehalten, weisen\ndie meisten Werke aller Gattungen aus dieser Periode\nsattsam aus. Bei Veranlassung der Aufführung seiner acht\nSinfonieen im Joscphstädter Theater 1823 und 24 hatte\ner mir ausdrücklich geboten, die Wiederholung der zwei-\nten Theile zu übergehen, „weil doch schon Alles mehrmal\ngehört worden und die Leute die Sinfonieen schon aus-\nwendig wissen.\" Bei einzelnen Sonaten wollte er sogar die\nWiederholung des ersten Theiles nicht mehr gelten lassen.\nGleichzeitig mit vorgedachtem Ereignisse hat Referent\ndas Vergnügen, von einem anderen, nicht weniger bedeu-\ntenden sprechen zu können. Am Charfreitage ward nämlich\nBach's Passion nach Matthäus vom Cäcilien-Ver-\neine unter Leitung des Herrn Musik-Directors Messer\nseit Menschengedenken wieder einmal in ihrer Vollständig-\nkeit mit Orgel und Orchester in der evangelischen Kirche\nauf dem Kornmarkte zur Aufführung gebracht. Bekannt-\nlich steht dieses in seiner Art einzige Werk seit langen\nJahren auf dem Charfreitags-Programm dieses Vereins, wie\nGraun's Tod Jesu auf dem der Sing-Akademie zu Berlin,\nnur wurde es stets mit Clavier-Begleitung vorgeführt,\nwas, wenn nicht eine Verhöhnung, so doch eine Profani-\nrung genannt werden muss. Die Aufführung, von welcher\nder Unterzeichnete nur in ihrer ersten Hälfte Zeuge sein\nkonnte, soll durchweg eine vorzügliche gewesen sein, aus-\ngenommen die Partie des Christus. Wie war es möglich,\ndiese so zu vergreifen, dass man stellenweise einen recht\nguten Opern-Tyrann zu hören glaubte*)? Wo blieb der\nAusdruck des Sanften, Versöhnlichen, Göttlichen, die dem\nVortragenden doch recht nahe gelegt ist? Es ist Pflicht\ndes Dirigenten, unrichtige Auflassungen der Sänger im\nOpern- und Concertsaale zu corrigiren, sonst trägt er die\nHauptschuld der Missgestaltung. Diesen Fall abgerechnet,\ngereicht der Erfolg des Ganzen dem Dirigenten zu grosser\nEhre, zumal die Aufstellung der Chöre nach beiden Seiten\nder Galerie eine sehr unvortheilhafte, dem Ensemble ge-\nfährliche genannt werden darf.\nIm Uebrigen ist dieses Bethaus denn Kirche nach\ndem eigentlichen Begriffe, wie ihn die Architektur lehrt, ist\nes nicht für solche Zwecke ganz ungeeignet, weil auch\nräumlich zu klein, wesshalb die Wucht der Chormassen in\nVereinigung mit Orgel und Orchester nicht nur die Klar-\nheit, auch die Erhabenheit des Gesammt-Ausdrucks ge-\nfährdet. Kirchenmusik dieser Gattung darf niemals in Lär-\nmen ausarten; denn dieses verscheucht die Andacht, die\nErbauung, die solche Musik doch eigentlich wirken will\nund soll. Dem achtungswerthen Cäcilien-Vereine wäre da-\nher zur Erreichung solchen Zweckes eine berliner Garni-\nsonkirche oder die Hofkirche zu Dessau zu wünschen, um\nsich seines Strebens und seiner Leistung recht erfreuen\nzu können.\n\nA. Schindler.\n\n*) Noch zählt der Sänger des Christus zu den Dilettanten; er\nist seines Zeichens ein Metzger, macht aber seiner Zunft als\nSänger alle Ehre."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-04-25-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-04-25_01#c004", "volume": "bmtnabi_1857-04-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "134", "page_fin": "134", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570425-01.2.4", "titre_corps": "Ein Urtheil über die mannheimer Oper.", "titre_sommaire": "Ein Urtheil über die mannheimer Oper.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "134", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570425-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4775, "texte": "Ein Urtheil über die mannheimer Oper.\nZu Ausgang des Winters hat sich einer der vorzüg-\nlichsten Opernsänger aus der alten wiener Gesangschule\nkurze Zeit zu Mannheim aufgehalten und vier Opern-Auf-\nlührungen beigewohnt. Folgendes danken wir seiner Mit-\ntheilung.\n„Der Fall mag in unserer Zeit wohl ein seltener sein,\ndass ein Theater zugleich mehrere so schöne, frische Stim-\nmen besitzt, wie dermal das mannbeimer. Allein man harrt\nvergebens, nur eine dieser Stimmen kunslgetnäss singen zu\nhören. Alles schreit nach Belieben, woraus wohl zu\nschliessen ist, dass der Capellmeister mit der Gesangeskunst\nwenig oder gar nicht vertraut sein könne. Ein kalter Schauer\nüberläuft den Sachkenner, des anderen Tages in der Zei-\ntung lesen zu müssen: „ ,Die Oper unter Leitung unseres\nberühmten Meislers Lachner ging gestern vortrefflich\"\"\nu. s. vv. Bei so stereotyp sich wiederholenden Lobhude-\nleien in der Localpresse fragt man sich; Wozu all die Mühe\neiniger Kunst-Organe, die dem modernen Gesänge anhaf-\ntenden Mängel und Gebrechen aufzudecken und auf ihre\nAbstellung hinzuarbeiten? Die Sängerin Röhn hat eine\nprachtvolle Stimme, aber keine Idee von dramatischem Ge-\nsänge, überhaupt von kunstgemässem Vortrage. Dessglei-\nchen ist Fräul. Brand (aus Wien) im Besitze einer schö-\nnen Stimme von bedeutendem Umfange, allein der Gebrauch\ndieser Stimme, besonders im Brust-Register, ist lür das\nKenner-Ohr geradezu widrig. Das alles hört Herr Lachner\nruhig an und scheint nichts weniger als davon verletzt zu\nsein. Die Tempi im Allegro nimmt Lachner, wie sein Bruder\nFranz in München, in der Regel viel zu schnell. Das Tempo\nz. B. in der Arie der Königin der Nacht war dermaassen\nübereilt, dass, wäre es ein Instrumentalstück lür Violine\noder Ciavier, eine schleunigere Bewegung kaum mehr mög-\nlich gewesen wäre. Sie wurde aber gesungen: jedoch\nwie?!\n„Vollends aber der berühmte Maschinen-Virtuose\nMühldorfer. Um ein schönes Bild zu geben, müssen die\nSänger in der Milte der Bühne Stellung nehmen. Die eine\nHälfte des Tones verliert sich natürlich in die Coulissen,\ndie andere kämpft mit dem Orchester. Zöge der Capell-\nmeister seine Sänger Mühldorfer's Bildern vor, so würde\ner ihnen alsbald begreiflich machen, wie ganz anders die\nWirkung ihrer Slimme sei, wenn sie über das Orchester\nhinweg in den Raum des Hauses erklingt. Aus der vom\nOrchester entfernten Stellung der Sänger rührt das häu-\nfige Distoniren und auch das Umwerfen her. Welcher ita-\nlienische Sänger in der Welt wird sich wohl vom Ma-\nschinisten die Stelle anweisen lassen, von der er seine\nArie zu singen habe? Er tritt so nahe als möglich an die\nLampen heran, um weder von der Coulisse noch vom Or-\nchester im Ausströmen seiner Stimme behindert zu wer-\nden. Selbst in Ensemble-Stücken treten die italienischen\nOperisten nicht hinter die erste Coulisse zurück. Bei ge-\nnauer Bekanntschaft mit den gegenwärtigen Opern-Zustän-\nden in Deutschland, England, wohl auch in Frankreich, bin\nich der Ueberzeugung, dass an dem in Deutschland bis\nzum Aeussersten verkommenen Gesangswesen auch die\nHerren Capellmeister viele Schuld tragen, weil sie fast alle\nnichts von der Gesangkunst verstehen. Diese ihre Unkennt-\nniss geht Hand in Hand mit der der Sänger. Bei Zusam-\nmentreffen mit alten Collegen ist dieses Thema schon oft\nvanirt worden, und waren wir der Meinung, dass es uns\nUeberresten aus einer besseren Periode wohl Pflicht wäre,\nunseren einstigen Leitern, den wiener Capellmeistern\nWreigl, Umlauf und S ey f r ie d, dem prager Trüben-\nsee, dem münchener Winter, dem Stuttgarter Danzi\nund einigen wenigen anderen noch Denksäulen zu errich-\nten. Diese Männer trugen keine Orden, waren auch keine\nVirtuosen, sie brachten aber alles mit, was zur Opern-\nDirection gehört.\n, Ein Anderes, was in Mannheim exceplionel zu beobach-\nten, ist: alle jene Opern, darin der Maschinist nicht Gele-\ngenheit findet, seine Kunststücke anzubringen, werden ent-\nweder ignorirt oder, falls je eine in Scene kommt, nur als\nLückenhüsser betrachtet. Und gerade sind es diese Lücken-\nbüsser, die den Sängern Gelegenheit geben würden, Schule\nzu machen. Begreiflich ist das Publicum durch Mühldorfer's\nSchaugnpränge so sehr verwöhnt, dass es eine Oper nur\nsehen will; wie es mit dem Hören beschaffen, lässt sich\naus dem Geschrei der Operisten deutlich entnehmen.\nDas Orchester verdient das ihm gezollte Lob, wäre aber\nin der Schaltirung wesentlich besser, hätte es nur gebil-\ndete Sänger zu accompagniren. Seine Leistung und Mühl-\ndorfer's Maschinen scheinen aber ohne Widerspruch die\nHaupt-Erfordernisse in der Oper, der Stolz des Publicums\nund die Magnete zu sein, die so genannten Musikfreunde\naus den benachbarten Städten oft in Massen anzuziehen.\nGeschehen ist es aber um jedes Opern-Institut, bei dem\nder Maschinist die erste Stimme hat.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-04-25-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-04-25_01#c005", "volume": "bmtnabi_1857-04-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "135", "page_fin": "136", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570425-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "135", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570425-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7510, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\n1415121. Am Dinstag fand die letzte Soiree für Kammer-\nmusik im Hotel Disch Statt. Ausser einem Violin-Quartett von\nMozart (C-dur) und einem von Beethoven (G-dur, Op. 18) wurden\nkeine weiteren Ensemblestücke gemacht. Dafür entschädigte F.\nHiller vollkommen durch den Vortrag von zwei Compositionen\nfür Pianoforle allein, der Sonate von Beethoven in E, Op. 109, und\nder Variationen [Unit mesures variees par F. Hill er), welche\neine fortlaufende Reihe von Veränderungen eines nur acht Tacte\nlangen Thema's bilden ein geniales Spiel mit allen nur mögli-\nchen rhythmischen und contrapunktischen Formen, das den Meister\nim Wissen und Können zeigt und den Zuhörer keinen Augenblick\nohne spannendes Interesse lässt.\nAm Donnerstag den 23. d. Mts. hielt der städtische Ge-\nsang-Verein unter Leitung seines Dirigenten, des k. Musik-Di-\nrectors C. R eint ha ler, eine öffentliche Versammlung vor einer\neingeladenen Zuhörerschaft. Das Programm brachte: Misericordias\nvon Durante, Ave Maria für Sopran von Cherubini, Alla Tri-\nnitä beata (XVI. Jahrhundert) und aus der hohen Messe von J. S.\nBach das Gloria in excelsis Deo, Laudamus te, Gratias agimus (50-\npran-Arie mit obligater Violine), Quoniam tu solus (Bass-Arie) und\ndie grosse Fuge Cum saneto Spiritu. In der zweiten Abtheilung\nden 126. Psalm (a capella) von C. Reinthal er (neu), Sextett\naus dem Wasserträger von Cherubini und den Frühling aus J.\nIlaydn's Jahreszeiten. Dms Interessanteste waren die Bruchstücke\nder grossen Messe von Bach, und wiewohl alles, was vorgetragen\nwurde, recht gut gelang, so machte doch die genaue, sichere,\nkräftige und feurige Ausführung jener Prachtchöre, die uns in einen\nwahren Zauberwald von Polyphonie versetzen, dem ernsten Streben\ndes Vereins, seinen schönen Kräften, und vor Allem der Tüchtig-\nkeit des Dirigenten die grösste Ehre. Der Eindruck des letzten\nChors Cum saneto Spiritu war ein überwältigender. Die beiden\nArien freilich, obschon ganz gut vorgetragen, liessen das Publicum\nmehr das Sonderbare und dem heutigen Ohr und Sinn Ungewohnte,\nals das Kunstvolle dieser Gattung empfinden. Mit der Bass-Arie\nvermochte selbst ein Sänger wie DuMont-Fier nichts mehr zu er-\nreichen, als die volle Anerkennung seiner künstlerischen Bildung.\nDie neue Composition von Rein thaler hat uns gleich beim\neinmaligen und ersten Anhören recht angesprochen, namentlich in\nihrer zweiten Hälfte, welche durch einen Solosatz für drei Frauen-\nstimmen die Zuhörer noch besonders einnimmt.\nAm Mittwoch trat Fräul. Louise Meyer als Norma zum\nersten Male hier auf. Leider war sie durch die Reise und eine Er-\nkältung angegriffen und gezwungen, einen Rest von Heiserkeit mit\nAnstrengung zu bekämpfen. Ein sicheres Urtheil über ihre Mittel\nvermochten wir uns daher, weil sie sie nicht in ihrer ganzen Fülle\nentwickeln durfte, noch nicht zu bilden. Allein trotzdem hat sie\nuns vollständig hingerissen und überall den Eindruck einer grossen\nKünstlerin und einer genialen Natur auf uns gemacht. Gesang und\nSpiel zeugten von richtiger Auffassung der Rolle, von wahrer Be-\ngeisterung für ihre Aufgabe, und die Ausführung liess keinen\nZweifel übiig, dass die Leistung bei vollständiger Macht über das\nOrgan eine meisterhafte sein müsse. Auch das Ensemble der Oper\nwar gut: Fiau Jagels-Roth (Adalgisa) und Herr Kahle (Sever)\nwaren sehr brav und ärnteten ebenfalls lebhaften Beifall.\nDie Vorbereitungen zu dem Musikfeste, welches in den Pfingst-\ntagen in Aachen gefeiert wird, nehmen erfreulichen Fortgang.\nFür die Solo-Partieen sind gewonnen: Fräul. Louise Meyer aus\nWien, ferner die Sänger Schneider, Dalle Aste und Göbbels. Was\ndie Wahl der Musikstücke betrifft, so steht obenan Händel's Mes-\nsias; der zweite Tag wird theils classischen Werken, wie einer\nCantate von Bach und einer Sinfonie von Schubert gewidmet sein,\ntheils aber auch der neueren Richtung Rechnung tragen, und wird\ndiese durch eine symphonische Dichtung von Liszt, ein Oratorium\nvon Berlioz, die „Kindheit Jesu\", so wie eine Cantate von Schu-\nmann, des „Sängers Fluch44, sein letztes Werk, vertreten sein. Der\ndritte Tag wird, wie gewöhnlich, hauptsächlich künstlerischen Lei-\nstungen vorbehalten sein, und sind auch hietür, ausser Vorträgen\nder oben genannten Sänger und Sängerinnen noch deren einige\nvon lnstrumentalisten, so vom Yiolin-Virtuosen Singer und dem\nPianisten Hans v. Bülow, zu erwarten. Das Fest leitet Liszt.\nBerlin, Im Hause der Abgeordneten berichtete der Abge-\nordnete Mathis folgenden Fall: „In einem königsberger Blatte er-\nschien von Herrn Köhler eine tadelnde Recension über eine im\ndortigen Theater gegebene neue Oper. Der Theater-Director Com-\nmissionsrath Woltersdorff liess darauf ein Placat an die Ecken\nschlagen, worin er sagte, dass er Herrn Köhler wegen Injurien ge-\nrichtlich belangen werde. Ein anderer Schriftsteller nahm sich nun des\nHerrn Köhler an und verfasste eine Schrift unter dem Titel: „Der\nTheater-Director Woltersdorff und die Kritik.4' Das Pflicht-Exem-\nplar kam an die Policei, und diese liess auf der Stelle den Drucker\nrufen und bedeutete ihm, dass sie ihm auf der Stelle die Conces-\nsion entziehen würde, wenn er ein einziges Exemplar der Schrift\nausgäbe. Letztere ich habe sie hier unter meinen Papieren\nbeschäftigt steh lediglich mit Theater-Angelegenheiten und berührt\ndie Politik nicht im Mindesten.44\nMusik-Director Georg Vieriing, rühmlichst bekannt durch\ndie Composition der Ouvertüren zn Shakespeares Sturm und zu\nSchiller's Mari» Stuart, der Hafislieder u. s. w., hat seit Anfang\nFebruar einen Bach-Verein gegründet, der gedeihlichen Fortgang\nverspricht.\nMannheim, 15. April. Weber's Oberon wurde gestern\nin ganz kurzer Zeit zum dritten Male mit solchem Andränge von\nFremden gegeben, dass Viele zurückgewiesen werden mussten;\nsechs Tage vorher waren alle verfügbaren Plätze genommen. Die\nneuen Decorationen, die Mühldorfer hierzu gemalt hat, übertreffen\naber auch alles von ihm bisher Gesehene, namentlich die erste,\nfeenhafte Decoraiion, der Anblick von Bagdad, die wandernde Ge-\ngend und die Schluss-Decoration. Er wurde jedesmal 2—3 Mal ge-\nrufen. Dass der musicalische Theil hierunter leidet, ist ganz natür-\nlich, und die süddeutschen Blätter haben vollkommen Recht, wenn\nsie sagen, man habe die Decorationen zu Oberon mit Weber scher\nMusik gegeben.\nDas zweite mittelrheinische Musikfest wird am 14. und 15. Juni\nStatt finden. Samstag den 13., Vormittags, Empfang der fremden\nSänger und Musiker; Nachmittags Hauptprobe zum Elias im Fest-\nlocal, dessen Zuhörerraum auf 3—4000 Menschen berechnet ist.\nSonntag, Vormittags, 1. Concert, Nachmittags Musik irri Schloss-\ngarten, Abends grosse Oper u. s. w. Montag Morgens Probe, Nach-\nmittags 2. Concert, Abends Bail im Theater.\nEine Correspondcnz aus Braun schweig in der wiener Mo-\nnatschrift für Theater und Musik sagt über den Sänger Thelen,\ngebürtig aus Köln, Schüler des Herrn E. Koch, Folgendes: „Von\nden jüngeren Kräften unserer Oper sind nur wenige dem Verhält-\nnisse gemäss mit wirklicher Anerkennung zu nennen. Ein jugend-\nlicher Bass, Herr Thelen, steht in Bezug auf die Kraft und Fülle\nder Stimme unter dem männlichen Personal obenan und dürfte\ndarin überhaupt in Deutschland nicht häufig übertroffen werden;\nauch sein Fleiss ist anerkennungswerth, und seine äussere Erschei-\nnung würde sehr vorlheilhaft genannt werden können, wenn nicht\nder allzu gleichförmige Ausdruck seiner Gesichtszüge den Haupt-\nmangel der geistig belebenden Fähigkeit verrathen würde. Rollen,\nbei denen eine schärfere Charakteristik weniger nothwendig ist,"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "136", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570425-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4849, "texte": "und deren Hauptwirkung in der blossen Anwendung der Stimm-\nmittel liegt, finden durch Herrn Thelen eine vortreffliche Durch-\nführung, während er in Spiel-Partieen häufig zu wünschen lässt.\"\nHannover. Am 15. d. Mts. wurde zur Nachfeier des Ge-\nburtstages Ihrer Majestät der Königin Gluck's Iphi-\ngenie in Aulis unter Marschner s Leitung aufgelührt, und zwar\nmit sichtbar grossartigem Erfolg, der sich auch durch lauten und\nlebhaften Beifall trotz der Etiquette bekundete. Jeder, der ein tie-\nferes, unverdorbenes Gefühl für das wahrhaft musicalisch-drama-\ntische Schöne in seiner Brust trägt, wurde von der Erhabenheit,\nEinfachheit, Wahrheit der Declamation und der Melodie an sich\nselbst ergriffen, ja, erschüttert. Chöre und Orchester waren präch-\ntig; unter den Darstellern zeichneten sich Frau Nottes (KFytäm-\nnestra) und Herr Budolph (Agamemnon) besonders aus. Für\nden Geburtstag Sr. Maj. des Königs wird dem Vernehmen nach\n„Der fliegende Holländer\" von Bich. Wagner unter Leitung\ndes Capellmeisters Fischer einstudirt. Nun, das gibt Gelegenheit,\nOriginal und Copie zu vergleichen.\nLeipzig. Eine neue Gesangs-Composition höheren Stils wurde\nuns zuerst im Stiftungs-Concerte des Universitäts-Sängervereins zu\nSt. Paulus, dann im XVIII. Gewandhaus-Concerte entgegengebracht,\nnatürlich von den Paulinern selbst gesungen; es war ein diesem\nSängerchor gewidmetes „Lied vom Wein\" (die Worte von Ema-\nnuel Geibel) von Jul. Bietz ein sehr charakteristisches und tief\nausgearbeitetes Musikstück für Männerchor, Orchester und Soli,\nwelche hier von unseren Schneider und Behr gesungen wur-\nden und ganz besonders schön sind. Dem gediegenen Werke wäre\njedoch ein leichterer Fluss des musicalischen Gedankens und we-\nniger Länge zu wünschen.\nWien. Am 22. März gab ein Componist, Herr Längwara,\nein von günstig gestimmten Zuhörern freundlich aufgenommenes\nConcert. Soweit nach einmaligem Anhören neuer Compositionen\nein endgültiges Urlheil gestattet ist, lässt sich Herrn Längwara ein\nin vieler Beziehung noch bildungsfähiges, in der Behandlung der\nFormen bereits ziemlich reifes Talent nicht absprechen. Die uns\nvorgeführten Werke (eine Sonate, ein Quartett, ein Trio) sind gut\nerfunden und tüchtig durchgeführt; keine Ideen von aussergewöhn-\nlicher Bedeutung, aber doch selbstständige Ideen; dabei ein An-\nlehnen an die besten Muster dieser Gattung Mozart, Beethoven\n—, ohne selavische Nachahmung einzelner Formeln, und eine woht-\nthuende Hinneigung zur Klarheit der Durchführung und zum me-\nlodisch wohlklingenden Ausdrucke.\nTherese Mi 1 an 0110 verheirathet sich mit dem Gapitän vom\nGeniecorps Theodor Parmentier. Letzterer war thälig bei\nBomarsund und später als Adjutant des bekannten General« Niel\nnach Sebastopol gesandt. Er ist ein sehr gebildeter Dilettant und\nauch Componist, und hat durch Uebersetzung ins Französische den\nLiedern von S. G. Beissiger in Frankreich Aufnahme bereiftet.\n(Cf. Niederrh. Musik-Zeitung, Nr. 2s, HI. Jahrg., S. 230)\nFlorenz. Napoleone Moriani, der berühmte Tenorist,\nhat vor Kurzem bei seinem Wiederauftreten auf den Brettern der\nPergola in Donizetti's „Maria Padilla\" eiaen wahren Triumph ge-\nfeiert. Das ftorentinische Journal L'lndicatore behauptet* dass Mo-\nriani noch immer im Besitze jener herrlichen Stimme sei, welche\nim Vereine mit seinem hinreissend leidenschaftlichen, poesie-durch-\nglühten Vortrage, namentlich im getragenen Gesänge, seit Jahren\nso viele Tausende von Zuhörern entzückt hat.\nPeteirsftmrif. Die Nachricht vom Tode Mich. v. Glinka's\nhat tiefe Betrübniss in den musicalischen Kreisen hervorgerufen;\ner war der eminenteste der russischen Componisten. Die philhar-\nmonische Gesellschaft veranstaltete am 10. d. Mts. eine Trauerfeier,\nin der nur Glinka'sche Compositionen zur Aufführung kamen. Hr.\nv. Glinka war niemals im Staatsdienste; er besass bedeutende Gü-\nter in Klein-Bussland.\nDeutsche T o n Ii a 1 I e.\nDer Verein setzt hiermit den Preis von zwanzig Ducaten auf\neine vierhändige Orgel-Sonate (bestehend in drei Sätzen, im letzten\neine Fuge) für eine Orgel mit zwei Manualen und vollständigem\nPedale.\nDas Pedal ist beiden Spielern obligat zuzutheilen, und zwar so,\ndass jeder die ihm zukommende Hälfte desselben übernimmt.\nDie Bewerbungen um diesen Preis sind, wenigstens geheftet,,\nmit einem deutschen Spruche versehen und von einem versiegelten\nZettel begleitet, der den Namen und Wohnort des Verfassers ent-\nhält und aussen dessen erwählten Preisrichter nennt, der deutschen\nTonhalle frei hieher einzusenden.\nDie Einsendung hat spätestens im Monat September dieses Jah-\nres zu geschehen.\nDen Preis erhält der Verfasser desjenigen der so eingekomme-\nnen Wrerke und dieses selbst zu eigen, welchem ihn die Mehrheit\nder meiststimmig erwählten drei Herren Preisrichter zuerkennt.\nIm Uebrigen sind die Satzungen der deutschen Tonhalle hieher\nmaassgebend.\nMannheim, Ostern 1857. Der Vorstand."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "129", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570425-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nZur Geschichte der Charakteristik der Tonarten. I. Ein Ereigniss zu Frankfurt am Main. Von A. Schindler.\nEin Urlheil über die mannheimer Oper. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Soiree für Kammermusik, Städtischer Ge-\nsang-Verein, Fräul. Louise Meyer Aachen, Musikfest Berlin, Bach-Verein Mannheim, Oberon, Mittelrheinisches Musikfest\nBraunschweig, Herr Thelen Hannover Leipzig Wien Florenz Petersburg Deutsche Tonhalle. Preis-Äusschreiben).\n\nZur Geschichte der Charakteristik der Tonarten.\nI.\nEs ist und bleibt doch immer eine eigene Sache mit\nder Charakteristik der Tonarten. Bekanntlich gibt es Mu-\nsiker und Musikgelehrte, denen dieselbe über allen Zweifel\nerhaben gilt. Diese gehen so weit, dass sie auf die Wohl-\nbegründung des Witzwortes von Hoffmann (glaube ich)\nschwören, der von einem unmoralischen Menschen sagte:\n„Er glaubt weder an Gott, noch an den Charakter der\nTonarten.\" Diese sprechen von einem wirklichen absolu-\nten Charakter, den die Tonarten unter allen Verhältnissen,\nunter allen Umgebungen, unter allen Bedingungen offen-\nbaren nämlich den Eingeweihten! Andere läugnen das\nCharakteristische der Tonarten nicht, beschränken es aber\nauf das Relative, auf die Verhältnisse der Zusammenstel-\nlung oder Contrastirung. Eine dritte Fraction ist die von\nHoffmann bezeichnete, die ganz und gar Ungläubigen. Diese\nKetzer behaupten, es komme bei der charakteristischen\nMusik gar nicht auf die Tonart an, sondern allein auf Me-\nlodie, Harmonie und Rhythmus, und man könne in dersel-\nben Tonart eben so gut lustigen Jubel als vvehmüthige\nTrauer ausdrücken. Ja, sie sind so dreist, sich zum Be-\nweise aus den Werken Eines und desselben Componisten\nzu vermessen, und ich muss gestehen, dass auch mein\nGlaube etwas wankend wird, wenn ich z. B. an D-dur\ndenke und die sprudelnde Lust im Finale der zweiten Sin-\nfonie, das heroisch Entschlossene im ersten Allegro des\nClavicr-Trio's Op. 70, Nr. 1, und die sanfte Wehmuth\nund Sehnsucht des Adagio in dem grossen von\nBeethoven, die alle drei in D-dur geschrieben sind, mit\neinander vergleiche.\nHeute jedoch will ich nur die Frage aufstellen: Ist\ndie Charakteristik der Tonarten etwas Neues? „So we-\nnig, wie die Programm Musik.\" So könnte man vielleicht\nzur Aufklärung der Sache etwas beitragen, wenn man das\nHistorische derselben einiger Maassen aufgrübe? „Wa-\nrum das nicht? Jedenfalls dürften diese Auf- und Ausgra-\nbungen allerlei Curiosa zu Tage bringen, und wenn auch\nnicht den Charakter der Tonarten, doch das Spiel, das man\ndamit getrieben, und die Gefühlsweise der früheren Musik-\ngelehrten ins Licht setzen.\"\nNun denn, so wollen wir einmal ein Jahrhundert und\nzwei Jahrzehende zurück gehen, auf das Jahr 1737, mit\ndem dort Gefundenen die Ansichten von 1787 zusammen-\nstellen und es unseren Lesern vorläufig überlassen, die\nzweifelsohne weit tieferen Deutungen von 1857 bei sielt\nselbst zu recapituliren. Wir folgen dabei für 1737 dem\ndamals zu Chemnitz gedruckten Buche: „Kurigefass-\ntes musicalisches Lexikon\" u. s. w., welches mit\nfolgenden Worten beginnt: „An den Musicliebenden Leser.\nDass die Music eine sehr alte Kunst sey, bezeuget unter\nandern auch dieses, dass sie schon vor der Sündfluth be-\nkannt und in der Uebung gewesen, und gereichet zu der-\nselben nicht geringen Ruhm, dass der Heil. Geist den Er-\nfinder derselben, den Jubal, mit Nahmen nennen und an-\nmercken wollen.\" Aus der Einleitung erfahren wir unter\nAnderem auch, dass Zwingli „eine Supplikation auf dem\nRathhause zu Basel einst selbst singend vorgestellt, um zu\nzeigen, wie seltsam es sey, vor denen Menschen sein An-\nliegen abzusingen, so sey es auch ungereimt, dass unser\nAnliegen und Gebet Gott singend vorgetragen werde.\"\nFerner, dass ein Bischof „keinen Figuralgesang habe leiden\nwollen, unter dem Vorwande, dass, weil nur Ein Gott sey,\nauch nur Eine Stimme, nicht aber Discant, Alt, Tenor und\nBass vonnölhen sei.\"\nFür die Ansichten nach vierzig weiteren Jahren be-\nnutzen wir den Jahrgang 1787 des musicalischen Maga-\nzins von C. F. Cramer."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "130", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570425-01.1.2", "texte": "A-dur. 173 T. Dieser Ton soll sehr angreiflen, ob\ner gleich brilliret und mehr zu klagenden und traurigen\nPassionen, als zu Divertissements geneigt ist. Insonderheit\nschicket er sich sehr wohl zu Violin-Sachen. 1787.\nEtwas Stolz mischt sich mit dem Lustigen von D-dur und\nschwächt es.\nA-moll. 1737. Soll einen prächtigen und ernsthaf-\nten Afiect haben, so dass er doch dabey zur Schmeicheley\ngelenkt werden mag. Die Natur dieses Tons ist recht mas-\nsig und kann fast zu allerhand Gemüthsbewegungen ge-\nbraucht werden. Ist dabey gelinde und über die massen\nsüsse. Der 1787 iger lässt sich gar nicht auf die Moll-\nTonarten ein, weil „ihr Charakter nicht so genau begränzt\nund so unveränderlich sei, als der der Dur-Tonarten\".\nB-dur. 1737. Ist gar divertissant und prächtig, be-\nhält dabey gerne etwas Modestes, und kann demnach zu-\ngleich vor Magnißc passiren. Nach Kirchero: Elevat ad\nardua animam. 1787. Herablassende Grösse mit ehr-\nwürdigem Ernste gemischt.\nC-dur.1737. Hat eine ziemliche und freche\nEigenschaft, wird aber zu Rejouissancen, wenn man der\nFreude ihren Lauf lässt, nicht ungeschickt söyn. Dem un-\ngeacht kann ihn ein habiler Componist, wenn er inson-\nderheit die accompagnirenden Instrumenta wohl choisirt,\nzu gar was charmantes umtauffen und lüglich auch in\ntendren Fällen anbringen. 1787. Eine Mischung von\nheiterer Fröhlichkeit und sanftem Ernst ist der Hauptzug\ndieser Tonart. Menuetten und anmuthige Sonaten sind ihr\nangemessen.\nC-moll, ein überaus lieblicher, auch trauriger Ton.\nWeil man aber des Süssen leicht überdrüssig werden kann,\nso ist nicht übel gethan, durch etwas mouvement ihn mehr\nzu beleben, sonst möchte Einer bei der Gelindigkeit leicht\nschläfrig werden. Soll es aber eine Piece sevn, die den\nO j\nSchlaf befördern muss, so kann man diese remarque sparen\nund natürlicher Weise zum Zweck gelangen.\nD-d ur. 1737. Scharf und eigensinnig, zum Lärmen\nund lustigen und aufmunternden Sachen bequem. Doch\nkann auch dieser harte Ton, zumal wenn anstatt der Cla-\nrine eine Flöte und statt der Pauke eine Violine dominirt,\nartige Anleitung zu delicaten Sachen geben.— 1787. Der\nErnst wird verdrängt, das Sanfte verschwindet, und ausge-\nlassene, oft niedrige Lustigkeit tritt an seine Stelle. Ganz\ndie Tonart für drollichte Stücke und lustige Tänze.\n-moll hat was devotes und ruhiges, auch etwas\ngrosses, angenehmes und zufriedenes. Das hindert aber\nnicht, dass man auch etwas ergötzliches und fliessendes\nmit succesdarin setzen könne.\nE-dur.1737. Drucket eine Verzweifllungsvolle oder\ngantz tödtliche Traurigkeit unvergleichlich wohl aus; ist\nvor extrem-Ver\\\\ebte, Hülff- und Hoffnungslose Sachen am\nbequemsten, hat was schneidendes, leidendes, durchdrin-\ngendes, dass es mit nichts als einer fatalen Trennung des\nLeibes und der Seelen verglichen werden kann. 1787.\nDer Stolz wird hervorstechend und abstossend.\nE -moll kann schwerlich etwas lustigem beigelegt\nwerden, man mache es auch, wie man wolle. be-\ntrübt und traurig. Hurtiges geht wohl, aber hurtig ist da-\nrum nicht gleich lustig.\nE-dur. 1737. D >eser Ton ist capable,die schönsten\nSentiments von der Welt zu ees sey nun Gross-\nmuth, Standhaftigkeit, Liebe u. d. g., und solches mit na-\ntürlicher Art und unvergleichlicher facilite, dass gar kein\nZwang dabei vonnöthen ist. 178 7. Alles Grosse ist\nweg; sanfte Würde und holdes Lächeln sticht unverkenn-\nbar hervor.\nF-moll scheinet eine gelinde und gelassene, wiewohl\ndabei tiefe und schwere, mit etwas Verzweiflung vergesell-\nschaffte, tödtliche Herzensangst vorzustellen und ist über\ndie massen beweglich. Es drücket eine Hülff-lose Melan-\ncholie schön aus, und will den Zuhörern bisweilen ein\nGrauen oder Schauern verursachen.\nEs-dur. 1 787. Stille Majestät, die etwas vom Glän-\nzenden des As-dur vernachlässigt, das Gelühl erregt, dem\nZuhörer interessant und nie zuwider wird, und etwas un-\nbeschreiblich Sanftes enthält, das auch dem musicalischen\nGelühle des Nichtkenners nicht verborgen bleibt.\nFis-dur.1737. Leitet zu grosser Betrübnis», i*t\naber mehr languissantund verliebt, als lethal; er hat etwas\nabandonirtes, singulaires, misantliropisches an sich.\nH-dur. 1737. Hält bisweilen her, hat eine wider-\nwärtige und harte Eigenschaft an sich.— 1787. Erhaben-\nheit macht den früheren Stolz von erträglich.\nG-dur. 1 737. Hat viel insinuantes und redendes in\nsich, brilliret dabey nicht wenig, ist zu und mun-\nteren Dingen geschickt.— 1 787. Ein grösserer Grad von\nFröhlichkeit, als in C-dur,mit vieler Anmuth gemischt.\nG-moll ist der allerschönste Ton, weil er eine unge-\nmeine Anmuth und Gefälligkeit mit sich führet, dadurch er\nsowohl zu zärtlichen als erquickenden, sehnenden als ver-\ngnügten, mässigen Klagen und temperirler Fröhlichkeit be-\nquem und überaus Bexibleist."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "131", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570425-01.1.3", "texte": "Schliesslich sagt der Lexikograph von 1737: „Der\nEffect, den die noch übrigen Töne Ihun, ist noch wenigen\nbekannt und muss der Posterilaet überlassen werden, all-\ndieweil man sich heutiges Tages ihrer gar selten zum\nGrunde eines Stückes bedient.\"\nIch lasse hierauf die Charakteristik der Tonarten durch\nC. F. Dan. Schubart, um 1 786 auf dem Hohenasperg\nvon ihm dictirt und 1806 von seinem Sohne in den „Ideen\nzu einer Aesthetik der Tonkunst\" veröffentlicht, folgen:\nC-dur ist ganz rein. Sein Charakter heisst: Unschuld,\nEinfalt, Naivetät, Kindersprache.\nA-moll. fromme Weiblichkeit und Weichheit des Cha-\nrakters.\nF-dur,Gefälligkeit und Ruhe.\nD-moll,schwermüthige Weiblichkeit, die Spleen und\nDünste brütet.\nB-dur, heitere Liebe, gutes Gewissen, Hoffnung, Hin-\nsehnen nach einer besseren Welt.\nH-moll, Missvergnügen, Unbehaglichkeit, Zerren an\neinem verunglückten Plane; missmuthiges Nagen am Ge-\nbiss; mit Einem Worte: Groll und Unlust.\nEs-dur,der Ton der Liebe, der Andacht, des trauli-\nchen Gespräches mit Gott; durch seine drei die heilige\nTrias ausdrückend. (!)\nC-moll,Liebeserklärung, und zugleich Klage der un-\nglücklichen Liebe. Jedes Schmachten, Sehnen, Seufzen\nder liebetrunkenen Seele liegt in diesem Tone.\nAs-dur, der Gräberton. Tod, Grab, Verwesung, Ge-\nricht, Ewigkeit liegen in seinem Umfange.\nF-moll, tiefe Schwermuth, Leichenklage, Jammer-\ngeächz und grabverlangende Sehnsucht.\nDes-dur. Ein schielender Ton, ausartend in Leid und\nWonne. Lachen kann er nicht, aber lächeln; heulen kann\ner wicht, aber wenigstens das Weinen grimassiren.\nB-nuill.Ein Sonderling, in. das Gewand\nder Nacht gekleidet. Er ist etwas mürrisch und nimmt\nhöchst selten eine gefällige Miene an. Moquerieen gegen Gott\nund die Welt, Missvergnügen mit sich und Allem, Vorbe-\nreitung -/.um Selbstmord hallen in diesem Tone.\nGes-dur. Triumph in der Schwierigkeit, freyes Auf-\nathmen auf überstiegenen Hügeln; Nachklang einer Seele,\ndie stark gerungen und endlich gesiegt hat.\nEs-moll. Empfindungen der Bangigkeit, des allertief-\nsten Seelendrangs, der hinbrülenden Verzweiflung, der\nschwärzesten Schwermuth, der düstersten Seelenverfassung.\nJede Angst, jedes Zagen des schaudernden Herzens\nathmct aus dem grässlichen Es-moll. Wenn Gespenster\nsprechen könnten, so sprächen sie ungefähr aus diesem\nTone.\nH-dur. Stark gefärbt, wilde Leidenschaften ankündend,\naus den grellsten Farben zusammengesetzt. Zorn, Wuth,\nEifersucht, Raserei, Verzweiflung und jeder Jast (Leiden-\nschaft) des Herzens liegt in seinem Gebiete.\nGis-moll. Griesgram, gepresstes Herz bis zum Er-\nsticken; Jammerklage, die im Doppelkreuz hinseufzt; schwe-\nrer Kampf, mit Einem Wort: alles, was mühsam durch-\nringt, ist dieses Tons Farbe.\nE-dur.Lautes Aufjauchzen, lachende Freude und noch\nnicht ganzer, voller Genuss.\nCis-moll.Bussklage, trauliche Unterredung mit Gott;\ndem Freunde; und der Gespielin des Lebens; Seufzer der\nunbefriedigten Freundschaft und Liebe.\nA-dur. Erklärungen unschuldiger Liebe, Zufriedenheit\nüber seinen Zustand; Hoffnung des Wiedersehens beim\nScheiden des Geliebten; jugendliche Heiterkeit und Gottes-\nvertrauen.\nFis-moll. Ein finsterer Ton: er zerrt an der Leiden-\nschaft, wie der bissige Hund am Gewände. Groll und Miss-\nvergnügen ist seine Sprache. Es scheint ihm ordentlich in\nseiner Lage nicht wohl zu sein; daher schmachtet er im-\nmer nach der Ruhe von A-dur,oder nach der triumphi-\nrenden Seligkeit von D-durhin.\nD-dur.Der Ton des Triumphes, des Halleluja's, des\nKriegsgeschrei's, des Siegsjubels.\nH-moll.lst gleichsam der Ton der Geduld, der stillen\nErwartung seines Schicksals und der Ergebung in die gött-\nliche Fügung. Darum ist seine Klage so sanft, ohne jemals\nin beleidigendes Murren oder Wimmern auszubrechen.\nH-durAll es Ländliche, Idylkn- und Eklogenmässige,\njede ruhige und befriedigte Leidenschaft, jeder zärtliche\nDank für aufrichtige Freundschaft und treue Liebe; mit\nEinem Worte: jede sanfte und ruhige Bewegung des Her-\nzens lässt sich trefilich in diesem Tone ausdrücken.\n4\nE-moll.Naive, weibliche, unschuldige Liebeserklärung,\nKlage ohne Murren; Seufzer, von wenigen Thränen beglei-\ntet; nahe Hoffnung der reinsten, in sich auflösenden\nSeligkeit spricht dieser Ton. Da er von Natur nur Eine\nFarbe hat, so könnte man ihn mit einem Mädchen verglei-\nchen, weiss gekleidet, mit einer rosenrothen Schleife am\nBusen. Von diesem Tone tritt man mit unaussprechlicher\nAnmuth wieder in den Grundton C-dur zurück, wo Herz\nund Ohr die vollkommenste Befriedigung finden.\n► f% f ff k li. 5 f fi; Vj 5 *-4 \"| - ; I < £f \\ * h ) f\\' jj M i-J fJV * * K kjmM * J"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "132", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570425-01.1.4", "texte": "Ein Ereigniss zu Frankfurt am Main.\n\nWenn eines der grössten Werke des grössten Com-\nponisten des Jahrhunderls, um dessen ästhetischen Werth\ndie Kunst-Philosophen sich so hartnäckig bekämpfen, nach\ndreissigjähriger Existenz in einer musikreichen Stadt wie\nFrankfurt zum ersten Male erst vollständig zu Gehör\ngebracht wird, so darf diese Thatsache wohl in die Rubrik\nder städtischen Kunst-Ereignisse verzeichnet werden. Die-\nses Ereigniss betrifft Beethoven's neunte Sinfonie.\nEs hat uns neulich der Bericht aus Hamburg in Nr. 14\ndieser Musik-Zeitung nicht wenig stutzen gemacht, zu ver-\nnehmen, dass dort an der Elbe dasselbe Werk jüngst erst\ndie zweite vollständige Aufführung seit seinem Bestehen\nerlebt habe, und dies noch mit Zuziehung fremder Sänger\nin den Solo-Partieen des vierten Satzes. Ein Trostgrund\ndies lür die Schwesterstadt am Main.\nUeber die Schicksale, die das Werk bis zum Jahre\n1852 hierorts zu erfahren gehabt, hat sich Verfasser be-\nreits in Nr. 46 dieses Blattes von 1854 des Weiteren\nausgesprochen. Es mag demnach beigehend nur erinnert\nwerden, dass der capellmeisterliche Alleinherrscher Guhr\nmit den Kräften des Theaters den vierten Satz in zwei\nweit aus einander liegenden Aufführungen allein zu Ge-\nhör gebracht, und zwar beide Mal mit nur einer einzigen\nflüchtigen Probe. Noch mag erinnert werden, wie nach\nAussage verständiger Musiker das summarische Urtheii des\nPublicums auch über diesen vierten Satz, wie vordem schon\nüber die drei anderen Sätze der Sinfonie, mit dem einzigen\nWorte „Unsinn\" zum Ausdrucke gekommen, welches\nUrlheil, resp. Yerurtheilung, Guhr stillschweigend gelten\ngelassen hat. Hätte ein solch wegwerfendes Urlheil das\nWerk eines minder berühmten Autors oder gar eines noch\nunbekannten getroffen, so war es in der zur Classicomanie\nsich nur allzu sehr hinneigenden Mainstadt lür alle Zeit ge-\nopfert. In den grossen Concerl-Sälen zu Frankfurt verzich-\ntet man nämlich seit vordenklichen Zeiten auf die Ehre, die\nKunst zu fördern, mit anderen Worten: Kunstge-\nschichte zu machen oder nur wesentliche Beiträge\ndazu zu liefern ganz im Gegensatze zu dem, was hier\nlür Förderung der bildenden Künste Achtungswerthes ge-\nschieht. Hier, wo man an den Satzungen des grossen Kir-\nchen-Reformators festhält, scheint dessen Ausspruch: „Prü-\nfet Alles und behaltet das Beste!\" in Beziehung auf Ton-\nkunst kaum gekannt zu sein. Referent ist so kühn, zu be-\nhaupten, dass kaum eine zweite, so musikreiche Stadt in\nDeutschland zu finden sein dürfte, in der ein so grosser\nTheil der musicalischen Literatur (die katholische Kirchen-\nmusik aller Epochen insgesammt, vier bis lünf Werke der\nNeuzeit ausgenommen) so unbekannt wäre, wie in dieser\nMainstadt. Diese Thatsache kann nicht scharf genug betont\nwerden, weil sie eben sowohl das einseitige als auch das\nbefangene Urtheii der Berufenen und Unberufenen involvirt,\ndas bei jeder Gelegenheit sich zu erkennen gibt.\nDem zweiten Nachfolger Guhr's am Dirigenten-Pulte\ndes Thealers, Herrn Capellmeister Gustav Schmidt,\nhaben es die hiesigen Musiker und Musikfreunde zu dan-\nken, die neunte Sinfonie endlich in allen vier Sätzen ge-\nhört zu haben, und zwar ausschliesslich mit den Kräften\ndes Hauses im Hause. Sie bildete den Haupt-Bestandtheil\neines auserlesenen Programms zu seinem Benefiz-Concerle\nam Oster-Sonntag, das vielleicht in den Nummern des er-\nsten Theils etwas zu classisch gewesen sein dürfte: 1}\nOuvertüre zu „Iphigenie in Aulis\"; 2) Scene aus „Ido-\nmeneus\", vorgetragen von Frau Anschütz-Capitain und\ndem Chor-Personale; 3) Finale aus „Cosi fan lulle\", vor-\ngetragen von den Damen Veith, Oswald, Zirndorfer und\nden Herren Baumann, Pichler und Dettmer; 4) Ouvertüre\nzu „Medea\" ; s)Hymne aus „Medea\", vorgetragen von\nFräul. Zirndorfer, Herrn Eppich und Herrn Dettmer.\nAuffassung und Tempi waren das ganze Werk hin-\ndurch so vollkommen im Sinne des Autors, dass es diese\nFeder wahrhaft freut, nach gleichem Erlebnisse 1841 im\npariser Conservaloire, dies von einem de u tsehen Diri-\ngenten aussagen zu können*). Welche Missverständnisse\nfast aller Orten bei dieser Sinfonie Seitens der Herren Di-\nrigenten sich offenbarten, dessen ist auch die Niederrhei-\nnische Musik-Zeitung schon öfters Zeuge gewesen. Und\nwas halle nicht diese Feder einstens über die Missverständ-\nnisse hierbei sogar von Seiten Mendelssohn's auszusagen!\nDas frankfurter Theater-Orchester belhätigte seine Vor-\nzüglichkeit in dieser schwierigen Aufgabe aufs rühmens-\nwerlhesle. Zwanzig zweckmässig vertheilte Saiten-Instru-\nmente wären jedoch noch erforderlich gewesen, um vor-\nnehmlich im ersten Satze mehr Kraft entwickeln zu können.\nIn den anderen Sätzen wurde diese weniger vermisst.\nDer Chor war gleichfalls vortrefflich und leistete bei so ge-\nringer Anzahl sowohl an Reinheit der Intonation als auch\nan Kralt und Ausdruck Ueberraschendes. Ehre dem Herrn\nMusik-Director Goltermann, der die schwierige Aufgabe\nin solcher Weise zu lösen verstand! Referent, der 1824\nin Wien auch die Chöre des Opernhauses mit dem Chor-\n\n*) Könnte man doch gleiches Lob auch bei den meisten Allegro-\nSätzen in Mozart's Werken unserem Capellmeister spenden!"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "133", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570425-01.1.5", "texte": "Director zur ersten Aufführung des Werkes vorzubereiten\ngehabt, weiss aus eigener Erfahrung, welche ungewohnte\nHindernisse einem Opern-Chor darin entgegen stehen.\nDie Solo-Stimmen befanden sich in den Händen der\nDamen Veilh und Schmidt, dann der Herren Bau-\nmann und Dettmer. Auch ihre Gesammtleistung steht\nim besten Einklänge mit den Vorbenannlen, nur war ihnen\ndie Nähe des Orchesters gelährlich. Solo-Stimmen sollen\nallzeit wenigstens vier bis fünf Schritte vom Orchester ent-\nfernt stehen, sonst werden sie erdrückt. Das verpönte Fis\nim Reeitativ der Bass-Partie, das au vielem Aerger schon\nAnlass gegeben, hat Herr Dettmer glücklich überwunden.\nDer am Schlüsse des Werkes von dem vollen Hause\ngespendete Beifall war für den Dirigenten wie für die Aus-\nführenden ein sprechender Beweis der Zufriedenheit. Viel-\nleicht findet Herr Capellmeister Schmidt darin zugleich\neine Aufmunterung, dasselbe Werk bei einer sich darbie-\ntenden Gelegenheit nochmals zur Aufführung zu bringen,\num dessen Verständniss, das sich nur aus der Totalität er-\ngibt, den Musikfreunden zu ermöglichen.\nBei dieser Gelegenheit sei es dem Unterzeichneten er-\nlaubt, auf eine Nichtübereinstimmung zwischen der Partitur\nund den gedruckten Orchester-Stimmen, die schon mehr-\nfach, so gegenwärtig wieder, Zweifel bei den Dirigenten\nhervorgerufen, aufmerksam zu machen. Die gedruckten\nStimmen weisen vor dem Schlüsse des zweiten Satzes\nein Da capo al segnoauf, von da es zur geht. Die\nPartitur zeigt die Wiederholung des A/\\ bis zum Ruhe-\npuncte Tact 3, Seite 65, nicht an. Es unterliegt jedoch\nkeinem Zweifel, dass die Wiederholung nach Wortlaut der\ngedruckten Stimmen Statt finden muss, wenn man auch\nvon dem Herkömmlichen absehen wollte; nur wäre es kei-\nnesfalls als Crimen laesaezu verzeichnen, wenn in Betracht\nder Länge des Satzes und dessen humoristischen Charak-\nters die Wiederholung des zweiten Theiles allzeit weg-\nfiele. Wie es Beethoven mit den herkömmlichen Wieder-\nholungen in seinen letzten Lebensjahren gehalten, weisen\ndie meisten Werke aller Gattungen aus dieser Periode\nsattsam aus. Bei Veranlassung der Aufführung seiner acht\nSinfonieen im Joscphstädter Theater 1823 und 24 hatte\ner mir ausdrücklich geboten, die Wiederholung der zwei-\nten Theile zu übergehen, „weil doch schon Alles mehrmal\ngehört worden und die Leute die Sinfonieen schon aus-\nwendig wissen.\" Bei einzelnen Sonaten wollte er sogar die\nWiederholung des ersten Theiles nicht mehr gelten lassen.\nGleichzeitig mit vorgedachtem Ereignisse hat Referent\ndas Vergnügen, von einem anderen, nicht weniger bedeu-\ntenden sprechen zu können. Am Charfreitage ward nämlich\nBach's Passion nach Matthäus vom Cäcilien-Ver-\neine unter Leitung des Herrn Musik-Directors Messer\nseit Menschengedenken wieder einmal in ihrer Vollständig-\nkeit mit Orgel und Orchester in der evangelischen Kirche\nauf dem Kornmarkte zur Aufführung gebracht. Bekannt-\nlich steht dieses in seiner Art einzige Werk seit langen\nJahren auf dem Charfreitags-Programm dieses Vereins, wie\nGraun's Tod Jesu auf dem der Sing-Akademie zu Berlin,\nnur wurde es stets mit Clavier-Begleitung vorgeführt,\nwas, wenn nicht eine Verhöhnung, so doch eine Profani-\nrung genannt werden muss. Die Aufführung, von welcher\nder Unterzeichnete nur in ihrer ersten Hälfte Zeuge sein\nkonnte, soll durchweg eine vorzügliche gewesen sein, aus-\ngenommen die Partie des Christus. Wie war es möglich,\ndiese so zu vergreifen, dass man stellenweise einen recht\nguten Opern-Tyrann zu hören glaubte*)? Wo blieb der\nAusdruck des Sanften, Versöhnlichen, Göttlichen, die dem\nVortragenden doch recht nahe gelegt ist? Es ist Pflicht\ndes Dirigenten, unrichtige Auflassungen der Sänger im\nOpern- und Concertsaale zu corrigiren, sonst trägt er die\nHauptschuld der Missgestaltung. Diesen Fall abgerechnet,\ngereicht der Erfolg des Ganzen dem Dirigenten zu grosser\nEhre, zumal die Aufstellung der Chöre nach beiden Seiten\nder Galerie eine sehr unvortheilhafte, dem Ensemble ge-\nfährliche genannt werden darf.\nIm Uebrigen ist dieses Bethaus denn Kirche nach\ndem eigentlichen Begriffe, wie ihn die Architektur lehrt, ist\nes nicht für solche Zwecke ganz ungeeignet, weil auch\nräumlich zu klein, wesshalb die Wucht der Chormassen in\nVereinigung mit Orgel und Orchester nicht nur die Klar-\nheit, auch die Erhabenheit des Gesammt-Ausdrucks ge-\nfährdet. Kirchenmusik dieser Gattung darf niemals in Lär-\nmen ausarten; denn dieses verscheucht die Andacht, die\nErbauung, die solche Musik doch eigentlich wirken will\nund soll. Dem achtungswerthen Cäcilien-Vereine wäre da-\nher zur Erreichung solchen Zweckes eine berliner Garni-\nsonkirche oder die Hofkirche zu Dessau zu wünschen, um\nsich seines Strebens und seiner Leistung recht erfreuen\nzu können.\n\nA. Schindler.\n\n*) Noch zählt der Sänger des Christus zu den Dilettanten; er\nist seines Zeichens ein Metzger, macht aber seiner Zunft als\nSänger alle Ehre."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "134", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570425-01.1.6", "texte": "Ein Urtheil über die mannheimer Oper.\nZu Ausgang des Winters hat sich einer der vorzüg-\nlichsten Opernsänger aus der alten wiener Gesangschule\nkurze Zeit zu Mannheim aufgehalten und vier Opern-Auf-\nlührungen beigewohnt. Folgendes danken wir seiner Mit-\ntheilung.\n„Der Fall mag in unserer Zeit wohl ein seltener sein,\ndass ein Theater zugleich mehrere so schöne, frische Stim-\nmen besitzt, wie dermal das mannbeimer. Allein man harrt\nvergebens, nur eine dieser Stimmen kunslgetnäss singen zu\nhören. Alles schreit nach Belieben, woraus wohl zu\nschliessen ist, dass der Capellmeister mit der Gesangeskunst\nwenig oder gar nicht vertraut sein könne. Ein kalter Schauer\nüberläuft den Sachkenner, des anderen Tages in der Zei-\ntung lesen zu müssen: „ ,Die Oper unter Leitung unseres\nberühmten Meislers Lachner ging gestern vortrefflich\"\"\nu. s. vv. Bei so stereotyp sich wiederholenden Lobhude-\nleien in der Localpresse fragt man sich; Wozu all die Mühe\neiniger Kunst-Organe, die dem modernen Gesänge anhaf-\ntenden Mängel und Gebrechen aufzudecken und auf ihre\nAbstellung hinzuarbeiten? Die Sängerin Röhn hat eine\nprachtvolle Stimme, aber keine Idee von dramatischem Ge-\nsänge, überhaupt von kunstgemässem Vortrage. Dessglei-\nchen ist Fräul. Brand (aus Wien) im Besitze einer schö-\nnen Stimme von bedeutendem Umfange, allein der Gebrauch\ndieser Stimme, besonders im Brust-Register, ist lür das\nKenner-Ohr geradezu widrig. Das alles hört Herr Lachner\nruhig an und scheint nichts weniger als davon verletzt zu\nsein. Die Tempi im Allegro nimmt Lachner, wie sein Bruder\nFranz in München, in der Regel viel zu schnell. Das Tempo\nz. B. in der Arie der Königin der Nacht war dermaassen\nübereilt, dass, wäre es ein Instrumentalstück lür Violine\noder Ciavier, eine schleunigere Bewegung kaum mehr mög-\nlich gewesen wäre. Sie wurde aber gesungen: jedoch\nwie?!\n„Vollends aber der berühmte Maschinen-Virtuose\nMühldorfer. Um ein schönes Bild zu geben, müssen die\nSänger in der Milte der Bühne Stellung nehmen. Die eine\nHälfte des Tones verliert sich natürlich in die Coulissen,\ndie andere kämpft mit dem Orchester. Zöge der Capell-\nmeister seine Sänger Mühldorfer's Bildern vor, so würde\ner ihnen alsbald begreiflich machen, wie ganz anders die\nWirkung ihrer Slimme sei, wenn sie über das Orchester\nhinweg in den Raum des Hauses erklingt. Aus der vom\nOrchester entfernten Stellung der Sänger rührt das häu-\nfige Distoniren und auch das Umwerfen her. Welcher ita-\nlienische Sänger in der Welt wird sich wohl vom Ma-\nschinisten die Stelle anweisen lassen, von der er seine\nArie zu singen habe? Er tritt so nahe als möglich an die\nLampen heran, um weder von der Coulisse noch vom Or-\nchester im Ausströmen seiner Stimme behindert zu wer-\nden. Selbst in Ensemble-Stücken treten die italienischen\nOperisten nicht hinter die erste Coulisse zurück. Bei ge-\nnauer Bekanntschaft mit den gegenwärtigen Opern-Zustän-\nden in Deutschland, England, wohl auch in Frankreich, bin\nich der Ueberzeugung, dass an dem in Deutschland bis\nzum Aeussersten verkommenen Gesangswesen auch die\nHerren Capellmeister viele Schuld tragen, weil sie fast alle\nnichts von der Gesangkunst verstehen. Diese ihre Unkennt-\nniss geht Hand in Hand mit der der Sänger. Bei Zusam-\nmentreffen mit alten Collegen ist dieses Thema schon oft\nvanirt worden, und waren wir der Meinung, dass es uns\nUeberresten aus einer besseren Periode wohl Pflicht wäre,\nunseren einstigen Leitern, den wiener Capellmeistern\nWreigl, Umlauf und S ey f r ie d, dem prager Trüben-\nsee, dem münchener Winter, dem Stuttgarter Danzi\nund einigen wenigen anderen noch Denksäulen zu errich-\nten. Diese Männer trugen keine Orden, waren auch keine\nVirtuosen, sie brachten aber alles mit, was zur Opern-\nDirection gehört.\n, Ein Anderes, was in Mannheim exceplionel zu beobach-\nten, ist: alle jene Opern, darin der Maschinist nicht Gele-\ngenheit findet, seine Kunststücke anzubringen, werden ent-\nweder ignorirt oder, falls je eine in Scene kommt, nur als\nLückenhüsser betrachtet. Und gerade sind es diese Lücken-\nbüsser, die den Sängern Gelegenheit geben würden, Schule\nzu machen. Begreiflich ist das Publicum durch Mühldorfer's\nSchaugnpränge so sehr verwöhnt, dass es eine Oper nur\nsehen will; wie es mit dem Hören beschaffen, lässt sich\naus dem Geschrei der Operisten deutlich entnehmen.\nDas Orchester verdient das ihm gezollte Lob, wäre aber\nin der Schaltirung wesentlich besser, hätte es nur gebil-\ndete Sänger zu accompagniren. Seine Leistung und Mühl-\ndorfer's Maschinen scheinen aber ohne Widerspruch die\nHaupt-Erfordernisse in der Oper, der Stolz des Publicums\nund die Magnete zu sein, die so genannten Musikfreunde\naus den benachbarten Städten oft in Massen anzuziehen.\nGeschehen ist es aber um jedes Opern-Institut, bei dem\nder Maschinist die erste Stimme hat.\""}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "135", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570425-01.1.7", "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\n1415121. Am Dinstag fand die letzte Soiree für Kammer-\nmusik im Hotel Disch Statt. Ausser einem Violin-Quartett von\nMozart (C-dur) und einem von Beethoven (G-dur, Op. 18) wurden\nkeine weiteren Ensemblestücke gemacht. Dafür entschädigte F.\nHiller vollkommen durch den Vortrag von zwei Compositionen\nfür Pianoforle allein, der Sonate von Beethoven in E, Op. 109, und\nder Variationen [Unit mesures variees par F. Hill er), welche\neine fortlaufende Reihe von Veränderungen eines nur acht Tacte\nlangen Thema's bilden ein geniales Spiel mit allen nur mögli-\nchen rhythmischen und contrapunktischen Formen, das den Meister\nim Wissen und Können zeigt und den Zuhörer keinen Augenblick\nohne spannendes Interesse lässt.\nAm Donnerstag den 23. d. Mts. hielt der städtische Ge-\nsang-Verein unter Leitung seines Dirigenten, des k. Musik-Di-\nrectors C. R eint ha ler, eine öffentliche Versammlung vor einer\neingeladenen Zuhörerschaft. Das Programm brachte: Misericordias\nvon Durante, Ave Maria für Sopran von Cherubini, Alla Tri-\nnitä beata (XVI. Jahrhundert) und aus der hohen Messe von J. S.\nBach das Gloria in excelsis Deo, Laudamus te, Gratias agimus (50-\npran-Arie mit obligater Violine), Quoniam tu solus (Bass-Arie) und\ndie grosse Fuge Cum saneto Spiritu. In der zweiten Abtheilung\nden 126. Psalm (a capella) von C. Reinthal er (neu), Sextett\naus dem Wasserträger von Cherubini und den Frühling aus J.\nIlaydn's Jahreszeiten. Dms Interessanteste waren die Bruchstücke\nder grossen Messe von Bach, und wiewohl alles, was vorgetragen\nwurde, recht gut gelang, so machte doch die genaue, sichere,\nkräftige und feurige Ausführung jener Prachtchöre, die uns in einen\nwahren Zauberwald von Polyphonie versetzen, dem ernsten Streben\ndes Vereins, seinen schönen Kräften, und vor Allem der Tüchtig-\nkeit des Dirigenten die grösste Ehre. Der Eindruck des letzten\nChors Cum saneto Spiritu war ein überwältigender. Die beiden\nArien freilich, obschon ganz gut vorgetragen, liessen das Publicum\nmehr das Sonderbare und dem heutigen Ohr und Sinn Ungewohnte,\nals das Kunstvolle dieser Gattung empfinden. Mit der Bass-Arie\nvermochte selbst ein Sänger wie DuMont-Fier nichts mehr zu er-\nreichen, als die volle Anerkennung seiner künstlerischen Bildung.\nDie neue Composition von Rein thaler hat uns gleich beim\neinmaligen und ersten Anhören recht angesprochen, namentlich in\nihrer zweiten Hälfte, welche durch einen Solosatz für drei Frauen-\nstimmen die Zuhörer noch besonders einnimmt.\nAm Mittwoch trat Fräul. Louise Meyer als Norma zum\nersten Male hier auf. Leider war sie durch die Reise und eine Er-\nkältung angegriffen und gezwungen, einen Rest von Heiserkeit mit\nAnstrengung zu bekämpfen. Ein sicheres Urtheil über ihre Mittel\nvermochten wir uns daher, weil sie sie nicht in ihrer ganzen Fülle\nentwickeln durfte, noch nicht zu bilden. Allein trotzdem hat sie\nuns vollständig hingerissen und überall den Eindruck einer grossen\nKünstlerin und einer genialen Natur auf uns gemacht. Gesang und\nSpiel zeugten von richtiger Auffassung der Rolle, von wahrer Be-\ngeisterung für ihre Aufgabe, und die Ausführung liess keinen\nZweifel übiig, dass die Leistung bei vollständiger Macht über das\nOrgan eine meisterhafte sein müsse. Auch das Ensemble der Oper\nwar gut: Fiau Jagels-Roth (Adalgisa) und Herr Kahle (Sever)\nwaren sehr brav und ärnteten ebenfalls lebhaften Beifall.\nDie Vorbereitungen zu dem Musikfeste, welches in den Pfingst-\ntagen in Aachen gefeiert wird, nehmen erfreulichen Fortgang.\nFür die Solo-Partieen sind gewonnen: Fräul. Louise Meyer aus\nWien, ferner die Sänger Schneider, Dalle Aste und Göbbels. Was\ndie Wahl der Musikstücke betrifft, so steht obenan Händel's Mes-\nsias; der zweite Tag wird theils classischen Werken, wie einer\nCantate von Bach und einer Sinfonie von Schubert gewidmet sein,\ntheils aber auch der neueren Richtung Rechnung tragen, und wird\ndiese durch eine symphonische Dichtung von Liszt, ein Oratorium\nvon Berlioz, die „Kindheit Jesu\", so wie eine Cantate von Schu-\nmann, des „Sängers Fluch44, sein letztes Werk, vertreten sein. Der\ndritte Tag wird, wie gewöhnlich, hauptsächlich künstlerischen Lei-\nstungen vorbehalten sein, und sind auch hietür, ausser Vorträgen\nder oben genannten Sänger und Sängerinnen noch deren einige\nvon lnstrumentalisten, so vom Yiolin-Virtuosen Singer und dem\nPianisten Hans v. Bülow, zu erwarten. Das Fest leitet Liszt.\nBerlin, Im Hause der Abgeordneten berichtete der Abge-\nordnete Mathis folgenden Fall: „In einem königsberger Blatte er-\nschien von Herrn Köhler eine tadelnde Recension über eine im\ndortigen Theater gegebene neue Oper. Der Theater-Director Com-\nmissionsrath Woltersdorff liess darauf ein Placat an die Ecken\nschlagen, worin er sagte, dass er Herrn Köhler wegen Injurien ge-\nrichtlich belangen werde. Ein anderer Schriftsteller nahm sich nun des\nHerrn Köhler an und verfasste eine Schrift unter dem Titel: „Der\nTheater-Director Woltersdorff und die Kritik.4' Das Pflicht-Exem-\nplar kam an die Policei, und diese liess auf der Stelle den Drucker\nrufen und bedeutete ihm, dass sie ihm auf der Stelle die Conces-\nsion entziehen würde, wenn er ein einziges Exemplar der Schrift\nausgäbe. Letztere ich habe sie hier unter meinen Papieren\nbeschäftigt steh lediglich mit Theater-Angelegenheiten und berührt\ndie Politik nicht im Mindesten.44\nMusik-Director Georg Vieriing, rühmlichst bekannt durch\ndie Composition der Ouvertüren zn Shakespeares Sturm und zu\nSchiller's Mari» Stuart, der Hafislieder u. s. w., hat seit Anfang\nFebruar einen Bach-Verein gegründet, der gedeihlichen Fortgang\nverspricht.\nMannheim, 15. April. Weber's Oberon wurde gestern\nin ganz kurzer Zeit zum dritten Male mit solchem Andränge von\nFremden gegeben, dass Viele zurückgewiesen werden mussten;\nsechs Tage vorher waren alle verfügbaren Plätze genommen. Die\nneuen Decorationen, die Mühldorfer hierzu gemalt hat, übertreffen\naber auch alles von ihm bisher Gesehene, namentlich die erste,\nfeenhafte Decoraiion, der Anblick von Bagdad, die wandernde Ge-\ngend und die Schluss-Decoration. Er wurde jedesmal 2—3 Mal ge-\nrufen. Dass der musicalische Theil hierunter leidet, ist ganz natür-\nlich, und die süddeutschen Blätter haben vollkommen Recht, wenn\nsie sagen, man habe die Decorationen zu Oberon mit Weber scher\nMusik gegeben.\nDas zweite mittelrheinische Musikfest wird am 14. und 15. Juni\nStatt finden. Samstag den 13., Vormittags, Empfang der fremden\nSänger und Musiker; Nachmittags Hauptprobe zum Elias im Fest-\nlocal, dessen Zuhörerraum auf 3—4000 Menschen berechnet ist.\nSonntag, Vormittags, 1. Concert, Nachmittags Musik irri Schloss-\ngarten, Abends grosse Oper u. s. w. Montag Morgens Probe, Nach-\nmittags 2. Concert, Abends Bail im Theater.\nEine Correspondcnz aus Braun schweig in der wiener Mo-\nnatschrift für Theater und Musik sagt über den Sänger Thelen,\ngebürtig aus Köln, Schüler des Herrn E. Koch, Folgendes: „Von\nden jüngeren Kräften unserer Oper sind nur wenige dem Verhält-\nnisse gemäss mit wirklicher Anerkennung zu nennen. Ein jugend-\nlicher Bass, Herr Thelen, steht in Bezug auf die Kraft und Fülle\nder Stimme unter dem männlichen Personal obenan und dürfte\ndarin überhaupt in Deutschland nicht häufig übertroffen werden;\nauch sein Fleiss ist anerkennungswerth, und seine äussere Erschei-\nnung würde sehr vorlheilhaft genannt werden können, wenn nicht\nder allzu gleichförmige Ausdruck seiner Gesichtszüge den Haupt-\nmangel der geistig belebenden Fähigkeit verrathen würde. Rollen,\nbei denen eine schärfere Charakteristik weniger nothwendig ist,"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "136", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570425-01.1.8", "texte": "und deren Hauptwirkung in der blossen Anwendung der Stimm-\nmittel liegt, finden durch Herrn Thelen eine vortreffliche Durch-\nführung, während er in Spiel-Partieen häufig zu wünschen lässt.\"\nHannover. Am 15. d. Mts. wurde zur Nachfeier des Ge-\nburtstages Ihrer Majestät der Königin Gluck's Iphi-\ngenie in Aulis unter Marschner s Leitung aufgelührt, und zwar\nmit sichtbar grossartigem Erfolg, der sich auch durch lauten und\nlebhaften Beifall trotz der Etiquette bekundete. Jeder, der ein tie-\nferes, unverdorbenes Gefühl für das wahrhaft musicalisch-drama-\ntische Schöne in seiner Brust trägt, wurde von der Erhabenheit,\nEinfachheit, Wahrheit der Declamation und der Melodie an sich\nselbst ergriffen, ja, erschüttert. Chöre und Orchester waren präch-\ntig; unter den Darstellern zeichneten sich Frau Nottes (KFytäm-\nnestra) und Herr Budolph (Agamemnon) besonders aus. Für\nden Geburtstag Sr. Maj. des Königs wird dem Vernehmen nach\n„Der fliegende Holländer\" von Bich. Wagner unter Leitung\ndes Capellmeisters Fischer einstudirt. Nun, das gibt Gelegenheit,\nOriginal und Copie zu vergleichen.\nLeipzig. Eine neue Gesangs-Composition höheren Stils wurde\nuns zuerst im Stiftungs-Concerte des Universitäts-Sängervereins zu\nSt. Paulus, dann im XVIII. Gewandhaus-Concerte entgegengebracht,\nnatürlich von den Paulinern selbst gesungen; es war ein diesem\nSängerchor gewidmetes „Lied vom Wein\" (die Worte von Ema-\nnuel Geibel) von Jul. Bietz ein sehr charakteristisches und tief\nausgearbeitetes Musikstück für Männerchor, Orchester und Soli,\nwelche hier von unseren Schneider und Behr gesungen wur-\nden und ganz besonders schön sind. Dem gediegenen Werke wäre\njedoch ein leichterer Fluss des musicalischen Gedankens und we-\nniger Länge zu wünschen.\nWien. Am 22. März gab ein Componist, Herr Längwara,\nein von günstig gestimmten Zuhörern freundlich aufgenommenes\nConcert. Soweit nach einmaligem Anhören neuer Compositionen\nein endgültiges Urlheil gestattet ist, lässt sich Herrn Längwara ein\nin vieler Beziehung noch bildungsfähiges, in der Behandlung der\nFormen bereits ziemlich reifes Talent nicht absprechen. Die uns\nvorgeführten Werke (eine Sonate, ein Quartett, ein Trio) sind gut\nerfunden und tüchtig durchgeführt; keine Ideen von aussergewöhn-\nlicher Bedeutung, aber doch selbstständige Ideen; dabei ein An-\nlehnen an die besten Muster dieser Gattung Mozart, Beethoven\n—, ohne selavische Nachahmung einzelner Formeln, und eine woht-\nthuende Hinneigung zur Klarheit der Durchführung und zum me-\nlodisch wohlklingenden Ausdrucke.\nTherese Mi 1 an 0110 verheirathet sich mit dem Gapitän vom\nGeniecorps Theodor Parmentier. Letzterer war thälig bei\nBomarsund und später als Adjutant des bekannten General« Niel\nnach Sebastopol gesandt. Er ist ein sehr gebildeter Dilettant und\nauch Componist, und hat durch Uebersetzung ins Französische den\nLiedern von S. G. Beissiger in Frankreich Aufnahme bereiftet.\n(Cf. Niederrh. Musik-Zeitung, Nr. 2s, HI. Jahrg., S. 230)\nFlorenz. Napoleone Moriani, der berühmte Tenorist,\nhat vor Kurzem bei seinem Wiederauftreten auf den Brettern der\nPergola in Donizetti's „Maria Padilla\" eiaen wahren Triumph ge-\nfeiert. Das ftorentinische Journal L'lndicatore behauptet* dass Mo-\nriani noch immer im Besitze jener herrlichen Stimme sei, welche\nim Vereine mit seinem hinreissend leidenschaftlichen, poesie-durch-\nglühten Vortrage, namentlich im getragenen Gesänge, seit Jahren\nso viele Tausende von Zuhörern entzückt hat.\nPeteirsftmrif. Die Nachricht vom Tode Mich. v. Glinka's\nhat tiefe Betrübniss in den musicalischen Kreisen hervorgerufen;\ner war der eminenteste der russischen Componisten. Die philhar-\nmonische Gesellschaft veranstaltete am 10. d. Mts. eine Trauerfeier,\nin der nur Glinka'sche Compositionen zur Aufführung kamen. Hr.\nv. Glinka war niemals im Staatsdienste; er besass bedeutende Gü-\nter in Klein-Bussland.\nDeutsche T o n Ii a 1 I e.\nDer Verein setzt hiermit den Preis von zwanzig Ducaten auf\neine vierhändige Orgel-Sonate (bestehend in drei Sätzen, im letzten\neine Fuge) für eine Orgel mit zwei Manualen und vollständigem\nPedale.\nDas Pedal ist beiden Spielern obligat zuzutheilen, und zwar so,\ndass jeder die ihm zukommende Hälfte desselben übernimmt.\nDie Bewerbungen um diesen Preis sind, wenigstens geheftet,,\nmit einem deutschen Spruche versehen und von einem versiegelten\nZettel begleitet, der den Namen und Wohnort des Verfassers ent-\nhält und aussen dessen erwählten Preisrichter nennt, der deutschen\nTonhalle frei hieher einzusenden.\nDie Einsendung hat spätestens im Monat September dieses Jah-\nres zu geschehen.\nDen Preis erhält der Verfasser desjenigen der so eingekomme-\nnen Wrerke und dieses selbst zu eigen, welchem ihn die Mehrheit\nder meiststimmig erwählten drei Herren Preisrichter zuerkennt.\nIm Uebrigen sind die Satzungen der deutschen Tonhalle hieher\nmaassgebend.\nMannheim, Ostern 1857. Der Vorstand."}]}