{"numero_id": "bm-bmtnabi-1857-06-13-01", "volume": "bmtnabi_1857-06-13_01", "ocr_sha256": "02353a77d77fd428044594ac3a936bfb89600247b244875a3d5f576493b4cf42", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1857/06/13_01/bmtnabi_1857-06-13_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570613-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1857-06-13-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-06-13_01#c001", "volume": "bmtnabi_1857-06-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "185", "page_fin": "185", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570613-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "185", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570613-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 393, "texte": "Inhalt.\nAus Frankfurt am Main. 1. Theater. 2. Beethoven's Missa soleranis. Von A. Schindler. Ueber die deutsche\nBezeichnung der musicalischen Vortragsweise in Ueberschriften und zwischen den Notenlinien. Von Gr. Flügel. Nachschrift. Von L. Bi-\nsclioff. Stossseufzer einer ehrlichen Redaction an die andere. Tages- und Unterhaltungsblatt (Wien, Confiscation Neue\nOper von Verdi Michael Hauser)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-06-13-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-06-13_01#c002", "volume": "bmtnabi_1857-06-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "185", "page_fin": "190", "image_debut": 1, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570613-01.2.2", "titre_corps": "Aus Frankfurt am Main.", "titre_sommaire": "Aus Frankfurt am Main.", "signature_source": "A. 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J., beginnt mit folgendem Satze: „Das\nInteresse an Theater-Prinzen und Theater-Prinzessinnen ist\nin letzter Zeit wieder mächtig in den Vordergrund getre-\nten, und man kann kaum eine Journal-Nummer in die Hand\nnehmen, ohne einem Theater-Referat und namentlich einem\nBerichte über einen jener männlichen und weiblichen Zug-\nvögel der Kunst zu begegnen, welche in Deutschland von\neiner Bühne zur anderen flattern, ihren Part absingen oder\nabspielen und dafür Applaus, Zeitungs-Lob und, was ja\nwohl der Hauptzweck dieser Kunstreisen ist, klingende\nMünzen in reichlichen Quantitäten einstreichen.\"\nAuch uns hat der kaum entfaltete Frühling bereits drei\nsingende Zugvögel von renommirter Gattung zugeführt,\nzuerst das Brüderpaar Form es, wovon besonders der\nBassist durch arges Detoniren ein bleibendes Andenken\nsich bewahrt haben dürfte, der Tenorist aber, ohne irgend\neine Sensation erregt zu haben, zu den Dagewesenen ge-\nzählt wird. Der dritte dieser Zugvögel war Herr Ander\naus Wien, bekanntlich der höchstbezahlte Tenor der mo-\ndernen deutschen Opernwelt. Dieselben Parte, die er auf\nunserer Bühne unter Mühling's, dann wieder unter HofT-\nmann's Direction absang, fand er für gut, jetzt abermals\nabzusingen. Der Unterschied zwischen früher und jetzt liegt\nbloss darin, dass er damals zu den gewöhnlichen Eintritts-\npreisen gesungen und die Directionen ausser dem ihm zu-\ngestandenen Honorar noch ein hübsches Sümmchen ver-\ndient haben. Jetzt ward dem Publicum zugemuthet, für die\nseit lange schon abgenutzten Opern „Martha\", „Huge-\nnotten\" und „Wilhelm Teil\" (erstere sogar ausser Abon-\nnement) höhere Eintrittspreise zu bezahlen. Was Wun-\nder, wenn das kunstsinnige Publicum in dem Maasse aus-\ngeblieben, dass die Intendanz bei 450 Gulden Honorar\nfür den Gast bei beiden erstgenannten Vorstellungen nicht\nauf die Tageskosten gekommen, bei der dritten jedoch ein\nMinimum für die Casse übrig behalten hat! Dieses für die\nIntendanz nicht erfreuliche, für Herrn Ander nahezu un-\nehrenhafte Ergebniss gab Grund zur Einigung zu noch\nzwei Gastrollen zu gewöhnlichen Eintrittspreisen und\nTheilung der Netto-Einnahme zu zwei Hälften. Herr Ander\nsang also noch die Partie des Masaniello und des Stradella,\nbeide bei wohlbesetztem Hause. Nur nach der letzten Vor-\nstellung war der Beifall ein enthusiastischer, würdig eines\nKünstlers von solchem Rufe. Vielmaliges Herausrufen und\nKränze.\nDiese Thatsache im Opern-Bereiche, auf dem die\nGestaltung der Dinge eben die allerkläglichste, weil aller-\ncorrupteste nach jeder Seite hin ist, dürfte für die Inten-\ndanzen und Directionen eine gute Lehre sein, und wir be-\nnutzen sie unsererseits zu nachstehenden Anmerkungen.\nDie Dürftigkeit, ja, Armseligkeit des Opern-Reper-\ntoires im Allgemeinen in Betracht gezogen (die indess kei-\nneswegs so begründet ist, als die Herren Directoren wäh-\nnen oder gar behaupten), lässt sich ein entsprechendes\nMittel dagegen auffinden, sollte es gleichwohl nur momen-\ntan wirksam und sonach den Palliativen anzureihen sein.\nEs handelt sich doch vor Allem um mehr Abwechslung,\nalso um mehr Leben in der Sache. Dies würde zu erzielen\nsein, wenn Directionen und Intendanzen bei Abschliessung\nvon Verträgen mit renommirten Sängern und Sängerinnen\nfür einen Cyklus von Gastrollen die Bedingung voranstell-\nten, wenigstens in einer neuen, in Ermangelung\neiner solchen in zwei seltener gegebenen Opern,\ndie ohne fremde Beihülfe die heimischen Kräfte gut auszu-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "186", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570613-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5046, "texte": "führen ausser Stande sind, aufzutreten, gehörte diese Oper\ngleichwohl einer früheren Epoche an. Die bestorganisirte\nOpern-Gesellschaft wird sich in der Lage befinden, diese\nund jene Werke in langen Jahren nicht in Scene bringen\nzu können, weil für das eine die entsprechende Sängerin,\nfür ein anderes wiederum der Tenor oder sonst noch eine\nPersönlichkeit abgeht. Hierbei sollten wir freilich einen be-\nsonderen Rückblick auf unsere Oper thun, wollen es\naber aus guten Gründen unterlassen.\nIn solcher Beziehung hätte auch die kostspielige An-\nwesenheit des wiener Tenors benutzt werden können.\nZ. B. Herr Ander excellirt bekanntlich in Isouard's „Jo-\nconde\" (dieser unverwelklichen Blume in dem älteren\nfranzösischen Opernkranze), die im vorigen Jahre auf dem\nkaiserlichen Opern-Theater nach mehr denn vierzigjähriger\nRuhe wieder zur Aufführung gebracht worden, und zwar\nhauptsächlich, weil die Administration in Herrn Ander die\nzur Darstellung der Titel-Holle erforderlichen Eigenschaf-\nten gefunden zu haben glaubte. Dem war so. Die Oper\nentzückte allgemein, > wie kaum ein Werk der Gegenwart\nes vermag, und bereichert das Repertoire. Wtelcher Ge-\nwinn für ein kunstsinniges, aber seit Jahren in dem be-\nschränktesten Kreise umhergeführtes, darum blasirtes und\nmüde gewordenes Publicum, die Bekanntschaft ähnlicher,\nunvergänglicher Werke zu machen, wie „Joconde\", ver-\nmittelt durch tüchtige Repräsentanten in den Hauptrollen!\nDie Nachwirkung müsste langhin eine angenehme sein,\ngleichzeitig aber auch ein sicheres Mittel zur Anbahnung\neines besseren Geschmacks darin gefunden werden können.\nAllein noch ein volles Dutzend der vortrefflichsten\nOpern jeden Genre's aus früherer Zeit liesse sich namhaft\nmachen, unbekannt aller Orten, aus dem eine und andere\nbei Gelegenheit von Gastspielen ausgezeichneter Talente in\nScene gehen könnte und sollte, geschähe es auch nur\nfür eine odet zwei Vorstellungen.\nEs wird dem herrschenden Schlendrian in keiner\nWeise gesteuert werden, wenn man bequem und duldsam\nin infinitum bei den Gewohnheits-Opern stehen bleibt. Man\nsollte erwarten, jede Direction werde es als Ehrensache be-\ntrachten, so bald als thunlich Hand ans Werk zu legen\nund keine Gelegenheit unbenutzt zu lassen, um aus dieser\nStagnation endlich heraus zu kommen; allein man täuscht\nsich. Man lässt die Dinge eben gehen, wie sie gehen wol-\nlen, nicht, wie sie trotz offenbarem Mangel guter neuer\nOpernwerke dennoch gehen könnten. Kundige Männer sind\nz. B. bei uns an geeigneter Stelle mit wohlmeinendem\nRathe eingeschritten. Auch hat Didaskalia schon vor meh-\nreren Monaten den nicht minder wohlmeinenden und plau-\nsibeln Wunsch ausgesprochen, man möge hier ein- und\nzweiactige Operetten älterer und neuerer Zeit, de-\nren in Menge vorhanden, in Verbindung mit Lust-\nspielen zur Aufführung bringen, die den in der Gesan-\ngeskunst, auch in Darstellung feiner Charaktere meist\nganz ungeschickten Opern-Mitgliedern Gelegenheit zur\nBildung geben, das Publicum aber sicherlich angenehm un-\nterhalten würden. Allein Mantelreden in den Wind ge-\nhalten. Es werden sonach auch diese wohlgemeinten Worte\ndas Schicksal solcher Mantelreden haben. Es ist nicht zu\nverwundern, wenn, ausser den obligaten und obligirten,\nkeine unabhängige Feder mehr sich in Theatersachen\neinlassen will, und geschieht es ja einmal, so meist nur im\nUnmuthe, die Dinge mit wohlverdientem Spotte abfertigend,\nz. B. der Eingangs genannte Aufsatz aus Leipzig.\nEs möge darum dem aufrichtigen Kunstfreunde nicht\nverargt werden, wenn er sich unumwunden dahin erklärt:\ndas auf dem gesammten Theaterwesen, zumeist auf der\nOper schwer lastende Verhängniss wird in seinen Folgen\nnur dann gemildert werden, wenn die Herren Directoren\nund Intendanten von Instituten ersten und zweiten Ranges\nsich bald in bestimmt ausgesprochenen Grundsätzen eini-\ngen, die eine Besserung der Zustände in Bezug auf Kunst\nund ihr Wesen zum Endzweck haben. Will man zu\ndiesem dringend nothwendigen Mittel nicht wenigstens ver-\nsuchsweise schreiten, so wird der Uebermuth im Verken-\nnen des obersten Kunstzweckes, folgerichtig die Ausser-\nachtlassung der Berufspffichten bei dem singenden und re-\ncitirenden Virtuosen-Geschlechte immer crescendo gehen,\ndas Ausbeuten des Publicums wird Haupt-\nzweck, den die Bühnen-Verwalter aufs beste direct und\nindirect befördern helfen. Wie lange noch das Publicum\ndiesem Unwesen, das jetzt bereits der Blüthe sich nähert,\nzusehen wird, ist abzuwarten. Dass aber eine Reaction er-\nfolgen werde, wie sie bei ziemlich ähnlicher Unwirthschaft\nim Concertsaale erfolgt ist, dürfen wir, wenn Analogieen\nnicht trügen, mit Gewissheit erwarten. Was dann, ihr\nHerren Directoren und Intendanten, die ihr für Aussaat\neines besseren Samens zu rechter Zeit nicht besorgt ge-\nwesen ?\n2. Beethoven’s Missa solemnis.\nBereits im Spätjahre von 1855 hat Herr Musik-Di-\nrector Rühl den Muth gefasst, es mit diesem in Folge von\nSchelble's Beurtheilung hierorts perhorrescirten Werke\naufzunehmen, obwohl sein Gesang-Verein sich noch in\nder Periode des Noviziats befand. Sein ihm eigentümlicher"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "187", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570613-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5145, "texte": "Eifer, wenn auch nicht immer frei von pedantischem Bei-\ngeschmack, aber auch die Hingebung der Vereins-Mitglieder\nhatten das Werk so gelördert, dnss der ersten Aufführung\nalsbald eine zweite folgen konnte. Zeitweilige Abwesenheit\nvon Frankfurt war Grund, dass ich bei diesen Aufführun-\ngen nicht persönlich Zeuge sein konnte, daher vielleicht in\ndiesem Kunst-Organ nichts darüber verlautet hat. Die da-\nmals in einigen hiesigen Blättern über das Werk selbst\ngelallten Urtheile hätten aber doch Anlass geben sollen,\nwenn auch nur curiosilalis causeinem grossen, musica-\nlisch gebildeten Leserkreise mitgelheilt zu werden, weil\ndamit zugleich klar gezeigt war, welcher Fremdling die\nneuere katholische Kirchenmusik in dieser musikreichen\nStadt bis zu diesem Tage geblieben und wie tief man in\nalten Traditionen andererseits befangen ist.\nNach den in vergangener Winterzeit Statt gefundenen\nAufführungen von Haydn's Jahreszeilen (zwei Mal) und\nSpohr's Oratorium „Der Fall Babylons\" schritt der\nRühl'sche Verein unverweilt zu Vorbereitungen zu einer\ndritten Vorführung der Missa die endlich\ntot discrimina verum—am 28. Mai im Weidenbusch-Saale\n(bei einer Temperatur von 34 bis 36 Grad R. im Räume)\nvor sich gegangen ist. Sowohl der letzten Probe, wie der\nAufführung war ich Zeuge. Ueber das allseitig Geleistete\nwollen sich die folgenden Zeilen so ausführlich, wie es die\nGrösse der gelös'ten Aufgabe mit Recht fordern darf, aus-\nsprechen, und soll das Cuique suum eben so offen als rück-\nhaltlos vertheilt werden.\nWenn ich mir die von der erlebten Auflührun-\ngen in die Erinnerung zurückführe, beginnend mit der aller-\nersten, am 7.. Mai 1824 im Hof-Operntheater zu Wien\nvon Beethoven veranstaltet, muss ich der bei der Inaugu-\nrations-Feier von des Meisters Bildsäule 1845 zu Bonn\nStatt gehabten den ersten Preis zuerkennen. Dieses Re-\nsultat, im eigentlichen Wortsinne ein zu Ehren Bringen\ndes bis dahin gröblich verkannten und verketzerten Wer-\nkes, verdankten die vielen Tausende der Zuhörer nicht dem\nFest-Dirigenten, der ja in der Hauptprobe laut gestand, er\nhabe dieses Werk das bereits volle achtzehn Jahre im\nDruck vorgelegen— eben erst auf der Reise von Karlsbad\nnach Bonn kennen gelernt (also im Postwagen), sondern\nAlle verdankten wir es hauptsächlich den rastlosen Bemü-\nhungen des königlichen Musik-Directors Franz Weber\nin Köln, der wiederholt von Stadt zu Stadt gegangen, um\ndie theilnehmenden Chor-Contingente zu diesem europäi-\nschen Feste vorzubereiten. Seiner Begeisterung für die\nSache verdankten wiederum die Contingente aus allen\nStädten des Niederrheines, dass jedes einzelne Mitglied mit\nvoller Sicherheit über die bevorstehende Aufgabe die Fest-\nhalle betreten konnte. Dieses und der aussergewöhnliche\nMoment, gleichsam vor dem versammelten musicalisch ge-\nbildeten Europa die schwierige Aufgabe zu lösen, sie wa-\nren die Factoren der fast unerhörten Begeisterung, welche\ndie Phalanx von mehr als 400 Stimmen, vom Orchester\nund den Solostimmen bestens unterstützt, kund gegeben hat.\nDas von dem frankfurter Gesang-Vereine am 28. Mai\nGeleistete lässt sich sowohl in Hinsicht auf Ensemble, kunst-\ngemässen Ausdruck und makellose Reinheit der Intonation\n(ein Wunder bei so übermässig hoher Temperatur, folglich\nnoch erhöhterer Orchester-Stimmung), wie nicht minder in\nHinsicht auf allgemeine Begeisterung in künstlerischem\nSinne mit dem 1845 zu Bonn Geleisteten ziemlich in Pa-\nrallele stellen. Wahrhaft freudigen Herzens lege ich dieses\nUrtheil in diesen Blättern nieder. Nur zu selten widerfährt\nes heutzutage dem beinahe ein halbes Jahrhundert rück-\nwärts sehenden Fachmanne, Urtheile solcher Art, wie das\njüngst über Aufführung der neunten Sinfonie durch Capell-\nmeister Gustav Schmidt und nun wieder über die Missa in\nD, niederschreiben zu können.\nIn zweiter Ordnung dürfte bei der sowohl\nAufgabe an sich wie Leistung der Solostimmen zu beur-\ntheilen kommen, und zwar darum, weil nur fertige\nKünstler sich der Aufgabe nähern dürfen, die weit Schwie-\nrigeres zu lösen im Stande sein müssen. Dass dermalen\nnicht vier solcher Meister-Sänger hier existiren, die eben-\nbürtig neben einander wirken könnten, ist leider Thatsache.\nDennoch darf über die Solisten in der Missa, als: Fräul.\nV e i t h, Sopran und Herr B a u m a n n, Tenor —, beide\nvon der Oper, dann Frau Bischoff (die aus Gefälligkeit\ndie Alt-Partie übernommen) und ein Kunstfreund als Bass,\nalles Rühmliche gesagt werden, ja, beide Erstgenannte er-\nreichten im Qui lollis,in der Fuge zum im\ncarnatus, im Sanctus, dessgleichen im Agnus, demnach in\nden meisten Hauptstellen, die Höhe ausgezeichneter Künst-\nlerschaft und wurden von den beiden anderen Solostimmen\nwacker unterstützt. Fräul. Veith insbesondere versteht den\nKirchenmusik-Stil musterhaft zu handhaben. Anbei verräth\nsie in keinem Moment die Opernsängerin. Solche Doppel-\nNatur in einem künstlerischen Individuum gehört unstreitig\nzu den seltenen Erscheinungen in der Sängerwelt.\nAber auch über die Leistung des Theater-Orchesters\nist nur Rühmliches zu verzeichnen, und hätte nicht für den\ni\nerkrankten braven Herrn Zigold ein minder Tüchtiger an\ndie erste Flöte treten müssen, wodurch vornehmlich die"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "188", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570613-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4994, "texte": "häkelige Stelle im Et incarnatusempfindlich zu leiden ge-\nhabt, die Gesammtleistung dieses integrirenden Theiles des\nGanzen hätte sich, wie die des Chors, znr vollendeten ge-\nstalten lassen.\nIm Vorstehenden ist das Verdienst des leitenden Prin-\nzips um das Gelingen der Ausführung ausgesprochen,\nund erscheint dieses in Betracht der im Allgemeinen doch\nnur wenig musicalisch gebildeten Kräfte des Vereins kaum\nminder bedeutend, wie das von Franz Weber bei der bon-\nner Feierlichkeit sich erworbene. Ein wesentlich Anderes\naber ist es um die Auffassung und danach um die genom-\nmenen Tempi bei dem frankfurter Dirigenten. Hierbei\nkommt in Frage, ob diese wohl alle im Geiste der Com-\nposition getroffen waren? Als möglich, zugleich als wahr-\nscheinlich darf angenommen werden, dass es selbst dem\neinsichtsvollsten und auch noch routinirtesten Dirigenten\nkaum gelingen werde, unter den 31 verschiedenen Tem-\npi's, darunter nur 4 Reprisen, nicht eine oder mehrere zu\nvergreifen, vielleicht gegen seine bessere Ueberzeugung.\nMan weiss ja, wie Zufall oder momentane Gemülhsstim-\nmung oft auf die Temponahme im entscheidenden Augen-\nblicke einzuwirken vermag.\nBei diesem wichtigen Capitel angekommen, sei es er-\nlaubt, einstweilen nur in einigen Umrissen aufzuzeichnen,\nwas ich im Laufe der vielen Jahre an Beethoven's Seile in\ndieser Beziehung erfahren habe. Bei der Lage der Dinge\nauf rnusicalischem Gebiete wird dies nothwendig, vielleicht\naber auch von strebsamen, nicht eingebildeten oder gar\ndünkelhaften Musikern beachtet werden, indem ich auf\ngleiche Erfahrungen zweier Lebenden aus Beethoven's\nKreise hinweisen kann; diese sind Herr Karl Holz und\nBeethoven's Neffe. Dass unser Grossmeister den vor-\nzüglicheren musicalischen Begebenheiten der Kaiierstadt\nmit Aufmerksamkeit gefolgt ist, wird man wohl begreiflich\nfinden; dass sich diese aber bei seinen Compositionen,\nvornehmlich wenn er sie unter zweifelhaften oder gar\nschlechten Händen wusste, z. B. unter der Leitung des be-\nkannten Barons von Lannoy, um Vieles gesteigert halte,\nwird Jeder aus seinem Kreise bestätigen. Nach jeder Pro-\nduetion eines der hervorragenden Werke war es sein\nWunsch, alsbald über das Ergebniss unterrichtet zu sein.\nDie an uns gestellten Fragen betrafen, wenn es sich um\nein Orchesterwerk gehandelt, in der Regel nur das, was\nihm anbei die Hauptsache gewesen, nämlich die Tempi der\nverschiedenen Sätze; nur zuweilen bekümmerte er sich um\nDetail, das in einzelnen Stimmen vorgegangen. Ganz ent-\ngegengesetzt that er bei Ciavier- und Quartett-Musik. Da\nging er regelmässig ins Detail ein und verlangle auch noch\ndas Tempo dieses oder jenes Mitlelsatzes, einzelner An-\nhänge, das Hervortreten dieser oder jener Miltelstimme (so\naach in der Ciaviermusik) u. dergl. mehr zu erfahren. Für\nuns junge Leute war ein solches Examen stets belehrend,\nweil der Meister in seinem Feuereifer den abwesenden Di-\nrigenten und auch die Spieler zur Stelle corrigirt hat. Von\nseinem Tempo zumal wollte Beethoven in keinem Falle ein\nHaarbreit ablassen, weil er richtiges Maass in der\nBewegung mit der in wohnenden Charakteri-\nstik des Satzes oder dessen einzelnen Bestandteilen aufs\ngenaueste identificirt hat. Auch Seyfried legt über die-\nsen Punkt in dem biographischen Abrisse von S c h u p-\npanzigh in Schilling's Lexikon ein Zeugniss nieder.\nUeberhaupt hiess es die erworbenen Begriffe von der frag-\nlichen Sache tüchtig zusammen nehmen, wollte man bei\nderlei Verhandlungen vor des Meislers Richterstuhle nicht\ngedemüthigt oder verlacht werden; denn die oftmals in sei-\nnem Gemüthe rege gewordenen Emotionen waren nicht\nimmer sanfter Art.\nFragt es sich nun speciel um die die\nder Componist für sein gelungenstes Werk erklärt hat, so\ndarf ich wohl offen gestehen, dass es in der gesammten\nBeethoven-Literatur kein zweites gibt, mit welchem ich\nin Folge von Umständen und Verhältnissen durch den\nSchöpfer selber so bekannt gemacht worden wäre, wie mit\ndiesem. Mehr als neun Monate sass ich ihm zur Seite, hel-\nfend, die lür die Subscribenten copirten Partituren zu cor-\nrigiren und zu collationiren, wobei es tausenderlei zu fra-\ngen und zu beantworten gab. Um ihm stets nahe zu sein,\ntheilte er seine Wohnung mit mir. Nach beendigter Arbeit\nam Schreibtische begannen die Proben und folgte die Auf-\nführung—neue Belehrungen über alle Theile des Werkes,\nselbst über jene, die aus Mangel an Zeit und Raum von\nder Aufführung ausgeschlossen werden mussten, als: Glo-\nria und Sanctus sammt Benedictus; die neunte Sinfonie und\ndie Ouvertüre Op. 124 nahmen die verwandten Kräfte zu\nsehr in Anspruch.\nPrüfen wir somit, wie es Herrn Musik-Director Rühl\nmit den verschiedenen Tempi's, resp. mit Auffassung der\nCharaktere der verschiedenen Hauptsätze und ihrer Theile,\nergangen.\nKyrie(,4ssai sostenulo.Mit Andacht) war in bedeu-\ntendem Grade übereilt, daher seine Charakteristik, die der\nComponist vorstehend anzeigt, nicht zum Ausdruck kom-\nmen konnte. Es war keine Kirchenmusik mehr. Ob hier\nzur Stelle der ganze Tact anstatt des nicht"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "189", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570613-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4982, "texte": "zweckentsprechender gewesen wäre, um das Vergreifen zu\nverhindern, dürfte zu untersuchen sein. Das Markiren von\nvier Tacttheilen scheint nicht zu genügen, weil das Alla\nbreve bei der Mehrzahl der Musiker den Begriff einer ra-\nscheren Bewegung in allen Gattungen mit sich führt, als\nder ganze Tact. Darin scheint der Grund des Missverste-\nhens zu liegen. In Kirchenmusik aber wird dieser Begriff\nwesentlich zu modificiren sein. Das\nassai ben marcalo)hat nicht bloss des Rhythmischen we-\ngen den folglich breit, auch wegen des Charak-\nteristischen, wohin das ben marcato zielt. Die Auffassung\naber des Herrn Hühl begnügt sich mit einem leicht dahin\nliiessenden 3/4-Tact und einer Bewegung Andante con moto.\nDer schwere Spondärus, in welchem das Wort\ndeclamirt ist, zeigt in dieser Tactart allein schon den siche-\nren Weg zu richtiger Auffassung,\nGloria. Wenn man den schon ins dritte Jahr an-\ndauernden Kampf um die Tempi verfolgt, den die wiener\n„Monatschrift für Theater und Musik\" mit den dortigen\nCapellmeistern und allen Dirigenten von Kirchenmusik un-\nterhält; wenn man ferner erwägt, was im Laufe der Jahre\nauch in diesen Blättern für Wiedererweckung der richtigen\nBegriffe im Sinne der Classiker geleistet worden, und\ndennoch meist vergeblich: —so muss sich wohl die Ueber-\nzeugung aufdrängen, dass den Herren Dirigenten gegen-\nwärtig, wie überhaupt der Mehrzahl der Musiker, aller und\njeder richtige Begriff der Tempi und ihres zweckmässigen\nGebrauches mangelt, demnach die Bezeichnung Allegro in\njeglicher Kunstgattung mit „Lustig\" übersetzt und das\n•\nbetreffende Musikstück lustig ausgeführt wird. Vorzugs-\nweise sind es die ungeraden Tactarten, über deren richti-\nges Verständniss die Herren stolpern. Gleiches widerfuhr\nHerrn Rühl bei den drei ersten Theilen des Gloria. Wer\ndas Allegro vivace, 74-Tact, sinfonieartig auffasst, muss zu\ndem Resultate gelangen, wie wir es erlebt. Aber wir ha-\nben es mit Kirchenmusik zu thun, und darin soll sich selbst\nder Ausdruck des höchsten Jubels mit einer gewissen Mäs-\nsigung kund geben, soll die Gattung nicht in Tanzmusik\numschlagen. Letzteres war im wirklich der Fall.\nWir dürfen uns gegenseitig offen gestehen, dass die Melo-\ndie dort weder neu noch edel, am wenigsten kirchlich und\nden Worten entsprechend erfunden ist, ja, dass ihr Rhyth-\nmus dem des Walzers ziemlich verwandt ist. Wird das\nAllegro daher nicht in bedeutendem Grade gemäs-\nsigt, so muss die Danksagung nothwendiger Weise in der\nForm eines Walzers zum Ausdruck kommen. Herr Rühl\nprüfe selber.\nVom Qu i tollisbeginnend, waren die Tempi vollkom-\nmen richtig ergriffen. Die Breite in der Fuge sicherte das\nGelingen und ihre ausserordentliche Wirkung. Für die\nFolgen des Tempo „Presto\" bei der Wiederergreifung des\nGloria in excelsisnach der Fuge ist der Componist allein\nverantwortlich. Es sei erlaubt, dieses Presto einen bedauer-\nlichen Missgriff zu nennen, geeignet, dem gewaltigen Ein-\ndruck des ganzen Satzes bedeutend Abbruch zu thun. Ob\nnicht wohl ein Tempo primo dem kirchlichen Charakter\nentsprechender wäre?\nCredo.Alle Tempi, mit Ausnahme des übereilten\nAndante, %, „Et homo factus waren gut. Doch er-\nfordert der Eingang des Satzes,\netwas mehr Breite. Erst bei dessen Reprise, „ Credo in Spi-\nritum sanetum\",war des Componisten Zeitmaass vollkom-\nmen getroffen; freilich dictiren hierbei die vielen Textes-\nworte die entsprechende Bewegung.— Sollte in Frage kom-\nmen, welcher von den fünf Hauptsätzen des Werkes vom\nDirigenten am richtigsten aufgefasst und von der Gesammt-\nmasse am siegreichsten durchgeführt worden, so wird un-\nbestritten das Credo zu nennen sein, somit der Satz, der\ndie grössten Schwierigkeiten zu überwinden gibt, wie in\nder gesammten Literatur der Gesangmusik, in der kirch-\nlichen wie profanen, nichts annähernd aufzufinden sein\ndürfte. Namentlich leistete der aus circa fünfzig schönen\nStimmen bestehende Sopran-Chor in diesem Satze das\nNon plus ultra.\nSanctus (Adagio,mit Andacht) war richtig getroffen.\nDas folgende Pleni sunt coeli trägt die ganz ungewöhnliche\nBezeichnung Allegro pesante, mithin schwerfällig, auch\nbedächtig, wohl überlegt eine wohl zu beachtende\nBezeichnung, zumal diesen Theil die Solostimmen auszu-\nführen und mit einer Massen-Begleitung des Orchesters zu\nkämpfen haben. Unser Dirigent schien das mit\nsynonym zu halten, danach war sein Tempo. Bei dem sich\nanschliessenden „ Osannau, Presto, gleichfalls von Solostim-\nmen auszuführen, mit den häufigen, von allen Instrumenten\nzu gebenden scharfen Accenten, (mit denen der Com-\nponist im ganzen Werke so verschwenderisch umgeht, wie\nin keinem anderen), wirbelte der Staub auf.\nBenedictus. Nach dem viel- und mannigfach bespro-\nchenen und erörterten Conflicle des Unterzeichneten mit\nCapellmeister Dorn 1844 auf dem Gürzenich zu Köln\näusserte der musikkundige Prof. H—h aus Bonn: \" „Das\nBenedictus ist für immer gerettet.\" Dass der trefllicheMann\nsich getäuscht, möge er hiermit erfahren. Auch der glück-\nliche Auffinder der authentischen Tempo-Bezeichnung"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "190", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570613-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4861, "texte": "des Benedictus,Herr Prof. 0. Ja h 11, möge erfahren, dass\ndem frankfurter Dirigenten deren Veröffentlichung in Nr.\n15 der Niederrheinischen Musik-Zeitung von 1853 bis-\nlang noch unbekannt geblieben. Wir hatten somit das Ver-\ngnügen, diesen in der Conception ganz eigenthümlichen\nSatz mit dem dem Präludium angehörenden Sostenuto in\ndemselben Largo dahinscbleppen hören zu müssen, wie ein-\nstens zu Köln. Wir beklagenswerthen musicalischen\nSchriftsteller! Gleicht unser Wirken nicht der Danaiden-\nBeschäftigung in der Fabel, mit dem Unterschiede, dass es\nWirklichkeit ist, was wir erleben? Wir bemühen uns, un-\nsere Erfahrungen und unser mühsam erworbenes Wissen\nzum Besten der Kunst im Allgemeinen, mithin auch ihrer\nJünger, mitzutheilen, und wie wenig des Gebotenen findet\nbei letzteren einen dankbaren Boden! Die alte Klage, dass\ndie Musiker nichts lesen, bleibt immer neu; höchstens grei-\nfen sie nach Localblättern, die mit ihnen in geselligem Ver-\nkehr stehen und ihnen von Tag zu Tag forthelfen. Die ein-\nzelnen Ausnahmen verschwinden in der grossen Mehrzahl\nder Gleichgültigen. Erfahre denn auch Herr Rühl auf die-\nsem eben nicht besonders geeigneten Wege, dass das\nTempo des Benedictus in der Partitur vergessen worden,\nund lautet: n Andante, molto cantabile,\nalso ein bewegtes Andante, doch nicht zu viel.\nIch erlaube mir es hier vermittels des M. Metronoms (pa-\nriser Fabrical) zu fixiren: 76\nSolite der breite\n12/3-Tact geniren, so substituire man den 2/a-Tact, markire\ndie vier Achtel, und die Bewegung wird dem lieblichen\nCharakter des Satzes entsprechen, die Singstimmen wer-\nden sich leicht und gefällig ergehen, wie sie sollen, die\nSolo-.Violine wird einem freundlichen Genius gleich über\ndem Ganzen schweben und die Stimmen umfassen, über\nAlles noch: der schwerfällig hinkende, äusserst störende\nRhythmus des Trochäus in allen Singstimmen und auch in\nden Blas-Instrumenten, weil zu sehr gedehnt, wird sich in\neinen leicht und anmuthig dahin fliessenden verwandeln,\nAlles wird schön gebunden zu Gehör kommen wie\nder Componist es intentionirt.\nAgnus (Adagio)war bestens erfasst, die folgenden\nTempi aber im Dona sollten alle wesentlich moderirt und\ndem Kirchenslile anzupassen sein. Wahr ist es, dass der\nComponist mit der Bezeichnung die\nAuffassung des Dona erschwert hat; auch ist nicht zu\nläugnen, dass er sich in diesem Satze vom kirchlichen\nStandpunkte am weitesten entfernt hat, daher dieser Satz\nwohl immerhin Stoff zu Controversen darbieten wird. Dem\nmit dem besseren Geiste katholischer Kirchenmusik vertrau-\nten Dirigenten wird es also in diesen Schluss-Abtheilungen\ndes Werkes, wie im Gratias und in anderen Theilen noch,\nüberlassen bleiben, das rechte Auskunftsmittel aufzusuchen,\ndas unschwer in der Mässigung zu finden sein wird.\nSämmtliche im Werke vorkommende rasche Tempi, im\nSinne profaner Musik oder gar im modern üblichen Ver-\nstände ausgeführt, müssen dasselbe vollständig zu einem\nprofanen stempeln.\n— ! t •\ni* * •\nMöge der wackere Herr Rühl in Vorstehendem zu-\nnächst den Beweis meiner Theilnahme an den Fortschritten\nseines Vereins, aber auch der erhöhten Achtung für sein\nWirken erkennen. Seinen Bemühungen verdankt der Ver-\nein nach vierjährigem Bestehen schon, dass er mit dem be-\nsten der niederrheinischen Gesang-Vereine ebenbürtig in die\nSchranken treten kann. Das will bekanntlich viel heissen.\nDiese, wenngleich nur flüchtig vorgenommene Prüfung\ndes hierorts Geleisteten geschieht nicht etwa zur Belehrung\neines Einzelnen, sondern im Interesse aller Dirigenten und\nBeurtheiler der Missa.ln Beziehung auf letztere darf noch\nangeführt werden, dass da und dort, wo man sich in die tra-\nditionelle Anschauung fest eingelebt hat, Bach'sche Musik\nfür den einzig wahren Ausdruck kirchlicher Tonkunst zu\nhalten, wo man noch nicht zur Ueberzeugung gekommen,\ndass mit dem Wachsen der Aufklärung im Allgemeinen\nauch die protestantische Musik an ausschliesslicher Geltung\nverloren; wo man ferner mit Hartnäckigkeit den unendlich\nreichen Beitrag verkennt, den die katholische Musik insge-\nsammt der geistigen Entwicklung unserer Zeit gebracht,—\nauch das gigantische Werk Becthoven's meist nur schiefen\nBeurtheilungen begegnen wird.\nSchliesslich will der Unterzeichnete den Wunsch nicht\nunausgesprochen lassen, es möge Herrn Musik-Director\nRühl gefallen, in kommender Musik-Saison eines oder zwei\nWerke aus unseren Tagen zu Gehör zu bringen, de-\nren verschiedene zur Wahl sich durch sich selbst empfeh-\nlen, z. B. Ferd. Hill er' s „Ver sacrumßeinthaler's\nOratorium „Jephta\", in vielen Städten bereits mit gleich\ngrossem Beifall aufgenommen, dann Hager's Oratorium\n„Johannes\", das in Wien eine Aufführung mit grossen\nKräften erlebt, vom Publicum mit allgemeinem Beifall be-\ngrüsst und von der Kritik (in der Monatschrift für Theater\nund Musik, auch von Dr. Hanslik in der Wiener Zeitung)\ngünstig beurtheilt worden.\n\nA. Schindler."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-06-13-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-06-13_01#c004", "volume": "bmtnabi_1857-06-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "191", "page_fin": "191", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570613-01.2.3", "titre_corps": "Ueber die deutsche Bezeichnung der musicalischen Vortragsweise in Ueberschriften und zwischen den Notenlinien.", "titre_sommaire": "Ueber die deutsche Bezeichnung der musicalischen Vortragsweise in Ueberschriften und zwischen den Notenlinien.", "signature_source": "Ludwig Bischoff", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "191", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570613-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3115, "texte": "Ueber die deutsche Bezeichnung der musicalischen Vor-\ntragsweise in Ueberschriften und zwischen den\nNotenlinien.\nLudwig Bischoff.\nHerr Dr. Louis Spohr, dem meine vierte Sonate,\nOp. 20, gewidmet ist, schreibt, Kassel, den 16. Februar\n1848, wörtlich: .\n„ Zweierlei hat mir bei der Sonate noch sehr gefallen,\nerstlich, dass ich zum ersten Male auf dem Titel die Jah-\nreszahl angegeben 1 finde, und zweitens* dass die Vor-\ntragsweise in den Ueberschriften und auch hin und wie-\nder zwischen den Notenlinien deutsch gegeben ist, und\nich bedauere nur, dass dies nicht consequent durchge-\nführt ist, da sich immer noch die u.\\ s. w. finden.\nSollten sich dafür nicht eben so einfache Zeichen und eben\nso allgemein verständliche auffinden lassen? Ich glaube, es\nbedürfte nur eines Vorschlags, und er würde gewiss allge-\nmeine Billigung und Aufnahme finden.\"\nMein Vorschlag steht im 29.Bande der „Neuen Zeit-\nschrift lür Musik\" in Nr. 6 vom 18. Juli 1848, Pag. 31,\nund mit Bezug hierauf siehe B. 31, P. 285, Kessner, H.,\n„Auch ein Vorschlag, die Einführung neuer Vortragswei-\nsen betreffend.\"\nDer Altmeister Spohr in seiner echt deutschen Ge-\nfühlsweise sah im Geiste schon fertig, worüber in dem auch\nselbst im Reiche der Harmonie uneinigen Deutsch-\nland wahrscheinlich nie eine Einigung zu Stande kommen\ndürfte.\nNeuwied. Gustav Flügel.\nNachschrift. Wir finden keinen Grund zu dem Wun-\nsche, bei der Musik, welche für alle gebildeten Nationen be-\nstimmt ist und glücklicher Weise eine allen Nationen ge-\nmeinsame Schrift hat, die aus ihrem Stammlande Italien\nzugleich mit ihrer Verbreitung gäng und gebe gewordenen\nitaliänischen, allen Musikern auf der Stelle verständlichen,\ntechnischen Ausdrücke durch deutsche, französische,\nenglische, schwedische, russische, polnische, ungarische u.\ns. w. ersetzt zu sehen. Auch ist es ein längst anerkannter\nGrundsatz, dass man die Sprachreinigung nicht bis aul die\ntechnischen Ausdrücke ausdehnen dürfe, wenn man sich\nnicht der Gefahr aussetzen will, lächerlich zu werden, wie\ndie Bildungen Hammer-Clavier, Hochholz 1 ief-\nrohr (Fagott), Feinstimme (Sopran), Dickstimme (Alt), Hoch-\nstimme (Tenor), Tiefstimme (Bass) u. s. w. u. s. w. bewie-\nsen haben. f)ie Vorschläge au allgemeiner Verdeutschung\nder musicalischen Bezeichnungen von den Herren Flügel\nund Kessner sind uns nicht bekannt; wir werden sie näch-\nstens in sprachlicher und musicalischer Beziehung betrachten.\nEs ist übrigens eine eigene Sache mit der Folgerich-\ntigkeit in solchen Dingen. Während unser geschätzter Freund\ngegen Piano und Forte eifert, schreibt er ganz ruhig Dr.\nLouis Spohr (wie freilich der treffliche Altmeister auch\nselber thut) hin. Und es ist doch wahrlich weit verwerfli-\ncher, die schönen deutschen Namen, in denen eine Bedeu-\ntung und eine eigentümliche Volksanschauung liegt, durch\nnichtssagende ausländische zu verdrängen, als ein paar ita-\nlienische Kunst-Ausdrücke zu gebrauchen! Unsere deut-\nsche Gefühlsweise wird unendlich mehr durch die\nCharles, Henriu. s. w. neben den echt deutschen Spohr,\nKindscher, Voss, Herz u. s. w. verletzt, als durch ein\nlardando oder Scherzo in der Notenschrift."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-06-13-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-06-13_01#c005", "volume": "bmtnabi_1857-06-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "191", "page_fin": "191", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570613-01.2.4", "titre_corps": "Stossseufzer einer ehrlichen Redaction an die andere.", "titre_sommaire": "Stossseufzer einer ehrlichen Redaction an die andere.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "191", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570613-01.1.7", "debut_caractere": 3117, "fin_caractere_exclue": 4387, "texte": "Stossseufzer einer ehrlichen Redaction an die andere.\n„Sie haben gut reden am Rheine, da Sie den meisten\ngrossen Musik-Aufführungen selbst beiwohnen können. Wir\nsind auf unsere Residenz beschränkt und müssen uns für\nNord- und Mittel-Deutschland auf Korrespondenten verlas-\nsen. Freilich wären Berichte über grosse Musik-Aufführun-\ngen sehr wünschenswert!]: aber die Referenten, die fähi-\ngen Referenten, woher die nehmen? Die Einen empfangen\nihre Parole von Weimar, die Anderen sind in ihrem Leben\nnicht über Haydn und Mozart hinaus gekommen, die Drit-\nten bilden sich ein, Schumann sei ein grosser Componist,\nwieder Andere schreiben in einem Stil von dunkler und\nmystischer Farbe oder in einem, philosophischen,\nJargon, vor dem der gesunde Menschenverstand ein Kreua\nschlägt, die Wenigsten wissen eine Sololeistung, na-\nmentlich im Gesänge, zu beurtheilen und preisen Schreier\nals dramatische Künstler, Bühnen-Routiniers als Concert-\nsänger an. Endlich sind die Meisten von ihrem jeweiligen\nKrähwinkel unheilbar eingenommen, weil sie die wirkliche\nWelt eben so wenig, wie die Welt auf den Brettern des\nTheaters und der Concertbühne kennen. Das ist die\nin Musicalibm et Tlieatralibus,und doch gehört es leider\nI\nzu unserer Aufgabe, uns mit dieser herumzu-\n. 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Meyer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "191", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570613-01.1.7", "debut_caractere": 4389, "fin_caractere_exclue": 4667, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\n\nWien. 1. Juni. Das Aprilheft der wiener „Monatscbrift für\nTheater und Musik\" wurde wegen eines Aufsatzes über die Ver-\nwaltung des Hof Operntheaters (Oberstkämmerer-Amt) von der I oli~\ncei-Behörde confiscirt und bis Dato noch nicht frei gegeben."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "192", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570613-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3036, "texte": "Man erzählt Wunderdinge von der neuen Oper, die Verdi für\ndas Fenice-Theater in Venedig componirt hat. „Simone Boccane-\ngra\" heisst dieses neue Ton werk Verdes, das alle seine früheren\nOpern überragen soll. Der zuversichtliche Tito Riccordi hat bereits\ndie Partitur im voraus um 30,000 Fr. angekauft. Ferner gewährt er\ndem Meister eine Tantieme von 30 pCt. von jeder künftigen Be-\nnutzung und überlässt ihm das Eigenthum für Frankreich und\nDeutschland.\nDiö bekannten „Musicalischen Märchen und Phantasieen\" von\nElise Polko sind in dritter Auflage erschienen.\nMichael Hauser ist den neuesten Nachrichten zufolge von\neiner dritten grossen Rundreise, die er zum Abschied durch sämmt-\nliche Colonialstädte Australiens unternommen, wieder in Melbourne\nangelängt, um auch dort sein Scheidelied zu singen und diesen\nWelttheil, wo sein reiches Talent so viel Lohn und Bewunderung\ngefunden, sodann für immer zu verlassen. Der interessante Künstler,\nder äuf seinen weiten Bahnen manche Länder durchzog, wo die Ge-\nsittung noch mit dem rohen Naturzustande ringt, hat nichts desto\nweüiger überall, wo er mit seiner Zauber-Geige erschien, jenen Ein-\ndruck hervorgerufen, der neuerdings dafür spricht, dass die Ton-\nkunst für alle Welten geschaffen ist. Hauser rüstet nun ernstlich\nzur Heimkehr nach Europa und ist vielleicht schon im Begriffe, sei-\nnen Weg über Java, Batavia, Mauritius, Bourbon und dem Cap der\nguten Hoffnung nach England zu nehmen.\nDenkwürdige Worte der Sennora Pepita in Wien. Ab-\nschiedstanz. Beim vierten Hervorruf: „Lieben Damen, schönen\nHerren, schlafen Sie wohl!\" Beim sechsten: ~Ich Sie lieben alle!\"\nBeim neunte»: „Ich wieder kommen.\" Beim zehnten: „Ich\nsein ganz Capval\" (Wiener Theater-Ztg.J\nHerr Redacteur! Ich ersuche Sie, die nachfolgende, dem Redac-\nteur der „Blätter für Musik, Theater und Kunst\", Herrn L. A. Zell-\nner, durch die k. k. Staats-Anwaltschaft zugesandte und in seinem\nheutigen Blatte abgedruckte Erklärung in Ihr geschätztes Blatt ge-\nfälligst aufnehmen zu wollen.\n~Erklärung und Berichtigung.\n„Herr Redacteur! Von einer längeren Kunstreise hier angelangt,\nbekam ich erst dieser Tage die Nummer 7 Ihrer Zeitschrift vom 23.\nJänner 1. J. zu Gesicht, welche ein „ „Eingesendet\" '• enthält, in\ndem ich beschuldigt werde, von Kopenhagen aus die falsche Nach-\nricht von der Verlobung Clara Schumann's mit Gade absichtlich\nund zu dem Zwecke verbreitet zu haben, um der genannten Künst-\nlerin zu schaden.\n~Es wird in dem erwähnten „„Eingesendet\"\" hinzugefügt, dass\nich Briefe von Kopenhagen aus mit dem Namen Sörensen unter-\nzeichnet und zur Beglaubigung mit Karten Gadens versehen, die\nMittheilung von der berührten Verlobung enthaltend, an verschie-\ndene deutsche Redactionen abgeschickt habe.\n„Gegen alle diese Angaben, die vollständig erfunden und unwahr\nsind, lege ich öffentlich Protest ein.\n~Wien, am 18. April 1857.\n~Leopold Edler v. Meyer.\"\nZugleich theile ich Ihnen mit, dass ich die gerichtlichen Schritte\ngegen Herrn Zellner bereits eingeleitet habe.\nWien, 24. April 1857.\n\nLeopold Edler v. Meyer."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "185", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570613-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nAus Frankfurt am Main. 1. Theater. 2. Beethoven's Missa soleranis. Von A. Schindler. Ueber die deutsche\nBezeichnung der musicalischen Vortragsweise in Ueberschriften und zwischen den Notenlinien. Von Gr. Flügel. Nachschrift. Von L. Bi-\nsclioff. Stossseufzer einer ehrlichen Redaction an die andere. Tages- und Unterhaltungsblatt (Wien, Confiscation Neue\nOper von Verdi Michael Hauser).\n\nAus Frankfurt am Main.\n\n1. Theater.\nEin „Theater und Literatur\" iiberschriebener\nAufsatz aus Leipzig, in der Beilage zur Allgem. Zeitung\nvom 5. April d. J., beginnt mit folgendem Satze: „Das\nInteresse an Theater-Prinzen und Theater-Prinzessinnen ist\nin letzter Zeit wieder mächtig in den Vordergrund getre-\nten, und man kann kaum eine Journal-Nummer in die Hand\nnehmen, ohne einem Theater-Referat und namentlich einem\nBerichte über einen jener männlichen und weiblichen Zug-\nvögel der Kunst zu begegnen, welche in Deutschland von\neiner Bühne zur anderen flattern, ihren Part absingen oder\nabspielen und dafür Applaus, Zeitungs-Lob und, was ja\nwohl der Hauptzweck dieser Kunstreisen ist, klingende\nMünzen in reichlichen Quantitäten einstreichen.\"\nAuch uns hat der kaum entfaltete Frühling bereits drei\nsingende Zugvögel von renommirter Gattung zugeführt,\nzuerst das Brüderpaar Form es, wovon besonders der\nBassist durch arges Detoniren ein bleibendes Andenken\nsich bewahrt haben dürfte, der Tenorist aber, ohne irgend\neine Sensation erregt zu haben, zu den Dagewesenen ge-\nzählt wird. Der dritte dieser Zugvögel war Herr Ander\naus Wien, bekanntlich der höchstbezahlte Tenor der mo-\ndernen deutschen Opernwelt. Dieselben Parte, die er auf\nunserer Bühne unter Mühling's, dann wieder unter HofT-\nmann's Direction absang, fand er für gut, jetzt abermals\nabzusingen. Der Unterschied zwischen früher und jetzt liegt\nbloss darin, dass er damals zu den gewöhnlichen Eintritts-\npreisen gesungen und die Directionen ausser dem ihm zu-\ngestandenen Honorar noch ein hübsches Sümmchen ver-\ndient haben. Jetzt ward dem Publicum zugemuthet, für die\nseit lange schon abgenutzten Opern „Martha\", „Huge-\nnotten\" und „Wilhelm Teil\" (erstere sogar ausser Abon-\nnement) höhere Eintrittspreise zu bezahlen. Was Wun-\nder, wenn das kunstsinnige Publicum in dem Maasse aus-\ngeblieben, dass die Intendanz bei 450 Gulden Honorar\nfür den Gast bei beiden erstgenannten Vorstellungen nicht\nauf die Tageskosten gekommen, bei der dritten jedoch ein\nMinimum für die Casse übrig behalten hat! Dieses für die\nIntendanz nicht erfreuliche, für Herrn Ander nahezu un-\nehrenhafte Ergebniss gab Grund zur Einigung zu noch\nzwei Gastrollen zu gewöhnlichen Eintrittspreisen und\nTheilung der Netto-Einnahme zu zwei Hälften. Herr Ander\nsang also noch die Partie des Masaniello und des Stradella,\nbeide bei wohlbesetztem Hause. Nur nach der letzten Vor-\nstellung war der Beifall ein enthusiastischer, würdig eines\nKünstlers von solchem Rufe. Vielmaliges Herausrufen und\nKränze.\nDiese Thatsache im Opern-Bereiche, auf dem die\nGestaltung der Dinge eben die allerkläglichste, weil aller-\ncorrupteste nach jeder Seite hin ist, dürfte für die Inten-\ndanzen und Directionen eine gute Lehre sein, und wir be-\nnutzen sie unsererseits zu nachstehenden Anmerkungen.\nDie Dürftigkeit, ja, Armseligkeit des Opern-Reper-\ntoires im Allgemeinen in Betracht gezogen (die indess kei-\nneswegs so begründet ist, als die Herren Directoren wäh-\nnen oder gar behaupten), lässt sich ein entsprechendes\nMittel dagegen auffinden, sollte es gleichwohl nur momen-\ntan wirksam und sonach den Palliativen anzureihen sein.\nEs handelt sich doch vor Allem um mehr Abwechslung,\nalso um mehr Leben in der Sache. Dies würde zu erzielen\nsein, wenn Directionen und Intendanzen bei Abschliessung\nvon Verträgen mit renommirten Sängern und Sängerinnen\nfür einen Cyklus von Gastrollen die Bedingung voranstell-\nten, wenigstens in einer neuen, in Ermangelung\neiner solchen in zwei seltener gegebenen Opern,\ndie ohne fremde Beihülfe die heimischen Kräfte gut auszu-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "186", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570613-01.1.2", "texte": "führen ausser Stande sind, aufzutreten, gehörte diese Oper\ngleichwohl einer früheren Epoche an. Die bestorganisirte\nOpern-Gesellschaft wird sich in der Lage befinden, diese\nund jene Werke in langen Jahren nicht in Scene bringen\nzu können, weil für das eine die entsprechende Sängerin,\nfür ein anderes wiederum der Tenor oder sonst noch eine\nPersönlichkeit abgeht. Hierbei sollten wir freilich einen be-\nsonderen Rückblick auf unsere Oper thun, wollen es\naber aus guten Gründen unterlassen.\nIn solcher Beziehung hätte auch die kostspielige An-\nwesenheit des wiener Tenors benutzt werden können.\nZ. B. Herr Ander excellirt bekanntlich in Isouard's „Jo-\nconde\" (dieser unverwelklichen Blume in dem älteren\nfranzösischen Opernkranze), die im vorigen Jahre auf dem\nkaiserlichen Opern-Theater nach mehr denn vierzigjähriger\nRuhe wieder zur Aufführung gebracht worden, und zwar\nhauptsächlich, weil die Administration in Herrn Ander die\nzur Darstellung der Titel-Holle erforderlichen Eigenschaf-\nten gefunden zu haben glaubte. Dem war so. Die Oper\nentzückte allgemein, > wie kaum ein Werk der Gegenwart\nes vermag, und bereichert das Repertoire. Wtelcher Ge-\nwinn für ein kunstsinniges, aber seit Jahren in dem be-\nschränktesten Kreise umhergeführtes, darum blasirtes und\nmüde gewordenes Publicum, die Bekanntschaft ähnlicher,\nunvergänglicher Werke zu machen, wie „Joconde\", ver-\nmittelt durch tüchtige Repräsentanten in den Hauptrollen!\nDie Nachwirkung müsste langhin eine angenehme sein,\ngleichzeitig aber auch ein sicheres Mittel zur Anbahnung\neines besseren Geschmacks darin gefunden werden können.\nAllein noch ein volles Dutzend der vortrefflichsten\nOpern jeden Genre's aus früherer Zeit liesse sich namhaft\nmachen, unbekannt aller Orten, aus dem eine und andere\nbei Gelegenheit von Gastspielen ausgezeichneter Talente in\nScene gehen könnte und sollte, geschähe es auch nur\nfür eine odet zwei Vorstellungen.\nEs wird dem herrschenden Schlendrian in keiner\nWeise gesteuert werden, wenn man bequem und duldsam\nin infinitum bei den Gewohnheits-Opern stehen bleibt. Man\nsollte erwarten, jede Direction werde es als Ehrensache be-\ntrachten, so bald als thunlich Hand ans Werk zu legen\nund keine Gelegenheit unbenutzt zu lassen, um aus dieser\nStagnation endlich heraus zu kommen; allein man täuscht\nsich. Man lässt die Dinge eben gehen, wie sie gehen wol-\nlen, nicht, wie sie trotz offenbarem Mangel guter neuer\nOpernwerke dennoch gehen könnten. Kundige Männer sind\nz. B. bei uns an geeigneter Stelle mit wohlmeinendem\nRathe eingeschritten. Auch hat Didaskalia schon vor meh-\nreren Monaten den nicht minder wohlmeinenden und plau-\nsibeln Wunsch ausgesprochen, man möge hier ein- und\nzweiactige Operetten älterer und neuerer Zeit, de-\nren in Menge vorhanden, in Verbindung mit Lust-\nspielen zur Aufführung bringen, die den in der Gesan-\ngeskunst, auch in Darstellung feiner Charaktere meist\nganz ungeschickten Opern-Mitgliedern Gelegenheit zur\nBildung geben, das Publicum aber sicherlich angenehm un-\nterhalten würden. Allein Mantelreden in den Wind ge-\nhalten. Es werden sonach auch diese wohlgemeinten Worte\ndas Schicksal solcher Mantelreden haben. Es ist nicht zu\nverwundern, wenn, ausser den obligaten und obligirten,\nkeine unabhängige Feder mehr sich in Theatersachen\neinlassen will, und geschieht es ja einmal, so meist nur im\nUnmuthe, die Dinge mit wohlverdientem Spotte abfertigend,\nz. B. der Eingangs genannte Aufsatz aus Leipzig.\nEs möge darum dem aufrichtigen Kunstfreunde nicht\nverargt werden, wenn er sich unumwunden dahin erklärt:\ndas auf dem gesammten Theaterwesen, zumeist auf der\nOper schwer lastende Verhängniss wird in seinen Folgen\nnur dann gemildert werden, wenn die Herren Directoren\nund Intendanten von Instituten ersten und zweiten Ranges\nsich bald in bestimmt ausgesprochenen Grundsätzen eini-\ngen, die eine Besserung der Zustände in Bezug auf Kunst\nund ihr Wesen zum Endzweck haben. Will man zu\ndiesem dringend nothwendigen Mittel nicht wenigstens ver-\nsuchsweise schreiten, so wird der Uebermuth im Verken-\nnen des obersten Kunstzweckes, folgerichtig die Ausser-\nachtlassung der Berufspffichten bei dem singenden und re-\ncitirenden Virtuosen-Geschlechte immer crescendo gehen,\ndas Ausbeuten des Publicums wird Haupt-\nzweck, den die Bühnen-Verwalter aufs beste direct und\nindirect befördern helfen. Wie lange noch das Publicum\ndiesem Unwesen, das jetzt bereits der Blüthe sich nähert,\nzusehen wird, ist abzuwarten. Dass aber eine Reaction er-\nfolgen werde, wie sie bei ziemlich ähnlicher Unwirthschaft\nim Concertsaale erfolgt ist, dürfen wir, wenn Analogieen\nnicht trügen, mit Gewissheit erwarten. Was dann, ihr\nHerren Directoren und Intendanten, die ihr für Aussaat\neines besseren Samens zu rechter Zeit nicht besorgt ge-\nwesen ?\n2. Beethoven’s Missa solemnis.\nBereits im Spätjahre von 1855 hat Herr Musik-Di-\nrector Rühl den Muth gefasst, es mit diesem in Folge von\nSchelble's Beurtheilung hierorts perhorrescirten Werke\naufzunehmen, obwohl sein Gesang-Verein sich noch in\nder Periode des Noviziats befand. Sein ihm eigentümlicher"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "187", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570613-01.1.3", "texte": "Eifer, wenn auch nicht immer frei von pedantischem Bei-\ngeschmack, aber auch die Hingebung der Vereins-Mitglieder\nhatten das Werk so gelördert, dnss der ersten Aufführung\nalsbald eine zweite folgen konnte. Zeitweilige Abwesenheit\nvon Frankfurt war Grund, dass ich bei diesen Aufführun-\ngen nicht persönlich Zeuge sein konnte, daher vielleicht in\ndiesem Kunst-Organ nichts darüber verlautet hat. Die da-\nmals in einigen hiesigen Blättern über das Werk selbst\ngelallten Urtheile hätten aber doch Anlass geben sollen,\nwenn auch nur curiosilalis causeinem grossen, musica-\nlisch gebildeten Leserkreise mitgelheilt zu werden, weil\ndamit zugleich klar gezeigt war, welcher Fremdling die\nneuere katholische Kirchenmusik in dieser musikreichen\nStadt bis zu diesem Tage geblieben und wie tief man in\nalten Traditionen andererseits befangen ist.\nNach den in vergangener Winterzeit Statt gefundenen\nAufführungen von Haydn's Jahreszeilen (zwei Mal) und\nSpohr's Oratorium „Der Fall Babylons\" schritt der\nRühl'sche Verein unverweilt zu Vorbereitungen zu einer\ndritten Vorführung der Missa die endlich\ntot discrimina verum—am 28. Mai im Weidenbusch-Saale\n(bei einer Temperatur von 34 bis 36 Grad R. im Räume)\nvor sich gegangen ist. Sowohl der letzten Probe, wie der\nAufführung war ich Zeuge. Ueber das allseitig Geleistete\nwollen sich die folgenden Zeilen so ausführlich, wie es die\nGrösse der gelös'ten Aufgabe mit Recht fordern darf, aus-\nsprechen, und soll das Cuique suum eben so offen als rück-\nhaltlos vertheilt werden.\nWenn ich mir die von der erlebten Auflührun-\ngen in die Erinnerung zurückführe, beginnend mit der aller-\nersten, am 7.. Mai 1824 im Hof-Operntheater zu Wien\nvon Beethoven veranstaltet, muss ich der bei der Inaugu-\nrations-Feier von des Meisters Bildsäule 1845 zu Bonn\nStatt gehabten den ersten Preis zuerkennen. Dieses Re-\nsultat, im eigentlichen Wortsinne ein zu Ehren Bringen\ndes bis dahin gröblich verkannten und verketzerten Wer-\nkes, verdankten die vielen Tausende der Zuhörer nicht dem\nFest-Dirigenten, der ja in der Hauptprobe laut gestand, er\nhabe dieses Werk das bereits volle achtzehn Jahre im\nDruck vorgelegen— eben erst auf der Reise von Karlsbad\nnach Bonn kennen gelernt (also im Postwagen), sondern\nAlle verdankten wir es hauptsächlich den rastlosen Bemü-\nhungen des königlichen Musik-Directors Franz Weber\nin Köln, der wiederholt von Stadt zu Stadt gegangen, um\ndie theilnehmenden Chor-Contingente zu diesem europäi-\nschen Feste vorzubereiten. Seiner Begeisterung für die\nSache verdankten wiederum die Contingente aus allen\nStädten des Niederrheines, dass jedes einzelne Mitglied mit\nvoller Sicherheit über die bevorstehende Aufgabe die Fest-\nhalle betreten konnte. Dieses und der aussergewöhnliche\nMoment, gleichsam vor dem versammelten musicalisch ge-\nbildeten Europa die schwierige Aufgabe zu lösen, sie wa-\nren die Factoren der fast unerhörten Begeisterung, welche\ndie Phalanx von mehr als 400 Stimmen, vom Orchester\nund den Solostimmen bestens unterstützt, kund gegeben hat.\nDas von dem frankfurter Gesang-Vereine am 28. Mai\nGeleistete lässt sich sowohl in Hinsicht auf Ensemble, kunst-\ngemässen Ausdruck und makellose Reinheit der Intonation\n(ein Wunder bei so übermässig hoher Temperatur, folglich\nnoch erhöhterer Orchester-Stimmung), wie nicht minder in\nHinsicht auf allgemeine Begeisterung in künstlerischem\nSinne mit dem 1845 zu Bonn Geleisteten ziemlich in Pa-\nrallele stellen. Wahrhaft freudigen Herzens lege ich dieses\nUrtheil in diesen Blättern nieder. Nur zu selten widerfährt\nes heutzutage dem beinahe ein halbes Jahrhundert rück-\nwärts sehenden Fachmanne, Urtheile solcher Art, wie das\njüngst über Aufführung der neunten Sinfonie durch Capell-\nmeister Gustav Schmidt und nun wieder über die Missa in\nD, niederschreiben zu können.\nIn zweiter Ordnung dürfte bei der sowohl\nAufgabe an sich wie Leistung der Solostimmen zu beur-\ntheilen kommen, und zwar darum, weil nur fertige\nKünstler sich der Aufgabe nähern dürfen, die weit Schwie-\nrigeres zu lösen im Stande sein müssen. Dass dermalen\nnicht vier solcher Meister-Sänger hier existiren, die eben-\nbürtig neben einander wirken könnten, ist leider Thatsache.\nDennoch darf über die Solisten in der Missa, als: Fräul.\nV e i t h, Sopran und Herr B a u m a n n, Tenor —, beide\nvon der Oper, dann Frau Bischoff (die aus Gefälligkeit\ndie Alt-Partie übernommen) und ein Kunstfreund als Bass,\nalles Rühmliche gesagt werden, ja, beide Erstgenannte er-\nreichten im Qui lollis,in der Fuge zum im\ncarnatus, im Sanctus, dessgleichen im Agnus, demnach in\nden meisten Hauptstellen, die Höhe ausgezeichneter Künst-\nlerschaft und wurden von den beiden anderen Solostimmen\nwacker unterstützt. Fräul. Veith insbesondere versteht den\nKirchenmusik-Stil musterhaft zu handhaben. Anbei verräth\nsie in keinem Moment die Opernsängerin. Solche Doppel-\nNatur in einem künstlerischen Individuum gehört unstreitig\nzu den seltenen Erscheinungen in der Sängerwelt.\nAber auch über die Leistung des Theater-Orchesters\nist nur Rühmliches zu verzeichnen, und hätte nicht für den\ni\nerkrankten braven Herrn Zigold ein minder Tüchtiger an\ndie erste Flöte treten müssen, wodurch vornehmlich die"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "188", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570613-01.1.4", "texte": "häkelige Stelle im Et incarnatusempfindlich zu leiden ge-\nhabt, die Gesammtleistung dieses integrirenden Theiles des\nGanzen hätte sich, wie die des Chors, znr vollendeten ge-\nstalten lassen.\nIm Vorstehenden ist das Verdienst des leitenden Prin-\nzips um das Gelingen der Ausführung ausgesprochen,\nund erscheint dieses in Betracht der im Allgemeinen doch\nnur wenig musicalisch gebildeten Kräfte des Vereins kaum\nminder bedeutend, wie das von Franz Weber bei der bon-\nner Feierlichkeit sich erworbene. Ein wesentlich Anderes\naber ist es um die Auffassung und danach um die genom-\nmenen Tempi bei dem frankfurter Dirigenten. Hierbei\nkommt in Frage, ob diese wohl alle im Geiste der Com-\nposition getroffen waren? Als möglich, zugleich als wahr-\nscheinlich darf angenommen werden, dass es selbst dem\neinsichtsvollsten und auch noch routinirtesten Dirigenten\nkaum gelingen werde, unter den 31 verschiedenen Tem-\npi's, darunter nur 4 Reprisen, nicht eine oder mehrere zu\nvergreifen, vielleicht gegen seine bessere Ueberzeugung.\nMan weiss ja, wie Zufall oder momentane Gemülhsstim-\nmung oft auf die Temponahme im entscheidenden Augen-\nblicke einzuwirken vermag.\nBei diesem wichtigen Capitel angekommen, sei es er-\nlaubt, einstweilen nur in einigen Umrissen aufzuzeichnen,\nwas ich im Laufe der vielen Jahre an Beethoven's Seile in\ndieser Beziehung erfahren habe. Bei der Lage der Dinge\nauf rnusicalischem Gebiete wird dies nothwendig, vielleicht\naber auch von strebsamen, nicht eingebildeten oder gar\ndünkelhaften Musikern beachtet werden, indem ich auf\ngleiche Erfahrungen zweier Lebenden aus Beethoven's\nKreise hinweisen kann; diese sind Herr Karl Holz und\nBeethoven's Neffe. Dass unser Grossmeister den vor-\nzüglicheren musicalischen Begebenheiten der Kaiierstadt\nmit Aufmerksamkeit gefolgt ist, wird man wohl begreiflich\nfinden; dass sich diese aber bei seinen Compositionen,\nvornehmlich wenn er sie unter zweifelhaften oder gar\nschlechten Händen wusste, z. B. unter der Leitung des be-\nkannten Barons von Lannoy, um Vieles gesteigert halte,\nwird Jeder aus seinem Kreise bestätigen. Nach jeder Pro-\nduetion eines der hervorragenden Werke war es sein\nWunsch, alsbald über das Ergebniss unterrichtet zu sein.\nDie an uns gestellten Fragen betrafen, wenn es sich um\nein Orchesterwerk gehandelt, in der Regel nur das, was\nihm anbei die Hauptsache gewesen, nämlich die Tempi der\nverschiedenen Sätze; nur zuweilen bekümmerte er sich um\nDetail, das in einzelnen Stimmen vorgegangen. Ganz ent-\ngegengesetzt that er bei Ciavier- und Quartett-Musik. Da\nging er regelmässig ins Detail ein und verlangle auch noch\ndas Tempo dieses oder jenes Mitlelsatzes, einzelner An-\nhänge, das Hervortreten dieser oder jener Miltelstimme (so\naach in der Ciaviermusik) u. dergl. mehr zu erfahren. Für\nuns junge Leute war ein solches Examen stets belehrend,\nweil der Meister in seinem Feuereifer den abwesenden Di-\nrigenten und auch die Spieler zur Stelle corrigirt hat. Von\nseinem Tempo zumal wollte Beethoven in keinem Falle ein\nHaarbreit ablassen, weil er richtiges Maass in der\nBewegung mit der in wohnenden Charakteri-\nstik des Satzes oder dessen einzelnen Bestandteilen aufs\ngenaueste identificirt hat. Auch Seyfried legt über die-\nsen Punkt in dem biographischen Abrisse von S c h u p-\npanzigh in Schilling's Lexikon ein Zeugniss nieder.\nUeberhaupt hiess es die erworbenen Begriffe von der frag-\nlichen Sache tüchtig zusammen nehmen, wollte man bei\nderlei Verhandlungen vor des Meislers Richterstuhle nicht\ngedemüthigt oder verlacht werden; denn die oftmals in sei-\nnem Gemüthe rege gewordenen Emotionen waren nicht\nimmer sanfter Art.\nFragt es sich nun speciel um die die\nder Componist für sein gelungenstes Werk erklärt hat, so\ndarf ich wohl offen gestehen, dass es in der gesammten\nBeethoven-Literatur kein zweites gibt, mit welchem ich\nin Folge von Umständen und Verhältnissen durch den\nSchöpfer selber so bekannt gemacht worden wäre, wie mit\ndiesem. Mehr als neun Monate sass ich ihm zur Seite, hel-\nfend, die lür die Subscribenten copirten Partituren zu cor-\nrigiren und zu collationiren, wobei es tausenderlei zu fra-\ngen und zu beantworten gab. Um ihm stets nahe zu sein,\ntheilte er seine Wohnung mit mir. Nach beendigter Arbeit\nam Schreibtische begannen die Proben und folgte die Auf-\nführung—neue Belehrungen über alle Theile des Werkes,\nselbst über jene, die aus Mangel an Zeit und Raum von\nder Aufführung ausgeschlossen werden mussten, als: Glo-\nria und Sanctus sammt Benedictus; die neunte Sinfonie und\ndie Ouvertüre Op. 124 nahmen die verwandten Kräfte zu\nsehr in Anspruch.\nPrüfen wir somit, wie es Herrn Musik-Director Rühl\nmit den verschiedenen Tempi's, resp. mit Auffassung der\nCharaktere der verschiedenen Hauptsätze und ihrer Theile,\nergangen.\nKyrie(,4ssai sostenulo.Mit Andacht) war in bedeu-\ntendem Grade übereilt, daher seine Charakteristik, die der\nComponist vorstehend anzeigt, nicht zum Ausdruck kom-\nmen konnte. Es war keine Kirchenmusik mehr. Ob hier\nzur Stelle der ganze Tact anstatt des nicht"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "189", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570613-01.1.5", "texte": "zweckentsprechender gewesen wäre, um das Vergreifen zu\nverhindern, dürfte zu untersuchen sein. Das Markiren von\nvier Tacttheilen scheint nicht zu genügen, weil das Alla\nbreve bei der Mehrzahl der Musiker den Begriff einer ra-\nscheren Bewegung in allen Gattungen mit sich führt, als\nder ganze Tact. Darin scheint der Grund des Missverste-\nhens zu liegen. In Kirchenmusik aber wird dieser Begriff\nwesentlich zu modificiren sein. Das\nassai ben marcalo)hat nicht bloss des Rhythmischen we-\ngen den folglich breit, auch wegen des Charak-\nteristischen, wohin das ben marcato zielt. Die Auffassung\naber des Herrn Hühl begnügt sich mit einem leicht dahin\nliiessenden 3/4-Tact und einer Bewegung Andante con moto.\nDer schwere Spondärus, in welchem das Wort\ndeclamirt ist, zeigt in dieser Tactart allein schon den siche-\nren Weg zu richtiger Auffassung,\nGloria. Wenn man den schon ins dritte Jahr an-\ndauernden Kampf um die Tempi verfolgt, den die wiener\n„Monatschrift für Theater und Musik\" mit den dortigen\nCapellmeistern und allen Dirigenten von Kirchenmusik un-\nterhält; wenn man ferner erwägt, was im Laufe der Jahre\nauch in diesen Blättern für Wiedererweckung der richtigen\nBegriffe im Sinne der Classiker geleistet worden, und\ndennoch meist vergeblich: —so muss sich wohl die Ueber-\nzeugung aufdrängen, dass den Herren Dirigenten gegen-\nwärtig, wie überhaupt der Mehrzahl der Musiker, aller und\njeder richtige Begriff der Tempi und ihres zweckmässigen\nGebrauches mangelt, demnach die Bezeichnung Allegro in\njeglicher Kunstgattung mit „Lustig\" übersetzt und das\n•\nbetreffende Musikstück lustig ausgeführt wird. Vorzugs-\nweise sind es die ungeraden Tactarten, über deren richti-\nges Verständniss die Herren stolpern. Gleiches widerfuhr\nHerrn Rühl bei den drei ersten Theilen des Gloria. Wer\ndas Allegro vivace, 74-Tact, sinfonieartig auffasst, muss zu\ndem Resultate gelangen, wie wir es erlebt. Aber wir ha-\nben es mit Kirchenmusik zu thun, und darin soll sich selbst\nder Ausdruck des höchsten Jubels mit einer gewissen Mäs-\nsigung kund geben, soll die Gattung nicht in Tanzmusik\numschlagen. Letzteres war im wirklich der Fall.\nWir dürfen uns gegenseitig offen gestehen, dass die Melo-\ndie dort weder neu noch edel, am wenigsten kirchlich und\nden Worten entsprechend erfunden ist, ja, dass ihr Rhyth-\nmus dem des Walzers ziemlich verwandt ist. Wird das\nAllegro daher nicht in bedeutendem Grade gemäs-\nsigt, so muss die Danksagung nothwendiger Weise in der\nForm eines Walzers zum Ausdruck kommen. Herr Rühl\nprüfe selber.\nVom Qu i tollisbeginnend, waren die Tempi vollkom-\nmen richtig ergriffen. Die Breite in der Fuge sicherte das\nGelingen und ihre ausserordentliche Wirkung. Für die\nFolgen des Tempo „Presto\" bei der Wiederergreifung des\nGloria in excelsisnach der Fuge ist der Componist allein\nverantwortlich. Es sei erlaubt, dieses Presto einen bedauer-\nlichen Missgriff zu nennen, geeignet, dem gewaltigen Ein-\ndruck des ganzen Satzes bedeutend Abbruch zu thun. Ob\nnicht wohl ein Tempo primo dem kirchlichen Charakter\nentsprechender wäre?\nCredo.Alle Tempi, mit Ausnahme des übereilten\nAndante, %, „Et homo factus waren gut. Doch er-\nfordert der Eingang des Satzes,\netwas mehr Breite. Erst bei dessen Reprise, „ Credo in Spi-\nritum sanetum\",war des Componisten Zeitmaass vollkom-\nmen getroffen; freilich dictiren hierbei die vielen Textes-\nworte die entsprechende Bewegung.— Sollte in Frage kom-\nmen, welcher von den fünf Hauptsätzen des Werkes vom\nDirigenten am richtigsten aufgefasst und von der Gesammt-\nmasse am siegreichsten durchgeführt worden, so wird un-\nbestritten das Credo zu nennen sein, somit der Satz, der\ndie grössten Schwierigkeiten zu überwinden gibt, wie in\nder gesammten Literatur der Gesangmusik, in der kirch-\nlichen wie profanen, nichts annähernd aufzufinden sein\ndürfte. Namentlich leistete der aus circa fünfzig schönen\nStimmen bestehende Sopran-Chor in diesem Satze das\nNon plus ultra.\nSanctus (Adagio,mit Andacht) war richtig getroffen.\nDas folgende Pleni sunt coeli trägt die ganz ungewöhnliche\nBezeichnung Allegro pesante, mithin schwerfällig, auch\nbedächtig, wohl überlegt eine wohl zu beachtende\nBezeichnung, zumal diesen Theil die Solostimmen auszu-\nführen und mit einer Massen-Begleitung des Orchesters zu\nkämpfen haben. Unser Dirigent schien das mit\nsynonym zu halten, danach war sein Tempo. Bei dem sich\nanschliessenden „ Osannau, Presto, gleichfalls von Solostim-\nmen auszuführen, mit den häufigen, von allen Instrumenten\nzu gebenden scharfen Accenten, (mit denen der Com-\nponist im ganzen Werke so verschwenderisch umgeht, wie\nin keinem anderen), wirbelte der Staub auf.\nBenedictus. Nach dem viel- und mannigfach bespro-\nchenen und erörterten Conflicle des Unterzeichneten mit\nCapellmeister Dorn 1844 auf dem Gürzenich zu Köln\näusserte der musikkundige Prof. H—h aus Bonn: \" „Das\nBenedictus ist für immer gerettet.\" Dass der trefllicheMann\nsich getäuscht, möge er hiermit erfahren. Auch der glück-\nliche Auffinder der authentischen Tempo-Bezeichnung"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "190", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570613-01.1.6", "texte": "des Benedictus,Herr Prof. 0. Ja h 11, möge erfahren, dass\ndem frankfurter Dirigenten deren Veröffentlichung in Nr.\n15 der Niederrheinischen Musik-Zeitung von 1853 bis-\nlang noch unbekannt geblieben. Wir hatten somit das Ver-\ngnügen, diesen in der Conception ganz eigenthümlichen\nSatz mit dem dem Präludium angehörenden Sostenuto in\ndemselben Largo dahinscbleppen hören zu müssen, wie ein-\nstens zu Köln. Wir beklagenswerthen musicalischen\nSchriftsteller! Gleicht unser Wirken nicht der Danaiden-\nBeschäftigung in der Fabel, mit dem Unterschiede, dass es\nWirklichkeit ist, was wir erleben? Wir bemühen uns, un-\nsere Erfahrungen und unser mühsam erworbenes Wissen\nzum Besten der Kunst im Allgemeinen, mithin auch ihrer\nJünger, mitzutheilen, und wie wenig des Gebotenen findet\nbei letzteren einen dankbaren Boden! Die alte Klage, dass\ndie Musiker nichts lesen, bleibt immer neu; höchstens grei-\nfen sie nach Localblättern, die mit ihnen in geselligem Ver-\nkehr stehen und ihnen von Tag zu Tag forthelfen. Die ein-\nzelnen Ausnahmen verschwinden in der grossen Mehrzahl\nder Gleichgültigen. Erfahre denn auch Herr Rühl auf die-\nsem eben nicht besonders geeigneten Wege, dass das\nTempo des Benedictus in der Partitur vergessen worden,\nund lautet: n Andante, molto cantabile,\nalso ein bewegtes Andante, doch nicht zu viel.\nIch erlaube mir es hier vermittels des M. Metronoms (pa-\nriser Fabrical) zu fixiren: 76\nSolite der breite\n12/3-Tact geniren, so substituire man den 2/a-Tact, markire\ndie vier Achtel, und die Bewegung wird dem lieblichen\nCharakter des Satzes entsprechen, die Singstimmen wer-\nden sich leicht und gefällig ergehen, wie sie sollen, die\nSolo-.Violine wird einem freundlichen Genius gleich über\ndem Ganzen schweben und die Stimmen umfassen, über\nAlles noch: der schwerfällig hinkende, äusserst störende\nRhythmus des Trochäus in allen Singstimmen und auch in\nden Blas-Instrumenten, weil zu sehr gedehnt, wird sich in\neinen leicht und anmuthig dahin fliessenden verwandeln,\nAlles wird schön gebunden zu Gehör kommen wie\nder Componist es intentionirt.\nAgnus (Adagio)war bestens erfasst, die folgenden\nTempi aber im Dona sollten alle wesentlich moderirt und\ndem Kirchenslile anzupassen sein. Wahr ist es, dass der\nComponist mit der Bezeichnung die\nAuffassung des Dona erschwert hat; auch ist nicht zu\nläugnen, dass er sich in diesem Satze vom kirchlichen\nStandpunkte am weitesten entfernt hat, daher dieser Satz\nwohl immerhin Stoff zu Controversen darbieten wird. Dem\nmit dem besseren Geiste katholischer Kirchenmusik vertrau-\nten Dirigenten wird es also in diesen Schluss-Abtheilungen\ndes Werkes, wie im Gratias und in anderen Theilen noch,\nüberlassen bleiben, das rechte Auskunftsmittel aufzusuchen,\ndas unschwer in der Mässigung zu finden sein wird.\nSämmtliche im Werke vorkommende rasche Tempi, im\nSinne profaner Musik oder gar im modern üblichen Ver-\nstände ausgeführt, müssen dasselbe vollständig zu einem\nprofanen stempeln.\n— ! t •\ni* * •\nMöge der wackere Herr Rühl in Vorstehendem zu-\nnächst den Beweis meiner Theilnahme an den Fortschritten\nseines Vereins, aber auch der erhöhten Achtung für sein\nWirken erkennen. Seinen Bemühungen verdankt der Ver-\nein nach vierjährigem Bestehen schon, dass er mit dem be-\nsten der niederrheinischen Gesang-Vereine ebenbürtig in die\nSchranken treten kann. Das will bekanntlich viel heissen.\nDiese, wenngleich nur flüchtig vorgenommene Prüfung\ndes hierorts Geleisteten geschieht nicht etwa zur Belehrung\neines Einzelnen, sondern im Interesse aller Dirigenten und\nBeurtheiler der Missa.ln Beziehung auf letztere darf noch\nangeführt werden, dass da und dort, wo man sich in die tra-\nditionelle Anschauung fest eingelebt hat, Bach'sche Musik\nfür den einzig wahren Ausdruck kirchlicher Tonkunst zu\nhalten, wo man noch nicht zur Ueberzeugung gekommen,\ndass mit dem Wachsen der Aufklärung im Allgemeinen\nauch die protestantische Musik an ausschliesslicher Geltung\nverloren; wo man ferner mit Hartnäckigkeit den unendlich\nreichen Beitrag verkennt, den die katholische Musik insge-\nsammt der geistigen Entwicklung unserer Zeit gebracht,—\nauch das gigantische Werk Becthoven's meist nur schiefen\nBeurtheilungen begegnen wird.\nSchliesslich will der Unterzeichnete den Wunsch nicht\nunausgesprochen lassen, es möge Herrn Musik-Director\nRühl gefallen, in kommender Musik-Saison eines oder zwei\nWerke aus unseren Tagen zu Gehör zu bringen, de-\nren verschiedene zur Wahl sich durch sich selbst empfeh-\nlen, z. B. Ferd. Hill er' s „Ver sacrumßeinthaler's\nOratorium „Jephta\", in vielen Städten bereits mit gleich\ngrossem Beifall aufgenommen, dann Hager's Oratorium\n„Johannes\", das in Wien eine Aufführung mit grossen\nKräften erlebt, vom Publicum mit allgemeinem Beifall be-\ngrüsst und von der Kritik (in der Monatschrift für Theater\nund Musik, auch von Dr. Hanslik in der Wiener Zeitung)\ngünstig beurtheilt worden.\n\nA. Schindler."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "191", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570613-01.1.7", "texte": "Ueber die deutsche Bezeichnung der musicalischen Vor-\ntragsweise in Ueberschriften und zwischen den\nNotenlinien.\nLudwig Bischoff.\nHerr Dr. Louis Spohr, dem meine vierte Sonate,\nOp. 20, gewidmet ist, schreibt, Kassel, den 16. Februar\n1848, wörtlich: .\n„ Zweierlei hat mir bei der Sonate noch sehr gefallen,\nerstlich, dass ich zum ersten Male auf dem Titel die Jah-\nreszahl angegeben 1 finde, und zweitens* dass die Vor-\ntragsweise in den Ueberschriften und auch hin und wie-\nder zwischen den Notenlinien deutsch gegeben ist, und\nich bedauere nur, dass dies nicht consequent durchge-\nführt ist, da sich immer noch die u.\\ s. w. finden.\nSollten sich dafür nicht eben so einfache Zeichen und eben\nso allgemein verständliche auffinden lassen? Ich glaube, es\nbedürfte nur eines Vorschlags, und er würde gewiss allge-\nmeine Billigung und Aufnahme finden.\"\nMein Vorschlag steht im 29.Bande der „Neuen Zeit-\nschrift lür Musik\" in Nr. 6 vom 18. Juli 1848, Pag. 31,\nund mit Bezug hierauf siehe B. 31, P. 285, Kessner, H.,\n„Auch ein Vorschlag, die Einführung neuer Vortragswei-\nsen betreffend.\"\nDer Altmeister Spohr in seiner echt deutschen Ge-\nfühlsweise sah im Geiste schon fertig, worüber in dem auch\nselbst im Reiche der Harmonie uneinigen Deutsch-\nland wahrscheinlich nie eine Einigung zu Stande kommen\ndürfte.\nNeuwied. Gustav Flügel.\nNachschrift. Wir finden keinen Grund zu dem Wun-\nsche, bei der Musik, welche für alle gebildeten Nationen be-\nstimmt ist und glücklicher Weise eine allen Nationen ge-\nmeinsame Schrift hat, die aus ihrem Stammlande Italien\nzugleich mit ihrer Verbreitung gäng und gebe gewordenen\nitaliänischen, allen Musikern auf der Stelle verständlichen,\ntechnischen Ausdrücke durch deutsche, französische,\nenglische, schwedische, russische, polnische, ungarische u.\ns. w. ersetzt zu sehen. Auch ist es ein längst anerkannter\nGrundsatz, dass man die Sprachreinigung nicht bis aul die\ntechnischen Ausdrücke ausdehnen dürfe, wenn man sich\nnicht der Gefahr aussetzen will, lächerlich zu werden, wie\ndie Bildungen Hammer-Clavier, Hochholz 1 ief-\nrohr (Fagott), Feinstimme (Sopran), Dickstimme (Alt), Hoch-\nstimme (Tenor), Tiefstimme (Bass) u. s. w. u. s. w. bewie-\nsen haben. f)ie Vorschläge au allgemeiner Verdeutschung\nder musicalischen Bezeichnungen von den Herren Flügel\nund Kessner sind uns nicht bekannt; wir werden sie näch-\nstens in sprachlicher und musicalischer Beziehung betrachten.\nEs ist übrigens eine eigene Sache mit der Folgerich-\ntigkeit in solchen Dingen. Während unser geschätzter Freund\ngegen Piano und Forte eifert, schreibt er ganz ruhig Dr.\nLouis Spohr (wie freilich der treffliche Altmeister auch\nselber thut) hin. Und es ist doch wahrlich weit verwerfli-\ncher, die schönen deutschen Namen, in denen eine Bedeu-\ntung und eine eigentümliche Volksanschauung liegt, durch\nnichtssagende ausländische zu verdrängen, als ein paar ita-\nlienische Kunst-Ausdrücke zu gebrauchen! Unsere deut-\nsche Gefühlsweise wird unendlich mehr durch die\nCharles, Henriu. s. w. neben den echt deutschen Spohr,\nKindscher, Voss, Herz u. s. w. verletzt, als durch ein\nlardando oder Scherzo in der Notenschrift.\n\nStossseufzer einer ehrlichen Redaction an die andere.\n„Sie haben gut reden am Rheine, da Sie den meisten\ngrossen Musik-Aufführungen selbst beiwohnen können. Wir\nsind auf unsere Residenz beschränkt und müssen uns für\nNord- und Mittel-Deutschland auf Korrespondenten verlas-\nsen. Freilich wären Berichte über grosse Musik-Aufführun-\ngen sehr wünschenswert!]: aber die Referenten, die fähi-\ngen Referenten, woher die nehmen? Die Einen empfangen\nihre Parole von Weimar, die Anderen sind in ihrem Leben\nnicht über Haydn und Mozart hinaus gekommen, die Drit-\nten bilden sich ein, Schumann sei ein grosser Componist,\nwieder Andere schreiben in einem Stil von dunkler und\nmystischer Farbe oder in einem, philosophischen,\nJargon, vor dem der gesunde Menschenverstand ein Kreua\nschlägt, die Wenigsten wissen eine Sololeistung, na-\nmentlich im Gesänge, zu beurtheilen und preisen Schreier\nals dramatische Künstler, Bühnen-Routiniers als Concert-\nsänger an. Endlich sind die Meisten von ihrem jeweiligen\nKrähwinkel unheilbar eingenommen, weil sie die wirkliche\nWelt eben so wenig, wie die Welt auf den Brettern des\nTheaters und der Concertbühne kennen. Das ist die\nin Musicalibm et Tlieatralibus,und doch gehört es leider\nI\nzu unserer Aufgabe, uns mit dieser herumzu-\n. I\nschlagen.\"\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\n\nWien. 1. Juni. Das Aprilheft der wiener „Monatscbrift für\nTheater und Musik\" wurde wegen eines Aufsatzes über die Ver-\nwaltung des Hof Operntheaters (Oberstkämmerer-Amt) von der I oli~\ncei-Behörde confiscirt und bis Dato noch nicht frei gegeben."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "192", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570613-01.1.8", "texte": "Man erzählt Wunderdinge von der neuen Oper, die Verdi für\ndas Fenice-Theater in Venedig componirt hat. „Simone Boccane-\ngra\" heisst dieses neue Ton werk Verdes, das alle seine früheren\nOpern überragen soll. Der zuversichtliche Tito Riccordi hat bereits\ndie Partitur im voraus um 30,000 Fr. angekauft. Ferner gewährt er\ndem Meister eine Tantieme von 30 pCt. von jeder künftigen Be-\nnutzung und überlässt ihm das Eigenthum für Frankreich und\nDeutschland.\nDiö bekannten „Musicalischen Märchen und Phantasieen\" von\nElise Polko sind in dritter Auflage erschienen.\nMichael Hauser ist den neuesten Nachrichten zufolge von\neiner dritten grossen Rundreise, die er zum Abschied durch sämmt-\nliche Colonialstädte Australiens unternommen, wieder in Melbourne\nangelängt, um auch dort sein Scheidelied zu singen und diesen\nWelttheil, wo sein reiches Talent so viel Lohn und Bewunderung\ngefunden, sodann für immer zu verlassen. Der interessante Künstler,\nder äuf seinen weiten Bahnen manche Länder durchzog, wo die Ge-\nsittung noch mit dem rohen Naturzustande ringt, hat nichts desto\nweüiger überall, wo er mit seiner Zauber-Geige erschien, jenen Ein-\ndruck hervorgerufen, der neuerdings dafür spricht, dass die Ton-\nkunst für alle Welten geschaffen ist. Hauser rüstet nun ernstlich\nzur Heimkehr nach Europa und ist vielleicht schon im Begriffe, sei-\nnen Weg über Java, Batavia, Mauritius, Bourbon und dem Cap der\nguten Hoffnung nach England zu nehmen.\nDenkwürdige Worte der Sennora Pepita in Wien. Ab-\nschiedstanz. Beim vierten Hervorruf: „Lieben Damen, schönen\nHerren, schlafen Sie wohl!\" Beim sechsten: ~Ich Sie lieben alle!\"\nBeim neunte»: „Ich wieder kommen.\" Beim zehnten: „Ich\nsein ganz Capval\" (Wiener Theater-Ztg.J\nHerr Redacteur! Ich ersuche Sie, die nachfolgende, dem Redac-\nteur der „Blätter für Musik, Theater und Kunst\", Herrn L. A. Zell-\nner, durch die k. k. Staats-Anwaltschaft zugesandte und in seinem\nheutigen Blatte abgedruckte Erklärung in Ihr geschätztes Blatt ge-\nfälligst aufnehmen zu wollen.\n~Erklärung und Berichtigung.\n„Herr Redacteur! Von einer längeren Kunstreise hier angelangt,\nbekam ich erst dieser Tage die Nummer 7 Ihrer Zeitschrift vom 23.\nJänner 1. J. zu Gesicht, welche ein „ „Eingesendet\" '• enthält, in\ndem ich beschuldigt werde, von Kopenhagen aus die falsche Nach-\nricht von der Verlobung Clara Schumann's mit Gade absichtlich\nund zu dem Zwecke verbreitet zu haben, um der genannten Künst-\nlerin zu schaden.\n~Es wird in dem erwähnten „„Eingesendet\"\" hinzugefügt, dass\nich Briefe von Kopenhagen aus mit dem Namen Sörensen unter-\nzeichnet und zur Beglaubigung mit Karten Gadens versehen, die\nMittheilung von der berührten Verlobung enthaltend, an verschie-\ndene deutsche Redactionen abgeschickt habe.\n„Gegen alle diese Angaben, die vollständig erfunden und unwahr\nsind, lege ich öffentlich Protest ein.\n~Wien, am 18. April 1857.\n~Leopold Edler v. Meyer.\"\nZugleich theile ich Ihnen mit, dass ich die gerichtlichen Schritte\ngegen Herrn Zellner bereits eingeleitet habe.\nWien, 24. April 1857.\n\nLeopold Edler v. Meyer."}]}