{"numero_id": "bm-bmtnabi-1857-07-04-01", "volume": "bmtnabi_1857-07-04_01", "ocr_sha256": "51de293e30925018097490ecb3ef48c0144897601e5efedab59768905d83c01b", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1857/07/04_01/bmtnabi_1857-07-04_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570704-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1857-07-04-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-07-04_01#c001", "volume": "bmtnabi_1857-07-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "209", "page_fin": "209", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570704-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "209", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570704-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 336, "texte": "Inhalt.\nDie dritte Fahrt des kölner Männergesang-Vereins nach London. Das fünfunddreissigste niederrheinische Musikfest. 111.\n(Künstler-Concert). Richard Hammer (Biographie). Von d. Tages- und Unterhaltungsblatt (Berlin Weimar Der\nbraunschweiger Männergesang-Verein Karlsruhe Roger Wien Das Portrait Mozart's von Tischbein Pesth Paris)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-07-04-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-07-04_01#c002", "volume": "bmtnabi_1857-07-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "209", "page_fin": "212", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570704-01.2.2", "titre_corps": "Die dritte Fahrt des kölner Männergesang-Vereins nach London.", "titre_sommaire": "Die dritte Fahrt des kölner Männergesang-Vereins nach London.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "209", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570704-01.1.1", "debut_caractere": 338, "fin_caractere_exclue": 3905, "texte": "Die dritte Fahrt des kölner Männergesang-Vereins\nnach London.\nAm 23. Mai führte ein langer Eisenbahn-Zug zum\ndritten Male eine Schar von 86 Mitgliedern des kölner\nMännergesang-Vereins von Köln über Aachen, Gent und\nLille nach Calais, von da über den Canal nach England,\neingefasst vom stolzen Meere,\ndess Felsgestade jeden Wellensturm\ndes neidischen Neptunus wirft zurück.\nEs ist gewiss in der Geschichte der Musik und der Kunst-\nreisen eine beispiellose Erscheinung, dass ein Dilettanten-\nVerein das durchführen konnte, was selbst den berühm-\ntesten Virtuosen in den Perioden ihrer grössten Blüthe\nnicht gelungen ist. Wir meinen die ununterbrochene Reihe\nvon dreizehn öffentlichen Concerten binnen zwölf Ta-\ngen hinter einander, bei welchen die Säle jedes Mal von\nZuhörern gefüllt waren, und meinen ferner die Thatsache,\ndass trotz der ungeheuren Kosten der Reise von 90 Per-\nsonen hin und zurück und des vierzehntägigen Aufenthalts in\nLondon (1000 Thlr. jeder Tag!) dennoch ein bedeutender\nUeberschuss von der Einnahme erzielt worden ist. Dass\ndies nur in London, wo nichts unmöglich ist, möglich sei,\nist richtig; allein auch dort ist es noch nie da gewesen\nund ist um so mehr zu verwundern, da die Neugierde, wie\nes hier der Fall war, schon durch zweimaliges Auftreten\ndesselben Vereins (in den Jahren 1853 und 1854) voll-\nständig befriedigt war.\nDie hauptsächlichste Ursache dieser unerhörten Theil-\nnahme des londoner Publicums aus den ersten Classen der\nGesellschaft finden wir in den eigenthümlichen musicali-\nschen Zuständen von England, über die wir uns auch schon\nfrüher in diesen Blättern ausgesprochen haben. England,\nnamentlich London, ist in vieler Hinsicht mit dem alten\nRom zu vergleichen. Die Macht, die über den halben Erd-\nkreis wo nicht gebietet, doch wenigstens von ihm geachtet\noder gefürchtet wird, der Reichthum, den der Welthandel,\nI\nwelchen diese Macht beschützt, aufgehäuft hat, haben un-\ngefähr dieselben Resultate für das Kunstleben in London\nerzeugt, wie einst in Rom. Die Kunstschätze aller Länder\nwerden dahin zusammengeschleppt, aber der schöpferische\nGeist der Künstler kann nicht importirt werden. So wird\ndenn auch im Gebiete der Tonkunst alles Ausgezeichnete,\nalles in Europa Namhafte und Berühmte von Componisten\nund Virtuosen wenigstens zeitweise nach London gezogen;\nja, die meist reiche Aernte an Beifall und Geld hat auch\nein Zusammenströmen der Tonkünstler aus freiem Willen\ndorthin schon seit Jahren veranlasst.\nDie Folge davon .ist für den musicalischen Kunstge-\nschmack in England bedeutend gewesen, und zwar merk-\nwürdiger Weise in doppelter, einander entgegengesetzter\nWeise. Die Anwesenheit und Wirksamkeit von Händel,\nHaydn, Mendelssohn hat aus dem Ernste, der im Charakter\nder Briten liegt, den Sinn für die edelsten Gattungen der\nInstrumental- und Vocal-Musik, für die Sinfonie und das\nOratorium, entwickelt. Die protestantische Orthodoxie hat\nzur Verbreitung des Geschmacks an Oratorien dann auch\ndas Ihrige heigetragen, und so sehen wir denn in England\nsehr häufige Aufführungen von geistlicher Musik der ge-\nnannten Gattung und bei jeder einen Zudrang und eine\nTheilnahme der Zuhörerschaft, die man in solchem Grade\nin keinem anderen Lande findet, selbst nicht in Deutsch-\nland, dem eigentlichen Vaterlande der protestantischen\nKirchenmusik, geschweige denn in Frankreich, wo gar kein\nSinn dafür vorbanden ist und wo selbst talentvolle Com-\nponisten, wenn sie ja einmal den Gedanken zu einer geist-\nlichen Musik fassen, die sich nicht in den Formen des ka-\ntholischen Cultus bewegt, auf die sonderbarsten Abwege"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "210", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570704-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5132, "texte": "gerathen, wie z. B, neuerlich Berlioz in seiner Trilogie\n„Die Kindheit Christi\". Der Geschmack nach dieser Rich-\ntung hin ist denn auch in der That bei dem englischen\nPublicum sehr ausgebildet, und von allen Versuchen ein-\nheimischer Componisten überhaupt gelingen immer noch\ndiejenigen am besten, welche in dieser Gattung die gros-\nsen deutschen Muster nachahmen.\nDage gen hat die deutsche Oper in England nicht\nWurzel fassen können, weder mit deutschem noch mit eng-\nlischem Texte. Selbst die Anwesenheit C. M. von Weber's\nin London hat keinen dauernden Einfluss gehabt; sein\nOberon ist von der Bühne verschwunden, und was vom\nFreischütz noch lebt, zeigt sich in trauriger Gestalt nur\nauf untergeordneten Bühnen und von ephemeren Opern-\nGesellschaften der Wolfsschlucht wegen dann und wann\nwieder hervorgeholt. Eben so wenig hat Marsebner, dessen\nVampyr zu seiner Zeit über sechszig Vorstellungen erlebte,\nauf die Dauer Boden fassen können. Mozart's Don Juan,\nBeethovens Fidelio werden zwar heute noch wenigstens\nalljährlich Ein Mal gegeben, aber von den Italiänern und\nso, dass ihnen alle Hoheit abgestreift wird.\nSo ist es denn nur die italiänische Oper, die in Eng-\nland schon seit einem vollen Jahrhundert vorherrscht und\ndie sonderbare Erscheinung darbietet, dass ein Publicum,\nwelches nicht nur mit Aufmerksamkeit, sondern mit An-\ndacht die Oratorien anhört, die Aufführungen des Messias\nwie einen Gottesdienst ansieht, nicht zufrieden ist, wenn\nes in dem Textbuche am Rande nicht jede Bibelstelle ge-\nnau angegeben findet, das Hallelujah stets stehend in Ehr-\nerbietung und Begeisterung anhört, dass dasselbe Publi-\ncum trotz der fabelhaft hohen Eintrittspreise zwei Häuser\nder italiänischen Oper während lünf bis sechs Monate jähr-\nlich füllt und durch das ewige Einerlei der Musik und\nselbst der Künstler, die Jahrzehende lang auf Einer und\nderselben Bühne dieselben Rollen absingen, ungestört in\ndiesem Genüsse schwelgt!\nDieser verkehrte Kunstgeschmack ist nun eben durch\ndas Zusammenströmen der künstlerischen Berühmtheiten\nund deren Virtuosen-Leistungen entstanden und wird da-\ndurch erhalten und genährt. Die Theilnahme am dramati-\nschen Inhalt der Oper ist in dem Vaterlande Shakespeare's\nnicht vorhanden; neun Zehntel des Publicums verstehen\nkein Wort von dem, was gesungen wird. Die Zuhörer ha-\nben zwar grosse und kleine Textbücher in Händen, in de-\nnen die englische Uebersetzung dem Originale zur Seite\nsteht, ja, in den grossen sind auch die Thema's der ein-\nzelnen Nummern, oft halbe Arien in Noten mit Ciavier-\nBegleitung abgedruckt; trotz alledem verlieren die Nach-\nleser und Nachleserinnen sehr bald den Faden, und es ist\nspasshaft, das Umherirren der schönen Augen der vorneh-\nmen Damen in den Büchern zu beobachten, bis sie plötz-\nlich auf einer Seite verweilen, deren Inhalt nicht im Ge-\nringsten zu dem passt, was auf der Bühne gesungen wird.\nAllein was thut's? Man hört doch die Grisi, Piccolomini,\nSpezzia, den Mario, Gardoni, Guglielmi u. s. w. singen und\ntrillern, schreien und rasen, man nimmt die beliebtesten\nBruchstücke der Musik Schwarz auf Weiss mit nach Hause,\nund mit Hülfe eines gefälligen Gesanglehrers lernt man sie\nauswendig und ist im Stande, in Gesellschaft seine Bewun-\nderung über diese oder jene Kunst-Notabilität auszuspre-\nchen und sein Urtheil durch Summen und Trailern eines\nStückchens Melodie zu kräftigen. Diese Veritaliänerung hat\nso weit um sich gegriffen, dass man in London keinen\nLeierkasten hört, der ein englisches Lied oder ein Stück\naus einer classischen Oper oder eine Ouvertüre u. dgl.\nspielt; alle mit einander orgeln von Morgen bis Abend\nitaliänische Arien ab.\nNun denke man sich, dass vor einem Publicum, das\nmit solchen Süssigkeiten überfüttert wird, das Natur und\nWahrheit der Kunst über die raffinirteste Künstelei fast ver-\ngessen hat, das in jeder Hinsicht durch Concert-Musik über-\nreizt ist, dass vor einem solchen Publicum auf einmal die\nKlänge eines einfachen Liedes ertönen, gesungen von acht-\nzig frischen, wohllautenden Stimmen mit dem Ausdrucke\nwahrer Empfindung, natürlichen Gelühls —: da erwacht\nin den Hörern der doch nicht ganz untergegangene Sinn\nfür den Volksgesang, der ja auch auf dem Inselland schöne\nBlüthen in den schottischen, irischen und englischen Glees\nund Songs getrieben hat; da regt sich, ihnen selbst unbe-\nwusst, eine verwandte Gelühlsweise in ihrem Innern, die\ngermanische Natur siegt, und das deutsche Lied, das ernste\nwie das fröhliche, dringt unwiderstehlich in Herz und Sinn\nund erobert den Boden wieder, den fremdländisches Ge-\nwächs überwuchert hat.\nDaher die Thatsache eines drei Mal wiederholten bei-\nspiellosen Erfolges; er liegt hauptsächlich in der Kraft der\nGegenwirkung, er ist das Resultat einer Reaction, die man\ndurchaus nicht überschätzt, wenn man von ihr einen nach-\nhaltigen Einüuss auf einen Theil der musicalischen Zu-\nstände in London erwartet, nämlich auf denjenigen, wel-\ncher den Gesang betrifft. Schon haben sich in Folge der\nConcerte der kölner Sänger In London Gesang-Vereine von\nDilettanten gebildet, nicht bloss Liedertafeln, sondern voll-\nständige Chor-Vereine von Damen und Herren, unter denen"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "211", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570704-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5072, "texte": "die beiden unter der Leitung von Benedikt und Leslie\ndie bedeutendsten sind, welche den Sinn für die wahre Mu-\nsik wieder wecken und nähren, indem sie sich zunächst in\nsehr richtig berechneter Weise an die englischen National-\nlieder und die Gesänge von Henry Bishop und Anderen\nanschliessen und von diesen dann auf die Werke der deut-\nschen Meister übergehen.\nDer erstgenannte dieser Vereine zählt unter dem Pro-\ntectorate des auch bei uns von Berlin und Wien her be-\nkannten Musikfreundes Grafen von Westmoreland 300\nMitglieder, und Julius Benedikt, der Dirigent desselben,\nsprach es in der Rede, mit welcher er den von dieser Vo-\ncal Association eingeladenen kölner Verein in Hanover\nSquare Rooms, dem Locale derselben, empfing, öffentlich\naus, wie folgenreich das Auftreten der deutsehen Sänger\nfür London gewesen sei und sein werde. Er sagte unter\nAnderem: „Ihre wiederholte Anwesenheit in England hat\neinen Einfluss auf die hiesige Gesangmusik gehabt, den Sie\nselbst nicht ahnen konnten. Auch dieser Verein, in dessen\nNamen ich Sie heute begrüsse, verdankt seine Entstehung\nder Anregung, welche Ihre Concerte gegeben haben\" u.\ns. w. Die Chorgesänge von H. Bishop, J. Benedikt,\nBortnianski, Abt, Mendelssohn machten einen sehr erfreu-\nlichen Eindruck; in den meisten war der Vortrag schon\nrecht genau und hübsch abgerundet, und namentlich die\nFrauenstimmen hatten einen frischen und lieblichen Klang.\nSolchen Thatsachen, wie dem gegenwärtig wieder er-\nneuten Enthusiasmus und der bereits ins Leben getretenen\nNachwirkung des früheren gegenüber, muss man die Con-\ncerte des kölner Männergesang-Vereins in London als ein\nEreigniss betrachten, das für ihn selbst höchst ehrenvoll\nund für die Ausbreitung des künstlerisch gebildeten Chor-\ngesanges von nicht geringer Bedeutung ist. Alle Mitwir-\nkenden, der Vorstand, der Dirigent, sämmtliche Mitglieder\nverdienen desshalb den Dank und die Anerkennung der\nKunstfreunde; denn der errungene Erfolg ist wahrlich bei\njeder Fahrt nur mit grossen Opfern, Anstrengungen und\nMühen erkauft worden. Dafür ist es aber auch ein erhe-\nbendes Gefühl, von erhöhter Stelle herab zwölftausend\nMenschen, wie am 6. Juni im Krystall-Palaste zu Sy-\ndenham, vor sich zu überschauen und diese mit den bun-\ntesten Farben der Mode geschmückte Volks-Versammlung\naus den gebildeten Classen der Residenz der Königin der\nMeere durch den Gesang eines einfachen deutschen Volks-\nliedes, wie „Die drei Röslein\", so zu ergreifen, dass ihre\nBegeisterung nach athemloser Stille wie ein Gewittersturm\nlosbricht. Solche Momente sind selten, und die grösste\nVirtuosität des Einzelnen wird nie etwas Aehnliches er-\nzeugen.\nDiese Erfahrung—-und sie hat sich in jeder Stadt und\nin jedem Concertsaale bei der dreimaligen Anwesenheit in\nEngland wiederholt und zeigt sich auch auf allen Sänger-\nfesten in Deutschland— lehrt uns denn auch, dass die wahre\n. /■ '\nAufgabe des vierstimmigen Männergesanges nicht in der\nAufführung ausgedehnter und kunstreicher Chöre mit con-\ntrapunklischer Arbeit besteht, sondern in dem ursprünglich\nnatürlichen, durch technische Vollendung aber künstlerisch\nverschönerten Vortrage des einfachen Liedes. Das Quartett\nvon Männerstimmen ist vorzugsweise lyrisch; sein Ur-\nsprung ist das deutsche Volkslied, und diesen sollte es nie\nverläugnen. Damit ist das Geschrei über die Wahl\nStücke, welches eben aus Verkennung des eigentlichen\nCharakters des Männer-Vocal-Quartetts öfter erhoben wird,\nzum grösslen Theile widerlegt, wobei wir natürlich keines-\nwegs in Abrede stellen wollen, dass auch die Wahl der\nlyrischen Gesänge einer strengen Sichtung unterliegen und\nnur Würdiges vorgeführt werden müsse. Allein man sucht\ndas Würdige oft fälschlich, wenn man den Charakter der\nMännlichkeit im Leben und Wirken ausschliesslich ins\nAuge fasst und, wie heutzutage leider so häufig, das We-\nsen der Musik darüber aus den Augen setzt, das Wesen\nder Kunst, insbesondere der Gesangeskunst, die ihre un-\nverletzbaren Rechte hat.\nSo haben denn auch in London die Chöre von Men-\ndelssohn zur Antigone, dessen „An die Künstler\", Fischer's\n„Meeresstille und glückliche Fahrt\", V. Lachner's 66.\nPsalm, B. Klein's „Hoch thut euch auf\", obwohl alle dort\nnoch nie gehört, zwar Anerkennung gefunden, auch war\ndie Kritik voll Lobes über die vortreffliche Ausführung\nauch dieser grösseren Sachen durch den kölner Verein;\nallein eine durchschlagende Wirkung machten nur die Lie-\nder und die einfachen Gesänge. Auch muss man zur Ehre\ndes londoner Publicums sagen, dass es nicht bloss durch\nOtto's „Schwäbisches Tanzlied\", Kücken's „Junge Musi-\ncanten\" und Aehnliches in einen Entzückungsrausch ver-\nsetzt, sondern dass z. B. Mozart's in Exeter\nHall von den 2500 Zuhörern da capo verlangt wurde,\ndass die Volkslieder ernsten Inhalts: „Jetzt gang i ans\nBrünnele\", „In einem kühlen Grunde\" u. s. w., und Lie-\nder wie C. M. v. Weber's „Schöne Ahnung\", „Freiheits-\nlied\", „Schlummerlied\", „Schwertlied\", „Lützow's wilde\nJagd\", Mendelssohn's „Wasserfahrt\", „Abschiedstafel\",\n„Der frohe Wandersmann\", „Der Jäger Abschied\",\n„Abendständchen\", „Liebe und Wein\", „Türkisches"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "212", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570704-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2896, "texte": "Schenklied\", C. Kreutzer's „ Tag des Herrn\", „ Die Capelle\",\n„ Frühlingsnahen\", Neukomm's „ Tenebrae factae sunt\",\nSchumann's „Lotosblume\" u. s. w. stets einen grossen\nEindruck machten. Von den heiteren Gesängen zündeten\ndie beiden oben genannten, Marschner's „Heideli\" und\nGirschner's „Hüte dich!\" am meisten.\nDer Verein hat an den zwölf Wochentagen vom 25.\nMai bis 6. Juni in Hanover Square Rooms zehn, in Exeter\nHall zwei Concerte gegeben, im Krystall-Palaste zu Syden-\nham eines, ferner am 5. Juni in Buckingham Palace vor\nIhrer Maj. der Königin und dero engerem Hofcirkel, und\nam Geburtstage der Königin (den 24. Mai, der aber am\n26. officiel gefeiert wurde) zu ApsleyHouse, der Residenz\ndes Herzogs von Wellington, gesungen. Er ist also im\nGanzen fünfzehn Mal aufgetreten, was allein schon, zumal\nwenn man die Proben mit in Anschlag bringt, unseren obi-\ngen Ausspruch über die Opfer, welche die Mitglieder der\nSache der Kunst gebracht, hinlänglich rechtfertigt. Die\nmeisten , von diesen Concerten waren so genannte Morgen-\nConcerte, d. h. von 3% bis 5V2 Uhr Nachmittags, was\ndenn die Abende für den Besuch der Theater und andere\n1 . .\nAbend-Vergnügungen frei liess. Auch das Concert im Kry-\nstall-Palaste begann um 3 Uhr, nachdem die Palast-Di-\nrection dem Vereine ein glänzendes ge-\ngeben halte. Beiläufig gesagt, speis'ten hier 96 Personen\nin einem Saale, den man in den ungeheuren Räumen des\nKrystall-Palastes als ein Neben-Cabinet vorher gar nicht\nbemerkt hatte. Die zwei Concerte in Exeter Hall waren\nAbend-Concerte und begannen um halb neun Uhr, die\nSoireen in Buckingham Palace und in Apsley House um\nzehn Uhr Abends.\nDas Concert bei Hofe war nicht bloss an und für sich,\nsondern auch noch durch besondere Umstände höchst\nehrenvoll für den Verein, indem Ihre Majestät die Königin\nerst am Donnerstag den 4. Juni Abends von der Insel Wight\nnach London gekommen war und gleich für den folgenden\nTag die Anordnung des Concertes befahl. Ferner war aus-\nser dem Prinzen Albert und der Prinzess Royal Königl.\nHoheiten nur ein ausgewählter Kreis von einundzwanzig\nPersonen eingeladen, und ausser den Gesängen des Vereins\nfanden keine Künstler-Vorträge irgend einer anderen Art\nStatt. Die Allerhöchsten Herrschaften äussersten in den\nhuldvollsten Ausdrücken ihre Zufriedenheit gegen den Di-\nrigenten Herrn Franz Weber und gegen mehrere Mitglie-\nder des Vereins. Es wurden neun Lieder gesungen, darun-\nter „Der Gondolier\", Composition von Franz Weber für\nBariton-Solo und Chor (Sofo: Herr M. DuMont-Fier), und\n„Dein Wohl, mein Liebchen\" von A. Zöllner für Tenor-\nSolo und Chor (Solo: Herr B. Peretti). Eröffnet wurde das\nConcert mit dem Liede „ Die Rose von England\", Gedicht\nvon L. Bischoff, Musik von Fr. Weber, als Huldigungs-\ngruss an die Prinzess Royal, die verlobte Braut des Prin-\nzen Friedrich Wilhelm von Preussen. Ein Souper mit wahr-\nhalt königlicher Bewirthung beschloss den Abend."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-07-04-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-07-04_01#c003", "volume": "bmtnabi_1857-07-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "212", "page_fin": "214", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570704-01.2.3", "titre_corps": "Das 35. niederrheinische Musikfest.", "titre_sommaire": "Das 35. niederrheinische Musikfest.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "212", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570704-01.1.4", "debut_caractere": 2898, "fin_caractere_exclue": 4880, "texte": "Das 35. niederrheinische Musikfest.\nIII.\n(S. I. Nr. 25, 11. Nr. 26.)\nDas Künsller-Concert am dritten Tage fand ein sehr\nangeregtes und belebtes Publicum. Es begann mit der\nOuvertüre zu Ruy Blas von Mendelssohn, einem seiner\nnachgelassenen Werke. Sie ist in unglaublich kurzer Zeit\ncomponirt und erhebt sich nicht zu der genialen Höhe der\nübrigen Ouvertüren; es gebricht ihr jene charakteristische\nFärbung, jene ins Feinste ausgeführte Stimmung, durch\nwelche sich Mendelssohn's Arbeiten auszeichnen. Indessen\nmit grosser Bravour concipirt, ist sie nicht ungeeignet lür\nden Anfang eines Concertes, und hat noch den grossen\nVorzug, dass sie leicht einzustudiren ist. Sie machte, wenn-\ngleich ohne feinere Nuancen, doch feurig und in schnellem\nTempo ausgelührt, ihre Wirkung. Ihr folgte eine Concert-\nArie lür Alt von einem jungen holländischen Componisten,\nR. Hol aus Amsterdam, vorgetragen von Fräul. A. T. Es\nschien uns, als wäre sie eigens für die Sängerin geschrie-\nben, so sehr war sie der Natur ihres Materials angepasst,\nund gab der Gesanges-Künstlerin Gelegenheit, Ausdruck,\nGeläufigkeit und schönen CJmlang der Stimme zu zeigen.\nDies ist schon ein grosser Vorzug einer Arie und immer\nein Zeichen von einem Talente, welches aus sich heraus zu\ngehen versteht. Als Composition gab sie Zeugniss von ern-\nstem Streben nach klaren und ausgebildeten Formen, von\nechter musicalischer Empfindung, von einem Sinne, welchem\ndie Seele der Musik, der Gesang, erschlossen ist. Die mitt-\nlere Partie würde wesentlich gewinnen, wenn sie zu kür-\nzen wäre. Doch ist es möglich, dass ein etwas rascheres\nTempo oder ein besseres Accompagnement ihre Länge we-\nniger lühlbar macht. An jenem Abende war nur der Vor-\ntrag der trefflichen Dilettantin zu loben, im Orchester da-\ngegen wurden vielfache Fehler bemerkbar, die Niemand so\nlebhaft empfunden haben mag, als der anwesende Compo-\nnist selbst; doch brauchte man nicht der Componist zu sein,\num sie zu hören. Die Sängerin und ihre Wahl fand leb-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "213", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570704-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5188, "texte": "haften, anhaltenden und wohlverdienten Beifall. Herr Con-\ncertmeister Singer trug hierauf das Beethoven'sche Violin-\nConcert vor. Diese wundervolle Composition ist in dem\nletzten Decennium so sehr auf den Höhepunkt ihrer Aner-\nkennung gekommen, dass bei feierlichen Veranlassungen\nfast kein Geiger etwas Anderes zu spielen versucht. So ist\nsie denn ein wahrer Prüfstein für Violinisten, und das Ge-\nfühl des nahen Vergleichs mag auch manchen befangener\nmachen, als es ihm selber lieb ist. Fast schien es uns, als\nerläge der vortreffliche Künstler, der sie diesmal vortrug,\ndem Gelühle, dass er mit der Erinnerung an Joachim um\ndie Wette spielen müsse; er kam nicht ganz zu der Ruhe,\nzu der Macht und Tiefe des Ausdrucks, zu der ihn seine\nausgezeichnete Technik und das, was man ausserdem von\nihm und in der Probe hörte, befähigten. Vorzüglich schön\nist seine Bravour, namentlich seine Scalen; in der Cantilene im\nzweiten Satze wollten feine Ohren hier und da eine kleine\nAbweichung von jener absoluten Reinheit bemerken, welche\nunerlässlich ist, wenn sich über die Seele des Hörers jener\nunwiderstehliche Zauber ausgiessen soll, der die Welt und\nAlles beim süssen Schwelgen in Tönen vergessen lässt. Der\nVirtuose wird uns nicht zürnen, wenn wir nichts verschwei-\ngen; er hat grosses Talent und sehr viele Stufen auf der\nBahn zum Parnass schon erstiegen; das Publicum ward\nergriffen und lohnte mit stürmischem Applaus.\nr\nHierauf hörten wir ein Stück aus einer Hymne von\nCherubini: „Inclina Domine aurem luam\", ein Adagio lür\nChor mit einem melodiösen Mittelsatze für Tenor-Solo, eine\nComposition von wundervollem Adel der Empfindung und\nhöchster Raphael'scher Reinheit des Stils. Sie passte so vor-\ntrefflich zu der lieblichen Stimme des Herrn Göbbels, zu\nseiner einfachen und wohlgebildeten Art des Ausdrucks,\ndass er damit einen ganz ausserordentlichen Erfolg errang.\nHerr Göbbels, ein geborener Aachener und seit einem\nJahre auf der Rheinischen Musikschule, hat in der letzten\nZeit vielfache Anerkennung seiner angenehmen Begabung,\nseines nur auf wahre Bildung gerichteten Strebens erfahren.\nDie Natur hat ihm viel gegeben, und die geistige Luft, in\ndie er gekommen, hat ihn sehr gehoben. Möge er nicht\nnachlassen und nicht vergessen, dass nur die grösste Aus-\ndauer zu einem hohen Ziele, zu einer allseitigen Beherr-\nschung der Mittel führt; dass in der Laufbahn eines Künst-\nlers nichts trügerischer ist, als die ersten Erfolge! Es wäre\nschade, wenn seine so schöne Stimme, seine musicalische\nAnlage nicht auf die Höhe künstlerischer Reife gebracht\nwürden!\nDen Beschluss des ersten Theiles machte das Clavier-\nConcert von Liszt, vorgetragen von Herrn von Bülow aus\nBerlin, einem der bedeutendsten unter den jüngeren Vir-\ntuosen und Schülern Liszt's. Er zeigte die vortrefflichen\nEigenschaften der Schule seines Meisters, einen brillanten\nund doch wohlklingenden Anschlag, eine vollendete Tech-\nnik und bei grossem Feuer Ruhe und Sicherheit des Vor-\ntrags. Und doch konnte man sich nicht damit versöhnen,\ndass Liszt, der Componist selbst, einst der Heros des Cla-\nvierspiels, hochoben den Tactstock in der Hand hielt und ein\nAnderer am Flügel sass. Warum spielte er nicht? Er ist\ndoch gewiss noch im Besitze derjenigen Eigenschaften, die\nihn gross machten, die ihn zu einer europäischen Berühmt-\nheit emporhoben! Hat denn Mozart nicht auch noch\ngespielt, nachdem er den Idomeneo geschrieben hatte?\nWenn freilich Liszt der Meinung ist, dass seine Compo-\nsition auch ohne sein Spiel und seine Persönlichkeit siegen\nsolle, so dürfte er sich sehr zu nahe treten. Das Publicum\napplaudirte wenigstens aufs lebhafteste Herrn v. Bülow\ndurch alle Zeichen des Beifalls, während es für den anwe-\nsenden und dirigirenden Componisten nichts übrig hatte.\nWar es verstimmt, Liszt hier am unrechten Platze zu se-\nhen, oder war wirklich die Composition so unverständlich,\ndass sie die Artigkeit gegen ihren Urheber vergessen liess?\nSie ist in der That nicht geeignet, Eindruck hervorzu-\nbringen; es sind musicalische Motive in ihr, es kommt zu\neinzelnen Angriffen, aber es geht nicht voran, die Musik\nverliert sich alsbald in den Irrgängen unfassbarer Modula-\ntionen, die Motive brechen ab, andere zeigen sich, um eben\nso unausgebeutet verlassen zu werden. Das Instrument ist\nmit grösster Kenntniss behandelt, doch verleitet auch hier\ndie Sucht nach Abenteuerlichem, dass man sich zu früh in\nextremen Klangwirkungen findet; die Instrumentation da-\ngegen schweift so sehr über die Gränze des bisher Erlaub-\nten und als schön Anerkannten hinaus, dass sie sogar auf-\nhört, pikant zu sein.\nDie Ouvertüre zu Tannhäuser, mit welcher der zweite\nTheil begann, ist so unendlich oft gehört und besprochen,\ndass ein Urtheil über sie wohl bei jedem, der sie kennt,\nfest steht. In dieser kolossalen Besetzung zeigten sich die\nglänzenden Seiten und ihre nächtlichen Eigenschaften in\nvergrössertem Maassstabe. Wer sich andern unterirdischen\nSinnentaumel ergötzen mag, wem das unaufhörliche Ge-\nschwirre der in die letzte Gränze des Unterscheidbaren\nhinauf wirbelnden Violinen gefällt, wem der Venusberg so\ntheuer ist, dass er an seinem feuersprühenden, zuckenden\nGfanze so lange verweilen mag, als Wagner uns nöthigt,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "214", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570704-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4690, "texte": "an ihn ze glauben der hat gewiss an jenem Abende\ngrosse Freude gehabt. Denn nie trat das Nervenaufregende\njener Musik, deren Wirkung zum grossen Theile auf ihrer\nBeharrlichkeit im Losklopfen auf dieselbe Seite des Gefühls\nberuht, so mächtig hervor. Uns freilich will die Versöhnung\ndurch den Pilgermarsch durchaus nicht genügen, wir sehnen\nuns nach Licht, das von oben kommt, nach einem Momente,\n. \\\nder uns die reine Jungfrau zeigt, die den Höllenspuk und\ndie sündliche Begier im Manne überwindet. Die Bravour\nder Ouvertüre, das Kolossale im Effect schmeichelt dem\nOrchester so gut, wie dem italiänischen Sänger die Wir-\nkung schmeichelt, die seine Cadenzen machen; darum wird\nsie nicht ungern gespielt, und da sie wohl einstudirt und\nvon allen Mitwirkenden fast auswendig gewusst war, machte\nes keine Schwierigkeit, sie glänzend auszuführen. Der Ein-\ndruck beim Publicum war gross, doch nicht so durchschla-\ngend, als Viele erwarteten und Andere fürchteten.\nRein grösserer Gegensatz war denkbar, als nach der-\nselben die Arie des Pylades in A-dur aus der Iphigenie\nvon Gluck, vorgetragen von Herrn Schneider. Der anmuth-\nvolle, herzergreifende Gesang und die innige Empfindung\nvon alter, fast vergessener Treue und Aufopferung kam\nunter Herrn Schneider's echt künstlerischer Behandlung zu\nschönem Ausdrucke. Hier war Licht und heilige Gluth, und\nder Sänger liess sich auch nicht hinreissen, den Gürtel zu\nverletzen, der wahre Schönheit maassvoll umschliesst. Es\nfolgte ihm reicher und anhaltender Beifall. Der Eindruck,\nden er hinterliess, ward noch gesteigert durch den, wel-\nchen Frau von Milde mit dem Vortrage der Arie aus Fi-\ndelio: „Abscheulicher\", hervorbrachte. Hier war Alles\nglänzend und schön, und wie Beethoven in reichster Pracht\ndas alles enthüllt und ausspricht, was man bei Gluck zu-\nweilen nur ahnt, bei Gluck, dem letzten Propheten vor\nden sich schon erfüllenden Tagen der messianischen\nZeit der Musik, so war auch in dem Vortrage der\nBeethoven'schen Arie alles erfüllt, was der Wunsch eines\nVerehrers des unsterblichen Meisters in sich fasst. Hier\nwar der Höhepunkt des Festes.\nDen Beschluss des Künstler-Concertes machte eine\nWiederholung des Hallelujah von Händel. Liszt mässigte\ndiesmal seine subjectiven Anschauungen von diesem Chor,\nund er ging daher weit ungestörter in natürlichem, maje-\nstätischem Fluss. Man brachte nun dem Dirigenten die\nOvation des Lorberkranzes und Orchestertusches, es wur-\nden Festgedichte vertheilt oder vielmehr vom Dache des\nHauses durch die Luft herniedergestreut. Das Publicum\nselbst verlor sich schnell, und der Versuch wiederholter\nBeifalls-Bezeugungen fand einen auffallend kurzen Wie-\nderhall.\nAm anderen Morgen fand zur Nachfeier eine kleine\nMatinee vor ausgewähltem Publicum Statt, in welcher Herr\nv. Bülow und Herr Singer die Kreuzer-Sonate ganz vor-\ntrefflich spielten, Frau Pohl mit dem Vortrage eines bril-\nlanten Stückes für die Harfe einen grossen Erfolg hatte,\nFrau von Milde zwei Lieder von Franz und zwei von Schu-\nbert („Gretchen am Spinnrad\" und „Auf dem Wasser zu\nsingen\") unter allgemeinster Anerkennung vortrug. Das\nletzte musste wiederholt werden. Den Beschluss machte\nein Quartett von Schubert, gespielt von den Herren Sin-\nger, Stör, Waldbrühl aus Weimar und Herrn Suhr aus\nAachen (jetzt von der grossherzoglich Mecklenburg-Stre-\nlitz'schen Hofcapelle gewonnen oder vielmehr dem Rheine\nentführt, denn er war ganz ausgezeichnet und dürfte so\nleicht nicht ersetzt werden). Die Herren spielten sehr schön\nzusammen, doch fand die herrliche Schubert'sche Compo-\nsition nach der dreitägigen Anstrengung des fortwährenden\nGeniessens nicht mehr die nöthige Frische und Spannkraft\nin dem Gemüthe des Hörers vor. Wir erwähnen noch der\nLieder-Vorträge der aachener Liedertafel unter Leitung\ndes Herrn Concertmeisters Wenigmann, die sich durch\nherrliche Stimmen jeder Qualität nach Höhe und Tiefe hin\nauszeichnet und deren Ausführung eben so sehr von gu-\ntem Geschmack des Dirigenten als von Fleiss und talent-\nvollen Kräften im Vereine Zeugniss geben.\nDie Liedertafel am Sonnabend Abends, nach der Haupt-\nprobe des Messias, hatte im reichbesetzten Saale bei ge-\nfüllten Weingläsern und von Speisen gestärkten Sinnen\neinen sehr heiteren und gemüthlichen Charakter; hier war\nder einzige Punkt des Festes, bei dem sich die Ausführen-\nden in grösserem Kreise gesellig fanden und froh begrüss-\nten. Am Sonntag Morgens trug die Concordia unter der\nDirection des Herrn Ackens eine Anzahl Männerchöre vor.\nAlle Festgenossen waren geladen und der Saal gedrängt\nvoll. Wir wissen nicht, welchem der beiden Vereine wir\ndie Palme geben sollen sie sind beide ganz vortrefflich\nund machen der Pflege des Männergesanges die grösste\nEhre."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-07-04-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-07-04_01#c004", "volume": "bmtnabi_1857-07-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "214", "page_fin": "216", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570704-01.2.4", "titre_corps": "Richard Hammer.", "titre_sommaire": "Richard Hammer.", "signature_source": "d", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "214", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570704-01.1.6", "debut_caractere": 4692, "fin_caractere_exclue": 4925, "texte": "Richard Hammer.\n\nWährend der letzten Winter-Saison war in den pari-\nser Concertsälen ein junger Deutscher vorzugsweise Lieb-\nling der Haute volee.Auf den Programmen der meisten\nKünstler, welche dortConcerte gaben, lies't man: „Unter-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "215", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570704-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5199, "texte": "stützt durch Herrn Hammer\", and wo die Concerte' mit\nOrchester-Begleitung Statt fanden, noch ausserdem: „Un-\nter Leitung des Herrn Hammer.\" Die Berichte in der Ga-\nzette musicale,in der France und in sämmtlichen\nBlättern, welche über Concerte referiren, sind einstimmig\nin Bewunderung und Anerkennung dieses jungen Künst-\nlers, dem sie die glänzendste Zukunft in Aussicht stellen.\nDa derselbe ein geborener Rheinländer ist, so hat die Nie-\nderrheinische Musik-Zeitnng vorzugsweise die Verpflich-\ntung, etwas Näheres über ihn zu berichten.\nRichard Hammer ist in Elberfeld geboren und\nzeigte .schon in frühester Jugend eine besondere Neigung\nzur Musik, namentlich zum Yiolinspiel. Den ersten Unter-\nricht empfing er von A. Maier, einem der besten Schüler\nSpohr's, jetzt Musik-Director in Ansbach. Unter dessen\ntrefflicher Leitung machte er so bedeutende Fortschritte,\ndass er, kaum dreizehn Jahre alt, vor Sr. Majestät unse-\nrem Könige bei einer Anwesenheit auf Schloss Brühl ein\nConcertstück mit dem grössten Beifalle vortrug, dafür reich\nbeschenkt wurde und zugleich die Zusicherung thätigster\nUnterstützung empfing. Durch diesen Erfolg gehoben,\nreis te Hammer noch in demselben Jahre nach Paris und\nwurde auf die besondere Verwendung des preussischen\nGesandten in das dortige Conservatorium aufgenommen\neine Gunst, die nur selten Ausländern zu Theil wird.\nSeine Bescheidenheit, sein ausdauernder Fleiss,, seine innige\nBegeisterung lür die erwählte Kunst erwarben ihm bald\ndie ganz besondere Zuneigung Habenek's, der ihn mit der\nhohen Auszeichnung beehrte, ihm privatim Unterricht zu\nertheilen, ja, ihn allmählich so lieb gewann, dass er ihn\nsogar auf sein Landgut mitnahm, als er, seine sämmtlichen\nStellen niederlegend, sich dahin alt und krank zurückzog.\nBis an das Lebensende beschäftigte sich hier der greise\nMeister ausschliesslich mit seinem Lieblingsschüler, der ihm\ndie Augen zudrückte und als reichstes Erbe die unschätz-\nbaren Erfahrungen davontrug, die Habenek in einem lan-\ngen, vielbewegten Künstlerleben gesammelt hatte. Nach\nvollendetem Cursus im Conservatorium suchte sich Ham-\nmer in Paris fortzubringen, so gut es eben ging, was lür\neinen Fremden eine um so schwierigere Aufgabe ist, als\nes dort von Einheimischen wimmelt, die jährlich das Con-\nservatorium absolviren und nun gleichfalls Unterkommen\nsuchen. Von den Dirigenten als tüchtiger Violinspieler an-\nerkannt, wurden ihm zwar von allen Seiten Stellen in den\ndortigen Orchestern angeboten; dies ist aber eine dürftige\nErwerbsquelle, weil sie bloss die eine Hälfte des Jahres\nfliegst; nichts desto weniger sah sich Hammer genöthigt,\neine solche Stelle zuerst an der italienischen, später an der\ngrossen Oper anzunehmen; nebenbei gab er Unterricht\nund ward in einigen ihm befreundeten Häusern zu Soi-\nreen engagirt. Auf diese Weise hatte er sich bald ein ge-\nnügendes Auskommen gesichert, aber dabei blieb es auch\ndenn bereits hatte er vierzehn Jahre in Paris zugebracht,\nohne von dem grösseren Publicum bemerkt zu werden;\nnur wenige Männer von Fach, die ihn näher kennen ge-\nlernt hatten, schätzten ihn seines soliden Violinspiels we-\ngen, sowohl im Solo, wie noch mehr am Orchester-Pulte.\nDa plötzlich will es der Zufall, dass wenige Stunden vor\ndem grossen Feste, welches die Stadt Paris bei Gelegen-\nheit der Taufe des kaiserlichen Prinzen gab, der Dirigent\ndes dabei fungirenden Orchesters von einigen Hundert Mu-\nsikern plötzlich erkrankte. Die Verlegenheit war gränzen-\nlos; wer durfte es wagen, ohne alle Vorbereitung an die\nSpitze einer ganzen Armee von Musikern zu treten und\neinen solchen Instrumenten-Stnrm mit sicherer Hand au\nbewältigen? Jetzt erst wurde des guten Deutschen gedacht,\nden man länger als ein Decennium in der Verborgenheit\ngelassen hatte. Hammer wurde an die Spitze des Orche-\nsters berufen und leitete dasselbe so vorzüglich, als hätte\ner es damit schon Jahre lang zu thun gehabt. Von diesem\nTage an war sein Ruf gemacht; in allen musicalischen Cir-\nkeln, in allen Zeitschriften war von nichts Anderem als\ndem neu entdeckten Talente die Rede. Die Virtuosen be-\neilten sich, das in ihren Concerten nöthige Orchester unter\nseine Leitung zu stellen, zu den glänzendsten Soireen\nwurde Hammer berufen, um ihnen durch sein eminentes\nViolinspiel noch höheren Glanz zu verleihen, und die Ver-\nleger fingen an, sich um seine Compositionen zu bewerben.\nMan stellt ihn in die erste Reihe der jetzt lebenden Violin-\nVirtuosen, bewundert nicht allein seine Reinheit und voll-\nendete Technik, sondern noch weit mehr die ausnehmende\nInnigkeit seines Vortrages und vor Allem das tiefe Ver-\nständniss, womit er unsere Classiker, namentlich Mozart,\nauffasst. Er ist mit Einem Worte jetzt eine Notabilität in\nder pariser Kunstwelt geworden, und da sich diese Stel-\nlung nicht auf eine Laune der Mode, sondern auf wahres,\ninneres Verdienst gründet, so dürfen wir mit Bestimmtheit\nannehmen, dass Hammer diese Stellung nicht allein be-\nhaupten, dass im Gegentheil seine Bedeutsamkeit von Tag\nzu Tag wachsen und sein Einfluss sich immer mehr gel-\ntend machen wird.\nSo haben wir denn einmal wieder die Freude, die\ndeutsche Kunst trotz aller Hindernisse als Siegerin aus\ndem Kampfe mit dem Auslande hervorgehen zu sehen."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "216", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570704-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 239, "texte": "Möge unser talentvoller Landsmann, der jetzt in der Blü-\nthe des Lebens steht, mit unverminderter Kraft die ruhm-\nvolle Bahn verfolgen und durch seinen ausgezeichneten\nVortrag unseren grossen Tondichtern immer neue Trium-\nphe bereiten!\n\nd."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-07-04-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-07-04_01#c005", "volume": "bmtnabi_1857-07-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "216", "page_fin": "216", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570704-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "216", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570704-01.1.8", "debut_caractere": 241, "fin_caractere_exclue": 4824, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nBerlin« Eine junge Sängerin, Fräul. Wipp er n, ist nach ih-\nren Debuts-Rollen Agathe und Alice bei der königlichen Oper en-\ngagirt worden.\nIn Weimar wurde eine neue Oper, „Landgraf Ludwig's Braut-\nfahrt\", von Eduard Lassen (Text von zum ersten Male auf-\ngeführt. Der Erfolg wird als günstig geschildert.\ni ,\nDer braunschweiger Männergesang-Verein veranstaltet drei\nAbonnements-Concerte, um einen Fonds zu gründen, aus welchem,\nnach dem Beispiele des wiener Männergesang-Vereins, für diejenigen\nMännergesangs-Compositionen, welche in seinen Gesellsehafts-Con-\ncerten zum ersten Male zur Aufführung kommen, ein Ehrensold ge-\nzahlt werden soll. Im ersten dieser Abonnements-Concerte, die sich\nreger Theilnahme erfreuen, wirkten die Gesang-Vereine von Berlin,\nMagdeburg, Wolfenbüttel u. s. w. mit, welche über Braunschweig\nzum norddeutschen Gesangfeste nach Pyrmont (13. —l5. Juni)\nreis'ten. (Signale.)\nKarlsruhe. Fräul. Auguste Brenken ist am hiesigen\nHoftheater engagirt. Sie ist als Agathe, Pamina, Gabriele im Nacht-\nlager von Granada mit grossem Beifall aufgetreten.\nRoger gibt in Hamburg Gastrollen; er trat zuerst am 27.\nJuni als George Brown in der Weissen Dame auf.\nSonntag den 21. Juni hatten wir Gelegenheit, in der\nSt.-Peterskirche die schöne Messe in D von Rott er (so genannte\nSopran-Solo-Messe) zu hören, in welcher die auf der Durchreise in\nWien anwesende königlich preussische Kammersängerin Frau Herren-*\nburg-Tuczek den Sopran-Solopart sang. Die als eine eben so treff-\nliche Oratorien- und Kirchen- als Opernsängerin bekannte Frau ist\nnoch immer im Besitze einer vollen, wohlklingenden Stimme und\nmachte durch den weihevollen Vortrag dieses schönen Sopranparts\neinen wahrhaft erhebenden Eindruck. Auch im Vortrage des einge-\nlegten Ave für Sopran mit Chor- und Orgel-Begleitung von Fräul.\nConstanze Geiger, einer wirklich sehr gelungenen Kirchen-Com-\nposition, zeigte Frau Herrenburg ihre vorzügliche Begabung für den\nreligiösen Gesang.\n-\nDas Portrait Mozart's von Tischbein. Ueber dieses Bild,\nvon dem Herr Schnyder von Wartensee Herrn Karl Mozart bei\nGelegenheit des salzburger Festes eine genaue Copie zugeschickt\nhatte, äussert sich Karl Mozart in fqlgender Weise:\n„Mit Bedauern sehe ich mich zur Steuer der Wahrheit gezwun-\ngen, zu bekennen, dass meine immer lebhaft noch erhaltene sichere\nErinnerung in besagtem Gemälde keine Spur von Aehnlichkeit wahr-\nzunehmen vermag, so zwar, dass, wofern es nicht ganz vollkommen\nnoch erwiesen sein sollte, dass Tischbein's Originalgemälde wirklich\ndas Portrait meines Vaters darstelle, ich sogar auf die Vermuthung\nverfallen würde, dass ein Irrthum unterlaufen sei und es sich um\neine ganz andere Person handle. Selbst in Nebendingen, wie z. B.\nund hauptsächlich in der Frisur, ist eine gänzliche Verschiedenheit\nvon der von meinem Vater standhaft beibehaltenen Weise es\nmüsste höchstens sein, dass aus Anlass der Sitzung zu dieser Ab-\nbildung derselbe sich absichtlich in diese so ganz von seiner ge-\nwöhnlichen abweichende Costumirung versetzt hätte.\n„Unter der Anzahl der bisher veröffentlichten Portraits meines\nVaters erachte ich für das ähnlichste das schon vor mehr als fünf-\nzig Jahren ja, ich glaube sogar zur Zeit seines Lebens noch\nvon Artaria in Wien in Stahlstich herausgegebene, welches auch der\nSchliehtegroirschen Biographie beigedruckt und nach einer Holz-\nrelief-Sculptur des berliner Künstlers Posch verfertigt wurde, in\ndessen Besitz nun vor wenigen Tagen das salzburger Mozarteum\ngelangt ist.\n„Salzburg, den 17. September 1856.\"\n(Südd. M.-Z.)\nPestlft* Die gräflichen Geschwister Ponta haben hier zwei\nungemein zahlreich besuchte Coneerte gegeben. Die Elite des Publi-\ncums war versammelt und wurde nicht müde, den trefflichen Lei-\nstungen der genannten drei Damen die lebhaftesten Beifalls-Bezeu-\ngungen zu Theil werden zu lassen. Namentlich Comtesse Therese\nerfreute sich für ihr inniges, seelenvolles Citherspiel einer enthu-\nsiastischen Aufnahme. Sie ist auf diesem Instrumente eine Virtuosin,\nwelche keine Rivalität zu scheuen hat. Die Comtessen Clara und\nJenny excellirten durch ihre brillanten Gesangs- und Clavier-Vor-\nträge. Von Pesth begibt sich dieses Künstler-Trifolium nach dem\nOrient und wird auf den Zwischen-Stationen auch Coneerte ver-\nanstalten.\n\\\n,—\nEParis. Die neue Oper von Halevy, „La Magicienne\", wird,\nwie es heisst, erst im December zur Aufführung kommen. Nichts\nsoll gespart werden, um das neue Werk des berühmten Componisten\nder „Jüdin\" mit allem äusseren Zauber zu umgeben, den das Werk\ngestattet; an den Decorationen wird bereits gearbeitet."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "209", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570704-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie dritte Fahrt des kölner Männergesang-Vereins nach London. Das fünfunddreissigste niederrheinische Musikfest. 111.\n(Künstler-Concert). Richard Hammer (Biographie). Von d. Tages- und Unterhaltungsblatt (Berlin Weimar Der\nbraunschweiger Männergesang-Verein Karlsruhe Roger Wien Das Portrait Mozart's von Tischbein Pesth Paris).\n\nDie dritte Fahrt des kölner Männergesang-Vereins\nnach London.\nAm 23. Mai führte ein langer Eisenbahn-Zug zum\ndritten Male eine Schar von 86 Mitgliedern des kölner\nMännergesang-Vereins von Köln über Aachen, Gent und\nLille nach Calais, von da über den Canal nach England,\neingefasst vom stolzen Meere,\ndess Felsgestade jeden Wellensturm\ndes neidischen Neptunus wirft zurück.\nEs ist gewiss in der Geschichte der Musik und der Kunst-\nreisen eine beispiellose Erscheinung, dass ein Dilettanten-\nVerein das durchführen konnte, was selbst den berühm-\ntesten Virtuosen in den Perioden ihrer grössten Blüthe\nnicht gelungen ist. Wir meinen die ununterbrochene Reihe\nvon dreizehn öffentlichen Concerten binnen zwölf Ta-\ngen hinter einander, bei welchen die Säle jedes Mal von\nZuhörern gefüllt waren, und meinen ferner die Thatsache,\ndass trotz der ungeheuren Kosten der Reise von 90 Per-\nsonen hin und zurück und des vierzehntägigen Aufenthalts in\nLondon (1000 Thlr. jeder Tag!) dennoch ein bedeutender\nUeberschuss von der Einnahme erzielt worden ist. Dass\ndies nur in London, wo nichts unmöglich ist, möglich sei,\nist richtig; allein auch dort ist es noch nie da gewesen\nund ist um so mehr zu verwundern, da die Neugierde, wie\nes hier der Fall war, schon durch zweimaliges Auftreten\ndesselben Vereins (in den Jahren 1853 und 1854) voll-\nständig befriedigt war.\nDie hauptsächlichste Ursache dieser unerhörten Theil-\nnahme des londoner Publicums aus den ersten Classen der\nGesellschaft finden wir in den eigenthümlichen musicali-\nschen Zuständen von England, über die wir uns auch schon\nfrüher in diesen Blättern ausgesprochen haben. England,\nnamentlich London, ist in vieler Hinsicht mit dem alten\nRom zu vergleichen. Die Macht, die über den halben Erd-\nkreis wo nicht gebietet, doch wenigstens von ihm geachtet\noder gefürchtet wird, der Reichthum, den der Welthandel,\nI\nwelchen diese Macht beschützt, aufgehäuft hat, haben un-\ngefähr dieselben Resultate für das Kunstleben in London\nerzeugt, wie einst in Rom. Die Kunstschätze aller Länder\nwerden dahin zusammengeschleppt, aber der schöpferische\nGeist der Künstler kann nicht importirt werden. So wird\ndenn auch im Gebiete der Tonkunst alles Ausgezeichnete,\nalles in Europa Namhafte und Berühmte von Componisten\nund Virtuosen wenigstens zeitweise nach London gezogen;\nja, die meist reiche Aernte an Beifall und Geld hat auch\nein Zusammenströmen der Tonkünstler aus freiem Willen\ndorthin schon seit Jahren veranlasst.\nDie Folge davon .ist für den musicalischen Kunstge-\nschmack in England bedeutend gewesen, und zwar merk-\nwürdiger Weise in doppelter, einander entgegengesetzter\nWeise. Die Anwesenheit und Wirksamkeit von Händel,\nHaydn, Mendelssohn hat aus dem Ernste, der im Charakter\nder Briten liegt, den Sinn für die edelsten Gattungen der\nInstrumental- und Vocal-Musik, für die Sinfonie und das\nOratorium, entwickelt. Die protestantische Orthodoxie hat\nzur Verbreitung des Geschmacks an Oratorien dann auch\ndas Ihrige heigetragen, und so sehen wir denn in England\nsehr häufige Aufführungen von geistlicher Musik der ge-\nnannten Gattung und bei jeder einen Zudrang und eine\nTheilnahme der Zuhörerschaft, die man in solchem Grade\nin keinem anderen Lande findet, selbst nicht in Deutsch-\nland, dem eigentlichen Vaterlande der protestantischen\nKirchenmusik, geschweige denn in Frankreich, wo gar kein\nSinn dafür vorbanden ist und wo selbst talentvolle Com-\nponisten, wenn sie ja einmal den Gedanken zu einer geist-\nlichen Musik fassen, die sich nicht in den Formen des ka-\ntholischen Cultus bewegt, auf die sonderbarsten Abwege"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "210", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570704-01.1.2", "texte": "gerathen, wie z. B, neuerlich Berlioz in seiner Trilogie\n„Die Kindheit Christi\". Der Geschmack nach dieser Rich-\ntung hin ist denn auch in der That bei dem englischen\nPublicum sehr ausgebildet, und von allen Versuchen ein-\nheimischer Componisten überhaupt gelingen immer noch\ndiejenigen am besten, welche in dieser Gattung die gros-\nsen deutschen Muster nachahmen.\nDage gen hat die deutsche Oper in England nicht\nWurzel fassen können, weder mit deutschem noch mit eng-\nlischem Texte. Selbst die Anwesenheit C. M. von Weber's\nin London hat keinen dauernden Einfluss gehabt; sein\nOberon ist von der Bühne verschwunden, und was vom\nFreischütz noch lebt, zeigt sich in trauriger Gestalt nur\nauf untergeordneten Bühnen und von ephemeren Opern-\nGesellschaften der Wolfsschlucht wegen dann und wann\nwieder hervorgeholt. Eben so wenig hat Marsebner, dessen\nVampyr zu seiner Zeit über sechszig Vorstellungen erlebte,\nauf die Dauer Boden fassen können. Mozart's Don Juan,\nBeethovens Fidelio werden zwar heute noch wenigstens\nalljährlich Ein Mal gegeben, aber von den Italiänern und\nso, dass ihnen alle Hoheit abgestreift wird.\nSo ist es denn nur die italiänische Oper, die in Eng-\nland schon seit einem vollen Jahrhundert vorherrscht und\ndie sonderbare Erscheinung darbietet, dass ein Publicum,\nwelches nicht nur mit Aufmerksamkeit, sondern mit An-\ndacht die Oratorien anhört, die Aufführungen des Messias\nwie einen Gottesdienst ansieht, nicht zufrieden ist, wenn\nes in dem Textbuche am Rande nicht jede Bibelstelle ge-\nnau angegeben findet, das Hallelujah stets stehend in Ehr-\nerbietung und Begeisterung anhört, dass dasselbe Publi-\ncum trotz der fabelhaft hohen Eintrittspreise zwei Häuser\nder italiänischen Oper während lünf bis sechs Monate jähr-\nlich füllt und durch das ewige Einerlei der Musik und\nselbst der Künstler, die Jahrzehende lang auf Einer und\nderselben Bühne dieselben Rollen absingen, ungestört in\ndiesem Genüsse schwelgt!\nDieser verkehrte Kunstgeschmack ist nun eben durch\ndas Zusammenströmen der künstlerischen Berühmtheiten\nund deren Virtuosen-Leistungen entstanden und wird da-\ndurch erhalten und genährt. Die Theilnahme am dramati-\nschen Inhalt der Oper ist in dem Vaterlande Shakespeare's\nnicht vorhanden; neun Zehntel des Publicums verstehen\nkein Wort von dem, was gesungen wird. Die Zuhörer ha-\nben zwar grosse und kleine Textbücher in Händen, in de-\nnen die englische Uebersetzung dem Originale zur Seite\nsteht, ja, in den grossen sind auch die Thema's der ein-\nzelnen Nummern, oft halbe Arien in Noten mit Ciavier-\nBegleitung abgedruckt; trotz alledem verlieren die Nach-\nleser und Nachleserinnen sehr bald den Faden, und es ist\nspasshaft, das Umherirren der schönen Augen der vorneh-\nmen Damen in den Büchern zu beobachten, bis sie plötz-\nlich auf einer Seite verweilen, deren Inhalt nicht im Ge-\nringsten zu dem passt, was auf der Bühne gesungen wird.\nAllein was thut's? Man hört doch die Grisi, Piccolomini,\nSpezzia, den Mario, Gardoni, Guglielmi u. s. w. singen und\ntrillern, schreien und rasen, man nimmt die beliebtesten\nBruchstücke der Musik Schwarz auf Weiss mit nach Hause,\nund mit Hülfe eines gefälligen Gesanglehrers lernt man sie\nauswendig und ist im Stande, in Gesellschaft seine Bewun-\nderung über diese oder jene Kunst-Notabilität auszuspre-\nchen und sein Urtheil durch Summen und Trailern eines\nStückchens Melodie zu kräftigen. Diese Veritaliänerung hat\nso weit um sich gegriffen, dass man in London keinen\nLeierkasten hört, der ein englisches Lied oder ein Stück\naus einer classischen Oper oder eine Ouvertüre u. dgl.\nspielt; alle mit einander orgeln von Morgen bis Abend\nitaliänische Arien ab.\nNun denke man sich, dass vor einem Publicum, das\nmit solchen Süssigkeiten überfüttert wird, das Natur und\nWahrheit der Kunst über die raffinirteste Künstelei fast ver-\ngessen hat, das in jeder Hinsicht durch Concert-Musik über-\nreizt ist, dass vor einem solchen Publicum auf einmal die\nKlänge eines einfachen Liedes ertönen, gesungen von acht-\nzig frischen, wohllautenden Stimmen mit dem Ausdrucke\nwahrer Empfindung, natürlichen Gelühls —: da erwacht\nin den Hörern der doch nicht ganz untergegangene Sinn\nfür den Volksgesang, der ja auch auf dem Inselland schöne\nBlüthen in den schottischen, irischen und englischen Glees\nund Songs getrieben hat; da regt sich, ihnen selbst unbe-\nwusst, eine verwandte Gelühlsweise in ihrem Innern, die\ngermanische Natur siegt, und das deutsche Lied, das ernste\nwie das fröhliche, dringt unwiderstehlich in Herz und Sinn\nund erobert den Boden wieder, den fremdländisches Ge-\nwächs überwuchert hat.\nDaher die Thatsache eines drei Mal wiederholten bei-\nspiellosen Erfolges; er liegt hauptsächlich in der Kraft der\nGegenwirkung, er ist das Resultat einer Reaction, die man\ndurchaus nicht überschätzt, wenn man von ihr einen nach-\nhaltigen Einüuss auf einen Theil der musicalischen Zu-\nstände in London erwartet, nämlich auf denjenigen, wel-\ncher den Gesang betrifft. Schon haben sich in Folge der\nConcerte der kölner Sänger In London Gesang-Vereine von\nDilettanten gebildet, nicht bloss Liedertafeln, sondern voll-\nständige Chor-Vereine von Damen und Herren, unter denen"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "211", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570704-01.1.3", "texte": "die beiden unter der Leitung von Benedikt und Leslie\ndie bedeutendsten sind, welche den Sinn für die wahre Mu-\nsik wieder wecken und nähren, indem sie sich zunächst in\nsehr richtig berechneter Weise an die englischen National-\nlieder und die Gesänge von Henry Bishop und Anderen\nanschliessen und von diesen dann auf die Werke der deut-\nschen Meister übergehen.\nDer erstgenannte dieser Vereine zählt unter dem Pro-\ntectorate des auch bei uns von Berlin und Wien her be-\nkannten Musikfreundes Grafen von Westmoreland 300\nMitglieder, und Julius Benedikt, der Dirigent desselben,\nsprach es in der Rede, mit welcher er den von dieser Vo-\ncal Association eingeladenen kölner Verein in Hanover\nSquare Rooms, dem Locale derselben, empfing, öffentlich\naus, wie folgenreich das Auftreten der deutsehen Sänger\nfür London gewesen sei und sein werde. Er sagte unter\nAnderem: „Ihre wiederholte Anwesenheit in England hat\neinen Einfluss auf die hiesige Gesangmusik gehabt, den Sie\nselbst nicht ahnen konnten. Auch dieser Verein, in dessen\nNamen ich Sie heute begrüsse, verdankt seine Entstehung\nder Anregung, welche Ihre Concerte gegeben haben\" u.\ns. w. Die Chorgesänge von H. Bishop, J. Benedikt,\nBortnianski, Abt, Mendelssohn machten einen sehr erfreu-\nlichen Eindruck; in den meisten war der Vortrag schon\nrecht genau und hübsch abgerundet, und namentlich die\nFrauenstimmen hatten einen frischen und lieblichen Klang.\nSolchen Thatsachen, wie dem gegenwärtig wieder er-\nneuten Enthusiasmus und der bereits ins Leben getretenen\nNachwirkung des früheren gegenüber, muss man die Con-\ncerte des kölner Männergesang-Vereins in London als ein\nEreigniss betrachten, das für ihn selbst höchst ehrenvoll\nund für die Ausbreitung des künstlerisch gebildeten Chor-\ngesanges von nicht geringer Bedeutung ist. Alle Mitwir-\nkenden, der Vorstand, der Dirigent, sämmtliche Mitglieder\nverdienen desshalb den Dank und die Anerkennung der\nKunstfreunde; denn der errungene Erfolg ist wahrlich bei\njeder Fahrt nur mit grossen Opfern, Anstrengungen und\nMühen erkauft worden. Dafür ist es aber auch ein erhe-\nbendes Gefühl, von erhöhter Stelle herab zwölftausend\nMenschen, wie am 6. Juni im Krystall-Palaste zu Sy-\ndenham, vor sich zu überschauen und diese mit den bun-\ntesten Farben der Mode geschmückte Volks-Versammlung\naus den gebildeten Classen der Residenz der Königin der\nMeere durch den Gesang eines einfachen deutschen Volks-\nliedes, wie „Die drei Röslein\", so zu ergreifen, dass ihre\nBegeisterung nach athemloser Stille wie ein Gewittersturm\nlosbricht. Solche Momente sind selten, und die grösste\nVirtuosität des Einzelnen wird nie etwas Aehnliches er-\nzeugen.\nDiese Erfahrung—-und sie hat sich in jeder Stadt und\nin jedem Concertsaale bei der dreimaligen Anwesenheit in\nEngland wiederholt und zeigt sich auch auf allen Sänger-\nfesten in Deutschland— lehrt uns denn auch, dass die wahre\n. /■ '\nAufgabe des vierstimmigen Männergesanges nicht in der\nAufführung ausgedehnter und kunstreicher Chöre mit con-\ntrapunklischer Arbeit besteht, sondern in dem ursprünglich\nnatürlichen, durch technische Vollendung aber künstlerisch\nverschönerten Vortrage des einfachen Liedes. Das Quartett\nvon Männerstimmen ist vorzugsweise lyrisch; sein Ur-\nsprung ist das deutsche Volkslied, und diesen sollte es nie\nverläugnen. Damit ist das Geschrei über die Wahl\nStücke, welches eben aus Verkennung des eigentlichen\nCharakters des Männer-Vocal-Quartetts öfter erhoben wird,\nzum grösslen Theile widerlegt, wobei wir natürlich keines-\nwegs in Abrede stellen wollen, dass auch die Wahl der\nlyrischen Gesänge einer strengen Sichtung unterliegen und\nnur Würdiges vorgeführt werden müsse. Allein man sucht\ndas Würdige oft fälschlich, wenn man den Charakter der\nMännlichkeit im Leben und Wirken ausschliesslich ins\nAuge fasst und, wie heutzutage leider so häufig, das We-\nsen der Musik darüber aus den Augen setzt, das Wesen\nder Kunst, insbesondere der Gesangeskunst, die ihre un-\nverletzbaren Rechte hat.\nSo haben denn auch in London die Chöre von Men-\ndelssohn zur Antigone, dessen „An die Künstler\", Fischer's\n„Meeresstille und glückliche Fahrt\", V. Lachner's 66.\nPsalm, B. Klein's „Hoch thut euch auf\", obwohl alle dort\nnoch nie gehört, zwar Anerkennung gefunden, auch war\ndie Kritik voll Lobes über die vortreffliche Ausführung\nauch dieser grösseren Sachen durch den kölner Verein;\nallein eine durchschlagende Wirkung machten nur die Lie-\nder und die einfachen Gesänge. Auch muss man zur Ehre\ndes londoner Publicums sagen, dass es nicht bloss durch\nOtto's „Schwäbisches Tanzlied\", Kücken's „Junge Musi-\ncanten\" und Aehnliches in einen Entzückungsrausch ver-\nsetzt, sondern dass z. B. Mozart's in Exeter\nHall von den 2500 Zuhörern da capo verlangt wurde,\ndass die Volkslieder ernsten Inhalts: „Jetzt gang i ans\nBrünnele\", „In einem kühlen Grunde\" u. s. w., und Lie-\nder wie C. M. v. Weber's „Schöne Ahnung\", „Freiheits-\nlied\", „Schlummerlied\", „Schwertlied\", „Lützow's wilde\nJagd\", Mendelssohn's „Wasserfahrt\", „Abschiedstafel\",\n„Der frohe Wandersmann\", „Der Jäger Abschied\",\n„Abendständchen\", „Liebe und Wein\", „Türkisches"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "212", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570704-01.1.4", "texte": "Schenklied\", C. Kreutzer's „ Tag des Herrn\", „ Die Capelle\",\n„ Frühlingsnahen\", Neukomm's „ Tenebrae factae sunt\",\nSchumann's „Lotosblume\" u. s. w. stets einen grossen\nEindruck machten. Von den heiteren Gesängen zündeten\ndie beiden oben genannten, Marschner's „Heideli\" und\nGirschner's „Hüte dich!\" am meisten.\nDer Verein hat an den zwölf Wochentagen vom 25.\nMai bis 6. Juni in Hanover Square Rooms zehn, in Exeter\nHall zwei Concerte gegeben, im Krystall-Palaste zu Syden-\nham eines, ferner am 5. Juni in Buckingham Palace vor\nIhrer Maj. der Königin und dero engerem Hofcirkel, und\nam Geburtstage der Königin (den 24. Mai, der aber am\n26. officiel gefeiert wurde) zu ApsleyHouse, der Residenz\ndes Herzogs von Wellington, gesungen. Er ist also im\nGanzen fünfzehn Mal aufgetreten, was allein schon, zumal\nwenn man die Proben mit in Anschlag bringt, unseren obi-\ngen Ausspruch über die Opfer, welche die Mitglieder der\nSache der Kunst gebracht, hinlänglich rechtfertigt. Die\nmeisten , von diesen Concerten waren so genannte Morgen-\nConcerte, d. h. von 3% bis 5V2 Uhr Nachmittags, was\ndenn die Abende für den Besuch der Theater und andere\n1 . .\nAbend-Vergnügungen frei liess. Auch das Concert im Kry-\nstall-Palaste begann um 3 Uhr, nachdem die Palast-Di-\nrection dem Vereine ein glänzendes ge-\ngeben halte. Beiläufig gesagt, speis'ten hier 96 Personen\nin einem Saale, den man in den ungeheuren Räumen des\nKrystall-Palastes als ein Neben-Cabinet vorher gar nicht\nbemerkt hatte. Die zwei Concerte in Exeter Hall waren\nAbend-Concerte und begannen um halb neun Uhr, die\nSoireen in Buckingham Palace und in Apsley House um\nzehn Uhr Abends.\nDas Concert bei Hofe war nicht bloss an und für sich,\nsondern auch noch durch besondere Umstände höchst\nehrenvoll für den Verein, indem Ihre Majestät die Königin\nerst am Donnerstag den 4. Juni Abends von der Insel Wight\nnach London gekommen war und gleich für den folgenden\nTag die Anordnung des Concertes befahl. Ferner war aus-\nser dem Prinzen Albert und der Prinzess Royal Königl.\nHoheiten nur ein ausgewählter Kreis von einundzwanzig\nPersonen eingeladen, und ausser den Gesängen des Vereins\nfanden keine Künstler-Vorträge irgend einer anderen Art\nStatt. Die Allerhöchsten Herrschaften äussersten in den\nhuldvollsten Ausdrücken ihre Zufriedenheit gegen den Di-\nrigenten Herrn Franz Weber und gegen mehrere Mitglie-\nder des Vereins. Es wurden neun Lieder gesungen, darun-\nter „Der Gondolier\", Composition von Franz Weber für\nBariton-Solo und Chor (Sofo: Herr M. DuMont-Fier), und\n„Dein Wohl, mein Liebchen\" von A. Zöllner für Tenor-\nSolo und Chor (Solo: Herr B. Peretti). Eröffnet wurde das\nConcert mit dem Liede „ Die Rose von England\", Gedicht\nvon L. Bischoff, Musik von Fr. Weber, als Huldigungs-\ngruss an die Prinzess Royal, die verlobte Braut des Prin-\nzen Friedrich Wilhelm von Preussen. Ein Souper mit wahr-\nhalt königlicher Bewirthung beschloss den Abend.\n\nDas 35. niederrheinische Musikfest.\nIII.\n(S. I. Nr. 25, 11. Nr. 26.)\nDas Künsller-Concert am dritten Tage fand ein sehr\nangeregtes und belebtes Publicum. Es begann mit der\nOuvertüre zu Ruy Blas von Mendelssohn, einem seiner\nnachgelassenen Werke. Sie ist in unglaublich kurzer Zeit\ncomponirt und erhebt sich nicht zu der genialen Höhe der\nübrigen Ouvertüren; es gebricht ihr jene charakteristische\nFärbung, jene ins Feinste ausgeführte Stimmung, durch\nwelche sich Mendelssohn's Arbeiten auszeichnen. Indessen\nmit grosser Bravour concipirt, ist sie nicht ungeeignet lür\nden Anfang eines Concertes, und hat noch den grossen\nVorzug, dass sie leicht einzustudiren ist. Sie machte, wenn-\ngleich ohne feinere Nuancen, doch feurig und in schnellem\nTempo ausgelührt, ihre Wirkung. Ihr folgte eine Concert-\nArie lür Alt von einem jungen holländischen Componisten,\nR. Hol aus Amsterdam, vorgetragen von Fräul. A. T. Es\nschien uns, als wäre sie eigens für die Sängerin geschrie-\nben, so sehr war sie der Natur ihres Materials angepasst,\nund gab der Gesanges-Künstlerin Gelegenheit, Ausdruck,\nGeläufigkeit und schönen CJmlang der Stimme zu zeigen.\nDies ist schon ein grosser Vorzug einer Arie und immer\nein Zeichen von einem Talente, welches aus sich heraus zu\ngehen versteht. Als Composition gab sie Zeugniss von ern-\nstem Streben nach klaren und ausgebildeten Formen, von\nechter musicalischer Empfindung, von einem Sinne, welchem\ndie Seele der Musik, der Gesang, erschlossen ist. Die mitt-\nlere Partie würde wesentlich gewinnen, wenn sie zu kür-\nzen wäre. Doch ist es möglich, dass ein etwas rascheres\nTempo oder ein besseres Accompagnement ihre Länge we-\nniger lühlbar macht. An jenem Abende war nur der Vor-\ntrag der trefflichen Dilettantin zu loben, im Orchester da-\ngegen wurden vielfache Fehler bemerkbar, die Niemand so\nlebhaft empfunden haben mag, als der anwesende Compo-\nnist selbst; doch brauchte man nicht der Componist zu sein,\num sie zu hören. Die Sängerin und ihre Wahl fand leb-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "213", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570704-01.1.5", "texte": "haften, anhaltenden und wohlverdienten Beifall. Herr Con-\ncertmeister Singer trug hierauf das Beethoven'sche Violin-\nConcert vor. Diese wundervolle Composition ist in dem\nletzten Decennium so sehr auf den Höhepunkt ihrer Aner-\nkennung gekommen, dass bei feierlichen Veranlassungen\nfast kein Geiger etwas Anderes zu spielen versucht. So ist\nsie denn ein wahrer Prüfstein für Violinisten, und das Ge-\nfühl des nahen Vergleichs mag auch manchen befangener\nmachen, als es ihm selber lieb ist. Fast schien es uns, als\nerläge der vortreffliche Künstler, der sie diesmal vortrug,\ndem Gelühle, dass er mit der Erinnerung an Joachim um\ndie Wette spielen müsse; er kam nicht ganz zu der Ruhe,\nzu der Macht und Tiefe des Ausdrucks, zu der ihn seine\nausgezeichnete Technik und das, was man ausserdem von\nihm und in der Probe hörte, befähigten. Vorzüglich schön\nist seine Bravour, namentlich seine Scalen; in der Cantilene im\nzweiten Satze wollten feine Ohren hier und da eine kleine\nAbweichung von jener absoluten Reinheit bemerken, welche\nunerlässlich ist, wenn sich über die Seele des Hörers jener\nunwiderstehliche Zauber ausgiessen soll, der die Welt und\nAlles beim süssen Schwelgen in Tönen vergessen lässt. Der\nVirtuose wird uns nicht zürnen, wenn wir nichts verschwei-\ngen; er hat grosses Talent und sehr viele Stufen auf der\nBahn zum Parnass schon erstiegen; das Publicum ward\nergriffen und lohnte mit stürmischem Applaus.\nr\nHierauf hörten wir ein Stück aus einer Hymne von\nCherubini: „Inclina Domine aurem luam\", ein Adagio lür\nChor mit einem melodiösen Mittelsatze für Tenor-Solo, eine\nComposition von wundervollem Adel der Empfindung und\nhöchster Raphael'scher Reinheit des Stils. Sie passte so vor-\ntrefflich zu der lieblichen Stimme des Herrn Göbbels, zu\nseiner einfachen und wohlgebildeten Art des Ausdrucks,\ndass er damit einen ganz ausserordentlichen Erfolg errang.\nHerr Göbbels, ein geborener Aachener und seit einem\nJahre auf der Rheinischen Musikschule, hat in der letzten\nZeit vielfache Anerkennung seiner angenehmen Begabung,\nseines nur auf wahre Bildung gerichteten Strebens erfahren.\nDie Natur hat ihm viel gegeben, und die geistige Luft, in\ndie er gekommen, hat ihn sehr gehoben. Möge er nicht\nnachlassen und nicht vergessen, dass nur die grösste Aus-\ndauer zu einem hohen Ziele, zu einer allseitigen Beherr-\nschung der Mittel führt; dass in der Laufbahn eines Künst-\nlers nichts trügerischer ist, als die ersten Erfolge! Es wäre\nschade, wenn seine so schöne Stimme, seine musicalische\nAnlage nicht auf die Höhe künstlerischer Reife gebracht\nwürden!\nDen Beschluss des ersten Theiles machte das Clavier-\nConcert von Liszt, vorgetragen von Herrn von Bülow aus\nBerlin, einem der bedeutendsten unter den jüngeren Vir-\ntuosen und Schülern Liszt's. Er zeigte die vortrefflichen\nEigenschaften der Schule seines Meisters, einen brillanten\nund doch wohlklingenden Anschlag, eine vollendete Tech-\nnik und bei grossem Feuer Ruhe und Sicherheit des Vor-\ntrags. Und doch konnte man sich nicht damit versöhnen,\ndass Liszt, der Componist selbst, einst der Heros des Cla-\nvierspiels, hochoben den Tactstock in der Hand hielt und ein\nAnderer am Flügel sass. Warum spielte er nicht? Er ist\ndoch gewiss noch im Besitze derjenigen Eigenschaften, die\nihn gross machten, die ihn zu einer europäischen Berühmt-\nheit emporhoben! Hat denn Mozart nicht auch noch\ngespielt, nachdem er den Idomeneo geschrieben hatte?\nWenn freilich Liszt der Meinung ist, dass seine Compo-\nsition auch ohne sein Spiel und seine Persönlichkeit siegen\nsolle, so dürfte er sich sehr zu nahe treten. Das Publicum\napplaudirte wenigstens aufs lebhafteste Herrn v. Bülow\ndurch alle Zeichen des Beifalls, während es für den anwe-\nsenden und dirigirenden Componisten nichts übrig hatte.\nWar es verstimmt, Liszt hier am unrechten Platze zu se-\nhen, oder war wirklich die Composition so unverständlich,\ndass sie die Artigkeit gegen ihren Urheber vergessen liess?\nSie ist in der That nicht geeignet, Eindruck hervorzu-\nbringen; es sind musicalische Motive in ihr, es kommt zu\neinzelnen Angriffen, aber es geht nicht voran, die Musik\nverliert sich alsbald in den Irrgängen unfassbarer Modula-\ntionen, die Motive brechen ab, andere zeigen sich, um eben\nso unausgebeutet verlassen zu werden. Das Instrument ist\nmit grösster Kenntniss behandelt, doch verleitet auch hier\ndie Sucht nach Abenteuerlichem, dass man sich zu früh in\nextremen Klangwirkungen findet; die Instrumentation da-\ngegen schweift so sehr über die Gränze des bisher Erlaub-\nten und als schön Anerkannten hinaus, dass sie sogar auf-\nhört, pikant zu sein.\nDie Ouvertüre zu Tannhäuser, mit welcher der zweite\nTheil begann, ist so unendlich oft gehört und besprochen,\ndass ein Urtheil über sie wohl bei jedem, der sie kennt,\nfest steht. In dieser kolossalen Besetzung zeigten sich die\nglänzenden Seiten und ihre nächtlichen Eigenschaften in\nvergrössertem Maassstabe. Wer sich andern unterirdischen\nSinnentaumel ergötzen mag, wem das unaufhörliche Ge-\nschwirre der in die letzte Gränze des Unterscheidbaren\nhinauf wirbelnden Violinen gefällt, wem der Venusberg so\ntheuer ist, dass er an seinem feuersprühenden, zuckenden\nGfanze so lange verweilen mag, als Wagner uns nöthigt,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "214", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570704-01.1.6", "texte": "an ihn ze glauben der hat gewiss an jenem Abende\ngrosse Freude gehabt. Denn nie trat das Nervenaufregende\njener Musik, deren Wirkung zum grossen Theile auf ihrer\nBeharrlichkeit im Losklopfen auf dieselbe Seite des Gefühls\nberuht, so mächtig hervor. Uns freilich will die Versöhnung\ndurch den Pilgermarsch durchaus nicht genügen, wir sehnen\nuns nach Licht, das von oben kommt, nach einem Momente,\n. \\\nder uns die reine Jungfrau zeigt, die den Höllenspuk und\ndie sündliche Begier im Manne überwindet. Die Bravour\nder Ouvertüre, das Kolossale im Effect schmeichelt dem\nOrchester so gut, wie dem italiänischen Sänger die Wir-\nkung schmeichelt, die seine Cadenzen machen; darum wird\nsie nicht ungern gespielt, und da sie wohl einstudirt und\nvon allen Mitwirkenden fast auswendig gewusst war, machte\nes keine Schwierigkeit, sie glänzend auszuführen. Der Ein-\ndruck beim Publicum war gross, doch nicht so durchschla-\ngend, als Viele erwarteten und Andere fürchteten.\nRein grösserer Gegensatz war denkbar, als nach der-\nselben die Arie des Pylades in A-dur aus der Iphigenie\nvon Gluck, vorgetragen von Herrn Schneider. Der anmuth-\nvolle, herzergreifende Gesang und die innige Empfindung\nvon alter, fast vergessener Treue und Aufopferung kam\nunter Herrn Schneider's echt künstlerischer Behandlung zu\nschönem Ausdrucke. Hier war Licht und heilige Gluth, und\nder Sänger liess sich auch nicht hinreissen, den Gürtel zu\nverletzen, der wahre Schönheit maassvoll umschliesst. Es\nfolgte ihm reicher und anhaltender Beifall. Der Eindruck,\nden er hinterliess, ward noch gesteigert durch den, wel-\nchen Frau von Milde mit dem Vortrage der Arie aus Fi-\ndelio: „Abscheulicher\", hervorbrachte. Hier war Alles\nglänzend und schön, und wie Beethoven in reichster Pracht\ndas alles enthüllt und ausspricht, was man bei Gluck zu-\nweilen nur ahnt, bei Gluck, dem letzten Propheten vor\nden sich schon erfüllenden Tagen der messianischen\nZeit der Musik, so war auch in dem Vortrage der\nBeethoven'schen Arie alles erfüllt, was der Wunsch eines\nVerehrers des unsterblichen Meisters in sich fasst. Hier\nwar der Höhepunkt des Festes.\nDen Beschluss des Künstler-Concertes machte eine\nWiederholung des Hallelujah von Händel. Liszt mässigte\ndiesmal seine subjectiven Anschauungen von diesem Chor,\nund er ging daher weit ungestörter in natürlichem, maje-\nstätischem Fluss. Man brachte nun dem Dirigenten die\nOvation des Lorberkranzes und Orchestertusches, es wur-\nden Festgedichte vertheilt oder vielmehr vom Dache des\nHauses durch die Luft herniedergestreut. Das Publicum\nselbst verlor sich schnell, und der Versuch wiederholter\nBeifalls-Bezeugungen fand einen auffallend kurzen Wie-\nderhall.\nAm anderen Morgen fand zur Nachfeier eine kleine\nMatinee vor ausgewähltem Publicum Statt, in welcher Herr\nv. Bülow und Herr Singer die Kreuzer-Sonate ganz vor-\ntrefflich spielten, Frau Pohl mit dem Vortrage eines bril-\nlanten Stückes für die Harfe einen grossen Erfolg hatte,\nFrau von Milde zwei Lieder von Franz und zwei von Schu-\nbert („Gretchen am Spinnrad\" und „Auf dem Wasser zu\nsingen\") unter allgemeinster Anerkennung vortrug. Das\nletzte musste wiederholt werden. Den Beschluss machte\nein Quartett von Schubert, gespielt von den Herren Sin-\nger, Stör, Waldbrühl aus Weimar und Herrn Suhr aus\nAachen (jetzt von der grossherzoglich Mecklenburg-Stre-\nlitz'schen Hofcapelle gewonnen oder vielmehr dem Rheine\nentführt, denn er war ganz ausgezeichnet und dürfte so\nleicht nicht ersetzt werden). Die Herren spielten sehr schön\nzusammen, doch fand die herrliche Schubert'sche Compo-\nsition nach der dreitägigen Anstrengung des fortwährenden\nGeniessens nicht mehr die nöthige Frische und Spannkraft\nin dem Gemüthe des Hörers vor. Wir erwähnen noch der\nLieder-Vorträge der aachener Liedertafel unter Leitung\ndes Herrn Concertmeisters Wenigmann, die sich durch\nherrliche Stimmen jeder Qualität nach Höhe und Tiefe hin\nauszeichnet und deren Ausführung eben so sehr von gu-\ntem Geschmack des Dirigenten als von Fleiss und talent-\nvollen Kräften im Vereine Zeugniss geben.\nDie Liedertafel am Sonnabend Abends, nach der Haupt-\nprobe des Messias, hatte im reichbesetzten Saale bei ge-\nfüllten Weingläsern und von Speisen gestärkten Sinnen\neinen sehr heiteren und gemüthlichen Charakter; hier war\nder einzige Punkt des Festes, bei dem sich die Ausführen-\nden in grösserem Kreise gesellig fanden und froh begrüss-\nten. Am Sonntag Morgens trug die Concordia unter der\nDirection des Herrn Ackens eine Anzahl Männerchöre vor.\nAlle Festgenossen waren geladen und der Saal gedrängt\nvoll. Wir wissen nicht, welchem der beiden Vereine wir\ndie Palme geben sollen sie sind beide ganz vortrefflich\nund machen der Pflege des Männergesanges die grösste\nEhre.\n\nRichard Hammer.\n\nWährend der letzten Winter-Saison war in den pari-\nser Concertsälen ein junger Deutscher vorzugsweise Lieb-\nling der Haute volee.Auf den Programmen der meisten\nKünstler, welche dortConcerte gaben, lies't man: „Unter-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "215", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570704-01.1.7", "texte": "stützt durch Herrn Hammer\", and wo die Concerte' mit\nOrchester-Begleitung Statt fanden, noch ausserdem: „Un-\nter Leitung des Herrn Hammer.\" Die Berichte in der Ga-\nzette musicale,in der France und in sämmtlichen\nBlättern, welche über Concerte referiren, sind einstimmig\nin Bewunderung und Anerkennung dieses jungen Künst-\nlers, dem sie die glänzendste Zukunft in Aussicht stellen.\nDa derselbe ein geborener Rheinländer ist, so hat die Nie-\nderrheinische Musik-Zeitnng vorzugsweise die Verpflich-\ntung, etwas Näheres über ihn zu berichten.\nRichard Hammer ist in Elberfeld geboren und\nzeigte .schon in frühester Jugend eine besondere Neigung\nzur Musik, namentlich zum Yiolinspiel. Den ersten Unter-\nricht empfing er von A. Maier, einem der besten Schüler\nSpohr's, jetzt Musik-Director in Ansbach. Unter dessen\ntrefflicher Leitung machte er so bedeutende Fortschritte,\ndass er, kaum dreizehn Jahre alt, vor Sr. Majestät unse-\nrem Könige bei einer Anwesenheit auf Schloss Brühl ein\nConcertstück mit dem grössten Beifalle vortrug, dafür reich\nbeschenkt wurde und zugleich die Zusicherung thätigster\nUnterstützung empfing. Durch diesen Erfolg gehoben,\nreis te Hammer noch in demselben Jahre nach Paris und\nwurde auf die besondere Verwendung des preussischen\nGesandten in das dortige Conservatorium aufgenommen\neine Gunst, die nur selten Ausländern zu Theil wird.\nSeine Bescheidenheit, sein ausdauernder Fleiss,, seine innige\nBegeisterung lür die erwählte Kunst erwarben ihm bald\ndie ganz besondere Zuneigung Habenek's, der ihn mit der\nhohen Auszeichnung beehrte, ihm privatim Unterricht zu\nertheilen, ja, ihn allmählich so lieb gewann, dass er ihn\nsogar auf sein Landgut mitnahm, als er, seine sämmtlichen\nStellen niederlegend, sich dahin alt und krank zurückzog.\nBis an das Lebensende beschäftigte sich hier der greise\nMeister ausschliesslich mit seinem Lieblingsschüler, der ihm\ndie Augen zudrückte und als reichstes Erbe die unschätz-\nbaren Erfahrungen davontrug, die Habenek in einem lan-\ngen, vielbewegten Künstlerleben gesammelt hatte. Nach\nvollendetem Cursus im Conservatorium suchte sich Ham-\nmer in Paris fortzubringen, so gut es eben ging, was lür\neinen Fremden eine um so schwierigere Aufgabe ist, als\nes dort von Einheimischen wimmelt, die jährlich das Con-\nservatorium absolviren und nun gleichfalls Unterkommen\nsuchen. Von den Dirigenten als tüchtiger Violinspieler an-\nerkannt, wurden ihm zwar von allen Seiten Stellen in den\ndortigen Orchestern angeboten; dies ist aber eine dürftige\nErwerbsquelle, weil sie bloss die eine Hälfte des Jahres\nfliegst; nichts desto weniger sah sich Hammer genöthigt,\neine solche Stelle zuerst an der italienischen, später an der\ngrossen Oper anzunehmen; nebenbei gab er Unterricht\nund ward in einigen ihm befreundeten Häusern zu Soi-\nreen engagirt. Auf diese Weise hatte er sich bald ein ge-\nnügendes Auskommen gesichert, aber dabei blieb es auch\ndenn bereits hatte er vierzehn Jahre in Paris zugebracht,\nohne von dem grösseren Publicum bemerkt zu werden;\nnur wenige Männer von Fach, die ihn näher kennen ge-\nlernt hatten, schätzten ihn seines soliden Violinspiels we-\ngen, sowohl im Solo, wie noch mehr am Orchester-Pulte.\nDa plötzlich will es der Zufall, dass wenige Stunden vor\ndem grossen Feste, welches die Stadt Paris bei Gelegen-\nheit der Taufe des kaiserlichen Prinzen gab, der Dirigent\ndes dabei fungirenden Orchesters von einigen Hundert Mu-\nsikern plötzlich erkrankte. Die Verlegenheit war gränzen-\nlos; wer durfte es wagen, ohne alle Vorbereitung an die\nSpitze einer ganzen Armee von Musikern zu treten und\neinen solchen Instrumenten-Stnrm mit sicherer Hand au\nbewältigen? Jetzt erst wurde des guten Deutschen gedacht,\nden man länger als ein Decennium in der Verborgenheit\ngelassen hatte. Hammer wurde an die Spitze des Orche-\nsters berufen und leitete dasselbe so vorzüglich, als hätte\ner es damit schon Jahre lang zu thun gehabt. Von diesem\nTage an war sein Ruf gemacht; in allen musicalischen Cir-\nkeln, in allen Zeitschriften war von nichts Anderem als\ndem neu entdeckten Talente die Rede. Die Virtuosen be-\neilten sich, das in ihren Concerten nöthige Orchester unter\nseine Leitung zu stellen, zu den glänzendsten Soireen\nwurde Hammer berufen, um ihnen durch sein eminentes\nViolinspiel noch höheren Glanz zu verleihen, und die Ver-\nleger fingen an, sich um seine Compositionen zu bewerben.\nMan stellt ihn in die erste Reihe der jetzt lebenden Violin-\nVirtuosen, bewundert nicht allein seine Reinheit und voll-\nendete Technik, sondern noch weit mehr die ausnehmende\nInnigkeit seines Vortrages und vor Allem das tiefe Ver-\nständniss, womit er unsere Classiker, namentlich Mozart,\nauffasst. Er ist mit Einem Worte jetzt eine Notabilität in\nder pariser Kunstwelt geworden, und da sich diese Stel-\nlung nicht auf eine Laune der Mode, sondern auf wahres,\ninneres Verdienst gründet, so dürfen wir mit Bestimmtheit\nannehmen, dass Hammer diese Stellung nicht allein be-\nhaupten, dass im Gegentheil seine Bedeutsamkeit von Tag\nzu Tag wachsen und sein Einfluss sich immer mehr gel-\ntend machen wird.\nSo haben wir denn einmal wieder die Freude, die\ndeutsche Kunst trotz aller Hindernisse als Siegerin aus\ndem Kampfe mit dem Auslande hervorgehen zu sehen."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "216", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570704-01.1.8", "texte": "Möge unser talentvoller Landsmann, der jetzt in der Blü-\nthe des Lebens steht, mit unverminderter Kraft die ruhm-\nvolle Bahn verfolgen und durch seinen ausgezeichneten\nVortrag unseren grossen Tondichtern immer neue Trium-\nphe bereiten!\n\nd.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nBerlin« Eine junge Sängerin, Fräul. Wipp er n, ist nach ih-\nren Debuts-Rollen Agathe und Alice bei der königlichen Oper en-\ngagirt worden.\nIn Weimar wurde eine neue Oper, „Landgraf Ludwig's Braut-\nfahrt\", von Eduard Lassen (Text von zum ersten Male auf-\ngeführt. Der Erfolg wird als günstig geschildert.\ni ,\nDer braunschweiger Männergesang-Verein veranstaltet drei\nAbonnements-Concerte, um einen Fonds zu gründen, aus welchem,\nnach dem Beispiele des wiener Männergesang-Vereins, für diejenigen\nMännergesangs-Compositionen, welche in seinen Gesellsehafts-Con-\ncerten zum ersten Male zur Aufführung kommen, ein Ehrensold ge-\nzahlt werden soll. Im ersten dieser Abonnements-Concerte, die sich\nreger Theilnahme erfreuen, wirkten die Gesang-Vereine von Berlin,\nMagdeburg, Wolfenbüttel u. s. w. mit, welche über Braunschweig\nzum norddeutschen Gesangfeste nach Pyrmont (13. —l5. Juni)\nreis'ten. (Signale.)\nKarlsruhe. Fräul. Auguste Brenken ist am hiesigen\nHoftheater engagirt. Sie ist als Agathe, Pamina, Gabriele im Nacht-\nlager von Granada mit grossem Beifall aufgetreten.\nRoger gibt in Hamburg Gastrollen; er trat zuerst am 27.\nJuni als George Brown in der Weissen Dame auf.\nSonntag den 21. Juni hatten wir Gelegenheit, in der\nSt.-Peterskirche die schöne Messe in D von Rott er (so genannte\nSopran-Solo-Messe) zu hören, in welcher die auf der Durchreise in\nWien anwesende königlich preussische Kammersängerin Frau Herren-*\nburg-Tuczek den Sopran-Solopart sang. Die als eine eben so treff-\nliche Oratorien- und Kirchen- als Opernsängerin bekannte Frau ist\nnoch immer im Besitze einer vollen, wohlklingenden Stimme und\nmachte durch den weihevollen Vortrag dieses schönen Sopranparts\neinen wahrhaft erhebenden Eindruck. Auch im Vortrage des einge-\nlegten Ave für Sopran mit Chor- und Orgel-Begleitung von Fräul.\nConstanze Geiger, einer wirklich sehr gelungenen Kirchen-Com-\nposition, zeigte Frau Herrenburg ihre vorzügliche Begabung für den\nreligiösen Gesang.\n-\nDas Portrait Mozart's von Tischbein. Ueber dieses Bild,\nvon dem Herr Schnyder von Wartensee Herrn Karl Mozart bei\nGelegenheit des salzburger Festes eine genaue Copie zugeschickt\nhatte, äussert sich Karl Mozart in fqlgender Weise:\n„Mit Bedauern sehe ich mich zur Steuer der Wahrheit gezwun-\ngen, zu bekennen, dass meine immer lebhaft noch erhaltene sichere\nErinnerung in besagtem Gemälde keine Spur von Aehnlichkeit wahr-\nzunehmen vermag, so zwar, dass, wofern es nicht ganz vollkommen\nnoch erwiesen sein sollte, dass Tischbein's Originalgemälde wirklich\ndas Portrait meines Vaters darstelle, ich sogar auf die Vermuthung\nverfallen würde, dass ein Irrthum unterlaufen sei und es sich um\neine ganz andere Person handle. Selbst in Nebendingen, wie z. B.\nund hauptsächlich in der Frisur, ist eine gänzliche Verschiedenheit\nvon der von meinem Vater standhaft beibehaltenen Weise es\nmüsste höchstens sein, dass aus Anlass der Sitzung zu dieser Ab-\nbildung derselbe sich absichtlich in diese so ganz von seiner ge-\nwöhnlichen abweichende Costumirung versetzt hätte.\n„Unter der Anzahl der bisher veröffentlichten Portraits meines\nVaters erachte ich für das ähnlichste das schon vor mehr als fünf-\nzig Jahren ja, ich glaube sogar zur Zeit seines Lebens noch\nvon Artaria in Wien in Stahlstich herausgegebene, welches auch der\nSchliehtegroirschen Biographie beigedruckt und nach einer Holz-\nrelief-Sculptur des berliner Künstlers Posch verfertigt wurde, in\ndessen Besitz nun vor wenigen Tagen das salzburger Mozarteum\ngelangt ist.\n„Salzburg, den 17. September 1856.\"\n(Südd. M.-Z.)\nPestlft* Die gräflichen Geschwister Ponta haben hier zwei\nungemein zahlreich besuchte Coneerte gegeben. Die Elite des Publi-\ncums war versammelt und wurde nicht müde, den trefflichen Lei-\nstungen der genannten drei Damen die lebhaftesten Beifalls-Bezeu-\ngungen zu Theil werden zu lassen. Namentlich Comtesse Therese\nerfreute sich für ihr inniges, seelenvolles Citherspiel einer enthu-\nsiastischen Aufnahme. Sie ist auf diesem Instrumente eine Virtuosin,\nwelche keine Rivalität zu scheuen hat. Die Comtessen Clara und\nJenny excellirten durch ihre brillanten Gesangs- und Clavier-Vor-\nträge. Von Pesth begibt sich dieses Künstler-Trifolium nach dem\nOrient und wird auf den Zwischen-Stationen auch Coneerte ver-\nanstalten.\n\\\n,—\nEParis. Die neue Oper von Halevy, „La Magicienne\", wird,\nwie es heisst, erst im December zur Aufführung kommen. Nichts\nsoll gespart werden, um das neue Werk des berühmten Componisten\nder „Jüdin\" mit allem äusseren Zauber zu umgeben, den das Werk\ngestattet; an den Decorationen wird bereits gearbeitet."}]}