{"numero_id": "bm-bmtnabi-1857-07-11-01", "volume": "bmtnabi_1857-07-11_01", "ocr_sha256": "942cf3edf2b6b4a46345f43d8b1e01390f9415f7c8e83da314b2dd47e839b172", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1857/07/11_01/bmtnabi_1857-07-11_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570711-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1857-07-11-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-07-11_01#c001", "volume": "bmtnabi_1857-07-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "217", "page_fin": "217", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570711-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "217", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570711-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 346, "texte": "Inhalt.\nDie Musik-Instrumente verschiedener Völker und Zeiten. Jakob Rosenhain (Biographie). \\on F. M. Tages-\nund Unterhaltungsblatt (Köln, Di*. L. 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Mit Holzschnitten. Giessen, 1 855,\nbei J. Ricker14 trügt obige Ueberschrift. Wir geben zur\nEmpfehlung des Buches und als Probe der geistvollen Art\nund Weise, in welcher der Verfasser seinen Gegenstand\nbehandelt, einige einleitende Stellen und den Schluss jenes\nCapitels. Den Inhalt und die Tendenz des ganzen Werkes\nwerden wir in einem zweiten Artikel besprechen.\nDie Einleitung des dreizehnten Abschnittes lautet,\nwie folgt:\n„Wie die musicalischen Instrumente in den Zeiten\neben erst erwachender Gesittung bei jenen Völkern be-\nschaffen waren, welche in der menschlichen Cultur-Ge-\nN r\nschichte eine Rolle zu spielen berufen waren, bei den Ae-\ngyptern, den Chinesen, den Indern, den Hebräern, den Grie-\nchen und Römern, bei den alten Germanen, den Galliern\nund Briten, darüber werden wir eine erschöpfende Aufklä-\nrung niemals erholten können. Und zudem, wenn es mög-\nlich wäre, welcher Gewinn könnte daraus erwachsen? Wie\neuropäische Cultur überhaupt, so beginnt auch das mo-\nderne europäische Orchester allmählich, den Erdkreis zu\nerobern; es wird in Algier und der Capstadt. in Kalkutta\nund Kanton gehört und ist bis in die westlichsten Ansie-\ndelungen Nordamerica's vorgedrungen; in den Theatern\nvon San Francisco tritt es auf. so gut wie in denen von\nValdivia und Valparaiso. Nicht nur Rio Janeiro und Buenos\nAyres besitzen europäische Instrumentalmusik, sondern al-\nlerwiirts in den Steppen Brasiliens und von La Fl ata kann\nman zum Tanze die schrillen Klänge der Garana und Ga-\nranita, der Abkömmlinge der spanischen Guitarre, vernehmen.\nDennoch gibt es noch Orte genug auf der Erde, wo der-\njenige, welchem die Erstlinge der Instrumentalmusik zu\nbelauschen gelüstet, volles Genügen finden kann. Unver-\nkennbar ist das Rhythmische in der Musik das erste Ele-\nment, welchem das wilde Naturkind eine Unterstützung\ndurch besondere Werkzeuge zu geben trachtet. Choris\nerzählt in seiner Voyage pittoresque autour du monde\n(181*2), dass die Wilden Californiens ihre Tänze aufführ-\nten unter Händeklatschen und Zusammenschlagen gespal-\ntener Holzstücke, zu einem Gesänge, weichereinem Husten\nund Pfeifen ähnlicher gewesen, als melodischen Tönen. Auf\nden Sandwich-Inseln fand er, wie Cook auf den Freund-\nschafts-Inseln, das nämlich,e Orchester, welches noch durch\ngehöhlte, oben offene Kürbisse, die man zu Boden fallend\nerklingen liess, und durch Trommeln aus Cocosschalen und\nHaifischhaut verstärkt war. Von der Instrumentalmusik\nder heidnischen Bratski, welche die Ufer des Baikalsee's\nund Lenaflusses bewohnen, der Teleuten an den Neben-\nflüssen des Tom und im Lande der Kalmücken, so wie der\nTschougousen, gibt Graf Rechberg in seinem Pracht-\nwerke „Las peuples de la Russie\" (1812 und 1813)\nKunde. Bei den religiösen Tänzen ist der Priester in ein\nmit zahllosen rasselnden Metallstückchen behangenes Ge-\nwand gekleidet; in wilder Verzückung schlägt er eine fla-\nche. mit dem Felle des Wiesels oder Rennthiers überzo-\ngene, schellenbehangene Trommel. Auch bei den Eskimos\nfand Capitän Parry nur das Tamburin neben höchst mo-\nnotonem Gesänge.\n.Der erste Schritt, welcher über den Gebrauch sol-\ncher rohen Mittel hinausführte, geschah durch die Ent-\ndeckung, dass aus gewissen natürlich vorkommenden Kör-\npern sich Klänge von längerer Dauer entlocken lassen. Ob\nman an dem einen Orte zuerst einen elastisch gespannten"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "218", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570711-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5039, "texte": "Faden erklingen liess, an dem anderen durch Blasen auf\neiner Muschel, einem Stücke Schilfrohr oder auf einem\nbohlen Thierhorn oder Knochen einen Ton entlockte, wer\nmöchte das jetzt entscheiden ? Begreiflich aber ist es, dass\ndie gellenderen Töne der Blas-Instrumente bei dem unge-\nsitteten Menschen mehr Aufmerksamkeit und Gefallen er-\nwecken mussten, als die zart klingende Saite. Hörner und\nPfeifen, entweder eintönig oder durch ein paar Seitenlöcher\nnur zu höchst unästhetischem Tonwechsel geeignet, treffen\nwir darum bei den Völkern an, welche eben über die blos-\nsen Lärm- und Rassel-Instrumente hinausgekommen sind,\nwenn auch die letzteren noch vielfach den Vorrang be-\nhaupten. \"\nNachdem über die rohen Instrumente der Urbewohner\nder neuen Welt Einiges bemerkt, heisst es weiter:\n„In der alten Welt ist es auch bei den Völkern, wel-\nche nicht zu höherer Cultur-Entwicklung fortgeschritten\nsind, äusserst schwierig, das ihrem ursprünglichen Erfin-\ndungsgeiste Angehörige und aus dem eigenen musicalischen\nBedürfnisse Hervorgegangene von dem zu unterscheiden,\nwas durch den Zug der politischen Ereignisse, unter der\nGunst von Handels-Verbindungen oder auch durch zufäl-\nlige Berührung von gesitteteren Nationen der alten und\nneuen Zeit sich übertragen hat. Keine Kunst wandert leich-\nter, als die Musik. Steht bei den Künsten des Raumes die\nNatur der Kunstgegenstände selbst im Wege, so beschränkt\ndie Verschiedenheit der Sprachen und Dialekte die Ver-\nbreitung der Poesie, und wenn man auch zugestehen muss,\ndass gewisse Bereiche verschiedenartiger Entwicklung der\nTonkunst sich abgränzen, ähnlich wie Sprachgebiete, so\ngibt es der musicalischen Sprachen doch weit weniger, und\nihre Abschliessung ist keine so unbedingte, wie bei der\nWortsprache, deren Laute bestimmten Dingen und Begrif-\nfen zur Bezeichnung dienen. So haben sich denn auch die\nmusicalischen Instrumente auf das mannigfaltigste gemischt,\nam meisten bei den Völkern, deren Wohnsitze am zugäng-\nlichsten sind, bei denen des südwestlichen Europa, bei den\nUmwohnern des mittelländischen Meeres und im südlichen\nAsien. In Hoch-Asien, im äussersten Norden von Europa\nund im inneren und südlichen Al'rica hat die Cultur und\nmit ihr eine ausgebildete Musik sammt ihrem Apparate\nnoch fast keinen Eingang gefunden, und der Reisende,\nwelcher in diese unwirthlichen Länder vordringt, hat noch\nGelegenheit, die Producte der Erfindungsgabe ihrer Be-\nwohner unverfälscht zu studiren, womit sie ihrem angebo-\nrenen musicalischen Sinne zu genügen streben.\n„ —Bei allen dtm Völkern, über deren Tonwerk-\nzeuge hier Einiges kurz berichtet wurde, bestand und be-\nsteht keine Musik im höheren künstlerischen Sinne. Eine\nsolche verlangt als nothwendige Grundbedingung eine fest-\nstehende Tonleiter, nach welcher die Stimmung der Sai-\nten-, wie der Bau der Blas-Instrumente bemessen ist, und\nin welcher die Melodieen sich bewegen. Von diesem Ge-\nsichtspunkte aus möge der Leser seine Blicke auf die ein-\nzelnen Gebiete richten, in welchen eigentümliche musica-\nlische Bildungskreise sich abgeschlossen haben, auf das\nGebiet der chinesischen Musik, auf dasjenige Indiens,\ndes alten Aegypten, von Griechenland und Rom,\nauf das der muhamedanischen Reiche des Mittelalters\nund endlich auf die moderne europäische Musik,\nwelche darum wesentlich verschieden von allen übrigen\nund vollkommener als diese ist, weil sie auf die Gesetze\nder Harmonie und den daraus erwachsenen Contrapunkt\nsich gründet.\"\nDer Verfasser verbreitet sich nun über den Musikkreis\nund die Instrumente der Chinesen, Hindus, Aegypter, He-\nbräer, Griechen, Römer, Germanen (Abbildung einer sie-\nbensaitigen Handharfe aus der Bibel Karl's des Kahlen),\nund lährt dann so fort:\n„Ehe wir die Entwicklung der abendländischen In-\nstrumental-Musik im Mittelalter weiter verfolgen, müssen\nwir unsere Blicke auf das Kunstleben jener Völker richten,\nwelche unter der Herrschaft des mit unerhörter Kraft-Ent-\nwicklung auftretenden Islam vereinigt und zu hoher geisti-\nger Blüthe erweckt wurden. Persien insbesondere, wo\naltmedische Bildung mit griechischer sich gemischt hatte,\nbehauptete sich durch eine lange Reihe von Jahrhunderten\nals ein unverwüstlicher Sitz höherer Cultur, welche die\nwilden Völker, so oft diese auch von den Bergen herabstie-\ngen und als Herrscher ins Land zogen, sich unterthan\nmachte. Als der hochpoetische Geist des arabischen Wü-\nstenvolkes sich mit persischer Bildung bereichert hatte und\nunter dem Zepter der Abbasiden die ganze zauberhafte\nFülle und Pracht orientalischen Reichlhums den Herrscher-\nsitz des Kalifen zu Bagdad umgab, da wurde im Vereine\nder schönen Künste auch die Musik gepflegt. Doch behielt\nsie auch hier den ausschliesslichen Ausdruck des Melodiö-\nsen, in noch grösserer Verfeinerung als in der griechischen\nMusik, deren theoretische Bearbeitungen den Persern längst\nzugänglich geworden waren. Die Instrumental-Musik war\nnur Dienerin und Begleiterin der Dichtkunst und des Ge-\nsanges, und darum gingen auch vorzugsweise die Saiten-\nInstrumente in einer grossen Fülle der Formen aus jener"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "219", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570711-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5162, "texte": "Kunst-Periode hervor. Wenn man nach jener Anschauungs-\nweise, welche alle Vergangenheit nur als eine tsndenz-\nmässige Vorbereitung liir die Entwicklung modern abend-\nländischer Cultur ansieht, den muhamedanischen Völkern\neine musicalische Mission beimessen will, so war es die,\nSaiten-Instrumente von vollkommnerem Bau, namentlich\naber die Bogen-Instrumente, und damit den Keim zu den\nedelsten Bestandtheilen unserer heutigen Orchester dem\nAbendlande zuzuführen. Die verschiedenen Formen der\nLaute, aus welcher die Theorbe, die Mandore und Mando-\nline und die Guitarre hervorgingen, und jenes weitverbrei-\ntete Streich-Instrument, das Rebab, sind erst durch die\nAraber im südlichen Europa heimisch geworden.\nDie Musik der heutigen Araber und der Türken,\nwelche sie als Erbtheil arabisch-persischer Cultur überka-\nmen, ist keineswegs vollkommen nach den Ansprüchen un-\nseres Kunstgeschmackes; aber die eigenthümlich stetigen\nUebergänge zwischen höheren und tieferen Tönen, welche\nden Sängern eigen ist, die Bewegung der Instrumental-Be-\ngleitung in kleineren Intervallen als Halbtönen, in welcher\ndoch nach der Versicherung der Musiker jener Länder kei-\nnerlei Willkür herrscht, setzt eine Feinheit des Gehörs\nvoraus, welche in dem classisch arabischen Musik-System\neinst zu einer Eintheilung in Drittels- und Viertels-Töne\ngeführt hatte. Eine Tonleiter, nach Drittels-Tönen fort-\nschreitend, findet sich noch auf einem arabischen Blas-In-\nstrumente, der clarinetlartigen Eraquich.\n„ Die Menge der lautenartigen, so wie der Bogen-In-\nstrumente von mannigfacher Abwechslung der Form, mit\ndrei, zwei oder gar nur Einer Saite, zeigen, dass hier ihre\neigentliche Heimat ist. Die Tambura mit zwei bis acht, die\nBaglama mit drei, die Sewuri mit fünf Metallsaiten, die\nEud oder Oud (wovon der Name Laute) selbst, gehören\nalle in das Geschlecht der Lauten; Kussir, Quanon und\nSantir, die beiden ersten mit Darmsaiten, das letztere mit\nMetallsaiten bezogen, sind harfen- und hackbrettartige In-\nstrumente. Die Bogen-Instrumente der Araber sind die\nMarabba und das Rebab. Die Marabba hat nur Eine Saite\nund ist oben und unten mit Thierhaut bespannt, so dass\ndas Instrument gleichzeitig als Violine und als Trommel\ndient. Das zweisaitige Instrument Rebab hat einen Reso-\nnanzkörper aus Cocosnussschale, mit Thierfell bespannt.\nEs ist bald mit zwei, bald mit drei Saiten im Orient und\nauf der Nordküste von Africa im Gebrauche. Dieses Rebab,\nRebec oder Erbeb war ohne Zweifel die erste Form\neines Streich-Instrumentes, welche in Europa vor-\nkam, und ist der Vater der Viola, dann der Violine und\naller Streich-Instrumente unseres Orchesters. Möglich ist\nes, dass man sich desselben schon bald nach dem Einbrüche\nder Araber im neunten und zehnten Jahrhundert bediente;\nim eilften Jahrhundert war es sicher in Frankreich, Italien\nund Deutschland bekannt, da man es in verzierten Hand-\nschriften und Reliefs jener Zeit abgebildet findet. Die Ke-\nmangeh's sind arabische Bogen-Instrumente, zum Theil von\nvollkommnerer Form, als die vorher genannten. Das Ke-\nmangeh-roumy ist mit sechs in Quarten gestimmten Darm-\nsaiten bespannt; sechs unter dem Halse liegende Messing-\nsaiten, welche weder gegriffen noch gestrichen werden,\ngeben Resonanz, ähnlich wie bei der früher in Frankreich\nund bei uns gebräuchlichen Viole d'amour.\n„ An Blas-Instrumenten fehlt es der türkisch-arabischen\nMusik nicht. Flöten und Flageolette, Trompeten und oboen-\nartige Instrumente, so wie die Sackpfeife, sind im Ge-\nbrauche. Unter allen ist eine Doppelflöte, Sumara, ihres be-\nsonderen Baues wegen erwähnenswerth. Das eine, mit Sei-\ntenlöchern versehene Rohr dieses Instrumentes dient zum\nSpielen der Melodieen, während das zweite, längere, wel-\nches je nach der Tonart noch durch Ansätze gestimmt\nwerden kann, die Basstöne gibt.\n„Die Stellung der musicalischen Instrumente ist in der\nneueren Musik des Abendlandes eine ganz andere, weit\nbedeutungsvollere, als sie im Alterthume war und bei den\norientalischen Völkern noch ist. Sobald man die Instru-\nmente von der Herrschaft des Gesanges emaneipirte und\nihnen eine selbstständige musicalische Bedeutung gab, konn-\nten weder die unvollkommnen Blas-Instrumente noch die\nschwachklingenden Töne der lautenartigen Instrumente\nmehr genügen. Es musste vielmehr das Bestreben auf Ver-\nedlung des Tones, nach einer Annäherung desselben an die\nMenschenstimme in den drei Beziehungen der Fülle, Dauer\nund Klangschöne, endlich auf Reinheit der Stimmung ge-\nrichtet sein. Es war kein Grund länger vorhanden, den mu-\nsicalischen Umfang der Instrumente auf denjenigen der\nmenschlichen Stimme zu beschränken, sondern man konnte\ndas Reich der Töne nach Höhe und Tiefe ausbeuten, so-\nweit es irgend die Bedingungen ästhetischer Schönheit oder\ndie technischen Schwierigkeiten zuliessen.\n„Es ist wohl kaum ein Zweifel, dass die Grundlage\nunserer neueren Musik, die Anwendung der Harmonie-Ge-\nsetze im Contrapunkte, auch Ursache jener veränderten\nStellung der musicalischen Instrumente wurde; allein bis\nzum sechszehnten Jahrhundert hinwaren es nur die Tasten-\nInstrumente, die Orgel und das Ciavier, welche mit der\nneuen Lehre in engerer, sowohl lür diese als für die In-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "220", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570711-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5115, "texte": "strumente förderlicher Wechselbeziehung standen. Die\nTonkunst in der höheren Bedeutung des Wortes lebte bis\ndahin beinahe nur der Kirche, und so oft auch andere In-\nstrumente den Feierlichkeiten des Kirchendienstes sich zu-\ngesellten, so wurden sie doch fast aller Orten durch Ver-\nbote wieder aus demselben verbannt. Es ist eine bis auf\nden heutigen Tag vor dem Richtersluhle des Ivunsl-Urtheils\nnoch unentschiedene Frage, ob es der Würde des Gottes-\ndienstes mehr angemessen und der religiösen Andacht för-\nderlicher sei, nur Vocalmusik in der Kirche zuzulassen,\noder ob man auch die Instrumente zur Bereicherung der\nFeier gebrauchen solle. Gewiss ist, dass so vortreffliche\nChöre, wie man sie in der Sixtinischen Capelle und in den\nrussischen Hauptkirchen ohne alle Instrumental-Begleitung\nhört, von erhebender Wirkung sind, welche durch kein an-\nderes Hülfsmittel noch erhöht werden könnte. Aber wenn\nThibaut in seiner „ „Reinheit der Tonkunst44 u das Bei-\nspiel der Meister des Kirchen-Stils bis gegen Ende des\nsechszehnten Jahrhunderts als Zeugen gegen die Zulässig-\nkeit der Instrumental-Musik in der Kirche aufruft, so hätte\ner bedenken müssen, wie die damaligen Instrumente be-\nschaffen waren, dass diese fast ausschliesslich noch in den\nHänden der aus der Römerzeit überkommenen fahrenden\nSpielleute sich befanden, und auch auf die zünftigen Stadt-\npfeifer die erst mit dem siebenzehnten Jahrhundert sich\nentwickelnde weltliche Musik noch nicht veredelnd hatte\nwirken können. War doch zur Zeit Kaiser Maximilians I.\nselbst die Tafelmusik der Grossen noch ausschliesslich\ndurch Sänger gebildet.\n„Die Spielleute, welche im Mittelalter von liurg zu\nBurg zogen, sich bei Festlichkeiten der Vornehmen und in\nden Strassen der Städte hören Hessen, waren in Deutsch-\nland wenigstens eine verachtete Menschenclasse. Die Kirche\nbelegte diese „ „ varende Lille\" \", worunter, wie heutzutage\nbei denen, welche die Drehorgel auf Messen und Märkten\numhertragen, Männer und Weiber waren, mit dem Banne,\nder Sachsenspiegel erklärt sie lür rechtlos. Bei ihrem Tode\nfiel ihre Habe an den Staat, die Kinder galten den unehe-\nlichen gleich und durften kein ehrlich Handwerk lernen.\n„In Frankreich hiessen diese Musiker Menelriers; sie\nscheinen dort mehr Achtung genossen zu haben, als bei\nuns. Während des zwölften und dreizehnten Jahrhunderts\nbedienten sich diese Menetriersder in folgenden Versen be-\nnannten Instrumente:\nGe sai juglere de viele\nSi sai de muse et de Frestele\nEt de Harpe et de chiphonie\nDe la gigne de I'armonie\nEt el s al t eir e et en la rot e. - '\nMan weiss, dass Viele die Leier, Muse die Sackpfeife,\nFrestele eine Panspfeife, Harpe, Gigue und Rote harfen-,\nlauten- und citherartige Saiten-Instrumente bedeuten; da-\ngegen ist die Bedeutung von Chiphonie und Armonie nicht\naufgeklärt. Die provenzalischen Ritter, welche im zwölften,\ndreizehnten und vierzehnten Jahrhundert unter dem Namen\nder Troubadours zu poetischen Wettkämpfen umherzogen,\nhallen meist Menelriers im Gefolge, welche ihre poetischen\nErgüsse auf Sailen-Instrumenlen begleiten mussten. In der\nletzten Hälfte der Periode kam die Harfe und Leier im-\nmer mehr ausser Gebrauch, und ein dreisaitiges Bogen-In-\nstrument, das Rebec, trat an ihre Stelle.\n„Was in Frankreich die Troubadours, waren in\nDeutschland die Minnesänger, in England die Minstreis.\nBei letzteren scheint Gesang und Saitenspiel noch immer\nin Einer Hand vereinigt geblieben zu sein, und die Sänger\nstanden, als Erben der allen Barden, in hohem Ansehen\nbei dem Volke. Namenilich die Harfe hatte in Irland, Wa-\nles und Schottland eine vollkommnere Form angenommen,\nund so erregend war der Einfluss der Musik auf das Volk,\ndass Eduard I. nach der endlichen Unterjochung von Wales\n1284 es für nöthig hielt, alle Harfenspieler und Sänger\nhinrichten zu lassen.\n„ Wie die Völker einst aus dem Nomadenleben zu fe-\nsten Wohnsitzen übergingen, so scheint es auch mit den\nSaiten-Instrumenten zu geschehen. Fast bei allen gebilde-\n*•• • •\nlen Nationen war oder ist ein Saiten-Instrument als bevor-\nzugter Liebling erkoren, um mit dem wandernden Sänger\nzu ziehen und seine Lieder zu begleiten. Die Vina bei den\nIndern, die Lyra bei den Aegyptern und Griechen, die\nLaute bei den Persern und Arabern, die Mandoline in Ita-\nlien, die Guitarre in Spanien, ihre Tochter, die Guaranita,\nin Brasilien, die Balaleika bei den Slawen, die Viola bei den\nUngarn in den Händen wandernder Zigeuner, die Rotla\nund Harfe in Britannien. Nur die Chinesen bekunden von\nje her in ihrem feststehenden Kin einen stabileren Charak-\nter. Bei uns aber verdrängt das Piano mehr und mehr an-\ndere Saiten-Instrumente: und im Norden, wo man das\nHaus sucht, wird es keinen Widerstand finden, mehr wohl\nbei den leicht beweglichen Völkern des Südens, welche\nihre duftigen Nächte beim Klange der Saiten und dem\nSchalle der Lieder im Freien durchwachen.\n„ Gebirgsvölkern, welche den melodischen Ruf von\nBerg zu Berg senden, ist der Klang der Saiten zu schwach.\nDarum hat neben dem Jodelgesang in der Schweiz das\neinfache Alphorn Bestand, und darum konnten in den Ber-\ngen Schottlands die gellenden Töne des Piobs ganz die"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "221", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570711-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5163, "texte": "sanften Klange der Harfe vergessen machen, welche einst\ndort gehört wurden.\n„Nachdem der Minnegesang an den deutschen Höfen\nin Vernachlässigung und Verfall gerathen, die Edlen und\nKitter in immer grössere Rohheit und Verwilderung ver-\nsunken waren, zog sich die Musik in die Umgränzung der\nStädte zurück, der Bürgerstand übernahm den Minnegesang\nmit einer Theilung der Arbeit. Dichtkunst und Gesang fiel\nden Meistersängern anheim, welche den vorörtlichen Haupt-\nsitz ihrer an strenge Regeln gebundenen Genossenschaften\nzu Mainz, andere Vereinigungspunkte zu Nürnberg, Augs-\nburg, Ulm und Strassburg halten. Die „ „ varenden Lüle\"*\naber, welche die edlen Minnesänger hier und da aufgegrif-\nfen und in ihrem Gefolge mitgenommen hatten, mussten,\nwenn der ehrsame Bürgersmann sich mit ihnen benehmen\nI\nsollte, nun selbst zünftig und ehrlich werden, und in dieser\nneuen Eigenschaft nahmen sie den Namen der Stadlpfeifer\noder Stadtmusicanten an. Als solche haben sie sich bis in\nden Anfang des neunzehnten Jahrhunderts erhalten und\nbestehen an manchen kleineren Orten noch. Ihre Instru-\nmente waren in jener Zeit Trommeln, Pfeifen, Trompeten,\nZinken, Posaunen, die Leier, die Laute, die Cyther und\nGeige. Unter den mancherlei Gebräuchen, welche, wie in\nallen Zünften, so auch in derjenigen der Stadtmusicanten\naufkamen und mit aller deutschen Zähigkeit festgehalten\nwurden, ist von musicalischem Interesse, dass fast jede Ab-\ntheilung, die Lautenisten sowohl wie die Cytherislen, die\nZinkenislen und Posaunisten, ihre besondere Notation oder\n„ „Tabulatur\"\" hatte, ein Gebrauch, welcher seine Nach-\nwirkungen noch in unseren heutigen Orchestern äussert,\nda lür die meisten Blas-Instrumente die Noten anders ge-\nschrieben werden, als sie in Beziehung zu den Singsiim-\nmen, zu der Orgel, dem Ciavier oder den Streich-Instru-\nmenten klingen.\nI\n„Die vordem nur wild vorkommende Instrumental-\nMusik wurde zwar in den Mauern der Städte bereits ge-\nzähmt, aber veredelt und zu einem höheren Kunstganzen\nvereinigt ward sie erst durch die Oper, welche seit dem\nBeginne des siebenzehnten Jahrhunderts sich in Italien zu\nentwickeln begann. Zunächst gab die elassische Periode des\nBaues der Streich-Instrumente dem Orchester einen edeln\nKern, und erst allmählich wurde ein Blas-Instrument nach\ndem anderen würdig befunden, in den der wahren Kunst\neeweilnen Raum des Orchesters einzutreten. Der Bau der\nletzteren Instrumente konnte erst dann sich vervollkomm-\nnen, als die Verhältnisse unseres Ton-Syslems durch die\nunbestriltene Annahme der gleichschwebenden Temperatur\ngeregelt waren. Ein grosser Theil dieser Fortschritte ge-\nschah erst im neunzehnten Jahrhundert, und noch ist die\nVervollkommnung keineswegs abgeschlossen, während Ver-\nbesserunsen im Bau der Streich-Instrumente weder seit\nv />° . . , § ypj, I\nder Mitte des siebenzehnten Jahrhunderts geschehen, noch\nvorerst abzusehen sind.\n„Wenn man absieht von einigen neuen Formen der\nBlas-Instrumente aus Metall, der Ophikleide, dem Bombar-\ndon und der Bass-Tuba, welche übrigens lür das Orchester\nnur eine untergeordnete Bedeutung gewonnen haben, so\nist die im Jahre 1696 von Denn er erfundene Clarinette\ndas letzte Instrument, welches in den Chor des Orchesters\nEintritt erhalten hat. Es sind zwar eine grosse Menge neuer\nFormen musicalischer Instrumente erfunden und ausgelührt\nworden Schneider zählt deren in seiner im Jahre\n1834 erschienenen historisch-technischen Beschreibung\nmusicalischer Instrumente 86 auf—, allein ihr Erscheinen\nund ihr Glanz war meteorischer Art. Dies kann gegenüber\nden wissenschaftlichen Fortschrillen der Akustik, welche\ndoch vorzugsweise in den letzten anderthalb Jahrhunderten\ngeschahen,auffallend erscheinen; haben doch selbst die von\nChladni mit so viel Einsicht und mit unsäglicher Geduld\naus klingenden Släben erbauten Instrumente, der Clavi-\ncylinder und das Euphon, keinen Bestand gehabt;\nallein die Gründe liegen nicht fern. Entweder leisteten die\nneu erfundenen Kunstwerke nicht mehr, als bereits vorhan-\ndene, längst bewährte Instrumente, oder sie eigneten sich,\nwie z. B. Chladni's Instrumente, nur zur Ausführung\nlangsam fortschreitender, getragener Tonstücke, womit man\nbei der Stufe, zu welcher die Tonkunst sich erhoben hat,\nbei dem Reichlhum rhythmisch-melodischer Formen, welche\ndie musicalische Phantasie verlangt, unmöglich mehr aus-\nreichen kann, oder die Behandlung der Instrumente war\nzu schwierig und erforderte, wie etwa zum Treten der\nBälge oder zum Drehen von Walzen, die Mithülfe zweiter\nPersonen, oder endlich das Werk hatte einen zu wenig\ndauerhaften Bau. Die letzteren Mängel waren häufig durch\ndas Bestreben erzeugt, die musicalische Wirkung vieler\nunserer Orchester-Instrumente in einem einzigen Werke\nzu vereinigen, Es lässt sich nicht läugnen, ein Instrument,\nwelches mit dem Umfange und der leichten Behandlung\nunserer Tasten-Instrumente, des Claviers z. 8., die Mög-\nlichkeit des getragenen Spiels und des wunderbar ergrei-\nfenden Crescendo der Streich-Inslrumente vereinigte, müsste\nuns als das Ideal eines musicalischen Hülfsmittels erschei-\nnen. An Bestrebungen in dieser Richtung hat es nicht ge-\nfehlt, und schon das von Hans Ha y den, Organisten der"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "222", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570711-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5023, "texte": "Scbaldus-Kirche in Nürnberg, im Jahre 1610 erbaute\nGambenwerk gehört derselben an. Zehn bis zwölf kleine\nRollen, welche durch ein mit dem Fusse in Bewegung ge-\nsetztes Schwungrad gedreht wurden, waren auf ihrem Um-\nfange mit Pergamentstreifen bekleidet und diese mit Colo-\nphonium bestrichen. Durch Tasten wurden die Saiten des\nInstrumentes an die Rolle gedrückt und liessen dann einen\ngeigenartigen Ton vernehmen. Allein weder dieses von Kai-\nser Rudolf 11. privilegirte Instrument, noch seine im Jahre\n1757 von Ho hl fei d verbesserte Form, in welcher es\nden Namen Bogenclavier führte, vermochte der Ver-\ngessenheit zu entgehen. Eben so wenig die von Präto-\nrius abgebildete „ „Schlüsselfiddel\"\", ein violoncellartiges\nBogen-Instrument, dessen Hals in einen Kasten verschlos-\nsen war, aus welchem nur die Tasten hervorsahen, etwa\n16 an der Zahl, mittels deren die Tonleiter gespielt wurde,\nwie bei der gewöhnlichen Bauern-Leier.\n„ Die Wissenschaft ist darum doch nicht ohne Einfluss\nauf die Vervollkommnung der musicalischen Instrumente\ngeblieben, und wir hoffen, dass es uns gelungen ist, dem\nLeser anschaulich zu machen, welche Bedeutung die Aku-\nstik lür den Bau der Blas-Instrumente, so wie für die reine\nStimmung aller Instrumente gewonnen hat.\n„Es scheint, als ob es gerathener sei, anstatt nach\nneuen und mannigfaltigen Combinationen zu suchen, zuvor\ndie einfachsten Schallmitlrf, die schwingende Saite und die\ntönende Luitsäule in möglichster Vollständigkeit auszubeu-\nten und der immer weiteren Vervollkommnung der bereits\nvorhandenen Instrumente nachzugehen. Der gebildete\nKunstgeschmack des Musikers und die theoretische Einsicht\ndes Physikers müssen sich verbinden, wenn dieses erste\nZiel erreicht werden soll.\n„Wer auf einem Instrumente spielen will, welches die\nVorzüge aller bekannten musicalischen Werkzeuge verei-\nnigt, dem ist zu rathen, dass er Concert-Director werde.\nDas Orchester ist ein Instrument von wunderbarer Viel-\nseitigkeit des Ausdrucks und von riesenhafter Kraft; auf\nihm kann mit hundert Armen spielen, wer ihm Geist und\nLeben einzuhauchen versteht, wer als tiefer Kenner seine\nKlangfarben durch alle Schattirungen verfolgt hat und ihrer\nMeister ist. Die Schilderung dieser Klangfarben, bei welcher\nman in der musicalischen Literatur ähnlichen Flügen über-\nschwänglicher Phantasie begegnet\"), wie bei der Charak-\nteristik der Tonarten, liegt zu weit ab von dem wissen-\nschaftlichen Boden, welchen wir nicht verlassen dürfen,\nals dass wir selbst sie unternehmen könnten. Wir verwei-\nsen den Leser auf die Beilage von Nr. 30 der Leipziger\nAllgemeinen Musik-Zeitung im Jahrgang 1833, worin jene\nCharakteristik aus der launigen Feder eines bewährten\nKunstkenners enthalten ist, auf die musicalische Compo-\nsitionslehre von A. B. Marx und auf „die Kunst der In-\nstrumentirung\" von H. Berlioz. Selbst dieser hervorra-\ngende Musiker ist wohl in der Schätzung der materiellen\nMächte der Tonkunst zu weit gegangen. Er verspricht\nwahre Wunder von den Aufführungen eines Orchesters\naus 456 Instrumenten, worunter 120 Violinen, 40 Vio-\nlen, 45 Violoncelle, 33 Contrabässe, 30 Harfen, 30 Forte-\npiano's, 14 Flöten u. s. w. Hören wir ihn selbst: „ „Aber\nin den tausend möglichen Zusammenstellungen dieses Rie-\nsen-Orchesters würde ein Reichthum von Harmonieen, eine\nMannigfaltigkeit von Klangfarben, eine Aufeinanderfolge von\nGegensätzen wohnen, womit sich nichts, was bis auf den\nheutigen Tag in der Kunst geschaffen worden, vergleichen\nliesse, und obendrein eine unberechenbare Gewalt der Me-\nlodie, des Ausdrucks und des Rhythmus, eine durchdrin-\ngende Kraft, wie in nichts Anderem, eine wunderbare Be-\ngabung für Schattirungen im Ganzen, wie im Einzelnen.\nSeine Ruhe würde majestätisch sein, wie der Schlummer\ndes Oceans; seine Bewegungen würden an die Stürme der\nTropenländer, seine Ausbrüche an das Tosen der Vulcane\nerinnern; man würde darin die Klagen, das Gemurmel, das\ngeheimnissvolle Geräusch der Urwälder wiederfinden, das\nFlehen, die Bitten, die Triumph- oder Trauergesänge eines\nganzen Volkes voll mittheilenden Gemüthes, voll glühenden\nHerzens, voll wilder Leidenschaften; sein Stillschweigen\nwürde Furcht einflössen (!) durch seine Feierlichkeit, und\nselbst die zähesten Naturen müssten erbeben, sähen sie,\nwie sein Crescendo brüllend grösser und grösser würde,\ngleich einer ungeheuren, erhabenen Feuersbrunst!\" \"\n„Das Erhabene streift bekanntlich sehr nahe an das\nLächerliche, und es ist dal'ür gesorgt, dass auch im Reiche\nder Töne die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Die\nwahre Kunst vermeidet ein L'ebermaass äusserer Hülfsmit-\ntel; an den Compositionen des Stümpers, und wenn er mit\nbeiden Händen in den grössten Farbenkasten greift, geht\nder Kenner vorüber, um seine Gunst den wenigen Kreide-\n\n*) Raff theilt in seiner „Wagnerfrage\" an die Blas-Instrumente\nfolgende Farben ohne Weiteres aus:\nPosaune purpurroth bis braunviolett.\nHorn waldgrün bis braun.\nTrompete Scharlach bis purpurviolett.\nFagott grau bis schwarz.\nOboe hellgelb bis saftgrün.\nFlöte hell, farblos bis luftblau."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "223", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570711-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 661, "texte": "strichen zu schenken, in welchen ein Meister seine Ideen\nniederlegte.\n~ Es ist dem minder Begabten ein warnendes Exem-\npel, dass selbst ein Genius wie Berlioz, nachdem er sein\ngrosses Orchester dem Publicum vorgeführt hatte, nur\nSpott ärntete. Man berichtete aus dem grossartigen Con-\ncerte von einer Riesen-Bassgeige, deren Sailen sprangen\nund den Künstler tödteten, von einer kolossalen Posaune,\nderen Auszug beim ersten Anblasen hinausfuhr und den\nArm des unglücklichen Musikers mitriss, von einem Horn,\ndas im furchtbaren Fortissimosich plötzlich der ganzen\nLänge nach gerade reckte und erst bei sanfteren Melodieen\nwieder in gefallige Windungen sich umbog."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-07-11-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-07-11_01#c003", "volume": "bmtnabi_1857-07-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "223", "page_fin": "223", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570711-01.2.3", "titre_corps": "Jakob Rosenhain.", "titre_sommaire": "Jakob Rosenhain.", "signature_source": "F. 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Bei\nuns lür die grosse Oper schrieb erden „Dämon der Nacht\",\nOper in zwei Acten von Bavard und Etienne Arago.\nDie Auflührungen dieses Werkes, das reich an reizenden\nMelodieen ist und dessen gediegener Stil eben so den ge-\nlehrten Musiker als den geistreichen Componisten verräth,\nwurden durch Roger's damalige Reise nach Deutschland\nunterbrochen. Durch diese Störung in seiner dramatischen\nLaufbahn entmuthigt, zog sich Rosenhain nach diesem so\nvielversprechenden Debüt von der Scene zurück, deren\nVortheil es jedenfalls sein würde, ihn wieder zei gewinnen.\nUm so mehr hat er die Vocal- und Instrumental-Musik mit\neiner bedeutenden Zahl Werke anderer Art bereichert.\nEine Sinfonie für grosses Orchester ist in Deutschland und\nEngland mit Erfolg aufgeführt worden. Die Kammermusik\nbesonders verdankt ihm Vorzügliches. In musicalischen\nKreisen werden seine Sonaten, Trio's, Quartette mit war-\nmem Beifall aufgenommen, eben so seine Compositionen\nfür das Pianoforte allein, z. B. seine\nEtudes, Chansons polonaises et espagnoles, Balladen, Cala-\nbraise, „Innerer Kampf\" und vor Allem der reizende „Syl-\nphentanz\", den man auf allen Ciavieren findet. Von seinen\nVocal-Productionen haben das von La-\nmartine, „ Un reveuvon Victor Hugo, mehrere Lieder und\nsein jüngstes Werk, „Zweistimmige Lieder, im volkstüm-\nlichen Stil gehalten\", allgemeine Anerkennung erworben.\nGern übergeben wir diese Worte der Sympathie lür das\nschöne Talent und den edlen, reinen Künstler-Charakter\nRosenhain's der Oeflentlichkeit, die Rosenhain mit eben so\nviel Eifer zu meiden scheint, als Andere sie suchen.\nParis."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-07-11-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-07-11_01#c004", "volume": "bmtnabi_1857-07-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "223", "page_fin": "224", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570711-01.2.4", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "223", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570711-01.1.7", "debut_caractere": 2879, "fin_caractere_exclue": 5409, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nE&OIBI. Dr. L. Spohr verweilte den 2. und 3. Juli in unserer\nStadt. Er widmete mehrere Stunden der sorgfältigen Kenntnissnahme\nder Einrichtungen und des Studien-Planes der Rheinischen Mu-\nsikschule unter F. Hillens Directorat, und äusserte wiederholt\nseine volle Anerkennung der Leistungen der Schüler auf den ver-\nschiedenen Bildungsstufen. In einem Cirkel von Künstlern und\nKunstfreunden bei F. Hiller trugen dieser und Herr Musik-Director\nEd. Franck neue Compositionen von sich vor, die sich des sichtba-\nren Beifalles des Seniors der deutschen Tondichter erfreuten, der\nauch eine lebhafte Theilnahme für das Talent des jungen Tonsetzers\nMax Bruch bezeigte. Am Abend d. 3. Juli brachte der kölner Män-\nnergesang-Verein dem würdigen Meister eine Serenade.\nSe. Majestät der König von Preussen haben von dem Herrn\nMusik-Director Karl Reint haier ein Dedications-Exemplar des\nClavier-Auszugs seines Oratoriums „Jephta\" anzunehmen und dem-\nselben die goldene Medaille für Kunst zu verleihen geruht.\nIhre Majestät die Königin von England hat dem Professor\nL. Bise hoff einen sehr werth vollen Brillantring ~als ein Zeichen\nHöchstihrer Anerkennung der zarten und schön ausgedrückten Hul-\ndigung an die Prinzess Royal Königliche Hoheit\", d. d. Windsor\nCastle, den 12. Juni übersenden lassen. Das betreffende Gedicht\nmit Musik von Franz Weber wurde von dem kölner Männerge-\nsang-Vereine, dessen Ehren-Mitglied der Verfasser ist, den 5.\nJuni zu London im Buckingham-Palast vor Ihrer Majestät gesungen.\n„Scher z, List und Rache, komische Oper in Einem Auf-\nzuge, Text nach Göthe, componirt und seinem verehrten Lehrer\nFerdinand Hiller zugeeignet von Max Bruch, Opus 1\"\nist zu Leipzig im Verlage von Bartholf Senff im Clavier-Auszuge in\neleganter Ausgabe erschienen.\n$\nEDierfelil« Auch in diesem Jahre fährt unser Organist J. A.\nvan Eyken zur Freude aller Freunde classischer Musik fort, Or-\ngel-Vorträge zu halten. Bis jetzt haben deren drei Statt gefunden.\nWir hörten darin von J. S. Bach Präludium und Fuge (A-moll\nund F-moll), die Fugen in Cis-mol!H-dur und die Pastorale; von\nC. Ph. Em. Bach Trio (G-rnoll); von Beethoven Largo aus Op-\n2, Nr. 2, und Andante aus der fünften Sinfonie; von Niels W.\nGa d e Andante (C-dur) ; Mendelssohn Sonaten Nr. 4 und 6;\nMarkuli Trio {B-dur) ; Krebs Choral-Vorspiel, „Wir glauben all\nan Einen Gott\"; J. G. Töpfer Choral-Vorspiel, ~0 Haupt voll\nBlut und Wunden\"; von J. A. van Eyken Variationen über die\nholländische National-Hymne und Phantasie über „Ein' feste Burg\","}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "224", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570711-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4296, "texte": "Das Händel-Comite in Halle hat kürzlich Bericht über die\nResultate seiner bisherigen Thätigkeit erstattet. Dieselben sind er-\nfreulich, und man hat alle Hoffnung, das Denkmal zu Stande zu\nbringen, nach dem bisherigen Verlauf aber auch allen Grund, auf\nden Erfolg nicht allzu stolz zu sein. Ausser Halle, welches bis jetzt\n1200 Thaler allein aufgebracht hat, sind nur Brandenburg, Tübin-\ngen, Schwerin und Genfhin thätig gewesen; bestimmte Aussichten\nsind gegeben von Berlin, Köln, Stuttgart, Crefeld; von anderen Or-\nten hat man nichts gehört. M n ist also genöthigt, sehr stark mit\nauf die Thätigkeit des in London unter den Herren Smart und Bru-\nnell zusammengetretenen Comite's zu rechnen, und man wird es\nauch bestimmt können, zumal neuerlich die Königin Victoria und\nder Prinz Albert das Unternehmen unter ihren besonderen Schutz\ngenommen haben. Der Entwurf zu diesem Denkmale, welches der\nBildhauer Heidel in Berlin auszuführen beauftragt wurde, ist im\nModell bereits fertig. Händel ist in seiner ganzen energischen und\ngeistig bedeutsamen Eigenthümlichkeit zur Darstellung gebracht, als\nHerrscher im Reiche der Töne. Mit dem Tactstocke, seinem Herr-\nscherstabe, in der Rechten und gestützt auf die Partitur des „Mes-\nsias'welche aufgeschlagen auf einem mit Holzschnitzereien im Stil\ndes achtzehnten Jahrhunderts geschmückten Pulte ruht, steht er da\nin ruhiger, selbstbewusster Würde, aber innerlich bewegt und voll\ngeistiger Hoheit ein Mann und ein Charakter.\nMusik-Director Neithardt in Berlin ist aus Rom, wohin er\nvon dem Könige entsandt worden war, um die Musik-Aufführungen\nin der Sixtinischen Capelle während der Charwoche u. s. w. zu hö-\nren, zurückgekehrt.\nDen Spielern von Streich-Instrumenten wird als eine Besonder-\nheit von Interesse sein, dass der Instrumentenbauer H. Küntzel in\nBerlin ein Quintett von zwei Violinen, zwei Bratschen und einem\nVioloncello aus Einem Stück Ahornholz angefertigt hat. Wie die\n„Montagspost\" berichtet, so war dieses Holzstück ein altes Mangel-\nholz in einer Tuchfabrik in Olmiitz. Die Decken der Instrumente\nsind aus italiänischem Fichtenholz aus dem Magazin von Cesarini in\nFlorenz gefertigt. Diese Instrumente müssen allerdings eine wunder-\nbar übereinstimmende Klangfarbe besitzen, und es bliebe nur die\nFrage, ob ihr Ton überhaupt schön ist. Herr Küntzel soll seit 20\nJahren an diesen Instrumenten gearbeitet haben, die nur zusammen\nverkauft und zunächst nach der breslauer Industrie-Ausstellung ge-\nschickt werden. - >\n*\nHof-Organist Schneider in Dresden hat das Kleinkreuz des\nsächsischen C.ivil-Verdienstordens erhalten.\nicvi« Es wird den zahlreichen Freunden unseres ausgezeich-\nneten Violoncellisten Schlesinger erfreulich sein, zu vernehmen,\ndass sich derselbe von seiner langwierigen und gefährlichen Krank-\nheit gänzlich erholt und bereits Bett und Zimmer verlassen habe.\nJoseph I i s c h h o f, Professor am Conservatorium der Musik in\nWien, ist in Baden bei Wien am 28. Juni in seinem 53. Jahre\nnach längeren Leiden gestorben.\nDer Prager Zeitung wird aus Wri'en geschrieben: „Unsere Thea-\nterfreunde sind durch die Nachricht von der Demission des artisti-\nschen Directors des llof-Burgtheaters Dr Laube in nicht geringe\nAufregung versetzt worden. Wenn der genannte Director auch na-\nmentlich unter den älteren Mitgliedern der Hofbühne gerade nicht\ndie besten Freunde zählt, so wird ihm doch allenthalben die Aner-\nkennung zu J heil, mit eiserner Consequenz ein ernstes, edles Stre-\nben verfolgt und, namentlich was das Ensemble und die Inscene-\nsetzung betrifft, das Hoftheater auf eine höchst bedeutende Stufe er-\nhoben zu haben. Was die Gerüchte von der erfolgten Demission des\nDr. Laube und der Ersetzung desselben durch Halm (nach einer an-\nderen Version durch Hackländer) betrifft, so entbehren sie bis jetzt\nder Begründung. Schon der Umstand, dass Halm als Director der\nHof-Bibliothek, sowohl was Rang als Gehalt betrifft, bereits eine\nviel bedeutendere Stellung einnimmt, zeigt die Grundlosigkeit der\nConjunctur.\"\ni\nB'estli* Der höchst kunstvoll gearbeitete Lorberkranz, welcher\ndem Sänger Beck von dessen Jugendfreunden bei seinem letzten\nAuftreteil im Nationaltheater verehrt wurde, besteht aus massivem,\nfeinstem Golde, im Gewicht von ungefähr 100 Ducaten, und hat den\npesther Goldarbeiter Herrn Karl Laky zum Verfertiger."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "217", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570711-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie Musik-Instrumente verschiedener Völker und Zeiten. Jakob Rosenhain (Biographie). \\on F. M. Tages-\nund Unterhaltungsblatt (Köln, Di*. L. Spohr, Auszeichnungen, Komische Oper von Max Brach Elberfeld, Orgel-Vorträge\nHalle, das Händel-Coinite Berlin, Musik-Director Neithardt Wien, der Violoncellist Schlesinger, Joseph Fischhof j Pesth).\n\nDie Musik-Instrumente verschiedener Völker und\nZeiten.\nDer dreizehnte Abschnitt des vortrefflichen Werkes\nvon Friedrich Zamminer: „Die Musik und die\nmusicalischen Instrumente in ihrer Beziehung zu\nden Gesetzen der Akustik. Mit Holzschnitten. Giessen, 1 855,\nbei J. Ricker14 trügt obige Ueberschrift. Wir geben zur\nEmpfehlung des Buches und als Probe der geistvollen Art\nund Weise, in welcher der Verfasser seinen Gegenstand\nbehandelt, einige einleitende Stellen und den Schluss jenes\nCapitels. Den Inhalt und die Tendenz des ganzen Werkes\nwerden wir in einem zweiten Artikel besprechen.\nDie Einleitung des dreizehnten Abschnittes lautet,\nwie folgt:\n„Wie die musicalischen Instrumente in den Zeiten\neben erst erwachender Gesittung bei jenen Völkern be-\nschaffen waren, welche in der menschlichen Cultur-Ge-\nN r\nschichte eine Rolle zu spielen berufen waren, bei den Ae-\ngyptern, den Chinesen, den Indern, den Hebräern, den Grie-\nchen und Römern, bei den alten Germanen, den Galliern\nund Briten, darüber werden wir eine erschöpfende Aufklä-\nrung niemals erholten können. Und zudem, wenn es mög-\nlich wäre, welcher Gewinn könnte daraus erwachsen? Wie\neuropäische Cultur überhaupt, so beginnt auch das mo-\nderne europäische Orchester allmählich, den Erdkreis zu\nerobern; es wird in Algier und der Capstadt. in Kalkutta\nund Kanton gehört und ist bis in die westlichsten Ansie-\ndelungen Nordamerica's vorgedrungen; in den Theatern\nvon San Francisco tritt es auf. so gut wie in denen von\nValdivia und Valparaiso. Nicht nur Rio Janeiro und Buenos\nAyres besitzen europäische Instrumentalmusik, sondern al-\nlerwiirts in den Steppen Brasiliens und von La Fl ata kann\nman zum Tanze die schrillen Klänge der Garana und Ga-\nranita, der Abkömmlinge der spanischen Guitarre, vernehmen.\nDennoch gibt es noch Orte genug auf der Erde, wo der-\njenige, welchem die Erstlinge der Instrumentalmusik zu\nbelauschen gelüstet, volles Genügen finden kann. Unver-\nkennbar ist das Rhythmische in der Musik das erste Ele-\nment, welchem das wilde Naturkind eine Unterstützung\ndurch besondere Werkzeuge zu geben trachtet. Choris\nerzählt in seiner Voyage pittoresque autour du monde\n(181*2), dass die Wilden Californiens ihre Tänze aufführ-\nten unter Händeklatschen und Zusammenschlagen gespal-\ntener Holzstücke, zu einem Gesänge, weichereinem Husten\nund Pfeifen ähnlicher gewesen, als melodischen Tönen. Auf\nden Sandwich-Inseln fand er, wie Cook auf den Freund-\nschafts-Inseln, das nämlich,e Orchester, welches noch durch\ngehöhlte, oben offene Kürbisse, die man zu Boden fallend\nerklingen liess, und durch Trommeln aus Cocosschalen und\nHaifischhaut verstärkt war. Von der Instrumentalmusik\nder heidnischen Bratski, welche die Ufer des Baikalsee's\nund Lenaflusses bewohnen, der Teleuten an den Neben-\nflüssen des Tom und im Lande der Kalmücken, so wie der\nTschougousen, gibt Graf Rechberg in seinem Pracht-\nwerke „Las peuples de la Russie\" (1812 und 1813)\nKunde. Bei den religiösen Tänzen ist der Priester in ein\nmit zahllosen rasselnden Metallstückchen behangenes Ge-\nwand gekleidet; in wilder Verzückung schlägt er eine fla-\nche. mit dem Felle des Wiesels oder Rennthiers überzo-\ngene, schellenbehangene Trommel. Auch bei den Eskimos\nfand Capitän Parry nur das Tamburin neben höchst mo-\nnotonem Gesänge.\n.Der erste Schritt, welcher über den Gebrauch sol-\ncher rohen Mittel hinausführte, geschah durch die Ent-\ndeckung, dass aus gewissen natürlich vorkommenden Kör-\npern sich Klänge von längerer Dauer entlocken lassen. Ob\nman an dem einen Orte zuerst einen elastisch gespannten"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "218", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570711-01.1.2", "texte": "Faden erklingen liess, an dem anderen durch Blasen auf\neiner Muschel, einem Stücke Schilfrohr oder auf einem\nbohlen Thierhorn oder Knochen einen Ton entlockte, wer\nmöchte das jetzt entscheiden ? Begreiflich aber ist es, dass\ndie gellenderen Töne der Blas-Instrumente bei dem unge-\nsitteten Menschen mehr Aufmerksamkeit und Gefallen er-\nwecken mussten, als die zart klingende Saite. Hörner und\nPfeifen, entweder eintönig oder durch ein paar Seitenlöcher\nnur zu höchst unästhetischem Tonwechsel geeignet, treffen\nwir darum bei den Völkern an, welche eben über die blos-\nsen Lärm- und Rassel-Instrumente hinausgekommen sind,\nwenn auch die letzteren noch vielfach den Vorrang be-\nhaupten. \"\nNachdem über die rohen Instrumente der Urbewohner\nder neuen Welt Einiges bemerkt, heisst es weiter:\n„In der alten Welt ist es auch bei den Völkern, wel-\nche nicht zu höherer Cultur-Entwicklung fortgeschritten\nsind, äusserst schwierig, das ihrem ursprünglichen Erfin-\ndungsgeiste Angehörige und aus dem eigenen musicalischen\nBedürfnisse Hervorgegangene von dem zu unterscheiden,\nwas durch den Zug der politischen Ereignisse, unter der\nGunst von Handels-Verbindungen oder auch durch zufäl-\nlige Berührung von gesitteteren Nationen der alten und\nneuen Zeit sich übertragen hat. Keine Kunst wandert leich-\nter, als die Musik. Steht bei den Künsten des Raumes die\nNatur der Kunstgegenstände selbst im Wege, so beschränkt\ndie Verschiedenheit der Sprachen und Dialekte die Ver-\nbreitung der Poesie, und wenn man auch zugestehen muss,\ndass gewisse Bereiche verschiedenartiger Entwicklung der\nTonkunst sich abgränzen, ähnlich wie Sprachgebiete, so\ngibt es der musicalischen Sprachen doch weit weniger, und\nihre Abschliessung ist keine so unbedingte, wie bei der\nWortsprache, deren Laute bestimmten Dingen und Begrif-\nfen zur Bezeichnung dienen. So haben sich denn auch die\nmusicalischen Instrumente auf das mannigfaltigste gemischt,\nam meisten bei den Völkern, deren Wohnsitze am zugäng-\nlichsten sind, bei denen des südwestlichen Europa, bei den\nUmwohnern des mittelländischen Meeres und im südlichen\nAsien. In Hoch-Asien, im äussersten Norden von Europa\nund im inneren und südlichen Al'rica hat die Cultur und\nmit ihr eine ausgebildete Musik sammt ihrem Apparate\nnoch fast keinen Eingang gefunden, und der Reisende,\nwelcher in diese unwirthlichen Länder vordringt, hat noch\nGelegenheit, die Producte der Erfindungsgabe ihrer Be-\nwohner unverfälscht zu studiren, womit sie ihrem angebo-\nrenen musicalischen Sinne zu genügen streben.\n„ —Bei allen dtm Völkern, über deren Tonwerk-\nzeuge hier Einiges kurz berichtet wurde, bestand und be-\nsteht keine Musik im höheren künstlerischen Sinne. Eine\nsolche verlangt als nothwendige Grundbedingung eine fest-\nstehende Tonleiter, nach welcher die Stimmung der Sai-\nten-, wie der Bau der Blas-Instrumente bemessen ist, und\nin welcher die Melodieen sich bewegen. Von diesem Ge-\nsichtspunkte aus möge der Leser seine Blicke auf die ein-\nzelnen Gebiete richten, in welchen eigentümliche musica-\nlische Bildungskreise sich abgeschlossen haben, auf das\nGebiet der chinesischen Musik, auf dasjenige Indiens,\ndes alten Aegypten, von Griechenland und Rom,\nauf das der muhamedanischen Reiche des Mittelalters\nund endlich auf die moderne europäische Musik,\nwelche darum wesentlich verschieden von allen übrigen\nund vollkommener als diese ist, weil sie auf die Gesetze\nder Harmonie und den daraus erwachsenen Contrapunkt\nsich gründet.\"\nDer Verfasser verbreitet sich nun über den Musikkreis\nund die Instrumente der Chinesen, Hindus, Aegypter, He-\nbräer, Griechen, Römer, Germanen (Abbildung einer sie-\nbensaitigen Handharfe aus der Bibel Karl's des Kahlen),\nund lährt dann so fort:\n„Ehe wir die Entwicklung der abendländischen In-\nstrumental-Musik im Mittelalter weiter verfolgen, müssen\nwir unsere Blicke auf das Kunstleben jener Völker richten,\nwelche unter der Herrschaft des mit unerhörter Kraft-Ent-\nwicklung auftretenden Islam vereinigt und zu hoher geisti-\nger Blüthe erweckt wurden. Persien insbesondere, wo\naltmedische Bildung mit griechischer sich gemischt hatte,\nbehauptete sich durch eine lange Reihe von Jahrhunderten\nals ein unverwüstlicher Sitz höherer Cultur, welche die\nwilden Völker, so oft diese auch von den Bergen herabstie-\ngen und als Herrscher ins Land zogen, sich unterthan\nmachte. Als der hochpoetische Geist des arabischen Wü-\nstenvolkes sich mit persischer Bildung bereichert hatte und\nunter dem Zepter der Abbasiden die ganze zauberhafte\nFülle und Pracht orientalischen Reichlhums den Herrscher-\nsitz des Kalifen zu Bagdad umgab, da wurde im Vereine\nder schönen Künste auch die Musik gepflegt. Doch behielt\nsie auch hier den ausschliesslichen Ausdruck des Melodiö-\nsen, in noch grösserer Verfeinerung als in der griechischen\nMusik, deren theoretische Bearbeitungen den Persern längst\nzugänglich geworden waren. Die Instrumental-Musik war\nnur Dienerin und Begleiterin der Dichtkunst und des Ge-\nsanges, und darum gingen auch vorzugsweise die Saiten-\nInstrumente in einer grossen Fülle der Formen aus jener"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "219", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570711-01.1.3", "texte": "Kunst-Periode hervor. Wenn man nach jener Anschauungs-\nweise, welche alle Vergangenheit nur als eine tsndenz-\nmässige Vorbereitung liir die Entwicklung modern abend-\nländischer Cultur ansieht, den muhamedanischen Völkern\neine musicalische Mission beimessen will, so war es die,\nSaiten-Instrumente von vollkommnerem Bau, namentlich\naber die Bogen-Instrumente, und damit den Keim zu den\nedelsten Bestandtheilen unserer heutigen Orchester dem\nAbendlande zuzuführen. Die verschiedenen Formen der\nLaute, aus welcher die Theorbe, die Mandore und Mando-\nline und die Guitarre hervorgingen, und jenes weitverbrei-\ntete Streich-Instrument, das Rebab, sind erst durch die\nAraber im südlichen Europa heimisch geworden.\nDie Musik der heutigen Araber und der Türken,\nwelche sie als Erbtheil arabisch-persischer Cultur überka-\nmen, ist keineswegs vollkommen nach den Ansprüchen un-\nseres Kunstgeschmackes; aber die eigenthümlich stetigen\nUebergänge zwischen höheren und tieferen Tönen, welche\nden Sängern eigen ist, die Bewegung der Instrumental-Be-\ngleitung in kleineren Intervallen als Halbtönen, in welcher\ndoch nach der Versicherung der Musiker jener Länder kei-\nnerlei Willkür herrscht, setzt eine Feinheit des Gehörs\nvoraus, welche in dem classisch arabischen Musik-System\neinst zu einer Eintheilung in Drittels- und Viertels-Töne\ngeführt hatte. Eine Tonleiter, nach Drittels-Tönen fort-\nschreitend, findet sich noch auf einem arabischen Blas-In-\nstrumente, der clarinetlartigen Eraquich.\n„ Die Menge der lautenartigen, so wie der Bogen-In-\nstrumente von mannigfacher Abwechslung der Form, mit\ndrei, zwei oder gar nur Einer Saite, zeigen, dass hier ihre\neigentliche Heimat ist. Die Tambura mit zwei bis acht, die\nBaglama mit drei, die Sewuri mit fünf Metallsaiten, die\nEud oder Oud (wovon der Name Laute) selbst, gehören\nalle in das Geschlecht der Lauten; Kussir, Quanon und\nSantir, die beiden ersten mit Darmsaiten, das letztere mit\nMetallsaiten bezogen, sind harfen- und hackbrettartige In-\nstrumente. Die Bogen-Instrumente der Araber sind die\nMarabba und das Rebab. Die Marabba hat nur Eine Saite\nund ist oben und unten mit Thierhaut bespannt, so dass\ndas Instrument gleichzeitig als Violine und als Trommel\ndient. Das zweisaitige Instrument Rebab hat einen Reso-\nnanzkörper aus Cocosnussschale, mit Thierfell bespannt.\nEs ist bald mit zwei, bald mit drei Saiten im Orient und\nauf der Nordküste von Africa im Gebrauche. Dieses Rebab,\nRebec oder Erbeb war ohne Zweifel die erste Form\neines Streich-Instrumentes, welche in Europa vor-\nkam, und ist der Vater der Viola, dann der Violine und\naller Streich-Instrumente unseres Orchesters. Möglich ist\nes, dass man sich desselben schon bald nach dem Einbrüche\nder Araber im neunten und zehnten Jahrhundert bediente;\nim eilften Jahrhundert war es sicher in Frankreich, Italien\nund Deutschland bekannt, da man es in verzierten Hand-\nschriften und Reliefs jener Zeit abgebildet findet. Die Ke-\nmangeh's sind arabische Bogen-Instrumente, zum Theil von\nvollkommnerer Form, als die vorher genannten. Das Ke-\nmangeh-roumy ist mit sechs in Quarten gestimmten Darm-\nsaiten bespannt; sechs unter dem Halse liegende Messing-\nsaiten, welche weder gegriffen noch gestrichen werden,\ngeben Resonanz, ähnlich wie bei der früher in Frankreich\nund bei uns gebräuchlichen Viole d'amour.\n„ An Blas-Instrumenten fehlt es der türkisch-arabischen\nMusik nicht. Flöten und Flageolette, Trompeten und oboen-\nartige Instrumente, so wie die Sackpfeife, sind im Ge-\nbrauche. Unter allen ist eine Doppelflöte, Sumara, ihres be-\nsonderen Baues wegen erwähnenswerth. Das eine, mit Sei-\ntenlöchern versehene Rohr dieses Instrumentes dient zum\nSpielen der Melodieen, während das zweite, längere, wel-\nches je nach der Tonart noch durch Ansätze gestimmt\nwerden kann, die Basstöne gibt.\n„Die Stellung der musicalischen Instrumente ist in der\nneueren Musik des Abendlandes eine ganz andere, weit\nbedeutungsvollere, als sie im Alterthume war und bei den\norientalischen Völkern noch ist. Sobald man die Instru-\nmente von der Herrschaft des Gesanges emaneipirte und\nihnen eine selbstständige musicalische Bedeutung gab, konn-\nten weder die unvollkommnen Blas-Instrumente noch die\nschwachklingenden Töne der lautenartigen Instrumente\nmehr genügen. Es musste vielmehr das Bestreben auf Ver-\nedlung des Tones, nach einer Annäherung desselben an die\nMenschenstimme in den drei Beziehungen der Fülle, Dauer\nund Klangschöne, endlich auf Reinheit der Stimmung ge-\nrichtet sein. Es war kein Grund länger vorhanden, den mu-\nsicalischen Umfang der Instrumente auf denjenigen der\nmenschlichen Stimme zu beschränken, sondern man konnte\ndas Reich der Töne nach Höhe und Tiefe ausbeuten, so-\nweit es irgend die Bedingungen ästhetischer Schönheit oder\ndie technischen Schwierigkeiten zuliessen.\n„Es ist wohl kaum ein Zweifel, dass die Grundlage\nunserer neueren Musik, die Anwendung der Harmonie-Ge-\nsetze im Contrapunkte, auch Ursache jener veränderten\nStellung der musicalischen Instrumente wurde; allein bis\nzum sechszehnten Jahrhundert hinwaren es nur die Tasten-\nInstrumente, die Orgel und das Ciavier, welche mit der\nneuen Lehre in engerer, sowohl lür diese als für die In-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "220", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570711-01.1.4", "texte": "strumente förderlicher Wechselbeziehung standen. Die\nTonkunst in der höheren Bedeutung des Wortes lebte bis\ndahin beinahe nur der Kirche, und so oft auch andere In-\nstrumente den Feierlichkeiten des Kirchendienstes sich zu-\ngesellten, so wurden sie doch fast aller Orten durch Ver-\nbote wieder aus demselben verbannt. Es ist eine bis auf\nden heutigen Tag vor dem Richtersluhle des Ivunsl-Urtheils\nnoch unentschiedene Frage, ob es der Würde des Gottes-\ndienstes mehr angemessen und der religiösen Andacht för-\nderlicher sei, nur Vocalmusik in der Kirche zuzulassen,\noder ob man auch die Instrumente zur Bereicherung der\nFeier gebrauchen solle. Gewiss ist, dass so vortreffliche\nChöre, wie man sie in der Sixtinischen Capelle und in den\nrussischen Hauptkirchen ohne alle Instrumental-Begleitung\nhört, von erhebender Wirkung sind, welche durch kein an-\nderes Hülfsmittel noch erhöht werden könnte. Aber wenn\nThibaut in seiner „ „Reinheit der Tonkunst44 u das Bei-\nspiel der Meister des Kirchen-Stils bis gegen Ende des\nsechszehnten Jahrhunderts als Zeugen gegen die Zulässig-\nkeit der Instrumental-Musik in der Kirche aufruft, so hätte\ner bedenken müssen, wie die damaligen Instrumente be-\nschaffen waren, dass diese fast ausschliesslich noch in den\nHänden der aus der Römerzeit überkommenen fahrenden\nSpielleute sich befanden, und auch auf die zünftigen Stadt-\npfeifer die erst mit dem siebenzehnten Jahrhundert sich\nentwickelnde weltliche Musik noch nicht veredelnd hatte\nwirken können. War doch zur Zeit Kaiser Maximilians I.\nselbst die Tafelmusik der Grossen noch ausschliesslich\ndurch Sänger gebildet.\n„Die Spielleute, welche im Mittelalter von liurg zu\nBurg zogen, sich bei Festlichkeiten der Vornehmen und in\nden Strassen der Städte hören Hessen, waren in Deutsch-\nland wenigstens eine verachtete Menschenclasse. Die Kirche\nbelegte diese „ „ varende Lille\" \", worunter, wie heutzutage\nbei denen, welche die Drehorgel auf Messen und Märkten\numhertragen, Männer und Weiber waren, mit dem Banne,\nder Sachsenspiegel erklärt sie lür rechtlos. Bei ihrem Tode\nfiel ihre Habe an den Staat, die Kinder galten den unehe-\nlichen gleich und durften kein ehrlich Handwerk lernen.\n„In Frankreich hiessen diese Musiker Menelriers; sie\nscheinen dort mehr Achtung genossen zu haben, als bei\nuns. Während des zwölften und dreizehnten Jahrhunderts\nbedienten sich diese Menetriersder in folgenden Versen be-\nnannten Instrumente:\nGe sai juglere de viele\nSi sai de muse et de Frestele\nEt de Harpe et de chiphonie\nDe la gigne de I'armonie\nEt el s al t eir e et en la rot e. - '\nMan weiss, dass Viele die Leier, Muse die Sackpfeife,\nFrestele eine Panspfeife, Harpe, Gigue und Rote harfen-,\nlauten- und citherartige Saiten-Instrumente bedeuten; da-\ngegen ist die Bedeutung von Chiphonie und Armonie nicht\naufgeklärt. Die provenzalischen Ritter, welche im zwölften,\ndreizehnten und vierzehnten Jahrhundert unter dem Namen\nder Troubadours zu poetischen Wettkämpfen umherzogen,\nhallen meist Menelriers im Gefolge, welche ihre poetischen\nErgüsse auf Sailen-Instrumenlen begleiten mussten. In der\nletzten Hälfte der Periode kam die Harfe und Leier im-\nmer mehr ausser Gebrauch, und ein dreisaitiges Bogen-In-\nstrument, das Rebec, trat an ihre Stelle.\n„Was in Frankreich die Troubadours, waren in\nDeutschland die Minnesänger, in England die Minstreis.\nBei letzteren scheint Gesang und Saitenspiel noch immer\nin Einer Hand vereinigt geblieben zu sein, und die Sänger\nstanden, als Erben der allen Barden, in hohem Ansehen\nbei dem Volke. Namenilich die Harfe hatte in Irland, Wa-\nles und Schottland eine vollkommnere Form angenommen,\nund so erregend war der Einfluss der Musik auf das Volk,\ndass Eduard I. nach der endlichen Unterjochung von Wales\n1284 es für nöthig hielt, alle Harfenspieler und Sänger\nhinrichten zu lassen.\n„ Wie die Völker einst aus dem Nomadenleben zu fe-\nsten Wohnsitzen übergingen, so scheint es auch mit den\nSaiten-Instrumenten zu geschehen. Fast bei allen gebilde-\n*•• • •\nlen Nationen war oder ist ein Saiten-Instrument als bevor-\nzugter Liebling erkoren, um mit dem wandernden Sänger\nzu ziehen und seine Lieder zu begleiten. Die Vina bei den\nIndern, die Lyra bei den Aegyptern und Griechen, die\nLaute bei den Persern und Arabern, die Mandoline in Ita-\nlien, die Guitarre in Spanien, ihre Tochter, die Guaranita,\nin Brasilien, die Balaleika bei den Slawen, die Viola bei den\nUngarn in den Händen wandernder Zigeuner, die Rotla\nund Harfe in Britannien. Nur die Chinesen bekunden von\nje her in ihrem feststehenden Kin einen stabileren Charak-\nter. Bei uns aber verdrängt das Piano mehr und mehr an-\ndere Saiten-Instrumente: und im Norden, wo man das\nHaus sucht, wird es keinen Widerstand finden, mehr wohl\nbei den leicht beweglichen Völkern des Südens, welche\nihre duftigen Nächte beim Klange der Saiten und dem\nSchalle der Lieder im Freien durchwachen.\n„ Gebirgsvölkern, welche den melodischen Ruf von\nBerg zu Berg senden, ist der Klang der Saiten zu schwach.\nDarum hat neben dem Jodelgesang in der Schweiz das\neinfache Alphorn Bestand, und darum konnten in den Ber-\ngen Schottlands die gellenden Töne des Piobs ganz die"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "221", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570711-01.1.5", "texte": "sanften Klange der Harfe vergessen machen, welche einst\ndort gehört wurden.\n„Nachdem der Minnegesang an den deutschen Höfen\nin Vernachlässigung und Verfall gerathen, die Edlen und\nKitter in immer grössere Rohheit und Verwilderung ver-\nsunken waren, zog sich die Musik in die Umgränzung der\nStädte zurück, der Bürgerstand übernahm den Minnegesang\nmit einer Theilung der Arbeit. Dichtkunst und Gesang fiel\nden Meistersängern anheim, welche den vorörtlichen Haupt-\nsitz ihrer an strenge Regeln gebundenen Genossenschaften\nzu Mainz, andere Vereinigungspunkte zu Nürnberg, Augs-\nburg, Ulm und Strassburg halten. Die „ „ varenden Lüle\"*\naber, welche die edlen Minnesänger hier und da aufgegrif-\nfen und in ihrem Gefolge mitgenommen hatten, mussten,\nwenn der ehrsame Bürgersmann sich mit ihnen benehmen\nI\nsollte, nun selbst zünftig und ehrlich werden, und in dieser\nneuen Eigenschaft nahmen sie den Namen der Stadlpfeifer\noder Stadtmusicanten an. Als solche haben sie sich bis in\nden Anfang des neunzehnten Jahrhunderts erhalten und\nbestehen an manchen kleineren Orten noch. Ihre Instru-\nmente waren in jener Zeit Trommeln, Pfeifen, Trompeten,\nZinken, Posaunen, die Leier, die Laute, die Cyther und\nGeige. Unter den mancherlei Gebräuchen, welche, wie in\nallen Zünften, so auch in derjenigen der Stadtmusicanten\naufkamen und mit aller deutschen Zähigkeit festgehalten\nwurden, ist von musicalischem Interesse, dass fast jede Ab-\ntheilung, die Lautenisten sowohl wie die Cytherislen, die\nZinkenislen und Posaunisten, ihre besondere Notation oder\n„ „Tabulatur\"\" hatte, ein Gebrauch, welcher seine Nach-\nwirkungen noch in unseren heutigen Orchestern äussert,\nda lür die meisten Blas-Instrumente die Noten anders ge-\nschrieben werden, als sie in Beziehung zu den Singsiim-\nmen, zu der Orgel, dem Ciavier oder den Streich-Instru-\nmenten klingen.\nI\n„Die vordem nur wild vorkommende Instrumental-\nMusik wurde zwar in den Mauern der Städte bereits ge-\nzähmt, aber veredelt und zu einem höheren Kunstganzen\nvereinigt ward sie erst durch die Oper, welche seit dem\nBeginne des siebenzehnten Jahrhunderts sich in Italien zu\nentwickeln begann. Zunächst gab die elassische Periode des\nBaues der Streich-Instrumente dem Orchester einen edeln\nKern, und erst allmählich wurde ein Blas-Instrument nach\ndem anderen würdig befunden, in den der wahren Kunst\neeweilnen Raum des Orchesters einzutreten. Der Bau der\nletzteren Instrumente konnte erst dann sich vervollkomm-\nnen, als die Verhältnisse unseres Ton-Syslems durch die\nunbestriltene Annahme der gleichschwebenden Temperatur\ngeregelt waren. Ein grosser Theil dieser Fortschritte ge-\nschah erst im neunzehnten Jahrhundert, und noch ist die\nVervollkommnung keineswegs abgeschlossen, während Ver-\nbesserunsen im Bau der Streich-Instrumente weder seit\nv />° . . , § ypj, I\nder Mitte des siebenzehnten Jahrhunderts geschehen, noch\nvorerst abzusehen sind.\n„Wenn man absieht von einigen neuen Formen der\nBlas-Instrumente aus Metall, der Ophikleide, dem Bombar-\ndon und der Bass-Tuba, welche übrigens lür das Orchester\nnur eine untergeordnete Bedeutung gewonnen haben, so\nist die im Jahre 1696 von Denn er erfundene Clarinette\ndas letzte Instrument, welches in den Chor des Orchesters\nEintritt erhalten hat. Es sind zwar eine grosse Menge neuer\nFormen musicalischer Instrumente erfunden und ausgelührt\nworden Schneider zählt deren in seiner im Jahre\n1834 erschienenen historisch-technischen Beschreibung\nmusicalischer Instrumente 86 auf—, allein ihr Erscheinen\nund ihr Glanz war meteorischer Art. Dies kann gegenüber\nden wissenschaftlichen Fortschrillen der Akustik, welche\ndoch vorzugsweise in den letzten anderthalb Jahrhunderten\ngeschahen,auffallend erscheinen; haben doch selbst die von\nChladni mit so viel Einsicht und mit unsäglicher Geduld\naus klingenden Släben erbauten Instrumente, der Clavi-\ncylinder und das Euphon, keinen Bestand gehabt;\nallein die Gründe liegen nicht fern. Entweder leisteten die\nneu erfundenen Kunstwerke nicht mehr, als bereits vorhan-\ndene, längst bewährte Instrumente, oder sie eigneten sich,\nwie z. B. Chladni's Instrumente, nur zur Ausführung\nlangsam fortschreitender, getragener Tonstücke, womit man\nbei der Stufe, zu welcher die Tonkunst sich erhoben hat,\nbei dem Reichlhum rhythmisch-melodischer Formen, welche\ndie musicalische Phantasie verlangt, unmöglich mehr aus-\nreichen kann, oder die Behandlung der Instrumente war\nzu schwierig und erforderte, wie etwa zum Treten der\nBälge oder zum Drehen von Walzen, die Mithülfe zweiter\nPersonen, oder endlich das Werk hatte einen zu wenig\ndauerhaften Bau. Die letzteren Mängel waren häufig durch\ndas Bestreben erzeugt, die musicalische Wirkung vieler\nunserer Orchester-Instrumente in einem einzigen Werke\nzu vereinigen, Es lässt sich nicht läugnen, ein Instrument,\nwelches mit dem Umfange und der leichten Behandlung\nunserer Tasten-Instrumente, des Claviers z. 8., die Mög-\nlichkeit des getragenen Spiels und des wunderbar ergrei-\nfenden Crescendo der Streich-Inslrumente vereinigte, müsste\nuns als das Ideal eines musicalischen Hülfsmittels erschei-\nnen. An Bestrebungen in dieser Richtung hat es nicht ge-\nfehlt, und schon das von Hans Ha y den, Organisten der"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "222", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570711-01.1.6", "texte": "Scbaldus-Kirche in Nürnberg, im Jahre 1610 erbaute\nGambenwerk gehört derselben an. Zehn bis zwölf kleine\nRollen, welche durch ein mit dem Fusse in Bewegung ge-\nsetztes Schwungrad gedreht wurden, waren auf ihrem Um-\nfange mit Pergamentstreifen bekleidet und diese mit Colo-\nphonium bestrichen. Durch Tasten wurden die Saiten des\nInstrumentes an die Rolle gedrückt und liessen dann einen\ngeigenartigen Ton vernehmen. Allein weder dieses von Kai-\nser Rudolf 11. privilegirte Instrument, noch seine im Jahre\n1757 von Ho hl fei d verbesserte Form, in welcher es\nden Namen Bogenclavier führte, vermochte der Ver-\ngessenheit zu entgehen. Eben so wenig die von Präto-\nrius abgebildete „ „Schlüsselfiddel\"\", ein violoncellartiges\nBogen-Instrument, dessen Hals in einen Kasten verschlos-\nsen war, aus welchem nur die Tasten hervorsahen, etwa\n16 an der Zahl, mittels deren die Tonleiter gespielt wurde,\nwie bei der gewöhnlichen Bauern-Leier.\n„ Die Wissenschaft ist darum doch nicht ohne Einfluss\nauf die Vervollkommnung der musicalischen Instrumente\ngeblieben, und wir hoffen, dass es uns gelungen ist, dem\nLeser anschaulich zu machen, welche Bedeutung die Aku-\nstik lür den Bau der Blas-Instrumente, so wie für die reine\nStimmung aller Instrumente gewonnen hat.\n„Es scheint, als ob es gerathener sei, anstatt nach\nneuen und mannigfaltigen Combinationen zu suchen, zuvor\ndie einfachsten Schallmitlrf, die schwingende Saite und die\ntönende Luitsäule in möglichster Vollständigkeit auszubeu-\nten und der immer weiteren Vervollkommnung der bereits\nvorhandenen Instrumente nachzugehen. Der gebildete\nKunstgeschmack des Musikers und die theoretische Einsicht\ndes Physikers müssen sich verbinden, wenn dieses erste\nZiel erreicht werden soll.\n„Wer auf einem Instrumente spielen will, welches die\nVorzüge aller bekannten musicalischen Werkzeuge verei-\nnigt, dem ist zu rathen, dass er Concert-Director werde.\nDas Orchester ist ein Instrument von wunderbarer Viel-\nseitigkeit des Ausdrucks und von riesenhafter Kraft; auf\nihm kann mit hundert Armen spielen, wer ihm Geist und\nLeben einzuhauchen versteht, wer als tiefer Kenner seine\nKlangfarben durch alle Schattirungen verfolgt hat und ihrer\nMeister ist. Die Schilderung dieser Klangfarben, bei welcher\nman in der musicalischen Literatur ähnlichen Flügen über-\nschwänglicher Phantasie begegnet\"), wie bei der Charak-\nteristik der Tonarten, liegt zu weit ab von dem wissen-\nschaftlichen Boden, welchen wir nicht verlassen dürfen,\nals dass wir selbst sie unternehmen könnten. Wir verwei-\nsen den Leser auf die Beilage von Nr. 30 der Leipziger\nAllgemeinen Musik-Zeitung im Jahrgang 1833, worin jene\nCharakteristik aus der launigen Feder eines bewährten\nKunstkenners enthalten ist, auf die musicalische Compo-\nsitionslehre von A. B. Marx und auf „die Kunst der In-\nstrumentirung\" von H. Berlioz. Selbst dieser hervorra-\ngende Musiker ist wohl in der Schätzung der materiellen\nMächte der Tonkunst zu weit gegangen. Er verspricht\nwahre Wunder von den Aufführungen eines Orchesters\naus 456 Instrumenten, worunter 120 Violinen, 40 Vio-\nlen, 45 Violoncelle, 33 Contrabässe, 30 Harfen, 30 Forte-\npiano's, 14 Flöten u. s. w. Hören wir ihn selbst: „ „Aber\nin den tausend möglichen Zusammenstellungen dieses Rie-\nsen-Orchesters würde ein Reichthum von Harmonieen, eine\nMannigfaltigkeit von Klangfarben, eine Aufeinanderfolge von\nGegensätzen wohnen, womit sich nichts, was bis auf den\nheutigen Tag in der Kunst geschaffen worden, vergleichen\nliesse, und obendrein eine unberechenbare Gewalt der Me-\nlodie, des Ausdrucks und des Rhythmus, eine durchdrin-\ngende Kraft, wie in nichts Anderem, eine wunderbare Be-\ngabung für Schattirungen im Ganzen, wie im Einzelnen.\nSeine Ruhe würde majestätisch sein, wie der Schlummer\ndes Oceans; seine Bewegungen würden an die Stürme der\nTropenländer, seine Ausbrüche an das Tosen der Vulcane\nerinnern; man würde darin die Klagen, das Gemurmel, das\ngeheimnissvolle Geräusch der Urwälder wiederfinden, das\nFlehen, die Bitten, die Triumph- oder Trauergesänge eines\nganzen Volkes voll mittheilenden Gemüthes, voll glühenden\nHerzens, voll wilder Leidenschaften; sein Stillschweigen\nwürde Furcht einflössen (!) durch seine Feierlichkeit, und\nselbst die zähesten Naturen müssten erbeben, sähen sie,\nwie sein Crescendo brüllend grösser und grösser würde,\ngleich einer ungeheuren, erhabenen Feuersbrunst!\" \"\n„Das Erhabene streift bekanntlich sehr nahe an das\nLächerliche, und es ist dal'ür gesorgt, dass auch im Reiche\nder Töne die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Die\nwahre Kunst vermeidet ein L'ebermaass äusserer Hülfsmit-\ntel; an den Compositionen des Stümpers, und wenn er mit\nbeiden Händen in den grössten Farbenkasten greift, geht\nder Kenner vorüber, um seine Gunst den wenigen Kreide-\n\n*) Raff theilt in seiner „Wagnerfrage\" an die Blas-Instrumente\nfolgende Farben ohne Weiteres aus:\nPosaune purpurroth bis braunviolett.\nHorn waldgrün bis braun.\nTrompete Scharlach bis purpurviolett.\nFagott grau bis schwarz.\nOboe hellgelb bis saftgrün.\nFlöte hell, farblos bis luftblau."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "223", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570711-01.1.7", "texte": "strichen zu schenken, in welchen ein Meister seine Ideen\nniederlegte.\n~ Es ist dem minder Begabten ein warnendes Exem-\npel, dass selbst ein Genius wie Berlioz, nachdem er sein\ngrosses Orchester dem Publicum vorgeführt hatte, nur\nSpott ärntete. Man berichtete aus dem grossartigen Con-\ncerte von einer Riesen-Bassgeige, deren Sailen sprangen\nund den Künstler tödteten, von einer kolossalen Posaune,\nderen Auszug beim ersten Anblasen hinausfuhr und den\nArm des unglücklichen Musikers mitriss, von einem Horn,\ndas im furchtbaren Fortissimosich plötzlich der ganzen\nLänge nach gerade reckte und erst bei sanfteren Melodieen\nwieder in gefallige Windungen sich umbog.\n\nJakob Rosenhain.\nF. M.\nUnter den artistischen Individualitäten der pariser\nKünstlerwelt ist Rosenhain unstreitig eine der bedeu-\ntendsten. Obwohl Pianist und Componist ersten Ranges,\nmüssen es dennoch Andere übernehmen, die Aufmerksam-\nkeit des grossen Publicums auf ihn zu lenken; er selbst\nbemüht sich darum nicht. Gleich Chopin ist er in seinem\nKreise als einer der tüchtigsten Musiker gekannt und ge-\nschätzt; ausserhalb desselben hört ihn Niemand. Kaum in\ndas Jünglingsalter getreten, componirte er mehrere Opern\nin Deutschland, von denen eine, „Der Besuch im Irren-\nhaus\" (Une visite ä Bedlam), mit Beifall gegeben wurde. Bei\nuns lür die grosse Oper schrieb erden „Dämon der Nacht\",\nOper in zwei Acten von Bavard und Etienne Arago.\nDie Auflührungen dieses Werkes, das reich an reizenden\nMelodieen ist und dessen gediegener Stil eben so den ge-\nlehrten Musiker als den geistreichen Componisten verräth,\nwurden durch Roger's damalige Reise nach Deutschland\nunterbrochen. Durch diese Störung in seiner dramatischen\nLaufbahn entmuthigt, zog sich Rosenhain nach diesem so\nvielversprechenden Debüt von der Scene zurück, deren\nVortheil es jedenfalls sein würde, ihn wieder zei gewinnen.\nUm so mehr hat er die Vocal- und Instrumental-Musik mit\neiner bedeutenden Zahl Werke anderer Art bereichert.\nEine Sinfonie für grosses Orchester ist in Deutschland und\nEngland mit Erfolg aufgeführt worden. Die Kammermusik\nbesonders verdankt ihm Vorzügliches. In musicalischen\nKreisen werden seine Sonaten, Trio's, Quartette mit war-\nmem Beifall aufgenommen, eben so seine Compositionen\nfür das Pianoforte allein, z. B. seine\nEtudes, Chansons polonaises et espagnoles, Balladen, Cala-\nbraise, „Innerer Kampf\" und vor Allem der reizende „Syl-\nphentanz\", den man auf allen Ciavieren findet. Von seinen\nVocal-Productionen haben das von La-\nmartine, „ Un reveuvon Victor Hugo, mehrere Lieder und\nsein jüngstes Werk, „Zweistimmige Lieder, im volkstüm-\nlichen Stil gehalten\", allgemeine Anerkennung erworben.\nGern übergeben wir diese Worte der Sympathie lür das\nschöne Talent und den edlen, reinen Künstler-Charakter\nRosenhain's der Oeflentlichkeit, die Rosenhain mit eben so\nviel Eifer zu meiden scheint, als Andere sie suchen.\nParis.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nE&OIBI. Dr. L. Spohr verweilte den 2. und 3. Juli in unserer\nStadt. Er widmete mehrere Stunden der sorgfältigen Kenntnissnahme\nder Einrichtungen und des Studien-Planes der Rheinischen Mu-\nsikschule unter F. Hillens Directorat, und äusserte wiederholt\nseine volle Anerkennung der Leistungen der Schüler auf den ver-\nschiedenen Bildungsstufen. In einem Cirkel von Künstlern und\nKunstfreunden bei F. Hiller trugen dieser und Herr Musik-Director\nEd. Franck neue Compositionen von sich vor, die sich des sichtba-\nren Beifalles des Seniors der deutschen Tondichter erfreuten, der\nauch eine lebhafte Theilnahme für das Talent des jungen Tonsetzers\nMax Bruch bezeigte. Am Abend d. 3. Juli brachte der kölner Män-\nnergesang-Verein dem würdigen Meister eine Serenade.\nSe. Majestät der König von Preussen haben von dem Herrn\nMusik-Director Karl Reint haier ein Dedications-Exemplar des\nClavier-Auszugs seines Oratoriums „Jephta\" anzunehmen und dem-\nselben die goldene Medaille für Kunst zu verleihen geruht.\nIhre Majestät die Königin von England hat dem Professor\nL. Bise hoff einen sehr werth vollen Brillantring ~als ein Zeichen\nHöchstihrer Anerkennung der zarten und schön ausgedrückten Hul-\ndigung an die Prinzess Royal Königliche Hoheit\", d. d. Windsor\nCastle, den 12. Juni übersenden lassen. Das betreffende Gedicht\nmit Musik von Franz Weber wurde von dem kölner Männerge-\nsang-Vereine, dessen Ehren-Mitglied der Verfasser ist, den 5.\nJuni zu London im Buckingham-Palast vor Ihrer Majestät gesungen.\n„Scher z, List und Rache, komische Oper in Einem Auf-\nzuge, Text nach Göthe, componirt und seinem verehrten Lehrer\nFerdinand Hiller zugeeignet von Max Bruch, Opus 1\"\nist zu Leipzig im Verlage von Bartholf Senff im Clavier-Auszuge in\neleganter Ausgabe erschienen.\n$\nEDierfelil« Auch in diesem Jahre fährt unser Organist J. A.\nvan Eyken zur Freude aller Freunde classischer Musik fort, Or-\ngel-Vorträge zu halten. Bis jetzt haben deren drei Statt gefunden.\nWir hörten darin von J. S. Bach Präludium und Fuge (A-moll\nund F-moll), die Fugen in Cis-mol!H-dur und die Pastorale; von\nC. Ph. Em. Bach Trio (G-rnoll); von Beethoven Largo aus Op-\n2, Nr. 2, und Andante aus der fünften Sinfonie; von Niels W.\nGa d e Andante (C-dur) ; Mendelssohn Sonaten Nr. 4 und 6;\nMarkuli Trio {B-dur) ; Krebs Choral-Vorspiel, „Wir glauben all\nan Einen Gott\"; J. G. Töpfer Choral-Vorspiel, ~0 Haupt voll\nBlut und Wunden\"; von J. A. van Eyken Variationen über die\nholländische National-Hymne und Phantasie über „Ein' feste Burg\","}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "224", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570711-01.1.8", "texte": "Das Händel-Comite in Halle hat kürzlich Bericht über die\nResultate seiner bisherigen Thätigkeit erstattet. Dieselben sind er-\nfreulich, und man hat alle Hoffnung, das Denkmal zu Stande zu\nbringen, nach dem bisherigen Verlauf aber auch allen Grund, auf\nden Erfolg nicht allzu stolz zu sein. Ausser Halle, welches bis jetzt\n1200 Thaler allein aufgebracht hat, sind nur Brandenburg, Tübin-\ngen, Schwerin und Genfhin thätig gewesen; bestimmte Aussichten\nsind gegeben von Berlin, Köln, Stuttgart, Crefeld; von anderen Or-\nten hat man nichts gehört. M n ist also genöthigt, sehr stark mit\nauf die Thätigkeit des in London unter den Herren Smart und Bru-\nnell zusammengetretenen Comite's zu rechnen, und man wird es\nauch bestimmt können, zumal neuerlich die Königin Victoria und\nder Prinz Albert das Unternehmen unter ihren besonderen Schutz\ngenommen haben. Der Entwurf zu diesem Denkmale, welches der\nBildhauer Heidel in Berlin auszuführen beauftragt wurde, ist im\nModell bereits fertig. Händel ist in seiner ganzen energischen und\ngeistig bedeutsamen Eigenthümlichkeit zur Darstellung gebracht, als\nHerrscher im Reiche der Töne. Mit dem Tactstocke, seinem Herr-\nscherstabe, in der Rechten und gestützt auf die Partitur des „Mes-\nsias'welche aufgeschlagen auf einem mit Holzschnitzereien im Stil\ndes achtzehnten Jahrhunderts geschmückten Pulte ruht, steht er da\nin ruhiger, selbstbewusster Würde, aber innerlich bewegt und voll\ngeistiger Hoheit ein Mann und ein Charakter.\nMusik-Director Neithardt in Berlin ist aus Rom, wohin er\nvon dem Könige entsandt worden war, um die Musik-Aufführungen\nin der Sixtinischen Capelle während der Charwoche u. s. w. zu hö-\nren, zurückgekehrt.\nDen Spielern von Streich-Instrumenten wird als eine Besonder-\nheit von Interesse sein, dass der Instrumentenbauer H. Küntzel in\nBerlin ein Quintett von zwei Violinen, zwei Bratschen und einem\nVioloncello aus Einem Stück Ahornholz angefertigt hat. Wie die\n„Montagspost\" berichtet, so war dieses Holzstück ein altes Mangel-\nholz in einer Tuchfabrik in Olmiitz. Die Decken der Instrumente\nsind aus italiänischem Fichtenholz aus dem Magazin von Cesarini in\nFlorenz gefertigt. Diese Instrumente müssen allerdings eine wunder-\nbar übereinstimmende Klangfarbe besitzen, und es bliebe nur die\nFrage, ob ihr Ton überhaupt schön ist. Herr Küntzel soll seit 20\nJahren an diesen Instrumenten gearbeitet haben, die nur zusammen\nverkauft und zunächst nach der breslauer Industrie-Ausstellung ge-\nschickt werden. - >\n*\nHof-Organist Schneider in Dresden hat das Kleinkreuz des\nsächsischen C.ivil-Verdienstordens erhalten.\nicvi« Es wird den zahlreichen Freunden unseres ausgezeich-\nneten Violoncellisten Schlesinger erfreulich sein, zu vernehmen,\ndass sich derselbe von seiner langwierigen und gefährlichen Krank-\nheit gänzlich erholt und bereits Bett und Zimmer verlassen habe.\nJoseph I i s c h h o f, Professor am Conservatorium der Musik in\nWien, ist in Baden bei Wien am 28. Juni in seinem 53. Jahre\nnach längeren Leiden gestorben.\nDer Prager Zeitung wird aus Wri'en geschrieben: „Unsere Thea-\nterfreunde sind durch die Nachricht von der Demission des artisti-\nschen Directors des llof-Burgtheaters Dr Laube in nicht geringe\nAufregung versetzt worden. Wenn der genannte Director auch na-\nmentlich unter den älteren Mitgliedern der Hofbühne gerade nicht\ndie besten Freunde zählt, so wird ihm doch allenthalben die Aner-\nkennung zu J heil, mit eiserner Consequenz ein ernstes, edles Stre-\nben verfolgt und, namentlich was das Ensemble und die Inscene-\nsetzung betrifft, das Hoftheater auf eine höchst bedeutende Stufe er-\nhoben zu haben. Was die Gerüchte von der erfolgten Demission des\nDr. Laube und der Ersetzung desselben durch Halm (nach einer an-\nderen Version durch Hackländer) betrifft, so entbehren sie bis jetzt\nder Begründung. Schon der Umstand, dass Halm als Director der\nHof-Bibliothek, sowohl was Rang als Gehalt betrifft, bereits eine\nviel bedeutendere Stellung einnimmt, zeigt die Grundlosigkeit der\nConjunctur.\"\ni\nB'estli* Der höchst kunstvoll gearbeitete Lorberkranz, welcher\ndem Sänger Beck von dessen Jugendfreunden bei seinem letzten\nAuftreteil im Nationaltheater verehrt wurde, besteht aus massivem,\nfeinstem Golde, im Gewicht von ungefähr 100 Ducaten, und hat den\npesther Goldarbeiter Herrn Karl Laky zum Verfertiger."}]}