{"numero_id": "bm-bmtnabi-1857-07-18-01", "volume": "bmtnabi_1857-07-18_01", "ocr_sha256": "4c93171e5fa6118943eefa4b9304800ae3b5b4e1f904d6b5679d85060b1fff63", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1857/07/18_01/bmtnabi_1857-07-18_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570718-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1857-07-18-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-07-18_01#c001", "volume": "bmtnabi_1857-07-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "225", "page_fin": "225", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570718-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "225", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570718-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 427, "texte": "Inhalt.\nFr. Zamminer: Die Musik und die musicalischen Instrumente. Von L. Bisch off. Das zweite mittelrheinische Mu-\nsikfest in Mannheim Von L. B. Zur Geschichte der Bache. Von Chrysander. Tages- und Unterhaltungsblatt (Mainz, Dr.\nL. Spohr, Geschwister Baczeck München, Fräul. Frassini Hamburg, Roger, Fräul. Nina Hartmann - Wien, Davison Verdi's neu-\neste Oper London, Dr. H. Marschner und Frau Ira Aldridge Deutsche Tonhalle)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-07-18-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-07-18_01#c002", "volume": "bmtnabi_1857-07-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "225", "page_fin": "228", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570718-01.2.2", "titre_corps": "Die Musik und die musicalischen Instrumente.", "titre_sommaire": "Die Musik und die musicalischen Instrumente.", "signature_source": "Friedrich Zamminer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "225", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570718-01.1.1", "debut_caractere": 429, "fin_caractere_exclue": 4059, "texte": "Die Musik und die musicalischen Instrumente.\nVon Friedrich Zamminer.\nDas gegenwärtige Geschlecht fühlt mehr als irgend\nein früheres das Bedürfniss einer mehrseitigen Bildung.\nWenn es sich auf der einen Seite freilich nicht läugnen\nlässt, dass dieses Streben sehr oft auf falsche Bahnen leitet\nund ein Darchlaufen der verschiedensten Wege veranlasst,\ndie zu keinem Ziele führen, dass überhaupt eine kräftige\nEinseitigkeit, die da stets weiss, was sie will, eine immer\nseltenere Erscheinung wird, so sind doch auf der anderen\ndie Vortheile unschätzbar, welche eine allgemeine Bildung,\nein Durchdringen des wissenschaftlichen Geistes bis zu den-\njenigen Schichten der Menschheit, die früher nicht im Ge-\nringsten davon berührt wurden, der Entwicklung des Be-\ngriffs-Vermögens, der Zerstreuung der Nebel der Unwis-\nsenheit und des Aberglaubens und dadurch der wahren\nSittlichkeit bringen. Jenes Streben hat in unserer Zeit eine\nneue Art der Bearbeitung wissenschaftlicher Gegenstände\nveranlasst. Frankreich und England sind darin vorausge-\ngangen; in ersterem Lande gehen die Versuche bis in die\nPeriode der Encyklopädisten zurück, die jedoch, freilich\nnicht ohne sattsame Veranlassung, mehr an das Nieder-\nzissen als an das Aufbauen gingen.\nEs war voraus zu sehen, dass, wenn die Männer der\nWissenschaft in Deutschland «ich einmal entschliessen wür-\nden, den Katheder zu verlassen und das Volk in den wei-\nten Räumen der Oeffentlichkeit, welche die Presse ihnen\ngeöffnet hat, zu belehren, dass sie in der neueren Weise,\nden Ernst der Wissenschaft mit der Anmuth der Unter-\nhaltung, mit dem Anziehenden der Darstellung zu verbin-\nden, die richtige Mitte treffen würden, den Reiz der Wiss-\nbegierde, die dem Menschen angeboren ist, auf die edelste\nWeise dazu zu benutzen, ihn in die Hallen der Wissen-\nschaft einzuführen und die grossen Resultate derselben sei-\nnem erstaunten Auge vorzulegen. Diese Voraussicht hat\nuns nicht getäuscht; die deutsche Literatur besitzt beson-\nders seit Alexander von Huraboldt's Kosmos eine Reihe\nvon Werken, welche Gründlichkeit mit Fasslichkeit, ja\nSchönheit der Darstellung mit einander in sich vereinigen\nund ähnliche Erzeugnisse der ausländischen Presse weit\nhinter sich lassen.\nDass hauptsächlich die Naturwissenschaften auf diese\nWeise bearbeitet werden, liegt erstens in ihrem ungeheu-\nren Fortschritte in dem neunzehnten Jahrhundert, und\nzweitens in ihrem mehr sichtbaren, wir möchten sagen:\nhandgreiflichen, Einwirken auf das Leben. Die kleinen Rin-\nder sprechen von Dampfschiffen, elektrischen Telegraphen,\nLichtbildern u. s. w., als verstände sich das alles von\nselbst, und da fühlen natürlich die Eltern das Bedürfniss,\nsich über diese und ähnliche Dinge zu unterrichten, um\nihren Kindern Einsicht in die geheime Werkstätte der Na-\ntur verschaffen zu können.\nSo machen und hören wir denn auch tagtäglich Mu-\nsik, singen, streichen, blasen, hämmern und schlagen darauf\nlos, ohne zu fragen, auf welchen natürlichen Ursa-\nchen denn alle die mannigfachen Klänge beruhen mögen,\ndie wir erzeugen. Wohl ahnen wir eine gewisse Verwandt-\nschaft der musicalischen Töne mit den Naturklängen; wie\naber nach und nach der Mensch darauf gekommen, das\ndunkle Bewusstsein dieser Verwandtschaft praktisch so weit\nzu klären und zu entwickeln, dass er jene Naturklänge\ndurch Werkzeuge zu ihrer Erzeugung bis zu der Fülle,\nMannigfaltigkeit und Verfeinerung der jetzigen Töne ver-\nvielfältigt und verschönert hat, davon wissen wir so gut\n•*k ' *\nwie nichts, und, wenn wir aufrichtig sein wollen, darum\nbekümmern wir Musiker uns auch sehr wenig. Auch ist\nseither bei den zahlreichen schriftstellerischen Arbeiten,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "226", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570718-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5001, "texte": "welche die Kenntniss der Natur zum Gemeingut aller Ge-\nbildeten machen sollen, die Lehre vom Schalle unberück-\nsichtigt geblieben, ungeachtet ihres Zusammenhanges mit\nder populärsten aller Künste, der Musik.\nDa tritt nun Einer auf und macht sich an die schwie-\nrige Aufgabe, uns alle, die wir Musik treiben und Musik\nlieben, aufzuklären über die mathematisch-physicalische\nGrundlage der Musik und die Anwendung der akustischen\nGesetze bei dem Bau der musicalischen Instrumente. Das\nist Friedrich Zamminer in Giessen. Er hat die Ab-\nsicht, durch sein Buch alle diejenigen, welche sich mit Mu-\nsik beschäftigen, mit den Forschungen vertraut zu machen,\ndie über die Bewegung der Saiten, die Schwingungen der\nLuft, den Bau der Instrumente von Mersenne, Ber-\nnoulli, Chladni, Savart und S eebe c k, vor Allen „von\nunserem genialen Landsmanne\" Wilhelm Weber an-\ngestellt worden sind.\nDie Schwierigkeiten der Aufgabe liegen hier aber nicht\nnur in der Art und Weise, das Wissenschaftliche durch\nlassliche und angenehme Darstellung jedem Gebildeten ver-\nständlich und anziehend zu machen, sondern hauptsächlich\nauch darin, dass die Wissenschaft selbst noch lange nicht\nalle die Geheimnisse durchschaut hat, welche die Natur ge-\nrade auf diesem Gebiete so tief verschlossen hält, dass an\nvielen Stellen die bisher gewonnenen Resultate nur erst\nhinreichen, den Anfang zum Verständnisse zu gewinnen.\nAber mit Recht sagt der Verfasser: „Das Abgeschlossene\nund Fertige ist es nicht, was anzieht und denkende Geister\nbeschäftigt darum glaubte ich, den Leser auch an solche\nBeete führen zu dürfen, wo eben erst Keime spriessen.\"\nNun, wir können den Lesern versichern, dass sie mit\nVergnügen und zu ihrer grossen Belehrung diese Beete\nan der Hand des Verfassers umwandeln und grösstentheils\nmehr finden werden, als sie nach den bescheidenen Aeusse-\nrungen des Führers erwarten mochten. Auch das bestätigt\nder Inhalt, was der Verfasser an einer anderen Stelle des\nVorwortes sagt: „ Manches Goldkorn, welches der Wissen-\nschaft nützen konnte, habe ich bei Musikern und Instru-\nmentenmachern unbenutzt liegen gefunden, weil den Be-\nsitzern der Faden fehlte, welcher sie aus dem Gebiete der\nKunst in das der Wissenschaft leiten konnte. Meine Ab-\nsicht war, durch vorliegende Schrift, in welcher die Namen\nAmati und Mersenne, Händel und Chladni, Mozart und\nHumboldt neben einander stehen, solches Gold in Bewegung\nzu setzen.\"\nDas Buch verfolgt keine streng systematische Anord-\nnung. Wir billigen dies im Ganzen, glauben jedoch, dass\neine Einleitung, welche die Haupt-Lehrsätze der Akustik\nzusammenstellte, wünschenswerth und nützlich sein dürfte.\nIndess fehlt auch in der Form, die der Verfasser beliebt\nhat, die Darstellung der wesentlichen Bedingungen der\nEntstehung und Verbreitung des Tones u. s. w. nicht. Wir\nfinden sie besonders in den drei ersten Abschnitten, von\ndenen der erste und zweite die Violine, der dritte die\nAkustik der Gebäude behandelt; dann in Abschnitt 7\n„Die harmonischen Obertöne; Schwingungen\nvon Platten, Glocken, Häuten und Stäben; Re-\nsonanz\"; in Abschnitt 9 „Flöten und Zungen-\npfeifen\" und in Abschnitt 12 „Stimmung und\nTonmessung\".\nDer Inhalt des Werkes zerfällt in 14 Abschnitte, die\nmit drei Anhängen und dem Register 437 Seiten in Bvo.\nfüllen. Die notwendigen Figuren und Abbildungen sind\nin scharfem und schönem Holzschnitt in den Text gedruckt.\nEin mehr übersichtliches System in der Anordnung dürfte\nkeineswegs überflüssig sein; in der gegenwärtigen Gestalt\nträgt das Werk zu sehr den Charakter des Aphoristischen.\nAuch die Darstellung, so geistreich und anziehend sie im\nGanzen ist, verräth Spuren der Eile oder Nachlässigkeit,\nwelche eine zweite Auflage sicher verwischen wird. Bei\nder Behandlung eines Gegenstandes, der so wesentlich auf\nBeobachtung und Erfahrung am Stofflichen beruht, laufen\ndergleichen kleine Mängel leicht mitunter, wie jeder weiss,\nder sich an Aehnlichem versucht hat.\nDie zwei ersten Abschnitte behandeln, wie schon ge-\nsagt, die Violine. Der dritte Abschnitt, „Die Akustik\nder Gebäude\" überschrieben, bespricht zunächst die\nFortpflanzung des Schalles überhaupt, die Geschwindigkeit\nderselben, die Schallwellen, die Zurückwerfung des Schal-\nles, den Nachhall und Wiederhall und dann die zweck-\nmässige Form von Gebäuden in akustischer Hinsicht.\nUeber die bekannte Erfahrung, dass in windstiller\nNacht jeder Schall weiter trägt, als bei Tage, heisst es\nhier: „Mit Unrecht hat man dies der Stille der Nacht zu-\nschreiben wollen. Seitdem Humboldt dieselbe Wahrneh-\nmung in den Wäldern der Aequinoctial-Gegenden machte,\nin denen bei Tage die grösste Stille herrscht und erst\nNachts das geräuschvolle Thierleben beginnt, kann man\nden Grund der Erscheinung nur noch in der gleichmässi-\ngeren Beschaffenheit der Atmosphäre zur Nachtzeit suchen,\nda die Luft bei Tage unter dem Einflüsse mannigfacher,\nvon der Sonne erregter Strömungen für den Schall, wenn\nman so sagen darf, trübe und weniger durchsichtig wird,\nNach der von Dr. Reid bei der Ventilation der londoner"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "227", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570718-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5053, "texte": "Parlamentshäuser gewonnenen Erfahrung machte allein\nschon der in der Mitte des Saales aufsteigende mächtige\nLuftstrom, wenn die Heizung im Gange war, die Worte\ndes Redners auf der gegenüberliegenden Seite des Saales\nunverständlich. Die Aufmerksamkeit der Baumeister der\ngrossen, ihrem Zwecke so vorzüglich entsprechenden Mu-\nsikhallen zu Boston und Liverpool ging selbst so weit, die\nBeleuchtung weit in die Höhe, 50 Fuss über den Boden,\nzu verlegen, damit die Verbrennungs-Gase sofort durch\nOeffnungen in der Decke entweichen, ohne die homogene\nBeschaffenheit der Luft trüben zu können*). Bekannt ist\nder dämpfende Einfluss, welchen Nebel auf musicalische\nProductionen im Freien üben, und wie dagegen der Schall\nbei sehr reiner Luft oft eine aussergewöhnliche Tragweite\nerlangt. Lieutenant Foster vernahm mit Parry auf Fort Bo-\nwen bei kaltem Wetter die menschliche Stimme auf 6700\nenglische Fuss Entfernung. Diese Tragweite kann sich\nnoch beträchtlich erweitern, wenn über eine ruhige Was-\nser- oder Eisfläche hinüber gesprochen oder gerufen wird,\nda zu dem directen Schall dann noch ein akustisches Spie-\ngelbild desselben kommt. Das Lachen der Matrosen auf\neinem englischen Kriegsschiffe zu Spithead wurde eine\nStunde weiter in Portsmouth gehört, und der Schall des\nZapfenstreiches trug vom edinburgher Schlosse auf mehr als\nvier geographische Meilen Entfernung hin. Nach Dr. Ar-\nnott's Erzählung vernahm man auf einem auf der Höhe\nvon San Salvador segelnden Schiffe das Glockengeläute\neines Kirchenfestes jener Stadt sogar über hundert engli-\nsche Meilen weit. Schon die gleichmässige Schneedecke im\nWinter erhält der über sie hingehenden Schallwelle eine\ngrössere Stärke, als der rauhe und mit Gewächsen be-\ndeckte Boden.\"\nHiernach enthält der Abschnitt wohl zu beherzigende\nBemerkungen über den Bau von Concertsälen u. s. w.\nAlsdann nimmt das Pianoforte den vierten Ab-\nschnitt von Seite 70 bis 98 ein; die sechs übrigen Seiten\ndesselben sind der Harfe und der Laute gewidmet. Wir\ntheilen daraus folgende interessante Stelle besonders für\ndiejenigen mit, welche da glauben, dass dieser oder jener\nFabricant das Höchste erreicht habe und dass jedes ein-\nzelne Instrument aus derselben Fabrik von gleichem Wer-\nthe sei:\n„Der Bau des Pianoforteist in wissenschaftlicher Be-\nziehung weit weniger begründet und erforscht, als der-\njenige der meisten anderen musicalischen Instrumente.\nWeder über eine vorteilhafteste Gestalt und Grösse des\nganzen Instrumentes, noch über die Art, wie für die ver-\nschiedenen Tonlagen Länge, Dicke und Spannung der Sai-\nten gegen einander abzugleichen, und von welcher Grösse\nund Stärke der Resonanzboden zu wählen wäre, sind\nexacte Bestimmungen gemacht. Wenn man weiss, welchen\nEinfluss geringfügig erscheinende Nebenurastände wie\nz. B. die Stärke und Elasticität der Hammerstiele, der\nmehr oder weniger elastische Leder-Ueberzug der Ham-\nmerköpfe, die Sprunghöhe des Hammers, die Wahl des\nOrtes, an welchem er die Saite trifft, auf die Schönheit\ndes Klanges äussern, so wird man um so leichter sich er-\nklären, warum die Wissenschaft den Bereich des Piano-\nfortebaues bis jetzt noch ganz der Empirie und dem fein-\nfühlenden Geschmacke des Künstlers überlassen musste.\nWir fürchten nicht, der wissenschaftlichen Akustik zu nahe\nzu treten, wenn wir die Gränzen ihrer Leistungen bezeich-\nnen, da niemand, welcher die Geschichte der Naturfor-\nschung kennt, an einer stetigen Erweiterung dieser Grän-\nzen zweifeln wird. Zu welcher Vollkommenheit ist die\nMessung der Schwingungszahlen gediehen, seit Mersenne\nim Beginne des siebenzehnten Jahrhunderts die Saite und\nSauveur hundert Jahre später die Pfeife zu diesem Zwecke\nanwandte! Dagegen besitzt die Wissenschaft noch kein\nMittel zur messenden Vergleichung der Tonstärke, eine\nMessung des Wohlklanges scheint in das Reich der Phan-\ntasieen zu gehören, und doch hat man kein Recht, sie für\nunmöglich zu erklären, wenn man annimmt, dass sich die\nWellenformen ermitteln lassen, welche dem Ohr die rein-\nsten und angenehmsten Klänge zuführen.\n„Den verschiedenen Formen, welche das Fortepiano\nangenommen hat, insbesondere der Flügel- und Tafelform,\nhaben vorzugsweise die englischen Künstler durch sehr\nmassive Holzverbindungen und zweckmässige Verspreizung\nmittels eiserner Stäbe grosse Dauer und Festigkeit zu ge-\nben gewusst. Ihre Instrumente wurden hiedurch zum Ver-\nbringen in ferne Welttheile geeignet und gewannen, da sie\neinen stärkeren Saitenbezug ertrugen, an welchen sich eine\nderbere Mechanik anschloss, den Vorzug eines volleren\nTones, welcher nur von grösseren schwingenden Massen\nausgehen kann. In der Anwendung des Eisens, zu welcher\nman vor etwa fünfzig Jahren griff, und womit namentlich\ndie nordamericanischen Künstler die Einflüsse ihres ungün-\nstigen Klima's zu pariren suchten, scheint man etwas zu\nweit gegangen zu sein. Sowohl eine vollständige Vergitte-\nrung des Holzbaues mit Eisen, als die Einfügung ganzer\n\n*J Vergl. meine Beschreibungen der Tonhallen zu Bradford und\nLiverpool in Nr. 32 vom 12. August 1854 4 (11. Jahrg.) dieser\nZeitschrift. L. B."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "228", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570718-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3241, "texte": "gusseiserner Rahmen schaden dem Tone, welchem sie einen\nharten, kurz abbrechenden Charakter verleihen.\n„In einem Flügel, welcher sieben Octaven von A-t bis\na4 umfasst, nimmt die Länge der Saiten von 68 auf etwas\nweniger als 2 pariser Zoll ab, ihre Dicke von 0,74 Linien\nauf 0,3, die Spannung endlich von 90 auf 30 Kilogramme.\nRechnet man die Spannung aller 235 Saiten zusammen,\nso ergibt sich eine Zuglast von etwa 220 Centnern, wel-\ncher der Rahmen des Instrumentes einen dauernden uner-\nschütterlichen Widerstand leisten muss. Bei dem Tafel-\nPiano ist die schwingende Saitenmasse jedes einzelnen To-\nnes etwa drei Viertel von derjenigen des Flügels, die Sai-\ntenlängen der tieferen Töne sind geringer, etwa 58,9 pa-\nriser Zoll lür F-t,und wenn das Instrument sechs und\ni\neine halbe Octave von C-t bis umfasst, so beträgt , die\nganze Spannungslast der 139 Saiten etwa 140 Centner.\n„Die Haupt-Klangmasse geht, wie bei allen anderen\nSaiten-Instrumenten, so auch bei dem Pianoforte von dem\nResonanzboden aus. Directer kann man den Beweis\nnicht führen, als dies von Pellisov geschehen ist. Sämmt-\nliche Saiten eines Flügels waren sammt dem Stege aus dem\nInstrumente genommen und unter einander in wagerechter\nRichtung an einer Zimmerwand ausgespannt. Sie wurden\ndurch eine Tasten-Mechanik, ähnlich derjenigen an den\naufrecht stehenden Pianino's, angeschlagen. Von dem Stege\nerstreckte sich ein Stab von Fichtenholz durch die Wand\nin ein benachbartes Zimmer bis zum Resonanzboden des\nFlügels. Hier prägte sich das Spiel in vollen Tönen aus,\nwährend der Spieler selbst die Schwingungen der Sailen\nnur als ein leises, kaum hörbares Klingen vernahm. Eine\nmöglichst vollständige Uebertragung der Saitenschwingun-\ngen auf den Resonanzboden und eine zweckmässige Ver-\nbindung dieses letzteren mit dem Körper des Instrumentes,\ndamit dieser die Resonanz unterstütze, bilden eine der we-\nsentlichsten akustischen Aufgaben des Pianofortebaues.u\nAls vorzügliche Werke über den Ciavierbau werden\nangeführt: Kützing, Ueber Fortepiano-Baukunst, Bern,\n1844, und H. Welcker, Der Flügel, 1853. (Wo er-\nschienen? Auch dergleichen ungenaue Citationen sind in\neinem Buche zu vermeiden, das Anleitung zu weiterer Ver-\nfolgung der angeregten Dinge geben soll.)\nAbschnitt fünf und sechs handeln „von den harmoni-\nschen Verhältnissen und gleichschwebenden Temperaturen\"\nund „von Harmonie und Melodie.\" Sie gehen von Seite\n104 bis Seite 175 und bilden eine der gründlichsten Par-\ntieen des Werke?. .\nDer siebente Abschnitt erläutert die Flageolet-Töne,\ndie Klangfiguren, Glocken, Pauken, Schwingungen der\nStäbe (in Zungenpfeifen, Strohfidel u. s. w.), worauf der\nachte auf die Luftschwingungen in cvlindrischen Röhren\n(Flöten- und Zungenpfeifen) übergeht, ein Thema, welches\nim neunten Abschnitte, „Die Orgel\" überschrieben, wei-\nter ausgeführt wird.\nDie beiden folgenden (10 und 11) behandeln die\nBlas-Instrumente des Orchesters aus Holz und\naus Metall. Im zwölften wird „die Tonmessung und Stim-\nmung* besprochen mit Rücksicht auf die neuesten For-\nschungen und Zusammenstellungen. Aus dem dreizehnten\nhaben wir in der vorigen Nummer eine ausführlichere\nProbe gegeben. Der vierzehnte und letzte ist der\n„menschlichen -Stimme und dem Gehör\" ge-\nwidmet.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-07-18-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-07-18_01#c003", "volume": "bmtnabi_1857-07-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "228", "page_fin": "230", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570718-01.2.3", "titre_corps": "Das zweite mittelrheinische Musikfest.", "titre_sommaire": "Das zweite mittelrheinische Musikfest.", "signature_source": "L. B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "228", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570718-01.1.4", "debut_caractere": 3243, "fin_caractere_exclue": 4708, "texte": "Das zweite mittelrheinische Musikfest.\n\nDie vier Städte Darmstadt, Mannheim, Mainz\nund Wiesbaden haben sich vor zwei Jahren verbunden,\nmit ihren vereinigten musicalischen Kräften alljährlich ein\nMusikfest zu veranstalten. Das erste wurde im vorigen\nJahre (den 31. August und 1. September) in Darmstadt\nabgehalten (vgl. 1856, Nr. 37 vom 13. Sept.), und die\nAufführung des Messias unter C. A. Mangold's Leitung\nzeigte schon bei diesem ersten Versuche, dass die vorhan-\ndenen Kräfte vollkommen genügten, um classische Meister-\nwerke auf würdige Weise zur Aufführung zu bringen. Das\ndiesjährige Fest in Mannheim am 14. und 15. Juni über-\nzeugte vollends alle Anwesenden, dass die Lebenslähigkeit\ndes jungen Instituts der mittelrheinischen Musikfeste un-\nzweifelhaft und dass der Erhaltuug und Verherrlichung der\nTonkunst ein neuer Tempel am Rheine errichtet ist, der\ndem deutschen Vaterlande zur Ehre gereicht.\nWir erinnern uns allerdings, dass auch schon früher\ngrosse Musik-Aufführungen in den oberen Kheinlanden, z.\nB. in Heidelberg, Zweibrücken u. s. w., Statt gefunden ha-\nben; allein es kam zu keiner festen Organisation eines\nVerbandes, der ihre jährliche Wiederholung gesichert hätte,\nund späterhin wurden sie namentlich in Baden durch die\nSängerfeste ganz verdrängt. Desto erfreulicher ist die\nRückkehr zu den festlichen Aufführungen mit vollem Chor\nund Orchester, weil diese allein geeignet sind, die wahre\nMusik zu vertreten und eben dadurch der andringenden"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "229", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570718-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4996, "texte": "Flut der falschen einen festen Damm entgegen zu stellen.\nDass weder die Compositionen der neueren Schule, noch\ndie verkehrten Ansichten ihrer Koryphäen über Auffassung\nund Direction längst anerkannter Meisterwerke am Rheine\nAnklang finden, haben die verunglückten Versuche zu\nKarlsruhe und zu Aachen sattsam bewiesen. Dennoch kann\nes nicht schaden, wenn die Leere und Gehaltlosigkeit des\nSystems der Zukunfts-Musiker durch treffliche Ausfüh-\nrungen derjenigen die der Stolz der deutschen\nMusik sind, auf eine praktische und recht derbe Weise\nbloss gelegt wird.\nDer Chor zählte in Mannheim 660 Mitglieder: 154\nSoprane, 129 Alte, 163 Tenöre, 214 Bässe, also in gu-\ntem Verhältnisse. Nach\" den Städten hatte Mannheim 207,\nDarmstadt 164, Mainz 162, Wiesbaden 127 Sängerin-\nnen und Sänger auf die Festbühne gestellt. Das Orchester\nbestand aus 164 lnstrumentalisten (70 Violinen, 21 Brat-\nschen, 20 Violoncelle, 14 Contrabässe, Blas-Instrumente\ndoppelt). Der Chor war nicht nur durch die Zahl, sondern\nmich durch die frischen, klangvollen Stimmen imposant, das\nOrchester, zum grössten Theile aus Mitgliedern der Hof-\ncapellen von Karlsruhe, Mannheim und Darmstadt beste-\nhend, war im Ganzen genommen, was den Gesammtton\nund auch einzelne Instrumente betrifft, vortrefflich; im\neigentlichen Vortrage jedoch vertnisste man, besonders in\nden ersten Proben, die Gewohnheit an feinere Färbungen;\nnamentlich war das Piano fast immer zu hart. Im Chor\nwar die reine Intonation, die Präcision und die Klangfülle\nbewundernswerth und lieferte den Beweis einer höchst\nsorgfältigen und verständigen Einübung durch die Herren\nVinc. Lachner in Mannheim, Mangold in Darmstadt,\nHagen in Wiesbaden, Marpurg in Mainz.\nAn die Stelle des erkrankten Hof-Capellmeisters V.\nLachner war Ferdinand Hill er als Dirigent getreten,\nund verstand gleich in der ersten Probe sämmtliche Mit-\nwirkende so für ihre künstlerische Aufgabe zu begeistern,\ndass ihm bei seinem Auftreten in der zweiten Probe ein\neinstimmiges Hoch gebracht wurde. Ueberhaupt war es\neine Freude, den gemeinsinnigen und künstlerischen Geist,\nder bei den Ausführenden herrschte, wahrzunehmen. Dess-\nhalb waren auch die Auszeichnungen, die man dem Diri-\ngenten erwies, um so ehrenvoller, da sie aus dem Sinn und\nGefüllt für das Ganze, aus der Zuversicht auf das Gelingen\nund aus der Freude über das Gelungene entsprangen.\nWeil Hiller ganz und gar nur an seine Aufgabe als Diri-\ngent dachte, sein Ich nirgends geltend machte, sondern, es\nvergessend, sich in das Kunstwerk versenkte, das er dar-\nzustellen hatte, nur für dieses die Begeisterung zu wecken\nund zu steigern strebte, was ihm denn auch in hohem\nMaassegelang— desswegen feierten ihn alle Festgenossen\nin freudig aufgeregter Stimmung und umgaben ihn mit den\naufrichtigsten und liebenswürdigsten Zeichen der Achtung\nund Zuneigung.\nAm ersten Tage (Sonntag, den 14. Juni, Vormittags\n11 Uhr) wurde Mendelssohn'« Elias gegeben. Diese\nAufführung war die Krone des Festes; das Werk machte\nin der vollendet abgerundeten Erscheinung einen mächti-\ngen Eindruck auf alle Anwesenden. Leben und Schwung\nwar mit Correctheit und Präcision vereinigt; namentlich\nmuss die Sicherheit und einschlagende Kraft des Chors bei\nden Einsätzen, die Steigerung des Forle und die Nuanci-\nrung im Piano gerühmt werden. Jede Nummer der gros-\nsen Chöre rief aber auch einen Sturm von Beifall hervor,\nder so recht der Ausbruch einer erhöhten Stimmung der\nSeele war.\nWeniger kamen die Solo-Ensemblestücke zu voller\nGeltung, z. B. das Doppel-Quartett in das Terzett in\nD u. s. w. Es fehlte dabei die Einheit des Klanges und die\nInnigkeit des Vortrags. Die eigentlichen Soli hingegen wa-\nren in guten Händen. Die Sopran-Partie sang Fräul. Boch-\nkolz-Falconi. Sie bewährte sich als treffliche Oratorien-\nsängerin, indem sie auf vorzüglich verständige W eise die\nMitte zwischen der Kälte des kirchlichen Vortrags und dem\nFeuer des dramatischen zu halten wusste. Wie sehr aber\ndie Oratorienmusik durch echt dramatischen Vortrag da,\nwohin er gehört, gewinnt, zeigte unter Anderem der Wech-\nselgesang zwischen der Witwe und dem Propheten, den\nwir noch nie so ergreifend gehört haben, als durch Fräul.\nBochkolz und Herrn Stepan vom mannheimer Hof-\ntheater, der den Elias sang. Der Eindruck übertraf alle\nErwartung und liess diese Episode in einem weit helleren\nLichte als sonst erscheinen. Fräul. Bochkolz bat immer\nnoch sehr klangvolle und egale Töne in der mittleren Lage,\nwenn auch die Höhe, zumal wo sie angestrengt wird, etwas\nscharf jedoch nur in einzelnen Tönen geworden ist;\nund wie wohl thut es einem, eine gebildete Sängerin zu\nhören, deren Schule jeder Aufgabe des kunstmässigen Ge-\nsanges gewachsen ist!\nHerr Stepan brachte den Elias im Ganzen zu gebüh-\nrender, ja, öfters zu vollster Geltung; in manchen Recita-\ntiven und in dem Allegro der Arie „Es ist genug\" erhob\ner sich zu wirklich begeistertem Vortrage. Sein vollklin-\ngendes Organ liess ihn nirgends im Stich. Er würde je-\ndoch noch mehr leisten, wenn er seine Mittel durch an-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "230", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570718-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3999, "texte": "dauernde Gesangstudien besser in die Gewalt zu bekom-\nmen trachtete und sich einer reineren Aussprache, beson-\nders der Diphthongen, befleissigte.\nFrau Hauser vom Hoftheater zu Karlsruhe, Gattin\ndes trefflichen Bariions Hauser daselbst, besitzt eine volle\nund wohllautende Altstimme. Es fehlt ihr nicht an Adel\nund sympathischem Eindruck, der jedoch durch kunstge-\nmässe Studien in der Tonbildung noch erhöht werden\nkönnte. Herr Schlösser hat uns am wenigsten befrie-\ndigt; er versteht seine gute Tenorstimme nicht künstlerisch\nzu handhaben, wenigstens nicht im Oratorium. Seine Aus-\nführung der ersten Stimme in Männer-Quartetten war da-\ngegen recht beifallswürdig.\nIm Hoftheater wurde am Sonntag Oberon von Weber\ngegeben. Das Beste dabei waren die Decorationen von\nMühldorfer, wiewohl sie freilich das Theater zu einem gros-\nsen Guckkasten machen.\nAm zweiten Festtage begann das Concert um 3 l/j\nUhr Nachmittags mit Weber's Ouvertüre zur Euryanthe.\nSie wurde sehr gut ausgeführt, es war mehr Einheit und\nFeinheit als bei den Proben in das Orchester gekommen,\ndie Violinen zeichneten sich besonders aus, das Ganze hatte\nGeist und Schwung und wurde mit Recht durch rauschen-\nden Applaus begrüsst.\nDas Magnificatvon Durante, vom Musik-Director\nHetsch in Heidelberg gut instrumentirt, konnte sich\nnicht zu der Macht des Eindrucks erheben, den der Elias\ngemacht hatte, wiewohl die Ausführung bis auf einige Klei-\nnigkeiten gut war. Dagegen riss das Violin-Concert\nvon Beethoven, von Laub vorgetragen, wiederum zu\nallgemeinem Enthusiasmus hin. Laub hat an grossartigem\nTone und edelm Vortrage in den letzten Jahren noch be-\ndeutend gewonnen; auch die von ihm selbst componirten\nCadenzen waren trefflich; sie erstickten keineswegs den\nmelodiösen Faden der Beethoven'schen Motive, die darin\nverarbeitet waren, unter den allerdings grossen Schwierig-\nkeiten. Ihre Ausführung war meisterhaft.\nNach einem glänzenden Vortrage der grossen Scene\naus Spohr's Faust durch Fräul.Bochkolz folgte ein Män-\nnergesang, Mendelssohn's Hymne „An die Künstler\". Man\nhätte von den vereinigten Choren eine mächtigere Wirkung\nerwarten können; es war die einzige Nummer beim Feste,\nin welcher der geistige Schwung in etwa vermisst wurde.\nDoch zeigten die verschiedenen Liedertafeln durch ihre\nVorträge, welche am folgenden Tage das Fest im Schloss-\ngarten zu Heidelberg belebten, dass sie wohl zu singen\nverstehen. Händel's Hallelujah beschloss die erste Ab-\ntheilung; es machte, wie immer, Eindruck, der jedoch durch\ndie Vereinzelung, da es aus seinen Umgebungen gerissen\nwar, geschwächt wurde.\nBeethoven's neunte Sinfonie füllte die zweite\nAbtheilung und schloss den musicalischen Theil des Festes\nauf grossartige und im Ganzen auch recht gelungene Weise.\nDas Orchester führte die drei ersten Sätze unter der ener-\ngischen und sicheren Leitung Hiller's sehr gut, stellenweise\nmit meisterhafter Vollendung auf. Auch der Chor hielt sich\nwacker, erreichte aber doch nicht die Höhe seiner Leistun-\ngen im Elias. Die schwierigen und stets undankbaren Soli\nwurden von Fräul. Bohn (vom Hoftheater zu Mannheim),\nFrau Hauser, Herrn Schlösser und Stepan gesungen.\nAm Abende vereinigte ein Festball in den prächtigen\nRäumen des Theaters, dessen Bühne und Parterre durch\nbreite Stufengänge mit dem Concertsaale zu einem Ganzen\nverbunden war, eine glänzende Gesellschaft.\nDer dritte Tag war einer Festfahrt nach Heidelberg\ngewidmet. Auf den Höhen der Berge und in den herrlichen\nGärten um die erhabenen Trümmer des Schlosses ging bei\ndem heitersten Wetter allen Theilnehmern gar bald das\nHerz auf, und es entwickelte sich eine durch nichts ge-\ntrübte, aber wohl durch Gesang und Rede erhöhte freu-\ndige Stimmung, welche, genährt durch die künstlerischen\nund humoristischen Elemente der zahlreichen Gesellschaft\nvon Damen und Herren den ganzen Tag bis zur Rückkehr\nam späten Abend anhielt.\nEs waren in jeder Hinsicht wahrhaft festliche Tage in\nMannheim, und wir wünschen den Anordnern Glück zu\ndem ganz vorzüglich gelungenen Werke.\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-07-18-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-07-18_01#c004", "volume": "bmtnabi_1857-07-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "230", "page_fin": "231", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570718-01.2.4", "titre_corps": "Zur Geschichte der Bache.", "titre_sommaire": "Zur Geschichte der Bache.", "signature_source": "Chrysander", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "230", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570718-01.1.6", "debut_caractere": 4001, "fin_caractere_exclue": 4738, "texte": "Zur Geschichte der Bache.\n\nlhren Mittheilungen unter dieser Aufschrift in\nder Niederrheinischen Musik-Zeitung Nr. 21 d. J. kann ich\neine interessante kleine Nachricht beilügen. Der Fünfte\nauf der Bach'schen Stammtafel ist Heinrich Bach, ein\nMusicus in Thüringen 1643 u. ff., Organist und Stadt-\nmusicus zu Arnstadt. Seine beiden Söhne, Johann Chri-\nstoph und Johann Michael, wurden berühmte Organisten,\nauch wegen ihrer Gompositionen sehr geschätzt. Nun war\nes bisher zweifelhaft, ob Heinrich Bach so weit Musiker\nwar, dass er selber seine Söhne in die Geheimnisse der\nSetz- und Organisten-Kunst einführen konnte. Man hatte\nniemals eine Composition von ihm gesehen. Als Sebastian\nBach in seinen alten Tagen die musicalische Hinterlassen-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "231", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570718-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1854, "texte": "schaft seiner Vorfahren zusammen suchte, vermochte er\nüberhaupt keinen Tonsatz zu finden, der über 1693 hinauf-\nreichte. Im Sommer 1856 gerieth mir unter anderen werth-\nvollen alten Musikwerken auf der Universitäts-Bibliothek\nzu Helmstädt eine handschriftliche Sammlung in die\nHände, die ein gothaer Musicus für den Herzog Augustus\nzu Braunschweig zusammenschrieb; sie besteht aus Instru-\nmentalwerken in Partitur und ist 1663 vollendet. Die be-\ndeutendsten deutschen Meister um 1650 haben beige-\nsteuert. Unter diesen ist auch Heinrich Bach ; zwei Sonaten\n(d. i. Sätze für Violinen, Oboen, Hörner u. s. w., nicht für\nCiavier) tragen seinen Namen. Die Compositionen sind frisch,\nklangreich und rein im Satze. Sie sind beinahe fünf-\nzig Jahre älter als das Aelteste, was bisher\naus der Bach- Familie bekannt war.\nGerber's Sammlung ist auch noch vorhanden; vieles\nAndere ist uns desshalb verkommen oder versteckt, weil\nin den Augen der meisten Menschen (die Musiker keines-\nwegs ausgenommen) alte Musicalien und alle Zeitungen\ngleichen Werth haben. Ihren Wunsch, der Kern der merk-\nwürdigen Werke des „Alt-Bachischen Archivs\" möchte\nherausgegeben und das Leben aller dieser deutschen Bie-\ndermänner aus den besten Quellen beschrieben werden,\ntheile ich von Herzen. Die Schwierigkeiten sind, wie mir\nscheint, besonders desshalb so gross, weil von den Weni-\ngen, die musicalisch-historische Forschungen anstellen, fast\njeder seinen eigenen Weg geht und Keiner dem Anderen\nhilft. Wo aber die Detail-Forschung so ausgedehnt ist, wie\nbei einer solchen Familie, da kann nur durch gemeinsames\nZusammenwirken eine bedeutende Anzahl von unbekann-\nten und sicheren Thatsachen gewonnen werden. Wir ha-\nben in Deutschland so viele historische und Alterthums-\nVereine, aber für die Geschichte der Kunst, in der wir\nunübertroffen da stehen, keinen einzigen.\n\nChrysander."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-07-18-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-07-18_01#c005", "volume": "bmtnabi_1857-07-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "231", "page_fin": "232", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570718-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "231", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570718-01.1.7", "debut_caractere": 1856, "fin_caractere_exclue": 5573, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\njslfliiiz9 den 5. Juli. General-Musik-Director Dr. L. Spohr\nweilt seit gestern Vormittags in unseren Mauern und wird dem Ver-\nnehmen nach heute Nachmittags seine Reise über Frankfurt fort-\nsetzen. Der hiesige Männergesang-Verein benutzte am gestrigen\nAbende diese Gelegenheit, dem ehrwürdigen Nestor der deutschen\nTonkunst durch eine Serenade seine Huldigung darzubringen. Auch\nhier haben die drei Wunderkinder, Geschwister Baczeck aus Böh-\nmen, in einem eigens hierzu veranstalteten Concerte des hiesigen\nKunst-Vereins den ihnen vorausgegangenen Ruf gerechtfertigt und\nnamentlich durch die Präcision ihres Zusammenspiels Bewunderung\nerregt.\nIn München hat die Sängerin Fräul. Frassini auf der Bühne\nals Rosine im Barbier, Amine in der Nachtwandlerin, Donna Anna\nin Don Juan u s. w. ganz aussergewöhnliches Aufsehen erregt.\nFräul. Frassini ist eine Rheinländerin, deren wahrer Name Natalie\nEschborn ist. Sie ist die Tochter eines am Niederrheine sehr ge-\nachteten und seiner Zeit berühmten Künstlerpaares, indem ihr Vater\nals ein sehr bewährter Dirigent und Musik-Director wirkte und ihre\nMutter als ausgezeichnete Sopranistin die Kunst der dramatischen\nDarstellung mit dem gebildetsten Gesänge vereinigte. Aus solcher\nelterlichen Schule ging die gegenwärtig gefeierte Tochter hervor. Sie\nwar schon früher in Italien, war dann eine Zeitlang am Hoftheater\nzu Stuttgart angestellt, das sie aber verliess, um nochmals nach\nItalien zu gehen. Schon bei ihrem ersten Aufenthalte daselbst hatte\nsich auch Rossini besonders für sie interessirt. Jetzt ist sie als voll-\nendete Sängerin nach Deutschland zurückgekehrt, und in allen mün-\nchener Blättern ist nur Eine Stimme über ihr ausgezeichnetes Talent\nin Auffassung, Gesang und Spiel ihrer Rollen.\nRoger's Gast-Vorstellungen bewähren ihre alte\nZugkraft. In den „Hugenotten\" sang Fräul. Nina Hartmann die\nValentine neben dem gefeierten Gaste und erhielt Beifall, sogar Her-\nvorruf. „Da die Partie rasch übernommen war, so konnte freilich\nvon einem guten Totalbilde noch nicht die Rede sein; aber wir\nI\nzweifeln nicht, dass diese Rolle dereinst eine sehr tüchtige Leistung\nder jungen Künstlerin sein werde. Schon jetzt entfaltete sich die\nherrliche, glockenreine Stimme in Pracht, und einige Stellen gelan-\ngen vortrefflich.\" (Allg. Th.-Zeit. von C. Cotta.) lhr Bruder, Herr\nKarl Ha rt mann, ist als Stradella aufgetreten. Fräul. Fras-\nsini (Eschborn) ist hier. Roger hat hier den Fra Diavolo zum\nersten Male in deutscher Sprache gesungen.\nieisa. Im Juni gab Davison hier eine Reihe von Gastrol-\nlen mit fast unerhörtem Beifall. Die Wiener waren ganz ausser\nsieh; dass er zwölf bis fünfzehn Mal an Einem Abende gerufen\nwurde, war Regel,\nVerdi's neueste Oper „Simone Boccanegra\" hat in Reggio\ngrossen Erfolg gehabt und wird von der italiänischen Kritik ein-\nstimmig gelobt. Die Theater-Agentur Bonola in Mailand soll ihn für\n80,000 Frcs. engagirt haben, für 1859 eine neue Oper zu schreiben,\ndie zuerst in Petersburg aufgeführt werden soll.\n12. Juli. Der k. Hof-Capellmeister Dr. H. Marsch-\nner aus Hannover ist mit seiner Gattin, Frau Therese Marsch-\nner, geb. Jan da, vor einigen Tagen hier angekommen und findet\nin allen musicalischen Kreisen, so wie bei der kunstliebenden Ari-\n/' /\nstokratie die ehrenvollste Aufnahme. Die Musical World widmet ihm\nin ihrer Nr. 27 einen besonderen Artikel, der mit den Worten be-\nginnt: „Der Besuch eines solchen Mannes, unglücklicher Weise für\nunsere alten und neuen philharmonischen Gesellschaften zu spät in\nder Saison, darf nicht ohne ausgezeichnete Anerkennung vorüber-\ngehen. Es gibt heutzutage der gesunden Musiker zu wenig, als dass\nwir diejenigen, die noch leben und schreiben, nicht vor Allem hoch"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "232", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570718-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3904, "texte": "halten sollten. Marschner ist, wie Hiller, ein entschiedener Feind der\n„Zukunft\" und aller ihrer Rodomontaden, und da auch in England\ndie Feinde der Kunst nicht ganz ohne Anhänger sind, so müssen\nsich alle, welche die Musik lieben und die Charlatanerie verab-\nscheuen, vereinigen, um ihm einen Willkommgruss darzubringen.\nMarschner hat sein Talent mit Eifer und Gewissenhaftigkeit nur zur\nVerherrlichung der schönen Kunst angewandt, deren Anhänger er\nist, anstatt sie durch Marktschreierei und Anmaassung herabzuwür-\ndigen, wie es jetzt so oft der Fall, wenn seinwollende Componisten,\nwelche die Erle rnung der Elemente der Harmonielehre für das Letzte\nhalten, was nothwendig sei, die Welt mit den Doppel-Erzeugnissen\naus Frechheit und Unwissenheit in formlosen und monströsen Er-\ngüssen beglücken. Marschner ist ein echter Musiker; er hält sein\nHaupt stolz empor, unbekümmert um die Pfeile, welche gegen ihn\nund alle gesinnungstüchtigen Künstler aus den Verstecken und\nSchlupfwinkeln der Betrüger abgeschossen werden. Er ist noch einer\nvon den wenigen Kämpfern für die wahre Kunst. Als ein treuer\nDeutscher aus jener Schule, welche die grossen dramatischen Com-\nponisten durch ihre Werke verherrlicht haben, beharrt er dabei und\nsteht fest gegen die Ungläubigen und Spötter\" u. s. w. Seit lan-\nger Zeit hat sich die musicalische Welt von London nicht so be-\neifert, einen fremden Künstler zu ehren und zu feiern, als dies jetzt\nbei Marschner und seiner Gattin der Fall ist. Letztere hat auch be-\nreits die hohe Ehre gehabt, vor Ihrer Maj. der Königin zu singen.\nIra Aldridge trat in Stockholm zuerst als Othello auf und\nfüllte wiederholt das Theater, obwohl bei doppelten Eintrittspreisen.\nEr ist v®r einigen Tagen in Hamburg angekommen.\nPestll« Der höchst kunstvoll gearbeitete Lorberkranz, welcher\ndem Sänger Beck von dessen Jugendfreunden bei seinem letzten\nAuftreten im Nationaltheater verehrt wurde, besteht aus massivem,\nfeinstem Golde, im Gewicht von ungefähr lOODucaten, und hat den\npesther Goldarbeiter Herrn Karl Laky zum Verfertiger.\nI* e ii t m c Et e T o n h a I 1 e.\nDurch gütige Verwendung des Herrn Compositeurs Ernst\nPauer in London und ein sehr ansehnliches Geschenk des Kauf-\nmannes Herrn Friedrich Wilhelm Benecke daselbst wurden\nwir in Stand gesetzt, den Preis von 180 Gulden hiermit auszuschrei-\nben für ein Nonett für Flöte, Oboe, Clarinette, Horn, Fagott, Vio-\nline, Alt-Viole, Violoncell und Contrabass.\nDas Werk soll enthalten: 1) Introduction und Allegro, 2) Menuet\nmit einem oder zwei Trio's, 3) Adagio (oder Thema mit Variationen),\n4) Scherzo in Theilen mit Trio und 5) Finale (Rondo oder Presto)\n«\nmi-t .oder ohne Introduction.\nI\nDas Ganze hat weniger contrapunktisch als vielmehr melodiös\ngehalten zu sein und sich, ohne coneertirendes Vorherrschen der\nVioline, durch schöne harmonische Wendungen auszuzeichnen.\nWir laden verehrliche deutsche Tondichter hiedurch ein, sich an\nder Bewerbung um diesen Preis zu betheiligen und die bezüglichen\nWerke spätestens im Monat Februar 1858 „der Deutschen Tonhalle\"\nfrei hieher einzusenden, bezeichnet mit einein deutschen Spruche\nund begleitet von einem versiegelten Briefe mit demselben Spruche,\n\\rorin Namen, Stand und Wohnort des Verfassers, aussen aber eines\nKünstlers angegeben sind, welchen der Verfasser als Preisrichter\nwählt.\nDie weiteren, auch hieher gehörigen Bedingnisse enthalten die\nSatzungen der Tonhalle; nur wird diesmal vorbehalten, von dem\ngekrönt werdenden Nonett eine Abschrift zu nehmen für Herrn Be-\nnecke in London, welcher dasselbe in seinen Privat-Concerten auf-\niühren lassen, so wie Herr Pauer daselbst besorgt sein wird, dass\ndieses Werk, auch zur Kenntniss in weiteren Kreisen dortiger Mu-\nsikkenner, aufs sorgfältigste eingeübt und in seinen öffentlichen Con-\ncerten vorgetragen werde, dadurch aber dem Eigenthumsrechte des\n/\nVerfassers kein Abbruch geschieht.\n• V \\\nMannheim, Juli 1857.\nDer Vorstand."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "225", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570718-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nFr. Zamminer: Die Musik und die musicalischen Instrumente. Von L. Bisch off. Das zweite mittelrheinische Mu-\nsikfest in Mannheim Von L. B. Zur Geschichte der Bache. Von Chrysander. Tages- und Unterhaltungsblatt (Mainz, Dr.\nL. Spohr, Geschwister Baczeck München, Fräul. Frassini Hamburg, Roger, Fräul. Nina Hartmann - Wien, Davison Verdi's neu-\neste Oper London, Dr. H. Marschner und Frau Ira Aldridge Deutsche Tonhalle)\n\nDie Musik und die musicalischen Instrumente.\nVon Friedrich Zamminer.\nDas gegenwärtige Geschlecht fühlt mehr als irgend\nein früheres das Bedürfniss einer mehrseitigen Bildung.\nWenn es sich auf der einen Seite freilich nicht läugnen\nlässt, dass dieses Streben sehr oft auf falsche Bahnen leitet\nund ein Darchlaufen der verschiedensten Wege veranlasst,\ndie zu keinem Ziele führen, dass überhaupt eine kräftige\nEinseitigkeit, die da stets weiss, was sie will, eine immer\nseltenere Erscheinung wird, so sind doch auf der anderen\ndie Vortheile unschätzbar, welche eine allgemeine Bildung,\nein Durchdringen des wissenschaftlichen Geistes bis zu den-\njenigen Schichten der Menschheit, die früher nicht im Ge-\nringsten davon berührt wurden, der Entwicklung des Be-\ngriffs-Vermögens, der Zerstreuung der Nebel der Unwis-\nsenheit und des Aberglaubens und dadurch der wahren\nSittlichkeit bringen. Jenes Streben hat in unserer Zeit eine\nneue Art der Bearbeitung wissenschaftlicher Gegenstände\nveranlasst. Frankreich und England sind darin vorausge-\ngangen; in ersterem Lande gehen die Versuche bis in die\nPeriode der Encyklopädisten zurück, die jedoch, freilich\nnicht ohne sattsame Veranlassung, mehr an das Nieder-\nzissen als an das Aufbauen gingen.\nEs war voraus zu sehen, dass, wenn die Männer der\nWissenschaft in Deutschland «ich einmal entschliessen wür-\nden, den Katheder zu verlassen und das Volk in den wei-\nten Räumen der Oeffentlichkeit, welche die Presse ihnen\ngeöffnet hat, zu belehren, dass sie in der neueren Weise,\nden Ernst der Wissenschaft mit der Anmuth der Unter-\nhaltung, mit dem Anziehenden der Darstellung zu verbin-\nden, die richtige Mitte treffen würden, den Reiz der Wiss-\nbegierde, die dem Menschen angeboren ist, auf die edelste\nWeise dazu zu benutzen, ihn in die Hallen der Wissen-\nschaft einzuführen und die grossen Resultate derselben sei-\nnem erstaunten Auge vorzulegen. Diese Voraussicht hat\nuns nicht getäuscht; die deutsche Literatur besitzt beson-\nders seit Alexander von Huraboldt's Kosmos eine Reihe\nvon Werken, welche Gründlichkeit mit Fasslichkeit, ja\nSchönheit der Darstellung mit einander in sich vereinigen\nund ähnliche Erzeugnisse der ausländischen Presse weit\nhinter sich lassen.\nDass hauptsächlich die Naturwissenschaften auf diese\nWeise bearbeitet werden, liegt erstens in ihrem ungeheu-\nren Fortschritte in dem neunzehnten Jahrhundert, und\nzweitens in ihrem mehr sichtbaren, wir möchten sagen:\nhandgreiflichen, Einwirken auf das Leben. Die kleinen Rin-\nder sprechen von Dampfschiffen, elektrischen Telegraphen,\nLichtbildern u. s. w., als verstände sich das alles von\nselbst, und da fühlen natürlich die Eltern das Bedürfniss,\nsich über diese und ähnliche Dinge zu unterrichten, um\nihren Kindern Einsicht in die geheime Werkstätte der Na-\ntur verschaffen zu können.\nSo machen und hören wir denn auch tagtäglich Mu-\nsik, singen, streichen, blasen, hämmern und schlagen darauf\nlos, ohne zu fragen, auf welchen natürlichen Ursa-\nchen denn alle die mannigfachen Klänge beruhen mögen,\ndie wir erzeugen. Wohl ahnen wir eine gewisse Verwandt-\nschaft der musicalischen Töne mit den Naturklängen; wie\naber nach und nach der Mensch darauf gekommen, das\ndunkle Bewusstsein dieser Verwandtschaft praktisch so weit\nzu klären und zu entwickeln, dass er jene Naturklänge\ndurch Werkzeuge zu ihrer Erzeugung bis zu der Fülle,\nMannigfaltigkeit und Verfeinerung der jetzigen Töne ver-\nvielfältigt und verschönert hat, davon wissen wir so gut\n•*k ' *\nwie nichts, und, wenn wir aufrichtig sein wollen, darum\nbekümmern wir Musiker uns auch sehr wenig. Auch ist\nseither bei den zahlreichen schriftstellerischen Arbeiten,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "226", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570718-01.1.2", "texte": "welche die Kenntniss der Natur zum Gemeingut aller Ge-\nbildeten machen sollen, die Lehre vom Schalle unberück-\nsichtigt geblieben, ungeachtet ihres Zusammenhanges mit\nder populärsten aller Künste, der Musik.\nDa tritt nun Einer auf und macht sich an die schwie-\nrige Aufgabe, uns alle, die wir Musik treiben und Musik\nlieben, aufzuklären über die mathematisch-physicalische\nGrundlage der Musik und die Anwendung der akustischen\nGesetze bei dem Bau der musicalischen Instrumente. Das\nist Friedrich Zamminer in Giessen. Er hat die Ab-\nsicht, durch sein Buch alle diejenigen, welche sich mit Mu-\nsik beschäftigen, mit den Forschungen vertraut zu machen,\ndie über die Bewegung der Saiten, die Schwingungen der\nLuft, den Bau der Instrumente von Mersenne, Ber-\nnoulli, Chladni, Savart und S eebe c k, vor Allen „von\nunserem genialen Landsmanne\" Wilhelm Weber an-\ngestellt worden sind.\nDie Schwierigkeiten der Aufgabe liegen hier aber nicht\nnur in der Art und Weise, das Wissenschaftliche durch\nlassliche und angenehme Darstellung jedem Gebildeten ver-\nständlich und anziehend zu machen, sondern hauptsächlich\nauch darin, dass die Wissenschaft selbst noch lange nicht\nalle die Geheimnisse durchschaut hat, welche die Natur ge-\nrade auf diesem Gebiete so tief verschlossen hält, dass an\nvielen Stellen die bisher gewonnenen Resultate nur erst\nhinreichen, den Anfang zum Verständnisse zu gewinnen.\nAber mit Recht sagt der Verfasser: „Das Abgeschlossene\nund Fertige ist es nicht, was anzieht und denkende Geister\nbeschäftigt darum glaubte ich, den Leser auch an solche\nBeete führen zu dürfen, wo eben erst Keime spriessen.\"\nNun, wir können den Lesern versichern, dass sie mit\nVergnügen und zu ihrer grossen Belehrung diese Beete\nan der Hand des Verfassers umwandeln und grösstentheils\nmehr finden werden, als sie nach den bescheidenen Aeusse-\nrungen des Führers erwarten mochten. Auch das bestätigt\nder Inhalt, was der Verfasser an einer anderen Stelle des\nVorwortes sagt: „ Manches Goldkorn, welches der Wissen-\nschaft nützen konnte, habe ich bei Musikern und Instru-\nmentenmachern unbenutzt liegen gefunden, weil den Be-\nsitzern der Faden fehlte, welcher sie aus dem Gebiete der\nKunst in das der Wissenschaft leiten konnte. Meine Ab-\nsicht war, durch vorliegende Schrift, in welcher die Namen\nAmati und Mersenne, Händel und Chladni, Mozart und\nHumboldt neben einander stehen, solches Gold in Bewegung\nzu setzen.\"\nDas Buch verfolgt keine streng systematische Anord-\nnung. Wir billigen dies im Ganzen, glauben jedoch, dass\neine Einleitung, welche die Haupt-Lehrsätze der Akustik\nzusammenstellte, wünschenswerth und nützlich sein dürfte.\nIndess fehlt auch in der Form, die der Verfasser beliebt\nhat, die Darstellung der wesentlichen Bedingungen der\nEntstehung und Verbreitung des Tones u. s. w. nicht. Wir\nfinden sie besonders in den drei ersten Abschnitten, von\ndenen der erste und zweite die Violine, der dritte die\nAkustik der Gebäude behandelt; dann in Abschnitt 7\n„Die harmonischen Obertöne; Schwingungen\nvon Platten, Glocken, Häuten und Stäben; Re-\nsonanz\"; in Abschnitt 9 „Flöten und Zungen-\npfeifen\" und in Abschnitt 12 „Stimmung und\nTonmessung\".\nDer Inhalt des Werkes zerfällt in 14 Abschnitte, die\nmit drei Anhängen und dem Register 437 Seiten in Bvo.\nfüllen. Die notwendigen Figuren und Abbildungen sind\nin scharfem und schönem Holzschnitt in den Text gedruckt.\nEin mehr übersichtliches System in der Anordnung dürfte\nkeineswegs überflüssig sein; in der gegenwärtigen Gestalt\nträgt das Werk zu sehr den Charakter des Aphoristischen.\nAuch die Darstellung, so geistreich und anziehend sie im\nGanzen ist, verräth Spuren der Eile oder Nachlässigkeit,\nwelche eine zweite Auflage sicher verwischen wird. Bei\nder Behandlung eines Gegenstandes, der so wesentlich auf\nBeobachtung und Erfahrung am Stofflichen beruht, laufen\ndergleichen kleine Mängel leicht mitunter, wie jeder weiss,\nder sich an Aehnlichem versucht hat.\nDie zwei ersten Abschnitte behandeln, wie schon ge-\nsagt, die Violine. Der dritte Abschnitt, „Die Akustik\nder Gebäude\" überschrieben, bespricht zunächst die\nFortpflanzung des Schalles überhaupt, die Geschwindigkeit\nderselben, die Schallwellen, die Zurückwerfung des Schal-\nles, den Nachhall und Wiederhall und dann die zweck-\nmässige Form von Gebäuden in akustischer Hinsicht.\nUeber die bekannte Erfahrung, dass in windstiller\nNacht jeder Schall weiter trägt, als bei Tage, heisst es\nhier: „Mit Unrecht hat man dies der Stille der Nacht zu-\nschreiben wollen. Seitdem Humboldt dieselbe Wahrneh-\nmung in den Wäldern der Aequinoctial-Gegenden machte,\nin denen bei Tage die grösste Stille herrscht und erst\nNachts das geräuschvolle Thierleben beginnt, kann man\nden Grund der Erscheinung nur noch in der gleichmässi-\ngeren Beschaffenheit der Atmosphäre zur Nachtzeit suchen,\nda die Luft bei Tage unter dem Einflüsse mannigfacher,\nvon der Sonne erregter Strömungen für den Schall, wenn\nman so sagen darf, trübe und weniger durchsichtig wird,\nNach der von Dr. Reid bei der Ventilation der londoner"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "227", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570718-01.1.3", "texte": "Parlamentshäuser gewonnenen Erfahrung machte allein\nschon der in der Mitte des Saales aufsteigende mächtige\nLuftstrom, wenn die Heizung im Gange war, die Worte\ndes Redners auf der gegenüberliegenden Seite des Saales\nunverständlich. Die Aufmerksamkeit der Baumeister der\ngrossen, ihrem Zwecke so vorzüglich entsprechenden Mu-\nsikhallen zu Boston und Liverpool ging selbst so weit, die\nBeleuchtung weit in die Höhe, 50 Fuss über den Boden,\nzu verlegen, damit die Verbrennungs-Gase sofort durch\nOeffnungen in der Decke entweichen, ohne die homogene\nBeschaffenheit der Luft trüben zu können*). Bekannt ist\nder dämpfende Einfluss, welchen Nebel auf musicalische\nProductionen im Freien üben, und wie dagegen der Schall\nbei sehr reiner Luft oft eine aussergewöhnliche Tragweite\nerlangt. Lieutenant Foster vernahm mit Parry auf Fort Bo-\nwen bei kaltem Wetter die menschliche Stimme auf 6700\nenglische Fuss Entfernung. Diese Tragweite kann sich\nnoch beträchtlich erweitern, wenn über eine ruhige Was-\nser- oder Eisfläche hinüber gesprochen oder gerufen wird,\nda zu dem directen Schall dann noch ein akustisches Spie-\ngelbild desselben kommt. Das Lachen der Matrosen auf\neinem englischen Kriegsschiffe zu Spithead wurde eine\nStunde weiter in Portsmouth gehört, und der Schall des\nZapfenstreiches trug vom edinburgher Schlosse auf mehr als\nvier geographische Meilen Entfernung hin. Nach Dr. Ar-\nnott's Erzählung vernahm man auf einem auf der Höhe\nvon San Salvador segelnden Schiffe das Glockengeläute\neines Kirchenfestes jener Stadt sogar über hundert engli-\nsche Meilen weit. Schon die gleichmässige Schneedecke im\nWinter erhält der über sie hingehenden Schallwelle eine\ngrössere Stärke, als der rauhe und mit Gewächsen be-\ndeckte Boden.\"\nHiernach enthält der Abschnitt wohl zu beherzigende\nBemerkungen über den Bau von Concertsälen u. s. w.\nAlsdann nimmt das Pianoforte den vierten Ab-\nschnitt von Seite 70 bis 98 ein; die sechs übrigen Seiten\ndesselben sind der Harfe und der Laute gewidmet. Wir\ntheilen daraus folgende interessante Stelle besonders für\ndiejenigen mit, welche da glauben, dass dieser oder jener\nFabricant das Höchste erreicht habe und dass jedes ein-\nzelne Instrument aus derselben Fabrik von gleichem Wer-\nthe sei:\n„Der Bau des Pianoforteist in wissenschaftlicher Be-\nziehung weit weniger begründet und erforscht, als der-\njenige der meisten anderen musicalischen Instrumente.\nWeder über eine vorteilhafteste Gestalt und Grösse des\nganzen Instrumentes, noch über die Art, wie für die ver-\nschiedenen Tonlagen Länge, Dicke und Spannung der Sai-\nten gegen einander abzugleichen, und von welcher Grösse\nund Stärke der Resonanzboden zu wählen wäre, sind\nexacte Bestimmungen gemacht. Wenn man weiss, welchen\nEinfluss geringfügig erscheinende Nebenurastände wie\nz. B. die Stärke und Elasticität der Hammerstiele, der\nmehr oder weniger elastische Leder-Ueberzug der Ham-\nmerköpfe, die Sprunghöhe des Hammers, die Wahl des\nOrtes, an welchem er die Saite trifft, auf die Schönheit\ndes Klanges äussern, so wird man um so leichter sich er-\nklären, warum die Wissenschaft den Bereich des Piano-\nfortebaues bis jetzt noch ganz der Empirie und dem fein-\nfühlenden Geschmacke des Künstlers überlassen musste.\nWir fürchten nicht, der wissenschaftlichen Akustik zu nahe\nzu treten, wenn wir die Gränzen ihrer Leistungen bezeich-\nnen, da niemand, welcher die Geschichte der Naturfor-\nschung kennt, an einer stetigen Erweiterung dieser Grän-\nzen zweifeln wird. Zu welcher Vollkommenheit ist die\nMessung der Schwingungszahlen gediehen, seit Mersenne\nim Beginne des siebenzehnten Jahrhunderts die Saite und\nSauveur hundert Jahre später die Pfeife zu diesem Zwecke\nanwandte! Dagegen besitzt die Wissenschaft noch kein\nMittel zur messenden Vergleichung der Tonstärke, eine\nMessung des Wohlklanges scheint in das Reich der Phan-\ntasieen zu gehören, und doch hat man kein Recht, sie für\nunmöglich zu erklären, wenn man annimmt, dass sich die\nWellenformen ermitteln lassen, welche dem Ohr die rein-\nsten und angenehmsten Klänge zuführen.\n„Den verschiedenen Formen, welche das Fortepiano\nangenommen hat, insbesondere der Flügel- und Tafelform,\nhaben vorzugsweise die englischen Künstler durch sehr\nmassive Holzverbindungen und zweckmässige Verspreizung\nmittels eiserner Stäbe grosse Dauer und Festigkeit zu ge-\nben gewusst. Ihre Instrumente wurden hiedurch zum Ver-\nbringen in ferne Welttheile geeignet und gewannen, da sie\neinen stärkeren Saitenbezug ertrugen, an welchen sich eine\nderbere Mechanik anschloss, den Vorzug eines volleren\nTones, welcher nur von grösseren schwingenden Massen\nausgehen kann. In der Anwendung des Eisens, zu welcher\nman vor etwa fünfzig Jahren griff, und womit namentlich\ndie nordamericanischen Künstler die Einflüsse ihres ungün-\nstigen Klima's zu pariren suchten, scheint man etwas zu\nweit gegangen zu sein. Sowohl eine vollständige Vergitte-\nrung des Holzbaues mit Eisen, als die Einfügung ganzer\n\n*J Vergl. meine Beschreibungen der Tonhallen zu Bradford und\nLiverpool in Nr. 32 vom 12. August 1854 4 (11. Jahrg.) dieser\nZeitschrift. L. B."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "228", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570718-01.1.4", "texte": "gusseiserner Rahmen schaden dem Tone, welchem sie einen\nharten, kurz abbrechenden Charakter verleihen.\n„In einem Flügel, welcher sieben Octaven von A-t bis\na4 umfasst, nimmt die Länge der Saiten von 68 auf etwas\nweniger als 2 pariser Zoll ab, ihre Dicke von 0,74 Linien\nauf 0,3, die Spannung endlich von 90 auf 30 Kilogramme.\nRechnet man die Spannung aller 235 Saiten zusammen,\nso ergibt sich eine Zuglast von etwa 220 Centnern, wel-\ncher der Rahmen des Instrumentes einen dauernden uner-\nschütterlichen Widerstand leisten muss. Bei dem Tafel-\nPiano ist die schwingende Saitenmasse jedes einzelnen To-\nnes etwa drei Viertel von derjenigen des Flügels, die Sai-\ntenlängen der tieferen Töne sind geringer, etwa 58,9 pa-\nriser Zoll lür F-t,und wenn das Instrument sechs und\ni\neine halbe Octave von C-t bis umfasst, so beträgt , die\nganze Spannungslast der 139 Saiten etwa 140 Centner.\n„Die Haupt-Klangmasse geht, wie bei allen anderen\nSaiten-Instrumenten, so auch bei dem Pianoforte von dem\nResonanzboden aus. Directer kann man den Beweis\nnicht führen, als dies von Pellisov geschehen ist. Sämmt-\nliche Saiten eines Flügels waren sammt dem Stege aus dem\nInstrumente genommen und unter einander in wagerechter\nRichtung an einer Zimmerwand ausgespannt. Sie wurden\ndurch eine Tasten-Mechanik, ähnlich derjenigen an den\naufrecht stehenden Pianino's, angeschlagen. Von dem Stege\nerstreckte sich ein Stab von Fichtenholz durch die Wand\nin ein benachbartes Zimmer bis zum Resonanzboden des\nFlügels. Hier prägte sich das Spiel in vollen Tönen aus,\nwährend der Spieler selbst die Schwingungen der Sailen\nnur als ein leises, kaum hörbares Klingen vernahm. Eine\nmöglichst vollständige Uebertragung der Saitenschwingun-\ngen auf den Resonanzboden und eine zweckmässige Ver-\nbindung dieses letzteren mit dem Körper des Instrumentes,\ndamit dieser die Resonanz unterstütze, bilden eine der we-\nsentlichsten akustischen Aufgaben des Pianofortebaues.u\nAls vorzügliche Werke über den Ciavierbau werden\nangeführt: Kützing, Ueber Fortepiano-Baukunst, Bern,\n1844, und H. Welcker, Der Flügel, 1853. (Wo er-\nschienen? Auch dergleichen ungenaue Citationen sind in\neinem Buche zu vermeiden, das Anleitung zu weiterer Ver-\nfolgung der angeregten Dinge geben soll.)\nAbschnitt fünf und sechs handeln „von den harmoni-\nschen Verhältnissen und gleichschwebenden Temperaturen\"\nund „von Harmonie und Melodie.\" Sie gehen von Seite\n104 bis Seite 175 und bilden eine der gründlichsten Par-\ntieen des Werke?. .\nDer siebente Abschnitt erläutert die Flageolet-Töne,\ndie Klangfiguren, Glocken, Pauken, Schwingungen der\nStäbe (in Zungenpfeifen, Strohfidel u. s. w.), worauf der\nachte auf die Luftschwingungen in cvlindrischen Röhren\n(Flöten- und Zungenpfeifen) übergeht, ein Thema, welches\nim neunten Abschnitte, „Die Orgel\" überschrieben, wei-\nter ausgeführt wird.\nDie beiden folgenden (10 und 11) behandeln die\nBlas-Instrumente des Orchesters aus Holz und\naus Metall. Im zwölften wird „die Tonmessung und Stim-\nmung* besprochen mit Rücksicht auf die neuesten For-\nschungen und Zusammenstellungen. Aus dem dreizehnten\nhaben wir in der vorigen Nummer eine ausführlichere\nProbe gegeben. Der vierzehnte und letzte ist der\n„menschlichen -Stimme und dem Gehör\" ge-\nwidmet.\n(Schluss folgt.)\n\nDas zweite mittelrheinische Musikfest.\n\nDie vier Städte Darmstadt, Mannheim, Mainz\nund Wiesbaden haben sich vor zwei Jahren verbunden,\nmit ihren vereinigten musicalischen Kräften alljährlich ein\nMusikfest zu veranstalten. Das erste wurde im vorigen\nJahre (den 31. August und 1. September) in Darmstadt\nabgehalten (vgl. 1856, Nr. 37 vom 13. Sept.), und die\nAufführung des Messias unter C. A. Mangold's Leitung\nzeigte schon bei diesem ersten Versuche, dass die vorhan-\ndenen Kräfte vollkommen genügten, um classische Meister-\nwerke auf würdige Weise zur Aufführung zu bringen. Das\ndiesjährige Fest in Mannheim am 14. und 15. Juni über-\nzeugte vollends alle Anwesenden, dass die Lebenslähigkeit\ndes jungen Instituts der mittelrheinischen Musikfeste un-\nzweifelhaft und dass der Erhaltuug und Verherrlichung der\nTonkunst ein neuer Tempel am Rheine errichtet ist, der\ndem deutschen Vaterlande zur Ehre gereicht.\nWir erinnern uns allerdings, dass auch schon früher\ngrosse Musik-Aufführungen in den oberen Kheinlanden, z.\nB. in Heidelberg, Zweibrücken u. s. w., Statt gefunden ha-\nben; allein es kam zu keiner festen Organisation eines\nVerbandes, der ihre jährliche Wiederholung gesichert hätte,\nund späterhin wurden sie namentlich in Baden durch die\nSängerfeste ganz verdrängt. Desto erfreulicher ist die\nRückkehr zu den festlichen Aufführungen mit vollem Chor\nund Orchester, weil diese allein geeignet sind, die wahre\nMusik zu vertreten und eben dadurch der andringenden"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "229", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570718-01.1.5", "texte": "Flut der falschen einen festen Damm entgegen zu stellen.\nDass weder die Compositionen der neueren Schule, noch\ndie verkehrten Ansichten ihrer Koryphäen über Auffassung\nund Direction längst anerkannter Meisterwerke am Rheine\nAnklang finden, haben die verunglückten Versuche zu\nKarlsruhe und zu Aachen sattsam bewiesen. Dennoch kann\nes nicht schaden, wenn die Leere und Gehaltlosigkeit des\nSystems der Zukunfts-Musiker durch treffliche Ausfüh-\nrungen derjenigen die der Stolz der deutschen\nMusik sind, auf eine praktische und recht derbe Weise\nbloss gelegt wird.\nDer Chor zählte in Mannheim 660 Mitglieder: 154\nSoprane, 129 Alte, 163 Tenöre, 214 Bässe, also in gu-\ntem Verhältnisse. Nach\" den Städten hatte Mannheim 207,\nDarmstadt 164, Mainz 162, Wiesbaden 127 Sängerin-\nnen und Sänger auf die Festbühne gestellt. Das Orchester\nbestand aus 164 lnstrumentalisten (70 Violinen, 21 Brat-\nschen, 20 Violoncelle, 14 Contrabässe, Blas-Instrumente\ndoppelt). Der Chor war nicht nur durch die Zahl, sondern\nmich durch die frischen, klangvollen Stimmen imposant, das\nOrchester, zum grössten Theile aus Mitgliedern der Hof-\ncapellen von Karlsruhe, Mannheim und Darmstadt beste-\nhend, war im Ganzen genommen, was den Gesammtton\nund auch einzelne Instrumente betrifft, vortrefflich; im\neigentlichen Vortrage jedoch vertnisste man, besonders in\nden ersten Proben, die Gewohnheit an feinere Färbungen;\nnamentlich war das Piano fast immer zu hart. Im Chor\nwar die reine Intonation, die Präcision und die Klangfülle\nbewundernswerth und lieferte den Beweis einer höchst\nsorgfältigen und verständigen Einübung durch die Herren\nVinc. Lachner in Mannheim, Mangold in Darmstadt,\nHagen in Wiesbaden, Marpurg in Mainz.\nAn die Stelle des erkrankten Hof-Capellmeisters V.\nLachner war Ferdinand Hill er als Dirigent getreten,\nund verstand gleich in der ersten Probe sämmtliche Mit-\nwirkende so für ihre künstlerische Aufgabe zu begeistern,\ndass ihm bei seinem Auftreten in der zweiten Probe ein\neinstimmiges Hoch gebracht wurde. Ueberhaupt war es\neine Freude, den gemeinsinnigen und künstlerischen Geist,\nder bei den Ausführenden herrschte, wahrzunehmen. Dess-\nhalb waren auch die Auszeichnungen, die man dem Diri-\ngenten erwies, um so ehrenvoller, da sie aus dem Sinn und\nGefüllt für das Ganze, aus der Zuversicht auf das Gelingen\nund aus der Freude über das Gelungene entsprangen.\nWeil Hiller ganz und gar nur an seine Aufgabe als Diri-\ngent dachte, sein Ich nirgends geltend machte, sondern, es\nvergessend, sich in das Kunstwerk versenkte, das er dar-\nzustellen hatte, nur für dieses die Begeisterung zu wecken\nund zu steigern strebte, was ihm denn auch in hohem\nMaassegelang— desswegen feierten ihn alle Festgenossen\nin freudig aufgeregter Stimmung und umgaben ihn mit den\naufrichtigsten und liebenswürdigsten Zeichen der Achtung\nund Zuneigung.\nAm ersten Tage (Sonntag, den 14. Juni, Vormittags\n11 Uhr) wurde Mendelssohn'« Elias gegeben. Diese\nAufführung war die Krone des Festes; das Werk machte\nin der vollendet abgerundeten Erscheinung einen mächti-\ngen Eindruck auf alle Anwesenden. Leben und Schwung\nwar mit Correctheit und Präcision vereinigt; namentlich\nmuss die Sicherheit und einschlagende Kraft des Chors bei\nden Einsätzen, die Steigerung des Forle und die Nuanci-\nrung im Piano gerühmt werden. Jede Nummer der gros-\nsen Chöre rief aber auch einen Sturm von Beifall hervor,\nder so recht der Ausbruch einer erhöhten Stimmung der\nSeele war.\nWeniger kamen die Solo-Ensemblestücke zu voller\nGeltung, z. B. das Doppel-Quartett in das Terzett in\nD u. s. w. Es fehlte dabei die Einheit des Klanges und die\nInnigkeit des Vortrags. Die eigentlichen Soli hingegen wa-\nren in guten Händen. Die Sopran-Partie sang Fräul. Boch-\nkolz-Falconi. Sie bewährte sich als treffliche Oratorien-\nsängerin, indem sie auf vorzüglich verständige W eise die\nMitte zwischen der Kälte des kirchlichen Vortrags und dem\nFeuer des dramatischen zu halten wusste. Wie sehr aber\ndie Oratorienmusik durch echt dramatischen Vortrag da,\nwohin er gehört, gewinnt, zeigte unter Anderem der Wech-\nselgesang zwischen der Witwe und dem Propheten, den\nwir noch nie so ergreifend gehört haben, als durch Fräul.\nBochkolz und Herrn Stepan vom mannheimer Hof-\ntheater, der den Elias sang. Der Eindruck übertraf alle\nErwartung und liess diese Episode in einem weit helleren\nLichte als sonst erscheinen. Fräul. Bochkolz bat immer\nnoch sehr klangvolle und egale Töne in der mittleren Lage,\nwenn auch die Höhe, zumal wo sie angestrengt wird, etwas\nscharf jedoch nur in einzelnen Tönen geworden ist;\nund wie wohl thut es einem, eine gebildete Sängerin zu\nhören, deren Schule jeder Aufgabe des kunstmässigen Ge-\nsanges gewachsen ist!\nHerr Stepan brachte den Elias im Ganzen zu gebüh-\nrender, ja, öfters zu vollster Geltung; in manchen Recita-\ntiven und in dem Allegro der Arie „Es ist genug\" erhob\ner sich zu wirklich begeistertem Vortrage. Sein vollklin-\ngendes Organ liess ihn nirgends im Stich. Er würde je-\ndoch noch mehr leisten, wenn er seine Mittel durch an-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "230", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570718-01.1.6", "texte": "dauernde Gesangstudien besser in die Gewalt zu bekom-\nmen trachtete und sich einer reineren Aussprache, beson-\nders der Diphthongen, befleissigte.\nFrau Hauser vom Hoftheater zu Karlsruhe, Gattin\ndes trefflichen Bariions Hauser daselbst, besitzt eine volle\nund wohllautende Altstimme. Es fehlt ihr nicht an Adel\nund sympathischem Eindruck, der jedoch durch kunstge-\nmässe Studien in der Tonbildung noch erhöht werden\nkönnte. Herr Schlösser hat uns am wenigsten befrie-\ndigt; er versteht seine gute Tenorstimme nicht künstlerisch\nzu handhaben, wenigstens nicht im Oratorium. Seine Aus-\nführung der ersten Stimme in Männer-Quartetten war da-\ngegen recht beifallswürdig.\nIm Hoftheater wurde am Sonntag Oberon von Weber\ngegeben. Das Beste dabei waren die Decorationen von\nMühldorfer, wiewohl sie freilich das Theater zu einem gros-\nsen Guckkasten machen.\nAm zweiten Festtage begann das Concert um 3 l/j\nUhr Nachmittags mit Weber's Ouvertüre zur Euryanthe.\nSie wurde sehr gut ausgeführt, es war mehr Einheit und\nFeinheit als bei den Proben in das Orchester gekommen,\ndie Violinen zeichneten sich besonders aus, das Ganze hatte\nGeist und Schwung und wurde mit Recht durch rauschen-\nden Applaus begrüsst.\nDas Magnificatvon Durante, vom Musik-Director\nHetsch in Heidelberg gut instrumentirt, konnte sich\nnicht zu der Macht des Eindrucks erheben, den der Elias\ngemacht hatte, wiewohl die Ausführung bis auf einige Klei-\nnigkeiten gut war. Dagegen riss das Violin-Concert\nvon Beethoven, von Laub vorgetragen, wiederum zu\nallgemeinem Enthusiasmus hin. Laub hat an grossartigem\nTone und edelm Vortrage in den letzten Jahren noch be-\ndeutend gewonnen; auch die von ihm selbst componirten\nCadenzen waren trefflich; sie erstickten keineswegs den\nmelodiösen Faden der Beethoven'schen Motive, die darin\nverarbeitet waren, unter den allerdings grossen Schwierig-\nkeiten. Ihre Ausführung war meisterhaft.\nNach einem glänzenden Vortrage der grossen Scene\naus Spohr's Faust durch Fräul.Bochkolz folgte ein Män-\nnergesang, Mendelssohn's Hymne „An die Künstler\". Man\nhätte von den vereinigten Choren eine mächtigere Wirkung\nerwarten können; es war die einzige Nummer beim Feste,\nin welcher der geistige Schwung in etwa vermisst wurde.\nDoch zeigten die verschiedenen Liedertafeln durch ihre\nVorträge, welche am folgenden Tage das Fest im Schloss-\ngarten zu Heidelberg belebten, dass sie wohl zu singen\nverstehen. Händel's Hallelujah beschloss die erste Ab-\ntheilung; es machte, wie immer, Eindruck, der jedoch durch\ndie Vereinzelung, da es aus seinen Umgebungen gerissen\nwar, geschwächt wurde.\nBeethoven's neunte Sinfonie füllte die zweite\nAbtheilung und schloss den musicalischen Theil des Festes\nauf grossartige und im Ganzen auch recht gelungene Weise.\nDas Orchester führte die drei ersten Sätze unter der ener-\ngischen und sicheren Leitung Hiller's sehr gut, stellenweise\nmit meisterhafter Vollendung auf. Auch der Chor hielt sich\nwacker, erreichte aber doch nicht die Höhe seiner Leistun-\ngen im Elias. Die schwierigen und stets undankbaren Soli\nwurden von Fräul. Bohn (vom Hoftheater zu Mannheim),\nFrau Hauser, Herrn Schlösser und Stepan gesungen.\nAm Abende vereinigte ein Festball in den prächtigen\nRäumen des Theaters, dessen Bühne und Parterre durch\nbreite Stufengänge mit dem Concertsaale zu einem Ganzen\nverbunden war, eine glänzende Gesellschaft.\nDer dritte Tag war einer Festfahrt nach Heidelberg\ngewidmet. Auf den Höhen der Berge und in den herrlichen\nGärten um die erhabenen Trümmer des Schlosses ging bei\ndem heitersten Wetter allen Theilnehmern gar bald das\nHerz auf, und es entwickelte sich eine durch nichts ge-\ntrübte, aber wohl durch Gesang und Rede erhöhte freu-\ndige Stimmung, welche, genährt durch die künstlerischen\nund humoristischen Elemente der zahlreichen Gesellschaft\nvon Damen und Herren den ganzen Tag bis zur Rückkehr\nam späten Abend anhielt.\nEs waren in jeder Hinsicht wahrhaft festliche Tage in\nMannheim, und wir wünschen den Anordnern Glück zu\ndem ganz vorzüglich gelungenen Werke.\n\nL. B.\n\nZur Geschichte der Bache.\n\nlhren Mittheilungen unter dieser Aufschrift in\nder Niederrheinischen Musik-Zeitung Nr. 21 d. J. kann ich\neine interessante kleine Nachricht beilügen. Der Fünfte\nauf der Bach'schen Stammtafel ist Heinrich Bach, ein\nMusicus in Thüringen 1643 u. ff., Organist und Stadt-\nmusicus zu Arnstadt. Seine beiden Söhne, Johann Chri-\nstoph und Johann Michael, wurden berühmte Organisten,\nauch wegen ihrer Gompositionen sehr geschätzt. Nun war\nes bisher zweifelhaft, ob Heinrich Bach so weit Musiker\nwar, dass er selber seine Söhne in die Geheimnisse der\nSetz- und Organisten-Kunst einführen konnte. Man hatte\nniemals eine Composition von ihm gesehen. Als Sebastian\nBach in seinen alten Tagen die musicalische Hinterlassen-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "231", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570718-01.1.7", "texte": "schaft seiner Vorfahren zusammen suchte, vermochte er\nüberhaupt keinen Tonsatz zu finden, der über 1693 hinauf-\nreichte. Im Sommer 1856 gerieth mir unter anderen werth-\nvollen alten Musikwerken auf der Universitäts-Bibliothek\nzu Helmstädt eine handschriftliche Sammlung in die\nHände, die ein gothaer Musicus für den Herzog Augustus\nzu Braunschweig zusammenschrieb; sie besteht aus Instru-\nmentalwerken in Partitur und ist 1663 vollendet. Die be-\ndeutendsten deutschen Meister um 1650 haben beige-\nsteuert. Unter diesen ist auch Heinrich Bach ; zwei Sonaten\n(d. i. Sätze für Violinen, Oboen, Hörner u. s. w., nicht für\nCiavier) tragen seinen Namen. Die Compositionen sind frisch,\nklangreich und rein im Satze. Sie sind beinahe fünf-\nzig Jahre älter als das Aelteste, was bisher\naus der Bach- Familie bekannt war.\nGerber's Sammlung ist auch noch vorhanden; vieles\nAndere ist uns desshalb verkommen oder versteckt, weil\nin den Augen der meisten Menschen (die Musiker keines-\nwegs ausgenommen) alte Musicalien und alle Zeitungen\ngleichen Werth haben. Ihren Wunsch, der Kern der merk-\nwürdigen Werke des „Alt-Bachischen Archivs\" möchte\nherausgegeben und das Leben aller dieser deutschen Bie-\ndermänner aus den besten Quellen beschrieben werden,\ntheile ich von Herzen. Die Schwierigkeiten sind, wie mir\nscheint, besonders desshalb so gross, weil von den Weni-\ngen, die musicalisch-historische Forschungen anstellen, fast\njeder seinen eigenen Weg geht und Keiner dem Anderen\nhilft. Wo aber die Detail-Forschung so ausgedehnt ist, wie\nbei einer solchen Familie, da kann nur durch gemeinsames\nZusammenwirken eine bedeutende Anzahl von unbekann-\nten und sicheren Thatsachen gewonnen werden. Wir ha-\nben in Deutschland so viele historische und Alterthums-\nVereine, aber für die Geschichte der Kunst, in der wir\nunübertroffen da stehen, keinen einzigen.\n\nChrysander.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\njslfliiiz9 den 5. Juli. General-Musik-Director Dr. L. Spohr\nweilt seit gestern Vormittags in unseren Mauern und wird dem Ver-\nnehmen nach heute Nachmittags seine Reise über Frankfurt fort-\nsetzen. Der hiesige Männergesang-Verein benutzte am gestrigen\nAbende diese Gelegenheit, dem ehrwürdigen Nestor der deutschen\nTonkunst durch eine Serenade seine Huldigung darzubringen. Auch\nhier haben die drei Wunderkinder, Geschwister Baczeck aus Böh-\nmen, in einem eigens hierzu veranstalteten Concerte des hiesigen\nKunst-Vereins den ihnen vorausgegangenen Ruf gerechtfertigt und\nnamentlich durch die Präcision ihres Zusammenspiels Bewunderung\nerregt.\nIn München hat die Sängerin Fräul. Frassini auf der Bühne\nals Rosine im Barbier, Amine in der Nachtwandlerin, Donna Anna\nin Don Juan u s. w. ganz aussergewöhnliches Aufsehen erregt.\nFräul. Frassini ist eine Rheinländerin, deren wahrer Name Natalie\nEschborn ist. Sie ist die Tochter eines am Niederrheine sehr ge-\nachteten und seiner Zeit berühmten Künstlerpaares, indem ihr Vater\nals ein sehr bewährter Dirigent und Musik-Director wirkte und ihre\nMutter als ausgezeichnete Sopranistin die Kunst der dramatischen\nDarstellung mit dem gebildetsten Gesänge vereinigte. Aus solcher\nelterlichen Schule ging die gegenwärtig gefeierte Tochter hervor. Sie\nwar schon früher in Italien, war dann eine Zeitlang am Hoftheater\nzu Stuttgart angestellt, das sie aber verliess, um nochmals nach\nItalien zu gehen. Schon bei ihrem ersten Aufenthalte daselbst hatte\nsich auch Rossini besonders für sie interessirt. Jetzt ist sie als voll-\nendete Sängerin nach Deutschland zurückgekehrt, und in allen mün-\nchener Blättern ist nur Eine Stimme über ihr ausgezeichnetes Talent\nin Auffassung, Gesang und Spiel ihrer Rollen.\nRoger's Gast-Vorstellungen bewähren ihre alte\nZugkraft. In den „Hugenotten\" sang Fräul. Nina Hartmann die\nValentine neben dem gefeierten Gaste und erhielt Beifall, sogar Her-\nvorruf. „Da die Partie rasch übernommen war, so konnte freilich\nvon einem guten Totalbilde noch nicht die Rede sein; aber wir\nI\nzweifeln nicht, dass diese Rolle dereinst eine sehr tüchtige Leistung\nder jungen Künstlerin sein werde. Schon jetzt entfaltete sich die\nherrliche, glockenreine Stimme in Pracht, und einige Stellen gelan-\ngen vortrefflich.\" (Allg. Th.-Zeit. von C. Cotta.) lhr Bruder, Herr\nKarl Ha rt mann, ist als Stradella aufgetreten. Fräul. Fras-\nsini (Eschborn) ist hier. Roger hat hier den Fra Diavolo zum\nersten Male in deutscher Sprache gesungen.\nieisa. Im Juni gab Davison hier eine Reihe von Gastrol-\nlen mit fast unerhörtem Beifall. Die Wiener waren ganz ausser\nsieh; dass er zwölf bis fünfzehn Mal an Einem Abende gerufen\nwurde, war Regel,\nVerdi's neueste Oper „Simone Boccanegra\" hat in Reggio\ngrossen Erfolg gehabt und wird von der italiänischen Kritik ein-\nstimmig gelobt. Die Theater-Agentur Bonola in Mailand soll ihn für\n80,000 Frcs. engagirt haben, für 1859 eine neue Oper zu schreiben,\ndie zuerst in Petersburg aufgeführt werden soll.\n12. Juli. Der k. Hof-Capellmeister Dr. H. Marsch-\nner aus Hannover ist mit seiner Gattin, Frau Therese Marsch-\nner, geb. Jan da, vor einigen Tagen hier angekommen und findet\nin allen musicalischen Kreisen, so wie bei der kunstliebenden Ari-\n/' /\nstokratie die ehrenvollste Aufnahme. Die Musical World widmet ihm\nin ihrer Nr. 27 einen besonderen Artikel, der mit den Worten be-\nginnt: „Der Besuch eines solchen Mannes, unglücklicher Weise für\nunsere alten und neuen philharmonischen Gesellschaften zu spät in\nder Saison, darf nicht ohne ausgezeichnete Anerkennung vorüber-\ngehen. Es gibt heutzutage der gesunden Musiker zu wenig, als dass\nwir diejenigen, die noch leben und schreiben, nicht vor Allem hoch"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "232", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570718-01.1.8", "texte": "halten sollten. Marschner ist, wie Hiller, ein entschiedener Feind der\n„Zukunft\" und aller ihrer Rodomontaden, und da auch in England\ndie Feinde der Kunst nicht ganz ohne Anhänger sind, so müssen\nsich alle, welche die Musik lieben und die Charlatanerie verab-\nscheuen, vereinigen, um ihm einen Willkommgruss darzubringen.\nMarschner hat sein Talent mit Eifer und Gewissenhaftigkeit nur zur\nVerherrlichung der schönen Kunst angewandt, deren Anhänger er\nist, anstatt sie durch Marktschreierei und Anmaassung herabzuwür-\ndigen, wie es jetzt so oft der Fall, wenn seinwollende Componisten,\nwelche die Erle rnung der Elemente der Harmonielehre für das Letzte\nhalten, was nothwendig sei, die Welt mit den Doppel-Erzeugnissen\naus Frechheit und Unwissenheit in formlosen und monströsen Er-\ngüssen beglücken. Marschner ist ein echter Musiker; er hält sein\nHaupt stolz empor, unbekümmert um die Pfeile, welche gegen ihn\nund alle gesinnungstüchtigen Künstler aus den Verstecken und\nSchlupfwinkeln der Betrüger abgeschossen werden. Er ist noch einer\nvon den wenigen Kämpfern für die wahre Kunst. Als ein treuer\nDeutscher aus jener Schule, welche die grossen dramatischen Com-\nponisten durch ihre Werke verherrlicht haben, beharrt er dabei und\nsteht fest gegen die Ungläubigen und Spötter\" u. s. w. Seit lan-\nger Zeit hat sich die musicalische Welt von London nicht so be-\neifert, einen fremden Künstler zu ehren und zu feiern, als dies jetzt\nbei Marschner und seiner Gattin der Fall ist. Letztere hat auch be-\nreits die hohe Ehre gehabt, vor Ihrer Maj. der Königin zu singen.\nIra Aldridge trat in Stockholm zuerst als Othello auf und\nfüllte wiederholt das Theater, obwohl bei doppelten Eintrittspreisen.\nEr ist v®r einigen Tagen in Hamburg angekommen.\nPestll« Der höchst kunstvoll gearbeitete Lorberkranz, welcher\ndem Sänger Beck von dessen Jugendfreunden bei seinem letzten\nAuftreten im Nationaltheater verehrt wurde, besteht aus massivem,\nfeinstem Golde, im Gewicht von ungefähr lOODucaten, und hat den\npesther Goldarbeiter Herrn Karl Laky zum Verfertiger.\nI* e ii t m c Et e T o n h a I 1 e.\nDurch gütige Verwendung des Herrn Compositeurs Ernst\nPauer in London und ein sehr ansehnliches Geschenk des Kauf-\nmannes Herrn Friedrich Wilhelm Benecke daselbst wurden\nwir in Stand gesetzt, den Preis von 180 Gulden hiermit auszuschrei-\nben für ein Nonett für Flöte, Oboe, Clarinette, Horn, Fagott, Vio-\nline, Alt-Viole, Violoncell und Contrabass.\nDas Werk soll enthalten: 1) Introduction und Allegro, 2) Menuet\nmit einem oder zwei Trio's, 3) Adagio (oder Thema mit Variationen),\n4) Scherzo in Theilen mit Trio und 5) Finale (Rondo oder Presto)\n«\nmi-t .oder ohne Introduction.\nI\nDas Ganze hat weniger contrapunktisch als vielmehr melodiös\ngehalten zu sein und sich, ohne coneertirendes Vorherrschen der\nVioline, durch schöne harmonische Wendungen auszuzeichnen.\nWir laden verehrliche deutsche Tondichter hiedurch ein, sich an\nder Bewerbung um diesen Preis zu betheiligen und die bezüglichen\nWerke spätestens im Monat Februar 1858 „der Deutschen Tonhalle\"\nfrei hieher einzusenden, bezeichnet mit einein deutschen Spruche\nund begleitet von einem versiegelten Briefe mit demselben Spruche,\n\\rorin Namen, Stand und Wohnort des Verfassers, aussen aber eines\nKünstlers angegeben sind, welchen der Verfasser als Preisrichter\nwählt.\nDie weiteren, auch hieher gehörigen Bedingnisse enthalten die\nSatzungen der Tonhalle; nur wird diesmal vorbehalten, von dem\ngekrönt werdenden Nonett eine Abschrift zu nehmen für Herrn Be-\nnecke in London, welcher dasselbe in seinen Privat-Concerten auf-\niühren lassen, so wie Herr Pauer daselbst besorgt sein wird, dass\ndieses Werk, auch zur Kenntniss in weiteren Kreisen dortiger Mu-\nsikkenner, aufs sorgfältigste eingeübt und in seinen öffentlichen Con-\ncerten vorgetragen werde, dadurch aber dem Eigenthumsrechte des\n/\nVerfassers kein Abbruch geschieht.\n• V \\\nMannheim, Juli 1857.\nDer Vorstand."}]}