{"numero_id": "bm-bmtnabi-1857-08-01-01", "volume": "bmtnabi_1857-08-01_01", "ocr_sha256": "7f6ddf5871d8e7ceabcbf09e7778d262ff7ba5381865689db0393a5aba3f6d47", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1857/08/01_01/bmtnabi_1857-08-01_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570801-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1857-08-01-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-08-01_01#c001", "volume": "bmtnabi_1857-08-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "241", "page_fin": "241", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570801-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "241", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570801-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 449, "texte": "Inhalt.\nKarl Czerny' s Testament. Beurtheilung (Georg Aloys Schmitt, Erstes Trio für Pianoforte, Violine und Violon-\nCello). Von C. G. Karl Wauer (Nekrolog). Virtuosen-Flausen. - Aus einem Briefe an Herrn Ernst Hentscliel in Weissenfeis von\nG. Flügel. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Jakob Rosenhain, L. W. Dehn, Dr. Marschner und Gattin Mainz, Frau\nEiserich-Leonoff Wiesbaden Schwerin Freiburg a. d. Unstrut Baden-Baden Dresden Hamburg Paris)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-08-01-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-08-01_01#c002", "volume": "bmtnabi_1857-08-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "241", "page_fin": "243", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570801-01.2.2", "titre_corps": "Karl Czerny’s Testament.", "titre_sommaire": "Karl Czerny’s Testament.", "signature_source": "Karl Czerny", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "241", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570801-01.1.1", "debut_caractere": 451, "fin_caractere_exclue": 3416, "texte": "Karl Czerny’s Testament.\n\nFür den Fall, dass Gott mich aus diesem Leben abruft,\nerrichte ich bei voller Ueberlegung mit Nachstehendem\nmeinen letzten Willen.\nMein Vermögen besteht gegenwärtig beiläufig aus\nFolgendem:\nA.84 Stück 5% Metalliques zu 1000 Fl.\nB. 10 Stück Bank-Actien.\n(NB. Meine Eltern waren arm und konnten mir nichts\nhinterlassen. Aber schon um 1807 war ich so glücklich,\nviele Unterrichtsstunden zu geben; und um 1818, wo ich\nbereits in den vornehmsten Häusern Clavierlehrer war und\nüberdies von vielen Musik-Verlegern im In- und Auslande\nmit Compositions-Anträgen überhäuft wurde, konnte ich\nmir jährlich zwei bis drei solche Metalliques anschaffen,\nso dass ich bis 1852 80,000 Gulden in dieser Papier-\ngattung besass.)\nC.Da ich früher lür Unterricht und Compositionen\nsehr häufig in Ducaten honorirt wurde, welche ich nie\nwieder ausgab, so besass ich schon vor 1848 über 1000\nDucaten. In dem unsicheren Jahre 1848 —1849 kaufte\nich für alle Banknoten, die ich damals besass, noch gegen\n2000 Stück Ducaten, so dass ich jetzt beiläufig 3000\nDucaten in Gold besitze.\nD. Ausserdem 72 Napoleond'or, die ich von franzö-\nsischen Verlegern für Compositionen erhielt.\nE.Ungelähr 600 bis 800 Fl. in Silberzwanzigern.\nF. Gegen 5000 Fl. in Banknoten, von meinen jähr-\nlichen Renten erspart, da ich besonders wegen langjähriger\nKränklichkeit stets sehr mässig lebe.\nG.2 Salm'sche Loose, ein Stück St.-Genois-Loos, ein\nKcglevich-Loos, ein Staats-Anleihen-Loos vom Jahre 1839.\nH. Ausser meiner Haus-Einrichtung, Kleidung, Wä-\nsche, Bibliothek und Musicalien-Sammlung noch an werth-\nvollen Sachen:\n4 goldene Sackuhren;\n6 goldene Dosen, von Erzherzogin Marie Louise, Liszt,\nDöhler und Anderen als Andenken erhalten;\n1 grössere Dose mit Rauten, Geschenk der Gross-\nlürstin von Weimar;\n1 silbernes Besteck mit meiner Namens-Chiffre, Ge-\nschenk der Prinzessin Maria von Baiern, jetzt verwitweten\nKönigin von Sachsen (meiner Schülerin);\n1 Hemdnadel von Amethyst mit Brillanten, von der-\nselben, zwei Brillantringe (Solilaire und Allianzring), die ich\nmir einst bei Türk kaufte;\n1 alte silberne Dose von meinem seligen Vater;\n1 Necessaire von Mahagony mit verschiedenen, zum Theil\nsilbernen Gegenständen (Geschenk des Fürsten Radziwill).\nDas Gesammt-Vermögen mag daher ungelähr 100,000\nFl. C.-M. betragen.\nUeber alles dieses verlüge ich, wie folgt:\nI. Meine Seele empfehle ich der Gnade des allmäch-\ntigen Schöpfers, mein Leib soll einfach, aber anständig,\nnach christkatholischem Gebrauche in einem eigenen Grabe\nbeigesetzt werden.\n2. Ich war das einzige Kind meiner Eltern und habe\ndurchaus keine Descendenz. Da ich auch sonst keine Bluts-\nverwandten kenne, so habe ich auf solche keine Rücksicht\nzu nehmen.\nDessen ungeachtet sollen 20 Stück 5% Metalliques\nä 1000 Fl., sammt Zinsen vom Todestage bei Gericht\nhinterlassen werden, welche ich denjenigen meiner erb-\nlähigen Verwandten nach Stämmen vermache, die sich bin-\nnen sechs Jahren als solche legal ausweisen werden."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "242", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570801-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4671, "texte": "Mein yaier $V ejijel £*»erny yy iwgef#hr 1750\nin Böhmen, zu Nimburg, nicht weit von Prag und Kollin,\ngeboren. Sein Vater D,oqaipik soll bei .dei# dor-\ntigen Magistrate Rathsherr oder dergleichen gewesen sein.\nMein Vater soll mehrere Brüder gehabt haben, von welchen\nvielleicht noch Nachkommen leben. Es soll daher nicht nur\ndurch die Behörde von Nimburg nachgeforscht, sondern\nauch durch sechs Jahre jährlich ein Edict in die Prager\nZeitung eingerückt werden, um diese Verwandten aufzu-\nfordern. Hat sich aber binnen sechs Jahren nach meinem\nr, - \" •*-•• r~, T'\nTode kein wirklicher Verwandter gemeldet und ausgewie-\nsen, so fällt dieses Vermächtniss sammt Zinsen meinen\ntestamentarischen Erben zu.\n3. Meine Wirthschafterin Maria Malek (geborene\nMachatschek) hat seit ungelähr vierzig Jahren sowohl bei\nmeinen Eltern als später bei mir treu und redlich gedient,\nmeine Eltern bis an ihr Ende gepflegt, und es ist meine\nPflicht, sie gehörig zu bedenken. Ich vermache ihr daher\n12 Stück 5% Metalliques, ä 1000 Fl., welche ihr so-\ngleich auf die Hand zu geben sind, damit sie eine\njährliche Rente von 600 Fl. besitzet.\n4. Ihrem Bruder Joseph Machatschek, der seit\ndem Tode ihres Mannes bei mir als Diener ist, vermache\nich eben so 4 Stücke 3% Metalliques, ä 1000 Fl., also\neine Rente vop 200 Fl. Ausserdem können diese Beiden\nbis ?ur nächsten Zinszeit in der Wohnung bleiben und er-\nhalten durch sechs Wochen den bisherigen Lohn und die\nVerköstigung.\n5. Das {Cüchenmädcheo erhält sogleich 200 Fl. 8.-N.\nauf die Hand, Lohn und Kost wie die beiden Anderen.\n6. Ich widme 1000 Fl. C.-M. zu einem einfachen,\nanständigen Denkmale auf meinem eigenen Grabe, mit der\nInschrift: „Karl Czerny, Tonkünstler, geboren in Wien\nden 21. Februar 1791, gestorben \"\n7. Alle gestochenen Musicalien von meiner Com-\npositum, so wie alle Musicalien von anderen Autoren\n(worunter viele vorzügliche Werke sind) erhält die Gesell-\nschaft der Musikfreunde in Wien.\n8. Zwei Original-Manuscripte von Beethoven l.\ndas Violin-Concert Op. 61 und 2. die Partitur der Ouver-\ntüre Op. 114 —, die ich einst Gelegenheit hatte, mir zu\nkaufen, gebe ich der k. k. Hof-Bibliothek.\n9. Da ich sehr viele eigene noch ungestochene Manu-\nscripte hinterlasse (Sinfonieen, Concerte, Violin-Quartette,\nQuintette,Trio's; Sonaten, Duo's, Trio's, Quartette u s. w.\nmit Ciavier, Alles im ernsten Stile), so vermache ich alle\ndiese Compositionen (mit Ausnahme der Kirchensachen)\nflerrn Karl Sfina. Mi wünsche,\ndass die brauchbarsten davon gestochen werden.\n|O. Alle (circa 24 Mes-\nsen, 4 Requiem, gegen 300 Graduale und Oflertorien u.\ns.w.) soll Herr Joseph Doppler, Buchhalter bei Herrn\nKarl Spina, als Eigenthum erhalten. Wenn Herr Spina\netwas davon auflegen wollte, so soll er hierzu berechtigt\nsein, aber dafür Herrn Doppler ein billiges Honorar ver-\ngüten.\n11. Meine sämmttiche Zimmer- und Küchen-Einrich-\ntung mit Inbegriff' der Häng- und Stock-Uhren, meine Klei-\ndung, Haus- und Leibwäsche erhalten die zwei Dienstleute\nJoseph Machatschek und Maria Malek.\n12. Meine zwei Bösendorfer Fortepiano's, meine Vio-\nline, die Büste Beethoven's und was sonst auf Musik Bezie-\nhung hat, vermache ich der Gesellschaft der Musikfreunde.\n13. Die Dose mit Rauten (von der Grosslürstin von\nWeimar) bitte ich Herrn Dr. Rud. v. Vivenot (Vater)\nals Andenken anzunehmen.\n14. Die sechs goldenen Dosen erhält Herr Joseph\nDoppler (bei Spina).\n1 5. Die vier goldenen Uhren erhält Herr Rechnungs-\nrath Karl Oster.\n16. Dem Diener Joseph Siel er (in der C. Spina'-\nscben Handlung) sollen 200 Fl. 8.-N. gegeben werden.\n1 7. Jene Gegenstände, über welche ich nicht verfügt\nhabe, auch die Hemdnadel und Ringe (insbesondere meine\nBibliothek von beinahe 3000 Bänden, Landkarten, wissen-\nschaftliche Sammlungen u. s.w.), bitte ich Herrn Dr. Leo-\npold v. Son nie ithner anzunehmen, indem er sich be-\nliebig darunter auswählt. Das Uebrige kann zur Masse ge-\nhörig verkauft werden; Gold, Actien, Obligationen und an-\ndere Pretiosen bleiben dem Erben vorbehalten.\n18. Ich wünsche, dass zu meinem Andenken jährlich\nan meinem Todestage (oder dem nächsten geeigneten Tage)\nin der Augustiner Hof-Pfarrkirche entweder ein Requiem\noder eine von meinen grösseren letzteren Messen sammt\nEinlage aufgeführt werde. Ich widme hierzu als Stiftungs-\nCapital 1000 Fl. 5% Metalliques; von deren Zinsen sol-\nlen jedesmal 40 Fl. für die Musik und der Rest für die\nKirche gehören.\n19. Als Erben meines gesammten übrigen Nachlasses setze\nich die nachbenannten Anstalten zu vier gleichen Theilen ein.\nI. Ein Viertbeil erhält die Gesellschaft der Musik-\nfreunde in Wien.\n11. Ein Viertheil hinterlasse ich dem Vereine zur Un-\nterstützung dürftiger Tonkünstler in Wien. Von den Zin-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "243", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570801-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1860, "texte": "sen dieses Erbtheils sollen zunächst der Gesanglehrer Herr\nJoh. Mozatti die Hälfte und der Tonkünsller Herr Karl\nMaria von Bocklet die andere Hälfte lebenslänglich\ngemessen.\n111. Das dritte Viertheil widme ich zu gleichen Thei-\nlen dem Vereine zur Versorgung erwachsener Blinden und\ndem Taubstummen-Institute in Wien. Doch sollen die Zin-\nsen dieses Viertheils zunächst als lebenslänglicher Unter-\nhalt für die beiden taubstummen Töchter der Witwe Frau\nJulie Sch m i ed el; unabgetheilt und'gemeinschaftlich be-\nstimmt sein, so dass erst, nachdem Beide gestorben sein\nwerden, die Zinsen selbst an die Anstalten zurückfallen.\nIV. Das letzte Viertheil soll zur Hälfte dem Kloster\nder barmherzigen Brüder in Wien und zur anderen Hälfte\ndem Institute der barmherzigen Schwestern in Wien zu-\nfallen, da ich der frommen Aufopferung dieser geistlichen\n- *\nKörperschaften meine tiefe Verehrung weihe.\n20. Alle meine bisherigen oder künftig beizusetzen-\nden Vermächtnisse sollen ohne allen Abzug so bald als\nmöglich, und die Obligationen mit Zinsen von meinem To-\ndestage an ausgefolgt werden.\n21. Ausser den für meine Verwandten bestimmten\nund den zur Deckung der Gebühren nöthigen Beträgen\nsoll nichts zu Gericht hinterlegt, sondern von meinen Te-\nstaments-Vollstreckern in gemeinschaftliche Verwahrung\ngenommen und ohne Verzug seiner Bestimmung zugeführt\nwerden.\n22. Als Testaments-Vollzieher, Abhandlungspfleger\nund Curator meiner unbekannten Verwandten ernenne ich\nHerrn Dr. Leopold v. Sonnleithner, wolür derselbe anstän-\ndig honorirt werden soll. Herrn Karl Spina ersuche ich,\ndemselben in diesem Geschäfte, besonders was das Kunst-\nl'ach betrifft, beizustehen und im Verhinderungsfalle seine\nStelle zu übernehmen.\nDies ist mein letzter Wille, welchen ich durchaus\neigenhändig geschrieben und unterfertigt habe.\nWien, am 13. Juni 1857.\n(L. S.)\n\nKarl Czerny m. p."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-08-01-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-08-01_01#c003", "volume": "bmtnabi_1857-08-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "243", "page_fin": "245", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570801-01.2.3", "titre_corps": "Beurtheilung.", "titre_sommaire": "Beurtheilung.", "signature_source": "C. 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Von dem Lobe abgese-\nhen, welches Spohr diesem Trio bei seiner letzten Anwe-\nsenheit in Frankfurt am Main gab (der Componist spielte\ndasselbe in einer Matinee seines Vaters), können wir dieser\nComposition mit gutem Gewissen das Zeugniss solider Rich-\ntung und Form, schöner Motive und wackerer Durhführung\ngeben. Mag auch hier und da eine brausende Phantasie die\nkünstlerische Ruhe etwas ausser Fassung bringen, so un-\nterliegen wir daher auch nicht steifer Regel, die jeden küh-\nnen Gedanken vor ihren pedantischen Richterstuhl zieht.\nWir haben es gern, wenn der volle Becher überschäumt;\nmit des Grundes Perlen hauszuhalten, wird die Zukunft schon\nlehren.\nVor Allem ist in diesem Trio die psychische Einheit\nunverkennbar, die in jedem mehrstimmigen Werke bis zum\nvollen Orchester hinauf herrschen sollte, welche hier aber\nmehr das Resultat eines glücklichen Instinctes als einer\nplanmässigen Berechnung zu sein scheint. Wenn dieser\nglückliche Instinct nun Talent auf gründliche Studien\nbaut, so ist nicht zu befürchten, dass er die alten Formen\nverletzt oder neue, unhaltbare erfindet. Mag nun der breite\nStrom noch so hohe Wellen schlagen und selbst im Sturme\ndaher brausen, so wird doch keine Sündflut daraus, und\ndie reiche Fracht landet glücklich an dem Ufer. Nicht min-\nder und unbeschadet dieser Einheit erscheinen doch alle\ndrei Instrumente als völlig selbstständig, in verschiedenarti-\ngen und ihrem Charakter angemessenen Gefühlen frei ein-\nherschreitend, und das ist's, was dieses Trio vor vielen der\nneueren auszeichnet, die entweder zu frei, ohne strenge\nForm, oder zu steif formel, ohne genialen Schwung, gehal-\nten sind. Im Stile wüssten wir dieses Trio mit keinem an-\nderen zu vergleichen, indem es sich frei von anderen Ein-\nflüssen um die eigene Achse dreht, leise Anklänge von Beet-\nhoven, namentlich im dritten Satze, ausgenommen. In Be-\nzug aber auf technische Bravour und Figurenwesen mag\nes sich den HummePschen Concerlen nähern.\nNach dieser objectiven Anschauung treten uns die\neinzelnen Theile dieser Composition schon verständlicher\nentgegen.\nDer erste Satz, C-moll,4/4-Tact, beginnt mit einem\ngeheimnissvollen Unisono folgender Hauptfigur:"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "244", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570801-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1940, "texte": "die aber bald mit bewusster Willenskraft fest auftritt und\ndas zweite Thema in B-mollsinnig einleitet. Dieses Can-\ntabile:\nscheint uns nur für die ganze breite Anlage dieses Satzes\nzu kurz, befriedigt aber nichts desto weniger durch in-\nteressante Verwebung mit dem Hauptgedanken vollkommen.\nVom Herkömmlichen abweichend ist, dass der erste Theil\nnicht repetirt, sondern mit Dominanten-Accorden schliessl,\nworauf das Grund-Motiv in C-dur den zweiten Theil be-\nginnt und nun den kühnsten Intentionen, pikanten Rhyth-\nmen u. s. w. freien Spielraum gibt. Dem Allegro (eine an\nsich vague Bezeichnung) hätte ein anderes Beiwort, z. B.\nmaestoso und selbst impetuoso,beigefügt werden können;\ndenn will man den Spieler allein den Charakter herausfin-\nden lassen, so braucht man gar keine Tempo-Bezeichnung\nhinzusetzen. Unter dem zweiten Satze, Andante con moto,\nAs-dur, 3/s, denke man sich einen Wechselgesang für So-\npran und Bariton mit glühender Emphasis vorgetragen,\nwelcher nach leidenschaftlichem Ringen zuletzt süsse Be-\nfriedigung gewährt, so hat man wohl ein genügendes Bild\ndavon. Die Haupt-Motive tragen etwas Spohr'sches Gepräge:\nund Clavier-Passagen in Zweiunddreissigstel-Figuren reprä-\nsentiren gleichsam das grollende und versöhnende Geschick.\nDer dritte Satz, Presto leggiero, G-moll, %, trägt den Cha-\nrakter üppigen Muthwillens, der bald darauf mit einem\nvolksliedartigen Thema „die Farbenblitze kreuzt*, im Mit-\ntelsatze, ich möchte sagen: selbst etwas diabolischen Hu-\nmor annimmt und zuletzt in eine fast berauschende Orgie\nendet. Wohlweislich hat daher der Componist die gewöhn-\nliche Bezeichnung „Scherzo\" vermieden. Die beiden sich\nhier verschlingenden Themata heissen:\nIm letzten Satze, Allegro con 4/4, worin drei\nPrincipien mit einander streiten, herrscht fast dramatischer\nSchwung, und könnten manche Motive daraus einem Opern-\nFinal zur Grundlage dienen. Gegen rohe Kräfte folgender\nThemata:\nringt eine schöne Melodie:"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "245", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570801-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 763, "texte": "die aber endlich in roher Leidenschaft untergeht. So\nschliesst das Ganze und lässt den Erinnyen den Sieg.\nDas Resume dieser kritischen Notiz ist, dass hier nicht\nbloss planloses Figurenspiel zu brilliren sucht, sondern\ndass alle Intentionen ein wohlgeformtes Ganze bilden, worin\nEines aus dem Anderen nothwendig hervorgeht und Keines\nohne das Andere bestehen kann; so viel also, als sich mit\nkurzen Worten über eine metaphysische Kunst sagen lässt,\nund was wir hier in Umrissen zu geben versucht haben,\nmuss sich dem Zuhörer durch geistvollen Vortrag (denn\nein solcher gehört dazu) olfenbaren und verständlich\nmachen.\nAusstattung und Druck machen der Verlagshandlung\nalle Ehre, und so wünschen wir, dass dieses Trio die ver-\ndiente Anerkennung finden möge.\n\nC. G."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-08-01-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-08-01_01#c012", "volume": "bmtnabi_1857-08-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "245", "page_fin": "245", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570801-01.2.4", "titre_corps": "Karl Wauer.", "titre_sommaire": "Karl Wauer.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "245", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570801-01.1.5", "debut_caractere": 765, "fin_caractere_exclue": 3206, "texte": "Karl Wauer.\n(Nekrolog.)\n„Die Nachwelt\", heisst es, „flicht dem Mimen keine\nKränze\", aber eine freundliche Erinnerung schuldet ihm\nderjenige, der als Mitiebender durch ihn erfreut und erhei-\ntert wurde. Der pensionirte Hof-Schauspieler und Sänger\nKarl Wauer starb am 13. Juli 1857, 74 Jahre alt,zu\nFreienwalde an der Oder. Er wurde 1783 in Berlin als\nSohn eines unbemittelten Sattlers geboren und diente sei-\nner Kunst von der Pike an: als vacirender so genannter\n„Schüler\", als Chorist bei der italiänischen Oper, endlich\nals Sänger und Schauspieler. Wauer war kein Künstler,\nder viel mit dem Gedanken arbeitete, kein Schauspieler\nvon epochemachender Genialität; aber eine schlichte Treu-\nherzigkeit, ein angeborener, gemüthvoller Ton, ein derber\nHumor standen ihm zu Gebote, und die Wahrheit seines\nGefühls, die ihn fast immer den rechten Weg führte, ver-\nlieh seinen Darstellungen das Gepräge charaktervoller Na-\ntürlichkeit. Wer denkt nicht mit Vergnügen an die kernige\nLaune seines Leporello, den er 25 Jahre lang, zuletzt\n1838, an der Seite des Don-Juan-Blume trefflich spielte\nund sang? Auch in anderen Opern bewährte er sich als\ntüchtiger Buffo, als Osmin in Belmonte und Constanze, als\nRichard 801 l in der Schweizerfamilie, als Wasserträger, als\nCapellmeister in den Dorfsängerinnen, in den Schwestern von\nPrag u. s. w. Er stammte aus Iflland'scher Schule und\naus einer Zeit, wo Oper und Schauspiel noch nicht, wie\njetzt, ihre völlig abgesonderten Bahnen gingen, wo selbst\neine Bethmann heule in einer Shakespeare'schen oder\nSchiller'schen Tragödie, morgen als „Fanchon, das Leier-\nmädchenu dasselbe Publicum zu entzücken vermochte.\nWauer war ebenfalls auf beiden Gebieten zu Hause. Wir\nsahen ihn als Lerse im Götz, Thibaut d'Arc in der Jung-\nfrau von Orleans, Musicus Miller in Cabale und Liebe,\nStaufacher im Teil, 1110 in Wallenstein, Wachtmeister in\nWallenstein's Lager, Gottschalk im Käthchen von Heil-\nbronn, und selbst mit dem Arkas in Göthc's Iphigenia\nwusste er sich glücklich abzufinden. Am meisten aber war\ner auf dem Felde humoristischer und ganz besonders sol-\ndatischer Derbheit heimisch. Sein Werner in Minna von\nBarnhelm, Corporal in Vor hundert Jahren, Bernard im\nMilitärbefehl waren lebenskräftige, prächtige Gestalten von\ncharakteristischem Fleisch und Blut. Hier wusste er durch\ndie kunstlose Naturwahrheit und die Lebenswärme seines\nSpiels zu rühren, zu erheitern und zum herzlichsten Lachen\nzu zwingen. (N. Z.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-08-01-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-08-01_01#c013", "volume": "bmtnabi_1857-08-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "245", "page_fin": "246", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570801-01.2.5", "titre_corps": "Virtuosen-Flausen.", "titre_sommaire": "Virtuosen-Flausen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "245", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570801-01.1.5", "debut_caractere": 3208, "fin_caractere_exclue": 4735, "texte": "Virtuosen-Flausen.\nBekanntlich befindet sich der Violinspieler Hauser\nseit mehreren Jahren schon auf einer Kunstreise in Austra-\nlien und Südamerica. Mit seinen auf dieser langen Künst-\nlerfahrt gesammelten Beobachtungen und Erlebnissen hat\ndas Dresdener Journal sehr oft die Leser unterhalten. Ihres\npikanten Stiles wegen gingen diese Schilderungen von\nKunstzuständen absonderlicher Art, überhaupt von Eigen-\nthümlichkeiten in Sitten und Gebräuchen aus den grossen\nStädten jener fern liegenden Welttheile aus genanntem\nJournal in viele andere deutsche Blätter, so auch in Kunst-\nOrgane, über, wurden gern gelesen und deren Wahrheit\nwohl kaum bezweifelt. Da passirt es nun demselben schreib-\nlustigen Virtuosen, dass er ob eines solchen lür deutsche\nLeser nichts als Wahrheit, lür die Einwohner aber in Val-\nparaiso (Chili) nichts als Unwahrheit, resp. Lüge, enthalten-\nden Aufsatzes im Dresdener Journal von einer Anzahl an-\nsehnlicher Männer jener grossen Handelsstadt sich verfolgt\nsieht. Die Beilage zur Allg. Zeitung vom 18. Juni bringt\njenen Aufsatz aus dem Dresdener Journal nebst anhan-\ngender Reclamation mit dreizehn Namen unterzeichnet,\ndarunter J. F. Flemmich, General-Consul lür Oesterreich.\nHerman Fischer, k. Preussischer Consul, Fried. Diestel, k.\nhannoverscher Consul, Julius Bahr, General-Consul lür\nHamburg, A. Ried, Dr. med., A. Th. Droste & Comp.,\nConsul des Grossherzogthums Oldenburg und der freien\nHansestadt Bremen. ln dieser Reclamation heisst es un-\nter Anderem: „Wir sprechen nicht von Uebertreibun-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "246", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570801-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1475, "texte": "gen, wie man sie leider nur zu oft in Heisebeschreibungen\nvon Leuten lies't, die* unfähig, der Wahrheit Interesse zu\nverleihen, ihre Zuflucht zu Phantasiebildern nehmen, son-\ndern, wir wiederholen es, von endlosen Unwahrheiten und\nden jämmerlichsten Erfindungen, die sich durch die ganze\nProduction ziehen, ohne die Ausnahme eines einzigen\nSatzes, es sei denn jenes, wo er (Hauser) von der Kälte\nspricht, mit der ihn das hiesige Publicum empfing.\"\nWie der pikante Stil des Herrn Hauser, so ist die\nSache für sich ebenfalls nicht ohne pikantes Interesse, und\n«war lür die ganze lange Reihe fahrender Virtuosen in fer-\nnen Regionen. Diese Herren werden durch diesen kaum\nnoch da gewesenen Fall belehrt, dass heutzutage sogar\nschon australische und chilenische Handelsplätze mit der\ndeutschen Presse in directer Verbindung stehen, demnach\nihre in die Heimat berichteten Grossthaten dorthin wieder\nzurückkehren und ein fatales Echo hervorrufen, wie Vor-\nstehendes beweis't. Gibt es unter ihnen so aufgeblasene\nHanswurste, dass sie da, wo man ihre Faxen nicht be-\nwundert, die Ursache nicht in ihrer eigenen Unzulänglich-\nkeit und Musikhudelei suchen, sondern in der Geschmack-\nlosigkeit, Unwissenheit, Rohheit u. s. w. des Publicums,\nwährend anderswo ihre Vergötterung durch unzurech-\nnungsfähiges Gesindel von Halbwilden sie entzückt, so ist\nes Solchen ganz recht, wenn die Policei der Oeffentlichkeit\nauf ihre Aeusserungen aufpasst. Die Presse hat heutzutage\neinen langen Arm*."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-08-01-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-08-01_01#c014", "volume": "bmtnabi_1857-08-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "246", "page_fin": "247", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570801-01.2.6", "titre_corps": "Aus einem Briefe an Hrn. Ernst Hentschel, Königl. Musik-Director und Seminar-Oberlehrer in Weissenfels.", "titre_sommaire": "Aus einem Briefe an Hrn. Ernst Hentschel, Königl. Musik-Director und Seminar-Oberlehrer in Weissenfels.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "246", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570801-01.1.6", "debut_caractere": 1477, "fin_caractere_exclue": 6051, "texte": "Aus einem Briefe an Hrn. Ernst Hentschel,\nKönigl. Musik-Director und Seminar-Oberlehrer in Weissenfels.\nMein lieber, theurer Freund und College!\nAuf frischer That muss ich Ihnen schreiben; denn Sie haben ein\nlautschlagendes und warm fühlendes Herz für uns Lehrer überhaupt\nund für edeln Gesang insbesondere.\nWir Lehrer vom Mittelrheine, von der Mosel und Nahe haben\nnämlich ein eben so seltenes als schönes Fest mitgefeiert, und zwar\nin einer Gegend, die man nicht selten mit Achselzucken zu nennen\npflegt, auf dem Hunsrücken, in der Stadt Simmern. Am Mitt-\nwoch und Donnerstag nach dem 5. Sonntag p. Trinitatis, den 15.\nund 16. Juli 1857, fand die dreihundertjährige Reformations-, Jubel-\nund Dank-Feier der vereinigten Synoden Kreuznach, Simmern, So-\nbernheim, Trarbach und Trier zu Simmern Statt. Aus den vereinig-\nten fünf Synoden hatten sich etwa 130 bis 140 Lehrer zur Auffüh-\nrung der Festgesänge dort zusammen gefunden.\nUnser Lehrer-Festsänger-Chor sang bereits bei der Vorfeier am\n15. Juli zum Eingange: a) „Wunderbarer König'*, nach der Rede:\nb) „Ein1 feste Burg ist unser Gott\"; dann bei der Hauptfeier am\n1(5. Juli, am Vormittage in der Stadtkirche: 1) meine eigens zu die-\nSem Zwecke componirte Fest-Cantate*) mit Posaunen (Text von\nA. J. Schöler, evang. Pfarrer in Andernach); 2) die Liturgie, aus\nwelcher das Kyrie9 Gloria (~Allein Gott in der Höh1 sei Ehr'\" im\nZusammenwirken von Gemeinde, Chor, Orgel und Posaunen) 4und\nSanctus besonders hervorzuheben sind, und 3) die Schluss-Liturgie\n„Herr Gott, Dich loben wir\" als Wechselgesang mit der Gemeinde,\ndie mit der Orgel und dem Musikcorps zusammensang. Endlich bei\nder Einweihung des Friedrichshauses auf Schmiedel : a) „Der Herr\nist mein Hirt'4 von B. Klein; b) „Heil dir im Siegerkranz\" (einstim-\nmig mit der \"V olks-Versammlung und dem Musikcorps); c) „Harre,\nmeine Seele''; d) Der fromme Pfälzer Kurfürst (Text von Schöler)\nnach der Melodie „Preisend mit viel schonen Reden\"; e) „Es ist be-\nstimmt in Gottes Rath\" als Abschiedslied.\nDer Schmiedel-Feier wurde leider durch anhaltende Regengüsse\nEintrag gethan ; dennoch harrten Pausende von Landbewohnern aus\nder Umgegend geduldig aus und wurden nicht müde, dem Worte\nund unseren Tönen zu lauschen. Ein bis auf die Haut durchnässter,\nehrlicher hunsrücker Landmann meinte: „So ist's recht!\" nun spricht\nunser lieber Herrgott erst noch den Segen drüber!\" Die lieben\nHerren Lehrer, welche unter den Herren Bungroth in Sobernheim, C.\nHauck in Simmern, Matthiae in rrarbach und Schmidt in Kreuz-\nnach \"Vorstudien gemacht und sich dann meiner Gesammt-Leitung\nanvertraut hatten, haben nicht nur mit grosser Hingebung und Liebe\ndie nöthigen General-Proben, bei einer fast unerträglichen Hitze aus-\ndauernd, abgehalten, sondern auch während der Aufführung beim\nöffentlichen Gottesdienste mit gespannter Aufmerksamkeit jedem mei-\nner Winke gelauscht, ja, mit wahrhaftem Enthusiasmus gesungen\nund dadurch denn auch den einhelligen Ehren-Ausspruch öffent-\nlichei Meinung errungen: „dass der Lehrer Fest-Sängerchor wesent-\nlich zur Hebung der Feier beigetragen habe.\"\nUnd wie lieblich und anregend gestaltete sich auch das gesellige\nBeisammensein sämmtlicher Lehrer! Seminar-Brüder, die sich in\nzwanzig und mehr Jahren nicht mehr gesehen hatten, begegneten\nsich als ehrbare Familienväter wieder und schlugen freudig die\nHände ein. Wie viel Stoff zu anziehender Unterhaltung! Herr Bür-\ngermeister Rottmann aus Simmern trug zum aligemeinen Jubel der\nLehrerwelt seine originellen Gedichte in hunsrücker Mundart mit\nseltener Begabung vor. Das Lehrer-Solo-Quartett aus Neuwied, die\nHerren Dilg, Beck, Müller und Prass erfreuten alle Anwesenden\ndurch ihre von schönen Stimmen getragenen, geschmackvollen Vor-\nträge edler Volkslieder, z. B# „Die drei Röslein\", „In einem kühlen\nGrunde\" u. s. w.\nDas Musikcorps der reitenden Artillerie aus Coblenz, unter Lei-\ntung seines Musikmeisters Herrn Wagner, feuerte durch frische,\nkräftige Rhythmen zu noch lebhafterer geselliger Unterhaltung an,\nund dem sonst ziemlich rauhen Hunsrücken wurden einige von je-\nnen milden, vlieblichen Nächten zu I heil, die man „italienische\" zu\nnennen pflegt. Dazu nun die liebenswürdige Gastfreundschaft der\nHunsrücker in Simmern. Ein Bürger hatte zwanzig Festgenossen in\nseiner Behausung aufgenommen. Die Bewirthung im goldenen Lamm\nbei Herrn Götz war ausgezeichnet. Ueber zweihundert Pfarrer wa-\nren anwesend. Ueber die ab- und zuströmenden Tausende vom Huns-\nrücken und über sämmtliche Festgenossen war ein Festgeist gekom-\n\n*) Erscheint als Op. 55 im Clavier-Auszuge bei F. J. Steiner in\nNeuwied."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "247", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570801-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1316, "texte": "inen, der von dem Abend- .und Morgen in Verbindung mit\nden vom Thurme geblasenen Fest-Chorälen „Ein1 feste Burg\"\n„Lobe den Herrn\" „Nun danket alle Gott\" fort und fort genährt\nwurde. Ueberall Einigkeit, Brudersinn und Sangeslust Gottes\nSonne und der blaue Himmel über uns!\nEs war fast zu viel des Schönen, und uns Lehrern mochte wohl\nbangen bei unserem Scheidegrusse vor dem Druck des Alleinstehens\nnach so köstlichen, in schöner Harmonie verlebten Tagen. Doch\nwir blickten voll Zuversicht ip die dunkele Zukunft. Ja, wohl dun-\nkele Zukunft! denn schon nach wenigen Tagen lag die freundliche\nMoselstadt Trarbach in Asche, wo unser lieber Sangesbruder,\nCantor und Organist Matthiae, der noch mit Weib und Kind\nfröhlich und wohlgemuth auf dem Feste in Simmern war, auch mit\nabgebrannt ist*).\nWir hoffen, so Qott will, uns schon im nächsten Jahre in Sim-\nmern wieder zu sehen, wo wir unser erstes Lehrer-Gesangfest\nfür den Rhein, die Mosel und Nahe auf dem Hunsrücken, als dem\nMittelpunkte, zu feiern gedenken. Der Herr wolle seinen Segen dazu\ngeben, dass wir Lehrer uns an edlem, geistlichem und auch am\nVolksgesange schon im nächsten Jahre wieder erquicken können;\nEr möge uns zum Wollen das Vollbringen schenken.\nIn herzlicher Liebe empfiehlt sich Ihnen hochachtungsvoll Ihr\nGustav Flügel.\nNeuwied, den 20. Juli 1857."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-08-01-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-08-01_01#c015", "volume": "bmtnabi_1857-08-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "247", "page_fin": "248", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570801-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "247", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570801-01.1.7", "debut_caractere": 1318, "fin_caractere_exclue": 6420, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nI4öln. 31. Juli. Jakob Rosenhain aus Paris und Professor\nL. W. Dehn, Custos der königlichen Bibliothek zu Berlin, haben\nKöln in diesen Tagen besucht. Dehn kam von München über Augs-\nburg und Mainz; in Augsburg hat er im dortigen Archiv die\nhistorisch wichtige Entdeckung gemacht, dass der Notendruck\nmit beweglichen Typen nicht, wie man bis jetzt annahm, von\nOttavio Petrucci (im Anfange des sechszehnten Jahrhunderts)\nherrühre, sondern eine ältere und zwar eine deutsche Erfindung\nsei. Wir werden darüber von Augsburg aus Näheres hören.\nHof-Capellmeister Dr. Marschner und Gattin sind von London\nüber Paris gestern hier angekommen und werden einige Zeit bei\nBrühl auf der Villa einer befreundeten Familie zubringen.\nDer kölner Männergesang-Verein gibt heute Abends ein\nConcert im Hotel Belle-Vue zu Peutz zum Besten der Abgebrannten\nan der Mosel.\ni\nNach einer Notiz im Schlesinger'sehen Echo ist Holle s Druck\nder C. M. v. Weber'sehen Clavier-Compositionen von der königl.\nPolicei-Behörde, wie in Sachsen, so auch in Berlin, mit Beschlag\nbelegt worden.\niffftiliz« Die Sängerin Frau E iserieh-Leonoff hat hier be-\nreits einige Mal gastirt und ungemein gefallen. Früher schon ein\nGlied unserer Bühne, hat ihr Auftreten das Haus vollständig gefüllt.\nIhre Stimme hat seitdem nichts weniger als abgenommen, im Gegen-\ntheil fanden wir sie klingender, Irischer, sehr kräftig und die Colo-\nratur, wie immer, perlend und makellos. Die Martha, eine Glanzrolle\ndemselben von je her, brachte ihr einen Sturm von Beifall, mehr-\nmaligen Her vorruf und Blumenspsn<jLen.\nW iesbac}eil. Was unsere Bühne anlangt, die in der Saison\nso ziemlich als Cur-Institut betrachtet wird, so haben wir auf der-\nselben yor Kurzem das Gastspiel des berühmten Tenoristen Andej\ngehabt und bewundern gegenwärtig M,ad. de Fortnni\naus Madrid. Die Stimme dieser ausgezeichneten Sängerin ist nicht\nsehr gross, aber sie ist eine Gesangeskünstlerin und eine Darstelle-\nrin, wie man sie nur selten wieder finden dürfte. Vornehmlich ist es\ndie Oper, die selbstverständlich im Sommer das Repertoire füllen\nmuss, und in dieser Hinsicht gebührt unserem trefflichen Capellmei-\nster Hagen, der nun schon seit Jahren, trotz mancher kleinlichen\nDilettanten-Scandale, unsere Oper in jeder Beziehung tüchtig leitet,\nalle Anerkennung.\nAuf das Gesuch der Vorstände des Cäcilien- und des Männerge-\nsang-Vereins an den Gemeinderath dahier, das im Jahre 1858 zu\nWiesbaden Statt findende dritte mittelrheinische Musikfest betreffend,\nwurde denselben, in Gemässheit Sitzungs-Beschlusses vom 8. Juli\neröffnet, dass der Gemeinderath bereit ist, das Fest nach Kräften zu\nunterstützen und zu den Berathungen über die Maassregeln zur\nDurchführung des Festes vier Mitglieder aus seiner Mitte, nämlich\ndie Herren Bürgermeister Fischer und Vorsteher W. Habel, Rohr\nund Nathan, abzuordnen.\nSchwerin* Unter den 110 in letzter Saison aufgeführten\nStücken waren 16 Novitäten oder doch auf dem hiesigen Hoftheater\nzum ersten Male gegebene Stücke; zwei neue Opern: Der Schmied\nvon Gretna-Green von A. Ellmenreich und Johann Albrecht von E.\nHobein und F. v. Flotow; endlich ein Ballet: Die Libelle von F. M.\nund F. v. Flotow. Was hätten wir für eine Neuigkeit in der Oper\nentschieden zu wünschen gehabt, wofür uns 11 Abende von C. M\nv. Weber, 5 von Mozart, 3 (theilweise) von Mendelssohn-Bartholdy,\n2 von Beethoven, 1 von Cherubini nicht überreichliche Entschädi-\ngung böten?! Unter den 45 Opern-Aufführungen waren 18 Wieder-\nholungen. Der eben so glänzend scenirte als in jeder Beziehung\ntrefflich ausgeführte Weber sche Oberon wurde vier Mal wiederholt,\nzwei Mal Figaro's Hochzeit und Robsrt cUtf Teufel, ein Mal Fidelio,\nDie Stumme von Portici, Euryanthe, Der Freischütz, Der Liebes-\ntrank, Tannhäuser, Die Hugenotten, Don Juan und, wie schon er-\nwähnt, Der Schmied von Gretna-Green und Johann Albrecht. Das\nFinale des ersten Actes von Mendelssohn-Bartholdy's Loreley wurde\nausserdem drei Mal ausgeführt. (D. Th.-Z.)\na. ti. i AiNtß'iii. Ende August findet hier ein\nGesangfest Statt. Der Sängerbund an der Saale veranstaltet alle zwei\nJahre ein grösseres, mehrtägiges Gesangfest. In Zeitz ward am\n15. Juli in der Sclilosskirche Schneider s Oratorium ~Das Weltge-*\nrieht\" unter Leitung des Stadt-Cantors Nelle aufgeführt; 400 Sän-\nger und Musiker wirkten mit, die Solo-Partieen hatten Künstler aus\nLeipzig, Berlin und Weimar übernommen. Camburg denkt gleich-\nfalls an ein grösseres Gesangfest.\nHatfteii-JSadeti. Da die Saison jetzt in höchster Blüthe und\ndas fashionabelste Bad Deutschlands der Sammelplatz der elegan-\ntesten Welt geworden ist, so sind von allen Seiten die Künstler her-\nbeigeströmt. Die zweiactige Operette ~/>e ccusin de Mariveaux\" von\nwird von Faure, Ste. Foy, Mlle. Lefebre mit Beifall gegeben\nund ist von der Opera comique in Paris für den Winter auf das Rew\npertoire gesetzt. Der kleine Clavier-Virtuose Eugene Leuchten-\nberg aus Berlin, ein talentvoller Schüler von Th. Kullak, erfreute\n%\n\n*) Die Expedition der Kölnischen Zeitung nimmt Beiträge für die\nAbgebrannten in Trarbach, Berncastel und Zell an.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "248", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570801-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4076, "texte": "sich der Protection I. K. H. der Prinzessin von Preussen; sein Con-\ncert war sehr besucht, das Billet a 10 Frcs. Sein Vortrag der von\nLiszt mit Fingersatz versehenen berühmten J. S. Bach'schen Fuge\nin A-moll, der beiden reizenden Kullak'schen Salonstücke La Psyche\nund „Waldvöglein\" und des C. M. von Weber'schen Ronclo brillant\nfanden den lebhaftesten Beifall. Hector Berlioz ist mit Sivori,\nServais, Mad. Widmann, Cossmann eingetroffen, um ein grosses Mu-\nsikfest mit Unterstützung von Mitgliedern und dem Chor des karls-\nruher Hoftheaters zu veranstalten.\nDresden» (Zur Be r icht i gu ng.) Mehrere Zeitungen berich-\nten, dass ich die Original-Handschrift einer Messe meines Vaters\nC. M. von Weber dem Papste und dem Kaiser von Russland ange-\nboten hätte. Diese Nachricht ist aus der Luft gegriffen. Ich habe\nweder eine Messe, noch sonst irgend ein Manuscript meines Vaters\neinem Souverain in irgend einer Form angetragen. Die Partituren\nder drei Opern Euryanthe, Freischütz und Oberon sind zum gröss-\nten Theil durch meine verstorbene Mutter und in Folge letztwilliger\nVerfügung, mit dem Gesuche: diese Partituren Bibliotheken einzu-\nverleiben, Ihren Majestäten den Königen von Sachsen und von Preus-\nsen und dem Kaiser von Russland überreicht worden.\nDresden, den 19. Juli 1857.\nM. M. Frhr. von Weber.\nIn Donizetti's Oper „Die Favoritin\" ärntete Herr\nRoger als Fernando aufs Neue kolossalen Beifall, der sich zuletzt\nsogar in herumflatternden Gedichten manifestirte. Und wahrlich, der\nberühmte Sänger hat zu seinen herrlichsten Leistungen eine neue,\nherrliche hinzugefügt, die uns abermals Bewunderung abdringt. Wir\nreden nicht bloss von der über Alles ausgezeichneten gesanglichen\nDurchführung des Fernando, wobei wir abermals das seltene Talent\nhervorzuheben haben, das innigste Gefühl, den grellsten Schmerz,\ndie höchste Freude, leidvollste Entsagung durch Töne ausgedrückt\nzu hören; wir betonen nicht minder das echt dramatische, von voll-\nstem Leben durchdrungene, wahre Spiel des Künstlers, das fast\nunerreichbar da stehen dürfte. Die Duette mit Leonore in Act 11.\nund IV., die grosse Scene vor dem König und vieles Andere werden\nuns unvergesslich bleiben. Fräul. Hartmann sang die Leonore,\neinige falsche Einsätze abgerechnet, wirklich verdienstvoll, ja, sie\nerreichte auch im Spiel, vorzüglich im vierten Acte, eine tragische\nHöhe, mit welcher der Gesang auf das edelste harmonirte. In der\nThat, Fräul. Hartmann macht ihren Weg schnell! Der Beifall für\ndie Sängerin äusserte sich auf das allerlebhafteste, auch in verschie-\ndenen Hervorrufen. Einen Edgar, wie ihn uns am Freitag Herr\nRoger sang und spielte, dürften wir so leicht nicht wieder sehen\nund hören; in dieser Leistung vereint sich denn doch Alles zu dem\nschönsten harmonischen Ganzen, das sich irgend denken lässt. Das\ngefüllte Haus ehrte den Gast in ausgedehntester Weise durch Applaus\nund unzählige Hervorrufe. Die Lueia sang Fräul. N. Frassini\n(Eschborn); obwohl die Stimme sichtlich fatiguirt war, erwies sich\ndoch die Gastin als eine treffliche Sängerin. Die Schule ist vortreff-\nlich und entzückt durch Correctheit und Reinheit des Stils, der Ton\nist weich und melodisch, wo es erforderlich, energisch ; insonderheit\nmuthet uns das Piano, das Anschwellenlassen der Stimme, das Ge-\ntragene ungemein an; kurz, wir stehen einer Sängerin gegenüber,\nderen von auswärts gekommener grosser Ruf vollständig gerechtfer-\ntigt wurde. Dass sie ihren Part auch dramatisch bewältigt, bewies\nsie hinlänglich in der Wahnsinns-Scene, die sie auf das beste wie-\ndergab. Trotz des berühmten Gastes neben sich ward Fräul. Frassini\ndoch mit grossem Beifall und öfterem Hervorruf des Publicums ge-\nehrt. Herr Capellmeister Lachner leitete die Oper mit gewohnter\nUmsicht. Dem Vernehmen nach ist Herr Karl Hartmann,\nBruder der Sängerin, der neulich als Stradella auftrat, engagirt\nworden.\nHerr H. Hammer, der durch sein Violinspiel im letz-\nten Winter so viel Effect gemacht hat, spielte neulich bei einem\nKirchen-Concerte F. Sehubert's „Lob der Thränen\" für Violine und\nOrgel eingerichtet, mit ausserordentlichem Erfolg."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "241", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570801-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nKarl Czerny' s Testament. Beurtheilung (Georg Aloys Schmitt, Erstes Trio für Pianoforte, Violine und Violon-\nCello). Von C. G. Karl Wauer (Nekrolog). Virtuosen-Flausen. - Aus einem Briefe an Herrn Ernst Hentscliel in Weissenfeis von\nG. Flügel. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Jakob Rosenhain, L. W. Dehn, Dr. Marschner und Gattin Mainz, Frau\nEiserich-Leonoff Wiesbaden Schwerin Freiburg a. d. Unstrut Baden-Baden Dresden Hamburg Paris).\n\nKarl Czerny’s Testament.\n\nFür den Fall, dass Gott mich aus diesem Leben abruft,\nerrichte ich bei voller Ueberlegung mit Nachstehendem\nmeinen letzten Willen.\nMein Vermögen besteht gegenwärtig beiläufig aus\nFolgendem:\nA.84 Stück 5% Metalliques zu 1000 Fl.\nB. 10 Stück Bank-Actien.\n(NB. Meine Eltern waren arm und konnten mir nichts\nhinterlassen. Aber schon um 1807 war ich so glücklich,\nviele Unterrichtsstunden zu geben; und um 1818, wo ich\nbereits in den vornehmsten Häusern Clavierlehrer war und\nüberdies von vielen Musik-Verlegern im In- und Auslande\nmit Compositions-Anträgen überhäuft wurde, konnte ich\nmir jährlich zwei bis drei solche Metalliques anschaffen,\nso dass ich bis 1852 80,000 Gulden in dieser Papier-\ngattung besass.)\nC.Da ich früher lür Unterricht und Compositionen\nsehr häufig in Ducaten honorirt wurde, welche ich nie\nwieder ausgab, so besass ich schon vor 1848 über 1000\nDucaten. In dem unsicheren Jahre 1848 —1849 kaufte\nich für alle Banknoten, die ich damals besass, noch gegen\n2000 Stück Ducaten, so dass ich jetzt beiläufig 3000\nDucaten in Gold besitze.\nD. Ausserdem 72 Napoleond'or, die ich von franzö-\nsischen Verlegern für Compositionen erhielt.\nE.Ungelähr 600 bis 800 Fl. in Silberzwanzigern.\nF. Gegen 5000 Fl. in Banknoten, von meinen jähr-\nlichen Renten erspart, da ich besonders wegen langjähriger\nKränklichkeit stets sehr mässig lebe.\nG.2 Salm'sche Loose, ein Stück St.-Genois-Loos, ein\nKcglevich-Loos, ein Staats-Anleihen-Loos vom Jahre 1839.\nH. Ausser meiner Haus-Einrichtung, Kleidung, Wä-\nsche, Bibliothek und Musicalien-Sammlung noch an werth-\nvollen Sachen:\n4 goldene Sackuhren;\n6 goldene Dosen, von Erzherzogin Marie Louise, Liszt,\nDöhler und Anderen als Andenken erhalten;\n1 grössere Dose mit Rauten, Geschenk der Gross-\nlürstin von Weimar;\n1 silbernes Besteck mit meiner Namens-Chiffre, Ge-\nschenk der Prinzessin Maria von Baiern, jetzt verwitweten\nKönigin von Sachsen (meiner Schülerin);\n1 Hemdnadel von Amethyst mit Brillanten, von der-\nselben, zwei Brillantringe (Solilaire und Allianzring), die ich\nmir einst bei Türk kaufte;\n1 alte silberne Dose von meinem seligen Vater;\n1 Necessaire von Mahagony mit verschiedenen, zum Theil\nsilbernen Gegenständen (Geschenk des Fürsten Radziwill).\nDas Gesammt-Vermögen mag daher ungelähr 100,000\nFl. C.-M. betragen.\nUeber alles dieses verlüge ich, wie folgt:\nI. Meine Seele empfehle ich der Gnade des allmäch-\ntigen Schöpfers, mein Leib soll einfach, aber anständig,\nnach christkatholischem Gebrauche in einem eigenen Grabe\nbeigesetzt werden.\n2. Ich war das einzige Kind meiner Eltern und habe\ndurchaus keine Descendenz. Da ich auch sonst keine Bluts-\nverwandten kenne, so habe ich auf solche keine Rücksicht\nzu nehmen.\nDessen ungeachtet sollen 20 Stück 5% Metalliques\nä 1000 Fl., sammt Zinsen vom Todestage bei Gericht\nhinterlassen werden, welche ich denjenigen meiner erb-\nlähigen Verwandten nach Stämmen vermache, die sich bin-\nnen sechs Jahren als solche legal ausweisen werden."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "242", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570801-01.1.2", "texte": "Mein yaier $V ejijel £*»erny yy iwgef#hr 1750\nin Böhmen, zu Nimburg, nicht weit von Prag und Kollin,\ngeboren. Sein Vater D,oqaipik soll bei .dei# dor-\ntigen Magistrate Rathsherr oder dergleichen gewesen sein.\nMein Vater soll mehrere Brüder gehabt haben, von welchen\nvielleicht noch Nachkommen leben. Es soll daher nicht nur\ndurch die Behörde von Nimburg nachgeforscht, sondern\nauch durch sechs Jahre jährlich ein Edict in die Prager\nZeitung eingerückt werden, um diese Verwandten aufzu-\nfordern. Hat sich aber binnen sechs Jahren nach meinem\nr, - \" •*-•• r~, T'\nTode kein wirklicher Verwandter gemeldet und ausgewie-\nsen, so fällt dieses Vermächtniss sammt Zinsen meinen\ntestamentarischen Erben zu.\n3. Meine Wirthschafterin Maria Malek (geborene\nMachatschek) hat seit ungelähr vierzig Jahren sowohl bei\nmeinen Eltern als später bei mir treu und redlich gedient,\nmeine Eltern bis an ihr Ende gepflegt, und es ist meine\nPflicht, sie gehörig zu bedenken. Ich vermache ihr daher\n12 Stück 5% Metalliques, ä 1000 Fl., welche ihr so-\ngleich auf die Hand zu geben sind, damit sie eine\njährliche Rente von 600 Fl. besitzet.\n4. Ihrem Bruder Joseph Machatschek, der seit\ndem Tode ihres Mannes bei mir als Diener ist, vermache\nich eben so 4 Stücke 3% Metalliques, ä 1000 Fl., also\neine Rente vop 200 Fl. Ausserdem können diese Beiden\nbis ?ur nächsten Zinszeit in der Wohnung bleiben und er-\nhalten durch sechs Wochen den bisherigen Lohn und die\nVerköstigung.\n5. Das {Cüchenmädcheo erhält sogleich 200 Fl. 8.-N.\nauf die Hand, Lohn und Kost wie die beiden Anderen.\n6. Ich widme 1000 Fl. C.-M. zu einem einfachen,\nanständigen Denkmale auf meinem eigenen Grabe, mit der\nInschrift: „Karl Czerny, Tonkünstler, geboren in Wien\nden 21. Februar 1791, gestorben \"\n7. Alle gestochenen Musicalien von meiner Com-\npositum, so wie alle Musicalien von anderen Autoren\n(worunter viele vorzügliche Werke sind) erhält die Gesell-\nschaft der Musikfreunde in Wien.\n8. Zwei Original-Manuscripte von Beethoven l.\ndas Violin-Concert Op. 61 und 2. die Partitur der Ouver-\ntüre Op. 114 —, die ich einst Gelegenheit hatte, mir zu\nkaufen, gebe ich der k. k. Hof-Bibliothek.\n9. Da ich sehr viele eigene noch ungestochene Manu-\nscripte hinterlasse (Sinfonieen, Concerte, Violin-Quartette,\nQuintette,Trio's; Sonaten, Duo's, Trio's, Quartette u s. w.\nmit Ciavier, Alles im ernsten Stile), so vermache ich alle\ndiese Compositionen (mit Ausnahme der Kirchensachen)\nflerrn Karl Sfina. Mi wünsche,\ndass die brauchbarsten davon gestochen werden.\n|O. Alle (circa 24 Mes-\nsen, 4 Requiem, gegen 300 Graduale und Oflertorien u.\ns.w.) soll Herr Joseph Doppler, Buchhalter bei Herrn\nKarl Spina, als Eigenthum erhalten. Wenn Herr Spina\netwas davon auflegen wollte, so soll er hierzu berechtigt\nsein, aber dafür Herrn Doppler ein billiges Honorar ver-\ngüten.\n11. Meine sämmttiche Zimmer- und Küchen-Einrich-\ntung mit Inbegriff' der Häng- und Stock-Uhren, meine Klei-\ndung, Haus- und Leibwäsche erhalten die zwei Dienstleute\nJoseph Machatschek und Maria Malek.\n12. Meine zwei Bösendorfer Fortepiano's, meine Vio-\nline, die Büste Beethoven's und was sonst auf Musik Bezie-\nhung hat, vermache ich der Gesellschaft der Musikfreunde.\n13. Die Dose mit Rauten (von der Grosslürstin von\nWeimar) bitte ich Herrn Dr. Rud. v. Vivenot (Vater)\nals Andenken anzunehmen.\n14. Die sechs goldenen Dosen erhält Herr Joseph\nDoppler (bei Spina).\n1 5. Die vier goldenen Uhren erhält Herr Rechnungs-\nrath Karl Oster.\n16. Dem Diener Joseph Siel er (in der C. Spina'-\nscben Handlung) sollen 200 Fl. 8.-N. gegeben werden.\n1 7. Jene Gegenstände, über welche ich nicht verfügt\nhabe, auch die Hemdnadel und Ringe (insbesondere meine\nBibliothek von beinahe 3000 Bänden, Landkarten, wissen-\nschaftliche Sammlungen u. s.w.), bitte ich Herrn Dr. Leo-\npold v. Son nie ithner anzunehmen, indem er sich be-\nliebig darunter auswählt. Das Uebrige kann zur Masse ge-\nhörig verkauft werden; Gold, Actien, Obligationen und an-\ndere Pretiosen bleiben dem Erben vorbehalten.\n18. Ich wünsche, dass zu meinem Andenken jährlich\nan meinem Todestage (oder dem nächsten geeigneten Tage)\nin der Augustiner Hof-Pfarrkirche entweder ein Requiem\noder eine von meinen grösseren letzteren Messen sammt\nEinlage aufgeführt werde. Ich widme hierzu als Stiftungs-\nCapital 1000 Fl. 5% Metalliques; von deren Zinsen sol-\nlen jedesmal 40 Fl. für die Musik und der Rest für die\nKirche gehören.\n19. Als Erben meines gesammten übrigen Nachlasses setze\nich die nachbenannten Anstalten zu vier gleichen Theilen ein.\nI. Ein Viertbeil erhält die Gesellschaft der Musik-\nfreunde in Wien.\n11. Ein Viertheil hinterlasse ich dem Vereine zur Un-\nterstützung dürftiger Tonkünstler in Wien. Von den Zin-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "243", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570801-01.1.3", "texte": "sen dieses Erbtheils sollen zunächst der Gesanglehrer Herr\nJoh. Mozatti die Hälfte und der Tonkünsller Herr Karl\nMaria von Bocklet die andere Hälfte lebenslänglich\ngemessen.\n111. Das dritte Viertheil widme ich zu gleichen Thei-\nlen dem Vereine zur Versorgung erwachsener Blinden und\ndem Taubstummen-Institute in Wien. Doch sollen die Zin-\nsen dieses Viertheils zunächst als lebenslänglicher Unter-\nhalt für die beiden taubstummen Töchter der Witwe Frau\nJulie Sch m i ed el; unabgetheilt und'gemeinschaftlich be-\nstimmt sein, so dass erst, nachdem Beide gestorben sein\nwerden, die Zinsen selbst an die Anstalten zurückfallen.\nIV. Das letzte Viertheil soll zur Hälfte dem Kloster\nder barmherzigen Brüder in Wien und zur anderen Hälfte\ndem Institute der barmherzigen Schwestern in Wien zu-\nfallen, da ich der frommen Aufopferung dieser geistlichen\n- *\nKörperschaften meine tiefe Verehrung weihe.\n20. Alle meine bisherigen oder künftig beizusetzen-\nden Vermächtnisse sollen ohne allen Abzug so bald als\nmöglich, und die Obligationen mit Zinsen von meinem To-\ndestage an ausgefolgt werden.\n21. Ausser den für meine Verwandten bestimmten\nund den zur Deckung der Gebühren nöthigen Beträgen\nsoll nichts zu Gericht hinterlegt, sondern von meinen Te-\nstaments-Vollstreckern in gemeinschaftliche Verwahrung\ngenommen und ohne Verzug seiner Bestimmung zugeführt\nwerden.\n22. Als Testaments-Vollzieher, Abhandlungspfleger\nund Curator meiner unbekannten Verwandten ernenne ich\nHerrn Dr. Leopold v. Sonnleithner, wolür derselbe anstän-\ndig honorirt werden soll. Herrn Karl Spina ersuche ich,\ndemselben in diesem Geschäfte, besonders was das Kunst-\nl'ach betrifft, beizustehen und im Verhinderungsfalle seine\nStelle zu übernehmen.\nDies ist mein letzter Wille, welchen ich durchaus\neigenhändig geschrieben und unterfertigt habe.\nWien, am 13. Juni 1857.\n(L. S.)\n\nKarl Czerny m. p.\n\nBeurtheilung.\n\nGeorg Aloys Schmitt. Erstes Trio (C-moll)\nlür Pianoforte, Violine und Violoncello, Op. 15.\nBei Joh. Andre in Offenbach am Main.\nEs thut recht wohl, aus dem Wüste seichter Occa-\nsional-Producte, titelsüchtiger Salonstücke und leidiger\nPolka-Literatur einmal wieder ein solides Werk aul dem\nFelde der höheren Rammermusik auftauchen zu sehen, zu-\nmal wenn dasselbe aus der Feder eines noch jungen Man-\nnes fliesst, der den Muth hat, gegen den Strom zu schwim-\nmen. Eben so ehrenwerth ist es für den Herrn Verleger,\n1\nwenn er einen jungen Componisten durch die Herausgabe\neines solchen Werkes ermuthigt. Von dem Lobe abgese-\nhen, welches Spohr diesem Trio bei seiner letzten Anwe-\nsenheit in Frankfurt am Main gab (der Componist spielte\ndasselbe in einer Matinee seines Vaters), können wir dieser\nComposition mit gutem Gewissen das Zeugniss solider Rich-\ntung und Form, schöner Motive und wackerer Durhführung\ngeben. Mag auch hier und da eine brausende Phantasie die\nkünstlerische Ruhe etwas ausser Fassung bringen, so un-\nterliegen wir daher auch nicht steifer Regel, die jeden küh-\nnen Gedanken vor ihren pedantischen Richterstuhl zieht.\nWir haben es gern, wenn der volle Becher überschäumt;\nmit des Grundes Perlen hauszuhalten, wird die Zukunft schon\nlehren.\nVor Allem ist in diesem Trio die psychische Einheit\nunverkennbar, die in jedem mehrstimmigen Werke bis zum\nvollen Orchester hinauf herrschen sollte, welche hier aber\nmehr das Resultat eines glücklichen Instinctes als einer\nplanmässigen Berechnung zu sein scheint. Wenn dieser\nglückliche Instinct nun Talent auf gründliche Studien\nbaut, so ist nicht zu befürchten, dass er die alten Formen\nverletzt oder neue, unhaltbare erfindet. Mag nun der breite\nStrom noch so hohe Wellen schlagen und selbst im Sturme\ndaher brausen, so wird doch keine Sündflut daraus, und\ndie reiche Fracht landet glücklich an dem Ufer. Nicht min-\nder und unbeschadet dieser Einheit erscheinen doch alle\ndrei Instrumente als völlig selbstständig, in verschiedenarti-\ngen und ihrem Charakter angemessenen Gefühlen frei ein-\nherschreitend, und das ist's, was dieses Trio vor vielen der\nneueren auszeichnet, die entweder zu frei, ohne strenge\nForm, oder zu steif formel, ohne genialen Schwung, gehal-\nten sind. Im Stile wüssten wir dieses Trio mit keinem an-\nderen zu vergleichen, indem es sich frei von anderen Ein-\nflüssen um die eigene Achse dreht, leise Anklänge von Beet-\nhoven, namentlich im dritten Satze, ausgenommen. In Be-\nzug aber auf technische Bravour und Figurenwesen mag\nes sich den HummePschen Concerlen nähern.\nNach dieser objectiven Anschauung treten uns die\neinzelnen Theile dieser Composition schon verständlicher\nentgegen.\nDer erste Satz, C-moll,4/4-Tact, beginnt mit einem\ngeheimnissvollen Unisono folgender Hauptfigur:"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "244", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570801-01.1.4", "texte": "die aber bald mit bewusster Willenskraft fest auftritt und\ndas zweite Thema in B-mollsinnig einleitet. Dieses Can-\ntabile:\nscheint uns nur für die ganze breite Anlage dieses Satzes\nzu kurz, befriedigt aber nichts desto weniger durch in-\nteressante Verwebung mit dem Hauptgedanken vollkommen.\nVom Herkömmlichen abweichend ist, dass der erste Theil\nnicht repetirt, sondern mit Dominanten-Accorden schliessl,\nworauf das Grund-Motiv in C-dur den zweiten Theil be-\nginnt und nun den kühnsten Intentionen, pikanten Rhyth-\nmen u. s. w. freien Spielraum gibt. Dem Allegro (eine an\nsich vague Bezeichnung) hätte ein anderes Beiwort, z. B.\nmaestoso und selbst impetuoso,beigefügt werden können;\ndenn will man den Spieler allein den Charakter herausfin-\nden lassen, so braucht man gar keine Tempo-Bezeichnung\nhinzusetzen. Unter dem zweiten Satze, Andante con moto,\nAs-dur, 3/s, denke man sich einen Wechselgesang für So-\npran und Bariton mit glühender Emphasis vorgetragen,\nwelcher nach leidenschaftlichem Ringen zuletzt süsse Be-\nfriedigung gewährt, so hat man wohl ein genügendes Bild\ndavon. Die Haupt-Motive tragen etwas Spohr'sches Gepräge:\nund Clavier-Passagen in Zweiunddreissigstel-Figuren reprä-\nsentiren gleichsam das grollende und versöhnende Geschick.\nDer dritte Satz, Presto leggiero, G-moll, %, trägt den Cha-\nrakter üppigen Muthwillens, der bald darauf mit einem\nvolksliedartigen Thema „die Farbenblitze kreuzt*, im Mit-\ntelsatze, ich möchte sagen: selbst etwas diabolischen Hu-\nmor annimmt und zuletzt in eine fast berauschende Orgie\nendet. Wohlweislich hat daher der Componist die gewöhn-\nliche Bezeichnung „Scherzo\" vermieden. Die beiden sich\nhier verschlingenden Themata heissen:\nIm letzten Satze, Allegro con 4/4, worin drei\nPrincipien mit einander streiten, herrscht fast dramatischer\nSchwung, und könnten manche Motive daraus einem Opern-\nFinal zur Grundlage dienen. Gegen rohe Kräfte folgender\nThemata:\nringt eine schöne Melodie:"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "245", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570801-01.1.5", "texte": "die aber endlich in roher Leidenschaft untergeht. So\nschliesst das Ganze und lässt den Erinnyen den Sieg.\nDas Resume dieser kritischen Notiz ist, dass hier nicht\nbloss planloses Figurenspiel zu brilliren sucht, sondern\ndass alle Intentionen ein wohlgeformtes Ganze bilden, worin\nEines aus dem Anderen nothwendig hervorgeht und Keines\nohne das Andere bestehen kann; so viel also, als sich mit\nkurzen Worten über eine metaphysische Kunst sagen lässt,\nund was wir hier in Umrissen zu geben versucht haben,\nmuss sich dem Zuhörer durch geistvollen Vortrag (denn\nein solcher gehört dazu) olfenbaren und verständlich\nmachen.\nAusstattung und Druck machen der Verlagshandlung\nalle Ehre, und so wünschen wir, dass dieses Trio die ver-\ndiente Anerkennung finden möge.\n\nC. G.\n\nKarl Wauer.\n(Nekrolog.)\n„Die Nachwelt\", heisst es, „flicht dem Mimen keine\nKränze\", aber eine freundliche Erinnerung schuldet ihm\nderjenige, der als Mitiebender durch ihn erfreut und erhei-\ntert wurde. Der pensionirte Hof-Schauspieler und Sänger\nKarl Wauer starb am 13. Juli 1857, 74 Jahre alt,zu\nFreienwalde an der Oder. Er wurde 1783 in Berlin als\nSohn eines unbemittelten Sattlers geboren und diente sei-\nner Kunst von der Pike an: als vacirender so genannter\n„Schüler\", als Chorist bei der italiänischen Oper, endlich\nals Sänger und Schauspieler. Wauer war kein Künstler,\nder viel mit dem Gedanken arbeitete, kein Schauspieler\nvon epochemachender Genialität; aber eine schlichte Treu-\nherzigkeit, ein angeborener, gemüthvoller Ton, ein derber\nHumor standen ihm zu Gebote, und die Wahrheit seines\nGefühls, die ihn fast immer den rechten Weg führte, ver-\nlieh seinen Darstellungen das Gepräge charaktervoller Na-\ntürlichkeit. Wer denkt nicht mit Vergnügen an die kernige\nLaune seines Leporello, den er 25 Jahre lang, zuletzt\n1838, an der Seite des Don-Juan-Blume trefflich spielte\nund sang? Auch in anderen Opern bewährte er sich als\ntüchtiger Buffo, als Osmin in Belmonte und Constanze, als\nRichard 801 l in der Schweizerfamilie, als Wasserträger, als\nCapellmeister in den Dorfsängerinnen, in den Schwestern von\nPrag u. s. w. Er stammte aus Iflland'scher Schule und\naus einer Zeit, wo Oper und Schauspiel noch nicht, wie\njetzt, ihre völlig abgesonderten Bahnen gingen, wo selbst\neine Bethmann heule in einer Shakespeare'schen oder\nSchiller'schen Tragödie, morgen als „Fanchon, das Leier-\nmädchenu dasselbe Publicum zu entzücken vermochte.\nWauer war ebenfalls auf beiden Gebieten zu Hause. Wir\nsahen ihn als Lerse im Götz, Thibaut d'Arc in der Jung-\nfrau von Orleans, Musicus Miller in Cabale und Liebe,\nStaufacher im Teil, 1110 in Wallenstein, Wachtmeister in\nWallenstein's Lager, Gottschalk im Käthchen von Heil-\nbronn, und selbst mit dem Arkas in Göthc's Iphigenia\nwusste er sich glücklich abzufinden. Am meisten aber war\ner auf dem Felde humoristischer und ganz besonders sol-\ndatischer Derbheit heimisch. Sein Werner in Minna von\nBarnhelm, Corporal in Vor hundert Jahren, Bernard im\nMilitärbefehl waren lebenskräftige, prächtige Gestalten von\ncharakteristischem Fleisch und Blut. Hier wusste er durch\ndie kunstlose Naturwahrheit und die Lebenswärme seines\nSpiels zu rühren, zu erheitern und zum herzlichsten Lachen\nzu zwingen. (N. Z.)\n\nVirtuosen-Flausen.\nBekanntlich befindet sich der Violinspieler Hauser\nseit mehreren Jahren schon auf einer Kunstreise in Austra-\nlien und Südamerica. Mit seinen auf dieser langen Künst-\nlerfahrt gesammelten Beobachtungen und Erlebnissen hat\ndas Dresdener Journal sehr oft die Leser unterhalten. Ihres\npikanten Stiles wegen gingen diese Schilderungen von\nKunstzuständen absonderlicher Art, überhaupt von Eigen-\nthümlichkeiten in Sitten und Gebräuchen aus den grossen\nStädten jener fern liegenden Welttheile aus genanntem\nJournal in viele andere deutsche Blätter, so auch in Kunst-\nOrgane, über, wurden gern gelesen und deren Wahrheit\nwohl kaum bezweifelt. Da passirt es nun demselben schreib-\nlustigen Virtuosen, dass er ob eines solchen lür deutsche\nLeser nichts als Wahrheit, lür die Einwohner aber in Val-\nparaiso (Chili) nichts als Unwahrheit, resp. Lüge, enthalten-\nden Aufsatzes im Dresdener Journal von einer Anzahl an-\nsehnlicher Männer jener grossen Handelsstadt sich verfolgt\nsieht. Die Beilage zur Allg. Zeitung vom 18. Juni bringt\njenen Aufsatz aus dem Dresdener Journal nebst anhan-\ngender Reclamation mit dreizehn Namen unterzeichnet,\ndarunter J. F. Flemmich, General-Consul lür Oesterreich.\nHerman Fischer, k. Preussischer Consul, Fried. Diestel, k.\nhannoverscher Consul, Julius Bahr, General-Consul lür\nHamburg, A. Ried, Dr. med., A. Th. Droste & Comp.,\nConsul des Grossherzogthums Oldenburg und der freien\nHansestadt Bremen. ln dieser Reclamation heisst es un-\nter Anderem: „Wir sprechen nicht von Uebertreibun-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "246", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570801-01.1.6", "texte": "gen, wie man sie leider nur zu oft in Heisebeschreibungen\nvon Leuten lies't, die* unfähig, der Wahrheit Interesse zu\nverleihen, ihre Zuflucht zu Phantasiebildern nehmen, son-\ndern, wir wiederholen es, von endlosen Unwahrheiten und\nden jämmerlichsten Erfindungen, die sich durch die ganze\nProduction ziehen, ohne die Ausnahme eines einzigen\nSatzes, es sei denn jenes, wo er (Hauser) von der Kälte\nspricht, mit der ihn das hiesige Publicum empfing.\"\nWie der pikante Stil des Herrn Hauser, so ist die\nSache für sich ebenfalls nicht ohne pikantes Interesse, und\n«war lür die ganze lange Reihe fahrender Virtuosen in fer-\nnen Regionen. Diese Herren werden durch diesen kaum\nnoch da gewesenen Fall belehrt, dass heutzutage sogar\nschon australische und chilenische Handelsplätze mit der\ndeutschen Presse in directer Verbindung stehen, demnach\nihre in die Heimat berichteten Grossthaten dorthin wieder\nzurückkehren und ein fatales Echo hervorrufen, wie Vor-\nstehendes beweis't. Gibt es unter ihnen so aufgeblasene\nHanswurste, dass sie da, wo man ihre Faxen nicht be-\nwundert, die Ursache nicht in ihrer eigenen Unzulänglich-\nkeit und Musikhudelei suchen, sondern in der Geschmack-\nlosigkeit, Unwissenheit, Rohheit u. s. w. des Publicums,\nwährend anderswo ihre Vergötterung durch unzurech-\nnungsfähiges Gesindel von Halbwilden sie entzückt, so ist\nes Solchen ganz recht, wenn die Policei der Oeffentlichkeit\nauf ihre Aeusserungen aufpasst. Die Presse hat heutzutage\neinen langen Arm*.\n\nAus einem Briefe an Hrn. Ernst Hentschel,\nKönigl. Musik-Director und Seminar-Oberlehrer in Weissenfels.\nMein lieber, theurer Freund und College!\nAuf frischer That muss ich Ihnen schreiben; denn Sie haben ein\nlautschlagendes und warm fühlendes Herz für uns Lehrer überhaupt\nund für edeln Gesang insbesondere.\nWir Lehrer vom Mittelrheine, von der Mosel und Nahe haben\nnämlich ein eben so seltenes als schönes Fest mitgefeiert, und zwar\nin einer Gegend, die man nicht selten mit Achselzucken zu nennen\npflegt, auf dem Hunsrücken, in der Stadt Simmern. Am Mitt-\nwoch und Donnerstag nach dem 5. Sonntag p. Trinitatis, den 15.\nund 16. Juli 1857, fand die dreihundertjährige Reformations-, Jubel-\nund Dank-Feier der vereinigten Synoden Kreuznach, Simmern, So-\nbernheim, Trarbach und Trier zu Simmern Statt. Aus den vereinig-\nten fünf Synoden hatten sich etwa 130 bis 140 Lehrer zur Auffüh-\nrung der Festgesänge dort zusammen gefunden.\nUnser Lehrer-Festsänger-Chor sang bereits bei der Vorfeier am\n15. Juli zum Eingange: a) „Wunderbarer König'*, nach der Rede:\nb) „Ein1 feste Burg ist unser Gott\"; dann bei der Hauptfeier am\n1(5. Juli, am Vormittage in der Stadtkirche: 1) meine eigens zu die-\nSem Zwecke componirte Fest-Cantate*) mit Posaunen (Text von\nA. J. Schöler, evang. Pfarrer in Andernach); 2) die Liturgie, aus\nwelcher das Kyrie9 Gloria (~Allein Gott in der Höh1 sei Ehr'\" im\nZusammenwirken von Gemeinde, Chor, Orgel und Posaunen) 4und\nSanctus besonders hervorzuheben sind, und 3) die Schluss-Liturgie\n„Herr Gott, Dich loben wir\" als Wechselgesang mit der Gemeinde,\ndie mit der Orgel und dem Musikcorps zusammensang. Endlich bei\nder Einweihung des Friedrichshauses auf Schmiedel : a) „Der Herr\nist mein Hirt'4 von B. Klein; b) „Heil dir im Siegerkranz\" (einstim-\nmig mit der \"V olks-Versammlung und dem Musikcorps); c) „Harre,\nmeine Seele''; d) Der fromme Pfälzer Kurfürst (Text von Schöler)\nnach der Melodie „Preisend mit viel schonen Reden\"; e) „Es ist be-\nstimmt in Gottes Rath\" als Abschiedslied.\nDer Schmiedel-Feier wurde leider durch anhaltende Regengüsse\nEintrag gethan ; dennoch harrten Pausende von Landbewohnern aus\nder Umgegend geduldig aus und wurden nicht müde, dem Worte\nund unseren Tönen zu lauschen. Ein bis auf die Haut durchnässter,\nehrlicher hunsrücker Landmann meinte: „So ist's recht!\" nun spricht\nunser lieber Herrgott erst noch den Segen drüber!\" Die lieben\nHerren Lehrer, welche unter den Herren Bungroth in Sobernheim, C.\nHauck in Simmern, Matthiae in rrarbach und Schmidt in Kreuz-\nnach \"Vorstudien gemacht und sich dann meiner Gesammt-Leitung\nanvertraut hatten, haben nicht nur mit grosser Hingebung und Liebe\ndie nöthigen General-Proben, bei einer fast unerträglichen Hitze aus-\ndauernd, abgehalten, sondern auch während der Aufführung beim\nöffentlichen Gottesdienste mit gespannter Aufmerksamkeit jedem mei-\nner Winke gelauscht, ja, mit wahrhaftem Enthusiasmus gesungen\nund dadurch denn auch den einhelligen Ehren-Ausspruch öffent-\nlichei Meinung errungen: „dass der Lehrer Fest-Sängerchor wesent-\nlich zur Hebung der Feier beigetragen habe.\"\nUnd wie lieblich und anregend gestaltete sich auch das gesellige\nBeisammensein sämmtlicher Lehrer! Seminar-Brüder, die sich in\nzwanzig und mehr Jahren nicht mehr gesehen hatten, begegneten\nsich als ehrbare Familienväter wieder und schlugen freudig die\nHände ein. Wie viel Stoff zu anziehender Unterhaltung! Herr Bür-\ngermeister Rottmann aus Simmern trug zum aligemeinen Jubel der\nLehrerwelt seine originellen Gedichte in hunsrücker Mundart mit\nseltener Begabung vor. Das Lehrer-Solo-Quartett aus Neuwied, die\nHerren Dilg, Beck, Müller und Prass erfreuten alle Anwesenden\ndurch ihre von schönen Stimmen getragenen, geschmackvollen Vor-\nträge edler Volkslieder, z. B# „Die drei Röslein\", „In einem kühlen\nGrunde\" u. s. w.\nDas Musikcorps der reitenden Artillerie aus Coblenz, unter Lei-\ntung seines Musikmeisters Herrn Wagner, feuerte durch frische,\nkräftige Rhythmen zu noch lebhafterer geselliger Unterhaltung an,\nund dem sonst ziemlich rauhen Hunsrücken wurden einige von je-\nnen milden, vlieblichen Nächten zu I heil, die man „italienische\" zu\nnennen pflegt. Dazu nun die liebenswürdige Gastfreundschaft der\nHunsrücker in Simmern. Ein Bürger hatte zwanzig Festgenossen in\nseiner Behausung aufgenommen. Die Bewirthung im goldenen Lamm\nbei Herrn Götz war ausgezeichnet. Ueber zweihundert Pfarrer wa-\nren anwesend. Ueber die ab- und zuströmenden Tausende vom Huns-\nrücken und über sämmtliche Festgenossen war ein Festgeist gekom-\n\n*) Erscheint als Op. 55 im Clavier-Auszuge bei F. J. Steiner in\nNeuwied."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "247", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570801-01.1.7", "texte": "inen, der von dem Abend- .und Morgen in Verbindung mit\nden vom Thurme geblasenen Fest-Chorälen „Ein1 feste Burg\"\n„Lobe den Herrn\" „Nun danket alle Gott\" fort und fort genährt\nwurde. Ueberall Einigkeit, Brudersinn und Sangeslust Gottes\nSonne und der blaue Himmel über uns!\nEs war fast zu viel des Schönen, und uns Lehrern mochte wohl\nbangen bei unserem Scheidegrusse vor dem Druck des Alleinstehens\nnach so köstlichen, in schöner Harmonie verlebten Tagen. Doch\nwir blickten voll Zuversicht ip die dunkele Zukunft. Ja, wohl dun-\nkele Zukunft! denn schon nach wenigen Tagen lag die freundliche\nMoselstadt Trarbach in Asche, wo unser lieber Sangesbruder,\nCantor und Organist Matthiae, der noch mit Weib und Kind\nfröhlich und wohlgemuth auf dem Feste in Simmern war, auch mit\nabgebrannt ist*).\nWir hoffen, so Qott will, uns schon im nächsten Jahre in Sim-\nmern wieder zu sehen, wo wir unser erstes Lehrer-Gesangfest\nfür den Rhein, die Mosel und Nahe auf dem Hunsrücken, als dem\nMittelpunkte, zu feiern gedenken. Der Herr wolle seinen Segen dazu\ngeben, dass wir Lehrer uns an edlem, geistlichem und auch am\nVolksgesange schon im nächsten Jahre wieder erquicken können;\nEr möge uns zum Wollen das Vollbringen schenken.\nIn herzlicher Liebe empfiehlt sich Ihnen hochachtungsvoll Ihr\nGustav Flügel.\nNeuwied, den 20. Juli 1857.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nI4öln. 31. Juli. Jakob Rosenhain aus Paris und Professor\nL. W. Dehn, Custos der königlichen Bibliothek zu Berlin, haben\nKöln in diesen Tagen besucht. Dehn kam von München über Augs-\nburg und Mainz; in Augsburg hat er im dortigen Archiv die\nhistorisch wichtige Entdeckung gemacht, dass der Notendruck\nmit beweglichen Typen nicht, wie man bis jetzt annahm, von\nOttavio Petrucci (im Anfange des sechszehnten Jahrhunderts)\nherrühre, sondern eine ältere und zwar eine deutsche Erfindung\nsei. Wir werden darüber von Augsburg aus Näheres hören.\nHof-Capellmeister Dr. Marschner und Gattin sind von London\nüber Paris gestern hier angekommen und werden einige Zeit bei\nBrühl auf der Villa einer befreundeten Familie zubringen.\nDer kölner Männergesang-Verein gibt heute Abends ein\nConcert im Hotel Belle-Vue zu Peutz zum Besten der Abgebrannten\nan der Mosel.\ni\nNach einer Notiz im Schlesinger'sehen Echo ist Holle s Druck\nder C. M. v. Weber'sehen Clavier-Compositionen von der königl.\nPolicei-Behörde, wie in Sachsen, so auch in Berlin, mit Beschlag\nbelegt worden.\niffftiliz« Die Sängerin Frau E iserieh-Leonoff hat hier be-\nreits einige Mal gastirt und ungemein gefallen. Früher schon ein\nGlied unserer Bühne, hat ihr Auftreten das Haus vollständig gefüllt.\nIhre Stimme hat seitdem nichts weniger als abgenommen, im Gegen-\ntheil fanden wir sie klingender, Irischer, sehr kräftig und die Colo-\nratur, wie immer, perlend und makellos. Die Martha, eine Glanzrolle\ndemselben von je her, brachte ihr einen Sturm von Beifall, mehr-\nmaligen Her vorruf und Blumenspsn<jLen.\nW iesbac}eil. Was unsere Bühne anlangt, die in der Saison\nso ziemlich als Cur-Institut betrachtet wird, so haben wir auf der-\nselben yor Kurzem das Gastspiel des berühmten Tenoristen Andej\ngehabt und bewundern gegenwärtig M,ad. de Fortnni\naus Madrid. Die Stimme dieser ausgezeichneten Sängerin ist nicht\nsehr gross, aber sie ist eine Gesangeskünstlerin und eine Darstelle-\nrin, wie man sie nur selten wieder finden dürfte. Vornehmlich ist es\ndie Oper, die selbstverständlich im Sommer das Repertoire füllen\nmuss, und in dieser Hinsicht gebührt unserem trefflichen Capellmei-\nster Hagen, der nun schon seit Jahren, trotz mancher kleinlichen\nDilettanten-Scandale, unsere Oper in jeder Beziehung tüchtig leitet,\nalle Anerkennung.\nAuf das Gesuch der Vorstände des Cäcilien- und des Männerge-\nsang-Vereins an den Gemeinderath dahier, das im Jahre 1858 zu\nWiesbaden Statt findende dritte mittelrheinische Musikfest betreffend,\nwurde denselben, in Gemässheit Sitzungs-Beschlusses vom 8. Juli\neröffnet, dass der Gemeinderath bereit ist, das Fest nach Kräften zu\nunterstützen und zu den Berathungen über die Maassregeln zur\nDurchführung des Festes vier Mitglieder aus seiner Mitte, nämlich\ndie Herren Bürgermeister Fischer und Vorsteher W. Habel, Rohr\nund Nathan, abzuordnen.\nSchwerin* Unter den 110 in letzter Saison aufgeführten\nStücken waren 16 Novitäten oder doch auf dem hiesigen Hoftheater\nzum ersten Male gegebene Stücke; zwei neue Opern: Der Schmied\nvon Gretna-Green von A. Ellmenreich und Johann Albrecht von E.\nHobein und F. v. Flotow; endlich ein Ballet: Die Libelle von F. M.\nund F. v. Flotow. Was hätten wir für eine Neuigkeit in der Oper\nentschieden zu wünschen gehabt, wofür uns 11 Abende von C. M\nv. Weber, 5 von Mozart, 3 (theilweise) von Mendelssohn-Bartholdy,\n2 von Beethoven, 1 von Cherubini nicht überreichliche Entschädi-\ngung böten?! Unter den 45 Opern-Aufführungen waren 18 Wieder-\nholungen. Der eben so glänzend scenirte als in jeder Beziehung\ntrefflich ausgeführte Weber sche Oberon wurde vier Mal wiederholt,\nzwei Mal Figaro's Hochzeit und Robsrt cUtf Teufel, ein Mal Fidelio,\nDie Stumme von Portici, Euryanthe, Der Freischütz, Der Liebes-\ntrank, Tannhäuser, Die Hugenotten, Don Juan und, wie schon er-\nwähnt, Der Schmied von Gretna-Green und Johann Albrecht. Das\nFinale des ersten Actes von Mendelssohn-Bartholdy's Loreley wurde\nausserdem drei Mal ausgeführt. (D. Th.-Z.)\na. ti. i AiNtß'iii. Ende August findet hier ein\nGesangfest Statt. Der Sängerbund an der Saale veranstaltet alle zwei\nJahre ein grösseres, mehrtägiges Gesangfest. In Zeitz ward am\n15. Juli in der Sclilosskirche Schneider s Oratorium ~Das Weltge-*\nrieht\" unter Leitung des Stadt-Cantors Nelle aufgeführt; 400 Sän-\nger und Musiker wirkten mit, die Solo-Partieen hatten Künstler aus\nLeipzig, Berlin und Weimar übernommen. Camburg denkt gleich-\nfalls an ein grösseres Gesangfest.\nHatfteii-JSadeti. Da die Saison jetzt in höchster Blüthe und\ndas fashionabelste Bad Deutschlands der Sammelplatz der elegan-\ntesten Welt geworden ist, so sind von allen Seiten die Künstler her-\nbeigeströmt. Die zweiactige Operette ~/>e ccusin de Mariveaux\" von\nwird von Faure, Ste. Foy, Mlle. Lefebre mit Beifall gegeben\nund ist von der Opera comique in Paris für den Winter auf das Rew\npertoire gesetzt. Der kleine Clavier-Virtuose Eugene Leuchten-\nberg aus Berlin, ein talentvoller Schüler von Th. Kullak, erfreute\n%\n\n*) Die Expedition der Kölnischen Zeitung nimmt Beiträge für die\nAbgebrannten in Trarbach, Berncastel und Zell an.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "248", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570801-01.1.8", "texte": "sich der Protection I. K. H. der Prinzessin von Preussen; sein Con-\ncert war sehr besucht, das Billet a 10 Frcs. Sein Vortrag der von\nLiszt mit Fingersatz versehenen berühmten J. S. Bach'schen Fuge\nin A-moll, der beiden reizenden Kullak'schen Salonstücke La Psyche\nund „Waldvöglein\" und des C. M. von Weber'schen Ronclo brillant\nfanden den lebhaftesten Beifall. Hector Berlioz ist mit Sivori,\nServais, Mad. Widmann, Cossmann eingetroffen, um ein grosses Mu-\nsikfest mit Unterstützung von Mitgliedern und dem Chor des karls-\nruher Hoftheaters zu veranstalten.\nDresden» (Zur Be r icht i gu ng.) Mehrere Zeitungen berich-\nten, dass ich die Original-Handschrift einer Messe meines Vaters\nC. M. von Weber dem Papste und dem Kaiser von Russland ange-\nboten hätte. Diese Nachricht ist aus der Luft gegriffen. Ich habe\nweder eine Messe, noch sonst irgend ein Manuscript meines Vaters\neinem Souverain in irgend einer Form angetragen. Die Partituren\nder drei Opern Euryanthe, Freischütz und Oberon sind zum gröss-\nten Theil durch meine verstorbene Mutter und in Folge letztwilliger\nVerfügung, mit dem Gesuche: diese Partituren Bibliotheken einzu-\nverleiben, Ihren Majestäten den Königen von Sachsen und von Preus-\nsen und dem Kaiser von Russland überreicht worden.\nDresden, den 19. Juli 1857.\nM. M. Frhr. von Weber.\nIn Donizetti's Oper „Die Favoritin\" ärntete Herr\nRoger als Fernando aufs Neue kolossalen Beifall, der sich zuletzt\nsogar in herumflatternden Gedichten manifestirte. Und wahrlich, der\nberühmte Sänger hat zu seinen herrlichsten Leistungen eine neue,\nherrliche hinzugefügt, die uns abermals Bewunderung abdringt. Wir\nreden nicht bloss von der über Alles ausgezeichneten gesanglichen\nDurchführung des Fernando, wobei wir abermals das seltene Talent\nhervorzuheben haben, das innigste Gefühl, den grellsten Schmerz,\ndie höchste Freude, leidvollste Entsagung durch Töne ausgedrückt\nzu hören; wir betonen nicht minder das echt dramatische, von voll-\nstem Leben durchdrungene, wahre Spiel des Künstlers, das fast\nunerreichbar da stehen dürfte. Die Duette mit Leonore in Act 11.\nund IV., die grosse Scene vor dem König und vieles Andere werden\nuns unvergesslich bleiben. Fräul. Hartmann sang die Leonore,\neinige falsche Einsätze abgerechnet, wirklich verdienstvoll, ja, sie\nerreichte auch im Spiel, vorzüglich im vierten Acte, eine tragische\nHöhe, mit welcher der Gesang auf das edelste harmonirte. In der\nThat, Fräul. Hartmann macht ihren Weg schnell! Der Beifall für\ndie Sängerin äusserte sich auf das allerlebhafteste, auch in verschie-\ndenen Hervorrufen. Einen Edgar, wie ihn uns am Freitag Herr\nRoger sang und spielte, dürften wir so leicht nicht wieder sehen\nund hören; in dieser Leistung vereint sich denn doch Alles zu dem\nschönsten harmonischen Ganzen, das sich irgend denken lässt. Das\ngefüllte Haus ehrte den Gast in ausgedehntester Weise durch Applaus\nund unzählige Hervorrufe. Die Lueia sang Fräul. N. Frassini\n(Eschborn); obwohl die Stimme sichtlich fatiguirt war, erwies sich\ndoch die Gastin als eine treffliche Sängerin. Die Schule ist vortreff-\nlich und entzückt durch Correctheit und Reinheit des Stils, der Ton\nist weich und melodisch, wo es erforderlich, energisch ; insonderheit\nmuthet uns das Piano, das Anschwellenlassen der Stimme, das Ge-\ntragene ungemein an; kurz, wir stehen einer Sängerin gegenüber,\nderen von auswärts gekommener grosser Ruf vollständig gerechtfer-\ntigt wurde. Dass sie ihren Part auch dramatisch bewältigt, bewies\nsie hinlänglich in der Wahnsinns-Scene, die sie auf das beste wie-\ndergab. Trotz des berühmten Gastes neben sich ward Fräul. Frassini\ndoch mit grossem Beifall und öfterem Hervorruf des Publicums ge-\nehrt. Herr Capellmeister Lachner leitete die Oper mit gewohnter\nUmsicht. Dem Vernehmen nach ist Herr Karl Hartmann,\nBruder der Sängerin, der neulich als Stradella auftrat, engagirt\nworden.\nHerr H. Hammer, der durch sein Violinspiel im letz-\nten Winter so viel Effect gemacht hat, spielte neulich bei einem\nKirchen-Concerte F. Sehubert's „Lob der Thränen\" für Violine und\nOrgel eingerichtet, mit ausserordentlichem Erfolg."}]}