{"numero_id": "bm-bmtnabi-1857-08-08-01", "volume": "bmtnabi_1857-08-08_01", "ocr_sha256": "9aef066f32bf05616a1260b11abfadeffa9cdbbae4cb003e53bcd8a5f7c5bc6d", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1857/08/08_01/bmtnabi_1857-08-08_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570808-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1857-08-08-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-08-08_01#c001", "volume": "bmtnabi_1857-08-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "249", "page_fin": "249", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570808-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "249", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570808-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 460, "texte": "Inhalt.\nFr. Zamminer's Musik und die Instrumente. (Schluss.) Tomascbek's Londoner Briefe\n(H. Marschner und Gattin — Die beiden italiänischen Opern). Von C. A. — Die Orgel von Ad. Ibach Söhne in der Basilica zu Trier.\nVon L. B. — Tages- und Unterhaltungsblatt (Trier, Orgel-Concert von J. A. van Eyken — Ausgiebigkeit der Tantieme — Lü-\nneburg, Aufführung des Alexanderfestes — Wien, Rudolf Willmers — Prof. B. Scholz — Paris, der Tenorist Renard Buenos Ayres)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-08-08-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-08-08_01#c002", "volume": "bmtnabi_1857-08-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "249", "page_fin": "251", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570808-01.2.2", "titre_corps": "Die Musik und die musicalischen Instrumente.", "titre_sommaire": "Die Musik und die musicalischen Instrumente.", "signature_source": "Friedrich Zamminer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "249", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570808-01.1.1", "debut_caractere": 462, "fin_caractere_exclue": 3995, "texte": "Die Musik und die musicalischen Instrumente.\nVon Friedrich Zamminer.\n(Schluss. S. Nr. 29.)\nDer Abschnitt „über die menschliche Stimme und das\nGehör\" enthält eine kurze historische Einleitung über die\nGesangeskunst, die sehr oberflächlich gehalten ist. Es mag\njedoch die darin angeführte Stelle aus Angellini Buontem-\npi's Geschichte der Musik zum Vorbild oder Schreckbild\nfür heutige Gesangschüler hier stehen:\n„Die Schüler der römischen Gesangschule waren ver-\nbunden, sich täglich eine Stunde in schweren Intonationen\nzu üben, um Leichtigkeit in der Auslührung zu erlangen;\neine andere Stunde wandten sie zur Uebung des Trillers\nan, eine weitere zu schnellen Passagen, eine andere zur\nErlernung der Literatur und noch eine weitere zur Bildung\ndes Geschmacks und Ausdrucks, Alles in Gegenwart des\nMeisters, der sie anhielt, vor einem Spiegel zu singen, um\njede Art von Grimasse oder unschicklicher Bewegung der\nMuskeln, entweder im Runzeln der Stirn oder Blinzeln\nder Augenlider oder im Verzerren des Mundes zu ver-\nmeiden. Alles dies war nur die Beschäftigung des Morgens.\nNachmittags wandten sie eine halbe Stunde auf die Theorie\ndes Schalles, eine andere auf den einfachen Contrapunkt,\neine Stunde auf die Erlernung der Regeln, welche ihnen\nder Meister über Composilion gab, und auf die Ausübung\nderselben auf dem Papier, eine andere auf die Literatur\nund die übrige Zeit des Tages auf das Clavierspielen, auf\ndie Verfertigung eines Psalmes, einer Motette oder irgend\neiner anderen Arbeit, die dem Genie des Schülers gemäss\nwar. Dies waren die gewöhnlichen Uebungen an den Ta-\ngen, wo es den Schülern nicht gestattet war, die Schule\nzu verlassen. Wenn sie hingegen Erlaubniss hatten, aus-\nzugehen, gingen sie oft vor die Porta angelka, unweit des\nBerges Marius, um gegen das Echo zu singen und an den\nAntworten ihre eigenen Fehler kennen zu lernen. Zur an-\nderen Zeit wurden sie entweder in den Kirchen zu Rom\nzum Singen bei öffentlichen Aufführungen gebraucht, oder\nsie gingen wenigstens dahin, um die vielen Meister zu hö-\nren, welche unter der päpstlichen Regierung (1624\n1644) blühten, und dann zu Hause nach diesen Mustern\nzu arbeiten.\"\nNach der Einleitung folgt eine deutliche, durch Abbil-\ndungen veranschaulichte Beschreibung des unscheinbaren\nund um so bewundernswertheren Organs, welchem die\nI\nzauberischen Wirkungen des Gesanges entstammen, der\nLuftröhre, des Kehlkopfes, der Stimmbänder, der Stimm-\nritze u. s. w.\nUeber das eigentlich Tongebende in der menschlichen\nKehle, über das, was den Ton erzeugt, tritt der Verfasser\nder Ansicht von Johannes Müller und W. Weber entschie-\nden bei. Man hat bekanntlich lange Zeit hindurch den\nSchwingungen der Stimmbänder die Erzeugung des Tones\nzugeschrieben, und dass dieselben eine unumgängliche Be-\ndingung zur Entstehung des Tones sind, ist bewiesen. Denn\nwenn bei einem lebenden Individuum die Luftröhre unter-\nhalb des Kehlkopfes angebohrt ist, so dass die ausgeath-\nmete Luft hier schon einen Ausweg findet und nur in ge-\nringer Menge durch die Stimmritze geht, so ist die Stimme\nlautlos geworden. Man hat ferner beobachtet, dass belie-\nbige höher gelegene Theile der Mundhöhle, der Kehldeckel,\nder Kehlkopf bis unmittelbar zu den Stimmbändern zer-\nstört sein können, ohne dass dadurch die Stimme vernich-\ntet wird ; aber eine geringe krankhafte Affection der Stimm-\nbänder wirkt auf der Stelle nachtheilig auf den Ton und\ndrückt ihn bis zum Unhörbaren herab.\nDa man die Gesetze der Saitenschwingungen kannte,\nso entwickelte sich daraus die Ansicht, dass die elastischen"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "250", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570808-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4878, "texte": "Fasern der Stimmbänder als Saiten schwängen und die\nWände des Kehlkopfes, der Luftröhre und der Mundhöhle\ndie Resonanz dazu gäben.\nAls man später mit den Gesetzen der Bewegung der\nLuft in den Flötenpfeifen vertraut geworden, sah man\ndie Luftsäule oberhalb des Kehlkopfes als das\nTönende beim Gesänge des Menschen an, und Stimmbän-\nder und Stimmritze verloren ihre Bedeutung.\nNun kam Joh. Müller und ging von der sehr einleuch-\ntenden Ansicht aus, es sei zweckmässig, die physicalischen\nGesetze der menschlichen Stimme an dem natürlichen\nKehlkopfe selbst aufzusuchen, da kein anderer Apparat\nden wahren Sachverhalt mit gleicher Treue wiedergeben\nkönne. Für einen Anatomen war es nicht allzu schwierig,\nnach gehöriger Befestigung der Grundlage des Kehlkopfes,\ndurch gespannte Schnüre und Gewichte oder durch\nfedernde Klemmen die Wirkung der Muskeln nachzuahmen.\nDurch ein Rohr, welches an ein stehen gebliebenes Stück\nder Luftröhre befestigt war, wurde der Kehlkopf angebla-\nsen, entweder noch mit der ganzen Mund- und Nasenhöhle\nin Verbindung, oder isolirt bis unmittelbar an die Stimm-\nbänder u. s. w.\nDie angestellten Versuche bewiesen unwiderleglich,\ndass die Stimmbänder nicht wie Saiten schwingen. Ohne-\nhin ist weder von den kleinen Stimmbändern, noch von\nden mit weichen Häuten ausgekleideten Wänden der Kopf-\nhöhlungen eine solche Klangfülle zu erwarten, wie sie die\nmenschliche Stimme darbietet.\nDass aber zweitens die in diesen Höhlungen über\nder Stimmritze überstehende Luft nicht wie in Flöten-\npfeifen der Orgel schwingt und auf diese Weise den Ton\nerzeugt, ergibt sich auf das einfachste daraus, dass man\nan dem todten Kehlkopfe jene Höhlungen, also den ganzen\nKopf wegschneiden kann, ohne an dem Umfange der\nmenschlichen Stimme zu verlieren, und dass die Weite der\nStimmritze unter sonst gleichen Umständen auf die Ton-\nhöhe von keinem Einflüsse ist. Auch eines Anblaserohrs\nvon der Länge der Luftröhre bedarf es nicht. Wohl aber\nwirken die genannten Räume einestheils als Resonanzmittel\nzur Verstärkung der Stimme, und tragen anderentheils we-\nsentlich bei, derselben ihre eigentümliche Klangfarbe zu\nertheilen. Die Mannigfaltigkeit des Klanges der mensch-\nlichen Stimme ist unbegränat, ja, man könnte behaupten,\njedes Individuum habe seine eigentümliche Klangfarbe.\nDie auffallenden Veränderungen, welche mit derselben vor-\ngehen, wenn die Stimmbänder oder die Schleimhäute der\nRachenhöhle auch nur im Geringsten katarrhalisch affi-\ncirt sind, beweisen, wie sehr alle diese Theile von Ein-\nfluss sind.\nIm höheren Alter nimmt die Elasticität der Stimm-\nbänder ab, die knorpeligen und weicheren Theile des\nKehlkopfes und des Schlundes werden knöchern und hart,\nund nicht selten gesellt sich noch krankhafte Absonderung\nder Schleimhäute dazu; in Folge aller dieser Umstände\nvermindert sich der sonore Klang der Stimme, sie wird\nschwach und heiser.\nEs kann nach den angeführten Versuchen kein Zweifel\ndarüber sein, dass das menschliche Stimm-Organ, als mu-\nsicalisches Instrument betrachtet, in die Reihe der Zungen-\npfeifen zu setzen ist. Nicht die Schwingungen der Stimm-\nbänder, auch nicht die der überstehenden Luft, geben den\nschönen Ton der menschlichen Stimme, sondern dieser\nrührt von den Stössen der durch die Luftröhre\nströmenden, auf die oberhalb des Kehlkopfes\nbefindliche Luft her, und die Schwingungen der\nStimmbänder haben nur die Bedeutung, dass sie durch ab-\nwechselnde Erweiterung und Verengerung der Stimmritze\nden stetig aus der Lunge sich ergiessenden Strom perio-\ndisch anschwellen und abnehmen lassen.\nBei stärkerem Blasen biegen sich die elastischen Häute\noder auch die Stimmbänder am Kehlkopfe selbst auswärts,\nund indem sie eine erhöhte Spannung annehmen, geht der\nTon merklich in die Höhe. Es steht damit in innigem Zu-\nsammenhang, dass die tiefsten Töne der menschlichen\nStimme nur verhältnissmässig leise, die höchsten nur laut\nangegeben werden können; ferner, dass es für einen Sän-\nger besonderer Uebung bedarf, einen Ton anschwellen zu\nlassen, ohne dass er in seiner Höhe schwanke. Es müssen\ndie Muskeln des Kehlkopfes in grösster Stetigkeit genau\nso viel an der Spannung nachlassen, als dieser durch den\nimmer stärker wirkenden Luftstrom zugesetzt wird. Aber\ngerade dadurch, dass diese Umstände dem Wil-\nlen unterworfen sind, welcher in den Muskeln stets\ngehorsame und pünktliche Diener findet, nimmt das Stimm-\nOrgan eine so hohe Stellung den musicalischen Instrumen-\nten gegenüber ein.\nNach der Natur der Stimmbänder und der besonderen\nArt ihrer Elasticität, welche durch Versuche erforscht ist,\nerfordern die höheren Stimmlagen eine grössere Anstren-\ngung der Muskeln, und es erklärt sich hieraus, warum die\nSänger bei der Ausführung hoher Partieen so leicht sinken.\nBei tieferen Tönen ist die Stimmritze weiter geöffnet\nals bei hohen, und auch der Luftverbrauch trotz der ge-\nringeren Spannung beträchtlicher. Da jeder Mensch bei"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "251", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570808-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2103, "texte": "tiefstem und kräftigstem Einathmen es nur zu einem gewis-\nsen Maximum verwendbarer Luftmenge bringt, so kann\nein tiefer Ton niemals so lange ausgehalten werden, als ein\nhoher. Auch gelingt es nach Garcia's Urlheil niemals,\ndieselbe Note in der Fistelstimme so lange auszuhalten,\nals dies in der Bruststimme möglich ist. Bei der ersteren\nist die Stimmritze weiter geöffnet, als bei der letzteren.\nBeobachtungen am todten, wie am künstlich nachge-\nbildeten Kehlkopfe haben es höchst wahrscheinlich gemacht,\ndass die Verschiedenheit der beiden eben genannten Re-\ngister der menschlichen Stimme hauptsächlich durch die\nungleiche Betheiligung der Stimmbänder bedingt werde.\nBei der Bruststimme schwingen die Stimmbänder nach\nihrer ganzen Breite, die Stimmritze ist enge gestellt, und\ndie grössere Anspannung der Muskeln, verbunden mit dem\nAusathmen stark gespannter Luft, bedingt jenen kräftigen\nTon, dessen Resonanz die Wände der Brust erzittern macht.\nBei der Fistel- oder Falsettstimme dagegen legen\nsich Muskeln der Art auf die Stimmbänder, dass nur die\nder Stimmritze zunächst liegenden zarten Ränder zu\nschwingen vermögen, und die Luft streicht in sanfterem\nStrome durch die weiter geöffnete Stimmritze.\nDie Gabe des vollendeten Runstgesanges ist eine so\nherrliche, dass es sich der Mühe verlohnte, zu erforschen,\nin wie weit dieselbe durch Uebung erworben oder durch\nden eigenthümlichen Bau des Kehlkopfes bedingt sein möge.\nAllein die Wissenschaft wird als Antwort nicht leicht etwas\nAnderes als Vermuthungen ziemlich allgemeiner Art geben\nkönnen. Erhöhte Elasticität der Stimmbänder und Schnell-\nkraft aller Muskeln, welche zur Stimmbildung mitwirken,\nsehr ebenmässige elastische Beschaffenheit der Wände al-\nler resonanzgebenden Räume, die ungestörte Gesundheit\nder sie bekleidenden Schleimhäute mögen von günstigem\nEinflüsse sein. Unendlich viel kann auch durch eine fleissige\nGymnastik jener Muskeln geschehen, wenn es dem Stimm-\nOrgane an einem mächtigen Alliirten nicht fehlt, ohne wel-\nchen es niemals das angestrebte Ziel der Virtuosität errei-\nchen wird, an einem feinen musicalischen Gehör."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-08-08-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-08-08_01#c003", "volume": "bmtnabi_1857-08-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "251", "page_fin": "252", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570808-01.2.3", "titre_corps": "Tomaschek’s Es-dur-Messe.", "titre_sommaire": "Tomaschek’s Es-dur-Messe.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "251", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570808-01.1.3", "debut_caractere": 2105, "fin_caractere_exclue": 5076, "texte": "Tomaschek’s Es-dur-Messe.\nDie wiener „Monatschrift lür Theater und Musik\"\nspricht sich in ihrem letzten Berichte über die Kirchen-\nmusik zu Wien (Juli-Heft) folgender Maassen über die oben\ngenannte Messe aus, was wir zur Verbreitung des aller-\ndings vorzüglichen Werkes, das am Rheine und in Nord-\ndeutschland noch wenig bekannt ist, gern mittheilen.\n„In demselben Maasse, als unsere Feder schon ott\ngenug nur leider bis jetzt noch nicht mit dem gewünsch-\nten, vollständig sieghaften Erfolge jener Sinnes-Engher-\nzigkeit und philisterhaften Bequemlichkeit nahe getreten ist,\ndie in der Zusammenstellung unseres kirchlich-musicali-\nsehen Repertoires hier vorherrschend geworden: in dem-\nselben Maasseist es uns ein willkommener künstlerischer\nPllicht-Act, jede auf diesem Gebiete sich äussernde Fort-\nschritts-Regung in unserer „ Monatschriftdiesem Ge-\ndenkbuche aller ruhmwürdigen Thaten sowohl, wie aller\nHaupt- und Unterlassungs-Sünden unserer artistischen\nTonangeber und helfenden Glieder, mit aller Wärme des\nNachdrucks zu verzeichnen. Schon mehr denn ein Mal ist\nuns der Karls-Kirchenchor als einer der feurigsten Träger\ndieser Fortschritts-Fahne entgegen getreten. In diesem\nMonate begegnen wir ihm bereits zum zweiten Male auf\nso ruhmvoller, wenngleich dornenbesäeter Fährte. Es freut\nuns jene Energie, mit welcher Herr Rupprecht seinen\nKünstlerberuf erfasst und ihn weit über die Niederungen\ndes handwerklichen Schlendrians empor zu schwingen ver-\nsteht. Eine neue That seines herrlichen Strebens liegt vor\nuns und spricht durch sich selbst ihr lautes Lob. Toma-\nschek's Es-dur-Messe(Op. 46), Vorjahren in einer lange\nschon zu Grabe gegangenen prager Musicalienhandlung im\nStich erschienen, hat uns Wienern erst ein einziges Mal\nvon ihrem künstlerischen Dasein Zeugniss gegeben. Man\n|f\ngab, soweit wir unterrichtet sind, dieses Werk zerstückelt\nund an nicht ganz passender Stelle, nämlich im Concert-\nsaale. Seitdem hat man dieses Meisterstück religiöser Ton-\nPoesie unter allerhand nichtigen Vorwänden in die Rüst-\nkammer geworfen. Unseren Haydn-Mozartisirenden musi-\ncalischen Genüsslingen wollte so ernste Kost nicht munden.\nMan schalt sie unpopulär, schwer ausführbar, gab aber da-\nfür so manchem auf heimischem Boden gekeimten tonlichen\nMissgewächse den Vorzug, ohne zu bedenken, dass der\nüber Tomaschek's Kirchenmusik verhängte Tadel die\nSchoosskinder unserer Chorregenten nicht minder treffe,\ndoch von den Lichtseiten dieser grossartigen Hymne keine\nSpur enthalte. Erst Herr Rupprecht bewies den ehrenhaf-\nten Muth, gegen den Bequemlichkeits-Sinn seiner Collegen\nauch in dieser Rücksicht Front zu machen. Er zog die\nstauberdrückte Tonperle am Pfingstsonntage wieder an das\nLicht. Für dieses edle Ansinnen und Vollbringen sei ihm\ndas herzlichste Dankeslob aller Unbefangenen gebracht.\nMöge uns ein kurzer Rück- und Umblick auf das Toma-\nschek'sche Meister-Opus, theils ob seiner historischen, theils\nob seiner ideellen Neuheit, theils aber auch im Interesse"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "252", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570808-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4902, "texte": "des tiefen und kernhaften Gehaltes, den es birgt, zugleich\naber auch die Mahnung an alle hiesigen Kunstgenossen des\nHerrn Rupprecht vergönnt werden, den hier in einem\nkaum verantwortlichen Grade unterschätzten Autor ge-\nnannter Messe von nun an eifriger und würdiger zu pflegen.\n„Fragt man nach dem eigentlichen Lebensnerv der To-\nmaschek'schen Es-dur-Masse, also nach dem Grund-Merk-\nmale, wodurch sich dieses Werk von vielen seines Gleichen\nunterscheidet, so suche man jenes geistig befruchtende\nWesen nicht allein in demjenigen Elemente, das man blü-\nhenden Gedanken-Reichthum nennt. So sehr auch diese\nKraft in unserem Werke leben mag, so hat dessen ungeach-\ntet Meister Tomaschek eine solche mit vielen seines Glei-\nchen nicht nur gemein, sondern ist hierin von eben so vie-\nlen Grossen des Tonreiches sogar weit überboten worden,\ndenen er wohl alsein geistig ebenbürtiger Tondenker, doch\nkeineswegs als eine schaffende Künstlergrösse ersten Ran-\nges zur Seite steht. Eben so wenig liegt dieses unseres To-\nmaschek kirchliches Tonwerk streng abmarkende und hoch\nüber vieles Vergangene und Gegenwärtige derselben Gat-\ntung schwingende Wesen • in einem aüssergewöhnlichen\nReichthume an meisterhafter thematischer Arbeit. So Wun-\nderherrliches dieses religiöse Tongemälde auch in dem eben\nbezeichneten Anbetracht einschliessen möge, so muss doch\noflfen bekannt werden, däss die hier entfaltete, allerdings\nhohe und in jedem Zuge ausgeprägte Meisterschaft die\nMarken des bereits Dagewesenen nicht überbietet. Auch in\nHinsicht auf Stimmungs- und Ausdrucks-Wahrheit zählt\nTomaschek's religiöses Tongedicht der gleich- und selbst\nhöher gestellten Schwestern nicht wenige. Allein derjenige\nPunkt, worin dieses verklärten Altmeisters Opus unter sei-\nnen Zeitgenossen, Vorgängern und Epigonen keinen Ne-\nbenbuhler zu scheuen hat, nennt sich —kurz gesagt das\nhier mit Allgewalt schon sflbstständig hindurchbrechende\nund an einzelnen Stellen sogar ganz unverhohlen geofien-\nbarte religiös-dramatische, tönendeAusdrucks-\nEl ement, Man fasse wohl die Tragweite dieser vier letz-\nten Worte und sondere gleich von vorn herein auf das\nstrengste den im Allgemeinen aus kirchlicher Stätte zu\nbannenden theatralischen Tonsatz. vom dramati-\nschen. Dort wuchert das Unkraut des absolut Würdelo-\nsen, über welches die Kritik, gleichviel, wo sie derartige\nauszujätende Gewächse findet, das rücksichtslose\nauszusprechen vollberechtigt ist. Hier aber, auf dem Coden\ndes zuerst durch S. Bach urbar gemachten, späterhin durch\nVogler, Cherubini, Beethoven und Mendelssohn zur höch-\nsten Blüthen-Ueppigkeit entfalteten dramatisch religiösen\nTonstils handelt es sich nicht etwa um das leidige Blend-\nwerk von Tonmalereien» wohlgelälligem Klingklang, Instru-\nmental-Lärm u. dgl. m., sondern um das musicalich klar\nund treu verlebendigte Wachrufen sowohl der durch den\nheiligen Text geschilderten Seelenstimmung, als auch um\ndas tönend so wahr wie möglich erneuerte, gleichsam\nsymbolische Abspiegeln derjenigen Vorstellungen, welche\ndas mit untrüglicher Zunge redende Wort der Bibel und\nKirche in jedes gläubige Christenherz geprägt hat. Diese\nAufgabe ist es nun, welche Tomaschek in seiner Es-dur-\nMesse als ein Meister erster Art, ja, als ein solcher gelös't,\nder seinen hehren, sonst nicht erreichten Vorkämpfer Bach\nan melodischer Eingänglichkeit, seine Collegen Vogler und\nCherubini an wahrhaft kirchlicher Ausdruckswürde, den\nmächtigen musicalischen Propheten Beethoven an themati-\nscher Logik, die geistvollen, aber der religiösen Beschau-\nlichkeit fast ganz fern stejienden musicalischen Epicuräer\nHaydn und Mozart endlich an männlichem Ernste und über-\nzeugungsvollem Glauben weit überboten hat. Es dürfte\ndiesfalls etwa bloss Mendelssohn, der musicalisch tief er-\ngreifende Psalmodiker und Oratoriensänger, unserem To-\nmaschek in Hinsicht auf das Vermögen idealer Ausgestal-\ntung des so glühend Erstrebten den Vorrang abgelaufen\nhaben. Tomaschek betet in seiner Es-dur-Messe mit bald\nzart-inniger, mild-gläubiger, bald mit männlich fester, un-\nerschütterlicher Zunge. Doch das Wie seiner Bitte passt\nimmer haarscharf zur wörtlichen Grundlage. Man lebt sich\ndurch seine Töne mit innerster Notwendigkeit in die\nGrundstimmung der heiligen Worte und ihrer einzelnen\nSituations-Schilderungen ein. Man begrüsse also Toma-\nschek's Messe als ein Musterbild von echt dramatischer\nCharakteristik und erfreue sich nebenbei auch an allen rein\nmusicalischen Glanzseiten, deren sie voll ist und wovon je-\ndem Emplänglichen die inhaltreiche Partitur lebendigste\nZeugenschaft ablegen möge. Ueber die Mache sagen wir\nnach Vorausgegangenem nichts mehr, als dass sie jene\neines vollgültigen Meisters. Dinge solcher Art lassen sich\nbesser lesen als erzählen. Man höre und lese also selbst.\nAber man blicke ja zuerst auf die reiche Psyche dieses\nTonwerkes; aus dieser Betrachtung werden gewiss die se-\ngensreichsten Früchte hervorspriessen.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-08-08-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-08-08_01#c004", "volume": "bmtnabi_1857-08-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "252", "page_fin": "254", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570808-01.2.4", "titre_corps": "Londoner Briefe.", "titre_sommaire": "Londoner Briefe.", "signature_source": "C. A", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "252", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570808-01.1.4", "debut_caractere": 4904, "fin_caractere_exclue": 5050, "texte": "Londoner Briefe.\n\nDen 28. Juli 1857.\nIch bin ein wenig in Rückstand mit meinen Berichten\nüber die diesjährige Season; allein Sie kennen ja das mü-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "253", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570808-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5057, "texte": "sicalische London, Sie wissen, wie sich hier meist Alles in\ndemselben Kreise und in dem alten Geleise Jahr aus, Jahr\nein herumdreht. Das Gute stand auch dieses Mal, wie\nsonst, neben dem Schlechten, 01l dicht daneben, das Deut-\nsche neben dem Itahänischen, das Nationale neben dem\nFremden, nur dass bei der letzteren Zusammenstellung\nsich das Bestreben immer mehr zeigt, namentlich in den\nöffentlichen Blättern, das erstere auf Rosten des letzteren\n%\nzu erheben und die Welt an englische Musik glauben zu\nmachen, die doch im Grunde einige schottische und iri-\nsche Volks-Melodieen ausgenommen gar nicht existirt.\nUebrigens muss man gestehen, dass die Ehrlichkeit des\nenglischen Charakters doch bei alledem immer durchdringt.\nLies't man americanische Musik-Zeitungen, so gibt es nichts\nHöheres, als die Componisten der Vereinigten Staaten und\ndie Conccrte in New-York und Boston. In England aber\nherrscht denn doch, neben einem guten Geschmack in den\ngebildeten Classen, auch noch im ganzen Volke in so\nweit es sich für die Kunst interessirt eine ehrenwerthe\nPietät für ihre Heroen unter jeder Nation, und bricht über-\nall hervor, wo sich die Veranlassung bietet, sie zu offen-\nbaren.\nLassen Sie mich daher mit dem Ende der Season be-\nginnen, weil in diesem gerade wieder ein Beweis geliefert\nwurde für das eben Gesagte.\nWir hatten nämlich die Freude, Heinrich Marsch-\nner mit seiner Gattin im Juli hier zu sehen, leider zu spät\n(wie die Musical World sagte) für unsere alt- und neu-\nharmonischen Gesellschaften, allein doch noch zeitig genug\nfür alle Freunde und Verehrer der wahren Kunst, um dem\nMeister der dramatischen Musik und dem genialen Compo-\nnisten lyrischer Gedichte ihre Huldigung darzubringen. Es\nist nur Eine Stimme darüber in der hiesigen Kunstwelt,\ndass zumal am Schlüsse einer Season noch niemals\ndie Ankunft eines Künstlers sowohl von der Presse als von\nallen Kunstfreunden so gefeiert worden ist. Binnen weni-\ngen Tagen nach seiner Ankunft war Marschner bereits Ge-\ngenstand der allgemeinen Theilnahme und Besprechung.\nIh re Majestät die Königin lud den gefeierten Mann des\nTages nebst seiner Gattin zum Hof-Concerte im Bucking-\nham-Palaste ein und gewährte dem anspruchlosen deut-\nschen Künstlerpaare eine höchst ehrenvolle Aufnahme. Am\nSchlüsse des Concertes versicherte Ihre Majestät auf die\nhuldreichste WTeise dem Meister, wie sehr es sie freue, in\nihrem Lande endlich einmal den Mann zu begrüssen, den\nsie von Jugend auf in seinen Werken bewundern gelernt\nhabe, und Ihre Majestät hoffe, dass er mit seiner Gattin,\nderen einfach schöner Gesang sie wahrhaft entzückt habe,\nöfter nach England zurückkehren werde.\nSie wissen, wie bald dergleichen Auszeichnungen in\nLondon bekannt und maassgebend werden. Die Vocal-As-\nsociation beeilte sich, den grossen Componisten in voller\nSitzung unter lauten Cheerszu ihrem Ehren-Mitgliede zu\nernennen. Marschner's Dankworte, so wie sein Verspre-\nchen, dem Vereine eine Composilion zu widmen, wurden\nmit Jubel entgegengenommen. Der beliebte Liedersänger\nReichardt veranstaltete ein Concert zu Ehren des Mei-\nsters in Egyptian Hall,in welchem fast nur Compositionen\nvon Marschner vorgetragen und mit Enthusiasmus von der\nzahlreichen und sehr gewählten Zuhörerschaft, unter wel-\ncher sich fast alle londoner Künstler befanden, aufgenom-\nmen wurden. Marschner trug selbst sein Trio Nr. 6 lür\nPianoforte, Violine und Violoncell mit Molique und\nPiatti vor, und beim Schlüsse wollte der Jubel des auf-\ngeregten Publicums kaum enden. Ein wundervolles Duo lür\nSopran und Alt, „Die tanzenden Mädchen\" (Leipzig, bei\nKistner), von Fräul. Westerstrand und Frau Marschner\nvortrefflich vorgetragen, so wie mehrere von der letzteren\nmit tiefer Empfindung und reizender Anmuth gesungene\nLieder Marschner's (unter ihnen besonders „Der Schmetter-\nling\", bei Spina in Wien erschienen) riefen ganz ausser-\nordentlichen Beifall hervor und werden die Lieblinge der\nnächsten Season werden.\nEs konnte nicht ausbleiben, dass die kritischen Blätter\nin ihren Artikeln über Marschner auch besonders der edeln\nRichtung seiner Musik, die aus echt künstlerischer Natur\nentspringt, gedachten, wobei es denn nicht ohne stärke\nSchlagschatten abging, welche auf die Zukunfts-Musiker fie-\nlen, für die nun einmal hier gar kein Boden ist\"). Das\nkleine Stückchen Boden, das vielleicht noch da gewesen\nwäre, hat Richard Wagner bei seiner Anwesenheit und\ndurch seine Leitung der philharmonischen Concerte sich\nselbst unter den Füssen weggezogen. Wir hoffen, Marsch-\nner in der nächsten Season hier wieder zu sehen. Dem\nVernehmen nach sind ihm schon jetzt von Vereinen, Con-\ncert-Unternehmern und Musik-Verlegern Anerbietungen\ngemacht worden. Das ist leicht zu begreifen, weniger aber,\ndass ein solcher Mann nicht schon seit längerer Zeit einen\nihm so günstigen Boden bebaut und auf diese Weise uns\ndie Freud,e geraubt hat, ihn hier in seinen grösseren Wer-\nken bewundern zu können.\nDie italiänische Oper ist in beiden Theatern (in Her\nMajesty's Theatreunter Lumley und im Lyceum unter Gye)\n\n*) Vgl. London in Nr. 29. 8. 231. Die Redaction»"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "254", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570808-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4038, "texte": "ziemlich stark besucht worden. Die Lumley'sche Gesell-\nschaft eröffnele die Vorstellungen mit Donizetti's Favorita,\nworin die Prima donna Signora Spezzia und der Tenor\nGiuglini zum ersten Male in England auftraten. Die Spez-\nzia bat viel Spiel, das durch eine schöne äussere Erschei-\nnung unterstützt wird. Ihre Stimme ist stark, wird aber\ndurch Uebertreiben kreischend. Giuglini hat Aufsehen er-\nregt, mehr durch die Stimme als durch den Gesang, der\ngar Manches zu wünschen übrig lässt. Charakteristisch für\ndie Bildung der heutigen italiänischen Sänger ist, dass er\nden Don Ottavio im Don Juan nicht kannte und die Rolle\nerst hier studiren musste. Die „junge\" Prima donna, die\nPiccolomini, erschien zuerst wieder in der Regiments-\ntochter ; die Piccolominiten waren ausser sich, die Gegner\nschüttelten das Haupt, ein mitleidiges Lächeln zuckte um\nihre Lippen Alles vergebens. Ihre Stimme ist übrigens\nstärker geworden, und sie hat auch seit vorigem Jahre etwas\ngelernt; ich glaube aber nicht, dass dies für Paris aus-\nreicht, im Falle sie den Winter wieder dort hingehen sollte.\nEine dritte Prima donna, Signora Ortolani, von Lissa-\nbon kommend, trat mit Glanz in den Puritanern auf; Al-\nboni, die vierte, immer wieder als Rosine im Barbier,\nworin Reichardt den Grafen sang. Ausserdem war die\nBesetzung und das Ensemble der letzteren Oper sehr un-\ngenügend ; sie ist auch, was wohl noch in keiner Season\nvorgekommen ist, nur Ein Mal gegeben worden.\nAusser den genannten Opern gingen noch in Scene\nVerdi's Traviata, II Trovatore und Nino (d. i. Nabucco);\nLucia di Lammermoor, die Sonnambula, L'Elisir d'amore\nund Don Giovanni in der letzten Woche des Abonnements\nmit neuen Costumen und grossem Aufwände für Scene-\nrieen. Die Vorstellung war besser, als man sie sonst hier\ngewohnt ist; Donna Anna Spezzia, Elvira Ortolani,\nZerline—Piccolomini, Don Juan—Belletti u.s.w. In dem\nCyklus von nachträglichen Vorstellungen zu herabgesetzten\nPreisen, die am 20. Juli begannen, kamen denn auch Mo-\nzart's Figaro und Rossini's Cenerentola daran wahrlich\nkein Compliment für den Kunstsinn der Abonnenten der\nSeason, die man für ihre Guineen mit Verdi und Donizetti\nabspeis't!\nDas Lyceum brachte die Puritaner, Norma, Maria di\nRohan (!), die Favorite, den Trovatore, die Traviata, Rigo-\nletto, die Sonnambula, Don Juan, Lucrezia Borgia, Lucia\nund Fra Diavolo italiäniscb mit Recitativen von Scribe und\nAuber.\nBei Gye florirt immer noch die alte Garde, an ihrer\nSpitze Grisi und Mario, die nicht etwa ein oder zwei Mal\nauftraten, sondern in der ersten Hälfte der Season fast\nnicht von den Brettern kamen. Die Grisi hat die Elvira\n(Puritaner), Norma, Leonora (Trovatore), Leonora (Favo-\nrite), die Violetta (1 Mal), Lucrezia, Donna Anna gesun-\ngen! Eben so beschäftigt waren Mario und Ronconi. Einem\npariser oder berliner Publicum wäre eine solche Anhäng-\nlichkeit an blosse Namen rein unmöglich; denn von Stimme\nund selbst von Gesang ist fast bei allen Dreien nicht mehr\ndie Rede. Die äusserst graziöse und als Sängerin sehr\nhoch zu hallende Madame Bosio machte den Eindruck\neines frisch sprudelnden Quells unter den Ruinen in der\nWüste. Sie feierte als Gilda im Rigoletto, als Violetta in\nder Traviata, als Zerline im Don Juan und im Fra Diavolo\nverdiente Triumphe. Im Don Juan (immer Ronconi!) trat\ndenn auch Formes als Leporello auf, sonst in der ganzen\nSeason nicht.\nFräul. Victoire Balfe, Tochter des Componisten,\ndebutirte als Amine in der Nachtwandlerin und als Lucia.\nJugend, Schönheit und ein recht hübsches musicalisches\nTalent, dazu der Name des Vaters, bereiteten ihr einen\nglänzenden Erfolg. Nächst den Opern von Verdi zog\nAuber's Fra Diavolo am meisten, namentlich durch die Bo-\nsio und durch Ronconi als Lord, wo er ganz an seiner\nStelle und vortrefflich war. Gardoni sang zwar seine\nRomanzen recht gut, allein sein Spiel und der Vortrag der\ngrossen Arie im letzten Acte waren entsetzlich hölzern. Da-\nfür ergötzte ein eingelegter Tanz, eine eigens für London\nvon Auber neu componirte Saltarella.\nDie Concert-Rundschau nächstens.\n\nC. A."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-08-08-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-08-08_01#c005", "volume": "bmtnabi_1857-08-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "254", "page_fin": "255", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570808-01.2.5", "titre_corps": "Die Orgel in der Basilica zu Trier.", "titre_sommaire": "Die Orgel in der Basilica zu Trier.", "signature_source": "L. Bischoff", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "254", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570808-01.1.6", "debut_caractere": 4040, "fin_caractere_exclue": 4904, "texte": "Die Orgel in der Basilica zu Trier.\n\nBekanntlich ist die Basilica zu Trier, eines der herr-\nlichsten Denkmale der Römerzeit, durch die Munificenz Sr.\nMaj. des Königs in ihrer ursprünglichen Gestalt vollkommen\nwieder hergestellt und ausgebaut worden. Der Allerhöch-\nsten Bestimmung gemäss ist das Gebäude, als „Kirche zum\nErlöser\", der evangelischen Civil- und Militär-Gemeinde\nvon Trier zum Gottesdienste übergeben worden, zu wel-\nchem Zwecke denn auch die Aufstellung einer Orgel in dem\nBauplane von Hause aus mit einbegriffen war.\nDer Bau dieser Orgel wurde den Herren A. Ibach\nSöhne in Barmen übertragen. Wenngleich die ursprüng-\nliche Disposition von 55 Stimmen aus ökonomischen Rück-\nsichten auf 40 zurückgeführt werden musste, so haben die\nErbauer dennoch ein Werk aufgestellt, das sowohl in äus-\nserer architektonischer Hinsicht, als in akustischer und har-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "255", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570808-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3653, "texte": "monischer den grossartigen Verhältnissen des Gebäudes\n(*235 Fuss lang, 104 F. breit, 102 F. hoch von der Sohle\nbis zum Gesims, wo die Bedachung beginnt) vortrefflich ent-\nspricht. Da die Empore, auf welcher die Orgel steht, auf\nacht, 29 Fuss hohen Säulen ruht und mit verhältnissmässi-\nger Tiefe die ganze Breite der Kirche dem Altar gegenüber\neinnimmt, so stand mehr als hinreichender Raum zur Ver-\nfügung, um sowohl die Aufstellung überhaupt sehr klar\nund bequem zu ordnen, als auch die künftige Ergänzung\nohne alle Störung des Bestehenden und Fertigen mit Leich-\ntigkeit zu ermöglichen.\nDie Orgel hat drei Manuale und ein Pedal. Die Dispo-\nsition ist folgende;\nI. Haupt-Manual.\n1. Principal 16 Fuss.\n2. Quintatön 16 „\n3. Principal 8 „\n4. Viola di Gamba ... 8 „\n5. Gedackt 8 „\n6. Flaut major .... 8 „\n7. Nasard 5l/3 ~\n8. Octave 4 „\n9. Hohlflöte 4 „\n10. Quint 22/3 „\n11. Octave 2 „\n12. Cornet, fünffach ... 4 ~\n13. Scharf, fünffach ... 2 „\n14. Trompete .... 8 „\nII. Manual.\n1. Bourdon 16 Fuss.\n2. Principal 8 „\n3. Fugara 8 „\n4. Rohrflöte 8 „\n5. Octave 4 „\n6. Flauto dolce . ' . 4 „\n7. Octave 2 „\n8. Sesquialter, zweifach, . 2 „\n9. Mixtur 11/3 „ vierfach.\n10. Trompete r 8 „\nIII. Manual.\n1. Salicet 8 Fuss.\n2. Fernflöte 8 „\n3. Lieblich Gedackt 8 „\n4. Flauto amabile ... 4 „\n5. Principal 4 „*)\n6. Gemshorn 2 „\nPedal.\n1. Principal 32 Fuss.\n2. Octavbass 16 „\n3. Violon 16 „\n4. Subbass 16 „\n5. Octavbass 8 „\n6. Violon . . 8 „\n7. Quint 5V3 „\n8. Octavbass . 4 Fuss.\n9. Bassposaune .... 16 „\n10. Trompete 8 ~\nDas Gehäuse ist 50 Fuss hoch, 35 Fuss breit und\n16 Fuss tief; der Prospect mit seinen zwei halbrunden, in\nantikem Baustyl verzierten Thürmen, in denen 30 zwei-\nunddreissiglüssige Pfeifen stehen, die zusammen 5000 Pfund\nwiegen, gewährt einen prächtigen Anblick. Im Ganzen ste-\nhen 87 Pfeifen im Prospect. Das Gebläse besteht aus einem\nHauptbalg mit 4 Pumpen und 5 Magazinbälgen, welche\nden Wind in die verschiedenen Windladen verlheilen.\nDie Revision, mit welcher Herr van Eyken, Organist\nan der reformirten Kirche zu Elberfeld, und der Unter-\nzeichnete beauftragt waren, ergab ein in jeder Beziehung\ngünstiges Resultat, sowohl in Rücksicht auf Kraft und ge-\nwaltige Tonlülle des vollen Werkes und auf Mannigfaltig-\nkeit und Klangfarbe der einzelnen Stimmen, als auch auf\ndie nicht bloss contractmässige, sondern überhaupt höchst\ngenaue, sorgfältige und feine Arbeit der Mechanik und des\nganzen Innern der Orgel. Sämmtliche Labialstimmen sind\nganz vorzüglich gelungen, und das Pedal imponirt durch\nKraft und dennoch weichen Klang. Von den einzelnen Re-\ngistern sind zunächst die Principalstimmen sämmtlich\nsehr schön; dann verdienen im Hauptmanual Quintatön,\nViola di Gamba,Cornet und Trompete besonders hervor-\ngehoben zu werden, im 11. Manual Fugara und\nDie Stimmen des 111. Manuals sind alle ganz vorzüglich,\nnamentlich haben wir kaum irgendwo Salicional 8 Fuss und\nFlaulo amabile 4 Fuss so schön, wie hier, geschweige denn\nschöner, gehört; die achtlüssigen Fernflöte und Lieblich\nGedackt schmiegen sich ihnen mit herrlichem Wohllaut an.\nSo haben denn die Orgelbauer Ad. Ibach Söhne ein\nneues Denkmal ihres Fleisses und ihrer Kunslfertigkeit in\ndieser Orgel, welche nun die grossartige Basilica ziert, auf-\ngestellt, und durch den sichtbaren Fortschritt in ihrer Kunst\nden erfreulichen Beweis gegeben, dass der deutsche Orgel-\nbau seinen alten Ruf nicht bloss zu rechtfertigen, sondern\nnoch stets besser zu begründen und zu erhöhen weiss;\ndenn unstreitig gehört die Orgel in der Basilica zu Trier\nzu den trefflichsten Werken der neueren Zeit.\n*) Nicht im Contract, aber der Vollständigkeit wegen vom Orgel-\nbauer besonders hinzugefügt.\n\nL. Bischoff."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-08-08-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-08-08_01#c006", "volume": "bmtnabi_1857-08-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "255", "page_fin": "256", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570808-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "255", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570808-01.1.7", "debut_caractere": 3655, "fin_caractere_exclue": 4080, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nTrier9 12. Juli. Bei Gelegenheit der Revision der neuen Orgel\nin der Basilica (s. oben) gab Herr J. A. van Eyken aus Elberfeld\ngestern Nachmittags ein Orgel-Concert zum Besten der Armen der\nevangelischen Gemeinde. Durch vortreffliches Spiel und kunstgewandte\nBehandlung aller Ausdrucksmittel liess der Meister die vorzüglichen\nEigenschaften des grossartigen Instrumentes in ihrem wahren Lichte"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "256", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570808-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5450, "texte": "glänzen. Er trüg vor: von J. S. Bach Präludium und Fuge in F-moll\nund ein Choral-Vorspiel, von Mendelssohn die Sonate über den Cho-\nral „Vater unser im Himmelreich\", von R. Schumann das Abendlied,\nvon Beethoven das Andante aus der fünften Sinfonie und drei Stücke\nvon eigener Composition, Variationen über das niederländische Volks-\nlied (von denen wir besonders den Canon in der dritten und die letzte\nauszeichnen), ein schönes Andante in E-dur und eine vortreffliche\nPhantasie über feste Burg ist unser Gott\". Einen wunderbar\ngrossen Eindruck machte zum Schlüsse Hallelujah aus dem\nMessias, von Herrn van Eyken für Orgel, Posaunen und Trompeten\neingerichtet. Zwischen den Orgel-Vorträgen sangen die Schüler der\nevangelischen Elementarschule ~Der Herr ist mein Hirt\" von B.\nKlein und „Harre des Herrn\" von C. Malan; Einübung und Vor-\ntrag machten dem Lehrer Herrn Plunien alle Ehre. Die freiwilligen\nGaben der Zuhörer betrugen über 74 Thaler.\nAls Beitrag zur Ausgiebigkeit der Tantieme erzählt die berliner\nMontags-Post Folgendes: „Capellmeister Gläser in Kopenhagen hatte\ndurch die glückliche Begegnung mit einem Handlungsreisenden\nZeitungen scheint der edle Musiker nicht zu lesen erfahren, dass\nseine Oper ~Des Adlers Horst\" in Berlin gegeben worden sei. Nach\nTantieme begierig, schrieb Herr Gläser an die Intendantur, erhielt\naber zur Antwort, dass im Jahre 1851 das alte Königstädtische\nTheater mit seiner Bibliothek und sämmtlichen Instrumenten an die\nKönigliche Bühne rechtmässig übergegangen sei, mithin gegen die\nAufführung jener Oper keine Einsprüche erhoben werden könn-\nten. Hierauf antwortete der Capellmeister, dass er gesonnen sei, kei-\nneswegs Einsprüche, sondern nur Ansprüche zu erheben, und\nzwar auf Tantieme. Nach einer längeren, etwas drastischen Cor-\nrespondenz schrieb die General-Intendantur, dass sie nach genomme-\nner Rücksprache mit ihrem Rechts-Anwalt, Herrn v. Drigalsky, die\nAuszahlung der Tantieme nicht länger zu beanstanden gedenke. Herr\nGläser erhielt demnächst etwas über 320 Thlr und später nochmals\nfast eine gleich hohe Summe. Die alte Königstadt hatte ihm mit\nihrer gewöhnlichen Munificenz in Bausch und Bogen hundert Tha-\nler gezahlt. Dem Vernehmen nach wird sich der Componist von jetzt\nan eifrig auf Zeitungs-Lecture legen.\nIjüitefoiirg# Am 30. April beschloss der hiesige Musik-\nVerein seine diesjährigen Uebungen mit der Aufführung des Ale-\nxander festes oder der Macht der Musik von Händel nach Mo-\nzart's Bearbeitung. Dem bekannten Sujet hat Händel mit der ganzen\nOriginalität seines Geniels und der ihm eigenthümlichen Charakteristik\nTöne geliehen. Wenn er jeder Stimmung, dem stolzen Selbstgefühle\nwie der bacchantischen Lust, der Klage wie der Wonne der Liebe,\nihren rechten Ausdruck gegeben hat, so fühlt man es besonders in\ndem Chore, in welchem er die hehre Jungfrau die neue Kunst in\ndem Wunderbau ihrer Harmonieen und Melodieen entfalten lässt,\ndass sie eben in ihm ihren geweihten Priester gefunden hat. Von\nunserem Standpunkte aus würden wir es als ein Unrecht gegen den\ngrossen Meister betrachten, wenn wir behaupten wollten, dass irgend\neine Nummer ihren Zweck nicht vollkommen erfülle. Daher fühlen\nwir uns auch dem Dirigenten Herrn Anger zu besonderem Danke\nverpflichtet, dass er uns das Werk in unverkürzter Gestalt vorge-\nführt hat. Seinem Dirigenten-Talente verdanken wir es zugleich,\ndass die Aufführung, einige kleine Störungen abgerechnet, eine ge-\nlungene war. Die Herstellung meines geschmackvolleren Textes ver-\ndanken wir einem für die Förderung des musicalischen Lebens in\nunserer Stadt mit warmer Liebe thätigen Mitgliede des Vereins.\nDer Ertrag des Concertes ist dem Baufonds lür das Händel-Denk-\nmal überwiesen worden. Junghans.\nDer Pianist Rudolf Willmers ist von seiner mehrmonat-\nlichen Kunstreise in Russland nach Wien zurückgekehrt. Er hat mit\nseinem brillanten Spiel sowohl in St. Petersburg, wie auch in Mos-\nkau, Riga, Mitau, Dorpat um! Breslau grosse Erfolge gehabt und\nsoll auch mit den materiellen Ergebnissen seiner Concerte vollkom-\nmen zufrieden sein, trotzdem die Kosten der Concert-Arrangements\nin Russland, namentlich in Petersburg, sehr bedeutend sind. So be-\nträgt z B. die Druckerrechnung für die Affichen eines Concertes\nallein 100 Silberrubel.\nDem Vernehmen nach soll Herr B. Scholz, Professor am Con-\nservatorium zu München, die Stelle eines Musik-Directors am\nTheater zu Zürich angenommen haben.\nDer Tenorist Labocetta in Neapel ist auch Violoncellist und\nhat neuerdings mehrere Quintette für vier Celli und Contra-\nbass componirt, welche sein früherer Lehrer in der Composition,\nMercad ante, für das Conservatorium adoptirt hat.\nParSs. Ein neuer Tenorist, Renard, ist in der grossen Oper\nals Arnold in Rössings Wilhelm Teil aufgetreten und hat grosses\nAufsehen erregt, das sich in jeder folgenden Vorstellung gesteigert\nhat. Seine Stimme ist von ausserordentlicher Kraft und Höhe, sie\nerinnert an Duprez' Jugend. Das berühmte c mit der Brust kostet\nihm nicht die geringste Anstrengung. Er hat durch diese wunder-\nbare Stimme einen wirklichen Enthusiasmus erregt, in welchem das\nPublicum, was sonst hier selten der Fall ist, ihm sogar die Unbe-\nholfenheit im Spiel verzieh.\n• ~ ' ~ —-\nAnfangs Juni ist in Buenos Ayr es das Oratorium Paulus\nvon F. Mendelssohn in der Kirche aufgeführt worden und hat\ngrosse Begeisterung erregt. Unter dem Chor von 80 Mitgliedern wa-\nren viele, die keine Noten kannten; auch hatte die Einübung vier\nMonate lang gedauert."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "249", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570808-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nFr. Zamminer's Musik und die Instrumente. (Schluss.) Tomascbek's Londoner Briefe\n(H. Marschner und Gattin — Die beiden italiänischen Opern). Von C. A. — Die Orgel von Ad. Ibach Söhne in der Basilica zu Trier.\nVon L. B. — Tages- und Unterhaltungsblatt (Trier, Orgel-Concert von J. A. van Eyken — Ausgiebigkeit der Tantieme — Lü-\nneburg, Aufführung des Alexanderfestes — Wien, Rudolf Willmers — Prof. B. Scholz — Paris, der Tenorist Renard Buenos Ayres).\n\nDie Musik und die musicalischen Instrumente.\nVon Friedrich Zamminer.\n(Schluss. S. Nr. 29.)\nDer Abschnitt „über die menschliche Stimme und das\nGehör\" enthält eine kurze historische Einleitung über die\nGesangeskunst, die sehr oberflächlich gehalten ist. Es mag\njedoch die darin angeführte Stelle aus Angellini Buontem-\npi's Geschichte der Musik zum Vorbild oder Schreckbild\nfür heutige Gesangschüler hier stehen:\n„Die Schüler der römischen Gesangschule waren ver-\nbunden, sich täglich eine Stunde in schweren Intonationen\nzu üben, um Leichtigkeit in der Auslührung zu erlangen;\neine andere Stunde wandten sie zur Uebung des Trillers\nan, eine weitere zu schnellen Passagen, eine andere zur\nErlernung der Literatur und noch eine weitere zur Bildung\ndes Geschmacks und Ausdrucks, Alles in Gegenwart des\nMeisters, der sie anhielt, vor einem Spiegel zu singen, um\njede Art von Grimasse oder unschicklicher Bewegung der\nMuskeln, entweder im Runzeln der Stirn oder Blinzeln\nder Augenlider oder im Verzerren des Mundes zu ver-\nmeiden. Alles dies war nur die Beschäftigung des Morgens.\nNachmittags wandten sie eine halbe Stunde auf die Theorie\ndes Schalles, eine andere auf den einfachen Contrapunkt,\neine Stunde auf die Erlernung der Regeln, welche ihnen\nder Meister über Composilion gab, und auf die Ausübung\nderselben auf dem Papier, eine andere auf die Literatur\nund die übrige Zeit des Tages auf das Clavierspielen, auf\ndie Verfertigung eines Psalmes, einer Motette oder irgend\neiner anderen Arbeit, die dem Genie des Schülers gemäss\nwar. Dies waren die gewöhnlichen Uebungen an den Ta-\ngen, wo es den Schülern nicht gestattet war, die Schule\nzu verlassen. Wenn sie hingegen Erlaubniss hatten, aus-\nzugehen, gingen sie oft vor die Porta angelka, unweit des\nBerges Marius, um gegen das Echo zu singen und an den\nAntworten ihre eigenen Fehler kennen zu lernen. Zur an-\nderen Zeit wurden sie entweder in den Kirchen zu Rom\nzum Singen bei öffentlichen Aufführungen gebraucht, oder\nsie gingen wenigstens dahin, um die vielen Meister zu hö-\nren, welche unter der päpstlichen Regierung (1624\n1644) blühten, und dann zu Hause nach diesen Mustern\nzu arbeiten.\"\nNach der Einleitung folgt eine deutliche, durch Abbil-\ndungen veranschaulichte Beschreibung des unscheinbaren\nund um so bewundernswertheren Organs, welchem die\nI\nzauberischen Wirkungen des Gesanges entstammen, der\nLuftröhre, des Kehlkopfes, der Stimmbänder, der Stimm-\nritze u. s. w.\nUeber das eigentlich Tongebende in der menschlichen\nKehle, über das, was den Ton erzeugt, tritt der Verfasser\nder Ansicht von Johannes Müller und W. Weber entschie-\nden bei. Man hat bekanntlich lange Zeit hindurch den\nSchwingungen der Stimmbänder die Erzeugung des Tones\nzugeschrieben, und dass dieselben eine unumgängliche Be-\ndingung zur Entstehung des Tones sind, ist bewiesen. Denn\nwenn bei einem lebenden Individuum die Luftröhre unter-\nhalb des Kehlkopfes angebohrt ist, so dass die ausgeath-\nmete Luft hier schon einen Ausweg findet und nur in ge-\nringer Menge durch die Stimmritze geht, so ist die Stimme\nlautlos geworden. Man hat ferner beobachtet, dass belie-\nbige höher gelegene Theile der Mundhöhle, der Kehldeckel,\nder Kehlkopf bis unmittelbar zu den Stimmbändern zer-\nstört sein können, ohne dass dadurch die Stimme vernich-\ntet wird ; aber eine geringe krankhafte Affection der Stimm-\nbänder wirkt auf der Stelle nachtheilig auf den Ton und\ndrückt ihn bis zum Unhörbaren herab.\nDa man die Gesetze der Saitenschwingungen kannte,\nso entwickelte sich daraus die Ansicht, dass die elastischen"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "250", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570808-01.1.2", "texte": "Fasern der Stimmbänder als Saiten schwängen und die\nWände des Kehlkopfes, der Luftröhre und der Mundhöhle\ndie Resonanz dazu gäben.\nAls man später mit den Gesetzen der Bewegung der\nLuft in den Flötenpfeifen vertraut geworden, sah man\ndie Luftsäule oberhalb des Kehlkopfes als das\nTönende beim Gesänge des Menschen an, und Stimmbän-\nder und Stimmritze verloren ihre Bedeutung.\nNun kam Joh. Müller und ging von der sehr einleuch-\ntenden Ansicht aus, es sei zweckmässig, die physicalischen\nGesetze der menschlichen Stimme an dem natürlichen\nKehlkopfe selbst aufzusuchen, da kein anderer Apparat\nden wahren Sachverhalt mit gleicher Treue wiedergeben\nkönne. Für einen Anatomen war es nicht allzu schwierig,\nnach gehöriger Befestigung der Grundlage des Kehlkopfes,\ndurch gespannte Schnüre und Gewichte oder durch\nfedernde Klemmen die Wirkung der Muskeln nachzuahmen.\nDurch ein Rohr, welches an ein stehen gebliebenes Stück\nder Luftröhre befestigt war, wurde der Kehlkopf angebla-\nsen, entweder noch mit der ganzen Mund- und Nasenhöhle\nin Verbindung, oder isolirt bis unmittelbar an die Stimm-\nbänder u. s. w.\nDie angestellten Versuche bewiesen unwiderleglich,\ndass die Stimmbänder nicht wie Saiten schwingen. Ohne-\nhin ist weder von den kleinen Stimmbändern, noch von\nden mit weichen Häuten ausgekleideten Wänden der Kopf-\nhöhlungen eine solche Klangfülle zu erwarten, wie sie die\nmenschliche Stimme darbietet.\nDass aber zweitens die in diesen Höhlungen über\nder Stimmritze überstehende Luft nicht wie in Flöten-\npfeifen der Orgel schwingt und auf diese Weise den Ton\nerzeugt, ergibt sich auf das einfachste daraus, dass man\nan dem todten Kehlkopfe jene Höhlungen, also den ganzen\nKopf wegschneiden kann, ohne an dem Umfange der\nmenschlichen Stimme zu verlieren, und dass die Weite der\nStimmritze unter sonst gleichen Umständen auf die Ton-\nhöhe von keinem Einflüsse ist. Auch eines Anblaserohrs\nvon der Länge der Luftröhre bedarf es nicht. Wohl aber\nwirken die genannten Räume einestheils als Resonanzmittel\nzur Verstärkung der Stimme, und tragen anderentheils we-\nsentlich bei, derselben ihre eigentümliche Klangfarbe zu\nertheilen. Die Mannigfaltigkeit des Klanges der mensch-\nlichen Stimme ist unbegränat, ja, man könnte behaupten,\njedes Individuum habe seine eigentümliche Klangfarbe.\nDie auffallenden Veränderungen, welche mit derselben vor-\ngehen, wenn die Stimmbänder oder die Schleimhäute der\nRachenhöhle auch nur im Geringsten katarrhalisch affi-\ncirt sind, beweisen, wie sehr alle diese Theile von Ein-\nfluss sind.\nIm höheren Alter nimmt die Elasticität der Stimm-\nbänder ab, die knorpeligen und weicheren Theile des\nKehlkopfes und des Schlundes werden knöchern und hart,\nund nicht selten gesellt sich noch krankhafte Absonderung\nder Schleimhäute dazu; in Folge aller dieser Umstände\nvermindert sich der sonore Klang der Stimme, sie wird\nschwach und heiser.\nEs kann nach den angeführten Versuchen kein Zweifel\ndarüber sein, dass das menschliche Stimm-Organ, als mu-\nsicalisches Instrument betrachtet, in die Reihe der Zungen-\npfeifen zu setzen ist. Nicht die Schwingungen der Stimm-\nbänder, auch nicht die der überstehenden Luft, geben den\nschönen Ton der menschlichen Stimme, sondern dieser\nrührt von den Stössen der durch die Luftröhre\nströmenden, auf die oberhalb des Kehlkopfes\nbefindliche Luft her, und die Schwingungen der\nStimmbänder haben nur die Bedeutung, dass sie durch ab-\nwechselnde Erweiterung und Verengerung der Stimmritze\nden stetig aus der Lunge sich ergiessenden Strom perio-\ndisch anschwellen und abnehmen lassen.\nBei stärkerem Blasen biegen sich die elastischen Häute\noder auch die Stimmbänder am Kehlkopfe selbst auswärts,\nund indem sie eine erhöhte Spannung annehmen, geht der\nTon merklich in die Höhe. Es steht damit in innigem Zu-\nsammenhang, dass die tiefsten Töne der menschlichen\nStimme nur verhältnissmässig leise, die höchsten nur laut\nangegeben werden können; ferner, dass es für einen Sän-\nger besonderer Uebung bedarf, einen Ton anschwellen zu\nlassen, ohne dass er in seiner Höhe schwanke. Es müssen\ndie Muskeln des Kehlkopfes in grösster Stetigkeit genau\nso viel an der Spannung nachlassen, als dieser durch den\nimmer stärker wirkenden Luftstrom zugesetzt wird. Aber\ngerade dadurch, dass diese Umstände dem Wil-\nlen unterworfen sind, welcher in den Muskeln stets\ngehorsame und pünktliche Diener findet, nimmt das Stimm-\nOrgan eine so hohe Stellung den musicalischen Instrumen-\nten gegenüber ein.\nNach der Natur der Stimmbänder und der besonderen\nArt ihrer Elasticität, welche durch Versuche erforscht ist,\nerfordern die höheren Stimmlagen eine grössere Anstren-\ngung der Muskeln, und es erklärt sich hieraus, warum die\nSänger bei der Ausführung hoher Partieen so leicht sinken.\nBei tieferen Tönen ist die Stimmritze weiter geöffnet\nals bei hohen, und auch der Luftverbrauch trotz der ge-\nringeren Spannung beträchtlicher. Da jeder Mensch bei"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "251", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570808-01.1.3", "texte": "tiefstem und kräftigstem Einathmen es nur zu einem gewis-\nsen Maximum verwendbarer Luftmenge bringt, so kann\nein tiefer Ton niemals so lange ausgehalten werden, als ein\nhoher. Auch gelingt es nach Garcia's Urlheil niemals,\ndieselbe Note in der Fistelstimme so lange auszuhalten,\nals dies in der Bruststimme möglich ist. Bei der ersteren\nist die Stimmritze weiter geöffnet, als bei der letzteren.\nBeobachtungen am todten, wie am künstlich nachge-\nbildeten Kehlkopfe haben es höchst wahrscheinlich gemacht,\ndass die Verschiedenheit der beiden eben genannten Re-\ngister der menschlichen Stimme hauptsächlich durch die\nungleiche Betheiligung der Stimmbänder bedingt werde.\nBei der Bruststimme schwingen die Stimmbänder nach\nihrer ganzen Breite, die Stimmritze ist enge gestellt, und\ndie grössere Anspannung der Muskeln, verbunden mit dem\nAusathmen stark gespannter Luft, bedingt jenen kräftigen\nTon, dessen Resonanz die Wände der Brust erzittern macht.\nBei der Fistel- oder Falsettstimme dagegen legen\nsich Muskeln der Art auf die Stimmbänder, dass nur die\nder Stimmritze zunächst liegenden zarten Ränder zu\nschwingen vermögen, und die Luft streicht in sanfterem\nStrome durch die weiter geöffnete Stimmritze.\nDie Gabe des vollendeten Runstgesanges ist eine so\nherrliche, dass es sich der Mühe verlohnte, zu erforschen,\nin wie weit dieselbe durch Uebung erworben oder durch\nden eigenthümlichen Bau des Kehlkopfes bedingt sein möge.\nAllein die Wissenschaft wird als Antwort nicht leicht etwas\nAnderes als Vermuthungen ziemlich allgemeiner Art geben\nkönnen. Erhöhte Elasticität der Stimmbänder und Schnell-\nkraft aller Muskeln, welche zur Stimmbildung mitwirken,\nsehr ebenmässige elastische Beschaffenheit der Wände al-\nler resonanzgebenden Räume, die ungestörte Gesundheit\nder sie bekleidenden Schleimhäute mögen von günstigem\nEinflüsse sein. Unendlich viel kann auch durch eine fleissige\nGymnastik jener Muskeln geschehen, wenn es dem Stimm-\nOrgane an einem mächtigen Alliirten nicht fehlt, ohne wel-\nchen es niemals das angestrebte Ziel der Virtuosität errei-\nchen wird, an einem feinen musicalischen Gehör.\n\nTomaschek’s Es-dur-Messe.\nDie wiener „Monatschrift lür Theater und Musik\"\nspricht sich in ihrem letzten Berichte über die Kirchen-\nmusik zu Wien (Juli-Heft) folgender Maassen über die oben\ngenannte Messe aus, was wir zur Verbreitung des aller-\ndings vorzüglichen Werkes, das am Rheine und in Nord-\ndeutschland noch wenig bekannt ist, gern mittheilen.\n„In demselben Maasse, als unsere Feder schon ott\ngenug nur leider bis jetzt noch nicht mit dem gewünsch-\nten, vollständig sieghaften Erfolge jener Sinnes-Engher-\nzigkeit und philisterhaften Bequemlichkeit nahe getreten ist,\ndie in der Zusammenstellung unseres kirchlich-musicali-\nsehen Repertoires hier vorherrschend geworden: in dem-\nselben Maasseist es uns ein willkommener künstlerischer\nPllicht-Act, jede auf diesem Gebiete sich äussernde Fort-\nschritts-Regung in unserer „ Monatschriftdiesem Ge-\ndenkbuche aller ruhmwürdigen Thaten sowohl, wie aller\nHaupt- und Unterlassungs-Sünden unserer artistischen\nTonangeber und helfenden Glieder, mit aller Wärme des\nNachdrucks zu verzeichnen. Schon mehr denn ein Mal ist\nuns der Karls-Kirchenchor als einer der feurigsten Träger\ndieser Fortschritts-Fahne entgegen getreten. In diesem\nMonate begegnen wir ihm bereits zum zweiten Male auf\nso ruhmvoller, wenngleich dornenbesäeter Fährte. Es freut\nuns jene Energie, mit welcher Herr Rupprecht seinen\nKünstlerberuf erfasst und ihn weit über die Niederungen\ndes handwerklichen Schlendrians empor zu schwingen ver-\nsteht. Eine neue That seines herrlichen Strebens liegt vor\nuns und spricht durch sich selbst ihr lautes Lob. Toma-\nschek's Es-dur-Messe(Op. 46), Vorjahren in einer lange\nschon zu Grabe gegangenen prager Musicalienhandlung im\nStich erschienen, hat uns Wienern erst ein einziges Mal\nvon ihrem künstlerischen Dasein Zeugniss gegeben. Man\n|f\ngab, soweit wir unterrichtet sind, dieses Werk zerstückelt\nund an nicht ganz passender Stelle, nämlich im Concert-\nsaale. Seitdem hat man dieses Meisterstück religiöser Ton-\nPoesie unter allerhand nichtigen Vorwänden in die Rüst-\nkammer geworfen. Unseren Haydn-Mozartisirenden musi-\ncalischen Genüsslingen wollte so ernste Kost nicht munden.\nMan schalt sie unpopulär, schwer ausführbar, gab aber da-\nfür so manchem auf heimischem Boden gekeimten tonlichen\nMissgewächse den Vorzug, ohne zu bedenken, dass der\nüber Tomaschek's Kirchenmusik verhängte Tadel die\nSchoosskinder unserer Chorregenten nicht minder treffe,\ndoch von den Lichtseiten dieser grossartigen Hymne keine\nSpur enthalte. Erst Herr Rupprecht bewies den ehrenhaf-\nten Muth, gegen den Bequemlichkeits-Sinn seiner Collegen\nauch in dieser Rücksicht Front zu machen. Er zog die\nstauberdrückte Tonperle am Pfingstsonntage wieder an das\nLicht. Für dieses edle Ansinnen und Vollbringen sei ihm\ndas herzlichste Dankeslob aller Unbefangenen gebracht.\nMöge uns ein kurzer Rück- und Umblick auf das Toma-\nschek'sche Meister-Opus, theils ob seiner historischen, theils\nob seiner ideellen Neuheit, theils aber auch im Interesse"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "252", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570808-01.1.4", "texte": "des tiefen und kernhaften Gehaltes, den es birgt, zugleich\naber auch die Mahnung an alle hiesigen Kunstgenossen des\nHerrn Rupprecht vergönnt werden, den hier in einem\nkaum verantwortlichen Grade unterschätzten Autor ge-\nnannter Messe von nun an eifriger und würdiger zu pflegen.\n„Fragt man nach dem eigentlichen Lebensnerv der To-\nmaschek'schen Es-dur-Masse, also nach dem Grund-Merk-\nmale, wodurch sich dieses Werk von vielen seines Gleichen\nunterscheidet, so suche man jenes geistig befruchtende\nWesen nicht allein in demjenigen Elemente, das man blü-\nhenden Gedanken-Reichthum nennt. So sehr auch diese\nKraft in unserem Werke leben mag, so hat dessen ungeach-\ntet Meister Tomaschek eine solche mit vielen seines Glei-\nchen nicht nur gemein, sondern ist hierin von eben so vie-\nlen Grossen des Tonreiches sogar weit überboten worden,\ndenen er wohl alsein geistig ebenbürtiger Tondenker, doch\nkeineswegs als eine schaffende Künstlergrösse ersten Ran-\nges zur Seite steht. Eben so wenig liegt dieses unseres To-\nmaschek kirchliches Tonwerk streng abmarkende und hoch\nüber vieles Vergangene und Gegenwärtige derselben Gat-\ntung schwingende Wesen • in einem aüssergewöhnlichen\nReichthume an meisterhafter thematischer Arbeit. So Wun-\nderherrliches dieses religiöse Tongemälde auch in dem eben\nbezeichneten Anbetracht einschliessen möge, so muss doch\noflfen bekannt werden, däss die hier entfaltete, allerdings\nhohe und in jedem Zuge ausgeprägte Meisterschaft die\nMarken des bereits Dagewesenen nicht überbietet. Auch in\nHinsicht auf Stimmungs- und Ausdrucks-Wahrheit zählt\nTomaschek's religiöses Tongedicht der gleich- und selbst\nhöher gestellten Schwestern nicht wenige. Allein derjenige\nPunkt, worin dieses verklärten Altmeisters Opus unter sei-\nnen Zeitgenossen, Vorgängern und Epigonen keinen Ne-\nbenbuhler zu scheuen hat, nennt sich —kurz gesagt das\nhier mit Allgewalt schon sflbstständig hindurchbrechende\nund an einzelnen Stellen sogar ganz unverhohlen geofien-\nbarte religiös-dramatische, tönendeAusdrucks-\nEl ement, Man fasse wohl die Tragweite dieser vier letz-\nten Worte und sondere gleich von vorn herein auf das\nstrengste den im Allgemeinen aus kirchlicher Stätte zu\nbannenden theatralischen Tonsatz. vom dramati-\nschen. Dort wuchert das Unkraut des absolut Würdelo-\nsen, über welches die Kritik, gleichviel, wo sie derartige\nauszujätende Gewächse findet, das rücksichtslose\nauszusprechen vollberechtigt ist. Hier aber, auf dem Coden\ndes zuerst durch S. Bach urbar gemachten, späterhin durch\nVogler, Cherubini, Beethoven und Mendelssohn zur höch-\nsten Blüthen-Ueppigkeit entfalteten dramatisch religiösen\nTonstils handelt es sich nicht etwa um das leidige Blend-\nwerk von Tonmalereien» wohlgelälligem Klingklang, Instru-\nmental-Lärm u. dgl. m., sondern um das musicalich klar\nund treu verlebendigte Wachrufen sowohl der durch den\nheiligen Text geschilderten Seelenstimmung, als auch um\ndas tönend so wahr wie möglich erneuerte, gleichsam\nsymbolische Abspiegeln derjenigen Vorstellungen, welche\ndas mit untrüglicher Zunge redende Wort der Bibel und\nKirche in jedes gläubige Christenherz geprägt hat. Diese\nAufgabe ist es nun, welche Tomaschek in seiner Es-dur-\nMesse als ein Meister erster Art, ja, als ein solcher gelös't,\nder seinen hehren, sonst nicht erreichten Vorkämpfer Bach\nan melodischer Eingänglichkeit, seine Collegen Vogler und\nCherubini an wahrhaft kirchlicher Ausdruckswürde, den\nmächtigen musicalischen Propheten Beethoven an themati-\nscher Logik, die geistvollen, aber der religiösen Beschau-\nlichkeit fast ganz fern stejienden musicalischen Epicuräer\nHaydn und Mozart endlich an männlichem Ernste und über-\nzeugungsvollem Glauben weit überboten hat. Es dürfte\ndiesfalls etwa bloss Mendelssohn, der musicalisch tief er-\ngreifende Psalmodiker und Oratoriensänger, unserem To-\nmaschek in Hinsicht auf das Vermögen idealer Ausgestal-\ntung des so glühend Erstrebten den Vorrang abgelaufen\nhaben. Tomaschek betet in seiner Es-dur-Messe mit bald\nzart-inniger, mild-gläubiger, bald mit männlich fester, un-\nerschütterlicher Zunge. Doch das Wie seiner Bitte passt\nimmer haarscharf zur wörtlichen Grundlage. Man lebt sich\ndurch seine Töne mit innerster Notwendigkeit in die\nGrundstimmung der heiligen Worte und ihrer einzelnen\nSituations-Schilderungen ein. Man begrüsse also Toma-\nschek's Messe als ein Musterbild von echt dramatischer\nCharakteristik und erfreue sich nebenbei auch an allen rein\nmusicalischen Glanzseiten, deren sie voll ist und wovon je-\ndem Emplänglichen die inhaltreiche Partitur lebendigste\nZeugenschaft ablegen möge. Ueber die Mache sagen wir\nnach Vorausgegangenem nichts mehr, als dass sie jene\neines vollgültigen Meisters. Dinge solcher Art lassen sich\nbesser lesen als erzählen. Man höre und lese also selbst.\nAber man blicke ja zuerst auf die reiche Psyche dieses\nTonwerkes; aus dieser Betrachtung werden gewiss die se-\ngensreichsten Früchte hervorspriessen.\"\n\nLondoner Briefe.\n\nDen 28. Juli 1857.\nIch bin ein wenig in Rückstand mit meinen Berichten\nüber die diesjährige Season; allein Sie kennen ja das mü-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "253", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570808-01.1.5", "texte": "sicalische London, Sie wissen, wie sich hier meist Alles in\ndemselben Kreise und in dem alten Geleise Jahr aus, Jahr\nein herumdreht. Das Gute stand auch dieses Mal, wie\nsonst, neben dem Schlechten, 01l dicht daneben, das Deut-\nsche neben dem Itahänischen, das Nationale neben dem\nFremden, nur dass bei der letzteren Zusammenstellung\nsich das Bestreben immer mehr zeigt, namentlich in den\nöffentlichen Blättern, das erstere auf Rosten des letzteren\n%\nzu erheben und die Welt an englische Musik glauben zu\nmachen, die doch im Grunde einige schottische und iri-\nsche Volks-Melodieen ausgenommen gar nicht existirt.\nUebrigens muss man gestehen, dass die Ehrlichkeit des\nenglischen Charakters doch bei alledem immer durchdringt.\nLies't man americanische Musik-Zeitungen, so gibt es nichts\nHöheres, als die Componisten der Vereinigten Staaten und\ndie Conccrte in New-York und Boston. In England aber\nherrscht denn doch, neben einem guten Geschmack in den\ngebildeten Classen, auch noch im ganzen Volke in so\nweit es sich für die Kunst interessirt eine ehrenwerthe\nPietät für ihre Heroen unter jeder Nation, und bricht über-\nall hervor, wo sich die Veranlassung bietet, sie zu offen-\nbaren.\nLassen Sie mich daher mit dem Ende der Season be-\nginnen, weil in diesem gerade wieder ein Beweis geliefert\nwurde für das eben Gesagte.\nWir hatten nämlich die Freude, Heinrich Marsch-\nner mit seiner Gattin im Juli hier zu sehen, leider zu spät\n(wie die Musical World sagte) für unsere alt- und neu-\nharmonischen Gesellschaften, allein doch noch zeitig genug\nfür alle Freunde und Verehrer der wahren Kunst, um dem\nMeister der dramatischen Musik und dem genialen Compo-\nnisten lyrischer Gedichte ihre Huldigung darzubringen. Es\nist nur Eine Stimme darüber in der hiesigen Kunstwelt,\ndass zumal am Schlüsse einer Season noch niemals\ndie Ankunft eines Künstlers sowohl von der Presse als von\nallen Kunstfreunden so gefeiert worden ist. Binnen weni-\ngen Tagen nach seiner Ankunft war Marschner bereits Ge-\ngenstand der allgemeinen Theilnahme und Besprechung.\nIh re Majestät die Königin lud den gefeierten Mann des\nTages nebst seiner Gattin zum Hof-Concerte im Bucking-\nham-Palaste ein und gewährte dem anspruchlosen deut-\nschen Künstlerpaare eine höchst ehrenvolle Aufnahme. Am\nSchlüsse des Concertes versicherte Ihre Majestät auf die\nhuldreichste WTeise dem Meister, wie sehr es sie freue, in\nihrem Lande endlich einmal den Mann zu begrüssen, den\nsie von Jugend auf in seinen Werken bewundern gelernt\nhabe, und Ihre Majestät hoffe, dass er mit seiner Gattin,\nderen einfach schöner Gesang sie wahrhaft entzückt habe,\nöfter nach England zurückkehren werde.\nSie wissen, wie bald dergleichen Auszeichnungen in\nLondon bekannt und maassgebend werden. Die Vocal-As-\nsociation beeilte sich, den grossen Componisten in voller\nSitzung unter lauten Cheerszu ihrem Ehren-Mitgliede zu\nernennen. Marschner's Dankworte, so wie sein Verspre-\nchen, dem Vereine eine Composilion zu widmen, wurden\nmit Jubel entgegengenommen. Der beliebte Liedersänger\nReichardt veranstaltete ein Concert zu Ehren des Mei-\nsters in Egyptian Hall,in welchem fast nur Compositionen\nvon Marschner vorgetragen und mit Enthusiasmus von der\nzahlreichen und sehr gewählten Zuhörerschaft, unter wel-\ncher sich fast alle londoner Künstler befanden, aufgenom-\nmen wurden. Marschner trug selbst sein Trio Nr. 6 lür\nPianoforte, Violine und Violoncell mit Molique und\nPiatti vor, und beim Schlüsse wollte der Jubel des auf-\ngeregten Publicums kaum enden. Ein wundervolles Duo lür\nSopran und Alt, „Die tanzenden Mädchen\" (Leipzig, bei\nKistner), von Fräul. Westerstrand und Frau Marschner\nvortrefflich vorgetragen, so wie mehrere von der letzteren\nmit tiefer Empfindung und reizender Anmuth gesungene\nLieder Marschner's (unter ihnen besonders „Der Schmetter-\nling\", bei Spina in Wien erschienen) riefen ganz ausser-\nordentlichen Beifall hervor und werden die Lieblinge der\nnächsten Season werden.\nEs konnte nicht ausbleiben, dass die kritischen Blätter\nin ihren Artikeln über Marschner auch besonders der edeln\nRichtung seiner Musik, die aus echt künstlerischer Natur\nentspringt, gedachten, wobei es denn nicht ohne stärke\nSchlagschatten abging, welche auf die Zukunfts-Musiker fie-\nlen, für die nun einmal hier gar kein Boden ist\"). Das\nkleine Stückchen Boden, das vielleicht noch da gewesen\nwäre, hat Richard Wagner bei seiner Anwesenheit und\ndurch seine Leitung der philharmonischen Concerte sich\nselbst unter den Füssen weggezogen. Wir hoffen, Marsch-\nner in der nächsten Season hier wieder zu sehen. Dem\nVernehmen nach sind ihm schon jetzt von Vereinen, Con-\ncert-Unternehmern und Musik-Verlegern Anerbietungen\ngemacht worden. Das ist leicht zu begreifen, weniger aber,\ndass ein solcher Mann nicht schon seit längerer Zeit einen\nihm so günstigen Boden bebaut und auf diese Weise uns\ndie Freud,e geraubt hat, ihn hier in seinen grösseren Wer-\nken bewundern zu können.\nDie italiänische Oper ist in beiden Theatern (in Her\nMajesty's Theatreunter Lumley und im Lyceum unter Gye)\n\n*) Vgl. London in Nr. 29. 8. 231. Die Redaction»"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "254", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570808-01.1.6", "texte": "ziemlich stark besucht worden. Die Lumley'sche Gesell-\nschaft eröffnele die Vorstellungen mit Donizetti's Favorita,\nworin die Prima donna Signora Spezzia und der Tenor\nGiuglini zum ersten Male in England auftraten. Die Spez-\nzia bat viel Spiel, das durch eine schöne äussere Erschei-\nnung unterstützt wird. Ihre Stimme ist stark, wird aber\ndurch Uebertreiben kreischend. Giuglini hat Aufsehen er-\nregt, mehr durch die Stimme als durch den Gesang, der\ngar Manches zu wünschen übrig lässt. Charakteristisch für\ndie Bildung der heutigen italiänischen Sänger ist, dass er\nden Don Ottavio im Don Juan nicht kannte und die Rolle\nerst hier studiren musste. Die „junge\" Prima donna, die\nPiccolomini, erschien zuerst wieder in der Regiments-\ntochter ; die Piccolominiten waren ausser sich, die Gegner\nschüttelten das Haupt, ein mitleidiges Lächeln zuckte um\nihre Lippen Alles vergebens. Ihre Stimme ist übrigens\nstärker geworden, und sie hat auch seit vorigem Jahre etwas\ngelernt; ich glaube aber nicht, dass dies für Paris aus-\nreicht, im Falle sie den Winter wieder dort hingehen sollte.\nEine dritte Prima donna, Signora Ortolani, von Lissa-\nbon kommend, trat mit Glanz in den Puritanern auf; Al-\nboni, die vierte, immer wieder als Rosine im Barbier,\nworin Reichardt den Grafen sang. Ausserdem war die\nBesetzung und das Ensemble der letzteren Oper sehr un-\ngenügend ; sie ist auch, was wohl noch in keiner Season\nvorgekommen ist, nur Ein Mal gegeben worden.\nAusser den genannten Opern gingen noch in Scene\nVerdi's Traviata, II Trovatore und Nino (d. i. Nabucco);\nLucia di Lammermoor, die Sonnambula, L'Elisir d'amore\nund Don Giovanni in der letzten Woche des Abonnements\nmit neuen Costumen und grossem Aufwände für Scene-\nrieen. Die Vorstellung war besser, als man sie sonst hier\ngewohnt ist; Donna Anna Spezzia, Elvira Ortolani,\nZerline—Piccolomini, Don Juan—Belletti u.s.w. In dem\nCyklus von nachträglichen Vorstellungen zu herabgesetzten\nPreisen, die am 20. Juli begannen, kamen denn auch Mo-\nzart's Figaro und Rossini's Cenerentola daran wahrlich\nkein Compliment für den Kunstsinn der Abonnenten der\nSeason, die man für ihre Guineen mit Verdi und Donizetti\nabspeis't!\nDas Lyceum brachte die Puritaner, Norma, Maria di\nRohan (!), die Favorite, den Trovatore, die Traviata, Rigo-\nletto, die Sonnambula, Don Juan, Lucrezia Borgia, Lucia\nund Fra Diavolo italiäniscb mit Recitativen von Scribe und\nAuber.\nBei Gye florirt immer noch die alte Garde, an ihrer\nSpitze Grisi und Mario, die nicht etwa ein oder zwei Mal\nauftraten, sondern in der ersten Hälfte der Season fast\nnicht von den Brettern kamen. Die Grisi hat die Elvira\n(Puritaner), Norma, Leonora (Trovatore), Leonora (Favo-\nrite), die Violetta (1 Mal), Lucrezia, Donna Anna gesun-\ngen! Eben so beschäftigt waren Mario und Ronconi. Einem\npariser oder berliner Publicum wäre eine solche Anhäng-\nlichkeit an blosse Namen rein unmöglich; denn von Stimme\nund selbst von Gesang ist fast bei allen Dreien nicht mehr\ndie Rede. Die äusserst graziöse und als Sängerin sehr\nhoch zu hallende Madame Bosio machte den Eindruck\neines frisch sprudelnden Quells unter den Ruinen in der\nWüste. Sie feierte als Gilda im Rigoletto, als Violetta in\nder Traviata, als Zerline im Don Juan und im Fra Diavolo\nverdiente Triumphe. Im Don Juan (immer Ronconi!) trat\ndenn auch Formes als Leporello auf, sonst in der ganzen\nSeason nicht.\nFräul. Victoire Balfe, Tochter des Componisten,\ndebutirte als Amine in der Nachtwandlerin und als Lucia.\nJugend, Schönheit und ein recht hübsches musicalisches\nTalent, dazu der Name des Vaters, bereiteten ihr einen\nglänzenden Erfolg. Nächst den Opern von Verdi zog\nAuber's Fra Diavolo am meisten, namentlich durch die Bo-\nsio und durch Ronconi als Lord, wo er ganz an seiner\nStelle und vortrefflich war. Gardoni sang zwar seine\nRomanzen recht gut, allein sein Spiel und der Vortrag der\ngrossen Arie im letzten Acte waren entsetzlich hölzern. Da-\nfür ergötzte ein eingelegter Tanz, eine eigens für London\nvon Auber neu componirte Saltarella.\nDie Concert-Rundschau nächstens.\n\nC. A.\n\nDie Orgel in der Basilica zu Trier.\n\nBekanntlich ist die Basilica zu Trier, eines der herr-\nlichsten Denkmale der Römerzeit, durch die Munificenz Sr.\nMaj. des Königs in ihrer ursprünglichen Gestalt vollkommen\nwieder hergestellt und ausgebaut worden. Der Allerhöch-\nsten Bestimmung gemäss ist das Gebäude, als „Kirche zum\nErlöser\", der evangelischen Civil- und Militär-Gemeinde\nvon Trier zum Gottesdienste übergeben worden, zu wel-\nchem Zwecke denn auch die Aufstellung einer Orgel in dem\nBauplane von Hause aus mit einbegriffen war.\nDer Bau dieser Orgel wurde den Herren A. Ibach\nSöhne in Barmen übertragen. Wenngleich die ursprüng-\nliche Disposition von 55 Stimmen aus ökonomischen Rück-\nsichten auf 40 zurückgeführt werden musste, so haben die\nErbauer dennoch ein Werk aufgestellt, das sowohl in äus-\nserer architektonischer Hinsicht, als in akustischer und har-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "255", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570808-01.1.7", "texte": "monischer den grossartigen Verhältnissen des Gebäudes\n(*235 Fuss lang, 104 F. breit, 102 F. hoch von der Sohle\nbis zum Gesims, wo die Bedachung beginnt) vortrefflich ent-\nspricht. Da die Empore, auf welcher die Orgel steht, auf\nacht, 29 Fuss hohen Säulen ruht und mit verhältnissmässi-\nger Tiefe die ganze Breite der Kirche dem Altar gegenüber\neinnimmt, so stand mehr als hinreichender Raum zur Ver-\nfügung, um sowohl die Aufstellung überhaupt sehr klar\nund bequem zu ordnen, als auch die künftige Ergänzung\nohne alle Störung des Bestehenden und Fertigen mit Leich-\ntigkeit zu ermöglichen.\nDie Orgel hat drei Manuale und ein Pedal. Die Dispo-\nsition ist folgende;\nI. Haupt-Manual.\n1. Principal 16 Fuss.\n2. Quintatön 16 „\n3. Principal 8 „\n4. Viola di Gamba ... 8 „\n5. Gedackt 8 „\n6. Flaut major .... 8 „\n7. Nasard 5l/3 ~\n8. Octave 4 „\n9. Hohlflöte 4 „\n10. Quint 22/3 „\n11. Octave 2 „\n12. Cornet, fünffach ... 4 ~\n13. Scharf, fünffach ... 2 „\n14. Trompete .... 8 „\nII. Manual.\n1. Bourdon 16 Fuss.\n2. Principal 8 „\n3. Fugara 8 „\n4. Rohrflöte 8 „\n5. Octave 4 „\n6. Flauto dolce . ' . 4 „\n7. Octave 2 „\n8. Sesquialter, zweifach, . 2 „\n9. Mixtur 11/3 „ vierfach.\n10. Trompete r 8 „\nIII. Manual.\n1. Salicet 8 Fuss.\n2. Fernflöte 8 „\n3. Lieblich Gedackt 8 „\n4. Flauto amabile ... 4 „\n5. Principal 4 „*)\n6. Gemshorn 2 „\nPedal.\n1. Principal 32 Fuss.\n2. Octavbass 16 „\n3. Violon 16 „\n4. Subbass 16 „\n5. Octavbass 8 „\n6. Violon . . 8 „\n7. Quint 5V3 „\n8. Octavbass . 4 Fuss.\n9. Bassposaune .... 16 „\n10. Trompete 8 ~\nDas Gehäuse ist 50 Fuss hoch, 35 Fuss breit und\n16 Fuss tief; der Prospect mit seinen zwei halbrunden, in\nantikem Baustyl verzierten Thürmen, in denen 30 zwei-\nunddreissiglüssige Pfeifen stehen, die zusammen 5000 Pfund\nwiegen, gewährt einen prächtigen Anblick. Im Ganzen ste-\nhen 87 Pfeifen im Prospect. Das Gebläse besteht aus einem\nHauptbalg mit 4 Pumpen und 5 Magazinbälgen, welche\nden Wind in die verschiedenen Windladen verlheilen.\nDie Revision, mit welcher Herr van Eyken, Organist\nan der reformirten Kirche zu Elberfeld, und der Unter-\nzeichnete beauftragt waren, ergab ein in jeder Beziehung\ngünstiges Resultat, sowohl in Rücksicht auf Kraft und ge-\nwaltige Tonlülle des vollen Werkes und auf Mannigfaltig-\nkeit und Klangfarbe der einzelnen Stimmen, als auch auf\ndie nicht bloss contractmässige, sondern überhaupt höchst\ngenaue, sorgfältige und feine Arbeit der Mechanik und des\nganzen Innern der Orgel. Sämmtliche Labialstimmen sind\nganz vorzüglich gelungen, und das Pedal imponirt durch\nKraft und dennoch weichen Klang. Von den einzelnen Re-\ngistern sind zunächst die Principalstimmen sämmtlich\nsehr schön; dann verdienen im Hauptmanual Quintatön,\nViola di Gamba,Cornet und Trompete besonders hervor-\ngehoben zu werden, im 11. Manual Fugara und\nDie Stimmen des 111. Manuals sind alle ganz vorzüglich,\nnamentlich haben wir kaum irgendwo Salicional 8 Fuss und\nFlaulo amabile 4 Fuss so schön, wie hier, geschweige denn\nschöner, gehört; die achtlüssigen Fernflöte und Lieblich\nGedackt schmiegen sich ihnen mit herrlichem Wohllaut an.\nSo haben denn die Orgelbauer Ad. Ibach Söhne ein\nneues Denkmal ihres Fleisses und ihrer Kunslfertigkeit in\ndieser Orgel, welche nun die grossartige Basilica ziert, auf-\ngestellt, und durch den sichtbaren Fortschritt in ihrer Kunst\nden erfreulichen Beweis gegeben, dass der deutsche Orgel-\nbau seinen alten Ruf nicht bloss zu rechtfertigen, sondern\nnoch stets besser zu begründen und zu erhöhen weiss;\ndenn unstreitig gehört die Orgel in der Basilica zu Trier\nzu den trefflichsten Werken der neueren Zeit.\n*) Nicht im Contract, aber der Vollständigkeit wegen vom Orgel-\nbauer besonders hinzugefügt.\n\nL. Bischoff.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nTrier9 12. Juli. Bei Gelegenheit der Revision der neuen Orgel\nin der Basilica (s. oben) gab Herr J. A. van Eyken aus Elberfeld\ngestern Nachmittags ein Orgel-Concert zum Besten der Armen der\nevangelischen Gemeinde. Durch vortreffliches Spiel und kunstgewandte\nBehandlung aller Ausdrucksmittel liess der Meister die vorzüglichen\nEigenschaften des grossartigen Instrumentes in ihrem wahren Lichte"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "256", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570808-01.1.8", "texte": "glänzen. Er trüg vor: von J. S. Bach Präludium und Fuge in F-moll\nund ein Choral-Vorspiel, von Mendelssohn die Sonate über den Cho-\nral „Vater unser im Himmelreich\", von R. Schumann das Abendlied,\nvon Beethoven das Andante aus der fünften Sinfonie und drei Stücke\nvon eigener Composition, Variationen über das niederländische Volks-\nlied (von denen wir besonders den Canon in der dritten und die letzte\nauszeichnen), ein schönes Andante in E-dur und eine vortreffliche\nPhantasie über feste Burg ist unser Gott\". Einen wunderbar\ngrossen Eindruck machte zum Schlüsse Hallelujah aus dem\nMessias, von Herrn van Eyken für Orgel, Posaunen und Trompeten\neingerichtet. Zwischen den Orgel-Vorträgen sangen die Schüler der\nevangelischen Elementarschule ~Der Herr ist mein Hirt\" von B.\nKlein und „Harre des Herrn\" von C. Malan; Einübung und Vor-\ntrag machten dem Lehrer Herrn Plunien alle Ehre. Die freiwilligen\nGaben der Zuhörer betrugen über 74 Thaler.\nAls Beitrag zur Ausgiebigkeit der Tantieme erzählt die berliner\nMontags-Post Folgendes: „Capellmeister Gläser in Kopenhagen hatte\ndurch die glückliche Begegnung mit einem Handlungsreisenden\nZeitungen scheint der edle Musiker nicht zu lesen erfahren, dass\nseine Oper ~Des Adlers Horst\" in Berlin gegeben worden sei. Nach\nTantieme begierig, schrieb Herr Gläser an die Intendantur, erhielt\naber zur Antwort, dass im Jahre 1851 das alte Königstädtische\nTheater mit seiner Bibliothek und sämmtlichen Instrumenten an die\nKönigliche Bühne rechtmässig übergegangen sei, mithin gegen die\nAufführung jener Oper keine Einsprüche erhoben werden könn-\nten. Hierauf antwortete der Capellmeister, dass er gesonnen sei, kei-\nneswegs Einsprüche, sondern nur Ansprüche zu erheben, und\nzwar auf Tantieme. Nach einer längeren, etwas drastischen Cor-\nrespondenz schrieb die General-Intendantur, dass sie nach genomme-\nner Rücksprache mit ihrem Rechts-Anwalt, Herrn v. Drigalsky, die\nAuszahlung der Tantieme nicht länger zu beanstanden gedenke. Herr\nGläser erhielt demnächst etwas über 320 Thlr und später nochmals\nfast eine gleich hohe Summe. Die alte Königstadt hatte ihm mit\nihrer gewöhnlichen Munificenz in Bausch und Bogen hundert Tha-\nler gezahlt. Dem Vernehmen nach wird sich der Componist von jetzt\nan eifrig auf Zeitungs-Lecture legen.\nIjüitefoiirg# Am 30. April beschloss der hiesige Musik-\nVerein seine diesjährigen Uebungen mit der Aufführung des Ale-\nxander festes oder der Macht der Musik von Händel nach Mo-\nzart's Bearbeitung. Dem bekannten Sujet hat Händel mit der ganzen\nOriginalität seines Geniels und der ihm eigenthümlichen Charakteristik\nTöne geliehen. Wenn er jeder Stimmung, dem stolzen Selbstgefühle\nwie der bacchantischen Lust, der Klage wie der Wonne der Liebe,\nihren rechten Ausdruck gegeben hat, so fühlt man es besonders in\ndem Chore, in welchem er die hehre Jungfrau die neue Kunst in\ndem Wunderbau ihrer Harmonieen und Melodieen entfalten lässt,\ndass sie eben in ihm ihren geweihten Priester gefunden hat. Von\nunserem Standpunkte aus würden wir es als ein Unrecht gegen den\ngrossen Meister betrachten, wenn wir behaupten wollten, dass irgend\neine Nummer ihren Zweck nicht vollkommen erfülle. Daher fühlen\nwir uns auch dem Dirigenten Herrn Anger zu besonderem Danke\nverpflichtet, dass er uns das Werk in unverkürzter Gestalt vorge-\nführt hat. Seinem Dirigenten-Talente verdanken wir es zugleich,\ndass die Aufführung, einige kleine Störungen abgerechnet, eine ge-\nlungene war. Die Herstellung meines geschmackvolleren Textes ver-\ndanken wir einem für die Förderung des musicalischen Lebens in\nunserer Stadt mit warmer Liebe thätigen Mitgliede des Vereins.\nDer Ertrag des Concertes ist dem Baufonds lür das Händel-Denk-\nmal überwiesen worden. Junghans.\nDer Pianist Rudolf Willmers ist von seiner mehrmonat-\nlichen Kunstreise in Russland nach Wien zurückgekehrt. Er hat mit\nseinem brillanten Spiel sowohl in St. Petersburg, wie auch in Mos-\nkau, Riga, Mitau, Dorpat um! Breslau grosse Erfolge gehabt und\nsoll auch mit den materiellen Ergebnissen seiner Concerte vollkom-\nmen zufrieden sein, trotzdem die Kosten der Concert-Arrangements\nin Russland, namentlich in Petersburg, sehr bedeutend sind. So be-\nträgt z B. die Druckerrechnung für die Affichen eines Concertes\nallein 100 Silberrubel.\nDem Vernehmen nach soll Herr B. Scholz, Professor am Con-\nservatorium zu München, die Stelle eines Musik-Directors am\nTheater zu Zürich angenommen haben.\nDer Tenorist Labocetta in Neapel ist auch Violoncellist und\nhat neuerdings mehrere Quintette für vier Celli und Contra-\nbass componirt, welche sein früherer Lehrer in der Composition,\nMercad ante, für das Conservatorium adoptirt hat.\nParSs. Ein neuer Tenorist, Renard, ist in der grossen Oper\nals Arnold in Rössings Wilhelm Teil aufgetreten und hat grosses\nAufsehen erregt, das sich in jeder folgenden Vorstellung gesteigert\nhat. Seine Stimme ist von ausserordentlicher Kraft und Höhe, sie\nerinnert an Duprez' Jugend. Das berühmte c mit der Brust kostet\nihm nicht die geringste Anstrengung. Er hat durch diese wunder-\nbare Stimme einen wirklichen Enthusiasmus erregt, in welchem das\nPublicum, was sonst hier selten der Fall ist, ihm sogar die Unbe-\nholfenheit im Spiel verzieh.\n• ~ ' ~ —-\nAnfangs Juni ist in Buenos Ayr es das Oratorium Paulus\nvon F. Mendelssohn in der Kirche aufgeführt worden und hat\ngrosse Begeisterung erregt. Unter dem Chor von 80 Mitgliedern wa-\nren viele, die keine Noten kannten; auch hatte die Einübung vier\nMonate lang gedauert."}]}