{"numero_id": "bm-bmtnabi-1857-08-15-01", "volume": "bmtnabi_1857-08-15_01", "ocr_sha256": "fb96f77741f33465912eb5fe88226234dc9992c5dc2dc17991b24277e61741fb", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1857/08/15_01/bmtnabi_1857-08-15_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570815-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1857-08-15-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-08-15_01#c001", "volume": "bmtnabi_1857-08-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "257", "page_fin": "257", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570815-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "257", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570815-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 385, "texte": "Inhalt.\nAesthetik der Musik. Von Dr. Friedr. Theod. Vischer. I. Joh. Seb. Bach's Sonaten für die Violine. Von L. B.\nTages- und Unterhaltungsblatt (Köln, J. Derffel, Coneert des Männergesang-Vereins, Geschwister Raczeck, F. Hiller Karl\nWauer Berlin, königliche Oper Die C. M. ron Weber'schen Clavier-Compcsitionen Feri Kletzer— Capellmeister Taubert Wien,\nneue Opern Deutsche Tonhalle.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-08-15-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-08-15_01#c002", "volume": "bmtnabi_1857-08-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "257", "page_fin": "261", "image_debut": 1, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570815-01.2.2", "titre_corps": "Aesthetik der Musik.", "titre_sommaire": "Aesthetik der Musik.", "signature_source": "Friedr. Theod. Vischer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "257", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570815-01.1.1", "debut_caractere": 387, "fin_caractere_exclue": 3902, "texte": "Aesthetik der Musik.\nVon Dr. Friedr. Theod. Vischer.\nI.\nVon dem Werke: „Aesthetik oder Wissen-\nschaft des Schönen. Zum Gebrauche für Vorlesungen\nvon Dr. Friedrich Theodor Vischer, Professor der\nAesthetik und deutschen Literatur an der Universität und\ndem Polytechnicum in Zürich\" (Stuttgart, Verlags-Expedition\nder Verlags-Buchhandlung von Karl Mäcken in Reutlingen)\nenthält der dritte Theil „die subjectiv-objective Wirk-\nlichkeit des Schönen oder die Kunst\" und dessen zweiter\nAbschnitt: „Die Künste.\" Die zweite Galtung derselben:\n»Die subjective Kunstform oder die Musik\",\nbildet den Inhalt des zuletzt erschienenen vierten Heftes\ndes genannten dritten Theiles und liegt in einem starken\nOctavbande von 383 Seiten vor uns.\nDer Werth von Vischer's Aesthetik ist bereits so all-\ngemein anerkannt, dass der gebildete Musiker und der\nKunstfreund, der nach wissenschaftlicher Aulklärung und\nBegründung dessen, was seine Seele erfreut, strebt, mit\nder gespanntesten Erwartung dem Erscheinen dieses Ban-\ndes entgegen sahen. Wir können versichern, dass diese Er-\nwartung sich nicht getäuscht findet, und wollen gleich von\nvorn herein dem etwaigen Vorurtheile begegnen, dass die\nSchwierigkeit des Verfolgens wissenschaftlicher Unter-\nsuchungen, ja, schon des Verständnisses der philosophischen\nSprache, lür den grössten Theil der Lesewelt eine un-\nüberwindliche sei. Dies ist bei Vischer durchaus nicht der\nFall. Er ist so klar und scharf im Ausdruck des Gedach-\nten, wie im Denken selbst, und überall, wo der Stoff es\ngestattet, und wie häufig ist dieses in der Kunstlehre\nder Fall! durchwirkt auch eine reiche Phantasie das Ge-\nwand der Darstellung mit anziehenden und das Gemüth\nanregenden Bildern. Freilich macht ein solches Buch seine\nForderungen an den Leser, und wer in dem seichten und\nfrivolen Kunstgeschwätz, wie es die meisten öffentlichen\nBlätter jetzt auftischen, Befriedigung findet, der bleibe da-\nvon; denn nicht allein um die Belehrung aus einem solchen\nWerke, sondern auch um den Genuss des Inhalts ist es,\nwie um die wahre Freude an einem Kunstwerke selbst,\neine sehr ernste Sache. Das Buch verlangt einen denken-\nden Leser, der ausser dem gesunden Menschenverstände\nfesten Willen, Ausdauer und allerdings auch einen gewis-\nsen Grad von wissenschaftlicher und musicalischer Bildung\nmitbringt; allein der besonderen Fachgelehrsamkeit bedarf\ner durchaus nicht. Wenn irgend ein Werk geeignet ist,\ndurch die reife Frucht des Denkens den wilden Aufschuss\ndes Unkrautes, das die ästhetischen Halbwisser auf ihren\ngemietheten Plätzen lür kunstphilosophisches Erzeugniss\nverkaufen, von dem Markte zu verdrängen und dem Geiste\ndes strebenden Tonkünstlers wieder edle Nahrung zu bie-\nten, so ist es dieses Buch, welches die räthselhafte Natur\nder schönsten aller Künste zu erforschen und die Grund-\nsätze der Lehre vom Schönen aus ihrem Wesen zu ent-\nwickeln und auf ihre Erzeugnisse anzuwenden strebt.\nEs zerlällt in drei Haupt-Abschnitte; sie behandeln I.\ndas Wesen der Musik, 11. die Zweige der Musik, 111. die\nGeschichte der Musik. Die äussere Form der Behandlung\ndes Stoffes ist der Art, dass eine fortlaufende Reihe von\nParagraphen die Haupt-Lehrsätze enthält, und jedem der-\nselben eine Erläuterung, theils Begründung, theils Aus-\nführung des im Paragraphen Enthaltenen, zugegeben ist.\nDer I. Abschnitt betrachtet zuerst das Wesen der\nMusik überhaupt, dann die einzelnen Momente, nämlich das\nTon-Material und seine Gliederung, die Composilion und\nihre wesentlichen Formen, den musicalischen Stil (§§. 746"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "258", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570815-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4951, "texte": "793*]). Der 11. Abschnitt bespricht erst im Allge-\nmeinen den Unterschied der Vocal- und Instrumental-Mu-\nsik und ihr Verhälmiss zu einander; dann im Besonderen\na) die Vocal-Musik und ihre Gattungen, b) die Instrumen-\ntal-Musik eben so, und cjdie Vocal- und Instrumental-\nMusik in Einheit und Wechselwirkung (§§. 794 821).\nDer 111. Abschnitt behandelt nach allgemeinen Sätzen\nüber Eigenthümlichkeit und treibende Gegensätze der Ent-\nwicklung der Tonkunst die Musik des Alterthums, des Mit-\ntelalters und die moderne Musik im Besonderen (§§. 822\n832), Ein Anhang über die Tanzkunst (§. 833)\nschliesst das Werk.\nIn den ersten Paragraphen (über das Wesen der Mu-\nsik überhaupt) entwickelt Vischer in unmittelbarer Folge\neiner Gedanken-Reihe, die an die letzte der bildenden\nKünste, an die Malerei, anknüpft, die Entstehung der sub-\njektiven Kunstform oder der Musik.\nDas Grundgesetz der Eintheilung der Kunst in Künste\nist in dem Fortgange von der Objectivität zur Sub-\njectivität und zur höheren Einigung beider gefunden, der-\nselben Kategorie, worauf die Stufen des Systems: das\nNaturschöne, die Phantasie, die Kunst, beruhen. Die bilden-\nden Künste stellen ihr ideales Weltbild dem Subjecte gegen-\nüber als ein Object, das ausser ihm, der eigentlichen Be-\nwegung ermangelnd, im Räume verharret. Alles räumliche\nSein trägt aber den Charakter des Ausschliessenden, es\nbleibt mithin stets noch eine Scheidewand zwischen der\nbildenden Kunst und dem Innern des Zuschauers, ein Ge-\ngenüber von Subject und Object, es kommt in ihr nicht\nzu einer vollendeten Durchdringung beider.\ni\nDie Malerei bildet den Uebergang zu der neuen Kunst-\nform, welche jenen Gegensatz aufheben wird. „ Der Ein-\ntritt der Musik ist in ihr so vorbereitet, dass man sagen\nkann, man höre überall ihren Schritt schon an der Pfortp.\nDie Malerei steht an der Gränze der bildenden Künste\ndurch das Princip ihrer Darstellungsweise, wonach sie\neinen blossen Schein der Dinge auf die Fläche wirft, fer-\nner durch das Ueberwiegen des Ausdrucks, die vielgestal-\ntige Handlung, namentlich durch die Magie der Farbe\nscheint der Charakter der Objectivität sich verflüchtigen\nzu wollen; es ist die subject ive Bewegtheit bereits\nin dem Maasse eingedrungen, dass zum Durchbruche ihres\nUebergewichts nur noch Ein Schritt fehlt. Hegel's treffen-\nder Ausdruck ist, dass in der Magie des Colorits das Ob-\njective gleichsam schon zu verschweben beginne und die\nWirkung fast nicht mehr durch etwas Materielles ge-\nschehe. \"\n„ Dieser Schritt zur Auflösung der Objectivität muss\nalso ausgeführt, der Gegenstand ganz in das Subject hinein-\ngezogen und in dessen innere Bewegtheit aufgehoben wer-\nden, damit erst die Subjectivität in ihr volles Recht trete.\nNur dadurch wird es möglich, dass auf einer weiteren Stufe\ndas Object als eine neue Schöpfung wieder aus dem Geiste\nhervorgehe.\"\nEs muss also eine Kunstform geschaffen werden, bei\nwelcher das Ineinandergähren von Object und Subject ein-\ntritt, welches inniger, aber dunkler ist, als das Verhal-\nten in der bildenden Kunst; es muss eine absolute Durch-\ndringung geben, worin das Gegenüber ganz flüssiges In-\neinander, das Hinausgestellte ganz innerstes Eigenthum\nbleibt, und zwar schon im inneren Acte selbst, wo eben\ndaher derjenige, der das Kunstwerk geniesst, mit seinem\ninnersten Selbst darein eingeht oder umgekehrt es in sein\ninnerstes Selbst eingehen und jene Zwei in einander auf-\ngehen fühlt.\nUrheber dieser sich dann eröffnenden Kunstform ist\ndas Gefühl. „Das Subject, welches allen Gegenstand\naufgehoben in sich trägt, kann in der Kunst nur das füh-\nlende sein. Vermöge innerer Nothwendigkeit besteht da-\nher im Leben der Phantasie eine besondere Form, worin\ndieselbe mit ihrem ganzen Wesen sich auf den Standpunkt\ndes Moments der Empfindung stellt und bloss inner-\nhalb derselben bildet. Die Auffassung der empfinden-\nden Phantasie ist schlechthin eigentümlich, durch keine\nandere zu ersetzen und eben dadurch berufen, eine\nselbstständige Kunst form zu begründen.''\nZur Erläuterung des Gesagten fährt Vischer dann fol-\ngender Maassen fort:\n„Zunächst ganz allgemein philosophisch haben wir im\nVorigen begründet, dass die Kunst eine besondere Gestalt\nerzeugen muss, worin das Subject Alles, worin aller Ge-\ngenstand in dasselbe aufgegangen ist, dass dieses einmal\nganz, und ausschliesslich zum Rechte kommen muss, um\nzu zeigen, dass es auch in der bildenden Kunst überall\nnicht das blosse Object, sondern seine Durchdringung und\nDurchgeistigung war, was dem Stoffe seinen Kunstwerth\ngab. Fragt es sich nun, wie diese Forderung sich realisiren\nsoll, so leuchtet ein, dass dies durch keinerlei Verhalten\ngeschehen kann, worin der Geist auf gegebene Objecte als\nsolche gerichtet ist. Die Anschauung hat das Ihrige in der\nbildenden Kunst, die auf ihren Standpunkt sich stellte, ge-\nthan; ob die verinnerlichte Anschauung, die Vorstellung,\n\n*] Paragraphen und Seitenzahl schliessen sich den Zahlen in den\nfrüheren Bänden des gesammten Werkes an."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "259", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570815-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5243, "texte": "also das Einbilden ganz allgemein, ebenfalls den Standpunkt\nabgeben kann, auf den die Phantasie sich stellt, kann hier\nnicht zur Sprache kommen; denn auch diese Form beruht\nauf bestimmtem Verhalten zu Objecten. Es bleibt also nur\ndas Subjectivste im Subject, das Gefühl, als Or-\ngan der geforderten Leistung übrig; die Form, von der\nsich gar nichts prädiciren lässt, was zu der Bestimmung:\nmir ist es so und so zu Muthe, in mir klingt die Welt\nso und so an irgend eine weitere, einem Objecte ent-\nnommene Eigenschafts-Bestimmung hinzubrächte. Allein\nwir sind im ästhetischen Gebiete, wir reden nicht vom\nGelühle überhaupt, sondern von der Phantasie als Ge-\nfühl, also von dem Gefühle, wie die Kraft der Phantasie\nsich in dasselbe legt und das Ganze ihrer Thätigkeit in\ndiesem Elemente durchführt, so dass, was in anderen Ge-\n%\nbieten Anschauung, Einbildungskraft, Erzeugung des rei-\nnen inneren Urbildes ist, auch hier, jedoch in anderem\nSinne, anderer Form vor sich geht. Nach jener Bezeich-\nnung wäre das Gefühl eigentlich ein Unsagbares, Unaus-\nsprechliches; denn ohne alle und jede Hülfe objectiver Prä-\ndicirung lässt sich doch im Grunde kein Wort finden, zu\nsagen, wie mir zu Muthe ist; eben in diese Lücke aber\nwerden wir nun die Phantasie als empfindende eintreten\nsehen. Es ist vorher zugleich mit der ersten Einführung in\ndieses neue Gebiet ausgesprochen, wie dasselbe allerdings\nüber sich selbst hinausweis't, eben so bestimmt aber ist\ndessen reine Selbstständigkeit behauptet. Dies findet nun\ngenau seine Anwendung auf das Gefühl als Urheber der\nsich nunmehr eröffnenden Kunstform. Die Phantasie wird\njene Lücke in gewissem Sinne ausfüllen, doch keineswegs\nso, dass das nun zu einer Welt von inneren Formen und\nUnterschieden entwickelte Element gegenüber dem Dringen\ndes Geistes auf objective Bestimmtheit nicht noch immer\nals eigenschaftslos, unterschiedslos sich darstellte; dies ist\ndie Eine Seite, welche merkbarer, als in anderen Künsten,\nfortleitet, weiter weis't; aber eben so gewiss ist, dass das\nGelühl mit jener Art von Sprache, die es als Form der\nPhantasie und Kunst gewinnt, solches sagen kann, was\ndurch gar kein anderes Organ hinreichend gesagt werden\nkann. Kein Bild, kein Wort kann dieses Eigenste und In-\nnerste des Herzens aussprechen, wie die Musik; ihre Innig-\nkeit ist unvergleichlich, sie ist unersetzlich, ein rein selbst-\nständiges, in reiner Eigenkraft bestehendes Wesen. Ja, die\nBetrachtung der Musik müsste eigentlich in ganz anderem\nUmfange, als die der anderen Künste, in die Psychologie\ngezogen werden. Was die letzteren betrifft, so genügt es\ndieser Wissenschaft, die inneren Unterschiede der Phanta-\nsie, worauf sie beruhen, im Allgemeinen aufzuzeigen; was\naber das Gefühl sei, erfahren wir so entschieden nur durch\ndie Kunstform, die es sich durch die Bildungskraft der\nPhantasie in der Musik gibt, dass eigentlich der Apparat\ndieser Kunst vom Psychologen zu Hülfe zu nehmen ist,\num das innere Leben des Gelühls auch abgesehen von der\nKunst, zu beleuchten; von der Anschauung, von der Vor-\nstellung wissen wir auch ohne die Kunst, über das Gelühl\nbelehrt nur sie uns.\"\nDer Verlauf der Erörterungen über die Natur des Ge-\nlühls als „lebendiger Mitte des gesammten Geisteslebens\"\nund über die Art, wie aus ihm durch die Phantasie die\nMusik als seine Sprache und als neue Kunstform hervor-\ngeht, ist eben so belehrend als anziehend und fesselnd.\nWir müssen jedoch die Leser auf das Buch selbst verwei-\nsen und wollen aus dem ersten Haupt-Abschnitte nur noch\nfolgende interessante Stelle ausheben, in welcher der Ver-\nfasser zugleich auch sein Verhältniss zu der Ansicht von\nH a n s I i c k berührt.\n„Liegt dem Gefühle, wie vorher gezeigt ist, unmittel-\nbar der stetige Uebergang in die klar scheidenden Thätig-\nkeiten des Geistes nahe, so muss mit seinen Bewegungen,\nauch wo es ganz in sich bleibt, der Eindruck verbunden\nsein, als wollten diese so eben eintreten; sie lauschen be-\nständig an der Schwelle des Gelühls und mit ihnen das\nObject. Die Subjectivität des Gelühls ist also eine schwe-\nbende; so wie man es festhalten, fixiren will, stellt sich\nfast unvermeidlich die Beziehung auf einen Gegenstand ein.\nSo ist z. B. die Furcht ein Gefühl, das nicht rein, sondern\nvom Bewusstsein begleitet ist; denn sie geht auf einen er-\nkannten Gegenstand. Ziehe ich dies ab, so bleibt die unbe-\nstimmte Bangigkeit, an deren Horizont aber immer wieder\ndas Object, worin die Ursache dieser Stimmung liegt, wie\neine leichte Wolke schwebt, die sich zu verdichten und\naufzuziehen im Begriffe scheint. Das Gefühl ist objectlos\nund doch jeden Moment im Begriffe, objectiv zu werden.\nSetzen wir nun, was wir erst im Verlauf ableiten werden,\nvoraus, .dass das Gelühl eine eigene Kunstform finden wird,\ndie ihm ohne Worte als Sprache dient, so wird die Folge\ndieser stets fühlbaren Nähe der bewussten und gegenständ-\nlichen Welt die sein, dass der, welcher diese Gelühlssprache\nvernimmt, zugleich seine bestimmteren Geistes-Thätigkeiten\nmit angeregt fühlt; die Phantasie als inneres Auge führt\nihm Gestalten vor, welche auf den Wellen des Gefübls-\nRhythmus in traumartig verschwimmenden Umrissen sich\nbewegen; Erinnerungen, bestimmte Vorstellungen schiessen\nihm an, er gibt dem ausgedrückten Gefühle ein bestimmtes"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "260", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570815-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5267, "texte": "Object. So viele Zuhörer, so verschiedene Vorstellungen,\nwiefern solche nur mit der Stimmungsfarbe des im Kunst-\nwerke ausgesprochenen Gefühls verträglich sind, umgaukeln\nnun den Fluss des letzteren; Jeder glaubt die besonderen\nGeheimnisse seiner Brust aufgeschlossen. Und dies ist so\nwenig eine Trübung des dargestellten Gefühls, dass es viel-\nmehr nur eine Realisirung der in ihm liegenden steten Mög-\nlichkeit ist, nach allen Seiten in die Form der Vorstellung\nmit bestimmtem Inhalt überzugehen. Die Musik gibt im\nGefühl eingehüllt die ganze Welt, der Zuhörer öffnet in\nunendlicher Verschiedenheit- die Hülle. Allein wir haben\nschon oben auf einen höchst wesentlichen Unterschied auch\nin der Kunslform selbst hingedeutet, dessen nähere Be-\ngründung sich nun von selbst ergibt; wie das Gefühl in\nseiner Reinheit, d. h. ohne begleitendes Bewusstsein empi-\nrisch nur als verschwindender Moment vorkommt, wie es\nvielmehr in seinem Wesen liegt, dass es stets im Sprunge\nist, überzugehen in die bestimmte, Objecte aufzeigende\nGeisteswelt, so wird es auch in der Kunst zu einer Anleh-\nnung hinstreben, worin eine andere, das Object nennende\nKunstgattung seinem Dunkel zu Hülfe kommt und ihm be-\nstimmten Inhalt gibt; daraus werden wir die Vocal-Musik\nim Unterschiede von der reinen, d. h. der Instrumental-\nMusik, hervorgehen sehen. In dieser Verbindung wird sich\nnun das Gefühl eines bestimmten Inhalts, eines Gegenstan-\ndes bewusst; nun weiss ich, was mich bange oder frei,\ntraurig oder heiter stimmt; nun hat jene Schwierigkeit ein\nEnde, das mit dem Worte zu bezeichnen, was dem Worte\nsich entzieht, und nun ist den Zuhörern vorgezeichnet, mit\nwelcherlei Vorstellungen sie ihre Gemüthsbewegungen zu\nbegleiten haben. Es ist zu §. 698 von der Landschalt, dem\nder Musik verwandtesten Zweige der Malerei, gesagt wor-\nden, das in ihr niedergelegte Gefühl lasse sich nicht recht\nin Worten ausdrücken, man wisse nur etwa zu sagen: das\nfühlt sich so öde, so hart, so schwül, so dämmernd, so\nfeucht an u. s. w. Eben so fühlt sich die blosse Instrumen-\ntal-Musik; wir suchen nach Ausdrücken und wählen sie\naus dem Gebiete dunkler, halb physiologischer Zustände\ndes atmosphärischen Lebens u. s. w.: sanft, stürmisch,\ndumpf, hell, verhüllt, offen, schwungvoll, malt, gespannt,\ngelös't, schleichend, beflügelt u. s. w.; an das Wort des\nDichters gelehnt, gewinnt nun die Stimmung, die ihr An-\nsich so unzulänglich auszusprechen vermag, Körper und\nInhalt, das Räthsel sein Wort. Wir haben aber in §. 748\ngesehen, dass das Gefühl in seiner Reinheit nur vorliegt,\nwo es von dem begleitenden Bewusstsein getrennt wird,\nund somit stehen wir vor einer schwierigen Wahl; entwe-\nder reines Gefühl, aber behaftet mit einem Bedürfniss der\nErgänzung, die es deutet, seiner Objectlosigkeit abhilft,\noder gedeutetes, auf das Object bezogenes, aber nicht mehr\nin seiner Reinheit vorliegendes Gefühl.\n„Eine gedankenreiche, durchaus anregende Schrift:\n„„Vom Musicalisch-Schönen\"w u.s.w. von Hanslick\nwiderlegt geistvoll die Ansicht, dass bestimmte, d. h. ein\nObject voraussetzende Gefühle den Inhalt der Musik bilden;\nsie geht aber weiter und behauptet, die Musik könne auch\nnicht „ „unbestimmte Gefühle\"\" zum Inhalt haben; denn\nUnbestimmtes darstellen sei ein Widerspruch. Allein was\nin gewisser Vergleichung unbestimmt ist, kann in anderer\nganz bestimmt sein, und wir werden im Folgenden uns mit\nderjenigen Bestimmtheit beschäftigen, welche dem Gefühle\nin all seiner beziehungsweisen Unbestimmtheit allerdings\neigen ist; Hanslick selbst deutet sie mit demjenigen an,\nwas er treffend die reine Dynamik, die Bewegung s-\nVerhältnisse des Gefühls nennt. Dieses dynamische\nGefühlsleben muss nun aber ein wirkliches Dasein haben,\nauch abgesehen von der Musik, wiewohl wir es fast nur\ndurch Rückschlüsse aus dieser errathen, und so ist es In-\nhalt der Musik. Was Hanslick sehr richtig gegen die fal-\nsche Trennung zwischen Inhalt und Form sagt, wider-\nlegt nicht die Notwendigkeit, beide Begriffe zu unter-\nscheiden, und indem er sich auch dagegen kehrt, bewegt\ner sich in der Tautologie, die geordnete Tonwelt als die\nForm und diese Form wieder als den Inhalt der Musik zu\nbehaupten. Wie zwischen Seele und Körper streng zu un-\nterscheiden ist, obwohl der Körper nur als die Realität\nder Seele, die Seele als die Identität des Körpers richtig\nbegriffen wird, so ist die Musik zwar das untrennbare\nGanze von Ton und Gefühl, tönendes Gefühl, und doch\nmuss die Analyse beide aus einander halten, um ihre Ein-\nheit zu zeigen. Dass man ohne Hülfe der Tonwelt das Ge-\nfühl nicht ergründen kann, daraus folgt nur, dass der In-\nhalt der Musik jene Geistesform ist, die sich durch Worte\nnicht zu offenbaren vermag: „ „Süsse Liebe denkt in Tö-\nnen, denn Gedanken steh'n zu fem.\"\" Selbst jene Theo-\nrieen von „ „bestimmten Gefühlen\"\" in der Musik sind nur\nin gewissem Sinne falsch, sofern ihnen nämlich die Meinung\nzu Grunde liegt, es lasse sich das Bestimmte eines Gefühls\nausserhalb der Musik durch Begriff und Wort fassen, ohne\naus dem Elemente des Gefühls heraus zu treten, und man\nkönne von einem so definirten Gefühle sprechen wie vom\nStoffe, vom Sujet des Malers und Dichters; sie sind nicht\nfalsch, sofern sie sagen wollen, dass jedes Musikwerk eine\nspecifisch individuelle Stimmung zum Inhalt haben muss."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "261", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570815-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 253, "texte": "Zu der Tautologie gesellt sich übrigens in jener Schrift\nder unvermeidliche Widerspruch, dass hinterher doch\n„„Gedanken und Gefühle, die theuersten und wichtigsten\nBewegungen des Menschengeistes8 u, als „„Gehalt88 der\nTonkunst eingeräumt werden müssen.8"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-08-15-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-08-15_01#c003", "volume": "bmtnabi_1857-08-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "261", "page_fin": "263", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570815-01.2.3", "titre_corps": "J. S. Bach’s Sonaten für die Violine.", "titre_sommaire": "J. S. Bach’s Sonaten für die Violine.", "signature_source": "L. B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "261", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570815-01.1.5", "debut_caractere": 255, "fin_caractere_exclue": 4958, "texte": "J. S. Bach’s Sonaten für die Violine.\n\nJ. S. Bach hat sechs Sonaten für die Violine ohne\nalle Begleitung geschrieben, welche im Verhältnisse zu des-\nsen Ciaviersachen sehr wenig bekannt sind, trotzdem dass\nsie ebenfalls einen wahren Schatz von Musik enthalten und,\nungeachtet einiger schwächeren Sätze, mit zu denjenigen\nCompositionen gehören, in welchen sich der eigentbümliche\n'„enius des Meisters auf eine um so wunderbarere Weise\n-entfaltet, als der Umfang und die Natur des Instrumentes\ndie polyphone Sehreibart, von der er auch hier nicht lassen\nkonnte noch wollte, ausserordentlich beschränkte. Die sechs\nSonaten enthalten 32 Sätze, welche zwar nicht alle gleich\nsorgfältig ausgeführt, von denen jedoch bei Weitem die\nmeisten (selbst bis zu dreistimmigen Fugen) völlig ausge-\narbeitet und von bedeutender Länge sind und einen uner-\nschöpflichen Reichthum von Phantasie offenbaren. Freilich\nsind sie sehr schwer zu spielen, und man muss vor den\nViolinisten damaliger Zeit, wenn sie diese Sonaten bezwun-\ngen haben, gehörigen Respect haben. Vor mehr als fünf-\nundzwanzig Jahren habe ich die meisten Stücke aus ihnen\ndurch einen der ausgezeichnetsten Schüler Spohr's, den\ndamaligen herzoglich dessauischen Concertmeister Probst,\nkennen lernen, der sie namentlich z. B. das Adagio und\ndie grosse Fuge aus C-mollin der Sonate Nr. I auf\nganz vortreffliche Weise vortrug, nicht bloss herunter\nspielte; denn er war aller Schwierigkeiten in ihnen der\nArt Meister, dass ihre Bewältigung ihn nicht im Geringsten\nbei der geistigen Auffassung und Wiedergabe der Compo-\nsition störte. Späterhin quälten sich die Violinisten lieber\nmit Paganini'schen Etüden, als mit dem Studium des alten\nSebastian; die meisten von ihnen wussten auch wohl kaum,\ndass bereits etwas existire, das den Glanz der technischen\nAusführung mit dem echt musicalischen Inhalt für ihr In-\nstrument vereinigte.\nIn den letzten Jahren lenkten Mendelssohn und Schu-\nmann die Aufmerksamkeit wieder auf Bach's Violinsachen.\nMendelssohn schrieb bekanntlich eine Clavier-Begleitung\nzu der Ciaconna, und nun hörte man diese wenigstens wie-\nder und zuweilen recht gut, z. B. von Joachim; ja, sie\nwurde sogar eine Zeitlang Mode, so dass auch sehr mittel-\nmassige Geiger sich daran wagten. Allein es enthalten die\nBaeh'schen Sonaten noch sehr viele Stücke, mit welchen\nein Violinist von edler Richtung glänzen kann, und die auch\nfür das grosse Publicum anziehender sein dürften, als die\nCiaconna. Unserer Meinung nach müssen sie aber so, wie\nsie Bach geschrieben hat, d. h. allein, ohne alle Begleitung,\ngespielt werden; man versuche das nur einmal mit einigen\nkürzeren Stücken, z. B. dem Adagio und dem Siciliano aus\nder G-moll-Somte,in musicalischen Kreisen: die Wirkung\nwird nicht ausbleiben.\nEinen ganz anderen Zweck hat die Bearbeitung jener\nViolin-Sonaten für das Ciavier allein, welche uns unter fol-\ngendem Titel vorliegt:\nJ. S. Bach's 6 Violin-Sonaten für Piano-\nforte allein bearbeitet von Carl Debrois\nvan Bruyck. Leipzig, bei Fr. Kistner. Preis zu-\nsammen 6 Thlr. 15-^Ngr.; einzeln zu 1 Thr.—\n1 Thlr. 10 Ngr. (Die Violinstimme ist zur Ver-\ngleichung vollständig mit abgedruckt.)\nMan kann dieses Unternehmen allerdings ein kühnes nen-\nnen; denn ohne wesentliche Zuthaten war es gar nicht\nauszuführen. Und zu J. S. Bach hinzuzuthun, bleibt sehr\ngewagt. Auch lässt sich wohl, abgesehen davon, noch Man-\nches gegen eine derartige Bearbeitung einwenden, was\nübrigens der Bearbeiter recht wohl gefühlt hat und in der\netwas langen, aber gut geschriebenen Vorrede, die aller-\ndings hier nölhig war, selbst berührt. Der Gedanke kann\nfür neu gelten, indem die Art der Ausführung doch eine\nganz andere ist, als z. B. bei der Bearbeitung des Beetho-\nven'schen Violin-Concertes als Clavier-Concert und der Pa-\nganini'schen Etüden fürs Pianoforte durch F. Liszt.\nDer Verfasser spricht sich über die Entstehung des\nvorliegenden Werkes dahin aus, dass es zur bei Weitem\ngrösseren Hälfte, ohne irgend eine Nebenabsicht, rein nur\naus der begeisterten Vertiefung in die einzelnen Theile des\neigenthümlichen Originals entsprungen sei. Wir lassen ihn\nam besten dem Haupt-Inhalte nach selbst sagen, wie er zu\ndieser Arbeit gekommen und was er eigentlich damit will.\n, Während des innerlichen Genusses spannen sich mir,\nwie von selbst, an das Gegebene, oft nur Angedeutete und\nhalb Ausgesprochene hier Ergänzungen, dort Erweiterun-\ngen an, und ich konnte dem Drange nicht widerstehen, den\nPalast, von welchem ich eben nur die Säulenwände und\ndie goldene Kuppel stehen sah, zu meiner eigenen Lust im\nGeiste auszubauen. So entstand z. B. auf solche Weise zu-\nerst die Sarabande der zweiten Sonate in der gegenwärti-\ngen Form; ihr folgten die bourrund (Nr. 4) der-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "262", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570815-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5141, "texte": "selben Sonate, dann Fuge und Presto der ersten Sonate,\ndie Ciaconne und so fort andere Stücke, wie sie mich eben\nreizten. Endlich sah ich mich freilich in ein förmliches Un-\nternehmen verstrickt und arbeitete der Vollständigkeit we-\ngen auch die wenigen noch übrigen Sätze, die mir bisher\nferner geblieben waren, in demselben Sinne aus. Sollte ich\nja einen mehr äusserlichen Grund zur Fortsetzung die-\nser Arbeiten angeben, so wäre es nur der, dass sie mir\nzugleich als eine Art praktischen Studiums galten.\n„Dieser Entstehungs-Process macht auch gleich von\nselbst klar, wie fernab mir jedes tendenziöse Bestre-\nben bleiben musste, möglichst „ „im Stile Bach's\"\" zu\nschreiben. Ich hätte auch nach meiner Anschauung von\nKunstweise keine grössere Thorheit begehen können, als\nwenn ich mir das ideal zu erstrebende Ziel hätte\nstecken wollen, das neue Werk müsse möglichst in solcher\nGestaltung hervorgehen, wie es etwa Bach selbst geschaf-\nfen haben würde, wenn sein Geist es ursprünglich in die-\nser Form gezeitigt hätte, oder wie er es etwa was weiss\nich schreiben würde, Wenn er heutzutage noch lebte.\nDies ist aber ein Pfad, auf welchem eine solche Menge von\n„„Wenn\"\" und „„Aber\"\" als eben so viele Fangeisen\nverborgen lauern, dass ich ihn lieber gar nicht betreten\nwill. Nur muss ich freilich hier, um nicht missverstanden\nzu werden, zwischen der Congruenz innerer Wesenheiten\ndes Stils und äusserer Zufälligkeiten (um mich so auszu-\ndrücken) unterscheiden. Ein glücklicher Instinct, unterstützt\nvon einigem Studium der Kunst, musste mich davor be-\nwahren, gegen die erstere zu sündigen, oder ich war ver-\nloren, und Andere müssen entscheiden, welches von Bei-\ndem der Fall ist. Wegen etwaiger Incongruenzen in den\nletzteren, wie z. B. in Behandlung der Technik, weiss ich\nmich ziemlich leicht zu trösten. Dieses Werk, in so fern\nes mein Werk ist, soll möglichst den Eindruck eines\norganischen, wie aus Einem Gusse entstandenen Gan-\nzen hervorbringen, ohne allen Hinblick (ausser in so weit\nes die Natur der Sache mit sich bringt) auf das etwaige\nJahrhundert seiner Entstehung. Macht es diese Wirkung,\nso bin ich vollkommen befriedigt, und mein Zweck ist\nerfüllt.\nI\n„Kein einsichtiger Beurtheiler dieser Sonaten ich\nmeine das Original wird allen Theilen derselben (wie\nwäre dies auch möglich?) gleichen Werth beimessen wol-\nlen. Dass dieser Umstand natürlich auch auf meine Arbeit\nin doppelter Weise Einfluss nehmen musste, ist natürlich,\nund bittet der Autor der Secundogenitur, dieses vorkom-\nmenden Falls zu berücksichtigen, und ihm nicht anzurechnen,\nWas vielleicht schon („es schläft zuweilen selbst der gött-\nliche Homer\") dem alten Meister selbst anhängte, und nicht\neinmal immer diesem, sondern auch dem Einflüsse seines\nZeitalters. Andererseits hat er auch die Originalstimme\nüber seine Arbeit setzen lassen, nicht nur im Interesse des\nvergleichenden Kunstfreundes, welcher die Spuren seiner\nArbeit gern mit Bequemlichkeit verfolgen möchte, sondern\nauch, damit man genau erkenne, wie viel an dem nun vor-\nliegenden Werke sein Antheii ist, und damit Niemand\nihn, vielleicht ünbewusst, mit fremden Federn schmücke.\nMan wird, glaube ich, finden, dass, je fertiger, in sich ab-\ngeschlossener ein Stück bereits im Original ist (wie z. B.\ndie Ciaconne), desto mehr auch meine Zuthat sich auf das\nEinfachste, durch die neue Form notwendigst Gebotene\nbeschränkt, und dass sie desto reicher und mannigfaltiger\nwird, je mehr Bach bloss Lineamente zeichnete. Im Ganze\naber wird man natürlich sehen, dass ich den Zügen des\nOriginals in allem Wesentlichen getreu folgte, dass dieses\nimmer Fundament und Krone bildet, während alles Uebrige\nnur Schmuck und Ausbau.\n„Ein einziges Stück macht von diesem Princip eine\nentschiedene Ausnahme; es ist dies die Corrente der zwei-\nten Sonate. In diesem einzigen Falle habe ich es mir er-\nlaubt freilich nur, weil es sich mir mit Notwendigkeit\naufdrängte —, das von Bach Gegebene nur als Bindeglied\nzu benutzen, so dass hier in der That der neue Inhalt die\nHauptsache und das Original zum blossen Leitfaden ge-\nworden ist. Indem die Art, wie dieses geschah, zugleich\neine sehr bedeutende Veränderung des ursprünglichen Zeit-\nmaasses von selbst mit sich führte, so ist dadurch zugleich\nauch dem ganzen Stücke ein wesentlich verschiedener Cha-\nrakter aufgedrückt worden.\n„Es sind mir die mehrfachen Bearbeitungen, welche\ndiese Sonaten und einzelne Stücke derselben bereits, na-\nmentlich durch Schumann, Mendelssohn und Molique, er-\nfahren, natürlich nicht unbekannt, obgleich ich sie erst wäh-\nrend und nach meiner Arbeit kennen lernte. Dieselben sind\njedoch, wie man von vorn herein sieht, von meiner Ar-\nbeit ganz und gar verschieden. Diesen Meistern kam es\nfür ihren künstlerischen Zweck nur darauf an, der etwas\neinsamen und haltlosen Violinstimme eine feste Stütze zu\ngeben, damit das Werk nicht bloss für den gebildeten\nKünstler, dessen Phantasie und harmonische Kenntniss das\nFehlende, namentlich bei ruhig beschaulichem Genüsse,\nleicht ergänzt, sondern auch für den Laien vollkommen\nverständlich und geniessbar werde. Allein so verdienstvoll\ndiese Arbeiten auch sind und so anerkennenswerth die Ab-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "263", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570815-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3032, "texte": "sieht derselben, so mus9te ihnen insgesammt doch not-\nwendig ein Uebelstand ziemlich empfindlich ankleben. Man\nfühlt nämlich die Begleitung, die grossentheils nur so ne-\nbenher klappt, nur zu oft als ein eben nur äusserlich Hin-\nzugekommenes, mit dem Ganzen nicht organisch Verbun-\ndenes, und ich weiss nicht, ob ich die Wirkung der rein\nprimitiven Form diesem Umstände gegenüber nicht vielfach\nvorziehen möchte.\n„Ich würde so sagen: Will man Bach und dieses sein\nspecielles Werk rein und unvermiscljt kennen lernen, so\nhöre man es sich einfach in der ursprünglichen Form an.\nKeine andere ersetzt das Eigenthümliche dieser Form,\nwie Vieles sie sonst auch biete. Will man wieder Bach\nkennen lernen, und nur Bach, aber doch die harmoni-\nschen Stützen lür das Ohr nicht entbehren, so nehme man\nine der eben genannten Bearbeitungen zur Hand. Will\nman endlich ein Werk kennen lernen, welches vielfach ein\nwesentlich neues genannt werden mucs, an dem aber doch\nder überwiegendste und entscheidendste Haupt-Antheil Bach\nzufällt, so versuche man es mit dem vorliegenden.\" U. s. w.\nWir haben mit Vergnügen aus dem Werke ersehen,\n-dass der Verfasser mit Treue und Wahrheit über seine Ar-\nbeit gesprochen hat, und wir erkennen nicht nur die Ge-\nsinnung und Begeisterung an, die ihn dazu getrieben, son-\ndern auch das Talent, das Wissen und die Gewandtheit,\nmit welchen sie ausgeführt ist. Dem Kenner und Freunde\nBach'scher Instrumental-Musik wird sich dies auf jeder\nSeite, wenn auch nicht überall in gleichem Maasse, offen-\nbaren. Dem Princip nach möchten wir uns auch nicht als\nGegner einer solchen Arbeit erklären, am wenigsten in die-\nsem besonderen Falle, wo ein bisher fast so gut wie ver-\ngrabener Schatz trefflicher Musik den Ciavierspielern, so-\nmit also der überwiegenden Zahl von Musikern und Kunst-\nfreunden, dadurch zugänglich gemacht wird. Wie unend-\nlich hoch steht diese Art der Bearbeitung und ihr Gegen-\nstand über den Arrangements, Uebertragungen, Transscrip-\ntionen u.s. w. der Modemusik! Es gehört eine sehr ehren-\nwerthe Entsagung dazu, sein Talent gewisser Maassen in\nFesseln zu legen (wenn es auch goldene sind, wie hier),\nauf das Verdienst der ursprünglichen Erfindung und dessen\nAnerkennung zu verzichten und in dem Hineinschaffen in\nFremdes seine Befriedigung zu finden. Doch geben wir\ngern zu, dass diese allerdings eine erfreuliche, ja, erhebende\nsein könne, wo es sich um das Eindringen in den Geist\neines Sebastian Bach und um das Herausbilden eines neuen\nKunstwerkes aus seinen Ideen handelt. Herr Debrois van\nBruvck kann getrost diese innere Genugthuung für sich in\nAnspruch nehmen, da es ihm gelungen ist, ein sehr in-\nteressantes und achtungswürdiges Werk herzustellen. Er\nhat jedenfalls der Kunst einen dankenswerthen Dienst ge-\nleistet; mögen sich recht Viele an diesen Sonaten in ihrer\ngegenwärtigen Gestalt eben so wie wir erfreuen. Wir hal-\nten sie auch, da die ursprüngliche Violinstimme mit abge-\ndruckt ist, für ein zweckmässiges Mittel zu Studien über\nBach und empfehlen sie den Musikschulen.\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-08-15-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-08-15_01#c004", "volume": "bmtnabi_1857-08-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "263", "page_fin": "264", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570815-01.2.4", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "263", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570815-01.1.7", "debut_caractere": 3034, "fin_caractere_exclue": 5550, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nSiwln. Herr J, Derffel aus Wien, gegenwärtig in Brighton,\nhat einige Tag§ hier verweilt. Wir haben in ihm einen vorzüglichen\nClavierspieler und einen sehr talentvollen Copiponisten von gedie-\ngenster Richtung kennen lernen.\nDas Concert des Männer gesang-Ver eins für die Abge-\nbrapnten an der Mosel hat einen Reinertrag von 450 Thlrn. ergeben.\nDie Geschwister Kaczeck, Friedrich Sophie Victor (13\nbis 9 Jahre alt), haben in einer Soiree im Gasino und in Privat-\nkreisen ausserordentlichen Beifall geästet. Am vorzüglichsten und\nin der That bewundernswerth ist ihr Zusammenspiel; die erstau-\nnenswerte Natur-Anlage dieser kleinen Yiolinspieler tritt in ihren\nVorträgen aufs schlagendste hervor, und das peinliche Gefühl über\nforcirte Dressur, das uns so oft bei Wunderkindern ergreift, findet\nhier in der That gar keinen Anhalt. Es wäre wünschenswerth, dass\ndurch ein Concert im Theater auch dem grösseren Publicum Gele-\ngenheit gegeben würde, diese begabten Kinder zu hören.\nF. Hiller dirigirt heute Abends in Düsseldorf ein Concert\nzum Besten der Abgebrannten an der Mosel. Bei der Versamm-\nlung der Naturforscher in Bonn wird die Stadt am 23. September\nein Fest-Concert veranstalten, zu dessen Direction ebenfalls Ca-\npellmeister Hiller berufen ist.\nDer Sänger und Schauspieler Karl Wauer, welcher, wie schon\ngemeldet (s. Nr. 3L), am 13. Juli zu Freienwalde an der Oder, 74\nJahre alt, starb, war den 26. Januar 1783 in Berlin geboren. Sein\nVater, ein Sattler, erblindete im Alter; während dieser Zeit, so wie\nin den ersten Jahren nach dessen Tode war Karl die einzige Stütze\nseiner Mutter und sechs jüngerer Geschwister. Er sang im Stadt-\nChor auf den Strassen, und Abends und Nachts verfertigte er Peit-\nschen, welche die kleinen Geschwister zum Verkauf durch die Stadt\ntrugen. Im Jahre 1802 (seinem neunzehnten) wurde er als Chorist\nbeim Theater angenommen, behielt aber seine übrigen Beschäftigun-\ngen bei. Der Sänger Franz nahm sich seiner an und unterrichtete\nihn im Gesänge, und 1807 wurde er mit wöchentlichem Gehalt von\n3 Thlrn. bei der Oper angestellt, zur Zeit der Verwaltung Xffland's\nund unter dem Capellmeister-Amte von Bernh. Anselm Weber. Im\nJahre 1810 gab er zum ersten Male Gastrollen in Stettin. Man bot\nihm dort i 2 Thlr. wöchentlich er zog jedoch vor, mit 7 Thlr.\nWochen-Gage bei Iffland zu bleiben, und hat die berliner Bühne nie\nverlassen, bis er vor sechs Jahren sich mit Pension zurückzog. Das\nLoos fast gänzlicher Erblindung traf auch ihn, wie seinen Vater."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "264", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570815-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5100, "texte": "Seine künstlerische Entwicklung basirte sich auf seine Natur,\nnicht auf Studium und theoretisches Zerlegen seiner Aufgabe Er\nspielte diejenigen Rollen vortrefflich, die ganz in seinen eigenen Cha-\nrakter aufgingen, und die Grundzüge dieses Charakters waren Bie-\nderkeit und Treuherzigkeit, gepaart mit einer heiteren Lebens-An-\nschauung und leichter Auffassung des Gemüthlich-Komischen;\nsie wurden nicht getrübt, sondern gehegt und genährt durch gute\nFamilien-Verhältnisse und eine glückliche 45jährige Ehe. Seine Dar-\nstellungen waren gesund und wahr; sein Leporello (besonders neben\nBlume als Don Juan), sein Notar in der schönen Müllerin, sein\nRocco im Fidelio waren Muster-Typen. Eben so tüchtig war er im\nSchauspiel, wo besonders das ernste Fach der Väter und Biedermän-\nner seine Sache war. Reilstab erzählt (in d. V. Z.) folgende charak-\nterische Anekdote von ihm. Eine seiner besten Rollen war Werner\nStauffacher in Schiller's Teil. Bei der Aufführung am 22. März\n1848 drangen seine Familie und seine Collegen in ihn, die Verse;\nDenn herrenlos ist auch der Frei'ste nicht;\nEin Oberhaupt muss sein, ein höchster Richter,\nWo man das Recht muss schöpfen in dem Streit\nwegzulassen, weil man in jenen aufgeregten Tagen bedenkliche Fol-\ngen befürchtete. antwortete: „Und wenn sie mich zerreissen,\nich lasse sie nicht aus!\" Er sprach sie mit Nachdruck und voller\nWärme, ein ungeheurer Boifall brach aus, und er musste die Worte\nwiederholen.\n1 '•./ x Mf - 7 . v •*, ' f • i . - 4\nBerlin* Die königliche Oper eröffnete am 8. August mit Au-\nbex's Maurer, worin Fräul. Trietsch und Herr Wolff grossen Bei-\nfall gewannen; dann folgen: Der Prophet, Tannhäuser, Don Juan,\nHalevy's Jüdin, Oberon und Zauberflöte. Mit dem Tenoristen Hoff-\nmann (Eleasar in der Jüdin) soll ein neuer Contract geschlossen\nwerden. Herr Th. Formes ist noch beurlaubt.\nAuf Antrag der Staats-Anwaltschaft und in Folge des Beschlus-\nses der Rathskammer des königlichen Stadtgerichtes, d. d. Berlin,\n6. Juli 1857, ist die Beschlagnahme des bei L. Holle in Wolfenbüt-\ntel erschienenen Nachdrucks der C. M. von Weber'schen Clavier-\nCompositionen, welche den Titel führen: „C. M von Weber's Clavier-\nCompositionen, erste rechtmässige Gesammt-Ausgabe, revidirt und\ncorrigirt von H. W. Stolze\", im vollständigen Bande und in einzel-\nnen Heften, 7, 9, 10—16, 20—25, welche rechtmässiges Eigenthum\nder Schlesinger'schen Buch- und Musikhandlung in Berlin sind, der\nköniglichen Policei-Behörde aufgegeben worden, und ist die Beschlag-\nnahme der beim Buchhändler Maertens vorgefundenen Exemplare im\nvollständigen Bande und in den qu. einzelnen Heften erfolgt. Im\nKönigreiche Sachsen war die Beschlagnahme der Weber'schen Nach-\ndrucks-Ausgabe bereits durch Decret vom 23. März d. J. erfolgt.\n(Berl. Echo.)\nDer rühmlichst bekannte Yioloncell-Virtuose Feri Kletzer hat\nin Folge des glänzenden Successes seiner Concerte in London ein\nsehr vortheilhaftes Engagement nach New-York erhalten, um in einer\nReihe von Concerten als Solospieler mitzuwirken, zu deren Herstel-\nlung sich für das Winter-Halbjahr Thalberg, Vieuxtemps und die\nSängerinnen Frezzolini und La Grange vereinigt haben. Es sind\ndies dieselben Concerte, welche Thalberg bereits im vorigen Winter\neinrichtete und in denen die Zuhörer mit Sorbet regalirt werden.\nDie Ausgabe dafür beträgt jedes Mal 8 bis 10 Pf. St. Auch eine\nitaliänische Oper wird mit dieser Unternehmung verbunden, deren\ngeschäftlicher Leiter Herr Ullmann ist. Feri Kletzer, der vor einigen\nTagen vor dem Könige von Hannover in dessen Privat-Cirkel spielte,\nbefindet sich augenblicklich in Dresden und wird, nachdem er zuvor\nin Prag concertirt, sich unverzüglich nach New-York begehen. Auch\nder Bassist Herr Colbrun war zu diesem Unternehmen eingeladen,\ndas Monats-Honorar von 1000 Francs war ihm jedoch zu wenig.\nCapellmeister Taubert in Berlin arbeitet an einer neuen Oper,\n„Macbeth\", wozu ihm Egger den Text zubereitete. Das Werk ist\nso weit vorgerückt, dass man glaubt, es werde noch im Laufe der\nkommenden Winter-Saison in der berliner Hof-Oper zur Aufführung\ngelangen können.\nteil. Ausser den beiden als Novitäten dieser Saison bestimm-\nten Opern von Proch und Hoven sollen noch eingereicht worden sein\nund Chancen zur Aufführung haben: eine Oper von Emil Ti t\neine von Karl Haslinger und eine von Thomas Löwe. Also\nfünf Opern von lauter wiener Componisten!\nDeutsche T o 11 Ii a 1 1 e.\nDie fünfzig Clavier-Sonaten, welche uns als Bewerbungen um\nden im Februar d. J. vom Verein ausgesetzten Preis in der bestimm-\nten Zeit zugekommen sind, haben wir bereits einem der drei er-\nwählten Herren Preisrichter zugesandt. Sobald von sämmtlichen die\nBeurtheilung dieser Werke geschehen ist, werden wir das Ergebniss\nanzuzeigen nicht säumen.\nDie Einsendungszeit der Bewerbungen um den an Ostern d. J\nausgesetzten Preis für eine vierhändige Orgel-Sonate (deren mehrere\nschon einkamen) läuft erst mit Ende des nächsten Monats ab.\nHierbei zeigen wir nochmals an, dass wir nur auf unmittel-\nbare Zuschriften an den Schriftführer antworten oder Bewerbungen\nausfolgen lassen können.\nMannheim, den 4. August 1857.\nDer Vorstand."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "257", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570815-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nAesthetik der Musik. Von Dr. Friedr. Theod. Vischer. I. Joh. Seb. Bach's Sonaten für die Violine. Von L. B.\nTages- und Unterhaltungsblatt (Köln, J. Derffel, Coneert des Männergesang-Vereins, Geschwister Raczeck, F. Hiller Karl\nWauer Berlin, königliche Oper Die C. M. ron Weber'schen Clavier-Compcsitionen Feri Kletzer— Capellmeister Taubert Wien,\nneue Opern Deutsche Tonhalle.)\n\nAesthetik der Musik.\nVon Dr. Friedr. Theod. Vischer.\nI.\nVon dem Werke: „Aesthetik oder Wissen-\nschaft des Schönen. Zum Gebrauche für Vorlesungen\nvon Dr. Friedrich Theodor Vischer, Professor der\nAesthetik und deutschen Literatur an der Universität und\ndem Polytechnicum in Zürich\" (Stuttgart, Verlags-Expedition\nder Verlags-Buchhandlung von Karl Mäcken in Reutlingen)\nenthält der dritte Theil „die subjectiv-objective Wirk-\nlichkeit des Schönen oder die Kunst\" und dessen zweiter\nAbschnitt: „Die Künste.\" Die zweite Galtung derselben:\n»Die subjective Kunstform oder die Musik\",\nbildet den Inhalt des zuletzt erschienenen vierten Heftes\ndes genannten dritten Theiles und liegt in einem starken\nOctavbande von 383 Seiten vor uns.\nDer Werth von Vischer's Aesthetik ist bereits so all-\ngemein anerkannt, dass der gebildete Musiker und der\nKunstfreund, der nach wissenschaftlicher Aulklärung und\nBegründung dessen, was seine Seele erfreut, strebt, mit\nder gespanntesten Erwartung dem Erscheinen dieses Ban-\ndes entgegen sahen. Wir können versichern, dass diese Er-\nwartung sich nicht getäuscht findet, und wollen gleich von\nvorn herein dem etwaigen Vorurtheile begegnen, dass die\nSchwierigkeit des Verfolgens wissenschaftlicher Unter-\nsuchungen, ja, schon des Verständnisses der philosophischen\nSprache, lür den grössten Theil der Lesewelt eine un-\nüberwindliche sei. Dies ist bei Vischer durchaus nicht der\nFall. Er ist so klar und scharf im Ausdruck des Gedach-\nten, wie im Denken selbst, und überall, wo der Stoff es\ngestattet, und wie häufig ist dieses in der Kunstlehre\nder Fall! durchwirkt auch eine reiche Phantasie das Ge-\nwand der Darstellung mit anziehenden und das Gemüth\nanregenden Bildern. Freilich macht ein solches Buch seine\nForderungen an den Leser, und wer in dem seichten und\nfrivolen Kunstgeschwätz, wie es die meisten öffentlichen\nBlätter jetzt auftischen, Befriedigung findet, der bleibe da-\nvon; denn nicht allein um die Belehrung aus einem solchen\nWerke, sondern auch um den Genuss des Inhalts ist es,\nwie um die wahre Freude an einem Kunstwerke selbst,\neine sehr ernste Sache. Das Buch verlangt einen denken-\nden Leser, der ausser dem gesunden Menschenverstände\nfesten Willen, Ausdauer und allerdings auch einen gewis-\nsen Grad von wissenschaftlicher und musicalischer Bildung\nmitbringt; allein der besonderen Fachgelehrsamkeit bedarf\ner durchaus nicht. Wenn irgend ein Werk geeignet ist,\ndurch die reife Frucht des Denkens den wilden Aufschuss\ndes Unkrautes, das die ästhetischen Halbwisser auf ihren\ngemietheten Plätzen lür kunstphilosophisches Erzeugniss\nverkaufen, von dem Markte zu verdrängen und dem Geiste\ndes strebenden Tonkünstlers wieder edle Nahrung zu bie-\nten, so ist es dieses Buch, welches die räthselhafte Natur\nder schönsten aller Künste zu erforschen und die Grund-\nsätze der Lehre vom Schönen aus ihrem Wesen zu ent-\nwickeln und auf ihre Erzeugnisse anzuwenden strebt.\nEs zerlällt in drei Haupt-Abschnitte; sie behandeln I.\ndas Wesen der Musik, 11. die Zweige der Musik, 111. die\nGeschichte der Musik. Die äussere Form der Behandlung\ndes Stoffes ist der Art, dass eine fortlaufende Reihe von\nParagraphen die Haupt-Lehrsätze enthält, und jedem der-\nselben eine Erläuterung, theils Begründung, theils Aus-\nführung des im Paragraphen Enthaltenen, zugegeben ist.\nDer I. Abschnitt betrachtet zuerst das Wesen der\nMusik überhaupt, dann die einzelnen Momente, nämlich das\nTon-Material und seine Gliederung, die Composilion und\nihre wesentlichen Formen, den musicalischen Stil (§§. 746"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "258", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570815-01.1.2", "texte": "793*]). Der 11. Abschnitt bespricht erst im Allge-\nmeinen den Unterschied der Vocal- und Instrumental-Mu-\nsik und ihr Verhälmiss zu einander; dann im Besonderen\na) die Vocal-Musik und ihre Gattungen, b) die Instrumen-\ntal-Musik eben so, und cjdie Vocal- und Instrumental-\nMusik in Einheit und Wechselwirkung (§§. 794 821).\nDer 111. Abschnitt behandelt nach allgemeinen Sätzen\nüber Eigenthümlichkeit und treibende Gegensätze der Ent-\nwicklung der Tonkunst die Musik des Alterthums, des Mit-\ntelalters und die moderne Musik im Besonderen (§§. 822\n832), Ein Anhang über die Tanzkunst (§. 833)\nschliesst das Werk.\nIn den ersten Paragraphen (über das Wesen der Mu-\nsik überhaupt) entwickelt Vischer in unmittelbarer Folge\neiner Gedanken-Reihe, die an die letzte der bildenden\nKünste, an die Malerei, anknüpft, die Entstehung der sub-\njektiven Kunstform oder der Musik.\nDas Grundgesetz der Eintheilung der Kunst in Künste\nist in dem Fortgange von der Objectivität zur Sub-\njectivität und zur höheren Einigung beider gefunden, der-\nselben Kategorie, worauf die Stufen des Systems: das\nNaturschöne, die Phantasie, die Kunst, beruhen. Die bilden-\nden Künste stellen ihr ideales Weltbild dem Subjecte gegen-\nüber als ein Object, das ausser ihm, der eigentlichen Be-\nwegung ermangelnd, im Räume verharret. Alles räumliche\nSein trägt aber den Charakter des Ausschliessenden, es\nbleibt mithin stets noch eine Scheidewand zwischen der\nbildenden Kunst und dem Innern des Zuschauers, ein Ge-\ngenüber von Subject und Object, es kommt in ihr nicht\nzu einer vollendeten Durchdringung beider.\ni\nDie Malerei bildet den Uebergang zu der neuen Kunst-\nform, welche jenen Gegensatz aufheben wird. „ Der Ein-\ntritt der Musik ist in ihr so vorbereitet, dass man sagen\nkann, man höre überall ihren Schritt schon an der Pfortp.\nDie Malerei steht an der Gränze der bildenden Künste\ndurch das Princip ihrer Darstellungsweise, wonach sie\neinen blossen Schein der Dinge auf die Fläche wirft, fer-\nner durch das Ueberwiegen des Ausdrucks, die vielgestal-\ntige Handlung, namentlich durch die Magie der Farbe\nscheint der Charakter der Objectivität sich verflüchtigen\nzu wollen; es ist die subject ive Bewegtheit bereits\nin dem Maasse eingedrungen, dass zum Durchbruche ihres\nUebergewichts nur noch Ein Schritt fehlt. Hegel's treffen-\nder Ausdruck ist, dass in der Magie des Colorits das Ob-\njective gleichsam schon zu verschweben beginne und die\nWirkung fast nicht mehr durch etwas Materielles ge-\nschehe. \"\n„ Dieser Schritt zur Auflösung der Objectivität muss\nalso ausgeführt, der Gegenstand ganz in das Subject hinein-\ngezogen und in dessen innere Bewegtheit aufgehoben wer-\nden, damit erst die Subjectivität in ihr volles Recht trete.\nNur dadurch wird es möglich, dass auf einer weiteren Stufe\ndas Object als eine neue Schöpfung wieder aus dem Geiste\nhervorgehe.\"\nEs muss also eine Kunstform geschaffen werden, bei\nwelcher das Ineinandergähren von Object und Subject ein-\ntritt, welches inniger, aber dunkler ist, als das Verhal-\nten in der bildenden Kunst; es muss eine absolute Durch-\ndringung geben, worin das Gegenüber ganz flüssiges In-\neinander, das Hinausgestellte ganz innerstes Eigenthum\nbleibt, und zwar schon im inneren Acte selbst, wo eben\ndaher derjenige, der das Kunstwerk geniesst, mit seinem\ninnersten Selbst darein eingeht oder umgekehrt es in sein\ninnerstes Selbst eingehen und jene Zwei in einander auf-\ngehen fühlt.\nUrheber dieser sich dann eröffnenden Kunstform ist\ndas Gefühl. „Das Subject, welches allen Gegenstand\naufgehoben in sich trägt, kann in der Kunst nur das füh-\nlende sein. Vermöge innerer Nothwendigkeit besteht da-\nher im Leben der Phantasie eine besondere Form, worin\ndieselbe mit ihrem ganzen Wesen sich auf den Standpunkt\ndes Moments der Empfindung stellt und bloss inner-\nhalb derselben bildet. Die Auffassung der empfinden-\nden Phantasie ist schlechthin eigentümlich, durch keine\nandere zu ersetzen und eben dadurch berufen, eine\nselbstständige Kunst form zu begründen.''\nZur Erläuterung des Gesagten fährt Vischer dann fol-\ngender Maassen fort:\n„Zunächst ganz allgemein philosophisch haben wir im\nVorigen begründet, dass die Kunst eine besondere Gestalt\nerzeugen muss, worin das Subject Alles, worin aller Ge-\ngenstand in dasselbe aufgegangen ist, dass dieses einmal\nganz, und ausschliesslich zum Rechte kommen muss, um\nzu zeigen, dass es auch in der bildenden Kunst überall\nnicht das blosse Object, sondern seine Durchdringung und\nDurchgeistigung war, was dem Stoffe seinen Kunstwerth\ngab. Fragt es sich nun, wie diese Forderung sich realisiren\nsoll, so leuchtet ein, dass dies durch keinerlei Verhalten\ngeschehen kann, worin der Geist auf gegebene Objecte als\nsolche gerichtet ist. Die Anschauung hat das Ihrige in der\nbildenden Kunst, die auf ihren Standpunkt sich stellte, ge-\nthan; ob die verinnerlichte Anschauung, die Vorstellung,\n\n*] Paragraphen und Seitenzahl schliessen sich den Zahlen in den\nfrüheren Bänden des gesammten Werkes an."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "259", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570815-01.1.3", "texte": "also das Einbilden ganz allgemein, ebenfalls den Standpunkt\nabgeben kann, auf den die Phantasie sich stellt, kann hier\nnicht zur Sprache kommen; denn auch diese Form beruht\nauf bestimmtem Verhalten zu Objecten. Es bleibt also nur\ndas Subjectivste im Subject, das Gefühl, als Or-\ngan der geforderten Leistung übrig; die Form, von der\nsich gar nichts prädiciren lässt, was zu der Bestimmung:\nmir ist es so und so zu Muthe, in mir klingt die Welt\nso und so an irgend eine weitere, einem Objecte ent-\nnommene Eigenschafts-Bestimmung hinzubrächte. Allein\nwir sind im ästhetischen Gebiete, wir reden nicht vom\nGelühle überhaupt, sondern von der Phantasie als Ge-\nfühl, also von dem Gefühle, wie die Kraft der Phantasie\nsich in dasselbe legt und das Ganze ihrer Thätigkeit in\ndiesem Elemente durchführt, so dass, was in anderen Ge-\n%\nbieten Anschauung, Einbildungskraft, Erzeugung des rei-\nnen inneren Urbildes ist, auch hier, jedoch in anderem\nSinne, anderer Form vor sich geht. Nach jener Bezeich-\nnung wäre das Gefühl eigentlich ein Unsagbares, Unaus-\nsprechliches; denn ohne alle und jede Hülfe objectiver Prä-\ndicirung lässt sich doch im Grunde kein Wort finden, zu\nsagen, wie mir zu Muthe ist; eben in diese Lücke aber\nwerden wir nun die Phantasie als empfindende eintreten\nsehen. Es ist vorher zugleich mit der ersten Einführung in\ndieses neue Gebiet ausgesprochen, wie dasselbe allerdings\nüber sich selbst hinausweis't, eben so bestimmt aber ist\ndessen reine Selbstständigkeit behauptet. Dies findet nun\ngenau seine Anwendung auf das Gefühl als Urheber der\nsich nunmehr eröffnenden Kunstform. Die Phantasie wird\njene Lücke in gewissem Sinne ausfüllen, doch keineswegs\nso, dass das nun zu einer Welt von inneren Formen und\nUnterschieden entwickelte Element gegenüber dem Dringen\ndes Geistes auf objective Bestimmtheit nicht noch immer\nals eigenschaftslos, unterschiedslos sich darstellte; dies ist\ndie Eine Seite, welche merkbarer, als in anderen Künsten,\nfortleitet, weiter weis't; aber eben so gewiss ist, dass das\nGelühl mit jener Art von Sprache, die es als Form der\nPhantasie und Kunst gewinnt, solches sagen kann, was\ndurch gar kein anderes Organ hinreichend gesagt werden\nkann. Kein Bild, kein Wort kann dieses Eigenste und In-\nnerste des Herzens aussprechen, wie die Musik; ihre Innig-\nkeit ist unvergleichlich, sie ist unersetzlich, ein rein selbst-\nständiges, in reiner Eigenkraft bestehendes Wesen. Ja, die\nBetrachtung der Musik müsste eigentlich in ganz anderem\nUmfange, als die der anderen Künste, in die Psychologie\ngezogen werden. Was die letzteren betrifft, so genügt es\ndieser Wissenschaft, die inneren Unterschiede der Phanta-\nsie, worauf sie beruhen, im Allgemeinen aufzuzeigen; was\naber das Gefühl sei, erfahren wir so entschieden nur durch\ndie Kunstform, die es sich durch die Bildungskraft der\nPhantasie in der Musik gibt, dass eigentlich der Apparat\ndieser Kunst vom Psychologen zu Hülfe zu nehmen ist,\num das innere Leben des Gelühls auch abgesehen von der\nKunst, zu beleuchten; von der Anschauung, von der Vor-\nstellung wissen wir auch ohne die Kunst, über das Gelühl\nbelehrt nur sie uns.\"\nDer Verlauf der Erörterungen über die Natur des Ge-\nlühls als „lebendiger Mitte des gesammten Geisteslebens\"\nund über die Art, wie aus ihm durch die Phantasie die\nMusik als seine Sprache und als neue Kunstform hervor-\ngeht, ist eben so belehrend als anziehend und fesselnd.\nWir müssen jedoch die Leser auf das Buch selbst verwei-\nsen und wollen aus dem ersten Haupt-Abschnitte nur noch\nfolgende interessante Stelle ausheben, in welcher der Ver-\nfasser zugleich auch sein Verhältniss zu der Ansicht von\nH a n s I i c k berührt.\n„Liegt dem Gefühle, wie vorher gezeigt ist, unmittel-\nbar der stetige Uebergang in die klar scheidenden Thätig-\nkeiten des Geistes nahe, so muss mit seinen Bewegungen,\nauch wo es ganz in sich bleibt, der Eindruck verbunden\nsein, als wollten diese so eben eintreten; sie lauschen be-\nständig an der Schwelle des Gelühls und mit ihnen das\nObject. Die Subjectivität des Gelühls ist also eine schwe-\nbende; so wie man es festhalten, fixiren will, stellt sich\nfast unvermeidlich die Beziehung auf einen Gegenstand ein.\nSo ist z. B. die Furcht ein Gefühl, das nicht rein, sondern\nvom Bewusstsein begleitet ist; denn sie geht auf einen er-\nkannten Gegenstand. Ziehe ich dies ab, so bleibt die unbe-\nstimmte Bangigkeit, an deren Horizont aber immer wieder\ndas Object, worin die Ursache dieser Stimmung liegt, wie\neine leichte Wolke schwebt, die sich zu verdichten und\naufzuziehen im Begriffe scheint. Das Gefühl ist objectlos\nund doch jeden Moment im Begriffe, objectiv zu werden.\nSetzen wir nun, was wir erst im Verlauf ableiten werden,\nvoraus, .dass das Gelühl eine eigene Kunstform finden wird,\ndie ihm ohne Worte als Sprache dient, so wird die Folge\ndieser stets fühlbaren Nähe der bewussten und gegenständ-\nlichen Welt die sein, dass der, welcher diese Gelühlssprache\nvernimmt, zugleich seine bestimmteren Geistes-Thätigkeiten\nmit angeregt fühlt; die Phantasie als inneres Auge führt\nihm Gestalten vor, welche auf den Wellen des Gefübls-\nRhythmus in traumartig verschwimmenden Umrissen sich\nbewegen; Erinnerungen, bestimmte Vorstellungen schiessen\nihm an, er gibt dem ausgedrückten Gefühle ein bestimmtes"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "260", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570815-01.1.4", "texte": "Object. So viele Zuhörer, so verschiedene Vorstellungen,\nwiefern solche nur mit der Stimmungsfarbe des im Kunst-\nwerke ausgesprochenen Gefühls verträglich sind, umgaukeln\nnun den Fluss des letzteren; Jeder glaubt die besonderen\nGeheimnisse seiner Brust aufgeschlossen. Und dies ist so\nwenig eine Trübung des dargestellten Gefühls, dass es viel-\nmehr nur eine Realisirung der in ihm liegenden steten Mög-\nlichkeit ist, nach allen Seiten in die Form der Vorstellung\nmit bestimmtem Inhalt überzugehen. Die Musik gibt im\nGefühl eingehüllt die ganze Welt, der Zuhörer öffnet in\nunendlicher Verschiedenheit- die Hülle. Allein wir haben\nschon oben auf einen höchst wesentlichen Unterschied auch\nin der Kunslform selbst hingedeutet, dessen nähere Be-\ngründung sich nun von selbst ergibt; wie das Gefühl in\nseiner Reinheit, d. h. ohne begleitendes Bewusstsein empi-\nrisch nur als verschwindender Moment vorkommt, wie es\nvielmehr in seinem Wesen liegt, dass es stets im Sprunge\nist, überzugehen in die bestimmte, Objecte aufzeigende\nGeisteswelt, so wird es auch in der Kunst zu einer Anleh-\nnung hinstreben, worin eine andere, das Object nennende\nKunstgattung seinem Dunkel zu Hülfe kommt und ihm be-\nstimmten Inhalt gibt; daraus werden wir die Vocal-Musik\nim Unterschiede von der reinen, d. h. der Instrumental-\nMusik, hervorgehen sehen. In dieser Verbindung wird sich\nnun das Gefühl eines bestimmten Inhalts, eines Gegenstan-\ndes bewusst; nun weiss ich, was mich bange oder frei,\ntraurig oder heiter stimmt; nun hat jene Schwierigkeit ein\nEnde, das mit dem Worte zu bezeichnen, was dem Worte\nsich entzieht, und nun ist den Zuhörern vorgezeichnet, mit\nwelcherlei Vorstellungen sie ihre Gemüthsbewegungen zu\nbegleiten haben. Es ist zu §. 698 von der Landschalt, dem\nder Musik verwandtesten Zweige der Malerei, gesagt wor-\nden, das in ihr niedergelegte Gefühl lasse sich nicht recht\nin Worten ausdrücken, man wisse nur etwa zu sagen: das\nfühlt sich so öde, so hart, so schwül, so dämmernd, so\nfeucht an u. s. w. Eben so fühlt sich die blosse Instrumen-\ntal-Musik; wir suchen nach Ausdrücken und wählen sie\naus dem Gebiete dunkler, halb physiologischer Zustände\ndes atmosphärischen Lebens u. s. w.: sanft, stürmisch,\ndumpf, hell, verhüllt, offen, schwungvoll, malt, gespannt,\ngelös't, schleichend, beflügelt u. s. w.; an das Wort des\nDichters gelehnt, gewinnt nun die Stimmung, die ihr An-\nsich so unzulänglich auszusprechen vermag, Körper und\nInhalt, das Räthsel sein Wort. Wir haben aber in §. 748\ngesehen, dass das Gefühl in seiner Reinheit nur vorliegt,\nwo es von dem begleitenden Bewusstsein getrennt wird,\nund somit stehen wir vor einer schwierigen Wahl; entwe-\nder reines Gefühl, aber behaftet mit einem Bedürfniss der\nErgänzung, die es deutet, seiner Objectlosigkeit abhilft,\noder gedeutetes, auf das Object bezogenes, aber nicht mehr\nin seiner Reinheit vorliegendes Gefühl.\n„Eine gedankenreiche, durchaus anregende Schrift:\n„„Vom Musicalisch-Schönen\"w u.s.w. von Hanslick\nwiderlegt geistvoll die Ansicht, dass bestimmte, d. h. ein\nObject voraussetzende Gefühle den Inhalt der Musik bilden;\nsie geht aber weiter und behauptet, die Musik könne auch\nnicht „ „unbestimmte Gefühle\"\" zum Inhalt haben; denn\nUnbestimmtes darstellen sei ein Widerspruch. Allein was\nin gewisser Vergleichung unbestimmt ist, kann in anderer\nganz bestimmt sein, und wir werden im Folgenden uns mit\nderjenigen Bestimmtheit beschäftigen, welche dem Gefühle\nin all seiner beziehungsweisen Unbestimmtheit allerdings\neigen ist; Hanslick selbst deutet sie mit demjenigen an,\nwas er treffend die reine Dynamik, die Bewegung s-\nVerhältnisse des Gefühls nennt. Dieses dynamische\nGefühlsleben muss nun aber ein wirkliches Dasein haben,\nauch abgesehen von der Musik, wiewohl wir es fast nur\ndurch Rückschlüsse aus dieser errathen, und so ist es In-\nhalt der Musik. Was Hanslick sehr richtig gegen die fal-\nsche Trennung zwischen Inhalt und Form sagt, wider-\nlegt nicht die Notwendigkeit, beide Begriffe zu unter-\nscheiden, und indem er sich auch dagegen kehrt, bewegt\ner sich in der Tautologie, die geordnete Tonwelt als die\nForm und diese Form wieder als den Inhalt der Musik zu\nbehaupten. Wie zwischen Seele und Körper streng zu un-\nterscheiden ist, obwohl der Körper nur als die Realität\nder Seele, die Seele als die Identität des Körpers richtig\nbegriffen wird, so ist die Musik zwar das untrennbare\nGanze von Ton und Gefühl, tönendes Gefühl, und doch\nmuss die Analyse beide aus einander halten, um ihre Ein-\nheit zu zeigen. Dass man ohne Hülfe der Tonwelt das Ge-\nfühl nicht ergründen kann, daraus folgt nur, dass der In-\nhalt der Musik jene Geistesform ist, die sich durch Worte\nnicht zu offenbaren vermag: „ „Süsse Liebe denkt in Tö-\nnen, denn Gedanken steh'n zu fem.\"\" Selbst jene Theo-\nrieen von „ „bestimmten Gefühlen\"\" in der Musik sind nur\nin gewissem Sinne falsch, sofern ihnen nämlich die Meinung\nzu Grunde liegt, es lasse sich das Bestimmte eines Gefühls\nausserhalb der Musik durch Begriff und Wort fassen, ohne\naus dem Elemente des Gefühls heraus zu treten, und man\nkönne von einem so definirten Gefühle sprechen wie vom\nStoffe, vom Sujet des Malers und Dichters; sie sind nicht\nfalsch, sofern sie sagen wollen, dass jedes Musikwerk eine\nspecifisch individuelle Stimmung zum Inhalt haben muss."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "261", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570815-01.1.5", "texte": "Zu der Tautologie gesellt sich übrigens in jener Schrift\nder unvermeidliche Widerspruch, dass hinterher doch\n„„Gedanken und Gefühle, die theuersten und wichtigsten\nBewegungen des Menschengeistes8 u, als „„Gehalt88 der\nTonkunst eingeräumt werden müssen.8\n\nJ. S. Bach’s Sonaten für die Violine.\n\nJ. S. Bach hat sechs Sonaten für die Violine ohne\nalle Begleitung geschrieben, welche im Verhältnisse zu des-\nsen Ciaviersachen sehr wenig bekannt sind, trotzdem dass\nsie ebenfalls einen wahren Schatz von Musik enthalten und,\nungeachtet einiger schwächeren Sätze, mit zu denjenigen\nCompositionen gehören, in welchen sich der eigentbümliche\n'„enius des Meisters auf eine um so wunderbarere Weise\n-entfaltet, als der Umfang und die Natur des Instrumentes\ndie polyphone Sehreibart, von der er auch hier nicht lassen\nkonnte noch wollte, ausserordentlich beschränkte. Die sechs\nSonaten enthalten 32 Sätze, welche zwar nicht alle gleich\nsorgfältig ausgeführt, von denen jedoch bei Weitem die\nmeisten (selbst bis zu dreistimmigen Fugen) völlig ausge-\narbeitet und von bedeutender Länge sind und einen uner-\nschöpflichen Reichthum von Phantasie offenbaren. Freilich\nsind sie sehr schwer zu spielen, und man muss vor den\nViolinisten damaliger Zeit, wenn sie diese Sonaten bezwun-\ngen haben, gehörigen Respect haben. Vor mehr als fünf-\nundzwanzig Jahren habe ich die meisten Stücke aus ihnen\ndurch einen der ausgezeichnetsten Schüler Spohr's, den\ndamaligen herzoglich dessauischen Concertmeister Probst,\nkennen lernen, der sie namentlich z. B. das Adagio und\ndie grosse Fuge aus C-mollin der Sonate Nr. I auf\nganz vortreffliche Weise vortrug, nicht bloss herunter\nspielte; denn er war aller Schwierigkeiten in ihnen der\nArt Meister, dass ihre Bewältigung ihn nicht im Geringsten\nbei der geistigen Auffassung und Wiedergabe der Compo-\nsition störte. Späterhin quälten sich die Violinisten lieber\nmit Paganini'schen Etüden, als mit dem Studium des alten\nSebastian; die meisten von ihnen wussten auch wohl kaum,\ndass bereits etwas existire, das den Glanz der technischen\nAusführung mit dem echt musicalischen Inhalt für ihr In-\nstrument vereinigte.\nIn den letzten Jahren lenkten Mendelssohn und Schu-\nmann die Aufmerksamkeit wieder auf Bach's Violinsachen.\nMendelssohn schrieb bekanntlich eine Clavier-Begleitung\nzu der Ciaconna, und nun hörte man diese wenigstens wie-\nder und zuweilen recht gut, z. B. von Joachim; ja, sie\nwurde sogar eine Zeitlang Mode, so dass auch sehr mittel-\nmassige Geiger sich daran wagten. Allein es enthalten die\nBaeh'schen Sonaten noch sehr viele Stücke, mit welchen\nein Violinist von edler Richtung glänzen kann, und die auch\nfür das grosse Publicum anziehender sein dürften, als die\nCiaconna. Unserer Meinung nach müssen sie aber so, wie\nsie Bach geschrieben hat, d. h. allein, ohne alle Begleitung,\ngespielt werden; man versuche das nur einmal mit einigen\nkürzeren Stücken, z. B. dem Adagio und dem Siciliano aus\nder G-moll-Somte,in musicalischen Kreisen: die Wirkung\nwird nicht ausbleiben.\nEinen ganz anderen Zweck hat die Bearbeitung jener\nViolin-Sonaten für das Ciavier allein, welche uns unter fol-\ngendem Titel vorliegt:\nJ. S. Bach's 6 Violin-Sonaten für Piano-\nforte allein bearbeitet von Carl Debrois\nvan Bruyck. Leipzig, bei Fr. Kistner. Preis zu-\nsammen 6 Thlr. 15-^Ngr.; einzeln zu 1 Thr.—\n1 Thlr. 10 Ngr. (Die Violinstimme ist zur Ver-\ngleichung vollständig mit abgedruckt.)\nMan kann dieses Unternehmen allerdings ein kühnes nen-\nnen; denn ohne wesentliche Zuthaten war es gar nicht\nauszuführen. Und zu J. S. Bach hinzuzuthun, bleibt sehr\ngewagt. Auch lässt sich wohl, abgesehen davon, noch Man-\nches gegen eine derartige Bearbeitung einwenden, was\nübrigens der Bearbeiter recht wohl gefühlt hat und in der\netwas langen, aber gut geschriebenen Vorrede, die aller-\ndings hier nölhig war, selbst berührt. Der Gedanke kann\nfür neu gelten, indem die Art der Ausführung doch eine\nganz andere ist, als z. B. bei der Bearbeitung des Beetho-\nven'schen Violin-Concertes als Clavier-Concert und der Pa-\nganini'schen Etüden fürs Pianoforte durch F. Liszt.\nDer Verfasser spricht sich über die Entstehung des\nvorliegenden Werkes dahin aus, dass es zur bei Weitem\ngrösseren Hälfte, ohne irgend eine Nebenabsicht, rein nur\naus der begeisterten Vertiefung in die einzelnen Theile des\neigenthümlichen Originals entsprungen sei. Wir lassen ihn\nam besten dem Haupt-Inhalte nach selbst sagen, wie er zu\ndieser Arbeit gekommen und was er eigentlich damit will.\n, Während des innerlichen Genusses spannen sich mir,\nwie von selbst, an das Gegebene, oft nur Angedeutete und\nhalb Ausgesprochene hier Ergänzungen, dort Erweiterun-\ngen an, und ich konnte dem Drange nicht widerstehen, den\nPalast, von welchem ich eben nur die Säulenwände und\ndie goldene Kuppel stehen sah, zu meiner eigenen Lust im\nGeiste auszubauen. So entstand z. B. auf solche Weise zu-\nerst die Sarabande der zweiten Sonate in der gegenwärti-\ngen Form; ihr folgten die bourrund (Nr. 4) der-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "262", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570815-01.1.6", "texte": "selben Sonate, dann Fuge und Presto der ersten Sonate,\ndie Ciaconne und so fort andere Stücke, wie sie mich eben\nreizten. Endlich sah ich mich freilich in ein förmliches Un-\nternehmen verstrickt und arbeitete der Vollständigkeit we-\ngen auch die wenigen noch übrigen Sätze, die mir bisher\nferner geblieben waren, in demselben Sinne aus. Sollte ich\nja einen mehr äusserlichen Grund zur Fortsetzung die-\nser Arbeiten angeben, so wäre es nur der, dass sie mir\nzugleich als eine Art praktischen Studiums galten.\n„Dieser Entstehungs-Process macht auch gleich von\nselbst klar, wie fernab mir jedes tendenziöse Bestre-\nben bleiben musste, möglichst „ „im Stile Bach's\"\" zu\nschreiben. Ich hätte auch nach meiner Anschauung von\nKunstweise keine grössere Thorheit begehen können, als\nwenn ich mir das ideal zu erstrebende Ziel hätte\nstecken wollen, das neue Werk müsse möglichst in solcher\nGestaltung hervorgehen, wie es etwa Bach selbst geschaf-\nfen haben würde, wenn sein Geist es ursprünglich in die-\nser Form gezeitigt hätte, oder wie er es etwa was weiss\nich schreiben würde, Wenn er heutzutage noch lebte.\nDies ist aber ein Pfad, auf welchem eine solche Menge von\n„„Wenn\"\" und „„Aber\"\" als eben so viele Fangeisen\nverborgen lauern, dass ich ihn lieber gar nicht betreten\nwill. Nur muss ich freilich hier, um nicht missverstanden\nzu werden, zwischen der Congruenz innerer Wesenheiten\ndes Stils und äusserer Zufälligkeiten (um mich so auszu-\ndrücken) unterscheiden. Ein glücklicher Instinct, unterstützt\nvon einigem Studium der Kunst, musste mich davor be-\nwahren, gegen die erstere zu sündigen, oder ich war ver-\nloren, und Andere müssen entscheiden, welches von Bei-\ndem der Fall ist. Wegen etwaiger Incongruenzen in den\nletzteren, wie z. B. in Behandlung der Technik, weiss ich\nmich ziemlich leicht zu trösten. Dieses Werk, in so fern\nes mein Werk ist, soll möglichst den Eindruck eines\norganischen, wie aus Einem Gusse entstandenen Gan-\nzen hervorbringen, ohne allen Hinblick (ausser in so weit\nes die Natur der Sache mit sich bringt) auf das etwaige\nJahrhundert seiner Entstehung. Macht es diese Wirkung,\nso bin ich vollkommen befriedigt, und mein Zweck ist\nerfüllt.\nI\n„Kein einsichtiger Beurtheiler dieser Sonaten ich\nmeine das Original wird allen Theilen derselben (wie\nwäre dies auch möglich?) gleichen Werth beimessen wol-\nlen. Dass dieser Umstand natürlich auch auf meine Arbeit\nin doppelter Weise Einfluss nehmen musste, ist natürlich,\nund bittet der Autor der Secundogenitur, dieses vorkom-\nmenden Falls zu berücksichtigen, und ihm nicht anzurechnen,\nWas vielleicht schon („es schläft zuweilen selbst der gött-\nliche Homer\") dem alten Meister selbst anhängte, und nicht\neinmal immer diesem, sondern auch dem Einflüsse seines\nZeitalters. Andererseits hat er auch die Originalstimme\nüber seine Arbeit setzen lassen, nicht nur im Interesse des\nvergleichenden Kunstfreundes, welcher die Spuren seiner\nArbeit gern mit Bequemlichkeit verfolgen möchte, sondern\nauch, damit man genau erkenne, wie viel an dem nun vor-\nliegenden Werke sein Antheii ist, und damit Niemand\nihn, vielleicht ünbewusst, mit fremden Federn schmücke.\nMan wird, glaube ich, finden, dass, je fertiger, in sich ab-\ngeschlossener ein Stück bereits im Original ist (wie z. B.\ndie Ciaconne), desto mehr auch meine Zuthat sich auf das\nEinfachste, durch die neue Form notwendigst Gebotene\nbeschränkt, und dass sie desto reicher und mannigfaltiger\nwird, je mehr Bach bloss Lineamente zeichnete. Im Ganze\naber wird man natürlich sehen, dass ich den Zügen des\nOriginals in allem Wesentlichen getreu folgte, dass dieses\nimmer Fundament und Krone bildet, während alles Uebrige\nnur Schmuck und Ausbau.\n„Ein einziges Stück macht von diesem Princip eine\nentschiedene Ausnahme; es ist dies die Corrente der zwei-\nten Sonate. In diesem einzigen Falle habe ich es mir er-\nlaubt freilich nur, weil es sich mir mit Notwendigkeit\naufdrängte —, das von Bach Gegebene nur als Bindeglied\nzu benutzen, so dass hier in der That der neue Inhalt die\nHauptsache und das Original zum blossen Leitfaden ge-\nworden ist. Indem die Art, wie dieses geschah, zugleich\neine sehr bedeutende Veränderung des ursprünglichen Zeit-\nmaasses von selbst mit sich führte, so ist dadurch zugleich\nauch dem ganzen Stücke ein wesentlich verschiedener Cha-\nrakter aufgedrückt worden.\n„Es sind mir die mehrfachen Bearbeitungen, welche\ndiese Sonaten und einzelne Stücke derselben bereits, na-\nmentlich durch Schumann, Mendelssohn und Molique, er-\nfahren, natürlich nicht unbekannt, obgleich ich sie erst wäh-\nrend und nach meiner Arbeit kennen lernte. Dieselben sind\njedoch, wie man von vorn herein sieht, von meiner Ar-\nbeit ganz und gar verschieden. Diesen Meistern kam es\nfür ihren künstlerischen Zweck nur darauf an, der etwas\neinsamen und haltlosen Violinstimme eine feste Stütze zu\ngeben, damit das Werk nicht bloss für den gebildeten\nKünstler, dessen Phantasie und harmonische Kenntniss das\nFehlende, namentlich bei ruhig beschaulichem Genüsse,\nleicht ergänzt, sondern auch für den Laien vollkommen\nverständlich und geniessbar werde. Allein so verdienstvoll\ndiese Arbeiten auch sind und so anerkennenswerth die Ab-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "263", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570815-01.1.7", "texte": "sieht derselben, so mus9te ihnen insgesammt doch not-\nwendig ein Uebelstand ziemlich empfindlich ankleben. Man\nfühlt nämlich die Begleitung, die grossentheils nur so ne-\nbenher klappt, nur zu oft als ein eben nur äusserlich Hin-\nzugekommenes, mit dem Ganzen nicht organisch Verbun-\ndenes, und ich weiss nicht, ob ich die Wirkung der rein\nprimitiven Form diesem Umstände gegenüber nicht vielfach\nvorziehen möchte.\n„Ich würde so sagen: Will man Bach und dieses sein\nspecielles Werk rein und unvermiscljt kennen lernen, so\nhöre man es sich einfach in der ursprünglichen Form an.\nKeine andere ersetzt das Eigenthümliche dieser Form,\nwie Vieles sie sonst auch biete. Will man wieder Bach\nkennen lernen, und nur Bach, aber doch die harmoni-\nschen Stützen lür das Ohr nicht entbehren, so nehme man\nine der eben genannten Bearbeitungen zur Hand. Will\nman endlich ein Werk kennen lernen, welches vielfach ein\nwesentlich neues genannt werden mucs, an dem aber doch\nder überwiegendste und entscheidendste Haupt-Antheil Bach\nzufällt, so versuche man es mit dem vorliegenden.\" U. s. w.\nWir haben mit Vergnügen aus dem Werke ersehen,\n-dass der Verfasser mit Treue und Wahrheit über seine Ar-\nbeit gesprochen hat, und wir erkennen nicht nur die Ge-\nsinnung und Begeisterung an, die ihn dazu getrieben, son-\ndern auch das Talent, das Wissen und die Gewandtheit,\nmit welchen sie ausgeführt ist. Dem Kenner und Freunde\nBach'scher Instrumental-Musik wird sich dies auf jeder\nSeite, wenn auch nicht überall in gleichem Maasse, offen-\nbaren. Dem Princip nach möchten wir uns auch nicht als\nGegner einer solchen Arbeit erklären, am wenigsten in die-\nsem besonderen Falle, wo ein bisher fast so gut wie ver-\ngrabener Schatz trefflicher Musik den Ciavierspielern, so-\nmit also der überwiegenden Zahl von Musikern und Kunst-\nfreunden, dadurch zugänglich gemacht wird. Wie unend-\nlich hoch steht diese Art der Bearbeitung und ihr Gegen-\nstand über den Arrangements, Uebertragungen, Transscrip-\ntionen u.s. w. der Modemusik! Es gehört eine sehr ehren-\nwerthe Entsagung dazu, sein Talent gewisser Maassen in\nFesseln zu legen (wenn es auch goldene sind, wie hier),\nauf das Verdienst der ursprünglichen Erfindung und dessen\nAnerkennung zu verzichten und in dem Hineinschaffen in\nFremdes seine Befriedigung zu finden. Doch geben wir\ngern zu, dass diese allerdings eine erfreuliche, ja, erhebende\nsein könne, wo es sich um das Eindringen in den Geist\neines Sebastian Bach und um das Herausbilden eines neuen\nKunstwerkes aus seinen Ideen handelt. Herr Debrois van\nBruvck kann getrost diese innere Genugthuung für sich in\nAnspruch nehmen, da es ihm gelungen ist, ein sehr in-\nteressantes und achtungswürdiges Werk herzustellen. Er\nhat jedenfalls der Kunst einen dankenswerthen Dienst ge-\nleistet; mögen sich recht Viele an diesen Sonaten in ihrer\ngegenwärtigen Gestalt eben so wie wir erfreuen. Wir hal-\nten sie auch, da die ursprüngliche Violinstimme mit abge-\ndruckt ist, für ein zweckmässiges Mittel zu Studien über\nBach und empfehlen sie den Musikschulen.\n\nL. B.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nSiwln. Herr J, Derffel aus Wien, gegenwärtig in Brighton,\nhat einige Tag§ hier verweilt. Wir haben in ihm einen vorzüglichen\nClavierspieler und einen sehr talentvollen Copiponisten von gedie-\ngenster Richtung kennen lernen.\nDas Concert des Männer gesang-Ver eins für die Abge-\nbrapnten an der Mosel hat einen Reinertrag von 450 Thlrn. ergeben.\nDie Geschwister Kaczeck, Friedrich Sophie Victor (13\nbis 9 Jahre alt), haben in einer Soiree im Gasino und in Privat-\nkreisen ausserordentlichen Beifall geästet. Am vorzüglichsten und\nin der That bewundernswerth ist ihr Zusammenspiel; die erstau-\nnenswerte Natur-Anlage dieser kleinen Yiolinspieler tritt in ihren\nVorträgen aufs schlagendste hervor, und das peinliche Gefühl über\nforcirte Dressur, das uns so oft bei Wunderkindern ergreift, findet\nhier in der That gar keinen Anhalt. Es wäre wünschenswerth, dass\ndurch ein Concert im Theater auch dem grösseren Publicum Gele-\ngenheit gegeben würde, diese begabten Kinder zu hören.\nF. Hiller dirigirt heute Abends in Düsseldorf ein Concert\nzum Besten der Abgebrannten an der Mosel. Bei der Versamm-\nlung der Naturforscher in Bonn wird die Stadt am 23. September\nein Fest-Concert veranstalten, zu dessen Direction ebenfalls Ca-\npellmeister Hiller berufen ist.\nDer Sänger und Schauspieler Karl Wauer, welcher, wie schon\ngemeldet (s. Nr. 3L), am 13. Juli zu Freienwalde an der Oder, 74\nJahre alt, starb, war den 26. Januar 1783 in Berlin geboren. Sein\nVater, ein Sattler, erblindete im Alter; während dieser Zeit, so wie\nin den ersten Jahren nach dessen Tode war Karl die einzige Stütze\nseiner Mutter und sechs jüngerer Geschwister. Er sang im Stadt-\nChor auf den Strassen, und Abends und Nachts verfertigte er Peit-\nschen, welche die kleinen Geschwister zum Verkauf durch die Stadt\ntrugen. Im Jahre 1802 (seinem neunzehnten) wurde er als Chorist\nbeim Theater angenommen, behielt aber seine übrigen Beschäftigun-\ngen bei. Der Sänger Franz nahm sich seiner an und unterrichtete\nihn im Gesänge, und 1807 wurde er mit wöchentlichem Gehalt von\n3 Thlrn. bei der Oper angestellt, zur Zeit der Verwaltung Xffland's\nund unter dem Capellmeister-Amte von Bernh. Anselm Weber. Im\nJahre 1810 gab er zum ersten Male Gastrollen in Stettin. Man bot\nihm dort i 2 Thlr. wöchentlich er zog jedoch vor, mit 7 Thlr.\nWochen-Gage bei Iffland zu bleiben, und hat die berliner Bühne nie\nverlassen, bis er vor sechs Jahren sich mit Pension zurückzog. Das\nLoos fast gänzlicher Erblindung traf auch ihn, wie seinen Vater."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "264", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570815-01.1.8", "texte": "Seine künstlerische Entwicklung basirte sich auf seine Natur,\nnicht auf Studium und theoretisches Zerlegen seiner Aufgabe Er\nspielte diejenigen Rollen vortrefflich, die ganz in seinen eigenen Cha-\nrakter aufgingen, und die Grundzüge dieses Charakters waren Bie-\nderkeit und Treuherzigkeit, gepaart mit einer heiteren Lebens-An-\nschauung und leichter Auffassung des Gemüthlich-Komischen;\nsie wurden nicht getrübt, sondern gehegt und genährt durch gute\nFamilien-Verhältnisse und eine glückliche 45jährige Ehe. Seine Dar-\nstellungen waren gesund und wahr; sein Leporello (besonders neben\nBlume als Don Juan), sein Notar in der schönen Müllerin, sein\nRocco im Fidelio waren Muster-Typen. Eben so tüchtig war er im\nSchauspiel, wo besonders das ernste Fach der Väter und Biedermän-\nner seine Sache war. Reilstab erzählt (in d. V. Z.) folgende charak-\nterische Anekdote von ihm. Eine seiner besten Rollen war Werner\nStauffacher in Schiller's Teil. Bei der Aufführung am 22. März\n1848 drangen seine Familie und seine Collegen in ihn, die Verse;\nDenn herrenlos ist auch der Frei'ste nicht;\nEin Oberhaupt muss sein, ein höchster Richter,\nWo man das Recht muss schöpfen in dem Streit\nwegzulassen, weil man in jenen aufgeregten Tagen bedenkliche Fol-\ngen befürchtete. antwortete: „Und wenn sie mich zerreissen,\nich lasse sie nicht aus!\" Er sprach sie mit Nachdruck und voller\nWärme, ein ungeheurer Boifall brach aus, und er musste die Worte\nwiederholen.\n1 '•./ x Mf - 7 . v •*, ' f • i . - 4\nBerlin* Die königliche Oper eröffnete am 8. August mit Au-\nbex's Maurer, worin Fräul. Trietsch und Herr Wolff grossen Bei-\nfall gewannen; dann folgen: Der Prophet, Tannhäuser, Don Juan,\nHalevy's Jüdin, Oberon und Zauberflöte. Mit dem Tenoristen Hoff-\nmann (Eleasar in der Jüdin) soll ein neuer Contract geschlossen\nwerden. Herr Th. Formes ist noch beurlaubt.\nAuf Antrag der Staats-Anwaltschaft und in Folge des Beschlus-\nses der Rathskammer des königlichen Stadtgerichtes, d. d. Berlin,\n6. Juli 1857, ist die Beschlagnahme des bei L. Holle in Wolfenbüt-\ntel erschienenen Nachdrucks der C. M. von Weber'schen Clavier-\nCompositionen, welche den Titel führen: „C. M von Weber's Clavier-\nCompositionen, erste rechtmässige Gesammt-Ausgabe, revidirt und\ncorrigirt von H. W. Stolze\", im vollständigen Bande und in einzel-\nnen Heften, 7, 9, 10—16, 20—25, welche rechtmässiges Eigenthum\nder Schlesinger'schen Buch- und Musikhandlung in Berlin sind, der\nköniglichen Policei-Behörde aufgegeben worden, und ist die Beschlag-\nnahme der beim Buchhändler Maertens vorgefundenen Exemplare im\nvollständigen Bande und in den qu. einzelnen Heften erfolgt. Im\nKönigreiche Sachsen war die Beschlagnahme der Weber'schen Nach-\ndrucks-Ausgabe bereits durch Decret vom 23. März d. J. erfolgt.\n(Berl. Echo.)\nDer rühmlichst bekannte Yioloncell-Virtuose Feri Kletzer hat\nin Folge des glänzenden Successes seiner Concerte in London ein\nsehr vortheilhaftes Engagement nach New-York erhalten, um in einer\nReihe von Concerten als Solospieler mitzuwirken, zu deren Herstel-\nlung sich für das Winter-Halbjahr Thalberg, Vieuxtemps und die\nSängerinnen Frezzolini und La Grange vereinigt haben. Es sind\ndies dieselben Concerte, welche Thalberg bereits im vorigen Winter\neinrichtete und in denen die Zuhörer mit Sorbet regalirt werden.\nDie Ausgabe dafür beträgt jedes Mal 8 bis 10 Pf. St. Auch eine\nitaliänische Oper wird mit dieser Unternehmung verbunden, deren\ngeschäftlicher Leiter Herr Ullmann ist. Feri Kletzer, der vor einigen\nTagen vor dem Könige von Hannover in dessen Privat-Cirkel spielte,\nbefindet sich augenblicklich in Dresden und wird, nachdem er zuvor\nin Prag concertirt, sich unverzüglich nach New-York begehen. Auch\nder Bassist Herr Colbrun war zu diesem Unternehmen eingeladen,\ndas Monats-Honorar von 1000 Francs war ihm jedoch zu wenig.\nCapellmeister Taubert in Berlin arbeitet an einer neuen Oper,\n„Macbeth\", wozu ihm Egger den Text zubereitete. Das Werk ist\nso weit vorgerückt, dass man glaubt, es werde noch im Laufe der\nkommenden Winter-Saison in der berliner Hof-Oper zur Aufführung\ngelangen können.\nteil. Ausser den beiden als Novitäten dieser Saison bestimm-\nten Opern von Proch und Hoven sollen noch eingereicht worden sein\nund Chancen zur Aufführung haben: eine Oper von Emil Ti t\neine von Karl Haslinger und eine von Thomas Löwe. Also\nfünf Opern von lauter wiener Componisten!\nDeutsche T o 11 Ii a 1 1 e.\nDie fünfzig Clavier-Sonaten, welche uns als Bewerbungen um\nden im Februar d. J. vom Verein ausgesetzten Preis in der bestimm-\nten Zeit zugekommen sind, haben wir bereits einem der drei er-\nwählten Herren Preisrichter zugesandt. Sobald von sämmtlichen die\nBeurtheilung dieser Werke geschehen ist, werden wir das Ergebniss\nanzuzeigen nicht säumen.\nDie Einsendungszeit der Bewerbungen um den an Ostern d. J\nausgesetzten Preis für eine vierhändige Orgel-Sonate (deren mehrere\nschon einkamen) läuft erst mit Ende des nächsten Monats ab.\nHierbei zeigen wir nochmals an, dass wir nur auf unmittel-\nbare Zuschriften an den Schriftführer antworten oder Bewerbungen\nausfolgen lassen können.\nMannheim, den 4. August 1857.\nDer Vorstand."}]}