{"numero_id": "bm-bmtnabi-1857-09-12-01", "volume": "bmtnabi_1857-09-12_01", "ocr_sha256": "a13f6c6d1b113d983aa79d2921aaca6800b5b8e17a048180f10aca0ae783e57d", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1857/09/12_01/bmtnabi_1857-09-12_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570912-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1857-09-12-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-09-12_01#c001", "volume": "bmtnabi_1857-09-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "289", "page_fin": "289", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570912-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "289", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570912-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 459, "texte": "Inhalt.\nPariser Briefe (Weber's Euryanthe in Paris). Von B. P. Henri Vieuxtemps (Lebensskizze). Der Tonkünstler-\nVerein zu Dresden (Jahres-Berichtj. Aus Hamburg („Der Geiger aus Tyrol\", Oper von Richard — Tages- und Unterhal-\ntungsblatt (Köln, Gedächtnissfeier für Bernhard Klein Berlin, Frau Herrenburg-Tuczeck Wiesbaden, Herr Thelen, Das dritte mit-\ntelrheinische Musikfest Roderich Benedix Der Componist Banck Der deutsche Gesang-Verein Germania in Paris)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-09-12-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-09-12_01#c002", "volume": "bmtnabi_1857-09-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "289", "page_fin": "292", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570912-01.2.2", "titre_corps": "Pariser Briefe.", "titre_sommaire": "Pariser Briefe.", "signature_source": "B. 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Diese drei waren der Ehre der Aufnahme\nin das Reperioire der Conservatoire-Concerte für würdig\ngehalten worden; unwürdig war es aber, dass man sich\nerlaubt halte, den Jägerchor mit Zusätzen zu verbrämen.\nNur in wenige Kreise einzelner Künstler oder Dilettanten\nernster Richtung war der Clavier-Auszug gedrungen, den\nI\nBrandus mit deutschem und französischem Texte (letzterer\nin recht guter Uebersetzung von Maurice Bourges) heraus-\ngegeben hatte.\nDa sah sich das Theätre lyrique bei der Armuth im\nVaterhause nach der Fremde um. Man erinnerte sich eines\ngewissen Carl Maria von Weber aus dem Lande „der\nTräume, des Magnetismus, des Somnambulismus\", man\nholte den Freischütz wieder hervor und machte ihn zurecht\nfür die Pariser; man wagte sich an den Oberon, machte\nauch ihn zurecht, und die Pariser staunten und jauchzten.\nMittlerweile hatte auch in Concerten die Musik zur Preciosa\nentzückt was war natürlicher, als dass die Direclion des\ngenannten Theaters auch zur Euryanthe griff, die allein\nnoch übrig war?\nAber du lieber Himmel! eine so düstere, melancholi-\n* '\nsehe, sentimental-absurde Geschichte mit der wimmernden\nUnschuld und der grossen Schlange in natura auf einer\npariser Bühne? Nichts Pikantes, nichts Frivoles, nichts Lu-\nstiges, nichts Komisches zur Abwechslung darin, und der\nErnst noch obenein sehr dämm! Was sollte man damit?\nHier galt es, einen kühnen Derangeur zu finden, um das\nlyrische Drama zu arrangiren. Er fand sich; Herr deSaint-\nGeorges bebte nicht vor der Aufgabe zurück, de Lernen\nreimte die nöthigen Verse dazu, und siehe da! am I.Sep-\ntember wurde zum ersten Maie in Frankreich aufgeführt:\nEuryanlhe, Opera faniaslique en 3 actes et 5 tableaux de\nWeber.\nEine phantastische Oper? Was ist denn Phantastisches\nan der Euryanthe? Ei, was nicht darin ist, das macht\nman hinein. Die Franzosen können sich nun einmal unse-\nren Weber nicht anders als diabolisch und phantastisch\ndenken Alles muss Wolfsschlucht sein. Sein Concert-\nstück, sein Duo lür Ciavier und Clarinette, Alles heisst in\nParis phantastisch. Wie hätte vollends eine Oper diesem\nstehenden Prädicat entgehen können? Da nun aber in der\ndeutschen Euryanthe nichts von Zauber und Geisterspuk\nzu finden, so musste Ucbersinnliches, Aussernatürliches,\nZauberei, Zigeunerei, Schattenspiel und Teufelei hinein\narrangirt werden. Ohne dieses kein Publicum, kein Heil\nlür Weber in Paris. So entstand denn die französische\nEuryanthe in folgender Gestalt.\nDer Ritter Odoard (Adolar) liebt Euryanlhe; der Her-\nzog, dem er das Leben gerettet, hat den Tag der Vermäh-\nlung bereits festgesetzt, Graf Reynold (Lysiart), der ver-\nschmähte Nebenbuhler, sprüht Zorn und Rache. Zur Hel-\nfershelferin verbündet sich Zarah mit ihm. Zarah? Wer ist\ndas? Das ist Eglantine, oder vielmehr, das war Eglantine;\njetzt ist sie eine orientalische Hexe im Zigeuner-Costume.\nOdoard-Adolar hat sie aus Palästina mitgebracht, sie liebt\nihn und will Euryanthe verderben. Obwohl sie das auf ge-\nradem Wege thun könnte, da sie sich mit dem Fürsten\nder Hölle sehr gut steht, so zieht sie doch aus mensch-\nlicher Liebhaberei die Intrigue vor. Sie flösst dem Reynold-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "290", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570912-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5088, "texte": "Lysiart den Vorschlag der teuflischen Wette ein. Zu die-\nsem Zwecke ist Lysiart's grosse Arie und sein Duett mit\nEglantine-Zarah aus dem zweiten Acte in den ersten ver-\nlegt; beide Stücke folgen gleich auf Adolar's Romanze.\nDie.Wette geht nun wie in der deutschen Oper in\nScene. Aber Reynold-Lysiart ist noch eben so schlimm\ndaran, wie früher; denn er weiss wohl, dass er an Erhö-\nrung bei Euryanthe nicht denken darf. Da erzählt ihm Za-\nrah die Geschichte von einer babylonischen Prinzessin,\nwelche ein Mal in Gestalt einer wilden Rose auf der Brust\ngehabt habe. Reynold findet das allerdings sehr wunderbar,\nbegreift aber nicht,.was das ihm helfen solle.— „Wie, Ihr\nmerkt nichts?\" Und nun raunt sie ihm ins Ohr, dass auch\nEuryanthe ein Blumenmal auf der Brust habe, was Niemand\nausser ihr wisse. Mit diesem Geheimnisse bewaffnet, müsse\ner die Wette gewinnen und das glückliche Paar verderben.\n„Ha! wenn das wahr wäre!\" ruft Reynold aus. „Du\nzweifelst? So glaube deinen eigenen Augen!\" Auf ihren\nZauberwink schwindet die Wand, und sie stehen in Eury-\nanthe's Schlafgemach; sie ruht in tiefem Schlafe auf ihrem\nLager Reynold schleicht hinan, hebt die Decke von ih-\nrem Busen und überzeugt sich mit dem ganzen Publicum\nvon der Wahrheit des Geheimnisses!\nDa hast du das Pikante in der frechsten und obenein\nunnützesten Weise, weil das ganze Tableau nach der Er-\nzählung der Zigeunerin höchst überflüssig ist. Man begreift,\nwas diese nichtswürdige Scene in dem Finale, wo nun die\nSache zur Sprache kommt und der Beweis von Euryanthe's\nSchuld verlangt wird, für neue Widrigkeiten veranlasst.\nSo etwas Empörendes und zugleich abgeschmackt Dummes\nhat denn doch bei allen seinen Mängeln der deutsche Text\nnicht; auch würde es ein deutsches Publicum nicht ertra-\ngen. Doch still! wer weiss, ob es nicht irgend einer Inten-\ndanz in Deutschland einfällt, Weber's Euryanthe nach der\nfranzösischen Bearbeitung wieder auf das Repertoire zu\nbringen?! Käme sie ja doch aus Paris!\nNachdem nun das arme Kind,, vom Feuerroth der\nSchaam Übergossen, die brutalen Anspielungen und die\nklobigen Vorwürfe der Hofleute, die sich wie eine Solda-\ntesca benehmen, eine Weile hat anhören müssen, wirft\nsich endlich Odoard-Adolar doch zu ihrem Ritter auf, zeiht\nReynold des Truges und Verraths und fordert ihn auf Tod\nund Leben.\nReynold, dem der Dichter auch sogar die rohe Tapfer-\nkeit abstreift, damit er als ein vollkommener Lump er-\nscheine, nimmt in seiner Feigheit wiederum Zuflucht zur\nZigeunerin. Diese lässt aus der Erde einen vollständigen\nSchmiede-Apparat emporsteigen, Geister in Zigeunertracht\numkreisen den Ambossund schmieden vor Reyriold's Augen\nein Zauberschwert, dem nichts widerstehen kann und das,\nwie die Freikngeln immer treffen, eben so niemals fehl haut.\nDabei mangelt es nicht an der Ruine einer aiten Capelle,\neiner Thurmuhr, deren Zifferblatt sich plötzlich von selbst\nerleuchtet und Mitternacht zeigt; der Föhrenwald rauscht,\nFledermäuse schwirren durch die Luft, geflügelte Eidech-\nsen und Kröten folgen, die Eulen glotzen kurz, die ganze\nBevölkerung der Wolfsschlucht ist erstanden, aber Alles\nohne Musik, da Weber nicht daran gedacht hat, solch\ntolles Zeug in die Euryanthe zu bringen.\nReynold stellt sich im Vertrauen auf seinen Freidegen\nfrech zum Gottesurtheil. Der Kampf soll beginnen, als der\nHerzog oder König erscheint. Zur rechten Zeit hat Zarah\neingesehen, dass es doch ein Jammer wäre, wenn dem\ntapferen Odoard-Adolar, den sie immer noch liebt, durch\neinen solchen Lump wie Reynold der Kopf gespalten würde.\nSie hat dem Fürsten Alles entdeckt, und dieser gebietet,\num sich zu überzeugen, dass die Kämpfer nach alter Sitte\ndie Schwerter tauschen sollen. Während Odoard das sei-\nnige dem Gegner arglos hinreicht, bricht dieser im Be-\nwusstsein der Schuld und des sicheren Todes durch sein\neigenes Schwert wie vernichtet zusammen und gesteht Al-\nles. Schluss: „0 Seligkeit, ich fass' dich kaum\"—\nsur mon sein, viens sur mon coe /\" Zarah hat sich schon\nlängst in der Stille gedrückt, und Reynold lässt sich gedul-\ndig von Knappen abführen. Man begreift freilich nicht,\nwarum er mit dem Freidegen nicht Alles niederhaut und\nden Adolar zuerst; aber wer wird auch Alles begreifen\nwollen!\nDoch halt! wir sind noch nicht fertig. Das Lüsterne\nund der Hexenspuk ist, wie wir gesehen haben, glücklich\nin die Oper hinein prakticirt worden; allein das Komische?\nAuch dafür haben die Herren Derangeurs gesorgt. Sie ge-\nben der Euryanthe ein Kammermädchen, Berneretta, und\nden beiden Nebenbuhler-Rittern zwei Schildknappen, Hec-\ntor und Lancelot, die beide in das Kammermädchen ver-\nliebt sind. Das ist nun zwar nicht neu, auch gleichen sich\ndie beiden Spassmacher, wie ein Ei dem anderen; aber\ndas Parterre lacht über sie, und es ist— nach einem hie-\nsigen Kritiker kein geringes Verdienst der Dichter (?),\ndies „in einem so finsteren Drama und bei einer so düste-\nren Musik\" erreicht zu haben. „Wir brauchen jedoch\"\nfährt er fort—„ wohl kaum zu sagen, dass sie nicht singen,\ndenn Weber's Musik hat einen zu entschiedenen Charakter,\nals dass sich ihr Ausdruck und ihre Farbe willkürlich Die-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "291", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570912-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5103, "texte": "sem oder Jenem anpassen liesse. Da das komische Element\nvon dem deutschen Verfasser ganz und gar vernachlässigt\nworden (!), so fand sich in der ganzen Partitur kein Tact,\nden man einer komischen Person hätte in den Mund legen\nkönnen. Alles ist darin ernst. Wenn der Componist auch\nhier und da von seinem strengen Slil abweicht, so lässt er\nsich doch höchstens bis zur Anmuth herab, und selbst diese\nbleibt fast immer noch etwas melancholisch.\"\nTV* ... y * f ' I\nDas ist denn also die pariser Euryanthe! Niemand\nwird den Text der Frau von Chezy für ein gutes Drama\nerklären wollen; allein wenn die hiesigen Blätter sagen,\ndass Herrn St. Georges & Comp. Machwerk zwar kein Ra-\ncine'sches Drama, aber mit dem deutschen Buche vergli-\nchen ein Meisterstück sei, so ist das eine von jenen Be-\nhauptungen in die Luft hinein, welche die französischen\nFeuilletonisten nach altem unverschämtem Brauche ihren\nNachbarn gegenüber noch immer nicht lassen können. Die\nLeser werden sich aus der gegebenen Skizze überzeugt ha-\nben, um welchen Preis unsere allerdings etwas langweilige\nEuryanthe in Paris zu einer kurzweiligen gemacht wor-\nden ist.\nMan ersieht aus dem Gesagten, dass die französische\nEuryanthe eine Oper mit Dialog ist. Weggeschnitten sind\nalso aus der Partitur alle Recitative, auch die Erzählung\nvon dem Ringe und der Erscheinung Emma's, so dass das\nViolinen-Adagio in der Ouvertüre eigentlich keinen Sinn\nmehr hat. Sonst sind alle Musikstücke beibehalten, zwar\nhier und da, wie oben schon erwähnt, an andere Stellen\ngesetzt und auch zuweilen mit unglücklichen Verstümme-\nlungen, namentlich an den Schlüssen. In Adolar's Romanze\nhat man auch den dritten Vers weggelassen, was mit Recht\nvon einem musicalischen Blatte getadelt wird, weil Weber\nzu der dritten Strophe eine ganz andere Begleitun g ge-\nschrieben habe.\nTrotz alledem hat Weber's Musik doch eine solche\ninnere Kraft, dass sie auch hier wieder einen offenbaren\nSieg über alle Hemmnisse davongetragen hat. Wenn auch\nder Beifall im vorigen Jahre beim Oberon enthusiastischer\nwar, so hat Euryanthe doch auch einen sehr erfreulichen,\nja, in mancher Hinsicht glänzenden Erfolg gehabt. Nach\ndem ersten Acte wurden Odoard (Michot) und Euryanthe\n(Mademoiselle Rey) gerufen. Im zweiten Acte wurden die\nCouplets in A-dur mit dem Chor-Refrain, im dritten der\nJägerchor da capoverlangt. In diesem letzteren war die\nFermate auf dem des eine sehr ungeschickte und ärgerliche\nNeuerung; so etwas kann nur in Paris vorfallen. Eben so\nwidrig war die Zerrung des tiefen in die Breite durch\nMademoille Rey am Schlüsse der Läufe in dem bekannten\nFinale. Der Tenor und der Bass (Herr Balanque) hatten\nihre Parlieen besser aufgefasst. Auch fehlt es der Rey an\nLeichtigkeit der Coloratur und doch auch wieder an Kraft\nder Stimme. Recht gut war Mademoiselle Borghese in der\nPartie der Zarah-Eglantine. Die Chöre und das Orchester\nwaren verstärkt, Ausstattung und Decorationen vortreff-\nlich. Dennoch kann man die Ausführung im Ganzen aus\ndeutschem Gesichtspunkte nur als eine mittelmässige be-\nzeichnen. Hoffentlich werden die späteren Vorstellungen\ndie herrliche Musik genauer (auch im Orchester) wieder-\ngeben und die Sänger sich mehr in den ihnen freilich ganz\nfremden Geist dieser Partitur hineingesungen haben.\nEs dürfte für die deutschen Verehrer Weber's nicht\nohne Interesse sein, Urtheile französischer Kritiker über\ndie Musik der Euryanthe zu lesen.\nLeon Durocher sagt in der Gazette Sf Revue musicale\nunter Anderem über die Ouvertüre: „Sie ist nicht so me-\nlodieenreich, wie die Ouvertüren zum Freischütz und zum\nOberon. Man findet nur zwei Gesang-Motive darin; das\nerste hat eine ungemeine Entschiedenheit und Energie, das\nzweite, aus einer Tenor-Arie des zweiten Actes, ist voll\nAdel, Leben und Feuer. Diese Melodie reisst hin und würde\n• * • i ■\nnoch mehr begeistern, wenn sie eben so gelungen endete,\nals sie beginnt. Alles Uebrige ist Arbeit, geschraubt, müh-\nsam, manchmal ziemlich confus; es macht last glauben, dass\nWeber mehr Phantasie als musicalisches Wissen und Kön-\nnen hatte. Wie weit entfernt ist diese fieberhalte Unruhe\nbei contrapunktischer Arbeit von dem leichten und sicheren\nGange, der heiteren Ruhe, der durchsichtigen Klarheit Mo-\nzart's!\" (Das Publicum verlangte jedoch die Wiederholung\nder Ouvertüre.)\n„ Die Arie Reynold's (Lysiart's) ist lang oder scheint\nwenigstens lang. Sie ist nicht sehr melodisch, es ist mehr\nDeclamation als Gesang darin. Das Orchester ist nicht ganz\nklar, was sonst bei Weber selten der Fall ist.\" (Dies lag\nan der Ausführung, die nichts weniger als präcis und deut-\nlich war.) „In dem Duett mit Zarah (Eglantine) sind Ef-\nfecte von wahrhaft höllischer Energie und prächtige Modu-\nlationen. Selten hat Weber so viel Kraft, als hier. Dasselbe\ngilt von der grossen Scene der Wette, in welcher das herr-\nliche Motiv, mit welchem die Ouvertüre beginnt, die Haupt-\nrolle hat.\"\n„Die kleine Cavatine, mit welcher Euryanthe auftritt,\nscheint uns mit ihrem schönen Ritornel eines der am glück-\nlichsten erfundenen Stücke der Partitur zu sein. Man kann\n• k •\nsich nichts Sanfteres, Frischeres und doch Träumerischeres"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "292", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570912-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5133, "texte": "und Sehnsüchtigeres denken. Diese kurze Nummer allein\nbeweis't, dass Weber ein grosser Dichter war. Das Duett\nzwischen Euryanthe und Eglantine ist von wunderbarer\nZartheit und Feinheit; wir wissen ihm nichts zu verglei-\nchen, als das köstliche Finale des ersten Actes, wo Eury-\nanthe über dem Chor und mit den Flöten des Orchesters\nim Gespräch ihr Glück und ihre Freude in einer so einfa-\nchen, reizenden, natürlichen und originellen Melodie aus-\ndrückt. Es gibt nicht viele so neu und so glücklich erfun-\ndene Aclschlüsse.\"\n„Von der Cavatine Adolar's im zweiten Acte haben\nwir schon bei der Ouvertüre gesprochen. Sein Duett mit\nEuryanthe ist voll von zarter und leidenschaftlicher Melo-\ndie. Die Modulation geht auf überraschende Weise in ent-\nfernte Tonarten, ohne jedoch der Einheit des Ganzen zu\nschaden. Das Hauptmotiv wird von nach mit un-\nvergleichlicher Kühnheit und Geschicklichkeit zurückgeführt,\nund der Schlussist entzückend schön. Dagegen scheint\nO o\nuns das Finale weniger gelungen. Das vierstimmige Lar-\nghetto mit Chor macht nur geringe Wirkung; die Melodie\nhat zu wenig entschiedenen Charakter, und so tritt sie\nnicht genug aus der Harmonie hervor. Die Stretta, wo die\nungalanten Ritter über die arme Euryanthe herfahren, ist\nhart und brutal, wie die ganze Situation, welche derCom-\nponist vielleicht nur allzu treu geschildert hatu u. s. w.\n„Trotz alledem ist die Partitur der Euryanthe doch\nweniger vollkommen und nicht so glücklich inspirirt als der\nOberon nnd vollends der Freischütz. Die Melodieen sind\nsparsamer verlheilt und nicht so hervorstechend. Decla-\nmation, gesuchte und sonderbare Harmoniefolgen treten weit\nöfter an ihre Stelle. Der Componist zeigt auch hier stets\ndasselbe Talent in der Behandlung des Orchesters— einer\nKunst, in welcher er fast keinen Nebenbuhler hat; allein\ner wendet dieses wunderschöne Colorit auf Gemälde an,\nderen Motive und Zeichnung nicht so anziehend sind, als es\nsonst bei ihm der Fall ist.u\nEin Herr L. Minot verläuft sich in der France Musi-\ncale mehr in schwülstige Redensarten, als dass er etwas\nBezeichnendes sagte. Er kann sich von der wunderlichen\nEinbildung der Franzosen, dass Weber's Sache eigentlich\nnur das Phantastische sei (vom Romantischen haben sie\nkeinen Begriff), nicht frei machen, „hüllt seinen Charakter\nin einen düsteren und neidisch melancholischen Schleier,\nwesshalb seine Gedanken auf der Opernbühne selten durch-\nsichtig wären, man müsse ihre Lichtseite nicht in der Par-\ntitur, sondern in der Person des Componisten suchenfc,\nund andere Faseleien mehr.\nDagegen geisselt H. Berlioz in den Debats zuvörderst\njene verkehrte Manie der Franzosen, Alles in bestimmte\nKategorieen einzupferchen, woraus denn auch das Vorur-\ntheil entsprungen sei, dass Weber nur gross in dem Gei-\nsterhalten, Phantastischen, Diabolischen sei. Darauf gibt er\neine ausführliche Analyse der deutschen Euryanthe, wie sie\nFrau von Chezy gedichtet und Weber componirt hat, wo-\ndurch die pariser Leser einiger Maassen in Stand gesetzt\nwerden, zu vergleichen. Ueber die Musik sagt er am Ende\nunter Anderem Folgendes:\n„Nichts desto weniger hat Euryanthe einen schönen\nErfolg gehabt, den sie dem Werthe der Musik und der\nsorgfältigen Inscenesetzung verdankt. Die Ouvertüre zeich-\nnet sich besonders durch die Kraft des Rhythmus und die\nLebhafligkeit der leidenschaftlichen Betonung aus. Das\nschneidet ein, leuchtet und zündet; es ist ein elektrisches\nMusikstück. Der erste Chor ist voll Adel und ritterlichem\nSchwung. Nichts ist lieblicher als die Romanze Adolar's;\nihre Melodie ist einfach und einnehmend, die Begleitung\nwahrhaft poetisch. Die Scene der Wette macht stets auch\nin den Conservatoire-Concerten— eine gewaltige Wirkung;\ndas ist stolz, feurig, drangvoll und reich entwickelt. In\nEuryanthe's Cavatine findet man die ganze Zartheit und\njungfräuliche Anmuth der Gebete Agathens wieder. Dage-\ngen zeichnet sich die Partie der Eglantine durch eine stür-\nmische Heftigkeit aus, welche auf höchst dramatische Weise\nmit dem sanften Charakter der Euryanthe contrastirt. Der-\nselbe Gegensatz findet sich bei Lysiart und Adolar wieder.\nIn Lysiart hört man hier und da den Nachklang der wilden\nWeise Caspar's im Freischütz, jedoch ohne irgend buch-\nstäbliche Reminiscenzen; übrigens ist die Form seiner Mu-\nsikstücke viel breiter angelegt als in allen anderen Num-\nmern, auch das Orchester greift dabei weit mehr ein, als\n\\\nsonst irgendwo. Daher denn auch das furchtbare Leben in\nseinem Duett mit Eglantine, in welchem die düstere Wuth\ndieser beiden Charaktere wunderbar geschildert ist.\n„ Ich weiss nicht, ob das Duett der beiden Liebenden\nin der anmuthigen Gattung eben so hoch zu stellen ist, und\nob der Stil desselben sich auf derselben Höhe hält. Der\nBauernchor mit dem Sopransolo und der Jägorchor konnten\nnatürlich nicht verfehlen, die Zuhörer zu entzücken\" u.s.w.\nBerlioz, der sich übrigens über den deutschen Text mit\nder grossen Schlange eben so lustig macht, wie über die\nfranzösische Zurechtmachung (remaniement), schliesst mit den\nWorten: »Da haben wir wieder einmal einen musicalischen\nErfolg, der ganz Paris nach dem ziehen wird. *\nParis, 6. September 1857.\n\nB. 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Sein Vater, gebürtig aus hier\nim wallonischen Theile des Grossherzogthums Luxemburg,\nfiel im Jahre 1812 der Conscription anheim, marschirte\nmit dem neuen französischen Heere nach Deutschland und\nwurde bei Leipzig schwer verwundet. Hierauf erhielt er\nden Abschied und liess sich in Verviers als Arbeiter in\neiner Tuchfabrik nieder, was er aueh sein Leben lang blieb.\nEr war aber ein Liebhaber der Musik, und wenn er des\nAbends von der Arbeit kam, so nahm er seine Violine vor\nund erfreute und erholte sich an den wenigen Melodieen,\ndie er darauf herausbrachte.\nMit dieser Geige hantierte denn auch der kleine Knabe\nHenri am liebsten, sie war sein einziges Spielwerk; ja, er\nmachte mit seinem künftigen Instrumente buchstäblich ge-\nnommen schon in der Wiege Bekanntschaft. Wenn seine\nMutter ihn nicht still bekommen konnte und doch nach\nder Küche sehen musste, so gab sie ihm die Violine auf\nsein Belleben, er krabbelte mit den Händchen darauf her-\num, und die Thränen waren verschwunden. Noch augen-\nblicklicher schmerzstillend wirkten aber vollends auf ihn die\n• \\\nTöne, wenn der Vater die Saiten anstrich.\nSo kam es denn wie von selbst, dass man ihm schon\nin seinem dritten Jahre Instrument und Bogen in die Hände\n\\ .\ngab, und vier und ein halbes Jahr alt spielte er schon recht\nartig nach Noten.\nEines Tages kam ein Herr Genin, ein Musikfreund\naus Verviers, zulällig zu einer solchen Uebung des Kleinen\ndazu und staunte über das sieht bar hervorbrechende Ta-\nlent. Henri's Vater hatte sich zwar über das Spiel des Kna-\nben gefreut, aber nie daran gedacht, ihn zu etwas Ande-\nrem als zum Tucharbeiter zu machen. Aber die Vorsehung\nwollte es anders, und ihr nächstes Werkzeug war Herr\nGenin. Er übernahm die Erziehung des Kleinen, gab ihm\nden tüchtigen Musiker Lecloux zum Lehrer und wurde so\nsein erster Führer auf der ruhmvollen Bahn, die er seit-\ndem durchlaufen hat. Nach raschen und wunderbaren Fort-\nschritten trat sein Lehrer, als Henri eben sieben Jahre alt\nwar, eine erste Kunstreise mit ihm an, die sich auf die\nnächsten belgischen Städte erstreckte.\nSie führte ihn am Ende auch nach Brüssel, und das\nveranlasste einen bedeutenden Wendepunkt in seiner künst-\nlerischen Entwicklung. De Beriot ahnte auf der Stelle in\ndem Knaben die künftige Grösse und erbot sich von freien\nStücken, seine musicalische Ausbildung zu leiten; er un-\nterzog sich dieser Aufgabe mit eben so viel Uneigennützig-\nkeit und Edelmuth, als Eifer und Ernst. Nun, Lehrer und\nSchüler können mit Recht stolz auf einander sein. Vieux-\ntemps spricht noch jetzt von jener Zeit und stets nur mit\nden innigsten Gefühlen der Dankbarkeit gegen de Beriot.\nDe Beriot nahm den achtjährigen Henri mit nach Pa-\nris, wo dieser neben seinem Lehrer bewundert wurde, da\ner in der Thal schon eine bedeutende Fertigkeit und vor\nAllem ein tiefes musicalisches Gefühl zeigte. Gewiss hätte\nman ihn schon damals als Wunderkind können hören las-\nsen; Lob und Geld hätte er sicher geärntet, aber vielleicht\nwären die schönen Keime einer grossen Zukunft, wie das\nso oft der Fall ist, auch dadurch zerstört worden. Sein\nVater und sein Lehrer Beide nannten ihn ihr Kind\nwaren so vernünftig, ihn in dem Alter, wo jeder Mensch\nlernen muss, in der Schule zu lassen. So blieb er vor einem\nfrühreifen Dünkel bewahrt, und ,alle seine Anlagen, nament-\nlich auch die musicalischen, halten Zeit, sich gründlich,\nnicht sprungweise zu entwickeln.\nMitten unter den ernstesten Studien und Ucbungen\nblieb er etwa fünf Jahre in Brüssel und ging dann im Jahre\n1833, freilich immer noch sehr jung, auf Reisen. Der Er-\nfolg derselben bewies aber, dass es ein Unrecht gegen eine\nsolche Ausnahme-Natur gewesen sein würde, sie noch län-\nger vor der Welt verborgen zu halten. Er bereis'te die\nvorzüglichsten Städte Deutschlands und erregle überall\nStaunen und Bewunderung. Besonders in Wien fand er\nenthusiastische Freunde. Hier legte er sich denn auch un-\nter Sechter's Leitung auf das Studium der Theorie und\nversuchte sich mit Fleiss in Compositionen, die seine künf-\ntige Bedeutung als Tondichter auch sogleich ahnen liessen.\nNach einem kurzen Aufenthalte in England ging er\nwieder nach Paris (1835) und verwandle hier fast alle Zeit\nauf seine Vervollkommnung in der Harmonie- und Com-\npositions-Wissenschaft, wozu ihm der berühmte Reicha mit\n«rösster Theilnahme und Freundschaft die trefflichste An-\nTj\nleitung gab. Im folgenden Jahre reis'te er nach Holland,\nwurde dort von allen bedeutenderen Städten zum Spielen\nin den Abonnements-Concerten eingeladen und trug auf\ndieser Reise denn auch zum ersten Male ein Violin-Concert\neigener Composilion vor. Er war damals noch nicht sieben-\nzehn Jahre alt. Gleich in diesem ersten Concerte offenbarte"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "294", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570912-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3540, "texte": "sich die Verbindung von Genie und Wissen, welche die\nernste Richtung seiner Schreibart, die er seitdem in allen\nseinen grösseren Compositionen verfolgt hat, bedingen.\nDarauf folgte er einer Einladung, die ihn wieder nach\nWien zurückrief, wo er sein zweites Concert schrieb. Im\nJahre 1839 trat er die Reise nach St. Petersburg an, auf\nwelcher er jedoch sich mehr oder weniger lange in Prag,\nDresden, Leipzig und Berlin aufhielt. Ueberall gab er meh-\nrere Concerte. In Dresden componirle er sein drittes Con-\ncert, in welchem er einen breiteren und grösseren Stil ent-\nwickelte, als in allen früheren Werken. Leider unterbrach\neine Krankheit, die ihn drei Monate an das Bett fesselte,\ndiese Reise. Erst in Petersburg genas er völlig und schrieb\nnun sein viertes Concert, das mit Recht ein ganz unge-\nwöhnliches Aufsehen erregte. In der That war sein Com-\npositions-Talent zugleich mit seiner Virtuosität zu einer\nHöhe erwachsen, die bei einem jungen Manne von noch nicht\nvollen zwanzig Jahren etwas Ausserordentliches war.\nEr blieb über ein Jahr in Russland. Mit Gold und\nRuhmeskränzen beladen kam er nach Brüssel zurück. Er\nwar jetzt volle zwanzig Jahre alt. Am 7. April 1840 gab\ner seinen Landsleuten sein viertes Concert zu hören, dessen\ngrossartig symphonistischer Stil und phantasiereicher Inhalt\nAlles entzückte. Am 30. August erhielt er vom Könige\nder Belgier den Leopold-Orden, als „ausgezeichneter Com-\nponist und hervorragender Violinspieler in einem Alter, wo\ndie Anderen kaum ihre Laufbahn beginnen\" wie der\nMinister in seinem Berichte an den König sagte.\nIm December desselben Jahres ging er nach Paris, wo\ndas vierte Concert dasselbe Aufsehen erregte, wie überall.\nEs gab eine grosse Aufregung in der dortigen musicali-\nschen Welt; selbst Paganini und de Beriot hatten kaum\nsolchen Enthusiasmus hervorgerufen.\nIm Frühling des Jahres 1841 ging er nach London,\nund bis 1846 war er auf Reisen durch alle Länder Eu-\nropa's. Der Kaiser von Russland fesselte ihn durch die Er-\n*\nnennung zu seinem Kammer-Virtuosen an Petersburg, wo\ner sechs Jahre (1846—1852) blieb. Dann nahm er sei-\nnen Abschied, lebte abwechselnd in Deutschland, England,\nFrankreich und Belgien und feierte überall wieder die alten\nTriumphe, unter anderen auch auf dem niederrheinischen\nMusikfeste in Aachen im Jahre 1854, wo er sein neuestes\nConcert in D-mollspielte, das den früheren Werken an\nReichthum der Ideen und breiter Auslührung gleichkommt.\nVieuxtemps ist jetzt 37 Jahre alt. In der letzten\nWoche des vorigen Monats hat er sich zu Havre nach Ame-\nrica eingeschifft, um dort neue Eroberungen zu machen.\nMöge er uns als Künstler, der seiner bisherigen grossen\nRichtung treu geblieben, zurückkehren! Zwei von seinen\ndrei Brüdern in Belgien sind ebenfalls musicalisch und ha-\nben die Künstler-Laufbahn als Violin- und Violoncellspieler\nbetreten.\nVieuxtemps ist im Besitze einer Sammlung von vor-\ntrefflichen Instrumenten. Die ausgezeichnetsten darunter\nsind ein prächtiger Guarneri, Geschenk des Barons Pereyra\nzu Wien (1846), auf welchem der Künstler am liebsten\nund in grossen Sälen am häufigsten spielt. Dann zwei\nStradivari, die ihm der Graf G. Strogonoff, ein anderer\nStradivari, den ihm der General A. Lwoff verehrt hat; ein\nMaggini von Herrn Wolkoff, ein Amati, Geschenk des Gra-\nfen Matth. Wielhorsky, eine vortrefflich conservirte Viola\n(Tumore, ein Maggini von dem Grafen Ferdinand Froyer in\nWien. Ein sehr schönes Violoncell von Amati, das Vieux-\ntemps ebenfalls vom Grafen Wielhorsky erhalten, hat er\nseinem jüngeren Bruder zum Geschenke gemacht."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-09-12-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-09-12_01#c004", "volume": "bmtnabi_1857-09-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "294", "page_fin": "295", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570912-01.2.4", "titre_corps": "Der Tonkünstler-Verein zu Dresden.", "titre_sommaire": "Der Tonkünstler-Verein zu Dresden.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "294", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570912-01.1.6", "debut_caractere": 3542, "fin_caractere_exclue": 4867, "texte": "Der Tonkünstler-Verein zu Dresden.\n(Durch Zufall verspätet.)\n• . • » t\"\nDer Vorstand des genannten Vereins hat seinen Be-\nricht über das Jahr 1856—1857 drucken lassen. Wir\nersehen daraus ein erfreuliches Gedeihen desselben. Er ist\ndurch den Beschluss vom 25. September v. J. über die\nAufnahme von ausserordentlichen, bloss zuhörenden Mit-\ngliedern erweitert worden. Die Zahl der ordentlichen Mit-\nglieder umfasst mit Einschluss von 2 Ehren-Mitgliedern und 6\nauswärtigen 105. Es fanden sechs Productions-Abende,\nachtzehn Uebungs-Abende und drei gesellige Versammlun-\ngen Statt. Von Instrumentalsachen wurden 64 grössere\nEnsemblestücke (Septet'e, Odette), Quintette, Quartette,\nTrio's, Duo's und Soli ausgelührt, von 29 Componisten,\nausserdem 1 1 Lieder mit Clavier-Begleitung gesungen. Herr\nKammermusicus Fürstenau hielt einen Vortrag über\n„die Oper zu Dresden unter August 11. 1694 —1733.\"\nDer Verein ist der deutschen „Händel-Gesellschaft\" bei-\ngetreten.\nDie einzige ausserordentliche Versammlung fand am\n22. September 1856 Statt und galt dem Andenken Ro-\nbert Schu mann's. Sein früher Tod und der Hinblick\nauf seine Bedeutsamkeit lür die Tonkunst überhaupt und\nfür das dem Vereine zunächst liegende Gebietj der\nKammermusik insbesondere gaben Veranlassung zu Veran-\nstaltung einer Gedächtnissfeier, an der auf ergangene Ein-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "295", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570912-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1422, "texte": "Ladung auch viele Nicht-Mitglieder Theil nahmen. Die Feier\nwurde eröffnet mit einem von Herrn Dr. Lindner gedichte-\nten und gesprochenen Prologe, welcher als Beilage dem\nBericht beigegeben ist. Zur Aufführung kamen danach fol-\ngende Werke des verewigten Meisters: Sonate, Op. 11\n(Fis-moll), unter den Namen „Florestan\" und „Eusebius\"\nveröffentlicht; Zwei.Lieder: a) Dein Angesicht von 11. Heine\n(Op. 127, Nr. 2), b) Mondnacht von J. v. Eichendorf (Op.\n39, Nr. 3); Quartett für Streich-Instrumente, Op. 41, Nr.\n1 (A-moll); Andante und Variationen für -zwei Pianoforle,\nOp. 46 (B-dur); Requiem, Lied nach einem alt-katholi-\nschen Gedichte, Op. 90, Nr. 7.\nVon den drei geselligen Zusammenkünften fand die\nzweite zu Ehren der von Dresden scheidenden Mitglieder\nHerren 11. Riccius und Jos. Weixlstorfer am 26. Septem-\nber 1856 Statt und war mit einem Festmahle verbunden,\n♦ • #\nwährend dessen dem ersteren eine vollständige Ausgabe\nder Beethoven'scnen Streich-Quartette in Partitur, dem\nletzteren ein Album mit sämmtlichen Lieder-Compositionen\n.* i *\nBeethoven's überreicht wurde, zur bleibenden Erinnerung\nan den Verein und als Zeichen der Dankbarkeit für die\nmannigfachen Verdienste, welche die Genannten um das\nVereinsleben sich erworben hatten.\nDie dritte wurde veranstaltet am 27. April d. J. bei\nGelegenheit der Ueberreichung des Diploms als „Ehren-\nVorstand\" an Herrn Kammer-Musicus und Kammer-Vir-\ntuosen F. A. Kumme r."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-09-12-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-09-12_01#c005", "volume": "bmtnabi_1857-09-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "295", "page_fin": "295", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570912-01.2.5", "titre_corps": "Aus Hamburg.", "titre_sommaire": "Aus Hamburg.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "295", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570912-01.1.7", "debut_caractere": 1424, "fin_caractere_exclue": 6325, "texte": "Aus Hamburg.\nDen 5. September 1857.\nAm vorigen Donnerstag, den 3. September, hatte der Director des\nStadttheaters, Herr Sachse, zur Erinnerung an den vor 41 Jahren\nerfolgten Tod von Fr. Ludw. Schröder, den berühmten Bühnen -\nlenker, der in Hamburg und weit hinaus noch in ungetrübter Erin-\nnerung fortlebt, eine würdige, allseitig erfreuende Feier veranstaltet,\nwofür ihm der Dank aller Theaterfreunde gewiss ist. Eröffnet wurde\nder Abend mit Beethoven's Ouvertüre zu Egmont; dann folgte Schrö-\nder7 s Schauspiel ~Der Vetter in Lissabon\", sodann die Ouvertüre\nzur Zauberflöte. Nnn trat hervor die greise Sophie Schröder, die\nsich zufällig hier befindet; enthusiastisch, lange anhaltend und mit\nOrchestertusch begriisst, sprach sie Klopstock's Ode „Die Frühlings-\nfeier\", aber in solcher Vollendung, mit einem trotz der 76 Jahre\nnoch so volltönenden, herrlichen Organe, dass das Publicum stau-\nnend hörte und bewunderte.\n• * i .\n• ( , .\nDen 4. September wurde „Der Geiger aus.Tyrol\", roman-\ntisch-komische Oper in drei Acten von Richard Gen de, aufgeführt.\nEin neues Schiff ward vom Stapel gelassen; es glitt ohne Geräusch\nhinab und lief hinaus in die unsicheren Wogen der öffentlichen Mei-\nnung. Das Meer der Töne that sich auf und concurrirte mit jenem.\nDa tauchten aus den Wellen alte, liebe Bekannte auf Raoul und\nMargaretha von Valois, Agathe, welche die schöne Nacht bewunderte\nund ihren Max zum Rendezvous erwartete; statt dessen erschien\naber der Graf aus dem „Wildschütz\" mit anderen Cumpanen der\nLortzing'schen Muse, die „Nachtwandlerin\" und sonstige gute\nFreunde, die sich traulich die Hände schüttelten. Sie winkten, zu-\nweilen schien es, als ob sie um Hülfe flehten wegen erlittener Miss-\nhandlungen, dann verschwanden sie wieder im Nebel und Alles\nschrie : Havarie! Havarie !\n„Lortzing redivivusl\" hiess es bei dem ersten Erscheinen dieses\nWerkes auf der danziger Bühne; leider können wir nicht in diesen\nRuf einstimmen; Lortzing's Formenschönheit, Melodieen-Reichthum\nund Präcision im Ausdrucke sind hier nicht wieder zu finden. Im\nTextbuche ist nicht der schön gegliederte, dramatische Bau mit le-\nbendiger Handlung; die Verse sind passabel, einige Gemeinplätze\nabgerechnet; man merkt gute Muster Götlie und Wagner. Im\nGanzen finden wir diesen „Geiger aus Tyrol\" etwas spiessbürgerlich\nund den Wunsch nach einem folgenden Werke dieses Dichter-Com-\nponisten verzeihlich.\nGenee ist gewiss ein tüchtiger, praktischer Musiker, der ein Or-\nchester zu handhahen weiss und sich fleissig in der musicalischen\nLiteratur umgesehen hat; er hat zuweilen recht schöne, neue Ge-\ndanken und nette Instrumentirung, die er bisher im Vaudeville und\nSingspiel recht glücklich verwandte. Aber? Der Opern-Componist\nmuss die dramatischen Momente ergreifen, die Situation auf ihren\nHöhepunkt gipfeln, nicht im Sande verlaufen lassen; ein Gedanke\nmuss behandelt, d h. fortgeführt, ausgesponnen, gesteigert werden\nhier erstreckt er sich selten über 4 bis 6 Tacte hinaus und ver-\nschwindet in nichtssagenden, trivialen Phrasen, der Quickborn der\nfrischen, zündenden Melodie verrinnt im Sande. Die Hauptgedanken\nmüssen durch angemessene Instrumentation illustrirt werden, dass\nsie klar und hell vor den Beschauer treten, zur Aufmerksamkeit\nauffordern und hinreissen. Das erste Motiv der sonst formgerechten\nOuvertüre wird von Geigen in der mittleren, klanglosen Octave ge-\ntragen, und man hat wirklich Mühe, es nur zu entdecken. So an\nvielen anderen Stellen. Ein Hauptfehler ist das breite Ausmalen ein-\nzelner Stimmungen; man fühlt keinen Fortschritt, es machen sich\nermüdende Längen bemerkbar'. Ein unbarmherziger Gebrauch des\nRothstiftes wird gewiss bei folgenden Aufführungen zum Heile des\nWerkes dienen.\nDie besten Nummern sind: das Lied der Cbiaretta mit obligater\nGeige im ersten und das Terzett im dritten Acte, in welchem Chia-\nretta ihre Studien macht. Neu und originel ist die Idee, eine Solo-\nGeige auf der Bühne in dieser Bedeutung zu verwenden, und sie ist\nzu den schönsten Effecten ausgebeutet worden. Hamburg ist so glück-\nlich, einen durchaus künstlerisch gebildeten Tenoristen (Hrn. Weixls-\ntorfer) zu besitzen, der auch den Part der Solo-Geige mit Virtuosität\nund seelenvollem Ausdruck wiedergeben konnte. Eine bessere Ver-\ntretung der Haupt-Partie dürfte sich der Componist kaum wünschen;\ndas Publicum lohnte mit stürmischem Beifall und wiederholtem Her-\nvorruf WTir kennen aber keine zweite Bühne Deutschlands, wo die\noben erwähnte Vereinigung zu finden wäre, und so dürfte gerade\nder Haupt-Effect verloren gehen. Die Aufführung war eine wohl-\ngelungene, das Orchester unter Herrn Dupont's Leitung sehr brav.\nDie erste Aufführung der Oper ~Die sicilianische Vesper'steht\nnun nahe bevor.\n\\\nDie betreffenden Mitglieder sind jetzt eifrig mit dem Einstudiren\nder Adam'schen Oper „Giralda'fc beschäftigt, die, fast ganz neu be-\nsetzt, demnächst in Scene gehen soll.\nG. F. (A. Th.-Z. von C. Cotta.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-09-12-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-09-12_01#c006", "volume": "bmtnabi_1857-09-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "296", "page_fin": "296", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570912-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "296", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570912-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4424, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolli* Zur Erinnerung an Bernhard Klein aus Köln, der\nam 9. September 1832 in Berlin starb, veranstalteten die Sing-Aka-\ndemie und der Männergesang-Verein unter der Leitung von Franz\nWeber am 9. September, als dem lunfundzwanzigjährigen Todestage\ndesselben, eine musicalische Feier im Vereins-Locale der Akademie.\nEs wurde das Oratorium Jephta, eine der schönsten Compositionen\ndes verewigten Tonmeisters, am Pianoforte aufgeführt. Die Chöre\ngingen vortrefflich, und auch die Soli wurden von Mitgliedern der\nAkademie recht gut vorgetragen Als Zuhörer waren zunächst die\nhier lebenden Angehörigen der Familie Klein und ein grosser Kreis\nvon Musikern und Kunstfreunden eingeladen. Auch der Hof-Capell-\nmeister H. Marschner war zugegen. Wenn die Aufführung in den\nChören der beiden ersten Theile besonders die ausserordentliche Ge-\nwandtheit des Componisten in der Polyphonie bewundern liess, so\nergriff der dritte Theil namentlich durch geniale melodische Erfin-\ndung und treffliche dramatische Behandlung.\nBerlin« Am 2 September trat unsere Herrenburg-Tuc-\nzeck als Agathe nach ihrer Urlaubsreise wieder auf. Wie gewöhn-\nlich hat die Künstlerin einen bedeutenden Theil ihrer Urlaubszeit,\nalle Einladungen zu Gastspielen von der Hand weisend, nur der Er-\nholung von ihrer wirklich anstrengenden Beschäftigung gewidmet:\nsie ist bekanntlich die vielseitigste und am häufigsten verwandte\nSängerin der königlichen Oper. Das Organ, welches an Gleichmäs-\nsigkeit wie an Lieblichkeit des Klanges seines Gleichen sucht, er-\nklang daher in voller Frische und hob den melodischen Reiz der\nPartie zu der schönsten Wirkung. Dass Leopoldine Tuczeck auch\nim Vortrage wie im Spiel eine perfecte Künstlerin ist. Dass der Zau-\nber ihrer anmuthgen Persönlichkeit stets Wirkung übt, ist hinrei-\nchend bekannt. Fräul. Trietsch machte als Aennchen verdientes\nG-lück; die Stimme klang ungemein frisch und liebiieh, Spiel und\nVortrag sweise bezeugten die fortschreitende Entwicklung der jungen\nÄ&ngerin. Die Aufführung des Freischütz fand besonders durch das\nWiederauftreten der Frau Tuczeck einen sehr zahlreichen Besuch\nund verdienten Beifall. Frau Herrenburg-Tuczeck wurde besonders\nbegrüsst und durch stürmischen Beifall ausgezeichnet.\nWiesbaden, 3. September. Am heutigen Abende wurde im\nTheater bei vollem Hause „Der Freischütz\" gegeben. Vor Allem er-\nfreute sich das Publicum, unseren früher so allbeliebten Sänger\nHerrn Thelen, dermalen Hof-Opernsänger in Braunschweig, in sei-\nner zweiten, leider schon seiner Abschieds-Gastrolle, zu hören. Sein\nmarkiger, stahlkräftiger und echt männlicher Bass ist im Norden\nund Süden von Deutschland schon rühmlichst bekannt, imponirte\naber als Caspar diesmal um so mehr, da bei seiner stattlichen Per-\nsönlichkeit auch ein vollendeteres Spiel unverkennbar war. Derselbe\nwurde mehrmals, schon nach dem ersten Acte, gerufen und mit Blu-\nmenbouquets beehrt, wie er auch bereits bei seinem ersten Auftreten\nals Cardinal in der ~Jüdin44 am Sonntag in unserer grossartigen\nCurweit Furore machte. Ausser dem Beifall, den auch Herr Klaus\nals Mas und Fräul. Herbold als Annchen ärntete. hatte sich die\nkaum vier Monate öffentlich aufgetretene Fräul. Margarethe\nZirndorfer vom frankfurter Stadttheater als Agathe einer beson-\nderen Anerkennung zu erfreuen. Sie wurde nach der grossen Scene\ngerufen.\n_____ _ (\nDaa dritte mittelrheinische Musikfest wird im näjhsten Jahre in\nWiesbaden Statt finden; der dortige Gemeinderath hat sich bereit\nerklärt, dasselbe nach Kräften zu unterstützen.\nRoderich Benedix hat in diesen Tagen ein neues Lustspiel\nin drei Aufzügen: „Die Schuldbewussten\", versandt.\nVon dem lange schweigsamen Componisten Banck sind bei Spina\nin Wien drei neue Lieder: „Hoffnung'4, ~Frage und „Wiegenlied*\nerschienen, die sich bald viele Freunde erwerben werden.\nVI Seil. Die 81. f. M. schreiben : „Zur Geburtsfeier Sr. Majestät\nwurde am 19. August in der wiener k. k. Irren-Anstalt Abends ein\nConcert veranstaltet. Mitten unter den Gästen sass Staudigl mit\nsolch freudiger, theilnehmender Miene, dass Alle davon gerührt wa-\nren; noch höher steigerte sich dieses Gefühl, als Staudigl später in\neinem kleinen Kreise der geladenen Gäste den „Wanderer\" von Schu-\nbert sang, und zwar so seelenvoll sang, dass kein Auge ohne Thrä-\nnen blieb.\nDer deutsche Gesang-Verein „Germania44 in Paris errang auch\naut dem am 16. August abgehaltenen Gesangfeste zu Dijon den\nersten Preis."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "289", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570912-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nPariser Briefe (Weber's Euryanthe in Paris). Von B. P. Henri Vieuxtemps (Lebensskizze). Der Tonkünstler-\nVerein zu Dresden (Jahres-Berichtj. Aus Hamburg („Der Geiger aus Tyrol\", Oper von Richard — Tages- und Unterhal-\ntungsblatt (Köln, Gedächtnissfeier für Bernhard Klein Berlin, Frau Herrenburg-Tuczeck Wiesbaden, Herr Thelen, Das dritte mit-\ntelrheinische Musikfest Roderich Benedix Der Componist Banck Der deutsche Gesang-Verein Germania in Paris).\n\nPariser Briefe.\n\nIch bin im Rückstand aber was kann man thun,\nwenn die ganze pariser Musik im Rückstand ist? Doch da-\nvon nächstens. Heule berichte ich nur über das Neueste,\nund das ist ein Ereigniss: Weber's Euryanthe in\nParis.\nBisher kannte man hier aus dieser Oper nur die Ou-\nvertüre, ein Stück aus dem Finale des ersten Actes und\nden Jägerchor. Diese drei waren der Ehre der Aufnahme\nin das Reperioire der Conservatoire-Concerte für würdig\ngehalten worden; unwürdig war es aber, dass man sich\nerlaubt halte, den Jägerchor mit Zusätzen zu verbrämen.\nNur in wenige Kreise einzelner Künstler oder Dilettanten\nernster Richtung war der Clavier-Auszug gedrungen, den\nI\nBrandus mit deutschem und französischem Texte (letzterer\nin recht guter Uebersetzung von Maurice Bourges) heraus-\ngegeben hatte.\nDa sah sich das Theätre lyrique bei der Armuth im\nVaterhause nach der Fremde um. Man erinnerte sich eines\ngewissen Carl Maria von Weber aus dem Lande „der\nTräume, des Magnetismus, des Somnambulismus\", man\nholte den Freischütz wieder hervor und machte ihn zurecht\nfür die Pariser; man wagte sich an den Oberon, machte\nauch ihn zurecht, und die Pariser staunten und jauchzten.\nMittlerweile hatte auch in Concerten die Musik zur Preciosa\nentzückt was war natürlicher, als dass die Direclion des\ngenannten Theaters auch zur Euryanthe griff, die allein\nnoch übrig war?\nAber du lieber Himmel! eine so düstere, melancholi-\n* '\nsehe, sentimental-absurde Geschichte mit der wimmernden\nUnschuld und der grossen Schlange in natura auf einer\npariser Bühne? Nichts Pikantes, nichts Frivoles, nichts Lu-\nstiges, nichts Komisches zur Abwechslung darin, und der\nErnst noch obenein sehr dämm! Was sollte man damit?\nHier galt es, einen kühnen Derangeur zu finden, um das\nlyrische Drama zu arrangiren. Er fand sich; Herr deSaint-\nGeorges bebte nicht vor der Aufgabe zurück, de Lernen\nreimte die nöthigen Verse dazu, und siehe da! am I.Sep-\ntember wurde zum ersten Maie in Frankreich aufgeführt:\nEuryanlhe, Opera faniaslique en 3 actes et 5 tableaux de\nWeber.\nEine phantastische Oper? Was ist denn Phantastisches\nan der Euryanthe? Ei, was nicht darin ist, das macht\nman hinein. Die Franzosen können sich nun einmal unse-\nren Weber nicht anders als diabolisch und phantastisch\ndenken Alles muss Wolfsschlucht sein. Sein Concert-\nstück, sein Duo lür Ciavier und Clarinette, Alles heisst in\nParis phantastisch. Wie hätte vollends eine Oper diesem\nstehenden Prädicat entgehen können? Da nun aber in der\ndeutschen Euryanthe nichts von Zauber und Geisterspuk\nzu finden, so musste Ucbersinnliches, Aussernatürliches,\nZauberei, Zigeunerei, Schattenspiel und Teufelei hinein\narrangirt werden. Ohne dieses kein Publicum, kein Heil\nlür Weber in Paris. So entstand denn die französische\nEuryanthe in folgender Gestalt.\nDer Ritter Odoard (Adolar) liebt Euryanlhe; der Her-\nzog, dem er das Leben gerettet, hat den Tag der Vermäh-\nlung bereits festgesetzt, Graf Reynold (Lysiart), der ver-\nschmähte Nebenbuhler, sprüht Zorn und Rache. Zur Hel-\nfershelferin verbündet sich Zarah mit ihm. Zarah? Wer ist\ndas? Das ist Eglantine, oder vielmehr, das war Eglantine;\njetzt ist sie eine orientalische Hexe im Zigeuner-Costume.\nOdoard-Adolar hat sie aus Palästina mitgebracht, sie liebt\nihn und will Euryanthe verderben. Obwohl sie das auf ge-\nradem Wege thun könnte, da sie sich mit dem Fürsten\nder Hölle sehr gut steht, so zieht sie doch aus mensch-\nlicher Liebhaberei die Intrigue vor. Sie flösst dem Reynold-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "290", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570912-01.1.2", "texte": "Lysiart den Vorschlag der teuflischen Wette ein. Zu die-\nsem Zwecke ist Lysiart's grosse Arie und sein Duett mit\nEglantine-Zarah aus dem zweiten Acte in den ersten ver-\nlegt; beide Stücke folgen gleich auf Adolar's Romanze.\nDie.Wette geht nun wie in der deutschen Oper in\nScene. Aber Reynold-Lysiart ist noch eben so schlimm\ndaran, wie früher; denn er weiss wohl, dass er an Erhö-\nrung bei Euryanthe nicht denken darf. Da erzählt ihm Za-\nrah die Geschichte von einer babylonischen Prinzessin,\nwelche ein Mal in Gestalt einer wilden Rose auf der Brust\ngehabt habe. Reynold findet das allerdings sehr wunderbar,\nbegreift aber nicht,.was das ihm helfen solle.— „Wie, Ihr\nmerkt nichts?\" Und nun raunt sie ihm ins Ohr, dass auch\nEuryanthe ein Blumenmal auf der Brust habe, was Niemand\nausser ihr wisse. Mit diesem Geheimnisse bewaffnet, müsse\ner die Wette gewinnen und das glückliche Paar verderben.\n„Ha! wenn das wahr wäre!\" ruft Reynold aus. „Du\nzweifelst? So glaube deinen eigenen Augen!\" Auf ihren\nZauberwink schwindet die Wand, und sie stehen in Eury-\nanthe's Schlafgemach; sie ruht in tiefem Schlafe auf ihrem\nLager Reynold schleicht hinan, hebt die Decke von ih-\nrem Busen und überzeugt sich mit dem ganzen Publicum\nvon der Wahrheit des Geheimnisses!\nDa hast du das Pikante in der frechsten und obenein\nunnützesten Weise, weil das ganze Tableau nach der Er-\nzählung der Zigeunerin höchst überflüssig ist. Man begreift,\nwas diese nichtswürdige Scene in dem Finale, wo nun die\nSache zur Sprache kommt und der Beweis von Euryanthe's\nSchuld verlangt wird, für neue Widrigkeiten veranlasst.\nSo etwas Empörendes und zugleich abgeschmackt Dummes\nhat denn doch bei allen seinen Mängeln der deutsche Text\nnicht; auch würde es ein deutsches Publicum nicht ertra-\ngen. Doch still! wer weiss, ob es nicht irgend einer Inten-\ndanz in Deutschland einfällt, Weber's Euryanthe nach der\nfranzösischen Bearbeitung wieder auf das Repertoire zu\nbringen?! Käme sie ja doch aus Paris!\nNachdem nun das arme Kind,, vom Feuerroth der\nSchaam Übergossen, die brutalen Anspielungen und die\nklobigen Vorwürfe der Hofleute, die sich wie eine Solda-\ntesca benehmen, eine Weile hat anhören müssen, wirft\nsich endlich Odoard-Adolar doch zu ihrem Ritter auf, zeiht\nReynold des Truges und Verraths und fordert ihn auf Tod\nund Leben.\nReynold, dem der Dichter auch sogar die rohe Tapfer-\nkeit abstreift, damit er als ein vollkommener Lump er-\nscheine, nimmt in seiner Feigheit wiederum Zuflucht zur\nZigeunerin. Diese lässt aus der Erde einen vollständigen\nSchmiede-Apparat emporsteigen, Geister in Zigeunertracht\numkreisen den Ambossund schmieden vor Reyriold's Augen\nein Zauberschwert, dem nichts widerstehen kann und das,\nwie die Freikngeln immer treffen, eben so niemals fehl haut.\nDabei mangelt es nicht an der Ruine einer aiten Capelle,\neiner Thurmuhr, deren Zifferblatt sich plötzlich von selbst\nerleuchtet und Mitternacht zeigt; der Föhrenwald rauscht,\nFledermäuse schwirren durch die Luft, geflügelte Eidech-\nsen und Kröten folgen, die Eulen glotzen kurz, die ganze\nBevölkerung der Wolfsschlucht ist erstanden, aber Alles\nohne Musik, da Weber nicht daran gedacht hat, solch\ntolles Zeug in die Euryanthe zu bringen.\nReynold stellt sich im Vertrauen auf seinen Freidegen\nfrech zum Gottesurtheil. Der Kampf soll beginnen, als der\nHerzog oder König erscheint. Zur rechten Zeit hat Zarah\neingesehen, dass es doch ein Jammer wäre, wenn dem\ntapferen Odoard-Adolar, den sie immer noch liebt, durch\neinen solchen Lump wie Reynold der Kopf gespalten würde.\nSie hat dem Fürsten Alles entdeckt, und dieser gebietet,\num sich zu überzeugen, dass die Kämpfer nach alter Sitte\ndie Schwerter tauschen sollen. Während Odoard das sei-\nnige dem Gegner arglos hinreicht, bricht dieser im Be-\nwusstsein der Schuld und des sicheren Todes durch sein\neigenes Schwert wie vernichtet zusammen und gesteht Al-\nles. Schluss: „0 Seligkeit, ich fass' dich kaum\"—\nsur mon sein, viens sur mon coe /\" Zarah hat sich schon\nlängst in der Stille gedrückt, und Reynold lässt sich gedul-\ndig von Knappen abführen. Man begreift freilich nicht,\nwarum er mit dem Freidegen nicht Alles niederhaut und\nden Adolar zuerst; aber wer wird auch Alles begreifen\nwollen!\nDoch halt! wir sind noch nicht fertig. Das Lüsterne\nund der Hexenspuk ist, wie wir gesehen haben, glücklich\nin die Oper hinein prakticirt worden; allein das Komische?\nAuch dafür haben die Herren Derangeurs gesorgt. Sie ge-\nben der Euryanthe ein Kammermädchen, Berneretta, und\nden beiden Nebenbuhler-Rittern zwei Schildknappen, Hec-\ntor und Lancelot, die beide in das Kammermädchen ver-\nliebt sind. Das ist nun zwar nicht neu, auch gleichen sich\ndie beiden Spassmacher, wie ein Ei dem anderen; aber\ndas Parterre lacht über sie, und es ist— nach einem hie-\nsigen Kritiker kein geringes Verdienst der Dichter (?),\ndies „in einem so finsteren Drama und bei einer so düste-\nren Musik\" erreicht zu haben. „Wir brauchen jedoch\"\nfährt er fort—„ wohl kaum zu sagen, dass sie nicht singen,\ndenn Weber's Musik hat einen zu entschiedenen Charakter,\nals dass sich ihr Ausdruck und ihre Farbe willkürlich Die-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "291", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570912-01.1.3", "texte": "sem oder Jenem anpassen liesse. Da das komische Element\nvon dem deutschen Verfasser ganz und gar vernachlässigt\nworden (!), so fand sich in der ganzen Partitur kein Tact,\nden man einer komischen Person hätte in den Mund legen\nkönnen. Alles ist darin ernst. Wenn der Componist auch\nhier und da von seinem strengen Slil abweicht, so lässt er\nsich doch höchstens bis zur Anmuth herab, und selbst diese\nbleibt fast immer noch etwas melancholisch.\"\nTV* ... y * f ' I\nDas ist denn also die pariser Euryanthe! Niemand\nwird den Text der Frau von Chezy für ein gutes Drama\nerklären wollen; allein wenn die hiesigen Blätter sagen,\ndass Herrn St. Georges & Comp. Machwerk zwar kein Ra-\ncine'sches Drama, aber mit dem deutschen Buche vergli-\nchen ein Meisterstück sei, so ist das eine von jenen Be-\nhauptungen in die Luft hinein, welche die französischen\nFeuilletonisten nach altem unverschämtem Brauche ihren\nNachbarn gegenüber noch immer nicht lassen können. Die\nLeser werden sich aus der gegebenen Skizze überzeugt ha-\nben, um welchen Preis unsere allerdings etwas langweilige\nEuryanthe in Paris zu einer kurzweiligen gemacht wor-\nden ist.\nMan ersieht aus dem Gesagten, dass die französische\nEuryanthe eine Oper mit Dialog ist. Weggeschnitten sind\nalso aus der Partitur alle Recitative, auch die Erzählung\nvon dem Ringe und der Erscheinung Emma's, so dass das\nViolinen-Adagio in der Ouvertüre eigentlich keinen Sinn\nmehr hat. Sonst sind alle Musikstücke beibehalten, zwar\nhier und da, wie oben schon erwähnt, an andere Stellen\ngesetzt und auch zuweilen mit unglücklichen Verstümme-\nlungen, namentlich an den Schlüssen. In Adolar's Romanze\nhat man auch den dritten Vers weggelassen, was mit Recht\nvon einem musicalischen Blatte getadelt wird, weil Weber\nzu der dritten Strophe eine ganz andere Begleitun g ge-\nschrieben habe.\nTrotz alledem hat Weber's Musik doch eine solche\ninnere Kraft, dass sie auch hier wieder einen offenbaren\nSieg über alle Hemmnisse davongetragen hat. Wenn auch\nder Beifall im vorigen Jahre beim Oberon enthusiastischer\nwar, so hat Euryanthe doch auch einen sehr erfreulichen,\nja, in mancher Hinsicht glänzenden Erfolg gehabt. Nach\ndem ersten Acte wurden Odoard (Michot) und Euryanthe\n(Mademoiselle Rey) gerufen. Im zweiten Acte wurden die\nCouplets in A-dur mit dem Chor-Refrain, im dritten der\nJägerchor da capoverlangt. In diesem letzteren war die\nFermate auf dem des eine sehr ungeschickte und ärgerliche\nNeuerung; so etwas kann nur in Paris vorfallen. Eben so\nwidrig war die Zerrung des tiefen in die Breite durch\nMademoille Rey am Schlüsse der Läufe in dem bekannten\nFinale. Der Tenor und der Bass (Herr Balanque) hatten\nihre Parlieen besser aufgefasst. Auch fehlt es der Rey an\nLeichtigkeit der Coloratur und doch auch wieder an Kraft\nder Stimme. Recht gut war Mademoiselle Borghese in der\nPartie der Zarah-Eglantine. Die Chöre und das Orchester\nwaren verstärkt, Ausstattung und Decorationen vortreff-\nlich. Dennoch kann man die Ausführung im Ganzen aus\ndeutschem Gesichtspunkte nur als eine mittelmässige be-\nzeichnen. Hoffentlich werden die späteren Vorstellungen\ndie herrliche Musik genauer (auch im Orchester) wieder-\ngeben und die Sänger sich mehr in den ihnen freilich ganz\nfremden Geist dieser Partitur hineingesungen haben.\nEs dürfte für die deutschen Verehrer Weber's nicht\nohne Interesse sein, Urtheile französischer Kritiker über\ndie Musik der Euryanthe zu lesen.\nLeon Durocher sagt in der Gazette Sf Revue musicale\nunter Anderem über die Ouvertüre: „Sie ist nicht so me-\nlodieenreich, wie die Ouvertüren zum Freischütz und zum\nOberon. Man findet nur zwei Gesang-Motive darin; das\nerste hat eine ungemeine Entschiedenheit und Energie, das\nzweite, aus einer Tenor-Arie des zweiten Actes, ist voll\nAdel, Leben und Feuer. Diese Melodie reisst hin und würde\n• * • i ■\nnoch mehr begeistern, wenn sie eben so gelungen endete,\nals sie beginnt. Alles Uebrige ist Arbeit, geschraubt, müh-\nsam, manchmal ziemlich confus; es macht last glauben, dass\nWeber mehr Phantasie als musicalisches Wissen und Kön-\nnen hatte. Wie weit entfernt ist diese fieberhalte Unruhe\nbei contrapunktischer Arbeit von dem leichten und sicheren\nGange, der heiteren Ruhe, der durchsichtigen Klarheit Mo-\nzart's!\" (Das Publicum verlangte jedoch die Wiederholung\nder Ouvertüre.)\n„ Die Arie Reynold's (Lysiart's) ist lang oder scheint\nwenigstens lang. Sie ist nicht sehr melodisch, es ist mehr\nDeclamation als Gesang darin. Das Orchester ist nicht ganz\nklar, was sonst bei Weber selten der Fall ist.\" (Dies lag\nan der Ausführung, die nichts weniger als präcis und deut-\nlich war.) „In dem Duett mit Zarah (Eglantine) sind Ef-\nfecte von wahrhaft höllischer Energie und prächtige Modu-\nlationen. Selten hat Weber so viel Kraft, als hier. Dasselbe\ngilt von der grossen Scene der Wette, in welcher das herr-\nliche Motiv, mit welchem die Ouvertüre beginnt, die Haupt-\nrolle hat.\"\n„Die kleine Cavatine, mit welcher Euryanthe auftritt,\nscheint uns mit ihrem schönen Ritornel eines der am glück-\nlichsten erfundenen Stücke der Partitur zu sein. Man kann\n• k •\nsich nichts Sanfteres, Frischeres und doch Träumerischeres"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "292", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570912-01.1.4", "texte": "und Sehnsüchtigeres denken. Diese kurze Nummer allein\nbeweis't, dass Weber ein grosser Dichter war. Das Duett\nzwischen Euryanthe und Eglantine ist von wunderbarer\nZartheit und Feinheit; wir wissen ihm nichts zu verglei-\nchen, als das köstliche Finale des ersten Actes, wo Eury-\nanthe über dem Chor und mit den Flöten des Orchesters\nim Gespräch ihr Glück und ihre Freude in einer so einfa-\nchen, reizenden, natürlichen und originellen Melodie aus-\ndrückt. Es gibt nicht viele so neu und so glücklich erfun-\ndene Aclschlüsse.\"\n„Von der Cavatine Adolar's im zweiten Acte haben\nwir schon bei der Ouvertüre gesprochen. Sein Duett mit\nEuryanthe ist voll von zarter und leidenschaftlicher Melo-\ndie. Die Modulation geht auf überraschende Weise in ent-\nfernte Tonarten, ohne jedoch der Einheit des Ganzen zu\nschaden. Das Hauptmotiv wird von nach mit un-\nvergleichlicher Kühnheit und Geschicklichkeit zurückgeführt,\nund der Schlussist entzückend schön. Dagegen scheint\nO o\nuns das Finale weniger gelungen. Das vierstimmige Lar-\nghetto mit Chor macht nur geringe Wirkung; die Melodie\nhat zu wenig entschiedenen Charakter, und so tritt sie\nnicht genug aus der Harmonie hervor. Die Stretta, wo die\nungalanten Ritter über die arme Euryanthe herfahren, ist\nhart und brutal, wie die ganze Situation, welche derCom-\nponist vielleicht nur allzu treu geschildert hatu u. s. w.\n„Trotz alledem ist die Partitur der Euryanthe doch\nweniger vollkommen und nicht so glücklich inspirirt als der\nOberon nnd vollends der Freischütz. Die Melodieen sind\nsparsamer verlheilt und nicht so hervorstechend. Decla-\nmation, gesuchte und sonderbare Harmoniefolgen treten weit\nöfter an ihre Stelle. Der Componist zeigt auch hier stets\ndasselbe Talent in der Behandlung des Orchesters— einer\nKunst, in welcher er fast keinen Nebenbuhler hat; allein\ner wendet dieses wunderschöne Colorit auf Gemälde an,\nderen Motive und Zeichnung nicht so anziehend sind, als es\nsonst bei ihm der Fall ist.u\nEin Herr L. Minot verläuft sich in der France Musi-\ncale mehr in schwülstige Redensarten, als dass er etwas\nBezeichnendes sagte. Er kann sich von der wunderlichen\nEinbildung der Franzosen, dass Weber's Sache eigentlich\nnur das Phantastische sei (vom Romantischen haben sie\nkeinen Begriff), nicht frei machen, „hüllt seinen Charakter\nin einen düsteren und neidisch melancholischen Schleier,\nwesshalb seine Gedanken auf der Opernbühne selten durch-\nsichtig wären, man müsse ihre Lichtseite nicht in der Par-\ntitur, sondern in der Person des Componisten suchenfc,\nund andere Faseleien mehr.\nDagegen geisselt H. Berlioz in den Debats zuvörderst\njene verkehrte Manie der Franzosen, Alles in bestimmte\nKategorieen einzupferchen, woraus denn auch das Vorur-\ntheil entsprungen sei, dass Weber nur gross in dem Gei-\nsterhalten, Phantastischen, Diabolischen sei. Darauf gibt er\neine ausführliche Analyse der deutschen Euryanthe, wie sie\nFrau von Chezy gedichtet und Weber componirt hat, wo-\ndurch die pariser Leser einiger Maassen in Stand gesetzt\nwerden, zu vergleichen. Ueber die Musik sagt er am Ende\nunter Anderem Folgendes:\n„Nichts desto weniger hat Euryanthe einen schönen\nErfolg gehabt, den sie dem Werthe der Musik und der\nsorgfältigen Inscenesetzung verdankt. Die Ouvertüre zeich-\nnet sich besonders durch die Kraft des Rhythmus und die\nLebhafligkeit der leidenschaftlichen Betonung aus. Das\nschneidet ein, leuchtet und zündet; es ist ein elektrisches\nMusikstück. Der erste Chor ist voll Adel und ritterlichem\nSchwung. Nichts ist lieblicher als die Romanze Adolar's;\nihre Melodie ist einfach und einnehmend, die Begleitung\nwahrhaft poetisch. Die Scene der Wette macht stets auch\nin den Conservatoire-Concerten— eine gewaltige Wirkung;\ndas ist stolz, feurig, drangvoll und reich entwickelt. In\nEuryanthe's Cavatine findet man die ganze Zartheit und\njungfräuliche Anmuth der Gebete Agathens wieder. Dage-\ngen zeichnet sich die Partie der Eglantine durch eine stür-\nmische Heftigkeit aus, welche auf höchst dramatische Weise\nmit dem sanften Charakter der Euryanthe contrastirt. Der-\nselbe Gegensatz findet sich bei Lysiart und Adolar wieder.\nIn Lysiart hört man hier und da den Nachklang der wilden\nWeise Caspar's im Freischütz, jedoch ohne irgend buch-\nstäbliche Reminiscenzen; übrigens ist die Form seiner Mu-\nsikstücke viel breiter angelegt als in allen anderen Num-\nmern, auch das Orchester greift dabei weit mehr ein, als\n\\\nsonst irgendwo. Daher denn auch das furchtbare Leben in\nseinem Duett mit Eglantine, in welchem die düstere Wuth\ndieser beiden Charaktere wunderbar geschildert ist.\n„ Ich weiss nicht, ob das Duett der beiden Liebenden\nin der anmuthigen Gattung eben so hoch zu stellen ist, und\nob der Stil desselben sich auf derselben Höhe hält. Der\nBauernchor mit dem Sopransolo und der Jägorchor konnten\nnatürlich nicht verfehlen, die Zuhörer zu entzücken\" u.s.w.\nBerlioz, der sich übrigens über den deutschen Text mit\nder grossen Schlange eben so lustig macht, wie über die\nfranzösische Zurechtmachung (remaniement), schliesst mit den\nWorten: »Da haben wir wieder einmal einen musicalischen\nErfolg, der ganz Paris nach dem ziehen wird. *\nParis, 6. September 1857.\n\nB. P."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "293", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570912-01.1.5", "texte": "Henri Vieuxtemps.\nIn dem Augenblicke, wo dieser grosse Künstler Eu-\nropa verlassen hat, um in America die Zauber seiner Gei-\ngentöne walten zu lassen, wollen wir einen Rückblick auf\nseine Jugendzeit und die Entwicklung seines hervorragen-\nden Talentes werfen.\nHenri Vieuxtemps ist zu Verviers in Belgien am 17.\nFebruar 1820 geboren. Sein Vater, gebürtig aus hier\nim wallonischen Theile des Grossherzogthums Luxemburg,\nfiel im Jahre 1812 der Conscription anheim, marschirte\nmit dem neuen französischen Heere nach Deutschland und\nwurde bei Leipzig schwer verwundet. Hierauf erhielt er\nden Abschied und liess sich in Verviers als Arbeiter in\neiner Tuchfabrik nieder, was er aueh sein Leben lang blieb.\nEr war aber ein Liebhaber der Musik, und wenn er des\nAbends von der Arbeit kam, so nahm er seine Violine vor\nund erfreute und erholte sich an den wenigen Melodieen,\ndie er darauf herausbrachte.\nMit dieser Geige hantierte denn auch der kleine Knabe\nHenri am liebsten, sie war sein einziges Spielwerk; ja, er\nmachte mit seinem künftigen Instrumente buchstäblich ge-\nnommen schon in der Wiege Bekanntschaft. Wenn seine\nMutter ihn nicht still bekommen konnte und doch nach\nder Küche sehen musste, so gab sie ihm die Violine auf\nsein Belleben, er krabbelte mit den Händchen darauf her-\num, und die Thränen waren verschwunden. Noch augen-\nblicklicher schmerzstillend wirkten aber vollends auf ihn die\n• \\\nTöne, wenn der Vater die Saiten anstrich.\nSo kam es denn wie von selbst, dass man ihm schon\nin seinem dritten Jahre Instrument und Bogen in die Hände\n\\ .\ngab, und vier und ein halbes Jahr alt spielte er schon recht\nartig nach Noten.\nEines Tages kam ein Herr Genin, ein Musikfreund\naus Verviers, zulällig zu einer solchen Uebung des Kleinen\ndazu und staunte über das sieht bar hervorbrechende Ta-\nlent. Henri's Vater hatte sich zwar über das Spiel des Kna-\nben gefreut, aber nie daran gedacht, ihn zu etwas Ande-\nrem als zum Tucharbeiter zu machen. Aber die Vorsehung\nwollte es anders, und ihr nächstes Werkzeug war Herr\nGenin. Er übernahm die Erziehung des Kleinen, gab ihm\nden tüchtigen Musiker Lecloux zum Lehrer und wurde so\nsein erster Führer auf der ruhmvollen Bahn, die er seit-\ndem durchlaufen hat. Nach raschen und wunderbaren Fort-\nschritten trat sein Lehrer, als Henri eben sieben Jahre alt\nwar, eine erste Kunstreise mit ihm an, die sich auf die\nnächsten belgischen Städte erstreckte.\nSie führte ihn am Ende auch nach Brüssel, und das\nveranlasste einen bedeutenden Wendepunkt in seiner künst-\nlerischen Entwicklung. De Beriot ahnte auf der Stelle in\ndem Knaben die künftige Grösse und erbot sich von freien\nStücken, seine musicalische Ausbildung zu leiten; er un-\nterzog sich dieser Aufgabe mit eben so viel Uneigennützig-\nkeit und Edelmuth, als Eifer und Ernst. Nun, Lehrer und\nSchüler können mit Recht stolz auf einander sein. Vieux-\ntemps spricht noch jetzt von jener Zeit und stets nur mit\nden innigsten Gefühlen der Dankbarkeit gegen de Beriot.\nDe Beriot nahm den achtjährigen Henri mit nach Pa-\nris, wo dieser neben seinem Lehrer bewundert wurde, da\ner in der Thal schon eine bedeutende Fertigkeit und vor\nAllem ein tiefes musicalisches Gefühl zeigte. Gewiss hätte\nman ihn schon damals als Wunderkind können hören las-\nsen; Lob und Geld hätte er sicher geärntet, aber vielleicht\nwären die schönen Keime einer grossen Zukunft, wie das\nso oft der Fall ist, auch dadurch zerstört worden. Sein\nVater und sein Lehrer Beide nannten ihn ihr Kind\nwaren so vernünftig, ihn in dem Alter, wo jeder Mensch\nlernen muss, in der Schule zu lassen. So blieb er vor einem\nfrühreifen Dünkel bewahrt, und ,alle seine Anlagen, nament-\nlich auch die musicalischen, halten Zeit, sich gründlich,\nnicht sprungweise zu entwickeln.\nMitten unter den ernstesten Studien und Ucbungen\nblieb er etwa fünf Jahre in Brüssel und ging dann im Jahre\n1833, freilich immer noch sehr jung, auf Reisen. Der Er-\nfolg derselben bewies aber, dass es ein Unrecht gegen eine\nsolche Ausnahme-Natur gewesen sein würde, sie noch län-\nger vor der Welt verborgen zu halten. Er bereis'te die\nvorzüglichsten Städte Deutschlands und erregle überall\nStaunen und Bewunderung. Besonders in Wien fand er\nenthusiastische Freunde. Hier legte er sich denn auch un-\nter Sechter's Leitung auf das Studium der Theorie und\nversuchte sich mit Fleiss in Compositionen, die seine künf-\ntige Bedeutung als Tondichter auch sogleich ahnen liessen.\nNach einem kurzen Aufenthalte in England ging er\nwieder nach Paris (1835) und verwandle hier fast alle Zeit\nauf seine Vervollkommnung in der Harmonie- und Com-\npositions-Wissenschaft, wozu ihm der berühmte Reicha mit\n«rösster Theilnahme und Freundschaft die trefflichste An-\nTj\nleitung gab. Im folgenden Jahre reis'te er nach Holland,\nwurde dort von allen bedeutenderen Städten zum Spielen\nin den Abonnements-Concerten eingeladen und trug auf\ndieser Reise denn auch zum ersten Male ein Violin-Concert\neigener Composilion vor. Er war damals noch nicht sieben-\nzehn Jahre alt. Gleich in diesem ersten Concerte offenbarte"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "294", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570912-01.1.6", "texte": "sich die Verbindung von Genie und Wissen, welche die\nernste Richtung seiner Schreibart, die er seitdem in allen\nseinen grösseren Compositionen verfolgt hat, bedingen.\nDarauf folgte er einer Einladung, die ihn wieder nach\nWien zurückrief, wo er sein zweites Concert schrieb. Im\nJahre 1839 trat er die Reise nach St. Petersburg an, auf\nwelcher er jedoch sich mehr oder weniger lange in Prag,\nDresden, Leipzig und Berlin aufhielt. Ueberall gab er meh-\nrere Concerte. In Dresden componirle er sein drittes Con-\ncert, in welchem er einen breiteren und grösseren Stil ent-\nwickelte, als in allen früheren Werken. Leider unterbrach\neine Krankheit, die ihn drei Monate an das Bett fesselte,\ndiese Reise. Erst in Petersburg genas er völlig und schrieb\nnun sein viertes Concert, das mit Recht ein ganz unge-\nwöhnliches Aufsehen erregte. In der That war sein Com-\npositions-Talent zugleich mit seiner Virtuosität zu einer\nHöhe erwachsen, die bei einem jungen Manne von noch nicht\nvollen zwanzig Jahren etwas Ausserordentliches war.\nEr blieb über ein Jahr in Russland. Mit Gold und\nRuhmeskränzen beladen kam er nach Brüssel zurück. Er\nwar jetzt volle zwanzig Jahre alt. Am 7. April 1840 gab\ner seinen Landsleuten sein viertes Concert zu hören, dessen\ngrossartig symphonistischer Stil und phantasiereicher Inhalt\nAlles entzückte. Am 30. August erhielt er vom Könige\nder Belgier den Leopold-Orden, als „ausgezeichneter Com-\nponist und hervorragender Violinspieler in einem Alter, wo\ndie Anderen kaum ihre Laufbahn beginnen\" wie der\nMinister in seinem Berichte an den König sagte.\nIm December desselben Jahres ging er nach Paris, wo\ndas vierte Concert dasselbe Aufsehen erregte, wie überall.\nEs gab eine grosse Aufregung in der dortigen musicali-\nschen Welt; selbst Paganini und de Beriot hatten kaum\nsolchen Enthusiasmus hervorgerufen.\nIm Frühling des Jahres 1841 ging er nach London,\nund bis 1846 war er auf Reisen durch alle Länder Eu-\nropa's. Der Kaiser von Russland fesselte ihn durch die Er-\n*\nnennung zu seinem Kammer-Virtuosen an Petersburg, wo\ner sechs Jahre (1846—1852) blieb. Dann nahm er sei-\nnen Abschied, lebte abwechselnd in Deutschland, England,\nFrankreich und Belgien und feierte überall wieder die alten\nTriumphe, unter anderen auch auf dem niederrheinischen\nMusikfeste in Aachen im Jahre 1854, wo er sein neuestes\nConcert in D-mollspielte, das den früheren Werken an\nReichthum der Ideen und breiter Auslührung gleichkommt.\nVieuxtemps ist jetzt 37 Jahre alt. In der letzten\nWoche des vorigen Monats hat er sich zu Havre nach Ame-\nrica eingeschifft, um dort neue Eroberungen zu machen.\nMöge er uns als Künstler, der seiner bisherigen grossen\nRichtung treu geblieben, zurückkehren! Zwei von seinen\ndrei Brüdern in Belgien sind ebenfalls musicalisch und ha-\nben die Künstler-Laufbahn als Violin- und Violoncellspieler\nbetreten.\nVieuxtemps ist im Besitze einer Sammlung von vor-\ntrefflichen Instrumenten. Die ausgezeichnetsten darunter\nsind ein prächtiger Guarneri, Geschenk des Barons Pereyra\nzu Wien (1846), auf welchem der Künstler am liebsten\nund in grossen Sälen am häufigsten spielt. Dann zwei\nStradivari, die ihm der Graf G. Strogonoff, ein anderer\nStradivari, den ihm der General A. Lwoff verehrt hat; ein\nMaggini von Herrn Wolkoff, ein Amati, Geschenk des Gra-\nfen Matth. Wielhorsky, eine vortrefflich conservirte Viola\n(Tumore, ein Maggini von dem Grafen Ferdinand Froyer in\nWien. Ein sehr schönes Violoncell von Amati, das Vieux-\ntemps ebenfalls vom Grafen Wielhorsky erhalten, hat er\nseinem jüngeren Bruder zum Geschenke gemacht.\n\nDer Tonkünstler-Verein zu Dresden.\n(Durch Zufall verspätet.)\n• . • » t\"\nDer Vorstand des genannten Vereins hat seinen Be-\nricht über das Jahr 1856—1857 drucken lassen. Wir\nersehen daraus ein erfreuliches Gedeihen desselben. Er ist\ndurch den Beschluss vom 25. September v. J. über die\nAufnahme von ausserordentlichen, bloss zuhörenden Mit-\ngliedern erweitert worden. Die Zahl der ordentlichen Mit-\nglieder umfasst mit Einschluss von 2 Ehren-Mitgliedern und 6\nauswärtigen 105. Es fanden sechs Productions-Abende,\nachtzehn Uebungs-Abende und drei gesellige Versammlun-\ngen Statt. Von Instrumentalsachen wurden 64 grössere\nEnsemblestücke (Septet'e, Odette), Quintette, Quartette,\nTrio's, Duo's und Soli ausgelührt, von 29 Componisten,\nausserdem 1 1 Lieder mit Clavier-Begleitung gesungen. Herr\nKammermusicus Fürstenau hielt einen Vortrag über\n„die Oper zu Dresden unter August 11. 1694 —1733.\"\nDer Verein ist der deutschen „Händel-Gesellschaft\" bei-\ngetreten.\nDie einzige ausserordentliche Versammlung fand am\n22. September 1856 Statt und galt dem Andenken Ro-\nbert Schu mann's. Sein früher Tod und der Hinblick\nauf seine Bedeutsamkeit lür die Tonkunst überhaupt und\nfür das dem Vereine zunächst liegende Gebietj der\nKammermusik insbesondere gaben Veranlassung zu Veran-\nstaltung einer Gedächtnissfeier, an der auf ergangene Ein-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "295", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570912-01.1.7", "texte": "Ladung auch viele Nicht-Mitglieder Theil nahmen. Die Feier\nwurde eröffnet mit einem von Herrn Dr. Lindner gedichte-\nten und gesprochenen Prologe, welcher als Beilage dem\nBericht beigegeben ist. Zur Aufführung kamen danach fol-\ngende Werke des verewigten Meisters: Sonate, Op. 11\n(Fis-moll), unter den Namen „Florestan\" und „Eusebius\"\nveröffentlicht; Zwei.Lieder: a) Dein Angesicht von 11. Heine\n(Op. 127, Nr. 2), b) Mondnacht von J. v. Eichendorf (Op.\n39, Nr. 3); Quartett für Streich-Instrumente, Op. 41, Nr.\n1 (A-moll); Andante und Variationen für -zwei Pianoforle,\nOp. 46 (B-dur); Requiem, Lied nach einem alt-katholi-\nschen Gedichte, Op. 90, Nr. 7.\nVon den drei geselligen Zusammenkünften fand die\nzweite zu Ehren der von Dresden scheidenden Mitglieder\nHerren 11. Riccius und Jos. Weixlstorfer am 26. Septem-\nber 1856 Statt und war mit einem Festmahle verbunden,\n♦ • #\nwährend dessen dem ersteren eine vollständige Ausgabe\nder Beethoven'scnen Streich-Quartette in Partitur, dem\nletzteren ein Album mit sämmtlichen Lieder-Compositionen\n.* i *\nBeethoven's überreicht wurde, zur bleibenden Erinnerung\nan den Verein und als Zeichen der Dankbarkeit für die\nmannigfachen Verdienste, welche die Genannten um das\nVereinsleben sich erworben hatten.\nDie dritte wurde veranstaltet am 27. April d. J. bei\nGelegenheit der Ueberreichung des Diploms als „Ehren-\nVorstand\" an Herrn Kammer-Musicus und Kammer-Vir-\ntuosen F. A. Kumme r.\n\nAus Hamburg.\nDen 5. September 1857.\nAm vorigen Donnerstag, den 3. September, hatte der Director des\nStadttheaters, Herr Sachse, zur Erinnerung an den vor 41 Jahren\nerfolgten Tod von Fr. Ludw. Schröder, den berühmten Bühnen -\nlenker, der in Hamburg und weit hinaus noch in ungetrübter Erin-\nnerung fortlebt, eine würdige, allseitig erfreuende Feier veranstaltet,\nwofür ihm der Dank aller Theaterfreunde gewiss ist. Eröffnet wurde\nder Abend mit Beethoven's Ouvertüre zu Egmont; dann folgte Schrö-\nder7 s Schauspiel ~Der Vetter in Lissabon\", sodann die Ouvertüre\nzur Zauberflöte. Nnn trat hervor die greise Sophie Schröder, die\nsich zufällig hier befindet; enthusiastisch, lange anhaltend und mit\nOrchestertusch begriisst, sprach sie Klopstock's Ode „Die Frühlings-\nfeier\", aber in solcher Vollendung, mit einem trotz der 76 Jahre\nnoch so volltönenden, herrlichen Organe, dass das Publicum stau-\nnend hörte und bewunderte.\n• * i .\n• ( , .\nDen 4. September wurde „Der Geiger aus.Tyrol\", roman-\ntisch-komische Oper in drei Acten von Richard Gen de, aufgeführt.\nEin neues Schiff ward vom Stapel gelassen; es glitt ohne Geräusch\nhinab und lief hinaus in die unsicheren Wogen der öffentlichen Mei-\nnung. Das Meer der Töne that sich auf und concurrirte mit jenem.\nDa tauchten aus den Wellen alte, liebe Bekannte auf Raoul und\nMargaretha von Valois, Agathe, welche die schöne Nacht bewunderte\nund ihren Max zum Rendezvous erwartete; statt dessen erschien\naber der Graf aus dem „Wildschütz\" mit anderen Cumpanen der\nLortzing'schen Muse, die „Nachtwandlerin\" und sonstige gute\nFreunde, die sich traulich die Hände schüttelten. Sie winkten, zu-\nweilen schien es, als ob sie um Hülfe flehten wegen erlittener Miss-\nhandlungen, dann verschwanden sie wieder im Nebel und Alles\nschrie : Havarie! Havarie !\n„Lortzing redivivusl\" hiess es bei dem ersten Erscheinen dieses\nWerkes auf der danziger Bühne; leider können wir nicht in diesen\nRuf einstimmen; Lortzing's Formenschönheit, Melodieen-Reichthum\nund Präcision im Ausdrucke sind hier nicht wieder zu finden. Im\nTextbuche ist nicht der schön gegliederte, dramatische Bau mit le-\nbendiger Handlung; die Verse sind passabel, einige Gemeinplätze\nabgerechnet; man merkt gute Muster Götlie und Wagner. Im\nGanzen finden wir diesen „Geiger aus Tyrol\" etwas spiessbürgerlich\nund den Wunsch nach einem folgenden Werke dieses Dichter-Com-\nponisten verzeihlich.\nGenee ist gewiss ein tüchtiger, praktischer Musiker, der ein Or-\nchester zu handhahen weiss und sich fleissig in der musicalischen\nLiteratur umgesehen hat; er hat zuweilen recht schöne, neue Ge-\ndanken und nette Instrumentirung, die er bisher im Vaudeville und\nSingspiel recht glücklich verwandte. Aber? Der Opern-Componist\nmuss die dramatischen Momente ergreifen, die Situation auf ihren\nHöhepunkt gipfeln, nicht im Sande verlaufen lassen; ein Gedanke\nmuss behandelt, d h. fortgeführt, ausgesponnen, gesteigert werden\nhier erstreckt er sich selten über 4 bis 6 Tacte hinaus und ver-\nschwindet in nichtssagenden, trivialen Phrasen, der Quickborn der\nfrischen, zündenden Melodie verrinnt im Sande. Die Hauptgedanken\nmüssen durch angemessene Instrumentation illustrirt werden, dass\nsie klar und hell vor den Beschauer treten, zur Aufmerksamkeit\nauffordern und hinreissen. Das erste Motiv der sonst formgerechten\nOuvertüre wird von Geigen in der mittleren, klanglosen Octave ge-\ntragen, und man hat wirklich Mühe, es nur zu entdecken. So an\nvielen anderen Stellen. Ein Hauptfehler ist das breite Ausmalen ein-\nzelner Stimmungen; man fühlt keinen Fortschritt, es machen sich\nermüdende Längen bemerkbar'. Ein unbarmherziger Gebrauch des\nRothstiftes wird gewiss bei folgenden Aufführungen zum Heile des\nWerkes dienen.\nDie besten Nummern sind: das Lied der Cbiaretta mit obligater\nGeige im ersten und das Terzett im dritten Acte, in welchem Chia-\nretta ihre Studien macht. Neu und originel ist die Idee, eine Solo-\nGeige auf der Bühne in dieser Bedeutung zu verwenden, und sie ist\nzu den schönsten Effecten ausgebeutet worden. Hamburg ist so glück-\nlich, einen durchaus künstlerisch gebildeten Tenoristen (Hrn. Weixls-\ntorfer) zu besitzen, der auch den Part der Solo-Geige mit Virtuosität\nund seelenvollem Ausdruck wiedergeben konnte. Eine bessere Ver-\ntretung der Haupt-Partie dürfte sich der Componist kaum wünschen;\ndas Publicum lohnte mit stürmischem Beifall und wiederholtem Her-\nvorruf WTir kennen aber keine zweite Bühne Deutschlands, wo die\noben erwähnte Vereinigung zu finden wäre, und so dürfte gerade\nder Haupt-Effect verloren gehen. Die Aufführung war eine wohl-\ngelungene, das Orchester unter Herrn Dupont's Leitung sehr brav.\nDie erste Aufführung der Oper ~Die sicilianische Vesper'steht\nnun nahe bevor.\n\\\nDie betreffenden Mitglieder sind jetzt eifrig mit dem Einstudiren\nder Adam'schen Oper „Giralda'fc beschäftigt, die, fast ganz neu be-\nsetzt, demnächst in Scene gehen soll.\nG. F. (A. Th.-Z. von C. Cotta.)"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "296", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570912-01.1.8", "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolli* Zur Erinnerung an Bernhard Klein aus Köln, der\nam 9. September 1832 in Berlin starb, veranstalteten die Sing-Aka-\ndemie und der Männergesang-Verein unter der Leitung von Franz\nWeber am 9. September, als dem lunfundzwanzigjährigen Todestage\ndesselben, eine musicalische Feier im Vereins-Locale der Akademie.\nEs wurde das Oratorium Jephta, eine der schönsten Compositionen\ndes verewigten Tonmeisters, am Pianoforte aufgeführt. Die Chöre\ngingen vortrefflich, und auch die Soli wurden von Mitgliedern der\nAkademie recht gut vorgetragen Als Zuhörer waren zunächst die\nhier lebenden Angehörigen der Familie Klein und ein grosser Kreis\nvon Musikern und Kunstfreunden eingeladen. Auch der Hof-Capell-\nmeister H. Marschner war zugegen. Wenn die Aufführung in den\nChören der beiden ersten Theile besonders die ausserordentliche Ge-\nwandtheit des Componisten in der Polyphonie bewundern liess, so\nergriff der dritte Theil namentlich durch geniale melodische Erfin-\ndung und treffliche dramatische Behandlung.\nBerlin« Am 2 September trat unsere Herrenburg-Tuc-\nzeck als Agathe nach ihrer Urlaubsreise wieder auf. Wie gewöhn-\nlich hat die Künstlerin einen bedeutenden Theil ihrer Urlaubszeit,\nalle Einladungen zu Gastspielen von der Hand weisend, nur der Er-\nholung von ihrer wirklich anstrengenden Beschäftigung gewidmet:\nsie ist bekanntlich die vielseitigste und am häufigsten verwandte\nSängerin der königlichen Oper. Das Organ, welches an Gleichmäs-\nsigkeit wie an Lieblichkeit des Klanges seines Gleichen sucht, er-\nklang daher in voller Frische und hob den melodischen Reiz der\nPartie zu der schönsten Wirkung. Dass Leopoldine Tuczeck auch\nim Vortrage wie im Spiel eine perfecte Künstlerin ist. Dass der Zau-\nber ihrer anmuthgen Persönlichkeit stets Wirkung übt, ist hinrei-\nchend bekannt. Fräul. Trietsch machte als Aennchen verdientes\nG-lück; die Stimme klang ungemein frisch und liebiieh, Spiel und\nVortrag sweise bezeugten die fortschreitende Entwicklung der jungen\nÄ&ngerin. Die Aufführung des Freischütz fand besonders durch das\nWiederauftreten der Frau Tuczeck einen sehr zahlreichen Besuch\nund verdienten Beifall. Frau Herrenburg-Tuczeck wurde besonders\nbegrüsst und durch stürmischen Beifall ausgezeichnet.\nWiesbaden, 3. September. Am heutigen Abende wurde im\nTheater bei vollem Hause „Der Freischütz\" gegeben. Vor Allem er-\nfreute sich das Publicum, unseren früher so allbeliebten Sänger\nHerrn Thelen, dermalen Hof-Opernsänger in Braunschweig, in sei-\nner zweiten, leider schon seiner Abschieds-Gastrolle, zu hören. Sein\nmarkiger, stahlkräftiger und echt männlicher Bass ist im Norden\nund Süden von Deutschland schon rühmlichst bekannt, imponirte\naber als Caspar diesmal um so mehr, da bei seiner stattlichen Per-\nsönlichkeit auch ein vollendeteres Spiel unverkennbar war. Derselbe\nwurde mehrmals, schon nach dem ersten Acte, gerufen und mit Blu-\nmenbouquets beehrt, wie er auch bereits bei seinem ersten Auftreten\nals Cardinal in der ~Jüdin44 am Sonntag in unserer grossartigen\nCurweit Furore machte. Ausser dem Beifall, den auch Herr Klaus\nals Mas und Fräul. Herbold als Annchen ärntete. hatte sich die\nkaum vier Monate öffentlich aufgetretene Fräul. Margarethe\nZirndorfer vom frankfurter Stadttheater als Agathe einer beson-\nderen Anerkennung zu erfreuen. Sie wurde nach der grossen Scene\ngerufen.\n_____ _ (\nDaa dritte mittelrheinische Musikfest wird im näjhsten Jahre in\nWiesbaden Statt finden; der dortige Gemeinderath hat sich bereit\nerklärt, dasselbe nach Kräften zu unterstützen.\nRoderich Benedix hat in diesen Tagen ein neues Lustspiel\nin drei Aufzügen: „Die Schuldbewussten\", versandt.\nVon dem lange schweigsamen Componisten Banck sind bei Spina\nin Wien drei neue Lieder: „Hoffnung'4, ~Frage und „Wiegenlied*\nerschienen, die sich bald viele Freunde erwerben werden.\nVI Seil. Die 81. f. M. schreiben : „Zur Geburtsfeier Sr. Majestät\nwurde am 19. August in der wiener k. k. Irren-Anstalt Abends ein\nConcert veranstaltet. Mitten unter den Gästen sass Staudigl mit\nsolch freudiger, theilnehmender Miene, dass Alle davon gerührt wa-\nren; noch höher steigerte sich dieses Gefühl, als Staudigl später in\neinem kleinen Kreise der geladenen Gäste den „Wanderer\" von Schu-\nbert sang, und zwar so seelenvoll sang, dass kein Auge ohne Thrä-\nnen blieb.\nDer deutsche Gesang-Verein „Germania44 in Paris errang auch\naut dem am 16. August abgehaltenen Gesangfeste zu Dijon den\nersten Preis."}]}