{"numero_id": "bm-bmtnabi-1857-09-26-01", "volume": "bmtnabi_1857-09-26_01", "ocr_sha256": "40c16b04c786d61c0c69271ef21db62f9624bcb7089a55de0d54f4b9e017f7b2", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1857/09/26_01/bmtnabi_1857-09-26_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570926-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1857-09-26-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-09-26_01#c001", "volume": "bmtnabi_1857-09-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "305", "page_fin": "305", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570926-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "305", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570926-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 349, "texte": "Inhalt.\nErinnerung an B. Klein Die Entstehung der Zauberflöte. Das Beethoven-Concert am 23. September zu\nBonn. Tages- und Unter Ii altungsblatt (Mainz Mannheim Der Bassist Karl Formes Steger Stimmen aus Wien über\nden Tannhäuser Versteigerung von Autographen und Brief von Beethoven Nicolai Anton Spina y Anna Zerr Ole Bull\nMad. de Lagrange). • • ' 1"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-09-26-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-09-26_01#c002", "volume": "bmtnabi_1857-09-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "305", "page_fin": "307", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570926-01.2.2", "titre_corps": "Erinnerung an Bernhard Klein.", "titre_sommaire": "Erinnerung an Bernhard Klein.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "305", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570926-01.1.1", "debut_caractere": 351, "fin_caractere_exclue": 3873, "texte": "Erinnerung an Bernhard Klein.\nDie Sing-Akademie und der Männergesang-Verein zu\nKöln begingen am 9. September, dem Tage, an welchem\nBernhard Klein vor fünfundzwanzig Jahren gestorben war,\ndessen Gedächtnissfeier durch Aufführung seines Oratoriums\nJephta (vgl. Nr. 37, Köln). Dies veranlasst uns, einige\nbiographische Nachrichten über ihn zu geben.\nBernhard Klein ist 1794 zu Köln geboren. Seine\nJugend war nicht von dem Schimmer, des Wohllebens um-\nleuchtet, er musste vielmehr die Kunst, zu welcher ihn\nseine vorherrschende Neigung und eine früh ans Licht\ntretende aussergewöhnliche Natur-Anlage trieben, als Er-\nwerbsmittel schon in den Jahren benutzen, welche bei\nglücklichen Verhältnissen allein der consequeriten Entwick-\nlung der geistigen Kräfte und dem Studium gewidmet wer-\nden. Auch wissen wir nicht, dass er den Unterricht irgend\neines berühmten Lehrers der Tonkunst genossen hätte.\nAlles aber ersetzte das angeborene Talent, die unermüd-\nlichste Wissbegierde und ein beharrlicher Fleiss.\nDiese machten es ihm denn auch trotz der beschränk-\nten Umstände möglich, im Jahre 1812 nach Paris zu gehen.\nSein dortiger Aufenthalt dauerte zwar nur sechs Monate,\nallein er gab dennoch seiner künstlerischen Entwicklung\nSchwung und neues Leben und Streben. Cherubini unter-\nstützte den Jüngling mit freundlich theilnehmendem Rathe,\ndie grossen Musik-Aufführungen öffneten ihm tiefere Blicke\nin das Wesen der Kunst und regten seine Phantasie mäch-\ntig an, und vor Allem förderte die Benutzung der Biblio-\nthek des Conservatoriums seine Studien, die jedoch trotz\ndes Musikgepränges, das in Paris auf die Gemüther junger\nKünstler oft das ganz Entgegengesetzte wirkt, von jetzt an\neine vorzugsweise Richtung auf die ernste, namentlich auf\ndie geistliche Musik nahmen, lür welche er denn auch, wie\nbekannt, das Beste geleistet hat.\nNach seiner Rückkehr nach Köln leitete er die Kir-\nchenmusik im Dome, bis er im Jahre 1819 mit Unter-\nstützung der preussischen Regierung nach Berlin ging, wo\ner nach wenigen Jahren einen ausgedehnteren und seiner\nNeigung völlig zusagenden Wirkungskreis fand, sowohl in\nseiner öffentlichen Stellung als Gesanglehrer an der Univer-\nsität und Lehrer des Contrapunktes und des Generalbasses\nan der Orgelschule (seit 1822), als in Privatkreisen.\nEine Reise nach Italien war namentlich der genaueren\nForschung über die alte Kirchenmusik gewidmet und wurde\nüberhaupt für den nun schon gereiften Meister fruchtbar.\nIn Berlin stiftete er mit Ludwig Berger die jüngere Lieder-\ntafel und stand in höchster Achtung als Lehrer des Gesan-\nges und hauptsächlich der Theorie und Composition, wäh-\nrend seine gediegenen Wrerke seinen Ruf als Tondichter\nüber das ganze Vaterland verbreiteten.\nDer Verlust einer geliebten Gattin, welche der Tod\nin der Blüthe ihrer Jahre dahinraffte, warf auf den Rest\nseines Lebens einen düsteren Trauerschatten. Er zog sich\nfast ganz von äusserer Wirksamkeit und vom Umgange\nmit der Welt zurück und lebte nur noch für seine heilige\nKunst. Allein auch seine Tage waren bereits gezählt; im\nschönsten Mannesalter, im neununddreissigsten Lebensjahre\nmusste er von dieser Welt scheiden: eine schnell zerstö-\nrende Schwindsucht brachte ihm am 9. September 1832\nden Tod.\nBei seinem Begräbnisse auf dem katholischen Kirch-\nhofe zu Berlin ertönten Trauergesänge; die Sing-Akademie\nehrte sein Andenken durch eine besondere Feier, bei wel-\ncher ein Requiem von Th. Hellwig, ein Grabgesang von\nC. F. Rungenhagen und ein von dem dahinge-\nschiedenen Meister selbst erklangen. Am 21. September"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "306", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570926-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5034, "texte": "wurde in der St.-Hedwigs-Kirche Mozart's das\ndamals noch nicht lür die kirchliche Seelenmesse verpönt\nwar, unter Mitwirkung der Mitglieder der Sing-Akademie\nund der königlichen Capelle aufgeführt.\nBernhard Klein verdankt seinen Ruf als Componist\nhauptsächlich seinen Werken auf dem Gebiete der geist-\nlichen Musik, namentlich seinen Oratorien und Cantaten,\nund den reichhaltigen Heften von Gesangstücken ernsten\nStils für mehrstimmigen Männerchor.\nDas erste bedeutende Werk der Art war sein „Hiob,\nCantate mit Chören\". Es erschien 1820 in Partitur\nund im Clavier-Auszuge bei Breilkopf & Härtel in Leipzig.\nDie Form dieses Werkes, in welchem nur Eine Solostimme\n(Hiob) d ominirt (denn die wenigen Recitative eines der\nFreunde Hiob's sind unbedeutend), mit welcher die Chöre\nabwechsein, ist dem Ganzen nicht günstig, indem sie eine\ngewisse Monotonie veranlasst. Abgesehen davon, ist das\nWerk reich an musicalischen Schönheiten und zeigt eine\nGewandtheit in Handhabung alles Formeilen und in Be-\nhandlung der Polyphonie, die von allen Kennern mit der\ngrössten Anerkennung aufgenommen wurde.\nDer Stil ist einfach, nach älteren Mustern, wie Bach\nund namentlich Händel, gebildet, das bloss oder vorzugs-\nweise sinnlich Reizende ist durchweg verschmäht. Dadurch\nist aber das Declamatorische in der Solostimme fast zu vor-\nherrschend geworden, während in den Chören das contra-\npunktische Element vorwiegt, wrelches allerdings meist\ntrefflich verwandt worden ist, aber auf der anderen Seite\ndoch auch hier und da zu sehr an die Schule erinnert, und\nbei der strengen Durchführung sich nur selten zu dem im-\nponirenden Schwünge der freieren Schreibart erhebt, die\nz. B. nachher Mendelssohn auf so glückliche Weise mit\nder contrapunktischen zu verbinden wusste. Diese Bemer-\nkung gilt im Allgemeinen auch von vielen Chören der spä-\nteren Werke B. Klein's, während sie alle in Bezug auf\nEinheit des Stils und gediegene Arbeit nicht den geringsten\nRaum zum Tadel bieten, auch in Form und Anwendung\nmanches Eigentümliche haben, was Mendelssohn nachzu-\nahmen keineswegs verschmähte.\nSo ist zum Beispiel gleich in der Einleitung des Hiob\ndie fast recitativische Behandlung der Einzelstimmen des\nChors schön erfunden. Die Freunde und Diener Hiob's treten\nauf mit der Unglückskunde. Die Soprane sprechen zuerst\nden Satz aus: „Es pflügten deine Rinder, es weideten die\nHer den: da kamen aus Arabien die Feinde\" u. s. w.\nDie Altstimmen nehmen dieselbe musicalische Phrase eine\nQuarte tiefer mit den Worten auf: „Das Feuer fiel vom\nHimmel, verzehrte Schafe und Knaben; wir sind allein ent-\nronnen!\" dann die Tenöre: „Es freuten sich deine Söhne\ndes Segens, da kam der Sturm der Wüste sie starben.\"\nIn der ersten Nummer von Mendelssohn's Elias finden wir\neine ähnliche Behandlung des Chors.\nAuf Hiob's Klage: „ II err, Du verlassest mich, verwan-\ndelt bist Du mir soll der Gerechte also leiden?\" antwor-\ntet die Stimme des Herrn. B. Klein lässt ihre Worte:\n„Wer ist der, der so redet mit Unverstand?\" u. s. w.\ndurch sämmtliche lenöre und Bässe im Unisono wie im\nCantus firmusdes alten Choralgesanges mit der Begleitung\nvon Grund-Accorden ertönen. Bekanntlich gibt sie Mendels-\nsohn im Paulus den Sopranen und Allen des Chors, aber\nmehrstimmig. Dagegen finden wir auch in Klein's Hiob\njene ältere Behandlung des Re'citativs in Tempo und Quasi\narioso, die nachher Schumann und Wagner bis zur Ueber-\nsättigung des Hörers getrieben haben.\nDas zweite grössere Werk Klein's war die Oper Dido,\nwelche, wenn wir nicht irren, in Berlin im Jahre 1823\nzur Auilührung kam. Er hält darin den declamatorischen\nStil Gluck's fest. Sie hatte, was wir jetzt einen\nd'eslime nennen, erhielt sich aber nicht auf dem Repertoire.\nJedenfalls bedeutender und (besonders in seinem letz-\nten Theile) wohl das Beste, was Klein geschrieben hat, ist\nsein drittes grosses Werk Jephta, Oratorium in drei Thei-\nlen. Ein ursprünglich schalendes Talent paart sich hier mit\nder glücklichsten Nachahmung Händel's; die zwei ersten\n1 heile enthalten kräftige Arien und trefilich gearbeitete,\nauch efl'ectvolle Chöre, z. B. den Schlusschor des zweiten\n1 heiles, und die ganze erste grosse Scene des dritten Thei-\nles, weiche die Rückkehr Jephta's vom Schlachtfelde und\nden Eintritt der Katastrophe durch den Anblick seiner\nTochter schildert, ist genial gedacht und ausgeführt und\nvon wahrhaft dramatischer Wirkung. Es kann nur höchlich\nbedauert werden, wenn unsere Zeit die Auilührung solcher\nWerke vernachlässigt. Man vergleiche einmal solche Schö-\npfungen wie Klein's Jephta und David mit\nChrist von Berlioz, und man wird sich empört fühlen, dass\nauf einem Musikfeste im Rheinlande, der Heimat so grosser\ndeutscher Componisten, eine so Hache und zum Theil pa-\nrodische, folglich heuchlerische Composition wie die ge-\nnannte habe zur Aufführung kommen dürfen. Dass sie mit\nGlanz durchgefallen, war gebührender Lohn lür die Wahl-\nherren und den ausländischen Einfluss, der die Wahl oc-\ntroyirle; aber auch schon der - Conalus, solches Zeug in\ndie Programme der niederrheinischen Musikfeste einzu-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "307", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570926-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1747, "texte": "schmuggeln, verdiente Bestrafung durch die Kritik, wie sie\nihm denn auch in reichlichem Maasse geworden.\nEin ausgezeichnetes Werk B. Klein's ist ferner das\nOratorium David. Text von C. G. Körner aufgeführt\nzum ersten Male im Jahre 1830. An dem Texte haften\ngar manche Mängel; besonders ist die erste Hälfte des er-\nsten Theiles und dann der Schluss des Ganzen malt, wäh-\nrend in der Mitte einige gut angelegte dramatische Situa-\ntionen sind.\nAusser diesen Werken soll Klein noch ein Oratorium\n„Athalia\" unvollendet hinterlassen haben, von dem uns\naber nichts bekannt geworden ist.\nVon anderen Kirchenstücken sind ein sechsstimmiges\nMagnificat, ein achtstimmiges und ein vierstim-\nmiges Stabat mater, dessen Chöre besonders geschätzt wer-\nden, zu erwähnen. Am bekanntesten sind durch die Män-\nnergesang-Vereine und die Sängerfesle in Deutschland, den\nNiederlanden und der Schweiz seine acht Hefte geistlicher\nGesänge lür vier Männerstimmen geworden. Die Mehrzahl\nderselben verdient den Ruf, dessen sie noch immer gemes-\nsen, zumal im Gegensatze -zu der leichtfertigen Richtung,\nwelche viele neuere Componisten für den Männergesang\neingeschlagen haben. Klein hatte einen höheren Begriff\nvon der Wirksamkeit dieser Gattung, so wie er eines wah-\nren Künstlers würdig war.\nIn mancher Beziehung merkwürdig und immerhin in-\nteressant sind seine weltlichen Compositionen der Ballade\n„Ritter Toggenburg\" von Schiller und der beiden Göthe'-\nschen: „Der Golt und die Bajadere\" und „Die Braut von\nKorinth\" letztere erst nach seinem Tode durch seinen\nDruder Joseph Klein in Köln herausgegeben. Es sind wohl-\nintentionirle Werke, die jedoch mehr der Reflexion ihre\nEntstehung zu verdanken scheinen, als dem Drange einer\nfrei schadenden, schwungvollen Phantasie."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-09-26-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-09-26_01#c003", "volume": "bmtnabi_1857-09-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "307", "page_fin": "309", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570926-01.2.3", "titre_corps": "Die Entstehung der „Zauberflöte“", "titre_sommaire": "Die Entstehung der „Zauberflöte“", "signature_source": "H—n", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "307", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570926-01.1.3", "debut_caractere": 1749, "fin_caractere_exclue": 4707, "texte": "Die Entstehung der „Zauberflöte“\n\n*)•\nEs war am T.März 1791, als Emanuel Schikaneder,\nder Director des Theaters auf der Wieden im Freihause,\ndes Morgens um 8 Uhr zu Mozart, welcher noch zu Bette\nlag, kam und ihn mit den Worten anredete: „Freund ond\nBruder! wenn du mir nicht hilfst, so bin ich verloren!\"\nMozart, noch ganz schlaftrunken, richtete sich auf und\nsagle: „Womit soll ich dir helfen? Ich bin ja selbst ein\narmer Teufel!\"\nSchikaneder: Ich brauche Geld meine Unterneh-\nmung geht miserabel, die Leopoldsladt bringt mich um.\nMo zart (laut auflachend): Und da kommst du zu mir,\nBruderherz! da bist du zur unrechten Thür gegangen.\nSchikaneder: Ganz und gar nicht! Nur du kannst\nmich retten. Der Kaulherr H. bat mir ein Darlehen von\n2000 Fl. zugesagt, wenn du mir eine Oper schreibst. Da-\nvon kann ich diesen Betrag, meine übrigen Schulden bezah-\nlen und meiner Bühne einen neuen Aufschwung geben, wie\nsie ihn noch nie hatte. Mozart, du rettest mich vom Ver-\nderben und bewährst dich vor der Welt als der edelmü-\nthigsteMann, den es je gegeben. Uebrigens würde ich dich\nreichlich honoriren, und die Oper, die unzweifelhaft gros-\nsen Erfolg haben wird, soll auch deine Tasche tüchtig lul-\nlen. Die Leute sagen: der Schikanederist leichtsinnig; aber\nundankbar ist er gewiss nicht.\nMozart: Hast du schon ein Textbuch?\nSchikaneder: Ich habe eines in der Arbeit. Es ist\nein Zauberstück, aus Wieland's „Lulu im Tschinnistan\" ge-\nnommen, und, wie ich mir schmeichle, recht poetisch. Die\nProsa wird von mir; da ich aber belürchte, dass dir meine\nGesangstücke nicht zusagen dürften, so lasse ich sie von\nmeinem Freunde Cantes*), der, wie du weisst, sich sehr\nlür mich und meine Bühne interessirt, verfassen. Da wirst\ndu doch Vertrauen haben. In einigen Tagen ist Alles fer-\ntig, da bringe ich es dir zum Lesen. Also, theurer Freund\ndein Wort du sagst ja?\nMozart: Ich sage weder Ja noch Nein; ich muss\nmir's erst überlegen. In einigen l agen sage ich dir Bescheid.\nSchikaneder empfahl nochmals sein Heil in Mozart's\nHände und ging. Auf der Treppe fuhr ihm plötzlich ein\nFunke durchs Gehirn, und fast athemlos, so schnell, als es\nseine Corpulenz zuliess, flog er von der Rauhensteingasse\nnach der Wieden in die Kapaunergasse zum so genannten,\ndamals bestandenen „Kapäundl\". Da wohnte Mad. Gerl,\nwelche sammt ihrem Gatten, dem Bassisten Gerl, bei Schi-\nkaneder engagirt war und, wie man sagte, grossen Einlluss\nauf Mozart ausübte. Diese gewann der schlaue Schikaneder\nfür sein Interesse, und schon am nächsten Abende kam\nMozart zu Schikaneder auf die Bühne und sagte ihm: „No,\nso schau', dass ich bald das Buch krieg', so will ich dir in\nGottes Namen die Oper schreiben. Wenn wir ein Malheur\n\n*) Die wiener Monatschrift für Theater und Musik bringt in ih-\nrem September-Hefte diesen anziehenden Aufsatz.\nDie Redaction.\n*) Pater Cantes war Cooperator bei den Paulanern auf der Wie-\nden und verfertigte beinahe zu allen Opern Schikaneder's die\nGesänge aus Liebhaberei."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "308", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570926-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5239, "texte": "haben, so kann ich nichts dafür; denn eine Zauber-Oper\nhabe ich noch nicht componirt.\" Nach ungefähr acht Ta-\ngen hatte Mozart das Opernbuch, welches ihm so ziemlich\ngefiel, da es wirklich poetische oder eigentlich romantische\nIdeen enthält, die bei Schikaneder's vollkommenem Mangel\nan wissenschaftlicher Bildung nicht durchgeführt, aber doch\n/\nvorhanden waren. Mozart begann rasch die Arbeit, welche\naber noch im Monat März unterbrochen wurde, da ihn die\nStände nach Prag beriefen, um zur Krönungsfeier in Frank-\nfurt die Oper „La Clemenza zu schreiben. In ein\npaar Wochen war Mozart fertig und kehrte wieder nach\nWien zurück, um die „Zauberflöle\" zu vollenden. Dieses\ngrosse Werk schuf er theils in seiner Wohnung in der\nRauhensteingasse, theils in dem von Schikaneder gemiethe-\nten Gärtchen, im mittleren grossen Hofe des Freihauses,\nwo sich nebenan das Theater befand. Noch heute steht der\nkleine, freilich halb verfallene Pavillon, der Tisch und der\nStuhl, wo Mozart componirte. Während des Mittagsmahls\n(es war hoher Sommer), das Mozart meistens mit Schika-\nneder daselbst einnahm, ward wacker gearbeitet, gelacht\nund Champagner getrunken. Unter diesen Umständen ent-\nstand das grosse Werk „Die Zauberflöte\nMozart hatte kaum die ersten Musikstücke geschaffen,\nals Joseph Schuster, der Schauspieler bei Schikaneder war,\nzu Letzterem kam, um ihm die unangenehme Nachricht\nmitzutheilen, dass er zufällig einer Probe der neuen Zauber-\nOper in der Leopoldstadt: „ Kaspar, der Fagottist, oder die\nZauberzilher\", von Perinel, mit Musik von Wenzel Müller,\nbeigewohnt und die traurige Gewissheil erlangt habe, dass\nPerinet das Sujet wie Schikaneder aus Wieland's „Lulu\"\nentnommen, und die Personen, so wie der Gang der Hand-\nlung jenen der „Zauberflöte\" ähnlich seien. Es war also\nnichts Anderes zu thun, als das Vorhandene umzuwerfen\nund der Oper eine ganz neue Tendenz zu geben. Sarastro,\nder ursprünglich ein Tyrann, ein Bösewicht war, wurde\nnun zum weisen, edlen Priester und Menschenfreunde, die\nKönigin der Nacht, die früher eine Fürstin der Liebe, eine\nzärtliche Multer war, in ein Ungeheuer, in eine Ränke-\nschmiedin, in ein unnatürliches Weib verwandelt. Die drei\nDamen, die Begleiterinnen der Nacht, der Mohr, als wirk-\nlich glückliche Allegorie des düsteren Treibens der Bos-\nheit, wurden ihr als Werkzeuge zugesellt, und auf diese\nWeise war etwas ganz Neues entstanden, wovon der Ver-\nfasser selbst vorher keine Ahnung gehabt hatte. Daher kam\nes, dass bei der ersten Erscheinung der Damen, wo sie die\nRetterinnen Tamino's sind, sie ihn auf die drei zarten\nKnäblein hinweisen, die seine Führer sein sollen, folglich\nim Dienste der Königin stehen, während sie im weiteren\nVerlaufe der Oper Geschöpfe Sarastro's und Tamino's und\nPamina's Schützer gegen die schwarzen Plane der Königin\nwerden. Schikaneder sah diese Inconsequenzen wahrschein-\nlich nicht genugsam ein, und der grosse Mozart, im Be-\nwusstsein seiner musicalischen Macht, kümmerte sich nicht\nviel darum. Viele Musikstücke musste Mozart auf Schika-\nneder's Verlangen ändern. Das Papageno-Lied, welches\nSchikaneder, der sich die Rolle des Papageno vorbehielt,\nwie es Anfangs war, bei dem geringen Umfange seiner\nStimme, oder vielmehr bei dem gänzlichen Mangel einer\nStimme, nicht singen konnte, musste ganz einfach gehalten\nwerden, und ist doch so melodiös, so reizend lieblich. Das\nDuett „Bei Männern, welche Liebe fühlen* änderte Mo-\nzart drei Mal; immer sagte Schikaneder: „Bruder, es ist\nsehr schön, aber es ist mir zu gelehrt.\" Endlich trällerte\nihm Schikaneder mit seiner heiseren Stimme etwas vor,\nund der gute Mozart sagte ganz geduldig: „Nu, sollst es\nso haben.\" Zu beklagen ist nur, dass Mozart die zwei\nersten Entwürfe des Duetts zerriss.\nJetzt war der grösste Theil der Oper fertig. Mozart\narbeitete rastlos. Süssmayer, der Schüler Mozart's, half in-\nstrumentiren; er war mit seines Lehrers Willen innig ver-\ntraut, und einiges Nebenwerk, versteht sich nach früher\nerhaltener gemessener Angabe seines Meisters, soll ganz\nvon ihm sein. Der Priesterchor: „0 Isis, Osiris\", die Pa-\npageno-Lieder und das zweite Finale wurden am 12. Sep-\ntember, der Priestermarsch und die Ouvertüre erst am 28.\nSeptember geschrieben, so zwar, dass man die letztere bei-\nnahe noch nass ins Orchester zur Probe brachte. Endlich\nam 30. September 1791 fand nach vielen Proben die\nerste Aufführung Statt. Merkwürdig war es, dass bei der-\nselben das Publicum, vermuthlich durch die vielen grossen\nSchönheiten der Musik und durch den seltenen Reichthum\nder Motive so überrascht, so verblüfft war, dass der Beifall\nmit dem späteren beispiellosen Erfolge des Werkes in kei-\nnem Verhältnisse stand. Mit jeder Wiederholung nahm der\nEnthusiasmus zu, und das Meisterstück der Tonkunst wurde\nin Kurzem vollkommen begriffen und vollkommen gewür-\ndigt, so dass an sechszehn Abenden nach einander die Zau-\nberflöte gegeben wurde. Mozart dirigirte die ersten drei\nMale persönlich; Süssmayer sass neben ihm und blätterte\num, Henneberg, Capellmeister im Wiedener Freihaus-Thea-\nler und Organist bei den Schollen, versah das Glocken-\nspiel. Sonderbar und als Beleg für die Bescheidenheit des\ngrossen Mozart mag der Umstand gelten, dass, als am er-\nsten Abende am Schlüsse der Oper der Componist stür-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "309", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570926-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4623, "texte": "misch und anhaltend gerufen wurde, er sich überall ver-\nbarg, um nicht erscheinen zu müssen, bis ihn Schikaneder\nund Süssmayer aus seinem Verstecke holten und mit Ge-\nwalt auf die Bühne zogen.\nDa die erste Besetzung der „ Zauberflöte\" erst kürz-\nlich in diesen Blättern angeführt wurde*), so enthalten wir\nuns, sie zu wiederholen und erwähnen nur, dass in Folge\nder Erkrankung des zweiten Genius der kleine Maurer,\nwelcher vier Jahre später den Sarastro sang und einer der\ngrössten Bassisten Deutschlands wurde, diese Partie über-\nnahm, dass Sebastian Mayer, ein Schwager Mozart's,\nso oft Schikaneder durch Unwohlsein oder Laune verhin-\ndert war, den Papageno zu geben, mit ihm in dieser Rolle\nalternirte, dass bei dem bald erfolgten Uebertritte der De-\nmoiselle Gottlieb ins Leopoldstädter Theater Mad. Witt-\nmann, und bei dem Engagement des Herrn Rousseul im\nBurgtheater Herr Hai bei, ebenfalls ein Schwager Mozart's\nund schon früher bei Schikaneder engagirt, den Monosta-\ntos übernahm.\nDie Oper wurde im October 1791 vierundzwanzig\nMal gegeben und brachte trotz des beschränkten Raumes\nund der damals bestehenden Wohlfeilheit des Eintrittes die\nSumme von 8443 Fl. bis zum 1. November ein, was bei-\nnahe fabelhaft erschien. Fortdauernd gab man sie fleissig;\naber der immer schwächer werdende Meister, welcher schon\nseit seiner Reise nach Prag oftmals kränkelte, und den die\nimmerwährenden geistigen Anstrengungen (er schrieb Cle-\nrnenza di Tito, die Zauberflöte und sein Requiem beinahe\nxu gleicher Zeit) schon ganz aufgerieben hatten, vernahm\nseine Triumphe nur durch Hörensagen. Er verliess damals\nschon selten sein Bett, aber nicht mehr das Zimmer.\nAls am 20. November 1792 die Zauberflöte zum\n83. Male aufgeführt wurde, schrieb Schikaneder aus Spe-\nculation auf den Anschlagzettel zum hundertsten Male, was\nober unrichtig war. Eben so las man auf den Affichen am\n22. October 1795 zum 200. Male, indess es nur das\n135. Mal war.\nMozart trug die Zauberflöte sehr wenig ein, da Schi-\nkaneder ihn schlecht honorirte, überdies die Partitur an\nviele Bühnen verkaufte und den grossen Schöpfer derselben\ndabei nicht betheiligte. Wenn man den guten, edlen Mann\nauf dieses Unrecht, welches um so grösser war, als Mozart\nihn gerettet hatte, aufmerksam machte, sagte er nichts, als:\n„Was soll ich mit ihm machen? er ist ein Lump!\" und da-\nmit war es abgethan. Offenbar hatte nebst der schon vor-\nhandenen Lebensgelährlichkeit seines Zustandes die alle\nphysischen Kräfte übersteigende Arbeit, das Nachtwachen\nund der Genuss geistiger Getränke, um den Schlaf zu ver-\nscheuchen, seinen Tod antieipirt. Noch einen Tag vor sei-\nnem Tode sagte er zu seiner Gattin, der nachherigen Frau\nvon Nissen, aus deren Munde Schreiber dieses es selbst\nhörte: „Noch einmal möchte ich doch meine Zauberflöte\nhören!\" und summte mit kaum vernehmbarer Stimme:\n„Der Vogelfänger bin ich ja\". Der verstorbene Capellmei-\nster Roser, der an seinem Bette sass, stand auf, ging zum\nCiavier und sang das Lied, was Mozart sehr zu erheitern\nschien. Den anderen Morgen verschied er; es war am 5.\nDecember 1791, früh um 1 Uhr. Das Leichenbegängniss\nfand am 7. December unter dem fürchterlichsten Schnee-\ngestöber Statt. Die einzigen Begleiter seines Sarges waren\nCapellmeister Roser, der Violoncellist Orsler vom Hoftheater-\nOrchester und Süssmayer. [!!] Seine Gattin lag krank danieder;\nSchikaneder war nicht dabei! Am 27. Januar 1756 ge-\nboren, war »Mozart daher noch nicht volle 36 Jahre alt.\nWie viel Grosses hätte er bei längerer Lebensdauer noch\nleisten können! Seine Mitwelt und die Nachwelt sind zu\nbeklagen, aber er selbst ist glücklich zu preisen, dass er\ndie- Hinfälligkeiten des Alters nicht empfand oder sie in\nspäteren Werken nicht verrieth; dass er gerüstet und ge-\nharnischt die Erde betrat, um sie in vollem Waffenschmucke\nwieder zu verlassen.\nNoch sei zur Ehre Schikaneder's schliesslich erwähnt,\ndass der Verfasser dieser Notiz, welcher diesen Mann in\nspäterer Zeit sehr oft zu sprechen Gelegenheit hatte, ihn\nnie Mozart's Namen nennen hörte, ohne dass ihm Thränen\nins Auge traten.\n\n*) Sie war folgende: Sarastro Herr Ger 1; Tamino Herr Scha c k ;\nKönigin der Nacht Mad. Hofer; Pamina Demoiselle Gott-\nlieb(lBs6 |); Papageno Herr Schik aneder; Papagena Mad.\nGerl; Monostatos Herr Nousseul; die drei Genien kleiner\nRuess, kleiner Neukäufl er, kleiner Appel; die drei Da-\nmen Demoiselles Cons t an t ini, die ältere und jüngere, Mad.\nMise hei; die drei Sclaven die Herren Hölmböck, Dea-\nbis, Segatta; die drei Priester die Herren Trittenwein,\nGieschke, Weiss; der Sprecher Herr Winter; die zwei\nfeurigen Männer die Herren Sterke und Eramerl.\n\nH—n."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-09-26-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-09-26_01#c004", "volume": "bmtnabi_1857-09-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "309", "page_fin": "311", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570926-01.2.4", "titre_corps": "Das Beethoven-Concert am 23. 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September in Bonn.\n\nDie dreiunddreissigste Versammlung deutscher Natur-\nforscher und Aerzle, w elche Ende voriger und Anfangs die-\nser Woche in Bonn tagte, wurde Veranlassung, dass die\nStadt neben anderen Festlichkeiten auch ein grosses Con-\ncert giib, wozu sie sämmtliche Theilnehmer an der Ver-\nsammlung einlud."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "310", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570926-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5054, "texte": "Das Comite, welches die Veranstaltung des Coneertes\nübernommen halte, begegnete allen Schwierigkeiten der\nFeststellung des Programms von vorn herein durch den\nglücklichen, der Oertlichkeit ganz angemessenen Entschluss,\nnur Compositionen von Beethoven aufzuführen. Auf diese\nW eise verband die Geburtssladt des Meisters mit der Eh-\nrenbezeigung für die Männer der Wissenschaft, die sie be-\nherbergte, zugleich eine Huldigung, die dem Andenken des\ngrossen Künstlers gebührte.\nSo entstand folgendes Programm:\nErste Abtheilung: 1. Ouvertüre zu Egmont;— 2. Con-\ncert in Es-dur für Pianoforte und Orchester, gespielt vom\nMusik-Director Ed. Franck aus Köln;—3. aus\nder Missa solemnisin D-dur;—4. Concert lür Violine und\nOrchester, gespielt von dem Concertmeister Joachim aus\nHannover; 5. ~Sanclus\" und „Benedictusu aus der Missa\nsolemnis.— Zweite Abtheilung: Sinfonie Nr. V. in\nDie Direction hatte Ferd ina n d Hiller auf Einla-\ndung des Comite's übernommen; das Orchester war zahl-\nreich und gut besetzt, der Chor recht klangvoll, besonders\nim Sopran und Alt, und trefflich eingeübt. Die Soli in den\ndrei Sätzen aus der Messe sangen Fräul. Dannemann\naus Elberfeld, Frau B. aus Köln, Herr Klein aus Bonn\nund Herr M. DuMo nt - F ier aus Köln. Das Local, die\nReitbahn im Universitäts-Gebäude, zu einem Saale, der an\n1400 Zuhörer fasste, recht geschmackvoll umgeschaffen.\nist zwar dem Klange nicht ungünstig, aber bei Weitem\nnicht hoch genug, um ihm vorteilhaft zu sein. Immerhin\naber hat Bonn, wenn die Benutzung verstattet bleibt, bei\ndieser Gelegenheit eine grosse Räumlichkeit gewonnen, de-\nren Mangel bisher schon oft die Veranstaltung grösserer\nFest-Reunionen hinderte.\nDas grösste Interesse nahmen die zwei grossen Con-\ncerte in Anspruch; die Principalstimmen wurden in beiden\nso vortrefflich ausgeführt, dass man nicht entscheiden kann,\nwelchem von den zwei Künstlern die Palme zuzuerkennen\nsein dürfte. Beide zeigten sich von der Aufgabe durchdrun-\ngen, den hohen und edlen Geist, der in diesen Werken\nherrscht, die ihres Gleichen in der musicalischen Literatur\nnicht haben, auf echt künstlerische Weise wiederzugeben,\nund sie iös'len diese Aufgabe auf eine solche Weise, dass\nman wirklich sagen kann, der Genius Beethoven's habe sie\nangeweht.\nlieber das Spiel im Einzelnen können wir nur wieder-\nholen, was wir an einer anderen Stelle darüber gesagt ha-\nben. Im Clavier-Concert dürfte der erste Salz bei aller Vor-\ntrefflichkeit des Vortra gs durch ein nur etwas Weniges lang-\nsameres Zeitmaass vielleicht noch breiter und gewaltiger\nhervorgetreten sein, wiewohl das Tempo keineswegs ein\nverfehltes war. Wir meinen nur, dass durch zu schnelle\nBewegung gar leicht in die Bravourstellen Beethoven'scher\nCiaviermusik eine gewisse Farbe der Modernität kommt,\ndie ihnen fremd ist und bleiben sollte. Wir fühlen aber auch\nrecht gut, wie schwer es einem Spieler, der mit allen Vor-\nzügen der neueren Technik vertraut und gleichsam verwach-\nsen ist, fallen muss, diese Technik zu zügeln, ja, manchmal\nfast zu verläugnen; und so könnte man denn vielleicht in\ngewissem Sinne nicht mit Unrecht von manchen Stellen sa-\ngen, dass sie zu gut gespielt worden sind. Das Adagio\ntrug Franck unübertrefflich schön vor: der Anschlag und\ndie Färbung des Ausdrucks gaben hier auf die vollendetste\nund edelste Weise das Gefühl wieder, welches die Seele\ndes Künstlers füllte. Die heilige Weihe, die über diesem\nwundervollen Tonstücke ruht, wehte uns an das war\nmehr als ein Kunstgenuss, das war eine Feier der Kunst.\nDasselbe Lob der grössten Meisterschaft im Spiel im Ver-\nein mit geistiger Durchdringung müssen wir auch dem Vor-\ntrage des letzten Satzes zollen, dessen Zeitmaass zweifels-\nohne das einzig richtige war. Dem Künstler wurde bei sei-\nnem Auftreten und am Schlüsse der ehrenvollste Beifall\ngespendet.\nJoachim wurde bei seinem Auftreten ebenfalls leb-\nhaft begrüsst. Sein Spiel entzückte allgemein; es drang bei\nden zarten Gesangstellen tief in die Seele und erregte bei\nden kräftigen durch die Fülle und Gewalt des Tones Er-\nstaunen. Wenn bei alledem die Ausführung nicht ganz an\ndie hohe Vollendung reichte, welche uns Rheinländern von\nJoachim's Vortrag desselben Concerls auf dem Musikfeste\nzu Düsseldorf in unvergesslichem Andenken ist, so trug of-\nfenbar die übermässige Hitze in dem überfüllten Saale die\nSchuld davon. Verschweigen dürfen wir aber nicht, dass\nuns die diesmaligen Cadenzen, mit Ausnahme der kleineren\nam Schlüsse des Andante's, nicht befriedigt haben: Beet-\nhoven'sche Motive waren in dieser Abgebrochenheit kaum\ndarin zu erkennen, und um unerhörte Schwierigkeiten, de-\nren Bewältigung selbst einem Joachim Mühe macht, anzu-\nbringen, dazu ist doch Beethoven zu gut.\nVon den Gesangsachen war die Ausführung des\nlobenswert!) und machte einen tiefen Eindruck. Weniger\ngelangen die Solosätze in dem Sanclus und Benedictus. Hat\nBeethoven die zwei Sätze Plcni sunt coeli und Osanna\nwirklich für vier Solostimmen Lei so furchtbarem Orche-\nsterlärm geschrieben? Wir meinen irgendwo gelesen zu\nhaben, dass er sie für Chor bestimmt habe. Vielleicht kann"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "311", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570926-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1067, "texte": "v*\nA. Schindler Auskunft geben, der hiermit darum freundlichst\nersucht wird. Wir unserestheils würden es uns nicht als\nVerbrechen anrechnen, diese Sätze vom Chor singen zu\nlassen.\nDie Ouvertüre und die Sinfonie wurden im Ganzen\nrecht gut gespielt, von der Sinfonie besonders die drei letzten\nSätze mit Schwung und befriedigendem Ausdruck. Die Aus-\nführung des ersten Satzes stand gegen die andern um Man-\nches zurück, der Ausdruck mangelte in den zarten Stellen\ndes zweiten Motivs, und die feinere Präcision, so wie die\nGleichmässigkeit des Strichs wurde bei den Saiten-Instru-\nmenten manchmal vermisst ein neuer Beweis, wie selbst\ndie bekanntesten Werke bei einem aus verschiedenen Orten\nzusammengezogenen Orchester mehr Proben verlangen, als\nbei solchen Gelegenheiten in der Regel möglich sind.\nDas ganze Concert war ein recht erhebendes und mu-\nsikfestliches; alle Anwesenden über 1200 Zuhörer\nwerden eine schöne Erinnerung daran mit in ihre Heimat\nnehmen. Dem Dirigenten wurde am Schlüsse ein jubelndes\nHoch von dem Publicum und den Kunstgenossen gebracht.\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-09-26-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-09-26_01#c005", "volume": "bmtnabi_1857-09-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "311", "page_fin": "312", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570926-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "311", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570926-01.1.7", "debut_caractere": 1069, "fin_caractere_exclue": 6645, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMalaia» Unsere Opern-Saison hat begonnen. Die vier ersten\nVorstellungen waren Trovatore von Verdi (2 MaP, Figaro's Hoch-\nzeit und Lucia von Donizetti. Die nächste Oper wird Ernani von\nVerdi sein Wie es scheint, sollen wir diesen Winter gründlich mit\nitaliänischer Speise gefüttert werden.\nJTls&nnlietm« Das letzte Theaterjahr hat ein Deficit von 10,000\nFl. ergeben. Wir verwundern uns nicht zu sehr darüber, da die\npomphafte Ausstattung der aufzuführenden Werke ungeheure Sum-\nmen kosten muss.\nDer gegenwärtig in Wiesbaden verweilende Bassist Karl For-\nmes hat mit einem americanischen Unternehmer auf längere Zeit\nContract abgeschlossen. Formes erhält gegen die Verpflichtung, vier\nMal wöchentlich, und zwar in allen americanischen Staaten, zu sin-\ngen, eine Monats-Gage von c. 2000 Thlr. und freie Reise. So be-\nrichten wenigstens berliner Blätter.\nDer Tenorist Steger wurde für diesen Winter in Darmstadt\nengagirt mit 1000 Fl. per Monat. Auch soll die Hofbühne mit einer\nFest-Oper zu Ehren der anwesenden Czaarin früher eröffnet werden.\nStimmen aus Wien über den Tannhäuser von Rieh.\nWagner. Richard Wagner's „Tannhäuser\" ist endlich\nbis hieher, wenn auch nicht in die innere Stadt Wien, doch minde-\nstens nach Lerchenfeld gedrungen und am 28. August im Thalia-\nTheater aufgeführt worden. Der Erfolg, den das vielbesprochene Werk\nhier errungen, wird durch die darin enthaltenen zahlreichen Schön-\nheiten, wie durch das jedenfalls bedeutende Talent, das aus der An-\nlage des Ganzen hervorleuchtet, hinlänglich erklärt. Dieses Talent\nisf allerdings kein specifisch musicalisches. Im Tannhäuser sehen wir\ndas Ergebniss einer aussergewöhnliclien dramatisch-poetischen Ge-\nstaltungskraft, mit welcher die musicalische Begabung des Tonsetzers\nleider nicht gleichen Schritt zu halten vermag. Alle Theorieen, wel-\nche Herr Wagner in seinen Schriften aufgestellt hat, können nicht\nverhindern, dass man eine Oper Oper nenne, dass man Tann-\nhäuser als Oper, d. h. nach demselben Maassstabe messe, nach dem\nman Iphigenie, Don Juan, Fidelio, Euryanthc zu messen pflegt, dass\nman sich z. B. frage, ob musicalischer Gehalt des Werkes an und\nfür sich von Bedeutung ist und ausserdem mit dem gegebenen dra-\nmatischen Vorwurf in Einklang steht. Dieser Grundsatz wird sei.no\nGeltung behalten, so lange es in der Kunst weit Opern gibt eine\nBezeichnung, der sich die bisherigen Wagner'schen Werke durchaus\nnicht entziehen können. Von diesem Standpunkte aus betrachtet\nund wir gestehen, dass uns kein anderer vernünftiger Weise möglich\nerscheint —, bietet der Tannhäuser keineswegs die wünschenswerthe\nFülle und Mannigfaltigkeit musicalischer Erfindung; ferner ist die\noft willkürliche, die Gesetze der Schönheit wie des menschlichen\nKehlen-Organismus verletzende Behandlung der Singstimmen zu rü-\ngen, und endlich zu bedauern, dass der als Reformator auftretende\nComponist in seiner Orchestration leider dem Ungewöhnlichen, Bi-\nzarren absichtlich nachzujagen scheint, ein Fehler, der allerdings\ndurch viele Stellen von überraschender Wirkung, Lieblichkeit und\nergreifender Innigkeit aufgewogen wird. Es fehlt denn auch weder\nan effeetvollen Momenten, wo die kraftvolle Massen Wirkung gerecht-\nfertigt erscheint, noch an einzelnen, selbst in speciel musicalischer\nBeziehung genial zu nennenden Stellen, WTO die überströmende Em-\npfindung den schönsten, hinreissendsten Ausdruck findet. Rechnen\nwir dazu die markvollen Recitative, die theils blendenden, theils\ndurch schöne Einfachheit gewinnenden Charakterzüge der handeln-\nden Personen, die poetische Anlage und Bearbeitung des dramati-\nschen Stoffes rechnen wir noch hinzu den unberechenbaren Ein-\ndruck, den (auf einer dazu geeigneten Bühne; eine allseitig vorzüg-\nliche Aufführung und glänzende Ausstattung hervorbringen müsste,\nso kann man sich die Bedeutung dieses Werkes für unsere gegen-\nwärtige Opern weit leicht erklären. Und ein solches Werk, dessen\nAufführung für jede grosse Opernbühne eine Pflicht und ein Vor-\ntheil war, musste sich dieselbe fast überall mit grosser Mühe als\neine Vergünstigung erkämpfen! Welche Zustände müssen das sein,\nunter deren Herrschaft die Schöpfung des Talents auf diese Art zu-\nrückgewiesen, der Aufschwung der Geister immer aufs Neue gehemmt\nund gehindert wird?!\nDass die Aufführung des Tannhäuser im Thalia-Theater keine\nim oben angedeuteten Sinne genügende sein konnte, liegt auf der\nHand. Nur Fräul. Friedlowsky machte eine Ausnahme. In die-\nsem Mädchen liegt der Stoff zu einer bedeutenden Künstlerin. Wir\nwerden auf ihre schöne Leistung als Elisabeth noch zurückkommen.\nFräul. Lieven (Venus) hielt sich mit ihrer schwierigen Partie ganz\ntapfer. Auch Herr Egghard wäre mit seiner klangvollen Stimme\ngut durchgekommen, wenn nicht die unsinnigen Wiederholungsgelüste\neiniger Claqueurs ihn ermüdet hätten. Herr Kamin ski hätte Ein-\nzelnes gut wiederzugeben gewusst, allein der in wenigen Monaten\nvollbrachte Ruin seiner Stimme vereitelte sein redliches Streben. Die\nDarsteller der zweiten Rollen (namentlich Herr Patzelt) leisteten\nGenügendes Herr Schott aus Hannover hatte aus Gefälligkeit die\nPartie des Landgrafen übernommen Herr Stolz verdient das wärm-\nste Lob für die intelligente Leitung des Ganzen. Die in vielen Blät-\ntern pomphaft angekündigte Ausstattung ist sehr bescheiden und\ndürfte keine bedeutenden Auslagen verursacht haben.\n(W. Monatschrift f. Th. u. M.)\nDas sehr zahlreich versammelte Publicum folgte der Oper mit\ngrosser Aufmerksamkeit und liess sich das Septettf im ersten Acte,\nein in der modernen italiänisehen Opernweise gehaltenes effectvolles"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "312", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570926-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4622, "texte": "Tonstück, wiederholen. Besonderes Interesse erregte auch der schöne\nPilgerchor, dann der Einzugsmarsch im zweiten Acte und der Sän-\ngerkampf auf der Wartburg, dessen vorzügliches scenisches Arran-\ngement alle Anerkennung verdient. Ueberhaupt ist die Ausstattung\neine glänzende, und Director Hoffmann hat nichts versäumt, um\ndas bedeutungsvolle Werk würdig vorzuführen.\n(Neue Wiener Musik-Zeitung.)\nC. M. Die Autographenschätze des verstorbenen k. k. Gu-\nbernialrathes Karl Ronner von Ehrenwerdt in Leipzig bei T.\nO. Weigel werden am 26. October d. J. unter den Hammer kommen.\nDie Sammluug 3OOO Nummern stark ist vorzüglich in italiäni-\nschen Handschriften ausgezeichnet. Der Besitzer hat lange in Vene-\ndig, Verona und Mailand gelebt. Fast alle Koryphäen der musi-\ncalischon Literatur sind hier vertreten, als da sind: Gluck, Haydn,\nMozart, Cherubini, Cimarosa, Beethoven, Mendelssohn. Ausserdem\nbegegnen wir noch Bellini, Donizetti, Fr. v. Drieberg, Angelica Ca-\ntalani, Gir. Crescentini, Auber, Metastasio und seinem Freunde Gra-\nfen Daniel Florio, F. Bertoni, Stef. Arteaga, E. F. Chladni, Mich.\nCaraffa, Pasq. Caforo u. s. w. Von Cimarosa sind vier Seiten Noten\nmit Text, beglaubigt durch seinen Sohn Paolo, von Mozart ein Brief-\nlein aus Paris (11. September 1778), fünfzehn Zeilen mit Adresse\nan seinen Vater, auf der Rückseite der Adresse geschrieben, mit den\nWorten scliliessend: . Was Ich Ihnen geschrieben von diesem\nHerrn, lassen Sie Sich nichts merken ich bezahle so Leute gern\nmit Höflichkeit. Das thut ihnen weher, denn sie können nichts\ndarauf sagen, Adieu.\" Auf der Adresse von des Vaters Hand: ~Den\n22. Sep. erhalten, den 24. beantwortet.\" Es ist uns geglückt, eine\nCopie von dem s\\ib 562 verzeichneten Briefe Beethoven's zu erhal-\nten. Der Brief ist an Fräul. Gerardi gerichtet, eine Seite in Quart,\ndas zweite Blatt enthält die Adresse:\nA Mademoiselle\nMademoiselle de\nGerardi,\nund das Siegel. Der Brief ist äusserst deutlich geschrieben und\nlautet:\n„Meine liebe Fräulein G., ich müsste lügen, wenn ich Ihnen\nnicht sagte, dass die mir eben von ihnen überschickten Verse mich\nnicht in Verlegenheit gebracht hätten, es ist ein eigenes Gefühl sich\nloben zu sehen, zu hören und dann dabei seine eigene Schwäche\nfühlen, wie ich: solche Gelegenheiten betrachte ich immer als Er-\nmahnungen, dem unerreichbaren Ziele, das uns Kunst und Natur\ndarbeut, näher zu kommen, so schwer es auch ist. Diese Verse\nsind wahrhaft schön bis auf den einzigen Fehler, dass sie in Rück-\nsicht des Gegenstandes zu wenig Wahrheit haben, ein Fehler, den\nman zwar schon gewohnt ist bei Dichtern anzutreffen, indem sia\ndurch die Hilfe ihrer Phantasie verleitet werden, das was sie\nwünschen zu sehen und zu hören, wirklich hören und sehen,\nmag es auch weit unter ihrem Ideale zuweilen sein. - Dass ich\nwünsche den Dichter oder die Dichterin kennen zu lernen,\nkönnen Sie wohl denken, und nun auch ihnen meinen Dank für ihre\nGüte, die sie haben\n„für ihren sie verehrenden\n„L. v. Beethoven.\"\nNr. 563 ist ein anderes Manuscript von Beethoven, ein Quart-\nblatt, mit grossen kühnen Zügen beschrieben, zwei Seiten theosophi-\nsehen Inhalts, also beginnend: „Gott ist immateriell; da er unsicht-\nbar ist, So kann er keine Gestalt haben. Aber aus dem was wir\nvon Seinen Werken gewahr werden, können wir Schlüssen, dass er\newig, allmächtig, allwissend und allgegenwärtig ist. Was frei ist\nvon aller Gelüst und Begier, das ist der Mächtige\" u. s. w.\nNicolai's Oper „Die Heimkehr des Verbannten\", welche seit\nmehr als zehn Jahren vom Repertoire entfernt war, kommt im Hof-\nOpern-Theater zu Wien neu zur Aufführung. Verdi's Sicilianische\nVesper gelangt in den ersten Tagen des October zu Gehör.\nHerr Anton Spina, Doctor der Rechte, Kanzlei-Vorsteher und\nReferent der Ersten Österreichischen Spareasse und allgemeinen Ver-\nsorgungs-Anstalt, k. k. Hof- und Hof-Kriegs-Agent, Mitglied der\njurid. Facultät, corresp. Mitglied der k. k. Mähr.-Schles. Gesellschaft\ndes Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde und früherer Chef der\nMusicalienhandlung Diabelli, ist am 8. September, um 8 Uhr Abends,\nin Wien nach längerem Leiden gestorben. Er war ein warmer\nFreund der Kunst und der Künstler.\nDie Sängerin Anna Zerr hat sich mit dem k. k. Hauptmann\nv. Rosenberg vermählt.\nOle Bull, der ausgezeichnete Virtuose, ist nach langer, oft trü-\nber musicalischer Irrfahrt in America wieder in sein nordisches Va-\nterland zurückgekehrt, in Christiania angelangt und mit Herzlichkeit\nvon seinen Landsleuten empfangen worden.\nMad. de Lagrange hat New-York verlassen und ist nach\nEuropa zurückgekehrt; dieselbe soll sich in America mehr als 50,000\nDollars ersungen haben."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "305", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570926-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nErinnerung an B. Klein Die Entstehung der Zauberflöte. Das Beethoven-Concert am 23. September zu\nBonn. Tages- und Unter Ii altungsblatt (Mainz Mannheim Der Bassist Karl Formes Steger Stimmen aus Wien über\nden Tannhäuser Versteigerung von Autographen und Brief von Beethoven Nicolai Anton Spina y Anna Zerr Ole Bull\nMad. de Lagrange). • • ' 1\n\nErinnerung an Bernhard Klein.\nDie Sing-Akademie und der Männergesang-Verein zu\nKöln begingen am 9. September, dem Tage, an welchem\nBernhard Klein vor fünfundzwanzig Jahren gestorben war,\ndessen Gedächtnissfeier durch Aufführung seines Oratoriums\nJephta (vgl. Nr. 37, Köln). Dies veranlasst uns, einige\nbiographische Nachrichten über ihn zu geben.\nBernhard Klein ist 1794 zu Köln geboren. Seine\nJugend war nicht von dem Schimmer, des Wohllebens um-\nleuchtet, er musste vielmehr die Kunst, zu welcher ihn\nseine vorherrschende Neigung und eine früh ans Licht\ntretende aussergewöhnliche Natur-Anlage trieben, als Er-\nwerbsmittel schon in den Jahren benutzen, welche bei\nglücklichen Verhältnissen allein der consequeriten Entwick-\nlung der geistigen Kräfte und dem Studium gewidmet wer-\nden. Auch wissen wir nicht, dass er den Unterricht irgend\neines berühmten Lehrers der Tonkunst genossen hätte.\nAlles aber ersetzte das angeborene Talent, die unermüd-\nlichste Wissbegierde und ein beharrlicher Fleiss.\nDiese machten es ihm denn auch trotz der beschränk-\nten Umstände möglich, im Jahre 1812 nach Paris zu gehen.\nSein dortiger Aufenthalt dauerte zwar nur sechs Monate,\nallein er gab dennoch seiner künstlerischen Entwicklung\nSchwung und neues Leben und Streben. Cherubini unter-\nstützte den Jüngling mit freundlich theilnehmendem Rathe,\ndie grossen Musik-Aufführungen öffneten ihm tiefere Blicke\nin das Wesen der Kunst und regten seine Phantasie mäch-\ntig an, und vor Allem förderte die Benutzung der Biblio-\nthek des Conservatoriums seine Studien, die jedoch trotz\ndes Musikgepränges, das in Paris auf die Gemüther junger\nKünstler oft das ganz Entgegengesetzte wirkt, von jetzt an\neine vorzugsweise Richtung auf die ernste, namentlich auf\ndie geistliche Musik nahmen, lür welche er denn auch, wie\nbekannt, das Beste geleistet hat.\nNach seiner Rückkehr nach Köln leitete er die Kir-\nchenmusik im Dome, bis er im Jahre 1819 mit Unter-\nstützung der preussischen Regierung nach Berlin ging, wo\ner nach wenigen Jahren einen ausgedehnteren und seiner\nNeigung völlig zusagenden Wirkungskreis fand, sowohl in\nseiner öffentlichen Stellung als Gesanglehrer an der Univer-\nsität und Lehrer des Contrapunktes und des Generalbasses\nan der Orgelschule (seit 1822), als in Privatkreisen.\nEine Reise nach Italien war namentlich der genaueren\nForschung über die alte Kirchenmusik gewidmet und wurde\nüberhaupt für den nun schon gereiften Meister fruchtbar.\nIn Berlin stiftete er mit Ludwig Berger die jüngere Lieder-\ntafel und stand in höchster Achtung als Lehrer des Gesan-\nges und hauptsächlich der Theorie und Composition, wäh-\nrend seine gediegenen Wrerke seinen Ruf als Tondichter\nüber das ganze Vaterland verbreiteten.\nDer Verlust einer geliebten Gattin, welche der Tod\nin der Blüthe ihrer Jahre dahinraffte, warf auf den Rest\nseines Lebens einen düsteren Trauerschatten. Er zog sich\nfast ganz von äusserer Wirksamkeit und vom Umgange\nmit der Welt zurück und lebte nur noch für seine heilige\nKunst. Allein auch seine Tage waren bereits gezählt; im\nschönsten Mannesalter, im neununddreissigsten Lebensjahre\nmusste er von dieser Welt scheiden: eine schnell zerstö-\nrende Schwindsucht brachte ihm am 9. September 1832\nden Tod.\nBei seinem Begräbnisse auf dem katholischen Kirch-\nhofe zu Berlin ertönten Trauergesänge; die Sing-Akademie\nehrte sein Andenken durch eine besondere Feier, bei wel-\ncher ein Requiem von Th. Hellwig, ein Grabgesang von\nC. F. Rungenhagen und ein von dem dahinge-\nschiedenen Meister selbst erklangen. Am 21. September"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "306", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570926-01.1.2", "texte": "wurde in der St.-Hedwigs-Kirche Mozart's das\ndamals noch nicht lür die kirchliche Seelenmesse verpönt\nwar, unter Mitwirkung der Mitglieder der Sing-Akademie\nund der königlichen Capelle aufgeführt.\nBernhard Klein verdankt seinen Ruf als Componist\nhauptsächlich seinen Werken auf dem Gebiete der geist-\nlichen Musik, namentlich seinen Oratorien und Cantaten,\nund den reichhaltigen Heften von Gesangstücken ernsten\nStils für mehrstimmigen Männerchor.\nDas erste bedeutende Werk der Art war sein „Hiob,\nCantate mit Chören\". Es erschien 1820 in Partitur\nund im Clavier-Auszuge bei Breilkopf & Härtel in Leipzig.\nDie Form dieses Werkes, in welchem nur Eine Solostimme\n(Hiob) d ominirt (denn die wenigen Recitative eines der\nFreunde Hiob's sind unbedeutend), mit welcher die Chöre\nabwechsein, ist dem Ganzen nicht günstig, indem sie eine\ngewisse Monotonie veranlasst. Abgesehen davon, ist das\nWerk reich an musicalischen Schönheiten und zeigt eine\nGewandtheit in Handhabung alles Formeilen und in Be-\nhandlung der Polyphonie, die von allen Kennern mit der\ngrössten Anerkennung aufgenommen wurde.\nDer Stil ist einfach, nach älteren Mustern, wie Bach\nund namentlich Händel, gebildet, das bloss oder vorzugs-\nweise sinnlich Reizende ist durchweg verschmäht. Dadurch\nist aber das Declamatorische in der Solostimme fast zu vor-\nherrschend geworden, während in den Chören das contra-\npunktische Element vorwiegt, wrelches allerdings meist\ntrefflich verwandt worden ist, aber auf der anderen Seite\ndoch auch hier und da zu sehr an die Schule erinnert, und\nbei der strengen Durchführung sich nur selten zu dem im-\nponirenden Schwünge der freieren Schreibart erhebt, die\nz. B. nachher Mendelssohn auf so glückliche Weise mit\nder contrapunktischen zu verbinden wusste. Diese Bemer-\nkung gilt im Allgemeinen auch von vielen Chören der spä-\nteren Werke B. Klein's, während sie alle in Bezug auf\nEinheit des Stils und gediegene Arbeit nicht den geringsten\nRaum zum Tadel bieten, auch in Form und Anwendung\nmanches Eigentümliche haben, was Mendelssohn nachzu-\nahmen keineswegs verschmähte.\nSo ist zum Beispiel gleich in der Einleitung des Hiob\ndie fast recitativische Behandlung der Einzelstimmen des\nChors schön erfunden. Die Freunde und Diener Hiob's treten\nauf mit der Unglückskunde. Die Soprane sprechen zuerst\nden Satz aus: „Es pflügten deine Rinder, es weideten die\nHer den: da kamen aus Arabien die Feinde\" u. s. w.\nDie Altstimmen nehmen dieselbe musicalische Phrase eine\nQuarte tiefer mit den Worten auf: „Das Feuer fiel vom\nHimmel, verzehrte Schafe und Knaben; wir sind allein ent-\nronnen!\" dann die Tenöre: „Es freuten sich deine Söhne\ndes Segens, da kam der Sturm der Wüste sie starben.\"\nIn der ersten Nummer von Mendelssohn's Elias finden wir\neine ähnliche Behandlung des Chors.\nAuf Hiob's Klage: „ II err, Du verlassest mich, verwan-\ndelt bist Du mir soll der Gerechte also leiden?\" antwor-\ntet die Stimme des Herrn. B. Klein lässt ihre Worte:\n„Wer ist der, der so redet mit Unverstand?\" u. s. w.\ndurch sämmtliche lenöre und Bässe im Unisono wie im\nCantus firmusdes alten Choralgesanges mit der Begleitung\nvon Grund-Accorden ertönen. Bekanntlich gibt sie Mendels-\nsohn im Paulus den Sopranen und Allen des Chors, aber\nmehrstimmig. Dagegen finden wir auch in Klein's Hiob\njene ältere Behandlung des Re'citativs in Tempo und Quasi\narioso, die nachher Schumann und Wagner bis zur Ueber-\nsättigung des Hörers getrieben haben.\nDas zweite grössere Werk Klein's war die Oper Dido,\nwelche, wenn wir nicht irren, in Berlin im Jahre 1823\nzur Auilührung kam. Er hält darin den declamatorischen\nStil Gluck's fest. Sie hatte, was wir jetzt einen\nd'eslime nennen, erhielt sich aber nicht auf dem Repertoire.\nJedenfalls bedeutender und (besonders in seinem letz-\nten Theile) wohl das Beste, was Klein geschrieben hat, ist\nsein drittes grosses Werk Jephta, Oratorium in drei Thei-\nlen. Ein ursprünglich schalendes Talent paart sich hier mit\nder glücklichsten Nachahmung Händel's; die zwei ersten\n1 heile enthalten kräftige Arien und trefilich gearbeitete,\nauch efl'ectvolle Chöre, z. B. den Schlusschor des zweiten\n1 heiles, und die ganze erste grosse Scene des dritten Thei-\nles, weiche die Rückkehr Jephta's vom Schlachtfelde und\nden Eintritt der Katastrophe durch den Anblick seiner\nTochter schildert, ist genial gedacht und ausgeführt und\nvon wahrhaft dramatischer Wirkung. Es kann nur höchlich\nbedauert werden, wenn unsere Zeit die Auilührung solcher\nWerke vernachlässigt. Man vergleiche einmal solche Schö-\npfungen wie Klein's Jephta und David mit\nChrist von Berlioz, und man wird sich empört fühlen, dass\nauf einem Musikfeste im Rheinlande, der Heimat so grosser\ndeutscher Componisten, eine so Hache und zum Theil pa-\nrodische, folglich heuchlerische Composition wie die ge-\nnannte habe zur Aufführung kommen dürfen. Dass sie mit\nGlanz durchgefallen, war gebührender Lohn lür die Wahl-\nherren und den ausländischen Einfluss, der die Wahl oc-\ntroyirle; aber auch schon der - Conalus, solches Zeug in\ndie Programme der niederrheinischen Musikfeste einzu-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "307", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570926-01.1.3", "texte": "schmuggeln, verdiente Bestrafung durch die Kritik, wie sie\nihm denn auch in reichlichem Maasse geworden.\nEin ausgezeichnetes Werk B. Klein's ist ferner das\nOratorium David. Text von C. G. Körner aufgeführt\nzum ersten Male im Jahre 1830. An dem Texte haften\ngar manche Mängel; besonders ist die erste Hälfte des er-\nsten Theiles und dann der Schluss des Ganzen malt, wäh-\nrend in der Mitte einige gut angelegte dramatische Situa-\ntionen sind.\nAusser diesen Werken soll Klein noch ein Oratorium\n„Athalia\" unvollendet hinterlassen haben, von dem uns\naber nichts bekannt geworden ist.\nVon anderen Kirchenstücken sind ein sechsstimmiges\nMagnificat, ein achtstimmiges und ein vierstim-\nmiges Stabat mater, dessen Chöre besonders geschätzt wer-\nden, zu erwähnen. Am bekanntesten sind durch die Män-\nnergesang-Vereine und die Sängerfesle in Deutschland, den\nNiederlanden und der Schweiz seine acht Hefte geistlicher\nGesänge lür vier Männerstimmen geworden. Die Mehrzahl\nderselben verdient den Ruf, dessen sie noch immer gemes-\nsen, zumal im Gegensatze -zu der leichtfertigen Richtung,\nwelche viele neuere Componisten für den Männergesang\neingeschlagen haben. Klein hatte einen höheren Begriff\nvon der Wirksamkeit dieser Gattung, so wie er eines wah-\nren Künstlers würdig war.\nIn mancher Beziehung merkwürdig und immerhin in-\nteressant sind seine weltlichen Compositionen der Ballade\n„Ritter Toggenburg\" von Schiller und der beiden Göthe'-\nschen: „Der Golt und die Bajadere\" und „Die Braut von\nKorinth\" letztere erst nach seinem Tode durch seinen\nDruder Joseph Klein in Köln herausgegeben. Es sind wohl-\nintentionirle Werke, die jedoch mehr der Reflexion ihre\nEntstehung zu verdanken scheinen, als dem Drange einer\nfrei schadenden, schwungvollen Phantasie.\n\nDie Entstehung der „Zauberflöte“\n\n*)•\nEs war am T.März 1791, als Emanuel Schikaneder,\nder Director des Theaters auf der Wieden im Freihause,\ndes Morgens um 8 Uhr zu Mozart, welcher noch zu Bette\nlag, kam und ihn mit den Worten anredete: „Freund ond\nBruder! wenn du mir nicht hilfst, so bin ich verloren!\"\nMozart, noch ganz schlaftrunken, richtete sich auf und\nsagle: „Womit soll ich dir helfen? Ich bin ja selbst ein\narmer Teufel!\"\nSchikaneder: Ich brauche Geld meine Unterneh-\nmung geht miserabel, die Leopoldsladt bringt mich um.\nMo zart (laut auflachend): Und da kommst du zu mir,\nBruderherz! da bist du zur unrechten Thür gegangen.\nSchikaneder: Ganz und gar nicht! Nur du kannst\nmich retten. Der Kaulherr H. bat mir ein Darlehen von\n2000 Fl. zugesagt, wenn du mir eine Oper schreibst. Da-\nvon kann ich diesen Betrag, meine übrigen Schulden bezah-\nlen und meiner Bühne einen neuen Aufschwung geben, wie\nsie ihn noch nie hatte. Mozart, du rettest mich vom Ver-\nderben und bewährst dich vor der Welt als der edelmü-\nthigsteMann, den es je gegeben. Uebrigens würde ich dich\nreichlich honoriren, und die Oper, die unzweifelhaft gros-\nsen Erfolg haben wird, soll auch deine Tasche tüchtig lul-\nlen. Die Leute sagen: der Schikanederist leichtsinnig; aber\nundankbar ist er gewiss nicht.\nMozart: Hast du schon ein Textbuch?\nSchikaneder: Ich habe eines in der Arbeit. Es ist\nein Zauberstück, aus Wieland's „Lulu im Tschinnistan\" ge-\nnommen, und, wie ich mir schmeichle, recht poetisch. Die\nProsa wird von mir; da ich aber belürchte, dass dir meine\nGesangstücke nicht zusagen dürften, so lasse ich sie von\nmeinem Freunde Cantes*), der, wie du weisst, sich sehr\nlür mich und meine Bühne interessirt, verfassen. Da wirst\ndu doch Vertrauen haben. In einigen Tagen ist Alles fer-\ntig, da bringe ich es dir zum Lesen. Also, theurer Freund\ndein Wort du sagst ja?\nMozart: Ich sage weder Ja noch Nein; ich muss\nmir's erst überlegen. In einigen l agen sage ich dir Bescheid.\nSchikaneder empfahl nochmals sein Heil in Mozart's\nHände und ging. Auf der Treppe fuhr ihm plötzlich ein\nFunke durchs Gehirn, und fast athemlos, so schnell, als es\nseine Corpulenz zuliess, flog er von der Rauhensteingasse\nnach der Wieden in die Kapaunergasse zum so genannten,\ndamals bestandenen „Kapäundl\". Da wohnte Mad. Gerl,\nwelche sammt ihrem Gatten, dem Bassisten Gerl, bei Schi-\nkaneder engagirt war und, wie man sagte, grossen Einlluss\nauf Mozart ausübte. Diese gewann der schlaue Schikaneder\nfür sein Interesse, und schon am nächsten Abende kam\nMozart zu Schikaneder auf die Bühne und sagte ihm: „No,\nso schau', dass ich bald das Buch krieg', so will ich dir in\nGottes Namen die Oper schreiben. Wenn wir ein Malheur\n\n*) Die wiener Monatschrift für Theater und Musik bringt in ih-\nrem September-Hefte diesen anziehenden Aufsatz.\nDie Redaction.\n*) Pater Cantes war Cooperator bei den Paulanern auf der Wie-\nden und verfertigte beinahe zu allen Opern Schikaneder's die\nGesänge aus Liebhaberei."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "308", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570926-01.1.4", "texte": "haben, so kann ich nichts dafür; denn eine Zauber-Oper\nhabe ich noch nicht componirt.\" Nach ungefähr acht Ta-\ngen hatte Mozart das Opernbuch, welches ihm so ziemlich\ngefiel, da es wirklich poetische oder eigentlich romantische\nIdeen enthält, die bei Schikaneder's vollkommenem Mangel\nan wissenschaftlicher Bildung nicht durchgeführt, aber doch\n/\nvorhanden waren. Mozart begann rasch die Arbeit, welche\naber noch im Monat März unterbrochen wurde, da ihn die\nStände nach Prag beriefen, um zur Krönungsfeier in Frank-\nfurt die Oper „La Clemenza zu schreiben. In ein\npaar Wochen war Mozart fertig und kehrte wieder nach\nWien zurück, um die „Zauberflöle\" zu vollenden. Dieses\ngrosse Werk schuf er theils in seiner Wohnung in der\nRauhensteingasse, theils in dem von Schikaneder gemiethe-\nten Gärtchen, im mittleren grossen Hofe des Freihauses,\nwo sich nebenan das Theater befand. Noch heute steht der\nkleine, freilich halb verfallene Pavillon, der Tisch und der\nStuhl, wo Mozart componirte. Während des Mittagsmahls\n(es war hoher Sommer), das Mozart meistens mit Schika-\nneder daselbst einnahm, ward wacker gearbeitet, gelacht\nund Champagner getrunken. Unter diesen Umständen ent-\nstand das grosse Werk „Die Zauberflöte\nMozart hatte kaum die ersten Musikstücke geschaffen,\nals Joseph Schuster, der Schauspieler bei Schikaneder war,\nzu Letzterem kam, um ihm die unangenehme Nachricht\nmitzutheilen, dass er zufällig einer Probe der neuen Zauber-\nOper in der Leopoldstadt: „ Kaspar, der Fagottist, oder die\nZauberzilher\", von Perinel, mit Musik von Wenzel Müller,\nbeigewohnt und die traurige Gewissheil erlangt habe, dass\nPerinet das Sujet wie Schikaneder aus Wieland's „Lulu\"\nentnommen, und die Personen, so wie der Gang der Hand-\nlung jenen der „Zauberflöte\" ähnlich seien. Es war also\nnichts Anderes zu thun, als das Vorhandene umzuwerfen\nund der Oper eine ganz neue Tendenz zu geben. Sarastro,\nder ursprünglich ein Tyrann, ein Bösewicht war, wurde\nnun zum weisen, edlen Priester und Menschenfreunde, die\nKönigin der Nacht, die früher eine Fürstin der Liebe, eine\nzärtliche Multer war, in ein Ungeheuer, in eine Ränke-\nschmiedin, in ein unnatürliches Weib verwandelt. Die drei\nDamen, die Begleiterinnen der Nacht, der Mohr, als wirk-\nlich glückliche Allegorie des düsteren Treibens der Bos-\nheit, wurden ihr als Werkzeuge zugesellt, und auf diese\nWeise war etwas ganz Neues entstanden, wovon der Ver-\nfasser selbst vorher keine Ahnung gehabt hatte. Daher kam\nes, dass bei der ersten Erscheinung der Damen, wo sie die\nRetterinnen Tamino's sind, sie ihn auf die drei zarten\nKnäblein hinweisen, die seine Führer sein sollen, folglich\nim Dienste der Königin stehen, während sie im weiteren\nVerlaufe der Oper Geschöpfe Sarastro's und Tamino's und\nPamina's Schützer gegen die schwarzen Plane der Königin\nwerden. Schikaneder sah diese Inconsequenzen wahrschein-\nlich nicht genugsam ein, und der grosse Mozart, im Be-\nwusstsein seiner musicalischen Macht, kümmerte sich nicht\nviel darum. Viele Musikstücke musste Mozart auf Schika-\nneder's Verlangen ändern. Das Papageno-Lied, welches\nSchikaneder, der sich die Rolle des Papageno vorbehielt,\nwie es Anfangs war, bei dem geringen Umfange seiner\nStimme, oder vielmehr bei dem gänzlichen Mangel einer\nStimme, nicht singen konnte, musste ganz einfach gehalten\nwerden, und ist doch so melodiös, so reizend lieblich. Das\nDuett „Bei Männern, welche Liebe fühlen* änderte Mo-\nzart drei Mal; immer sagte Schikaneder: „Bruder, es ist\nsehr schön, aber es ist mir zu gelehrt.\" Endlich trällerte\nihm Schikaneder mit seiner heiseren Stimme etwas vor,\nund der gute Mozart sagte ganz geduldig: „Nu, sollst es\nso haben.\" Zu beklagen ist nur, dass Mozart die zwei\nersten Entwürfe des Duetts zerriss.\nJetzt war der grösste Theil der Oper fertig. Mozart\narbeitete rastlos. Süssmayer, der Schüler Mozart's, half in-\nstrumentiren; er war mit seines Lehrers Willen innig ver-\ntraut, und einiges Nebenwerk, versteht sich nach früher\nerhaltener gemessener Angabe seines Meisters, soll ganz\nvon ihm sein. Der Priesterchor: „0 Isis, Osiris\", die Pa-\npageno-Lieder und das zweite Finale wurden am 12. Sep-\ntember, der Priestermarsch und die Ouvertüre erst am 28.\nSeptember geschrieben, so zwar, dass man die letztere bei-\nnahe noch nass ins Orchester zur Probe brachte. Endlich\nam 30. September 1791 fand nach vielen Proben die\nerste Aufführung Statt. Merkwürdig war es, dass bei der-\nselben das Publicum, vermuthlich durch die vielen grossen\nSchönheiten der Musik und durch den seltenen Reichthum\nder Motive so überrascht, so verblüfft war, dass der Beifall\nmit dem späteren beispiellosen Erfolge des Werkes in kei-\nnem Verhältnisse stand. Mit jeder Wiederholung nahm der\nEnthusiasmus zu, und das Meisterstück der Tonkunst wurde\nin Kurzem vollkommen begriffen und vollkommen gewür-\ndigt, so dass an sechszehn Abenden nach einander die Zau-\nberflöte gegeben wurde. Mozart dirigirte die ersten drei\nMale persönlich; Süssmayer sass neben ihm und blätterte\num, Henneberg, Capellmeister im Wiedener Freihaus-Thea-\nler und Organist bei den Schollen, versah das Glocken-\nspiel. Sonderbar und als Beleg für die Bescheidenheit des\ngrossen Mozart mag der Umstand gelten, dass, als am er-\nsten Abende am Schlüsse der Oper der Componist stür-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "309", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570926-01.1.5", "texte": "misch und anhaltend gerufen wurde, er sich überall ver-\nbarg, um nicht erscheinen zu müssen, bis ihn Schikaneder\nund Süssmayer aus seinem Verstecke holten und mit Ge-\nwalt auf die Bühne zogen.\nDa die erste Besetzung der „ Zauberflöte\" erst kürz-\nlich in diesen Blättern angeführt wurde*), so enthalten wir\nuns, sie zu wiederholen und erwähnen nur, dass in Folge\nder Erkrankung des zweiten Genius der kleine Maurer,\nwelcher vier Jahre später den Sarastro sang und einer der\ngrössten Bassisten Deutschlands wurde, diese Partie über-\nnahm, dass Sebastian Mayer, ein Schwager Mozart's,\nso oft Schikaneder durch Unwohlsein oder Laune verhin-\ndert war, den Papageno zu geben, mit ihm in dieser Rolle\nalternirte, dass bei dem bald erfolgten Uebertritte der De-\nmoiselle Gottlieb ins Leopoldstädter Theater Mad. Witt-\nmann, und bei dem Engagement des Herrn Rousseul im\nBurgtheater Herr Hai bei, ebenfalls ein Schwager Mozart's\nund schon früher bei Schikaneder engagirt, den Monosta-\ntos übernahm.\nDie Oper wurde im October 1791 vierundzwanzig\nMal gegeben und brachte trotz des beschränkten Raumes\nund der damals bestehenden Wohlfeilheit des Eintrittes die\nSumme von 8443 Fl. bis zum 1. November ein, was bei-\nnahe fabelhaft erschien. Fortdauernd gab man sie fleissig;\naber der immer schwächer werdende Meister, welcher schon\nseit seiner Reise nach Prag oftmals kränkelte, und den die\nimmerwährenden geistigen Anstrengungen (er schrieb Cle-\nrnenza di Tito, die Zauberflöte und sein Requiem beinahe\nxu gleicher Zeit) schon ganz aufgerieben hatten, vernahm\nseine Triumphe nur durch Hörensagen. Er verliess damals\nschon selten sein Bett, aber nicht mehr das Zimmer.\nAls am 20. November 1792 die Zauberflöte zum\n83. Male aufgeführt wurde, schrieb Schikaneder aus Spe-\nculation auf den Anschlagzettel zum hundertsten Male, was\nober unrichtig war. Eben so las man auf den Affichen am\n22. October 1795 zum 200. Male, indess es nur das\n135. Mal war.\nMozart trug die Zauberflöte sehr wenig ein, da Schi-\nkaneder ihn schlecht honorirte, überdies die Partitur an\nviele Bühnen verkaufte und den grossen Schöpfer derselben\ndabei nicht betheiligte. Wenn man den guten, edlen Mann\nauf dieses Unrecht, welches um so grösser war, als Mozart\nihn gerettet hatte, aufmerksam machte, sagte er nichts, als:\n„Was soll ich mit ihm machen? er ist ein Lump!\" und da-\nmit war es abgethan. Offenbar hatte nebst der schon vor-\nhandenen Lebensgelährlichkeit seines Zustandes die alle\nphysischen Kräfte übersteigende Arbeit, das Nachtwachen\nund der Genuss geistiger Getränke, um den Schlaf zu ver-\nscheuchen, seinen Tod antieipirt. Noch einen Tag vor sei-\nnem Tode sagte er zu seiner Gattin, der nachherigen Frau\nvon Nissen, aus deren Munde Schreiber dieses es selbst\nhörte: „Noch einmal möchte ich doch meine Zauberflöte\nhören!\" und summte mit kaum vernehmbarer Stimme:\n„Der Vogelfänger bin ich ja\". Der verstorbene Capellmei-\nster Roser, der an seinem Bette sass, stand auf, ging zum\nCiavier und sang das Lied, was Mozart sehr zu erheitern\nschien. Den anderen Morgen verschied er; es war am 5.\nDecember 1791, früh um 1 Uhr. Das Leichenbegängniss\nfand am 7. December unter dem fürchterlichsten Schnee-\ngestöber Statt. Die einzigen Begleiter seines Sarges waren\nCapellmeister Roser, der Violoncellist Orsler vom Hoftheater-\nOrchester und Süssmayer. [!!] Seine Gattin lag krank danieder;\nSchikaneder war nicht dabei! Am 27. Januar 1756 ge-\nboren, war »Mozart daher noch nicht volle 36 Jahre alt.\nWie viel Grosses hätte er bei längerer Lebensdauer noch\nleisten können! Seine Mitwelt und die Nachwelt sind zu\nbeklagen, aber er selbst ist glücklich zu preisen, dass er\ndie- Hinfälligkeiten des Alters nicht empfand oder sie in\nspäteren Werken nicht verrieth; dass er gerüstet und ge-\nharnischt die Erde betrat, um sie in vollem Waffenschmucke\nwieder zu verlassen.\nNoch sei zur Ehre Schikaneder's schliesslich erwähnt,\ndass der Verfasser dieser Notiz, welcher diesen Mann in\nspäterer Zeit sehr oft zu sprechen Gelegenheit hatte, ihn\nnie Mozart's Namen nennen hörte, ohne dass ihm Thränen\nins Auge traten.\n\n*) Sie war folgende: Sarastro Herr Ger 1; Tamino Herr Scha c k ;\nKönigin der Nacht Mad. Hofer; Pamina Demoiselle Gott-\nlieb(lBs6 |); Papageno Herr Schik aneder; Papagena Mad.\nGerl; Monostatos Herr Nousseul; die drei Genien kleiner\nRuess, kleiner Neukäufl er, kleiner Appel; die drei Da-\nmen Demoiselles Cons t an t ini, die ältere und jüngere, Mad.\nMise hei; die drei Sclaven die Herren Hölmböck, Dea-\nbis, Segatta; die drei Priester die Herren Trittenwein,\nGieschke, Weiss; der Sprecher Herr Winter; die zwei\nfeurigen Männer die Herren Sterke und Eramerl.\n\nH—n.\n\nDas Beethoven-Concert am 23. September in Bonn.\n\nDie dreiunddreissigste Versammlung deutscher Natur-\nforscher und Aerzle, w elche Ende voriger und Anfangs die-\nser Woche in Bonn tagte, wurde Veranlassung, dass die\nStadt neben anderen Festlichkeiten auch ein grosses Con-\ncert giib, wozu sie sämmtliche Theilnehmer an der Ver-\nsammlung einlud."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "310", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570926-01.1.6", "texte": "Das Comite, welches die Veranstaltung des Coneertes\nübernommen halte, begegnete allen Schwierigkeiten der\nFeststellung des Programms von vorn herein durch den\nglücklichen, der Oertlichkeit ganz angemessenen Entschluss,\nnur Compositionen von Beethoven aufzuführen. Auf diese\nW eise verband die Geburtssladt des Meisters mit der Eh-\nrenbezeigung für die Männer der Wissenschaft, die sie be-\nherbergte, zugleich eine Huldigung, die dem Andenken des\ngrossen Künstlers gebührte.\nSo entstand folgendes Programm:\nErste Abtheilung: 1. Ouvertüre zu Egmont;— 2. Con-\ncert in Es-dur für Pianoforte und Orchester, gespielt vom\nMusik-Director Ed. Franck aus Köln;—3. aus\nder Missa solemnisin D-dur;—4. Concert lür Violine und\nOrchester, gespielt von dem Concertmeister Joachim aus\nHannover; 5. ~Sanclus\" und „Benedictusu aus der Missa\nsolemnis.— Zweite Abtheilung: Sinfonie Nr. V. in\nDie Direction hatte Ferd ina n d Hiller auf Einla-\ndung des Comite's übernommen; das Orchester war zahl-\nreich und gut besetzt, der Chor recht klangvoll, besonders\nim Sopran und Alt, und trefflich eingeübt. Die Soli in den\ndrei Sätzen aus der Messe sangen Fräul. Dannemann\naus Elberfeld, Frau B. aus Köln, Herr Klein aus Bonn\nund Herr M. DuMo nt - F ier aus Köln. Das Local, die\nReitbahn im Universitäts-Gebäude, zu einem Saale, der an\n1400 Zuhörer fasste, recht geschmackvoll umgeschaffen.\nist zwar dem Klange nicht ungünstig, aber bei Weitem\nnicht hoch genug, um ihm vorteilhaft zu sein. Immerhin\naber hat Bonn, wenn die Benutzung verstattet bleibt, bei\ndieser Gelegenheit eine grosse Räumlichkeit gewonnen, de-\nren Mangel bisher schon oft die Veranstaltung grösserer\nFest-Reunionen hinderte.\nDas grösste Interesse nahmen die zwei grossen Con-\ncerte in Anspruch; die Principalstimmen wurden in beiden\nso vortrefflich ausgeführt, dass man nicht entscheiden kann,\nwelchem von den zwei Künstlern die Palme zuzuerkennen\nsein dürfte. Beide zeigten sich von der Aufgabe durchdrun-\ngen, den hohen und edlen Geist, der in diesen Werken\nherrscht, die ihres Gleichen in der musicalischen Literatur\nnicht haben, auf echt künstlerische Weise wiederzugeben,\nund sie iös'len diese Aufgabe auf eine solche Weise, dass\nman wirklich sagen kann, der Genius Beethoven's habe sie\nangeweht.\nlieber das Spiel im Einzelnen können wir nur wieder-\nholen, was wir an einer anderen Stelle darüber gesagt ha-\nben. Im Clavier-Concert dürfte der erste Salz bei aller Vor-\ntrefflichkeit des Vortra gs durch ein nur etwas Weniges lang-\nsameres Zeitmaass vielleicht noch breiter und gewaltiger\nhervorgetreten sein, wiewohl das Tempo keineswegs ein\nverfehltes war. Wir meinen nur, dass durch zu schnelle\nBewegung gar leicht in die Bravourstellen Beethoven'scher\nCiaviermusik eine gewisse Farbe der Modernität kommt,\ndie ihnen fremd ist und bleiben sollte. Wir fühlen aber auch\nrecht gut, wie schwer es einem Spieler, der mit allen Vor-\nzügen der neueren Technik vertraut und gleichsam verwach-\nsen ist, fallen muss, diese Technik zu zügeln, ja, manchmal\nfast zu verläugnen; und so könnte man denn vielleicht in\ngewissem Sinne nicht mit Unrecht von manchen Stellen sa-\ngen, dass sie zu gut gespielt worden sind. Das Adagio\ntrug Franck unübertrefflich schön vor: der Anschlag und\ndie Färbung des Ausdrucks gaben hier auf die vollendetste\nund edelste Weise das Gefühl wieder, welches die Seele\ndes Künstlers füllte. Die heilige Weihe, die über diesem\nwundervollen Tonstücke ruht, wehte uns an das war\nmehr als ein Kunstgenuss, das war eine Feier der Kunst.\nDasselbe Lob der grössten Meisterschaft im Spiel im Ver-\nein mit geistiger Durchdringung müssen wir auch dem Vor-\ntrage des letzten Satzes zollen, dessen Zeitmaass zweifels-\nohne das einzig richtige war. Dem Künstler wurde bei sei-\nnem Auftreten und am Schlüsse der ehrenvollste Beifall\ngespendet.\nJoachim wurde bei seinem Auftreten ebenfalls leb-\nhaft begrüsst. Sein Spiel entzückte allgemein; es drang bei\nden zarten Gesangstellen tief in die Seele und erregte bei\nden kräftigen durch die Fülle und Gewalt des Tones Er-\nstaunen. Wenn bei alledem die Ausführung nicht ganz an\ndie hohe Vollendung reichte, welche uns Rheinländern von\nJoachim's Vortrag desselben Concerls auf dem Musikfeste\nzu Düsseldorf in unvergesslichem Andenken ist, so trug of-\nfenbar die übermässige Hitze in dem überfüllten Saale die\nSchuld davon. Verschweigen dürfen wir aber nicht, dass\nuns die diesmaligen Cadenzen, mit Ausnahme der kleineren\nam Schlüsse des Andante's, nicht befriedigt haben: Beet-\nhoven'sche Motive waren in dieser Abgebrochenheit kaum\ndarin zu erkennen, und um unerhörte Schwierigkeiten, de-\nren Bewältigung selbst einem Joachim Mühe macht, anzu-\nbringen, dazu ist doch Beethoven zu gut.\nVon den Gesangsachen war die Ausführung des\nlobenswert!) und machte einen tiefen Eindruck. Weniger\ngelangen die Solosätze in dem Sanclus und Benedictus. Hat\nBeethoven die zwei Sätze Plcni sunt coeli und Osanna\nwirklich für vier Solostimmen Lei so furchtbarem Orche-\nsterlärm geschrieben? Wir meinen irgendwo gelesen zu\nhaben, dass er sie für Chor bestimmt habe. Vielleicht kann"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "311", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570926-01.1.7", "texte": "v*\nA. Schindler Auskunft geben, der hiermit darum freundlichst\nersucht wird. Wir unserestheils würden es uns nicht als\nVerbrechen anrechnen, diese Sätze vom Chor singen zu\nlassen.\nDie Ouvertüre und die Sinfonie wurden im Ganzen\nrecht gut gespielt, von der Sinfonie besonders die drei letzten\nSätze mit Schwung und befriedigendem Ausdruck. Die Aus-\nführung des ersten Satzes stand gegen die andern um Man-\nches zurück, der Ausdruck mangelte in den zarten Stellen\ndes zweiten Motivs, und die feinere Präcision, so wie die\nGleichmässigkeit des Strichs wurde bei den Saiten-Instru-\nmenten manchmal vermisst ein neuer Beweis, wie selbst\ndie bekanntesten Werke bei einem aus verschiedenen Orten\nzusammengezogenen Orchester mehr Proben verlangen, als\nbei solchen Gelegenheiten in der Regel möglich sind.\nDas ganze Concert war ein recht erhebendes und mu-\nsikfestliches; alle Anwesenden über 1200 Zuhörer\nwerden eine schöne Erinnerung daran mit in ihre Heimat\nnehmen. Dem Dirigenten wurde am Schlüsse ein jubelndes\nHoch von dem Publicum und den Kunstgenossen gebracht.\n\nL. B.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMalaia» Unsere Opern-Saison hat begonnen. Die vier ersten\nVorstellungen waren Trovatore von Verdi (2 MaP, Figaro's Hoch-\nzeit und Lucia von Donizetti. Die nächste Oper wird Ernani von\nVerdi sein Wie es scheint, sollen wir diesen Winter gründlich mit\nitaliänischer Speise gefüttert werden.\nJTls&nnlietm« Das letzte Theaterjahr hat ein Deficit von 10,000\nFl. ergeben. Wir verwundern uns nicht zu sehr darüber, da die\npomphafte Ausstattung der aufzuführenden Werke ungeheure Sum-\nmen kosten muss.\nDer gegenwärtig in Wiesbaden verweilende Bassist Karl For-\nmes hat mit einem americanischen Unternehmer auf längere Zeit\nContract abgeschlossen. Formes erhält gegen die Verpflichtung, vier\nMal wöchentlich, und zwar in allen americanischen Staaten, zu sin-\ngen, eine Monats-Gage von c. 2000 Thlr. und freie Reise. So be-\nrichten wenigstens berliner Blätter.\nDer Tenorist Steger wurde für diesen Winter in Darmstadt\nengagirt mit 1000 Fl. per Monat. Auch soll die Hofbühne mit einer\nFest-Oper zu Ehren der anwesenden Czaarin früher eröffnet werden.\nStimmen aus Wien über den Tannhäuser von Rieh.\nWagner. Richard Wagner's „Tannhäuser\" ist endlich\nbis hieher, wenn auch nicht in die innere Stadt Wien, doch minde-\nstens nach Lerchenfeld gedrungen und am 28. August im Thalia-\nTheater aufgeführt worden. Der Erfolg, den das vielbesprochene Werk\nhier errungen, wird durch die darin enthaltenen zahlreichen Schön-\nheiten, wie durch das jedenfalls bedeutende Talent, das aus der An-\nlage des Ganzen hervorleuchtet, hinlänglich erklärt. Dieses Talent\nisf allerdings kein specifisch musicalisches. Im Tannhäuser sehen wir\ndas Ergebniss einer aussergewöhnliclien dramatisch-poetischen Ge-\nstaltungskraft, mit welcher die musicalische Begabung des Tonsetzers\nleider nicht gleichen Schritt zu halten vermag. Alle Theorieen, wel-\nche Herr Wagner in seinen Schriften aufgestellt hat, können nicht\nverhindern, dass man eine Oper Oper nenne, dass man Tann-\nhäuser als Oper, d. h. nach demselben Maassstabe messe, nach dem\nman Iphigenie, Don Juan, Fidelio, Euryanthc zu messen pflegt, dass\nman sich z. B. frage, ob musicalischer Gehalt des Werkes an und\nfür sich von Bedeutung ist und ausserdem mit dem gegebenen dra-\nmatischen Vorwurf in Einklang steht. Dieser Grundsatz wird sei.no\nGeltung behalten, so lange es in der Kunst weit Opern gibt eine\nBezeichnung, der sich die bisherigen Wagner'schen Werke durchaus\nnicht entziehen können. Von diesem Standpunkte aus betrachtet\nund wir gestehen, dass uns kein anderer vernünftiger Weise möglich\nerscheint —, bietet der Tannhäuser keineswegs die wünschenswerthe\nFülle und Mannigfaltigkeit musicalischer Erfindung; ferner ist die\noft willkürliche, die Gesetze der Schönheit wie des menschlichen\nKehlen-Organismus verletzende Behandlung der Singstimmen zu rü-\ngen, und endlich zu bedauern, dass der als Reformator auftretende\nComponist in seiner Orchestration leider dem Ungewöhnlichen, Bi-\nzarren absichtlich nachzujagen scheint, ein Fehler, der allerdings\ndurch viele Stellen von überraschender Wirkung, Lieblichkeit und\nergreifender Innigkeit aufgewogen wird. Es fehlt denn auch weder\nan effeetvollen Momenten, wo die kraftvolle Massen Wirkung gerecht-\nfertigt erscheint, noch an einzelnen, selbst in speciel musicalischer\nBeziehung genial zu nennenden Stellen, WTO die überströmende Em-\npfindung den schönsten, hinreissendsten Ausdruck findet. Rechnen\nwir dazu die markvollen Recitative, die theils blendenden, theils\ndurch schöne Einfachheit gewinnenden Charakterzüge der handeln-\nden Personen, die poetische Anlage und Bearbeitung des dramati-\nschen Stoffes rechnen wir noch hinzu den unberechenbaren Ein-\ndruck, den (auf einer dazu geeigneten Bühne; eine allseitig vorzüg-\nliche Aufführung und glänzende Ausstattung hervorbringen müsste,\nso kann man sich die Bedeutung dieses Werkes für unsere gegen-\nwärtige Opern weit leicht erklären. Und ein solches Werk, dessen\nAufführung für jede grosse Opernbühne eine Pflicht und ein Vor-\ntheil war, musste sich dieselbe fast überall mit grosser Mühe als\neine Vergünstigung erkämpfen! Welche Zustände müssen das sein,\nunter deren Herrschaft die Schöpfung des Talents auf diese Art zu-\nrückgewiesen, der Aufschwung der Geister immer aufs Neue gehemmt\nund gehindert wird?!\nDass die Aufführung des Tannhäuser im Thalia-Theater keine\nim oben angedeuteten Sinne genügende sein konnte, liegt auf der\nHand. Nur Fräul. Friedlowsky machte eine Ausnahme. In die-\nsem Mädchen liegt der Stoff zu einer bedeutenden Künstlerin. Wir\nwerden auf ihre schöne Leistung als Elisabeth noch zurückkommen.\nFräul. Lieven (Venus) hielt sich mit ihrer schwierigen Partie ganz\ntapfer. Auch Herr Egghard wäre mit seiner klangvollen Stimme\ngut durchgekommen, wenn nicht die unsinnigen Wiederholungsgelüste\neiniger Claqueurs ihn ermüdet hätten. Herr Kamin ski hätte Ein-\nzelnes gut wiederzugeben gewusst, allein der in wenigen Monaten\nvollbrachte Ruin seiner Stimme vereitelte sein redliches Streben. Die\nDarsteller der zweiten Rollen (namentlich Herr Patzelt) leisteten\nGenügendes Herr Schott aus Hannover hatte aus Gefälligkeit die\nPartie des Landgrafen übernommen Herr Stolz verdient das wärm-\nste Lob für die intelligente Leitung des Ganzen. Die in vielen Blät-\ntern pomphaft angekündigte Ausstattung ist sehr bescheiden und\ndürfte keine bedeutenden Auslagen verursacht haben.\n(W. Monatschrift f. Th. u. M.)\nDas sehr zahlreich versammelte Publicum folgte der Oper mit\ngrosser Aufmerksamkeit und liess sich das Septettf im ersten Acte,\nein in der modernen italiänisehen Opernweise gehaltenes effectvolles"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "312", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18570926-01.1.8", "texte": "Tonstück, wiederholen. Besonderes Interesse erregte auch der schöne\nPilgerchor, dann der Einzugsmarsch im zweiten Acte und der Sän-\ngerkampf auf der Wartburg, dessen vorzügliches scenisches Arran-\ngement alle Anerkennung verdient. Ueberhaupt ist die Ausstattung\neine glänzende, und Director Hoffmann hat nichts versäumt, um\ndas bedeutungsvolle Werk würdig vorzuführen.\n(Neue Wiener Musik-Zeitung.)\nC. M. Die Autographenschätze des verstorbenen k. k. Gu-\nbernialrathes Karl Ronner von Ehrenwerdt in Leipzig bei T.\nO. Weigel werden am 26. October d. J. unter den Hammer kommen.\nDie Sammluug 3OOO Nummern stark ist vorzüglich in italiäni-\nschen Handschriften ausgezeichnet. Der Besitzer hat lange in Vene-\ndig, Verona und Mailand gelebt. Fast alle Koryphäen der musi-\ncalischon Literatur sind hier vertreten, als da sind: Gluck, Haydn,\nMozart, Cherubini, Cimarosa, Beethoven, Mendelssohn. Ausserdem\nbegegnen wir noch Bellini, Donizetti, Fr. v. Drieberg, Angelica Ca-\ntalani, Gir. Crescentini, Auber, Metastasio und seinem Freunde Gra-\nfen Daniel Florio, F. Bertoni, Stef. Arteaga, E. F. Chladni, Mich.\nCaraffa, Pasq. Caforo u. s. w. Von Cimarosa sind vier Seiten Noten\nmit Text, beglaubigt durch seinen Sohn Paolo, von Mozart ein Brief-\nlein aus Paris (11. September 1778), fünfzehn Zeilen mit Adresse\nan seinen Vater, auf der Rückseite der Adresse geschrieben, mit den\nWorten scliliessend: . Was Ich Ihnen geschrieben von diesem\nHerrn, lassen Sie Sich nichts merken ich bezahle so Leute gern\nmit Höflichkeit. Das thut ihnen weher, denn sie können nichts\ndarauf sagen, Adieu.\" Auf der Adresse von des Vaters Hand: ~Den\n22. Sep. erhalten, den 24. beantwortet.\" Es ist uns geglückt, eine\nCopie von dem s\\ib 562 verzeichneten Briefe Beethoven's zu erhal-\nten. Der Brief ist an Fräul. Gerardi gerichtet, eine Seite in Quart,\ndas zweite Blatt enthält die Adresse:\nA Mademoiselle\nMademoiselle de\nGerardi,\nund das Siegel. Der Brief ist äusserst deutlich geschrieben und\nlautet:\n„Meine liebe Fräulein G., ich müsste lügen, wenn ich Ihnen\nnicht sagte, dass die mir eben von ihnen überschickten Verse mich\nnicht in Verlegenheit gebracht hätten, es ist ein eigenes Gefühl sich\nloben zu sehen, zu hören und dann dabei seine eigene Schwäche\nfühlen, wie ich: solche Gelegenheiten betrachte ich immer als Er-\nmahnungen, dem unerreichbaren Ziele, das uns Kunst und Natur\ndarbeut, näher zu kommen, so schwer es auch ist. Diese Verse\nsind wahrhaft schön bis auf den einzigen Fehler, dass sie in Rück-\nsicht des Gegenstandes zu wenig Wahrheit haben, ein Fehler, den\nman zwar schon gewohnt ist bei Dichtern anzutreffen, indem sia\ndurch die Hilfe ihrer Phantasie verleitet werden, das was sie\nwünschen zu sehen und zu hören, wirklich hören und sehen,\nmag es auch weit unter ihrem Ideale zuweilen sein. - Dass ich\nwünsche den Dichter oder die Dichterin kennen zu lernen,\nkönnen Sie wohl denken, und nun auch ihnen meinen Dank für ihre\nGüte, die sie haben\n„für ihren sie verehrenden\n„L. v. Beethoven.\"\nNr. 563 ist ein anderes Manuscript von Beethoven, ein Quart-\nblatt, mit grossen kühnen Zügen beschrieben, zwei Seiten theosophi-\nsehen Inhalts, also beginnend: „Gott ist immateriell; da er unsicht-\nbar ist, So kann er keine Gestalt haben. Aber aus dem was wir\nvon Seinen Werken gewahr werden, können wir Schlüssen, dass er\newig, allmächtig, allwissend und allgegenwärtig ist. Was frei ist\nvon aller Gelüst und Begier, das ist der Mächtige\" u. s. w.\nNicolai's Oper „Die Heimkehr des Verbannten\", welche seit\nmehr als zehn Jahren vom Repertoire entfernt war, kommt im Hof-\nOpern-Theater zu Wien neu zur Aufführung. Verdi's Sicilianische\nVesper gelangt in den ersten Tagen des October zu Gehör.\nHerr Anton Spina, Doctor der Rechte, Kanzlei-Vorsteher und\nReferent der Ersten Österreichischen Spareasse und allgemeinen Ver-\nsorgungs-Anstalt, k. k. Hof- und Hof-Kriegs-Agent, Mitglied der\njurid. Facultät, corresp. Mitglied der k. k. Mähr.-Schles. Gesellschaft\ndes Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde und früherer Chef der\nMusicalienhandlung Diabelli, ist am 8. September, um 8 Uhr Abends,\nin Wien nach längerem Leiden gestorben. Er war ein warmer\nFreund der Kunst und der Künstler.\nDie Sängerin Anna Zerr hat sich mit dem k. k. Hauptmann\nv. Rosenberg vermählt.\nOle Bull, der ausgezeichnete Virtuose, ist nach langer, oft trü-\nber musicalischer Irrfahrt in America wieder in sein nordisches Va-\nterland zurückgekehrt, in Christiania angelangt und mit Herzlichkeit\nvon seinen Landsleuten empfangen worden.\nMad. de Lagrange hat New-York verlassen und ist nach\nEuropa zurückgekehrt; dieselbe soll sich in America mehr als 50,000\nDollars ersungen haben."}]}