{"numero_id": "bm-bmtnabi-1857-10-10-01", "volume": "bmtnabi_1857-10-10_01", "ocr_sha256": "4d9e0f7f4d9a3e164095f1b2fe7e97029994dc7e644d11b25b476758f0a1f0f0", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1857/10/10_01/bmtnabi_1857-10-10_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571010-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1857-10-10-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-10-10_01#c001", "volume": "bmtnabi_1857-10-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "321", "page_fin": "321", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571010-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "321", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571010-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 470, "texte": "Inhalt.\nWiener Federstriche zur Charakterisirung des gegenwärtigen Standes der Tonkunst in einigen ihrer renommirtesten Vertre-\nter. (Schluss.) Orgel-Literatur. Von V. D. An den Herausgeber der Niederrheinischea Musik-Zeitung. Von A. Schindler.\nTages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Geschwister Brousil, Rheinische Musikschule Berlin, Kroll'sche Bühne, Rieh. Würst\nMainz, Winter-Concerte Ems Dresden, Soiree Regensburg Hamburg, Concerte, Theater-Uebersicht Bremen Pesth)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-10-10-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-10-10_01#c002", "volume": "bmtnabi_1857-10-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "321", "page_fin": "325", "image_debut": 1, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571010-01.2.2", "titre_corps": "Wiener Federstriche zur Charakterisirung des gegenwärtigen Standes der Tonkunst in einigen ihrer renommirtesten Vertreter.", "titre_sommaire": "Wiener Federstriche zur Charakterisirung des gegenwärtigen Standes der Tonkunst in einigen ihrer renommirtesten Vertreter.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "321", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571010-01.1.1", "debut_caractere": 472, "fin_caractere_exclue": 4161, "texte": "Wiener Federstriche zur Charakterisirung des gegen-\nwärtigen Standes der Tonkunst in einigen ihrer\nrenommirtesten Vertreter.\n(Schluss. S. Nr. 40.)\nEine Erscheinung ganz anderer, specifisch verschiede-\nner Art und eigentlich gar nicht hieher gehörig ist Ro-\nbert Franz. Ich erwähne seiner an dieser Stelle nur,\num den Fratzen- und Zerrbildern, von welchen ich zuletzt\ngesprochen, doch auch ein edleres Bild entgegen zu stellen,\nan einem Beispiele von Fleisch und Blut meine Eingangs\nausgesprochene Ueberzeugung zu erhärten, dass der wirk-\nlichen Begabung auch gegenwärtig Raum genug gegeben\nist, sich zu entfalten, soweit sie es vermag, zugleich aber\nauch zu zeigen, wie selbst diese echte Künstler-Persönlich-\nkeit, sei es aus wirklicher Verblendung, sei es mit bewuss-\nter Absichtlichkeit, von jenen Nimroden sogleich missbraucht\nwird, um einen alten Thron, der aber lür ewige Zeiten auf\nsicheren Stützen ruht, so weit als möglich zu erschüttern.\nRobert Franz gehört zu denjenigen, welche von den\nin der leipziger „Neuen Zeitschrift für Musik\" herrschen-\nden Gewalthabern in Protection genommen sind, und er\nverdient es allerdings in hohem Grade. Liszt hat vor eini-\nger Zeit an diesem Orte über ihn ganz vortrefflich geschrie-\nben. Die Fähigkeit, sich dem Schönen und Grossen mit\nEnthusiasmus hinzugeben, lür dessen Anerkennung zu wir-\nken, gehört zu den grossen, stets anerkennenswerthen Sei-\nten der Liszt'schen Persönlichkeit, und es ist nur zu be-\nklagen, dass ihr eine eben so starke Neigung, das bloss\nglitzernde, llimmernde Rauschgold lür echtes zu halten, zur\nSeite steht und jenes Verdienst theilweise paralysirt. Liszt\nhat namentlich um Beethoven und Schubert grosse Ver-\ndienste, obgleich er, wenn er eine völlig reine Natur wäre,\nbei seinem immensen Darstellungs-Vermögen sich noch\nviel grössere hätte erwerben können. Dass Liszt während\nseiner ganzen praktischen Künstler-(Virtuosen-) Laulbahn\nso wenig lür Schumann gewirkt hat, da eben er doch, wie\nman meinen sollte, der Mann dazu gewesen wäre, wie\nkaum ein zweiter, konnten wir nie recht begreifen, und es\ngereicht ihm zu bleibendem Vorwurf. Er hat diese Schuld\nin neuerer Zeit theilweise eingelöst, nicht durch die Wid-\nmung seiner Sonate an Schumann, wohl aber durch Auf-\nlührung so manches Schumann'schen Werkes an der Spitze\nder Weimarer Capelle und durch seinen liebevoll geschrie-\nbenen, vor Jahresfrist erschienenen Aufsatz über Robert und\nClara Schumann. Wie man aber immer über seine Begei-\nsterung lür Wagner denken, wie es immer damit bestellt\nsein mag, so scheint uns doch in dieser energischen Hin-\ngabe an ein fremdes Interesse der Abdruck einer wei-\nten, in sich edeln Persönlichkeit zu liegen.\nDoch ich kehre zu Robert Franz zurück. Dieser Künst-\nler hat seine Kräfte fast ausschliesslich dem Liede gewid-\nmet, oder vielmehr sein Instinct wies ihm dieses Gebiet als\ndas seinem Naturel angemessene an. Er hat darin in der\nThat Ausgezeichnetes, wahrhaft Schönes geleistet; unter\nseinen Schöpfungen findet sich manche innig ergreifende,\nin dem von ihm gewundenen Kranze lachen uns Blüthcn\nder reizendsten Art an. Vor Allem findet sich das echte\nLied in seiner reinsten (strophischen) Ausbildung bei Franz\nam häufigsten vor, und die technische Auslührung ist im-\nmer von einer Feinheit, ich möchte sagen, Sauberkeit und\nReinheit, die nichts zu wünschen übrig lassen und lür des\nKünstlers zarte Empfindung, feinen Geschmack und har-\nmonische Bildung das sprechendste Zeugniss ablegen. So\nweit wird also jeder Kenner der Franz'schen Muse in ih-\nrem Lobe gern mitgeben und es ist weit genug. Allein\nder trefllichen Leipzigerin ist dies keineswegs genug, und\nerst jüngst wurde wieder bei Besprechung eines Psalmes"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "322", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571010-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5249, "texte": "von Robert Franz erklärt, „in ihm habe darüber seien\ngegenwärtig alle einsichtigen Musiker einig (!) das Lied\nseine höchste Vollendung erreicht, er habe erfüllt, was\nSchubert nur geahnt\"! Da haben wir denn also wieder\nden Unsinn in seiner blühendsten Gestalt. Denn nicht ver-\nschwiegen kann es bleiben, dass, so liebenswürdig, edel\nund sinnig die Franz'sche Muse auch ist, ihr Horizont doch\nkeineswegs ein sehr weiter genannt werden kann. Sie be-\nwegt sich im Gegentheil in ziemlich engem Kreise, und\nliebt es gern, dieselben Farben immer und immer wieder\nzu gebrauchen. Sollen wir es ohne alle Missachtung\nFranz'—gan/- trocken und freilich etwas herb aussprechen,\nso ist sein Ideenkreis, den er im Liede entfaltet, im Ver-\nhältniss zu Schubert nahezu gleich Null (so unend-\nlich ist dieser jenem überlegen), so wie ein Aehnliches z. B.\nüber das Verhältniss der Mendelssohn'schen Sinfonie zur\nBeethoven'schen auszusprechen wäre. Wie! Schubert, die-\nser Born der tiefsten, verborgensten, himmlischsten Natur-\nlaute, weiche je eines Menschen Brust durchzittert haben,\ndieser Proteus, unter dessen Zauberstabe jedes Gebilde ein\nneues, eigenthümliches Leben, neue, eigenthümliche Farbe\ngewann, der die ganze Weite und Breite der Welt in ihrer\nsüssesten Fülle, ihrer schmerzlich schaurigsten Tiefe\nnatürlich in seiner Weise, nicht mit der Macht Beethoven's\nwiederspiegelte: dieser Genius, der sich so wenig wie-\nderholen wird, wie irgend einer, sollte auf seinem ureigen-\nsten Gebiete vor seinem Rivalen Robert Franz zurückwei-\nchen müssen? Dies ist nicht anders, als wenn man auf der\nSpitze des Stephans-Thurmes einen neuen Thurmbau be-\nginnen wollte. Denn eine jede höchste Kunsterscheinung\nrepräsentirt in ihrer Sphäre eine solche Spitze, welche in\nalle Ewigkeit keine zweite mehr über sich duldet. Dies ist\nein Natur- und Weltgesetz, welches die Leipzigerin mit\nallen ihren Decreten nicht umstossen wird.\nIch weiss gar wohl, was man zu Gunsten Bobert\nFranz'anzuführen pflegt. Man beruft sich auf die minutiöse\nAusführung des Details in seinen Liedern, auf die tadellose\nCorreclheit seiner Declamation. wirft Schubert vor, es na-\nt\nmentlich in dem letzteren Punkte nicht immer genau genug\ngenommen zu haben. Allein, die Richtigkeit dieser Behaup-\ntung selbst zugegeben, was sind diese Dinge gegen das\nungeheure Uebergevvicht der Naturkraft in Schubert, gegen\ndie Füll e der Erfindung, in welchem Funkte er über-\nhaupt gar keinen Rivalen zu scheuen hat? Ein verschwin-\ndendes Minimum. Mit der richtigen, absolut unfehlbaren\nDeclamation weiss sich die Leipzigerin überhaupt erschreck-\nlich viel und macht mit diesem Werkzeuge ein unaussteh-\nliches und höchst überflüssiges Geklapper. Die Wagner'-\nschen Opern sollen wohl die Mozart'schen ausstechen, vor-\nnehmlich wegen der richtigeren Declamation. Diesen Schim-\nmel nun reitet hauptsächlich Ludwig Köhler und tummelt\nsich auf dieser Rennbahn mit einem nicht enden wollenden\nBehagen herum. Er glaube es nur, von dieser Weisheit\nwussten, ohne dass sie unserer Lehren bedurften, Mozart,\nBeethoven und Schubert mehr, als er sich vielleicht ein-\nbildet. Aber Ludwig Köhler beweis't euch haarklein, in der\nrichtigen Declamation und in dieser allein liege des Pudels\nKern begraben. Ihr dürft nur jede beliebigen Verse richtig\nund sinnvoll vor euch her declamiren und genau auf die\nHebung und Senkung der Accente hinhorchen, so habt ihr\nauch gleich ganz von selbst die allerschönste, diesen Ver-\nsen von Gottes und Rechts wegen zugehörige Musik. „0\nWeisheit, du redest wie ein Tauber!\"\nNur dass man nicht aus dieser im Zusammenhang mit\nRobert Franz vorgetragenen Polemik auf eine Missachtung\ndieses Künstlers von meiner Seite schliesse. Ich schätze ihn\nim Gegentheil ungemein hoch; aber auf eine so verkehrte\nWeise, die ihm eher schadet als nützt, muss man ihn nicht\nehren wollen. Ja, wie denn die wahren Meister immer auch\ndie bescheidensten sind, so kann ich hier sogar sehr gele-\ngener Weise ihn selbst citiren. In einem trefflichen Auf-\nsatze, den er jüngst in eben jener Zeitschrift über die Se-\nbastian Bach'schen Cantaten veröfi'entlichte, spricht er selbst\nes deutlich aus: „Wir sind Epigonen\" u. s. w., und es\nwar mir recht interessant, zu lesen, wie er selbst von dem\nwenig erquicklichen Kunstleben der Gegen-\nwart spricht. Daran möchten sich die Schreier und Prahl-\nhanse ein M.uster nehmen.\nSollte ja schon von einem Hinauskommen über Schu-\nbert im kleineren Gesangs-Genre die Rede sein, so wäre\nhier weit eher noch ein ganz Anderer zu nennen nämlich\nRobert Schumann. Denn das sage man mir ja nicht, dass\nFranz diesen nicht minder weitaus reicheren und tieferen\nMeister überboten habe. Allein wenn auch Schumann so\ngewaltige, zauberhafte und eigenthümliche Klänge im Liede\ngeschaffen und sich eine ganz eigene Welt erbaut hat, so\ndarf man doch nicht sagen, dass diese Welt höher stände\nals die Schubert'sche, sondern um so viel die Schumann'-\nsche weiter ist als die Franz'sche, um so viel ist die Schu-\nbert'sche wieder weiter als die Schumann'sche, mit gerin-\nger Einschränkung, welche zu erörtern nicht hieher gehört.\nGern gebe ich zu, dass Franz ebenfalls, namentlich im spe-\ncifischen Liede, besondere, ihm eigenthümliche Seiten habe,\nallein dies ändert in der Werthschätzung im Ganzen nichts."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "323", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571010-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5229, "texte": "Ein einziger ist im kleineren Genre der Gesangsmusik\nin der Ballade nämlich —über Schubert hinausgelangt,\nund das ist Karl Löwe. In seinen einzigen Balladen (na-\ntürlich nicht in allen, wohl aber in seinen höchsten, voll-\nendetsten) hat dieser Meister ganz neue Töne angeschla-\ngen und in dieser Kunstgattung das in ihr herrschende\nepisch-dramatische Princip und insbesondere auch das hu-\nmoristische Element zu viel energischerer Geltung gebracht,\nals dies im Ganzen Schubert oder Schumann, diesen über-\nwiegend lyrischen Naturen, oder irgend Einem gelungen.\nVon jüngeren Kräften nun, die sich der Tonmuse ge-\nwidmet haben, ziehen am meisten die Blicke auf sich Jo-\nhannes Brahms, J.Joachim und Anton Rubin-\nstein, theils durch Intensität, theils durch Extensität ihres\nTalentes.\nBrahms ist bekanntlich durch Schumann in die musi-\ncalische Welt eingeführt worden, welcher ihm durch seinen\noffenen Empfehlungsbrief freilich gegen seine Absicht die\nPfade eher erschwerte als ebnete, indem er zu sehr den\nNeid erregte, ältere, wahrhaft verdiente Meister—so dünn\ndiese gesäet sein mögen leicht ein wenig verdriessen\nkonnte, und unstreitig geeignet war, durch einen etwas\nüberschwänglichen Ton misstrauisch zu machen. Brahms\nliess in rascher Folge drei Sonaten, ein Heft Variationen\nüber ein Thema von Schumann, ein Scherzo in und\nzwei Hefte Lieder erscheinen, denen etwas später noch ein\nHeft Balladen für Pianoforte folgte. Von allen diesen Pro-\nductionen möchte ich auf das entschiedenste den Variatio-\nnen den ersten Rang anweisen. Dass Brahms ein echtes,\nganz eigenartiges Talent, eine feinbegabte Künstler-Natur\nist, könnte nach diesem Werke nur offene Missgunst oder\nbarer Unverstand läugnen wollen. Es finden sich unter die-\nsen Variationen (11 an der Zahl) einige von ganz zauber-\nhafter ätherischer Schönheit, wenngleich die aller-\nschönste eine etwas starke Reminiscenz aus Schumann (doch\nwohl nicht mit Absicht?) enthält und in einigen, wie z. B.\nder letzten, der Hang des jugendlichen Tondichters zum\nmystisch Verworrenen etwas unliebsam und bedenklich\nhervortritt. Ihnen zunächst möchte ich die Lieder stellen,\nin welchen Klänge von ergreifender Tiefe und Zartheit er-\nklingen. In den drei Sonaten, von welchen mir der ersten\nin C-dur der Vorzug zuzukommen scheint als der fri-\nschesten, noch am wenigsten überreflectirten »vermochte\nich bisher nur Einzelnem und einzelnen Theilen—wie dem\nAndante der ersten, dem Scherzo der e\nein ganz reines, lebhaftes Interesse abzugewinnen, und das\nGleiche gilt von seinem Trio für Pianoforte, Violine und\nVioloncell. Im Ganzen herrschte das Gefühl des Missbeha-\ngens vor, und so viel ich weiss, ist so ziemlich das Urtheil\ndes gesammten musicalischen, kritikberechtigten Publicums\nhierin übereingekommen. Diese Sonaten enthalten noch des\nrohen Elementes zu viel, machen sich noch zu barbarischer\nAusschreitungen in harmonischer und technischer Be-\nziehung schuldig, stellen noch zu wenig ein reines Verhält-\nniss zwischen Inhalt und Form dar, gefallen sich z. B.\ndie beiden Hauptsätze der C-eftzr-Sonate, besonders der\nletzte noch zu sehr in terroristischen Anläufen, musicali-\nschen Rodomontaden, um einen wahrhaft ästhetischen Ein-\ndruck hervorzubringen. Allein von je her hat man der Ju-\ngend überschäumende Maasslosigkeit viel lieber zu Gute ge-\nhalten, als träge Bequemlichkeit, lederne Trockenheit, und\nso wird man bei Brahms denn erst abzuwarten haben, ob\nes ihm gelingt, aus dem gährenden Most süssen Wein zu\ngewinnen, wozu ich denn herzlich wünsche, dass Apollo\nseinen Segen geben möge. Auch die zuletzt erschienenen\nBalladen zeigen ein ähnliches Verhältniss. Ganz eigenartig\nund von wirklich märchenhafter Klangschönheit ist der\nHauptsatz der «weiten, mittleren. In der letzten ringt eine\ntief empfundene, edle Melodie mit etwas widerspänstigem,\ndurch Ueberladung gedrücktem harmonischem Material. Die\nerste, welche sich die durch Herder's Uebertragung be-\nkannte schottische Ballade: „Edward, wie ist dein Schwert\nvom Blut so roth!\" zum Motto gewählt hat, wird, obwohl\nan sich nicht reizlos, in ihrer Wirkung schon durch die\nblosse Erinnerung an Löwe's grandiose, übergewaltige Be-\nhandlung dieses Stoffes zu sehr abgeschwächt. Brahms\nsteht jedenfalls innerhalb des geweihten Kreises, seinem\nWollen entspricht jetzt schon ein zwar noch nicht eben-\nmässiges, aber sehr bestimmt vorhandenes Können, und\nihn gegen Spott in Schutz zu nehmen, dessen die höher\nBegabten, allenfalls überdies noch etwas appart Angelegten\nnie entrathen, ist Pflicht der ernsten, parteilosen Kritik.\nWie gesagt, die Kraft an sich scheint uns in Brahms über\nallen Zweifel erhaben, und das Bedenkliche, Gefährliche für\nseine Entwicklung scheint mir nur in seinem theils instinc-\ntiven, theils refleclirten Streben nach Ueberfeinerung, in\nseinem übermässigen Hange zum Dämonischen, Phantasti-\nschen zu liegen. Vermag er diesen soweit es die stren-\ngen Kunstgesetze fordern (denn an sich sind es ja sehr\nwohl berechtigte Elemente) in etwas zu bezwingen, so dür-\nfen wir gewiss, sei es in näherer oder fernerer Zukunft,\nnoch viel reinere, reifere Früchte von ihm erwarten, als er\nuns bisher mitunter geboten hat. Dass er seit Längerem in\nseinen Publicationen eine Pause hat eintreten lassen, erscheint"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "324", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571010-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5228, "texte": "uns wofern es nicht eine unfreiwillige ist nur als ein\ngutes Zeichen.\nAn productiver Kraft Brahms entschieden untergeord-\nnet dürfte wohl Joachim sein. Allein über diesen habe\nich eigentlich kein Urtheil, da ich ausser einem Hefte:\n»Hebräische Melodieen\" für Viola und Pianoforte, bisher\nnoch nichts von ihm kenne, wie denn auch nur Weniges\n»erst von ihm im Musikhandel erschienen ist. Dürfte ich\naus jenen— mir ebenfalls nur erst oberflächlich vertrauten\nStücken mir ein Vorurtheil erlauben, so scheint sich mir\nJoachim ganz und gar in beklemmender Weise der Poesie\ndes Weltschmerzes in die Arme geworfen zu haben und\nhierin den höchsten Ausdruck der Kunst zu suchen. Auch\nwas ich sonst über grössere Schöpfungen seiner Feder, wie\nz. B. über eine von ihm componirte Ouvertüre zu Heinrich\nIV., über ein Violin-Concert vernahm, scheint mir iheils\njene Vermuthung zu bestätigen, theils zu Bedenken ande-\nrer Art Anlass zu geben. Allein natürlich keine Tradition,\nausser etwa die durch Jahrhunderte festgestellte, vermag\ndie eigene Anschauung zu ersetzen. Jedenfalls aber hat sich\nJoachim, wie so mancher Andere auch, zu tief und zu lange\nin die Nachtseiten der Schumann'schen Natur, des von ihm\nso sehr geliebten und verehrten Meisters, versenkt, und\nwird vielleicht erst sein eigentliches, volles Ich wieder zu\ngewinnen haben; denn eines solchen bedarf jede ursprüng-\nliche Künstlerkraft zu allernächst, soll sie als solche gelten\nkönnen. Dagegen ist Joachim schon in anderem Kreise eine\nso edle, reine Künstler-Natur, dass man auch seine Ver-\nirrungen, sein etwaiges Verkennen der ihm eigentlich ge-\ngebenen Kräfte und vornehmlichen Bestimmung nur mit\nSchonung behandeln soll.\nEin unläugbar frisches Reis endlich darf man Rubin-\nstein nennen. Brahms ist nach meinei Meinung eine viel\ntiefer angelegte Natur, dagegen hat jener vor diesem eine\ngewisse wohllhätige Frische und Unmittelbarkeit voraus.\nDaher denn auch seine ungleich grössere Expansionskraft,\ndie freilich auch wieder in solcher Ausdehnung ihr Bedenk-\nlich es hat, und die ihm gestattete, fast mit Einem Wurf\nmehrere, jedenfalls auch in verhältnissmässig kurzer Frist\nentstandene Dutzende umfangreicherer Arbeiten ins Publi-\ncum zu schleudern. In seinen Sonaten für Ciavier und Vio-\nline, seinen Trio's, weniger in seinen Streich-Quartetten,\nsind einige von wirklich blühender, erfreulicher Frische der\nErfindung, verbunden mit leichtem Fiuss und kühner, freier\nSchwunghaltigkeit der Ausführung. Zu sehr in die Tiefe\ndarf man bei ihm nicht sehen, über die Mittel-Region dringt\ner nicht leicht hinaus, es wird ihm unbequem. Daher sind\nauch, wenn ich mich recht besinne, die Adagio's bei ihm\nimmer die schwächere Partie. Unter seinen „Präludien\"\nsind einige, die tiefer geschöpft sind, als er es sonst liebt.\nAuch das Pianoforte-Concert mit Orchester, das er in Wien\nzur Aufführung brachte, hat wohlgelungene, tüchtige, ener-\ngisch dargestellte Partieen, und in seinen ziemlich zahlrei-\nchen Liederheften findet sich manches Treffliche, Eigen-\ntümliche, namentlich auch im launigen Genre. Dagegen\nist es auffallend, dass eine in der That ziemlich reich aus-\ngestattete Künstlerkraft wie die Rubinstein's so leicht und\nhäufig im kleineren Genre namentlich —in die allerärg-\nsten Trivialitäten verfällt und es mitunter nicht verschmäht,\nmit blossen Virtuosenstückchen und leerem Geklingel um\ndie Gunst der Menge zu buhlen, die indessen heutzutage\ndoch schon ganz anders über diese Dinge urtheilt, als vor\nzehn und zwanzig Jahren. Vollgültiges Zeugniss dalür lie-\nfern sein im Verein mit Vieuxtemps componirtes, wahrhaft\nabschenliches Duo für Ciavier und Violine über Motive aus\ndem „Propheten\", sein „Acrosein\nPortrails\" und fast alle kleineren Sachen, welche er in sei«\nnen Concerten dem wiener Publicum auftischte. Ich glaube\nnicht, dass Rubinstein's Talent, so jung er auch ist, mehr\nwesentlich neue Phasen der Entwicklung durchmachen wird,\nsondern dass wir ihn schon jetzt als eine rund und fertig\nin sich abgeschlossene Erscheinung zu betrachten haben.\nHierin und in seiner viel geringeren Gewissenhaftigkeit,\nKeuschheit der Kunst gegenüber, in seinem Mangel an\nTiefe und an mehr als flüchtig aufregenden Elementen\nscheint mir auch sein Haupt-Unterschied gegen Brahms zu\nliegen, über welchen die Acten nach meinem Ermessen\nnoch lange nicht geschlossen werden dürfen. Indessen mö-\ngen wir auch über Rubinstein's Zukunft nicht vorschnell\nurtheilen und zum mindesten die vielleicht einmal zu ma-\nchende Bekanntschaft eines eben im Entstehen begriffenen,\nvielleicht auch schon vollendeten Oratoriums und einer\nschon früher componirten Oper abwarten. Jedenfalls hat\nsich Rubinstein vor dem massenhaften Produciren, von dem\ner in seiner ersten Periode eine so starke Probe gegeben,\nzu hüten. Solcher Leichtsinn straft sich immer, und wenn\nes einem gar so leicht wird, so ist solche Gabe, mag sie\nnoch so sehr von Elasticität des Geistes zeugen, immer mit\nzweifelhaftem Blicke zu betrachten.\nI\nWir eilen, abzuschliessen. Nicht eine Galerie hervor-\nragender Künstler-Portraits der Gegenwart wollte ich hier\ngeben, sonst hätten Namen älteren und neueren Datums\nnicht fehlen dürfen. Denn an respeclablen Talenten, welche\ndem wahrhaft Schönen und Grossen oft sehr nahe kommen,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "325", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571010-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2050, "texte": "ohne es jemals oder doch nur in vereinzelten Fällen ganz\nzu erreichen, ist unsere Zeit reicher als irgend eine vorher-\ngegangene, wie dies immer in einer Periode der Fall zu\nsein pflegt, welche einer Epoche des höchsten Aufschwun-\nges, der classischen Höhe folgt. Denn aus den verborgen-\nsten, dunkelsten Schachten der Erde ist durch Riesenhände\ndas helle Erz und Gestein dermaassen zu Tage gefördert,\ndass sich ganz nothwendig unendlich viel mehrere finden\nmüssen, welche mit Talent und Geschick das ausgegrabene\nMaterial zu benutzen und zu Compositionen eigenen Ge-\npräges zu verwerthen wissen, welchen zwar im günstigen\nFalle immer eine gewisse Neuheit innewohnen wird, die\naber doch, mit schärfster Lupe besehen, sich meist nur als\neine Zusammensetzung entlehnter Stoffe zeigen werden.\nWir wollten nur gewisse markante Stadien und Wendun-\ngen der tonkünstlerischen Gegenwart bezeichnen, und dazu\nschienen uns die gewählten Namen am geeignetsten. Wir\nwollten zeigen, wie von den mehresten Kunstbeflissenen\nder Gegenwart, und zwar gerade von jenen, auf welchen\nder Blick der Zeitgenossen am erwartungsvollsten ruht, bei\nWeitem das Hauptgewicht auf die nächtigen, mystisch-phan-\ntastischen Seiten der Kunst gelegt wird, wie das leiden-\nschaftlichste Pathos, das krasseste Uebermaass, das Durch-\nbrechen alhr natürlichen und ästhetischen Schranken im-\nmer mehr überhand nimmt, und wie dies immer das sicher-\nste Zeichen ist, dass eine Kunst ihrer Auflösung entgegen\ngeht, ihrer Auflösung nämlich in die ursprünglichen rohen\nElemente, aus welcher erst nach längerer Ruhepause eine\nneue Zeit wiedes Schöpfungen wahrhaft neuer, das Schöne\nwieder von ganz neuen Seiten abspiegelnder Art aus sich\nzu gebären vermag Wir wollten nur vor Allem auch der\nIgnoranz und Unverschämtheit, den cliqueartigen Fanfaro-\nnaden ein wenig entgegen treten, welche mit knabenhafter\nInsolenz so gern das grosse Alte und wo möglich auch das\njüngsterloschen? Schöne hinabposaunen möchten, damit für\nihre leeren Popanze una Götzen der „Zukunft\" möglichst\ngeräumiger Plah werde."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-10-10-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-10-10_01#c003", "volume": "bmtnabi_1857-10-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "325", "page_fin": "326", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571010-01.2.3", "titre_corps": "Orgel-Literatur.", "titre_sommaire": "Orgel-Literatur.", "signature_source": "V. D", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "325", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571010-01.1.5", "debut_caractere": 2052, "fin_caractere_exclue": 4698, "texte": "Orgel-Literatur.\n\nNachdem wir m vorigen Jahrgange (s. Nr. 49 vom 6.\nDecember) die neusten Erscheinungen auf dem Gebiete der\nOrgel-Literatur angzeigt haben, wollen wir jetzt der alten\nHeroen gedenken, 'ie durch den lür diese Literatur so\nsehr thätigen Verlege Herrn Körner theils aus dem Staube\nhervorgeholt, theils ii neuen billigen Ausgaben, die jedem\nOrganisten auf dem Lande die Anschaffung möglich raa-\nchen, veröffentlicht worden sind. Der Druck ist meistens\nklar und deutlich, einige der letzterschienenen Werke sind\nsogar schön gestochen und so billig, dass, wollte man sie\nabschreiben, man das Notenpapier dalür theurer bezahlen\nmüsste, als hier die ganze Ausgabe. Chronologisch fangen\nwir heute an mit dem ehrwürdigen\nDietrich Buxtehude (gest. 9. Mai 1707). Ge-\nsammt-Ausgabe seiner Orgel-Compositionen.\nHeft 1, a 7% Sgr.\nWenn auch dessen Compositionen, was Grossartigkeit\nund Phantasie-Reichthum betrifft, hinter den Bach'schen\nzurückstehen, so spricht sich doch in ihnen schon eine be-\ndeutende Freiheit in der Form und Modulation aus, ver-\nbunden mit interessanter contrapunktischer Arbeit ohne\nSteilheit, so dass dieselben nicht allein historischen, sondern\nauch Kunstwerth haben.\nJob. Pachelbel (gest. 3. März 1706). Gesammt-\nAusgäbe seiner Orgel-Compositionen. Heft 1,\nä 7 % Sgr.\nObgleich ein Jahr früher gestorben, als der vorher-\ngehende, scheint er uns doch chronologisch hieher zu ge-\nhören, da Buxtehude schon (nach Gerber) 1669 Organist\nwar und Pachelbel erst 1653 geboren ist. Auch dessen\nWerke sind zum Studium, vorzüglich wegen der Behand-\nlung der alten Tonarten, besonders zu empfehlen.\nGeorg Fried r. Händel. Sämmtliche Com Po-\nsitionen für die Orgel. Heft 14. Preis 3 Sgr.\nDas 14. Heft enthält die Fuge „Durch seine Wunden\nsind wir geheilet\" aus dem Messias. Eine Empfehlung die-\nser herrlichen Fuge ist wohl überflüssig. Bekanntlich\nschliesst diese Fuge auf der Dominante. Der hier ange-\nbrachte Schluss in F-moll ist ganz im Geiste des Originals.\nJ.S.Bach. Sämmtliche Orgel-Compositio-\nnen in Heften ä 7y2 Sgr.\nDie Hefte 51 und 52 enthalten acht Orgel-Trio's.\nDiese überaus lieblichen Compositionen erscheinen hier, so\nviel uns bekannt ist (ausser Nr. 3), zum ersten Male in\nDruck. So wie man den Löwen an den Klauen erkennt,\nso hier den grossen Meister an seiner Zartheit und In-\nnigkeit. Und wie der Dombaumeister auch in seinen klei-\nneren Bauten seine Tüchtigkeit bewährt, so auch hier unser\nJohann Sebastian. Ueber die Echtheit von Nr. 2 könnten\nZweifel entstehen, weil dieses Trio so ganz von den ande-\nren Nummern verschieden ist; doch ist es eine äusserst\nliebliche Nummer, und der Name des Redacteurs, Prof."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "326", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571010-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1330, "texte": "Kühmstedt, bürgt dafür, dass dieser Grund gehabt hat,\nes für eine Composition von J. S. Bach zu halten.\nJ. L. Krebs (geb. 1713, gest. 1780). Sämmt-\nliche Orgel-Compositionen.\nHeft 7 dieser Sammlung enthält eine schöne Toccata\nund Fuge in E-dur.Der Toccata sieht man es gleich an,\ndass es eigentlich eine Nachahmung der berühmten in\nvon J. S. Bach ist, wie man das bei Krebs wohl mehr fin-\ndet; doch ist es ein sehr wirkungsvolles, den Orgel-Vir-\ntuosen zu empfehlendes Musikstück. Die Redaction hätte\nsorgfältiger sein können; gleich im Anfange muss Tact 9\nso heissen:\nwie es sich aus der\nSequenz in Tact 13 ergibt. Ferner fehlt in Tact 62 auf\ndem zweiten Achtel das p-Zeichen, und ist es manchmal\nzweifelhaft, wo das Pedal eintreten oder aufhören soll.\nOrgel-Compositionen müssen durchaus auf drei Systemen\ngedruckt werden. Auf Seite 3 steht dreimal f. 0. W., wo\nsoll es nun Piano sein? Eine neue, corrigirte Ausgabe die-\nser schönen Composition wäre sehr wünschenswerth, da\nauch in der Fuge eine Menge Druckfehler sind.\nM. G. Fischer. Op. 16. Acht Choräle mit be-\ngleitenden Canons.\nDieses Werk ist dem Schönsten, was in dieser Gat-\ntung existirt, anzureihen. Es ist erstaunlich, wie fliessend,\nz. B. in Nr. 6, jede Stimme geführt ist. Es möge daher\nbesonders den Contrapunkt-Schülern zum Studium dringend\nempfohlen sein.\n\nV. D."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-10-10-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-10-10_01#c005", "volume": "bmtnabi_1857-10-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "326", "page_fin": "327", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571010-01.2.4", "titre_corps": "An den Herausgeber der Niederrheinischen Musik- Zeitung.", "titre_sommaire": "An den Herausgeber der Niederrheinischen Musik- Zeitung.", "signature_source": "A. Schindler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "326", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571010-01.1.6", "debut_caractere": 1332, "fin_caractere_exclue": 4614, "texte": "An den Herausgeber der Niederrheinischen Musik-\nZeitung.\n\nLieber Freund!\nIn dem Berichte über das Beethoven-Concert am 23.\nSeptember in Bonn (Niederrheinische Musik-Zeitung Nr.\n39) ersuchen Sie mich um Auskunft über die Sätze Pleni\nsunt coeli und Osannain der und meinen\nanbei, irgendwo gelesen zu haben,, dass Beethoven sie lür\nChor bestimmt habe.\nDie Auskunft, die ich über diese Sätze zu geben ver-\nmag, reducirt sich vom traditionellen Standpunkte bese-\nhen— auf ein sehr Kleines. Wären Sanctus und Benedictus\n1824 gleichfalls mit zur Aufführung gekommen, wie es\nnrsprünglich im Plane gelegen (Beethoven gab anlänglich\nnur das Gloria preis), so hätte es an kritischen Anmerkun-\ngen über die fraglichen Sätze nicht gefehlt, in der Art, wie\nsie die aufgeführten im Grossen und Ganzen in unserem\nKreise hervorgerufen hatten, wobei der Meister Alles freund-\nlich aufnahm und auch das Seinige nachdrucksvoll hinzu-\ngethan. Vorab würden sich „unsere Mädchen\", die Sontag\nund die Unger, kritische Anmerkungen über die ihrer Stimm-\nkraft widerstrebende Aufgabe in jenen Sätzen rückhaltlos\nerlaubt haben, wäre in der Aufführung auch Alles vortreff-\nlich gegangen. Was bei Gelegenheit der Correctur der\nfür die Subscribenten abgeschriebenen Partituren zwischen\nBeethoven und mir, diese Sätze betreffend, vorgekommen,\nbeschränkt sich bloss auf Folgendes: Ich machte die Aeus-\nserung, wie es mir scheine, dass diese beiden Sätze, vom\nvollen Chor gesungen, grössere Wirkung machen würden,\nals von vier Solostimmen. Ich stützte mich noch auf die\ngeringe Beschäftigung des Chors im Sanctus und Benedic-\nts, und bedauerte, dass dieser bei den fraglichen Sätzen\nblosser Zuhörer sein solle. Beethoven replicirte weit und\nbreit. Das Facit lautete: „Es müssen Solostimmen sein.\"\nBeethoven, dieser emphatische Laudator temporis acti\nin politischen und musicalischen Dingen, liebte es, an die\nSommitäten in der Gesangeskunst seiner Zeit za denken,\nwenn vom Gesänge die Rede war gerade wie wir Spä-\nteren es auch thun. Wenn er also beim Niederschreiben\ndes Pleni sunt coeli und des sich anreihenden Dsanna eine\nTomeoni, eine Buchwieser, oder eine Schulz, Campi, Wra-\nnitzky und andere derlei Stimm- und im\nSinne gehabt, so rechtfertigt dies seine Inteniiori bei diesen\nSätzen, falls er den Sängern ein kleines O'chester gegen-\nüberstellt, wie es in der Kirche geschieht. Da aber unsere\nEpoche derlei Grössen nicht mehr aufzuweisen hat und\nformidable Orchester schwachen Stimmm gegenüberstehen,\nso fordert dieser Umstand in unseren, wie in manch an-\nderem Falle Berücksichtigung in Interesse der Sache\nund der dabei betheiligten Sänger.\nAber noch Anderes fordert zu solcher Berücksichti-\ngung auf.\nBei Betrachtung dieser beiden Sätze drängen sich mir\ninnere wie auch äussere Widersprüche d.'rin auf. Der in-\nnere liegt offenbar in dem Missverhältnisse der Orchester-\nwucht zu den Solostimmen. Schon ein keiner Chor dürfte\ndieser Wucht von Ihnen ein „ furchtbaer Orchesterlärm\"\ngenannt—erliegen, zumal jede der vierStimmen von eini-\ngen Instrumenten im Forte und Fortismo begleitet, resp.\nmit fortgerissen wird. Den äusser er Widerspruch finde\nich in der Tempo-Bezeichnung, zumcst beim Pleni. Ein\nleicht beschwingter Rhythmus steht ns in den Coloratu-\nren aller Stimmen vor Augen, und dabi heisst es: „A"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "327", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571010-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1889, "texte": "pesante\". Ein Bleigewicht also an den Schwingen. Was\nsoll dieses Pes ante (schwerfällig) hier zur Stelle, die alle\nAusführenden zur höchsten Begeisterung herausfordert?\nKein Wunder, dass die Herren Dirigenten nicht wissen,\nwas damit beginnen, wenn ihnen die sichere Einsicht in den\nCharakter nicht auf den rechten Weg verhilft. Ich erlaube\nmir, dieses fremdartige Epitheton für einen ungeeigneten\nFührer zu erklären, und begnüge mich daher mit dem ein-\nfachen Allegro, jedoch im Sinne der Classiker, nicht der\nmodernen dirigirenden Windbeutel im Allgemeinen.\nWas sagen Sie wohl zu den Sforzato-Schlägen, die\nim Osannafortan die Stimmen begleiten? Das erlordert\ndoch wohl kolossale Stimmmittel, um mit heiler Haut\ndurchzukommen? Darum lieber der volle Chor!\nWenn unser musicalisches Zeitalter wirklich ein ge-\nbildetes, aufgeklärtes sein soll, so darf man für Irrthümer\nder höchststehenden Meister nicht blind sein, was so häufig\nder Fall ist. Auch in der Missa befinden sich ol-\nfenbare Irrthümer, obgleich Beethoven gerade dieses Werk\nlür sein „gelungenstes\" erklärte, was mir immerhin nicht\neinleuchten wollte, selbst zur Zeit, wo ich noch geringe\nEinsicht in dasselbe gehabt.\nSollte diesem riesigen Werke einstens ein deutscher\nText unterlegt werden, wie der in so wird der\nallenfalls kundige Bearbeiter diese Irrthümer, zunächst die\nim Agnus,mit Leichtigkeit beseitigen. Dann wird wohl\nauch noch dem im Dona enthaltenen Sinfonie-Satze, Ep\nPresto, Partitur S. 276, die entsprechende Begrün-\ndung zu Theil werden können, die ihm in einem Kirchen-\nwerke offenbar mangelt.\nSchliesslich sei Ihnen, lieber Freund und Kriegsge-\nfährte, für Anregung dieses unbezweifelt wichtigen Frage-\npunktes bestens gedankt, und nehmen Sie ja nicht Anstand,\ndiese meine Ketzerei abzudrucken; sie ist ernstlich gemeint,\nwas auch die Ultra-Beethovenianer dazu sagen mögen.\nDen 5. October 1857.\n\nA. Schindler."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-10-10-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-10-10_01#c006", "volume": "bmtnabi_1857-10-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "327", "page_fin": "328", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571010-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "327", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571010-01.1.7", "debut_caractere": 1891, "fin_caractere_exclue": 6177, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMolsi. Die Familie Brousil aus Prag hat in dieser Woche\nzwei Mal im Theater bei schwach besetztem Hause, aber mit gros-\nsem Beifalle gespielt. Die sechs Kinder bilden eine hübsche Gruppe\nund spielen gut zusammen. Die zweite Schwester, Bertha, 14\nJahre alt, hat das meiste Talent und steht bereits auf einer verhält-\nnissmässig hohen Stufe in der Technik des Yiolinspiels. Leider muss\nsie sich des Effectes bei der grossen Menge wegen auch auf Kunst-\nstücke einüben, welche unkünstlerisch sind. Am besten trug sie das\nAndante aus Mendelssohn'« Violin-Concert vor; im Ganzen spielt sie\n*u schwierige Sachen.\nDie Rheinische Musikschule hat Anfangs dieser Woche\nihren neuen Cursus wieder begonnen. Herr Riccius hat seine SteL-\nlung an derselben aufgegeben.\nISe&'liEl* Die technische Leitung der Kro 1F sehen Bühne hat\nmit dem 1. October Hr. Ferdinand Röder übernommen. Die von\nihm gegründete Theater-Agentur bleibt nach wie vor bestehen.\nRichard Würst componirt eine Oper, ~Bonita\", zu welcher\ner sich den Text selbst bearbeitet hat.\njflainz. Die hiesige Liedertafel in Verbindung mit dem Damen-\ngesang-Verein wird in dieser Winter-Saison in sieben Concerten un-\nter Anderem geben: Die Schöpfung von Haydn; Concert für\nVioline (in D-clur) von Beethoven; Lobgesang, Sinfonie-Cantate\nvon F. Mendelssohn-Bartholdy; Dramatische Scene für Sopran\nund Finale des zweiten Actes aus „Der letzte Maurenkönig\", grosse\ntragische Oper in drei Acten von Friedr. Marpurg; Sinfonie\nin C-dur von Franz Schubert; Frühlings-Hymne, Solo für Piano\nund Orchester von Joachim Raff; Samson von Händel; Die\nneunte Sinfonie von Beethoven und die Passionsmusik nach dem\nEvangelisten Matthäus in drei Abtheilungen von Sebastian Bach.\n[Est laudanda voluntas.]\n** 1. October. Die diesjährige Saison ist nun vorüber.\nVon den Concertisten, die sich heuer unserem Cur-Publieum präsen-\ntirten, erwähnen wir die Sänger und Sängerinnen Möns. Poultier,\nTenor der grossen Oper in Paris, Mlle. Vaillant, Mme. Nissen-\nSaloman, Mme. Cambardi von der italiänischen Oper in Paris,\nMiss Lucy Rafter und Möns. Leopold Amat, Chanteur Compo-\nsiteur, die Pianisten Henri Herz und AI fr. Ja eil, die Violinistin\nMlle. Bord et, den Violinisten Jap ha von Leipzig, den Cellisten\nSeligmann aus Paris und den Harpisten Godefroid aus Brüssel.\nAusser de Beriot, der jeden Sommer hier verweilt, bemerkten wir\nnoch den russischen Componisten Alexis Lwoff unter unseren\nBadegästen, so wie den bekannten Schriftsteller Karl Gutzkow.\nDresden, 25. September. Die gestrige Soiree mnsicale, in wel-\ncher Compositionen des kaiserlich russischen Generals Alexis v.\nLwoff unter eigener Leitung des Componisten zur Aufführung ka-\nmen, hatte einen grossen Kreis eingeladener Gäste versammelt. Dag\nProgramm bestand aus dem Stßbal tnater für Chor, Soli und Or-\nchester, einer Ouvertüre zur komischen Oper „Der Dorfschulze\" und\nder russischen National-Hymne. Das Staüai maier ist ein im edelsten\nkirchlichen Stile gehaltenes Werk, welches in seiner Auffassung, sei-\nner Erfindung uud Factur den eben so begabten als tief durchgebil-\ndeten Künstler zeigt. Wahre Empfindung, Würde und Erhebung des\nAusdrucks prägen sich in allen Sätzen aus. Die Ouvertüre zeigte\nden Componisten nicht minder lobenswerth auf einem sehr contrasti-\nrenden Terrain durch Frische und Fluss der Melodie, Leichtigkeit\n!\nder Bewegung, einfachen Charakter und gewählte Instrumentation.\nDie Ausführungen, unter Leitung des Componisten, Seitens der k.\nCapelle, des Hoftheater-Chors und der Herren Hof-Opernsänger Ru-\ndolph, Mitterwurzer und Conradi verdienen das grösste Lob. Der\nTonkünstler-Verein veranlasste zu Ehren des Herrn A. v. Lwoff eine\nausserordentliche Aufführung. Ausserdem fand bei dem Gaste selbst,\nfast nur in einem Kreise von -Musikern, eine Quartett-Akademie\nStatt, deren Improvisation der Vorzüglichkeit der Ausführungen kei-\nnen Abbruch that. Auch Beethoven's grosses ß-du.*-Trio und des-\nsen Septett wurden executirt. Herr Alexis v. Lwoff, als ausgezeich-\nneter Violin-Virtuose in der Kunstwelt wohlbekannt, erwarb sich da-\nbei von Neuem durch seinen schönen Ton, seine technische Beherr-\nschung des Instrumentes und durch seine geistreiche und ausdruckst\nvolle Auffassung und Behandlung die wärmste Anerkennung.\n(C. Banck. Dresd. Journ.)"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "328", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571010-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5416, "texte": "' RegeilslHirg, 21. September. Die Verhandlungen der zwei-\nten General-Versammlung des christlichen Kunst-Vereins dahier ha-\nben für Ihr verehrtes Blatt nur in so weit Interesse, als dabei die\nMusik betheiligt war, hier natürlich die kirchliche. Die Abgeordne-\nten aus den fernen und näheren Gegenden Deutschlands haben aber\ngerade diesem Zweige der Kunst ihr besonderes Augenmerk zuge-\nwandt. Als verlautete, es werde in dieser Beziehung hier wenig oder\nnichts geboten werden, so erregte dies nicht geringe Verwunderung\nbei den fremden Gästen, die seit lange gewohnt waren, Regensburg\nals den Vorort und Heerd der besseren, der unverfälschten heiligen\nMusik zu betrachten. Es wurde also in der ersten Vor-Versammlung\ndas entschiedene Verlangen nach der Vorführung classischer heiliger\nMusik ausgesprochen. Dem zufolge wurde von dem Dom-Capellmei-\nster J. Schrems während des Hochamtes im Dome am ersten Tage\ndie berühmte Missa von Palestrina: „Assumta esluy aufgeführt, mit\nseltener Präcision und tiefstem Verständniss der grossen Tonsehö-\npfung, am dritten Tage eine Gregorianische Messe nach Harmonisi-\nrung des Enchirid-Chorale und mit Posaunen-Begleitung. Herr Chor-\nregent Joh. Georg Mettenleiter aber gab am zweiten Tage Abends\nin der Niedermünsterkirche den Abgeordneten eine Auswahl von alt-\nclassischen Tonwerken zu hören, deren Seltenheit und Vorzüglichkeit\naus dem Programm erhellt, das ich mittheile :\n1. Psalm 50: „Miserere mei Dens66, a 6 Voc. Auel. J. P. A. Prae-\ntiestino (Palestrina). 2. Cantic. Zach.: „Benediclus Dominus Deus\nIsraela 4 Voc. Auct. Joan. Guidetli. 3. Psalm 109: „Dixil\nDominusa 4 Voc. Auel. Rog. Giovanelli. 4. Psalm 112: „Lau-\ndale pueri\", a 4 Voc. Auel, Fei. Anerio. 5. Cantic. ß. M. V.:\n„Magnißcata 4 Voc. Auel. Franc. Suriano. 6. Anliph.: „Alma\nRedemploris\", a 8 Voc. Auct. Palestrina. 7. Piesports.: Hodie no-\nbis coeloruma 4 Voc. Auct. Bern. Nanino. 8. Molelt: „Verbum\ncaro factum est\", a 6 Voc. Auct. J. L. Hasler, 9. Respons.: „Ecce\nqaomodo moritar justus\", a 4 Voc. Auct. J. IldndL 10. Motett:\n„Sepulto Domino\", a 4 Voc. Auct. Jac. Ildndl. 11. Motett: „An-\ngelus Domini\"9 a 8 Voc. Auel. Claudio Casciolini. 12. Motett:\n„Dum complerentura 6 Voc. Auct. Palestrina. 13. Motett: „Lau-\ndemus Dominuma 8 Voc. Auct. Fei. Anerio. 14. Motett: „Om-\nnes gentes plaudilea 8 Voc. Auct. Palestrina.\nDer Eindruck dieser Meisterwerke in vollendeter Ausführung war\nein ausserordentlicher. —• Schliesslich theile ich noch den Beschluss\nder General-Versammlung mit, dass nämlich die Herausgabe mehre-\nrer Jahrgänge der Musica divina von Dr. Proske sehr zu wünschen\nund dieselbe, so wie das Enchiridion Chorale von J. Georg Metten-\nleiter, höchlichst zu empfehlen sei.\nDas Comite des philharmonischen Vereins machte\nbereits die Tage bekannt, an denen in dieser Saison die Concerte\ndesselben, vier an der Zahl, Statt finden werden. Von bedeutenden\nCelebritäten, welche zu denselben gewonnen sind, zählen u. A. die\nSängerin Fräul. A. Bury, die Violin-Virtuosen Joachim und Singer.\nEs sollen abermals bedeutende Instrumentalwerke, auch von Schu-\nmann, zur Aufführung kommen, so dass die Concerte wohl ihren\nalten Ruf bewahren werden. Wir kommen jedenfalls darauf zurück.\nUebersicht der im hamburger Stadttheater vom 1. August\n1856 bis 31. Juli 1857 gegebenen Opern. (Schluss.) b. Komische\nOpern. 20 Nummern. Adam, Der Postillon von Lonjumeau, 1 Mal.\nAuber, Die Braut, [ Mal; Fra Diavolo, 2 Mal. Boieldieu, Die weisse\nFrau auf Avenel, 4 Mal; Der Kalif von Bagdad, 3 Mal. Donizetti\nDie Regimentstochter, 2 Mal; Der Liebestrank, 3 Mal. Eimenreich,\nDer Schmied von Gretna Green, 3 Mal. Von Flotow, Martha, 3 Mal.\nGrisar, Gute Nacht, Herr Pantalon! 4 Mal. Ed. Hamel, Malvina, 3\nActe, 1 Mal. Hensler, Das Donauweibchen, I. Theil, 1 Mal. Herold,\nZampa oder die Marmorbraut, 2 Mal. Hiller, Der Teufel ist los!\n(einzelne Scenen) 1 Mal. Von Kohlenegg, Die Königin ist\n1 Act, 1 Mal. Lortzing, Czaar und Zimmermann, 3 Mal, Mozart, Fi-\ngaro's Hochzeit, 4 Mal; Die Entführung aus dem Serail, 2 Mal. Ni-\ncolai, Die lustigen Weiber von Windsor, 5 Mal. Rossini, Der Barbier\nvon Sevilla, 8 Mal. 3. Ballette und Divertissements. 20 Nummern.\n- 4 Concerte, lebende Bilder u. s. w. 8 Nummern.\nSreißieil. Trotz der klimatischen Verhältnisse, welchen meh-\nrere Mitglieder der Oper, besonders der neue Primo-Tenor Herr\nKühn, ihren Tribut zollen mussten, fielen die beiden ersten Opern-\nVorstellungen im Stadttheater sehr günstig aus. Man gab „Die Hu-\ngenotten\" und „Die Capuleti und Montecchi\". Unsere Volk bewies\nals Valentine und Romeo, dass sie würdig sei, ein Liebling des bre-\nmer Publicums zu sein. Trotz der Indisposition des Herrn Kühn liess\nseine Stimme als Raoul und Tybaldo einen sympathischen Ton er-\nkennen, und Schule wie Vortrag zeigten sich wohlgebildet. Die neue\nColoratursängerin Fräul. Gebler besitzt einen hohen Sopran von\nweichem Schmelz und eine blendende Technik, in der namentlich ein\nausserordentlich virtuoser Triller glänzenden Effect macht. Herr\nEilers, Marcel, hat in der Kunst Fortschritte gemacht; Herrn Ber-\ntram, Nevers, begrüssten wir mit Freuden als einen lieben Bekann-\nten, und über Herrn Thelen d. j. (St. Bris) lässt sich viel Lobens-\nwerthes sagen.\nfestJi* Der Schauspieler Balogh Istwkn feierte am 31\nAugust auf dem Nationaltheater sein fünfzigjähriges Jubiläum und\ntrat dabei in einem von ihm selbst ebenfalls schon vor fünfzig Jah-\nren geschriebenen Stücke „Czerny György\" auf."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "321", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571010-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nWiener Federstriche zur Charakterisirung des gegenwärtigen Standes der Tonkunst in einigen ihrer renommirtesten Vertre-\nter. (Schluss.) Orgel-Literatur. Von V. D. An den Herausgeber der Niederrheinischea Musik-Zeitung. Von A. Schindler.\nTages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Geschwister Brousil, Rheinische Musikschule Berlin, Kroll'sche Bühne, Rieh. Würst\nMainz, Winter-Concerte Ems Dresden, Soiree Regensburg Hamburg, Concerte, Theater-Uebersicht Bremen Pesth).\n\nWiener Federstriche zur Charakterisirung des gegen-\nwärtigen Standes der Tonkunst in einigen ihrer\nrenommirtesten Vertreter.\n(Schluss. S. Nr. 40.)\nEine Erscheinung ganz anderer, specifisch verschiede-\nner Art und eigentlich gar nicht hieher gehörig ist Ro-\nbert Franz. Ich erwähne seiner an dieser Stelle nur,\num den Fratzen- und Zerrbildern, von welchen ich zuletzt\ngesprochen, doch auch ein edleres Bild entgegen zu stellen,\nan einem Beispiele von Fleisch und Blut meine Eingangs\nausgesprochene Ueberzeugung zu erhärten, dass der wirk-\nlichen Begabung auch gegenwärtig Raum genug gegeben\nist, sich zu entfalten, soweit sie es vermag, zugleich aber\nauch zu zeigen, wie selbst diese echte Künstler-Persönlich-\nkeit, sei es aus wirklicher Verblendung, sei es mit bewuss-\nter Absichtlichkeit, von jenen Nimroden sogleich missbraucht\nwird, um einen alten Thron, der aber lür ewige Zeiten auf\nsicheren Stützen ruht, so weit als möglich zu erschüttern.\nRobert Franz gehört zu denjenigen, welche von den\nin der leipziger „Neuen Zeitschrift für Musik\" herrschen-\nden Gewalthabern in Protection genommen sind, und er\nverdient es allerdings in hohem Grade. Liszt hat vor eini-\nger Zeit an diesem Orte über ihn ganz vortrefflich geschrie-\nben. Die Fähigkeit, sich dem Schönen und Grossen mit\nEnthusiasmus hinzugeben, lür dessen Anerkennung zu wir-\nken, gehört zu den grossen, stets anerkennenswerthen Sei-\nten der Liszt'schen Persönlichkeit, und es ist nur zu be-\nklagen, dass ihr eine eben so starke Neigung, das bloss\nglitzernde, llimmernde Rauschgold lür echtes zu halten, zur\nSeite steht und jenes Verdienst theilweise paralysirt. Liszt\nhat namentlich um Beethoven und Schubert grosse Ver-\ndienste, obgleich er, wenn er eine völlig reine Natur wäre,\nbei seinem immensen Darstellungs-Vermögen sich noch\nviel grössere hätte erwerben können. Dass Liszt während\nseiner ganzen praktischen Künstler-(Virtuosen-) Laulbahn\nso wenig lür Schumann gewirkt hat, da eben er doch, wie\nman meinen sollte, der Mann dazu gewesen wäre, wie\nkaum ein zweiter, konnten wir nie recht begreifen, und es\ngereicht ihm zu bleibendem Vorwurf. Er hat diese Schuld\nin neuerer Zeit theilweise eingelöst, nicht durch die Wid-\nmung seiner Sonate an Schumann, wohl aber durch Auf-\nlührung so manches Schumann'schen Werkes an der Spitze\nder Weimarer Capelle und durch seinen liebevoll geschrie-\nbenen, vor Jahresfrist erschienenen Aufsatz über Robert und\nClara Schumann. Wie man aber immer über seine Begei-\nsterung lür Wagner denken, wie es immer damit bestellt\nsein mag, so scheint uns doch in dieser energischen Hin-\ngabe an ein fremdes Interesse der Abdruck einer wei-\nten, in sich edeln Persönlichkeit zu liegen.\nDoch ich kehre zu Robert Franz zurück. Dieser Künst-\nler hat seine Kräfte fast ausschliesslich dem Liede gewid-\nmet, oder vielmehr sein Instinct wies ihm dieses Gebiet als\ndas seinem Naturel angemessene an. Er hat darin in der\nThat Ausgezeichnetes, wahrhaft Schönes geleistet; unter\nseinen Schöpfungen findet sich manche innig ergreifende,\nin dem von ihm gewundenen Kranze lachen uns Blüthcn\nder reizendsten Art an. Vor Allem findet sich das echte\nLied in seiner reinsten (strophischen) Ausbildung bei Franz\nam häufigsten vor, und die technische Auslührung ist im-\nmer von einer Feinheit, ich möchte sagen, Sauberkeit und\nReinheit, die nichts zu wünschen übrig lassen und lür des\nKünstlers zarte Empfindung, feinen Geschmack und har-\nmonische Bildung das sprechendste Zeugniss ablegen. So\nweit wird also jeder Kenner der Franz'schen Muse in ih-\nrem Lobe gern mitgeben und es ist weit genug. Allein\nder trefllichen Leipzigerin ist dies keineswegs genug, und\nerst jüngst wurde wieder bei Besprechung eines Psalmes"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "322", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571010-01.1.2", "texte": "von Robert Franz erklärt, „in ihm habe darüber seien\ngegenwärtig alle einsichtigen Musiker einig (!) das Lied\nseine höchste Vollendung erreicht, er habe erfüllt, was\nSchubert nur geahnt\"! Da haben wir denn also wieder\nden Unsinn in seiner blühendsten Gestalt. Denn nicht ver-\nschwiegen kann es bleiben, dass, so liebenswürdig, edel\nund sinnig die Franz'sche Muse auch ist, ihr Horizont doch\nkeineswegs ein sehr weiter genannt werden kann. Sie be-\nwegt sich im Gegentheil in ziemlich engem Kreise, und\nliebt es gern, dieselben Farben immer und immer wieder\nzu gebrauchen. Sollen wir es ohne alle Missachtung\nFranz'—gan/- trocken und freilich etwas herb aussprechen,\nso ist sein Ideenkreis, den er im Liede entfaltet, im Ver-\nhältniss zu Schubert nahezu gleich Null (so unend-\nlich ist dieser jenem überlegen), so wie ein Aehnliches z. B.\nüber das Verhältniss der Mendelssohn'schen Sinfonie zur\nBeethoven'schen auszusprechen wäre. Wie! Schubert, die-\nser Born der tiefsten, verborgensten, himmlischsten Natur-\nlaute, weiche je eines Menschen Brust durchzittert haben,\ndieser Proteus, unter dessen Zauberstabe jedes Gebilde ein\nneues, eigenthümliches Leben, neue, eigenthümliche Farbe\ngewann, der die ganze Weite und Breite der Welt in ihrer\nsüssesten Fülle, ihrer schmerzlich schaurigsten Tiefe\nnatürlich in seiner Weise, nicht mit der Macht Beethoven's\nwiederspiegelte: dieser Genius, der sich so wenig wie-\nderholen wird, wie irgend einer, sollte auf seinem ureigen-\nsten Gebiete vor seinem Rivalen Robert Franz zurückwei-\nchen müssen? Dies ist nicht anders, als wenn man auf der\nSpitze des Stephans-Thurmes einen neuen Thurmbau be-\nginnen wollte. Denn eine jede höchste Kunsterscheinung\nrepräsentirt in ihrer Sphäre eine solche Spitze, welche in\nalle Ewigkeit keine zweite mehr über sich duldet. Dies ist\nein Natur- und Weltgesetz, welches die Leipzigerin mit\nallen ihren Decreten nicht umstossen wird.\nIch weiss gar wohl, was man zu Gunsten Bobert\nFranz'anzuführen pflegt. Man beruft sich auf die minutiöse\nAusführung des Details in seinen Liedern, auf die tadellose\nCorreclheit seiner Declamation. wirft Schubert vor, es na-\nt\nmentlich in dem letzteren Punkte nicht immer genau genug\ngenommen zu haben. Allein, die Richtigkeit dieser Behaup-\ntung selbst zugegeben, was sind diese Dinge gegen das\nungeheure Uebergevvicht der Naturkraft in Schubert, gegen\ndie Füll e der Erfindung, in welchem Funkte er über-\nhaupt gar keinen Rivalen zu scheuen hat? Ein verschwin-\ndendes Minimum. Mit der richtigen, absolut unfehlbaren\nDeclamation weiss sich die Leipzigerin überhaupt erschreck-\nlich viel und macht mit diesem Werkzeuge ein unaussteh-\nliches und höchst überflüssiges Geklapper. Die Wagner'-\nschen Opern sollen wohl die Mozart'schen ausstechen, vor-\nnehmlich wegen der richtigeren Declamation. Diesen Schim-\nmel nun reitet hauptsächlich Ludwig Köhler und tummelt\nsich auf dieser Rennbahn mit einem nicht enden wollenden\nBehagen herum. Er glaube es nur, von dieser Weisheit\nwussten, ohne dass sie unserer Lehren bedurften, Mozart,\nBeethoven und Schubert mehr, als er sich vielleicht ein-\nbildet. Aber Ludwig Köhler beweis't euch haarklein, in der\nrichtigen Declamation und in dieser allein liege des Pudels\nKern begraben. Ihr dürft nur jede beliebigen Verse richtig\nund sinnvoll vor euch her declamiren und genau auf die\nHebung und Senkung der Accente hinhorchen, so habt ihr\nauch gleich ganz von selbst die allerschönste, diesen Ver-\nsen von Gottes und Rechts wegen zugehörige Musik. „0\nWeisheit, du redest wie ein Tauber!\"\nNur dass man nicht aus dieser im Zusammenhang mit\nRobert Franz vorgetragenen Polemik auf eine Missachtung\ndieses Künstlers von meiner Seite schliesse. Ich schätze ihn\nim Gegentheil ungemein hoch; aber auf eine so verkehrte\nWeise, die ihm eher schadet als nützt, muss man ihn nicht\nehren wollen. Ja, wie denn die wahren Meister immer auch\ndie bescheidensten sind, so kann ich hier sogar sehr gele-\ngener Weise ihn selbst citiren. In einem trefflichen Auf-\nsatze, den er jüngst in eben jener Zeitschrift über die Se-\nbastian Bach'schen Cantaten veröfi'entlichte, spricht er selbst\nes deutlich aus: „Wir sind Epigonen\" u. s. w., und es\nwar mir recht interessant, zu lesen, wie er selbst von dem\nwenig erquicklichen Kunstleben der Gegen-\nwart spricht. Daran möchten sich die Schreier und Prahl-\nhanse ein M.uster nehmen.\nSollte ja schon von einem Hinauskommen über Schu-\nbert im kleineren Gesangs-Genre die Rede sein, so wäre\nhier weit eher noch ein ganz Anderer zu nennen nämlich\nRobert Schumann. Denn das sage man mir ja nicht, dass\nFranz diesen nicht minder weitaus reicheren und tieferen\nMeister überboten habe. Allein wenn auch Schumann so\ngewaltige, zauberhafte und eigenthümliche Klänge im Liede\ngeschaffen und sich eine ganz eigene Welt erbaut hat, so\ndarf man doch nicht sagen, dass diese Welt höher stände\nals die Schubert'sche, sondern um so viel die Schumann'-\nsche weiter ist als die Franz'sche, um so viel ist die Schu-\nbert'sche wieder weiter als die Schumann'sche, mit gerin-\nger Einschränkung, welche zu erörtern nicht hieher gehört.\nGern gebe ich zu, dass Franz ebenfalls, namentlich im spe-\ncifischen Liede, besondere, ihm eigenthümliche Seiten habe,\nallein dies ändert in der Werthschätzung im Ganzen nichts."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "323", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571010-01.1.3", "texte": "Ein einziger ist im kleineren Genre der Gesangsmusik\nin der Ballade nämlich —über Schubert hinausgelangt,\nund das ist Karl Löwe. In seinen einzigen Balladen (na-\ntürlich nicht in allen, wohl aber in seinen höchsten, voll-\nendetsten) hat dieser Meister ganz neue Töne angeschla-\ngen und in dieser Kunstgattung das in ihr herrschende\nepisch-dramatische Princip und insbesondere auch das hu-\nmoristische Element zu viel energischerer Geltung gebracht,\nals dies im Ganzen Schubert oder Schumann, diesen über-\nwiegend lyrischen Naturen, oder irgend Einem gelungen.\nVon jüngeren Kräften nun, die sich der Tonmuse ge-\nwidmet haben, ziehen am meisten die Blicke auf sich Jo-\nhannes Brahms, J.Joachim und Anton Rubin-\nstein, theils durch Intensität, theils durch Extensität ihres\nTalentes.\nBrahms ist bekanntlich durch Schumann in die musi-\ncalische Welt eingeführt worden, welcher ihm durch seinen\noffenen Empfehlungsbrief freilich gegen seine Absicht die\nPfade eher erschwerte als ebnete, indem er zu sehr den\nNeid erregte, ältere, wahrhaft verdiente Meister—so dünn\ndiese gesäet sein mögen leicht ein wenig verdriessen\nkonnte, und unstreitig geeignet war, durch einen etwas\nüberschwänglichen Ton misstrauisch zu machen. Brahms\nliess in rascher Folge drei Sonaten, ein Heft Variationen\nüber ein Thema von Schumann, ein Scherzo in und\nzwei Hefte Lieder erscheinen, denen etwas später noch ein\nHeft Balladen für Pianoforte folgte. Von allen diesen Pro-\nductionen möchte ich auf das entschiedenste den Variatio-\nnen den ersten Rang anweisen. Dass Brahms ein echtes,\nganz eigenartiges Talent, eine feinbegabte Künstler-Natur\nist, könnte nach diesem Werke nur offene Missgunst oder\nbarer Unverstand läugnen wollen. Es finden sich unter die-\nsen Variationen (11 an der Zahl) einige von ganz zauber-\nhafter ätherischer Schönheit, wenngleich die aller-\nschönste eine etwas starke Reminiscenz aus Schumann (doch\nwohl nicht mit Absicht?) enthält und in einigen, wie z. B.\nder letzten, der Hang des jugendlichen Tondichters zum\nmystisch Verworrenen etwas unliebsam und bedenklich\nhervortritt. Ihnen zunächst möchte ich die Lieder stellen,\nin welchen Klänge von ergreifender Tiefe und Zartheit er-\nklingen. In den drei Sonaten, von welchen mir der ersten\nin C-dur der Vorzug zuzukommen scheint als der fri-\nschesten, noch am wenigsten überreflectirten »vermochte\nich bisher nur Einzelnem und einzelnen Theilen—wie dem\nAndante der ersten, dem Scherzo der e\nein ganz reines, lebhaftes Interesse abzugewinnen, und das\nGleiche gilt von seinem Trio für Pianoforte, Violine und\nVioloncell. Im Ganzen herrschte das Gefühl des Missbeha-\ngens vor, und so viel ich weiss, ist so ziemlich das Urtheil\ndes gesammten musicalischen, kritikberechtigten Publicums\nhierin übereingekommen. Diese Sonaten enthalten noch des\nrohen Elementes zu viel, machen sich noch zu barbarischer\nAusschreitungen in harmonischer und technischer Be-\nziehung schuldig, stellen noch zu wenig ein reines Verhält-\nniss zwischen Inhalt und Form dar, gefallen sich z. B.\ndie beiden Hauptsätze der C-eftzr-Sonate, besonders der\nletzte noch zu sehr in terroristischen Anläufen, musicali-\nschen Rodomontaden, um einen wahrhaft ästhetischen Ein-\ndruck hervorzubringen. Allein von je her hat man der Ju-\ngend überschäumende Maasslosigkeit viel lieber zu Gute ge-\nhalten, als träge Bequemlichkeit, lederne Trockenheit, und\nso wird man bei Brahms denn erst abzuwarten haben, ob\nes ihm gelingt, aus dem gährenden Most süssen Wein zu\ngewinnen, wozu ich denn herzlich wünsche, dass Apollo\nseinen Segen geben möge. Auch die zuletzt erschienenen\nBalladen zeigen ein ähnliches Verhältniss. Ganz eigenartig\nund von wirklich märchenhafter Klangschönheit ist der\nHauptsatz der «weiten, mittleren. In der letzten ringt eine\ntief empfundene, edle Melodie mit etwas widerspänstigem,\ndurch Ueberladung gedrücktem harmonischem Material. Die\nerste, welche sich die durch Herder's Uebertragung be-\nkannte schottische Ballade: „Edward, wie ist dein Schwert\nvom Blut so roth!\" zum Motto gewählt hat, wird, obwohl\nan sich nicht reizlos, in ihrer Wirkung schon durch die\nblosse Erinnerung an Löwe's grandiose, übergewaltige Be-\nhandlung dieses Stoffes zu sehr abgeschwächt. Brahms\nsteht jedenfalls innerhalb des geweihten Kreises, seinem\nWollen entspricht jetzt schon ein zwar noch nicht eben-\nmässiges, aber sehr bestimmt vorhandenes Können, und\nihn gegen Spott in Schutz zu nehmen, dessen die höher\nBegabten, allenfalls überdies noch etwas appart Angelegten\nnie entrathen, ist Pflicht der ernsten, parteilosen Kritik.\nWie gesagt, die Kraft an sich scheint uns in Brahms über\nallen Zweifel erhaben, und das Bedenkliche, Gefährliche für\nseine Entwicklung scheint mir nur in seinem theils instinc-\ntiven, theils refleclirten Streben nach Ueberfeinerung, in\nseinem übermässigen Hange zum Dämonischen, Phantasti-\nschen zu liegen. Vermag er diesen soweit es die stren-\ngen Kunstgesetze fordern (denn an sich sind es ja sehr\nwohl berechtigte Elemente) in etwas zu bezwingen, so dür-\nfen wir gewiss, sei es in näherer oder fernerer Zukunft,\nnoch viel reinere, reifere Früchte von ihm erwarten, als er\nuns bisher mitunter geboten hat. Dass er seit Längerem in\nseinen Publicationen eine Pause hat eintreten lassen, erscheint"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "324", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571010-01.1.4", "texte": "uns wofern es nicht eine unfreiwillige ist nur als ein\ngutes Zeichen.\nAn productiver Kraft Brahms entschieden untergeord-\nnet dürfte wohl Joachim sein. Allein über diesen habe\nich eigentlich kein Urtheil, da ich ausser einem Hefte:\n»Hebräische Melodieen\" für Viola und Pianoforte, bisher\nnoch nichts von ihm kenne, wie denn auch nur Weniges\n»erst von ihm im Musikhandel erschienen ist. Dürfte ich\naus jenen— mir ebenfalls nur erst oberflächlich vertrauten\nStücken mir ein Vorurtheil erlauben, so scheint sich mir\nJoachim ganz und gar in beklemmender Weise der Poesie\ndes Weltschmerzes in die Arme geworfen zu haben und\nhierin den höchsten Ausdruck der Kunst zu suchen. Auch\nwas ich sonst über grössere Schöpfungen seiner Feder, wie\nz. B. über eine von ihm componirte Ouvertüre zu Heinrich\nIV., über ein Violin-Concert vernahm, scheint mir iheils\njene Vermuthung zu bestätigen, theils zu Bedenken ande-\nrer Art Anlass zu geben. Allein natürlich keine Tradition,\nausser etwa die durch Jahrhunderte festgestellte, vermag\ndie eigene Anschauung zu ersetzen. Jedenfalls aber hat sich\nJoachim, wie so mancher Andere auch, zu tief und zu lange\nin die Nachtseiten der Schumann'schen Natur, des von ihm\nso sehr geliebten und verehrten Meisters, versenkt, und\nwird vielleicht erst sein eigentliches, volles Ich wieder zu\ngewinnen haben; denn eines solchen bedarf jede ursprüng-\nliche Künstlerkraft zu allernächst, soll sie als solche gelten\nkönnen. Dagegen ist Joachim schon in anderem Kreise eine\nso edle, reine Künstler-Natur, dass man auch seine Ver-\nirrungen, sein etwaiges Verkennen der ihm eigentlich ge-\ngebenen Kräfte und vornehmlichen Bestimmung nur mit\nSchonung behandeln soll.\nEin unläugbar frisches Reis endlich darf man Rubin-\nstein nennen. Brahms ist nach meinei Meinung eine viel\ntiefer angelegte Natur, dagegen hat jener vor diesem eine\ngewisse wohllhätige Frische und Unmittelbarkeit voraus.\nDaher denn auch seine ungleich grössere Expansionskraft,\ndie freilich auch wieder in solcher Ausdehnung ihr Bedenk-\nlich es hat, und die ihm gestattete, fast mit Einem Wurf\nmehrere, jedenfalls auch in verhältnissmässig kurzer Frist\nentstandene Dutzende umfangreicherer Arbeiten ins Publi-\ncum zu schleudern. In seinen Sonaten für Ciavier und Vio-\nline, seinen Trio's, weniger in seinen Streich-Quartetten,\nsind einige von wirklich blühender, erfreulicher Frische der\nErfindung, verbunden mit leichtem Fiuss und kühner, freier\nSchwunghaltigkeit der Ausführung. Zu sehr in die Tiefe\ndarf man bei ihm nicht sehen, über die Mittel-Region dringt\ner nicht leicht hinaus, es wird ihm unbequem. Daher sind\nauch, wenn ich mich recht besinne, die Adagio's bei ihm\nimmer die schwächere Partie. Unter seinen „Präludien\"\nsind einige, die tiefer geschöpft sind, als er es sonst liebt.\nAuch das Pianoforte-Concert mit Orchester, das er in Wien\nzur Aufführung brachte, hat wohlgelungene, tüchtige, ener-\ngisch dargestellte Partieen, und in seinen ziemlich zahlrei-\nchen Liederheften findet sich manches Treffliche, Eigen-\ntümliche, namentlich auch im launigen Genre. Dagegen\nist es auffallend, dass eine in der That ziemlich reich aus-\ngestattete Künstlerkraft wie die Rubinstein's so leicht und\nhäufig im kleineren Genre namentlich —in die allerärg-\nsten Trivialitäten verfällt und es mitunter nicht verschmäht,\nmit blossen Virtuosenstückchen und leerem Geklingel um\ndie Gunst der Menge zu buhlen, die indessen heutzutage\ndoch schon ganz anders über diese Dinge urtheilt, als vor\nzehn und zwanzig Jahren. Vollgültiges Zeugniss dalür lie-\nfern sein im Verein mit Vieuxtemps componirtes, wahrhaft\nabschenliches Duo für Ciavier und Violine über Motive aus\ndem „Propheten\", sein „Acrosein\nPortrails\" und fast alle kleineren Sachen, welche er in sei«\nnen Concerten dem wiener Publicum auftischte. Ich glaube\nnicht, dass Rubinstein's Talent, so jung er auch ist, mehr\nwesentlich neue Phasen der Entwicklung durchmachen wird,\nsondern dass wir ihn schon jetzt als eine rund und fertig\nin sich abgeschlossene Erscheinung zu betrachten haben.\nHierin und in seiner viel geringeren Gewissenhaftigkeit,\nKeuschheit der Kunst gegenüber, in seinem Mangel an\nTiefe und an mehr als flüchtig aufregenden Elementen\nscheint mir auch sein Haupt-Unterschied gegen Brahms zu\nliegen, über welchen die Acten nach meinem Ermessen\nnoch lange nicht geschlossen werden dürfen. Indessen mö-\ngen wir auch über Rubinstein's Zukunft nicht vorschnell\nurtheilen und zum mindesten die vielleicht einmal zu ma-\nchende Bekanntschaft eines eben im Entstehen begriffenen,\nvielleicht auch schon vollendeten Oratoriums und einer\nschon früher componirten Oper abwarten. Jedenfalls hat\nsich Rubinstein vor dem massenhaften Produciren, von dem\ner in seiner ersten Periode eine so starke Probe gegeben,\nzu hüten. Solcher Leichtsinn straft sich immer, und wenn\nes einem gar so leicht wird, so ist solche Gabe, mag sie\nnoch so sehr von Elasticität des Geistes zeugen, immer mit\nzweifelhaftem Blicke zu betrachten.\nI\nWir eilen, abzuschliessen. Nicht eine Galerie hervor-\nragender Künstler-Portraits der Gegenwart wollte ich hier\ngeben, sonst hätten Namen älteren und neueren Datums\nnicht fehlen dürfen. Denn an respeclablen Talenten, welche\ndem wahrhaft Schönen und Grossen oft sehr nahe kommen,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "325", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571010-01.1.5", "texte": "ohne es jemals oder doch nur in vereinzelten Fällen ganz\nzu erreichen, ist unsere Zeit reicher als irgend eine vorher-\ngegangene, wie dies immer in einer Periode der Fall zu\nsein pflegt, welche einer Epoche des höchsten Aufschwun-\nges, der classischen Höhe folgt. Denn aus den verborgen-\nsten, dunkelsten Schachten der Erde ist durch Riesenhände\ndas helle Erz und Gestein dermaassen zu Tage gefördert,\ndass sich ganz nothwendig unendlich viel mehrere finden\nmüssen, welche mit Talent und Geschick das ausgegrabene\nMaterial zu benutzen und zu Compositionen eigenen Ge-\npräges zu verwerthen wissen, welchen zwar im günstigen\nFalle immer eine gewisse Neuheit innewohnen wird, die\naber doch, mit schärfster Lupe besehen, sich meist nur als\neine Zusammensetzung entlehnter Stoffe zeigen werden.\nWir wollten nur gewisse markante Stadien und Wendun-\ngen der tonkünstlerischen Gegenwart bezeichnen, und dazu\nschienen uns die gewählten Namen am geeignetsten. Wir\nwollten zeigen, wie von den mehresten Kunstbeflissenen\nder Gegenwart, und zwar gerade von jenen, auf welchen\nder Blick der Zeitgenossen am erwartungsvollsten ruht, bei\nWeitem das Hauptgewicht auf die nächtigen, mystisch-phan-\ntastischen Seiten der Kunst gelegt wird, wie das leiden-\nschaftlichste Pathos, das krasseste Uebermaass, das Durch-\nbrechen alhr natürlichen und ästhetischen Schranken im-\nmer mehr überhand nimmt, und wie dies immer das sicher-\nste Zeichen ist, dass eine Kunst ihrer Auflösung entgegen\ngeht, ihrer Auflösung nämlich in die ursprünglichen rohen\nElemente, aus welcher erst nach längerer Ruhepause eine\nneue Zeit wiedes Schöpfungen wahrhaft neuer, das Schöne\nwieder von ganz neuen Seiten abspiegelnder Art aus sich\nzu gebären vermag Wir wollten nur vor Allem auch der\nIgnoranz und Unverschämtheit, den cliqueartigen Fanfaro-\nnaden ein wenig entgegen treten, welche mit knabenhafter\nInsolenz so gern das grosse Alte und wo möglich auch das\njüngsterloschen? Schöne hinabposaunen möchten, damit für\nihre leeren Popanze una Götzen der „Zukunft\" möglichst\ngeräumiger Plah werde.\n\nOrgel-Literatur.\n\nNachdem wir m vorigen Jahrgange (s. Nr. 49 vom 6.\nDecember) die neusten Erscheinungen auf dem Gebiete der\nOrgel-Literatur angzeigt haben, wollen wir jetzt der alten\nHeroen gedenken, 'ie durch den lür diese Literatur so\nsehr thätigen Verlege Herrn Körner theils aus dem Staube\nhervorgeholt, theils ii neuen billigen Ausgaben, die jedem\nOrganisten auf dem Lande die Anschaffung möglich raa-\nchen, veröffentlicht worden sind. Der Druck ist meistens\nklar und deutlich, einige der letzterschienenen Werke sind\nsogar schön gestochen und so billig, dass, wollte man sie\nabschreiben, man das Notenpapier dalür theurer bezahlen\nmüsste, als hier die ganze Ausgabe. Chronologisch fangen\nwir heute an mit dem ehrwürdigen\nDietrich Buxtehude (gest. 9. Mai 1707). Ge-\nsammt-Ausgabe seiner Orgel-Compositionen.\nHeft 1, a 7% Sgr.\nWenn auch dessen Compositionen, was Grossartigkeit\nund Phantasie-Reichthum betrifft, hinter den Bach'schen\nzurückstehen, so spricht sich doch in ihnen schon eine be-\ndeutende Freiheit in der Form und Modulation aus, ver-\nbunden mit interessanter contrapunktischer Arbeit ohne\nSteilheit, so dass dieselben nicht allein historischen, sondern\nauch Kunstwerth haben.\nJob. Pachelbel (gest. 3. März 1706). Gesammt-\nAusgäbe seiner Orgel-Compositionen. Heft 1,\nä 7 % Sgr.\nObgleich ein Jahr früher gestorben, als der vorher-\ngehende, scheint er uns doch chronologisch hieher zu ge-\nhören, da Buxtehude schon (nach Gerber) 1669 Organist\nwar und Pachelbel erst 1653 geboren ist. Auch dessen\nWerke sind zum Studium, vorzüglich wegen der Behand-\nlung der alten Tonarten, besonders zu empfehlen.\nGeorg Fried r. Händel. Sämmtliche Com Po-\nsitionen für die Orgel. Heft 14. Preis 3 Sgr.\nDas 14. Heft enthält die Fuge „Durch seine Wunden\nsind wir geheilet\" aus dem Messias. Eine Empfehlung die-\nser herrlichen Fuge ist wohl überflüssig. Bekanntlich\nschliesst diese Fuge auf der Dominante. Der hier ange-\nbrachte Schluss in F-moll ist ganz im Geiste des Originals.\nJ.S.Bach. Sämmtliche Orgel-Compositio-\nnen in Heften ä 7y2 Sgr.\nDie Hefte 51 und 52 enthalten acht Orgel-Trio's.\nDiese überaus lieblichen Compositionen erscheinen hier, so\nviel uns bekannt ist (ausser Nr. 3), zum ersten Male in\nDruck. So wie man den Löwen an den Klauen erkennt,\nso hier den grossen Meister an seiner Zartheit und In-\nnigkeit. Und wie der Dombaumeister auch in seinen klei-\nneren Bauten seine Tüchtigkeit bewährt, so auch hier unser\nJohann Sebastian. Ueber die Echtheit von Nr. 2 könnten\nZweifel entstehen, weil dieses Trio so ganz von den ande-\nren Nummern verschieden ist; doch ist es eine äusserst\nliebliche Nummer, und der Name des Redacteurs, Prof."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "326", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571010-01.1.6", "texte": "Kühmstedt, bürgt dafür, dass dieser Grund gehabt hat,\nes für eine Composition von J. S. Bach zu halten.\nJ. L. Krebs (geb. 1713, gest. 1780). Sämmt-\nliche Orgel-Compositionen.\nHeft 7 dieser Sammlung enthält eine schöne Toccata\nund Fuge in E-dur.Der Toccata sieht man es gleich an,\ndass es eigentlich eine Nachahmung der berühmten in\nvon J. S. Bach ist, wie man das bei Krebs wohl mehr fin-\ndet; doch ist es ein sehr wirkungsvolles, den Orgel-Vir-\ntuosen zu empfehlendes Musikstück. Die Redaction hätte\nsorgfältiger sein können; gleich im Anfange muss Tact 9\nso heissen:\nwie es sich aus der\nSequenz in Tact 13 ergibt. Ferner fehlt in Tact 62 auf\ndem zweiten Achtel das p-Zeichen, und ist es manchmal\nzweifelhaft, wo das Pedal eintreten oder aufhören soll.\nOrgel-Compositionen müssen durchaus auf drei Systemen\ngedruckt werden. Auf Seite 3 steht dreimal f. 0. W., wo\nsoll es nun Piano sein? Eine neue, corrigirte Ausgabe die-\nser schönen Composition wäre sehr wünschenswerth, da\nauch in der Fuge eine Menge Druckfehler sind.\nM. G. Fischer. Op. 16. Acht Choräle mit be-\ngleitenden Canons.\nDieses Werk ist dem Schönsten, was in dieser Gat-\ntung existirt, anzureihen. Es ist erstaunlich, wie fliessend,\nz. B. in Nr. 6, jede Stimme geführt ist. Es möge daher\nbesonders den Contrapunkt-Schülern zum Studium dringend\nempfohlen sein.\n\nV. D.\n\nAn den Herausgeber der Niederrheinischen Musik-\nZeitung.\n\nLieber Freund!\nIn dem Berichte über das Beethoven-Concert am 23.\nSeptember in Bonn (Niederrheinische Musik-Zeitung Nr.\n39) ersuchen Sie mich um Auskunft über die Sätze Pleni\nsunt coeli und Osannain der und meinen\nanbei, irgendwo gelesen zu haben,, dass Beethoven sie lür\nChor bestimmt habe.\nDie Auskunft, die ich über diese Sätze zu geben ver-\nmag, reducirt sich vom traditionellen Standpunkte bese-\nhen— auf ein sehr Kleines. Wären Sanctus und Benedictus\n1824 gleichfalls mit zur Aufführung gekommen, wie es\nnrsprünglich im Plane gelegen (Beethoven gab anlänglich\nnur das Gloria preis), so hätte es an kritischen Anmerkun-\ngen über die fraglichen Sätze nicht gefehlt, in der Art, wie\nsie die aufgeführten im Grossen und Ganzen in unserem\nKreise hervorgerufen hatten, wobei der Meister Alles freund-\nlich aufnahm und auch das Seinige nachdrucksvoll hinzu-\ngethan. Vorab würden sich „unsere Mädchen\", die Sontag\nund die Unger, kritische Anmerkungen über die ihrer Stimm-\nkraft widerstrebende Aufgabe in jenen Sätzen rückhaltlos\nerlaubt haben, wäre in der Aufführung auch Alles vortreff-\nlich gegangen. Was bei Gelegenheit der Correctur der\nfür die Subscribenten abgeschriebenen Partituren zwischen\nBeethoven und mir, diese Sätze betreffend, vorgekommen,\nbeschränkt sich bloss auf Folgendes: Ich machte die Aeus-\nserung, wie es mir scheine, dass diese beiden Sätze, vom\nvollen Chor gesungen, grössere Wirkung machen würden,\nals von vier Solostimmen. Ich stützte mich noch auf die\ngeringe Beschäftigung des Chors im Sanctus und Benedic-\nts, und bedauerte, dass dieser bei den fraglichen Sätzen\nblosser Zuhörer sein solle. Beethoven replicirte weit und\nbreit. Das Facit lautete: „Es müssen Solostimmen sein.\"\nBeethoven, dieser emphatische Laudator temporis acti\nin politischen und musicalischen Dingen, liebte es, an die\nSommitäten in der Gesangeskunst seiner Zeit za denken,\nwenn vom Gesänge die Rede war gerade wie wir Spä-\nteren es auch thun. Wenn er also beim Niederschreiben\ndes Pleni sunt coeli und des sich anreihenden Dsanna eine\nTomeoni, eine Buchwieser, oder eine Schulz, Campi, Wra-\nnitzky und andere derlei Stimm- und im\nSinne gehabt, so rechtfertigt dies seine Inteniiori bei diesen\nSätzen, falls er den Sängern ein kleines O'chester gegen-\nüberstellt, wie es in der Kirche geschieht. Da aber unsere\nEpoche derlei Grössen nicht mehr aufzuweisen hat und\nformidable Orchester schwachen Stimmm gegenüberstehen,\nso fordert dieser Umstand in unseren, wie in manch an-\nderem Falle Berücksichtigung in Interesse der Sache\nund der dabei betheiligten Sänger.\nAber noch Anderes fordert zu solcher Berücksichti-\ngung auf.\nBei Betrachtung dieser beiden Sätze drängen sich mir\ninnere wie auch äussere Widersprüche d.'rin auf. Der in-\nnere liegt offenbar in dem Missverhältnisse der Orchester-\nwucht zu den Solostimmen. Schon ein keiner Chor dürfte\ndieser Wucht von Ihnen ein „ furchtbaer Orchesterlärm\"\ngenannt—erliegen, zumal jede der vierStimmen von eini-\ngen Instrumenten im Forte und Fortismo begleitet, resp.\nmit fortgerissen wird. Den äusser er Widerspruch finde\nich in der Tempo-Bezeichnung, zumcst beim Pleni. Ein\nleicht beschwingter Rhythmus steht ns in den Coloratu-\nren aller Stimmen vor Augen, und dabi heisst es: „A"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "327", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571010-01.1.7", "texte": "pesante\". Ein Bleigewicht also an den Schwingen. Was\nsoll dieses Pes ante (schwerfällig) hier zur Stelle, die alle\nAusführenden zur höchsten Begeisterung herausfordert?\nKein Wunder, dass die Herren Dirigenten nicht wissen,\nwas damit beginnen, wenn ihnen die sichere Einsicht in den\nCharakter nicht auf den rechten Weg verhilft. Ich erlaube\nmir, dieses fremdartige Epitheton für einen ungeeigneten\nFührer zu erklären, und begnüge mich daher mit dem ein-\nfachen Allegro, jedoch im Sinne der Classiker, nicht der\nmodernen dirigirenden Windbeutel im Allgemeinen.\nWas sagen Sie wohl zu den Sforzato-Schlägen, die\nim Osannafortan die Stimmen begleiten? Das erlordert\ndoch wohl kolossale Stimmmittel, um mit heiler Haut\ndurchzukommen? Darum lieber der volle Chor!\nWenn unser musicalisches Zeitalter wirklich ein ge-\nbildetes, aufgeklärtes sein soll, so darf man für Irrthümer\nder höchststehenden Meister nicht blind sein, was so häufig\nder Fall ist. Auch in der Missa befinden sich ol-\nfenbare Irrthümer, obgleich Beethoven gerade dieses Werk\nlür sein „gelungenstes\" erklärte, was mir immerhin nicht\neinleuchten wollte, selbst zur Zeit, wo ich noch geringe\nEinsicht in dasselbe gehabt.\nSollte diesem riesigen Werke einstens ein deutscher\nText unterlegt werden, wie der in so wird der\nallenfalls kundige Bearbeiter diese Irrthümer, zunächst die\nim Agnus,mit Leichtigkeit beseitigen. Dann wird wohl\nauch noch dem im Dona enthaltenen Sinfonie-Satze, Ep\nPresto, Partitur S. 276, die entsprechende Begrün-\ndung zu Theil werden können, die ihm in einem Kirchen-\nwerke offenbar mangelt.\nSchliesslich sei Ihnen, lieber Freund und Kriegsge-\nfährte, für Anregung dieses unbezweifelt wichtigen Frage-\npunktes bestens gedankt, und nehmen Sie ja nicht Anstand,\ndiese meine Ketzerei abzudrucken; sie ist ernstlich gemeint,\nwas auch die Ultra-Beethovenianer dazu sagen mögen.\nDen 5. October 1857.\n\nA. Schindler.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMolsi. Die Familie Brousil aus Prag hat in dieser Woche\nzwei Mal im Theater bei schwach besetztem Hause, aber mit gros-\nsem Beifalle gespielt. Die sechs Kinder bilden eine hübsche Gruppe\nund spielen gut zusammen. Die zweite Schwester, Bertha, 14\nJahre alt, hat das meiste Talent und steht bereits auf einer verhält-\nnissmässig hohen Stufe in der Technik des Yiolinspiels. Leider muss\nsie sich des Effectes bei der grossen Menge wegen auch auf Kunst-\nstücke einüben, welche unkünstlerisch sind. Am besten trug sie das\nAndante aus Mendelssohn'« Violin-Concert vor; im Ganzen spielt sie\n*u schwierige Sachen.\nDie Rheinische Musikschule hat Anfangs dieser Woche\nihren neuen Cursus wieder begonnen. Herr Riccius hat seine SteL-\nlung an derselben aufgegeben.\nISe&'liEl* Die technische Leitung der Kro 1F sehen Bühne hat\nmit dem 1. October Hr. Ferdinand Röder übernommen. Die von\nihm gegründete Theater-Agentur bleibt nach wie vor bestehen.\nRichard Würst componirt eine Oper, ~Bonita\", zu welcher\ner sich den Text selbst bearbeitet hat.\njflainz. Die hiesige Liedertafel in Verbindung mit dem Damen-\ngesang-Verein wird in dieser Winter-Saison in sieben Concerten un-\nter Anderem geben: Die Schöpfung von Haydn; Concert für\nVioline (in D-clur) von Beethoven; Lobgesang, Sinfonie-Cantate\nvon F. Mendelssohn-Bartholdy; Dramatische Scene für Sopran\nund Finale des zweiten Actes aus „Der letzte Maurenkönig\", grosse\ntragische Oper in drei Acten von Friedr. Marpurg; Sinfonie\nin C-dur von Franz Schubert; Frühlings-Hymne, Solo für Piano\nund Orchester von Joachim Raff; Samson von Händel; Die\nneunte Sinfonie von Beethoven und die Passionsmusik nach dem\nEvangelisten Matthäus in drei Abtheilungen von Sebastian Bach.\n[Est laudanda voluntas.]\n** 1. October. Die diesjährige Saison ist nun vorüber.\nVon den Concertisten, die sich heuer unserem Cur-Publieum präsen-\ntirten, erwähnen wir die Sänger und Sängerinnen Möns. Poultier,\nTenor der grossen Oper in Paris, Mlle. Vaillant, Mme. Nissen-\nSaloman, Mme. Cambardi von der italiänischen Oper in Paris,\nMiss Lucy Rafter und Möns. Leopold Amat, Chanteur Compo-\nsiteur, die Pianisten Henri Herz und AI fr. Ja eil, die Violinistin\nMlle. Bord et, den Violinisten Jap ha von Leipzig, den Cellisten\nSeligmann aus Paris und den Harpisten Godefroid aus Brüssel.\nAusser de Beriot, der jeden Sommer hier verweilt, bemerkten wir\nnoch den russischen Componisten Alexis Lwoff unter unseren\nBadegästen, so wie den bekannten Schriftsteller Karl Gutzkow.\nDresden, 25. September. Die gestrige Soiree mnsicale, in wel-\ncher Compositionen des kaiserlich russischen Generals Alexis v.\nLwoff unter eigener Leitung des Componisten zur Aufführung ka-\nmen, hatte einen grossen Kreis eingeladener Gäste versammelt. Dag\nProgramm bestand aus dem Stßbal tnater für Chor, Soli und Or-\nchester, einer Ouvertüre zur komischen Oper „Der Dorfschulze\" und\nder russischen National-Hymne. Das Staüai maier ist ein im edelsten\nkirchlichen Stile gehaltenes Werk, welches in seiner Auffassung, sei-\nner Erfindung uud Factur den eben so begabten als tief durchgebil-\ndeten Künstler zeigt. Wahre Empfindung, Würde und Erhebung des\nAusdrucks prägen sich in allen Sätzen aus. Die Ouvertüre zeigte\nden Componisten nicht minder lobenswerth auf einem sehr contrasti-\nrenden Terrain durch Frische und Fluss der Melodie, Leichtigkeit\n!\nder Bewegung, einfachen Charakter und gewählte Instrumentation.\nDie Ausführungen, unter Leitung des Componisten, Seitens der k.\nCapelle, des Hoftheater-Chors und der Herren Hof-Opernsänger Ru-\ndolph, Mitterwurzer und Conradi verdienen das grösste Lob. Der\nTonkünstler-Verein veranlasste zu Ehren des Herrn A. v. Lwoff eine\nausserordentliche Aufführung. Ausserdem fand bei dem Gaste selbst,\nfast nur in einem Kreise von -Musikern, eine Quartett-Akademie\nStatt, deren Improvisation der Vorzüglichkeit der Ausführungen kei-\nnen Abbruch that. Auch Beethoven's grosses ß-du.*-Trio und des-\nsen Septett wurden executirt. Herr Alexis v. Lwoff, als ausgezeich-\nneter Violin-Virtuose in der Kunstwelt wohlbekannt, erwarb sich da-\nbei von Neuem durch seinen schönen Ton, seine technische Beherr-\nschung des Instrumentes und durch seine geistreiche und ausdruckst\nvolle Auffassung und Behandlung die wärmste Anerkennung.\n(C. Banck. Dresd. Journ.)"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "328", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571010-01.1.8", "texte": "' RegeilslHirg, 21. September. Die Verhandlungen der zwei-\nten General-Versammlung des christlichen Kunst-Vereins dahier ha-\nben für Ihr verehrtes Blatt nur in so weit Interesse, als dabei die\nMusik betheiligt war, hier natürlich die kirchliche. Die Abgeordne-\nten aus den fernen und näheren Gegenden Deutschlands haben aber\ngerade diesem Zweige der Kunst ihr besonderes Augenmerk zuge-\nwandt. Als verlautete, es werde in dieser Beziehung hier wenig oder\nnichts geboten werden, so erregte dies nicht geringe Verwunderung\nbei den fremden Gästen, die seit lange gewohnt waren, Regensburg\nals den Vorort und Heerd der besseren, der unverfälschten heiligen\nMusik zu betrachten. Es wurde also in der ersten Vor-Versammlung\ndas entschiedene Verlangen nach der Vorführung classischer heiliger\nMusik ausgesprochen. Dem zufolge wurde von dem Dom-Capellmei-\nster J. Schrems während des Hochamtes im Dome am ersten Tage\ndie berühmte Missa von Palestrina: „Assumta esluy aufgeführt, mit\nseltener Präcision und tiefstem Verständniss der grossen Tonsehö-\npfung, am dritten Tage eine Gregorianische Messe nach Harmonisi-\nrung des Enchirid-Chorale und mit Posaunen-Begleitung. Herr Chor-\nregent Joh. Georg Mettenleiter aber gab am zweiten Tage Abends\nin der Niedermünsterkirche den Abgeordneten eine Auswahl von alt-\nclassischen Tonwerken zu hören, deren Seltenheit und Vorzüglichkeit\naus dem Programm erhellt, das ich mittheile :\n1. Psalm 50: „Miserere mei Dens66, a 6 Voc. Auel. J. P. A. Prae-\ntiestino (Palestrina). 2. Cantic. Zach.: „Benediclus Dominus Deus\nIsraela 4 Voc. Auct. Joan. Guidetli. 3. Psalm 109: „Dixil\nDominusa 4 Voc. Auel. Rog. Giovanelli. 4. Psalm 112: „Lau-\ndale pueri\", a 4 Voc. Auel, Fei. Anerio. 5. Cantic. ß. M. V.:\n„Magnißcata 4 Voc. Auel. Franc. Suriano. 6. Anliph.: „Alma\nRedemploris\", a 8 Voc. Auct. Palestrina. 7. Piesports.: Hodie no-\nbis coeloruma 4 Voc. Auct. Bern. Nanino. 8. Molelt: „Verbum\ncaro factum est\", a 6 Voc. Auct. J. L. Hasler, 9. Respons.: „Ecce\nqaomodo moritar justus\", a 4 Voc. Auct. J. IldndL 10. Motett:\n„Sepulto Domino\", a 4 Voc. Auct. Jac. Ildndl. 11. Motett: „An-\ngelus Domini\"9 a 8 Voc. Auel. Claudio Casciolini. 12. Motett:\n„Dum complerentura 6 Voc. Auct. Palestrina. 13. Motett: „Lau-\ndemus Dominuma 8 Voc. Auct. Fei. Anerio. 14. Motett: „Om-\nnes gentes plaudilea 8 Voc. Auct. Palestrina.\nDer Eindruck dieser Meisterwerke in vollendeter Ausführung war\nein ausserordentlicher. —• Schliesslich theile ich noch den Beschluss\nder General-Versammlung mit, dass nämlich die Herausgabe mehre-\nrer Jahrgänge der Musica divina von Dr. Proske sehr zu wünschen\nund dieselbe, so wie das Enchiridion Chorale von J. Georg Metten-\nleiter, höchlichst zu empfehlen sei.\nDas Comite des philharmonischen Vereins machte\nbereits die Tage bekannt, an denen in dieser Saison die Concerte\ndesselben, vier an der Zahl, Statt finden werden. Von bedeutenden\nCelebritäten, welche zu denselben gewonnen sind, zählen u. A. die\nSängerin Fräul. A. Bury, die Violin-Virtuosen Joachim und Singer.\nEs sollen abermals bedeutende Instrumentalwerke, auch von Schu-\nmann, zur Aufführung kommen, so dass die Concerte wohl ihren\nalten Ruf bewahren werden. Wir kommen jedenfalls darauf zurück.\nUebersicht der im hamburger Stadttheater vom 1. August\n1856 bis 31. Juli 1857 gegebenen Opern. (Schluss.) b. Komische\nOpern. 20 Nummern. Adam, Der Postillon von Lonjumeau, 1 Mal.\nAuber, Die Braut, [ Mal; Fra Diavolo, 2 Mal. Boieldieu, Die weisse\nFrau auf Avenel, 4 Mal; Der Kalif von Bagdad, 3 Mal. Donizetti\nDie Regimentstochter, 2 Mal; Der Liebestrank, 3 Mal. Eimenreich,\nDer Schmied von Gretna Green, 3 Mal. Von Flotow, Martha, 3 Mal.\nGrisar, Gute Nacht, Herr Pantalon! 4 Mal. Ed. Hamel, Malvina, 3\nActe, 1 Mal. Hensler, Das Donauweibchen, I. Theil, 1 Mal. Herold,\nZampa oder die Marmorbraut, 2 Mal. Hiller, Der Teufel ist los!\n(einzelne Scenen) 1 Mal. Von Kohlenegg, Die Königin ist\n1 Act, 1 Mal. Lortzing, Czaar und Zimmermann, 3 Mal, Mozart, Fi-\ngaro's Hochzeit, 4 Mal; Die Entführung aus dem Serail, 2 Mal. Ni-\ncolai, Die lustigen Weiber von Windsor, 5 Mal. Rossini, Der Barbier\nvon Sevilla, 8 Mal. 3. Ballette und Divertissements. 20 Nummern.\n- 4 Concerte, lebende Bilder u. s. w. 8 Nummern.\nSreißieil. Trotz der klimatischen Verhältnisse, welchen meh-\nrere Mitglieder der Oper, besonders der neue Primo-Tenor Herr\nKühn, ihren Tribut zollen mussten, fielen die beiden ersten Opern-\nVorstellungen im Stadttheater sehr günstig aus. Man gab „Die Hu-\ngenotten\" und „Die Capuleti und Montecchi\". Unsere Volk bewies\nals Valentine und Romeo, dass sie würdig sei, ein Liebling des bre-\nmer Publicums zu sein. Trotz der Indisposition des Herrn Kühn liess\nseine Stimme als Raoul und Tybaldo einen sympathischen Ton er-\nkennen, und Schule wie Vortrag zeigten sich wohlgebildet. Die neue\nColoratursängerin Fräul. Gebler besitzt einen hohen Sopran von\nweichem Schmelz und eine blendende Technik, in der namentlich ein\nausserordentlich virtuoser Triller glänzenden Effect macht. Herr\nEilers, Marcel, hat in der Kunst Fortschritte gemacht; Herrn Ber-\ntram, Nevers, begrüssten wir mit Freuden als einen lieben Bekann-\nten, und über Herrn Thelen d. j. (St. Bris) lässt sich viel Lobens-\nwerthes sagen.\nfestJi* Der Schauspieler Balogh Istwkn feierte am 31\nAugust auf dem Nationaltheater sein fünfzigjähriges Jubiläum und\ntrat dabei in einem von ihm selbst ebenfalls schon vor fünfzig Jah-\nren geschriebenen Stücke „Czerny György\" auf."}]}