{"numero_id": "bm-bmtnabi-1857-11-07-01", "volume": "bmtnabi_1857-11-07_01", "ocr_sha256": "097517a4654ff06f710b33f5d648d32ced8c43c298757003ba6687fe74745987", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1857/11/07_01/bmtnabi_1857-11-07_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571107-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1857-11-07-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-11-07_01#c001", "volume": "bmtnabi_1857-11-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "353", "page_fin": "353", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571107-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "353", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571107-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 460, "texte": "Inhalt.\nDer kölner Männergesang-Verein. Die Heimkehr des Verbannten, Oper von Otto Nicolai. Von Ed. H. B erlin er\nBriefe (Jeannettens Hochzeit von Victor Massd Fräul. Maray Fidelio Concerte bei Kroll: Mad. Fiorentini, H. u. J. Wieniawski,\nBottesini). Von Gr. E. Aus Frankfurt am Main. Von A. S. 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Gegründet zu Köln am 27. April 1842, hat er\nseit seinem Bestehen sich die Hebung und Förderung des\ndeutschen Männergesanges zur Aufgabe gestellt, denselben\nim deutschen Vaterlande und im Auslande zu grösserer\nAnerkennung und Geltung gebracht, bei in- und ausländi-\nschen Gesangesfesten stets die ersten Preise errungen, durch\nseine öffentlichen Leistungen mehr als 40,000 Thaler ge-\nmeinnützigen Zwecken zuzuwenden vermocht und von des\nregierenden Königs von Preussen Majestät mittels Aller-\nhöchster Ordre vom 24. October 1855 die für ausge-\nzeichnete Leistungen auf dem Gebiete der Kunst gestiftete\ngoldene Medaille verliehen erhalten. Solche Erfolge haben\nin dem Vereine den Wunsch erweckt, seinen Bestrebungen\nfür den deutschen Männergesang eine längere Dauer zu\nsichern, und er hat daher beschlossen, zu Köln eine die-\nsem Zwecke gewidmete Anstalt zu gründen. Die wichtig-\nsten Paragraphen des Statuts lauten:\n§. 1. Unter dem Namen „Kölner Mannergesang-Ver-\nein\" besteht zu Köln eine Kunstanstalt für deutschen Män-\nnergesang, welche zum Zwecke hat: die theoretische\nund praktische Ausbildung ihrer Mitglieder (ür\nMännergesang in künstlerischer Beziehung, und b) die\nPflege und Förderung des deutschen Männergesan-\nges als Kunstgattung, so wie die Erhaltung und Förde-\nrung der Anerkennung, welche der deutsche Männer-\ngesang in der neueren Zeit überall gefunden hat.\n§. 3. Die Anstalt sucht diese Zwecke zu erreichen:\na) durch öftere Gesangübungen ihrer Mitglieder, verbunden\nmit theoretischen Erläuterungen aus der Musik- und Ge-\nsanglehre, so wie durch sorgfältiges Studium mustergültiger\nComposilionen für Männergesang; durch kunstgemässe,\nmöglichst vollkommene Ausführung von Gesangstücken in\ngeschlossenen Kreisen und vor dem grösseren Publicum,\nund c)durch Gestattung des Zutritts an Lehrer und Freunde\ndes Gesanges, welche nicht Mitglieder der Anstalt sind, zu\nden im Anstalts-Locale Statt findenden Uebungen und Aus-\nführungen.\n§. 4. Die zur Erreichung der erwähnten Zwecke erfor-\nderlichen Geldmittel erlangt die Anstalt: durch die Auf-\nnahme-Gelder der Mitglieder, so wie durch die regelmässi-\ngen Beiträge derselben; b) durch die ihr zugewandten\nSchenkungen und Vermächtnisse, und c) durch die Erträge\nder Öffentlichen oder nicht öffentlichen Ausführungen von\nGesangstücken.\n§. 7. Um wirkliches Mitglied zu werden, meldet der\nAufzunehmende sich schriftlich beim Vorstande (§. 10) an,\nwelcher ihn der Prüfungs-Commission (§. 14) überweist.\nErklärt diese ihn für hinreichend musicalisch befähigt, so\nfindet die Ballotage Statt.\n§. 13. Der Musik-Director ertheilt den theoretischen\nUnterricht und leitet die Gesanges-Uebungen, so wie die\nöffentlichen und nicht öffentlichen Auslührungen von Ge-\nsangstücken (§. 3). Sein Geschäftskreis kann durch die im\n§. 19 zu erwähnende Instruction enger und weiter bestimmt\nwerden.\n§. 18. Die Anstalt steht unter der Aufsicht des zeiti-\ngen Bürgermeisters der Stadt Köln.\n§. 22. Die zeitigen wirklichen Mitglieder des kölner\nMännergesang-Vereins werden durch Unterzeichnung dieses\nStatuts wirkliche Mitglieder der Anstalt für deutschen Män-\nnergesang. Sie bringen derselben das ganze von ihnen be-\nsessene Vereins-Vermögen, bestehend in baarem Gelde,\nMobilien, Musicalien, Instrumenten, Gesangespreisen und\nanderen Ehrengeschenken, als Eigenthum zu. Die Ehren-\nMitglieder des kölner Männergesang-Vereins erlangen durch"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "354", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571107-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 499, "texte": "eine Zuschrift des Vorstandes der Anstalt die Ehren-Mit-\ngliedschaft der letzteren.\nDer Königliche Musik-Director und Dom-Organist\nFranz Weber wird lebenslänglicher Musik-Director der\nAnstalt.\nDurch die Allerhöchste Cabinets-Ordre vom 13. Juni\nc. sind der Anstalt Corporat ionsrechte, soweit solche\nzur Erwerbung von Grundstücken und Capitalien erforder-\nlich sind, verliehen, und die Statuten sind, Coblenz, den 3.\nSeptember 1857, durch den Herrn Ober-Präsidenten der\nRheinprovinz bestätigt worden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-11-07-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-11-07_01#c003", "volume": "bmtnabi_1857-11-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "354", "page_fin": "356", "image_debut": 2, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571107-01.2.3", "titre_corps": "Die Heimkehr des Verbannten.", "titre_sommaire": "Die Heimkehr des Verbannten.", "signature_source": "Ed. H", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "354", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571107-01.1.2", "debut_caractere": 501, "fin_caractere_exclue": 4768, "texte": "Die Heimkehr des Verbannten.\nOper von Otto Nicolai.\n\nWien, den 13. October 1857.\nWir haben den Schlummer, den diese Oper seit den\nGlanzzeiten Staudigl's und der Hasselt ungestört genoss,\nohne Gewissensscrupel für einen ewigen gehalten, und wa-\nren daher nicht wenig überrascht, sie wieder auf dem Re-\npertoire des Hof-Operntheaters auftauchen zu sehen. Die\nAufnahme von Seiten des Publicums war sehr anständig,\nwenngleich ohne enthusiastische Symptome; das Wieder-\neinstudiren des Werkes erscheint somit durch den Erfolg\ngebilligt, keineswegs auch durch den inneren Werth des-\nselben.\nFlach und gehaltlos, wie sie ist, böte diese Musik we-\nnig Stoff zur Besprechung, wenn sie nicht zugleich ein\nhelles Licht auf die künstlerische Persönlichkeit Nicolai's\nund auf sein Verhältniss zu zwei verschiedenen Nationali-\ntäten würfe.\nIn ersterer Beziehung leistet die »Heimkehr\" ihrem\nComponisten den traurigen Dienst, die Schwäche und Un-\nselbständigkeit seines Talentes ausser Zweifel zu setzen.\nIn Wien, wo Nicolai's liebenswürdige Persönlichkeit und\nseine bisher unerreichten Verdienste als Capellmeister noch\nin sehr lebhaftem Andenken stehen, pflegt man nicht un-\n-4\ngern auch seine schöpferischen Fähigkeiten etwas hoch an-\nzuschlagen. Nicolai's productives Talent war niemals ein\nintensives oder eigenthümliches, sondern von jener weichen,\naneignenden Gattung, welche des inneren Widerstandes\nermangelt und daher in ihren Resultaten meist von dem\nZufall guter oder schlechter Vorbilder abhängt.\nDie Vorbilder, denen Nicolai in seinen ersten Opern\n(„ 11 Proscritlo\", „Ii Templario\", „Elisabelta<Tlnghilterra\")\nnacheiferte, waren für sein Talent höchst verderblich. Durch\nseinen Aufenthalt in Italien den Triumphen Donizetti's,\nMercadante's, Bellini's allzu nahe gerückt, verfiel Nicolai\nder Verlockung, die schönen Anfänge seiner musicalischen\nBildung bloss als Leiter zu benutzen, auf welcher sich den\nItaliänern bequem nachklettern liess.\nEin aufgeweckter, deutsch geschulter Componist über-\nredet sich gar zu leicht, den wälschen Opern-Schnickschnack\ntreffe Jedermann, und es koste bloss den Entschluss, ein\nzweiter Donizetti zu werden. In vielen Stücken mag er sein\nVorbild erreichen: ein Letztes, Wichtigstes wird immer\nfehlen, die angeborene Gluth und Sinnlichkeit des Italiä-\nners, die man sich eben so wenig geben kann, als ein be-\nliebiges Geburtsland. Nicolai hatte mit so viel Sorgfalt den\nDeutschen ausgezogen, dass ihm zum italiänischen Compo-\nnisten wirklich nur wenig fehlt. Dieses Wenige aber ist\nentscheidend. Nie hat er die Frische, die sinnliche Kraft,\nden schwungvollen Leichtsinn des Italiäners erreicht, wäh-\nrend er sehr werthvolle deutsche Anlagen dafür opferte.\nWer immer sich in eine fremde Nationalität hineinbettelt,\nerfährt, dass alles, was sie ihm auch gewähren mag, einem\nAlmosen weit ähnlicher sieht, als einer Eroberung.\nEtwas kann ein deutscher Componist thun, was noch\nmisslicher ist, als die freiwillige Selbstverwälschung: er\nkann es sich beikommen lassen, seine italiänischen Halbfa-\nbricate nachher wieder für die Deutschen herzurichten.\nNicolai verfiel auch diesem Irrthume und musste ihn\ntheuer genug büssen. Aus Italien zurückgekehrt und im\nBesitz einer einflussreichen musicalischen Stellung, quälte\ner sich unablässig mit dem Gedanken, seine italiänischen\nOpern für das deutsche Repertoire umzuformen. Dass er\ndamals, in seiner besten Kraft und voll schöner Anregun-\ngen, sich nicht entschliessen konnte, aus frischem ganzem\nHolz zu schneiden, sondern es vorzog, altes Zeug zu lei-\nmen, scheint schon ein unzweideutiges Zeichen einer schwa-\nchen, mühsamen Production. Ein Freund und Mitarbeiter\nNicolai's, Dr. Kapper, erzählte jüngst in den „ Westermann'-\nschen Monatsheften\" von dieser Umschmelzung des italiä-\nnischen „Proscritto\" in den deutschen „Verbannten\",\nund bezeichnet sie als eine Arbeit „von unbeschreiblicher,\nbeiderseitiger Aufopferung von Zeit und Mühe, von An-\nstrengung und Geduld\". Hätte Nicolai es damals über sich\nvermocht, seine italiänischen Versuche dahin zu thun, wo-\nhin sie gehören, ins Feuer, so würden wir wahrscheinlich\nnoch eine oder zwei Opern von ihm besitzen, wie die\n„Lustigen\nhatte der Componist endlich seine italiänische Vergangen-\nheit abgethan und ein zwar kleines, aber anmuthiges und"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "355", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571107-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4989, "texte": "stellenweise geistreiches Werk geliefert, das auf dem ver-\nlassenen Gebiete der deutschen komischen Oper eine ach-\ntungswerthe Stelle einnimmt.\nWas Nicolai zu der erwähnten mühsamen Umarbei-\ntung des „ Proscritto\" bewog, war gewiss nicht die Ueber-\nschätzung des Textbuches. Der Verbannte, Graf Norton,\nHaupt der Partei der weissen Rose, kehrt nach England\nzurück und findet auf seinem Schlosse ein festliches Trei-\nben zur Feier der Verlobung seiner Gattin Leonore mit\nSalisbury, dem Führer der rothen Rose, den sie liebt.\nSchwankend zwischen Pflicht und Liebe, nimmt sie Gift\nund versöhnt im Tode die beiden Gegner. Das gibt einige\nwirksame Situationen in einer beispiellos ärmlichen, lang-\ngestreckten Handlung. Die Heldin, Leonore, steht unmittel-\nbar vor dem Schlüsse der Oper noch genau in derselben\nSituation da, wie von allem Anfang: unschlüssig zwischen\nihren zwei Gatten, deren jeder sie dem anderen edelmüthig\nzuschiebt.\nDie musioalischen Aenderungen und Zusätze, die\nNicolai an der ursprünglichen Partitur vornahm, erkennt\nman unschwer an der dunkleren, deutschthümelnden Fär-\nbung. Wenn man aber schwarze, ernsthafte Falten in ein\nKindergesicht malt, so wird noch immer kein kräftiger Män-\nnerkopf daraus. Es gibt nicht wenige Componistcn man\nkönnte sie „die Vermittelnden\" nennen —, welche diese\nWahrheit anfechtend Sie wähnen, eine italiänische Melodie\ndeutsch zu machen, wenn sie einige schwindsüchtige Vor-\nhalte und einen Basso continuo dazu thun. Das liefe schö-\npferische Geheimniss, das wie die eigenste Seele einer Na-\ntion in ihrer Kunst sich ausprägt, lässt sich nicht durch\nrohe Aeusserlichkeiten nachschaflen. Edmund's e\nund andere Nummern der „Heimkehr\", worin Chromalik\nund Conlrapunkt nicht gespart wurden, sind eben so we-\nnig deutsch, als der „Freischütz\" italiänisch ist, weil Aenn-\nchen Rouladen und Agathe melodiöse Cantilenen singt.\nDas scheinbar so lucrative „Vermitteln\" in der Musik,\ndes Deutschen mit dem Italiänischen, der leichtfertigen Me-\nlodie mit der tiefsinnigen Harmonie, bringt gewöhnlich die\nkraftlosesten Producte zu Tage. Nur Genie's der seltensten\nUniversalität, wie Mozart, werden auf musicalischem Wege\nnationale Allianzen schaffen. Talente schwächerer Consti-\ntution vermögen in solchem Falle nur an einander zu reihen,\nnicht zu verschmelzen, und thun daher stets am besten,\nein bestimmtes Ideal, ein bestimmtes Publicum fest im Auge\nzu behalten. Das Ursprüngliche, Echtnationale dringt dann\nnoch immer leichter zu anderen Völkern, als derlei auf\nbeiden Seiten zu tragende Allerwelts-Musiken. Weber\ndachte nur an die Deutschen, Rossini nur an die Italiäner,\nBoieldieu nur an die Franzosen, und dennoch drangen ihre\nOpern weit über die nationalen Gränzen. Absichtliche\nAmalgame hingegen, wie Nicolai's „Heimkehr\", befriedi-\ngen weder den Nord- noch den Südländer. Kaum gibt es\neine künstlerische Verirrung, die sich so schwer rächt, wie\ndas Coquettiren mit fremder Nationalität; die speciellsten\nFehler derselben hat man augenblicklich; was aber den\neigentlichen Kern ihrer Vorzüge bildet, das erreicht der\nFremde mit aller Mühe nie.\nDiese allgemeinen Bemerkungen ersparen uns, der\n„Heimkehr des Verbannten\" in jedes Detail zu folgen. Es\nfehlt dieser Musik vor Allem die Originalität. Wir tadeln\nan ihren Melodieen weniger, dass sie italiänisch, als dass\nsie so allbekannt italiänisch klingen. Das Meiste ist phy-\nsiognomielos und abgegriffen; desshalb merkt man sich\nmitten unter lauter Melodieen kaum eine einzige davon.\nBlickt hin und wieder ein Ansatz zu tieferem Ausdruck\nhervor, so schlägt ihn gewiss wenige Tacte später (gleich-\nsam um die Italiäner zu versöhnen) ein Gemeinplatz wieder\ntodt. (Wir erinnern an die polonaisenartige Begleitungs-\nFigur zu dem Duo Nr. 7: „Leonoren gelobt' ich\", dann\nan den Schlusssatz dieses Duetts u. s. w.) Seine schöne\nKenntniss der Instrumentirung verwendet der Componist\nzu den langweiligsten Concert-Solo's lür Oboe, Cello, Cla-\nrinette u. s. w.\nEin einziges Stück bewegt den Hörer in kräftigerer\nund tieferer Weise: die Scene Georg's mit Chor zu Ende\ndes zweiten Actes. Man kann zwar auch diesem Stücke\nkeine hervorragende Erfindung nachrühmen, allein es ist\nStimmung darin und ein sehr wirksames Steigern. Offen-\nbar ist diese Nummer eine der später componirten, da sie\nin ihrer breiten harmonischen Ausführung und der Ab-\nwechslung von Solo-Quartett und Männerchor auflallend\ndeutschem Geschmack huldigt.\nIm G anzen hört man die Oper zwar ohne lebhaften\nAntheil, doch ohne Missbehagen. Dies ist das Verdienst der\ngewandten Technik Nicolai's, der die musicalische Form,\ndie scenischcn Effecte, das Orchester und vorzüglich die\nSingstimmen mit grosser Sicherheit und Glätte behandelt.\nEine musicalische Charakteristik der einzelnen Perso-\nnen ist auch nicht im leisesten Versuch vorhanden; Freund\nund Feind, weisse und rothe Rose, Alles breitet sich in\nderselben süssen Cantilene aus.\nNachdem die „Heimkehr des Verbannten\" vorzüglich\nfür den Success des Sängers sorgt, kann es nicht fehlen,"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "356", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571107-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 915, "texte": "Dass eine gute Besetzung die Oper eine Zeit lang zu halten\nim Stande ist.\nDer Aufführung im Kärthnerthor-Theater wird dies\nsicherlich gelingen. Fräul. Meyer sang die Leonore zwar\nnicht mit der vollendeten Virtuosität einer Hasselt, da-\nfür mit jener dramatischen Auffassung und lebhaften Em-\npfindung, welche den Leistungen dieser Künstlerin stets\nden warmen Antheil des Publicums sichern. Herr Schmid\nfand in der Partie des Edmund reichliche Gelegenheit, seine\nköstliche Stimme zu entfalten; in dramatischer Hinsicht\nliess er die Rolle leider sehr unentwickelt. Sehr gut waren\ndie beiden Tenor-Parlieen besetzt. Herr Walter (Georg)\nerzielte im zweiten Finale einen schönen Erfolg, und Herr\nMeyer (Norton) trug so verständig und maassvol! vor,\ndass wir nach dieser Rolle ihn erst recht mit Befriedigung\nden Unseren nennen. Die Chöre, das Orchester, endlich\ndie ganze äussere Ausstattung verdienen alles Lob.\n\nEd. H."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-11-07-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-11-07_01#c004", "volume": "bmtnabi_1857-11-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "356", "page_fin": "358", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571107-01.2.4", "titre_corps": "Berliner Briefe.", "titre_sommaire": "Berliner Briefe.", "signature_source": "G. E", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "356", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571107-01.1.4", "debut_caractere": 917, "fin_caractere_exclue": 4997, "texte": "Berliner Briefe.\n\n[„Jeannettens Hochzeit\" von Victor Massd Fräul. Maray\nFidelio Concerte bei Kroll: Mad. Fiorentini, H. und J.\nWieniawski, Bottesini.]\nDen 31. October 1857.\nDie komische Oper brachte gestern eine einactige ko-\nmische Operette, „Jeannettens Hochzeit\", von\nVictor Masse, über die ich viel ungünstiger berichten\nmuss, als neulich über den Kadi. Namentlich ist es die\ncynische Frivolität des Textes, wogegen sich das gebildete\nGelühl sträubt. Man lässt sich in der Posse viele Derbhei-\nten und Ausschreitungen gefallen; aber erstens muss es\neine Posse sein mit einer reichen Fülle äusserlicher Komik,\nwas sich von diesem Machwerke durchaus nicht sagen lässt;\nzweitens muss in den Charakteren und Situationen, die dem\nPossenhaften zu Grunde liegen, der Grundkern ein tüchti-\nger sein; die Menschen können sich über die Gränzen äus-\nserer Sitte weit hinwegsetzen, sie können alle Schranken,\nwelche die Bildung für den geselligen Umgang vorschreibt,\nkühn durchbrechen, damit die sinnliche Natur des Menschen\nunvethüllt hervortrete; aber eine gewisse Stätte ist heilig,\nund mit solchen Situationen, wie sie unter durchaus elen-\nden, unter vollständig schaam- und ehrlosen Individuen\nvorkommen mögen, sich abzugeben, das kann man Nieman-\ndem zumuthen. Ein Bräutigam, der seine Braut in dem\nAugenblicke, wo der Ehe-Contract unterzeichnet werden\nsoll, wo das ganze Dorf zusammengekommen ist, um den\nHochzeitsschmaus zu feiern, sitzen lässt, weil er ein lusti-\nger Bursche ist, der sich nicht entschliessen kann, die Frei-\nheit seines Junggesellenstandes aufzugeben, das ist aller-\ndings schon eine etwas starke Zumuthung; aber es ginge\nnoch, es liessen sich dem tollen Streiche noch liebenswür-\ndige Seiten abgewinnen. Die Hochzeitsgäste bleiben zusam-\nmen und überlassen die Braut, Jeannette, ihrem Schicksal;\nsie sind einmal da, um sich zu amusiren, da darf auch Jean\nnicht fehlen; sie lassen ihn holen, und er verspricht auch,\nzu kommen. Das ist eine saubere Gesellschaft, in der That.\nWenn es mit der wirksamsten Komik von der Well aus-\ngeführt wäre, auch gegen die spasshafte Darstellung so\nunglaublicher Rohheit müsste sich das Gelühl sträuben;\nhier ist aber die Ausführung noch obendrein trocken und\nlangweilig. Aber Jeannette ist auch nicht blöde. Noch ehe\nJean zu den Hochzeitsgästen zurückgeeilt ist, kommt sie\nauf sein Zimmer und bittet sich Erklärungen aus. Er ge-\nsteht ihr mit Offenheit den wahren Grund, sie scheint sich\nzu beruhigen und bleibt allein auf der Bühne zurück. Wäh-\nrend sie sich in Thränen ergeht, hört man aus der Ferne\nden singenden Jean, der auf das Wohl anderer Mädchen\nTrinksprüche ausbringt. Nun fühlt sie sich erst in ihrem\nInnersten verletzt und geht fort, nur mit dem Gedanken\nan Rache beschäftigt. Jean kommt betrunken nach Hause\nzurück. In diesem Zustande wird er zum zweiten Male\nvon Jeannette überrascht, die ihm jetzt mit der Rache ihres\nVaters droht, Jean ist ein ängstlicher Mensch und lässt\nsich einschüchtern. Er soll, so verlangt die zürnende Braut\ndrohend, das Papier unterschreiben, das sie ihm überreichen\nwürde, oder er werde es bereuen. Jean, der, wie sich\nnachher herausstellt, nicht lesen kann denn er weiss gar\nnicht, was er unterschreibt —, aber seltsamer Weise das\nSchreiben trotzdem zu verstehen scheint, unterschreibt\ner hat den Ehe-Contract unterzeichnet. Jeannette hat nun\nfreie Wahl: sie kann ebenfalls unterschreiben, dann hat sie\nden Flüchtling gefangen, oder sie kann, den Contract in\nder Hand, den Leuten sagen; Nicht er, ich bin zurückge-\ntreten. Anfangs wollte sie das Letztere, aber sie besinnt\nsich; Jean ist doch eigentlich ein guter Mensch, denkt sie,\nunterschreibt ebenfalls und gerirl sich sofort als Hausfrau.\nJean, in voller Wuth. trunken obendrein, zerschlägt alle\nMöbel, zerreisst den llochzeitsrock und begibt sich darauf\nin das Nebenzimmer, um seinen Rausch auszuschlafen.\nJeannette mit dieser Scene beginnen die ersten Spuren\nmenschlicher Gesittung sichtbar zu werdeu hebt den Rock\nauf und näht ihn wieder zusammen; die neuen Möbel, die\nschon bestellt sind und vor der Thür warten, werden her-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "357", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571107-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5298, "texte": "eingebracht. Als Jenn erwacht, findet er Alles säuberlich\ngeordnet, den Tisch gedeckt; allmählich überzeugt er sich,\ndass Jeannette doch eine gute Frau sei und das Heirathen\nmanche praktische Vortheile habe. Schliesslich seheint eine\nsehr glückliche, zufriedene Ehe daraus hervorzugehen. Ich\nhabe den Text so vollständig mitgetheilt, weil er in der\nThat ein merkwürdiges Exempel ist, was man in Paris zu\nertragen vermag; hielür ist unsere Bildung aber noch nicht\nreif. Die Musik von Masse ist sehr unbedeutend. Artig\nist der Einfall, das Hochzeils-Glockengeläute gleich in die\nOuvertüre zu verweben; die G'ocken verschmelzen sich\nganz gut mit den Klängen des Orchesters. Der dramatische\nAusdruck fehlt oft gänzlich und ist, wo er vorkommt, sehr\nmatt; von Erfindung ist gar nicht die Rede. Höchstens\nlässt sich an der Musik rühmen, dass sie sich von allen\nUeberladungen frei hält, und vielleicht auch dies nicht ein-\nmal durchweg; denn es scheint mir problematisch, ob sich\neine so ausgelührte Coloratur-Partie, wie die Jeanneltens,\nin einer leichten, einactigen Operette rechtfertigen lässt.\nEin Gastspiel, das an der königlichen Bühne unternom-\nmen wurde, nahm einen unglücklichen Verlauf. Fräul. Ma-\nray, eine italiänische Sängerin von Ruf, die in Wien, Lon-\ndon und Petersburg gesungen hat, war auf acht Gastrollen\nengagirt, die sie mit der Lucia begann. Der Erfolg ihres\nersten Auftretens war aber so ungünstig und der Billet-\nVerkauf schon gleich darauf so gering, dass ihr der Rath\nertheilt wurde in Rücksicht auf ihren Ruf —, das Gast-\nspiel aufzugeben, worauf sie auch bereitwillig einging. Die\nStimme erschien als vollständig passirt, was bei einer Sän-\ngerin, die, wie wir hören, erst acht Jahre bei der Bühne\nist, und deren äussere Erscheinung noch einen ziemlich\njugendlichen Eindruck macht, nur dadurch sich erklären\nlässt, dass sie den gefährlichen Versuch gewagt hat, es den\nmodernen italiänischen Sängern in forcirlen dramatischen\nEffecten gleich zu thun, ohne die Fähigkeit dazu zu be-\nsitzen. Ihre Stimme klang überall, wo sie nur irgend sich\ndarauf einlies.\", mit Empfindung und Leidenschaft zu sin-\ngen, dünn, gepresst und unrein; auch ihre Auflassung und\nihr Spiel waren gemacht und unnatürlich, obschon nicht\nohne Verstand angelegt. Als Coloratursängerin zeigte sie\nindess eine sehr sichere und geschmackvolle Ausbildung,\nund es ist nur zu bedauern, dass sie sich nicht auf das Ge-\nbiet zu beschränken vermochte, dessen sie theils durch ihr\nTalent, theils durch ihre Schule Meisterin war*).\nVon den übrigen Opern-Aufführungen wäre noch die\ndes Fidelio zu erwähnen, in der Frau Köster das Herr-\nlichste leistet. Die Rolle des Florestan ist jetzt aus den\nHänden von Mantius in die des Herrn Form es überge-\ngangen, der aber mit seiner modernen Manier sich in den\nedeln, reinen Stil Beethoven's nicht zu finden vermochte.\nDie Intonation war unsicher, der Tonansatz schwankte be-\nständig, die ungeschickte Verbindung der Register störte\nunaulhörlich den ruhigen Fluss der Canliiene; namentlich\naber verletzte die krampfhafte, gewaltsame Art, mit der\nz. B. in dem Allegro der grossen Arie die hohen Töne\nherausgestossen wurden; wir verlangen hier die Kraft der\nseligsten Begeisterung, aber nicht den ungestümen Schrei\nunreiner Leidenschaft.\nDas Kr oll'sehe Local bildet durch einen neuen Con-\ncert-Cyklus gegenwärtig fast den Mittelpunkt unserer mu-\nsicalischen Erlebnisse. Vier Künstler von hoher Bedeutung,\ntheilweise sogar ersten Ranges, haben sich vereinigt und\nbieten dem Publicum die Erzeugnisse der Virtuosität in so\nbunter Abwechslung und zu einem so niedrigen Preise dar,\ndass man das früher so übermüthige Virtuosenthum fast\nbeklagen könnte. Mad. Fiorentini ist dem berliner Pu-\nblicum aus den letzten Zeiten der italiänischen Oper noch\nbekannt. Sie machte damals durch den üppigen Klang ihrer\nStimme und durch die Schönheit ihrer Erscheinung gros-\nses Aufsehen; als Künstlerin gait sie aber niemals viel. Ihre\nStimme ist noch immer, namentlich vom zweigestrichenen\nc bis a,wunderschön; die tieferen Töne sind überhell, nach\nitaliänischer Manier, so dass sie den edeln Timbre verlie-\nren, die äusserste Höhe etwas gewaltsam. Die Intonation\nist gut, und die Coloratur, obschon nicht zu aussergewöhn-\n-1 icher Kunstfertigkeit entwickelt, doch ziemlich correct.\nHinsichtlich des Ausdrucks lässt sie am meisten zu wün-\nschen; sie hat nur ein kleines Gebiet von Stimmungen, in\ndas sie sich hinein zu fühlen vermag, und auch dieses be-\nherrscht sie nicht mit fortreissender Frische. Joseph\nWieniawski ist ein bedeutender Clavierspieler, doch\nscheint mir seine Technik nicht mehr so tadellos, wie vor\nvier Jahren; er spielt zu hart, und wo er leicht über die\nTasten fortgfeiten will, nicht immer mit hinreichender Klar-\nheit. Wie wir hören, hat er in jüngster Zeit vorzugsweise\nCompositions-Studien (unter dem Prof. Marx) gemacht;\nein von ihm componirtes Clavier-Concert zeigte das rühm-\n\n*) Wenn die Herren Intendanten, Opern-Regisseure und Capell-\nmeister sich herabliessen, Musik-Zeitungen zu lesen, so\nwürden sie häufig vor solchen MissgrifFen in Engagements be-\nwahrt werden. Die oben genannte Sängerin ist von unserem\nCorrespondenten in London und in unseren eigenen Berichten\nüber die dortige Oper schon vor Jahren als sehr unbedeutend\nbezeichnet worden. Die Red actio n."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "358", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571107-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1974, "texte": "liehe Streben nach thematischer Gestaltung und kunstvoller\nVerwendung des Orchesters, doch noch manches Unreife\nin der Wahl der Gedanken, in der klaren harmonischen\nund polyphonen Gestaltung des Ganzen. Sein Bruder,\nHenri Wie n i awski, hat sich unendlich vervollkommnet\nund darf jetzt als einer der ersten lebenden Violin-Virtuo-\nsen gelten. Sein Ton hat weniger Fülle, als intensiven\nKlang; dies mag noch ein Mangel sein, der aber doch im\nVergleich mit dem Positiven, was der Künstler leistet, von\ngeringer Bedeutung ist; seine Auffassung gibt den Beweis,\ndass er die Sturm- und Drang-Periode hinter sich hat; die\nfeurige, männliche Kraft ist nicht verloren gegangen, aber\nder Sinn für das Zarte und die Fähigkeit, überall, auch in\nder Darstellung der Leidenschaft, der schönen Form ge-\nrecht zu werden, ist ebenfalls erwacht. Bottesini,\nder berühmte Contrabassist, bildet den Glanzpunkt der\nerwähnten Concerte. Er hat das gewaltige Instrument in\ndem Grade gebändigt und behandelt es in seiner natürli-\nchen Lage wie im Flageolet mit so vielem Geschmack, dass\nman nicht bloss das Aussergewöhnliche der Erscheinung\nund die Kraft eines eisernen Willens bewundert, sondern\neine wahrhaft künstlerische Freude daran hat natürlich,\nsoweit der Vortrag bekannter italiänischer Melodieen und\nBravour-Passagen dies möglich macht. Für mich hat der\nTon seines Instrumentes, auch im Flageolet, etwas ausser-\nordentlich Wohlthuendes; er ist so ruhig, mild und edel,\nso gänzlich frei von aller Effecthascherei, von allem Forcir-\nten und Verletzenden; eben so zeigt sich in der Auffassung\nein höchst gebildeter Sinn, eine feine Eleganz, der alle ro-\nhen und Accente ein Gräuel sind. Und diese\nEleganz auf dem Contrabass in einer Zeit, wo die So-\nprane und Tenore sich ihre Stimmen verschreien, weil sie\nder Masse gefallen wollen, weil ihnen kein Effect stark ge-\nnug ist, weil ihnen der Beifallsjubel des unwissenden Pö-\nbels lieber ist, als die stillere Zustimmung der Gebildeten!\n\nG. E."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-11-07-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-11-07_01#c005", "volume": "bmtnabi_1857-11-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "358", "page_fin": "359", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571107-01.2.5", "titre_corps": "Aus Frankfurt am Main.", "titre_sommaire": "Aus Frankfurt am Main.", "signature_source": "A. 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Psalm und Cherubini's 3.\nJephta von Händel, und 4. die Passion nach Matthäus.\nFür irgend ein Product aus der Gegenwart war also\nauch dieses Jahr wieder kein Kaum. Die beklagenswerthen\nComponisten unserer Tage ohne classisches Ange-\nbinde bei ihrer Geburt! Für ihre Bestrebungen haben die\nfrankfurter Gesang-Vereine keine Beachtung. Es wird übri-\ngens das Versprechen nicht gemacht, das je letzte dieser\nConcerte bis kommende Pfingsten hinauszuschieben, wie\nüblich.\nDie Museums-Concerte unter Herrn Messer's\nLeitung eröffnen demnächst auch ihre Pforten. In Folge\nder Steigerung des Mietpreises für den Saal von 60 auf\n90 Gulden per Abend hat sich der Vorstand genöthigt ge-\nsehen, das Abonnement für die ständige Zahl von zehn\nConcerten um zwei Gulden im Ganzen zu erhöhen. Soll\ndies oder vielleicht die Furcht vor der ausserordentlichen\nHitze im Saale, die jeden Genuss paralysirt, als Grund an-\ngenommen werden kurz, bis zu diesem Tage soll die\nAbonnementsliste noch grosse Lücken aufzuweisen haben.\nAber auch für Kammermusik wird gesorgt sein.\nHerr August Buhl beabsichtigt anstatt der vorjährigen\nTrio-Soireen drei Sitzungen mit Musik für Pianoforte al-\nlein zu geben, die zu einem historischen Umblick Gele-\ngenheit bieten sollen, ein löbliches Unternehmen, das bis-\nher noch von keinem Musiker hier gewagt worden. Wir\nwerden somit Clementi (Didone abbandonata), Beelhoven,\nChopin, Mendelssohn und andere Meister zu hören be-\nkommen.\nDagegen werden die Herren Henkel und Lutz ihre\nTrio-Soireen wieder aufnehmen und je drei Sitzungen ver-\nanstalten. Letzterer hat bereits den Reigen eröffnet.\nIn einer der neuesten Nummern der Didaskalia hat ihr\nRedacteur einen vortrefflichen Artikel „Lieber Concerte\"\nveröffentlicht, worin sowohl dem Publicum wie auch den\nMusikern Manches zu bedenken gegeben, resp. zu Gemüthe\ngeführt wird. In directer Beziehung aber auf die Vorträge\nder Musiker hat Herr Wagner den Cardinalpunkt anzu-\nführen vergessen. Er hätte den Herren begreiflich machen\nsollen, dass es mit einem Programm voll lockender, d. h\nclassischer Namen nicht abgethan ist, sondern dass zu einen\nclassischen Werke auch ein classischer Vortrag gehört, der\nwieder classische Schulbildung voraussetzt. Herr Wagner\nhätte die Herren nur an die Erfordernisse der Schauspieler\nzur Recitation classischer Dramen erinnern sollen. Diese\nParallele kann uns auf unserem Gebiete gute Dienste lei-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "359", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571107-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2340, "texte": "slen. Bringt der Schauspieler nicht zunächst ein kräftiges,\nvolltönendes Sprach-Organ zu dieser seiner Aufgabe mit,\nhat er sich nicht mit der Prosodie und allen Regeln der\nDeclamationskunst aufs beste vertraut gemacht, so gehört\nihm kein Platz im Drama. Der Pianist, der uns ein gedie-\ngenes Tonstück, das auf männliche Kraft, männlichen Aus-\ndruck Anspruch macht (und welches macht ihn nicht?),\nin zimperlicherWeise, damenartig, ohne leise Merkmale\nvon Kenntniss des Capitels „über Accentuation\" und viel\nAnderes noch, vorträgt, den müssen wir im Interesse der\nSache und des musicalischen Publicums höflich bitten, sol-\nchen Werken coram Publico fern zu bleiben. Es muss zur\nStelle ausgesagt werden, dass allen unseren Pianisten die\nErfordernisse zur Reproducirung inhaltschwerer Werke\nabgehen; trotz ihrer Bärte stellen sie am Piano nur zarte\nDamen vor. Und danach ist die Wahl des Instrumentes zu\nihren Vorträgen. „Nur sehr leichte Mechanik!\" Das heisst\ndoch wohl: nur sehr wenig Ton, so viel gerade zum Ab-\nklimpern eines Salonslückes erforderlich. Welches Mittel\nsoll also zu kräftiger Färbung des Gemäldes dienen, wenn\ndas Handwerk kraftlos, die zu behandelnde Mechanik nur\nfür Damen passend und die Ausbildung im Allgemeinen\nnicht über das alltägliche Dilettanten-Maass hinausgeht?\nDas Programm des Herrn Lutz war sehr anziehend;\ndarauf figurirlen F. Schubert's B-dur-Trio und Hummel's\nSeptuor. Ersteres hat Referent angehört und wünscht das\nvorstehend über Vortrag Gesagte auf diese Reproduction\nangewandt zu wissen. Im ersten Satze theilen sich unter\nAnderem die Instrumente in eine oft wiederkehrende Trio-\nlen-Figur. Die beiden Streich-Instrumente banden die erste\nmit der zweiten Note richtig und stakkirten die dritte, wo-\ndurch die Betonung der die Melodie führenden ersten\nNote sich von selbst ergibt. Der Pianist aber stakkirte fortan\nalle drei, und zwar gleichmässig, ohne leiseste Andeu-\ntung des auf die erste Note fallenden Accents, den doch\ndie Saiten-Instrumente stets deutlich hören liessen. Solche\nBehandlung der leichtesten Tongruppen zeigte zu auffallend\ndie Nichtkenntniss der allgemein gültigen Regel; und dieses\nEine spricht für alles Andere. In gleicher Weise hörten\nwir von Herrn Lutz die Triole behandeln in der folgenden\nNummer „Adelaide\", die von dem Opernsänger Herrn\nKarl Schneider gesungen wurde.\n\nA. S."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-11-07-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-11-07_01#c006", "volume": "bmtnabi_1857-11-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "359", "page_fin": "360", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571107-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "359", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571107-01.1.7", "debut_caractere": 2342, "fin_caractere_exclue": 6145, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolli. Der grossherzoglich oldenburgische Capellmeister, Herr\nProfessor August Pott, hat sich einige Tage hier aufgehalten\nund uns durch mehrere Vorträge eigener und fremder Compositionen\nfür die Violine aufs höchste erfreut. In der musicalischen Gesell-\nschaft spielte er sein viertes Concert in E-dur, eine gediegene Com-\nposition, welche schon in ihrer Form die Eigentümlichkeit seiner\nRichtung zeigt. Das Concert besteht nämlich nur aus einem Allegro-\nsatze in grossem Stil, in welchem ein Adagio den Mittelsatz bildet,\nso dass der Componist nach dem Adagio den Hauptsatz wieder\naufnimmt, durchführt und mit einer glänzenden Coda scliliesst. Hier\nist mithin Alles Ernst und Würde, und denselben Charakter hat\nauch Pott's Violinspiel; er dürfte jetzt wohl der Einzige sein, der\ndie Spohr'sche Schule mit ihrem herrlichen vollen Tone und edeln\nVortrage noch auf meisterhafte Weise repräsentirt. Selbst seine Sa-\nlon-Compositionen, z. B. die Variationen über das holländische Na-\ntionallied, das Minnelied, das Hommage ä la lune u. s. w., bleiben\ndem ernsten Charakter treu und stehen, gegen die heutigen Faxen\ngehalten, wie natürliche Gewächse gegen Treibhaus-Pflanzen da.\nEinen ausserordentlichen Eindruck hat auf uns unter Anderem aber\nauch der Vortrag der bekannten Ciciconna von Bach gemacht, wel-\nche wir in Hinsicht der Auffassung und der Ausführung noch nie-\nmals so vollendet gehört haben. Pott's Spiel hat durchweg lon,\nvollen und schönen Ton, sowohl im Vörie als im Piano, und c est le\nton qai fait la musique, und namentlich le violoniste.\nPott hat auf seiner jetzigen Kunstreise im vergangenen Monat\ntheils in eigenen, theils in den Abonnements-Concerten zu Osna-\nbrück, Münster, Elberfeld (2 Mal) und Barmen gespielt; am\nDonnerstag den 5. d. Mts. in Aachen, von wo er nach Brüssel,\nBelgien und Holland gehen wird. Auch darin unterscheidet er sich\nsehr zu seinem Vortheil von anderen Virtuosen, dass sein Repertoire\nein ausserordentlich reiches ist, und dass er neben eigenen Compo-\nsitionen die Concerte von Beethoven, Spohr und Lipinski am lieb-\nsten spielt.\nFerdinand Hillens neues Oratorium Saul wird nicht im\nersten diesjährigen Abonnements-Concerte, sondern im diitten\n22. December) zur Ausführung kommen.\nMittwoch den 4. d. Mts. gab Herr Max Bruch mit Unter-\nstützung der Herren Grunwald, B. Breuer, E. Koch, M. DuMont-\nFier, W. Hülle und eines zahlreichen Chors von Dilettanten aus den\nverschiedenen Gesang-Vereinen eine Soiree im Hotel Disch. Ausser\nder Sonate in E-moll und dur von Beethoven, Op. 90, welche der\nConcertgeber recht gut spielte, waren sämmtliche Musikstücke eigene\nCompositionen. Die Soiree begann mit einem I lio füi I ianoforte,\nVioline und Violoncell, das uns in seiner früheren Form mehr an-\ngesprochen hat, als in seiner jetzigen, wo das etwas lange Adagio\nden ersten Satz bildet, dem sich dann das recht hübsche Scherzo\nund ein feuriges Finale anreihen. Dem Eindruck des ersten Satzes,\nder übrigens recht schöne Stellen enthält, schadete es offenbar, dass\ndie Zuhörer nicht recht wussten, wass sie daraus machen sollten,\nindem ein Anfangssatz in so langsamem Tempo und solcher Ausdeh-\nnung als erster, also Hauptsatz eines Trio's etwas Unerwartetes\nwar. Wir können diese Form nicht billigen und wünschen aufrich-\ntig, dass der talentvolle Componist nicht dahin neigen möge, in\nneuen Formen ein Interesse zu suchen, das allein der Inhalt geben\nkann. Eine Romanze für Pianoforte allein und ein Capriccio\nzu vier Händen (sehr brav von Herrn Hülle und dem Componisten\ngespielt) fanden lebhaften Beifall, den sie auch vollkommen ver-\ndienten.\nDie Gesang-Compositionen waren es jedoch vorzüglich, welche\ndas schöne Talent und den leichten, klaren Fluss in den Arbeiten\ndes jungen Componisten von Neuem auf erfreuliche Weise bekunde-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "360", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571107-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5151, "texte": "ten. Es waren deren nicht weniger als folgende: 1) „Die Birken und\ndie Erlen\" von G. Pfarrius, für Sopran-Solo und Chor; 2) „Hosi-\nanna\", ein geistlicher Chor; 3) zwei Lieder für Tenor: „Die Zufrie-\ndenen\" von Uhland und „Die Entsagung\" von Geibel; 4) Trinklied\nfür Bariton; 5) Finale aus dem Singspiel „Jery und Bätely\" von\nGöthe, für Sopran, Tenor, Bariton, Bass und Chor. Ausserdem sang\nHerr DuMont auch noch die Arie des Doctors aus der Operette\n„Scherz, List und Rache\" mit bekannter Virtuosität des Vortrags.\nEinen ganzen Abend bei der Musik Eines und desselben Compo-\nnisten mit Spannung auszuhalten, ist unter allen Umständen etwas\nviel verlangt; dass die Theilnahme der Zuhörer aber in diesem\nFalle keineswegs erlahmte, sondern bis zum letzten Tone sichtbar\nrege blieb, das spricht allein schon zu Gunsten des jungen Ton-\ndichters. Wir heben unter den genannten Stücken besonders hervor:\n„Die Birken und die Erlenu; Max Bruch hat diesem lieblichen Ge-\ndichte eine musicalische Hülle umgethan, die sich ihm schön an-\nschmiegt und seinen Reiz erhöht; dann das „Hosianna\" und das\nerste Lied für Tenor, „Die Zufriedenen\" von Uhland, das von Herrn\nKoch wunderschön vorgetragen wurde und bei allen Zuhörern den\nWunsch weckte, diesen trefflichen Sänger doch wieder öfter als im\nvorigen Winter zu hören. Das Finale zu „Jery und Bätely\" hat die\nlobenswerthen Eigenschaften der leicht fliessenden und frischen Me-\nlodie und der Klarheit der Arbeit in eben dem Grade, wie die En-\nsemblestücke in „Scherz, List und Rache\". Die Sopran-Partie\nwurde von Fräul. Z. recht artig und mit einer sehr wohlklingenden\nStimme gesungen.\nUa-PESsesß. In dem ersten Abonnements-Concerte, welches am\n24. October Statt fand, kam die „Schöpfung\" zur Aufführung.\nSie hatte ein überaus grosses Publicum herbeigezogen, so dass sich\nunser Concertsaal, wie auch schon im vorigen Jahre, als zu klein\nerwies. Die Soli hatten namentlich in den Herren Göbbels und\nDuMont-Fier treffliche Vertreter; auch Fräul. Dannemann\nsang die Partie des Gabriel und der Eva recht schön, doch war ihre\nStimme etwas angegriffen, und fühlte sie sich noch nicht überall\nganz zu Hause. Chor und Orchester leisteten sehr Erfreuliches.\nIn Mannheim hielt der städtische Ausschuss eine Sitzung in\nSachen des Theaters und kam zu dem bitteren Entschlüsse, ein noch\ntheilweise aus den Zeiten des Theaterbaues herüber geschlepptes\nDeficit von 41,000 Gulden, eine Remuneration des Theater-Maschi-\nnisten Mühldörfer mit eingerechnet, auf die Stadt zu übernehmen,\nwelche somit zu dem Umbau des Theaters 244,000 Gulden übernom-\nmen hat, während die Staatscasse zu diesem Behufe 50,000 Gul en\nverwilligte.\na. Der dänische Capellmeister Herr Sieg-\nfried Saloman ist mit seiner Gattin, gebornen Henriette Nis-\nsen, auf seinen unsteten Künstlerwanderungen jetzt hier eingetrof-\nfen, um in Frankfurt zu überwiutern.\n4\n* SEaäiatOTea*# Der Tenorist Albert Niemann (27 Jahre\nalt) ist bei der hiesigen Hofbiihne durch einen neuen Contract auf\nzehn Jahre mit 5000 Thlr. jährlichem Gehalt angestellt.\nDresden* Die Dresdener Nachrichten bringen folgende Notiz:\n„Mit tiefem Bedauern erzählt man sich in künstlerischen Kreisen,\ndass Joseph Tichatscheck, Deutschlands erster Helden-Tenor,\nsein Engagement an der dresdener Hofbühne mit Ablauf seines Con-\ntractes (1. Januar 1858) gekündigt hat. Wir werden keinen zweiten\nhaben.\"\nDie dresdener Künstlerkreise haben einen bedaiterlichen Verlust\ndurch den am 8. October erfolgten Tod des geschätzten Pianisten\nRudolf Wehner erlitten. Nach einem kurzen Krankenlager starb\nderselbe im 28. Lebensjahre.\n£äai!if*3ai*g« Das am 15. October zum ersten Male gegebene\nneue Lustspiel von Roderich Benedix, „Die Schuldbewussten\",\nhat sehr gefallen\nDie Theaternoth dauert noch an. Das Provisorium,\nunter welchem in Theilung gespielt wird (!), ist bis zum 16. No-\nvember verlängert. Bis dahin hofft man einen Pachter für 7500\nThlr. zu finden. Der Dichter Gottschall wird unter den Bewer-\nbern genannt.\nUnter den neu engagirten jungen Sängerinnen\nzeichnet sich namentlich Fräul. Riesberg (von Leipzig) durch ein\nrecht hübsches Talent aus; auch ihre äussere Erscheinung ist eine\nsehr liebliche. Die Primadonna Fräul. zum Busch (auf der Rhei-\nnischen Musikschule zu Köln gebildet) hat ein noch sehr be-\nschränktes Repertoire, dagegen werden sich ihre Stimmmittel nach\ngrösserer Ausbildung vollkommene Geltung verschaffen.\nieEB. Seit einigen Wochen ist, wie bekannt, der Process,\nwelcher gegen den Director des Hof-Operntheaters wegen Ehrenbe-\nleidigung gegen ein hervorragendes weibliches Mitglied jener Bühne\nanhängig gemacht wurde, Gegenstand des allgemeinen Gespräches.\nDas Bezirksgericht als erste Instanz hatte gegen den Bühnen-Direc-\ntGr auf eine zweimonatliche Arreststrafe erkannt. Wie wir nun hö-\nren, hat das k. k. Ober-Landesgericht das Urtheil erster Instanz da-\nhin modificirt, dass statt der Gefängnissstrafe bloss eine Pönale von\n100 Gulden für den hiesigen Armenfonds zu zahlen sei. Herr Cornet\nhat auf die von ihm seither bekleidete Stelle eines Hof-Operntheater-\nDirectors verzichtet und ist ins Ausland gereis't. Herr Capellmeister\nEckert ist zum provisorischen Director ernannt."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "353", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571107-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDer kölner Männergesang-Verein. Die Heimkehr des Verbannten, Oper von Otto Nicolai. Von Ed. H. B erlin er\nBriefe (Jeannettens Hochzeit von Victor Massd Fräul. Maray Fidelio Concerte bei Kroll: Mad. Fiorentini, H. u. J. Wieniawski,\nBottesini). Von Gr. E. Aus Frankfurt am Main. Von A. S. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Prof. August Pott, Soiree\nvon Max Bruch Barmen, erstes Abonnements-Concert Mannheim Frankfurt Hannover Dresden Hamburg Breslau).\n\nDer kölner Männergesang-Verein.\nDer Verein ist in eine neue Periode seiner Geschichte\ngetreten. Gegründet zu Köln am 27. April 1842, hat er\nseit seinem Bestehen sich die Hebung und Förderung des\ndeutschen Männergesanges zur Aufgabe gestellt, denselben\nim deutschen Vaterlande und im Auslande zu grösserer\nAnerkennung und Geltung gebracht, bei in- und ausländi-\nschen Gesangesfesten stets die ersten Preise errungen, durch\nseine öffentlichen Leistungen mehr als 40,000 Thaler ge-\nmeinnützigen Zwecken zuzuwenden vermocht und von des\nregierenden Königs von Preussen Majestät mittels Aller-\nhöchster Ordre vom 24. October 1855 die für ausge-\nzeichnete Leistungen auf dem Gebiete der Kunst gestiftete\ngoldene Medaille verliehen erhalten. Solche Erfolge haben\nin dem Vereine den Wunsch erweckt, seinen Bestrebungen\nfür den deutschen Männergesang eine längere Dauer zu\nsichern, und er hat daher beschlossen, zu Köln eine die-\nsem Zwecke gewidmete Anstalt zu gründen. Die wichtig-\nsten Paragraphen des Statuts lauten:\n§. 1. Unter dem Namen „Kölner Mannergesang-Ver-\nein\" besteht zu Köln eine Kunstanstalt für deutschen Män-\nnergesang, welche zum Zwecke hat: die theoretische\nund praktische Ausbildung ihrer Mitglieder (ür\nMännergesang in künstlerischer Beziehung, und b) die\nPflege und Förderung des deutschen Männergesan-\nges als Kunstgattung, so wie die Erhaltung und Förde-\nrung der Anerkennung, welche der deutsche Männer-\ngesang in der neueren Zeit überall gefunden hat.\n§. 3. Die Anstalt sucht diese Zwecke zu erreichen:\na) durch öftere Gesangübungen ihrer Mitglieder, verbunden\nmit theoretischen Erläuterungen aus der Musik- und Ge-\nsanglehre, so wie durch sorgfältiges Studium mustergültiger\nComposilionen für Männergesang; durch kunstgemässe,\nmöglichst vollkommene Ausführung von Gesangstücken in\ngeschlossenen Kreisen und vor dem grösseren Publicum,\nund c)durch Gestattung des Zutritts an Lehrer und Freunde\ndes Gesanges, welche nicht Mitglieder der Anstalt sind, zu\nden im Anstalts-Locale Statt findenden Uebungen und Aus-\nführungen.\n§. 4. Die zur Erreichung der erwähnten Zwecke erfor-\nderlichen Geldmittel erlangt die Anstalt: durch die Auf-\nnahme-Gelder der Mitglieder, so wie durch die regelmässi-\ngen Beiträge derselben; b) durch die ihr zugewandten\nSchenkungen und Vermächtnisse, und c) durch die Erträge\nder Öffentlichen oder nicht öffentlichen Ausführungen von\nGesangstücken.\n§. 7. Um wirkliches Mitglied zu werden, meldet der\nAufzunehmende sich schriftlich beim Vorstande (§. 10) an,\nwelcher ihn der Prüfungs-Commission (§. 14) überweist.\nErklärt diese ihn für hinreichend musicalisch befähigt, so\nfindet die Ballotage Statt.\n§. 13. Der Musik-Director ertheilt den theoretischen\nUnterricht und leitet die Gesanges-Uebungen, so wie die\nöffentlichen und nicht öffentlichen Auslührungen von Ge-\nsangstücken (§. 3). Sein Geschäftskreis kann durch die im\n§. 19 zu erwähnende Instruction enger und weiter bestimmt\nwerden.\n§. 18. Die Anstalt steht unter der Aufsicht des zeiti-\ngen Bürgermeisters der Stadt Köln.\n§. 22. Die zeitigen wirklichen Mitglieder des kölner\nMännergesang-Vereins werden durch Unterzeichnung dieses\nStatuts wirkliche Mitglieder der Anstalt für deutschen Män-\nnergesang. Sie bringen derselben das ganze von ihnen be-\nsessene Vereins-Vermögen, bestehend in baarem Gelde,\nMobilien, Musicalien, Instrumenten, Gesangespreisen und\nanderen Ehrengeschenken, als Eigenthum zu. Die Ehren-\nMitglieder des kölner Männergesang-Vereins erlangen durch"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "354", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571107-01.1.2", "texte": "eine Zuschrift des Vorstandes der Anstalt die Ehren-Mit-\ngliedschaft der letzteren.\nDer Königliche Musik-Director und Dom-Organist\nFranz Weber wird lebenslänglicher Musik-Director der\nAnstalt.\nDurch die Allerhöchste Cabinets-Ordre vom 13. Juni\nc. sind der Anstalt Corporat ionsrechte, soweit solche\nzur Erwerbung von Grundstücken und Capitalien erforder-\nlich sind, verliehen, und die Statuten sind, Coblenz, den 3.\nSeptember 1857, durch den Herrn Ober-Präsidenten der\nRheinprovinz bestätigt worden.\n\nDie Heimkehr des Verbannten.\nOper von Otto Nicolai.\n\nWien, den 13. October 1857.\nWir haben den Schlummer, den diese Oper seit den\nGlanzzeiten Staudigl's und der Hasselt ungestört genoss,\nohne Gewissensscrupel für einen ewigen gehalten, und wa-\nren daher nicht wenig überrascht, sie wieder auf dem Re-\npertoire des Hof-Operntheaters auftauchen zu sehen. Die\nAufnahme von Seiten des Publicums war sehr anständig,\nwenngleich ohne enthusiastische Symptome; das Wieder-\neinstudiren des Werkes erscheint somit durch den Erfolg\ngebilligt, keineswegs auch durch den inneren Werth des-\nselben.\nFlach und gehaltlos, wie sie ist, böte diese Musik we-\nnig Stoff zur Besprechung, wenn sie nicht zugleich ein\nhelles Licht auf die künstlerische Persönlichkeit Nicolai's\nund auf sein Verhältniss zu zwei verschiedenen Nationali-\ntäten würfe.\nIn ersterer Beziehung leistet die »Heimkehr\" ihrem\nComponisten den traurigen Dienst, die Schwäche und Un-\nselbständigkeit seines Talentes ausser Zweifel zu setzen.\nIn Wien, wo Nicolai's liebenswürdige Persönlichkeit und\nseine bisher unerreichten Verdienste als Capellmeister noch\nin sehr lebhaftem Andenken stehen, pflegt man nicht un-\n-4\ngern auch seine schöpferischen Fähigkeiten etwas hoch an-\nzuschlagen. Nicolai's productives Talent war niemals ein\nintensives oder eigenthümliches, sondern von jener weichen,\naneignenden Gattung, welche des inneren Widerstandes\nermangelt und daher in ihren Resultaten meist von dem\nZufall guter oder schlechter Vorbilder abhängt.\nDie Vorbilder, denen Nicolai in seinen ersten Opern\n(„ 11 Proscritlo\", „Ii Templario\", „Elisabelta<Tlnghilterra\")\nnacheiferte, waren für sein Talent höchst verderblich. Durch\nseinen Aufenthalt in Italien den Triumphen Donizetti's,\nMercadante's, Bellini's allzu nahe gerückt, verfiel Nicolai\nder Verlockung, die schönen Anfänge seiner musicalischen\nBildung bloss als Leiter zu benutzen, auf welcher sich den\nItaliänern bequem nachklettern liess.\nEin aufgeweckter, deutsch geschulter Componist über-\nredet sich gar zu leicht, den wälschen Opern-Schnickschnack\ntreffe Jedermann, und es koste bloss den Entschluss, ein\nzweiter Donizetti zu werden. In vielen Stücken mag er sein\nVorbild erreichen: ein Letztes, Wichtigstes wird immer\nfehlen, die angeborene Gluth und Sinnlichkeit des Italiä-\nners, die man sich eben so wenig geben kann, als ein be-\nliebiges Geburtsland. Nicolai hatte mit so viel Sorgfalt den\nDeutschen ausgezogen, dass ihm zum italiänischen Compo-\nnisten wirklich nur wenig fehlt. Dieses Wenige aber ist\nentscheidend. Nie hat er die Frische, die sinnliche Kraft,\nden schwungvollen Leichtsinn des Italiäners erreicht, wäh-\nrend er sehr werthvolle deutsche Anlagen dafür opferte.\nWer immer sich in eine fremde Nationalität hineinbettelt,\nerfährt, dass alles, was sie ihm auch gewähren mag, einem\nAlmosen weit ähnlicher sieht, als einer Eroberung.\nEtwas kann ein deutscher Componist thun, was noch\nmisslicher ist, als die freiwillige Selbstverwälschung: er\nkann es sich beikommen lassen, seine italiänischen Halbfa-\nbricate nachher wieder für die Deutschen herzurichten.\nNicolai verfiel auch diesem Irrthume und musste ihn\ntheuer genug büssen. Aus Italien zurückgekehrt und im\nBesitz einer einflussreichen musicalischen Stellung, quälte\ner sich unablässig mit dem Gedanken, seine italiänischen\nOpern für das deutsche Repertoire umzuformen. Dass er\ndamals, in seiner besten Kraft und voll schöner Anregun-\ngen, sich nicht entschliessen konnte, aus frischem ganzem\nHolz zu schneiden, sondern es vorzog, altes Zeug zu lei-\nmen, scheint schon ein unzweideutiges Zeichen einer schwa-\nchen, mühsamen Production. Ein Freund und Mitarbeiter\nNicolai's, Dr. Kapper, erzählte jüngst in den „ Westermann'-\nschen Monatsheften\" von dieser Umschmelzung des italiä-\nnischen „Proscritto\" in den deutschen „Verbannten\",\nund bezeichnet sie als eine Arbeit „von unbeschreiblicher,\nbeiderseitiger Aufopferung von Zeit und Mühe, von An-\nstrengung und Geduld\". Hätte Nicolai es damals über sich\nvermocht, seine italiänischen Versuche dahin zu thun, wo-\nhin sie gehören, ins Feuer, so würden wir wahrscheinlich\nnoch eine oder zwei Opern von ihm besitzen, wie die\n„Lustigen\nhatte der Componist endlich seine italiänische Vergangen-\nheit abgethan und ein zwar kleines, aber anmuthiges und"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "355", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571107-01.1.3", "texte": "stellenweise geistreiches Werk geliefert, das auf dem ver-\nlassenen Gebiete der deutschen komischen Oper eine ach-\ntungswerthe Stelle einnimmt.\nWas Nicolai zu der erwähnten mühsamen Umarbei-\ntung des „ Proscritto\" bewog, war gewiss nicht die Ueber-\nschätzung des Textbuches. Der Verbannte, Graf Norton,\nHaupt der Partei der weissen Rose, kehrt nach England\nzurück und findet auf seinem Schlosse ein festliches Trei-\nben zur Feier der Verlobung seiner Gattin Leonore mit\nSalisbury, dem Führer der rothen Rose, den sie liebt.\nSchwankend zwischen Pflicht und Liebe, nimmt sie Gift\nund versöhnt im Tode die beiden Gegner. Das gibt einige\nwirksame Situationen in einer beispiellos ärmlichen, lang-\ngestreckten Handlung. Die Heldin, Leonore, steht unmittel-\nbar vor dem Schlüsse der Oper noch genau in derselben\nSituation da, wie von allem Anfang: unschlüssig zwischen\nihren zwei Gatten, deren jeder sie dem anderen edelmüthig\nzuschiebt.\nDie musioalischen Aenderungen und Zusätze, die\nNicolai an der ursprünglichen Partitur vornahm, erkennt\nman unschwer an der dunkleren, deutschthümelnden Fär-\nbung. Wenn man aber schwarze, ernsthafte Falten in ein\nKindergesicht malt, so wird noch immer kein kräftiger Män-\nnerkopf daraus. Es gibt nicht wenige Componistcn man\nkönnte sie „die Vermittelnden\" nennen —, welche diese\nWahrheit anfechtend Sie wähnen, eine italiänische Melodie\ndeutsch zu machen, wenn sie einige schwindsüchtige Vor-\nhalte und einen Basso continuo dazu thun. Das liefe schö-\npferische Geheimniss, das wie die eigenste Seele einer Na-\ntion in ihrer Kunst sich ausprägt, lässt sich nicht durch\nrohe Aeusserlichkeiten nachschaflen. Edmund's e\nund andere Nummern der „Heimkehr\", worin Chromalik\nund Conlrapunkt nicht gespart wurden, sind eben so we-\nnig deutsch, als der „Freischütz\" italiänisch ist, weil Aenn-\nchen Rouladen und Agathe melodiöse Cantilenen singt.\nDas scheinbar so lucrative „Vermitteln\" in der Musik,\ndes Deutschen mit dem Italiänischen, der leichtfertigen Me-\nlodie mit der tiefsinnigen Harmonie, bringt gewöhnlich die\nkraftlosesten Producte zu Tage. Nur Genie's der seltensten\nUniversalität, wie Mozart, werden auf musicalischem Wege\nnationale Allianzen schaffen. Talente schwächerer Consti-\ntution vermögen in solchem Falle nur an einander zu reihen,\nnicht zu verschmelzen, und thun daher stets am besten,\nein bestimmtes Ideal, ein bestimmtes Publicum fest im Auge\nzu behalten. Das Ursprüngliche, Echtnationale dringt dann\nnoch immer leichter zu anderen Völkern, als derlei auf\nbeiden Seiten zu tragende Allerwelts-Musiken. Weber\ndachte nur an die Deutschen, Rossini nur an die Italiäner,\nBoieldieu nur an die Franzosen, und dennoch drangen ihre\nOpern weit über die nationalen Gränzen. Absichtliche\nAmalgame hingegen, wie Nicolai's „Heimkehr\", befriedi-\ngen weder den Nord- noch den Südländer. Kaum gibt es\neine künstlerische Verirrung, die sich so schwer rächt, wie\ndas Coquettiren mit fremder Nationalität; die speciellsten\nFehler derselben hat man augenblicklich; was aber den\neigentlichen Kern ihrer Vorzüge bildet, das erreicht der\nFremde mit aller Mühe nie.\nDiese allgemeinen Bemerkungen ersparen uns, der\n„Heimkehr des Verbannten\" in jedes Detail zu folgen. Es\nfehlt dieser Musik vor Allem die Originalität. Wir tadeln\nan ihren Melodieen weniger, dass sie italiänisch, als dass\nsie so allbekannt italiänisch klingen. Das Meiste ist phy-\nsiognomielos und abgegriffen; desshalb merkt man sich\nmitten unter lauter Melodieen kaum eine einzige davon.\nBlickt hin und wieder ein Ansatz zu tieferem Ausdruck\nhervor, so schlägt ihn gewiss wenige Tacte später (gleich-\nsam um die Italiäner zu versöhnen) ein Gemeinplatz wieder\ntodt. (Wir erinnern an die polonaisenartige Begleitungs-\nFigur zu dem Duo Nr. 7: „Leonoren gelobt' ich\", dann\nan den Schlusssatz dieses Duetts u. s. w.) Seine schöne\nKenntniss der Instrumentirung verwendet der Componist\nzu den langweiligsten Concert-Solo's lür Oboe, Cello, Cla-\nrinette u. s. w.\nEin einziges Stück bewegt den Hörer in kräftigerer\nund tieferer Weise: die Scene Georg's mit Chor zu Ende\ndes zweiten Actes. Man kann zwar auch diesem Stücke\nkeine hervorragende Erfindung nachrühmen, allein es ist\nStimmung darin und ein sehr wirksames Steigern. Offen-\nbar ist diese Nummer eine der später componirten, da sie\nin ihrer breiten harmonischen Ausführung und der Ab-\nwechslung von Solo-Quartett und Männerchor auflallend\ndeutschem Geschmack huldigt.\nIm G anzen hört man die Oper zwar ohne lebhaften\nAntheil, doch ohne Missbehagen. Dies ist das Verdienst der\ngewandten Technik Nicolai's, der die musicalische Form,\ndie scenischcn Effecte, das Orchester und vorzüglich die\nSingstimmen mit grosser Sicherheit und Glätte behandelt.\nEine musicalische Charakteristik der einzelnen Perso-\nnen ist auch nicht im leisesten Versuch vorhanden; Freund\nund Feind, weisse und rothe Rose, Alles breitet sich in\nderselben süssen Cantilene aus.\nNachdem die „Heimkehr des Verbannten\" vorzüglich\nfür den Success des Sängers sorgt, kann es nicht fehlen,"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "356", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571107-01.1.4", "texte": "Dass eine gute Besetzung die Oper eine Zeit lang zu halten\nim Stande ist.\nDer Aufführung im Kärthnerthor-Theater wird dies\nsicherlich gelingen. Fräul. Meyer sang die Leonore zwar\nnicht mit der vollendeten Virtuosität einer Hasselt, da-\nfür mit jener dramatischen Auffassung und lebhaften Em-\npfindung, welche den Leistungen dieser Künstlerin stets\nden warmen Antheil des Publicums sichern. Herr Schmid\nfand in der Partie des Edmund reichliche Gelegenheit, seine\nköstliche Stimme zu entfalten; in dramatischer Hinsicht\nliess er die Rolle leider sehr unentwickelt. Sehr gut waren\ndie beiden Tenor-Parlieen besetzt. Herr Walter (Georg)\nerzielte im zweiten Finale einen schönen Erfolg, und Herr\nMeyer (Norton) trug so verständig und maassvol! vor,\ndass wir nach dieser Rolle ihn erst recht mit Befriedigung\nden Unseren nennen. Die Chöre, das Orchester, endlich\ndie ganze äussere Ausstattung verdienen alles Lob.\n\nEd. H.\n\nBerliner Briefe.\n\n[„Jeannettens Hochzeit\" von Victor Massd Fräul. Maray\nFidelio Concerte bei Kroll: Mad. Fiorentini, H. und J.\nWieniawski, Bottesini.]\nDen 31. October 1857.\nDie komische Oper brachte gestern eine einactige ko-\nmische Operette, „Jeannettens Hochzeit\", von\nVictor Masse, über die ich viel ungünstiger berichten\nmuss, als neulich über den Kadi. Namentlich ist es die\ncynische Frivolität des Textes, wogegen sich das gebildete\nGelühl sträubt. Man lässt sich in der Posse viele Derbhei-\nten und Ausschreitungen gefallen; aber erstens muss es\neine Posse sein mit einer reichen Fülle äusserlicher Komik,\nwas sich von diesem Machwerke durchaus nicht sagen lässt;\nzweitens muss in den Charakteren und Situationen, die dem\nPossenhaften zu Grunde liegen, der Grundkern ein tüchti-\nger sein; die Menschen können sich über die Gränzen äus-\nserer Sitte weit hinwegsetzen, sie können alle Schranken,\nwelche die Bildung für den geselligen Umgang vorschreibt,\nkühn durchbrechen, damit die sinnliche Natur des Menschen\nunvethüllt hervortrete; aber eine gewisse Stätte ist heilig,\nund mit solchen Situationen, wie sie unter durchaus elen-\nden, unter vollständig schaam- und ehrlosen Individuen\nvorkommen mögen, sich abzugeben, das kann man Nieman-\ndem zumuthen. Ein Bräutigam, der seine Braut in dem\nAugenblicke, wo der Ehe-Contract unterzeichnet werden\nsoll, wo das ganze Dorf zusammengekommen ist, um den\nHochzeitsschmaus zu feiern, sitzen lässt, weil er ein lusti-\nger Bursche ist, der sich nicht entschliessen kann, die Frei-\nheit seines Junggesellenstandes aufzugeben, das ist aller-\ndings schon eine etwas starke Zumuthung; aber es ginge\nnoch, es liessen sich dem tollen Streiche noch liebenswür-\ndige Seiten abgewinnen. Die Hochzeitsgäste bleiben zusam-\nmen und überlassen die Braut, Jeannette, ihrem Schicksal;\nsie sind einmal da, um sich zu amusiren, da darf auch Jean\nnicht fehlen; sie lassen ihn holen, und er verspricht auch,\nzu kommen. Das ist eine saubere Gesellschaft, in der That.\nWenn es mit der wirksamsten Komik von der Well aus-\ngeführt wäre, auch gegen die spasshafte Darstellung so\nunglaublicher Rohheit müsste sich das Gelühl sträuben;\nhier ist aber die Ausführung noch obendrein trocken und\nlangweilig. Aber Jeannette ist auch nicht blöde. Noch ehe\nJean zu den Hochzeitsgästen zurückgeeilt ist, kommt sie\nauf sein Zimmer und bittet sich Erklärungen aus. Er ge-\nsteht ihr mit Offenheit den wahren Grund, sie scheint sich\nzu beruhigen und bleibt allein auf der Bühne zurück. Wäh-\nrend sie sich in Thränen ergeht, hört man aus der Ferne\nden singenden Jean, der auf das Wohl anderer Mädchen\nTrinksprüche ausbringt. Nun fühlt sie sich erst in ihrem\nInnersten verletzt und geht fort, nur mit dem Gedanken\nan Rache beschäftigt. Jean kommt betrunken nach Hause\nzurück. In diesem Zustande wird er zum zweiten Male\nvon Jeannette überrascht, die ihm jetzt mit der Rache ihres\nVaters droht, Jean ist ein ängstlicher Mensch und lässt\nsich einschüchtern. Er soll, so verlangt die zürnende Braut\ndrohend, das Papier unterschreiben, das sie ihm überreichen\nwürde, oder er werde es bereuen. Jean, der, wie sich\nnachher herausstellt, nicht lesen kann denn er weiss gar\nnicht, was er unterschreibt —, aber seltsamer Weise das\nSchreiben trotzdem zu verstehen scheint, unterschreibt\ner hat den Ehe-Contract unterzeichnet. Jeannette hat nun\nfreie Wahl: sie kann ebenfalls unterschreiben, dann hat sie\nden Flüchtling gefangen, oder sie kann, den Contract in\nder Hand, den Leuten sagen; Nicht er, ich bin zurückge-\ntreten. Anfangs wollte sie das Letztere, aber sie besinnt\nsich; Jean ist doch eigentlich ein guter Mensch, denkt sie,\nunterschreibt ebenfalls und gerirl sich sofort als Hausfrau.\nJean, in voller Wuth. trunken obendrein, zerschlägt alle\nMöbel, zerreisst den llochzeitsrock und begibt sich darauf\nin das Nebenzimmer, um seinen Rausch auszuschlafen.\nJeannette mit dieser Scene beginnen die ersten Spuren\nmenschlicher Gesittung sichtbar zu werdeu hebt den Rock\nauf und näht ihn wieder zusammen; die neuen Möbel, die\nschon bestellt sind und vor der Thür warten, werden her-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "357", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571107-01.1.5", "texte": "eingebracht. Als Jenn erwacht, findet er Alles säuberlich\ngeordnet, den Tisch gedeckt; allmählich überzeugt er sich,\ndass Jeannette doch eine gute Frau sei und das Heirathen\nmanche praktische Vortheile habe. Schliesslich seheint eine\nsehr glückliche, zufriedene Ehe daraus hervorzugehen. Ich\nhabe den Text so vollständig mitgetheilt, weil er in der\nThat ein merkwürdiges Exempel ist, was man in Paris zu\nertragen vermag; hielür ist unsere Bildung aber noch nicht\nreif. Die Musik von Masse ist sehr unbedeutend. Artig\nist der Einfall, das Hochzeils-Glockengeläute gleich in die\nOuvertüre zu verweben; die G'ocken verschmelzen sich\nganz gut mit den Klängen des Orchesters. Der dramatische\nAusdruck fehlt oft gänzlich und ist, wo er vorkommt, sehr\nmatt; von Erfindung ist gar nicht die Rede. Höchstens\nlässt sich an der Musik rühmen, dass sie sich von allen\nUeberladungen frei hält, und vielleicht auch dies nicht ein-\nmal durchweg; denn es scheint mir problematisch, ob sich\neine so ausgelührte Coloratur-Partie, wie die Jeanneltens,\nin einer leichten, einactigen Operette rechtfertigen lässt.\nEin Gastspiel, das an der königlichen Bühne unternom-\nmen wurde, nahm einen unglücklichen Verlauf. Fräul. Ma-\nray, eine italiänische Sängerin von Ruf, die in Wien, Lon-\ndon und Petersburg gesungen hat, war auf acht Gastrollen\nengagirt, die sie mit der Lucia begann. Der Erfolg ihres\nersten Auftretens war aber so ungünstig und der Billet-\nVerkauf schon gleich darauf so gering, dass ihr der Rath\nertheilt wurde in Rücksicht auf ihren Ruf —, das Gast-\nspiel aufzugeben, worauf sie auch bereitwillig einging. Die\nStimme erschien als vollständig passirt, was bei einer Sän-\ngerin, die, wie wir hören, erst acht Jahre bei der Bühne\nist, und deren äussere Erscheinung noch einen ziemlich\njugendlichen Eindruck macht, nur dadurch sich erklären\nlässt, dass sie den gefährlichen Versuch gewagt hat, es den\nmodernen italiänischen Sängern in forcirlen dramatischen\nEffecten gleich zu thun, ohne die Fähigkeit dazu zu be-\nsitzen. Ihre Stimme klang überall, wo sie nur irgend sich\ndarauf einlies.\", mit Empfindung und Leidenschaft zu sin-\ngen, dünn, gepresst und unrein; auch ihre Auflassung und\nihr Spiel waren gemacht und unnatürlich, obschon nicht\nohne Verstand angelegt. Als Coloratursängerin zeigte sie\nindess eine sehr sichere und geschmackvolle Ausbildung,\nund es ist nur zu bedauern, dass sie sich nicht auf das Ge-\nbiet zu beschränken vermochte, dessen sie theils durch ihr\nTalent, theils durch ihre Schule Meisterin war*).\nVon den übrigen Opern-Aufführungen wäre noch die\ndes Fidelio zu erwähnen, in der Frau Köster das Herr-\nlichste leistet. Die Rolle des Florestan ist jetzt aus den\nHänden von Mantius in die des Herrn Form es überge-\ngangen, der aber mit seiner modernen Manier sich in den\nedeln, reinen Stil Beethoven's nicht zu finden vermochte.\nDie Intonation war unsicher, der Tonansatz schwankte be-\nständig, die ungeschickte Verbindung der Register störte\nunaulhörlich den ruhigen Fluss der Canliiene; namentlich\naber verletzte die krampfhafte, gewaltsame Art, mit der\nz. B. in dem Allegro der grossen Arie die hohen Töne\nherausgestossen wurden; wir verlangen hier die Kraft der\nseligsten Begeisterung, aber nicht den ungestümen Schrei\nunreiner Leidenschaft.\nDas Kr oll'sehe Local bildet durch einen neuen Con-\ncert-Cyklus gegenwärtig fast den Mittelpunkt unserer mu-\nsicalischen Erlebnisse. Vier Künstler von hoher Bedeutung,\ntheilweise sogar ersten Ranges, haben sich vereinigt und\nbieten dem Publicum die Erzeugnisse der Virtuosität in so\nbunter Abwechslung und zu einem so niedrigen Preise dar,\ndass man das früher so übermüthige Virtuosenthum fast\nbeklagen könnte. Mad. Fiorentini ist dem berliner Pu-\nblicum aus den letzten Zeiten der italiänischen Oper noch\nbekannt. Sie machte damals durch den üppigen Klang ihrer\nStimme und durch die Schönheit ihrer Erscheinung gros-\nses Aufsehen; als Künstlerin gait sie aber niemals viel. Ihre\nStimme ist noch immer, namentlich vom zweigestrichenen\nc bis a,wunderschön; die tieferen Töne sind überhell, nach\nitaliänischer Manier, so dass sie den edeln Timbre verlie-\nren, die äusserste Höhe etwas gewaltsam. Die Intonation\nist gut, und die Coloratur, obschon nicht zu aussergewöhn-\n-1 icher Kunstfertigkeit entwickelt, doch ziemlich correct.\nHinsichtlich des Ausdrucks lässt sie am meisten zu wün-\nschen; sie hat nur ein kleines Gebiet von Stimmungen, in\ndas sie sich hinein zu fühlen vermag, und auch dieses be-\nherrscht sie nicht mit fortreissender Frische. Joseph\nWieniawski ist ein bedeutender Clavierspieler, doch\nscheint mir seine Technik nicht mehr so tadellos, wie vor\nvier Jahren; er spielt zu hart, und wo er leicht über die\nTasten fortgfeiten will, nicht immer mit hinreichender Klar-\nheit. Wie wir hören, hat er in jüngster Zeit vorzugsweise\nCompositions-Studien (unter dem Prof. Marx) gemacht;\nein von ihm componirtes Clavier-Concert zeigte das rühm-\n\n*) Wenn die Herren Intendanten, Opern-Regisseure und Capell-\nmeister sich herabliessen, Musik-Zeitungen zu lesen, so\nwürden sie häufig vor solchen MissgrifFen in Engagements be-\nwahrt werden. Die oben genannte Sängerin ist von unserem\nCorrespondenten in London und in unseren eigenen Berichten\nüber die dortige Oper schon vor Jahren als sehr unbedeutend\nbezeichnet worden. Die Red actio n."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "358", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571107-01.1.6", "texte": "liehe Streben nach thematischer Gestaltung und kunstvoller\nVerwendung des Orchesters, doch noch manches Unreife\nin der Wahl der Gedanken, in der klaren harmonischen\nund polyphonen Gestaltung des Ganzen. Sein Bruder,\nHenri Wie n i awski, hat sich unendlich vervollkommnet\nund darf jetzt als einer der ersten lebenden Violin-Virtuo-\nsen gelten. Sein Ton hat weniger Fülle, als intensiven\nKlang; dies mag noch ein Mangel sein, der aber doch im\nVergleich mit dem Positiven, was der Künstler leistet, von\ngeringer Bedeutung ist; seine Auffassung gibt den Beweis,\ndass er die Sturm- und Drang-Periode hinter sich hat; die\nfeurige, männliche Kraft ist nicht verloren gegangen, aber\nder Sinn für das Zarte und die Fähigkeit, überall, auch in\nder Darstellung der Leidenschaft, der schönen Form ge-\nrecht zu werden, ist ebenfalls erwacht. Bottesini,\nder berühmte Contrabassist, bildet den Glanzpunkt der\nerwähnten Concerte. Er hat das gewaltige Instrument in\ndem Grade gebändigt und behandelt es in seiner natürli-\nchen Lage wie im Flageolet mit so vielem Geschmack, dass\nman nicht bloss das Aussergewöhnliche der Erscheinung\nund die Kraft eines eisernen Willens bewundert, sondern\neine wahrhaft künstlerische Freude daran hat natürlich,\nsoweit der Vortrag bekannter italiänischer Melodieen und\nBravour-Passagen dies möglich macht. Für mich hat der\nTon seines Instrumentes, auch im Flageolet, etwas ausser-\nordentlich Wohlthuendes; er ist so ruhig, mild und edel,\nso gänzlich frei von aller Effecthascherei, von allem Forcir-\nten und Verletzenden; eben so zeigt sich in der Auffassung\nein höchst gebildeter Sinn, eine feine Eleganz, der alle ro-\nhen und Accente ein Gräuel sind. Und diese\nEleganz auf dem Contrabass in einer Zeit, wo die So-\nprane und Tenore sich ihre Stimmen verschreien, weil sie\nder Masse gefallen wollen, weil ihnen kein Effect stark ge-\nnug ist, weil ihnen der Beifallsjubel des unwissenden Pö-\nbels lieber ist, als die stillere Zustimmung der Gebildeten!\n\nG. E.\n\nAus Frankfurt am Main.\n\nEs haben diese Blätter bereits so manche Programme\nlür die begonnene Winter-Saison veröffentlicht; möge da-\nher auch den Frankfurtern ein Plätzchen gegönnt sein.\nDer Rühl'scheGesangverein wird in drei Con-\ncerten zur Aufführung bringen: 1. Messias; 2. die Chöre\naus Fdomeneo und Orpheus; 3. Paulus von Mendelssohn.\nDer Cäcilien-Verein seinerseits wird in vier\nConcerten, gleich dem anderen Vereine mit vollem Orche-\nster, zu Gehör bringen: 1. He von Bach; 2.\nMendelssohn's 95. Psalm und Cherubini's 3.\nJephta von Händel, und 4. die Passion nach Matthäus.\nFür irgend ein Product aus der Gegenwart war also\nauch dieses Jahr wieder kein Kaum. Die beklagenswerthen\nComponisten unserer Tage ohne classisches Ange-\nbinde bei ihrer Geburt! Für ihre Bestrebungen haben die\nfrankfurter Gesang-Vereine keine Beachtung. Es wird übri-\ngens das Versprechen nicht gemacht, das je letzte dieser\nConcerte bis kommende Pfingsten hinauszuschieben, wie\nüblich.\nDie Museums-Concerte unter Herrn Messer's\nLeitung eröffnen demnächst auch ihre Pforten. In Folge\nder Steigerung des Mietpreises für den Saal von 60 auf\n90 Gulden per Abend hat sich der Vorstand genöthigt ge-\nsehen, das Abonnement für die ständige Zahl von zehn\nConcerten um zwei Gulden im Ganzen zu erhöhen. Soll\ndies oder vielleicht die Furcht vor der ausserordentlichen\nHitze im Saale, die jeden Genuss paralysirt, als Grund an-\ngenommen werden kurz, bis zu diesem Tage soll die\nAbonnementsliste noch grosse Lücken aufzuweisen haben.\nAber auch für Kammermusik wird gesorgt sein.\nHerr August Buhl beabsichtigt anstatt der vorjährigen\nTrio-Soireen drei Sitzungen mit Musik für Pianoforte al-\nlein zu geben, die zu einem historischen Umblick Gele-\ngenheit bieten sollen, ein löbliches Unternehmen, das bis-\nher noch von keinem Musiker hier gewagt worden. Wir\nwerden somit Clementi (Didone abbandonata), Beelhoven,\nChopin, Mendelssohn und andere Meister zu hören be-\nkommen.\nDagegen werden die Herren Henkel und Lutz ihre\nTrio-Soireen wieder aufnehmen und je drei Sitzungen ver-\nanstalten. Letzterer hat bereits den Reigen eröffnet.\nIn einer der neuesten Nummern der Didaskalia hat ihr\nRedacteur einen vortrefflichen Artikel „Lieber Concerte\"\nveröffentlicht, worin sowohl dem Publicum wie auch den\nMusikern Manches zu bedenken gegeben, resp. zu Gemüthe\ngeführt wird. In directer Beziehung aber auf die Vorträge\nder Musiker hat Herr Wagner den Cardinalpunkt anzu-\nführen vergessen. Er hätte den Herren begreiflich machen\nsollen, dass es mit einem Programm voll lockender, d. h\nclassischer Namen nicht abgethan ist, sondern dass zu einen\nclassischen Werke auch ein classischer Vortrag gehört, der\nwieder classische Schulbildung voraussetzt. Herr Wagner\nhätte die Herren nur an die Erfordernisse der Schauspieler\nzur Recitation classischer Dramen erinnern sollen. Diese\nParallele kann uns auf unserem Gebiete gute Dienste lei-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "359", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571107-01.1.7", "texte": "slen. Bringt der Schauspieler nicht zunächst ein kräftiges,\nvolltönendes Sprach-Organ zu dieser seiner Aufgabe mit,\nhat er sich nicht mit der Prosodie und allen Regeln der\nDeclamationskunst aufs beste vertraut gemacht, so gehört\nihm kein Platz im Drama. Der Pianist, der uns ein gedie-\ngenes Tonstück, das auf männliche Kraft, männlichen Aus-\ndruck Anspruch macht (und welches macht ihn nicht?),\nin zimperlicherWeise, damenartig, ohne leise Merkmale\nvon Kenntniss des Capitels „über Accentuation\" und viel\nAnderes noch, vorträgt, den müssen wir im Interesse der\nSache und des musicalischen Publicums höflich bitten, sol-\nchen Werken coram Publico fern zu bleiben. Es muss zur\nStelle ausgesagt werden, dass allen unseren Pianisten die\nErfordernisse zur Reproducirung inhaltschwerer Werke\nabgehen; trotz ihrer Bärte stellen sie am Piano nur zarte\nDamen vor. Und danach ist die Wahl des Instrumentes zu\nihren Vorträgen. „Nur sehr leichte Mechanik!\" Das heisst\ndoch wohl: nur sehr wenig Ton, so viel gerade zum Ab-\nklimpern eines Salonslückes erforderlich. Welches Mittel\nsoll also zu kräftiger Färbung des Gemäldes dienen, wenn\ndas Handwerk kraftlos, die zu behandelnde Mechanik nur\nfür Damen passend und die Ausbildung im Allgemeinen\nnicht über das alltägliche Dilettanten-Maass hinausgeht?\nDas Programm des Herrn Lutz war sehr anziehend;\ndarauf figurirlen F. Schubert's B-dur-Trio und Hummel's\nSeptuor. Ersteres hat Referent angehört und wünscht das\nvorstehend über Vortrag Gesagte auf diese Reproduction\nangewandt zu wissen. Im ersten Satze theilen sich unter\nAnderem die Instrumente in eine oft wiederkehrende Trio-\nlen-Figur. Die beiden Streich-Instrumente banden die erste\nmit der zweiten Note richtig und stakkirten die dritte, wo-\ndurch die Betonung der die Melodie führenden ersten\nNote sich von selbst ergibt. Der Pianist aber stakkirte fortan\nalle drei, und zwar gleichmässig, ohne leiseste Andeu-\ntung des auf die erste Note fallenden Accents, den doch\ndie Saiten-Instrumente stets deutlich hören liessen. Solche\nBehandlung der leichtesten Tongruppen zeigte zu auffallend\ndie Nichtkenntniss der allgemein gültigen Regel; und dieses\nEine spricht für alles Andere. In gleicher Weise hörten\nwir von Herrn Lutz die Triole behandeln in der folgenden\nNummer „Adelaide\", die von dem Opernsänger Herrn\nKarl Schneider gesungen wurde.\n\nA. S.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolli. Der grossherzoglich oldenburgische Capellmeister, Herr\nProfessor August Pott, hat sich einige Tage hier aufgehalten\nund uns durch mehrere Vorträge eigener und fremder Compositionen\nfür die Violine aufs höchste erfreut. In der musicalischen Gesell-\nschaft spielte er sein viertes Concert in E-dur, eine gediegene Com-\nposition, welche schon in ihrer Form die Eigentümlichkeit seiner\nRichtung zeigt. Das Concert besteht nämlich nur aus einem Allegro-\nsatze in grossem Stil, in welchem ein Adagio den Mittelsatz bildet,\nso dass der Componist nach dem Adagio den Hauptsatz wieder\naufnimmt, durchführt und mit einer glänzenden Coda scliliesst. Hier\nist mithin Alles Ernst und Würde, und denselben Charakter hat\nauch Pott's Violinspiel; er dürfte jetzt wohl der Einzige sein, der\ndie Spohr'sche Schule mit ihrem herrlichen vollen Tone und edeln\nVortrage noch auf meisterhafte Weise repräsentirt. Selbst seine Sa-\nlon-Compositionen, z. B. die Variationen über das holländische Na-\ntionallied, das Minnelied, das Hommage ä la lune u. s. w., bleiben\ndem ernsten Charakter treu und stehen, gegen die heutigen Faxen\ngehalten, wie natürliche Gewächse gegen Treibhaus-Pflanzen da.\nEinen ausserordentlichen Eindruck hat auf uns unter Anderem aber\nauch der Vortrag der bekannten Ciciconna von Bach gemacht, wel-\nche wir in Hinsicht der Auffassung und der Ausführung noch nie-\nmals so vollendet gehört haben. Pott's Spiel hat durchweg lon,\nvollen und schönen Ton, sowohl im Vörie als im Piano, und c est le\nton qai fait la musique, und namentlich le violoniste.\nPott hat auf seiner jetzigen Kunstreise im vergangenen Monat\ntheils in eigenen, theils in den Abonnements-Concerten zu Osna-\nbrück, Münster, Elberfeld (2 Mal) und Barmen gespielt; am\nDonnerstag den 5. d. Mts. in Aachen, von wo er nach Brüssel,\nBelgien und Holland gehen wird. Auch darin unterscheidet er sich\nsehr zu seinem Vortheil von anderen Virtuosen, dass sein Repertoire\nein ausserordentlich reiches ist, und dass er neben eigenen Compo-\nsitionen die Concerte von Beethoven, Spohr und Lipinski am lieb-\nsten spielt.\nFerdinand Hillens neues Oratorium Saul wird nicht im\nersten diesjährigen Abonnements-Concerte, sondern im diitten\n22. December) zur Ausführung kommen.\nMittwoch den 4. d. Mts. gab Herr Max Bruch mit Unter-\nstützung der Herren Grunwald, B. Breuer, E. Koch, M. DuMont-\nFier, W. Hülle und eines zahlreichen Chors von Dilettanten aus den\nverschiedenen Gesang-Vereinen eine Soiree im Hotel Disch. Ausser\nder Sonate in E-moll und dur von Beethoven, Op. 90, welche der\nConcertgeber recht gut spielte, waren sämmtliche Musikstücke eigene\nCompositionen. Die Soiree begann mit einem I lio füi I ianoforte,\nVioline und Violoncell, das uns in seiner früheren Form mehr an-\ngesprochen hat, als in seiner jetzigen, wo das etwas lange Adagio\nden ersten Satz bildet, dem sich dann das recht hübsche Scherzo\nund ein feuriges Finale anreihen. Dem Eindruck des ersten Satzes,\nder übrigens recht schöne Stellen enthält, schadete es offenbar, dass\ndie Zuhörer nicht recht wussten, wass sie daraus machen sollten,\nindem ein Anfangssatz in so langsamem Tempo und solcher Ausdeh-\nnung als erster, also Hauptsatz eines Trio's etwas Unerwartetes\nwar. Wir können diese Form nicht billigen und wünschen aufrich-\ntig, dass der talentvolle Componist nicht dahin neigen möge, in\nneuen Formen ein Interesse zu suchen, das allein der Inhalt geben\nkann. Eine Romanze für Pianoforte allein und ein Capriccio\nzu vier Händen (sehr brav von Herrn Hülle und dem Componisten\ngespielt) fanden lebhaften Beifall, den sie auch vollkommen ver-\ndienten.\nDie Gesang-Compositionen waren es jedoch vorzüglich, welche\ndas schöne Talent und den leichten, klaren Fluss in den Arbeiten\ndes jungen Componisten von Neuem auf erfreuliche Weise bekunde-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "360", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571107-01.1.8", "texte": "ten. Es waren deren nicht weniger als folgende: 1) „Die Birken und\ndie Erlen\" von G. Pfarrius, für Sopran-Solo und Chor; 2) „Hosi-\nanna\", ein geistlicher Chor; 3) zwei Lieder für Tenor: „Die Zufrie-\ndenen\" von Uhland und „Die Entsagung\" von Geibel; 4) Trinklied\nfür Bariton; 5) Finale aus dem Singspiel „Jery und Bätely\" von\nGöthe, für Sopran, Tenor, Bariton, Bass und Chor. Ausserdem sang\nHerr DuMont auch noch die Arie des Doctors aus der Operette\n„Scherz, List und Rache\" mit bekannter Virtuosität des Vortrags.\nEinen ganzen Abend bei der Musik Eines und desselben Compo-\nnisten mit Spannung auszuhalten, ist unter allen Umständen etwas\nviel verlangt; dass die Theilnahme der Zuhörer aber in diesem\nFalle keineswegs erlahmte, sondern bis zum letzten Tone sichtbar\nrege blieb, das spricht allein schon zu Gunsten des jungen Ton-\ndichters. Wir heben unter den genannten Stücken besonders hervor:\n„Die Birken und die Erlenu; Max Bruch hat diesem lieblichen Ge-\ndichte eine musicalische Hülle umgethan, die sich ihm schön an-\nschmiegt und seinen Reiz erhöht; dann das „Hosianna\" und das\nerste Lied für Tenor, „Die Zufriedenen\" von Uhland, das von Herrn\nKoch wunderschön vorgetragen wurde und bei allen Zuhörern den\nWunsch weckte, diesen trefflichen Sänger doch wieder öfter als im\nvorigen Winter zu hören. Das Finale zu „Jery und Bätely\" hat die\nlobenswerthen Eigenschaften der leicht fliessenden und frischen Me-\nlodie und der Klarheit der Arbeit in eben dem Grade, wie die En-\nsemblestücke in „Scherz, List und Rache\". Die Sopran-Partie\nwurde von Fräul. Z. recht artig und mit einer sehr wohlklingenden\nStimme gesungen.\nUa-PESsesß. In dem ersten Abonnements-Concerte, welches am\n24. October Statt fand, kam die „Schöpfung\" zur Aufführung.\nSie hatte ein überaus grosses Publicum herbeigezogen, so dass sich\nunser Concertsaal, wie auch schon im vorigen Jahre, als zu klein\nerwies. Die Soli hatten namentlich in den Herren Göbbels und\nDuMont-Fier treffliche Vertreter; auch Fräul. Dannemann\nsang die Partie des Gabriel und der Eva recht schön, doch war ihre\nStimme etwas angegriffen, und fühlte sie sich noch nicht überall\nganz zu Hause. Chor und Orchester leisteten sehr Erfreuliches.\nIn Mannheim hielt der städtische Ausschuss eine Sitzung in\nSachen des Theaters und kam zu dem bitteren Entschlüsse, ein noch\ntheilweise aus den Zeiten des Theaterbaues herüber geschlepptes\nDeficit von 41,000 Gulden, eine Remuneration des Theater-Maschi-\nnisten Mühldörfer mit eingerechnet, auf die Stadt zu übernehmen,\nwelche somit zu dem Umbau des Theaters 244,000 Gulden übernom-\nmen hat, während die Staatscasse zu diesem Behufe 50,000 Gul en\nverwilligte.\na. Der dänische Capellmeister Herr Sieg-\nfried Saloman ist mit seiner Gattin, gebornen Henriette Nis-\nsen, auf seinen unsteten Künstlerwanderungen jetzt hier eingetrof-\nfen, um in Frankfurt zu überwiutern.\n4\n* SEaäiatOTea*# Der Tenorist Albert Niemann (27 Jahre\nalt) ist bei der hiesigen Hofbiihne durch einen neuen Contract auf\nzehn Jahre mit 5000 Thlr. jährlichem Gehalt angestellt.\nDresden* Die Dresdener Nachrichten bringen folgende Notiz:\n„Mit tiefem Bedauern erzählt man sich in künstlerischen Kreisen,\ndass Joseph Tichatscheck, Deutschlands erster Helden-Tenor,\nsein Engagement an der dresdener Hofbühne mit Ablauf seines Con-\ntractes (1. Januar 1858) gekündigt hat. Wir werden keinen zweiten\nhaben.\"\nDie dresdener Künstlerkreise haben einen bedaiterlichen Verlust\ndurch den am 8. October erfolgten Tod des geschätzten Pianisten\nRudolf Wehner erlitten. Nach einem kurzen Krankenlager starb\nderselbe im 28. Lebensjahre.\n£äai!if*3ai*g« Das am 15. October zum ersten Male gegebene\nneue Lustspiel von Roderich Benedix, „Die Schuldbewussten\",\nhat sehr gefallen\nDie Theaternoth dauert noch an. Das Provisorium,\nunter welchem in Theilung gespielt wird (!), ist bis zum 16. No-\nvember verlängert. Bis dahin hofft man einen Pachter für 7500\nThlr. zu finden. Der Dichter Gottschall wird unter den Bewer-\nbern genannt.\nUnter den neu engagirten jungen Sängerinnen\nzeichnet sich namentlich Fräul. Riesberg (von Leipzig) durch ein\nrecht hübsches Talent aus; auch ihre äussere Erscheinung ist eine\nsehr liebliche. Die Primadonna Fräul. zum Busch (auf der Rhei-\nnischen Musikschule zu Köln gebildet) hat ein noch sehr be-\nschränktes Repertoire, dagegen werden sich ihre Stimmmittel nach\ngrösserer Ausbildung vollkommene Geltung verschaffen.\nieEB. Seit einigen Wochen ist, wie bekannt, der Process,\nwelcher gegen den Director des Hof-Operntheaters wegen Ehrenbe-\nleidigung gegen ein hervorragendes weibliches Mitglied jener Bühne\nanhängig gemacht wurde, Gegenstand des allgemeinen Gespräches.\nDas Bezirksgericht als erste Instanz hatte gegen den Bühnen-Direc-\ntGr auf eine zweimonatliche Arreststrafe erkannt. Wie wir nun hö-\nren, hat das k. k. Ober-Landesgericht das Urtheil erster Instanz da-\nhin modificirt, dass statt der Gefängnissstrafe bloss eine Pönale von\n100 Gulden für den hiesigen Armenfonds zu zahlen sei. Herr Cornet\nhat auf die von ihm seither bekleidete Stelle eines Hof-Operntheater-\nDirectors verzichtet und ist ins Ausland gereis't. Herr Capellmeister\nEckert ist zum provisorischen Director ernannt."}]}