{"numero_id": "bm-bmtnabi-1857-11-14-01", "volume": "bmtnabi_1857-11-14_01", "ocr_sha256": "8518c1f629547e8cc84a44218b0970831b6d909c912f938dd2c99d058e199767", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1857/11/14_01/bmtnabi_1857-11-14_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571114-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1857-11-14-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-11-14_01#c001", "volume": "bmtnabi_1857-11-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "361", "page_fin": "361", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571114-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "361", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571114-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 447, "texte": "Inhalt.\nC. M. von Weber's „Freischütz\". Nach Dr. H. Döring's Biographie Weber's. Erstes Abonnements-Concert in Bonn. Von\nL. Bischoff. Tages- und Unterhaltungsblatt (Aachen, Erstes Abonnements-Concert, Concert von Prof. August Pott Neu-\nwied, Der Flügersche Gesang-Verein Braunschweig, Oper Kassel, Herr Graff, Oper und Concerte Wien, Herr Joh. Strauss, Ed.\nHanslik, Vorlesungen über „Neuere Geschichte der Tonkunst\" Petersburg, Italienische Oper)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-11-14-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-11-14_01#c002", "volume": "bmtnabi_1857-11-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "361", "page_fin": "367", "image_debut": 1, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571114-01.2.2", "titre_corps": "C. 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Rind schrieb später darüber:\n„Es mochte im Sommer oder Herbste 1816 sein, als der\nKammermusicus Schmidt in Dresden einen Fremden zu\nmir brachte, schwarz gekleidet, blass, doch sehr geistreich\nvon Gesicht, ungelähr von meiner Grösse, nur noch schmäch-\ntiger, den ich wegen seiner mir im Verhältnisse etwas zu\nlang dünkenden Arme und Hände lür einen Pianoforte-\nVirtuosen hielt. Er nannte sich Carl Maria von We-\nber. Ich war höchst erfreut, seine Bekanntschaft zu ma-\nchen, da mir sein Name durch Compositionen einiger Volks-\nlieder aus der Herder'schen Sammlung oder dem Wunder-\nhorn, vieler Lieder von Theodor Körner und selbst, ohne\ndass wir vorher in der mindesten Verbindung gestanden,\ndurch Compositionen einiger Lieder von mir sehr lieb ge-\nworden war, und ich auch davon gehört hatte, dass man\nauf ihn als hiesigen Capellmeister denke. Wir fanden uns\nsehr bald; wir sprachen vom Hundertsten ins Tausendste.\nEndlich äusserte Weber, wir würden uns schon näher tre-\nten, ich müsse ihm ein Singspiel oder eine Oper dichten.\nIch gestand offen, dass ich kaum die Noten kenne; er\nmeinte, das sei ihm ganz gleich. Er blieb dabei, er werde\nschon mit mir auskommen. Wir schieden als nicht neue\nFreunde.\"\nDen Wunsch, einen Operntext zu erhalten, regte We-\nber, der unterdess Capellmeister in Dresden geworden\nwar, wieder lebhaft an in einem Gespräche mit seinem\nneuen Freunde. Einige von Kind geäusserte Bedenklichkei-\nten suchte Weber durch die Worte zu beseitigen: „Wie\nSie das Ganze anlegen und ausführen, so componire ich es,\ndas verspreche ich Ihnen. Kleinigkeiten, wesshalb Sie nur\neine Feder anzusetzen brauchen, ändern Sie schon mir zu\nLiebe!\" Die Wahl des Stoffes zu der Oper, nach einer\nschauerlichen Volkssage von Apel „Der Freischütz\" beti-\ntelt, hatte Weber's ganzen Beifall. Er äusserte sich darüber\nmit Begeisterung und versprach sich einen grossartigen\nErfolg. Als ihm Kind später das Manuscript der Oper mit-\ntheilte, bat er jedoch den Dichter, die zwei ersten Scenen\nzu unterdrücken, wozu sich dieser jedoch höchst ungern\nverstand. Er berief sich auf den abgeschlossenen Vertrag,\nauf das ihm gegebene Wort, dass an seiner Arbeit nichts\ngeändert werden dürfte. Davon wollte jedoch Weber nichts\nwissen. Er äusserte, er habe schon zu componiren ange-\nfangen, und sparte keine Worte, bis es ihm gelungen war,\nden Dichter zu jener Abänderung zu bewegen, so wenig\ndieser sich davon überzeugen konnte, dass der Schuss\nund das wilde Volksgetümmel, mit welchem Weber die\nOper eröffnet wissen wollte, nach den idyllischen Scenen\neines frommen Gespräches zwischen Agathen und dem Ein-\nsiedler nicht dieselbe, wo nicht eine noch grössere Wir-\nkung hervorgebracht haben möchte.\nDas freundschaftliche Verhältniss zwischen Weber und\nKind erkaltete nicht durch ihre verschiedenen Ansichten.\n„Wir hatten erkannt,\" schrieb Kind, „dass wir zu einan-\nder gehörten. Wir verstanden uns in Gesellschaft, z. B. im\nLiederkreise, wenn etwas vorgelesen ward, durch Blicke;\nwir holten uns einander zu Spazirgängen und ins Theater\nab; bei Festlichkeiten ward auf uns als Verbundene gerech-\nnet; wir waren, wie die alten Troubadours, gleichsam\nDichter und Harfner in Einem. Wenn ich eine Melodie"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "362", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571114-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5010, "texte": "wünschte, so componirte Weber sie, wenn er einen Text\nwünschte, z. B. bei Festtagen des königlichen Hauses, so\ndichtete ich diesen Text.\"\nIm Sommer 1818 bewohnte Weber in Dresden ein\nGartenhaus in der Antonstadt. Selten verging ein Tag, an\nwelchem ihn sein Freund dort nicht besuchte. „Wenn\nWeber\", schrieb er, „etwas vom Freischütz componirt\nhatte, z. B. das Brautjungfern-Lied, Caspar's Freveleien, den\nJägerchor u. s. w., so beschied er mich zu sich. Er oder\nseine Gattin, oder Beide zusammen sangen es zum Piano-\nl'orte. Wenn wir, um aus der Stadt in den Garten zu ge-\nlangen, über die Elbe fuhren, und die alterthümlichen Jä-\nger-Figuren auf der kleinen Galerie des Jägerhofes uns ins\nAuge fielen, so riefen wir: So ungefähr! und jauchzten\nauf.\" In solcher Stimmung arbeitete Weber, seiner man-\nnigfachen Dienstgeschäfte ungeachtet, mit rastlosem Fleisse\nan seiner „Jägerbraut\", wie die Oper der Freischütz An-\nfangs heissen sollte. Er überliess sich der Hoffnung eines\ngünstigen Erfolges. „Es sind\", schrieb er einem Freunde,\n„Dinge in dieser Oper, die in dieser Art noch nicht auf\nder Bühne waren, die ich daher ohne das mindeste Anhal-\nten an Vorhandenes gänzlich aus meiner Phantasie schö-\npfen musste. Gott gebe nur, dass ich das Rechte getroffen\nhabe.\" Seine Ausdauer im Arbeiten kannte keine Gränzen.\nWährend seine Geschäfte durch die Krankheit eines seiner\nAmtsgenossen sich noch vermehrt hatten, traf ihn das\nSchicksal, auch seine innig geliebte Gatlin hart leiden und\nselbst von Lebensgefahr bedroht zu sehen. Seine damali-\ngen Empfindungen schilderteer mit den Worten: „In die-\nser Periode war alles todt lür mich, was ausser meiner\nUmgebung und meiner Pflicht lag. Unsägliches Leiden war\nbei mir eingekehrt. Wenn ich bis gegen Mitternacht den\nSchmerz am Krankenbette meiner Frau eingesogen halte,\nmusste ich noch in meiner Arbeitsstube arbeiten!\"\nDamit entschuldigte er sich auch wegen seiner ver-\nspäteten Beantwortung eines Briefes, den er von einem\nseiner berliner Freunde, dem durch mehrere Compositio-\nnen bekannten Hofrath J. Ph. Schmidt, erhalten hatte.\n„Zürnen Sie nicht\", schrieb Weber aus Dresden am 26.\nSeptember 1818, „über mein langes Schweigen, das stets\nnur die Folge von überhäufter, unausweichlicher Arbeit ist.\nAuch heute nur einige Worte, die Ihnen anzeigen sollen,\ndass morgen wieder die Probe von Ihrer Oper, Das Fi-\nschermädchen, anlängt. Ich hatte sie gleich nach meiner\nAnkunft in der Stadt vorgenommen, musste sie aber aus\nmancherlei Rücksichten uuterbrechen. Nun soll die Oper\naber noch vor dem Anfange unserer Weihnachts-Ferien,\nden 12. October, in Scene gesetzt werden. Der Himmel\ngebe seinen Segen dazu; an unser aller Eifer soll es nicht\nfehlen. —Zu Ihrer Alpenhütte soll später schon Rath wer-\nden. Ich freue mich, dass Ihre Arbeiten sich verbreiten.\nKönnen Sie gelegentlich die Direction in Kopenhagen auf\nmeine Opern Sylvana und Abu Hassan aufmerksam ma-\nchen, so stehen Ihnen dieselben zu Diensten. Sylvana wird\nzum neuen Jahre auf Befehl des Königs hier gegeben.\nMeine Jubel-Cantate und Jubel-Ouverture werden heraus-\nkommen, erstere auf einen noch brauchbaren Text vom\nProfessor Wendt. An meiner Jägerbraut habe ich\nseit Jahr und Tag keine Note schreiben kön-\nnen. Dagegen arbeite ich jetzt an einer zweiten Messe zur\nJubel-Hochzeit unseres Königspaares im Januar 1819.\nVergelten Sie nicht Gleiches mit Gleichem. Lassen Sie viel-\nmehr bald wieder etwas von Sich hören. Ich brauche wahr-\nlich Erheiterung durch Freundes-Theilnahme und die Be-\nrührungen nach aussen.\"\nZu der in diesem Briefe erwähnten Festlichkeit, der\nVermählung des damaligen Erbprinzen und nachherigen\nKönigs Friedrich August von Sachsen mit einer österreichi-\nschen Prinzessin, sollte Weber eine grosse, aufs pracht-\nvollste ausgestattete Oper componiren. Er hatte dazu lür\nden ganzen Sommer Urlaub erhalten und in Hosterwitz,\nnahe bei Pillnitz, sich eine Wohnung gemiethet. Im inni-\ngen Verhältnisse zu seinem mehrjährigen Freunde Kind\nwar dadurch keine Störung eingetreten. Dieser äusserte\ndarüber in späteren Jahren: „ Wir schrieben oft an einan-\nder. Ich ging oder gondelte hinaus nach Hosterwitz, blieb\nbei Weber die Nacht und kehrte erst am folgenden Mor-\ngen durch die wahrhaft paradiesische Landschaft nach der\nStadt zurück.\"\nVon seinem Freunde war Weber im Namen des dres-\ndener Liederkreises, der ihn zu seinen Mitgliedern zählte,\num eine Melodie gebeten worden. Er konnte diese Bitte\nnicht erfüllen. »Hier in der Ruhe\", schrieb er aus Hoster-\nwitz, den 7. Mai 1819, „lühle ich erst, wie sehr die letzte\nZeit mich angegriffen hat. Ich bin noch total invalide. Mein\nHerz ist kerngesund, aber der Kopf kann sich um keinen\nPreis noch der geringsten Anstrengung hingeben. Mit\nfremden Federn, die gar lockend und herrlich mich an-\nschauen, mag ich mich doch auch nicht schmücken; man\nwürde auch gewiss den Raben erkennen. Schon diese\npaar Zeilen haben mich ganz erschöpft. Es thut\nmir recht weh, im Kreise zu fehlen. Setzt meinen Namen\nhin und meldet mich-krank, so bin ich doch da.\""}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "363", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571114-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5145, "texte": "Den wiederholt an ihn gerichteten Fragen und Erkun-\ndigungen nach der von Rind zu dem Jubiläum des Erbprin-\nzen von Sachsen gedichteten Fest-Oper Alcindor machte\nWeber in einem Schreiben aus Hosterwitz vom 26. Juni\n1819 durch die Erklärung ein Ende: „Es ist nunmehr\nvon Sr. Majestät dem Könige die Entscheidung gekommen,\ndass unsere Oper nicht componirt werden solle. Es soll\nüberhaupt bei dieser Gelegenheit nichts Eigenes veranstal-\ntet werden, als ein Prolog. Es sind noch so mancherlei\nNeben-Umstände vorhanden, dass ich Sie recht sehr bitten\nmuss, einmal wieder den hosterwitzer Wanderstab zu er-\ngreifen, um mündlich von allen Details unterrichtet zu wer-\nden. Ich hätte Ihnen die ganze Sache wohl erst mündlich\nmit Zuckersauce vortragen sollen. Ich konnte es aber nicht\nübers Herz bringen, Ihnen zu schreiben, ohne nicht auch\netwas zu erwähnen wegen der so fatalen Ungewissheit.\nAlles Uebrige daher mündlich.\"\nMit seinem Freunde Kind, welcher lür ihn den Frei-\nschütz dichtete, der seinen Ruhm als Tonkünstler lür im-\nmer begründete, war Weber noch immer in dem ungestör-\nten Verhältnisse wechselseitiger Liebe und Achtung geblie-\nben. Was dem Einen Freundliches geschah, fand vollen\nWiederklang in dem Herzen des Anderen. Bescheiden und\nanspruchslos, freute sich Weber über den von dem Herzog\nvon Gotha 1818 seinem Freunde verliehenen Hofraths-\nTitel so innig, als ob ihm selbst diese Auszeichnung wider-\nfahren wäre. Diese Freude sprach sich aufs lebhafteste aus\nin einem von Weber damals an den Herzog von Gotha\ngerichteten Schreiben. Dieser Brief ist in mehrfacher Hin-\nsicht so charakteristisch, dass er hier eine Stelle verdient.\n„Wer Gutes und die Menschen Erfreuendes übt,\"\nschrieb Weber an den Herzog, „der muss es nun schon\nauch darauf ankommen lassen, dass dankende Stimmen sich\nzu ihm drängen und aus vollem Herzen das aussprechen,\nwas sie gleichsam als Repräsentanten der öffentlichen Mei-\nnung mit wahrer Lust dem erhabenen Geber ehrfurchts-\nvoll darzulegen sich gedrungen fühlen. Wohl mir, dass ich\nweiss, mein gnädigster Herzog, der wahrhafte Beschützer,\nBefeurer und Selbsterzeugende, der da schafft, indem er\naneifert, und aneifert, indem er schafft er fühle sicherer\nund erschöpfender mit die Regungen und das Walten eines\nrein dankerfüllten Herzens, als es irgend ein Wort geben,\nirgend eine Handlung auszudrücken vermag, und welches\nüberhaupt nur von dem, der sie gibt, auch wieder begrif-\nfen werden kann, wie man danken könne—sonst sähe es\nmit meiner Repräsentantenschaft sehr übel aus, und die\nUebrigen, für die ich allenfalls das Wort unbewusst ergrif-\nfen, möchten dem ungeleckten Wortführer, oder dem Füh-\nrer ungeleckter Worte, sehr schlechten Dank für seine\nFührung wissen. Ew. Durchlaucht auszeichnende Huld für\nden trefflichen Kind hat hier grosse Sensation gemacht, und\nzwar durchaus gute, wenn auch mitunter seltsam modifi-\ncirt. Einige kleine, unbedeutende Neid-Gesichtlein konnten\nfreilich nicht ungeschnitlen bleiben; aber darin vereinigten\nsich alle Stimmen zum höchsten Einklänge, dass es erhe-\nbend, befeuernd und tröstend sei, solche Fürstengaben so\nwahrhaft kunstfürstlich vertheilt zu sehen. Die meisten lite-\nrarischen und andere Handwerksseelen, die gewohnt sind,\nnur paar- oder ellenweise belohnt zu werden, fragten frei-\nlich, wie viele Ellen und Paare Kind für Sr. Durchlaucht\neigenen Hausgebrauch gefertigt habe. Diese guten Leute\nbegriffen wahrhaftig nicht, dass eines Fürsten wahrhaft\nhoher Geist das der Welt Geleistete auch das Seine nennt,\nund dass das beglückende Vorrecht, Geisteskraft, er finde\nsie, wo er wolle, hervorzuheben und zu belohnen, dadurch\nzu belohnen, dass er seine Aufmerksamkeit auf sie beweis't\nund das Geleistete erkennt, eine wahrhafte Fürstenkraft ist,\ndie sich als Stärkung und Belohnung des Guten ans Gött-\nliche erhebt. Wenn es nun vollends mit dieser Milde, mit\ndiesem künstlerischen Meister-Wohlwollen geschieht, dann\nwirkt es erst vollendet und ganz anders, als wenn die\nGnade mit drückender Gewalt einem so recht fest den\nallenfalls aus solidem Eisenguss gefertigten Lorber aufs\nHaupt setzt, dass man fast darunter zusammenknickt und\nvor freudigem Schreck und schrecklicher Freude kaum den\nAthem zu dem devotesten Danke finden kann. Hier aber\nsprudelt es hoch und freudig empor, und schelten Ew.\nDurchlaucht auch ein wenig Ihren sprudelnden Maria, so\nweiss ich ja doch, Sie werden nicht ernstlich böse; denn\nder Wille ist ja gewiss gut. Was hätte ich eigentlich nicht\nnoch alles zu sagen und zu fragen! Aber ich merke, dass\nich die Geduld meines Durchlauchtigsten Beschützers schon\ngenug auf die Probe gestellt habe. Erlauben Ew. Durch-\nlaucht mir nur noch, zu wiederholen, dass Sie zwei sehr\nfrohe und glückliche Menschen gemacht haben. Wie oft\nwar ich Augenzeuge, dass Sie darin Ihre Freude finden!\nund in so fern man immer diejenigen, denen man Gutes\nthut, ein Bisschen gern hat, schliesse auch ich mit der fro-\nhen Hoffnung der Fortdauer Ihrer Huld und Gnade für\nden Tonweber, der sich unendlich darauf freut, zur Zeit\nder Jubel-Hochzeit Ew. Durchlaucht persönlich die unwan-\ndelbaren Gefühle der innigsten Verehrung und Treue aus-\nsprechen au dürfen.\""}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "364", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571114-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5156, "texte": "Seinen Freund Rind, dem er in diesem Schreiben ein\nso schönes Denkmal seiner liebevollen Gesinnungen, denen\nNeid und Missgunst völlig fremd waren, gestiftet hatte,\nmachte Weber auch zum Vertrauten seiner Begegnisse auf\neiner Urlaubsreise, die er 1820 angetreten halte.\nReinen unwesentlichen Antheil an den vielfachen Be-\nweisen der allgemeinen Verehrung, die Weber auf der er-\nwähnten Heise empfing, hatte seine Musik zu dem von P.\nA. Wold gedichteten Schauspiele Preciosa. 1820 war\ndasselbe zum ersten Male auf der berliner Bühne mit rau-\nschendem Beifalle aufgeführt worden. Mehrere Arien wur-\nden Volkslieder. Weber selbst hielt dieses Werk, in wel-\nchem, wie er meinte, nach der gewöhnlichen Handwerks-\nAnsicht manches Gewagte sei, lür einen guten Vorläufer\nzu seinem Freischütz, dessen Aufführung nahe bevorstand.\nDiese Oper war nach manchen Unterbrechungen zu\nAnfange des Jahres 1821 vollendet worden, und Weber\nhatte eine Einladung nach Berlin erhalten, wo das aus der\nAsche neu entstandene Schauspielhaus mit dieser Oper ein-\ngeweiht werden sollte. Die wiederholten Proben und man-\nnigfachen Vorbereitungen, verbunden mit anderen Um-\nständen, verzögerten indess die Aufführung. Einige Aus-\nkunft darüber gab Weber in einem Briefe an Fr. Rind, da-\ntirt aus Berlin vom 27. Mai 1821. „In grosser Eile\",\nschrieb er, „nur einige Zeilen, die Sie über das Schicksal\nunseres Rindes beruhigen sollen. Ich fand im Ganzen sehr\nwenig vorgearbeitet. Die ungeheuren Anstrengungen jeder\nArt, welche die Oper Olympia von Spontini erforderte, und\ndie von dem 4. bis zum 14. verzögerte Aufführung der-\nselben hat auch mich um so viel weiter hinausgeschoben,\ntausend andere Confusionen abgerechnet. Gestern, am 26.,\nist endlich zum ersten Male im neuen Schauspielhause ge-\nspielt worden. Der Prolog von Gölhe war herrlich. Iphi-\ngenie wurde vortrefflich gegeben, und das beschliessende\nBailei, die Bosenfee, von Erfindung des Herzogs Rarl, be-\nzauberte durch die schöne Maschinerie. Dem Könige w-urde\nein Vivat gebracht und der Baumeister Schinkel hervorge-\nrufen. Nun sollen auf Sr. Majestät ausdrücklichen Befehl\nalte Sachen gegeben werden, bis meine Oper in Scene\ngehen kann. Dies wird schwerlich vor dem 8. bis 10. Juni\ngeschehen können, da die Wolfsschlucht gar zu viel Appa-\nrat fordert. Uebrigens sind des Maschinenmeisters und De-\ncoraieurs Gropius Ansichten und Pläne davon ganz herr-\nlich und phantasiereich, und es wird wohl in seiner Art\neinzig dargestellt werden. Allenfallsige Opern-Vorstellun-\ngen werden unterdessen noch im Opernhause gegeben. Die\nSänger lernen mit Lust die Partieen, und somit darf ich\nmir vom Ganzen wohl einen glücklichen Erfolg versprechen.\nDas neue Haus ist wunderschön. Die Aufführung der Oper\nOlympia ist das Prächtigste, was man sehen kann. Sie\nkostet über 28,000 Thaler. Spontini wurde nach der er-\nsten Vorstellung hervorgerufen und mit Kränzen beworfen.\nDie zweite Vorstellung lief ganz kalt ab. Morgen ist die\ndritte. Was übrigens hier für Mittel in Bewegung gesetzt\nwerden, möge Folgendes beweisen. Der Präsident des\nCensur-Collegiums hat eine Ordre erlassen, vermöge deren\nin keinem hier erscheinenden Blatte die Musik des Herrn\nSpontini getadelt werden darf. Lob kann passiren, so viel\nals möglich. Was sagen Sie dazu? Muss es nicht jedem\nKünstler das Herz zerfleischen, wenn er sieht, dass ein\nMann wie Spontini sich zu solchen Dingen herablassen\nkann, die nothwendig in kurzer Zeit ihn selbst herabziehen\nund die öffentliche Meinung über ihn erbittern müssen?\"\nWegen der verzögerten Auflührung seiner Oper\nmusste Weber länger in Berlin verweilen, als er Willens\ngewesen war. Die Rückreise über Gotha, Weimar u. s. w.\nMusste er nun aufgeben, da er seinen Urlaub nicht weiter\nausdehnen wollte, als es der Gesundheits-Zustand seiner\nGattin forderte. Von dem Unmuthe über seinen veränder-\nten Reiseplan ward er abgelenkt durch die Vorbereitungen\nzu seiner Oper. „Mit dem Freischützen\", schrieb er aus\nBerlin, den 31. Mai 1821, „geht es von Seiten des Mu-\nsicalischen vortrefflich. Alles wirkt dabei mit Liebe und\nLust. Das Decoraiions- und Maschinenwesen aber hält ent-\nsetzlich auf. Den 14. reis't der König nach Spaa, und da\nmuss der Freischütz vorher in Scene.\"\nGleichzeitig war Weber wegen der Aufführung seiner\nOper in Wien mit der dortigen Bühne in Unterhandlungen\ngetreten, deren Erfolg ihn jedoch nicht befriedigte. „Mit\nWien\", schrieb er in dem eben erwähnten Briefe, „ist es\neine curiose Geschichte. Das Hoftheater wäre mir freilich\ndas liebste; kann man aber ohne eigentliche Ursache sich\nvon dem wiener Theater zurückziehen, ohne diesen\nSchreier gegen sich zu haben? Uebrigens ist das Ein-\nschicken eine gar wunderbare Zumuthung, und die Direc-\ntionen sehen gar zu gern Dichter und Componisten als\nSupplicanten vor ihrer Hoheit stehen. Darüber muss ich\nmich aber doch freuen, in welcher Weise ich durchgehends\nBeweise von Achtung bekomme.\"\nDer Erfolg seiner Oper auf der berliner Bühne über-\ntraf Weber's Erwartungen. Ueber die Aufführung, die am\n15. Juni 1821 Statt gefunden hatte, schrieb er sechs\nTage nachher, den 21., an Fr. Kind: „Victoria können\nwir schiessen, geliebter Freund und Mit-Autor. Der Frei-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "365", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571114-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5255, "texte": "schütz hat ins Schwarze getroffen. Die gestrige zweite Vor-\nstellung ging eben so trefflich, wie die erste, und der En-\nthusiasmus war abermals gross. Zu morgen, der dritten, ist\nschon kein Billet mehr zu haben. Kein Mensch erinnert\nsich, eine Oper so aufgenommen zu sehen, und nach der\nOlympia, lür die Alles gethan wurde, ist es wirklich der\nvollständigste Triumph, den man erleben kann. Sie glauben\naber auch nicht, welches Interesse das Ganze einflösst und\nwie vortrefflich alle Theile spielten und sangen. Was hätte\nich darum gegeben, wenn Sie zugegen gewesen wären!\nManche Scenen wirkten bei Weitem mehr, als ich geglaubt,\n■/,.8. der Abgang der Brautjungfern. Die Ouvertüre und\ndieses Volkslied wurden da verlangt. Ich wollte aber\nden Gang der Handlung nicht unterbrechen lassen.\"\nAuch die Zeit seiner Abreise bestimmte Weber in\ndiesem Briefe. „Montag, den 25.,\" schrieb er, „gedenke\nich mein Concert zu geben und den 1. Juli in Dresden\nwieder einzutreffen. Das üble Wetter wird Sie wohl abhal-\nten, früher nach Töplitz zu reisen, so dass ich Sie noch in\nDresden sehe und Ihnen erzählen kann; denn beschreiben\nlässt sich wahrlich so etwas nicht. Auch bin ich so voll,\ndass ich gar nichts zu schreiben weiss. Welchen Dank,\nmein theurer Kind, bin ich Ihnen für diese herrliche Dich-\ntung schuldig! Zu welchen Mannigfaltigkeiten geben Sie\nmir Anlass, und wie freudig könnte sich meine Seele über\nIhre herrlichen, tief empfundenen Verse ergiessen! Ich\numarme Sie wahrhaft gerührt in Gedanken und bringe Ih-\nnen einen der schönsten Kränze mit, deren Empfang ich\nnur Ihrer Muse verdanke, und den Sie zu den früher schon\nin so grosser Zahl errungenen hängen müssen.\"\nUngeachtet des herzlichen Tones, in welchem dieser\nBrief abgefasst war, schien in dem bisherigen Freundschafts-\nVerhältniss zwischen Weber und Kind, als letzterer wieder\nvon Töplitz nach Dresden zurückkehrte, eine gewisse Kälte\neingetreten zu sein. Kind's Autor-Eitelkeit lühlte sich ver-\nletzt, als er von mehreren Seiten hörte, dass ein grosser\nTheil des Publicums geneigt schien, den ganzen Erfolg des\nFreischütz dem Componisten allein beizumessen. Er\nschrieb darüber in späteren Jahren: „ Die meisten Ton-\nkünstler glauben, dass so eigentlich auf einen Opern-Text\nwenig ankomme. Je weniger der Dichter leiste, desto höher\nund ungetheilter sei ihr Verdienst. Auch viele Theater-\nKritiker und Musik-Enthusiasten stimmen ihnen bei, und\nkönnen sie eine neu gegebene Oper nicht preisen, so recht-\nfertigen sie den Componisten mit den Fehlern des Dichters,\ngutmüthig hinzusetzend, mit einem Opern-Texte brauche\nman es ja nicht genau zu nehmen. Von solchen Ansichten\nwar zwar Weber weit entfernt; aber die vielen ausseror-\ndentlichen Huldigungen mussten doch auch auf ihn einigen\nEinfluss äussern. Er setzte den Freischütz in Berlin und\nspäter in Dresden in Scene, ohne mir sogar hier in Dres-\nden etwas mehr als die letzte Probe zu melden. Ich hiess\nwohl unter uns sein Mit-Autor des Freischützen. Doch\ndankte er, und zwar fast ausschweifend, allen irgendwie\nMitbeteiligten, den Intendanzen, Sängern, Capellisten, Ma-\nlern u. s. w., ohne des Dichters, selbst hier in Dresden,\nwo man, wie fast allenthalben, den Componisten herausrief,\nnur zu erwähnen. Als ich ihn daran erinnerte, half er sich\nmit der leidlich klingenden Entschuldigung, dass er sich da-\nmit ja selbst gelobt haben würde.— Unser vereintes Wir-\nken mit so glücklichem Erfolge war schon längst Manchem\nein Dorn im Auge gewesen. Es fanden sich Zwischenträ-\nger, Unkraut in den Weizen zu säen. Man flüsterte mir in\ndie Ohren von Summen und Kostbarkeiten, von grünenden\nund goldenen Kränzen, die dem Componisten gespendet\nworden. Weber's und mein Vernehmen fing nach und nach\nan zu erkalten. Wir sahen einander seltener. Weber fragte\nmich, wie beiläufig, ob ich denn fortfahre, am Cid oder\neiner anderen Oper zu dichten. Ich erwiderte, dass mich\nmeine jetzige Stimmung von allen Lieblingsplanen abhalte.\nSo war es denn unter uns erklärt, ob wir gleich freundlich\nund wohlwollend gegen einander blieben.\"\nDurch ein Dankschreiben, welches Weber an die sämmt-\nlichen Künstler Berlins gerichtet hatte, die bei der ersten\nAufführung des Freischütz am 15. Juni 1821 thätig ge-\nwesen waren, hatte sich die obwaltende Spannung zwi-\nschen Weber und Kind noch vermehrt. Jener suchte sie\ndurch einen lür seine Denkart höchst charakteristischen\nBrief zu beseitigen, den er am 28. Juli 1821 dem sich\ngekränkt fühlenden Freunde sandte. „Nein!\" schrieb We-\nber, „das kann ich nicht fünf Minuten auf mir sitzen lassen.\nIch muss gleich meinem theuren, vielgeliebten Mit-Autor\nden Kopf waschen. Guter, lieber, hochverehrter Freund!\nWie können Sie so ganz übersehen, dass bei meinem Dank-\nschreiben doch nur rein von der Aufführung des Frei-\nschützen die Rede sein konnte? Jedes Wort, das ich für\ndas Werk selbst gesprochen hätte, hätte ja für ein Com-\npliment für mich auch mit angesehen werden müssen. Dich-\nter und Componist sind ja so mit einander verschmolzen,\ndass es eine Lächerlichkeit wäre, zu glauben, der Letztere\nkönne etwas Ordentliches ohne den Ersteren leisten. Wer\ngibt ihm denn den Anstoss? wer die Situation? Wer ent-\nflammt seine Phantasie? Wer macht ihm die Mannigfaltig-\nkeit der Gefühle möglich? Wer bietet ihm Charakterzeich\""}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "366", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571114-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5117, "texte": "nung? u. s. w. Der Dichter und immer der Dichter.\nAber wer macht die Dichter immer unzufrieden? Auch\nwieder sie selbst unter einander. Musiker haben mir hun-\ndert Mal gesagt: Aber was sind Sie auch glücklich, so ein\nherrliches Buch gehabt zu haben! Aber die Dichter haben\nimmer etwas zu kriteln, und haben mich oft teufelswild ge-\nmacht, besonders wenn sie mir hauptsächlich das Verdienst\nanrechnen wollten und die ihnen so scheinenden Mängel\nnicht. Glaubt ihr denn, sagte ich, dass ein ordentlicher\nComponist sich ein Buch in die Hand stecken lässt, wie ein\nSchuljunge den Apfel? Dass er Alles so bestimmt hinnimmt\nund blindlings Töne darüber giesst, froh, die lange verhal-\ntenen nur irgendwo loslassen zu können? —• Nein, mein\ntheurer Freund! glauben Sie fest, dass Niemand von grös-\nserer Achtung für den Dichter durchdrungen sein kann,\nals ich: dass ich keinen Augenblick vergessen konnte, dass\nvor Allen Ihnen der erste Dank von mir gebühre, den ich\ngewiss treu im Herzen hege und freudig aussprechen will,\nwo ich kann und wo sich mir Gelegenheit dazu bietet.\nAber bei dieser Veranlassung, wahrlich, ging es nicht.\nDenken Sie Sich's einmal recht lebendig, ob es möglich war,\nvon Ihnen zu sprechen, ohne das Werk zu loben. Ja, ich\nkann Ihnen nicht helfen, wir sind zu sehr in einander ge-\nwachsen. War Ihnen dies schmerzlich, so kann ich Ihnen\nheilig versichern, dass es mir doppelt schmerzlich ist, dass\nSie einen Augenblick an meiner Anerkennung, an meiner\ndankbaren Liebe und jederzeitigen Erinnerung daran zwei-\nfeln konnten. Es hat mir Unzufriedenheit genug erregt,\ndass man Ihrer Leistung Werth nicht mit eben der Wärme\nausgesprochen hat, als ich ihn lühle. Aber in der Wirkung\ndes Ganzen müssen Sie Ihren Lohn finden und in meinem\ndem gemäss wahrhaften Danke.\"\nWeber's gutmüthige Natur iiess kein Mittel unversucht,\nden gereizten Freund zu besänftigen und eine gegenseitige\nVersöhnung einzuleiten. Aber weder der eben mitgetheilte\nBrief, noch ein späteres Schreiben vom 27. November\n1821 hatte einen günstigen Erfolg. „Unser Freischütz\",\nschrieb Weber, „gedeiht über die Maassen und wird von\nden Directionen bei Weitem mehr gesucht und besser ho-\nnorirt, als ich erwarten konnte. Es ist daher wohl natür-\nlich, dass ich seit langer Zeit mich mit dem Gedanken trug,\ndem theuren Freunde, dessen herrliche, gemüthvolle Dich-\ntung mit dem nur ihr eigenthümlichen Zauber dieser Oper\ndas Anziehende verlieh, auch wieder meinerseits zu bewei-\nsen, wie gern ich Alles hervorsuchen möchte, auch Ihm\nmit etwas Freude zu machen. Ich sann und überlegte, was\nIhnen wohl ein zweckmässiges, erfreuliches Andenken an\nden Freischütz geben könnte. Da kam ich immer wieder\nauf meine eigene Erfahrung zurück, dass bei ähnlichen Fäl-\nlen die Leute nie das trafen, was mir brauchbar oder\ndauernd erfreuend sein konnte, und daher die Sache immer\nnur halb ihren Zweck erfüllte. Ich denke also, Freund Kind,\ndem mein Herz in Allem immer so offen dargelegen hat,\nwird auch jetzt mich nicht spröde verkennen oder gar zu-\nrückweisen, wenn ich zu ihm spreche, wie nun eben Män-\nner, die das Leben kennen und seinen Anforderungen am\nliebsten aus eigenem Willen und Kraft genügen wie\ndiese mit einander sprechen; und wenn ich ihm sage:\nFreund, erlaube mir, dies in Deine Hände legen zu dürfen,\nund versprich mir, alles damit anzufangen, das Dir und den\nDeinigen Freude macht, damit ich den schönsten, einzigen\nZweck, den ich haben kann, erfüllt sehe, den nämlich, Dir\nFreude zu machen. Und so will ich denn auch zu Ihnen,\nmein herzlieber Freund, gesprochen haben: Werden Sie\nIhrem Sie so innig verehrenden und liebenden Weber\nzürnen?\"\nDass der wahrhaft herzliche Ton dieses Briefes, in\nwelchem sich Weber's Charakter von der liebenswürdig-\n©\nsten Seite zeigte, seine Wirkung euf den Empfänger gänz-\nlich verfehlen könnte, davon hatte Weber eben so wenig\neine Ahnung, als von der Leichtgläubigkeit seines Freun-\ndes, der sich durch ein Gerücht hatte täuschen lassen, nach\nwelchem an Weber 800 Thaler für den Text des Frei-\nschütz eingesandt worden wären. Seinem Briefe an Kind\nhatte er acht Louisd'or beigefügt. Er erhielt sie jedoch mit\neinigen ihn tief verletzenden Zeilen wieder zurück. Noch\nam Abende desselben Tages, 27. November 1821, sandte\ner dem erzürnten Freunde folgende Antwort: „Nicht\nabgethan, wenigstens nichtwohlgethan, treuen Freundes\nMeinung so von sich zu weisen, wie man ein unnützes\nBrief-Couvert unter den Tisch wirft. Sie haben mir unend-\nlich wehe gethan, mein lieber Freund, mehr, als Sie hoffent-\nlich gewollt haben. Sie sind sehr aufgereizt. Wohl, ich\nsehe es so an, und es ist Pflicht, trübe und heitere Stim-\nmung des Freundes hinzunehmen. Aber was reizt Sie so\nauf, den auf der Höhe stehenden Friedrich Kind? Eine\nBadeklatscherei, die so widersinnig erfunden ist, dass man\ndoch wohl nur über sie lachen sollte. Achthundert Thaler!\nEi, ei!\nWort zu geben, dass ich von allen diesen Gerüchten nichts\ngewusst habe. Und hätt' ich sie gewusst, solch ein Grund\nhätte mich bestimmen können? Mit innigem Bedauern\nsehe ich, wie wenig Sie meine Denkart kennen. Unsere\nSache war als Geschäft abgethan. Wenn nun die Oper"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "367", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571114-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 846, "texte": "durchgefallen wäre, wiedann? Das trefflichste Gedicht kann\neine Oper allein nicht halten. Nichts leitete mich dazu,\nIhnen schüchtern eine Erneuerung des von Ihnen bestimm-\nten geringen Honorars zu bieten, als, bei Gott! der heisse\nWunsch, Ihnen durch alles, was in meinen Kräften steht,\nmeine lebhafte Anerkennung, Achtung und Liebe anzudeu-\nten. Ich habe es schlecht getroffen. Gaben Sie aber etwas\nauf solches Geschwätz, war es dann auch ein Freund-\nschaftsbeweis von Ihrer Seite, dass Sie mich nicht davon\nunterrichteten? Doch genug über diesen Gegenstand. Möge\nder Himmel Ihnen lauter Freunde schenken, die es so red-\nlich meinen, wie ich; die so treu an Ihnen hangen, Ihren\nWerth so erkennen, und die selbst so höchst schmerzlich\nzurückgestossen, wie Sie es mir gethan, nicht aulhören,\ndieselben zu bleiben.\"\n(Dr. H. Döring, Biogr. Weber's.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-11-14-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-11-14_01#c003", "volume": "bmtnabi_1857-11-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "367", "page_fin": "367", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571114-01.2.3", "titre_corps": "Erstes Abonnements-Concert in Bonn.", "titre_sommaire": "Erstes Abonnements-Concert in Bonn.", "signature_source": "L. Bischoff", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "367", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571114-01.1.7", "debut_caractere": 848, "fin_caractere_exclue": 5285, "texte": "Erstes Abonnements-Concert in Bonn.\nL. Bischoff.\nAm Samstag den 7. November begannen die diesjährigen Winter-\nConcerte in Bonn, und der Erfolg des ersten hat ein günstiges Vor-\nurtheil für die folgenden begründet. Die musicalischen Kräfte haben\nsich namentlich für das Orchester verstärkt und verbessert, Flöte,\nOboe, Clarinette, Horn und Fagott sind in ihren ersten Stimmen\nweit besser besetzt als früher; der Chor, der stets frische und wohl-\nlautende Stimmen zählte, hat diese noch immer und ist für die Raum-\nverhältnisse und die Orchester-Begleitung stark genug, und kdas\nGanze hat in Herrn Albert Dietrich einen sehr tüchtigen tech-\nnischen Führer. Nimmt man das schöne Loeal, den Saal im golde-\nnen Stern mit seiner trefflichen Akustik, und die Thätigkeit des\nConcert-Vorstandes hinzu, so kann man der Stadt Bonn zu der ge-\ngenwärtigen Beschaffenheit ihrer musicalischen Zustände nur Glück\nwünschen. Einige Geigen im Orchester und einige tiefe Bässe im\nChor mehr wären zu wünschen; an Solostimmen fehlt es freilich un-\ngefähr eben so, wie überall.\nMendelssohn' s -A-dwr-Sinfonie (Nr. 4) ging ganz vortrefflich $\nsie war so fein und sicher ausgearbeitet, wie es die vorhandenen\nKräfte möglich machten; die Ausführung gereicht dem Dirigenten\nund dem Orchester zu grosser Ehre. Die Ouvertüre zur Euryanthe,\nwelche den zweiten Theil eröffnete, erfordert freilich stärkere Kräfte,\nallein im Ganzen konnte ihre Ausführung ebenfalls befriedigen. Ihr\nfolgte das Finale des ersten Actes derselben Oper, das freilich seine\nvolle Wirkung nur machen kann, wenn die Haupt-Partie durch eine\nnicht bloss musicalisch gebildete, sondern auch mit glänzender\nStimme begabte Sängerin besetzt ist. Der Chor war sowohl hier als\nin dem Ave verum von Cherubini (warum nicht mit dem Original-\nText ?) im ersten Theile des Concertes recht sicher und klangvoll.\nDie Krone des Abends war jedoch der vollendete Vortrag des\nF-moll-Concerts von Friedrich Chopin für Pianoforte und Or-\nchester durch Herrn Ferdinand Breunung, Lehrer des Ciavier-\nspiels an der Rheinischen Musikschule zu Köln. Wie selten hört\nman diese wundervolle Composition, durch welche sich Chopin ein\nunvergängliches Denkmal im Reiche der Tonkunst gesetzt hat! Aber\nfreilich, ihre Ausführung erfordert Eigenschaften, die nur wenigen\nPianisten gegeben sind, Muth und Ausdauer, um die ungeheuren\nSchwierigkeiten zu überwinden, feinen und gebildeten Geschmack in\nder Behandlung des Einzelnen und Einzelnsten, und vor allen Dingen\nVerständniss für den Kern Chopin'scher Musik und Sinn für die\nHülle, welche diesen Kern umkleidet und eben so wesentlich ist, als\nder Kern selbst. Darin liegt die ganze hinreissende Eigenthümlichkeit\nChopin's, dass er seine plastisch-melodischen Gestalten mit einer\nFülle von romantischem Ranken- und Blumenwerk umspinnt und\numdichtet, unter welcher beim ersten Anblick jene beinahe ver-\nschwinden. Der wahre Vortrag verlangt daher einen Spieler, der jene\nMelodie-Gestalten im Herzen trägt und sie von da heraus in fe-\nsten Umrissen ans Licht stellt, während seine Phantasie zugleich\nmit der Chopin'schen sie umschwärmt und die umhüllenden Gewinde\nder Romantik durchsichtig macht und in wechselnden Färbungen\nbeleuchtet So war Breunung's Spiel; die Schwierigkeiten verschwan-\nden alle und wurden zu duftigem Schmuck, die gewaltigste Kraft\ndes Anschlags wechselte je nach dem Willen des Spielers mit der\nzarten Berührung der Tasten oder dem elastischen Schwung ab, und\nder Vortrag des herrlichen Larghetto in As-dur, namentlich der ori-\nginellen recitativähnlichen Stelle während des anhaltenden Tremu-\nlirens der Geigen, war durch die Vereinigung meisterhafter Technik\nmit seelenvollstem Ausdruck wahrhaft bezaubernd. Und das ganze\nConcert spielte Breunung auswendig und mit einer so classischen\nBeherrschung des gesammten Inhalts, dass er diese oder jene Note\neines Blas-Instrumentes, welche zufällig ausblieb, auf der Stelle\nselbst auf dem Ciavier mit anschlug. Er hat durch diese Leistung,\nwelche seit langer Zeit wieder die erste öffentliche war, den glän-\nzenden Beweis geliefert, dass er eine Kunsthöhe erreicht hat, zu\nwelcher nur auserwählte Talente gelangen, und seine gediegene\nRichtung als Musiker bürgt uns dafür, dass er sich nie durch Buh-\nlerei mit der grossen Menge von ihr herabziehen lassen wird. Die\nRheinische Musikschule aber dürfte für Clavierspiel unter Meistern\nwie Hiller, Franck und Breunung jetzt wohl als einzig in\nihrer Art da stehen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-11-14-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-11-14_01#c004", "volume": "bmtnabi_1857-11-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "367", "page_fin": "368", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571114-01.2.4", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "367", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571114-01.1.7", "debut_caractere": 5287, "fin_caractere_exclue": 6274, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\n*** Aachen, 10. November. Das erste Abonnenients-\nConcert fand am 5. d. Mts. unter der Direction des städtischen\nMusik-Directors Herrn von Turanyi Statt. Die Ouvertüre zur\nOper Medea von Cherubini ging präcis; die Sinfonia Eroica\nzeugte von richtiger und geistvoller Auffassung und Leitung des\nDirigenten, jedoch war das Orchester nicht stark genug besetzt. Der\nVortrag der Arie Ah perfido! von Beethoven ist eine schwierige Auf-\ngabe; die Sängerin, mit einer hübschen, frischen Stimme begabt, ge-\nfiel. Herr Hof-Capellmeister August Pott aus Oldenburg bildete\nden Glanzpunkt des Abends. Er trug sein viertes Concert (E-dur)\nfür Violine und Orchester, ein Recitativ und Adagio von Spo h r\nund die Ciaconna von J. S. Bach meisterhaft vor und ärntete stür*\nmischen Beifall.\nAm 9. d. Mts. gab Herr A. Pott auf allgemeines Verlangen ein\nConcert im Theater, in welchem er seine Sinfonie in C-moll auf-\nführte und das Concert in D-dur von Lipinski, das „Hommage"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "368", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571114-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5066, "texte": "ä la Lüne\" und das „Minnelied\" von seiner Composition vortrug.\nDie Sinfonie (Allegro maestoso Larghetto Scherzo Allegro\ncon brio) ist durchweg im grossen Stil geschrieben, ohne sich an ir-\ngend eine Richtung ausschliesslich anzulegen. Die Blas-Instrumente\nspielen darin, ohne die Saiten-Instrumente in ihren Rechten zu be-\neinträchtigen, eine selbstständige, auf ihren Charakter begründete\nRolle, und diese Eigenthümlichkeit erzeugt ganz überraschende Wir-\nkungen. Die Sinfonie erregte einen Sturm von Beifall im Orchester\nund im Publicum; das erstere spielte mit wahrer Begeisterung und\nHingebung an den trefflichen deutschen Künstler, Componisten und\nDirigenten, und letzteres überbot noch den enthusiastischen Beifall,\nden das Solospiel bereits hervorgerufen hatte; sogar Blumensträusse\nflogen am Schlüsse dem gefeierten Meister zu. Selten kann einem\nKünstler eine ehrenvollere Aufnahme und Auszeichnung zu Theil\nwerden, als es hier geschah. Und dabei war nichts Gemachtes und\ndurch posaunende Reclame Vorbereitetes, wie bei manchen empor-\ngeschraubten Kunstgrössen; den ersten Anstoss zum begeisterten\nBeifall gaben meistens die Musiker selbst.\nJVeimietl. Der Flügel1 sehe Gesang-Verein hat am\n27. October Abends seine zweite Vesper in der Mennonitenkirche ge-\ngeben. Auch der fürstliche Hof war anwesend, auch die hochbetagte\nund allverehrte Prinzessin Louise zu Wied, die in ihrem 88.\nJahre sich die frischeste Theilnahme für alles Schöne bewahrt hat.\nEs wurden Choräle und geistliche Stücke von Seb. uud Joh. Mich.\nBach, Joh. Eccard, Mich. Haydn (Tenebrae factae sunt), Mo-\nzart (Ave verum) und Bortnianski („Ehre sei Gott in der Höhe\"\nund „Der Hirte Israels\") gesungen. Beide Abtheilungen wurden durch\nden Vortrag von Orgelstücken (von M. G. Fischer und F. Mendels-\nsohn-Bartholdy), gespielt von Herrn Musik-Director G. Flügel, ein-\ngeleitet.\nUnsere Oper erfreute sich bei Aufführung\nvon Spohlas Jessonda eines verdienten Erfolges. Herr Capellmeister\nAbt hatte dieselbe mit besonderer Sorgfalt neu einstudirt. Die Prä-\ncision und Rundung bei der Durchführung der instrumentalen Theile,\nwie die Darstellung der einzelnen Partieen durch Fräul. Storck\n(Jessonda), Fräul. Müller (Amazili), Hrn. Hardtmuth (Tristan)\nist lobend anzuerkennen.\nBLasselj 24. October. Durch die Anstellung eines ersten Con-\ncertmeisters in der Person des Herrn Karl Gr äff, Schülers von\nVieuxtemps, eines ganz vortrefflichen Geigers, ist nun die durch\nBott's Abgang verwaiste Stelle wieder besetzt. ln der Oper ga-\nstirten in den letzten Wochen der Tenorist Young und die Sänge-\nrin Uhrlaub. Beide fanden eine recht beifällige Aufnahme. Unter\ndes Capeilmeisters Reiss Leitung sollen demnächst neu in Scene\ngehen Cherubini's „Wasserträger\" und Marschner's „Templer und\nJüdin\". Die hiesigen Abonnements-Concerte werden Mitte Novem-\nbers unter Leitung des Meisters S p o h r und des Capellmeisters\nReiss beginnen. Als Novität soll August Walter's Sinfonie in\nEs-dur zur Aufführung kommen. (S. M.-Z.)\nWien. Herr Joh. Strauss beabsichtigt, mit seinem Orchester\ndie ganze Adventszeit hindurch „serieuse Concerte\" im Salon\ndes Volksgartens zu veranstalten, deren Programme auslässlich aus\ngediegenen Werken (Symphonieen, Ouvertüren) älterer und neuester\nPeriode bestehen werden. Ein solches Unternehmen verdient gewiss\ndas freudigste Entgegenkommen, und zwar um so mehr, als dadurch\nnicht nur der Verbreitung guter Musik ein Vorschub geleistet, son-\ndern auch die Würde der Kunst gewahrt wird, indem wie wir mit\nFreude Vernehmen während dieser Productionen keine Erfrischun-\ngen verabreicht werden sollen. (81. f. M. u, Th.)\nDer Privatdocent Herr Dr. Ed. Hanslik in Wien hat seine\nVorlesungen über „Neuere Geschichte der Tonkunst\" am 20. October\nbegonnen und mit einem geistvollen Resume der im vorigen Winter\ngehaltenen Vorträge über die ältere Geschichte der Musik (von ih-\nren ersten Anfängen bis zum Auftreten von Gluck und Haydn) ein-\ngeleitet.\nDie Schwierigkeit, eine siebenzehn Jahrhunderte umfassende Reihe\nvon geschichtlichen Perioden mit Einem Blicke zu übersehen, die\nwichtigsten Erscheinungen herauszuheben, und diese scheinbar so ab-\nspringenden Motive der Art in einander zu verschmelzen, dass die\nGeschichte der Tonkunst sich nicht bloss als eine Kette von Künst-\nler-Biographieen und zufälligen Fortschritten, sondern als die not-\nwendige und natürliche Entfaltung inneren, geistigen Lebens sich\ngestalte, und all dieses immense Material in den engen Rahmen einer\nVorlesung zu drängen diese Schwierigkeit ist nicht gering; und\nwir können der geistigen Kraft, welche dieselbe mit Leichtigkeit,\nwir möchten sagen: mit Grazie, überwand, eben nur unsere bewun-\ndernde Anerkennung zollen.\nIm Auditorium, auch in diesem Semester nur zum geringeren\nTheile aus eigentlichen Universitätshörern bestehend, reihen sch zu\nunserer Freude die besten Namen unserer wiener Künstler und Ton-\nfreunde an einander.\nPetersburg. Die italiänische Oper wurde mit Verdi's „l\nLombardi\" eröffnet. Mad* Lotti und die Herren Mongini und De-\nbsssini gefielen sehr ] die Oper selbst aber griff nicht durch."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "361", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571114-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nC. M. von Weber's „Freischütz\". Nach Dr. H. Döring's Biographie Weber's. Erstes Abonnements-Concert in Bonn. Von\nL. Bischoff. Tages- und Unterhaltungsblatt (Aachen, Erstes Abonnements-Concert, Concert von Prof. August Pott Neu-\nwied, Der Flügersche Gesang-Verein Braunschweig, Oper Kassel, Herr Graff, Oper und Concerte Wien, Herr Joh. Strauss, Ed.\nHanslik, Vorlesungen über „Neuere Geschichte der Tonkunst\" Petersburg, Italienische Oper).\n\nC. M. von Weber’s „Freischütz“.\nMit dem Januar 1817 war Carl Maria von Weber\nin seine neue Stellung als Capellmeister in Dresden ein-\ngetreten.\nMit Friedrich Kind, dem nachherigen Dichter des\nFreischütz, hatte er schon einige Jahre vorher, ehe diese\nOper in ganz Deutschland und im Auslande mit allgemei-\nnem Enthusiasmus aufgenommen ward, ein inniges Freund-\nschaftsband geknüpft. Fr. Rind schrieb später darüber:\n„Es mochte im Sommer oder Herbste 1816 sein, als der\nKammermusicus Schmidt in Dresden einen Fremden zu\nmir brachte, schwarz gekleidet, blass, doch sehr geistreich\nvon Gesicht, ungelähr von meiner Grösse, nur noch schmäch-\ntiger, den ich wegen seiner mir im Verhältnisse etwas zu\nlang dünkenden Arme und Hände lür einen Pianoforte-\nVirtuosen hielt. Er nannte sich Carl Maria von We-\nber. Ich war höchst erfreut, seine Bekanntschaft zu ma-\nchen, da mir sein Name durch Compositionen einiger Volks-\nlieder aus der Herder'schen Sammlung oder dem Wunder-\nhorn, vieler Lieder von Theodor Körner und selbst, ohne\ndass wir vorher in der mindesten Verbindung gestanden,\ndurch Compositionen einiger Lieder von mir sehr lieb ge-\nworden war, und ich auch davon gehört hatte, dass man\nauf ihn als hiesigen Capellmeister denke. Wir fanden uns\nsehr bald; wir sprachen vom Hundertsten ins Tausendste.\nEndlich äusserte Weber, wir würden uns schon näher tre-\nten, ich müsse ihm ein Singspiel oder eine Oper dichten.\nIch gestand offen, dass ich kaum die Noten kenne; er\nmeinte, das sei ihm ganz gleich. Er blieb dabei, er werde\nschon mit mir auskommen. Wir schieden als nicht neue\nFreunde.\"\nDen Wunsch, einen Operntext zu erhalten, regte We-\nber, der unterdess Capellmeister in Dresden geworden\nwar, wieder lebhaft an in einem Gespräche mit seinem\nneuen Freunde. Einige von Kind geäusserte Bedenklichkei-\nten suchte Weber durch die Worte zu beseitigen: „Wie\nSie das Ganze anlegen und ausführen, so componire ich es,\ndas verspreche ich Ihnen. Kleinigkeiten, wesshalb Sie nur\neine Feder anzusetzen brauchen, ändern Sie schon mir zu\nLiebe!\" Die Wahl des Stoffes zu der Oper, nach einer\nschauerlichen Volkssage von Apel „Der Freischütz\" beti-\ntelt, hatte Weber's ganzen Beifall. Er äusserte sich darüber\nmit Begeisterung und versprach sich einen grossartigen\nErfolg. Als ihm Kind später das Manuscript der Oper mit-\ntheilte, bat er jedoch den Dichter, die zwei ersten Scenen\nzu unterdrücken, wozu sich dieser jedoch höchst ungern\nverstand. Er berief sich auf den abgeschlossenen Vertrag,\nauf das ihm gegebene Wort, dass an seiner Arbeit nichts\ngeändert werden dürfte. Davon wollte jedoch Weber nichts\nwissen. Er äusserte, er habe schon zu componiren ange-\nfangen, und sparte keine Worte, bis es ihm gelungen war,\nden Dichter zu jener Abänderung zu bewegen, so wenig\ndieser sich davon überzeugen konnte, dass der Schuss\nund das wilde Volksgetümmel, mit welchem Weber die\nOper eröffnet wissen wollte, nach den idyllischen Scenen\neines frommen Gespräches zwischen Agathen und dem Ein-\nsiedler nicht dieselbe, wo nicht eine noch grössere Wir-\nkung hervorgebracht haben möchte.\nDas freundschaftliche Verhältniss zwischen Weber und\nKind erkaltete nicht durch ihre verschiedenen Ansichten.\n„Wir hatten erkannt,\" schrieb Kind, „dass wir zu einan-\nder gehörten. Wir verstanden uns in Gesellschaft, z. B. im\nLiederkreise, wenn etwas vorgelesen ward, durch Blicke;\nwir holten uns einander zu Spazirgängen und ins Theater\nab; bei Festlichkeiten ward auf uns als Verbundene gerech-\nnet; wir waren, wie die alten Troubadours, gleichsam\nDichter und Harfner in Einem. Wenn ich eine Melodie"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "362", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571114-01.1.2", "texte": "wünschte, so componirte Weber sie, wenn er einen Text\nwünschte, z. B. bei Festtagen des königlichen Hauses, so\ndichtete ich diesen Text.\"\nIm Sommer 1818 bewohnte Weber in Dresden ein\nGartenhaus in der Antonstadt. Selten verging ein Tag, an\nwelchem ihn sein Freund dort nicht besuchte. „Wenn\nWeber\", schrieb er, „etwas vom Freischütz componirt\nhatte, z. B. das Brautjungfern-Lied, Caspar's Freveleien, den\nJägerchor u. s. w., so beschied er mich zu sich. Er oder\nseine Gattin, oder Beide zusammen sangen es zum Piano-\nl'orte. Wenn wir, um aus der Stadt in den Garten zu ge-\nlangen, über die Elbe fuhren, und die alterthümlichen Jä-\nger-Figuren auf der kleinen Galerie des Jägerhofes uns ins\nAuge fielen, so riefen wir: So ungefähr! und jauchzten\nauf.\" In solcher Stimmung arbeitete Weber, seiner man-\nnigfachen Dienstgeschäfte ungeachtet, mit rastlosem Fleisse\nan seiner „Jägerbraut\", wie die Oper der Freischütz An-\nfangs heissen sollte. Er überliess sich der Hoffnung eines\ngünstigen Erfolges. „Es sind\", schrieb er einem Freunde,\n„Dinge in dieser Oper, die in dieser Art noch nicht auf\nder Bühne waren, die ich daher ohne das mindeste Anhal-\nten an Vorhandenes gänzlich aus meiner Phantasie schö-\npfen musste. Gott gebe nur, dass ich das Rechte getroffen\nhabe.\" Seine Ausdauer im Arbeiten kannte keine Gränzen.\nWährend seine Geschäfte durch die Krankheit eines seiner\nAmtsgenossen sich noch vermehrt hatten, traf ihn das\nSchicksal, auch seine innig geliebte Gatlin hart leiden und\nselbst von Lebensgefahr bedroht zu sehen. Seine damali-\ngen Empfindungen schilderteer mit den Worten: „In die-\nser Periode war alles todt lür mich, was ausser meiner\nUmgebung und meiner Pflicht lag. Unsägliches Leiden war\nbei mir eingekehrt. Wenn ich bis gegen Mitternacht den\nSchmerz am Krankenbette meiner Frau eingesogen halte,\nmusste ich noch in meiner Arbeitsstube arbeiten!\"\nDamit entschuldigte er sich auch wegen seiner ver-\nspäteten Beantwortung eines Briefes, den er von einem\nseiner berliner Freunde, dem durch mehrere Compositio-\nnen bekannten Hofrath J. Ph. Schmidt, erhalten hatte.\n„Zürnen Sie nicht\", schrieb Weber aus Dresden am 26.\nSeptember 1818, „über mein langes Schweigen, das stets\nnur die Folge von überhäufter, unausweichlicher Arbeit ist.\nAuch heute nur einige Worte, die Ihnen anzeigen sollen,\ndass morgen wieder die Probe von Ihrer Oper, Das Fi-\nschermädchen, anlängt. Ich hatte sie gleich nach meiner\nAnkunft in der Stadt vorgenommen, musste sie aber aus\nmancherlei Rücksichten uuterbrechen. Nun soll die Oper\naber noch vor dem Anfange unserer Weihnachts-Ferien,\nden 12. October, in Scene gesetzt werden. Der Himmel\ngebe seinen Segen dazu; an unser aller Eifer soll es nicht\nfehlen. —Zu Ihrer Alpenhütte soll später schon Rath wer-\nden. Ich freue mich, dass Ihre Arbeiten sich verbreiten.\nKönnen Sie gelegentlich die Direction in Kopenhagen auf\nmeine Opern Sylvana und Abu Hassan aufmerksam ma-\nchen, so stehen Ihnen dieselben zu Diensten. Sylvana wird\nzum neuen Jahre auf Befehl des Königs hier gegeben.\nMeine Jubel-Cantate und Jubel-Ouverture werden heraus-\nkommen, erstere auf einen noch brauchbaren Text vom\nProfessor Wendt. An meiner Jägerbraut habe ich\nseit Jahr und Tag keine Note schreiben kön-\nnen. Dagegen arbeite ich jetzt an einer zweiten Messe zur\nJubel-Hochzeit unseres Königspaares im Januar 1819.\nVergelten Sie nicht Gleiches mit Gleichem. Lassen Sie viel-\nmehr bald wieder etwas von Sich hören. Ich brauche wahr-\nlich Erheiterung durch Freundes-Theilnahme und die Be-\nrührungen nach aussen.\"\nZu der in diesem Briefe erwähnten Festlichkeit, der\nVermählung des damaligen Erbprinzen und nachherigen\nKönigs Friedrich August von Sachsen mit einer österreichi-\nschen Prinzessin, sollte Weber eine grosse, aufs pracht-\nvollste ausgestattete Oper componiren. Er hatte dazu lür\nden ganzen Sommer Urlaub erhalten und in Hosterwitz,\nnahe bei Pillnitz, sich eine Wohnung gemiethet. Im inni-\ngen Verhältnisse zu seinem mehrjährigen Freunde Kind\nwar dadurch keine Störung eingetreten. Dieser äusserte\ndarüber in späteren Jahren: „ Wir schrieben oft an einan-\nder. Ich ging oder gondelte hinaus nach Hosterwitz, blieb\nbei Weber die Nacht und kehrte erst am folgenden Mor-\ngen durch die wahrhaft paradiesische Landschaft nach der\nStadt zurück.\"\nVon seinem Freunde war Weber im Namen des dres-\ndener Liederkreises, der ihn zu seinen Mitgliedern zählte,\num eine Melodie gebeten worden. Er konnte diese Bitte\nnicht erfüllen. »Hier in der Ruhe\", schrieb er aus Hoster-\nwitz, den 7. Mai 1819, „lühle ich erst, wie sehr die letzte\nZeit mich angegriffen hat. Ich bin noch total invalide. Mein\nHerz ist kerngesund, aber der Kopf kann sich um keinen\nPreis noch der geringsten Anstrengung hingeben. Mit\nfremden Federn, die gar lockend und herrlich mich an-\nschauen, mag ich mich doch auch nicht schmücken; man\nwürde auch gewiss den Raben erkennen. Schon diese\npaar Zeilen haben mich ganz erschöpft. Es thut\nmir recht weh, im Kreise zu fehlen. Setzt meinen Namen\nhin und meldet mich-krank, so bin ich doch da.\""}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "363", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571114-01.1.3", "texte": "Den wiederholt an ihn gerichteten Fragen und Erkun-\ndigungen nach der von Rind zu dem Jubiläum des Erbprin-\nzen von Sachsen gedichteten Fest-Oper Alcindor machte\nWeber in einem Schreiben aus Hosterwitz vom 26. Juni\n1819 durch die Erklärung ein Ende: „Es ist nunmehr\nvon Sr. Majestät dem Könige die Entscheidung gekommen,\ndass unsere Oper nicht componirt werden solle. Es soll\nüberhaupt bei dieser Gelegenheit nichts Eigenes veranstal-\ntet werden, als ein Prolog. Es sind noch so mancherlei\nNeben-Umstände vorhanden, dass ich Sie recht sehr bitten\nmuss, einmal wieder den hosterwitzer Wanderstab zu er-\ngreifen, um mündlich von allen Details unterrichtet zu wer-\nden. Ich hätte Ihnen die ganze Sache wohl erst mündlich\nmit Zuckersauce vortragen sollen. Ich konnte es aber nicht\nübers Herz bringen, Ihnen zu schreiben, ohne nicht auch\netwas zu erwähnen wegen der so fatalen Ungewissheit.\nAlles Uebrige daher mündlich.\"\nMit seinem Freunde Kind, welcher lür ihn den Frei-\nschütz dichtete, der seinen Ruhm als Tonkünstler lür im-\nmer begründete, war Weber noch immer in dem ungestör-\nten Verhältnisse wechselseitiger Liebe und Achtung geblie-\nben. Was dem Einen Freundliches geschah, fand vollen\nWiederklang in dem Herzen des Anderen. Bescheiden und\nanspruchslos, freute sich Weber über den von dem Herzog\nvon Gotha 1818 seinem Freunde verliehenen Hofraths-\nTitel so innig, als ob ihm selbst diese Auszeichnung wider-\nfahren wäre. Diese Freude sprach sich aufs lebhafteste aus\nin einem von Weber damals an den Herzog von Gotha\ngerichteten Schreiben. Dieser Brief ist in mehrfacher Hin-\nsicht so charakteristisch, dass er hier eine Stelle verdient.\n„Wer Gutes und die Menschen Erfreuendes übt,\"\nschrieb Weber an den Herzog, „der muss es nun schon\nauch darauf ankommen lassen, dass dankende Stimmen sich\nzu ihm drängen und aus vollem Herzen das aussprechen,\nwas sie gleichsam als Repräsentanten der öffentlichen Mei-\nnung mit wahrer Lust dem erhabenen Geber ehrfurchts-\nvoll darzulegen sich gedrungen fühlen. Wohl mir, dass ich\nweiss, mein gnädigster Herzog, der wahrhafte Beschützer,\nBefeurer und Selbsterzeugende, der da schafft, indem er\naneifert, und aneifert, indem er schafft er fühle sicherer\nund erschöpfender mit die Regungen und das Walten eines\nrein dankerfüllten Herzens, als es irgend ein Wort geben,\nirgend eine Handlung auszudrücken vermag, und welches\nüberhaupt nur von dem, der sie gibt, auch wieder begrif-\nfen werden kann, wie man danken könne—sonst sähe es\nmit meiner Repräsentantenschaft sehr übel aus, und die\nUebrigen, für die ich allenfalls das Wort unbewusst ergrif-\nfen, möchten dem ungeleckten Wortführer, oder dem Füh-\nrer ungeleckter Worte, sehr schlechten Dank für seine\nFührung wissen. Ew. Durchlaucht auszeichnende Huld für\nden trefflichen Kind hat hier grosse Sensation gemacht, und\nzwar durchaus gute, wenn auch mitunter seltsam modifi-\ncirt. Einige kleine, unbedeutende Neid-Gesichtlein konnten\nfreilich nicht ungeschnitlen bleiben; aber darin vereinigten\nsich alle Stimmen zum höchsten Einklänge, dass es erhe-\nbend, befeuernd und tröstend sei, solche Fürstengaben so\nwahrhaft kunstfürstlich vertheilt zu sehen. Die meisten lite-\nrarischen und andere Handwerksseelen, die gewohnt sind,\nnur paar- oder ellenweise belohnt zu werden, fragten frei-\nlich, wie viele Ellen und Paare Kind für Sr. Durchlaucht\neigenen Hausgebrauch gefertigt habe. Diese guten Leute\nbegriffen wahrhaftig nicht, dass eines Fürsten wahrhaft\nhoher Geist das der Welt Geleistete auch das Seine nennt,\nund dass das beglückende Vorrecht, Geisteskraft, er finde\nsie, wo er wolle, hervorzuheben und zu belohnen, dadurch\nzu belohnen, dass er seine Aufmerksamkeit auf sie beweis't\nund das Geleistete erkennt, eine wahrhafte Fürstenkraft ist,\ndie sich als Stärkung und Belohnung des Guten ans Gött-\nliche erhebt. Wenn es nun vollends mit dieser Milde, mit\ndiesem künstlerischen Meister-Wohlwollen geschieht, dann\nwirkt es erst vollendet und ganz anders, als wenn die\nGnade mit drückender Gewalt einem so recht fest den\nallenfalls aus solidem Eisenguss gefertigten Lorber aufs\nHaupt setzt, dass man fast darunter zusammenknickt und\nvor freudigem Schreck und schrecklicher Freude kaum den\nAthem zu dem devotesten Danke finden kann. Hier aber\nsprudelt es hoch und freudig empor, und schelten Ew.\nDurchlaucht auch ein wenig Ihren sprudelnden Maria, so\nweiss ich ja doch, Sie werden nicht ernstlich böse; denn\nder Wille ist ja gewiss gut. Was hätte ich eigentlich nicht\nnoch alles zu sagen und zu fragen! Aber ich merke, dass\nich die Geduld meines Durchlauchtigsten Beschützers schon\ngenug auf die Probe gestellt habe. Erlauben Ew. Durch-\nlaucht mir nur noch, zu wiederholen, dass Sie zwei sehr\nfrohe und glückliche Menschen gemacht haben. Wie oft\nwar ich Augenzeuge, dass Sie darin Ihre Freude finden!\nund in so fern man immer diejenigen, denen man Gutes\nthut, ein Bisschen gern hat, schliesse auch ich mit der fro-\nhen Hoffnung der Fortdauer Ihrer Huld und Gnade für\nden Tonweber, der sich unendlich darauf freut, zur Zeit\nder Jubel-Hochzeit Ew. Durchlaucht persönlich die unwan-\ndelbaren Gefühle der innigsten Verehrung und Treue aus-\nsprechen au dürfen.\""}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "364", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571114-01.1.4", "texte": "Seinen Freund Rind, dem er in diesem Schreiben ein\nso schönes Denkmal seiner liebevollen Gesinnungen, denen\nNeid und Missgunst völlig fremd waren, gestiftet hatte,\nmachte Weber auch zum Vertrauten seiner Begegnisse auf\neiner Urlaubsreise, die er 1820 angetreten halte.\nReinen unwesentlichen Antheil an den vielfachen Be-\nweisen der allgemeinen Verehrung, die Weber auf der er-\nwähnten Heise empfing, hatte seine Musik zu dem von P.\nA. Wold gedichteten Schauspiele Preciosa. 1820 war\ndasselbe zum ersten Male auf der berliner Bühne mit rau-\nschendem Beifalle aufgeführt worden. Mehrere Arien wur-\nden Volkslieder. Weber selbst hielt dieses Werk, in wel-\nchem, wie er meinte, nach der gewöhnlichen Handwerks-\nAnsicht manches Gewagte sei, lür einen guten Vorläufer\nzu seinem Freischütz, dessen Aufführung nahe bevorstand.\nDiese Oper war nach manchen Unterbrechungen zu\nAnfange des Jahres 1821 vollendet worden, und Weber\nhatte eine Einladung nach Berlin erhalten, wo das aus der\nAsche neu entstandene Schauspielhaus mit dieser Oper ein-\ngeweiht werden sollte. Die wiederholten Proben und man-\nnigfachen Vorbereitungen, verbunden mit anderen Um-\nständen, verzögerten indess die Aufführung. Einige Aus-\nkunft darüber gab Weber in einem Briefe an Fr. Rind, da-\ntirt aus Berlin vom 27. Mai 1821. „In grosser Eile\",\nschrieb er, „nur einige Zeilen, die Sie über das Schicksal\nunseres Rindes beruhigen sollen. Ich fand im Ganzen sehr\nwenig vorgearbeitet. Die ungeheuren Anstrengungen jeder\nArt, welche die Oper Olympia von Spontini erforderte, und\ndie von dem 4. bis zum 14. verzögerte Aufführung der-\nselben hat auch mich um so viel weiter hinausgeschoben,\ntausend andere Confusionen abgerechnet. Gestern, am 26.,\nist endlich zum ersten Male im neuen Schauspielhause ge-\nspielt worden. Der Prolog von Gölhe war herrlich. Iphi-\ngenie wurde vortrefflich gegeben, und das beschliessende\nBailei, die Bosenfee, von Erfindung des Herzogs Rarl, be-\nzauberte durch die schöne Maschinerie. Dem Könige w-urde\nein Vivat gebracht und der Baumeister Schinkel hervorge-\nrufen. Nun sollen auf Sr. Majestät ausdrücklichen Befehl\nalte Sachen gegeben werden, bis meine Oper in Scene\ngehen kann. Dies wird schwerlich vor dem 8. bis 10. Juni\ngeschehen können, da die Wolfsschlucht gar zu viel Appa-\nrat fordert. Uebrigens sind des Maschinenmeisters und De-\ncoraieurs Gropius Ansichten und Pläne davon ganz herr-\nlich und phantasiereich, und es wird wohl in seiner Art\neinzig dargestellt werden. Allenfallsige Opern-Vorstellun-\ngen werden unterdessen noch im Opernhause gegeben. Die\nSänger lernen mit Lust die Partieen, und somit darf ich\nmir vom Ganzen wohl einen glücklichen Erfolg versprechen.\nDas neue Haus ist wunderschön. Die Aufführung der Oper\nOlympia ist das Prächtigste, was man sehen kann. Sie\nkostet über 28,000 Thaler. Spontini wurde nach der er-\nsten Vorstellung hervorgerufen und mit Kränzen beworfen.\nDie zweite Vorstellung lief ganz kalt ab. Morgen ist die\ndritte. Was übrigens hier für Mittel in Bewegung gesetzt\nwerden, möge Folgendes beweisen. Der Präsident des\nCensur-Collegiums hat eine Ordre erlassen, vermöge deren\nin keinem hier erscheinenden Blatte die Musik des Herrn\nSpontini getadelt werden darf. Lob kann passiren, so viel\nals möglich. Was sagen Sie dazu? Muss es nicht jedem\nKünstler das Herz zerfleischen, wenn er sieht, dass ein\nMann wie Spontini sich zu solchen Dingen herablassen\nkann, die nothwendig in kurzer Zeit ihn selbst herabziehen\nund die öffentliche Meinung über ihn erbittern müssen?\"\nWegen der verzögerten Auflührung seiner Oper\nmusste Weber länger in Berlin verweilen, als er Willens\ngewesen war. Die Rückreise über Gotha, Weimar u. s. w.\nMusste er nun aufgeben, da er seinen Urlaub nicht weiter\nausdehnen wollte, als es der Gesundheits-Zustand seiner\nGattin forderte. Von dem Unmuthe über seinen veränder-\nten Reiseplan ward er abgelenkt durch die Vorbereitungen\nzu seiner Oper. „Mit dem Freischützen\", schrieb er aus\nBerlin, den 31. Mai 1821, „geht es von Seiten des Mu-\nsicalischen vortrefflich. Alles wirkt dabei mit Liebe und\nLust. Das Decoraiions- und Maschinenwesen aber hält ent-\nsetzlich auf. Den 14. reis't der König nach Spaa, und da\nmuss der Freischütz vorher in Scene.\"\nGleichzeitig war Weber wegen der Aufführung seiner\nOper in Wien mit der dortigen Bühne in Unterhandlungen\ngetreten, deren Erfolg ihn jedoch nicht befriedigte. „Mit\nWien\", schrieb er in dem eben erwähnten Briefe, „ist es\neine curiose Geschichte. Das Hoftheater wäre mir freilich\ndas liebste; kann man aber ohne eigentliche Ursache sich\nvon dem wiener Theater zurückziehen, ohne diesen\nSchreier gegen sich zu haben? Uebrigens ist das Ein-\nschicken eine gar wunderbare Zumuthung, und die Direc-\ntionen sehen gar zu gern Dichter und Componisten als\nSupplicanten vor ihrer Hoheit stehen. Darüber muss ich\nmich aber doch freuen, in welcher Weise ich durchgehends\nBeweise von Achtung bekomme.\"\nDer Erfolg seiner Oper auf der berliner Bühne über-\ntraf Weber's Erwartungen. Ueber die Aufführung, die am\n15. Juni 1821 Statt gefunden hatte, schrieb er sechs\nTage nachher, den 21., an Fr. Kind: „Victoria können\nwir schiessen, geliebter Freund und Mit-Autor. Der Frei-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "365", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571114-01.1.5", "texte": "schütz hat ins Schwarze getroffen. Die gestrige zweite Vor-\nstellung ging eben so trefflich, wie die erste, und der En-\nthusiasmus war abermals gross. Zu morgen, der dritten, ist\nschon kein Billet mehr zu haben. Kein Mensch erinnert\nsich, eine Oper so aufgenommen zu sehen, und nach der\nOlympia, lür die Alles gethan wurde, ist es wirklich der\nvollständigste Triumph, den man erleben kann. Sie glauben\naber auch nicht, welches Interesse das Ganze einflösst und\nwie vortrefflich alle Theile spielten und sangen. Was hätte\nich darum gegeben, wenn Sie zugegen gewesen wären!\nManche Scenen wirkten bei Weitem mehr, als ich geglaubt,\n■/,.8. der Abgang der Brautjungfern. Die Ouvertüre und\ndieses Volkslied wurden da verlangt. Ich wollte aber\nden Gang der Handlung nicht unterbrechen lassen.\"\nAuch die Zeit seiner Abreise bestimmte Weber in\ndiesem Briefe. „Montag, den 25.,\" schrieb er, „gedenke\nich mein Concert zu geben und den 1. Juli in Dresden\nwieder einzutreffen. Das üble Wetter wird Sie wohl abhal-\nten, früher nach Töplitz zu reisen, so dass ich Sie noch in\nDresden sehe und Ihnen erzählen kann; denn beschreiben\nlässt sich wahrlich so etwas nicht. Auch bin ich so voll,\ndass ich gar nichts zu schreiben weiss. Welchen Dank,\nmein theurer Kind, bin ich Ihnen für diese herrliche Dich-\ntung schuldig! Zu welchen Mannigfaltigkeiten geben Sie\nmir Anlass, und wie freudig könnte sich meine Seele über\nIhre herrlichen, tief empfundenen Verse ergiessen! Ich\numarme Sie wahrhaft gerührt in Gedanken und bringe Ih-\nnen einen der schönsten Kränze mit, deren Empfang ich\nnur Ihrer Muse verdanke, und den Sie zu den früher schon\nin so grosser Zahl errungenen hängen müssen.\"\nUngeachtet des herzlichen Tones, in welchem dieser\nBrief abgefasst war, schien in dem bisherigen Freundschafts-\nVerhältniss zwischen Weber und Kind, als letzterer wieder\nvon Töplitz nach Dresden zurückkehrte, eine gewisse Kälte\neingetreten zu sein. Kind's Autor-Eitelkeit lühlte sich ver-\nletzt, als er von mehreren Seiten hörte, dass ein grosser\nTheil des Publicums geneigt schien, den ganzen Erfolg des\nFreischütz dem Componisten allein beizumessen. Er\nschrieb darüber in späteren Jahren: „ Die meisten Ton-\nkünstler glauben, dass so eigentlich auf einen Opern-Text\nwenig ankomme. Je weniger der Dichter leiste, desto höher\nund ungetheilter sei ihr Verdienst. Auch viele Theater-\nKritiker und Musik-Enthusiasten stimmen ihnen bei, und\nkönnen sie eine neu gegebene Oper nicht preisen, so recht-\nfertigen sie den Componisten mit den Fehlern des Dichters,\ngutmüthig hinzusetzend, mit einem Opern-Texte brauche\nman es ja nicht genau zu nehmen. Von solchen Ansichten\nwar zwar Weber weit entfernt; aber die vielen ausseror-\ndentlichen Huldigungen mussten doch auch auf ihn einigen\nEinfluss äussern. Er setzte den Freischütz in Berlin und\nspäter in Dresden in Scene, ohne mir sogar hier in Dres-\nden etwas mehr als die letzte Probe zu melden. Ich hiess\nwohl unter uns sein Mit-Autor des Freischützen. Doch\ndankte er, und zwar fast ausschweifend, allen irgendwie\nMitbeteiligten, den Intendanzen, Sängern, Capellisten, Ma-\nlern u. s. w., ohne des Dichters, selbst hier in Dresden,\nwo man, wie fast allenthalben, den Componisten herausrief,\nnur zu erwähnen. Als ich ihn daran erinnerte, half er sich\nmit der leidlich klingenden Entschuldigung, dass er sich da-\nmit ja selbst gelobt haben würde.— Unser vereintes Wir-\nken mit so glücklichem Erfolge war schon längst Manchem\nein Dorn im Auge gewesen. Es fanden sich Zwischenträ-\nger, Unkraut in den Weizen zu säen. Man flüsterte mir in\ndie Ohren von Summen und Kostbarkeiten, von grünenden\nund goldenen Kränzen, die dem Componisten gespendet\nworden. Weber's und mein Vernehmen fing nach und nach\nan zu erkalten. Wir sahen einander seltener. Weber fragte\nmich, wie beiläufig, ob ich denn fortfahre, am Cid oder\neiner anderen Oper zu dichten. Ich erwiderte, dass mich\nmeine jetzige Stimmung von allen Lieblingsplanen abhalte.\nSo war es denn unter uns erklärt, ob wir gleich freundlich\nund wohlwollend gegen einander blieben.\"\nDurch ein Dankschreiben, welches Weber an die sämmt-\nlichen Künstler Berlins gerichtet hatte, die bei der ersten\nAufführung des Freischütz am 15. Juni 1821 thätig ge-\nwesen waren, hatte sich die obwaltende Spannung zwi-\nschen Weber und Kind noch vermehrt. Jener suchte sie\ndurch einen lür seine Denkart höchst charakteristischen\nBrief zu beseitigen, den er am 28. Juli 1821 dem sich\ngekränkt fühlenden Freunde sandte. „Nein!\" schrieb We-\nber, „das kann ich nicht fünf Minuten auf mir sitzen lassen.\nIch muss gleich meinem theuren, vielgeliebten Mit-Autor\nden Kopf waschen. Guter, lieber, hochverehrter Freund!\nWie können Sie so ganz übersehen, dass bei meinem Dank-\nschreiben doch nur rein von der Aufführung des Frei-\nschützen die Rede sein konnte? Jedes Wort, das ich für\ndas Werk selbst gesprochen hätte, hätte ja für ein Com-\npliment für mich auch mit angesehen werden müssen. Dich-\nter und Componist sind ja so mit einander verschmolzen,\ndass es eine Lächerlichkeit wäre, zu glauben, der Letztere\nkönne etwas Ordentliches ohne den Ersteren leisten. Wer\ngibt ihm denn den Anstoss? wer die Situation? Wer ent-\nflammt seine Phantasie? Wer macht ihm die Mannigfaltig-\nkeit der Gefühle möglich? Wer bietet ihm Charakterzeich\""}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "366", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571114-01.1.6", "texte": "nung? u. s. w. Der Dichter und immer der Dichter.\nAber wer macht die Dichter immer unzufrieden? Auch\nwieder sie selbst unter einander. Musiker haben mir hun-\ndert Mal gesagt: Aber was sind Sie auch glücklich, so ein\nherrliches Buch gehabt zu haben! Aber die Dichter haben\nimmer etwas zu kriteln, und haben mich oft teufelswild ge-\nmacht, besonders wenn sie mir hauptsächlich das Verdienst\nanrechnen wollten und die ihnen so scheinenden Mängel\nnicht. Glaubt ihr denn, sagte ich, dass ein ordentlicher\nComponist sich ein Buch in die Hand stecken lässt, wie ein\nSchuljunge den Apfel? Dass er Alles so bestimmt hinnimmt\nund blindlings Töne darüber giesst, froh, die lange verhal-\ntenen nur irgendwo loslassen zu können? —• Nein, mein\ntheurer Freund! glauben Sie fest, dass Niemand von grös-\nserer Achtung für den Dichter durchdrungen sein kann,\nals ich: dass ich keinen Augenblick vergessen konnte, dass\nvor Allen Ihnen der erste Dank von mir gebühre, den ich\ngewiss treu im Herzen hege und freudig aussprechen will,\nwo ich kann und wo sich mir Gelegenheit dazu bietet.\nAber bei dieser Veranlassung, wahrlich, ging es nicht.\nDenken Sie Sich's einmal recht lebendig, ob es möglich war,\nvon Ihnen zu sprechen, ohne das Werk zu loben. Ja, ich\nkann Ihnen nicht helfen, wir sind zu sehr in einander ge-\nwachsen. War Ihnen dies schmerzlich, so kann ich Ihnen\nheilig versichern, dass es mir doppelt schmerzlich ist, dass\nSie einen Augenblick an meiner Anerkennung, an meiner\ndankbaren Liebe und jederzeitigen Erinnerung daran zwei-\nfeln konnten. Es hat mir Unzufriedenheit genug erregt,\ndass man Ihrer Leistung Werth nicht mit eben der Wärme\nausgesprochen hat, als ich ihn lühle. Aber in der Wirkung\ndes Ganzen müssen Sie Ihren Lohn finden und in meinem\ndem gemäss wahrhaften Danke.\"\nWeber's gutmüthige Natur iiess kein Mittel unversucht,\nden gereizten Freund zu besänftigen und eine gegenseitige\nVersöhnung einzuleiten. Aber weder der eben mitgetheilte\nBrief, noch ein späteres Schreiben vom 27. November\n1821 hatte einen günstigen Erfolg. „Unser Freischütz\",\nschrieb Weber, „gedeiht über die Maassen und wird von\nden Directionen bei Weitem mehr gesucht und besser ho-\nnorirt, als ich erwarten konnte. Es ist daher wohl natür-\nlich, dass ich seit langer Zeit mich mit dem Gedanken trug,\ndem theuren Freunde, dessen herrliche, gemüthvolle Dich-\ntung mit dem nur ihr eigenthümlichen Zauber dieser Oper\ndas Anziehende verlieh, auch wieder meinerseits zu bewei-\nsen, wie gern ich Alles hervorsuchen möchte, auch Ihm\nmit etwas Freude zu machen. Ich sann und überlegte, was\nIhnen wohl ein zweckmässiges, erfreuliches Andenken an\nden Freischütz geben könnte. Da kam ich immer wieder\nauf meine eigene Erfahrung zurück, dass bei ähnlichen Fäl-\nlen die Leute nie das trafen, was mir brauchbar oder\ndauernd erfreuend sein konnte, und daher die Sache immer\nnur halb ihren Zweck erfüllte. Ich denke also, Freund Kind,\ndem mein Herz in Allem immer so offen dargelegen hat,\nwird auch jetzt mich nicht spröde verkennen oder gar zu-\nrückweisen, wenn ich zu ihm spreche, wie nun eben Män-\nner, die das Leben kennen und seinen Anforderungen am\nliebsten aus eigenem Willen und Kraft genügen wie\ndiese mit einander sprechen; und wenn ich ihm sage:\nFreund, erlaube mir, dies in Deine Hände legen zu dürfen,\nund versprich mir, alles damit anzufangen, das Dir und den\nDeinigen Freude macht, damit ich den schönsten, einzigen\nZweck, den ich haben kann, erfüllt sehe, den nämlich, Dir\nFreude zu machen. Und so will ich denn auch zu Ihnen,\nmein herzlieber Freund, gesprochen haben: Werden Sie\nIhrem Sie so innig verehrenden und liebenden Weber\nzürnen?\"\nDass der wahrhaft herzliche Ton dieses Briefes, in\nwelchem sich Weber's Charakter von der liebenswürdig-\n©\nsten Seite zeigte, seine Wirkung euf den Empfänger gänz-\nlich verfehlen könnte, davon hatte Weber eben so wenig\neine Ahnung, als von der Leichtgläubigkeit seines Freun-\ndes, der sich durch ein Gerücht hatte täuschen lassen, nach\nwelchem an Weber 800 Thaler für den Text des Frei-\nschütz eingesandt worden wären. Seinem Briefe an Kind\nhatte er acht Louisd'or beigefügt. Er erhielt sie jedoch mit\neinigen ihn tief verletzenden Zeilen wieder zurück. Noch\nam Abende desselben Tages, 27. November 1821, sandte\ner dem erzürnten Freunde folgende Antwort: „Nicht\nabgethan, wenigstens nichtwohlgethan, treuen Freundes\nMeinung so von sich zu weisen, wie man ein unnützes\nBrief-Couvert unter den Tisch wirft. Sie haben mir unend-\nlich wehe gethan, mein lieber Freund, mehr, als Sie hoffent-\nlich gewollt haben. Sie sind sehr aufgereizt. Wohl, ich\nsehe es so an, und es ist Pflicht, trübe und heitere Stim-\nmung des Freundes hinzunehmen. Aber was reizt Sie so\nauf, den auf der Höhe stehenden Friedrich Kind? Eine\nBadeklatscherei, die so widersinnig erfunden ist, dass man\ndoch wohl nur über sie lachen sollte. Achthundert Thaler!\nEi, ei!\nWort zu geben, dass ich von allen diesen Gerüchten nichts\ngewusst habe. Und hätt' ich sie gewusst, solch ein Grund\nhätte mich bestimmen können? Mit innigem Bedauern\nsehe ich, wie wenig Sie meine Denkart kennen. Unsere\nSache war als Geschäft abgethan. Wenn nun die Oper"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "367", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571114-01.1.7", "texte": "durchgefallen wäre, wiedann? Das trefflichste Gedicht kann\neine Oper allein nicht halten. Nichts leitete mich dazu,\nIhnen schüchtern eine Erneuerung des von Ihnen bestimm-\nten geringen Honorars zu bieten, als, bei Gott! der heisse\nWunsch, Ihnen durch alles, was in meinen Kräften steht,\nmeine lebhafte Anerkennung, Achtung und Liebe anzudeu-\nten. Ich habe es schlecht getroffen. Gaben Sie aber etwas\nauf solches Geschwätz, war es dann auch ein Freund-\nschaftsbeweis von Ihrer Seite, dass Sie mich nicht davon\nunterrichteten? Doch genug über diesen Gegenstand. Möge\nder Himmel Ihnen lauter Freunde schenken, die es so red-\nlich meinen, wie ich; die so treu an Ihnen hangen, Ihren\nWerth so erkennen, und die selbst so höchst schmerzlich\nzurückgestossen, wie Sie es mir gethan, nicht aulhören,\ndieselben zu bleiben.\"\n(Dr. H. Döring, Biogr. Weber's.)\n\nErstes Abonnements-Concert in Bonn.\nL. Bischoff.\nAm Samstag den 7. November begannen die diesjährigen Winter-\nConcerte in Bonn, und der Erfolg des ersten hat ein günstiges Vor-\nurtheil für die folgenden begründet. Die musicalischen Kräfte haben\nsich namentlich für das Orchester verstärkt und verbessert, Flöte,\nOboe, Clarinette, Horn und Fagott sind in ihren ersten Stimmen\nweit besser besetzt als früher; der Chor, der stets frische und wohl-\nlautende Stimmen zählte, hat diese noch immer und ist für die Raum-\nverhältnisse und die Orchester-Begleitung stark genug, und kdas\nGanze hat in Herrn Albert Dietrich einen sehr tüchtigen tech-\nnischen Führer. Nimmt man das schöne Loeal, den Saal im golde-\nnen Stern mit seiner trefflichen Akustik, und die Thätigkeit des\nConcert-Vorstandes hinzu, so kann man der Stadt Bonn zu der ge-\ngenwärtigen Beschaffenheit ihrer musicalischen Zustände nur Glück\nwünschen. Einige Geigen im Orchester und einige tiefe Bässe im\nChor mehr wären zu wünschen; an Solostimmen fehlt es freilich un-\ngefähr eben so, wie überall.\nMendelssohn' s -A-dwr-Sinfonie (Nr. 4) ging ganz vortrefflich $\nsie war so fein und sicher ausgearbeitet, wie es die vorhandenen\nKräfte möglich machten; die Ausführung gereicht dem Dirigenten\nund dem Orchester zu grosser Ehre. Die Ouvertüre zur Euryanthe,\nwelche den zweiten Theil eröffnete, erfordert freilich stärkere Kräfte,\nallein im Ganzen konnte ihre Ausführung ebenfalls befriedigen. Ihr\nfolgte das Finale des ersten Actes derselben Oper, das freilich seine\nvolle Wirkung nur machen kann, wenn die Haupt-Partie durch eine\nnicht bloss musicalisch gebildete, sondern auch mit glänzender\nStimme begabte Sängerin besetzt ist. Der Chor war sowohl hier als\nin dem Ave verum von Cherubini (warum nicht mit dem Original-\nText ?) im ersten Theile des Concertes recht sicher und klangvoll.\nDie Krone des Abends war jedoch der vollendete Vortrag des\nF-moll-Concerts von Friedrich Chopin für Pianoforte und Or-\nchester durch Herrn Ferdinand Breunung, Lehrer des Ciavier-\nspiels an der Rheinischen Musikschule zu Köln. Wie selten hört\nman diese wundervolle Composition, durch welche sich Chopin ein\nunvergängliches Denkmal im Reiche der Tonkunst gesetzt hat! Aber\nfreilich, ihre Ausführung erfordert Eigenschaften, die nur wenigen\nPianisten gegeben sind, Muth und Ausdauer, um die ungeheuren\nSchwierigkeiten zu überwinden, feinen und gebildeten Geschmack in\nder Behandlung des Einzelnen und Einzelnsten, und vor allen Dingen\nVerständniss für den Kern Chopin'scher Musik und Sinn für die\nHülle, welche diesen Kern umkleidet und eben so wesentlich ist, als\nder Kern selbst. Darin liegt die ganze hinreissende Eigenthümlichkeit\nChopin's, dass er seine plastisch-melodischen Gestalten mit einer\nFülle von romantischem Ranken- und Blumenwerk umspinnt und\numdichtet, unter welcher beim ersten Anblick jene beinahe ver-\nschwinden. Der wahre Vortrag verlangt daher einen Spieler, der jene\nMelodie-Gestalten im Herzen trägt und sie von da heraus in fe-\nsten Umrissen ans Licht stellt, während seine Phantasie zugleich\nmit der Chopin'schen sie umschwärmt und die umhüllenden Gewinde\nder Romantik durchsichtig macht und in wechselnden Färbungen\nbeleuchtet So war Breunung's Spiel; die Schwierigkeiten verschwan-\nden alle und wurden zu duftigem Schmuck, die gewaltigste Kraft\ndes Anschlags wechselte je nach dem Willen des Spielers mit der\nzarten Berührung der Tasten oder dem elastischen Schwung ab, und\nder Vortrag des herrlichen Larghetto in As-dur, namentlich der ori-\nginellen recitativähnlichen Stelle während des anhaltenden Tremu-\nlirens der Geigen, war durch die Vereinigung meisterhafter Technik\nmit seelenvollstem Ausdruck wahrhaft bezaubernd. Und das ganze\nConcert spielte Breunung auswendig und mit einer so classischen\nBeherrschung des gesammten Inhalts, dass er diese oder jene Note\neines Blas-Instrumentes, welche zufällig ausblieb, auf der Stelle\nselbst auf dem Ciavier mit anschlug. Er hat durch diese Leistung,\nwelche seit langer Zeit wieder die erste öffentliche war, den glän-\nzenden Beweis geliefert, dass er eine Kunsthöhe erreicht hat, zu\nwelcher nur auserwählte Talente gelangen, und seine gediegene\nRichtung als Musiker bürgt uns dafür, dass er sich nie durch Buh-\nlerei mit der grossen Menge von ihr herabziehen lassen wird. Die\nRheinische Musikschule aber dürfte für Clavierspiel unter Meistern\nwie Hiller, Franck und Breunung jetzt wohl als einzig in\nihrer Art da stehen.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\n*** Aachen, 10. November. Das erste Abonnenients-\nConcert fand am 5. d. Mts. unter der Direction des städtischen\nMusik-Directors Herrn von Turanyi Statt. Die Ouvertüre zur\nOper Medea von Cherubini ging präcis; die Sinfonia Eroica\nzeugte von richtiger und geistvoller Auffassung und Leitung des\nDirigenten, jedoch war das Orchester nicht stark genug besetzt. Der\nVortrag der Arie Ah perfido! von Beethoven ist eine schwierige Auf-\ngabe; die Sängerin, mit einer hübschen, frischen Stimme begabt, ge-\nfiel. Herr Hof-Capellmeister August Pott aus Oldenburg bildete\nden Glanzpunkt des Abends. Er trug sein viertes Concert (E-dur)\nfür Violine und Orchester, ein Recitativ und Adagio von Spo h r\nund die Ciaconna von J. S. Bach meisterhaft vor und ärntete stür*\nmischen Beifall.\nAm 9. d. Mts. gab Herr A. Pott auf allgemeines Verlangen ein\nConcert im Theater, in welchem er seine Sinfonie in C-moll auf-\nführte und das Concert in D-dur von Lipinski, das „Hommage"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "368", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571114-01.1.8", "texte": "ä la Lüne\" und das „Minnelied\" von seiner Composition vortrug.\nDie Sinfonie (Allegro maestoso Larghetto Scherzo Allegro\ncon brio) ist durchweg im grossen Stil geschrieben, ohne sich an ir-\ngend eine Richtung ausschliesslich anzulegen. Die Blas-Instrumente\nspielen darin, ohne die Saiten-Instrumente in ihren Rechten zu be-\neinträchtigen, eine selbstständige, auf ihren Charakter begründete\nRolle, und diese Eigenthümlichkeit erzeugt ganz überraschende Wir-\nkungen. Die Sinfonie erregte einen Sturm von Beifall im Orchester\nund im Publicum; das erstere spielte mit wahrer Begeisterung und\nHingebung an den trefflichen deutschen Künstler, Componisten und\nDirigenten, und letzteres überbot noch den enthusiastischen Beifall,\nden das Solospiel bereits hervorgerufen hatte; sogar Blumensträusse\nflogen am Schlüsse dem gefeierten Meister zu. Selten kann einem\nKünstler eine ehrenvollere Aufnahme und Auszeichnung zu Theil\nwerden, als es hier geschah. Und dabei war nichts Gemachtes und\ndurch posaunende Reclame Vorbereitetes, wie bei manchen empor-\ngeschraubten Kunstgrössen; den ersten Anstoss zum begeisterten\nBeifall gaben meistens die Musiker selbst.\nJVeimietl. Der Flügel1 sehe Gesang-Verein hat am\n27. October Abends seine zweite Vesper in der Mennonitenkirche ge-\ngeben. Auch der fürstliche Hof war anwesend, auch die hochbetagte\nund allverehrte Prinzessin Louise zu Wied, die in ihrem 88.\nJahre sich die frischeste Theilnahme für alles Schöne bewahrt hat.\nEs wurden Choräle und geistliche Stücke von Seb. uud Joh. Mich.\nBach, Joh. Eccard, Mich. Haydn (Tenebrae factae sunt), Mo-\nzart (Ave verum) und Bortnianski („Ehre sei Gott in der Höhe\"\nund „Der Hirte Israels\") gesungen. Beide Abtheilungen wurden durch\nden Vortrag von Orgelstücken (von M. G. Fischer und F. Mendels-\nsohn-Bartholdy), gespielt von Herrn Musik-Director G. Flügel, ein-\ngeleitet.\nUnsere Oper erfreute sich bei Aufführung\nvon Spohlas Jessonda eines verdienten Erfolges. Herr Capellmeister\nAbt hatte dieselbe mit besonderer Sorgfalt neu einstudirt. Die Prä-\ncision und Rundung bei der Durchführung der instrumentalen Theile,\nwie die Darstellung der einzelnen Partieen durch Fräul. Storck\n(Jessonda), Fräul. Müller (Amazili), Hrn. Hardtmuth (Tristan)\nist lobend anzuerkennen.\nBLasselj 24. October. Durch die Anstellung eines ersten Con-\ncertmeisters in der Person des Herrn Karl Gr äff, Schülers von\nVieuxtemps, eines ganz vortrefflichen Geigers, ist nun die durch\nBott's Abgang verwaiste Stelle wieder besetzt. ln der Oper ga-\nstirten in den letzten Wochen der Tenorist Young und die Sänge-\nrin Uhrlaub. Beide fanden eine recht beifällige Aufnahme. Unter\ndes Capeilmeisters Reiss Leitung sollen demnächst neu in Scene\ngehen Cherubini's „Wasserträger\" und Marschner's „Templer und\nJüdin\". Die hiesigen Abonnements-Concerte werden Mitte Novem-\nbers unter Leitung des Meisters S p o h r und des Capellmeisters\nReiss beginnen. Als Novität soll August Walter's Sinfonie in\nEs-dur zur Aufführung kommen. (S. M.-Z.)\nWien. Herr Joh. Strauss beabsichtigt, mit seinem Orchester\ndie ganze Adventszeit hindurch „serieuse Concerte\" im Salon\ndes Volksgartens zu veranstalten, deren Programme auslässlich aus\ngediegenen Werken (Symphonieen, Ouvertüren) älterer und neuester\nPeriode bestehen werden. Ein solches Unternehmen verdient gewiss\ndas freudigste Entgegenkommen, und zwar um so mehr, als dadurch\nnicht nur der Verbreitung guter Musik ein Vorschub geleistet, son-\ndern auch die Würde der Kunst gewahrt wird, indem wie wir mit\nFreude Vernehmen während dieser Productionen keine Erfrischun-\ngen verabreicht werden sollen. (81. f. M. u, Th.)\nDer Privatdocent Herr Dr. Ed. Hanslik in Wien hat seine\nVorlesungen über „Neuere Geschichte der Tonkunst\" am 20. October\nbegonnen und mit einem geistvollen Resume der im vorigen Winter\ngehaltenen Vorträge über die ältere Geschichte der Musik (von ih-\nren ersten Anfängen bis zum Auftreten von Gluck und Haydn) ein-\ngeleitet.\nDie Schwierigkeit, eine siebenzehn Jahrhunderte umfassende Reihe\nvon geschichtlichen Perioden mit Einem Blicke zu übersehen, die\nwichtigsten Erscheinungen herauszuheben, und diese scheinbar so ab-\nspringenden Motive der Art in einander zu verschmelzen, dass die\nGeschichte der Tonkunst sich nicht bloss als eine Kette von Künst-\nler-Biographieen und zufälligen Fortschritten, sondern als die not-\nwendige und natürliche Entfaltung inneren, geistigen Lebens sich\ngestalte, und all dieses immense Material in den engen Rahmen einer\nVorlesung zu drängen diese Schwierigkeit ist nicht gering; und\nwir können der geistigen Kraft, welche dieselbe mit Leichtigkeit,\nwir möchten sagen: mit Grazie, überwand, eben nur unsere bewun-\ndernde Anerkennung zollen.\nIm Auditorium, auch in diesem Semester nur zum geringeren\nTheile aus eigentlichen Universitätshörern bestehend, reihen sch zu\nunserer Freude die besten Namen unserer wiener Künstler und Ton-\nfreunde an einander.\nPetersburg. Die italiänische Oper wurde mit Verdi's „l\nLombardi\" eröffnet. Mad* Lotti und die Herren Mongini und De-\nbsssini gefielen sehr ] die Oper selbst aber griff nicht durch."}]}