{"numero_id": "bm-bmtnabi-1857-11-21-01", "volume": "bmtnabi_1857-11-21_01", "ocr_sha256": "5a0e257648b84894707562603dc423ab84aad4b74e5c26efd47d022a55159bb3", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1857/11/21_01/bmtnabi_1857-11-21_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571121-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1857-11-21-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-11-21_01#c001", "volume": "bmtnabi_1857-11-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "369", "page_fin": "369", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571121-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "369", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571121-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 335, "texte": "Inhalt.\nC. 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Die Sache war\ndringend; er wusste nicht, dass Rellstab noch in Böhmen\nwar, und da er den Dichter der neuen Oper in der Nähe\nhaben wollte, so wandte er sich an Helmina v. Chezy\nin Dresden selbst. Wir erfahren jedoch aus Döring's Bio-\ngraphie, dass Rellstab bei den Vorschlägen, die der Com-\nponisl der Dichterin zu mancherlei Abänderungen machte,\ndie Hand mit im Spiel halte. In wie weit er auf die End-\ngestaltung des Buches wirklich einwirkte, bleibt indess zwei-\nfelhaft.\nEine merkwürdige Entschuldigung für so manche Här-\nten in der Form des Textes gewährt folgender Brief We-\nber's an die Dichterin:\n„Es ist nichts mit den vielen Personen; wir können\nnur fünf handelnde Personen aufstellen, denn die Euryanthe\nmuss über alle Bühnen gehen. Es gibt deren viele, wo\nman mit knapper Noth einen Sopran, einen zweiten Sopran,\neinen Bass, einen Tenor und einen Bariton zusammenbringt.\nMit d em Pomp müssen wir es so einrichten, dass man ihn\nin Fülle anbringen, aber dass man ihn auch weglassen kann.\nBei kleinen Theatern wirft man dann den Spektakel weg.\n„Suchen Sie Sich einen anderen Namen aus. Ger-\nhard kann ich nicht componiren. Nur einen recht musica-\nliscben, der in a schliesst, wenn's sein kann. (Helmina v.\nChezy schlag ihm den Namen Adolar vor, der ihm sehr\ngefiel.) Euryanthe ist auch ein recht musicalischer\nName, aber hier und da etwas lang lür die Composition.\nEs heisst ja im alten Text Eiriant; wir können wech-\nselndabkürzen, wie es sich findet. Und nun, was die Dich-\ntung betrifft, so beschwöre ich Sie, schneiden Sie die Verse\nnicht nach dem Opern-Schlendrian zu; bieten Sie Ihre ganze\nPhantasie, Ihre ganze Kunstfertigkeit auf, und schonen Sie\nmich nicht. Thurmen Sie Schwierigkeit auf\nSchwierigkeit, sinnen Sie auf Sylbenmaasse,\nüber die man verzweifeln könnte. Das wird mich\nbefeuern, mich beflügeln. Die Euryanthe muss ganz etwas\nNeues werden, muss ganz allein auf ihrer Höhe stehen. Es\ngibt Verse, die so ganz Musik sind, dass die Musik daran\nscheitert. „„Ich bau' auf Gott und meine Euryanth!\"\"\ndas soll mir wie ein belebender Hauch durch die ganze\nComposition wehen und schon in der Ouvertüre anklingen.\"\nDessen ungeachtet gab es Augenblicke, wo ihm vor dem\nErfolg der neuen Oper bange war. Ueber die Nachrichten,\ndie von dem fortwährend sich steigernden Beifalle des Frei-\nschütz einliefen, schien Weber mehr bestürzt, als erfreut.\n„Das alles zu überbieten,\" schrieb er, „ist nun die Auf-\ngabe, und das ist mir schrecklich.\" nO die Wehen!\" rief\ner ein ander Mal aus, „die Wehen! Niemand ahnt, wie sich\ndie Lebenskraft darin verzehrt, Niemand weiss es uns\nDank!\"\nWie Weber in solcher Stimmung sehr reizbar war,\nschilderte Helmina v. Chezy in späteren Jahren mit den\nWorten: „Ich halte es nicht gleich weg, dass Weber der\nEuryanthe in der Musik eine durchaus ideale Haltung zu\ngeben beabsichtigte und dass sie hoch über dem Freischütz\nin einer hellen, leuchtenden Atmosphäre schweben sollte.\nIch wollte sie volksmässig gestalten und erinnerte ihn\ndaran, dass der Freischütz eben durch Volkstümlichkeit"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "370", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571121-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5218, "texte": "so ergreifend sei. Weber verstand, ich meinte, er könne\nsich nicht dahin erheben, wohin er strebe, und müsse in\njener Sphäre bleiben. Er war darüber höchst bestürzt und\nverliess mich im aufgeregtesten Zustande. Ich schrieb ihm\ngleich und muss ihn überzeugt haben; denn ich erhielt\neinige Zeilen voll Herzlichkeit und Beruhigung.\"\nAm Neujahrs-Abende hatte Helmina v. Chezy die erste\nVersion der Euryanthe vollendet. Weber erbot sich, selbst\ndie Abschrift zu machen. „Ich muss\", äusserte er, „recht\nviel mit Einem Blicke übersehen können. Ich schreibe mir\ndie ganze Dichtung auf Einen Bogen.\" Die Dichterin kam\nihm jedoch zuvor und überreichte ihm eine zierliche Copie,\ndie er nach Wien mitnahm, wo er den Freischütz zu diri-\ngiren hatte und das Manuscript der Euryanthe der Censur\nüberreichen musste. Mit rauschendem Beifall ward dort\nder Freischütz aufgenommen und fünf Mal bei übervollem\nHause gegeben. Weber's Briefe aus Wien athmeten die\nheiterste Stimmung. „An dem Abende,\" erzählt Frau v.\nChezy, „als Weber wieder nach Dresden kam, war ich bei\nseiner Gattin zum Besuche, um mich nach ihm zu erkun-\ndigen. Wir hörten einen Wagen anhalten und eilten beide\nhinunter, dem Ankömmling entgegen. Eben stieg er aus.\nSchluchzend hing Weber's Gattin <an seinem Halse, so gut\ndies vor all den Kränzen, Bändern und Sträussen möglich\nwar, die er in beiden Armen hielt. Er gab sie uns und\nholte noch die übrigen aus dem Wagen, lür die er die\ngrösste Sorgfalt empfahl. Heiter und gesund war er zurück-\ngekehrt. Die Dichtung hatte glücklich die Censur passirt.\nNach allem, was Weber von Wien erzählte, äusserte ich\nden Wunsch, einmal dorthin zu reisen. Sie würden Sich\nzu Tode ärgern! rief Weber lebhaft. Die Censur ist omi-\nnös! Glauben Sic mir, Sie dürften da sein und in die Zei-\ntung setzen wollen, Sie wollten drei Truthühner kaufen, so\nstreicht Ihnen die Censur zwei und sagt: Was will die Frau\nmit drei Truthühnern in ihrer kleinen Haushaltung?\"\nAul der Reise nach Wien im Wagen hatte Wpber\nVieles aus der Euryanthe componirl. Dabei war ihm die\nNotwendigkeit einer Umarbeitung der genannten Oper\nklar vor Augen getreten. In einem' Gespräche mit der Dich-\nterin, die dem Werke einen versöhnenden, durchaus heite-\nren Schluss gegeben hatte, kam Weber wieder auf eine\nfrühere Idee zurück, nach welcher Lysiart und Eglantine\nzu Grunde gehen müsslen. Seine Wünsche in Bezug auf die\nUmformung der Oper enthielt eine Art von Scenarium, das\ner der Dichterin am 9. April 182*2 brieflich mittheilte.\n„liier folgen,\" schrieb er, ,Ihrem Wunsche gemäss,\nmeine Gedankensplitter. Lysiart's und Eglantine's Erschei-\nnen verjagt die Landleute. Adolar bleibt. Terzett: Heftiger\nZank. Verschiedene Grobheiten. Adolar als eontraslirende,\ndumpfe Gegenstimme. Lysiart's Hohn erbittert Eglantinen,\nso dass sie Alles verrathen und sich mit ihm verderben\nwill. Lysiart, frech entschlossen, 'zieht den Dolch gegen sie;\nsie ruft Hülfe, flieht, Adolar springt hinzu, doch die That\nist geschehen. Den Kampf zwischen Adolar und Lysiart\nverhindert das herbeiströmende Volk. Die sterbende Eglan-\ntine bekennt kurz, ihre That, mehr Euryanthens Unschuld\nals ihre Schuld bezeugend. Bei dem letzten Worte tritt der\nKönig mit Gefolge hinzu, Adolar ihm entgegen: „ „Unschul-\ndig ist die Geliebte\"\" u. s. w. Der König schickt den Ly-\nsiartzumTode. Chor: „ „Heil dem König*\" u.s.w. Adolar\nstürmt zu ihr, der Chor eben so voll Freuden. Der König\nsteht ernst und entsch'ossen und tritt plötzlich mit einem:\n„ „Halt ein!\" \" dazwischen. „ „Der Freude Laut verstum-\nme, gebiete männlich deinem Schmerz\" \" u.s.w. Euryanthe\nist nicht mehr. Ausruf des Schreckens. Tiefe Stille. Trauer-\nmusik von fern. Euryanthe auf einer Bahre, mit Rosen\ngeschmückt. Adolar zu ihren Füssen. Sanfter Chor in we-\nnig Worten. Alles ist über sie gebeugt. Emma's Geist, von\nAllen ungesehen, schwebt über Euryanthen weg. Euryanthe\nschlägt die Augen auf u. s. w., und die Sache ist aus und\ngut. Könnt' ich doch auch so schon nach der ersten Vor-\nstellung sagen!\"\nWeber's Wünschen suchte die Dichterin möglichst\nnachzukommen. Sie gab ihm dieses Versprechen in seiner\nländlichen Wohnung zu Hoslerwilz. „Ich sehe es noch vor\nmir,\" schrieb sie. „das friedliche, kleine, dicht umgrünte\nHaus mit seinen einfach eingerichteten, weissgefüncbten,\nländlichen Zimmern. In dem einen stand unweit des Fen-\nsters Weber'« Cla\\ier. Die hohen Baumwipfel griissten säu-\nselnd hinein, ihre Aesle voll zwitschernder, singender Vögel.\nWeber war an jenem Tage ungemein heiter und mitthei-\nlend. Er erzählte seine ganze Jugendgeschichte mit der lie-\nbenswürdigslen Hingebung und ganz liinreissend, lebendig\nund feurig. Wir sprachen >on dem Freischütz, der wieder,\nich weiss nicht mehr, wo, mit grosser Pracht gegeben wor-\nden war. „ .Ja.\" u sagte Weber, „ „auf die Ausstattung\nwenden sie schon et was, das alles wird uns abgeknappt.\" \"\nWas ich ihm von dem Eindruck, den die Musik in der\nWolfsschlucht auf mich gemacht, aussprach, ergriff ihn tief.\n„ „Wenn nur Jemand\" \", rief er, „ „ solche Worte drucken\nliesse! wenn ich nur sähe, dass Alle verständen, was ich\ngewollt!\"\" Ich versprach ihm, über den Freischütz zu\nschreiben. * „Einen Jägerchor muss ich haben!\" * rief er\nmir noch vor dem Hause beim Abschiede nach.\""}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "371", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571121-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5105, "texte": "Angenehm überrascht ward Weber um diese Zeit, bald\nnachdem er von Hosterwitz wieder nach Dresden zurück-\ngekehrt war, durch ein Schreiben seines vieljährigen Freun-\ndes Gottfried Weber in Darmstadt. „ Wie soll ich Dir\",\nschrieb er den 22. April 1822, „die Freude schildern,\nmit der Dein lieber Brief mich so unerwartet überschüttete!\nSo mancher herrliche unverdiente Erfolg, den mir der Him-\nmel geschenkt, hat mich nicht so erfreut und durch und\ndurch belebend aufgeregt und erheitert. Du kannst mich\nnur dann begreifen, wenn Du weisst, wie unendlich lieb\nich Dich habe, und dass ich Deine Liebe ganz für mich ver-\nloren glaubte. Gott sei Dank, dass es nicht so ist! Du bist\nwieder der Alte; ich habe es nie aufgehört zu sein, und\nich möchte Dich nur da haben, um Dir so recht aus voller\nSeele zeigen zu können, welchen wahrhaften Liehtblick Du\nmeinem Leben wieder gibst. Aber wo soll ich anfangen,\nwo aufhören? Es wird eine Weile brauchen, ehe man sich\nnur wieder das Notwendigste erzählt hat. Es ist gar lange,\nlange Zeit verflossen! Doch nun will ich erst Deinen Brief\nbeantworten, und dann noch hinkratzen, was mir eben ein-\nfällt. Habe Dank für Deine Zufriedenheit mit meinem Frei-\nschützen. Des Beifalls tüchtiger Männer, die ich ehre und\nanerkenne, bedarf ich, um mich weiter zu ermuntern und\nzu kräftigen. Es wird mir manchmal ganz angst bei der\nHöhe, auf die sich der Beifall hinaufgewirbelt hat, und ich\nmeine immer, es müsse nun wieder abwärts gehen. Nun,\nich werde ehrlich meinend meinen Weg weiter verfolgen,\nwie bisher, und thun, was ich nicht lassen kann. Meine\nnächste Reise geht wieder nach Wien zur Aufführung mei-\nner neuen grossen Oper Euryanthe. Dann muss ich wohl\nein Jahr lang still sitzen und ach! wer weiss denn,\nwie lange man lebt?\"\nAm 13. Mai 1822 schrieb er: „Stelle Dir vor, dass\nmeine Fraa uns den Possen gespielt hat, unsere Rechnung\nzu nichte zu machen. Um vier Wochen zu früh niederge-\nkommen, hat sie mir den 25. April einen gesunden Kna-\nben glücklich geboren. Der Kerl heisst, nach der Mutter\nWillen, Max, da denselben Abend meine Oper gegeben\nward. Wenn ich nun nur nicht auch so dumm bin und\nt\nfrüher sterbe, wie Du. Und meiner Seel'! das glaub' ich\nfast sicher.\"\nDie auf seinen Wunsch umgearbeiteten Scenen der\nEuryanthe halte Weber vor einiger Zeit empfangen. Was\ner daran zu loben fand oder anders wünschte, gestand er\noffen in einem Briefe an die Dichterin, dalirt aus Dresden,\nvom 11. November 1822. „Herzlichen Dank\", schrieb\ner, „für das Treffliche, was Sie mir überschickten. So wird\ndie Sache, wie sie sein muss, und besonders Eglantine ge-\nwinnt unendlich an Wahrheit, Interesse und Neuheit. Sie\nhaben mir erlaubt, meine Meinung zu bemerken. Hier\nkomme ich mit dem, was ich noch wünsche, u. s. w. an-\ngezogen. Das Mailied ist ein wahres Maiblümlein; der Him-\nmel schenke mir eine seiner würdige Weise. Adolar jam-\nmert mir ein wenig zu viel und nicht ganz männlich; hier\nbraucht's aber nur Zusammenziehen, und das haben Sie\nmir ja vergönnt. Die Scene, die jetzt kommt, wollen\nwir doch ja behalten, wie sie ist. Die andere Leseart möchte\netwas übereilt erscheinen. Lysiart wünschte ich etwas mehr\nbeschäftigt. Dem Chor wünschte ich kurze, kräftig\ndonnernde Worte gegen Lysiart. „„Trotze nicht, Verruch-\nter!\" * u. s. w. Zwischen diesen Sturm nun tritt der Kö-\nnig u. s. w. Den scheinbaren Tod der Euryanthe kann ich\nmir noch nicht nehmen lassen. Das ist ja auch eine ganz\nandere Situation, wie im Freischütz. Da fällt mir eben\nnoch ein, dass es mir schauerlicher dünkt, wenn der Hoch-\nzeitszug bloss unter einem Marsch ohne Chor käme. Ein-\nzelne Aeusserungen des Abscheues der vorn gruppirten\nLandleute, dazwischen Freudenklänge, Drängen, eben so\nAdolar's mit Mühe zurückgehaltene, Wuth. Was meinen\nSie dazu?\"\nEr war unerschöpflich in neuen Bemerkungen und\nIdeen, welche die früheren verdrängten. „Sie haben mir\",\nschrieb er den 28. November 1822 an Frau v. Chezy,\n„wieder viel Schönes geschickt, und ich habe nun Mate-\nrialien in Menge. Aber ganz, wie es ist, kann es nicht blei-\nben. Ich bescheide mich zwar, dass diejenigen, deren Ur-\ntheil Sie es unterwerfen, treffliche Dichter sein mögen, aber\nMusiker und Dramatiker sind sie wohl schwerlich. Ich\nwerde Ihnen das Ganze schicken, wie ich es am wirkend-\nsten glaube. Alles mit Gründen zu belegen, würde mich\nBücher schreiben machen. Nun zur Beantwortung mancher\nEinzelheiten. Ihre nachgesandte Abkürzung der Scene zwi-\nschen Euryanthe und Adolar hatte ich schon buchstäblich\nso vorgenommen. Eben so hatte ich längst wieder das alte\nGebet hergestellt, und freute mich sehr, dass Sie nun selbst\nauch es wollen. Lys:art's Abführung zum Tode ist aller-\ndings kalt. Aber sein Fall durch Adolar und Eglantinens\nSelbstmord schnell darauf ist gewiss unangenehm wirkend.\nLysiart muss Eglantinen tödten und sich selbst noch dem\nKönige mit Trotz entgegenstellen und, allenfalls kämpfend,\nsich durchschlagen wollend, abgehen, damit wir ihn helden-\nmässig bis zuletzt hallen und doch seine Bestrafung hoffen\nkönnen. Der Wahnsinn Eglantinens war in der ersten\nSendung trefflich, in der zweiten schon viel zu breit und"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "372", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571121-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5151, "texte": "an Ophelien erinnernd. Mit dem Mondscheinlicht ist es auch\nnichts. Haben Sie vergessen, dass der Act so anfängt? Das\nkönnen wir nicht wiederholen u. s. w. Verzeihen Sie\nmein fragmentarisches Gekratze und den Tadel, den ich mir\nerlaube, und der vielleicht gar unfreundlich aussieht, aber\ngewiss nicht so gemeint ist. Uebrigens geht es mir besser,\nals ich erwarten konnte, bei den unglaublichen Fatiguen,\ndie ich habe. Schliesslich möchte ich Sie noch recht drin-\ngend bitten, unser Werk nicht so Vielen mitzutheilen. Sie\nsind arglos. Ich jedoch habe schon bittere Erfahrungen ge-\nmacht. Man erlaubt sich Urtheile im Voraus, ohne ein Recht\ndazu zu haben, das nur aus dem Ganzen hervorgeht.\"\nDie am Schlüsse dieses Briefes geäusserten Besorgnisse\nWeber's waren nicht grundlos. Wenige Tage später, den\n2. December 1 822, schrieb er seinem mehrjährigen Freunde\nGottfried Weber: „Das ist doch höchst traurig, dass\ndie Menschen ungestraft Diebe sein dürfen. Eben hat ....\ndie Partitur meiner Oper nach England geschickt. Wenn\nDu überzeugt bist, dass auf dem Wege Rechtens nichts\nanzufangen ist, so kann ich die Spitzbuben doch in öffent-\nlichen Blättern als solche erklären. Schreibe mir doch Deine\nMeinung hierüber.— Ich habe hier in Dresden viel gelitten,\nviel gekämpft, und weiss nun wenigstens klar, wie ich hier\nstehe, und hoffe nichts mehr, als was mir gewiss ist. Das\nginge nun an einem fremden Orte wieder von vorn an. Ich\nhabe hier Zeitlebens 1800 Thlr. schwer Geld vor der Hand.\nDieses Gehalt kann sich wohl auch erhöhen. Der Dienst\nist oft beschwerlich, aber einige Monate Urlaub sind nicht\nschwer zu erlangen.\"\nDurch seine damalige Kränklichkeit ward Weber von\neiner Reise nach Berlin abgehalten. Dort erwartete ihn die\nfünfzigste Vorstellung seines Freischützen, die am 29. De-\ncember 1822 Statt fand. Das Jubiläum seiner Oper zu\nfeiern, war ihm nicht gegönnt. Er konnte der Vorstellung\nnicht beiwohnen, zu der ihn der Intendant der berliner\nBühne, der Graf von Brühl, eingeladen hatte. An die\nFreunde und Verehrer, die sich nach Beendigung der Oper\nzu einem Festmahle versammelt hatten, richtete Weber das\nnachfolgende Schreiben: „Wenn ja der Wunsch zu billigen\nwar, des Fortunatus YVünschhütlein zu besitzen, so konnte\ner gewiss Niemandem weniger verargt werden, als mir Ar-\nmen, Reichen wegen des Grundes seiner Verzweiflung,\nBeneidenswi'irdigen. Durch eine Reihe von Jahren habt\nihr, theure Versammelle, mir so zahllose Beweise inniger\nTheilnahme, hebender Nachsicht und treuer Freundschaft\ngegeben, habt den oft wunderlichen Kauz so gern gehät-\nschelt, ermuthigt, erhoben und ihm die rauhe Bahn zu\nebnen gesucht, dass er es wohl für eine seiner schönsten\nFreuden auf Erden hallen dürfte, den Abend, den ihr sei-\nnem Andenken weiht, durch des Wünschhütleins Macht\neine Stunde in eurer Mitte hausen zu dürfen, um in seiner\ntreuen Umarmung euch fühlen und in seinen Augen euch\nlesen lassen zu können, wie über Alles wohlthuend ihm\ndiese Erneuerung so manches unvergesslichen Abends ist,\nder einwirkend auf sein ganzes Sein war. Da es nun\naber nichts hilft, dass ich singe: „„Wenn ich ein Vöglein\nwär'\" • u. s. w. oder: „ „Samiel, hilf!\"u rufe, welches ich\nvollends für gar nichts halte, so weiss ich doch, dass ich\nder Fortunatus, wenn auch ohne W7ünschhüllein, bin. Denn\nman zeige mir doch einen Weber, der solche billige und\nihn liebende Kaufherren hat, als ich, die mit dem Herzen\nempfangen, was das Herz gegeben, und die somit auch\naus diesen wenigen Zeilen den innigen Dank und die un-\nwandelbare Treue für sie herausfühlen werden, die kein\nWort und kein Ton wieder zu sagen im Stande sind, die\nnur das Leben bewährt und auch nur mit ihm von mir\nscheiden werden.\"\nDie Aufführung der Euryanthe fand am 10. October\n1823 in Wien unter Weber's Leitung Statt. Er schrieb\nan G. Weber den 1 5. December: „Die Wirkung, die diese\nOper hervorbringt, war ganz so, wie ich sie mir gedacht\nhatte. Meine übertriebenen Freunde gaben diesmal meinen\nFeinden die Hand, indem beide lächerlicher Weise verlang-\nten, dass die Euryanthe eben so die Masse anziehen solle,\nwie der Freischütz. Wie thöricht! Als ob, sans comparai-\nson, eine Iphigenie, ein Don Carlos irgendwo Zugstücke\ngeworden wären. Die drei ersten Vorstellungen in Wien,\ndie ich dirigirte, wurden wirklich mit einem unglaublichen\nEnthusiasmus aufgenommen; die vierte, die ich in einem\nLogenvvinkel hörte, eben so; und ich wurde auch wieder\ndrei Mal herausgerufen, in Allem vierzehn Mal. Bis zur\nzwölften Vorstellung war nun der Beifall immer derselbe,\nbei mässig besetztem Hause. So weil gehen meine Nach-\nrichten. Der *** hat sich wie ein wahrer Becen enten-Schult\nbenommen, in seine Zeitung, in die Moden-Zeitung und in\nden Sammler zugleich geschrieben, und herunter zu ziehen\ngesucht, was er konnte; und selbst die offenbare Lüge nicht\ngescheut oder listiges Verschweigen angewandt, um den\nErfolg der Oper als zweifelhaft darzustellen. Auf Neid muss\nman gefasst sein. Die freimüthig mir dargebrachten Ach-\ntungs-Beweise aller tüchtigen Künstler haben mich dafür\nüberreichlich belohnt.\"\nFerner am 11. October 1824: „Ich weiss, dass Du\nhohe Forderungen an die Kunst stellst, dass Du das Wahre"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "373", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571121-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5013, "texte": "willst, dass Du Kraft hast, es aufzufinden und zu erkennen,\nund dass Du, wenn auch theilweise von Deiner Freund-\nschaft bestochen, doch vielleicht eben darum von der ande-\nren Seite es desto genauer nimmst.\nDu verstehst's; was kann man Besseres wünschen? Lass\nDich nur nicht auch etwa von der Schwachheit bestechen,\ndie uns Deutschen anklebt, nämlich der Angst, dass man\nglauben möchte, sie wären parteiisch für deutsches Erzeug-\nniss und erkannten Fremdes nicht gehörig an, wegen einer\nArt von steifem Pedantismus, die dem deutschen Gelehrten\nankleben soll. Um diesen Vorwurf zu vermeiden, bemühen\nsie sich, deutsches Erzeugniss zu übersehen oder gleich-\ngültig von oben herab zu betrachten, indess sie allen Scharf-\nsinn anwenden, fremde Leistungen zu entschuldigen, zu\nerheben und zu preisen. Ich muss darauf zurückkommen,\nwelche Freude Du mir mit Deinem Urlheil über Euryanthe\ngemacht hast. Die Oper wird hier in Dresden stets bei\nbrechend vollem Hause und gleichem Enthusiasmus ange-\nhört. Aber sage nur um Gottes willen, wo hast Du die er-\nschrecklich tugendhaften Gesinnungen her? Da hast Du\nUnrecht. Was wären denn der Cymbelin von Shakespeare,\nRomeo und Julie und hundert andere Werke?\nwar sehr herunter, habe sechs Wochen im Marienbade ge-\nsessen und lühle mich erleichtert, wenngleich wieder mit\ndem Herbste der fatale Husten und Andrang des Blutes\nnach dem Herzen wiederkehrt.\neitien ganzen Tag bei mir. Da müssen Dir auch die Ohren\ngeklungen haben. Es war ein recht seliger Tag in Erinne-\nrung der herrlichen mannheimer Zeit. Meyerbeer sieht gut\naus und hat sich fast gar nicht verändert. Um unsere frohe\nStimmung zu erhöhen, kam ein Brief von Gänsbacher,\nder endlich die Gewissheit seiner Anstellung als Dom-Ca-\npellmeisler zu St. Stephan in Wien und seine baldige Ver-\nheirathung ankündigte. Spät in der Nacht trennten wir uns\nerst. Meyerbec-r geht nach Triest, um seinen „Crociato\" in\nScene zu setzen und dann in Neapel zum Carneval eine\nneue Oper zu schreiben. Uebers Jahr will er wieder nach\nBerlin kommen und dann längere Zeil dort verweilen, viel-\nleicht auch eine deutsche Oper schreiben.\nMuss ich Dir, dass ich eine Oper für das Coventgarden-\nTheater schreibe und im März oder April nach London\ngehe, um sie da aufzuführen; dass ich über Paris reise und\nhoffe, Dir ein Rendezvous in Frankfurt zu geben, wo wir\nuns einen ganzen Tag zusammen einsperren und ausplau-\ndern wollen.\"\nEinen erschütternden Eindruck machte auf Weber die\nbriefliche Nachricht von einer langen Krankheit seines\nFreundes. In einem Briefe vom 8. April 1825 äusserte\nWeber: „Ich kann Dir gar nicht beschreiben, mit welcher\nfurchtbaren Gewalt der Gedanke auf mich gefallen ist, dass\nich Dich in dieser Zeit zufälligen Schweigens verloren hätte.\nWelch ein wandelbar zerbrechlich Ding ist doch der Mensch,\nund wie sehr sollten die Treuen, die einander erkannt ha-\nben, fest an einander halten und sich Freude zu machen\nsuchen durch ihre Liebe für diese kurze Spanne Zeit! Wenn\nman so überdenkt, welche unbedeutende Nichtswürdigkeiten\neinen eigentlich davon abzuhalten im Stande sind, so möchte\nman mit beiden Füssen dreinspringen und alle von der Welt\naufgedrungene Mässigung vergessen. Auch ich habe sechs\nWochen das Zimmer gehütet an einer Heiserkeit, die olt\nin wahre Lautlosigkeit überging, mit krampfhaftem Husten.\nDie Sache ist ganz schmerzlos und local im Halse. Mein\nArzt nahm sie aber doch so ernsthaft, als ob es wohl am\nEnde noch eine Luftröhren-Schwindsucht werden könnte.\nWie sehr mich aber dieses Uebel an Allem hindert, wirst\nDu begreifen. Nun, wie Gott will!\"\nDas Uebel nahm zu. „DieAerzte\", schrieb Weber im\nJuni 1825, „schicken mich fort. Den 3. Juli reise ich nach\nEms.\nHalsübel geheilt werde. Vorig Jahr hat man meinen Unterleib\nins Bad geschickt, dieses Jahr den Oberleib. Das Ganze\nnun ins Grab zu schicken, möchte ich mir doch lür einige\nZeit noch verbitten.\"\nAuf der Rückreise besuchte er Gottfried Weber in\nDarmstadt. Von Dresden aus schrieb er ihm am 4. Septem-\nber 1825: „Es war mir gar zu wohl bei euch. So ein\npaar stille Tage, ohne immer nach aussen sorgen und gucken\nzu müssen, kommen gar zu selten, wo man sich so recht\nkann gehen lassen, ohne zu fürchten, missverstanden zu\nwerden; und wenn Du gleich mitunter ein entsetzlich dum-\nmer Kerl bist —Du weisst ja, worauf ich deute —, so bist\nDu doch auch ein ganzer Kerl und, was noch höher gilt,\nein ganzer Freund. Meine Reise war glücklich in jeder\nHinsicht, und ich kam den 1. September wohlbehalten hier\nin Dresden an, fand Alles gesund und frisch, aber auch\neinen Wust von Arbeiten. Eine mit königlicher Bewilligung\nO Ö Ö\nversehene Einladung des Grafen Brühl, im Oclober die\nEuryanthe in Berlin selbst zu dirigiren, fand ich auch vor.\nSo lieb mir das im Ganzen ist, so sehr stört es mich in\nmeinem Oberons-Geschäft.\"\nDie Euryanthe machte in Darmstadt kein Glüek. We-\nber schrieb darüber an seinen Gottfried: „Euryanthe hat,\nwie ich folgere, in Darmstadt missfallen; denn dass Du so\nzerstreut sein solltest, mir gar nichts von der Aufführung"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "374", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571121-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 748, "texte": "selbst, sondern nur von der nicht geschehenen Wiederho-\nlung zu sprechen, wäre doch gar toll. Nun, ein darmstädter\nDurchfall kann schon durch zwei Erfolge wie in Berlin und\nin München, curirt werden.\"\nZum Schlüsse stehe hier noch ein Wort C. M. von\nWeber's über eine Aufführung von J. Haydn's Schö-\npfung unter seiner Leitung in Dresden:\n, Welch herrliches Werk! welche Frische, welche ju-\ngendliche Gluth, tiefes Studium und erhabene Meisterschaft!\nWie nichtig zwerghaft purzeln dagegen neuere Erzeugnisse\nin der Welt herum! Die Aufführung ging vortrefflich, ich\nkann sagen: vollendet, und ich hatte das herrliche Gefühl,\nmich mit meiner Capelle so vollkommen aussprechen zu\nkönnen, als sässe ich am Ciavier und könnte so spielen,\nwie ich wollte.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-11-21-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-11-21_01#c003", "volume": "bmtnabi_1857-11-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "374", "page_fin": "375", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571121-01.2.3", "titre_corps": "Erstes Gesellschafts-Concert in Köln im Hauptsaale des Gürzenich.", "titre_sommaire": "Erstes Gesellschafts-Concert in Köln im Hauptsaale des Gürzenich.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "374", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571121-01.1.6", "debut_caractere": 750, "fin_caractere_exclue": 6029, "texte": "Erstes Gesellschafts-Concert in Köln\nim Hauptsaale des Gürzenich.\nDen 17. November 1857.\nWir wollen unseren Lesern zuvörderst eine kurze Beschreibung\ndes neu ausgebauten Saales im Kaufhause Gürzenich geben, in wel-\nchem von nun an die Gesellschafts-Concerte, Musikfeste u. s. w*\nStatt finden werden; denn dieser Bau bildet einen Abschnitt in der\nEntwicklung der musicalischen Zustände Kölns, und desshalb gehört\ndessen Schilderung in diese Zeitung, als in das Archiv der Geschichte\nder Tonkunst am Niederrheine.\nDer Bau hat zwei Haupt-Eingänge, einen an der Westseite (am\nQuattermarkt), den anderen, bedeutsameren, an der Ostseite (Martin-\nstrasse).\nMan gelangt durch geräumige, mit Kreuzgewölben überspannte\nVestibüls in das grossartige Treppenhaus, in welchem zwei zweiar-\nmige steinerne Treppen, mit reich in Stein gehauenen Brüstungen\nversehen, zu dem oberen Podest führen. Auf den oberen, ebenfalls\nsteinernen vier Treppenpfosten erheben sich reiche bronzene Cande-\nlaber; diese verbreiten am Abend ein strahlendes Licht, am Tage\nist das Treppenhaus von oben erhellt. Die in bedeutender Höhe über\nden Raum gespannten sieben Sterngewölbe haben eben so viele kreis-\nrunde Oeffnungen, die, mit farbigem, gemustertem Glase bedeckt, dem\nTageslichte den Zutritt geben; diese Beleuchtung hat einen eigen-\ntümlichen Reiz. Der Fussboden der Podeste ist mit farbigen Flies-\nsen bedeckt, die, kunstvoll in einander. gefügt, reiche Teppichmuster\nzeigen. An den beiden Enden des Treppenhauses zeigen die Fliessen\ndas Wappen der Stadt, in der Mitte des Treppenhauses, zugleich\nin dem Centrum des ganzen Gebäudes, unmittelbar vor der mittle-\nren, zum grossen Saale führenden Hauptthür, ebenfalls aus farbigen\nFliessen bestehend, das Landeswappen in grossartigem Maassstabe:\nder schwarze Adler, umgeben von den Wappen der Provinzen.\nDrei grosse, spitzbogige Flügelthüren von Nussbaumholz in rei-\ncher Ausführung, mit farbigen Gläsern in Mosaikmustern verglaset,\nführen aus dem Treppenhause, zwei andere aus den Nebensälen zum\ngrossen Festsaale.\nDer Anblick, der liier dem Eintretenden sich entfaltet, ist ein\nwahrhaft grossartiger; eine Halle von aussergewöhnlicliem Maass-\nstabe (die Länge des Saales beträgt 169, die Breite 71, die Höhe\ndes mittleren Schiffes 46 rheinische Fuss), von gewaltigen Verhält-\nnissen zeigt sich in reicher Holz-Architektur.\nZweiundzwanzig schlanke achtseitige Pfeiler, durch Spitzbogen mit\neinander verbunden, reich gegliedert durch zierliches Maasswerk,\numschliessen einen mittleren Raum und bilden rings herum an den\nUmfassungswänden einen geräumigen Umgang. Die Decke, auf den\nSäulen ruhend, erhebt sich über dem Mittelraum zu bedeutender\nHöhe, und zeigt, der Dachlinie in schräger Richtung folgend, eine\nreiche Holz-Construction; über dem Seitenumgang gestaltet sich die-\nselbe als flache, jedoch nicht minder reich gegliederte Balkendecke,\ndie zugleich den Fussboden der Galerieen bildet. Letztere, an den\nbeiden Langseiten in bescheidener Höhe, gewinnen an den beiden\nkurzen Seiten des Hauses an Bedeutsamkeit.\nDer Fussboden ist von Eichenholz, in grössere Felder getheilt\nund mit Friesen von Mahagoniholz eingefasst. Rings an den Wän-\nden entlang laufen Sitzplätze nach Art der mittelalterlichen Chor-\nstühle, in Eichenholz reich geschnitten, auf mehreren breiten Stufen\nerhaben. Darüber ist die Wand mit hohen Boiserieen von Eichenholz\nbedeckt.\nDie Fenster in den Wänden, eben so wie die in der Decke an-\ngebrachten, sind einfach gehalten, in zierlichen Mosaikmustern von\nweissem Glas, umrahmt von farbigen Bandverzierungen; in den kla-\nren Theilen sehen wir die Wappenschilde aus der Zeit der ersten\nErbauung, das Reichswrappen, umgeben von dem Stadtwappen, dem\nsich, nach dem neuen Bau hinweisend, die Wappen der Herzogtü-\nmer Cleve, Jülich, Berg und Mark, andererseits die Wappen der\nZünfte anschliessen.\nDie beiden alten Kamine sind vortrefflich restaurirt.\nVon der Decke herab hangen acht grosse vergoldete Liistres zu\nje 60, an den Säulen ausserdem 48 Armlüstres zu je 6, also mit\nzusammen 768 Flammen, weit hinreichend, den Festraum glänzend\nzu erhellen.\nUeberall sieht man gediegene Pracht, und das Bemühen, den\nBau stylgerecht und im Geiste der damaligen Zeit consequent\ndurchzuführen, ist von dem besten Erfolge gekrönt.\nDie Orchesterbühne steigt, von 2 Fuss 9 Zoll über dem Fuss-\nboden anhebend, mittels eilf Stufen von je 3 Fuss Breite und 9 Zoll\nSteigung bis zur Höhe von 10 Fuss 3 Zoll empor, ist 46 Fuss breit\nund 42 Fuss tief. Hinter derselben ist Raum für eine Orgel, welche\nvon dieser Seite den würdigen Schluss bilden wird.\nIm Saalraume sind 1027 numerirte Plätze, die Galerieen und die\nbeiden grossen Logen über und gegenüber dem Orchester fassen 400\nMenschen; auf der Orchesterbühne waren beim ersten Concerte, am\n17. d. Mts., nahe an 400 Personen im Chor (64 Soprane u. s. w.)\nund an den Instrumenten. Im Ganzen waren über 1800 Menschen in\nder Festhalle, überall Fülle und dennoch überall bequeme Behag-\nlichkeit, da die Plätze mit luxuriöser Raumverschwendung einge-\nrichtet sind.\nDas Concert begann mit der fünften Sinfonie von Beetho-\nven, welcher eine sehr gute, im letzten Satze vortreffliche Ausfüh-\nrung zu Theil wurde. Das Erfreulichste aber dabei war für diesen\nAugenblick die Wahrnehmung, dass der Bau des Saales auch in"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "375", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571121-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4049, "texte": "akustischer Hinsicht ganz vorzüglich gelungen war. Die Befürchtun-\ngen in dieser Beziehung waren besonders durch den Bau der Galeriee-n\nentstanden, die nach dem ursprünglichen Plane des Dombaumeisters,\nHerrn Geheimen Rathes Zwirn er, nicht beabsichtigt gewesen, son-\ndern von der Bau-Commission später aus Bedürfniss an Zuhörer-\nPlätzen hinzugefügt worden waren. Wie dringend dieses Bedürfniss\nindess war, hat sich jetzt bei dem zahlreichen Abonnement offen-\nbart, welches alle Plätze im Saale in Beschlag genommen hat. Bei\nder Concert-Probe zeigte es sich nun schon, dass die Galerie den\nKlang nicht hinderte; derselbe war sogar bei leerem Saale zu stark\nwiederhallend. Bei gefülltem aber verschwand der Nachhall, und es\nblieb ein Klang übrig, der sowohl in dem schönen und vollen Ge-\nsammttone des Orchesters und des Chors, als bei jedem einzelnen\nInstrumental- und Yocal-Solo nichts zu wünschen übrig lässt. Am\nprachtvollsten offenbarte sich dies zu Aller Freude bei der glänzen-\nden Aufführung der Oberon-Ouverture von C. M. von Weber\nam Schlüsse der ersten Abtheilung des Concertes, welche einen wah-\nren J übel im Publicum hervorrief, und bei den Chören der „ersten\nWalpurgisnacht\" von Göthe und Mendelssohn, welche die\nzweite Abtheilung füllte.\nNaeh der Sinfonie trat eine junge Sängerin, Fräul. Malwina\nSobolewski, auf, Tochter des rühmlich bekannten Componisten\nund Dirigenten, gegenwärtig in Bremen, den wir durch die Schule,\nwelche seine Tochter bei ihm durchgemacht hat, zugleich als treff-\nlichen Gesanglehrer kennen lernten. Die Stimme ist ein Mezzo-So-\nprau, bei dem die Brusttöne, das Alt-Register bis zum zweigestriche-\nnen d 9 am vollsten und wohlklingendsten sind, während c, f u. s. w.\nzwar ebenfalls ausgiebig, aber bei ganzer Stimme scharf und selbst\netwas rauh klingen, was bei halber Stimme jedoch nicht der Fall\nist. Die Sängerin wird sich daher besonders vor dem Forciren dieser\nTöne zu hüten haben. Ihre Tonbildung ist in jeder Hinsicht,\nMesset di voce, Portamento, vorzüglich und die technische Fertigkeit\nin Coloratur und Triller bedeutend; indess ist der letztere doch nicht\nimmer egal und bedarf noch der vollendeten Abrundung. Sie trug\nden 86. Psalm von Martini, den Hiller für diesen Zweck instru-\ninentirt hatte, sehr schön vor; weniger befriedigte uns die Arie der\nAchsah in D-dur aus Händel1 s Josua, zumal da die Sängerin den\nenglischen Text sang. Das Princip, den Text zu singen, auf wel-\nchen ein Gesang ursprünglich componirt ist, hat auch seine Grän-\nzen ; das Englische ist die unmusicalischste Sprache, und nur die\nNotwendigkeit, d. h. vor Eng.ändern, kann ihren Gebrauch im Con-\ncerte rechtfertigen, zumal in der gewählten Arie, wo von deklama-\ntorischem Ausdruck gar nicht die Rede ist, sondern nur von Male-\nrei und Coloratur. Die Sängerin ärntete grossen Beifall und wurde\ngerufen.\nZwischen den beiden Gesangstücken alter Schule spielte Herr\nConcertmeister Grunwald eine neue Composition von F. Hill er,\n'ein Coneert für Violine, in welchem er eminente Fortschritte in Ton,\nFertigkeit und Ausdruck bekundete, mit Beifall und Hervorruf ge-\nehrt wurde. Die Composition ist mehr eine Phantasie für Orchester\nmit obligater, übrigens sehr schwieriger Violinstimme, als ein Violin-\nConcert; der schönste Theil derselben ist das Adagio, nur dass auch\ndieses, wie überhaupt das ganze Coneert, zu lang ist. Der erste\nuud letzte Satz, beide schwunghaft geschrieben, sind doch nicht frei\nvon Längen, deren Beseitigung ihre Wirkung gewiss wesentlich er-\nhöhen würde.\nDie Ausführung der „Walpu rg is nach tft war recht schön.\nDer Einsatz des Frauenchors nach dem ersten Aufruf des Tenors\nmachte durch den wunderbaren Klang, der die Frische der Stimmen\nin ihrem vollen Glänze leuchten liess, gleich von vorn herein einen\nhöchst überraschenden Eindruck, der sich bei dem vollen Chor, in\nden letzten Nummern namentlich, zu einem prachtvoll erhabenen\nsteigerte. Auch der Vortrag der Soli (Fräul. Pels-Leusten\nAlt, Herr Göbbels Tenor, Herr Schiffer Bariton) wurde\ndurch die treffliche Akustik des Saales wirksam gehoben."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-11-21-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-11-21_01#c004", "volume": "bmtnabi_1857-11-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "375", "page_fin": "376", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571121-01.2.4", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "375", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571121-01.1.7", "debut_caractere": 4051, "fin_caractere_exclue": 6839, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMan schreibt uns ans M.- Gladbach unterm 16. November :\n„Gestern feierte der hiesige Sing-Verein sein diesjähriges Stif-\ntungsfest durch die Aufführung des Oratoriums Paulus von Men-\ndelssohn-Bartholdy. Die Aufführung eines so grossen und herrlichen\nWerkes war für Gladbach und den jungen strebsamen Verein unter\nden dortigen Verhältnissen ein Ereigniss zu nennen, und erfüllt der\nBerichterstatter mit Freuden die Pflicht, öffentlich zu bekunden, dass\nder Erfolg ein über alle Erwartung günstiger gewesen ist. Das Pu-\nblicum hatte sich in dem schön geschmückten Concertsaale zahlreich\neingefunden und lauschte in andächtiger Stimmung dem Vortrage\ndieses ungewohnten Werkes, welches unter der umsichtigen, ruhigen\nund präcisen Leitung des Dirigenten Herrn Julius Langen mit\nvielem Feuer und Begeisterung wie aus Einem Gusse zur lebendigen\nDarstellung gebracht wurde. Rauschender Beifall lohnte dieses schöne\nStreben, und eine ehrenvolle Anerkennung wurde dem Dirigenten,\ndem Orchester und dem Vereine zu Theil. Die Aufführung war im\nGanzen genommen eine gelungene und des Werkes würdige. Soli\nund Chöre gingen präcis und entwickelten eine Wirkung, wie man\nsie sonst nur bei grossen Aufführungen wahrnimmt.\n„Dieser Erfolg ist für Gladbach um so ehrenvoller, als die dorti-\ngen musicalischen Verhältnisse nur einen bescheidenen Aufwand von\nMitteln Und Kräften gestatten, und Orchester und Chor bisher wenig\nGelegenheit hatten, ihre Kräfte und Schwingen an grösseren Werken\nzn üben.\n„Die bekannte Viereck sehe Capelle aus Crefeld hatte aus Ge-\nfälligkeit das Orchester übernommen und durch ihre Leistung we-\nsentlich zum Gelingen des Ganzen mit beigetragen. Die Soli waren\nin den Händen der Concertsängerin Fräul. Thelen aus Düsseldorf\n(Sopran), Fräul. Funke aus Rheydt (Alt) und der Herren Junker\n(Tenor) und Bornefeld (Bariton) aus Gladbach. Alle ärnteten lo-\nbende Anerkennung und rauschenden Beifall Der junge Verein und\nsein Dirigent haben sich durch die an den Tag gelegte Lust und\nLiebe zur Kunst, Fleiss und Ausdauer, so wie durch die ganze An-\nordnung Dank und Anerkennung erworben, und mit Freuden sehen\nwir, wie die Tonkunst überall am Rheine neue Zweige treibt.\"\nMs&iliz, 10. November. Der hiesige Verein für Kunst und Lite-\nratur veranstaltete am 6. d. Mts. im grossen Casinosaale unter Lei-\ntung des Herrn Capellineisters F. Lux das erste Coneert der dies-\njährigen Saison. Eröffnet wurde dasselbe durch die dritte Sinfonie\n('C-moll) von L. Spohr, die dem zahlreich versammelten Publicum\nin abgerundeter Form vorgeführt wurde und ungetheilten Beifall er-\nhielt. Herr M. Wolff aus Frankfurt am Main spielte hierauf mit\nvollendeter Technik das Violin-Concert von Beethoven und nach-\nher die Fanlaisie militaire von Leonard. Dann folgte die Adelaide"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "376", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571121-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4745, "texte": "von Beethoven, sehr schön gesungen von Herrn Zellmann, ly-\nrischem Tenor beim hiesigen Stadttheater, und als Glanzpunkt des\nAbends die Ouvertüre und der Chor der Verschworenen aus Spon-\ntini's Ferdinand Cortez, vorgetragen vom mainzer Männergesang-\nVerein und Herrn Zellmann als Cortez. Die Aufführung des Ganzen\nkonnte in jeder Beziehung eine gelungene genannt werden, und gab\nsich dieselbe auch von Seiten des Publicums in dem reich gespen-\ndeten Beifalle als solche zu erkennen.\nDie Liedertafel hat am 9. d. Mts. ihre Concerte unter Lei-\ntung ihres Dirigenten Herrn F. Marpurg eröffnet. Die Haupt-Auf-\nführung war Mendelssohn1 s Sinfonie-Cantate „Lobgesang\".\nAuch zu sechs Soireen für Kammermusik haben sich die Her-\nren F. Marpurg, Concertmeister Heinefetter, Diehl, Horn u. s. w. ver-\neinigt. Nach der Ankündigung des Herrn Marpurg soll das Pro-\ngramm „prineipiel\" geordnet werden: aus der classischen (Haydn,\nMozart und Beethoven der ersten Periode), der romantischen (Beet-\nhoven der zweiten und dritten Periode, F. Schubert und R. Schu-\nmann), c'er etwa so zu benennenden Restaurations-Periode\n(in Anbetracht ihres Fortbaues in den überlieferten Formen, gegen-\nüber den durch Beethoven eröffneten neuen Bahnen Mendelssohn,\nSpohr, Onslow, Hummel und Andere.)\n[Versprochen werden ein Quartett (welches?) von Prinz Louis\nFerdinand, Quartett und Quintett von Schumann, ~vor Allem aber Op.\n127 und 131 aus Beethoven's letzter Periode, deren Werke den\nSchlüssel liefern zu jenem wunderbaren Labyrinth ga wohl!)\nunserer neueren romantischen Musik, als deren Hauptträger nächst\nBeethoven wohl zu nennen sind: Schubert, Schumann, Wagner, So-\nbolewski, Rob. Franz, Liszt, Gade, Raff und Andere.\"\nSo weit Herr Marpurg; vorläufig ist uns aber der Schlosser lie-\nber, als die Bewohner des Labyrinthes; den Schlüssel hat er ihnen\nfreilich gegeben, und sie sind hineingestürmt, aber den Faden der\nAriadne, um sich aus dem Labyrinthe heraus und zur heimlichen\nWerkstätte des alten Schlossers zurück zu finden, hat noch Keiner\nentdeckt.\nAm 2. d. Mts. führte Herr Capellmeister\nC. Mangold mit der Dilettanten-Gesellschaft ein neues Orato-\nrium von seiner Composition, genannt „Fridjof\", im Casinosaale\nauf. Ein aufrichtiges Referat darüber, wie mich die Composition an-\ngesprochen hat, muss ich kurz in die Worte fassen: einige Chöre\nsehr gut, Anderes minder gut; das Ganze jedoch gehört zu der Gat-\ntung, welche Voltaire die schlimmste genannt hat, zum Genre en-\nnuyeux besonders die Solosachen, deren langweilende Wirkung\nnicht bloss an der theilweise mitielmässigen Ausführung lag. Herr\nMangold scheint sich mit Ausnahme der Chöre öfters des\nünstiles der so genannten Zukunftsmusik befleissigt zu haben. Dazu\nwird heutzutage der Mangel an Erfindungsgabe in melodischer Hin-\nsieht leider nur allzu häufig die Veranlassung.\nHamburg, 8. November. Die Theilnahme, mit welcher das\nPublicum die bisherigen Concert-Unternehmungen des Herrn G. D.\nOtten behandelte, hat zur Gründuug eines Hamburger Musik-\nVereins geführt, der sich das Studium und die Aufführung guter\nMusik ohne Beschränkung zur Aufgabe macht. Dieser Verein hat\ndie von Herrn Otten begründeten grossen Concerte sich zu eigen\ngemacht und wird deren vier in diesem Winter geben. Der Verein\nhält wöchentliche, regelmässige Chor-Uebungen und beabsichtigt,\nausser den Concerten auch kleinere Aufführungen vor grösseren Pri-\nvatkreisen zu geben. Die lobenswerthe Absicht geht dahin, aus dem\nabgeschiedenen Dunkel von immerwährenden Privat-Uebungen in öf-\ntere und lebendigere Wechsel Wirkung mit dem Publicum zu treten.\nSo wird es leichter wer len, gute Musik, d. h. vorzugsweise deutsche\nWerke für Chor und Orchester in stets grösseren Kreisen zu ver-\nbreiten. Die Sache hat einen solchen Anklang gefunden, dass die\nerste Gesang-Uebung mit ungefähr hundert Mitgliedern, d. h. singen-\nden, und zwar trefflichen, eröffnet werden konnte.\nDie vier Concerte haben mit dem ersten am 24 October begon-\nnen. Das Programm enthielt: I. 1) Eroica. 11. 2) Leonoren-Arie aus\nFidelio in E-dnr. 8) Ouvertüre, Einleitungs-Chor, Tanzmusik und\nerstes Finale aus Euryanthe. 4) Zwei Lieder von Schubert, Auf dem\nWasser zu singen, und Gretchen am Spinnrad. 5) Ouvertüre zu Lo-\ndovisca von Cherubini. Die Soli für Sopran sang Frau von Milde\naus Weimar ausgezeichnet schön. Sie hat mit allen vier verschiede-\nnen Leistungen den glänzendsten Erfolg gehabt.\nDie drei anderen Concerte werden am 28, November, am 20.\nFebruar und am 27. März Statt finden. In den folgenden Concerten\nsollen auftreten: Concermeister Joachim, Capellmeister Bott aus Mei-\nningen, Herr Hardtmuth, Bariton von Braunschweig, und Herr Nie-\nmann, Tenorist von Hannover Endlich steht zuletzt die Betheiligung\nvon Frau Bürde-Ney aus Dresden in Aussicht."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "369", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571121-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nC. M. von Weber's „Euryanthe\". Nach Dr. H. Döring's Biographie Weber's. Erstes Gesellschafts-Concert in Köln iui\nHauptsaale des Gürzenich. Tages- und Unterhaltungsblatt (M.-Gladbaeh, Stifungsfest des Sing-Vercins Mainz, Erstes Ver-\neins-Concert, Liedertafel, Soireen Darmstadt, neues Oratorium Hamburg, Musik-Yerein, Coneerte.)\n\nC. M. von Weber’s „Euryanthe“.\nWir theiien unseren Lesern einige anziehende Einzel-\nheiten über die Entstehung von Weber's Euryanthe aus\nderselben, in voriger Nummer angegebenen Quelle aus-\nzugsweise mit.\nNoch im Jahre 1821 lernte Weber den jungen Dich-\nter Ludwig Reilstab kennen. Den Plan, ein Opernbuch\nvon ihm in Musik zu setzen, vereitelten die Umstände.\nWeber erhielt nämlich vom Hoftheater zu Wien den Auf-\ntrag, lür dasselbe eine Oper zu schreiben. Die Sache war\ndringend; er wusste nicht, dass Rellstab noch in Böhmen\nwar, und da er den Dichter der neuen Oper in der Nähe\nhaben wollte, so wandte er sich an Helmina v. Chezy\nin Dresden selbst. Wir erfahren jedoch aus Döring's Bio-\ngraphie, dass Rellstab bei den Vorschlägen, die der Com-\nponisl der Dichterin zu mancherlei Abänderungen machte,\ndie Hand mit im Spiel halte. In wie weit er auf die End-\ngestaltung des Buches wirklich einwirkte, bleibt indess zwei-\nfelhaft.\nEine merkwürdige Entschuldigung für so manche Här-\nten in der Form des Textes gewährt folgender Brief We-\nber's an die Dichterin:\n„Es ist nichts mit den vielen Personen; wir können\nnur fünf handelnde Personen aufstellen, denn die Euryanthe\nmuss über alle Bühnen gehen. Es gibt deren viele, wo\nman mit knapper Noth einen Sopran, einen zweiten Sopran,\neinen Bass, einen Tenor und einen Bariton zusammenbringt.\nMit d em Pomp müssen wir es so einrichten, dass man ihn\nin Fülle anbringen, aber dass man ihn auch weglassen kann.\nBei kleinen Theatern wirft man dann den Spektakel weg.\n„Suchen Sie Sich einen anderen Namen aus. Ger-\nhard kann ich nicht componiren. Nur einen recht musica-\nliscben, der in a schliesst, wenn's sein kann. (Helmina v.\nChezy schlag ihm den Namen Adolar vor, der ihm sehr\ngefiel.) Euryanthe ist auch ein recht musicalischer\nName, aber hier und da etwas lang lür die Composition.\nEs heisst ja im alten Text Eiriant; wir können wech-\nselndabkürzen, wie es sich findet. Und nun, was die Dich-\ntung betrifft, so beschwöre ich Sie, schneiden Sie die Verse\nnicht nach dem Opern-Schlendrian zu; bieten Sie Ihre ganze\nPhantasie, Ihre ganze Kunstfertigkeit auf, und schonen Sie\nmich nicht. Thurmen Sie Schwierigkeit auf\nSchwierigkeit, sinnen Sie auf Sylbenmaasse,\nüber die man verzweifeln könnte. Das wird mich\nbefeuern, mich beflügeln. Die Euryanthe muss ganz etwas\nNeues werden, muss ganz allein auf ihrer Höhe stehen. Es\ngibt Verse, die so ganz Musik sind, dass die Musik daran\nscheitert. „„Ich bau' auf Gott und meine Euryanth!\"\"\ndas soll mir wie ein belebender Hauch durch die ganze\nComposition wehen und schon in der Ouvertüre anklingen.\"\nDessen ungeachtet gab es Augenblicke, wo ihm vor dem\nErfolg der neuen Oper bange war. Ueber die Nachrichten,\ndie von dem fortwährend sich steigernden Beifalle des Frei-\nschütz einliefen, schien Weber mehr bestürzt, als erfreut.\n„Das alles zu überbieten,\" schrieb er, „ist nun die Auf-\ngabe, und das ist mir schrecklich.\" nO die Wehen!\" rief\ner ein ander Mal aus, „die Wehen! Niemand ahnt, wie sich\ndie Lebenskraft darin verzehrt, Niemand weiss es uns\nDank!\"\nWie Weber in solcher Stimmung sehr reizbar war,\nschilderte Helmina v. Chezy in späteren Jahren mit den\nWorten: „Ich halte es nicht gleich weg, dass Weber der\nEuryanthe in der Musik eine durchaus ideale Haltung zu\ngeben beabsichtigte und dass sie hoch über dem Freischütz\nin einer hellen, leuchtenden Atmosphäre schweben sollte.\nIch wollte sie volksmässig gestalten und erinnerte ihn\ndaran, dass der Freischütz eben durch Volkstümlichkeit"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "370", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571121-01.1.2", "texte": "so ergreifend sei. Weber verstand, ich meinte, er könne\nsich nicht dahin erheben, wohin er strebe, und müsse in\njener Sphäre bleiben. Er war darüber höchst bestürzt und\nverliess mich im aufgeregtesten Zustande. Ich schrieb ihm\ngleich und muss ihn überzeugt haben; denn ich erhielt\neinige Zeilen voll Herzlichkeit und Beruhigung.\"\nAm Neujahrs-Abende hatte Helmina v. Chezy die erste\nVersion der Euryanthe vollendet. Weber erbot sich, selbst\ndie Abschrift zu machen. „Ich muss\", äusserte er, „recht\nviel mit Einem Blicke übersehen können. Ich schreibe mir\ndie ganze Dichtung auf Einen Bogen.\" Die Dichterin kam\nihm jedoch zuvor und überreichte ihm eine zierliche Copie,\ndie er nach Wien mitnahm, wo er den Freischütz zu diri-\ngiren hatte und das Manuscript der Euryanthe der Censur\nüberreichen musste. Mit rauschendem Beifall ward dort\nder Freischütz aufgenommen und fünf Mal bei übervollem\nHause gegeben. Weber's Briefe aus Wien athmeten die\nheiterste Stimmung. „An dem Abende,\" erzählt Frau v.\nChezy, „als Weber wieder nach Dresden kam, war ich bei\nseiner Gattin zum Besuche, um mich nach ihm zu erkun-\ndigen. Wir hörten einen Wagen anhalten und eilten beide\nhinunter, dem Ankömmling entgegen. Eben stieg er aus.\nSchluchzend hing Weber's Gattin <an seinem Halse, so gut\ndies vor all den Kränzen, Bändern und Sträussen möglich\nwar, die er in beiden Armen hielt. Er gab sie uns und\nholte noch die übrigen aus dem Wagen, lür die er die\ngrösste Sorgfalt empfahl. Heiter und gesund war er zurück-\ngekehrt. Die Dichtung hatte glücklich die Censur passirt.\nNach allem, was Weber von Wien erzählte, äusserte ich\nden Wunsch, einmal dorthin zu reisen. Sie würden Sich\nzu Tode ärgern! rief Weber lebhaft. Die Censur ist omi-\nnös! Glauben Sic mir, Sie dürften da sein und in die Zei-\ntung setzen wollen, Sie wollten drei Truthühner kaufen, so\nstreicht Ihnen die Censur zwei und sagt: Was will die Frau\nmit drei Truthühnern in ihrer kleinen Haushaltung?\"\nAul der Reise nach Wien im Wagen hatte Wpber\nVieles aus der Euryanthe componirl. Dabei war ihm die\nNotwendigkeit einer Umarbeitung der genannten Oper\nklar vor Augen getreten. In einem' Gespräche mit der Dich-\nterin, die dem Werke einen versöhnenden, durchaus heite-\nren Schluss gegeben hatte, kam Weber wieder auf eine\nfrühere Idee zurück, nach welcher Lysiart und Eglantine\nzu Grunde gehen müsslen. Seine Wünsche in Bezug auf die\nUmformung der Oper enthielt eine Art von Scenarium, das\ner der Dichterin am 9. April 182*2 brieflich mittheilte.\n„liier folgen,\" schrieb er, ,Ihrem Wunsche gemäss,\nmeine Gedankensplitter. Lysiart's und Eglantine's Erschei-\nnen verjagt die Landleute. Adolar bleibt. Terzett: Heftiger\nZank. Verschiedene Grobheiten. Adolar als eontraslirende,\ndumpfe Gegenstimme. Lysiart's Hohn erbittert Eglantinen,\nso dass sie Alles verrathen und sich mit ihm verderben\nwill. Lysiart, frech entschlossen, 'zieht den Dolch gegen sie;\nsie ruft Hülfe, flieht, Adolar springt hinzu, doch die That\nist geschehen. Den Kampf zwischen Adolar und Lysiart\nverhindert das herbeiströmende Volk. Die sterbende Eglan-\ntine bekennt kurz, ihre That, mehr Euryanthens Unschuld\nals ihre Schuld bezeugend. Bei dem letzten Worte tritt der\nKönig mit Gefolge hinzu, Adolar ihm entgegen: „ „Unschul-\ndig ist die Geliebte\"\" u. s. w. Der König schickt den Ly-\nsiartzumTode. Chor: „ „Heil dem König*\" u.s.w. Adolar\nstürmt zu ihr, der Chor eben so voll Freuden. Der König\nsteht ernst und entsch'ossen und tritt plötzlich mit einem:\n„ „Halt ein!\" \" dazwischen. „ „Der Freude Laut verstum-\nme, gebiete männlich deinem Schmerz\" \" u.s.w. Euryanthe\nist nicht mehr. Ausruf des Schreckens. Tiefe Stille. Trauer-\nmusik von fern. Euryanthe auf einer Bahre, mit Rosen\ngeschmückt. Adolar zu ihren Füssen. Sanfter Chor in we-\nnig Worten. Alles ist über sie gebeugt. Emma's Geist, von\nAllen ungesehen, schwebt über Euryanthen weg. Euryanthe\nschlägt die Augen auf u. s. w., und die Sache ist aus und\ngut. Könnt' ich doch auch so schon nach der ersten Vor-\nstellung sagen!\"\nWeber's Wünschen suchte die Dichterin möglichst\nnachzukommen. Sie gab ihm dieses Versprechen in seiner\nländlichen Wohnung zu Hoslerwilz. „Ich sehe es noch vor\nmir,\" schrieb sie. „das friedliche, kleine, dicht umgrünte\nHaus mit seinen einfach eingerichteten, weissgefüncbten,\nländlichen Zimmern. In dem einen stand unweit des Fen-\nsters Weber'« Cla\\ier. Die hohen Baumwipfel griissten säu-\nselnd hinein, ihre Aesle voll zwitschernder, singender Vögel.\nWeber war an jenem Tage ungemein heiter und mitthei-\nlend. Er erzählte seine ganze Jugendgeschichte mit der lie-\nbenswürdigslen Hingebung und ganz liinreissend, lebendig\nund feurig. Wir sprachen >on dem Freischütz, der wieder,\nich weiss nicht mehr, wo, mit grosser Pracht gegeben wor-\nden war. „ .Ja.\" u sagte Weber, „ „auf die Ausstattung\nwenden sie schon et was, das alles wird uns abgeknappt.\" \"\nWas ich ihm von dem Eindruck, den die Musik in der\nWolfsschlucht auf mich gemacht, aussprach, ergriff ihn tief.\n„ „Wenn nur Jemand\" \", rief er, „ „ solche Worte drucken\nliesse! wenn ich nur sähe, dass Alle verständen, was ich\ngewollt!\"\" Ich versprach ihm, über den Freischütz zu\nschreiben. * „Einen Jägerchor muss ich haben!\" * rief er\nmir noch vor dem Hause beim Abschiede nach.\""}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "371", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571121-01.1.3", "texte": "Angenehm überrascht ward Weber um diese Zeit, bald\nnachdem er von Hosterwitz wieder nach Dresden zurück-\ngekehrt war, durch ein Schreiben seines vieljährigen Freun-\ndes Gottfried Weber in Darmstadt. „ Wie soll ich Dir\",\nschrieb er den 22. April 1822, „die Freude schildern,\nmit der Dein lieber Brief mich so unerwartet überschüttete!\nSo mancher herrliche unverdiente Erfolg, den mir der Him-\nmel geschenkt, hat mich nicht so erfreut und durch und\ndurch belebend aufgeregt und erheitert. Du kannst mich\nnur dann begreifen, wenn Du weisst, wie unendlich lieb\nich Dich habe, und dass ich Deine Liebe ganz für mich ver-\nloren glaubte. Gott sei Dank, dass es nicht so ist! Du bist\nwieder der Alte; ich habe es nie aufgehört zu sein, und\nich möchte Dich nur da haben, um Dir so recht aus voller\nSeele zeigen zu können, welchen wahrhaften Liehtblick Du\nmeinem Leben wieder gibst. Aber wo soll ich anfangen,\nwo aufhören? Es wird eine Weile brauchen, ehe man sich\nnur wieder das Notwendigste erzählt hat. Es ist gar lange,\nlange Zeit verflossen! Doch nun will ich erst Deinen Brief\nbeantworten, und dann noch hinkratzen, was mir eben ein-\nfällt. Habe Dank für Deine Zufriedenheit mit meinem Frei-\nschützen. Des Beifalls tüchtiger Männer, die ich ehre und\nanerkenne, bedarf ich, um mich weiter zu ermuntern und\nzu kräftigen. Es wird mir manchmal ganz angst bei der\nHöhe, auf die sich der Beifall hinaufgewirbelt hat, und ich\nmeine immer, es müsse nun wieder abwärts gehen. Nun,\nich werde ehrlich meinend meinen Weg weiter verfolgen,\nwie bisher, und thun, was ich nicht lassen kann. Meine\nnächste Reise geht wieder nach Wien zur Aufführung mei-\nner neuen grossen Oper Euryanthe. Dann muss ich wohl\nein Jahr lang still sitzen und ach! wer weiss denn,\nwie lange man lebt?\"\nAm 13. Mai 1822 schrieb er: „Stelle Dir vor, dass\nmeine Fraa uns den Possen gespielt hat, unsere Rechnung\nzu nichte zu machen. Um vier Wochen zu früh niederge-\nkommen, hat sie mir den 25. April einen gesunden Kna-\nben glücklich geboren. Der Kerl heisst, nach der Mutter\nWillen, Max, da denselben Abend meine Oper gegeben\nward. Wenn ich nun nur nicht auch so dumm bin und\nt\nfrüher sterbe, wie Du. Und meiner Seel'! das glaub' ich\nfast sicher.\"\nDie auf seinen Wunsch umgearbeiteten Scenen der\nEuryanthe halte Weber vor einiger Zeit empfangen. Was\ner daran zu loben fand oder anders wünschte, gestand er\noffen in einem Briefe an die Dichterin, dalirt aus Dresden,\nvom 11. November 1822. „Herzlichen Dank\", schrieb\ner, „für das Treffliche, was Sie mir überschickten. So wird\ndie Sache, wie sie sein muss, und besonders Eglantine ge-\nwinnt unendlich an Wahrheit, Interesse und Neuheit. Sie\nhaben mir erlaubt, meine Meinung zu bemerken. Hier\nkomme ich mit dem, was ich noch wünsche, u. s. w. an-\ngezogen. Das Mailied ist ein wahres Maiblümlein; der Him-\nmel schenke mir eine seiner würdige Weise. Adolar jam-\nmert mir ein wenig zu viel und nicht ganz männlich; hier\nbraucht's aber nur Zusammenziehen, und das haben Sie\nmir ja vergönnt. Die Scene, die jetzt kommt, wollen\nwir doch ja behalten, wie sie ist. Die andere Leseart möchte\netwas übereilt erscheinen. Lysiart wünschte ich etwas mehr\nbeschäftigt. Dem Chor wünschte ich kurze, kräftig\ndonnernde Worte gegen Lysiart. „„Trotze nicht, Verruch-\nter!\" * u. s. w. Zwischen diesen Sturm nun tritt der Kö-\nnig u. s. w. Den scheinbaren Tod der Euryanthe kann ich\nmir noch nicht nehmen lassen. Das ist ja auch eine ganz\nandere Situation, wie im Freischütz. Da fällt mir eben\nnoch ein, dass es mir schauerlicher dünkt, wenn der Hoch-\nzeitszug bloss unter einem Marsch ohne Chor käme. Ein-\nzelne Aeusserungen des Abscheues der vorn gruppirten\nLandleute, dazwischen Freudenklänge, Drängen, eben so\nAdolar's mit Mühe zurückgehaltene, Wuth. Was meinen\nSie dazu?\"\nEr war unerschöpflich in neuen Bemerkungen und\nIdeen, welche die früheren verdrängten. „Sie haben mir\",\nschrieb er den 28. November 1822 an Frau v. Chezy,\n„wieder viel Schönes geschickt, und ich habe nun Mate-\nrialien in Menge. Aber ganz, wie es ist, kann es nicht blei-\nben. Ich bescheide mich zwar, dass diejenigen, deren Ur-\ntheil Sie es unterwerfen, treffliche Dichter sein mögen, aber\nMusiker und Dramatiker sind sie wohl schwerlich. Ich\nwerde Ihnen das Ganze schicken, wie ich es am wirkend-\nsten glaube. Alles mit Gründen zu belegen, würde mich\nBücher schreiben machen. Nun zur Beantwortung mancher\nEinzelheiten. Ihre nachgesandte Abkürzung der Scene zwi-\nschen Euryanthe und Adolar hatte ich schon buchstäblich\nso vorgenommen. Eben so hatte ich längst wieder das alte\nGebet hergestellt, und freute mich sehr, dass Sie nun selbst\nauch es wollen. Lys:art's Abführung zum Tode ist aller-\ndings kalt. Aber sein Fall durch Adolar und Eglantinens\nSelbstmord schnell darauf ist gewiss unangenehm wirkend.\nLysiart muss Eglantinen tödten und sich selbst noch dem\nKönige mit Trotz entgegenstellen und, allenfalls kämpfend,\nsich durchschlagen wollend, abgehen, damit wir ihn helden-\nmässig bis zuletzt hallen und doch seine Bestrafung hoffen\nkönnen. Der Wahnsinn Eglantinens war in der ersten\nSendung trefflich, in der zweiten schon viel zu breit und"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "372", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571121-01.1.4", "texte": "an Ophelien erinnernd. Mit dem Mondscheinlicht ist es auch\nnichts. Haben Sie vergessen, dass der Act so anfängt? Das\nkönnen wir nicht wiederholen u. s. w. Verzeihen Sie\nmein fragmentarisches Gekratze und den Tadel, den ich mir\nerlaube, und der vielleicht gar unfreundlich aussieht, aber\ngewiss nicht so gemeint ist. Uebrigens geht es mir besser,\nals ich erwarten konnte, bei den unglaublichen Fatiguen,\ndie ich habe. Schliesslich möchte ich Sie noch recht drin-\ngend bitten, unser Werk nicht so Vielen mitzutheilen. Sie\nsind arglos. Ich jedoch habe schon bittere Erfahrungen ge-\nmacht. Man erlaubt sich Urtheile im Voraus, ohne ein Recht\ndazu zu haben, das nur aus dem Ganzen hervorgeht.\"\nDie am Schlüsse dieses Briefes geäusserten Besorgnisse\nWeber's waren nicht grundlos. Wenige Tage später, den\n2. December 1 822, schrieb er seinem mehrjährigen Freunde\nGottfried Weber: „Das ist doch höchst traurig, dass\ndie Menschen ungestraft Diebe sein dürfen. Eben hat ....\ndie Partitur meiner Oper nach England geschickt. Wenn\nDu überzeugt bist, dass auf dem Wege Rechtens nichts\nanzufangen ist, so kann ich die Spitzbuben doch in öffent-\nlichen Blättern als solche erklären. Schreibe mir doch Deine\nMeinung hierüber.— Ich habe hier in Dresden viel gelitten,\nviel gekämpft, und weiss nun wenigstens klar, wie ich hier\nstehe, und hoffe nichts mehr, als was mir gewiss ist. Das\nginge nun an einem fremden Orte wieder von vorn an. Ich\nhabe hier Zeitlebens 1800 Thlr. schwer Geld vor der Hand.\nDieses Gehalt kann sich wohl auch erhöhen. Der Dienst\nist oft beschwerlich, aber einige Monate Urlaub sind nicht\nschwer zu erlangen.\"\nDurch seine damalige Kränklichkeit ward Weber von\neiner Reise nach Berlin abgehalten. Dort erwartete ihn die\nfünfzigste Vorstellung seines Freischützen, die am 29. De-\ncember 1822 Statt fand. Das Jubiläum seiner Oper zu\nfeiern, war ihm nicht gegönnt. Er konnte der Vorstellung\nnicht beiwohnen, zu der ihn der Intendant der berliner\nBühne, der Graf von Brühl, eingeladen hatte. An die\nFreunde und Verehrer, die sich nach Beendigung der Oper\nzu einem Festmahle versammelt hatten, richtete Weber das\nnachfolgende Schreiben: „Wenn ja der Wunsch zu billigen\nwar, des Fortunatus YVünschhütlein zu besitzen, so konnte\ner gewiss Niemandem weniger verargt werden, als mir Ar-\nmen, Reichen wegen des Grundes seiner Verzweiflung,\nBeneidenswi'irdigen. Durch eine Reihe von Jahren habt\nihr, theure Versammelle, mir so zahllose Beweise inniger\nTheilnahme, hebender Nachsicht und treuer Freundschaft\ngegeben, habt den oft wunderlichen Kauz so gern gehät-\nschelt, ermuthigt, erhoben und ihm die rauhe Bahn zu\nebnen gesucht, dass er es wohl für eine seiner schönsten\nFreuden auf Erden hallen dürfte, den Abend, den ihr sei-\nnem Andenken weiht, durch des Wünschhütleins Macht\neine Stunde in eurer Mitte hausen zu dürfen, um in seiner\ntreuen Umarmung euch fühlen und in seinen Augen euch\nlesen lassen zu können, wie über Alles wohlthuend ihm\ndiese Erneuerung so manches unvergesslichen Abends ist,\nder einwirkend auf sein ganzes Sein war. Da es nun\naber nichts hilft, dass ich singe: „„Wenn ich ein Vöglein\nwär'\" • u. s. w. oder: „ „Samiel, hilf!\"u rufe, welches ich\nvollends für gar nichts halte, so weiss ich doch, dass ich\nder Fortunatus, wenn auch ohne W7ünschhüllein, bin. Denn\nman zeige mir doch einen Weber, der solche billige und\nihn liebende Kaufherren hat, als ich, die mit dem Herzen\nempfangen, was das Herz gegeben, und die somit auch\naus diesen wenigen Zeilen den innigen Dank und die un-\nwandelbare Treue für sie herausfühlen werden, die kein\nWort und kein Ton wieder zu sagen im Stande sind, die\nnur das Leben bewährt und auch nur mit ihm von mir\nscheiden werden.\"\nDie Aufführung der Euryanthe fand am 10. October\n1823 in Wien unter Weber's Leitung Statt. Er schrieb\nan G. Weber den 1 5. December: „Die Wirkung, die diese\nOper hervorbringt, war ganz so, wie ich sie mir gedacht\nhatte. Meine übertriebenen Freunde gaben diesmal meinen\nFeinden die Hand, indem beide lächerlicher Weise verlang-\nten, dass die Euryanthe eben so die Masse anziehen solle,\nwie der Freischütz. Wie thöricht! Als ob, sans comparai-\nson, eine Iphigenie, ein Don Carlos irgendwo Zugstücke\ngeworden wären. Die drei ersten Vorstellungen in Wien,\ndie ich dirigirte, wurden wirklich mit einem unglaublichen\nEnthusiasmus aufgenommen; die vierte, die ich in einem\nLogenvvinkel hörte, eben so; und ich wurde auch wieder\ndrei Mal herausgerufen, in Allem vierzehn Mal. Bis zur\nzwölften Vorstellung war nun der Beifall immer derselbe,\nbei mässig besetztem Hause. So weil gehen meine Nach-\nrichten. Der *** hat sich wie ein wahrer Becen enten-Schult\nbenommen, in seine Zeitung, in die Moden-Zeitung und in\nden Sammler zugleich geschrieben, und herunter zu ziehen\ngesucht, was er konnte; und selbst die offenbare Lüge nicht\ngescheut oder listiges Verschweigen angewandt, um den\nErfolg der Oper als zweifelhaft darzustellen. Auf Neid muss\nman gefasst sein. Die freimüthig mir dargebrachten Ach-\ntungs-Beweise aller tüchtigen Künstler haben mich dafür\nüberreichlich belohnt.\"\nFerner am 11. October 1824: „Ich weiss, dass Du\nhohe Forderungen an die Kunst stellst, dass Du das Wahre"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "373", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571121-01.1.5", "texte": "willst, dass Du Kraft hast, es aufzufinden und zu erkennen,\nund dass Du, wenn auch theilweise von Deiner Freund-\nschaft bestochen, doch vielleicht eben darum von der ande-\nren Seite es desto genauer nimmst.\nDu verstehst's; was kann man Besseres wünschen? Lass\nDich nur nicht auch etwa von der Schwachheit bestechen,\ndie uns Deutschen anklebt, nämlich der Angst, dass man\nglauben möchte, sie wären parteiisch für deutsches Erzeug-\nniss und erkannten Fremdes nicht gehörig an, wegen einer\nArt von steifem Pedantismus, die dem deutschen Gelehrten\nankleben soll. Um diesen Vorwurf zu vermeiden, bemühen\nsie sich, deutsches Erzeugniss zu übersehen oder gleich-\ngültig von oben herab zu betrachten, indess sie allen Scharf-\nsinn anwenden, fremde Leistungen zu entschuldigen, zu\nerheben und zu preisen. Ich muss darauf zurückkommen,\nwelche Freude Du mir mit Deinem Urlheil über Euryanthe\ngemacht hast. Die Oper wird hier in Dresden stets bei\nbrechend vollem Hause und gleichem Enthusiasmus ange-\nhört. Aber sage nur um Gottes willen, wo hast Du die er-\nschrecklich tugendhaften Gesinnungen her? Da hast Du\nUnrecht. Was wären denn der Cymbelin von Shakespeare,\nRomeo und Julie und hundert andere Werke?\nwar sehr herunter, habe sechs Wochen im Marienbade ge-\nsessen und lühle mich erleichtert, wenngleich wieder mit\ndem Herbste der fatale Husten und Andrang des Blutes\nnach dem Herzen wiederkehrt.\neitien ganzen Tag bei mir. Da müssen Dir auch die Ohren\ngeklungen haben. Es war ein recht seliger Tag in Erinne-\nrung der herrlichen mannheimer Zeit. Meyerbeer sieht gut\naus und hat sich fast gar nicht verändert. Um unsere frohe\nStimmung zu erhöhen, kam ein Brief von Gänsbacher,\nder endlich die Gewissheit seiner Anstellung als Dom-Ca-\npellmeisler zu St. Stephan in Wien und seine baldige Ver-\nheirathung ankündigte. Spät in der Nacht trennten wir uns\nerst. Meyerbec-r geht nach Triest, um seinen „Crociato\" in\nScene zu setzen und dann in Neapel zum Carneval eine\nneue Oper zu schreiben. Uebers Jahr will er wieder nach\nBerlin kommen und dann längere Zeil dort verweilen, viel-\nleicht auch eine deutsche Oper schreiben.\nMuss ich Dir, dass ich eine Oper für das Coventgarden-\nTheater schreibe und im März oder April nach London\ngehe, um sie da aufzuführen; dass ich über Paris reise und\nhoffe, Dir ein Rendezvous in Frankfurt zu geben, wo wir\nuns einen ganzen Tag zusammen einsperren und ausplau-\ndern wollen.\"\nEinen erschütternden Eindruck machte auf Weber die\nbriefliche Nachricht von einer langen Krankheit seines\nFreundes. In einem Briefe vom 8. April 1825 äusserte\nWeber: „Ich kann Dir gar nicht beschreiben, mit welcher\nfurchtbaren Gewalt der Gedanke auf mich gefallen ist, dass\nich Dich in dieser Zeit zufälligen Schweigens verloren hätte.\nWelch ein wandelbar zerbrechlich Ding ist doch der Mensch,\nund wie sehr sollten die Treuen, die einander erkannt ha-\nben, fest an einander halten und sich Freude zu machen\nsuchen durch ihre Liebe für diese kurze Spanne Zeit! Wenn\nman so überdenkt, welche unbedeutende Nichtswürdigkeiten\neinen eigentlich davon abzuhalten im Stande sind, so möchte\nman mit beiden Füssen dreinspringen und alle von der Welt\naufgedrungene Mässigung vergessen. Auch ich habe sechs\nWochen das Zimmer gehütet an einer Heiserkeit, die olt\nin wahre Lautlosigkeit überging, mit krampfhaftem Husten.\nDie Sache ist ganz schmerzlos und local im Halse. Mein\nArzt nahm sie aber doch so ernsthaft, als ob es wohl am\nEnde noch eine Luftröhren-Schwindsucht werden könnte.\nWie sehr mich aber dieses Uebel an Allem hindert, wirst\nDu begreifen. Nun, wie Gott will!\"\nDas Uebel nahm zu. „DieAerzte\", schrieb Weber im\nJuni 1825, „schicken mich fort. Den 3. Juli reise ich nach\nEms.\nHalsübel geheilt werde. Vorig Jahr hat man meinen Unterleib\nins Bad geschickt, dieses Jahr den Oberleib. Das Ganze\nnun ins Grab zu schicken, möchte ich mir doch lür einige\nZeit noch verbitten.\"\nAuf der Rückreise besuchte er Gottfried Weber in\nDarmstadt. Von Dresden aus schrieb er ihm am 4. Septem-\nber 1825: „Es war mir gar zu wohl bei euch. So ein\npaar stille Tage, ohne immer nach aussen sorgen und gucken\nzu müssen, kommen gar zu selten, wo man sich so recht\nkann gehen lassen, ohne zu fürchten, missverstanden zu\nwerden; und wenn Du gleich mitunter ein entsetzlich dum-\nmer Kerl bist —Du weisst ja, worauf ich deute —, so bist\nDu doch auch ein ganzer Kerl und, was noch höher gilt,\nein ganzer Freund. Meine Reise war glücklich in jeder\nHinsicht, und ich kam den 1. September wohlbehalten hier\nin Dresden an, fand Alles gesund und frisch, aber auch\neinen Wust von Arbeiten. Eine mit königlicher Bewilligung\nO Ö Ö\nversehene Einladung des Grafen Brühl, im Oclober die\nEuryanthe in Berlin selbst zu dirigiren, fand ich auch vor.\nSo lieb mir das im Ganzen ist, so sehr stört es mich in\nmeinem Oberons-Geschäft.\"\nDie Euryanthe machte in Darmstadt kein Glüek. We-\nber schrieb darüber an seinen Gottfried: „Euryanthe hat,\nwie ich folgere, in Darmstadt missfallen; denn dass Du so\nzerstreut sein solltest, mir gar nichts von der Aufführung"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "374", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571121-01.1.6", "texte": "selbst, sondern nur von der nicht geschehenen Wiederho-\nlung zu sprechen, wäre doch gar toll. Nun, ein darmstädter\nDurchfall kann schon durch zwei Erfolge wie in Berlin und\nin München, curirt werden.\"\nZum Schlüsse stehe hier noch ein Wort C. M. von\nWeber's über eine Aufführung von J. Haydn's Schö-\npfung unter seiner Leitung in Dresden:\n, Welch herrliches Werk! welche Frische, welche ju-\ngendliche Gluth, tiefes Studium und erhabene Meisterschaft!\nWie nichtig zwerghaft purzeln dagegen neuere Erzeugnisse\nin der Welt herum! Die Aufführung ging vortrefflich, ich\nkann sagen: vollendet, und ich hatte das herrliche Gefühl,\nmich mit meiner Capelle so vollkommen aussprechen zu\nkönnen, als sässe ich am Ciavier und könnte so spielen,\nwie ich wollte.\"\n\nErstes Gesellschafts-Concert in Köln\nim Hauptsaale des Gürzenich.\nDen 17. November 1857.\nWir wollen unseren Lesern zuvörderst eine kurze Beschreibung\ndes neu ausgebauten Saales im Kaufhause Gürzenich geben, in wel-\nchem von nun an die Gesellschafts-Concerte, Musikfeste u. s. w*\nStatt finden werden; denn dieser Bau bildet einen Abschnitt in der\nEntwicklung der musicalischen Zustände Kölns, und desshalb gehört\ndessen Schilderung in diese Zeitung, als in das Archiv der Geschichte\nder Tonkunst am Niederrheine.\nDer Bau hat zwei Haupt-Eingänge, einen an der Westseite (am\nQuattermarkt), den anderen, bedeutsameren, an der Ostseite (Martin-\nstrasse).\nMan gelangt durch geräumige, mit Kreuzgewölben überspannte\nVestibüls in das grossartige Treppenhaus, in welchem zwei zweiar-\nmige steinerne Treppen, mit reich in Stein gehauenen Brüstungen\nversehen, zu dem oberen Podest führen. Auf den oberen, ebenfalls\nsteinernen vier Treppenpfosten erheben sich reiche bronzene Cande-\nlaber; diese verbreiten am Abend ein strahlendes Licht, am Tage\nist das Treppenhaus von oben erhellt. Die in bedeutender Höhe über\nden Raum gespannten sieben Sterngewölbe haben eben so viele kreis-\nrunde Oeffnungen, die, mit farbigem, gemustertem Glase bedeckt, dem\nTageslichte den Zutritt geben; diese Beleuchtung hat einen eigen-\ntümlichen Reiz. Der Fussboden der Podeste ist mit farbigen Flies-\nsen bedeckt, die, kunstvoll in einander. gefügt, reiche Teppichmuster\nzeigen. An den beiden Enden des Treppenhauses zeigen die Fliessen\ndas Wappen der Stadt, in der Mitte des Treppenhauses, zugleich\nin dem Centrum des ganzen Gebäudes, unmittelbar vor der mittle-\nren, zum grossen Saale führenden Hauptthür, ebenfalls aus farbigen\nFliessen bestehend, das Landeswappen in grossartigem Maassstabe:\nder schwarze Adler, umgeben von den Wappen der Provinzen.\nDrei grosse, spitzbogige Flügelthüren von Nussbaumholz in rei-\ncher Ausführung, mit farbigen Gläsern in Mosaikmustern verglaset,\nführen aus dem Treppenhause, zwei andere aus den Nebensälen zum\ngrossen Festsaale.\nDer Anblick, der liier dem Eintretenden sich entfaltet, ist ein\nwahrhaft grossartiger; eine Halle von aussergewöhnlicliem Maass-\nstabe (die Länge des Saales beträgt 169, die Breite 71, die Höhe\ndes mittleren Schiffes 46 rheinische Fuss), von gewaltigen Verhält-\nnissen zeigt sich in reicher Holz-Architektur.\nZweiundzwanzig schlanke achtseitige Pfeiler, durch Spitzbogen mit\neinander verbunden, reich gegliedert durch zierliches Maasswerk,\numschliessen einen mittleren Raum und bilden rings herum an den\nUmfassungswänden einen geräumigen Umgang. Die Decke, auf den\nSäulen ruhend, erhebt sich über dem Mittelraum zu bedeutender\nHöhe, und zeigt, der Dachlinie in schräger Richtung folgend, eine\nreiche Holz-Construction; über dem Seitenumgang gestaltet sich die-\nselbe als flache, jedoch nicht minder reich gegliederte Balkendecke,\ndie zugleich den Fussboden der Galerieen bildet. Letztere, an den\nbeiden Langseiten in bescheidener Höhe, gewinnen an den beiden\nkurzen Seiten des Hauses an Bedeutsamkeit.\nDer Fussboden ist von Eichenholz, in grössere Felder getheilt\nund mit Friesen von Mahagoniholz eingefasst. Rings an den Wän-\nden entlang laufen Sitzplätze nach Art der mittelalterlichen Chor-\nstühle, in Eichenholz reich geschnitten, auf mehreren breiten Stufen\nerhaben. Darüber ist die Wand mit hohen Boiserieen von Eichenholz\nbedeckt.\nDie Fenster in den Wänden, eben so wie die in der Decke an-\ngebrachten, sind einfach gehalten, in zierlichen Mosaikmustern von\nweissem Glas, umrahmt von farbigen Bandverzierungen; in den kla-\nren Theilen sehen wir die Wappenschilde aus der Zeit der ersten\nErbauung, das Reichswrappen, umgeben von dem Stadtwappen, dem\nsich, nach dem neuen Bau hinweisend, die Wappen der Herzogtü-\nmer Cleve, Jülich, Berg und Mark, andererseits die Wappen der\nZünfte anschliessen.\nDie beiden alten Kamine sind vortrefflich restaurirt.\nVon der Decke herab hangen acht grosse vergoldete Liistres zu\nje 60, an den Säulen ausserdem 48 Armlüstres zu je 6, also mit\nzusammen 768 Flammen, weit hinreichend, den Festraum glänzend\nzu erhellen.\nUeberall sieht man gediegene Pracht, und das Bemühen, den\nBau stylgerecht und im Geiste der damaligen Zeit consequent\ndurchzuführen, ist von dem besten Erfolge gekrönt.\nDie Orchesterbühne steigt, von 2 Fuss 9 Zoll über dem Fuss-\nboden anhebend, mittels eilf Stufen von je 3 Fuss Breite und 9 Zoll\nSteigung bis zur Höhe von 10 Fuss 3 Zoll empor, ist 46 Fuss breit\nund 42 Fuss tief. Hinter derselben ist Raum für eine Orgel, welche\nvon dieser Seite den würdigen Schluss bilden wird.\nIm Saalraume sind 1027 numerirte Plätze, die Galerieen und die\nbeiden grossen Logen über und gegenüber dem Orchester fassen 400\nMenschen; auf der Orchesterbühne waren beim ersten Concerte, am\n17. d. Mts., nahe an 400 Personen im Chor (64 Soprane u. s. w.)\nund an den Instrumenten. Im Ganzen waren über 1800 Menschen in\nder Festhalle, überall Fülle und dennoch überall bequeme Behag-\nlichkeit, da die Plätze mit luxuriöser Raumverschwendung einge-\nrichtet sind.\nDas Concert begann mit der fünften Sinfonie von Beetho-\nven, welcher eine sehr gute, im letzten Satze vortreffliche Ausfüh-\nrung zu Theil wurde. Das Erfreulichste aber dabei war für diesen\nAugenblick die Wahrnehmung, dass der Bau des Saales auch in"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "375", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571121-01.1.7", "texte": "akustischer Hinsicht ganz vorzüglich gelungen war. Die Befürchtun-\ngen in dieser Beziehung waren besonders durch den Bau der Galeriee-n\nentstanden, die nach dem ursprünglichen Plane des Dombaumeisters,\nHerrn Geheimen Rathes Zwirn er, nicht beabsichtigt gewesen, son-\ndern von der Bau-Commission später aus Bedürfniss an Zuhörer-\nPlätzen hinzugefügt worden waren. Wie dringend dieses Bedürfniss\nindess war, hat sich jetzt bei dem zahlreichen Abonnement offen-\nbart, welches alle Plätze im Saale in Beschlag genommen hat. Bei\nder Concert-Probe zeigte es sich nun schon, dass die Galerie den\nKlang nicht hinderte; derselbe war sogar bei leerem Saale zu stark\nwiederhallend. Bei gefülltem aber verschwand der Nachhall, und es\nblieb ein Klang übrig, der sowohl in dem schönen und vollen Ge-\nsammttone des Orchesters und des Chors, als bei jedem einzelnen\nInstrumental- und Yocal-Solo nichts zu wünschen übrig lässt. Am\nprachtvollsten offenbarte sich dies zu Aller Freude bei der glänzen-\nden Aufführung der Oberon-Ouverture von C. M. von Weber\nam Schlüsse der ersten Abtheilung des Concertes, welche einen wah-\nren J übel im Publicum hervorrief, und bei den Chören der „ersten\nWalpurgisnacht\" von Göthe und Mendelssohn, welche die\nzweite Abtheilung füllte.\nNaeh der Sinfonie trat eine junge Sängerin, Fräul. Malwina\nSobolewski, auf, Tochter des rühmlich bekannten Componisten\nund Dirigenten, gegenwärtig in Bremen, den wir durch die Schule,\nwelche seine Tochter bei ihm durchgemacht hat, zugleich als treff-\nlichen Gesanglehrer kennen lernten. Die Stimme ist ein Mezzo-So-\nprau, bei dem die Brusttöne, das Alt-Register bis zum zweigestriche-\nnen d 9 am vollsten und wohlklingendsten sind, während c, f u. s. w.\nzwar ebenfalls ausgiebig, aber bei ganzer Stimme scharf und selbst\netwas rauh klingen, was bei halber Stimme jedoch nicht der Fall\nist. Die Sängerin wird sich daher besonders vor dem Forciren dieser\nTöne zu hüten haben. Ihre Tonbildung ist in jeder Hinsicht,\nMesset di voce, Portamento, vorzüglich und die technische Fertigkeit\nin Coloratur und Triller bedeutend; indess ist der letztere doch nicht\nimmer egal und bedarf noch der vollendeten Abrundung. Sie trug\nden 86. Psalm von Martini, den Hiller für diesen Zweck instru-\ninentirt hatte, sehr schön vor; weniger befriedigte uns die Arie der\nAchsah in D-dur aus Händel1 s Josua, zumal da die Sängerin den\nenglischen Text sang. Das Princip, den Text zu singen, auf wel-\nchen ein Gesang ursprünglich componirt ist, hat auch seine Grän-\nzen ; das Englische ist die unmusicalischste Sprache, und nur die\nNotwendigkeit, d. h. vor Eng.ändern, kann ihren Gebrauch im Con-\ncerte rechtfertigen, zumal in der gewählten Arie, wo von deklama-\ntorischem Ausdruck gar nicht die Rede ist, sondern nur von Male-\nrei und Coloratur. Die Sängerin ärntete grossen Beifall und wurde\ngerufen.\nZwischen den beiden Gesangstücken alter Schule spielte Herr\nConcertmeister Grunwald eine neue Composition von F. Hill er,\n'ein Coneert für Violine, in welchem er eminente Fortschritte in Ton,\nFertigkeit und Ausdruck bekundete, mit Beifall und Hervorruf ge-\nehrt wurde. Die Composition ist mehr eine Phantasie für Orchester\nmit obligater, übrigens sehr schwieriger Violinstimme, als ein Violin-\nConcert; der schönste Theil derselben ist das Adagio, nur dass auch\ndieses, wie überhaupt das ganze Coneert, zu lang ist. Der erste\nuud letzte Satz, beide schwunghaft geschrieben, sind doch nicht frei\nvon Längen, deren Beseitigung ihre Wirkung gewiss wesentlich er-\nhöhen würde.\nDie Ausführung der „Walpu rg is nach tft war recht schön.\nDer Einsatz des Frauenchors nach dem ersten Aufruf des Tenors\nmachte durch den wunderbaren Klang, der die Frische der Stimmen\nin ihrem vollen Glänze leuchten liess, gleich von vorn herein einen\nhöchst überraschenden Eindruck, der sich bei dem vollen Chor, in\nden letzten Nummern namentlich, zu einem prachtvoll erhabenen\nsteigerte. Auch der Vortrag der Soli (Fräul. Pels-Leusten\nAlt, Herr Göbbels Tenor, Herr Schiffer Bariton) wurde\ndurch die treffliche Akustik des Saales wirksam gehoben.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMan schreibt uns ans M.- Gladbach unterm 16. November :\n„Gestern feierte der hiesige Sing-Verein sein diesjähriges Stif-\ntungsfest durch die Aufführung des Oratoriums Paulus von Men-\ndelssohn-Bartholdy. Die Aufführung eines so grossen und herrlichen\nWerkes war für Gladbach und den jungen strebsamen Verein unter\nden dortigen Verhältnissen ein Ereigniss zu nennen, und erfüllt der\nBerichterstatter mit Freuden die Pflicht, öffentlich zu bekunden, dass\nder Erfolg ein über alle Erwartung günstiger gewesen ist. Das Pu-\nblicum hatte sich in dem schön geschmückten Concertsaale zahlreich\neingefunden und lauschte in andächtiger Stimmung dem Vortrage\ndieses ungewohnten Werkes, welches unter der umsichtigen, ruhigen\nund präcisen Leitung des Dirigenten Herrn Julius Langen mit\nvielem Feuer und Begeisterung wie aus Einem Gusse zur lebendigen\nDarstellung gebracht wurde. Rauschender Beifall lohnte dieses schöne\nStreben, und eine ehrenvolle Anerkennung wurde dem Dirigenten,\ndem Orchester und dem Vereine zu Theil. Die Aufführung war im\nGanzen genommen eine gelungene und des Werkes würdige. Soli\nund Chöre gingen präcis und entwickelten eine Wirkung, wie man\nsie sonst nur bei grossen Aufführungen wahrnimmt.\n„Dieser Erfolg ist für Gladbach um so ehrenvoller, als die dorti-\ngen musicalischen Verhältnisse nur einen bescheidenen Aufwand von\nMitteln Und Kräften gestatten, und Orchester und Chor bisher wenig\nGelegenheit hatten, ihre Kräfte und Schwingen an grösseren Werken\nzn üben.\n„Die bekannte Viereck sehe Capelle aus Crefeld hatte aus Ge-\nfälligkeit das Orchester übernommen und durch ihre Leistung we-\nsentlich zum Gelingen des Ganzen mit beigetragen. Die Soli waren\nin den Händen der Concertsängerin Fräul. Thelen aus Düsseldorf\n(Sopran), Fräul. Funke aus Rheydt (Alt) und der Herren Junker\n(Tenor) und Bornefeld (Bariton) aus Gladbach. Alle ärnteten lo-\nbende Anerkennung und rauschenden Beifall Der junge Verein und\nsein Dirigent haben sich durch die an den Tag gelegte Lust und\nLiebe zur Kunst, Fleiss und Ausdauer, so wie durch die ganze An-\nordnung Dank und Anerkennung erworben, und mit Freuden sehen\nwir, wie die Tonkunst überall am Rheine neue Zweige treibt.\"\nMs&iliz, 10. November. Der hiesige Verein für Kunst und Lite-\nratur veranstaltete am 6. d. Mts. im grossen Casinosaale unter Lei-\ntung des Herrn Capellineisters F. Lux das erste Coneert der dies-\njährigen Saison. Eröffnet wurde dasselbe durch die dritte Sinfonie\n('C-moll) von L. Spohr, die dem zahlreich versammelten Publicum\nin abgerundeter Form vorgeführt wurde und ungetheilten Beifall er-\nhielt. Herr M. Wolff aus Frankfurt am Main spielte hierauf mit\nvollendeter Technik das Violin-Concert von Beethoven und nach-\nher die Fanlaisie militaire von Leonard. Dann folgte die Adelaide"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "376", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571121-01.1.8", "texte": "von Beethoven, sehr schön gesungen von Herrn Zellmann, ly-\nrischem Tenor beim hiesigen Stadttheater, und als Glanzpunkt des\nAbends die Ouvertüre und der Chor der Verschworenen aus Spon-\ntini's Ferdinand Cortez, vorgetragen vom mainzer Männergesang-\nVerein und Herrn Zellmann als Cortez. Die Aufführung des Ganzen\nkonnte in jeder Beziehung eine gelungene genannt werden, und gab\nsich dieselbe auch von Seiten des Publicums in dem reich gespen-\ndeten Beifalle als solche zu erkennen.\nDie Liedertafel hat am 9. d. Mts. ihre Concerte unter Lei-\ntung ihres Dirigenten Herrn F. Marpurg eröffnet. Die Haupt-Auf-\nführung war Mendelssohn1 s Sinfonie-Cantate „Lobgesang\".\nAuch zu sechs Soireen für Kammermusik haben sich die Her-\nren F. Marpurg, Concertmeister Heinefetter, Diehl, Horn u. s. w. ver-\neinigt. Nach der Ankündigung des Herrn Marpurg soll das Pro-\ngramm „prineipiel\" geordnet werden: aus der classischen (Haydn,\nMozart und Beethoven der ersten Periode), der romantischen (Beet-\nhoven der zweiten und dritten Periode, F. Schubert und R. Schu-\nmann), c'er etwa so zu benennenden Restaurations-Periode\n(in Anbetracht ihres Fortbaues in den überlieferten Formen, gegen-\nüber den durch Beethoven eröffneten neuen Bahnen Mendelssohn,\nSpohr, Onslow, Hummel und Andere.)\n[Versprochen werden ein Quartett (welches?) von Prinz Louis\nFerdinand, Quartett und Quintett von Schumann, ~vor Allem aber Op.\n127 und 131 aus Beethoven's letzter Periode, deren Werke den\nSchlüssel liefern zu jenem wunderbaren Labyrinth ga wohl!)\nunserer neueren romantischen Musik, als deren Hauptträger nächst\nBeethoven wohl zu nennen sind: Schubert, Schumann, Wagner, So-\nbolewski, Rob. Franz, Liszt, Gade, Raff und Andere.\"\nSo weit Herr Marpurg; vorläufig ist uns aber der Schlosser lie-\nber, als die Bewohner des Labyrinthes; den Schlüssel hat er ihnen\nfreilich gegeben, und sie sind hineingestürmt, aber den Faden der\nAriadne, um sich aus dem Labyrinthe heraus und zur heimlichen\nWerkstätte des alten Schlossers zurück zu finden, hat noch Keiner\nentdeckt.\nAm 2. d. Mts. führte Herr Capellmeister\nC. Mangold mit der Dilettanten-Gesellschaft ein neues Orato-\nrium von seiner Composition, genannt „Fridjof\", im Casinosaale\nauf. Ein aufrichtiges Referat darüber, wie mich die Composition an-\ngesprochen hat, muss ich kurz in die Worte fassen: einige Chöre\nsehr gut, Anderes minder gut; das Ganze jedoch gehört zu der Gat-\ntung, welche Voltaire die schlimmste genannt hat, zum Genre en-\nnuyeux besonders die Solosachen, deren langweilende Wirkung\nnicht bloss an der theilweise mitielmässigen Ausführung lag. Herr\nMangold scheint sich mit Ausnahme der Chöre öfters des\nünstiles der so genannten Zukunftsmusik befleissigt zu haben. Dazu\nwird heutzutage der Mangel an Erfindungsgabe in melodischer Hin-\nsieht leider nur allzu häufig die Veranlassung.\nHamburg, 8. November. Die Theilnahme, mit welcher das\nPublicum die bisherigen Concert-Unternehmungen des Herrn G. D.\nOtten behandelte, hat zur Gründuug eines Hamburger Musik-\nVereins geführt, der sich das Studium und die Aufführung guter\nMusik ohne Beschränkung zur Aufgabe macht. Dieser Verein hat\ndie von Herrn Otten begründeten grossen Concerte sich zu eigen\ngemacht und wird deren vier in diesem Winter geben. Der Verein\nhält wöchentliche, regelmässige Chor-Uebungen und beabsichtigt,\nausser den Concerten auch kleinere Aufführungen vor grösseren Pri-\nvatkreisen zu geben. Die lobenswerthe Absicht geht dahin, aus dem\nabgeschiedenen Dunkel von immerwährenden Privat-Uebungen in öf-\ntere und lebendigere Wechsel Wirkung mit dem Publicum zu treten.\nSo wird es leichter wer len, gute Musik, d. h. vorzugsweise deutsche\nWerke für Chor und Orchester in stets grösseren Kreisen zu ver-\nbreiten. Die Sache hat einen solchen Anklang gefunden, dass die\nerste Gesang-Uebung mit ungefähr hundert Mitgliedern, d. h. singen-\nden, und zwar trefflichen, eröffnet werden konnte.\nDie vier Concerte haben mit dem ersten am 24 October begon-\nnen. Das Programm enthielt: I. 1) Eroica. 11. 2) Leonoren-Arie aus\nFidelio in E-dnr. 8) Ouvertüre, Einleitungs-Chor, Tanzmusik und\nerstes Finale aus Euryanthe. 4) Zwei Lieder von Schubert, Auf dem\nWasser zu singen, und Gretchen am Spinnrad. 5) Ouvertüre zu Lo-\ndovisca von Cherubini. Die Soli für Sopran sang Frau von Milde\naus Weimar ausgezeichnet schön. Sie hat mit allen vier verschiede-\nnen Leistungen den glänzendsten Erfolg gehabt.\nDie drei anderen Concerte werden am 28, November, am 20.\nFebruar und am 27. März Statt finden. In den folgenden Concerten\nsollen auftreten: Concermeister Joachim, Capellmeister Bott aus Mei-\nningen, Herr Hardtmuth, Bariton von Braunschweig, und Herr Nie-\nmann, Tenorist von Hannover Endlich steht zuletzt die Betheiligung\nvon Frau Bürde-Ney aus Dresden in Aussicht."}]}