{"numero_id": "bm-bmtnabi-1857-12-05-01", "volume": "bmtnabi_1857-12-05_01", "ocr_sha256": "e8d535c8055adbfc3af3f5d29cd71a2d34b4d53ab5d2747c1e856f457d08d43d", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1857/12/05_01/bmtnabi_1857-12-05_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571205-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1857-12-05-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-12-05_01#c001", "volume": "bmtnabi_1857-12-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "385", "page_fin": "385", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571205-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "385", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571205-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 459, "texte": "Inhalt.\nFranz Wild, Biographie. Beurtheilungen. Für Pianoforte: A. Herzberg, Op. 8. Joh. Rufinat-\nscha, Sonate, Op. 7. Für Gesang: P. v. Lindp aintner, Sechs geistliche Lieder, Op. 167. Von fff. G. Flügel, Geistliche Lie-\nder, Op. 43. Bibel-Hymnen, Op. 47. Geistliche Compositionen, Op. 30, 46, 48, 49, 50, 52, 55. Joh. Eccard, Zwölf vier- nnd fünf-\nstimmige Gesänge. Von L. Aus Hamburg. Tages- und Unterhaltungsblatt (Barmen, Neuwied, Berlin, Dresden, Wien)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-12-05-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-12-05_01#c002", "volume": "bmtnabi_1857-12-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "385", "page_fin": "388", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571205-01.2.2", "titre_corps": "Franz Wild", "titre_sommaire": "Franz Wild", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "385", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571205-01.1.1", "debut_caractere": 461, "fin_caractere_exclue": 4097, "texte": "Franz Wild\n*>■\nFranz Wild wurde als Sohn einfacher, schlichter\nLandbewohner am 31. December (dem Sylvester-Abende)\n1791 in Niederhollabrunn in Niederösterreich geboren.\nBei seiner Taufe ereignete sich der in Beziehung auf seine\nspätere Laulbahn nicht uninteressante Umstand, dass, als\ndem Kinde das Wasser über den Kopf geschüttet wurde,\nes mit einer so ausserordentlich kräftigen Stimme anhaltend\nzu schreien anfing, dass der dortige Schulmeister Blacho\nausrief: „Nu! aus dem muss einmal ein guter Sänger wer-\nden; den muss ich lehren!\" Und so geschah es auch; der\nwackere Schulmeister, der unermüdlichen Fleiss auf die\nAusbildung des Knaben verwandte, sah seine Wünsche\nschon in der Entwicklung desselben so vielversprechend\ngekrönt, dass die schnelle Ausbildung seiner herrlichen An-\nlagen ihn nicht mehr überraschte. Wild kam als Sänger-\nknabe in das Stift der lateranischen Chorherren zu Kloster-\nneuburg und wurde bald in das k. k. Stadt-Convict als\nHof-Capellsänger-Knabe Behufs der Förderung seiner Stu-\ndien aufgenommen. Sein innerer Drang liess ihn aber\nbesonders da die Mutation seiner Stimme in der unglaub-\nlich schnellen Zeit von zwei Monaten vollständig vor sich\nging seine Studien nicht vollenden, um möglichst schnell\nseinem Wunsche, der Bühne anzugehören, die volle Befrie-\ndigung zu verschaffen. Er trat daher schon im Jahre 1807\nseinem sechszehnten Lebensjahre aus und liess sich\nbei Karl Mayer, damaligem Director des Theaters in der\nJosephstadt, als Chorsänger engagiren. Die äusserst prekä-\nren Verhältnisse dieser Bühne und die daselbst häufigen,\nihm besonders empfindlichen Gagenstockungen veranlassten\nihn aber schon nach kurzer Zeit, diese Bühne wieder zu\nverlassen und sich in gleicher Eigenschaft bei dem Theater\nin der Leopoldstadt, unter Hensler's Direction, empfoh-\nlen durch den Hof-Capellsänger und unvergesslichen Komi-\nker Ignaz Schuster, verwenden zu lassen. Seine mar-\nkige und schöne Stimme fiel bald auf, und man vertraute\nihm mehrere kleine Gesang-Partieen, z. ß. den Minnesän-\nger Frohwald in der Teufelsmühle, an. die er befriedigend\ndarstellte. Ein glücklicher, für seine Zukunft verhängniss-\nvoller Umstand erwarb ihm auf einmal die volle Theilnah-\nme des Publicums.\nIm Jahre 1808 gab Heinrich von Gollin seine\nvortrefflichen Wehrmannslieder heraus, die der geniale Jo-\nseph Weigl herrlich in Musik setzte. Herr Hensler hatte\nden glücklichen Gedanken, zu wiederholten Malen vor dem\nBeginne seiner Vorstellungen sie auf seiner Bühne vortra-\ngen zu lassen, wo sie dann den lebhaftesten Beifall erran-\ngen. Bei einer dieser Wiederholungen wurde der Sänger\nBondra (Vater der beiden beliebten Hof-Opernsängerin-\nnen Mad. Treml und Dem. Bondra, die beide im Blüthen-\nalter des Lebens und der Kunst von der Weltbühne abtra-\nten) plötzlich so heiser, dass er das eben vorzutragende\nLied: „Oesterreich über Alles, wenn es nur will\", durch-\naus nicht anzustimmen vermochte; er zog daher aus dem\nKreise der ihn umgebenden Chorsänger Wild heraus, stellte\nihn dem Publicum vor, gab ihm die Partie in die Hand,\nund dieser sang sie vom Blatte weg mit wundervoll herr-\nlicher Stimme und dem entsprechendsten Vortrage, unter\ndem dröhnenden Beifalle des Publicums.\nDieser unerwartete Erfolg entschied für seine ganze\nZukunft. Herrn Wild wurde ein Engagement im k. k. Hof-\nOperntheater für den Chor und kleine Sang-Parlieen ange-\nboten, und er fiel in letzterer Beziehung durch seine kraft-\nvolle, sonore Stimme im Quartett der Barden in der Oper\n„Uthal\" (vonMehul) so sehr auf, dass der eben anwesende\nfürstlich Esterhazy'sehe Concertmeister Johann Nep.\n\n*) Auszugsweise nach der „Neuen Wiener Musik-Zeitung\"."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "386", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571205-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4970, "texte": "Hummel sogleich mit ihm in Unterhandlung trat und ihn\nfür die fürstliche Capelle zu Eisenstadt als Sänger zu ge-\nwinnen wusste. Da dort bei Gelegenheit der fürstlichen\nJagden, wo mehrere hohe Gäste eingeladen waren, der Di-\nrector des k. k. Theaters an der Wien, Graf Ferdinand\nPalffy, bei einigen auf dem fürstlichen Schlosstheater zu\nEisenstadt gegebenen Productionen unseren Sänger zu hö-\nren Gelegenheit fand, lud er ihn fürs nächste Jahr (1811)\nzu einigen Gastspielen auf seinem Theater an der Wien\nein. Er trat dort am 4. Juni mit dem allgemeinsten Bei-\nfalle als Prinz Ramiro in Isouard's „Aschenbrödel\" auf,\nden er am 18. wiederholte. Die überaus günstige und eh-\nrenvolle Aufnahme bewog den Herrn Grafen, ein Engage-\nment mit dem jugendlichen Künstler, der in diesem seinem\nVersuche in Haupt-Partieen in Wien als erster Tenor\nschon das Spruch wort: „Ex das er spä-\nter so schön bewahrheitete, erkennen liess, abzuschliessen,\nund er trat am 7.September desselben Jahres als fest en-\ngagirtes Mitglied des Theaters an der Wien in derselben\nRolle auf.\nBald darauf erkannte man in der trefflichen Darstel-\nlung des Frossarel in Bierey's Oper „Die Gemsenjäger\",\nwelch einen herrlichen Gewinn diese Bühne an diesem\n„Sänger der Liebe\" gemacht hatte. Aufs höchste über-\nrascht fand sich das Publicum durch die meisterhafte, in\nSpiel und Gesang gleich vortreffliche Darstellung des Ta-\nmino, die dem herrlichen Künstler erst die echte, volle\nWeihe gab. Wer ihn in dieser Rolle gehört hat, erinnert\nsich mit wonnigem Gelühle besonders jener markdurchdrin-\ngenden Töne mit voller Bruststimme in dem Terzette mit\nden geharnischten Männern, die jedesmal einen Sturm\nvon Beifall hervorriefen. Dieser Darstellung folgte bald dar-\nauf jene des Sargines und des Don Ottavio im Don Juan,\nwie des Fernando in desselben grossen Tonmeisters Cosi\n[an lutle(mit passender Umarbeitung des schalen Textes\ndie Zauberprobe genannt), des Grafen Loredano in Paer's\nCamilla und des Ninias (Arsaces) in Catel's Semiramis,\nwelchen sämmtlich trefflich ausgeführten Partieen bald nach\nEhler's Abgang die Alles überragende Darstellung des\nJohann von Paris folgte, jener Partie, in der Wild nach\nVereinigung der Oper des Theaters an der Wien mit jener\ndes Kärnthnerthor-Theaters auf letztgenannter Bühne zum\nersten Male am 5. Mai 1814 auftrat.\nAis min Wild allein der Hof-Opernbühne seine Kräfte\nwidmete, errang er einen ungeheuren Erfolg als Joseph in\nMehul's Joseph und seine Brüder, welcher um so höher\nangeschlagen werden moss, als er ihn an der Seite Michael\nVogel's errang, dieses Musterbildes eines echt declamato-\nrischen Meistersängers, den Wild selbst als sein Vorbild\nim Recitativgesange bezeichnete. Die nächste grossartige\nLeistung war die Rolle des Licinius in Spontini's Vesta-\nlin. Schon nach dem ersten Acte war der Enthusiasmus\ndes Publicums ungemein rege und ein Erfolg, wie er noch\nselten da gewesen, entschieden.\nBald darauf wusste sich Wild als wahrer, echter Trou-\nbadour durch seine liebliche Leistung als Joconde die all-\ngemeinsten Herzens-Sympathieen zu sichern, und flocht\nsich auch im edleren, höheren Stile als Tancred in Rös-\nsings „befreitem Jerusalem\" ein neues Blatt in seinen\nsich immer reicher gestaltenden Künstlerkranz.\nDoch schon nahte die Stunde, in der Wild von seinem\nlieben Wien Abschied zu nehmen gezwungen wurde.\nSchon zur Zeit des Congresses (1814 und 1815) hatte\ner ein äusserst glänzendes Engagement von Seilen Sr. Kö-\nniglichen Hoheit des Grossherzogs Karl von Baden ange-\nnommen; allein durch ein ohne sein Wissen von Seiten der\ndamaligen Direction auf falschen Prämissen nach Karlsruhe\neingeleitetes Verfahren wurde dieser Contract aufgelöst,\nda man es wagte, dies als einen von höchster Gewalt aus-\ngehenden Wunsch dorthin zu berichten. Da fasste Wild,\nauch noch durch nicht erfüllte Verheissungen anderweitig\ntief gekränkt, den Entschluss, seine Urlaubsreise im Jahre\n1816 zu benutzen, um sich von den ihm aufgedrungenen\nFesseln zu befreien.\nEr verliess sein Vaterland mit schwerem Herzen und\num so unlieber, als er am 5. Mai 1814 eine eheliche Ver-\nbindung mit Fräul. Joseph ine B on n (eigentlich v. Kirch-\nstetten) einging, die als Künstlerin (Mitglied des Theaters\nan der Wien) sich eines bereits nicht unvorteilhaften Ru-\nfes erfreute und zum Leidwesen vieler Kunstfreunde frei-\nwillig die gewählte Bahn verliess und sich ins Privatleben\nzurückzog.\nEr betrat vor Antritt seiner Urlaubsreise am 4. Juni\n1816 als Joseph zum letzten Male die Hof-Opernbühne,\nbrauchte sodann eine Cur in Karlsbad und Franzensbad,\nwo er durch den Ertrag von zwei Concerten den Grund\nzur Errichtung eines Spitals legte und dann eine Rundreise\ndurch Deutschland begann, wo er Frankfurt am Main, Mainz,\nLeipzig, Berlin, Dresden, Hamburg, Pyrmont, Kassel, Göt-\ntingen berührte und endlich ein festes Engagement am\ngrossherzoglichen Hoflheatar in Darmstadt annahm, wo er\nam 9. November zuerst als Sargines debutirte und bald der\nerklärte Liebling des Publicums ward."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "387", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571205-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5168, "texte": "Die wiener Direction that unaufhörlich Schritte, selbst\npoüceilich, ihn wieder an Wien zu fesseln, bis endlich durch\ndie persönliche Vermittlung des Grossherzogs von Hessen,\nLudwig's 1., er seiner Unterthanenpflicht entlassen und die\nAuswanderungs-Bewilligung ihm ertheilt wurde. Erst im\nJahre 1820 gelang es der Hoftheater-Direction, ihn zu\neinem Gastrollen-Cyklus zu vermögen, und er betrat unter\nallgemeinem Jubel als Joseph, in der Triumph-Rolle seines\nfrüheren Engagements, die Bühne wieder. Seine zweite\nRolle, worin er seine grossen Fortschritte im Spiel, im ge-\ntragenen Gesänge und im Recitativ im Gebiete der Helden-\nTenöre an den Tag legte, war die früher in Wien von ihm\nnie gegebene Rolle des Othello von Rossini. Er erregte mit\ndieser wundervollen Leistung, in der er ausser Donzelli\nkeinen Nebenbuhler hat, im vollsten Sinne des Wortes Be-\ngeisterung. Licinius, Johann von Paris, Rodolphe (Roth-\nkäppchen), Joconde, Tamino, Arsaces (in Semiramis, eine\nder eminentesten Kunstleistungen) waren die herrlichen\nBlüthen, die Wild's wundervolle Stimme und sein classi-\n9ches Spiel boten, und die sein in lyrischen wie classischen\nOpern gleich grosses Talent allgemein bewundern liessen.\nNach Vollendung dieses Gastspiels kehrte er nach\nDarmstadt zurück, wo er als Cassander in Spontini's Olym-\npia wieder auftrat. 1821 —22 erfreute er Amsterdam mit\nseinen Kunstschöpfungen; 1823 befiel ihn ein grosser, die\nhöchste Gefahr drohender Anfall im Bade zu Schwalbach.\nDie Menge des eiskalten, im nüchternen Zustande genosse-\nnen Heilbrunnens verursachte ihm einen so heftigen Starr-\nkrampf, dass volle Bewusstlosigkeit eintrat und die dortigen\nAerzte vergebens ihre Kunst erschöpften, bis der grossher-\nzoglich darmstädtische Leibarzt und Medicinalrath Dr. En-\ngel (bereits gestorben) ihn der schrecklichen Situation\nglücklich entriss und nach zwei Monaten wieder herstellte.\n1824 verliess er Darmstadt und begab sich nach Paris,\ntheils um die dortigen Theater-Zustände kennen zu lernen,\ntheils um unter Rossini's und Bordogni's Leitung noch jetzt\ndie kunstgemässe Verwendung des Falsets in ihrem vollen\nUmfange zu studiren.\nIn Paris sang er in verschiedenen Concerten. Hierauf\nmachte er eine Kunstreise, auf der ihm in Strassburg,\nKarlsruhe, Frankfurt am Main frische Lorbern erblühten.\nEr nahm nun ein Engagement am kurfürstlichen Hoftheater\nin Kassel an, wo er als Othello debutirte. Im Jahre 1826\ngab er in Berlin 16 Gastrollen, unter welchen Othello den\nPreis errang, und in Prag 14. 1829 am 16. Juli begann\ner einen Gastrollen-Cyklus in Wien, in welchem George in\nder weissen Frau, der Grossmeister im „Kreuzritter\",\nOthello, Joseph, Don Juan, Graf Almaviva, alle mit emi-\nnentem Erfolge dargestellt, das Repertoire bildeten. Auch\nim Jahre 1830 kehrte er neuerdings nach Wien wieder,\num Gastrollen zu geben. Aber schon bei der ersten, Masa-\nniello, befiel ihn auf der Bühne ein heftiges Unwohlsein,\nund er hatte es nur der Geschicklichkeit des ausgezeichne-\nten Arztes Dr. Röhrich zu verdanken, dass er nach einer\nPause vom 1 8. Juni bis 3. Juli als hergestellt abreisen\nkonnte. Er gab hierauf fünf Gastrollen in Darmstadt und\ntrat mit dem 1. November 1830 als festes Mitglied der\nk. k. Hofoper in Wien ein, abgerechnet die Ausflüge, die\ner in der dreimonatlichen Ferienzeit jährlich machte, und\neines längeren Urlaubs im Jahre 1833.\nIm Jahre 1835 wurde ihm die Ehre zu Theil, in Tep-\nlitz, wo die Zusammenkunft der drei Monarchen, der Kai-\nser Ferdinand und Nikolaus und des Königs Fried-\nrich Wilhelm 111., Statt fand, im Vereine mit der pra-\nger Oper dahin berufen, zu singen. Im Jahre 1840 erhielt\ner mit der berühmten Sabine Heinefetler und mit Staudigl\neinen Ruf in die zweite Hälfte der londoner Saison im\nPrinzess-Theater, wo er aber mit ungünstigen Repertoire-\nVerhältnissen zu kämpfen hatte und nur in den Opern\nNachtlager, Jessonda, Ipbigenia auf Tauris und Frei-\nschütz (im letzteren 17 Mal) auftreten konnte. Hierauf gab\ner im Königstädter-Thealer zu Berlin 41 Gastrollen.\nIm Jahre 1845 wurde Wild zum Ober-Regisseur er-\nnannt, nachdem er seine Künstler-Laulbahn am 24. März\n1845 gänzlich beschlossen hatte, da nach der damals an-\ngenommenen Norm kein Regisseur mehr selbst ausübender\nKünstler sein sollte. Seine letzten Leistungen waren Elea-\nzar in der „Jüdin\", Don Juan, Arnold in „ Wilhelm Teil\"\nund 16 Mal Abayaldos in „Don Sebastian\", mit welcher\nder SchJuss seines ruhmvollen Wirkens gemacht wurde.\nAls Ober-Regisseur verdankte ihm Wien den Gewinn der\nunvergesslichen Anna Zerr, des genialen Karl Formes, des\nherrlichen Ander, dessen künftige Kunstgrösse schon da-\nmals der untrügliche Blick des erfahrenen Künstlers voraus-\nsah, des stimmkräftigen Draxler, der liebenswürdigen Co-\nloratursängerin Fräul. Liebhart.\nIn neuester Zeit entzückte Wild noch als Liedersänger\nmehrere ausgewählte Privatcirkel, und feierte jetzt, am 8.\nNovember, an welchem Tage er als Chorist zuerst die\nBühne betreten, sein fünfzigjähriges Sänger-Jubiläum durch\nein Concert im Musikvereins-Saale.\nAls das fünfzigste Jahr seit dem Tage, an welchem er\nzum ersten Male als Chorsänger in die Laufbahn eintrat,\ndie ihn zu den höchsten künstlerischen Ehren emporführen"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "388", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571205-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1394, "texte": "sollte, herangekommen war, drängte es ihn, noch einmal\nin der Oeffentlichkeit zu erscheinen, noch einmal jene\nKunstfreunde um sich versammelt zu sehen, denen er einst\nso viele, so unvergessliche Genüsse bereitet hatte. Er hat\nauch mit dem Drange der Kunstbegeisterung zugleich sein\nHerz zu befriedigen gewusst, er hat den Reinertrag seines\nConcertes Humanitäts-Zwecken gewidmet.\nNach einem Prologe von Otto Prechtler, von dem\nHof-Schauspieler Herrn Sonnenthal gesprochen, erschien\nder Meister, sichtbar bewegt, vor dem Publicnm, das alle\nRäume des Saales dicht gedrängt in erwartungsvoller Span-\nnung füllte. Es erhob sich ein Beifallsjubel, der nicht zu\nbeschreiben ist. Wild sang das „ Fischermädchen8 von\nMeverbeer und den „Aufenthalt8 von Schubert. Und schnell\nj 7/\nhatten sich die WTorte des Prologs bewährt:\nNoch ein Mal freud- und wehmuthsvollen Klanges\nGrüsst euch das Lied aus unsres Meisters Brust,\nNoch einmal froh die Seele des Gesanges,\nDie du im Scheiden noch bewundern musst.\nNoch wirkte er in einem Quartettino von Rossini und in\nder Introduction aus Rossini's „Belagerung von Korinth\"\nmit den Herren Ander und Schmidt und dem Chor.\nHerr Hof-Capellmeister Eckhardt ehrte den Altmei-\nster Wild und sich selbst durch die Uebernahme der Be-\ngleitung sämmtlicher Gesangstücke am Ciavier. Gleichmäs-\nsig wie der Empfang war der Abschiedsgruss an den be-\nrühmten Meister des Gesanges."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-12-05-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-12-05_01#c003", "volume": "bmtnabi_1857-12-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "388", "page_fin": "390", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571205-01.2.3", "titre_corps": "Beurtheilungen.", "titre_sommaire": "Beurtheilungen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "388", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571205-01.1.4", "debut_caractere": 1396, "fin_caractere_exclue": 3896, "texte": "Beurtheilungen.\nFür Pianoforte.\nAntoine Her zber g, L\npour Piano. Op. 8. Wien, Mechetti. 20 Ngr.\nEs gibt noble Salonstücke (Vergnügungs-Musik), die\nihre Berechtigung haben, weil sie ihren Zweck, zu unter-\nhalten, anständig erfüllen. Es gibt aber auch Salonstücke,\ndie so frivoler Natur sind, dass man sie bezeichnend un-\nzüchtige Musik nennen sollte. Zu letzterer Classe gehört\ndie Herzberg'sche Cascade. Ein fades, süssliches Thema\nvon acht Tacten, in Zweiunddreissigstel billig variirt und\nmit einigen stereotypen Trillern und Läufen untermischt,\nlullt volle zehn Seiten und kostet nur 20 Sgr. Hier ist\ndes Pudels Kern. Fis-dur,6/8-Tact.\nJoh. Rufinatscha, Zweite Sonate (C-dur) für Pia-\nnoforte. Op. 7. Wrien, Mechetti. 1 Thlr. 10 Ngr,\nDie Sonate von Rufinatscha gehört dagegen einer ern-\nsten Richtung an, hat aber keinen entschiedenen Charakter,\nkeine sprechende Physiognomie. Der Componist besitzt\neinen Combinations-Fonds, arbeitet aber oft mit ent-\nlehnten oder doch starke Anklänge zeigenden musicalischen\nGedanken. Es finden sich zu Anfang des zweiten Theiles\nim ersten Satze und auch im Adagio namentlich auffallende\nAnklänge an den Mittelsatz der zweiten Nummer der Schu-\nmann'schen Nachtstücke, Op. 23, die der Verfasser mit\nRecht sehr liebgewonnen haben muss; nur hätte er seine\nSelbstständigkeit mehr wahren und so instrumentgemäss\nwie Schumann schreiben sollen. Das Haupt-Motiv des er-\nsten Satzes:\nist frisch und schwungvoll (doch nicht ohne Anklang an\nschon Dagewesenes), klingt durch den ganzen ersten Satz\nhindurch, trägt ihn und macht ihn, abgesehen von man-\nchem Gequälten in der Durchführung und von der Ab-\nnahme an ursprünglicher Frische, doch zum interessante-\nsten der Sonate. Der zweite Satz, das Scherzo V -\nTact), füllt, wie der erste Satz, acht Seiten; kein schönes\nEbenmaass des Satzbaues. Das geht aber so zu: das eigent-\nliche Scherzo, etwas unruhig nergelnden Charakters, im\nersten Theile auf der Dominante, später nach wiederge-\nkehrtem Anfange in der Tonica schliessend, füllt fast drei\nSeiten. Nun folgt ein mehr ruhiges Alternativ (Trio) in\ndarauf wieder Note für Note das eigentliche Scherzo, dann\ndas .4s-Trio in C transponirt und eine Coda. Gegen solche\nAuswüchse muss man doch feierlichst protestiren. Das\nAdagio, F-moll,WTact, ist mehr Orchester- als clavier-\nmässig gedacht. Der Anfang:\nerinnert wieder sehr an die bereits erwähnte Schumann'-\nsche Composition. Ein edler Sinn spricht sich in diesem\nSatze, der durch etwas gesänftigte Melancholie anspricht,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "389", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571205-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 652, "texte": "aus, wenn man auch die Streich-Instrumente dabei vermis-\nsen wird.\nDer letzte Satz ist aber entschieden der schwächste\nund auch am ungleichsten hinsichtlich der Spielbarkeit.\nUnter lauter Achteln nimmt sich folgende, etwas triviale\nSechszehntelstelle fast komisch aus:\nIm ersten und letzten Satze kommen am Schlüsse der\nTheile Trugschlüsse vor, die achttactige Hinüberlührungen\nzum Anfange nöthig machen.\nHerr Rufinatscha wird in seinen folgenden Sonaten\nhoffentlich claviermässiger schreiben, und wenn er dann\nrecht gesunde, frische, eigene musicalische Hauptgedan-\nken bringt, so wollen wir seinen Fortschritt auch von gan-\nzem Herzen anerkennen. flf"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-12-05-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-12-05_01#c013", "volume": "bmtnabi_1857-12-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "389", "page_fin": "391", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571205-01.2.4", "titre_corps": "Für Gesang.", "titre_sommaire": "Für Gesang.", "signature_source": "L", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "389", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571205-01.1.5", "debut_caractere": 654, "fin_caractere_exclue": 3037, "texte": "Für Gesang.\n\nP. von Lindpaintner, Sechs geistliche Lieder.\nDichtung von Hiller, Spitta, Rückert, Krumma-\ncher, Klaus Harms, für eine Altstimme mit Piano.\n(Mit Instrumental-Begleitung. Manuscript.) Op.\n167. Pr. 1 Thlr. Berlin, Schlesinger.\nDiese Lieder rühren von einem bereits heimgegange-\nnen alten Praktiker her, der das Handwerk vollkommen\ninne hatte, mithin auch dankbar lür die Singstimme und\ndie Instrumente zu schreiben verstand, nur eben geist-\nlich sind sie nicht, noch weniger aus dem Geiste gezeugt,\nwie Beethoven's Compositionen der Gellert'scben Lieder.\nDer sinnliche Wohlklang ist vorherrschend, und die Sing-\nstimme ist auf den Effect hin geschrieben.\nIn Bezug auf die Form könnte man sie stereotyp nen-\nnen, z. B.:\nNr. 1. C-dur G-dur (E-moll) C-dur.\n„ 2. G-dur E-moll (D) G-dur.\n3. Es-dur C-moll Es-dur.\n7i\n„ 4. A-dur E-dur (Cismoll) A-dur.\n„ 5. Des-dur As-dur Des-dur.\n„ 6. F-dur Des-dur (F-moll) F-dur.\nWären die Töne zu diesen geistlichen Liedern wahr-\nhaft religiöser Empfindung entquollen, so hätte dieses\nstarre, schon vorher fertige Formwesen gar nicht eintre-\nten können—jede Absichtlichkeit bestraft sich in der Kunst.\nJunge Componisten sind dagegen wieder vor neumodi-\nscher Formlosigkeit zu warnen.\nIn den ersten beiden Liedern kommen auffallend viele\nSynkopen vor, die den Text radebrechen, z. B. in Nr. 1:\nin Nr. 2:\nUeberwiegend zusammengesetzte Tactarten, die beim\nSüdländer so leicht landläufige Rhythmen mit sich bringen,\nkommen hier überwiegend vor, als Nr. 1 V*, Nr. 3 %,\nNr. 4, Einleitung, %, Nr. 6 gar 12/ s mit folgender cha-\nrakteristischer Stelle:\nund:\nEine fröhliche Fülle von Text-Wiederholungen, wie oben:\n„keine\", die als blosses Flickwerk unzulässig sind, kommt\nauch vor. Wir verwahren uns übrigens ausdrücklich,\ndass wir nicht zu denen gehören, die alle Text-Wiederho-\nlungen mit Stumpf und Stil ausrotten möchten; es gibt be-\nkanntlich auch nothwendige, weil sinnig musicalische Text-\nWiederholungen. Die Begleitung ist meist im vierstim-\nmig gebundenen Stile gehalten, auch für andere Instrumente\nals Pianoforte gedacht, wie aus den Anmerkungen hervor-\ngeht, z. B. bei Nr. 5, die einen geistlicheren Charakter\nhat, als die übrigen: „dasselbe mit Begleitung von Quin-\ntuor, 2 Clarinetten, 2Fagotten und Horn.\" Die Singstimme\nhat den Umfang von h bis zum zweigestrichenen e und ist\nüberall sangbar und in so fern auch dankbar gesetzt.\nfit"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "390", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571205-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4243, "texte": "Gustav Flügel, Geistliche Lieder aus dem\nspanischen Liederbuche von Em. Geibel und Paul\nHeyse für eine Singstimme mit Clavier-Beglei-\ntung. Op. 43. Leipzig, bei C. Merseburger. Preis\n25 Sgr.\nEs sind sieben Lieder spanischer Dichter (drei von\nGeibel, vier von Heyse übersetzt), deren gläubige Romantik\nder Componist in ihrem eigentümlichen Charakter in Tö-\nnen wiederzugeben gestrebt hat, was ihm auch bei den\nmeisten gelungen ist. Die beste Nummer ist die zweite,\nmehr ein Gesangstück, als ein Lied: „Die ihr schwebet\num diese Palmen\", von Lope de Vega und Geibel —in C-\nmoll. Hier ist Alles schön, Gedicht, Melodie, Begleitung;\nvon einer volltönenden Sopranstimme, welche das hohe\nmit Leichtigkeit anschlägt, gesungen und mit Gefühl vor-\ngetragen, wird es überall eine schöne Wirkung machen\nund sich der Sängerin zugleich auch als dankbar beweisen.\nNächst diesem spricht Nr. 1: „Nun wandre, Maria\"\n(der heilige Joseph singt), durch Einfachheit an. Diese ist\njedoch in Nr. 3, deren Text: „Ach, des Knaben Augen\"\nu. s. w., gar lieblich ist, zu weit getrieben worden, indem\nSchlüsse, wie:\ndoch gar zu gewöhnlich sind. Beiläufig wollen wir auch\nhier wieder bemerken, dass die Bezeichnung „Ruhig\"\ndurchaus kein Zeitmaass angibt, indem man sowohl ein Ada-\ngio als ein Presto ruhig und unruhig spielen kann.\nG. Flügel, Bibel-Hymnen mit lateinischem und\ndeutschem Text lür den geistlichen Männerchor.\nHerrn Dr. Trinkler, k. Preussischem Schulrathe,\ngewidmet. Op. 47. Erfurt, G. W. Körner. Par-\ntitur 18 Sgr.\nDieses verdienstvolle Werk enthält sechszehn kurze\nkirchliche Gesänge nach Texten des alten Testaments (die\nVulgata mit guter deutscher Uebersetzung von F. T. Bev-\nschlag) für vier Männerstimmen; Nr. 16 ist als Doppelchor\ncomponirt. Sie sind für ihren Zweck, in Seminarien und\nSchulen bei Andachtsübungen und dem Chorgesang-Unter-\nricht gebraucht zu werden, recht gut. Die Melodie ist stets\nsangbar und die Stimmführung bequem; höhere Ansprüche\nwollen sie auch wohl, da die Harmonie durchgehends ho-\nmophon behandelt ist, nicht machen. Die Nummern 1, 2,\n3, 7,9, 12 dürften am meisten ansprechen.\nGustav Flügel hat in den letzten Jahren eine grosse\nThätigkeit auf dem Gebiete geistlicher Musik entwickelt.\nWir ergreifen desshalb die Gelegenheit, als deren Früchte\nnoch folgende Werke hier zu erwähnen:\nOp. 30. Drei We ihnachts-Cantaten für Män-\nnerchor. Coblenz, bei Falkenberg. 1 Thlr. lOSgr.\nOp. 46. Bibelsprüche (Nr. 1 13) lür Männer-\nchor, als Beitrag zu der Mettner'schen Sammlung-\nErfurt, bei G. W. Körner.\nOp. 48. Pater nosterlür drei gleiche Stimmen mit\nOrgel- oder Clavier-Begleitung. Mainz, Schott's\nSöhne. 15 Sgr.\nOp. 49. Sanctus o salularis.Dessgl. 29 Sgr. Beide\nWerkeben mit lateinischem und deutschem Text.\nOp. 50. Cantaten, Responsorien und\nnach Worten der heiligen Schrift lür zwei Soprane\nund Alte zum Gebrauche in Kirche, Schule\nund Haus. Leipzig, bei C. Merseburger. Nur\n7y2 Sgr. bei sehr hübscher Ausstattung.\nOp. 52. Geistliche Lieder von Friedrich\nOser lür eine Singstimme mit Clavier-Begleitung.\nAachen, ter Meer. Complet 20 Sgr.\nOp. 55. Fest-Cantate (Text von Schöler) zur dreihun-\ndertjährigen Reformations-Jubel- und Dankfeier\n(Simmern, am 16. Juli 1857) für Männerchor\nund Orgel-oder Clavier-Begleitung. Bei F. J. Stei-\nner in Neuwied. 1 5 Sgr.\nAusserdem haben wir noch in Langer's Repertorium\nfür Männerchor-Gesang, Leipzig, bei C. F. Kahnt,\neine Oster-Cantate (D-dur),eine Pfingst-Cantate\nund eine Cantate zum Gedächtniss der Verstorbenen: „Mit-\nten wir im Leben sind\"—und einige Gesänge in Greef's\nSammlung geistlicher Männerchöre gefunden.\nSo empfehlungswerth diese Resultate einer sehr ver-\ndienstlichen Arbeit sind, so möchten wir doch wünschen,\ndass Flügel sich von dieser Gattung, die mehr ein sehr eh-\nrenwerlhes Bild seiner Berufstätigkeit gibt, als die Kunst\nbereichert, einmal wieder zu Tonschöpfungen wenden\nmöchte, auf deren Gebiete die Phantasie und das Talent\ngeistvoller Ausarbeitung, wie sie z. B. in seinen Clavier-\nSonalen sich offenbaren, mehr walten könnten, als es in\nden beschränkten Formen möglich ist, in welchen sich die\nmeisten der obigen Gesangsachen bewegen müssen.\nJohann Eccard, Zwölf vier- und fünfstim-\nmige Gesänge. Partitur 1 Thlr., Stimmen\n1 % Thlr. (in Anzahl 3 Sgr. der Bogen)."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "391", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571205-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1625, "texte": "Dies ist die erste Lieferung von „Geistliche Mu-\nsik aus dem XVI. und XVII. Jahrhundert, der Blüthezeit\ndes deutschen Kirchengesanges, herausgegeben von G. W.\nTeschner\", welche in Magdeburg bei Heinrichshofen in\nschöner Ausstattung erscheint. Die zwölf Gesänge von Ec-\ncard sind aus den Jahren 1578, 1589 und 1594. Der\nDiscant und der Alt sind im Gder Tenor im der Bass\nim F-Schlüssel gedruckt. Diese Lieferung enthält:\n1. „0 Herr, durch Deinen biltern Tod\" für Discant,\nTenor, I. und 11. Bass. 2. „Christ ist erstanden\" (die\nerste Strophe des Lobgesanges) für D. I. und 11., T. I. und\nIL, Bass ursprünglich eine Quarte höher; jetzt geht der\nTenor I. nur bis g, die beiden Discante liegen etwas tief,\nder Bass geht jedoch nicht unter f, das auch nur Ein Mal\nvorkommt. 3. „Es traur', was trauern soll\", eine Terz\ntiefer, für D., T. I. und 11., Bass. 4, „Der Herr Jesus,\nmein Hirte,\" eine Terz höher, für D., A., T., B. 5.\n„Mag ich Unglück nicht widerstan\", Text angeblich von\nMaria, Königin von Ungarn, protestantischer Schwester\nKaiser Karl's V., einen Ton tiefer, für D., T. I. und 11., B.\n—6. „Der Tag, der ist so freudenreich,\" einen Ton tiefer,\nfür 3 Discant und 1 Alt (um eine Octav tiefer auch für\nMännerstimmen anwendbar).— 7. „Wir danken Gott\",um\neinen Ton tiefer, für D., T. I. und 11., B. —B. „Alles von\nGott\", um einen Ton tiefer, für D., A., T. I. und 11., B.\n9. „Ein fröhlich Osterlied\" (1594), um eine Terz tie-\nfer, für D., A., T., B.— 10. „Auf das heilige Pfingstfest\",\nfür D., A., T., B. 11. „ Ein Himmelfahrtslied\", eine Terz\ntiefer, für D., A., T., B.— 12. „AufMariä Heimsuchung\",\nfür D., A., T. und ß.\n\nL."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-12-05-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-12-05_01#c014", "volume": "bmtnabi_1857-12-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "391", "page_fin": "391", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571205-01.2.5", "titre_corps": "Aus Hamburg.", "titre_sommaire": "Aus Hamburg.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "391", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571205-01.1.7", "debut_caractere": 1627, "fin_caractere_exclue": 6407, "texte": "Aus Hamburg.\nEs ist in der Niederrheinischen Musik-Zeitung schon wiederholt\nvon der hiesigen Bach-Gesellschaft die Rede gewesen, deren\nZweck sorgfältige Einübung und Aufführung Bach'scher Musik ist,\num in ihrem eigenen und in weiteren Kreisen den Sinn für die er-\nhabenen Tonschöpfungen des grössten deutschen Meisters von Neuem\nzu beleben und zu stärken. Erlauben Sie mir daher, über das neu-\neste Ergebniss des höchst verdienstlichen Strebens dieses Vereins,\ndessen Bedeutsamkeit dadurch ins hellste Licht gesetzt wurde, in\nKurzem zu berichten,\nDie Bach-Gesellschaft hat am 18. November unter ihrem Diri-\ngcnten Herrn G. Armbrust, Organisten an der Petri-Kirche, die\ndrei ersten Theile von J. S. Bach's ~ W eihn ach ts - Ora tor ium(<\nzu einer Aufführung gebracht, welcher eine zahlreiche Zuhörerschaft\nden weihevollsten Genuss verdankte. Hört man diese lieblich erha-\nbene, in ihrer Andacht himmelhoch jauchzende Musik, so scheint es\nunerklärlich, wie ihr Schöpfer jemals bei dem grösseren Publicum\ndermaassen in Vergessenheit gerathen konnte, dass endlich besondere\nVereine und Anstalten nöthig wurden, um den grössten protestanti-\nschen Meister im Kirchenstil wieder in die verlorene Popularität\neinzusetzen. Das Weihnachts-Oratorium ist, namentlich in seinem\nzweiten Theile, ein Werk ganz unmittelbar verständlicher Art, trotz\nder Tiefe seiner Charakteristik, und zugleich von erstaunlicher Fülle\nund dem zartesten Schmelz der Melodieen. Die hiesige Aufführung\ngereicht allen daran Betheiligten zur Ehre, mochten sie im Chor, im\nOrchester oder an den Solostimmen stehen. Herr Ernst Koch aup\nKöln rechtfertigte in der Tenor-Partie des Evangelisten seinen Ruf\nals tüchtiger Musiker und geschmackvoller Sänger. Namentlich hat\nder Vortrag der Recitative bei allen Musikern und bei dem kunst-\nverständigen Theile des Publicums den grössten Beifall hervorgeru-\nfen. Der Sänger hat es verstanden, durch die Stelle in Nr. 26: ~Und\nMaria behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen'*,\neine innige Rührung hervorzurufen, und eben so vortrefflich sang er\ndas letzte Recitativ: „Und die Hirten kehrten wieder um, preiseten\nund lobeten Gott um alles, das sie gesehen und gehöret hatten.\" Die\nAlt-Soli sang, mit Ausnahme der letzten Arie, eine Dilettantin, eine\nTochter des Pastors B. mit lieblicher Einfachheit. Die Bass-Partie\nwar in den Händen eines jungen Schullehrers, Namens Schulze,\nder mit einer kostbaren Stimme begabt ist, frisch, stark und wohl-\nlautend, die aber noch der künstlerischen Ausbildung bedarf. Die\nBass-Arie: „Grosser Herr und starker König\", sang er recht gut?\neben so auch die Recitative, die Kraft erforderten. In sanften Sätzen\njedoch, und namentlich in dem Duett für Bass und Sopran (mit\neinem anderen Fräul. 8., ebenfalls Mitglied der\nverstand er seine Stimme noch nicht gehörig zu massigen, wie denn\nüberhaupt die richtige und geschickte Behandlung seines trefflichen\nOrgans Sache eines fleissigen Studiums sein wird. Der Chor sang\nmit grosser Präcision und sichtbarer Liebe zur Sache ein haupt-\nsächliches Verdienst seines Dirigenten. Wie wir gehört haben, soll\nder Verein lange und gewissenhaft üben, so dass die meisten Mit-\nglieder nicht allein ihre Stimme, sondern auch die übrigen fast aus-\nwendig kennen, was bei Bach'schen Sachen freilich beinahe nothwen-\ndig ist. Das Orchester spielte mit Hingebung und trug namentlich\ndie reizende idyllische Sinfonie zu Anfang des zweiten Theils gut\nvor, so dass die Zuhörer in die seligste Stimmung dabei versetzt\nwurden. Ausser der Orchester-Begleitung wirkte auch die Orgel mit.\nChöre und Choräle haben auch auf die Menge guten Eindruck ge-\nmacht. Die Arien, obgleich die Wiederholungen weggelassen wur-\nden, haben nicht alle gleich angesprochen. Die Gesellschaft ist öf-\nfentlich aufgefordert worden, die Aufführung baldigst zu wiederholen.\nDie drei ersten Theile des Oratoriums, auf welche man sich be-\nschränkt hatte das ganze zählt bekanntlich sechs Theile um-\nfassen die ersten 30 Nummern (von 56) und bilden eine Weihnachts-\nCantate, die mit der Erzählung von der Geburt des Heilandes recht\ngut als ein Ganzes für sich abschliesst.\nDie Aufführung fand am Abende in der Petri-Kirche Statt. Diese\nKirche wird im Winter stets geheizt*), und die prächtige Gas-Be-\nleuchtung ihrer Räume trug nicht wenig zu der wirklich feierlichen\nStimmung der Zuhörer und der Ausführenden bei. Die Einnahme\nwar für den Gustav-Adolf-Verein bestimmt. Aber nicht bloss dieser,\nsondern das ganze kunstsinnige Publicum ist der Bach-Gesellschaft\nzu Dank verpflichtet. 6.\n*) Das lässt sich hören! Zu Köln am Rheine hat das (auch\nvon uns angekündigte) zweite Abonnements-Concert im Güi-\nzenicli-Saale aufgeschoben werden müssen, weil der Apparat\nzur Erwärmung de® Saales noch nicht fertig :st.\nAnmerkung der Kedaction»"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-12-05-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-12-05_01#c015", "volume": "bmtnabi_1857-12-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "392", "page_fin": "392", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571205-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "392", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571205-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3998, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nBarmen. Im dritten Abonnements-Concerte wurden aufge-\nführt: J. Rietz Fest-Ouverture J. Haydn „Des S taubes eitle\nSorgen\" Violin-Concert von C. Reinecke (neu), gespielt von\nHerrn Seiss Men dels s ohn' s Psalm: „Da Israel aus Aegyp-\nten zog. 11. Theil. Sinfonie Nr. V. in C-moll von Beethoven.\nNeuwied« Am 24. November veranstaltete der Flügel'sehe\nGesang-Verein in der Mennoniten-Kirche eine dritte Vesper, wel-\ncher auch die kunstsinnige Fürstin und die Prinzessin Louise wie-\nderum beiwohnten. Es wurden acht Motetten und Choräle (von J. S.\nund Mich. Bach, Eccard, Schütz u. s. w.) vorgetragen, unterbrochen\nvon drei Präludien auf der Orgel. Die Einnahme beim Ausgange\nwar für die hiesige Kleinkinderschule bestimmt.\nIn Berlin ist die neue Oper von W. Taub ert, „Macbeth\",\nin fünf Acten, am 16. November zum ersten Male aufgeführt wor-\nden (Fräul. Wagner Lady Macbeth, Herr Salomon Macbeth,\nHerr Formes MacdufF; Fräul. Trietsch, Frau Böttieher Hexen.\nDresden« Der hiesige Componist Siering, der sich durch\nseine Ciavierstücke, Lieder und grössere Compositionen für Kammer-\nmusik Anerkennung verschafft hat, wird in Kurzem der Oeffentlich-\nkeit eine dreiactige Oper übergeben.\nFrau Sally Reinhardt-Schulze, eine Schülerin Mendels-\nsohn's, die seit einigen Jahren in Dresden als Gesanglehrerin wirkt,\nveranstaltete am 15. November ein selbstständiges Concert, dem\nnichts weiter zu wünschen blieb, als ein zahlreicheres Auditorium.\nDas concertbesuchende Publicum scheint durch das, was die Saison\nbisher geboten, bereits etwas abgespannt zu sein, und in der That\ndrängt eine Aufführung die andere, so dass auch in der „Const.\nZtg.\"-über die verhältnissmässig geringe Betheiligung geklagt wird,\ndie das Publicum der am Mittwoch Statt gefundenen Aufführung\ndes „Belsazer\" in der Dreissig'schen Sing-Akademie zuwandte.\nFrau Reinhardt-Schulze besitzt neben einer sehr guten Schule eine\nschöne Stimme, deren Mitteltöne namentlich ausserordentlich ange-\nnehm, weich und edel sind.\nWien. Die Stiftungsfest-Liedertafel des hiesigen Männergesang-\nVereins fand am 7. November Abends im Sophienbad-Saale bei aus-\nserordentlichem Zuspruche in fröhlichster Weise Statt. Vor der Ta-\nfel wurden vorgetragen: „Schifferlied\" von Hoven, „Die Lerchen\"\nvon Hiller, „Die drei köstlichsten Dinge\" von Reuling und „Nor-\nmanns Sang\" von Kücken; während der Tafel: „Den Schönen Heil\",\nTenor-Solo mit Chor von Neithardt, dann die Volkslieder a) „Un-\ntreue\", b) „Oberschwäbisches Tanzlied\" von Silcher, ein Quintett von\nWöckl, „Trinklied\", Chor von Speindel, „Rheinweinlied\" von Men-\ndelssohn und „Das deutsche Lied\" von Kalliwoda. Eine erfreu-\nliche Beigabe waren Lieder-Vorträge der Hof-Opernsängerinnen Fräu-\nlein Liebhardt und Titjens, ein Violin-Solo des Herrn Hellmesberger,\neine Declamation des Hof-Schauspielers Herrn Meixner.\nBrüssel« Mlle. Ar tot, die junge belgische Künstlerin, ist für\ndie grosse Oper in Paris auf drei Jahre engagirt und erhält im er-\nsten Jahre 20,000, im zweiten 30,000, im dritten 40,000 Fr. nebst\ndreimonatlichem Urlaub im zweiten und im dritten Jahre. Sie hat\nihre Aufnahme-Prüfung im Saale der grossen Oper bestanden, und\nzwar in Gegenwart Meyerbeer's und der vorzüglichsten Vertreter der\nPresse. Meyerbeer soll von der Stimme und dem Talente der jungen\nKünstlerin so entzückt gewesen sein, dass er sich entschlossen hat,\nendlich mit der „Africanerin\" hervorzurücken.\nsraris.5raris. Offenbach, der Director der Bouffes Parisiennes, soll\nendlich dem Widerstande Rossini's eine Opera buffa abgerungen\nhaben, die aus der Jugendzeit des Meisters herrührt. Der-\nselbe hat sogar versprochen, mehrere Stunden den Proben zu widmen,\nLoiidon* Die neue Oper von Balfe, The Rose of Castille (die\nRose von Castilien), hat im Lycenm-Theater einen Erfolg gehabt,\nder bei weiteren Vorstellungen glänzender wurde. Die Ausführung\nvon Seiten des Orchesters und der Chöre wird sehr gerühmt; auch\nsoll Miss Louisa Pyne den Hauptpart mit dem glänzendsten Er-\nfolge gesungen haben."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "385", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571205-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nFranz Wild, Biographie. Beurtheilungen. Für Pianoforte: A. Herzberg, Op. 8. Joh. Rufinat-\nscha, Sonate, Op. 7. Für Gesang: P. v. Lindp aintner, Sechs geistliche Lieder, Op. 167. Von fff. G. Flügel, Geistliche Lie-\nder, Op. 43. Bibel-Hymnen, Op. 47. Geistliche Compositionen, Op. 30, 46, 48, 49, 50, 52, 55. Joh. Eccard, Zwölf vier- nnd fünf-\nstimmige Gesänge. Von L. Aus Hamburg. Tages- und Unterhaltungsblatt (Barmen, Neuwied, Berlin, Dresden, Wien).\n\nFranz Wild\n*>■\nFranz Wild wurde als Sohn einfacher, schlichter\nLandbewohner am 31. December (dem Sylvester-Abende)\n1791 in Niederhollabrunn in Niederösterreich geboren.\nBei seiner Taufe ereignete sich der in Beziehung auf seine\nspätere Laulbahn nicht uninteressante Umstand, dass, als\ndem Kinde das Wasser über den Kopf geschüttet wurde,\nes mit einer so ausserordentlich kräftigen Stimme anhaltend\nzu schreien anfing, dass der dortige Schulmeister Blacho\nausrief: „Nu! aus dem muss einmal ein guter Sänger wer-\nden; den muss ich lehren!\" Und so geschah es auch; der\nwackere Schulmeister, der unermüdlichen Fleiss auf die\nAusbildung des Knaben verwandte, sah seine Wünsche\nschon in der Entwicklung desselben so vielversprechend\ngekrönt, dass die schnelle Ausbildung seiner herrlichen An-\nlagen ihn nicht mehr überraschte. Wild kam als Sänger-\nknabe in das Stift der lateranischen Chorherren zu Kloster-\nneuburg und wurde bald in das k. k. Stadt-Convict als\nHof-Capellsänger-Knabe Behufs der Förderung seiner Stu-\ndien aufgenommen. Sein innerer Drang liess ihn aber\nbesonders da die Mutation seiner Stimme in der unglaub-\nlich schnellen Zeit von zwei Monaten vollständig vor sich\nging seine Studien nicht vollenden, um möglichst schnell\nseinem Wunsche, der Bühne anzugehören, die volle Befrie-\ndigung zu verschaffen. Er trat daher schon im Jahre 1807\nseinem sechszehnten Lebensjahre aus und liess sich\nbei Karl Mayer, damaligem Director des Theaters in der\nJosephstadt, als Chorsänger engagiren. Die äusserst prekä-\nren Verhältnisse dieser Bühne und die daselbst häufigen,\nihm besonders empfindlichen Gagenstockungen veranlassten\nihn aber schon nach kurzer Zeit, diese Bühne wieder zu\nverlassen und sich in gleicher Eigenschaft bei dem Theater\nin der Leopoldstadt, unter Hensler's Direction, empfoh-\nlen durch den Hof-Capellsänger und unvergesslichen Komi-\nker Ignaz Schuster, verwenden zu lassen. Seine mar-\nkige und schöne Stimme fiel bald auf, und man vertraute\nihm mehrere kleine Gesang-Partieen, z. ß. den Minnesän-\nger Frohwald in der Teufelsmühle, an. die er befriedigend\ndarstellte. Ein glücklicher, für seine Zukunft verhängniss-\nvoller Umstand erwarb ihm auf einmal die volle Theilnah-\nme des Publicums.\nIm Jahre 1808 gab Heinrich von Gollin seine\nvortrefflichen Wehrmannslieder heraus, die der geniale Jo-\nseph Weigl herrlich in Musik setzte. Herr Hensler hatte\nden glücklichen Gedanken, zu wiederholten Malen vor dem\nBeginne seiner Vorstellungen sie auf seiner Bühne vortra-\ngen zu lassen, wo sie dann den lebhaftesten Beifall erran-\ngen. Bei einer dieser Wiederholungen wurde der Sänger\nBondra (Vater der beiden beliebten Hof-Opernsängerin-\nnen Mad. Treml und Dem. Bondra, die beide im Blüthen-\nalter des Lebens und der Kunst von der Weltbühne abtra-\nten) plötzlich so heiser, dass er das eben vorzutragende\nLied: „Oesterreich über Alles, wenn es nur will\", durch-\naus nicht anzustimmen vermochte; er zog daher aus dem\nKreise der ihn umgebenden Chorsänger Wild heraus, stellte\nihn dem Publicum vor, gab ihm die Partie in die Hand,\nund dieser sang sie vom Blatte weg mit wundervoll herr-\nlicher Stimme und dem entsprechendsten Vortrage, unter\ndem dröhnenden Beifalle des Publicums.\nDieser unerwartete Erfolg entschied für seine ganze\nZukunft. Herrn Wild wurde ein Engagement im k. k. Hof-\nOperntheater für den Chor und kleine Sang-Parlieen ange-\nboten, und er fiel in letzterer Beziehung durch seine kraft-\nvolle, sonore Stimme im Quartett der Barden in der Oper\n„Uthal\" (vonMehul) so sehr auf, dass der eben anwesende\nfürstlich Esterhazy'sehe Concertmeister Johann Nep.\n\n*) Auszugsweise nach der „Neuen Wiener Musik-Zeitung\"."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "386", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571205-01.1.2", "texte": "Hummel sogleich mit ihm in Unterhandlung trat und ihn\nfür die fürstliche Capelle zu Eisenstadt als Sänger zu ge-\nwinnen wusste. Da dort bei Gelegenheit der fürstlichen\nJagden, wo mehrere hohe Gäste eingeladen waren, der Di-\nrector des k. k. Theaters an der Wien, Graf Ferdinand\nPalffy, bei einigen auf dem fürstlichen Schlosstheater zu\nEisenstadt gegebenen Productionen unseren Sänger zu hö-\nren Gelegenheit fand, lud er ihn fürs nächste Jahr (1811)\nzu einigen Gastspielen auf seinem Theater an der Wien\nein. Er trat dort am 4. Juni mit dem allgemeinsten Bei-\nfalle als Prinz Ramiro in Isouard's „Aschenbrödel\" auf,\nden er am 18. wiederholte. Die überaus günstige und eh-\nrenvolle Aufnahme bewog den Herrn Grafen, ein Engage-\nment mit dem jugendlichen Künstler, der in diesem seinem\nVersuche in Haupt-Partieen in Wien als erster Tenor\nschon das Spruch wort: „Ex das er spä-\nter so schön bewahrheitete, erkennen liess, abzuschliessen,\nund er trat am 7.September desselben Jahres als fest en-\ngagirtes Mitglied des Theaters an der Wien in derselben\nRolle auf.\nBald darauf erkannte man in der trefflichen Darstel-\nlung des Frossarel in Bierey's Oper „Die Gemsenjäger\",\nwelch einen herrlichen Gewinn diese Bühne an diesem\n„Sänger der Liebe\" gemacht hatte. Aufs höchste über-\nrascht fand sich das Publicum durch die meisterhafte, in\nSpiel und Gesang gleich vortreffliche Darstellung des Ta-\nmino, die dem herrlichen Künstler erst die echte, volle\nWeihe gab. Wer ihn in dieser Rolle gehört hat, erinnert\nsich mit wonnigem Gelühle besonders jener markdurchdrin-\ngenden Töne mit voller Bruststimme in dem Terzette mit\nden geharnischten Männern, die jedesmal einen Sturm\nvon Beifall hervorriefen. Dieser Darstellung folgte bald dar-\nauf jene des Sargines und des Don Ottavio im Don Juan,\nwie des Fernando in desselben grossen Tonmeisters Cosi\n[an lutle(mit passender Umarbeitung des schalen Textes\ndie Zauberprobe genannt), des Grafen Loredano in Paer's\nCamilla und des Ninias (Arsaces) in Catel's Semiramis,\nwelchen sämmtlich trefflich ausgeführten Partieen bald nach\nEhler's Abgang die Alles überragende Darstellung des\nJohann von Paris folgte, jener Partie, in der Wild nach\nVereinigung der Oper des Theaters an der Wien mit jener\ndes Kärnthnerthor-Theaters auf letztgenannter Bühne zum\nersten Male am 5. Mai 1814 auftrat.\nAis min Wild allein der Hof-Opernbühne seine Kräfte\nwidmete, errang er einen ungeheuren Erfolg als Joseph in\nMehul's Joseph und seine Brüder, welcher um so höher\nangeschlagen werden moss, als er ihn an der Seite Michael\nVogel's errang, dieses Musterbildes eines echt declamato-\nrischen Meistersängers, den Wild selbst als sein Vorbild\nim Recitativgesange bezeichnete. Die nächste grossartige\nLeistung war die Rolle des Licinius in Spontini's Vesta-\nlin. Schon nach dem ersten Acte war der Enthusiasmus\ndes Publicums ungemein rege und ein Erfolg, wie er noch\nselten da gewesen, entschieden.\nBald darauf wusste sich Wild als wahrer, echter Trou-\nbadour durch seine liebliche Leistung als Joconde die all-\ngemeinsten Herzens-Sympathieen zu sichern, und flocht\nsich auch im edleren, höheren Stile als Tancred in Rös-\nsings „befreitem Jerusalem\" ein neues Blatt in seinen\nsich immer reicher gestaltenden Künstlerkranz.\nDoch schon nahte die Stunde, in der Wild von seinem\nlieben Wien Abschied zu nehmen gezwungen wurde.\nSchon zur Zeit des Congresses (1814 und 1815) hatte\ner ein äusserst glänzendes Engagement von Seilen Sr. Kö-\nniglichen Hoheit des Grossherzogs Karl von Baden ange-\nnommen; allein durch ein ohne sein Wissen von Seiten der\ndamaligen Direction auf falschen Prämissen nach Karlsruhe\neingeleitetes Verfahren wurde dieser Contract aufgelöst,\nda man es wagte, dies als einen von höchster Gewalt aus-\ngehenden Wunsch dorthin zu berichten. Da fasste Wild,\nauch noch durch nicht erfüllte Verheissungen anderweitig\ntief gekränkt, den Entschluss, seine Urlaubsreise im Jahre\n1816 zu benutzen, um sich von den ihm aufgedrungenen\nFesseln zu befreien.\nEr verliess sein Vaterland mit schwerem Herzen und\num so unlieber, als er am 5. Mai 1814 eine eheliche Ver-\nbindung mit Fräul. Joseph ine B on n (eigentlich v. Kirch-\nstetten) einging, die als Künstlerin (Mitglied des Theaters\nan der Wien) sich eines bereits nicht unvorteilhaften Ru-\nfes erfreute und zum Leidwesen vieler Kunstfreunde frei-\nwillig die gewählte Bahn verliess und sich ins Privatleben\nzurückzog.\nEr betrat vor Antritt seiner Urlaubsreise am 4. Juni\n1816 als Joseph zum letzten Male die Hof-Opernbühne,\nbrauchte sodann eine Cur in Karlsbad und Franzensbad,\nwo er durch den Ertrag von zwei Concerten den Grund\nzur Errichtung eines Spitals legte und dann eine Rundreise\ndurch Deutschland begann, wo er Frankfurt am Main, Mainz,\nLeipzig, Berlin, Dresden, Hamburg, Pyrmont, Kassel, Göt-\ntingen berührte und endlich ein festes Engagement am\ngrossherzoglichen Hoflheatar in Darmstadt annahm, wo er\nam 9. November zuerst als Sargines debutirte und bald der\nerklärte Liebling des Publicums ward."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "387", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571205-01.1.3", "texte": "Die wiener Direction that unaufhörlich Schritte, selbst\npoüceilich, ihn wieder an Wien zu fesseln, bis endlich durch\ndie persönliche Vermittlung des Grossherzogs von Hessen,\nLudwig's 1., er seiner Unterthanenpflicht entlassen und die\nAuswanderungs-Bewilligung ihm ertheilt wurde. Erst im\nJahre 1820 gelang es der Hoftheater-Direction, ihn zu\neinem Gastrollen-Cyklus zu vermögen, und er betrat unter\nallgemeinem Jubel als Joseph, in der Triumph-Rolle seines\nfrüheren Engagements, die Bühne wieder. Seine zweite\nRolle, worin er seine grossen Fortschritte im Spiel, im ge-\ntragenen Gesänge und im Recitativ im Gebiete der Helden-\nTenöre an den Tag legte, war die früher in Wien von ihm\nnie gegebene Rolle des Othello von Rossini. Er erregte mit\ndieser wundervollen Leistung, in der er ausser Donzelli\nkeinen Nebenbuhler hat, im vollsten Sinne des Wortes Be-\ngeisterung. Licinius, Johann von Paris, Rodolphe (Roth-\nkäppchen), Joconde, Tamino, Arsaces (in Semiramis, eine\nder eminentesten Kunstleistungen) waren die herrlichen\nBlüthen, die Wild's wundervolle Stimme und sein classi-\n9ches Spiel boten, und die sein in lyrischen wie classischen\nOpern gleich grosses Talent allgemein bewundern liessen.\nNach Vollendung dieses Gastspiels kehrte er nach\nDarmstadt zurück, wo er als Cassander in Spontini's Olym-\npia wieder auftrat. 1821 —22 erfreute er Amsterdam mit\nseinen Kunstschöpfungen; 1823 befiel ihn ein grosser, die\nhöchste Gefahr drohender Anfall im Bade zu Schwalbach.\nDie Menge des eiskalten, im nüchternen Zustande genosse-\nnen Heilbrunnens verursachte ihm einen so heftigen Starr-\nkrampf, dass volle Bewusstlosigkeit eintrat und die dortigen\nAerzte vergebens ihre Kunst erschöpften, bis der grossher-\nzoglich darmstädtische Leibarzt und Medicinalrath Dr. En-\ngel (bereits gestorben) ihn der schrecklichen Situation\nglücklich entriss und nach zwei Monaten wieder herstellte.\n1824 verliess er Darmstadt und begab sich nach Paris,\ntheils um die dortigen Theater-Zustände kennen zu lernen,\ntheils um unter Rossini's und Bordogni's Leitung noch jetzt\ndie kunstgemässe Verwendung des Falsets in ihrem vollen\nUmfange zu studiren.\nIn Paris sang er in verschiedenen Concerten. Hierauf\nmachte er eine Kunstreise, auf der ihm in Strassburg,\nKarlsruhe, Frankfurt am Main frische Lorbern erblühten.\nEr nahm nun ein Engagement am kurfürstlichen Hoftheater\nin Kassel an, wo er als Othello debutirte. Im Jahre 1826\ngab er in Berlin 16 Gastrollen, unter welchen Othello den\nPreis errang, und in Prag 14. 1829 am 16. Juli begann\ner einen Gastrollen-Cyklus in Wien, in welchem George in\nder weissen Frau, der Grossmeister im „Kreuzritter\",\nOthello, Joseph, Don Juan, Graf Almaviva, alle mit emi-\nnentem Erfolge dargestellt, das Repertoire bildeten. Auch\nim Jahre 1830 kehrte er neuerdings nach Wien wieder,\num Gastrollen zu geben. Aber schon bei der ersten, Masa-\nniello, befiel ihn auf der Bühne ein heftiges Unwohlsein,\nund er hatte es nur der Geschicklichkeit des ausgezeichne-\nten Arztes Dr. Röhrich zu verdanken, dass er nach einer\nPause vom 1 8. Juni bis 3. Juli als hergestellt abreisen\nkonnte. Er gab hierauf fünf Gastrollen in Darmstadt und\ntrat mit dem 1. November 1830 als festes Mitglied der\nk. k. Hofoper in Wien ein, abgerechnet die Ausflüge, die\ner in der dreimonatlichen Ferienzeit jährlich machte, und\neines längeren Urlaubs im Jahre 1833.\nIm Jahre 1835 wurde ihm die Ehre zu Theil, in Tep-\nlitz, wo die Zusammenkunft der drei Monarchen, der Kai-\nser Ferdinand und Nikolaus und des Königs Fried-\nrich Wilhelm 111., Statt fand, im Vereine mit der pra-\nger Oper dahin berufen, zu singen. Im Jahre 1840 erhielt\ner mit der berühmten Sabine Heinefetler und mit Staudigl\neinen Ruf in die zweite Hälfte der londoner Saison im\nPrinzess-Theater, wo er aber mit ungünstigen Repertoire-\nVerhältnissen zu kämpfen hatte und nur in den Opern\nNachtlager, Jessonda, Ipbigenia auf Tauris und Frei-\nschütz (im letzteren 17 Mal) auftreten konnte. Hierauf gab\ner im Königstädter-Thealer zu Berlin 41 Gastrollen.\nIm Jahre 1845 wurde Wild zum Ober-Regisseur er-\nnannt, nachdem er seine Künstler-Laulbahn am 24. März\n1845 gänzlich beschlossen hatte, da nach der damals an-\ngenommenen Norm kein Regisseur mehr selbst ausübender\nKünstler sein sollte. Seine letzten Leistungen waren Elea-\nzar in der „Jüdin\", Don Juan, Arnold in „ Wilhelm Teil\"\nund 16 Mal Abayaldos in „Don Sebastian\", mit welcher\nder SchJuss seines ruhmvollen Wirkens gemacht wurde.\nAls Ober-Regisseur verdankte ihm Wien den Gewinn der\nunvergesslichen Anna Zerr, des genialen Karl Formes, des\nherrlichen Ander, dessen künftige Kunstgrösse schon da-\nmals der untrügliche Blick des erfahrenen Künstlers voraus-\nsah, des stimmkräftigen Draxler, der liebenswürdigen Co-\nloratursängerin Fräul. Liebhart.\nIn neuester Zeit entzückte Wild noch als Liedersänger\nmehrere ausgewählte Privatcirkel, und feierte jetzt, am 8.\nNovember, an welchem Tage er als Chorist zuerst die\nBühne betreten, sein fünfzigjähriges Sänger-Jubiläum durch\nein Concert im Musikvereins-Saale.\nAls das fünfzigste Jahr seit dem Tage, an welchem er\nzum ersten Male als Chorsänger in die Laufbahn eintrat,\ndie ihn zu den höchsten künstlerischen Ehren emporführen"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "388", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571205-01.1.4", "texte": "sollte, herangekommen war, drängte es ihn, noch einmal\nin der Oeffentlichkeit zu erscheinen, noch einmal jene\nKunstfreunde um sich versammelt zu sehen, denen er einst\nso viele, so unvergessliche Genüsse bereitet hatte. Er hat\nauch mit dem Drange der Kunstbegeisterung zugleich sein\nHerz zu befriedigen gewusst, er hat den Reinertrag seines\nConcertes Humanitäts-Zwecken gewidmet.\nNach einem Prologe von Otto Prechtler, von dem\nHof-Schauspieler Herrn Sonnenthal gesprochen, erschien\nder Meister, sichtbar bewegt, vor dem Publicnm, das alle\nRäume des Saales dicht gedrängt in erwartungsvoller Span-\nnung füllte. Es erhob sich ein Beifallsjubel, der nicht zu\nbeschreiben ist. Wild sang das „ Fischermädchen8 von\nMeverbeer und den „Aufenthalt8 von Schubert. Und schnell\nj 7/\nhatten sich die WTorte des Prologs bewährt:\nNoch ein Mal freud- und wehmuthsvollen Klanges\nGrüsst euch das Lied aus unsres Meisters Brust,\nNoch einmal froh die Seele des Gesanges,\nDie du im Scheiden noch bewundern musst.\nNoch wirkte er in einem Quartettino von Rossini und in\nder Introduction aus Rossini's „Belagerung von Korinth\"\nmit den Herren Ander und Schmidt und dem Chor.\nHerr Hof-Capellmeister Eckhardt ehrte den Altmei-\nster Wild und sich selbst durch die Uebernahme der Be-\ngleitung sämmtlicher Gesangstücke am Ciavier. Gleichmäs-\nsig wie der Empfang war der Abschiedsgruss an den be-\nrühmten Meister des Gesanges.\n\nBeurtheilungen.\nFür Pianoforte.\nAntoine Her zber g, L\npour Piano. Op. 8. Wien, Mechetti. 20 Ngr.\nEs gibt noble Salonstücke (Vergnügungs-Musik), die\nihre Berechtigung haben, weil sie ihren Zweck, zu unter-\nhalten, anständig erfüllen. Es gibt aber auch Salonstücke,\ndie so frivoler Natur sind, dass man sie bezeichnend un-\nzüchtige Musik nennen sollte. Zu letzterer Classe gehört\ndie Herzberg'sche Cascade. Ein fades, süssliches Thema\nvon acht Tacten, in Zweiunddreissigstel billig variirt und\nmit einigen stereotypen Trillern und Läufen untermischt,\nlullt volle zehn Seiten und kostet nur 20 Sgr. Hier ist\ndes Pudels Kern. Fis-dur,6/8-Tact.\nJoh. Rufinatscha, Zweite Sonate (C-dur) für Pia-\nnoforte. Op. 7. Wrien, Mechetti. 1 Thlr. 10 Ngr,\nDie Sonate von Rufinatscha gehört dagegen einer ern-\nsten Richtung an, hat aber keinen entschiedenen Charakter,\nkeine sprechende Physiognomie. Der Componist besitzt\neinen Combinations-Fonds, arbeitet aber oft mit ent-\nlehnten oder doch starke Anklänge zeigenden musicalischen\nGedanken. Es finden sich zu Anfang des zweiten Theiles\nim ersten Satze und auch im Adagio namentlich auffallende\nAnklänge an den Mittelsatz der zweiten Nummer der Schu-\nmann'schen Nachtstücke, Op. 23, die der Verfasser mit\nRecht sehr liebgewonnen haben muss; nur hätte er seine\nSelbstständigkeit mehr wahren und so instrumentgemäss\nwie Schumann schreiben sollen. Das Haupt-Motiv des er-\nsten Satzes:\nist frisch und schwungvoll (doch nicht ohne Anklang an\nschon Dagewesenes), klingt durch den ganzen ersten Satz\nhindurch, trägt ihn und macht ihn, abgesehen von man-\nchem Gequälten in der Durchführung und von der Ab-\nnahme an ursprünglicher Frische, doch zum interessante-\nsten der Sonate. Der zweite Satz, das Scherzo V -\nTact), füllt, wie der erste Satz, acht Seiten; kein schönes\nEbenmaass des Satzbaues. Das geht aber so zu: das eigent-\nliche Scherzo, etwas unruhig nergelnden Charakters, im\nersten Theile auf der Dominante, später nach wiederge-\nkehrtem Anfange in der Tonica schliessend, füllt fast drei\nSeiten. Nun folgt ein mehr ruhiges Alternativ (Trio) in\ndarauf wieder Note für Note das eigentliche Scherzo, dann\ndas .4s-Trio in C transponirt und eine Coda. Gegen solche\nAuswüchse muss man doch feierlichst protestiren. Das\nAdagio, F-moll,WTact, ist mehr Orchester- als clavier-\nmässig gedacht. Der Anfang:\nerinnert wieder sehr an die bereits erwähnte Schumann'-\nsche Composition. Ein edler Sinn spricht sich in diesem\nSatze, der durch etwas gesänftigte Melancholie anspricht,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "389", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571205-01.1.5", "texte": "aus, wenn man auch die Streich-Instrumente dabei vermis-\nsen wird.\nDer letzte Satz ist aber entschieden der schwächste\nund auch am ungleichsten hinsichtlich der Spielbarkeit.\nUnter lauter Achteln nimmt sich folgende, etwas triviale\nSechszehntelstelle fast komisch aus:\nIm ersten und letzten Satze kommen am Schlüsse der\nTheile Trugschlüsse vor, die achttactige Hinüberlührungen\nzum Anfange nöthig machen.\nHerr Rufinatscha wird in seinen folgenden Sonaten\nhoffentlich claviermässiger schreiben, und wenn er dann\nrecht gesunde, frische, eigene musicalische Hauptgedan-\nken bringt, so wollen wir seinen Fortschritt auch von gan-\nzem Herzen anerkennen. flf\n\nFür Gesang.\n\nP. von Lindpaintner, Sechs geistliche Lieder.\nDichtung von Hiller, Spitta, Rückert, Krumma-\ncher, Klaus Harms, für eine Altstimme mit Piano.\n(Mit Instrumental-Begleitung. Manuscript.) Op.\n167. Pr. 1 Thlr. Berlin, Schlesinger.\nDiese Lieder rühren von einem bereits heimgegange-\nnen alten Praktiker her, der das Handwerk vollkommen\ninne hatte, mithin auch dankbar lür die Singstimme und\ndie Instrumente zu schreiben verstand, nur eben geist-\nlich sind sie nicht, noch weniger aus dem Geiste gezeugt,\nwie Beethoven's Compositionen der Gellert'scben Lieder.\nDer sinnliche Wohlklang ist vorherrschend, und die Sing-\nstimme ist auf den Effect hin geschrieben.\nIn Bezug auf die Form könnte man sie stereotyp nen-\nnen, z. B.:\nNr. 1. C-dur G-dur (E-moll) C-dur.\n„ 2. G-dur E-moll (D) G-dur.\n3. Es-dur C-moll Es-dur.\n7i\n„ 4. A-dur E-dur (Cismoll) A-dur.\n„ 5. Des-dur As-dur Des-dur.\n„ 6. F-dur Des-dur (F-moll) F-dur.\nWären die Töne zu diesen geistlichen Liedern wahr-\nhaft religiöser Empfindung entquollen, so hätte dieses\nstarre, schon vorher fertige Formwesen gar nicht eintre-\nten können—jede Absichtlichkeit bestraft sich in der Kunst.\nJunge Componisten sind dagegen wieder vor neumodi-\nscher Formlosigkeit zu warnen.\nIn den ersten beiden Liedern kommen auffallend viele\nSynkopen vor, die den Text radebrechen, z. B. in Nr. 1:\nin Nr. 2:\nUeberwiegend zusammengesetzte Tactarten, die beim\nSüdländer so leicht landläufige Rhythmen mit sich bringen,\nkommen hier überwiegend vor, als Nr. 1 V*, Nr. 3 %,\nNr. 4, Einleitung, %, Nr. 6 gar 12/ s mit folgender cha-\nrakteristischer Stelle:\nund:\nEine fröhliche Fülle von Text-Wiederholungen, wie oben:\n„keine\", die als blosses Flickwerk unzulässig sind, kommt\nauch vor. Wir verwahren uns übrigens ausdrücklich,\ndass wir nicht zu denen gehören, die alle Text-Wiederho-\nlungen mit Stumpf und Stil ausrotten möchten; es gibt be-\nkanntlich auch nothwendige, weil sinnig musicalische Text-\nWiederholungen. Die Begleitung ist meist im vierstim-\nmig gebundenen Stile gehalten, auch für andere Instrumente\nals Pianoforte gedacht, wie aus den Anmerkungen hervor-\ngeht, z. B. bei Nr. 5, die einen geistlicheren Charakter\nhat, als die übrigen: „dasselbe mit Begleitung von Quin-\ntuor, 2 Clarinetten, 2Fagotten und Horn.\" Die Singstimme\nhat den Umfang von h bis zum zweigestrichenen e und ist\nüberall sangbar und in so fern auch dankbar gesetzt.\nfit"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "390", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571205-01.1.6", "texte": "Gustav Flügel, Geistliche Lieder aus dem\nspanischen Liederbuche von Em. Geibel und Paul\nHeyse für eine Singstimme mit Clavier-Beglei-\ntung. Op. 43. Leipzig, bei C. Merseburger. Preis\n25 Sgr.\nEs sind sieben Lieder spanischer Dichter (drei von\nGeibel, vier von Heyse übersetzt), deren gläubige Romantik\nder Componist in ihrem eigentümlichen Charakter in Tö-\nnen wiederzugeben gestrebt hat, was ihm auch bei den\nmeisten gelungen ist. Die beste Nummer ist die zweite,\nmehr ein Gesangstück, als ein Lied: „Die ihr schwebet\num diese Palmen\", von Lope de Vega und Geibel —in C-\nmoll. Hier ist Alles schön, Gedicht, Melodie, Begleitung;\nvon einer volltönenden Sopranstimme, welche das hohe\nmit Leichtigkeit anschlägt, gesungen und mit Gefühl vor-\ngetragen, wird es überall eine schöne Wirkung machen\nund sich der Sängerin zugleich auch als dankbar beweisen.\nNächst diesem spricht Nr. 1: „Nun wandre, Maria\"\n(der heilige Joseph singt), durch Einfachheit an. Diese ist\njedoch in Nr. 3, deren Text: „Ach, des Knaben Augen\"\nu. s. w., gar lieblich ist, zu weit getrieben worden, indem\nSchlüsse, wie:\ndoch gar zu gewöhnlich sind. Beiläufig wollen wir auch\nhier wieder bemerken, dass die Bezeichnung „Ruhig\"\ndurchaus kein Zeitmaass angibt, indem man sowohl ein Ada-\ngio als ein Presto ruhig und unruhig spielen kann.\nG. Flügel, Bibel-Hymnen mit lateinischem und\ndeutschem Text lür den geistlichen Männerchor.\nHerrn Dr. Trinkler, k. Preussischem Schulrathe,\ngewidmet. Op. 47. Erfurt, G. W. Körner. Par-\ntitur 18 Sgr.\nDieses verdienstvolle Werk enthält sechszehn kurze\nkirchliche Gesänge nach Texten des alten Testaments (die\nVulgata mit guter deutscher Uebersetzung von F. T. Bev-\nschlag) für vier Männerstimmen; Nr. 16 ist als Doppelchor\ncomponirt. Sie sind für ihren Zweck, in Seminarien und\nSchulen bei Andachtsübungen und dem Chorgesang-Unter-\nricht gebraucht zu werden, recht gut. Die Melodie ist stets\nsangbar und die Stimmführung bequem; höhere Ansprüche\nwollen sie auch wohl, da die Harmonie durchgehends ho-\nmophon behandelt ist, nicht machen. Die Nummern 1, 2,\n3, 7,9, 12 dürften am meisten ansprechen.\nGustav Flügel hat in den letzten Jahren eine grosse\nThätigkeit auf dem Gebiete geistlicher Musik entwickelt.\nWir ergreifen desshalb die Gelegenheit, als deren Früchte\nnoch folgende Werke hier zu erwähnen:\nOp. 30. Drei We ihnachts-Cantaten für Män-\nnerchor. Coblenz, bei Falkenberg. 1 Thlr. lOSgr.\nOp. 46. Bibelsprüche (Nr. 1 13) lür Männer-\nchor, als Beitrag zu der Mettner'schen Sammlung-\nErfurt, bei G. W. Körner.\nOp. 48. Pater nosterlür drei gleiche Stimmen mit\nOrgel- oder Clavier-Begleitung. Mainz, Schott's\nSöhne. 15 Sgr.\nOp. 49. Sanctus o salularis.Dessgl. 29 Sgr. Beide\nWerkeben mit lateinischem und deutschem Text.\nOp. 50. Cantaten, Responsorien und\nnach Worten der heiligen Schrift lür zwei Soprane\nund Alte zum Gebrauche in Kirche, Schule\nund Haus. Leipzig, bei C. Merseburger. Nur\n7y2 Sgr. bei sehr hübscher Ausstattung.\nOp. 52. Geistliche Lieder von Friedrich\nOser lür eine Singstimme mit Clavier-Begleitung.\nAachen, ter Meer. Complet 20 Sgr.\nOp. 55. Fest-Cantate (Text von Schöler) zur dreihun-\ndertjährigen Reformations-Jubel- und Dankfeier\n(Simmern, am 16. Juli 1857) für Männerchor\nund Orgel-oder Clavier-Begleitung. Bei F. J. Stei-\nner in Neuwied. 1 5 Sgr.\nAusserdem haben wir noch in Langer's Repertorium\nfür Männerchor-Gesang, Leipzig, bei C. F. Kahnt,\neine Oster-Cantate (D-dur),eine Pfingst-Cantate\nund eine Cantate zum Gedächtniss der Verstorbenen: „Mit-\nten wir im Leben sind\"—und einige Gesänge in Greef's\nSammlung geistlicher Männerchöre gefunden.\nSo empfehlungswerth diese Resultate einer sehr ver-\ndienstlichen Arbeit sind, so möchten wir doch wünschen,\ndass Flügel sich von dieser Gattung, die mehr ein sehr eh-\nrenwerlhes Bild seiner Berufstätigkeit gibt, als die Kunst\nbereichert, einmal wieder zu Tonschöpfungen wenden\nmöchte, auf deren Gebiete die Phantasie und das Talent\ngeistvoller Ausarbeitung, wie sie z. B. in seinen Clavier-\nSonalen sich offenbaren, mehr walten könnten, als es in\nden beschränkten Formen möglich ist, in welchen sich die\nmeisten der obigen Gesangsachen bewegen müssen.\nJohann Eccard, Zwölf vier- und fünfstim-\nmige Gesänge. Partitur 1 Thlr., Stimmen\n1 % Thlr. (in Anzahl 3 Sgr. der Bogen)."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "391", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571205-01.1.7", "texte": "Dies ist die erste Lieferung von „Geistliche Mu-\nsik aus dem XVI. und XVII. Jahrhundert, der Blüthezeit\ndes deutschen Kirchengesanges, herausgegeben von G. W.\nTeschner\", welche in Magdeburg bei Heinrichshofen in\nschöner Ausstattung erscheint. Die zwölf Gesänge von Ec-\ncard sind aus den Jahren 1578, 1589 und 1594. Der\nDiscant und der Alt sind im Gder Tenor im der Bass\nim F-Schlüssel gedruckt. Diese Lieferung enthält:\n1. „0 Herr, durch Deinen biltern Tod\" für Discant,\nTenor, I. und 11. Bass. 2. „Christ ist erstanden\" (die\nerste Strophe des Lobgesanges) für D. I. und 11., T. I. und\nIL, Bass ursprünglich eine Quarte höher; jetzt geht der\nTenor I. nur bis g, die beiden Discante liegen etwas tief,\nder Bass geht jedoch nicht unter f, das auch nur Ein Mal\nvorkommt. 3. „Es traur', was trauern soll\", eine Terz\ntiefer, für D., T. I. und 11., Bass. 4, „Der Herr Jesus,\nmein Hirte,\" eine Terz höher, für D., A., T., B. 5.\n„Mag ich Unglück nicht widerstan\", Text angeblich von\nMaria, Königin von Ungarn, protestantischer Schwester\nKaiser Karl's V., einen Ton tiefer, für D., T. I. und 11., B.\n—6. „Der Tag, der ist so freudenreich,\" einen Ton tiefer,\nfür 3 Discant und 1 Alt (um eine Octav tiefer auch für\nMännerstimmen anwendbar).— 7. „Wir danken Gott\",um\neinen Ton tiefer, für D., T. I. und 11., B. —B. „Alles von\nGott\", um einen Ton tiefer, für D., A., T. I. und 11., B.\n9. „Ein fröhlich Osterlied\" (1594), um eine Terz tie-\nfer, für D., A., T., B.— 10. „Auf das heilige Pfingstfest\",\nfür D., A., T., B. 11. „ Ein Himmelfahrtslied\", eine Terz\ntiefer, für D., A., T., B.— 12. „AufMariä Heimsuchung\",\nfür D., A., T. und ß.\n\nL.\n\nAus Hamburg.\nEs ist in der Niederrheinischen Musik-Zeitung schon wiederholt\nvon der hiesigen Bach-Gesellschaft die Rede gewesen, deren\nZweck sorgfältige Einübung und Aufführung Bach'scher Musik ist,\num in ihrem eigenen und in weiteren Kreisen den Sinn für die er-\nhabenen Tonschöpfungen des grössten deutschen Meisters von Neuem\nzu beleben und zu stärken. Erlauben Sie mir daher, über das neu-\neste Ergebniss des höchst verdienstlichen Strebens dieses Vereins,\ndessen Bedeutsamkeit dadurch ins hellste Licht gesetzt wurde, in\nKurzem zu berichten,\nDie Bach-Gesellschaft hat am 18. November unter ihrem Diri-\ngcnten Herrn G. Armbrust, Organisten an der Petri-Kirche, die\ndrei ersten Theile von J. S. Bach's ~ W eihn ach ts - Ora tor ium(<\nzu einer Aufführung gebracht, welcher eine zahlreiche Zuhörerschaft\nden weihevollsten Genuss verdankte. Hört man diese lieblich erha-\nbene, in ihrer Andacht himmelhoch jauchzende Musik, so scheint es\nunerklärlich, wie ihr Schöpfer jemals bei dem grösseren Publicum\ndermaassen in Vergessenheit gerathen konnte, dass endlich besondere\nVereine und Anstalten nöthig wurden, um den grössten protestanti-\nschen Meister im Kirchenstil wieder in die verlorene Popularität\neinzusetzen. Das Weihnachts-Oratorium ist, namentlich in seinem\nzweiten Theile, ein Werk ganz unmittelbar verständlicher Art, trotz\nder Tiefe seiner Charakteristik, und zugleich von erstaunlicher Fülle\nund dem zartesten Schmelz der Melodieen. Die hiesige Aufführung\ngereicht allen daran Betheiligten zur Ehre, mochten sie im Chor, im\nOrchester oder an den Solostimmen stehen. Herr Ernst Koch aup\nKöln rechtfertigte in der Tenor-Partie des Evangelisten seinen Ruf\nals tüchtiger Musiker und geschmackvoller Sänger. Namentlich hat\nder Vortrag der Recitative bei allen Musikern und bei dem kunst-\nverständigen Theile des Publicums den grössten Beifall hervorgeru-\nfen. Der Sänger hat es verstanden, durch die Stelle in Nr. 26: ~Und\nMaria behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen'*,\neine innige Rührung hervorzurufen, und eben so vortrefflich sang er\ndas letzte Recitativ: „Und die Hirten kehrten wieder um, preiseten\nund lobeten Gott um alles, das sie gesehen und gehöret hatten.\" Die\nAlt-Soli sang, mit Ausnahme der letzten Arie, eine Dilettantin, eine\nTochter des Pastors B. mit lieblicher Einfachheit. Die Bass-Partie\nwar in den Händen eines jungen Schullehrers, Namens Schulze,\nder mit einer kostbaren Stimme begabt ist, frisch, stark und wohl-\nlautend, die aber noch der künstlerischen Ausbildung bedarf. Die\nBass-Arie: „Grosser Herr und starker König\", sang er recht gut?\neben so auch die Recitative, die Kraft erforderten. In sanften Sätzen\njedoch, und namentlich in dem Duett für Bass und Sopran (mit\neinem anderen Fräul. 8., ebenfalls Mitglied der\nverstand er seine Stimme noch nicht gehörig zu massigen, wie denn\nüberhaupt die richtige und geschickte Behandlung seines trefflichen\nOrgans Sache eines fleissigen Studiums sein wird. Der Chor sang\nmit grosser Präcision und sichtbarer Liebe zur Sache ein haupt-\nsächliches Verdienst seines Dirigenten. Wie wir gehört haben, soll\nder Verein lange und gewissenhaft üben, so dass die meisten Mit-\nglieder nicht allein ihre Stimme, sondern auch die übrigen fast aus-\nwendig kennen, was bei Bach'schen Sachen freilich beinahe nothwen-\ndig ist. Das Orchester spielte mit Hingebung und trug namentlich\ndie reizende idyllische Sinfonie zu Anfang des zweiten Theils gut\nvor, so dass die Zuhörer in die seligste Stimmung dabei versetzt\nwurden. Ausser der Orchester-Begleitung wirkte auch die Orgel mit.\nChöre und Choräle haben auch auf die Menge guten Eindruck ge-\nmacht. Die Arien, obgleich die Wiederholungen weggelassen wur-\nden, haben nicht alle gleich angesprochen. Die Gesellschaft ist öf-\nfentlich aufgefordert worden, die Aufführung baldigst zu wiederholen.\nDie drei ersten Theile des Oratoriums, auf welche man sich be-\nschränkt hatte das ganze zählt bekanntlich sechs Theile um-\nfassen die ersten 30 Nummern (von 56) und bilden eine Weihnachts-\nCantate, die mit der Erzählung von der Geburt des Heilandes recht\ngut als ein Ganzes für sich abschliesst.\nDie Aufführung fand am Abende in der Petri-Kirche Statt. Diese\nKirche wird im Winter stets geheizt*), und die prächtige Gas-Be-\nleuchtung ihrer Räume trug nicht wenig zu der wirklich feierlichen\nStimmung der Zuhörer und der Ausführenden bei. Die Einnahme\nwar für den Gustav-Adolf-Verein bestimmt. Aber nicht bloss dieser,\nsondern das ganze kunstsinnige Publicum ist der Bach-Gesellschaft\nzu Dank verpflichtet. 6.\n*) Das lässt sich hören! Zu Köln am Rheine hat das (auch\nvon uns angekündigte) zweite Abonnements-Concert im Güi-\nzenicli-Saale aufgeschoben werden müssen, weil der Apparat\nzur Erwärmung de® Saales noch nicht fertig :st.\nAnmerkung der Kedaction»"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "392", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571205-01.1.8", "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nBarmen. Im dritten Abonnements-Concerte wurden aufge-\nführt: J. Rietz Fest-Ouverture J. Haydn „Des S taubes eitle\nSorgen\" Violin-Concert von C. Reinecke (neu), gespielt von\nHerrn Seiss Men dels s ohn' s Psalm: „Da Israel aus Aegyp-\nten zog. 11. Theil. Sinfonie Nr. V. in C-moll von Beethoven.\nNeuwied« Am 24. November veranstaltete der Flügel'sehe\nGesang-Verein in der Mennoniten-Kirche eine dritte Vesper, wel-\ncher auch die kunstsinnige Fürstin und die Prinzessin Louise wie-\nderum beiwohnten. Es wurden acht Motetten und Choräle (von J. S.\nund Mich. Bach, Eccard, Schütz u. s. w.) vorgetragen, unterbrochen\nvon drei Präludien auf der Orgel. Die Einnahme beim Ausgange\nwar für die hiesige Kleinkinderschule bestimmt.\nIn Berlin ist die neue Oper von W. Taub ert, „Macbeth\",\nin fünf Acten, am 16. November zum ersten Male aufgeführt wor-\nden (Fräul. Wagner Lady Macbeth, Herr Salomon Macbeth,\nHerr Formes MacdufF; Fräul. Trietsch, Frau Böttieher Hexen.\nDresden« Der hiesige Componist Siering, der sich durch\nseine Ciavierstücke, Lieder und grössere Compositionen für Kammer-\nmusik Anerkennung verschafft hat, wird in Kurzem der Oeffentlich-\nkeit eine dreiactige Oper übergeben.\nFrau Sally Reinhardt-Schulze, eine Schülerin Mendels-\nsohn's, die seit einigen Jahren in Dresden als Gesanglehrerin wirkt,\nveranstaltete am 15. November ein selbstständiges Concert, dem\nnichts weiter zu wünschen blieb, als ein zahlreicheres Auditorium.\nDas concertbesuchende Publicum scheint durch das, was die Saison\nbisher geboten, bereits etwas abgespannt zu sein, und in der That\ndrängt eine Aufführung die andere, so dass auch in der „Const.\nZtg.\"-über die verhältnissmässig geringe Betheiligung geklagt wird,\ndie das Publicum der am Mittwoch Statt gefundenen Aufführung\ndes „Belsazer\" in der Dreissig'schen Sing-Akademie zuwandte.\nFrau Reinhardt-Schulze besitzt neben einer sehr guten Schule eine\nschöne Stimme, deren Mitteltöne namentlich ausserordentlich ange-\nnehm, weich und edel sind.\nWien. Die Stiftungsfest-Liedertafel des hiesigen Männergesang-\nVereins fand am 7. November Abends im Sophienbad-Saale bei aus-\nserordentlichem Zuspruche in fröhlichster Weise Statt. Vor der Ta-\nfel wurden vorgetragen: „Schifferlied\" von Hoven, „Die Lerchen\"\nvon Hiller, „Die drei köstlichsten Dinge\" von Reuling und „Nor-\nmanns Sang\" von Kücken; während der Tafel: „Den Schönen Heil\",\nTenor-Solo mit Chor von Neithardt, dann die Volkslieder a) „Un-\ntreue\", b) „Oberschwäbisches Tanzlied\" von Silcher, ein Quintett von\nWöckl, „Trinklied\", Chor von Speindel, „Rheinweinlied\" von Men-\ndelssohn und „Das deutsche Lied\" von Kalliwoda. Eine erfreu-\nliche Beigabe waren Lieder-Vorträge der Hof-Opernsängerinnen Fräu-\nlein Liebhardt und Titjens, ein Violin-Solo des Herrn Hellmesberger,\neine Declamation des Hof-Schauspielers Herrn Meixner.\nBrüssel« Mlle. Ar tot, die junge belgische Künstlerin, ist für\ndie grosse Oper in Paris auf drei Jahre engagirt und erhält im er-\nsten Jahre 20,000, im zweiten 30,000, im dritten 40,000 Fr. nebst\ndreimonatlichem Urlaub im zweiten und im dritten Jahre. Sie hat\nihre Aufnahme-Prüfung im Saale der grossen Oper bestanden, und\nzwar in Gegenwart Meyerbeer's und der vorzüglichsten Vertreter der\nPresse. Meyerbeer soll von der Stimme und dem Talente der jungen\nKünstlerin so entzückt gewesen sein, dass er sich entschlossen hat,\nendlich mit der „Africanerin\" hervorzurücken.\nsraris.5raris. Offenbach, der Director der Bouffes Parisiennes, soll\nendlich dem Widerstande Rossini's eine Opera buffa abgerungen\nhaben, die aus der Jugendzeit des Meisters herrührt. Der-\nselbe hat sogar versprochen, mehrere Stunden den Proben zu widmen,\nLoiidon* Die neue Oper von Balfe, The Rose of Castille (die\nRose von Castilien), hat im Lycenm-Theater einen Erfolg gehabt,\nder bei weiteren Vorstellungen glänzender wurde. Die Ausführung\nvon Seiten des Orchesters und der Chöre wird sehr gerühmt; auch\nsoll Miss Louisa Pyne den Hauptpart mit dem glänzendsten Er-\nfolge gesungen haben."}]}