{"numero_id": "bm-bmtnabi-1857-12-12-01", "volume": "bmtnabi_1857-12-12_01", "ocr_sha256": "d6498533bf7b8acef258f6805d3d36619765c4cac4159fec57e066eced315b21", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1857/12/12_01/bmtnabi_1857-12-12_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571212-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1857-12-12-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-12-12_01#c001", "volume": "bmtnabi_1857-12-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "393", "page_fin": "393", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571212-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "393", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571212-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 468, "texte": "Inhalt.\nC M. von Weber in England. Nach Döring. —Aus Oldenburg. Coneerte der Hofcapella. Von—2 . Beurthei-\nJungen. Für Gesang: J. A. Lecerf, 6 Lieder. Op. 28. Von L. N., geb. K. Schlesisches Lieder-Album für 1858. H. Marschrier,\n2 Lieder. Op. 182. Von L. Uebersicht der Leistungen des Theaters zu Frankfurt a. M. im vorigen Theaterjahre.— Tages- und Un-\nterhaltungsblatt (Köln, I. Conoert des Männergesang-Vereins Minden, Ueber Louis Spohr Mainz Prag Basel, F. Veith)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-12-12-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-12-12_01#c002", "volume": "bmtnabi_1857-12-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "393", "page_fin": "396", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571212-01.2.2", "titre_corps": "C. 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Die Vermählungs-Feierlich-\nkeiten des Prinzen Max beschäftigen mich sehr. Wir geben\ndazu die Olympia von Spontini. Dies ist die einzige Mög-\nlichkeit, diese Oper mit aussergewöhnlichem Aufwände zu\ngeben. Natürlich halte ich alle Proben selbst, welches mich\nnoch immer mehr angreift, als billig.\"\nAm 16. Februar 1826 reis'te er mit Fürstenau,\ndem berühmten Flötisten, von Dresden ab, um nach Lon-\ndon zu gehen. In Frankfurt sah er G. Weber wieder, und\nder Cäcilien-Verein erfreute ihn durch eine Aufführung von\nHändel's Judas Maccabäus.\nIn Paris, wo er den 25. Februar ankam, wurde er\nmit grosser Auszeichnung empfangen und von allen Seiten\ngefeiert. Rossini beeilte sich, ihn zuerst zu besuchen. Am\n27. hörte er die Olympia in der grossen Oper. „Welch\nein grosses Schauspiel\" schreibt er— „ist hier die Op er!\nDas herrliche Gebäude, die Massen auf dem Theater und\nim Orchester sind imposant und ehrfurchtgebietend. Die\nOper wurde vortrefflich gegeben. Das Orchester hat eine\nKraft und ein Feuer, wie ich noch nichts Aehnlicbes gehört\nhabe. Es wurde viel applaudirt, und mit vollem Rechte.\"\nDie enthusiastische Verehrung, die ihm,.je länger er\nin Paris verweilte, überall entgegenkam, harmonirte nicht\nmit Weber's Bescheidenheit. Er äusserte darüber in einem\nBriefe an seine Gattin: „Ich versuche es gar nicht, Dir zu\nbeschreiben, wie man mich empfängt, weil es über alle\nMaassen eitel wäre, wenn ich schreiben wollte, was die\ngrössten jetzt lebenden Künstler mir für Dinge sagen. Das\nPapier selbst müsste roth werden. Wenn man mich hier\nnicht stolz macht, so bin ich wirklich dazu verdorben.\"\nAm 2. März 1826 hatte Weber Paris wieder ver-\nlassen. Auf dem Boote The Fury segelte er am 4. März\nfrüh um 9 Uhr ab und kam bei sehr günstigem Winde um\n1 Uhr in Dover an. „Am 5. März, um 8 Uhr,\" schrieb\ner, „fuhren wir in der Express von Dover ab. Es\nwar ein herrlicher Wagen, mit vier Engländern bespannt,\nderen sich kein Fürst zu schämen hätte. Im Wagen vier\nPersonen, hinter dem Wagen vier Personen, auf dem\nWagen vier Personen, ging es mit Blitzesschnelligkeit durch\ndas über alle Beschreibung herrliche Land.\" Der Eindruck,\nden London auf ihn machte, übertraf seine kühnsten Er-\nwartungen. Seiner Gattin schrieb er darüber: „DasGross-\narlige dieser Stadt Dir zu schildern, muss ich mündlichem\nRapport überlassen. In dem stillen Mosterwitz soll dieser\nreiche Stoff uns versorgen.\"\nSehr behaglich fühlte sich Weber in Sir George\nSmart's Hause, der ihm dort ein Quartier eingeräumt\nund es mit allen möglichen Bequemlichkeiten versehen\nhatte. „Ich fand\", schrieb' Weber, „schon eine Anzahl\nKarten vor von Visiten, die mir vor meiner Ankunft ge-\nmacht worden waren. Von dem ersten Instrumentenmacher\nfand ich ein treffliches Pianoforte, nebst einem artigen Bil-\nlet, ihn so glücklich zu machen, es während meiner Anwe-\nsenheit zu gebrauchen. Die Oratorien-Direction ist mir\näusserst bequem gemacht. Ich führe nämlich wahrschein-\nlich alle vier Abende zwölf Stücke aus dem Freischütz hin-\nter einander auf; das ist in einer Stunde abgethan. Der"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "394", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571212-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5125, "texte": "ganze Tag bis fünf Uhr ist mein; dann geht es zu Tische,\nins Theater oder in Gesellschaft. Morgen fange ich an,\nzu arbeiten. Heute Morgens habe ich mich erst eingerich-\ntet, gestriegelt und geputzt. Das Alleinsein in England\nhat gar nichts Aengstliches für mich. Die ganze englische\nWeise ist meiner Natur sehr verwandt, und mein Bisschen\nEnglisch, in dem ich reissende Fortschritte mache, ist mir\nvon dem unglaublichsten Nutzen.\"\nWeber's Gattin hatte in einem ihrer Briefe die Be-\nsorgniss geäussert, dass zu angestrengtes Arbeiten seiner\nGesundheit schaden möchte. Er suchte sie darüber zu be-\nruhigen. „Wegen der Oper\", schrieb er, „ängstige Dich\nnicht. Ich habe wirklich Zeit und Ruhe hier; denn man\nehrt meine Zeit. Auch ist der Oberon nicht Ostermontag,\nsondern einige Zeit später. Die Leute sind zu gut mit\nihrer ängstlichen Theilnahme. Wenn ich es nicht gut auf\nReisen habe, so hat es Niemand in der Welt gut. Keinem\nKönige wird Alles so aus Liebe entgegengebracht, wie mir.\nMan hätschelt mich auf alle Art, ja, ich kann fast buch-\nstäblich sagen, dass man mich auf den Händen trägt. Ich\nschone mich sehr, und Du kannst ganz ruhig sein. Mit mei-\nnem Husten ist es ganz eigen. Acht Tage war er fast ganz\nweg; dann kam wieder ein schlimmer, krampfhafter Anfall,\nden 3. März, ehe ich nach Calais kam; seitdem ist er wie-\nder still. Ich beobachte genau, und niemals kann ich eine\nbesondere Ursache entdecken. Ich versage mir oft Alles,\nund er kommt; ich trinke und esse Alles, und er kommt\nnicht. Nun, wie Gott will! Damit Du siehst, wie unge-\nstört ich sein kann, will ich Dir mein Quartier beschrei-\nben. Parterre wohnt Smart, und da wird auch gegessen.\nIm ersten Stock ist das Empfangszimmer und im zweiten\nmeine Schlaf- und Arbeitsstube, wo Niemand hinkommt.\nJedermann wird gemeldet und ohne Umstände abgewiesen,\nwenn man will, was Niemand hier übel nimmt.\"\nIn dem prachtvoll decorirten Coventgarden-Theater,\nwo Weber einer Vorstellung der nach einem Roman von\nWalter Scott bearbeiteten Oper Rob roy beiwohnte, hatte\ner eine eigenthümliche Ueberraschung. Er schrieb darüber\nseiner Galtin: „Wie ich so an den Logenrand trete, um\nes alles ordentlich zu betrachten, ruft auf einmal eine\nStimme: Weber, Weber ist da! Obgleich ich mich schnell\nzurückzog, brach doch ein solches Jubeln, Applaudiren und\nVivatrufen aus, das gar kein Ende nehmen wollte, so dass\nich mich mehrere Male zeigen und unterschiedliche Bück-\nlinge machen musste. Nun wollten sie durchaus die Ouver-\ntüre zum Freischütz haben u. s. w., und jedesmal, wenn\nich mich sehen liess, brach der Sturm los. Zum Glück be-\ngann die Ouvertüre der Oper Rob roy, und es ward nach\nund nach wieder ruhig. Kann man mehr Enthusiasmus,\nmehr Liebe verlangen und hoffen? Ich muss gestehen, dass\nes mich wirklich überrascht und ergriffen hat, obwohl ich\nwas gewohnt bin und ertragen kann.\"\nUnter den Sängern rühmte Weber in diesem Briefe\nMiss Paton und Mr. Braham. Erstere, meinte er, werde im\nOberon die Rezia vortrefflich singen. „Es sind aber ausser\nBraham noch andere sehr gute Tenoristen da, und ich\nbegreife nicht, was die Leute dem englischen Gesänge\nUebles nachsagen. Die Sänger haben vollkommen gute\nitaliänische Schule, schöne Stimmen und Ausdruck. Das\nOrchester ist nicht ausgezeichnet, aber doch recht brav ;\ndie Chöre sind recht gut. Kurz, ich glaube jetzt schon über\nden Erfolg des Oberon sicher sein zu können. Gestern\n(den 8. März) arbeitete ich am Finale. Nun kam der Schau-\nspieler Kemble, mich in die Probe des Oratoriums einzu-\nführen. Es war um eilf Uhr. Orchester und Sänger empfin-\ngen mich mit dreimaligem grossem Applaus und Zurufen.\nIch sagte ein paar Worte, und das Vivatrufen begann von\nNeuem. Dann ging die Probe an, die bis nach drei Uhr\ndauerte. Der gute Wille und Eifer war ausserordentlich.\nNach Hause gefahren, umgezogen, um halb fünf Uhr ge-\ngessen bei Robertson, und um sieben Uhr endlich meine\nerste öffentliche Erscheinung vor dem überfüllten Hause.\nSmart führte mich an meinen Platz, und nun hat alle\nBeschreibung ein Ende. Was sind Donner von Applaus,\nSturm und alle Ausdrücke, die man gebrauchen könnte,\ngegen die Wirklichkeit? Das Rufen, Jubeln, mit Hüten\nund Tüchern Schwingen und Flaggen des ganzen Hauses\nnahm kein Ende, und man erinnert sich keines ähnlichen\nEnthusiasmus. Endlich begann die Ouvertüre. Sie ward\nwiederholt, und so noch drei bis vier Nummern. Am Ende\nderselbe Jubel, bis ich verschwand. Das Ganze ging sehr\ngut, Manches trefllich. Kurz, es war ein herzerhebender\nund wahrhaft erschütternder Empfang. Männer vom ersten\nRange erwarteten mich auf der Treppe. Ich musste noch\nin mehrere Logen und wurde gehätschelt und versorgt mit\neiner Herzlichkeit, wie noch nirgends.\"\nEine trübe Stimmung, durch seine fast ununterbro-\nchene Kränklichkeit erzeugt, herrscht in einem Briefe\nWeber's vom 17.März 1826. „Ich passe gar nicht mehr\nin die Welt!\" schrieb er seiner Gattin. „Wenn ich be-\ndenke, wie überschwänglich glücklich und in Wonne schwim-\nmend Tausende an meiner Stelle wären, so bin ich doppelt\nbetrübt, dass es mir versagt ist, all das Herrliche auch zu\ngeniessen. Wo ist der frohe, kräftige Lebensmuth hin, den"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "395", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571212-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5193, "texte": "ich sonst hatte? Freilich kann ich nichts dafür; es ist rein\nkörperlich, und so lange ich mich nicht wieder eines recht\nfreien Gesundheitsgelühls erfreuen kann, so lange gibt es\nauch keine wahre Freude für mich. Dieses ewig ängstliche\nBeobachten meiner selbst, Vermeiden u. s. W.ist gar zu\nstörend, und dabei das Wunderliche, dass ich eigentlich wie-\nder alles besitze, was zur Gesundheit gehört. Ich schlafe\ngut und esse und trinke mit wirklichem Appetit. Alles ist\nin Ordnung. Aber da ist diese abscheuliche Kurzathmigkeit,\ndieses krampfhafte, angegriffene Wesen bei der geringsten\nVeranlassung durch den ganzen Körper, und dabei wieder\ndas höchst Sonderbare, dass grosse Fatiguen und Eindrücke\neben auch nicht viel anders oder heftiger einwirken, als\nwenn ich z. B. schnell eine Treppe hinaufgehe. Kurzum,\nin der Welt soll nichts vollkommen sein, und bei viel Licht\nist viel Schatten. Desshalb geduldig an den alten Spruch\ngehalten: Wie Gott will!\"\nEinige Wochen später, den 29. März 1826, schrieb\nWeber seiner Gattin: „Eine Historie muss ich Dir erzäh-\nlen, die mir nun noch mehr Arbeit verursacht, als sonst\nder Fall gewesen wäre. Durch die Scene im Freischütz\nsind die Leute ganz toll geworden, und die Sänger faseln\nvon nichts Anderem, als von Becitativen, Andante's, Alle-\ngro's u. s. w. Dies ist denn nun auch dem Sänger Braham\nin den Kopf gefahren, und er bettelt um eine grosse Scene,\nstatt seiner ersten Arie, die allerdings auch nicht für ihn\ngeschrieben und etwas hoch ist. Erst war mir der Gedanke\nganz fatal, und ich wollte nichts davon hören. Endlich ver-\nsprach ich, wenn die Oper fertig sei und mir noch so viel\nZeit übrig bliebe, so wollte ich es thun. Nun habe ich also\ndiese grosse Scene, ein Schlachtengemälde, und was weiss\nich alles! vor mir liegen und gehe mit dem grössten .Wi-\nderwillen daran. Was ist aber zu thun? Braham kennt sein\nPublicum, ist der Abgott desselben. Ich muss dem Erfolg\nzu Liebe ein Stück Arbeit mehr nicht scheuen also frisch\nhineingebissen in den sauren Apfel! Und die erste Arie\nhabe ich so lieb! Für Deutschland lasse ich Alles, wie es\nist. Denn ich hasse die Arie im Voraus, die ich hoffent-\nlich heute noch machen werde. So! nun hab' ich Dir\nauch meine Leiden geklagt. Will mir aber ein Herz fassen\nund gleich daran gehen. Also Ade für jetzt! Ich gehe in\ndie Schlacht.— Nun, die Schlacht ist zu Ende: das heisst,\ndie Hälfte der Scene. Nachmittag hoffe ich noch die Tür-\nkinnen jammern, die Französinnen jubeln und die Krieger\nVictoria rufen zu lassen.\" Ueber seinen körperlichen Zu-\nstand enthielt dieser Brief die scherzhafte Aeusscrung:\n„Fetter bin ich noch nicht geworden, es geht noch nicht\ngeradeaus über die Backen, wird's auch wohl nie mehr;\ndenn ich werde wohl so wie eine alte Pflaume einhutzeln.\nWenn ich dabei gesund bin, ist's einerlei, und ich muss\njetzt wirklich meinen Husten loben.\"\nAm 12. April 1826 ging der Oberon in Scene.\nWeber schrieb an seine Gattin: „Durch Gottes Gnade und\nBeistand habe ich heute Abends abermals einen so voll-\nständigen Erfolg gehabt, wie vielleicht noch niemals. Gott\nallein die Ehre! Wie ich ins Orchester trat, erhob sich\ndas ganze überfüllte Maus und ein unglaubliches Jubel-,\nVivat- und Hurrah-Kufen. Die Ouvertüre musste wieder-\nholt werden; jedes Musikstück ward drei Mal mit dem\ngrössten Enthusiasmus unterbrochen u. s. w. Am Ende\nward ich mit Sturmesgewalt herausgerufen, eine Ehre, die\nin England noch nie einem Componisten widerfahren ist.\nNach solchem Triumphe tritt eine gewisse wohlthätige Be-\nruhigung ein, dass ein grosser Schritt in der Welt aber-\nmals gethan ist. Auf jeden Fall war ich hier beim Oberon\nauf einem viel unsicherem Standpunkte, als bei meinen frü-\nheren Werken. Die Eifersucht des Theaters, das höchst\nerregbare Publicum, das immer an Opposition gewöhnt ist\nund sich darin gefällt, und die Ereignisse der Tage vorher,\ndie mich nicht mit Gewissheit auf das Gelingen der Aus-\nführung rechnen liessen das alles machte den Erfolg\ndoppelt glänzend und schätzenswerth.\"\nWcber's heitere Stimmung ward jedoch oft getrübt\ndurch den nachlheiligen Einfluss des Klima's auf seine Ge-\nsundheit. Er schrieb darüber am 17. April 1826: „Heute\nist ein Tag zum Todtschiessen. Ein solcher dunkelgelber\nNebel, dass man kaum in den Zimmern ohne Licht sein\nkann. Die Sonne ist ohne Strahlen, wie ein rother Punkt\nim Nebel. Es ist ordentlich schauerlich. Nein, in diesem\nKlima möchte ich nicht leben. Freilich sagt man, dass alle\ndiese Schönheiten bloss London eigen sind, und in der\nfreien Natur die Sache ganz anders aussieht. Die Bäume,\ndie ich zu sehen bekomme, sind alle vollkommen grün, und\nLondon hat eine grosse Menge freier Plätze und Gärten.\nAber das ist doch alles keine freie Luft; denn selbst am\nheitersten Tage kann man nicht bis an das Ende eines gros-\nsen Platzes sehen ohne Nebelwolken, die den Horizont be-\ndecken. Was ich da lür eine Sehnsucht nach Hosterwitz\n.* / 1\nund dem freien Himmel bekomme, ist unbeschreiblich. Ge-\nduld, Geduld! Es haspelt sich ein Tag nach dem anderen\nab; zwei Monate sind schon im Kücken.\"\nAn einer völligen Wiederherstellung seiner Gesundheit\nschien Weber zu verzweifeln. „Recht angenehme\nschaftenschrieb er, „habe ich gemacht an dem Sohne"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "396", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571212-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4370, "texte": "des Buchhändlers Göschen aus Grimma und an einem\nDr. Kind, einem Neffen von unserem Kind in Dresden.\nGar liebe Menschen, die mich mit Gewalt ganz gesund\nwissen wollen. Lieber Gott! dahin kommt's in meinem Le-\nben nicht mehr. Habe allen Glauben an die Aerzte und\nihre Kunst verloren. Ruhe ist mein bester Doctor, und\ndiese zu suchen und mir zu verschaffen, soll von nun an\nmein einziges Bestreben sein, und dazu gehören ja auch\ndiese schweren Monate.\" In ähnlicher Weise äusserte sich\nWeber in einem acht Tage später, am 24. April, geschrie-\nbenen Briefe: „Man erwartet mich den Sommer in Berlin,\nden Oberon selbst wieder aufzuführen. Ich wüsste nicht,\nwas mich dazu bewegen könnte. Ruhe, Ruhe ist jetzt mein\neinziges Feldgeschrei, und soll es wohl für lange bleiben.\nIch habe alle das Kunstgelreibe so satt, dass ich ,keine\ngrössere Herrlichkeit kenne, als wenn ich ein Jahr ganz\nunbemerkt als ein Schneider leben könnte, meinen Sonn-\ntag liätte, einen guten Magen und heiteren, ruhigen Sinn..\"\nDie Sehnsucht nach der Heimat ward immer lebendi-\nger in ihm. „Wie zähle ich\", schrieb er seiner Gattin am\n28. April, „die Tage, Stunden, Minuten bis zu unserem\nWiedersehen! Wir sind doch sonst auch getrennt gewe-\nsen, und haben uns gewiss auch lieb gehabt. Aber diese\nSehnsucht ist ganz unvergleichbar und unbeschreiblich.\nGeduld. Geduld!\" Eine freudige, innere Zuversicht, die\nSeinigen bald wiederzusehen, tröstete ihn, während sein\nZustand von Tag zu Tag leidender wurde. Zum Gebrauche\närztlicher Mittel liess er sich schwer und nur durch die in-\nständigsten Bitten seiner Freunde bewegen. Ein am 26.\nMai von ihm veranslaltetes Concert entsprach nicht den\nErwartungen, die er sich davon gemacht hatte. Diese\nschmerzliche Täuschung wirkte bei der gesteigerten Reiz-\nbarkeit seines Gemüthes höchst nachtheilig auf seinen Ge-\nsundheitszustand. Er fühlte sich völlig erschöpft am\nSchlüsse des Concertes. Gegen seinen Freund Göschen\nentschlüpfte ihm die Aeusserung: „Was sagen Sie zu dem\nleeren Saale? So ist Weber in London!\"\nSein Zustand erregte die wachsende Besorgniss seiner\nFreunde. Am 6. Juni sollte der Freischütz, neu einsludirt,\nzu seinem Benefice gegeben werden. Er fühlte sich jedoch\nam 1. Juni so krank, dass er fest entschlossen war, diese\nVorstellung nicht abzuwarten und nach Deutschland zu-\nrückzukehren. Er bestimmte das Honorar des Arztes und\nordnete seine Geld-Angelegenheiten. Der letzte Brief an\nseine Gattin, vom 2. Juni 1826, mit zitternder Hand ge-\nschrieben, enthielt das Geständniss, dass er sehr aufgeregt\nund angegriffen sei. „Guter Gott!\" setzte er hinzu, „nur\nerst im Wagen sitzen! Nun, Gott wird Kräfte schenken.\"\nSeine Freunde verliessen ihn jeden Abend mit grosser\nBesorgniss. Fruchtlos hlieben jedoch ihre Bitten, dass er\nEinem von ihnen erlauben möchte, in seinem Zimmer zu\nschlafen. Am 5. Juni früh, um 7 Uhr, war Weber's Zim-\nmer verschlossen. Man öffnete nach heftigem Pochen mit\nGewalt die Thür und fand ihn in seinem Bette, den Kopf in\ndie Hand gestützt, wie süss schlummernd, die Augen für\nimmer geschlossen. Dass sein Ende schmerzlos gewesen,\nzeigten die sanften, gleichsam heiter verklärten Gesichts-\nzüge. Er war nicht mehr ins Leben zurückzurufen. Nach\no\nder Meinung der Aerzte musste er ungefähr um zwei Uhr\nNachts verschieden sein. Die Section zeigte ein Geschwür\nan der linken Seite des Kehlkopfes, ausserdem noch einige\nandere an den Lungen. Alle Symptome deuteten auf einen\nunabwendbaren Tod, den die klimatischen Verhältnisse be-\nschleunigt haben mochten.\nDie Moorfields-Capelle, in der er beerdigt wurde» war\nschwarz ausgeschlagen, .die Wachskerzen schwarz und die\nzahlreichen Personen, die seinem Sarge folgten, ebenfalls\nalle schwarz gekleidet. Der Leichenzug brauchte fast zwei\nStunden bis zur Kirche. Unter dem zahlreichen Trauerge-\nfolge bemerkte man Sir George Smart, Kemble, Mo-\nscheies, Braham, Clementi, Bishop, Cramer,\nden preussischen Consul und viele Landsleute des Verstor-\nbenen. Seinen Sarg bezeichnete die von einem seiner Freunde\nund Verehrer, Ed. H. Grat tan, verfasste Inschrift auf\neiner Metallplatte mit den Worten: Carl Maria von Weber,\nobiit 5. Juni 1826. Tins humble inscription was offered as\na tribule of respect to the geniiis of ihis great composer by\nW.A. Grattan. Zehn Jahre nach seinem Tode wurde seine\n• /\nAsche nach Deutschland geschafft und in der katholischen\nKirche zu Dresden beigesetzt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-12-12-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-12-12_01#c003", "volume": "bmtnabi_1857-12-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "396", "page_fin": "398", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571212-01.2.3", "titre_corps": "Aus Oldenburg.", "titre_sommaire": "Aus Oldenburg.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "396", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571212-01.1.4", "debut_caractere": 4372, "fin_caractere_exclue": 4898, "texte": "Aus Oldenburg.\nDen 2. December 1857.\nSo eben sind die letzten Töne des ersten Abonne-\nments-Concertes der grossherzoglichen Hofcapelle unter\nDireetion des Herrn Hof-Capellmeisters Pott verklungen.\nDasselbe begann mit Spohr's Ouvertüre zum Berggeist.\nEine würdige Einleitung zu den Concerten, nicht nur in\nBezug auf ihren Inhalt, sondern auch durch die eben so\nenergische als auch zarte Ausführung von Seiten des Or-\nchesters. Die zweite Nummer war Spohr's Gesangsscene,\neine Composition, welche seit fast einem halben Jahrhun-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "397", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571212-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5005, "texte": "dert nicht allein ein Liebling des Publicums, sondern auch\naller gediegenen Violin-Virluosen ist, eine Composition,\nwelche immer neu und unerreicht durch ihren poetischen\nInhalt und ihre Form am musicalischen Horizonte glänzt.\nHerr Hof-Capellmeister Pott trug das Concert mit wahrer\nMeisterschaft, sowohl was Auflassung als Technik anlangt,\nvor. Die Grösse seines Tones, der wunderbar schöne Vor-\ntrag des Recitativs und der Gesang-Partieen und die Kühn-\nheit und das Feuer der grossartigen Technik, die er im\nAllegro entwickelte, haben alle Musikfreunde wahrhaft ent-\nzückt. So vielseitig und ausgezeichnet Herr Pott im Vor-\ntrage der Werke anderer gediegener Componisten sich be-\nwährt, so möchten wir doch behaupten, dass, wer Herrn\nPott nicht in Spohr'scben Compositionen hörte, ihn nur\nhalb gehört habe. Die Begleitung des Concertes war von\nSeiten des Orchesters eine vollkommen würd ige.\nDie dritte Nummer, welche den Schluss des ersten\nTheiles des Concertes bildete, war die grosse Leonoren-\nOuverture von ' Beethoven, deren Ausführung unter\nPott's vortrefflicher Direclion vollkommen gelang und die\nin der Weise jeder tüchtigen deutschen Ilolcapelle zur\nEhre gereichen würde.\nDen zweiten Theil bildete Fr. Schubert's\nSinfonie. Der erste Theil des ersten Allegro und des Fi-\nnale, so wie der zweite Theil des Scherzo und der Trio's\nwurden ohne Wiederholung gemacht, wodurch die Sinfonie\nnur gewinnen kann. Die Auslührung war in den drei er-\nsten Sätzen eine vollkommen gelungene zu nennen; jedoch\nbei dem Finale machte sich, wenn auch nur für den kun-\ndigen Hörer, in den ersten Geigen eine gewisse Unruhe\nbemerklich, die der Dirigent jedoch mit fester Hand nieder-\nhielt und somit grössere Störung, die dadurch hätte ent-\nstehen können, verhinderte. Besonders ausgezeichnet be-\nwährten sich während der ganzen Sinfonie die Bl ose- In-\nstrumente, von der Flöte bis zur Posaune, durch ihre exacle\nund fein nuancirte Ausführung. Ohne Zweifel ist diese Sin-\nfonie, namentlich lür die gesammlen Bläser, eine der schwie-\nrigsten, welche existiren. Die Wahl der Tempi war nach\nunserem Erachten eine vollkommen richtige. Was den In-\nhalt der Sinfonie anlangt, so können wir bei aller Vereh-\nrung für Schubert doch nicht läugnen, dass die Gedanken\nderselben nach ihrem inneren Wesen und Gehalte doch\nnicht auf der poetisch-idealen Höhe stehen, wie die sämmt-\nlichen Sinfonieen von Beethoven, während wir keineswegs\nverkennen, dass in Bezug auf die Darstellung, Auslührung\nund Entwicklung der Gedanken kein anderer Componist\nin so kühner und freier Weise sich neben Beethoven hin-\ngestellt hat, als Franz Schubert. Jeder Satz der Sinfonie,\nso wie sämmtliche Nummern des ersten Theils fanden eine\ndankbare Aufnahme von Seiten des Publicums.\nAuch der Gesang-Verein war schon thätig und führte\nam 18. November Göthe's erste Walpurgisnacht von Men-\ndelssohn und aus Haydn's Jahreszeiten Herbst und\nWinter auf.\nDie sechs Concerte der vorigen Saison haben uns,\nwie wir das von den Abonnements-Concerten der Hofca-\npelle.nicht anders gewohnt sind, durch eine Reihe von clas-\nsischen Musikstücken in trefflicher Ausführung grosse Ge-\nnüsse bereitet. Wenn es keine Frage ist, dass die stehen-\nden Capellen der kleineren deutschen Höfe mehr als die\ngrossen Opern-Orchester von Berlin, Wien u. s. w. der\neigentliche Halt der gediegenen Instrumental-Musik sind,\nso dürfen wir die unsrige mit Stolz in diese Reihe stellen,\nin welcher sie einen höchst ehrenvollen Platz einnimmt,\nwas sie vorzüglich ihrem ausgezeichneten Leiter verdankt.\nVon Sinfonieen brachten die Programme vom 5. De-\ncember 1856 bis 17. April 1857 von Niels W. Gade\nNr. 1., von Beethoven Nr. VII. in von Mozart in\nEs, von Spohr in D-moll,von Beethoven Nr. 111. und\nNr. V. Von Ouvertüren: von C. M. von Weber\nJubel-Ouverture und „Beherrscher der Geister\", Catel\nSemiramis, Gluck Iphigenie, Beet ho ven Coriolan, Che-\nrubini Lodoisca, Mendelssohn Ruyßlas. Von Con-\ncerten mit Orchester: lür Violine in von Mo-\nli que (gespielt von Laub), von Mendelssohn (Kam-\nmermusicus Krollmann III.), von Beethoven (Capell-\nmeister Pott), von Mendelssohn (Joachim, nebst\nBach's Chiaconne), von Li pinski Militär-Concert (A.\nPott). Für Violoncello: von Grützmacher (gespielt\nvom Componisten), von B. Romberg (Kroll mann IL).\nFür Pianoforte: von Mendelssohn Nr. 11. (durch G. AI.\nSchmitt), von Beethoven Phantasie mit Chor (Frau\nAloyse Pott, die talentvolle Gattin unseres Hof-Capell-\nmeisters). Ausserdem hörten wir noch Solo-Vorträge von\nunseren tüchtigen Capell-M: tgliedern: Müller I. und Sy-\nvarth auf der Flöte, Mahler aul der Oboe, Müller 11.\nauf der Clarinette. - Weniger kann für Gesang in den\nAbonnements-Concerten geschehen; wir haben ein Sextett\nund Chor aus Azor und Zemire von Spohr gehört, und im\nIV. Concerte die Vorträge der Frau Sophie Förster\naus Dresden (Arie aus Fidelio, aus der Gazza ladra und\neinige Lieder).— Dagegen ist die Kammermusik wie-\nderum sehr gut vertreten; die Herren Capellmeister Pott\nund die Hofmusiker Schär nach, Baumberger und"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "398", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571212-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 455, "texte": "Ebert bilden das Geigen-Quartett, und die Clavier-Partie\nist bei Frau AI. Pott in vortrefflichen Händen. Dieselbe\ntrug auch in dem letzten Hofconcerte C. M. von Weber's\nConcertstück mit grossem Beifalle vor; ausserdem spielten\ndarin Herr Pott und Herr Krollmann 11. Charakteristisch\nehrenvoll dürfte es sein, dass auch zwei grosse Orchester-\nwerke: Beethoven's J-dwr-Sinfonie und Mendelssohn'»\nOuvertüre zum Sommernachtstraum, daselbst gemacht\nwurden. —2—"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-12-12-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-12-12_01#c004", "volume": "bmtnabi_1857-12-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "398", "page_fin": "398", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571212-01.2.4", "titre_corps": "Für Gesang.", "titre_sommaire": "Für Gesang.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "398", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571212-01.1.6", "debut_caractere": 457, "fin_caractere_exclue": 4687, "texte": "Für Gesang.\nJ. A. Lecerf, Sechs Lieder mit Pianoforte-Be-\ngleitung. Op. 28. Dresden, bei Bernhard Friedel.\nHeft 1., 11. ä 17 V 2 Ngr.\nIn diesen sechs Liedern begegnet uns etwas, das wir\num so lieber begrüssen, als es in jetziger Zeit seltener\nwird: nämlich die Natürlichkeit des Gesanges und der gan-\nzen musicalischen Behandlung. Hier ist die Melodie nicht\nbeherrscht oder unterdrückt von der Begleitung, sondern\nsie behält das Wort. Die Texte sind im Ganzen entspre-\nchend wiedergegeben, und wenn auch nicht genial aufge-\nfasst, so doch wahrhaft empfunden. Obwohl dann und\nwann eine lebhaftere Schattirung und eine reichere harmo-\nnische Beziehung nicht am unrechten Platze gewesen wäre,\nso stellen doch diese Lieder eine angenehme Auswahl ver-\nschiedener Tonbildchen zusammen. Nr. 1, „Widmung\",\ngibt Begeisterung zu erkennen, welche ruhig, aber mit\nNachdruck ausgesprochen ist. Nr. 2, „Der Reiter\", ist in\nballadenhaftem Tone gehalten und interessirt besonders in\nder ersten Hälfte, wo dem Gesänge eine charakteristische\nBegleitung in lebhaftem Tempo beigelügt ist. Nr. 3, „Jo-\nhannisnachl\", ist ein allerliebstes Lied, welches den mär-\nchenhaften Scherz der Worte launig und wohlthuend nach-\nerzählt. Nr. 4, „Der Flüchtling\", jedenfalls das hervor-\nragendste in dieser Sammlung, gewährt dem Vortrage viel\nSpielraum und muss bei richtiger Betonung und ausrei-\nchender Stimme von Effect sein. Nr. 5, „Die Nonne\", ist\ndurchweg überaus einfach und in elegischem Tone gehal-\nten. Nr. 6, „Mit Dir\", ist ein Lied von innigem Ausdruck,\nwelches bis zum Schlüsse seine Wirkung steigert. Das Ac-\ncompagnement zu diesen sechs Gesängen bietet keine tech-\nnischen Schwierigkeiten, verlangt jedoch geübte Hand. Da\ndiese Lieder der inneren und äusseren Fassung nach wirk-\nlich als Lieder erscheinen und nicht, wie so viele, nach\nneuem, barockem Geschmack gewaltsam dramatisirt sind,\nwerden sie lür sich selbst am besten sprechen.\nL. N., geb. K.\nSchlesisches Lieder-Album für 1858. Her-\nausgegeben von A. Appun. Dünzlau, Appun's\nBuch- und Musikhandlung. Preis 1 Thlr.\nDer Herausgeber hatte einen ersten und zweiten und\nvier dritte Preise auf die besten Lieder von schlesischen\nComponisten gesetzt. Die Herren A. Hesse, E. Richter,\nC. Schnabel und Th. Täglichsbeck hatten das Richteramt\nübernommen. Von 205 (!) eingesandten Lieder-Composi-\ntionen haben die hier gedruckten sechs die Preise erhal-\nten. Die Gekrönten sind: J. H. Stuckenschmidt, Rud,\nTschirch, E. Tau wi t z, W. Tappert, C. Rolle, A.\nErgmann. Wir können von dem Werthe der 205 Com-\npositionen nicht eben hohen Begriff bekommen, wenn diese\nLieder die besten unter allen gewesen sind. Das einzige\noriginelle und frische ist das von Ergmann, Lehrer an\nder Rheinischen Musikschule: „Frühlings Einzug — von\nVV. Müller\". — Die Ausstattung ist recht hübsch; auch ist\neine „ Photographie-Copie\" des verstorbenen J. J. Schna-\nbel, Dom-Capellmeisters in Breslau, beigegeben. Uebrigens\nkann dieses Album eben so gut wie hundert andere Pro-\nductiönchen der Zeit Anspruch auf einen Platz im Salon\nmachen.\nHeinrich Marschner, Zwei Lieder lür eine Te-\nnor- oder Sopranstimme mit Pianoforte. Herrn\nAug. Pütz (soll heissen Andreas Pütz) in Köln\nzugeeignet. Op. 182. Leipzig, bei C. F. W. Sie-\ngel. Preis 15 Ngr.\nHier weht uns freilich ein ganz anderer Geist an; beide\nLieder sind wieder ein paar von jenen schönen Blüthen,\ndie der kräftige Lebensbaum des Tondichters, begünstigt\nvon der ewig warmen Sonne des Genie's, zum zweiten Male\ntreibt, und die so frisch duften, als wären es Frühlings-\nkeime der ersten Jugend. Sie reihen sich würdig an das\nwundervolle Op. 169: „Orientalischer Lieder-\nschatz von Friedr. Bodenstedt in zwei Heften, und an das\nOp. 170: „Melodieen zu C. O. Sternau's Liedern für Alt\noder Bariion, dem trefflichen Sänger M. DuMont-Fier ge-\nwidmet. — Das erste Lied, „An die Entfernte\", von Le-\nnau, athmet eine tiefe Empfindung, die aber aus einem ge-\nsunden Herzen kommt, dem keine weltschmerzliche Em-\npfindelei angekränkelt ist, und das zweite, „Wo find' ich\nmein Lieb?\", von G. Pfarrius, ist wieder ein musicalisches\nBildchen, in welchem der Ausdruck des Gelühls mit einem\ngemüthvollen Humor auf so reizende Weise gemischt ist,\nwie es nur Marschner zu machen versieht. L."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-12-12-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-12-12_01#c005", "volume": "bmtnabi_1857-12-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "399", "page_fin": "399", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571212-01.2.5", "titre_corps": "Uebersicht der Leistungen des Theaters Zu Frankfurt am Main, vom 1. November 1856 bis 31. October 1857.", "titre_sommaire": "Uebersicht der Leistungen des Theaters Zu Frankfurt am Main, vom 1. November 1856 bis 31. 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J. 118)\n51 ~ Opern („ „ 39)\n14' „ Singspiele („ „ 6)\nIn den sämmtlichen Vorstellungen wurden gegeben:\n125 Mal Opern (68 Mal deutsche, 37 Mal französische,\n20 Mal italiänische),\n39 „ Singspiele,\n7 „ Concerte,\n38 „ Tragödien,\n35 „ Schauspiele,\n146 „ Lustspiele.\nVon den Stücken wurden 13 zum ersten Male und 40 neu ein-\nstudirt gegeben. Von den Opern und Singspielen wurden 6 zum er-\nsten Male und 21 neu einstudirt gegeben.\nVon den Stücken und Singspielen waren 30 Uebersetzungen und\n102 Dichtungen folgender deutscher Autoren: Albini, Angely, Bau-\nernfeld, Benedix, Ch. Birch-Pfelffer, Blum, Brachvogel, Deinhard-\nstein, Devrient, Feldmann, Gassmann, Gollmick, Görner, Göthe,\nGrandjean, Gutzkow, Hallenstein, Hackländer, Hersch, Holbein, Hol-\ntei, Hopf, Iffland, Jordan, Kaiisch, Kotzebue, Laube, Lebrun, Lessing,\nMalss, Marsano, Maltitz, Mosenthal, Nestroy, Plötz, Puttlitz, Röder,\nRaupach, Rodenberg, Schall, Schiller, Schlegel, Schneider, Steigen-\ntesch, Töpfer, Wilhelmi, Wolf.\nVon den aufgeführten Opern\nIi waren 25 von deutschen Componisten,\n„ 16 „ französischen ~\n„ 10 „ italiänischen, und zwar\nvon Beethoven, Conradi, ilotow, Gluck, Kreutzer, Lortz.ng, Men-\ndelssohn, Meyerbeer, Mozart, Schenk, Wagner, Weber, Weigl;\nAdam, Auber, Boieldieu, Cherubini, Clapisson, Herold, M -\nhul, Thomas; Bellini, Donizetti, Rossini.\nVon Opern wurden gegeben: Allessandro Stradella (3 Mal), Bar-\nbier von Sevilla (2), Der Bauer von Preston (neu einstudirt, 3J, Czaar\nund Zimmermann (5), Don Juan (3*, Der Dorf barbier (2), Die Ent-\nführung aus dem Serail (neu einst., 3), l 1 anchonette (zum eisten\nMale, 3), Faust (neu einst, 1), Die Fovorite (1), Fidelio (neu einst.,\n1), Fra Diavolo (neu einst., 3), Der Freischütz (4), Die Hochzeit\ndes Figaro (5), Die Hugenotten (4), Indra (neu einst. 1», Iphigenia\nin Tauris (2), Joseph (2;, Die Jüdin (3), Der Kalif von Bagdad (I>,\nDer Liebestrank (1), Loreley (1), Lucia von Lammermoor (neu\neinst., 2), Martha (4\\ Maurer und Schlosser (2), Das Nachtlager von\nGranada (2), Die Nachtwandlerin (neu einst., 2;, Oberon (neu einst.,\nr, Othello (neu einst., 2), Der Postillon von Lonjumeau (neu einst.,\n2), Der Prophet (4), Die Puritaner (neu einst., 11,l1, Raymond (1), Die\nRegimentstochter (2), Robert der Teufel (3), Romeo und Julie (neu\neinst , 3), Rübezahl (zum ersten Male, 3), Die Schweizerfamilie (2),\nDer Schwur (1), Die Stumme von Portici (3), Tannhäuser (3), Des\nTeufels Antheil (1), Titus (neu einst., 2), Undine (3), Der Wasser-\nträger (4), Die weisse Frau (neu einst, 2), Der Wildschütz (3),\nWilhelm Teil (4), Zampa (3), Die Zauberflöte (neu einst, 3), Zwei\nWorte im Walde (neu einst., 2).\nDie Intendanz."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-12-12-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-12-12_01#c006", "volume": "bmtnabi_1857-12-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "399", "page_fin": "400", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571212-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "399", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571212-01.1.7", "debut_caractere": 3088, "fin_caractere_exclue": 6925, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolli. Der köl ner Männergesang-Verein hat am 8. De-\ncember das erste von den angekündigten vier Abonnements-Concerten\nim Casinosaale gegeben. Der Ertrag desselben war für das Denkmal\ndes Königs Friedrich Wilhelm 111. bestimmt. Der Verein hat unter\nseinem trefflichen Dirigenten im Vortrage aller Gesänge seinen al-\nten Ruf bewährt. Dennoch wollte sieh die Zuhörerschaft nicht ganz\nso erwärmen, wie man das sonst in diesen Concerten gewohnt ist.\nDas lag offenbar an dem Programm, das mit einem Grabliede („Die\nNonne\" von Uhland und F. Otto) begann und mit einem höchst tri-\nvialen Kriegerchor: „Vor der Schlacht\", von O. Prechtler und F.\nKücken schloss. Joh. Herbeck's „Frühling und Liebe\" ist sehr\nschwierig, daher undankbar. In F. Schubert's „Widerspruch\" lähmt\ndie ganz überflüssige Clavier-Begleitung die Wirkung, und zu dem\ntrefflichen Chor: „Bist du im Wald gewandelt\", aus „Der Rose Pil-\ngerfahrt\" von Rob Schumann, war die „Begleitung von Blas-Instru-\nmenten\" nur auf dem Programm vorhanden und musste durch das\nCiavier ersetzt werden, was gar nüchtern und störend war. Marsch-\nner's „Ich liebe, was fein ist\" dürfte mehr für ein Quartett, als für\neinen Chor geeignet sein; wirksamer war durch Inhalt und Vortrag\nsein: „Wach1 auf, du schöne Träumerin!\" Nur bei dem Solo des\nHerrn Göbb e 1 s mit Begleitung von Brummstimmen („Wenn du\nim Traum wirst fragen\"), von A. Schäffer) brach ein lauter Beifall\naus, den auch der Vortrag des Sängers mehr rechtfertigte, als der\nnachherige von zwei Liedern am Pianoforte. Herr Wilhelm\nHülle, ein sonst recht wackerer Ciavierspieler, hätte bedeutendere\nSachen als die vorgetragenen kleinen Stückchen zu seinem wenn\nuns recht ist ersten öffentlichen Auftreten wählen sollen. Noch\neine harmlose Frage: Sind in der Kunst die Namen nicht mehr\nwerth, als die Titulaturen?\nUHiiden, 28. November. (Ueber Spohr.) Am 22. d. Mts , als\nam Cäcilien-Tage, hat im Hoftheater zu Kassel der General-Musik-\nDirector Dr. Louis Spohr sein Amt als erster Capellmeister nie-\ndergelegt. Der in den Ruhestand tretende Meister dirigirte von sei-\nnem mit Blumen und Guirlanden geschmückten Pulte die Oper\n„Jessonda\", nach deren Beendigung der Vorhang sich wieder erhob\nund den Componisten inmitten des ganzen Theater-Personals zeigte.\nUnter gleichzeitigem Zuwerfen von Kränzen und Blumen aus den\nLogen des überfüllten Hauses wurde ihm von der Schauspielerin\nFräul. Harke ein Lorberkranz überreicht. Die Wirksamkeit S, ohr's\nin Kassel umfasst einen Zeitraum von 37 Jahren. Seine Pension be-\nträgt 1500 Thaler. So berichten die öffentlichen Blätter. Einsender\nfügt hinzu, dass Spohr, als Capellmeister 1821 nach Kassel berufen,\nnach fünfundzwanzigjähriger Dienstzeit im Jahre 1846 zum General-\nMusik-Director ernannt und zu dieser Feier vom Könige von Preus-\nsen durch den Rothen Adler-Orden dritter Classe erfreut wurde. Da\ndas Jahr und der Ort der Geburt des grossen Altmeisters fast über-\nall unrichtig angegeben ist, so mag die aus authentische?\nQuelle stammende Bemerkung nicht überflüssig erscheinen, dass Spohr\nam 5. April 1784 zu Braunschweig geboren ist. Nach dem in mei-\nnem Besitze sich befindenden, mit dem Jahre 1805 beginnenden Ver-\nzeichnisse seiner Schüler beläuft sich deren Anzahl auf circa 300,\ndaraus schliesslich einige als Violinisten rühmlichst bekannte Na-\nmen: Eberwein, Probst, Beer, Maurer, Hauptmann, Bach, Lübke\n(Bückeburg), G. Schmidt (Bremen), Kiel, E. Grund, O. Gerke, A.\nPott, Mühlenbruch, Ries, David, F. Hartmann, Burgmüller, E Rei-\nter, Ballin, Bärwolf, H. Herdtmann, J. J. Bott, C. Deichraann, Sehlet-\nterer, Boye, Kömpel, Hauser, Herrmann, C. Bargehr u. s. w. Alle\nSchüler gedenken des Meisters mit grosser Achtung und Liebe, und\nstimmen ein mit Götlie's W orte aus Tasso:\nIch drücke meinen vollen, frohen Kranz\nDem edlen Meister auf die hohe Stirne."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "400", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571212-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5478, "texte": "** 2. December. Zum Besten der durch die Pulver-\nExplosion Beschädigten veranstaltete die hiesige Liedertafel, in Ver-\nbindung mit dem Damengesang-Verein und verstärkt durch den Cä-\ncilien- und Männergesang-Verein von Wiesbaden, unter Leitung ihres\nDirigenten Herrn Marpurg am 27. vor. Mts. im hiesigen Stadt-\ntheater die Aufführung des Elias von Mendelssohn, der uns\nvom Musikfeste in Mannheim her noch in gutem Andenken steht.\nLeider können wir jedoch von der Aufführung selbst nicht viel Gu-\ntes berichten, indem auch nicht die bescheidenen Ansprüche, die\nman beim Zusammenwirken solcher zahlreichen Kräfte zu machen\nberechtigt ist, befriedigt wurden. Die Wirkung des Orchesters, wel-\nches an sich schon in numerischer Beziehung dem Chor gegenüber\neine schwere Aufgabe hatte, wurde erst recht geschwächt durch die\nAufstellung aller Pulte desselben hinter dem Chor. In zu grosser\nEntfernung vom Dirigenten, war an ein festes Einsetzen und siche-\nres Mitgehen, zumal bei dem vcm Dirigenten beliebten fortwähren-\nden Tempowechsel, nicht zu denken. Erdrückt von dem Chor, konnte\nes seine Kraft vom Hintergrunde der Bühne aus nicht entfalten, und\nin der That hielt es schwer, im Zuschauerräume das wirkliche Vor-\nhandensein eines Orchesters wahrzunehmen. Natürliche Folge hier-\nvon waren Detonationen in den meisten Solo-Partieen, die kein all-\nzu feines Ohr erforderten, um als solche erkannt zu werden. Die\nChöre, welche, aus fremdartigen Kräften bestehend, erst am Tage\nder Aufführung sich zu einer Gesammt-Probe vereinigt hatten, ent-\nbehrten schon hiedurch der nöthigen Sicherheit. Doch glauben wrir,\ndass selbst der sicherste Chor bei dem schon gerügten fortwähren-\nden Tempo rubalo des Dirigenten in Schwankungen gerathen wäre.\nDas Publicum blieb natürlich kalt.\nWenn wir bei dieser Gelegenheit uns erlauben dürfen, im Allge-\nmeinen auf die Leistungen der hiesigen Liedertafel einen Blick zu\nwerfen, so müssen wir leider eingestehen, dass das, was bereits in\nder vorigen Winter-Saison von jedem Kunstfreunde .getadelt werden\nmusste, in der diesjährigen in noch erhöhtem Grade auftritt. Wir\nmeinen nämlich die Manie, sich Aufgaben zu stellen, zu deren Lö-\nsung weder die erforderliche Zeit, noch die erforderlichen Kräfte ge-\ngeben sind. So haben wir z. B. seit einem Monate ausser dem Elias\nschon die Schöpfung und Mendelssohns Sinfonie-Cantate\n„Lobgesang'4 (letztere sehr mangelhaft; gehört, Und dem aufgestell-\nten Programme nach, ausser den reinen Instrumentalwerken und den\nkleineren Piecen für gemischten Chor noch zu erwarten: einen Theil\nder Oper „Der letzte Maurenkönig4* von Fr. Marpurg, die ganze\nMusik zu Weber's „Pretiosa4-, Chöre und Finale des zweiten Actes\naus „Joseph iu Aegypten44 von Mehul, ferner die IX. Sinfonie mit\nSchlusschor von Beethoven und sogar die Passions-Musik von Bach!\nFrag', 15. November. Erstes Concert des Cäcilien-\nV er eins im Saale der Sophien-Insel. Pas höchst lobens-\nwerthe und auf unsere Musik-Zustände so einflussreiche Streben die-\nses bereits durch achtzehn Jahre thätigen Vereins zeigte sich hier\nabermals im schönsten Lichte, denn es wurde uns eine der interes-\nsantesten Compositionen der Gegenwart vorgeführt, nämlich Ferdi-\nnand Hille r's neueste Composition für Chor und Orchester, „Die\nWeihe des Frühlings4'. Diesem modernen, beziehungsweise\nweltlichen Oratorium liegt ein dem Gedichte Uhland's Ver sacrum\nentlehnter Stoff, von Professor Bischoff dramatisch bearbeitet, zu\nGrunde, der den Moment der Gründung Rom's in kurzer, die Ent-\nfaltung der musicalischen Illustration nicht beengender Diction be-\nhandelt» Ueber die Composition selbst, so weit nach einmaligem An-\nhören möglich, muss gesagt werden, dass sie durchgehends charak-\nteristisch, schwungvoll und würdig gehalten ist. Die in ihrem Ge-\ngensatze trefflich gehaltenen Chöre der männlichen und weiblichen\nStimmen sind von grosser Wirkung, erstere durch die Kraft und\nEntschiedenheit, letztere durch den Duft.und melodischen Reiz des\ntonlichen Ausdrucks. Die Instrumentation ist geistreich und in den\nverschiedenen Momenten von der passendsten Färbung. Hervorzuhe-\nben ist gleich der erste düstere, im Unisono gehaltene Chor, die Arie\nNr. 4 des Priesters in A-dur, der Kriegerchor Nr. 7, dann der fei-\nerliche Schlusschor in A-dur der ersten Abtheilung mit dem interes-\nsanten Mittelsatze der weiblichen Stimmen. Im zweiten Theile fällt\nder Hirtenchor auf durch seine eigenthümliche Tonlage für Sopran,\nzwei Alti und Tenor, ferner das Terzett durch die erliebende Füh-\nrung der Stimmen, besonders des Tenors, dann der vorletzte Chor:\n„Wir folgen dir\", mit dem genial erfundenen Gegensatz der Soprane\nund Alte, endlich das poetische Solo-Quartett in As-dur, an welches\nsich das Finale anschliesst. Die Ausführung unter Leitung des un-\nermüdet thätigen Directors Herrn Ap t war sehr lobenswerth, und\ndas Ensemble, worunter viele Dilettanten, massenhaft besetzt. Die\nSolo-Partieen führten Fr. Botschon und die Herren Lukes und\nFreny in vorzüglicher Art aus und erhielten verdienten Beifall.\nDer Eesuch war sehr zahlreich.\nIBsisel« Fräul. Fr an eis ca Veith vom frankfurter Theater\nhat hier in dem letzten Concerte mit einem Beifalle gesungen, wie\nwir ihn nur selten gesehen haben. Die Sängerin trug\nConcert-Arie, ein Lied von Schubert und eines von Goltermann vor,\nund als Glanzstück den grossen Walzer von Vengano, der mit stür-\nmischem Applaus da errpo gerufen wurde. Das Publicum und die\nMusiker von Fach wetteiferten, die ausgezeichnete Künstlerin zu\nfeiern."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "393", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571212-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nC M. von Weber in England. Nach Döring. —Aus Oldenburg. Coneerte der Hofcapella. Von—2 . Beurthei-\nJungen. Für Gesang: J. A. Lecerf, 6 Lieder. Op. 28. Von L. N., geb. K. Schlesisches Lieder-Album für 1858. H. Marschrier,\n2 Lieder. Op. 182. Von L. Uebersicht der Leistungen des Theaters zu Frankfurt a. M. im vorigen Theaterjahre.— Tages- und Un-\nterhaltungsblatt (Köln, I. Conoert des Männergesang-Vereins Minden, Ueber Louis Spohr Mainz Prag Basel, F. Veith).\n\nC. M. von Weber in England.\n(S. Nr, 46 und 47.)\nZu der Oper Oberon hatte Weber den ersten Act\ndes englischen Textes von Planche im December 1824\nerhalten. Oft wiederkehrende Kränklichkeit und überhäufte\nDienstgeschäfte machten aber ein stetes Fortarbeiten in\nEinem Zuge unmöglich. Am 17. October 1825 schreibt\ner darüber an Gottfried Weber: „Ich bin wirklich in Ver-\nzweiflung über jeden Tag, der mir in meiner Stimmung\ngeraubt wird, da die Zeit, die ich zum Arbeiten benutzen\nkann, so unendlich knapp ist. Die Vermählungs-Feierlich-\nkeiten des Prinzen Max beschäftigen mich sehr. Wir geben\ndazu die Olympia von Spontini. Dies ist die einzige Mög-\nlichkeit, diese Oper mit aussergewöhnlichem Aufwände zu\ngeben. Natürlich halte ich alle Proben selbst, welches mich\nnoch immer mehr angreift, als billig.\"\nAm 16. Februar 1826 reis'te er mit Fürstenau,\ndem berühmten Flötisten, von Dresden ab, um nach Lon-\ndon zu gehen. In Frankfurt sah er G. Weber wieder, und\nder Cäcilien-Verein erfreute ihn durch eine Aufführung von\nHändel's Judas Maccabäus.\nIn Paris, wo er den 25. Februar ankam, wurde er\nmit grosser Auszeichnung empfangen und von allen Seiten\ngefeiert. Rossini beeilte sich, ihn zuerst zu besuchen. Am\n27. hörte er die Olympia in der grossen Oper. „Welch\nein grosses Schauspiel\" schreibt er— „ist hier die Op er!\nDas herrliche Gebäude, die Massen auf dem Theater und\nim Orchester sind imposant und ehrfurchtgebietend. Die\nOper wurde vortrefflich gegeben. Das Orchester hat eine\nKraft und ein Feuer, wie ich noch nichts Aehnlicbes gehört\nhabe. Es wurde viel applaudirt, und mit vollem Rechte.\"\nDie enthusiastische Verehrung, die ihm,.je länger er\nin Paris verweilte, überall entgegenkam, harmonirte nicht\nmit Weber's Bescheidenheit. Er äusserte darüber in einem\nBriefe an seine Gattin: „Ich versuche es gar nicht, Dir zu\nbeschreiben, wie man mich empfängt, weil es über alle\nMaassen eitel wäre, wenn ich schreiben wollte, was die\ngrössten jetzt lebenden Künstler mir für Dinge sagen. Das\nPapier selbst müsste roth werden. Wenn man mich hier\nnicht stolz macht, so bin ich wirklich dazu verdorben.\"\nAm 2. März 1826 hatte Weber Paris wieder ver-\nlassen. Auf dem Boote The Fury segelte er am 4. März\nfrüh um 9 Uhr ab und kam bei sehr günstigem Winde um\n1 Uhr in Dover an. „Am 5. März, um 8 Uhr,\" schrieb\ner, „fuhren wir in der Express von Dover ab. Es\nwar ein herrlicher Wagen, mit vier Engländern bespannt,\nderen sich kein Fürst zu schämen hätte. Im Wagen vier\nPersonen, hinter dem Wagen vier Personen, auf dem\nWagen vier Personen, ging es mit Blitzesschnelligkeit durch\ndas über alle Beschreibung herrliche Land.\" Der Eindruck,\nden London auf ihn machte, übertraf seine kühnsten Er-\nwartungen. Seiner Gattin schrieb er darüber: „DasGross-\narlige dieser Stadt Dir zu schildern, muss ich mündlichem\nRapport überlassen. In dem stillen Mosterwitz soll dieser\nreiche Stoff uns versorgen.\"\nSehr behaglich fühlte sich Weber in Sir George\nSmart's Hause, der ihm dort ein Quartier eingeräumt\nund es mit allen möglichen Bequemlichkeiten versehen\nhatte. „Ich fand\", schrieb' Weber, „schon eine Anzahl\nKarten vor von Visiten, die mir vor meiner Ankunft ge-\nmacht worden waren. Von dem ersten Instrumentenmacher\nfand ich ein treffliches Pianoforte, nebst einem artigen Bil-\nlet, ihn so glücklich zu machen, es während meiner Anwe-\nsenheit zu gebrauchen. Die Oratorien-Direction ist mir\näusserst bequem gemacht. Ich führe nämlich wahrschein-\nlich alle vier Abende zwölf Stücke aus dem Freischütz hin-\nter einander auf; das ist in einer Stunde abgethan. Der"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "394", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571212-01.1.2", "texte": "ganze Tag bis fünf Uhr ist mein; dann geht es zu Tische,\nins Theater oder in Gesellschaft. Morgen fange ich an,\nzu arbeiten. Heute Morgens habe ich mich erst eingerich-\ntet, gestriegelt und geputzt. Das Alleinsein in England\nhat gar nichts Aengstliches für mich. Die ganze englische\nWeise ist meiner Natur sehr verwandt, und mein Bisschen\nEnglisch, in dem ich reissende Fortschritte mache, ist mir\nvon dem unglaublichsten Nutzen.\"\nWeber's Gattin hatte in einem ihrer Briefe die Be-\nsorgniss geäussert, dass zu angestrengtes Arbeiten seiner\nGesundheit schaden möchte. Er suchte sie darüber zu be-\nruhigen. „Wegen der Oper\", schrieb er, „ängstige Dich\nnicht. Ich habe wirklich Zeit und Ruhe hier; denn man\nehrt meine Zeit. Auch ist der Oberon nicht Ostermontag,\nsondern einige Zeit später. Die Leute sind zu gut mit\nihrer ängstlichen Theilnahme. Wenn ich es nicht gut auf\nReisen habe, so hat es Niemand in der Welt gut. Keinem\nKönige wird Alles so aus Liebe entgegengebracht, wie mir.\nMan hätschelt mich auf alle Art, ja, ich kann fast buch-\nstäblich sagen, dass man mich auf den Händen trägt. Ich\nschone mich sehr, und Du kannst ganz ruhig sein. Mit mei-\nnem Husten ist es ganz eigen. Acht Tage war er fast ganz\nweg; dann kam wieder ein schlimmer, krampfhafter Anfall,\nden 3. März, ehe ich nach Calais kam; seitdem ist er wie-\nder still. Ich beobachte genau, und niemals kann ich eine\nbesondere Ursache entdecken. Ich versage mir oft Alles,\nund er kommt; ich trinke und esse Alles, und er kommt\nnicht. Nun, wie Gott will! Damit Du siehst, wie unge-\nstört ich sein kann, will ich Dir mein Quartier beschrei-\nben. Parterre wohnt Smart, und da wird auch gegessen.\nIm ersten Stock ist das Empfangszimmer und im zweiten\nmeine Schlaf- und Arbeitsstube, wo Niemand hinkommt.\nJedermann wird gemeldet und ohne Umstände abgewiesen,\nwenn man will, was Niemand hier übel nimmt.\"\nIn dem prachtvoll decorirten Coventgarden-Theater,\nwo Weber einer Vorstellung der nach einem Roman von\nWalter Scott bearbeiteten Oper Rob roy beiwohnte, hatte\ner eine eigenthümliche Ueberraschung. Er schrieb darüber\nseiner Galtin: „Wie ich so an den Logenrand trete, um\nes alles ordentlich zu betrachten, ruft auf einmal eine\nStimme: Weber, Weber ist da! Obgleich ich mich schnell\nzurückzog, brach doch ein solches Jubeln, Applaudiren und\nVivatrufen aus, das gar kein Ende nehmen wollte, so dass\nich mich mehrere Male zeigen und unterschiedliche Bück-\nlinge machen musste. Nun wollten sie durchaus die Ouver-\ntüre zum Freischütz haben u. s. w., und jedesmal, wenn\nich mich sehen liess, brach der Sturm los. Zum Glück be-\ngann die Ouvertüre der Oper Rob roy, und es ward nach\nund nach wieder ruhig. Kann man mehr Enthusiasmus,\nmehr Liebe verlangen und hoffen? Ich muss gestehen, dass\nes mich wirklich überrascht und ergriffen hat, obwohl ich\nwas gewohnt bin und ertragen kann.\"\nUnter den Sängern rühmte Weber in diesem Briefe\nMiss Paton und Mr. Braham. Erstere, meinte er, werde im\nOberon die Rezia vortrefflich singen. „Es sind aber ausser\nBraham noch andere sehr gute Tenoristen da, und ich\nbegreife nicht, was die Leute dem englischen Gesänge\nUebles nachsagen. Die Sänger haben vollkommen gute\nitaliänische Schule, schöne Stimmen und Ausdruck. Das\nOrchester ist nicht ausgezeichnet, aber doch recht brav ;\ndie Chöre sind recht gut. Kurz, ich glaube jetzt schon über\nden Erfolg des Oberon sicher sein zu können. Gestern\n(den 8. März) arbeitete ich am Finale. Nun kam der Schau-\nspieler Kemble, mich in die Probe des Oratoriums einzu-\nführen. Es war um eilf Uhr. Orchester und Sänger empfin-\ngen mich mit dreimaligem grossem Applaus und Zurufen.\nIch sagte ein paar Worte, und das Vivatrufen begann von\nNeuem. Dann ging die Probe an, die bis nach drei Uhr\ndauerte. Der gute Wille und Eifer war ausserordentlich.\nNach Hause gefahren, umgezogen, um halb fünf Uhr ge-\ngessen bei Robertson, und um sieben Uhr endlich meine\nerste öffentliche Erscheinung vor dem überfüllten Hause.\nSmart führte mich an meinen Platz, und nun hat alle\nBeschreibung ein Ende. Was sind Donner von Applaus,\nSturm und alle Ausdrücke, die man gebrauchen könnte,\ngegen die Wirklichkeit? Das Rufen, Jubeln, mit Hüten\nund Tüchern Schwingen und Flaggen des ganzen Hauses\nnahm kein Ende, und man erinnert sich keines ähnlichen\nEnthusiasmus. Endlich begann die Ouvertüre. Sie ward\nwiederholt, und so noch drei bis vier Nummern. Am Ende\nderselbe Jubel, bis ich verschwand. Das Ganze ging sehr\ngut, Manches trefllich. Kurz, es war ein herzerhebender\nund wahrhaft erschütternder Empfang. Männer vom ersten\nRange erwarteten mich auf der Treppe. Ich musste noch\nin mehrere Logen und wurde gehätschelt und versorgt mit\neiner Herzlichkeit, wie noch nirgends.\"\nEine trübe Stimmung, durch seine fast ununterbro-\nchene Kränklichkeit erzeugt, herrscht in einem Briefe\nWeber's vom 17.März 1826. „Ich passe gar nicht mehr\nin die Welt!\" schrieb er seiner Gattin. „Wenn ich be-\ndenke, wie überschwänglich glücklich und in Wonne schwim-\nmend Tausende an meiner Stelle wären, so bin ich doppelt\nbetrübt, dass es mir versagt ist, all das Herrliche auch zu\ngeniessen. Wo ist der frohe, kräftige Lebensmuth hin, den"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "395", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571212-01.1.3", "texte": "ich sonst hatte? Freilich kann ich nichts dafür; es ist rein\nkörperlich, und so lange ich mich nicht wieder eines recht\nfreien Gesundheitsgelühls erfreuen kann, so lange gibt es\nauch keine wahre Freude für mich. Dieses ewig ängstliche\nBeobachten meiner selbst, Vermeiden u. s. W.ist gar zu\nstörend, und dabei das Wunderliche, dass ich eigentlich wie-\nder alles besitze, was zur Gesundheit gehört. Ich schlafe\ngut und esse und trinke mit wirklichem Appetit. Alles ist\nin Ordnung. Aber da ist diese abscheuliche Kurzathmigkeit,\ndieses krampfhafte, angegriffene Wesen bei der geringsten\nVeranlassung durch den ganzen Körper, und dabei wieder\ndas höchst Sonderbare, dass grosse Fatiguen und Eindrücke\neben auch nicht viel anders oder heftiger einwirken, als\nwenn ich z. B. schnell eine Treppe hinaufgehe. Kurzum,\nin der Welt soll nichts vollkommen sein, und bei viel Licht\nist viel Schatten. Desshalb geduldig an den alten Spruch\ngehalten: Wie Gott will!\"\nEinige Wochen später, den 29. März 1826, schrieb\nWeber seiner Gattin: „Eine Historie muss ich Dir erzäh-\nlen, die mir nun noch mehr Arbeit verursacht, als sonst\nder Fall gewesen wäre. Durch die Scene im Freischütz\nsind die Leute ganz toll geworden, und die Sänger faseln\nvon nichts Anderem, als von Becitativen, Andante's, Alle-\ngro's u. s. w. Dies ist denn nun auch dem Sänger Braham\nin den Kopf gefahren, und er bettelt um eine grosse Scene,\nstatt seiner ersten Arie, die allerdings auch nicht für ihn\ngeschrieben und etwas hoch ist. Erst war mir der Gedanke\nganz fatal, und ich wollte nichts davon hören. Endlich ver-\nsprach ich, wenn die Oper fertig sei und mir noch so viel\nZeit übrig bliebe, so wollte ich es thun. Nun habe ich also\ndiese grosse Scene, ein Schlachtengemälde, und was weiss\nich alles! vor mir liegen und gehe mit dem grössten .Wi-\nderwillen daran. Was ist aber zu thun? Braham kennt sein\nPublicum, ist der Abgott desselben. Ich muss dem Erfolg\nzu Liebe ein Stück Arbeit mehr nicht scheuen also frisch\nhineingebissen in den sauren Apfel! Und die erste Arie\nhabe ich so lieb! Für Deutschland lasse ich Alles, wie es\nist. Denn ich hasse die Arie im Voraus, die ich hoffent-\nlich heute noch machen werde. So! nun hab' ich Dir\nauch meine Leiden geklagt. Will mir aber ein Herz fassen\nund gleich daran gehen. Also Ade für jetzt! Ich gehe in\ndie Schlacht.— Nun, die Schlacht ist zu Ende: das heisst,\ndie Hälfte der Scene. Nachmittag hoffe ich noch die Tür-\nkinnen jammern, die Französinnen jubeln und die Krieger\nVictoria rufen zu lassen.\" Ueber seinen körperlichen Zu-\nstand enthielt dieser Brief die scherzhafte Aeusscrung:\n„Fetter bin ich noch nicht geworden, es geht noch nicht\ngeradeaus über die Backen, wird's auch wohl nie mehr;\ndenn ich werde wohl so wie eine alte Pflaume einhutzeln.\nWenn ich dabei gesund bin, ist's einerlei, und ich muss\njetzt wirklich meinen Husten loben.\"\nAm 12. April 1826 ging der Oberon in Scene.\nWeber schrieb an seine Gattin: „Durch Gottes Gnade und\nBeistand habe ich heute Abends abermals einen so voll-\nständigen Erfolg gehabt, wie vielleicht noch niemals. Gott\nallein die Ehre! Wie ich ins Orchester trat, erhob sich\ndas ganze überfüllte Maus und ein unglaubliches Jubel-,\nVivat- und Hurrah-Kufen. Die Ouvertüre musste wieder-\nholt werden; jedes Musikstück ward drei Mal mit dem\ngrössten Enthusiasmus unterbrochen u. s. w. Am Ende\nward ich mit Sturmesgewalt herausgerufen, eine Ehre, die\nin England noch nie einem Componisten widerfahren ist.\nNach solchem Triumphe tritt eine gewisse wohlthätige Be-\nruhigung ein, dass ein grosser Schritt in der Welt aber-\nmals gethan ist. Auf jeden Fall war ich hier beim Oberon\nauf einem viel unsicherem Standpunkte, als bei meinen frü-\nheren Werken. Die Eifersucht des Theaters, das höchst\nerregbare Publicum, das immer an Opposition gewöhnt ist\nund sich darin gefällt, und die Ereignisse der Tage vorher,\ndie mich nicht mit Gewissheit auf das Gelingen der Aus-\nführung rechnen liessen das alles machte den Erfolg\ndoppelt glänzend und schätzenswerth.\"\nWcber's heitere Stimmung ward jedoch oft getrübt\ndurch den nachlheiligen Einfluss des Klima's auf seine Ge-\nsundheit. Er schrieb darüber am 17. April 1826: „Heute\nist ein Tag zum Todtschiessen. Ein solcher dunkelgelber\nNebel, dass man kaum in den Zimmern ohne Licht sein\nkann. Die Sonne ist ohne Strahlen, wie ein rother Punkt\nim Nebel. Es ist ordentlich schauerlich. Nein, in diesem\nKlima möchte ich nicht leben. Freilich sagt man, dass alle\ndiese Schönheiten bloss London eigen sind, und in der\nfreien Natur die Sache ganz anders aussieht. Die Bäume,\ndie ich zu sehen bekomme, sind alle vollkommen grün, und\nLondon hat eine grosse Menge freier Plätze und Gärten.\nAber das ist doch alles keine freie Luft; denn selbst am\nheitersten Tage kann man nicht bis an das Ende eines gros-\nsen Platzes sehen ohne Nebelwolken, die den Horizont be-\ndecken. Was ich da lür eine Sehnsucht nach Hosterwitz\n.* / 1\nund dem freien Himmel bekomme, ist unbeschreiblich. Ge-\nduld, Geduld! Es haspelt sich ein Tag nach dem anderen\nab; zwei Monate sind schon im Kücken.\"\nAn einer völligen Wiederherstellung seiner Gesundheit\nschien Weber zu verzweifeln. „Recht angenehme\nschaftenschrieb er, „habe ich gemacht an dem Sohne"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "396", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571212-01.1.4", "texte": "des Buchhändlers Göschen aus Grimma und an einem\nDr. Kind, einem Neffen von unserem Kind in Dresden.\nGar liebe Menschen, die mich mit Gewalt ganz gesund\nwissen wollen. Lieber Gott! dahin kommt's in meinem Le-\nben nicht mehr. Habe allen Glauben an die Aerzte und\nihre Kunst verloren. Ruhe ist mein bester Doctor, und\ndiese zu suchen und mir zu verschaffen, soll von nun an\nmein einziges Bestreben sein, und dazu gehören ja auch\ndiese schweren Monate.\" In ähnlicher Weise äusserte sich\nWeber in einem acht Tage später, am 24. April, geschrie-\nbenen Briefe: „Man erwartet mich den Sommer in Berlin,\nden Oberon selbst wieder aufzuführen. Ich wüsste nicht,\nwas mich dazu bewegen könnte. Ruhe, Ruhe ist jetzt mein\neinziges Feldgeschrei, und soll es wohl für lange bleiben.\nIch habe alle das Kunstgelreibe so satt, dass ich ,keine\ngrössere Herrlichkeit kenne, als wenn ich ein Jahr ganz\nunbemerkt als ein Schneider leben könnte, meinen Sonn-\ntag liätte, einen guten Magen und heiteren, ruhigen Sinn..\"\nDie Sehnsucht nach der Heimat ward immer lebendi-\nger in ihm. „Wie zähle ich\", schrieb er seiner Gattin am\n28. April, „die Tage, Stunden, Minuten bis zu unserem\nWiedersehen! Wir sind doch sonst auch getrennt gewe-\nsen, und haben uns gewiss auch lieb gehabt. Aber diese\nSehnsucht ist ganz unvergleichbar und unbeschreiblich.\nGeduld. Geduld!\" Eine freudige, innere Zuversicht, die\nSeinigen bald wiederzusehen, tröstete ihn, während sein\nZustand von Tag zu Tag leidender wurde. Zum Gebrauche\närztlicher Mittel liess er sich schwer und nur durch die in-\nständigsten Bitten seiner Freunde bewegen. Ein am 26.\nMai von ihm veranslaltetes Concert entsprach nicht den\nErwartungen, die er sich davon gemacht hatte. Diese\nschmerzliche Täuschung wirkte bei der gesteigerten Reiz-\nbarkeit seines Gemüthes höchst nachtheilig auf seinen Ge-\nsundheitszustand. Er fühlte sich völlig erschöpft am\nSchlüsse des Concertes. Gegen seinen Freund Göschen\nentschlüpfte ihm die Aeusserung: „Was sagen Sie zu dem\nleeren Saale? So ist Weber in London!\"\nSein Zustand erregte die wachsende Besorgniss seiner\nFreunde. Am 6. Juni sollte der Freischütz, neu einsludirt,\nzu seinem Benefice gegeben werden. Er fühlte sich jedoch\nam 1. Juni so krank, dass er fest entschlossen war, diese\nVorstellung nicht abzuwarten und nach Deutschland zu-\nrückzukehren. Er bestimmte das Honorar des Arztes und\nordnete seine Geld-Angelegenheiten. Der letzte Brief an\nseine Gattin, vom 2. Juni 1826, mit zitternder Hand ge-\nschrieben, enthielt das Geständniss, dass er sehr aufgeregt\nund angegriffen sei. „Guter Gott!\" setzte er hinzu, „nur\nerst im Wagen sitzen! Nun, Gott wird Kräfte schenken.\"\nSeine Freunde verliessen ihn jeden Abend mit grosser\nBesorgniss. Fruchtlos hlieben jedoch ihre Bitten, dass er\nEinem von ihnen erlauben möchte, in seinem Zimmer zu\nschlafen. Am 5. Juni früh, um 7 Uhr, war Weber's Zim-\nmer verschlossen. Man öffnete nach heftigem Pochen mit\nGewalt die Thür und fand ihn in seinem Bette, den Kopf in\ndie Hand gestützt, wie süss schlummernd, die Augen für\nimmer geschlossen. Dass sein Ende schmerzlos gewesen,\nzeigten die sanften, gleichsam heiter verklärten Gesichts-\nzüge. Er war nicht mehr ins Leben zurückzurufen. Nach\no\nder Meinung der Aerzte musste er ungefähr um zwei Uhr\nNachts verschieden sein. Die Section zeigte ein Geschwür\nan der linken Seite des Kehlkopfes, ausserdem noch einige\nandere an den Lungen. Alle Symptome deuteten auf einen\nunabwendbaren Tod, den die klimatischen Verhältnisse be-\nschleunigt haben mochten.\nDie Moorfields-Capelle, in der er beerdigt wurde» war\nschwarz ausgeschlagen, .die Wachskerzen schwarz und die\nzahlreichen Personen, die seinem Sarge folgten, ebenfalls\nalle schwarz gekleidet. Der Leichenzug brauchte fast zwei\nStunden bis zur Kirche. Unter dem zahlreichen Trauerge-\nfolge bemerkte man Sir George Smart, Kemble, Mo-\nscheies, Braham, Clementi, Bishop, Cramer,\nden preussischen Consul und viele Landsleute des Verstor-\nbenen. Seinen Sarg bezeichnete die von einem seiner Freunde\nund Verehrer, Ed. H. Grat tan, verfasste Inschrift auf\neiner Metallplatte mit den Worten: Carl Maria von Weber,\nobiit 5. Juni 1826. Tins humble inscription was offered as\na tribule of respect to the geniiis of ihis great composer by\nW.A. Grattan. Zehn Jahre nach seinem Tode wurde seine\n• /\nAsche nach Deutschland geschafft und in der katholischen\nKirche zu Dresden beigesetzt.\n\nAus Oldenburg.\nDen 2. December 1857.\nSo eben sind die letzten Töne des ersten Abonne-\nments-Concertes der grossherzoglichen Hofcapelle unter\nDireetion des Herrn Hof-Capellmeisters Pott verklungen.\nDasselbe begann mit Spohr's Ouvertüre zum Berggeist.\nEine würdige Einleitung zu den Concerten, nicht nur in\nBezug auf ihren Inhalt, sondern auch durch die eben so\nenergische als auch zarte Ausführung von Seiten des Or-\nchesters. Die zweite Nummer war Spohr's Gesangsscene,\neine Composition, welche seit fast einem halben Jahrhun-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "397", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571212-01.1.5", "texte": "dert nicht allein ein Liebling des Publicums, sondern auch\naller gediegenen Violin-Virluosen ist, eine Composition,\nwelche immer neu und unerreicht durch ihren poetischen\nInhalt und ihre Form am musicalischen Horizonte glänzt.\nHerr Hof-Capellmeister Pott trug das Concert mit wahrer\nMeisterschaft, sowohl was Auflassung als Technik anlangt,\nvor. Die Grösse seines Tones, der wunderbar schöne Vor-\ntrag des Recitativs und der Gesang-Partieen und die Kühn-\nheit und das Feuer der grossartigen Technik, die er im\nAllegro entwickelte, haben alle Musikfreunde wahrhaft ent-\nzückt. So vielseitig und ausgezeichnet Herr Pott im Vor-\ntrage der Werke anderer gediegener Componisten sich be-\nwährt, so möchten wir doch behaupten, dass, wer Herrn\nPott nicht in Spohr'scben Compositionen hörte, ihn nur\nhalb gehört habe. Die Begleitung des Concertes war von\nSeiten des Orchesters eine vollkommen würd ige.\nDie dritte Nummer, welche den Schluss des ersten\nTheiles des Concertes bildete, war die grosse Leonoren-\nOuverture von ' Beethoven, deren Ausführung unter\nPott's vortrefflicher Direclion vollkommen gelang und die\nin der Weise jeder tüchtigen deutschen Ilolcapelle zur\nEhre gereichen würde.\nDen zweiten Theil bildete Fr. Schubert's\nSinfonie. Der erste Theil des ersten Allegro und des Fi-\nnale, so wie der zweite Theil des Scherzo und der Trio's\nwurden ohne Wiederholung gemacht, wodurch die Sinfonie\nnur gewinnen kann. Die Auslührung war in den drei er-\nsten Sätzen eine vollkommen gelungene zu nennen; jedoch\nbei dem Finale machte sich, wenn auch nur für den kun-\ndigen Hörer, in den ersten Geigen eine gewisse Unruhe\nbemerklich, die der Dirigent jedoch mit fester Hand nieder-\nhielt und somit grössere Störung, die dadurch hätte ent-\nstehen können, verhinderte. Besonders ausgezeichnet be-\nwährten sich während der ganzen Sinfonie die Bl ose- In-\nstrumente, von der Flöte bis zur Posaune, durch ihre exacle\nund fein nuancirte Ausführung. Ohne Zweifel ist diese Sin-\nfonie, namentlich lür die gesammlen Bläser, eine der schwie-\nrigsten, welche existiren. Die Wahl der Tempi war nach\nunserem Erachten eine vollkommen richtige. Was den In-\nhalt der Sinfonie anlangt, so können wir bei aller Vereh-\nrung für Schubert doch nicht läugnen, dass die Gedanken\nderselben nach ihrem inneren Wesen und Gehalte doch\nnicht auf der poetisch-idealen Höhe stehen, wie die sämmt-\nlichen Sinfonieen von Beethoven, während wir keineswegs\nverkennen, dass in Bezug auf die Darstellung, Auslührung\nund Entwicklung der Gedanken kein anderer Componist\nin so kühner und freier Weise sich neben Beethoven hin-\ngestellt hat, als Franz Schubert. Jeder Satz der Sinfonie,\nso wie sämmtliche Nummern des ersten Theils fanden eine\ndankbare Aufnahme von Seiten des Publicums.\nAuch der Gesang-Verein war schon thätig und führte\nam 18. November Göthe's erste Walpurgisnacht von Men-\ndelssohn und aus Haydn's Jahreszeiten Herbst und\nWinter auf.\nDie sechs Concerte der vorigen Saison haben uns,\nwie wir das von den Abonnements-Concerten der Hofca-\npelle.nicht anders gewohnt sind, durch eine Reihe von clas-\nsischen Musikstücken in trefflicher Ausführung grosse Ge-\nnüsse bereitet. Wenn es keine Frage ist, dass die stehen-\nden Capellen der kleineren deutschen Höfe mehr als die\ngrossen Opern-Orchester von Berlin, Wien u. s. w. der\neigentliche Halt der gediegenen Instrumental-Musik sind,\nso dürfen wir die unsrige mit Stolz in diese Reihe stellen,\nin welcher sie einen höchst ehrenvollen Platz einnimmt,\nwas sie vorzüglich ihrem ausgezeichneten Leiter verdankt.\nVon Sinfonieen brachten die Programme vom 5. De-\ncember 1856 bis 17. April 1857 von Niels W. Gade\nNr. 1., von Beethoven Nr. VII. in von Mozart in\nEs, von Spohr in D-moll,von Beethoven Nr. 111. und\nNr. V. Von Ouvertüren: von C. M. von Weber\nJubel-Ouverture und „Beherrscher der Geister\", Catel\nSemiramis, Gluck Iphigenie, Beet ho ven Coriolan, Che-\nrubini Lodoisca, Mendelssohn Ruyßlas. Von Con-\ncerten mit Orchester: lür Violine in von Mo-\nli que (gespielt von Laub), von Mendelssohn (Kam-\nmermusicus Krollmann III.), von Beethoven (Capell-\nmeister Pott), von Mendelssohn (Joachim, nebst\nBach's Chiaconne), von Li pinski Militär-Concert (A.\nPott). Für Violoncello: von Grützmacher (gespielt\nvom Componisten), von B. Romberg (Kroll mann IL).\nFür Pianoforte: von Mendelssohn Nr. 11. (durch G. AI.\nSchmitt), von Beethoven Phantasie mit Chor (Frau\nAloyse Pott, die talentvolle Gattin unseres Hof-Capell-\nmeisters). Ausserdem hörten wir noch Solo-Vorträge von\nunseren tüchtigen Capell-M: tgliedern: Müller I. und Sy-\nvarth auf der Flöte, Mahler aul der Oboe, Müller 11.\nauf der Clarinette. - Weniger kann für Gesang in den\nAbonnements-Concerten geschehen; wir haben ein Sextett\nund Chor aus Azor und Zemire von Spohr gehört, und im\nIV. Concerte die Vorträge der Frau Sophie Förster\naus Dresden (Arie aus Fidelio, aus der Gazza ladra und\neinige Lieder).— Dagegen ist die Kammermusik wie-\nderum sehr gut vertreten; die Herren Capellmeister Pott\nund die Hofmusiker Schär nach, Baumberger und"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "398", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571212-01.1.6", "texte": "Ebert bilden das Geigen-Quartett, und die Clavier-Partie\nist bei Frau AI. Pott in vortrefflichen Händen. Dieselbe\ntrug auch in dem letzten Hofconcerte C. M. von Weber's\nConcertstück mit grossem Beifalle vor; ausserdem spielten\ndarin Herr Pott und Herr Krollmann 11. Charakteristisch\nehrenvoll dürfte es sein, dass auch zwei grosse Orchester-\nwerke: Beethoven's J-dwr-Sinfonie und Mendelssohn'»\nOuvertüre zum Sommernachtstraum, daselbst gemacht\nwurden. —2—\n\nFür Gesang.\nJ. A. Lecerf, Sechs Lieder mit Pianoforte-Be-\ngleitung. Op. 28. Dresden, bei Bernhard Friedel.\nHeft 1., 11. ä 17 V 2 Ngr.\nIn diesen sechs Liedern begegnet uns etwas, das wir\num so lieber begrüssen, als es in jetziger Zeit seltener\nwird: nämlich die Natürlichkeit des Gesanges und der gan-\nzen musicalischen Behandlung. Hier ist die Melodie nicht\nbeherrscht oder unterdrückt von der Begleitung, sondern\nsie behält das Wort. Die Texte sind im Ganzen entspre-\nchend wiedergegeben, und wenn auch nicht genial aufge-\nfasst, so doch wahrhaft empfunden. Obwohl dann und\nwann eine lebhaftere Schattirung und eine reichere harmo-\nnische Beziehung nicht am unrechten Platze gewesen wäre,\nso stellen doch diese Lieder eine angenehme Auswahl ver-\nschiedener Tonbildchen zusammen. Nr. 1, „Widmung\",\ngibt Begeisterung zu erkennen, welche ruhig, aber mit\nNachdruck ausgesprochen ist. Nr. 2, „Der Reiter\", ist in\nballadenhaftem Tone gehalten und interessirt besonders in\nder ersten Hälfte, wo dem Gesänge eine charakteristische\nBegleitung in lebhaftem Tempo beigelügt ist. Nr. 3, „Jo-\nhannisnachl\", ist ein allerliebstes Lied, welches den mär-\nchenhaften Scherz der Worte launig und wohlthuend nach-\nerzählt. Nr. 4, „Der Flüchtling\", jedenfalls das hervor-\nragendste in dieser Sammlung, gewährt dem Vortrage viel\nSpielraum und muss bei richtiger Betonung und ausrei-\nchender Stimme von Effect sein. Nr. 5, „Die Nonne\", ist\ndurchweg überaus einfach und in elegischem Tone gehal-\nten. Nr. 6, „Mit Dir\", ist ein Lied von innigem Ausdruck,\nwelches bis zum Schlüsse seine Wirkung steigert. Das Ac-\ncompagnement zu diesen sechs Gesängen bietet keine tech-\nnischen Schwierigkeiten, verlangt jedoch geübte Hand. Da\ndiese Lieder der inneren und äusseren Fassung nach wirk-\nlich als Lieder erscheinen und nicht, wie so viele, nach\nneuem, barockem Geschmack gewaltsam dramatisirt sind,\nwerden sie lür sich selbst am besten sprechen.\nL. N., geb. K.\nSchlesisches Lieder-Album für 1858. Her-\nausgegeben von A. Appun. Dünzlau, Appun's\nBuch- und Musikhandlung. Preis 1 Thlr.\nDer Herausgeber hatte einen ersten und zweiten und\nvier dritte Preise auf die besten Lieder von schlesischen\nComponisten gesetzt. Die Herren A. Hesse, E. Richter,\nC. Schnabel und Th. Täglichsbeck hatten das Richteramt\nübernommen. Von 205 (!) eingesandten Lieder-Composi-\ntionen haben die hier gedruckten sechs die Preise erhal-\nten. Die Gekrönten sind: J. H. Stuckenschmidt, Rud,\nTschirch, E. Tau wi t z, W. Tappert, C. Rolle, A.\nErgmann. Wir können von dem Werthe der 205 Com-\npositionen nicht eben hohen Begriff bekommen, wenn diese\nLieder die besten unter allen gewesen sind. Das einzige\noriginelle und frische ist das von Ergmann, Lehrer an\nder Rheinischen Musikschule: „Frühlings Einzug — von\nVV. Müller\". — Die Ausstattung ist recht hübsch; auch ist\neine „ Photographie-Copie\" des verstorbenen J. J. Schna-\nbel, Dom-Capellmeisters in Breslau, beigegeben. Uebrigens\nkann dieses Album eben so gut wie hundert andere Pro-\nductiönchen der Zeit Anspruch auf einen Platz im Salon\nmachen.\nHeinrich Marschner, Zwei Lieder lür eine Te-\nnor- oder Sopranstimme mit Pianoforte. Herrn\nAug. Pütz (soll heissen Andreas Pütz) in Köln\nzugeeignet. Op. 182. Leipzig, bei C. F. W. Sie-\ngel. Preis 15 Ngr.\nHier weht uns freilich ein ganz anderer Geist an; beide\nLieder sind wieder ein paar von jenen schönen Blüthen,\ndie der kräftige Lebensbaum des Tondichters, begünstigt\nvon der ewig warmen Sonne des Genie's, zum zweiten Male\ntreibt, und die so frisch duften, als wären es Frühlings-\nkeime der ersten Jugend. Sie reihen sich würdig an das\nwundervolle Op. 169: „Orientalischer Lieder-\nschatz von Friedr. Bodenstedt in zwei Heften, und an das\nOp. 170: „Melodieen zu C. O. Sternau's Liedern für Alt\noder Bariion, dem trefflichen Sänger M. DuMont-Fier ge-\nwidmet. — Das erste Lied, „An die Entfernte\", von Le-\nnau, athmet eine tiefe Empfindung, die aber aus einem ge-\nsunden Herzen kommt, dem keine weltschmerzliche Em-\npfindelei angekränkelt ist, und das zweite, „Wo find' ich\nmein Lieb?\", von G. Pfarrius, ist wieder ein musicalisches\nBildchen, in welchem der Ausdruck des Gelühls mit einem\ngemüthvollen Humor auf so reizende Weise gemischt ist,\nwie es nur Marschner zu machen versieht. L."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "399", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571212-01.1.7", "texte": "Uebersicht der Leistungen des Theaters Zu\nFrankfurt am Main,\nvom 1. November 1856 bis 31. October 1857.\nIn dem abgelaufenen Theaterjahre fanden im Schauspielhause\n320 Vorstellungen Statt. Davon gab die französische Gesellschaft\nunter Direction des Herrn Brindeau 15, so dass die Gesellschaft des\nfrankfurter Theaters mit eigenen Kräften 305 Vorstellungen lieferte.\nIn diesen 305 Theater-Abenden wurden gegeben:\n118 verschiedene Stücke (im v. J. 118)\n51 ~ Opern („ „ 39)\n14' „ Singspiele („ „ 6)\nIn den sämmtlichen Vorstellungen wurden gegeben:\n125 Mal Opern (68 Mal deutsche, 37 Mal französische,\n20 Mal italiänische),\n39 „ Singspiele,\n7 „ Concerte,\n38 „ Tragödien,\n35 „ Schauspiele,\n146 „ Lustspiele.\nVon den Stücken wurden 13 zum ersten Male und 40 neu ein-\nstudirt gegeben. Von den Opern und Singspielen wurden 6 zum er-\nsten Male und 21 neu einstudirt gegeben.\nVon den Stücken und Singspielen waren 30 Uebersetzungen und\n102 Dichtungen folgender deutscher Autoren: Albini, Angely, Bau-\nernfeld, Benedix, Ch. Birch-Pfelffer, Blum, Brachvogel, Deinhard-\nstein, Devrient, Feldmann, Gassmann, Gollmick, Görner, Göthe,\nGrandjean, Gutzkow, Hallenstein, Hackländer, Hersch, Holbein, Hol-\ntei, Hopf, Iffland, Jordan, Kaiisch, Kotzebue, Laube, Lebrun, Lessing,\nMalss, Marsano, Maltitz, Mosenthal, Nestroy, Plötz, Puttlitz, Röder,\nRaupach, Rodenberg, Schall, Schiller, Schlegel, Schneider, Steigen-\ntesch, Töpfer, Wilhelmi, Wolf.\nVon den aufgeführten Opern\nIi waren 25 von deutschen Componisten,\n„ 16 „ französischen ~\n„ 10 „ italiänischen, und zwar\nvon Beethoven, Conradi, ilotow, Gluck, Kreutzer, Lortz.ng, Men-\ndelssohn, Meyerbeer, Mozart, Schenk, Wagner, Weber, Weigl;\nAdam, Auber, Boieldieu, Cherubini, Clapisson, Herold, M -\nhul, Thomas; Bellini, Donizetti, Rossini.\nVon Opern wurden gegeben: Allessandro Stradella (3 Mal), Bar-\nbier von Sevilla (2), Der Bauer von Preston (neu einstudirt, 3J, Czaar\nund Zimmermann (5), Don Juan (3*, Der Dorf barbier (2), Die Ent-\nführung aus dem Serail (neu einst., 3), l 1 anchonette (zum eisten\nMale, 3), Faust (neu einst, 1), Die Fovorite (1), Fidelio (neu einst.,\n1), Fra Diavolo (neu einst., 3), Der Freischütz (4), Die Hochzeit\ndes Figaro (5), Die Hugenotten (4), Indra (neu einst. 1», Iphigenia\nin Tauris (2), Joseph (2;, Die Jüdin (3), Der Kalif von Bagdad (I>,\nDer Liebestrank (1), Loreley (1), Lucia von Lammermoor (neu\neinst., 2), Martha (4\\ Maurer und Schlosser (2), Das Nachtlager von\nGranada (2), Die Nachtwandlerin (neu einst., 2;, Oberon (neu einst.,\nr, Othello (neu einst., 2), Der Postillon von Lonjumeau (neu einst.,\n2), Der Prophet (4), Die Puritaner (neu einst., 11,l1, Raymond (1), Die\nRegimentstochter (2), Robert der Teufel (3), Romeo und Julie (neu\neinst , 3), Rübezahl (zum ersten Male, 3), Die Schweizerfamilie (2),\nDer Schwur (1), Die Stumme von Portici (3), Tannhäuser (3), Des\nTeufels Antheil (1), Titus (neu einst., 2), Undine (3), Der Wasser-\nträger (4), Die weisse Frau (neu einst, 2), Der Wildschütz (3),\nWilhelm Teil (4), Zampa (3), Die Zauberflöte (neu einst, 3), Zwei\nWorte im Walde (neu einst., 2).\nDie Intendanz.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolli. Der köl ner Männergesang-Verein hat am 8. De-\ncember das erste von den angekündigten vier Abonnements-Concerten\nim Casinosaale gegeben. Der Ertrag desselben war für das Denkmal\ndes Königs Friedrich Wilhelm 111. bestimmt. Der Verein hat unter\nseinem trefflichen Dirigenten im Vortrage aller Gesänge seinen al-\nten Ruf bewährt. Dennoch wollte sieh die Zuhörerschaft nicht ganz\nso erwärmen, wie man das sonst in diesen Concerten gewohnt ist.\nDas lag offenbar an dem Programm, das mit einem Grabliede („Die\nNonne\" von Uhland und F. Otto) begann und mit einem höchst tri-\nvialen Kriegerchor: „Vor der Schlacht\", von O. Prechtler und F.\nKücken schloss. Joh. Herbeck's „Frühling und Liebe\" ist sehr\nschwierig, daher undankbar. In F. Schubert's „Widerspruch\" lähmt\ndie ganz überflüssige Clavier-Begleitung die Wirkung, und zu dem\ntrefflichen Chor: „Bist du im Wald gewandelt\", aus „Der Rose Pil-\ngerfahrt\" von Rob Schumann, war die „Begleitung von Blas-Instru-\nmenten\" nur auf dem Programm vorhanden und musste durch das\nCiavier ersetzt werden, was gar nüchtern und störend war. Marsch-\nner's „Ich liebe, was fein ist\" dürfte mehr für ein Quartett, als für\neinen Chor geeignet sein; wirksamer war durch Inhalt und Vortrag\nsein: „Wach1 auf, du schöne Träumerin!\" Nur bei dem Solo des\nHerrn Göbb e 1 s mit Begleitung von Brummstimmen („Wenn du\nim Traum wirst fragen\"), von A. Schäffer) brach ein lauter Beifall\naus, den auch der Vortrag des Sängers mehr rechtfertigte, als der\nnachherige von zwei Liedern am Pianoforte. Herr Wilhelm\nHülle, ein sonst recht wackerer Ciavierspieler, hätte bedeutendere\nSachen als die vorgetragenen kleinen Stückchen zu seinem wenn\nuns recht ist ersten öffentlichen Auftreten wählen sollen. Noch\neine harmlose Frage: Sind in der Kunst die Namen nicht mehr\nwerth, als die Titulaturen?\nUHiiden, 28. November. (Ueber Spohr.) Am 22. d. Mts , als\nam Cäcilien-Tage, hat im Hoftheater zu Kassel der General-Musik-\nDirector Dr. Louis Spohr sein Amt als erster Capellmeister nie-\ndergelegt. Der in den Ruhestand tretende Meister dirigirte von sei-\nnem mit Blumen und Guirlanden geschmückten Pulte die Oper\n„Jessonda\", nach deren Beendigung der Vorhang sich wieder erhob\nund den Componisten inmitten des ganzen Theater-Personals zeigte.\nUnter gleichzeitigem Zuwerfen von Kränzen und Blumen aus den\nLogen des überfüllten Hauses wurde ihm von der Schauspielerin\nFräul. Harke ein Lorberkranz überreicht. Die Wirksamkeit S, ohr's\nin Kassel umfasst einen Zeitraum von 37 Jahren. Seine Pension be-\nträgt 1500 Thaler. So berichten die öffentlichen Blätter. Einsender\nfügt hinzu, dass Spohr, als Capellmeister 1821 nach Kassel berufen,\nnach fünfundzwanzigjähriger Dienstzeit im Jahre 1846 zum General-\nMusik-Director ernannt und zu dieser Feier vom Könige von Preus-\nsen durch den Rothen Adler-Orden dritter Classe erfreut wurde. Da\ndas Jahr und der Ort der Geburt des grossen Altmeisters fast über-\nall unrichtig angegeben ist, so mag die aus authentische?\nQuelle stammende Bemerkung nicht überflüssig erscheinen, dass Spohr\nam 5. April 1784 zu Braunschweig geboren ist. Nach dem in mei-\nnem Besitze sich befindenden, mit dem Jahre 1805 beginnenden Ver-\nzeichnisse seiner Schüler beläuft sich deren Anzahl auf circa 300,\ndaraus schliesslich einige als Violinisten rühmlichst bekannte Na-\nmen: Eberwein, Probst, Beer, Maurer, Hauptmann, Bach, Lübke\n(Bückeburg), G. Schmidt (Bremen), Kiel, E. Grund, O. Gerke, A.\nPott, Mühlenbruch, Ries, David, F. Hartmann, Burgmüller, E Rei-\nter, Ballin, Bärwolf, H. Herdtmann, J. J. Bott, C. Deichraann, Sehlet-\nterer, Boye, Kömpel, Hauser, Herrmann, C. Bargehr u. s. w. Alle\nSchüler gedenken des Meisters mit grosser Achtung und Liebe, und\nstimmen ein mit Götlie's W orte aus Tasso:\nIch drücke meinen vollen, frohen Kranz\nDem edlen Meister auf die hohe Stirne."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "400", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571212-01.1.8", "texte": "** 2. December. Zum Besten der durch die Pulver-\nExplosion Beschädigten veranstaltete die hiesige Liedertafel, in Ver-\nbindung mit dem Damengesang-Verein und verstärkt durch den Cä-\ncilien- und Männergesang-Verein von Wiesbaden, unter Leitung ihres\nDirigenten Herrn Marpurg am 27. vor. Mts. im hiesigen Stadt-\ntheater die Aufführung des Elias von Mendelssohn, der uns\nvom Musikfeste in Mannheim her noch in gutem Andenken steht.\nLeider können wir jedoch von der Aufführung selbst nicht viel Gu-\ntes berichten, indem auch nicht die bescheidenen Ansprüche, die\nman beim Zusammenwirken solcher zahlreichen Kräfte zu machen\nberechtigt ist, befriedigt wurden. Die Wirkung des Orchesters, wel-\nches an sich schon in numerischer Beziehung dem Chor gegenüber\neine schwere Aufgabe hatte, wurde erst recht geschwächt durch die\nAufstellung aller Pulte desselben hinter dem Chor. In zu grosser\nEntfernung vom Dirigenten, war an ein festes Einsetzen und siche-\nres Mitgehen, zumal bei dem vcm Dirigenten beliebten fortwähren-\nden Tempowechsel, nicht zu denken. Erdrückt von dem Chor, konnte\nes seine Kraft vom Hintergrunde der Bühne aus nicht entfalten, und\nin der That hielt es schwer, im Zuschauerräume das wirkliche Vor-\nhandensein eines Orchesters wahrzunehmen. Natürliche Folge hier-\nvon waren Detonationen in den meisten Solo-Partieen, die kein all-\nzu feines Ohr erforderten, um als solche erkannt zu werden. Die\nChöre, welche, aus fremdartigen Kräften bestehend, erst am Tage\nder Aufführung sich zu einer Gesammt-Probe vereinigt hatten, ent-\nbehrten schon hiedurch der nöthigen Sicherheit. Doch glauben wrir,\ndass selbst der sicherste Chor bei dem schon gerügten fortwähren-\nden Tempo rubalo des Dirigenten in Schwankungen gerathen wäre.\nDas Publicum blieb natürlich kalt.\nWenn wir bei dieser Gelegenheit uns erlauben dürfen, im Allge-\nmeinen auf die Leistungen der hiesigen Liedertafel einen Blick zu\nwerfen, so müssen wir leider eingestehen, dass das, was bereits in\nder vorigen Winter-Saison von jedem Kunstfreunde .getadelt werden\nmusste, in der diesjährigen in noch erhöhtem Grade auftritt. Wir\nmeinen nämlich die Manie, sich Aufgaben zu stellen, zu deren Lö-\nsung weder die erforderliche Zeit, noch die erforderlichen Kräfte ge-\ngeben sind. So haben wir z. B. seit einem Monate ausser dem Elias\nschon die Schöpfung und Mendelssohns Sinfonie-Cantate\n„Lobgesang'4 (letztere sehr mangelhaft; gehört, Und dem aufgestell-\nten Programme nach, ausser den reinen Instrumentalwerken und den\nkleineren Piecen für gemischten Chor noch zu erwarten: einen Theil\nder Oper „Der letzte Maurenkönig4* von Fr. Marpurg, die ganze\nMusik zu Weber's „Pretiosa4-, Chöre und Finale des zweiten Actes\naus „Joseph iu Aegypten44 von Mehul, ferner die IX. Sinfonie mit\nSchlusschor von Beethoven und sogar die Passions-Musik von Bach!\nFrag', 15. November. Erstes Concert des Cäcilien-\nV er eins im Saale der Sophien-Insel. Pas höchst lobens-\nwerthe und auf unsere Musik-Zustände so einflussreiche Streben die-\nses bereits durch achtzehn Jahre thätigen Vereins zeigte sich hier\nabermals im schönsten Lichte, denn es wurde uns eine der interes-\nsantesten Compositionen der Gegenwart vorgeführt, nämlich Ferdi-\nnand Hille r's neueste Composition für Chor und Orchester, „Die\nWeihe des Frühlings4'. Diesem modernen, beziehungsweise\nweltlichen Oratorium liegt ein dem Gedichte Uhland's Ver sacrum\nentlehnter Stoff, von Professor Bischoff dramatisch bearbeitet, zu\nGrunde, der den Moment der Gründung Rom's in kurzer, die Ent-\nfaltung der musicalischen Illustration nicht beengender Diction be-\nhandelt» Ueber die Composition selbst, so weit nach einmaligem An-\nhören möglich, muss gesagt werden, dass sie durchgehends charak-\nteristisch, schwungvoll und würdig gehalten ist. Die in ihrem Ge-\ngensatze trefflich gehaltenen Chöre der männlichen und weiblichen\nStimmen sind von grosser Wirkung, erstere durch die Kraft und\nEntschiedenheit, letztere durch den Duft.und melodischen Reiz des\ntonlichen Ausdrucks. Die Instrumentation ist geistreich und in den\nverschiedenen Momenten von der passendsten Färbung. Hervorzuhe-\nben ist gleich der erste düstere, im Unisono gehaltene Chor, die Arie\nNr. 4 des Priesters in A-dur, der Kriegerchor Nr. 7, dann der fei-\nerliche Schlusschor in A-dur der ersten Abtheilung mit dem interes-\nsanten Mittelsatze der weiblichen Stimmen. Im zweiten Theile fällt\nder Hirtenchor auf durch seine eigenthümliche Tonlage für Sopran,\nzwei Alti und Tenor, ferner das Terzett durch die erliebende Füh-\nrung der Stimmen, besonders des Tenors, dann der vorletzte Chor:\n„Wir folgen dir\", mit dem genial erfundenen Gegensatz der Soprane\nund Alte, endlich das poetische Solo-Quartett in As-dur, an welches\nsich das Finale anschliesst. Die Ausführung unter Leitung des un-\nermüdet thätigen Directors Herrn Ap t war sehr lobenswerth, und\ndas Ensemble, worunter viele Dilettanten, massenhaft besetzt. Die\nSolo-Partieen führten Fr. Botschon und die Herren Lukes und\nFreny in vorzüglicher Art aus und erhielten verdienten Beifall.\nDer Eesuch war sehr zahlreich.\nIBsisel« Fräul. Fr an eis ca Veith vom frankfurter Theater\nhat hier in dem letzten Concerte mit einem Beifalle gesungen, wie\nwir ihn nur selten gesehen haben. Die Sängerin trug\nConcert-Arie, ein Lied von Schubert und eines von Goltermann vor,\nund als Glanzstück den grossen Walzer von Vengano, der mit stür-\nmischem Applaus da errpo gerufen wurde. Das Publicum und die\nMusiker von Fach wetteiferten, die ausgezeichnete Künstlerin zu\nfeiern."}]}