{"numero_id": "bm-bmtnabi-1857-12-26-01", "volume": "bmtnabi_1857-12-26_01", "ocr_sha256": "cb133d15db3e8df3c09b4411bfb8b7b93ee9134507d4113a82db6a3e3f7813af", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1857/12/26_01/bmtnabi_1857-12-26_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571226-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1857-12-26-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-12-26_01#c001", "volume": "bmtnabi_1857-12-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "409", "page_fin": "409", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571226-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "409", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571226-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 477, "texte": "Inhalt.\nW. A. Mozart. Von Otto Jahn. Dritter Theil. 1. Aus Frankfurt am Main (Cäcilien-Verein). Von W—n. Aus Ol-\ndenburg (11. Abonnements-Coneert der Hofcapelle). Von —2—. Aus Wien (Concert von Anton Rubinstein Zweite Quartett-Soiree).\nVon C D. 111. Abonnements-Concert im Gürzenichsaale. Tages- und Unterhaltungsblatt (Dresden, Julius Otto Bremen,\nIV. Privat-Concert Rotterdam, F. Hillens „Zerstörung Jerusalems\" Amsterdam, L. Brassin, Fräul. Cath. Deutz, Reinthaler's Jephta)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-12-26-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-12-26_01#c002", "volume": "bmtnabi_1857-12-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "409", "page_fin": "413", "image_debut": 1, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571226-01.2.2", "titre_corps": "W. A. Mozart.", "titre_sommaire": "W. A. Mozart.", "signature_source": "Otto Jahn", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "409", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571226-01.1.1", "debut_caractere": 479, "fin_caractere_exclue": 2529, "texte": "W. A. Mozart.\nDritter Theil.\nVon Otto Jahn.\nI.\nWas man in der fortgesetzten Arbeit Jahn's über Mo-\nzart's Leben und künstlerisches Schaffen in Bezug auf ur-\nkundliche und gewissenhafte Forschung, auf Art und Weise\nder Bearbeitung und auf Darstellung findet, bedarf keiner\nweiteren Auseinandersetzung, da die beiden ersten Theile\nin Jedermanns Händen sind. Der so eben versandte dritte\nTheil ist seinen Vorgängern in allen diesen Beziehungen\nganz ähnlich, nur müssen wir gleich von vorn herein be-\nmerken, dass er biographisch noch anziehender ist,\nals jene.\nWenn bis hieher die Entwicklung des jungen Künst-\nlers unter der Leitung und Ober-Aufsicht des Vaters aus-\nführlich dargelegt wurde, so schildert uns dieser Band nun\nden selbstständig gewordenen Mozart, dessen Selbstbe-\nwusstsein so erstarkt ist, dass es in sein Leben eingreift\nund Plane und Entschlüsse auch lür die äussere Gestaltung\ndesselben erzeugt und zur Reife bringt.\nDas vierte Buch der Biographie, das dieser Theil\nenthält, führt uns nämlich nach VV ie n, welches der eigent-\nlich fruchtbare Boden für das Gedeihen seiner künstleri-\nschen Grösse werden sollte. Nach der Leberschrift soll das\nvierte Buch die Jahre 1781 —1791 umfassen; allein die\neilf Abschnitte, welche der dritte Theil auf 465 Seilen\n(nebst 48 Seiten Beilagen) bringt, gehen nicht so weit,\nsondern nur bis auf einige Jahre nach der ersten Vorstel-\nlung der „Entführung aus dem Serail\" (1782, 12. Juli),\nso dass also die Geschichte der Jahre, in denen Figaro's\nHochzeit, Don Juan, Cosi fan tulte, Zauberflöte, Titus, Re-\nquiem u. s. w. entstanden sind, einem vierten Theile, der\ndann wohl das ganze Werk abschliessen wird, vorbehalten\nbleibt. Für die Kunstgeschichte kann eine so gründlich ge-\narbeitete Biographie nicht wohl zu lang werden; ob aber\nnicht für die Künstler und Kunstfreunde zu theuer, das ist\neine andere Frage oder vielmehr keine Frage.\nDer erste Abschnitt erzählt uns das Verhältniss Mo-\nzart's zu seinem Fürsten, dem Erzbischofe Hieronymus von\nSalzburg, während dessen Holhaltung in Wien. Es war"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "410", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571226-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4843, "texte": "das eines durch fürstliche Launen und unerhörte Grobhei-\nten gehudelten und misshandelten Bedienten. Nicht genug,\ndass an dem Mittagstische im Palast die zwei Kammerdie-\nner oben an, dann Mozart, die zwei Köche und der Zucker-\nbäcker nebst zwei italiänischen Musikern sassen, auch an\nden gemeinsten Schimpfwörtern liessen es Seine Hochfürst-\nlichen Gnaden nicht fehlen. Auftritte, in denen es hiess:\n„Er Lump, Lausbub, scheer' Er Sich weiter!\" kamen häu-\nfig vor, und nur die ängstliche Sorge des Vaters vermochte\nso viel über Wolfgang, dass er so lange wie möglich aus-\nhielt.\nEndlich aber riss ihm die Geduld; er gab am 9. Mai\n1781 seine Entlassung ein und schrieb dem Vater unter\nAnderem: „Was Wunder, wenn ich endlich durch Bube,\nSchurke, Bursche, liederlicher Kerl und dergleichen mehr,\nim Munde eines Fürsten rühmliche Ausdrücke, ganz ausser\nmir, das: Scheer' Er Sich weiter! endlich für bekannt an-\ngenommen habe.\nDiener wäre, und das brach mir den Hals. Leben Sie\nwohl und freuen Sie Sieb, dass Sie keinen Hundsfut zum\nSohne haben!\"\nDie ganze Noblesse war auf Mozart's Seite. Dennoch\nverlangte der Vater Zurücknahme des Entlassungs-Gesu-\nches. Aber Wolfgang blieb fest, wiederholte das Gesuch\ndrei Mal, aber Niemand wagte, es dem Erzbischofe vorzu-\nlegen. Endlich ging Mozart selbst mit seinem Schreiben in\nden Palast, wo er schon längst nicht mehr wohnte. Hier\nempfing ihn Graf Arco, der des Erzbischofs,\ntraclirte ihn mit Flegel, Bursch u. s. w., und warf ihn\nmit einem Fusstritt zur Thür hinaus! Das ge-\nschah am 8. Juni 1781 zu Wien! Jahn sagt: „Ob die-\nser Excess auf hochfürstlichen Befehl geschah, wusste Mo-\nzart nicht gewiss; jedenfalls war der gräfliche Diener sei-\nnes Gebieters würdig. Beide ahnten nicht, welch unaus-\nlöschliches Brandmal sie ihrem Namen aufgedrückt haben.\"\nMozart war ausser sich und schrieb seinem Vater,\ndass er dem Grafen Arco wieder einen Tritt geben werde,\nwo er ihn treffe. Der Vater erschrak vor einem solchen\nAttentat gegen einen adeligen Herrn; aber Wolfgang ant-\nwortete: „Das Herz adelt den Menschen, und wenn ich\nschon kein Graf bin, so habe ich vielleicht mehr Ehre im\nLeibe, als mancher Graf; und Hausknecht oder Graf, so-\nbald er mich beschimpft, ist er ein Hundsfut. Ich werde\nihm zu Anfang ganz vernünftig vorstellen, wie schlecht und\nübel er seine Sache gemacht habe; zum Schlüsse aber\nmuss ich ihm doch schriftlich versichern, dass er gewiss\nvon mir einen Fuss im A— und noch ein paar Ohrfeigen\nzu erwarten hat.\"\nSeit einigen Jahren hatte der Kaiser Joseph 11. ein\nNational-Theater begründet. Er hob ferner das Ballet und\ndie italiänische Oper auf, und an die Stelle der letzteren\nsollte „ ein National-Singspiel\" treten. Der Anfang wurde\n1778 mit Umlaufs „Bergknappen\", einer kleinen Ope-\nrette, gemacht. Graf Rosenberg hatte seit 1 776 die Ober-\nDirection des Theaters erhalten, und durch ihn bekam Mo-\nzart Ende Juli 1781 den Text von Belmonte und\nConstanze oder Die Entführung ausdemSerail.\nDie Oper sollte bereits im September bei Anwesenheit\ndes Grossfürsten Paul gegeben werden. Mozart arbeitete\nrasch daran und liess schon nach acht Tagen die Gräfin\nThun hören, was fertig war. Sie war ungemein zufrieden\ndamit. Er schreibt aber: „Ich gehe in diesem Punkte auf\nkeines Menschen Lob und Tadel, bevor so Leute nicht Al-\nles im Ganzen gehört oder gesehen haben, sondern folge\nschlechterdings meinen eigenen Empfindungen.\" —Später\nerfuhr er, dass „das Grossthier\" (S. 47) erst im Novem-\nber komme, und war „froh, seine Opera mit Ueberlegung\nschreiben zu können\". Allein sie wurde fürs Erste ganz\nzurückgelegt, da man bei Hofe andere Verfügungen getrof-\nfen hatte. Gluck's Iphigenie in Tauris und seine Alceste\nwurden gegeben.\nMannigfache Beschäftigungen nahmen ihn darauf in\nAnspruch; doch schlief die Oper nicht. Am 8. Mai 1782\nschrieb er: „Gestern war ich bei der Gräfin Thun und habe\nihr den zweiten Act vorgeritten\",— und am 29.: „Künf-\ntigen Montag werden wir die erste Probe machen; ich\nfreue mich recht sehr auf diese Oper, das muss ich Ihnen\ngestehen.\"\n„Er hatte gute Ursache dazu\" so fährt Jahn fort\n—, „denn er konnte des Erfolges sicher sein. Aber leicht\nwurde ihm die Sache auch jetzt nicht gemacht; er hatte\nmit starken Cabalen zu kämpfen, und es bedurfte des be-\nstimmten Befehls des Kaisers, damit die Oper am 12. Juh\nwirklich gegeben wurde. War die Erwartung des Publi-\ncums gespannt gewesen, so wurde sie nun durch den Er-\nfolg der Oper vollständig gerechtfertigt; das Haus war ge-\ndrängt voll, Beifall und Da-Capo-Rufen nahmen kein Ende,\nund wiederholte Aufführungen folgten rasch auf einander.\"\n„Gestern\", schreibt M. (20. Juli 1782), „ist meine\nOper zum zweiten Male gegeben worden. Könnten Sie\nwohl vermuthen, dass gestern noch eine stärkere Cabale\nwar, als am ersten Abend? Der ganze erste Act ist ver-\nwischt worden, aber das laute Bravo-Rufen unter den Arien"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "411", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571226-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5131, "texte": "konnten sie doch nicht verhindern. Meine Hoffnung war\nalso das Schluss-Terzett; da machte aber das Unglück den\nFischer fehlen, dadurch fehlte auch der Dauer, —und Adam-\nberger allein konnte auch nicht Alles ersetzen; mithin ging\nder ganze Effect davon verloren, und wurde für diesmal\nnicht repetirt. Ich war so in Wuth, dass ich mich nicht\nkannte, so wie auch Adamberger, und sagte gleich, dass\nich die Oper nicht geben lasse, ohne vorher eine kleine\nProbe für die Sänger zu machen. Im zweiten Acte wurden\ndie beiden Duetts, wie das erste Mal, und dazu das Rondo\nvon Belmonte: Wenn der FreudeThränen fliessen, u. s.w.\nwiederholt. Das Theater war noch fast voller, als das erste\nMal; den Tag vorher konnte man schon keine gesperrten\nSitze mehr haben, weder auf dem noch im\ndritten Stocke, und auch keine Loge mehr. Die Oper hat\nin den zwei Tagen 1200 Fl. getragen.\"—lm nächsten\nBriefe (27. Juli 1782) heisst es:\n„Meine Opera ist gestern allen Nannerln zu Ehren*)\nmit allem Applauso das dritte Mal gegeben worden, und\ndas Theater war wiederum, ungeachtet der erschröcklichen\nHitze, gestrotzt voll. Künftigen Freitag soll sie wieder sein,\nich habe aber dawider protestirt, denn ich will sie nicht so\nauspeitschen lassen. Die Leute, kann ich sagen, sind recht\nnärrisch auf diese Oper. Es thut einem doch wohl, wenn\nman solchen Beifall erhält.\" Am 30. Juli aber wurde sie\nschon wieder gegeben, am nächsten Freitag auch, und das\nTheater „wimmelte allezeit von Menschen\". Im Laufe des\nJahres ward sie sechszehnmal aufgeführt, und als Anfangs\nOctober der Grossfürst mit seiner Gemahlin auf der Rück-\nreise wieder nach Wien kam, wurde ihnen zu Ehren die\nEntführung gegeben, „ wo ich für gut befunden, wieder an\ndas Ciavier zu gehen und zu dirigiren,\" schreibt er dem\nVater (19. October 1782), „theils um das ein wenig in\nSchlummer gesunkene Orchester wieder aufzuwecken, theils\num mich (weil ich eben hier bin) den anwesenden Herr-\nschaften als Vater von meinem Kinde zu zeigen.\"\nKaiser Joseph halte erreicht, was er sich zum Ziele\ngesetzt hatte, die deutsche Oper war begründet; allein er\nschien die Bedeutung dessen, was er hervorgerufen, selbst\nnicht gehörig zu ermessen. Er besass übrigens eine gründ-\nliche musicalische Bildung, war ein Sänger (Bassist) von\nvortrefflicher italiänischer Schule, spielte Violoncell, Viola\nund Ciavier, las mit grosser Fertigkeit vom Blatte und war\nein gewandter Partiturspieler. Das Urtheil, welches er über\ndie Entführung äusserte: „Zu schön für unsere Ohren,\nund gewaltig viel Noten, lieber Mozart!\" ist eben so be-\nzeichnend für die Richtung seines Geschmacks, als Mozart's\nfreimüthige Antwort: „Geradeso viel Noten, Ew. Majestät,\nals nöthig ist,\" den Künstler ehrt, der seines Strebens und\nseiner Kraft sich wohl bewusst ist. Im Allgemeinen zollte\nman der Oper einen rückhaltslosen Beifall. Fürst Kaunitz,\nein feiner Kunstkenner und leidenschaftlicher Freund des\nTheaters, liess sich den jungen Componisten vorstellen, em-\npfing ihn auf die schmeichelhafteste Weise und blieb auch\nfernerhin sein Gönner und Fürsprecher. Der Altmeister\nGluck, die vornehmste Persönlichkeit in der musicalischen\nWelt, wünschte die Oper zu hören, die so viel Aufsehen\nerregte; auf sein Begehren wurde sie, wie Mozart dem\nVater schrieb (7. August 1782), aufgeführt, obgleich sie\nwenige Tage vorher gegeben war; er machte dem Compo-\nnisten viele Complimente darüber und lud ihn zum Speisen\nzu sich ein.\nDie Oper hatte über Mozart's musicalische Stellung in\nWien entschieden; bald trug sie seinen Ruhm durch ganz\nDeutschland.\nIn Prag wurde die Entführung im folgenden Jahre mit\nausserordentlichem Beifalle gegeben. „Es war, als wenn\ndas, was man hier bisher gehört und gekannt hatte, keine\nMusik gewesen wäre! Alles war hingerissen Alles staunte\nüber die neuen Harmonieen, über die originellen, bisher\nungehörten Sätze der Blas-Instrumente.\" Auch in Leipzig,\nHamburg und an anderen Orten wurde sie sehr bald mit\nBeifall gegeben, und die Kritik stimmte fast ausnahmelos\nmit der Anerkennung des Pnblicums überein.\nMozart hatte schon beim Idomeneo mit scharfer Kritik\nan der Redaction des Textes Theil genommen. Das Buch\nder „Entführung\", von C. F. Bretzner, erfuhr ebenfalls\nmehrere Aenderungen nach seinen Angaben durch Ste-\nphanie den Jüngeren, der damals Regisseur der Oper war.\nMozart schrieb z. B. an seinen Vater: „Die Oper hat mit\neinem Monolog angefangen, und da bat ich Herrn Ste-\nphanie, eine kleine Ariette daraus zu machen, und dass,\nanstatt nach dem Liedchen des Osmin die Zwei zusammen\nschwatzen, ein Duo daraus würde. —Da wir die Rolle des\nOsmin Herrn Fischer zugedacht haben, welcher gewiss\neine vortreffliche Bassstimme hat— obwohl der Erzbischof\nzu mir gesagt, er singe zu tief für einen Bassisten, und ich\nihm aber betheuert, er würde nächstens höher singen —,\nso muss man so einen benutzen, besonders da er das hie-\nsige Publicum ganz für sich hat.•— Dieser Osmin hat aber\nim Original-Büchel das einzige Liedchen zu singen und\nsonst nichts, ausser in dem Terzett und Finale. Dieser hat\nalso im ersten Acte eine Aria bekommen und wird auch\n\n*) Der 26. Juli, St.-Annen-Tag, ist der Namenstag der Schwester."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "412", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571226-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5162, "texte": "im zweiten Acte noch eine haben. Die Aria habe ich dem\nHerrn Stephanie ganz angegeben und die Hauptsache\nder Musik davon war schon ganz fertig, ehe Stephanie ein\nWort davon wusste. Sie haben nur den Anfang davon\nund das Ende, welches von guler Wirkung sein muss.\"\nDurcb diese Aenderung war vor Allem die erste Scene ge-\nwonnen, die so, wie wir sie nun alle kennen, von unüber-\ntrefflicher dramatischer Wirkung ist, so dass ihr in deut-\nscher Opernmusik nicht viel Aehnüches an die Seite ge-\nstellt werden kann; und die Arie Osmin's rief die erste\ndeutsche komische Arie ins Leben, die eine grosse genannt\nzu werden verdient.\nMozart's Vater hatte gegen das Textbuch und die da-\nmit vorgenommenen Aenderungen mancherlei kritische Be-\ndenken geäussert, auf welche der Sohn ihm folgende merk-\nwürdige Antwort ertheilte (13. October 1781): „Nun\nwegen dem Text von der Opera. Was des Stephanie\nseine Arbeit anbelangt, so haben Sie freilich Recht; doch\nist die Poesie dem Charakter des dummen, groben und bos-\nhaften Osmin ganz angemessen. Und ich weiss wohl, dass\ndie Versart darin nicht die beste ist; doch ist sie so pas-\nsend mit meinen musicalischen Gedanken (die schon vorher\nin meinem Kopfe herum spazirten) übereingekommen, dass\nsie mir nothwendig gefallen musste; und ich wollte wetten,\ndass man bei dessen Aufführung nichts vermissen wird.\nWas die in dem Stücke selbst sich befindende Poesie be-\ntrifft, so könnte ich sie wirklich nicht verachten. Die\nArie vonßelmonte: 0 wie ängstlich, könnte fast für die\nMusik nicht besser geschrieben sein. Das II u i [das\ner in „Schnell\" veränderte] und Kummer ruht in mei-\nnem Schooss (denn der Kummer kann nicht ruhen) aus-\ngenommen, ist die Aria auch nicht schlecht, besonders der\nerste Theil; und ich weiss nicht bei einer Opera\nmuss schlechterdings die Poesie der Musik ge-\nhorsame Tochter sein.— Warum gefallen denn die\nwälschen komischen Opern überall, mit alle dem Elend,\nwas das Buch anbelangt? sogar in Paris, wovon ich selbst\nein Zeuge war? Weil da ganz die Musik herrscht, und\nman darüber Alles vergisst. Um so mehr muss ja eine\nOpera gefallen, wo der Plan des Stückes gut ausgearbeitet,\ndie Wörter aber nur bloss für die Musik geschrieben sind,\nund nicht hier und dort, einem elenden Reime zu Gefal-\nlen (die doch, bei Gott! zum Werthe einer theatralischen\nVorstellung, es mag sein, was es wolle, gar nichts beitra-\ngen, wohl aber eher Schaden bringen), Worte setzen oder\nganze Strophen, die des Componisten seine ganze Idee ver-\nderben. Verse sind wohl für die Musik das Unentbehr-\nlichste. aber Reime des Reimens wegen das Schädlichste;\ndie Herren, die so pedantisch zu Werke gehen, werden\nimmer mitsammt der Musik zu Grunde gehen. Da ist es\nam besten, wenn ein guter Componist, der das Theater\nversteht und selbst etwas anzugeben im Stande ist, und\nein gescheidter Poet, als ein wahrer Phönix, zusammen\nkommen dann darf einem vor dem Beifalle der Unwis-\nsenden auch nicht bange sein. Die Poeten kommen mir\nfast vor, wie die Trompeter mit ihren Hand werkspossen;\nwenn wir Componisten immer so getreu unseren Regeln\n(die damals, als man noch nichts Besseres wusste, ganz gut\nwaren) folgen wollten, so würden wir eben so untaugliche\nMusik, als sie untaugliche Bücheln verfertigen.\"\nZu diesem Briefe gibt Jahn folgenden Epilog, den wir\nmit Vergnügen hier ganz abdrucken, weil er den Grund-\nlext enthält, über den unsere Zeitschrift seit acht Jahren\ndenCommentar liefert. Er sagt: „Ungemein charakteristisch\nist, was er über die Stellung der Musik zur Poesie in der\nOper sagt. Ganz im Gegensatze zu Gluck, der die Musik\nder Poesie untergeordnet wissen will, verlangt Mozart, dass\ndie Poesie der Musik gehorsame Tochter sein solle. In dem\nSinne, in welchem es, wie der Zusammenhang lehrt, ge-\nmeint ist, hat er vollkommen Recht. Er verlangt, dass der\nPlan eines Stückes gut gearbeitet sei, d. h. Dass die Hand-\nlung Interesse darbiete, in den einzelnen Momenten ihres\nFortschreitens durch die naturgemässe Entwicklung der ge-\ngebenen Charaktere motivirt sei, und in diesem folgerich-\ntigen Verlaufe Situationen herbeiführe, welche für den mu-\nsicalischen Ausdruck geeignet sind. Ferner verlangt er, dass\ndie Worte bloss für die Musik geschrieben seien, d. h. Dass\ndie dichterische Fassung der Stimmungen und Gefühle,\nwelche musicalisch ausgedrückt werden sollen, den Com-\nponisten anrege, ihn trage und hebe, aber ihn in keiner\nWeise beschränke und fessele, vielmehr ihm volle Freiheit\nlasse. Wenn er diese Aeusserung zunächst auch der Be-\nschränktheit unfähiger Dichter gegenüber macht, welche\nvon gewissen handwerksmässigen Regeln und Kunstgriffen\nsich nicht losmachen konnten, so geht doch aus dem, was\ner kurz vorher sagt, deutlich hervor, dass hier etwas Tie-\nferes zu Grunde lag. Die Arie Osmin's hatte er Stephanie\nangegeben, und die Musik war der Hauptsache nach schon\nfertig, ehe dieser ein Woit von der Arie wusste; die\nWorte, welche dieser machte, passten dann so vortrefflich\nzu den musicalischen Gedanken, die schon vorher in Mo-\nzart's Kopfe herumspazirten, dass einzelne Mängel des\nsprachlichen Ausdrucks ihn nicht sehr stören konnten. Man\nsieht also, die Situation, die lebendige Vorstellung vom"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "413", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571226-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3933, "texte": "Charakter der handelnden Person war der eigentliche Aus-\ngangspunkt, der Impuls für die musicalische Conception,\nnicht die bestimmte Fassung durch das Wort des Dichters.\nDarin liegt hauptsächlich das Missverständniss Gluck's, dass\ner den Componisten von der bestimmten Ausführung des\nDichters durch das Wort abhängig machen wollte; und\ndass er dieses Missverständniss zum Princip machte, hat\ndem, was er richtig fühlte, in der Ausführung Schaden ge-\nthan. Es war sicherlich nur ein Missverständniss von ihm;\ndenn wenn er auch paradox genug sagte, dass er beim\nComponiren vor allen Dingen den Musiker zu vergessen\nsuche, oder wenn er den Fehler einer Composition darin\nfand, dass sie nach Musik rieche, so meinte er offenbar den\nüberlieferten Handwerks- und Formelkram, in welchen\ndie Meisten das Wesen der Kunst setzten; er wollte den\nMusiker von diesen Fesseln befreien wie Mozart dies\nebenfalls in Anspruch nimmt —, um ihn zum Dichter zu\nmachen. Allein hier trat jenes Missverständniss ein, er\nüberantwortete den Musiker dem Dichter und machte ihn\nzum öebersetzer. Dass in der Fassung durch das Wort\nebenfalls ein wesentliches Moment für die Gestaltung der\nmusicalischen Idee liegt, dass der treffende Ausdruck, der\nKlang und Rhythmus der Sprache auf den Componisten\nmächtigen Einfluss ausüben, ist klar; allein der Keim für\ndie musicalische Schöpfung liegt nicht hierin, sondern tie-\nfer, in denselben Momenten, aus welchen die Schöpfung\ndes Dichters entspringt. Damit die dichterische Gestaltung\nin der Ausführung des Einzelnen ihrem Zwecke entspreche\ndenn die Dichtung einer Oper hat den bestimmten\nZweck, dem musicalischen Ausdrucke eine entsprechende\nGrundlage und Stütze zu geben, ist daher nicht absolut\nselbstständig, wie das Drama, und muss ihre eigentümli-\nchen Normen anerkennen und zur Geltung bringen —,\nverlangte Mozart das Zusammenwirken des Musikers und\ndes Dichters. Der Musiker müsse selbst „etwas anzuge-\nben\" im Stande sein, dem Dichter seine Intentionen und\ndie im Wesen seiner Kunst begründeten Bedingungen, auf\nwelchen ihre Verwirklichung beruht, in der Weise klar\nund lebendig zu machen wissen, dass er ihn seinerseits zur\nProduction anrege; der Poet solle „gescheidt\", fähig und\ngebildet genug sein, um auf die Intentionen des Musikers\neinzugehen, und Dichter genug, um auch unter diesem\nEinflüsse selbstständig poetisch thätig zu sein. Auch hier\nhat Mozart das Richtige gesehen, ein Zusammenwirken die-\nser Art ist die sicherste Bürgschaft für eine wahrhaft be-\nfriedigende Oper; leider hat er auch darin Recht, dass ein\nsolches Zusammenwirken ein „ wahrer Phönix\" sei. Endlich\nvindicirt er in der Oper der Musik, wo sie zum Ausdruck\nder Stimmung verwandt wird, entschieden die Herrschaft.\nEr beruft sich auf das Factum, dass gute Musik die elen-\ndesten Texte vergessen lasse ein Fall, wo das Umge-\nkehrte Statt fand, dürfte kaum anzuführen sein —; es folgt\naber auch unwidersprechlich aus dem Wesen und der Na-\ntur der Musik. Schon dadurch, dass sie unmittelbar und\nmächtiger, als jede andere Kunst, die Sinne ergreift und\nganz in Anspruch nimmt, macht sie den Eindruck, welchen\n✓\ndie poetische Darstellung durch die Sprache hervorbringen\nkann, für den Augenblick zurücktreten; sie wirkt ferner\ndurch den Sinn des Gehörs in einer, wie es scheint, noch\nnicht aufgeklärten Weise unmittelbar auf die Phantasie und\ndas Gefühl mit einer erregenden Kraft ein, Weichs ebenfalls\ndie der Poesie momentan überflügelt. Das Moment aber,\nwelches die musicalische Darstellung von der Dichtkunst\nentlehnen muss, die Fähigkeit, eine scharf begränzte Vor-\nstellung hervorzurufen, welche mit dem Gefühle, das die\nMusik erregt, Eins wird und demselben eine bestimmte Be-\ndeutung gibt, welche die Musik nicht besitzt, weil sie sich\nnicht in dieser Weise an den Verstand wendet, dieses Mo-\nment, das in dem begleitenden Worte enthalten ist, kann\nhier, wie wichtig und bedeutsam es auch ist, doch nur in\nzweiter Reihe stehen.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-12-26-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-12-26_01#c003", "volume": "bmtnabi_1857-12-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "413", "page_fin": "414", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571226-01.2.3", "titre_corps": "Aus Frankfurt am Main.", "titre_sommaire": "Aus Frankfurt am Main.", "signature_source": "W-n", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "413", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571226-01.1.5", "debut_caractere": 3935, "fin_caractere_exclue": 5034, "texte": "Aus Frankfurt am Main.\n\nDen 18. December 1857.\nDer Cäcilien-Verein hat in diesem Jahre wieder,\nwie im vorigen, seine Winter-Concerte mit der H-moll-\nMesse von J. S. Bach begonnen, und zwar fiel diesmal\ndie Aufführung auf den localenßuss- und Bettag, den letz-\nten Freitag im Kirchenjahre, den 27. November, welchen\nTag der Verein als einen durch seinen Ernst besonders ge-\neigneten festzuhalten gedenkt zur Ausführung dieses ge-\nwaltigsten Werkes geistlicher Musik, wie er schon seit\neiner Reihe von Jahren Bach's Matthäus-Passion\nam Charfreitage bringt. Es ist gewiss rühmend anzuerken-\nnen, dass der Cäcilien-Verein durch Feststellung dieser bei-\nden Riesenwerke deutscher Tonschöpfung, welche die ge-\nnialste Verherrlichung des katholischen und des protestan-\ntischen Ritus bilden, das ernste Streben bekundet, das\ngrosse Gesang-Vereine beseelen soll. Bach und Händel\nmüssen den Angelpunkt der Studien und Auflührungen gros-\nser gemischter Chöre bilden. Und der Cäcilien-Verein hat\nin dieser Beziehung das Ziel erreicht, das ihm sein Grün-\nder, der unvergessliche J. N. Schelble, gesteckt, er ist"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "414", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571226-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3566, "texte": "in den beinahe vierzig Jahren seines Bestehens der hohen\nAufgabe stets treu geblieben. Auf seinem Repertoire stehen\nvon Händel: Alexanderfest, Judas Maccabäus, Samson,\nSemele, der hundertste Psalm, Messias, Israel in Aegyp-\nten, Saul, Josua, Jephta, Salomo, das utrechter\nEmpfindungen u. s. w., alle öfter, zum Theil 7 8 Mal\naufgeführt; von Bach die meisten, auch achtstimmigen\nMotetten, die Passion (17 Mal aufgeführt), die H-moll-\nMesse, die Cantaten: Gottes Zeit, Liebster Gott, Du Hirte\nIsrael, der Psalm 130, das Magnificat; die Cantaten: Herr,\ngehe nicht mit mir ins Gericht, und: Herr, bleib' bei uns;\ndie Missa in G-dur. Im nächsten Jahre wird dazu noch das\nerst vor Kurzem erschienene Weihnachts-Oratorium\nals drittes Hauptwerk des Meisters kommen, das schon in\ndiesem Jahre aufgelührt worden wäre, wenn nicht das Ar-\nrangement und Ausschreiben der Orchesterstimmen zu viel\nZeit und Mühe in Anspruch genommen hätte. Neben die-\nsen Fundamentalwerken sind dann natürlich auch die grös-\nseren und kleineren Vocalwerke von Mozart, J. Haydn,\nCherubini, Beethoven, Mendelssohn, Hauptmann und den\nalten Italiänern nicht vergessen und werden, soweit es mit\ndem Streben nach dem Ziele vereinbarlichist, das der Verein\nunverrückt im Auge behält, fleissig und mit Liebe gesun-\ngen. Die materiellen Mittel, Zeit und Geld, treten freilich\nauch hier oft hindernd der Ausführung entgegen, um so\nmehr, da das Orchester das des Theaters ist und daher nur\nschwer und mit grossen Opfern erlangt werden kann. Je-\ndoch muss von Allen zugestanden werden, dass der Verein\nschon Grosses geleistet hat und sich kühn neben die ersten\nin unserem Vaterlande stellen kann. Das hat denn auch die\ndiesjährige dritte Aufführung der hohen Messe Seb. Bach's\nglänzend bewiesen, und Franz Messer hat sich durch\nEinstudirung und Leitung als Meister gezeigt. Die Chöre\nwurden vollendet vorgetragen; man fühlte, dass Alle des\nungeheuren Stoffes vollständig Meister geworden waren,\nund die Masse kräftiger, langseübter Stimmen (weit über\n200 Mitglieder zählt der Verein) konnte auch materiel der\nkolossalen Aufgabe genügen, so dass bis zum Schlüsse\nnicht die geringste Ermüdung merkbar wurde. Gleich das\nKy* 'ie, das die drei ersten Nummern bildet, rauschte in ru-\nhiger Grösse dahin; das Gloria drang mit hinreissender Ge-\nwalt empor; das Credo imponirte durch seine wie aus Erz\ngegossene alte Kirchenweise. Von ausserordentlicher Wir-\nkung war das tiefsinnige Crucißxus mit dem schwungreichen\nEt resurrexit,wo der Gegensatz des ersterbenden Schmer-\nzes und der aufjauchzenden Freude vortrefflich wiederge-\ngeben wurde in dem Wechsel der Tonstärke— eineW'ir-\nkung, die sich noch steigerte in den Stellen des\nEt exspecto resurrectionem mortu u. s. w. Ein\nGlanzpunkt war dann noch das wo der mächtige\nBass in seinen Octavengängen und die graziösen Triolen-\ngänge der Oberstimme ein wunderbares Ganzes bildeten.\nAuch die Soli waren tüchtig vertreten von Frau Nissen-\nSaloman und den Sängern des Theaters Baumann und\nDettmer. Die Alt-Partie wurde, da Fräul. Diehl von Mainz\ndurch die dortige Katastrophe krank geworden war, theil-\nweise von einer tüchtigen Dilettantin übernommen; weg-\nbleiben musste nur das Duett Et in unum und das Agnus\nDei. Die nächsten Concerte des Vereins werden das Re-\nquiem von Cherubini, den Jephta Händel's und die Matthäus-\nPassion bringen.— Der Rühl'sche Gesang-Verein hat seine\nConcerte mit einer grossen Aufführung des Messias in der\nPaulskirche zum Besten der Mainzer glänzend eröffnet. Die\nAufführung war sehr gelungen und brachte eine mächtige\nWirkung hervor.\n\nW-n."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-12-26-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-12-26_01#c004", "volume": "bmtnabi_1857-12-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "414", "page_fin": "415", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571226-01.2.4", "titre_corps": "Aus Oldenburg.", "titre_sommaire": "Aus Oldenburg.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "414", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571226-01.1.6", "debut_caractere": 3568, "fin_caractere_exclue": 4971, "texte": "Aus Oldenburg.\nDen 15. Decembar 1857.\nAm 11. December hatte das zweite Abonnements-\nConcert der Hofcapelle unter Direction des Herrn\nHof-Capellmeisters Pott Statt. Das Programm brachte zu\nAnfang YVeber's Ouvertüre zu Euryanthe. Auffassung\nund Ausführung derselben verdienen das Prädicat „ausge-\nzeichnet\" bis in das kleinste Detail; indessen dürfen wir,\num gewissenhaft zu sein, nicht verschweigen, dass ein ein-\nziges Tönchen im Waldhorn, das vielleicht von nur Weni-\ngen bemerkt worden ist, nicht ganz sicher intonirt wurde.\nNach der Ouvertüre spielte Fräul. Jenny Vernet,\neine junge Französin und Schülerin von Moscheies, das Men-\ndelssohn'sche G-mo//-Concert für Pianoforte. Die junge\nDame entwickelte eine recht achtungswerthe Technik, einen\nwohlklingenden, anmuthigen Anschlag, und bekundete hin-\nsichtlich der Auffassung nicht nur ein wirklich musicalisches\nTalent, sondern auch ein deutsches Studium und deutsche\nBildung. Es war, wie wir hören, ihr erstes Debüt, was\nuns in der That in Erstaunen setzte. Das Orchester leistete\nin der Begleitung durch Zartheit und Präcision Vollendetes.\nDer Beifall, den Fräul. Vernet ärntete, war ein lebhafter\nund verdienter, und ist um so höher anzuschlagen, da wir\ndurch das meisterhafte Pianofortespiel der Frau Aloyse Pott\nhier wirklich sehr verwöhnt sind.\nEs folgte Herr Hofmusicus Ebert mit den beiden\nersten Sätzen des Romberg'schen H-moll-Concerles für"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "415", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571226-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1530, "texte": "Violoncell. HerrEbert spielte dasselbe mit hübschem Tone\nund besonnenem Vortrage, und fand eine beifällige Auf-\nnahme, Zum Schlüsse des ersten Theiles spielte Fräul. Ver-\nnet „Trockene Blumen\" von Schubert, für Pianoforte über-\ntragen von Liszt, und eine Etüde von Gordia. Die erstere\nNummer eignet sich nicht zum Concert-Vortrage, die zweite\njedoch ist eine dankbare Piece und gefiel allgemein.\nDen zweiten Theil füllte H. Esser's D-mo/Z-Sinfonie.\nDer erste Satz, Allegro appassionato, ist zwar fliessend ge-\nschrieben, sehr wirksam instrumentirt, aber lässt hinsicht-\nlich der Erfindung Manches zu wünschen übrig. Der zweite\nSatz, Andante quasi Allegretto,ist durchaus lieblich und\nfliessend componirt und hinterlässt einen wohlthuenden Ein-\ndruck. Das Scherzo, ein Allegro vivace, ist frisch und voll\nLeben und sehr wirksam. Die Flöte ist in diesem Satze\nmit Vorliebe und sehr glücklich vom Componisten bedacht\nund wurde vortrefflich geblasen. Das Finale,\nhat etwas Unruhiges, und diese Unruhe wurde durch ein\nhäufiges Eilen in den ersten Geigen und den Bässen noch\ngesteigert. Uebrigens würde durch eine Mässigung im Tempo\ndas Finale gewinnen. Am besten gingen die beiden Miltel-\nsätze. Frei von Anklängen, namentlich im ersten Salze an\nSchubert und im letzten an Beethoven, ist das Werk nicht,\naber dennoch eine erfreuliche Bereicherung für diese Kunst-\ngattung. Einen angenehmen und überraschenden Eindruck\nmachte auf uns gegen Schluss des Finale das zarte Erklin-\ngen der ersten Tacte des Haupt-Thema's vom ersten Satze.\n„2"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-12-26-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-12-26_01#c005", "volume": "bmtnabi_1857-12-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "415", "page_fin": "415", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571226-01.2.5", "titre_corps": "Aus Wien.", "titre_sommaire": "Aus Wien.", "signature_source": "C. D", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "415", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571226-01.1.7", "debut_caractere": 1532, "fin_caractere_exclue": 7128, "texte": "Aus Wien.\nC. D.\njConcert von Anton Rubinstein Zweite Quartett-Soiree.]\nHerr Rubinstein hat in seinem ersten Concerte nur eigene Com-\npositionen zum Vortrage gewählt. Sollte man nicht meinen, er habe\ndamit am nachdrücklichsten aussprechen wollen, dass er an erster\nStelle als Componist beurtheilt und anerkannt sein wolle? Wir sind\nüber seine Absicht im Unklaren. Wollte Herr Rubinstein sich als\nComponist zur Geltung bringen, so verdenken wir es ihm gar nicht,\nwenn er ausschliesslich eigene Compositionen zum Vortrag wählte;\naber dann musste er wahrlich andere Sachen wählen. Er hat so\nmanches geschrieben, dem man einen nicht unbeträchtlichen, wenig-\nstens relativen Werth nicht bestreiten kann, Sachen, die wenigstens\nohne allen Vergleich besser sind als die, welche er uns diesmal vor-\nführte. Setzt ihn aber der Ehrgeiz in Bewegung, als ausübender\nKünstler wir sagen „Künstler1' Lorbern zu pflücken, dann\nwar sein Programm ein noch verwerflicheres. Von dem Künstler for-\ndern wir, dass er immer nur die Sache, d. h. die Kunst, im Auge\nhabe, dass sein persönliches Interesse in dieser ganz aufgehe, dass\ner es also nur in so weit und in dem Grade verfolge, als er sich\nden hohen, reinen Kunstforderungen in seinen Leistungen näher oder\nentfernter fühlt. Wäre es aber nicht ein schönerer Ehrgeiz gewesen,\nwenn sich Herr Rubinstein davon entbrannt gezeigt hätte, wenig\noder gar nicht gekannte, bedeutende, ältere oder neuere Werke der\nso überreichen Pianoforte-Literatur zur Geltung zu bringen und in\ndem Triumphe der Sache den herrlichsten eigenen Triumph zu su-\nchen, statt dass er mit den nichtssagendsten eigenen Schein-Produc-\nten das gesammte Publicum langweilte und höchstens bewies, was\nschon Jedermann wusste, dass er eine ganz ausserordentliche Bra-\nvour besitzt und ein Piano hervorzubringen versteht, das schon auf\nder dritten Bank des Parterres kaum zu vernehmen war. ein Beweis,\nder aus den Meisterwerken unserer Literatur eben so gründlich und\nim Verein mit noch viel höheren Aufgaben geführt werden konnte.\nHerr Rubinstein spielte ein neues Trio in B-dur, eine mit Aus-\nnahme des ingeniös erfundenen, originellen Scherzo und einzelner\ngeistreicher Züge im Finale durchaus unbedeutende Arbeit, in wel-\ncher ein Wirbelwind von Passagen den geringen Gedankenkern verdun-\nkelt und ein gewisser äusserer Kraft-Aufwand die Stelle innerer\nEnergie vertritt. Es ist dieses Trio nicht von fern mit den beiden\nfrüheren, namentlich mit jenem in F, zu vergleichen. Die „zwei Me-\nlodieen\", welche dann folgten, sind von der Art, wie sie zu Milliar-\nden in der Welt umherkugeln; das „Capriccio\" und die „Polonaise\",\nwelche übrigens gar keine Polonaise ist, sind ein sinn- und ge-\nschmackloses Auf- und Niederrasen auf der Tastatur des Instrumen-\ntes. Endlich hörten wir noch ein Präludium und eine Fuge. Das\nPräludium ist ein geistreiches Stück voll schöner harmonischer Com-\nbinationen, wurde aber durch ein kaum zu begreifendes Ueberjagen\ndes lempos gänzlich entstellt; die Fuge aber ist keine Fuge, da der\nmehrmalige Stimmen-Eintritt eines contrapunktisch angelegten The-\nma s ein Fonstück, das sonst ganz und gar sich ausserhalb der\nGränzen dieser Form bewegt und abgesehen davon geistreiche Ein-\nzelheiten enthält, noch nicht zur Fuge stempeln.\nDass Herr Kübinstein ein eminenter Virtuose ist, hat er auch\ndiesmal glänzend genug bewiesen, aber auch an dem ausübenden\nKünstler möchten wir Gelegenheit erhalten, mehr zu bewundern als\ndie siegreiche Ueberwindung der grössten und überflüssigsten Schwie-\nrigkeiten, die virtuose Vollendung des Pianissimo und Fortissimo\ndurch alle Grad-Unterschiede hindurch.\nDie zweite Hellmesberger'sche Quartett-Soiree brachte als Novi-\ntät ein Manuscript-Quartett von Sei mar Bagge, einem Compo-\nnisten, den wir längst als einen äusserst gebildeten Musiker kennen\nund schätzen. Dieses Quartett konnte auch unsere Achtung für ihn\ndurchaus nur erhöhen. Es ist eine höchst respectable Leistung, eine\ndurchaus interessante Arbeit, die zunächst von der eminenten Bil-\ndung ihres Autors das ehrenwertheste Zeugniss ablegt. Zwar leuchtet\ndas \"V orbild Beethoven's etwas zu marcant hindurch, und namentlich\nder erste Satz erinnert in den Motiven, in der ganzen Anlage und\nbis in Einzelheiten hinein an das Rasumovski'sche\nwie das Adagio vielfach an Schumann erinnert; aber selbst in dem\nausserordentlichen Geschick der Nachahmung bekundet sich das aus-\ngezeichnete Talent, der feine Sinn des Autors. Am freiesten, selbst-\nständigsten entwickeln sich jedenfalls die beiden letzten Sätze; sie\nsind voll Leben und Bewegung, voll der interessantesten Details.\nDie contrapunktische Gewandtheit, die harmonische Feinsinnigkeit des\nAutors sind höchst anerkennenswerth. Zwar glauben wir in dieser\nArbeit überwiegend ein Werk der reifen Bildung erkennen zu müs-\nsen, die mit begabtem Forscherblick, mit emsiger Beharrlichkeit, mit\nZusammenfassung des besten Wollens und Vermögens dem Edelsten\nund Bedeutendsten zustrebte; aber unter allen Umständen gebührt\nder talentvollen, mit dem sorgfältigsten Fleisse ausgeführten Arbeit\neine ehrenvolle Stellung in der neueren Quartett-Literatur, und dass\nes nach der auszeichnenden Aufnahme, welche es fand, nicht lange\neines Verlegers werde harren dürfen, wünschen und erwarten wir.\nWir hatten vor Jahren auch eine Sinfonie dieses Componisten ken-\nnen zu lernen Gelegenheit, welche das Licht der Oeffentlichkeit zu\nerblicken nicht minder würdig wäre, als dieses Quartett. Die Auf-\nführung des namentlich im rhythmischen Theile äusserst schwierigen\nWerkes war eine bewundernswerthe und trug das Ihrige zu dessen\nwarmer Aufnahme bei."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-12-26-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-12-26_01#c006", "volume": "bmtnabi_1857-12-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "416", "page_fin": "416", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571226-01.2.6", "titre_corps": "Drittes Gesellschafts-Concert in Köln im Hauptsaale des Gürzenich.", "titre_sommaire": "Drittes Gesellschafts-Concert in Köln im Hauptsaale des Gürzenich.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "416", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571226-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3327, "texte": "Drittes Gesellschafts-Concert in Köln\nim Hauptsaale des Gürzenich.\nDen 22. December 1857.\nProgramm: Erster Theil: 1) Sinfonie in C von W. A. Mozart;\n2) Recitativ und Arie der Juno aus „Semele\" von Gr. F. Händel\n(Fräul. Jenny Meyer); 3) Ave verum für Chor und Saiten-Instru-\nmente von W. A. Mozart; 4) Arie „Dove sono i bei momenti\" aus\nFigaro's Hochzeit von W. A. Mozart (Fräul. Eemond); 5) Zwei-\ntes Concert in F-moll für Pianoforte und Orchester von F. Chopin\n(Herr Ferd. Breunung); 6) Arie „Qual piacer\" aus der Italiänerin\nin Algier von Rossini (Fräul. Jenny Meyer). — Zweiter Theil:\nOuvertüre und Introduction aus der Oper Wilhelm Teil von\nRossini.\nDie Sinfonie mit dem fugirten Schlusssatze wurde recht gut aas-\ngeführt; die Tempi der zwei erstenSätze schienen uns fast zu lang-\nsam, wiewohl dies freilich dem Herabjagen bei Weitem vorzuziehen\nist. Fräul. Jenny Meyer aus Berlin, welche ihr Schwager und\nLehrer, Herr Musik-Director Julius Stern, hieher begleitet hatte, be-\nsitzt eine der mächtigsten Mezzo-Sopranstimmen, die wir je gehört,\nund diese Stimme ist bereits so trefflich gebildet, dass man nicht\nnur an dem Instrumente, sondern auch an der Behandlung desselben\nseine Freude hat. Die Coloratur in der Rossini'schen Arie zeigte eine\ntechnische Fertigkeit, welche in der mittleren Ton-Region nur selten\nin solchem Grade gefunden wird. Im Recitativ, besonders dem Hän-\ndersclicn, wirkte die Stimme am meisten; Fräul. Meyer würde als\nOratorien-Sängerin in Englaud sehr an ihrem Platze sein. In Deutsch-\nland wird man ihrem Vortrage mehr Farbe des Ausdrucks und Wärme\ndes Gefühls wünschen, um ganz hinzureissen. Sie wurde stark ap-\nplaudirt und gerufen.\nEin Glanzpunkt des ersten Theiles war der Vortrag des F-moll-\nConcertes von Chopin durch Herrn Ferdinand Breunung. Ueber\ndas meisterhatte Spiel desselben müssten wir nur wiederholen, was\nwir in Nr. 46 dieser Zeitung über den Vortrag desselben Concertes\nin Bonn gesagt haben. Herr Breunung wurde gleich bei seinem Auf-\ntreten vom Publicum mit Applaus empfangen und am Schlüsse ge-\nrufen. Am vorzüglichsten gelang ihm der letzte Satz, den er mit\neiner glänzenden Virtuosität, aber ohne auf dieselbe nur den gering-\nsten persönlichen Accent zu legen, durchführte.\nDie Ouvertüre zu Wilhelm Teil wurde besonders im Allegro mit\ngrossem Schwung ausgeführt, und die prachtvolle Musik der Intro-\nduction trat bei der vollen Besetzung des Chors und den frischen,\nnicht theatermässig abgesungenen Stimmen desselben mit schlagen-\nder Wirkung hervor. Wie weit lässt diese Musik alles Gemachte\nder neueren Zeit, namentlich der Meyerbeer'schen Effecte, hinter\nsich! Es gibt drei Namen auf ini, vor denen jeder, der Musik nicht\nfür die Augen, sondern für Ohr und Herz haben will, den gehörigen\nRespect hegt: Cherubini, Spontini, Rossini. Um so zu schreiben, wie\ndiese Italiäner, dazu gehört Genie; alle Ifunst der Mache hilft nichts\ndazu. Die Soli bilde-en durch die Damen Remond und Meyer und\ndie Herren Göbbels, Greven, DuMont-Fier und Schiffer ein schönes\nEnsemble; in den Stellen des Einzelgesanges konnten die Tenoristen\nfreilich nicht mit den Stimmen und dem Vortrage der Herren Du-\nMont und Schiffer gleichen Schritt halten.\nDas Publicum nahm das Ganze mit dem lebhaftesten Beifalle\nauf; trotz der Vorbereitungen zu den Weihnachtstagen war der Saal\nganz und gar gefüllt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1857-12-26-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1857-12-26_01#c007", "volume": "bmtnabi_1857-12-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "416", "page_fin": "416", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571226-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "416", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571226-01.1.8", "debut_caractere": 3329, "fin_caractere_exclue": 5919, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nEJü#e£flesi? 19. December. Julius Otto hat sein Lehramt in\nder Theor.'e der Musik am Conservatorium zu Dresden freiwillig auf-\ngegeben und ist eben so aus dem Directorium desselben getreten.\nBrennen, 16. December. Im vierten „Privat-Concert\" hörten\nwir gestern von Orchestersachen Mozart's Sinfonie in C mit der Fuge,\nGade's Ouyerture ~Im Hochland\", zum ersten Male, und Beetho-\nven\\s Leonoren-Ouverture Nr. 3. Frau Sophie Förster aus Dres-\nden trug die erste Sopran-Arie aus Haydn's Schöpfung und eine Arie\naus Rossini's Cenercntola vor. Herr Louis Brassin aus Leipzig\nspielte das schöne G-moll-Concert für Piano von J. Moscheies, das\nman leider von unseren jetzigen Virtuosen so selten zu hören be-\nkommt, im zweiten Theile eine Serenade von seiner Composition\nund das Liszt'sche Arrangement von Mendelssohn's Hochzeitsmarsch\nund Elfenreigen aus dem Sommernachtstraum. Er ärntete grossen\nBeifall durch seine trefflichen Leistungen.\nAm 18. d. Mts. hatten wir hier unter der Lei-\ntung des Herrn Verhülst eine in jeder Hinsicht sehr gelungene\nAufführung von F. Hiller's Oratorium „Die Zerstörung von Jeru-\nsalem\", welche die Abtheilung Rotterdam von der niederländischen\nGesellschaft zur Beförderung der Tonkunst veranstaltet hatte. Das\nvortreffliche Werk srhlug so durch bei unserem musicalischen Pu-\nblicum, dass in allen Kreisen noch immer von nichts Anderem die\nRede ist, als von dem mächtigen Eindrucke dieser grossartigen Com-\nposition, welche man hier noch nicht mit vollem Orchester, mit so\nvorzüglichor Besetzung der Soli und so trefflich einstudirten Chören\ngehört hatte. Namentlich trug die imposante Durchführung der Haupt-\nPartie des Jeremias durch Herrn Schiffer aus Köln ganz vor-\nzüglich zum Erfolg des Ganzen bei; seine volle Stimme und der\nkräftige, aus tiefem Gefühl strömende Vortrag rissen das Publicum\nzu rauschendem Applaus hin.\nAmsterdam, 23. December. Im fünften Concert von Felix\nMeritis erhielt Herr Louis Brassin aus Leipzig durch den Vor-\ntrag des Concertes für Piano in D-moll von F. Mendelssohn und\neiniger Salonstücke lebhaften Beifall. —Fräul. Catharina Deutz\naus Köln hat in zwei Concerten hinter einander in Felix Meritis\ngesungen und durch die Frische und den Wohllaut ihrer umfang-\nreichen Sopranstimme Aufsehen erregt. Wir werden von ihr am 30.\nd. Mts. auch die Partie der „Mirjam\" in C. Rheinthaler's Ora-\ntorium „Jephta und seine Tochter\" hören. Der berühmte Componist\nwird die Aufführung selbst dirigiren und ist dem Vernehmen nach\nbereits gestern hier angekommen, um die letzten Proben der Chöre\npersönlich zu leiten."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "409", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571226-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nW. A. Mozart. Von Otto Jahn. Dritter Theil. 1. Aus Frankfurt am Main (Cäcilien-Verein). Von W—n. Aus Ol-\ndenburg (11. Abonnements-Coneert der Hofcapelle). Von —2—. Aus Wien (Concert von Anton Rubinstein Zweite Quartett-Soiree).\nVon C D. 111. Abonnements-Concert im Gürzenichsaale. Tages- und Unterhaltungsblatt (Dresden, Julius Otto Bremen,\nIV. Privat-Concert Rotterdam, F. Hillens „Zerstörung Jerusalems\" Amsterdam, L. Brassin, Fräul. Cath. Deutz, Reinthaler's Jephta)\n\nW. A. Mozart.\nDritter Theil.\nVon Otto Jahn.\nI.\nWas man in der fortgesetzten Arbeit Jahn's über Mo-\nzart's Leben und künstlerisches Schaffen in Bezug auf ur-\nkundliche und gewissenhafte Forschung, auf Art und Weise\nder Bearbeitung und auf Darstellung findet, bedarf keiner\nweiteren Auseinandersetzung, da die beiden ersten Theile\nin Jedermanns Händen sind. Der so eben versandte dritte\nTheil ist seinen Vorgängern in allen diesen Beziehungen\nganz ähnlich, nur müssen wir gleich von vorn herein be-\nmerken, dass er biographisch noch anziehender ist,\nals jene.\nWenn bis hieher die Entwicklung des jungen Künst-\nlers unter der Leitung und Ober-Aufsicht des Vaters aus-\nführlich dargelegt wurde, so schildert uns dieser Band nun\nden selbstständig gewordenen Mozart, dessen Selbstbe-\nwusstsein so erstarkt ist, dass es in sein Leben eingreift\nund Plane und Entschlüsse auch lür die äussere Gestaltung\ndesselben erzeugt und zur Reife bringt.\nDas vierte Buch der Biographie, das dieser Theil\nenthält, führt uns nämlich nach VV ie n, welches der eigent-\nlich fruchtbare Boden für das Gedeihen seiner künstleri-\nschen Grösse werden sollte. Nach der Leberschrift soll das\nvierte Buch die Jahre 1781 —1791 umfassen; allein die\neilf Abschnitte, welche der dritte Theil auf 465 Seilen\n(nebst 48 Seiten Beilagen) bringt, gehen nicht so weit,\nsondern nur bis auf einige Jahre nach der ersten Vorstel-\nlung der „Entführung aus dem Serail\" (1782, 12. Juli),\nso dass also die Geschichte der Jahre, in denen Figaro's\nHochzeit, Don Juan, Cosi fan tulte, Zauberflöte, Titus, Re-\nquiem u. s. w. entstanden sind, einem vierten Theile, der\ndann wohl das ganze Werk abschliessen wird, vorbehalten\nbleibt. Für die Kunstgeschichte kann eine so gründlich ge-\narbeitete Biographie nicht wohl zu lang werden; ob aber\nnicht für die Künstler und Kunstfreunde zu theuer, das ist\neine andere Frage oder vielmehr keine Frage.\nDer erste Abschnitt erzählt uns das Verhältniss Mo-\nzart's zu seinem Fürsten, dem Erzbischofe Hieronymus von\nSalzburg, während dessen Holhaltung in Wien. Es war"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "410", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571226-01.1.2", "texte": "das eines durch fürstliche Launen und unerhörte Grobhei-\nten gehudelten und misshandelten Bedienten. Nicht genug,\ndass an dem Mittagstische im Palast die zwei Kammerdie-\nner oben an, dann Mozart, die zwei Köche und der Zucker-\nbäcker nebst zwei italiänischen Musikern sassen, auch an\nden gemeinsten Schimpfwörtern liessen es Seine Hochfürst-\nlichen Gnaden nicht fehlen. Auftritte, in denen es hiess:\n„Er Lump, Lausbub, scheer' Er Sich weiter!\" kamen häu-\nfig vor, und nur die ängstliche Sorge des Vaters vermochte\nso viel über Wolfgang, dass er so lange wie möglich aus-\nhielt.\nEndlich aber riss ihm die Geduld; er gab am 9. Mai\n1781 seine Entlassung ein und schrieb dem Vater unter\nAnderem: „Was Wunder, wenn ich endlich durch Bube,\nSchurke, Bursche, liederlicher Kerl und dergleichen mehr,\nim Munde eines Fürsten rühmliche Ausdrücke, ganz ausser\nmir, das: Scheer' Er Sich weiter! endlich für bekannt an-\ngenommen habe.\nDiener wäre, und das brach mir den Hals. Leben Sie\nwohl und freuen Sie Sieb, dass Sie keinen Hundsfut zum\nSohne haben!\"\nDie ganze Noblesse war auf Mozart's Seite. Dennoch\nverlangte der Vater Zurücknahme des Entlassungs-Gesu-\nches. Aber Wolfgang blieb fest, wiederholte das Gesuch\ndrei Mal, aber Niemand wagte, es dem Erzbischofe vorzu-\nlegen. Endlich ging Mozart selbst mit seinem Schreiben in\nden Palast, wo er schon längst nicht mehr wohnte. Hier\nempfing ihn Graf Arco, der des Erzbischofs,\ntraclirte ihn mit Flegel, Bursch u. s. w., und warf ihn\nmit einem Fusstritt zur Thür hinaus! Das ge-\nschah am 8. Juni 1781 zu Wien! Jahn sagt: „Ob die-\nser Excess auf hochfürstlichen Befehl geschah, wusste Mo-\nzart nicht gewiss; jedenfalls war der gräfliche Diener sei-\nnes Gebieters würdig. Beide ahnten nicht, welch unaus-\nlöschliches Brandmal sie ihrem Namen aufgedrückt haben.\"\nMozart war ausser sich und schrieb seinem Vater,\ndass er dem Grafen Arco wieder einen Tritt geben werde,\nwo er ihn treffe. Der Vater erschrak vor einem solchen\nAttentat gegen einen adeligen Herrn; aber Wolfgang ant-\nwortete: „Das Herz adelt den Menschen, und wenn ich\nschon kein Graf bin, so habe ich vielleicht mehr Ehre im\nLeibe, als mancher Graf; und Hausknecht oder Graf, so-\nbald er mich beschimpft, ist er ein Hundsfut. Ich werde\nihm zu Anfang ganz vernünftig vorstellen, wie schlecht und\nübel er seine Sache gemacht habe; zum Schlüsse aber\nmuss ich ihm doch schriftlich versichern, dass er gewiss\nvon mir einen Fuss im A— und noch ein paar Ohrfeigen\nzu erwarten hat.\"\nSeit einigen Jahren hatte der Kaiser Joseph 11. ein\nNational-Theater begründet. Er hob ferner das Ballet und\ndie italiänische Oper auf, und an die Stelle der letzteren\nsollte „ ein National-Singspiel\" treten. Der Anfang wurde\n1778 mit Umlaufs „Bergknappen\", einer kleinen Ope-\nrette, gemacht. Graf Rosenberg hatte seit 1 776 die Ober-\nDirection des Theaters erhalten, und durch ihn bekam Mo-\nzart Ende Juli 1781 den Text von Belmonte und\nConstanze oder Die Entführung ausdemSerail.\nDie Oper sollte bereits im September bei Anwesenheit\ndes Grossfürsten Paul gegeben werden. Mozart arbeitete\nrasch daran und liess schon nach acht Tagen die Gräfin\nThun hören, was fertig war. Sie war ungemein zufrieden\ndamit. Er schreibt aber: „Ich gehe in diesem Punkte auf\nkeines Menschen Lob und Tadel, bevor so Leute nicht Al-\nles im Ganzen gehört oder gesehen haben, sondern folge\nschlechterdings meinen eigenen Empfindungen.\" —Später\nerfuhr er, dass „das Grossthier\" (S. 47) erst im Novem-\nber komme, und war „froh, seine Opera mit Ueberlegung\nschreiben zu können\". Allein sie wurde fürs Erste ganz\nzurückgelegt, da man bei Hofe andere Verfügungen getrof-\nfen hatte. Gluck's Iphigenie in Tauris und seine Alceste\nwurden gegeben.\nMannigfache Beschäftigungen nahmen ihn darauf in\nAnspruch; doch schlief die Oper nicht. Am 8. Mai 1782\nschrieb er: „Gestern war ich bei der Gräfin Thun und habe\nihr den zweiten Act vorgeritten\",— und am 29.: „Künf-\ntigen Montag werden wir die erste Probe machen; ich\nfreue mich recht sehr auf diese Oper, das muss ich Ihnen\ngestehen.\"\n„Er hatte gute Ursache dazu\" so fährt Jahn fort\n—, „denn er konnte des Erfolges sicher sein. Aber leicht\nwurde ihm die Sache auch jetzt nicht gemacht; er hatte\nmit starken Cabalen zu kämpfen, und es bedurfte des be-\nstimmten Befehls des Kaisers, damit die Oper am 12. Juh\nwirklich gegeben wurde. War die Erwartung des Publi-\ncums gespannt gewesen, so wurde sie nun durch den Er-\nfolg der Oper vollständig gerechtfertigt; das Haus war ge-\ndrängt voll, Beifall und Da-Capo-Rufen nahmen kein Ende,\nund wiederholte Aufführungen folgten rasch auf einander.\"\n„Gestern\", schreibt M. (20. Juli 1782), „ist meine\nOper zum zweiten Male gegeben worden. Könnten Sie\nwohl vermuthen, dass gestern noch eine stärkere Cabale\nwar, als am ersten Abend? Der ganze erste Act ist ver-\nwischt worden, aber das laute Bravo-Rufen unter den Arien"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "411", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571226-01.1.3", "texte": "konnten sie doch nicht verhindern. Meine Hoffnung war\nalso das Schluss-Terzett; da machte aber das Unglück den\nFischer fehlen, dadurch fehlte auch der Dauer, —und Adam-\nberger allein konnte auch nicht Alles ersetzen; mithin ging\nder ganze Effect davon verloren, und wurde für diesmal\nnicht repetirt. Ich war so in Wuth, dass ich mich nicht\nkannte, so wie auch Adamberger, und sagte gleich, dass\nich die Oper nicht geben lasse, ohne vorher eine kleine\nProbe für die Sänger zu machen. Im zweiten Acte wurden\ndie beiden Duetts, wie das erste Mal, und dazu das Rondo\nvon Belmonte: Wenn der FreudeThränen fliessen, u. s.w.\nwiederholt. Das Theater war noch fast voller, als das erste\nMal; den Tag vorher konnte man schon keine gesperrten\nSitze mehr haben, weder auf dem noch im\ndritten Stocke, und auch keine Loge mehr. Die Oper hat\nin den zwei Tagen 1200 Fl. getragen.\"—lm nächsten\nBriefe (27. Juli 1782) heisst es:\n„Meine Opera ist gestern allen Nannerln zu Ehren*)\nmit allem Applauso das dritte Mal gegeben worden, und\ndas Theater war wiederum, ungeachtet der erschröcklichen\nHitze, gestrotzt voll. Künftigen Freitag soll sie wieder sein,\nich habe aber dawider protestirt, denn ich will sie nicht so\nauspeitschen lassen. Die Leute, kann ich sagen, sind recht\nnärrisch auf diese Oper. Es thut einem doch wohl, wenn\nman solchen Beifall erhält.\" Am 30. Juli aber wurde sie\nschon wieder gegeben, am nächsten Freitag auch, und das\nTheater „wimmelte allezeit von Menschen\". Im Laufe des\nJahres ward sie sechszehnmal aufgeführt, und als Anfangs\nOctober der Grossfürst mit seiner Gemahlin auf der Rück-\nreise wieder nach Wien kam, wurde ihnen zu Ehren die\nEntführung gegeben, „ wo ich für gut befunden, wieder an\ndas Ciavier zu gehen und zu dirigiren,\" schreibt er dem\nVater (19. October 1782), „theils um das ein wenig in\nSchlummer gesunkene Orchester wieder aufzuwecken, theils\num mich (weil ich eben hier bin) den anwesenden Herr-\nschaften als Vater von meinem Kinde zu zeigen.\"\nKaiser Joseph halte erreicht, was er sich zum Ziele\ngesetzt hatte, die deutsche Oper war begründet; allein er\nschien die Bedeutung dessen, was er hervorgerufen, selbst\nnicht gehörig zu ermessen. Er besass übrigens eine gründ-\nliche musicalische Bildung, war ein Sänger (Bassist) von\nvortrefflicher italiänischer Schule, spielte Violoncell, Viola\nund Ciavier, las mit grosser Fertigkeit vom Blatte und war\nein gewandter Partiturspieler. Das Urtheil, welches er über\ndie Entführung äusserte: „Zu schön für unsere Ohren,\nund gewaltig viel Noten, lieber Mozart!\" ist eben so be-\nzeichnend für die Richtung seines Geschmacks, als Mozart's\nfreimüthige Antwort: „Geradeso viel Noten, Ew. Majestät,\nals nöthig ist,\" den Künstler ehrt, der seines Strebens und\nseiner Kraft sich wohl bewusst ist. Im Allgemeinen zollte\nman der Oper einen rückhaltslosen Beifall. Fürst Kaunitz,\nein feiner Kunstkenner und leidenschaftlicher Freund des\nTheaters, liess sich den jungen Componisten vorstellen, em-\npfing ihn auf die schmeichelhafteste Weise und blieb auch\nfernerhin sein Gönner und Fürsprecher. Der Altmeister\nGluck, die vornehmste Persönlichkeit in der musicalischen\nWelt, wünschte die Oper zu hören, die so viel Aufsehen\nerregte; auf sein Begehren wurde sie, wie Mozart dem\nVater schrieb (7. August 1782), aufgeführt, obgleich sie\nwenige Tage vorher gegeben war; er machte dem Compo-\nnisten viele Complimente darüber und lud ihn zum Speisen\nzu sich ein.\nDie Oper hatte über Mozart's musicalische Stellung in\nWien entschieden; bald trug sie seinen Ruhm durch ganz\nDeutschland.\nIn Prag wurde die Entführung im folgenden Jahre mit\nausserordentlichem Beifalle gegeben. „Es war, als wenn\ndas, was man hier bisher gehört und gekannt hatte, keine\nMusik gewesen wäre! Alles war hingerissen Alles staunte\nüber die neuen Harmonieen, über die originellen, bisher\nungehörten Sätze der Blas-Instrumente.\" Auch in Leipzig,\nHamburg und an anderen Orten wurde sie sehr bald mit\nBeifall gegeben, und die Kritik stimmte fast ausnahmelos\nmit der Anerkennung des Pnblicums überein.\nMozart hatte schon beim Idomeneo mit scharfer Kritik\nan der Redaction des Textes Theil genommen. Das Buch\nder „Entführung\", von C. F. Bretzner, erfuhr ebenfalls\nmehrere Aenderungen nach seinen Angaben durch Ste-\nphanie den Jüngeren, der damals Regisseur der Oper war.\nMozart schrieb z. B. an seinen Vater: „Die Oper hat mit\neinem Monolog angefangen, und da bat ich Herrn Ste-\nphanie, eine kleine Ariette daraus zu machen, und dass,\nanstatt nach dem Liedchen des Osmin die Zwei zusammen\nschwatzen, ein Duo daraus würde. —Da wir die Rolle des\nOsmin Herrn Fischer zugedacht haben, welcher gewiss\neine vortreffliche Bassstimme hat— obwohl der Erzbischof\nzu mir gesagt, er singe zu tief für einen Bassisten, und ich\nihm aber betheuert, er würde nächstens höher singen —,\nso muss man so einen benutzen, besonders da er das hie-\nsige Publicum ganz für sich hat.•— Dieser Osmin hat aber\nim Original-Büchel das einzige Liedchen zu singen und\nsonst nichts, ausser in dem Terzett und Finale. Dieser hat\nalso im ersten Acte eine Aria bekommen und wird auch\n\n*) Der 26. Juli, St.-Annen-Tag, ist der Namenstag der Schwester."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "412", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571226-01.1.4", "texte": "im zweiten Acte noch eine haben. Die Aria habe ich dem\nHerrn Stephanie ganz angegeben und die Hauptsache\nder Musik davon war schon ganz fertig, ehe Stephanie ein\nWort davon wusste. Sie haben nur den Anfang davon\nund das Ende, welches von guler Wirkung sein muss.\"\nDurcb diese Aenderung war vor Allem die erste Scene ge-\nwonnen, die so, wie wir sie nun alle kennen, von unüber-\ntrefflicher dramatischer Wirkung ist, so dass ihr in deut-\nscher Opernmusik nicht viel Aehnüches an die Seite ge-\nstellt werden kann; und die Arie Osmin's rief die erste\ndeutsche komische Arie ins Leben, die eine grosse genannt\nzu werden verdient.\nMozart's Vater hatte gegen das Textbuch und die da-\nmit vorgenommenen Aenderungen mancherlei kritische Be-\ndenken geäussert, auf welche der Sohn ihm folgende merk-\nwürdige Antwort ertheilte (13. October 1781): „Nun\nwegen dem Text von der Opera. Was des Stephanie\nseine Arbeit anbelangt, so haben Sie freilich Recht; doch\nist die Poesie dem Charakter des dummen, groben und bos-\nhaften Osmin ganz angemessen. Und ich weiss wohl, dass\ndie Versart darin nicht die beste ist; doch ist sie so pas-\nsend mit meinen musicalischen Gedanken (die schon vorher\nin meinem Kopfe herum spazirten) übereingekommen, dass\nsie mir nothwendig gefallen musste; und ich wollte wetten,\ndass man bei dessen Aufführung nichts vermissen wird.\nWas die in dem Stücke selbst sich befindende Poesie be-\ntrifft, so könnte ich sie wirklich nicht verachten. Die\nArie vonßelmonte: 0 wie ängstlich, könnte fast für die\nMusik nicht besser geschrieben sein. Das II u i [das\ner in „Schnell\" veränderte] und Kummer ruht in mei-\nnem Schooss (denn der Kummer kann nicht ruhen) aus-\ngenommen, ist die Aria auch nicht schlecht, besonders der\nerste Theil; und ich weiss nicht bei einer Opera\nmuss schlechterdings die Poesie der Musik ge-\nhorsame Tochter sein.— Warum gefallen denn die\nwälschen komischen Opern überall, mit alle dem Elend,\nwas das Buch anbelangt? sogar in Paris, wovon ich selbst\nein Zeuge war? Weil da ganz die Musik herrscht, und\nman darüber Alles vergisst. Um so mehr muss ja eine\nOpera gefallen, wo der Plan des Stückes gut ausgearbeitet,\ndie Wörter aber nur bloss für die Musik geschrieben sind,\nund nicht hier und dort, einem elenden Reime zu Gefal-\nlen (die doch, bei Gott! zum Werthe einer theatralischen\nVorstellung, es mag sein, was es wolle, gar nichts beitra-\ngen, wohl aber eher Schaden bringen), Worte setzen oder\nganze Strophen, die des Componisten seine ganze Idee ver-\nderben. Verse sind wohl für die Musik das Unentbehr-\nlichste. aber Reime des Reimens wegen das Schädlichste;\ndie Herren, die so pedantisch zu Werke gehen, werden\nimmer mitsammt der Musik zu Grunde gehen. Da ist es\nam besten, wenn ein guter Componist, der das Theater\nversteht und selbst etwas anzugeben im Stande ist, und\nein gescheidter Poet, als ein wahrer Phönix, zusammen\nkommen dann darf einem vor dem Beifalle der Unwis-\nsenden auch nicht bange sein. Die Poeten kommen mir\nfast vor, wie die Trompeter mit ihren Hand werkspossen;\nwenn wir Componisten immer so getreu unseren Regeln\n(die damals, als man noch nichts Besseres wusste, ganz gut\nwaren) folgen wollten, so würden wir eben so untaugliche\nMusik, als sie untaugliche Bücheln verfertigen.\"\nZu diesem Briefe gibt Jahn folgenden Epilog, den wir\nmit Vergnügen hier ganz abdrucken, weil er den Grund-\nlext enthält, über den unsere Zeitschrift seit acht Jahren\ndenCommentar liefert. Er sagt: „Ungemein charakteristisch\nist, was er über die Stellung der Musik zur Poesie in der\nOper sagt. Ganz im Gegensatze zu Gluck, der die Musik\nder Poesie untergeordnet wissen will, verlangt Mozart, dass\ndie Poesie der Musik gehorsame Tochter sein solle. In dem\nSinne, in welchem es, wie der Zusammenhang lehrt, ge-\nmeint ist, hat er vollkommen Recht. Er verlangt, dass der\nPlan eines Stückes gut gearbeitet sei, d. h. Dass die Hand-\nlung Interesse darbiete, in den einzelnen Momenten ihres\nFortschreitens durch die naturgemässe Entwicklung der ge-\ngebenen Charaktere motivirt sei, und in diesem folgerich-\ntigen Verlaufe Situationen herbeiführe, welche für den mu-\nsicalischen Ausdruck geeignet sind. Ferner verlangt er, dass\ndie Worte bloss für die Musik geschrieben seien, d. h. Dass\ndie dichterische Fassung der Stimmungen und Gefühle,\nwelche musicalisch ausgedrückt werden sollen, den Com-\nponisten anrege, ihn trage und hebe, aber ihn in keiner\nWeise beschränke und fessele, vielmehr ihm volle Freiheit\nlasse. Wenn er diese Aeusserung zunächst auch der Be-\nschränktheit unfähiger Dichter gegenüber macht, welche\nvon gewissen handwerksmässigen Regeln und Kunstgriffen\nsich nicht losmachen konnten, so geht doch aus dem, was\ner kurz vorher sagt, deutlich hervor, dass hier etwas Tie-\nferes zu Grunde lag. Die Arie Osmin's hatte er Stephanie\nangegeben, und die Musik war der Hauptsache nach schon\nfertig, ehe dieser ein Woit von der Arie wusste; die\nWorte, welche dieser machte, passten dann so vortrefflich\nzu den musicalischen Gedanken, die schon vorher in Mo-\nzart's Kopfe herumspazirten, dass einzelne Mängel des\nsprachlichen Ausdrucks ihn nicht sehr stören konnten. Man\nsieht also, die Situation, die lebendige Vorstellung vom"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "413", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571226-01.1.5", "texte": "Charakter der handelnden Person war der eigentliche Aus-\ngangspunkt, der Impuls für die musicalische Conception,\nnicht die bestimmte Fassung durch das Wort des Dichters.\nDarin liegt hauptsächlich das Missverständniss Gluck's, dass\ner den Componisten von der bestimmten Ausführung des\nDichters durch das Wort abhängig machen wollte; und\ndass er dieses Missverständniss zum Princip machte, hat\ndem, was er richtig fühlte, in der Ausführung Schaden ge-\nthan. Es war sicherlich nur ein Missverständniss von ihm;\ndenn wenn er auch paradox genug sagte, dass er beim\nComponiren vor allen Dingen den Musiker zu vergessen\nsuche, oder wenn er den Fehler einer Composition darin\nfand, dass sie nach Musik rieche, so meinte er offenbar den\nüberlieferten Handwerks- und Formelkram, in welchen\ndie Meisten das Wesen der Kunst setzten; er wollte den\nMusiker von diesen Fesseln befreien wie Mozart dies\nebenfalls in Anspruch nimmt —, um ihn zum Dichter zu\nmachen. Allein hier trat jenes Missverständniss ein, er\nüberantwortete den Musiker dem Dichter und machte ihn\nzum öebersetzer. Dass in der Fassung durch das Wort\nebenfalls ein wesentliches Moment für die Gestaltung der\nmusicalischen Idee liegt, dass der treffende Ausdruck, der\nKlang und Rhythmus der Sprache auf den Componisten\nmächtigen Einfluss ausüben, ist klar; allein der Keim für\ndie musicalische Schöpfung liegt nicht hierin, sondern tie-\nfer, in denselben Momenten, aus welchen die Schöpfung\ndes Dichters entspringt. Damit die dichterische Gestaltung\nin der Ausführung des Einzelnen ihrem Zwecke entspreche\ndenn die Dichtung einer Oper hat den bestimmten\nZweck, dem musicalischen Ausdrucke eine entsprechende\nGrundlage und Stütze zu geben, ist daher nicht absolut\nselbstständig, wie das Drama, und muss ihre eigentümli-\nchen Normen anerkennen und zur Geltung bringen —,\nverlangte Mozart das Zusammenwirken des Musikers und\ndes Dichters. Der Musiker müsse selbst „etwas anzuge-\nben\" im Stande sein, dem Dichter seine Intentionen und\ndie im Wesen seiner Kunst begründeten Bedingungen, auf\nwelchen ihre Verwirklichung beruht, in der Weise klar\nund lebendig zu machen wissen, dass er ihn seinerseits zur\nProduction anrege; der Poet solle „gescheidt\", fähig und\ngebildet genug sein, um auf die Intentionen des Musikers\neinzugehen, und Dichter genug, um auch unter diesem\nEinflüsse selbstständig poetisch thätig zu sein. Auch hier\nhat Mozart das Richtige gesehen, ein Zusammenwirken die-\nser Art ist die sicherste Bürgschaft für eine wahrhaft be-\nfriedigende Oper; leider hat er auch darin Recht, dass ein\nsolches Zusammenwirken ein „ wahrer Phönix\" sei. Endlich\nvindicirt er in der Oper der Musik, wo sie zum Ausdruck\nder Stimmung verwandt wird, entschieden die Herrschaft.\nEr beruft sich auf das Factum, dass gute Musik die elen-\ndesten Texte vergessen lasse ein Fall, wo das Umge-\nkehrte Statt fand, dürfte kaum anzuführen sein —; es folgt\naber auch unwidersprechlich aus dem Wesen und der Na-\ntur der Musik. Schon dadurch, dass sie unmittelbar und\nmächtiger, als jede andere Kunst, die Sinne ergreift und\nganz in Anspruch nimmt, macht sie den Eindruck, welchen\n✓\ndie poetische Darstellung durch die Sprache hervorbringen\nkann, für den Augenblick zurücktreten; sie wirkt ferner\ndurch den Sinn des Gehörs in einer, wie es scheint, noch\nnicht aufgeklärten Weise unmittelbar auf die Phantasie und\ndas Gefühl mit einer erregenden Kraft ein, Weichs ebenfalls\ndie der Poesie momentan überflügelt. Das Moment aber,\nwelches die musicalische Darstellung von der Dichtkunst\nentlehnen muss, die Fähigkeit, eine scharf begränzte Vor-\nstellung hervorzurufen, welche mit dem Gefühle, das die\nMusik erregt, Eins wird und demselben eine bestimmte Be-\ndeutung gibt, welche die Musik nicht besitzt, weil sie sich\nnicht in dieser Weise an den Verstand wendet, dieses Mo-\nment, das in dem begleitenden Worte enthalten ist, kann\nhier, wie wichtig und bedeutsam es auch ist, doch nur in\nzweiter Reihe stehen.\"\n\nAus Frankfurt am Main.\n\nDen 18. December 1857.\nDer Cäcilien-Verein hat in diesem Jahre wieder,\nwie im vorigen, seine Winter-Concerte mit der H-moll-\nMesse von J. S. Bach begonnen, und zwar fiel diesmal\ndie Aufführung auf den localenßuss- und Bettag, den letz-\nten Freitag im Kirchenjahre, den 27. November, welchen\nTag der Verein als einen durch seinen Ernst besonders ge-\neigneten festzuhalten gedenkt zur Ausführung dieses ge-\nwaltigsten Werkes geistlicher Musik, wie er schon seit\neiner Reihe von Jahren Bach's Matthäus-Passion\nam Charfreitage bringt. Es ist gewiss rühmend anzuerken-\nnen, dass der Cäcilien-Verein durch Feststellung dieser bei-\nden Riesenwerke deutscher Tonschöpfung, welche die ge-\nnialste Verherrlichung des katholischen und des protestan-\ntischen Ritus bilden, das ernste Streben bekundet, das\ngrosse Gesang-Vereine beseelen soll. Bach und Händel\nmüssen den Angelpunkt der Studien und Auflührungen gros-\nser gemischter Chöre bilden. Und der Cäcilien-Verein hat\nin dieser Beziehung das Ziel erreicht, das ihm sein Grün-\nder, der unvergessliche J. N. Schelble, gesteckt, er ist"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "414", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571226-01.1.6", "texte": "in den beinahe vierzig Jahren seines Bestehens der hohen\nAufgabe stets treu geblieben. Auf seinem Repertoire stehen\nvon Händel: Alexanderfest, Judas Maccabäus, Samson,\nSemele, der hundertste Psalm, Messias, Israel in Aegyp-\nten, Saul, Josua, Jephta, Salomo, das utrechter\nEmpfindungen u. s. w., alle öfter, zum Theil 7 8 Mal\naufgeführt; von Bach die meisten, auch achtstimmigen\nMotetten, die Passion (17 Mal aufgeführt), die H-moll-\nMesse, die Cantaten: Gottes Zeit, Liebster Gott, Du Hirte\nIsrael, der Psalm 130, das Magnificat; die Cantaten: Herr,\ngehe nicht mit mir ins Gericht, und: Herr, bleib' bei uns;\ndie Missa in G-dur. Im nächsten Jahre wird dazu noch das\nerst vor Kurzem erschienene Weihnachts-Oratorium\nals drittes Hauptwerk des Meisters kommen, das schon in\ndiesem Jahre aufgelührt worden wäre, wenn nicht das Ar-\nrangement und Ausschreiben der Orchesterstimmen zu viel\nZeit und Mühe in Anspruch genommen hätte. Neben die-\nsen Fundamentalwerken sind dann natürlich auch die grös-\nseren und kleineren Vocalwerke von Mozart, J. Haydn,\nCherubini, Beethoven, Mendelssohn, Hauptmann und den\nalten Italiänern nicht vergessen und werden, soweit es mit\ndem Streben nach dem Ziele vereinbarlichist, das der Verein\nunverrückt im Auge behält, fleissig und mit Liebe gesun-\ngen. Die materiellen Mittel, Zeit und Geld, treten freilich\nauch hier oft hindernd der Ausführung entgegen, um so\nmehr, da das Orchester das des Theaters ist und daher nur\nschwer und mit grossen Opfern erlangt werden kann. Je-\ndoch muss von Allen zugestanden werden, dass der Verein\nschon Grosses geleistet hat und sich kühn neben die ersten\nin unserem Vaterlande stellen kann. Das hat denn auch die\ndiesjährige dritte Aufführung der hohen Messe Seb. Bach's\nglänzend bewiesen, und Franz Messer hat sich durch\nEinstudirung und Leitung als Meister gezeigt. Die Chöre\nwurden vollendet vorgetragen; man fühlte, dass Alle des\nungeheuren Stoffes vollständig Meister geworden waren,\nund die Masse kräftiger, langseübter Stimmen (weit über\n200 Mitglieder zählt der Verein) konnte auch materiel der\nkolossalen Aufgabe genügen, so dass bis zum Schlüsse\nnicht die geringste Ermüdung merkbar wurde. Gleich das\nKy* 'ie, das die drei ersten Nummern bildet, rauschte in ru-\nhiger Grösse dahin; das Gloria drang mit hinreissender Ge-\nwalt empor; das Credo imponirte durch seine wie aus Erz\ngegossene alte Kirchenweise. Von ausserordentlicher Wir-\nkung war das tiefsinnige Crucißxus mit dem schwungreichen\nEt resurrexit,wo der Gegensatz des ersterbenden Schmer-\nzes und der aufjauchzenden Freude vortrefflich wiederge-\ngeben wurde in dem Wechsel der Tonstärke— eineW'ir-\nkung, die sich noch steigerte in den Stellen des\nEt exspecto resurrectionem mortu u. s. w. Ein\nGlanzpunkt war dann noch das wo der mächtige\nBass in seinen Octavengängen und die graziösen Triolen-\ngänge der Oberstimme ein wunderbares Ganzes bildeten.\nAuch die Soli waren tüchtig vertreten von Frau Nissen-\nSaloman und den Sängern des Theaters Baumann und\nDettmer. Die Alt-Partie wurde, da Fräul. Diehl von Mainz\ndurch die dortige Katastrophe krank geworden war, theil-\nweise von einer tüchtigen Dilettantin übernommen; weg-\nbleiben musste nur das Duett Et in unum und das Agnus\nDei. Die nächsten Concerte des Vereins werden das Re-\nquiem von Cherubini, den Jephta Händel's und die Matthäus-\nPassion bringen.— Der Rühl'sche Gesang-Verein hat seine\nConcerte mit einer grossen Aufführung des Messias in der\nPaulskirche zum Besten der Mainzer glänzend eröffnet. Die\nAufführung war sehr gelungen und brachte eine mächtige\nWirkung hervor.\n\nW-n.\n\nAus Oldenburg.\nDen 15. Decembar 1857.\nAm 11. December hatte das zweite Abonnements-\nConcert der Hofcapelle unter Direction des Herrn\nHof-Capellmeisters Pott Statt. Das Programm brachte zu\nAnfang YVeber's Ouvertüre zu Euryanthe. Auffassung\nund Ausführung derselben verdienen das Prädicat „ausge-\nzeichnet\" bis in das kleinste Detail; indessen dürfen wir,\num gewissenhaft zu sein, nicht verschweigen, dass ein ein-\nziges Tönchen im Waldhorn, das vielleicht von nur Weni-\ngen bemerkt worden ist, nicht ganz sicher intonirt wurde.\nNach der Ouvertüre spielte Fräul. Jenny Vernet,\neine junge Französin und Schülerin von Moscheies, das Men-\ndelssohn'sche G-mo//-Concert für Pianoforte. Die junge\nDame entwickelte eine recht achtungswerthe Technik, einen\nwohlklingenden, anmuthigen Anschlag, und bekundete hin-\nsichtlich der Auffassung nicht nur ein wirklich musicalisches\nTalent, sondern auch ein deutsches Studium und deutsche\nBildung. Es war, wie wir hören, ihr erstes Debüt, was\nuns in der That in Erstaunen setzte. Das Orchester leistete\nin der Begleitung durch Zartheit und Präcision Vollendetes.\nDer Beifall, den Fräul. Vernet ärntete, war ein lebhafter\nund verdienter, und ist um so höher anzuschlagen, da wir\ndurch das meisterhafte Pianofortespiel der Frau Aloyse Pott\nhier wirklich sehr verwöhnt sind.\nEs folgte Herr Hofmusicus Ebert mit den beiden\nersten Sätzen des Romberg'schen H-moll-Concerles für"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "415", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571226-01.1.7", "texte": "Violoncell. HerrEbert spielte dasselbe mit hübschem Tone\nund besonnenem Vortrage, und fand eine beifällige Auf-\nnahme, Zum Schlüsse des ersten Theiles spielte Fräul. Ver-\nnet „Trockene Blumen\" von Schubert, für Pianoforte über-\ntragen von Liszt, und eine Etüde von Gordia. Die erstere\nNummer eignet sich nicht zum Concert-Vortrage, die zweite\njedoch ist eine dankbare Piece und gefiel allgemein.\nDen zweiten Theil füllte H. Esser's D-mo/Z-Sinfonie.\nDer erste Satz, Allegro appassionato, ist zwar fliessend ge-\nschrieben, sehr wirksam instrumentirt, aber lässt hinsicht-\nlich der Erfindung Manches zu wünschen übrig. Der zweite\nSatz, Andante quasi Allegretto,ist durchaus lieblich und\nfliessend componirt und hinterlässt einen wohlthuenden Ein-\ndruck. Das Scherzo, ein Allegro vivace, ist frisch und voll\nLeben und sehr wirksam. Die Flöte ist in diesem Satze\nmit Vorliebe und sehr glücklich vom Componisten bedacht\nund wurde vortrefflich geblasen. Das Finale,\nhat etwas Unruhiges, und diese Unruhe wurde durch ein\nhäufiges Eilen in den ersten Geigen und den Bässen noch\ngesteigert. Uebrigens würde durch eine Mässigung im Tempo\ndas Finale gewinnen. Am besten gingen die beiden Miltel-\nsätze. Frei von Anklängen, namentlich im ersten Salze an\nSchubert und im letzten an Beethoven, ist das Werk nicht,\naber dennoch eine erfreuliche Bereicherung für diese Kunst-\ngattung. Einen angenehmen und überraschenden Eindruck\nmachte auf uns gegen Schluss des Finale das zarte Erklin-\ngen der ersten Tacte des Haupt-Thema's vom ersten Satze.\n„2\n\nAus Wien.\nC. D.\njConcert von Anton Rubinstein Zweite Quartett-Soiree.]\nHerr Rubinstein hat in seinem ersten Concerte nur eigene Com-\npositionen zum Vortrage gewählt. Sollte man nicht meinen, er habe\ndamit am nachdrücklichsten aussprechen wollen, dass er an erster\nStelle als Componist beurtheilt und anerkannt sein wolle? Wir sind\nüber seine Absicht im Unklaren. Wollte Herr Rubinstein sich als\nComponist zur Geltung bringen, so verdenken wir es ihm gar nicht,\nwenn er ausschliesslich eigene Compositionen zum Vortrag wählte;\naber dann musste er wahrlich andere Sachen wählen. Er hat so\nmanches geschrieben, dem man einen nicht unbeträchtlichen, wenig-\nstens relativen Werth nicht bestreiten kann, Sachen, die wenigstens\nohne allen Vergleich besser sind als die, welche er uns diesmal vor-\nführte. Setzt ihn aber der Ehrgeiz in Bewegung, als ausübender\nKünstler wir sagen „Künstler1' Lorbern zu pflücken, dann\nwar sein Programm ein noch verwerflicheres. Von dem Künstler for-\ndern wir, dass er immer nur die Sache, d. h. die Kunst, im Auge\nhabe, dass sein persönliches Interesse in dieser ganz aufgehe, dass\ner es also nur in so weit und in dem Grade verfolge, als er sich\nden hohen, reinen Kunstforderungen in seinen Leistungen näher oder\nentfernter fühlt. Wäre es aber nicht ein schönerer Ehrgeiz gewesen,\nwenn sich Herr Rubinstein davon entbrannt gezeigt hätte, wenig\noder gar nicht gekannte, bedeutende, ältere oder neuere Werke der\nso überreichen Pianoforte-Literatur zur Geltung zu bringen und in\ndem Triumphe der Sache den herrlichsten eigenen Triumph zu su-\nchen, statt dass er mit den nichtssagendsten eigenen Schein-Produc-\nten das gesammte Publicum langweilte und höchstens bewies, was\nschon Jedermann wusste, dass er eine ganz ausserordentliche Bra-\nvour besitzt und ein Piano hervorzubringen versteht, das schon auf\nder dritten Bank des Parterres kaum zu vernehmen war. ein Beweis,\nder aus den Meisterwerken unserer Literatur eben so gründlich und\nim Verein mit noch viel höheren Aufgaben geführt werden konnte.\nHerr Rubinstein spielte ein neues Trio in B-dur, eine mit Aus-\nnahme des ingeniös erfundenen, originellen Scherzo und einzelner\ngeistreicher Züge im Finale durchaus unbedeutende Arbeit, in wel-\ncher ein Wirbelwind von Passagen den geringen Gedankenkern verdun-\nkelt und ein gewisser äusserer Kraft-Aufwand die Stelle innerer\nEnergie vertritt. Es ist dieses Trio nicht von fern mit den beiden\nfrüheren, namentlich mit jenem in F, zu vergleichen. Die „zwei Me-\nlodieen\", welche dann folgten, sind von der Art, wie sie zu Milliar-\nden in der Welt umherkugeln; das „Capriccio\" und die „Polonaise\",\nwelche übrigens gar keine Polonaise ist, sind ein sinn- und ge-\nschmackloses Auf- und Niederrasen auf der Tastatur des Instrumen-\ntes. Endlich hörten wir noch ein Präludium und eine Fuge. Das\nPräludium ist ein geistreiches Stück voll schöner harmonischer Com-\nbinationen, wurde aber durch ein kaum zu begreifendes Ueberjagen\ndes lempos gänzlich entstellt; die Fuge aber ist keine Fuge, da der\nmehrmalige Stimmen-Eintritt eines contrapunktisch angelegten The-\nma s ein Fonstück, das sonst ganz und gar sich ausserhalb der\nGränzen dieser Form bewegt und abgesehen davon geistreiche Ein-\nzelheiten enthält, noch nicht zur Fuge stempeln.\nDass Herr Kübinstein ein eminenter Virtuose ist, hat er auch\ndiesmal glänzend genug bewiesen, aber auch an dem ausübenden\nKünstler möchten wir Gelegenheit erhalten, mehr zu bewundern als\ndie siegreiche Ueberwindung der grössten und überflüssigsten Schwie-\nrigkeiten, die virtuose Vollendung des Pianissimo und Fortissimo\ndurch alle Grad-Unterschiede hindurch.\nDie zweite Hellmesberger'sche Quartett-Soiree brachte als Novi-\ntät ein Manuscript-Quartett von Sei mar Bagge, einem Compo-\nnisten, den wir längst als einen äusserst gebildeten Musiker kennen\nund schätzen. Dieses Quartett konnte auch unsere Achtung für ihn\ndurchaus nur erhöhen. Es ist eine höchst respectable Leistung, eine\ndurchaus interessante Arbeit, die zunächst von der eminenten Bil-\ndung ihres Autors das ehrenwertheste Zeugniss ablegt. Zwar leuchtet\ndas \"V orbild Beethoven's etwas zu marcant hindurch, und namentlich\nder erste Satz erinnert in den Motiven, in der ganzen Anlage und\nbis in Einzelheiten hinein an das Rasumovski'sche\nwie das Adagio vielfach an Schumann erinnert; aber selbst in dem\nausserordentlichen Geschick der Nachahmung bekundet sich das aus-\ngezeichnete Talent, der feine Sinn des Autors. Am freiesten, selbst-\nständigsten entwickeln sich jedenfalls die beiden letzten Sätze; sie\nsind voll Leben und Bewegung, voll der interessantesten Details.\nDie contrapunktische Gewandtheit, die harmonische Feinsinnigkeit des\nAutors sind höchst anerkennenswerth. Zwar glauben wir in dieser\nArbeit überwiegend ein Werk der reifen Bildung erkennen zu müs-\nsen, die mit begabtem Forscherblick, mit emsiger Beharrlichkeit, mit\nZusammenfassung des besten Wollens und Vermögens dem Edelsten\nund Bedeutendsten zustrebte; aber unter allen Umständen gebührt\nder talentvollen, mit dem sorgfältigsten Fleisse ausgeführten Arbeit\neine ehrenvolle Stellung in der neueren Quartett-Literatur, und dass\nes nach der auszeichnenden Aufnahme, welche es fand, nicht lange\neines Verlegers werde harren dürfen, wünschen und erwarten wir.\nWir hatten vor Jahren auch eine Sinfonie dieses Componisten ken-\nnen zu lernen Gelegenheit, welche das Licht der Oeffentlichkeit zu\nerblicken nicht minder würdig wäre, als dieses Quartett. Die Auf-\nführung des namentlich im rhythmischen Theile äusserst schwierigen\nWerkes war eine bewundernswerthe und trug das Ihrige zu dessen\nwarmer Aufnahme bei."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "416", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18571226-01.1.8", "texte": "Drittes Gesellschafts-Concert in Köln\nim Hauptsaale des Gürzenich.\nDen 22. December 1857.\nProgramm: Erster Theil: 1) Sinfonie in C von W. A. Mozart;\n2) Recitativ und Arie der Juno aus „Semele\" von Gr. F. Händel\n(Fräul. Jenny Meyer); 3) Ave verum für Chor und Saiten-Instru-\nmente von W. A. Mozart; 4) Arie „Dove sono i bei momenti\" aus\nFigaro's Hochzeit von W. A. Mozart (Fräul. Eemond); 5) Zwei-\ntes Concert in F-moll für Pianoforte und Orchester von F. Chopin\n(Herr Ferd. Breunung); 6) Arie „Qual piacer\" aus der Italiänerin\nin Algier von Rossini (Fräul. Jenny Meyer). — Zweiter Theil:\nOuvertüre und Introduction aus der Oper Wilhelm Teil von\nRossini.\nDie Sinfonie mit dem fugirten Schlusssatze wurde recht gut aas-\ngeführt; die Tempi der zwei erstenSätze schienen uns fast zu lang-\nsam, wiewohl dies freilich dem Herabjagen bei Weitem vorzuziehen\nist. Fräul. Jenny Meyer aus Berlin, welche ihr Schwager und\nLehrer, Herr Musik-Director Julius Stern, hieher begleitet hatte, be-\nsitzt eine der mächtigsten Mezzo-Sopranstimmen, die wir je gehört,\nund diese Stimme ist bereits so trefflich gebildet, dass man nicht\nnur an dem Instrumente, sondern auch an der Behandlung desselben\nseine Freude hat. Die Coloratur in der Rossini'schen Arie zeigte eine\ntechnische Fertigkeit, welche in der mittleren Ton-Region nur selten\nin solchem Grade gefunden wird. Im Recitativ, besonders dem Hän-\ndersclicn, wirkte die Stimme am meisten; Fräul. Meyer würde als\nOratorien-Sängerin in Englaud sehr an ihrem Platze sein. In Deutsch-\nland wird man ihrem Vortrage mehr Farbe des Ausdrucks und Wärme\ndes Gefühls wünschen, um ganz hinzureissen. Sie wurde stark ap-\nplaudirt und gerufen.\nEin Glanzpunkt des ersten Theiles war der Vortrag des F-moll-\nConcertes von Chopin durch Herrn Ferdinand Breunung. Ueber\ndas meisterhatte Spiel desselben müssten wir nur wiederholen, was\nwir in Nr. 46 dieser Zeitung über den Vortrag desselben Concertes\nin Bonn gesagt haben. Herr Breunung wurde gleich bei seinem Auf-\ntreten vom Publicum mit Applaus empfangen und am Schlüsse ge-\nrufen. Am vorzüglichsten gelang ihm der letzte Satz, den er mit\neiner glänzenden Virtuosität, aber ohne auf dieselbe nur den gering-\nsten persönlichen Accent zu legen, durchführte.\nDie Ouvertüre zu Wilhelm Teil wurde besonders im Allegro mit\ngrossem Schwung ausgeführt, und die prachtvolle Musik der Intro-\nduction trat bei der vollen Besetzung des Chors und den frischen,\nnicht theatermässig abgesungenen Stimmen desselben mit schlagen-\nder Wirkung hervor. Wie weit lässt diese Musik alles Gemachte\nder neueren Zeit, namentlich der Meyerbeer'schen Effecte, hinter\nsich! Es gibt drei Namen auf ini, vor denen jeder, der Musik nicht\nfür die Augen, sondern für Ohr und Herz haben will, den gehörigen\nRespect hegt: Cherubini, Spontini, Rossini. Um so zu schreiben, wie\ndiese Italiäner, dazu gehört Genie; alle Ifunst der Mache hilft nichts\ndazu. Die Soli bilde-en durch die Damen Remond und Meyer und\ndie Herren Göbbels, Greven, DuMont-Fier und Schiffer ein schönes\nEnsemble; in den Stellen des Einzelgesanges konnten die Tenoristen\nfreilich nicht mit den Stimmen und dem Vortrage der Herren Du-\nMont und Schiffer gleichen Schritt halten.\nDas Publicum nahm das Ganze mit dem lebhaftesten Beifalle\nauf; trotz der Vorbereitungen zu den Weihnachtstagen war der Saal\nganz und gar gefüllt.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nEJü#e£flesi? 19. December. Julius Otto hat sein Lehramt in\nder Theor.'e der Musik am Conservatorium zu Dresden freiwillig auf-\ngegeben und ist eben so aus dem Directorium desselben getreten.\nBrennen, 16. December. Im vierten „Privat-Concert\" hörten\nwir gestern von Orchestersachen Mozart's Sinfonie in C mit der Fuge,\nGade's Ouyerture ~Im Hochland\", zum ersten Male, und Beetho-\nven\\s Leonoren-Ouverture Nr. 3. Frau Sophie Förster aus Dres-\nden trug die erste Sopran-Arie aus Haydn's Schöpfung und eine Arie\naus Rossini's Cenercntola vor. Herr Louis Brassin aus Leipzig\nspielte das schöne G-moll-Concert für Piano von J. Moscheies, das\nman leider von unseren jetzigen Virtuosen so selten zu hören be-\nkommt, im zweiten Theile eine Serenade von seiner Composition\nund das Liszt'sche Arrangement von Mendelssohn's Hochzeitsmarsch\nund Elfenreigen aus dem Sommernachtstraum. Er ärntete grossen\nBeifall durch seine trefflichen Leistungen.\nAm 18. d. Mts. hatten wir hier unter der Lei-\ntung des Herrn Verhülst eine in jeder Hinsicht sehr gelungene\nAufführung von F. Hiller's Oratorium „Die Zerstörung von Jeru-\nsalem\", welche die Abtheilung Rotterdam von der niederländischen\nGesellschaft zur Beförderung der Tonkunst veranstaltet hatte. Das\nvortreffliche Werk srhlug so durch bei unserem musicalischen Pu-\nblicum, dass in allen Kreisen noch immer von nichts Anderem die\nRede ist, als von dem mächtigen Eindrucke dieser grossartigen Com-\nposition, welche man hier noch nicht mit vollem Orchester, mit so\nvorzüglichor Besetzung der Soli und so trefflich einstudirten Chören\ngehört hatte. Namentlich trug die imposante Durchführung der Haupt-\nPartie des Jeremias durch Herrn Schiffer aus Köln ganz vor-\nzüglich zum Erfolg des Ganzen bei; seine volle Stimme und der\nkräftige, aus tiefem Gefühl strömende Vortrag rissen das Publicum\nzu rauschendem Applaus hin.\nAmsterdam, 23. December. Im fünften Concert von Felix\nMeritis erhielt Herr Louis Brassin aus Leipzig durch den Vor-\ntrag des Concertes für Piano in D-moll von F. Mendelssohn und\neiniger Salonstücke lebhaften Beifall. —Fräul. Catharina Deutz\naus Köln hat in zwei Concerten hinter einander in Felix Meritis\ngesungen und durch die Frische und den Wohllaut ihrer umfang-\nreichen Sopranstimme Aufsehen erregt. Wir werden von ihr am 30.\nd. Mts. auch die Partie der „Mirjam\" in C. Rheinthaler's Ora-\ntorium „Jephta und seine Tochter\" hören. Der berühmte Componist\nwird die Aufführung selbst dirigiren und ist dem Vernehmen nach\nbereits gestern hier angekommen, um die letzten Proben der Chöre\npersönlich zu leiten."}]}