{"numero_id": "bm-bmtnabi-1858-01-02-01", "volume": "bmtnabi_1858-01-02_01", "ocr_sha256": "6dcaf616734a933b595a271e084da4826066578b0851bd18743ba73cb73364d8", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1858/01/02_01/bmtnabi_1858-01-02_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580102-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1858-01-02-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-01-02_01#c001", "volume": "bmtnabi_1858-01-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "1", "page_fin": "1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580102-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580102-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 445, "texte": "Inhalt.\nW. A. Mozart. Von Otto Jahn. Dritter Theil. 11. Von L. B. Pariser Briefe (Opernmusterung Le roi Don\nPedre von Poize Nicolo's Jeannot et Colin Clapisson's „Margot\" —A. Thomas1 Carneval de Venise). Von B. P. Tages- und\nUnterhaltungsblatt (Köln, 111. Soiree für Kammermusik, Graf von Redern, Militär-Concert Barmen, Concert Karlsruhe, Cäci-\nlien-Verein Wiener Monatsschrift für Theater und Musik New-York, Erstes Auftreten von Karl Formes)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-01-02-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-01-02_01#c002", "volume": "bmtnabi_1858-01-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "1", "page_fin": "5", "image_debut": 1, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580102-01.2.2", "titre_corps": "W. A. 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Eben so nachdrücklich weis't er aber\nauch die Verunglimpfungen und Verleumdungen zurück,\ndenen sein sittlicher Wandel sowohl während seines\nLebens als auch nach seinem Tode bis auf diesen Augen-\nblick ausgesetzt gewesen ist.\nBei aller Hochachtung vor der strengen Gewissenhaf-\ntigkeit des Verfassers scheint es uns doch, als wenn er in\nbeider Hinsicht zu weit gehe, indem er im ersten Falle\nmanche Blüthe, die doch wohl wirklich aufgebrochen war,\nals künstlich gemachte abstreift, im zweiten die Schwächen\nMozart's, die selbst nach Jahn's Erzählung keinen Men-\nschen, der das Leben, und vollends das Künstlerleben,\nkennt, über gewisse Punkte im Dunkeln lassen werden, zu\numständlich und mitunter sogar etwas sophistisch zu ent-\nschuldigen sucht, z. B. wenn darin, dass man Mozart „nie\nberauscht\" gesehen, und dass er einer „wüsten Völlerei\"\nnicht fähig gewesen, eine Entkräftung des Vorwurfs des\nzu häufigen Genusses geistiger Getränke liegen soll. Wenn\nJahn sagt (S. 177): „Man hat theils die Zeitgenossen Mo-\nzart's beschuldigt, dass sie ihn auf unwürdige Weise ha-\nben darben und verkommen lassen, theils ihm selbst vor-\ngeworfen, dass er durch Leichtsinn und Verschwendung\nseine äussere Existenz zerrüttet habe; Beides ist übertrie-\nben und in dieser Auffassung unrichtig\", so hebt die\nNachweisung seiner Einnahmen (wenigstens während der\nersten Jahre in Wien) einen grossen Theil der Schuld der\nZeitgenossen allerdings auf; aber die Schilderung der\nWirthschaft im Hause und mancher Liebhabereien bestä-\ntigt mehr den Vorwurf wenigstens eines unverantwortlichen\nLeichtsinnes von Mozart's Seite, als dass sie ihn entkräftet.\nEben so wenig möchten wir auf der anderen Seite die\nTradition für irrthümlich erklären, dass die Liebe zu Con-\nstanze Weber Einlluss auf Tiefe und Wahrheit im Aus-\ndruck der Liebe in Mozart's Musik, namentlich in der"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580102-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5321, "texte": "„ Entführung\", welche er während des Brautstandes schrieb,\ngehabt habe. Allerdings hatte Mozart in dieser ganzen Zeit\nmit Schwierigkeiten und Widerwärtigkeiten zu kämpfen.\nWenn aber Jahn meint, „man müsse sich vielmehr wun-\ndern, wie er unter solchen Umständen überhaupt compo-\nniren konnte, und die Entführung wird ein glänzender Be-\nweis, wie die Kraft, zu schaffen, den Künstler von dem\nDruck des wirklichen Lebens frei macht und ihn in die\nRegion des Schönen erhebt, in welcher das wahre Kunst-\nwerk geboren wird\", -so hat er vergessen, dass die\nwahre Liebe für diese Befreiung und Erhebung eben so\nmächtig wirkt und desshalb jene Kraft des Schaffens mo-\nmentan erhöht.\nIm Uebrigen unterschreiben wir vollständig, wenn\nJahn in Bezug auf die Verdächtigungen Mozart's sagt, dass\nman bedenken müsse, wie unbedachtsam und ohne alle\nRücksicht auf den Schein er sich gehen liess, und wie\nnicht allein die Gemeinheit, die sich freut, grosse Naturen\nzu sich herabzuziehen, sondern auch Eifersucht und Hand-\nwerksneid gellissentlich seinen Ruf vergifteten (S. 174),\nund stimmen von ganzem Herzen in die Schlussworte des\nbetreffenden Abschnittes ein: „Solche Makel hat der Tod\ngesühnt; die Entstellungen hämischer Neider und kleinli-\ncher Splitterrichter haften nicht an dem, was unsterblich\njst.\" (S. 253.)\nMozart verheirathetc sich mit Constanze Weber am\n1. August 1782. Allein die Hoffnun gen auf eine feste und\ngesicherte Stellung schlugen fehl. Der Zerfall der deut-\nschen Oper hinderte ihn, auf dem Wege fortzuschreiten,\nwelchen er mit der Entführung betreten hatte; es wurde\nwieder eine italiänische Oper berufen, und sie fand gros-\nsen Beifall. Auch der Kaiser Joseph war für die italiäni-\nsche Musik sehr eingenommen; doch vergass er Mozart\nnicht und trug ihm im Jahre 1786 die Composition des\n„Schauspiel-Director\" und des „Figaro\" auf. Eine feste\nAnstellung erfolgte trotzdem nicht, und Mozart dachte\nernstlich daran, Wien zu verlassen und nach England zu\ngehen. Der Vater war dagegen; das Gerücht davon hatte\nsich aber in ien verbreitet und wurde Veranlassung,\ndass ihn der Kaiser am 7. December 1787 zu seinem\nKammermusicus mit 800 Fl. Gehalt ernannte. Gluck, der\nam 15. November desselben Jahres gestorben war, hatte\n2000 Fl. gehabt. Dass Mozart's Gehalt gerade für seine\nHausmielhe ausgereicht, was Rochlitz neben manchen an-\nderen Unrichtigkeiten in die Welt geschickt hat, ist falsch;\ner zahlte damals 400 Fl., was freilich auch schon\nzu viel war, wesshalb er auch bald darauf eine billigere\nWohnung bezog.\nDie letzten Jahre des Kaisers Joseph waren bekannt-\nlich von schweren Sorgen verdüstert; seine Theilnahme\nfür die Kunst trat in den Hintergrund, und mit ihr die\nSorge für die Verbesserung von Mozart's Stellung. Dieser\ngelierte übrigens zu denjenigen Menschen, die es ganz und\ngar nicht verstehen, sich geltend zu machen, sich in Erin-\nnerung zu bringen, oder auch nur die Gelegenheiten zu\nihrem Vortheil zu benutzen. Rührend ist sein Benehmen\nbei dem edeln Anerbieten Friedrich Wilhelm's 11., der ihm\n1789 in Berlin eine Capellmeister-Stelle mit 3000 Thlrn.\nGehalt antrug. Nachdenklich und gerührt erwiderte Mo-\nzart: „Soll ich meinen guten Kaiser ganz verlassen?\" Der\nKönig hiess ihn den Vorschlag in nähere Ueberlegung neh-\nmen und versprach, auch wenn Mozart erst nach Jahr und\nTag kommen wolle, werde sein Anerbieten in voller Kraft\nbleiben. Als er darauf nach Wien zurückkehrte, fiel es ihm\nAnfangs gar nicht ein, von diesem Antrage auch nur Er-\nwähnung zu thun; durch das Zureden seiner Freunde liess\ner sich endlich bewegen, dem Kaiser den Stand seiner An-\ngelegenheiten vorzutragen, und dass ihm nichts übrig\nbleibe, als um seine Entlassung zu bitten. Unangenehm\nüberrascht, fragte Joseph: „Wie! Sie wollen mich verlas-\nsen, Mozart?\" Da antwortete dieser gerührt: „Ew. Maje-\nstät! ich empfehle mich zu Gnaden, ich bleibe.\" Und als\nein Freund, dem er diesen Vorgang erzählte, ihn fragte,\nob er denn die Gelegenheit auch benutzt habe, um sich\neine entsprechende Entschädigung auszubedingen, rief er\nunwillig aus: „Der Teufel denke in solcher Stunde daran!\"\nDer Kaiser trug ihm nun zwar Ende 1789 auf, die\nOper Cos'i fan tuttezu schreiben; allein er starb bald dar-\nan! !*2O. Februar 1790), und Mozart's Lage blieb die-\nselbe. Leopold 11. that nichts für ihn; erst nach Mozart's\nTode bezahlte er dessen Schulden mit 3000 Gulden. So\nsah sich denn der grösste Musiker aller Zeiten genöthigt,\nden Magistrat von Wien zu bitten, „ihn dem alten Dom-\nCapeilmeister Hofmann unentgeltlich zu adjungi-\nren\"! Der Magistrat nahm das Gesuch an, unter der Be-\ndingung, „dass Mozart dem Capellmeister im Dienste un-\nentgeltlich an die Hand gehe, ihn ordentlich supplire, wenn\ner selbst nicht erscheinen könne, und bei Erledigung der\nStelle sich mit dem Gehalt und allem, was der Magistrat\nfür gut finden wird, zu verordnen, begnüge\" (d. d. den\n9. Mai 1791;. Aber der alte Mann überlebte seinen\nAdjunctus!\nSo war also Mozart auf Unterricht, Concerte und\nCompositionen zur Vermehrung seiner kargen Einnahme\nangewiesen, ja, bis 1787 waren dies die einzigen Quellen\nfür die Bestreitung seines Haushaltes.\nDer Unterricht brachte ihm wenig ein. Obwohl als\nClavierspieler in Wien bekannt und hochgerühmt, gehörte\ner doch nie zu den gesuchten und gut bezahlten Musik-\nlehrern. Er war nicht dazu gemacht: „es fehlte ihm an"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580102-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4939, "texte": "Betriebsamkeit und Fügsamkeit, vielleicht auch an Stetig-\nkeit und Regelmässigkeit.\"\nBesser ging es ihm mit dem Concertgeben. Der aus-\nserordentliche Beifall, den er bei seinem ersten Auftreten\nals Clavierspieler in Wien gefunden hatte, blieb ihm viele\nJahre lang unverändert. Seine Concerte in der Fastenzeit\nverschafften ihm bis 1788 —B9 sehr gute Einnahmen.\nDer Abschnitt, der in Jahn's Buche davon handelt (S. 199\n—215), gehört zu den anziehendsten und reisst den Leser\nwenigstens auf einige Augenblicke aus der trüben und\nwehmüthigen Stimmung, welche die Schilderung von Mo-\nzart's äusseren Lebens-Verhältnissen sonst erzeugt. Wir\ntheilen unseren Lesern Einiges daraus mit.\n„Entschieden war der Erfolg, den Mozart in den Con-\ncerten der Fastenzeit 1783 errang. Vor seiner Akademie\nunterstützte er seine Schwägerin AI. Lange in einem Con-\ncerte, welches sie am 11. März im Theater gab, auf das\nkräftigste. Er liess seine pariser Sinfonie vom\nspirituel aufführen, dann sang sie jene in Mannheim für\nsie componirte Arie Non so cl—was für Erin-\nnerungen mögen dabei in ihm wach geworden sein! „ „Gluck\nhatte die Loge neben der Langischen,\"\" berichtet er dem\nVater (12. März 1783), „„worin auch meine Frau war;\ner konnte die Sinfonie und dieAria nicht genug loben und\nlud uns auf künftigen Sonntag alle zum Speisen ein.\"\" Aus-\nserdem spielte er selbst ein Concert seiner eigenen Com-\nposition. „ „Das Theater war sehr voll, und ich wurde auf\neine so schöne Art von dem hiesigen Publicum wieder em-\npfangen, dass ich ein wahres Vergnügen darüber haben\nmuss.—Ich war schon weg; man hörte aber nicht auf zu\nklatschen, und ich musste das Rondeau repetiren—es war\nein ordentlicher Platzregen.\"\" Daher waren denn auch in\nseiner eigenen Akademie am 22. März alle Logen besetzt,\nund das Theater „konnte nicht voller sein.\" Er theilt sei-\nnem Vater das Programm dieses Concertes mit. Es wur-\nden aufgeführt:\n1) Die neue Hafner-Sinfonie, welche im Sommer\nvorher für die Hafner'sche Familie in Salzburg\ncomponirt war.\n2) Arie aus Idomeneo Se il padre perdei, gesungen\nvon Mad. Lange.\n3) Das dritte Subscriptions-Concert, damals eben her-\nausgegeben, in C-dur (Nr. 5 der Breitkopf & Här-\nterschen Sammlung).\n4) Die Seena für die Baumgarten, gesungen von\nAdamberger.\n5) Die kleine Concertant-Sinfonie der letzten Final-\nmusik.\n6) Das hier beliebte Concert\n7) Seena Parto, m'affretto aus der letzten mailänder\nOper [Lucio Silla 16), gesungen von Mademoiselle\nTeyber.\n8) Freie Phantasie von Mozart, die er, „ „weil der Kay -\nser da war\"\" ,mit einer kleinen Fuge anfing, darauf\nvariirte er eine Arie aus der Oper „ „Die Philoso-\nphen\" \" von Paisicllo,und als er durch den rauschen-\nden Beifall genöthigt wurde, noch einmal zu spielen,\nwählte er die Arie „ „Unser dummer Pöbel meint\" \"\naus Gluck's Pilgrimme von Mekka zum Thema sei-\nner Variationen.\n9) Ein neues Rondeau (Mia speranza adorata), com-\nponirt für Mad. Lange, welche dasselbe sang.\n10) Das letzte Stück der ersten Sinfonie.\nMan sieht, die Anforderungen an das, was ein Con-\ncertgeber zu leisten hatte, waren andere, als die jetzt ge-\nwöhnlichen, und das Publicum hatte auch am Zuhören\nmehr Lust. „ ..DasLiebste war mir,\"\" berichtet Mozart dem\nVater (29. März 1783), „ „dass Se. Majestät der Kayser\nauch zugegen war, und wie vergnügt er war, und was für\nlauten Bevfall er mir gegeben. Es ist schon bey ihm ge-\nwöhnlich, dass er das Geld, bevor er ins Theater kommt,\nzur Casse schickt (25 Ducaten), sonst hätte ich mir mit\nallem Recht mehr versprechen dürfen, denn seine Zufrie-\ndenheitwar ohne Gränzen.\"\" Auch so konnte er mit seiner\nEinnahme zufrieden sein, welche in einem gleichzeitigen\nBerichte auf 1600 Fl. geschätzt wird.\n„Etwas später spielte Mozart noch in der Akademie der\nMlle. Teyber ein Concert. Auch damals sollte er das Ron-\ndeau repetiren, er liess aber, als er sich wieder an den\nFlügel hinsetzte, das Pult wegnehmen, um frei zu spielen ;\n„ „diese kleine Surprise erfreute das Publicum ausserordent-\nlich, man klatschte, rief Bravo, Bravissimo.\"\" Der Kaiser\nging auch aus diesem Concerte erst fort, nachdem er ihn\nganz ausgehert hatte. So berichtet Mozart sehr erfreut sei-\nnem Vater (12. April 1783).\n„In der Fastenzeit des Jahres 1784 gab er ausser einer\nAkademie im Theater noch drei Subscriptions-Concerte.\nDie Liste seiner Subscribenten, welche er dem Vater mit-\ntheilte, zählte 174 Namen. Auf dieser stattlichen Liste fin-\nden sich nicht nur die Namen von Mozart's bekannten Gön-\nnern, Gräfin Thun, Baronin Waldstädten, Graf Zichy,\nvan Swieten, sondern der Herzog von Würtemberg,\nPrinz von Mecklenburg, die Fürsten C. Liechten-\nstein, Auersperg, Kaunitz, Lychnowski, Lobko-\nwitz, Paar, Palm, Schwarzenberg sind aufgezeich-\nnet, ferner die berühmten Familien Batthiany, Diet-\nrichstein, Erdödy, Esterhazv, Harrach, Herber-\nstein, Keglewicz, Nostiz, Palfy, Schafgotsch,\nStahremberg, Waldstein und andere sind in ihren\nverschiedenen Zweigen vertreten, die Gesandten von Russ-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580102-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5456, "texte": "Land, Spanien, Sardinien, Holland, Dänemark, die ange-\nsehensten Familien der Finanz, Fries, Hönikstein,\nAr en feld, Bienenfe Id,P 1 o y er, Wetz 1 ar, hohe Staats-\nbeamte und Gelehrte wie Isdenczy, Bedekovich, Ne-\nverv, Braun, Greiner, Keess, Puffendorf, Born,\nMartini, Sonnenfels in Wahrheit die erlesenste Ge-\nsellschaft Wiens.\n„Daneben gab er nun aber auch zwei Akademieen im\nTheater, die ebenfalls sehr günstig ausfielen. Er hatte für\ndiese Akademieen zwei grosse Concerte geschrieben und\ndas Quintett für Pianoforte und Blas-Instrumente, welches\nausserordentlichen Beifall erhielt. „ „Ich selbst'- \", fügt er\nhinzu, „ „halte es für das Beste, was ich noch in meinem\nLeben geschrieben habe. Ich wollte wünschen, Sie hätten\nes hören können! Und wie schön es aufgeführt wurde!\nUebrigens bin ich, die Wahrheit zu gestehen, gegen das\nEnde hin müde geworden von lauter Spielen, und es macht\nmir keine geringe Ehre,dass es meine Zuhörer nie wurden.\"\"\n„Im folgenden Jahre war Leopold Mozart Zeuge von den\nTriumphen seines Sohnes, den er in Wien besuchte. Der\nVater richtete sich so ein, dass er zu dem ersten dieser Con-\ncerte, welche mit mehr als 150 Abonnenten auf der Mehl-\ngrube gegeben wurden und deren Subscriptionspreis 3 Du-\ncaten betrug, in Wien war. Auch die zweite Akademie\n„ „war herrlich\"\" ,und als Wolfgang eine Akademie zu sei-\nnem Vortheil im Theater gab, machte er 559 Fl. „ „Ich\nwar\"\", schreibt der Vater, „„ in einer so guten Loge, dass ich\ndas Vergnügen hatte, alle Abwechslung der Instrumente so\nvortrefflich zu hören, dass mir die Thränen in die Augen\nkamen. Als Dein Bruder wegging, machte ihm der Kaiser\nmit dem Hute in der Hand ein Compliment und rief: Bravo,\nMozart! Beim Herauskommen zum Spiel war ihm ohnehin\nzugeklatscht worden.\"\"\n„Für die Fasten 1786 hatte Mozart, wie er seinem Va-\nter schrieb, drei Subscriptions-Akademieen mit 120 Sub-\nscribenten zu Stande gebracht; in einem derselben spielte\ner das neue Concert in C-moll, dessen Andante er repetiren\nmusste. In der Adventszeit desselben Jahres gab er auf dem\nCasino vier Akademieen und reis'te im Januar des folgen-\nden Jahres nach Prag, wo der Componist des Figaro mit\nEnthusiasmus aufgenommen wurde. Er liess sich auf allge-\nmeines Verlangen in einer grossen musicalischen Akademie\nim Opern-Theater auf dem Theater hören, das gedrängt\nvoll war; der Beifall wollte nicht enden, als Mozart zum\nSchlüsse des Concertes frei phantasirte; drei Mal wurde er\nwieder ans Ciavier gerufen, und ein zweites Concert hatte\ndenselben glänzenden Erfolg. Die Sängerin Storace erzählte\nLeopold Mozart, dass sein Sohn in Prag 1000 Fl. gewon-\nnen habe.\n„Wenn auch der Buhm und die Einnahme dieser Con-\ncerte den Belohnungen nicht gleich kamen, welche schon\ndamals Sängern und Sängerinnen von Buf zu Theil wurden,\nso wäre es doch ungerecht, zn behaupten, dass Mozart von\ndem Publicum jener Zeit nicht gebührend anerkannt, und\ndass diese Anerkennung nicht auch in klingender Münze\nausgesprochen wäre. Bei einem Vergleich mit den beispiel-\nlosen Virtuosen-Erfolgen neuerer Zeiten darf man nicht\nübersehen, dass das musicalische Publicum, auch dasjenige,\nwelches Concerte besucht, eine ungeheure Ausdehnung ge-\ngen jene Zeit gewonnen hat, wo auch dieser Kunstgenuss\nwesentlich noch ein Vorrecht der höheren Stände, der vor-\nnehmen und reichen Leute war. Während des Winters und\nnamentlich in der Fastenzeit spielte in den grossen Gesell-\nschaften des Adels und des reichen Bürgerstandes, der es\ndemselben nachzuthun suchte, die Musik eine Hauptrolle,\nund diese musicalischen Aufführungen hatten einen Umfang\nund eine Bedeutung, wie jetzt etwa die Hof-Concerte. Bei\ndem Beifalle, welchen Mozart als Ciavierspieler fand, konnte\nes nicht ausbleiben, dass er für die Akademieen der vorneh-\nmen Welt gesucht wurde. Bereits im Winter 1782 war er\nbeim Fürsten Gallizin auf alle Concerte engagirt; im näch-\nsten Winter spielte er regelmässig bei demselben, bei Graf\nJohann Esterhazy, bei Graf Zichy und Anderen. Als der\nVater im Jahre 1785 in Wien war, schrieb er seiner Toch-\nter, dass der Flügel Wolfgang's vom 11. Februar bis 12.\nMärz „ „wohl zwölf Mal ins Theater oder zum Fürsten Kau-\nnitz, Grafen Zichy u. s. w. getragen worden sei.\"\" In wel-\ncher Weise Mozart für diese Theilnahme an Privat-Con-\ncerten honorirt worden sei, darüber liegt nichts vor. Im All-\ngemeinen aber galt es für eine Ehrensache der Aristokratie,\nausgezeichnete Künstler ausgezeichnet zu belohnen; auch\nwar ihre Stellung, wie überhaupt, so auch dem Künstler\ngegenüber noch die exceptionelle, dass dieser, ohne seine\npersönliche Würde irgendwie verletzt zu fühlen, als eine\nLiberalität annehmen konnte, was da, wo auch der vor-\nnehme Mann nur als ein Individuum in der Masse des Pu-\nblicums erscheint, leicht einen anderen Anstrich gewinnt.\nDiese vorzugsweise vornehme Haltung, welche die Aristo-\nkratie dem Künstler gegenüber behauptete, hinderte doch\nin keiner Weise eine feine und wohlwollende, auf der Ach-\ntung vor dem Künstler und Menschen beruhende Behand-\nlung desselben; unter solchen Umständen wird man es eben\nso begreiflich finden, wenn diese Humanität der Vorneh-\nmen bereitwillig anerkannt und gepriesen wurde, als wenn\ngelegentlich Künstler sich dem Adel gegenüber elend er-\nniedrigten. Es ist ein neues Zeugniss für das innere Gleich-\ngewicht und die ruhige Klarheit Mozart's, wenn wir ihn\nauch in diesen Verhältnissen nicht allein völlig frei und un-\nbehindert durch die Formen des socialen Verkehrs, sondern"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580102-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2063, "texte": "mit jener wahren Unabhängigkeit eines bedeutenden Man-\nnes sich bewegen sehen, der weiss, was er sich und seiner\nEhre schuldig ist, ohne je Rücksichtslosigkeit und Imperti-\nnenz als das Privilegium in Anspruch zu nehmen, das dem\ngenialen Künstler der gebildeten Gesellschaft gegenüber\nzustehe. Uebrigens schloss die förmlichere Etiquette, welche\ndazumal die Stände strenger schied, auch engere freund-\nschaftliche Verhältnisse nicht aus, wie Mozart zum Fürsten\nLychnowski, der später Beethoven's Freund und Beschützer\nwar, und zum Grafen August Hatzfeld in einer innigen\nFreundschaft stand.\n„Mozart pflegte auch regelmässig in seiner Wohnung\nSonntags Vormittags Musik-Aufführungen zu halten, zu\nwelchen er nicht allein seine Freunde einlud, sondern welche\nvon den Musik-Liebhabern gegen Honorar besucht wurden.\nKelly (üemin. 1., P. 226 ) erzählt, dass er nie bei denselben\ngefehlt habe; auch finde ich sie sonst mitunter erwähnt und\nhabe noch von alten Leuten gehört, welche sie in Mozart1 s\nletzten Lebensjahren besucht hatten. Diese fanden also auch\ndamals noch Theilnahme. Ob Mozart seine öffentlichen Con-\ncerte auch nach dem Jahre 1788 mit gleichem Beifalle und\nErfolg fortsetzte, oder ob die Zeit gekommen war, in wel-\ncher auch er erfahren sollte, dass die Wiener „ „gern ab-\nschössen\" \", kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen. Da er\nim Juni, Juli und August des Jahres 1788 drei Sinfonieen\nschrieb, so lässt sich daraus schliessen, dass er damals Con-\ncerte gab, so wie man danach, dass in den nächsten Jahren\nweder Sinfonieen noch Concerte geschrieben werden, wohl\nvermuthen darf, dass ihm keine Akademieen Veranlassung\ndazu boten.-Leider sprechen auch die ungünstigen Vermö-\ngens-Verhältnisse, in denen er sich in diesen Jahren befand,\ndafür, dass eine so bedeutende, oder vielmehr seine wich-\ntigste Einnahme-Quelle versiegt war, wodurch denn auch\nwohl die Reisen nach Berlin und Frankfurt hauptsächlich\nveranlasst wurden. Erst im Januar 1791 begegnen wir\neinem Clavier-Concerte in B-dur (Nr. 15), das wohl gew iss\nfür ein Fasten-Concert bestimmt war.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-01-02-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-01-02_01#c003", "volume": "bmtnabi_1858-01-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "5", "page_fin": "7", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580102-01.2.3", "titre_corps": "Pariser Briefe.", "titre_sommaire": "Pariser Briefe.", "signature_source": "B. 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Don Pedro der Grausame ist hier in einen Don\nJuan verwandelt; er duellirt sich mit einem jungen Bild-\nhauer in dem Augenblicke, wo er einen königlichen Straf-\nbefehl gegen den Zweikampf bekannt machen lässt, und\ndroht dem Aleaden, der eine schöne Nichte vor ihm hütet,\nmit Verbannung, wenn er nicht den Angreifer bei jenem\nDuell entdecke. Ein Jude verräth dem Aleaden, dass der\nAngreifer kein anderer gewesen, als der verkappte König\nselbst. Neue Verlegenheit—; indess Don Pedro hat An-\nwandlungen von Edelmuth, er vermählt dem Bildhauer die\nschöne Nichte, denn dieser hat eine herrliche Bildsäule des\nKönigs gemacht, welche eben auf dem Markte von Toledo\nenthüllt wird, und—o Wunder der Gerechtigkeitsliebe!\ner vollzieht an sich selbst die vom Gesetze angedrohte Strafe\ndes Ausforderers, indem er seinem Marmorbilde die\n-Hand abhaut!\nDer Componist dieses albernen Buches, Poize, ist ein\nSchüler des verstorbenen Adolf Adam. Er hat für das\nTheätre lyrique zwei oder drei Operetten geschrieben, die\neiniges Glück machten; seine Musik zum Don Pedro ist aber\nnur ein Fortschritt in die Breite, keineswegs in die Tiefe.\nVon eigentlicher Erfindung kann gar nicht die Rede sein;\nAlles ist schon hundert Mal auf dieselbe Weise gesagt, und\nin dem weiten Reiche der Monotonie ist die Eintönigkeit\nim komischen Stil am unerträglichsten.\nDie Wiederaufnahme von Nicolo's Oper Jeannot et\nColin (im October) lockte mich in die weil\nJocondevon demselben Componisten mich sehr angespro-\nchen hatte, und weil Stock hausen den Jeannot gab. Ich\nwurde in beider Hinsicht um eine Enttäuschung reicher.\nEs mag sein, dass die hübschen Melodieen denen, welche\ndie Oper seit 1814, wo sie zum ersten Male gegeben wurde,\nkannten, eine angenehme Erinnerung an die Jugendzeit\nwaren; auf uns Jüngere, denen die Oper neu war, konnte\ndas Ganze, auch des altvaterischen Inhalts und der langen\nZwischen-Dialoge wegen, nur einen Eindruck machen, der\nsehr nahe an Langeweile gränzte. Stockhausen war ganz\nund gar nicht an seiner Stelle, und auch die Rollen der Da-\nmen (Therese und Gräfin machen weit grössere Ansprüche\nan Technik und Grazie, als die jetzigen Darstellerinnen er-\nfüllen konnten.\nDer November brachte im eine neue\nkomische Oper in drei Acten von Louis Clapisson, dem\nComponisten der Fanchonnette, mit dem Titel „Margot*\nschlecht weg. . Buch und Musik stehen tief unter der vorge-\nnannten Oper. Die Herren de St. Georges und de i.euven\nhaben diesmal ein höchst fades Machwerk geliefert, das all-\nbekannte Situationen, meist tragi-kornische, wie den Ab-\nschied Margot's ä laßegimentstochter, die Unschuld im\nSchlafzimmer eines Marquis, wie in der Nachtwandlerin,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580102-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5504, "texte": "u. dgl. wieder aufstapelt und durch Details verbindet, die\neben so trivial sind, wie der Inhalt des Stückes. Margot,\neine sechszehnjährige Schönheit, dient als Viehmagd (daher\nin der Introduction das Brüllen der Rühe, Blöken der\nSchafe, Glucken der Hühner, mit etwas Wachtel- und\nNachtigallenschlag vermischt!!) bei einem reichen Pachter,\nder seinen Gutsherrn ruinirt. Sie nimmt die Schuld eines\nTölpels, der einen Beutel mit Geld verloren hat, auf sich\nund wird vor die Thür gesetzt. Der Tölpel heult, überlässt\naber die unschuldige Geliebte ruhig dem Elende. Wer kann\nsich für eine solche Liebe interessiren ? Und doch bleibt\nder Bauernlümmel der Held; denn Margot's Liebe und ihr\nSchicksal drehen sich um ihn.\nIhr Loos ändert sich nämlich gar sehr. Der Marquis,\nd. i. der Gutsherr, ist ihr Pathe und nimmt sie zu sich ins\nSchloss. Nach drei Wochen im zweiten Acte) hat das gute\nKind Talente entwickelt, die in Erstaunen setzen; sie lies't,\nschreibt, singt vollends mit fabelhafter Virtuosität (Mad.\nMiolan-Carvalho , weiss sich vortrefflich im seidenen Co-\nstume zu benehmen, bleibt aber dabei im Uebrigen so naiv,\ndass sie von ihrer Gefahr in ihrer jetzigen Umgebung gar\nnichts merkt. Kurz, dieses aussergewöhnliche Geschöpf der\nbeiden Dichter ist ein Genie, wenn St. Georges es will, und\nein Gänschen, wenn de Leuven eins braucht.\nGlücklicher Weise ist der Gutsherr auch ein ausser-\nordentlicher Mensch. Erst fünfundzwanzig Jahre alt, com-\nmandirt er ein Linienschiff, hat aber vollauf Zeit, Cham-\npagner zu trinken, Pharo zu spielen, mit den Tänzerinnen\nder Oper zu leben. Dabei ist er aber für Margot nur gross-\nmüthiger Pathe, und nur ein einziges Mal, wo er etwas an-\ngetrunken ist, spürt er die marquisische Regung, ihr einen\nKuss zu geben. Uebrigens ruinirt ihn der Pachter wirklich.\nDa schenkt er Margot den Rest seines baaren Geldes und\nschickt sie fort wie edel! Aber sie ist nicht minder edel,\nträgt den vollen Beutel heimlich in sein Schlafzimmer\naber, o Himmel! wird hier von der ganzen vornehmen Ge-\nsellschaft, die der bankerotte Marquis zum letzten Male ein-\ngeladen, gefunden! Nach einigen Thränen verkannter Un-\nschuld, zu welcher die coquettesten Rouladen den Beweis\nliefern, läuft sie fort der jovial gelaunte Marquis lässt den\nPharo-Tisch decken der Vorhang fällt hebt sich, und\nsiehe! der Marquis hat sein ganzes Vermögen durch das\nGold in Margot's Beutel wieder gewonnen! Muss er nun\nnicht, als die Nachricht kommt, sie habe sich ins Wasser\ngestürzt, als braver Schiffs-Capitän ihr nachspringen, sie\nretten, und die Ohnmächtige, deren Crinoline nicht einmal\nvon dem Wellenschlage gelitten hat, in seinen Armen auf\ndie Scene tragen? Ei, freilich! Und so geschieht es auch\nPunktum.\nUnd die Musik? Eine Oper kann man diese Compo-\nsition nicht nennen; es ist ein langes Vaudeville mit einem\nNeujahrs-Vorrath von Romanzen, Couplets und neuen Sing-\nstückchen. Sie sind alle über Einen Leisten geschlagen, mo-\nduliren sämmtlich im achten Tacte und gehen mit dem Re-\nfrain wieder nach Hause in die Tonica. Mit seltenen Aus-\nnahmen ist die Melodie ohne wahren Inhalt, der Rhythmus\ntrivial, die komische Würze gemein. Die Concert- oder\n\\ iolin-Passagen für die Miolan sind als Paradeschweife den\nCouplets angehängt; eine eigentliche Arie hat sie nur im\ndritten Acte. Ihr Abschiedslied an die Leute vom Pacht-\nhofc im ersten Acte ist eine Parodie des ähnlichen Stückes\nin der Regimentstochter, mit dem Unterschiede, dass Doni-\nzetti so vernünftig war, es bei der Melodie bewenden zu\nlassen, Clapisson aber seine Margot nach den Thränen und\nden schmerzlichen Abschiedsworten auf dem Vocal ver-\nweilen und eine lustige Fanfare voll Coloratur-Jubel los-\nschiessen lässt! Heutzutage bedarf eine wehmüthige Zu-\nschauerin nicht des Trostes jenes Trompeters, der ihr aus\ndem Orchester zurief: „Weinen Sie doch nicht, Mamsell-\nchen ! die da oben stellt sich ja nur so!\" der Componist\nsorgt durch die Coda schon selbst dafür, dass man nicht auf\nden Gedanken kommt, es sei ihm Ernst mit der Wahrheit\nder Empfindung. Im zweiten Acte hat dieselbe Sängerin\neine Cavatine über Worte, die man unter dem Gerölle von\nTönen nicht auffinden kann; aber das ist nicht genug: am\nSchlüsse setzt sie sich wieder auf ihr Paradepferd, den Vocal\na, und galoppirt durch Labyrinthe von Harpeggien, diato-\nnischen und chromatischen Tonleitern, Mordenten, Trillern\neine \\ iertelstunde lang bergauf, bergab, dass einem schwin-\ndelig wird. Bei derartigen Coloraturen, wie sie Clapisson\nhier geschrieben hat, verschwindet das Einzige, was den Ge-\nsangs-Verzierungen Reiz geben kann, die Grazie; die Into-\nnation auch der geschultesten Sängerin und das ist die\nMiolan gewiss wird bei den grässlichen Sprüngen von\neiner Octave in die andere, bei den herausgestossenen ho-\nhen Tönen nicht immer ganz rein, geschweige denn wohl-\nlautend sein, und wo Alles auf den Eclat berechnet ist,\nmuss die Grazie ihr Haupt verhüllen und sich entfernen.\nUnd die Opernbühne ist doch wahrlich keine Schulstube für\nStudien und Kunststücke, bei deren Ausführung man sich\ndes ängstlichen Gedankens an das Misslingen nicht erweh-\nren kann! Dasselbe Gefühl ergreift einen bei der Tenor-\nPartie des Marquis wegen der verzweifelten Höhe, in der\nsie geschrieben ist. Das heisst nicht nur auf der Tonleiter\naus der Brust in den Kopf steigen, sondern den ganzen Ge-\nsang auf den Kopf stellen und die Männerstimmen zu Wei-\nberstimmen machen.\nWann wird die Natur endlich die Unnatur wieder ver-\ndrängen? Die Contrabassisten spielen Bratsche, die Violon-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580102-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3987, "texte": "Cellisten Violine, die Violinisten blasen Flöte, die Hornisten\nsingen zwei- und dreistimmig, die Trompeter quirlen Colo-\nratur, die Sängerinnen singen Violine, die Tenoristen pfeifen\nSopran! Wo will das hinaus?!\nIn ähnliche Betrachtungen vertieft und weder in der\nbesten Laune, noch in Erwartung eines musicalischen Tro-\nstes ging ich am 9. December nach der Opera comique, um\nLe Carnaval de Venise,eine neue Oper in drei Acten, Mu-\nsik von Ambroise Thomas, zu hören. Da bin ich aus\ndem Regen in die Traufe gekommen! Das Buch und die\nPartitur sind einzig und allein dazu da, der Madame Cabel,\njetzigen Prima Donna an dieser Bühne, Stoff für ihre Kehl-\nfertigkeit zu liefern, und was ich so eben im Scherz sagte,\nwird hier buchstäblich wahr: die Entwirrung der Handlung\nwird dadurch herbeigeführt, dass Mad. Cabel ein \\ iolin-\nConcert singt, sage: ein wirkliches Violin-Concert, wel-\nches uns im ersten Acte von dem vornehmen venetianischen\nMusik-Dilettantan auf der Bühne (d. h. im Orchester durch\nden Solo-Geiger) vorgespielt, von der schlauen Sylvia be-\nlauscht und durch sie am Ende aus dem Gedächtniss repro-\nducirt wird! Sie hat aber nicht nur dem Familienhaupte\nPalifornio sein Concert escamotirt, sondern auch seiner Frau\nund seiner Schwester die Beweise Briefe, Portrait u. s. w.)\nsträflicher und unadeliger Neigungen;—Alles im Bunde mit\ndem Sänger Caramello (Stockhausen) und unter dem\nSchutze des Carnevals, der mit grossem Pomp auf dem er-\nleuchteten und von Masken wimmelnden St. Markusplatze\nden zweiten Act füllt. Man merkt leicht, dass Sylvia eine\nOpernsängerin von Profession ist; aber dassLelio, der Sohn\ndes dilettantischen Nobile der übrigens verzweifelt gut\ngeigt), sich mit ihr heimlich vermählt hat, muss einem ge-\nsagt werden. Der dritte Act spielt im Saale der philharmo-\nnischen Gesellschaft, wo ein Concert gegeben wird. liier\nwill Palifornio sein Violin-Concert vortragen, allein eine\nSängerin hat die erste Nummer auf dem Programm und\nsingt unter dem Titel einer ihm sein\nConcert vor der Nase weg. Es ist Sylvia. Unter fanatischem\nApplaus verlangt die Gesellschaft den Namen des Compo-\nnisten, sie proclamirt ihn, und auf der ersehnten Stufe des\nRuhmes heiligt der Glückliche die Missheirath seines Sohnes\ndurch seine Einwilligung. Schwiegermutter und Tante\nwerden durch angedrohte Entdeckung ihrer süssesten Ge-\nheimnisse beschwichtigt und zur Milde gestimmt, und die\nGeschichte schiiesst mit einem Raketenbündel von Colora-\nturen der Heldin dieses Carnevals.\nSo haben also die beiden besten Componisten, die\nFrankreich in der Gattung der komischen Oper besitzt, Cla-\npisson und Thomas, sich dahin erniedrigt, auf Bestellung\nder Theater-Directoren nicht für die Kunst, sondern für die\nVirtuosität einer einzelnen Person zu schreiben! Herr Ca-\nvalho sagt: „Ich muss für meine Frau eine neue Glanz-\npartie haben!\"— Herr Roqueplan: „Madame Cabel kostet\nmir entsetzlich viel, schaffen Sie mir etwas Neues, Uner-\nhörtes für sie!\" —und auf der Stelle sind Dichter und Com-\nponisten bereit, Ordre zu pariren. Und das jämmerliche\nZeug, das sie dann zu Tage fördern, soll die Tradition der\nalten trefflichen komischen Oper der Franzosen fortsetzen?\nStockhausen hatte man in dieser Oper zum ersten Male\neine ganz neue Rolle anvertraut, als premiere creation. Er\nhätte eine bessere verdient, denn der Sänger Caramello ist\nnur eine Nebenperson. Indess hat ihn der Componist mit\nmehreren Nummern bedacht; seine erste Arie würde mehr\nEindruck gemacht haben, wenn der Eintritt Ihrer Majestä-\nten nicht während derselben die Aufmerksamkeit des Pu-\nblicums auf die kaiserliche Loge gezogen hätte. Ein hiesi-\nges Blatt sagt, er habe sich mit vielem Geschick und Ge-\nschmack aus der Sache gezogen und in der Rolle Elemente\neines vollständigeren Erfolgs gefunden, als er bis jetzt den\nRollen des alten Repertoires abgewonnen habe. Ich unter-\nschreibe das als historisch richtig; die Thatsache spricht\naber nicht zu Gunsten der hiesigen Kritik und des jetzigen\nGeschmacks.\n\nB. P."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-01-02-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-01-02_01#c004", "volume": "bmtnabi_1858-01-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "7", "page_fin": "8", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580102-01.2.4", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580102-01.1.7", "debut_caractere": 3989, "fin_caractere_exclue": 5925, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nIhLJ&In. Dinstag den 29. December hörten wir in der dritten\nSoiree für Kammermusik das Yiolin-Quartett Nr. 4 in G-moll von\nG-. Ons low, das allerliebste Trio für Pianoforte, Violine und Cello\nin C-clur von J. Haydn, das Yiolin-Quartett Op. 59 Nr. 1 von\nBeethoven und eine neue Sonate für Pianoforte von F. Hiller.\nDas Onslow'sche Quartett wurde recht nett und verständig gespielt,\nkonnte jedoch im Allgemeinen keinen recht erwärmen len Eindruck\nmachen. Im Beethoven'schen hätten wir, bei aller Anerkennung der\nguten Ausführung, im ersten Satze mehr Breite und Kraft und den\nzweiten Satz etwas bewegter im Tempo gewünscht. Hiller spielte\ndas Haydn'sche Trio und seine neueste Sonate [Andante agitato\nein trefflicher Satz Scherzo und Finale) ganz vortrefflich auf\neinem schönen Erard'schen Flügel aus dem Depot von J. M. Hei-\nmann. Wir bewunderten in seinem Spiel vorzüglich auch die Modi-\nfication des Anschlags, welche den Tönen des Instrumentes eine\nsehr schön nuaneirte Farbe gab.\nDer Herr Graf von Redern zu Berlin hat dem kölner Män-\nnerg es an g-Y e r ein e als Zeichen der Anerkennung die Partitur\nder beiden Hefte der von ihm componirten und Sr. Majestät dem\nKönige gewidmeten Musica Sacra (Berlin, bei Schlesinger) übersandt.\nAm 5. Januar werden die vereinten Musik- und Sängerchöre der\nhiesigen Garnison ein grosses Concert im Gürzenichsaale zum Be-\nsten der in Mainz Verunglückten geben.\n** 30. December. Unser gestriges Concert ward mit\nder D-dur-Sinfonie von Mozart eröffnet, welche, frisch und spru-\ndelnd, daneben auch glänzend und elektrisirend, so recht empfäng-\nlich für die ferneren Kunstgenüsse machte. Dann sang Fräul. Mann\ndie grosse Scene und Arie aus dem Freischütz wie immer mit schö-\nnem Vortrage und mit Begeisterung, und errang lebhaften Beifall.\nDass Herr Breunung mit dem Chopin1 sehen Concerte den leb-\nhaftesten, begeistertsten Beifall errang, versteht sich von selbst; be-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580102-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5513, "texte": "sonders aber alle Kenner hat er vollständig entzückt. Auch die Be-\ngleitung des Orchesters war recht gut. Herr Eemmertz aus Düs-\nseldorf sang „In diesen heiligen Hallen\". Seine Stimme kam dabei\nzur besten Geltung; sie ist in der That wundervoll, und man hört\nsicher nur selten eine so schöne Bassstimme. Herr Dr. R. sang „Be-\nruhigung\" von Spohr und „Erlkönig\" von Schubert; er ist sehr\nmusicalisch und trägt mit vielem Verständniss vor. Den Schluss des\nersten Theiles machte eine neue Ouvertüre von C. Rein ecke zu\nRöber's Trauerspiel „Sophonisbe\". Sie wurde sehr gut ausgeführt\nund sehr lebhaft aufgenommen, und wird gewiss eben so ihre Lauf-\nbahn machen, wie die Ouvertüre zu „Dame Kobold\", mit welcher\nder Componist allerwärts einen grossen Erfolg errungen hat. Sie\nwurde zum zweiten Male im Gewandhause zu Leipzig mit demsel-\nben Beifalle, wie voriges Jahr, gegeben; auch Prag ist sie schon\nwiederholt worden, ferner in Kopenhagen, Magdeburg, Lübeck, Ro-\nstock, Sondershausen, Bremen, Löwenberg, München u. s. w. Den\nzweiten Theil bildete „Die erste Walpurgisnacht\" von Mendels-\nsohn-B artholdy. Das schöne, originelle Werk schlug sehr durch\nund gab einen neuen erfreulichen Beweis von dem Aufschwünge der\nhiesigen musicalischen Zustände, von den scliätzenswertlien Kräften\nund deren intelligenter und eifriger Benutzung durch den Dirigenten.\nDer Cäcilien-Verein hat am 28. November\nzur Einweihung des neuen Vereins-Locals sein erstes Concert gege-\nben. Das Programm war in historisch-chronologischer Reihenfolge\ngeordnet, „dem Andenken der grossen Meister deutscher Tonkunst\ngewidmet\" und enthielt in der ersten Abtheilung: 1) Achtstimmige\nMotette für Doppelchor: „Lob und Ehre und Weisheit\" u. s.w. von\nJob. Seb. Bach; 2) Arie für Bass und Chor aus dem Oratorium\n„Josua\" von G. Fr. Händel (die Arie des Kaleb gesungen von Herrn\nKammersänger OberhofFer); 3) Recitativ und Arie für Tenor aus der\nOper „Iphigenie\" auf Tauris von Christ. Gluck (gesungen von Herrn\nHof-Opernsänger Grimminger]; 4) Jagd- und Trinkchor aus dem\nOratorium „Die vier Jahreszeiten\" von Jos. Haydn. - In der zwei-\nten Abtheilung: 5) Ouvertüre zur Oper „Die Zauberflöte\" von W.\nA. Mozart; 6) Concert für das Ciavier (Nr. 3, C-moll) von L. van\nBeethoven (die Clavier-Partie vorgetragen von Herrn Alb. Fuhr, die\neingelegte Cadenz componirt von H. Giehne); 7) Lauda Sion, Hymne\ndes Thomas von Aquino aus dem 13 Jahrhundert, für Soli, Chor\nund Orchester componirt von Felix Mendelssohn-Bartholdy (die Soli\ngesungen von der Hof-Opernsängerin Frau Hauser, Herrn Kammer-\nsänger Oberhoffei, so wie zwei Mitgliedern des Vereins).\nDie Wiener Monatsschrift für Theater und Musik\n(herausgegeben von Jos. Klemm) wird auch in diesem Jahre (vierter\nJahrgang) fort erscheinen.\nHeit-York? 6. December. Vorigen Montag Abends hatten die\nBewohner der 3. Avenue und 14. Strasse einen seit langer Zeit un-\ngewohnten Anblick den einer mächtigen Wagenburg um das\nOpernhaus. Es waren aber auch keine Maccaroni aus Verdes oder\nDonizetti's Küche, die an dem Abende den Gästen aufgetragen wur-\nden, sondern eine kräftige Fleischspeise Meyerbeer's „Robert der\nTeufel\". Der anerkannte Werth der Oper einestheils, deren Schöpfer\nDeutschland und Frankreich eben so gleichmässig angehört, ange-\nhört wie die Oper selbst deutscher und französischer Schule, und\nder Name des deutschen Bassisten Karl Formes, der an dem\nAbende zum ersten Male auftrat, Hessen das Haus rasch und bis\nin die obersten Räume sich füllen, und zwar zu mehr als einem Drit-\ntel durch das nicht anglo-sächsische Publicum. Die Krisis war ver-\ngessen und von der „Finanznoth blasser Wehmuth\" inmitten der\nreichen Damen-Toilette nichts zu bamerken.\nDie Vorstellung war eine bei der kurzen Zeit des Einstudirens\nüber Erwarten gelungene, Dank der Rastlosigkeit und Sorgfalt, mit\nwelcher Hr. Capellmeister Ans c h üt z die Solo-, Chor- und Orchester-\nProben geleitet hat. Zugleich hatte die Direction, wohl erkennend,\ndass diese und ähnliche Opern bedeutende scenische Pracht erfor-\ndern, in Costumen und Decorationen Vieles gethan, wenn auch die\nKirchhofscene des dritten Actes, trotz guter Anordnungen des Herrn\nFormes und trotz des BaUets, noch weit hinter europäischer Dar-\nstellung zurückblieb.\nDer erste Stern war natürlich K. Forme s, der in der Rolle des\nBertram in Gesang und Spiel wohl keinen einzigen Concurrenten be-\nsitzt, der ihm den Sieg streitig machen könnte. Sein Vortrag bekun-\ndete in jedem Tone den vollendeten und routinirten Sänger, und sei-\nnes „Basses Grundgewalt\", die alle Herzen erzittern machte, rief von\nScene zu Scene den stürmischsten Beifall hervor, so dass der Sän-\nger, besonders nach dem grossen zweiten Acte, mit Blumen und\nKränzen reich bedacht und wiederholt gerufen wurde. Sein diaboli-\nsches, bis in die kleinsten Details durchdachtes und edles Spiel, im\nvollsten Einklang mit den Worten, bewies, dass Herr Formes nicht\nblosser Sänger, sondern dramatischer Sänger ist, der in seiner Partie\nsich verkörpert. Fügen wir noch bei, dass derselbe sich am Montag\ndiese vollste Anerkennung des Publicums erwarb, als dieses schon\nfürchtete, dass eine bedeutende Erkältung, die ihn befallen, sein\nAuftreten unmöglich machen würde, so ist kein Zweifel, dass der\nvollkommen disponirte Formes sich diesen Lorber nicht mehr vom\nHaupte reissen lässt.\nIhm würdig zur Seite stand Mad. Lag ränge als Alice, jeden-\nfalls eine ihrer schönsten Partieen. Die Wiederholung der Oper\nam Mittwoch und am Freitag fand ein fast eben so volles Haus und\ndie vollste Anerkennung des Publicums."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580102-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nW. A. Mozart. Von Otto Jahn. Dritter Theil. 11. Von L. B. Pariser Briefe (Opernmusterung Le roi Don\nPedre von Poize Nicolo's Jeannot et Colin Clapisson's „Margot\" —A. Thomas1 Carneval de Venise). Von B. P. Tages- und\nUnterhaltungsblatt (Köln, 111. Soiree für Kammermusik, Graf von Redern, Militär-Concert Barmen, Concert Karlsruhe, Cäci-\nlien-Verein Wiener Monatsschrift für Theater und Musik New-York, Erstes Auftreten von Karl Formes).\n\nW. A. Mozart.\nVon Otto Jahn.\nDritter Theil.\nII.\n(I. s. Nr. 52 vom vorigen Jahre.)\nIn den folgenden Abschnitten des Buches vernichtet\nJahn, den romanhaften Erzählungen gegenüber unerbitt-\nlich, so manchen poetischen Schimmer, den spätere Sagen,\nwie sie sich über einen grossen Mann, namentlich einen\nKünstler, so leicht bilden, über Mozart's Leben und Schaffen\nverbreitet haben. Eben so nachdrücklich weis't er aber\nauch die Verunglimpfungen und Verleumdungen zurück,\ndenen sein sittlicher Wandel sowohl während seines\nLebens als auch nach seinem Tode bis auf diesen Augen-\nblick ausgesetzt gewesen ist.\nBei aller Hochachtung vor der strengen Gewissenhaf-\ntigkeit des Verfassers scheint es uns doch, als wenn er in\nbeider Hinsicht zu weit gehe, indem er im ersten Falle\nmanche Blüthe, die doch wohl wirklich aufgebrochen war,\nals künstlich gemachte abstreift, im zweiten die Schwächen\nMozart's, die selbst nach Jahn's Erzählung keinen Men-\nschen, der das Leben, und vollends das Künstlerleben,\nkennt, über gewisse Punkte im Dunkeln lassen werden, zu\numständlich und mitunter sogar etwas sophistisch zu ent-\nschuldigen sucht, z. B. wenn darin, dass man Mozart „nie\nberauscht\" gesehen, und dass er einer „wüsten Völlerei\"\nnicht fähig gewesen, eine Entkräftung des Vorwurfs des\nzu häufigen Genusses geistiger Getränke liegen soll. Wenn\nJahn sagt (S. 177): „Man hat theils die Zeitgenossen Mo-\nzart's beschuldigt, dass sie ihn auf unwürdige Weise ha-\nben darben und verkommen lassen, theils ihm selbst vor-\ngeworfen, dass er durch Leichtsinn und Verschwendung\nseine äussere Existenz zerrüttet habe; Beides ist übertrie-\nben und in dieser Auffassung unrichtig\", so hebt die\nNachweisung seiner Einnahmen (wenigstens während der\nersten Jahre in Wien) einen grossen Theil der Schuld der\nZeitgenossen allerdings auf; aber die Schilderung der\nWirthschaft im Hause und mancher Liebhabereien bestä-\ntigt mehr den Vorwurf wenigstens eines unverantwortlichen\nLeichtsinnes von Mozart's Seite, als dass sie ihn entkräftet.\nEben so wenig möchten wir auf der anderen Seite die\nTradition für irrthümlich erklären, dass die Liebe zu Con-\nstanze Weber Einlluss auf Tiefe und Wahrheit im Aus-\ndruck der Liebe in Mozart's Musik, namentlich in der"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580102-01.1.2", "texte": "„ Entführung\", welche er während des Brautstandes schrieb,\ngehabt habe. Allerdings hatte Mozart in dieser ganzen Zeit\nmit Schwierigkeiten und Widerwärtigkeiten zu kämpfen.\nWenn aber Jahn meint, „man müsse sich vielmehr wun-\ndern, wie er unter solchen Umständen überhaupt compo-\nniren konnte, und die Entführung wird ein glänzender Be-\nweis, wie die Kraft, zu schaffen, den Künstler von dem\nDruck des wirklichen Lebens frei macht und ihn in die\nRegion des Schönen erhebt, in welcher das wahre Kunst-\nwerk geboren wird\", -so hat er vergessen, dass die\nwahre Liebe für diese Befreiung und Erhebung eben so\nmächtig wirkt und desshalb jene Kraft des Schaffens mo-\nmentan erhöht.\nIm Uebrigen unterschreiben wir vollständig, wenn\nJahn in Bezug auf die Verdächtigungen Mozart's sagt, dass\nman bedenken müsse, wie unbedachtsam und ohne alle\nRücksicht auf den Schein er sich gehen liess, und wie\nnicht allein die Gemeinheit, die sich freut, grosse Naturen\nzu sich herabzuziehen, sondern auch Eifersucht und Hand-\nwerksneid gellissentlich seinen Ruf vergifteten (S. 174),\nund stimmen von ganzem Herzen in die Schlussworte des\nbetreffenden Abschnittes ein: „Solche Makel hat der Tod\ngesühnt; die Entstellungen hämischer Neider und kleinli-\ncher Splitterrichter haften nicht an dem, was unsterblich\njst.\" (S. 253.)\nMozart verheirathetc sich mit Constanze Weber am\n1. August 1782. Allein die Hoffnun gen auf eine feste und\ngesicherte Stellung schlugen fehl. Der Zerfall der deut-\nschen Oper hinderte ihn, auf dem Wege fortzuschreiten,\nwelchen er mit der Entführung betreten hatte; es wurde\nwieder eine italiänische Oper berufen, und sie fand gros-\nsen Beifall. Auch der Kaiser Joseph war für die italiäni-\nsche Musik sehr eingenommen; doch vergass er Mozart\nnicht und trug ihm im Jahre 1786 die Composition des\n„Schauspiel-Director\" und des „Figaro\" auf. Eine feste\nAnstellung erfolgte trotzdem nicht, und Mozart dachte\nernstlich daran, Wien zu verlassen und nach England zu\ngehen. Der Vater war dagegen; das Gerücht davon hatte\nsich aber in ien verbreitet und wurde Veranlassung,\ndass ihn der Kaiser am 7. December 1787 zu seinem\nKammermusicus mit 800 Fl. Gehalt ernannte. Gluck, der\nam 15. November desselben Jahres gestorben war, hatte\n2000 Fl. gehabt. Dass Mozart's Gehalt gerade für seine\nHausmielhe ausgereicht, was Rochlitz neben manchen an-\nderen Unrichtigkeiten in die Welt geschickt hat, ist falsch;\ner zahlte damals 400 Fl., was freilich auch schon\nzu viel war, wesshalb er auch bald darauf eine billigere\nWohnung bezog.\nDie letzten Jahre des Kaisers Joseph waren bekannt-\nlich von schweren Sorgen verdüstert; seine Theilnahme\nfür die Kunst trat in den Hintergrund, und mit ihr die\nSorge für die Verbesserung von Mozart's Stellung. Dieser\ngelierte übrigens zu denjenigen Menschen, die es ganz und\ngar nicht verstehen, sich geltend zu machen, sich in Erin-\nnerung zu bringen, oder auch nur die Gelegenheiten zu\nihrem Vortheil zu benutzen. Rührend ist sein Benehmen\nbei dem edeln Anerbieten Friedrich Wilhelm's 11., der ihm\n1789 in Berlin eine Capellmeister-Stelle mit 3000 Thlrn.\nGehalt antrug. Nachdenklich und gerührt erwiderte Mo-\nzart: „Soll ich meinen guten Kaiser ganz verlassen?\" Der\nKönig hiess ihn den Vorschlag in nähere Ueberlegung neh-\nmen und versprach, auch wenn Mozart erst nach Jahr und\nTag kommen wolle, werde sein Anerbieten in voller Kraft\nbleiben. Als er darauf nach Wien zurückkehrte, fiel es ihm\nAnfangs gar nicht ein, von diesem Antrage auch nur Er-\nwähnung zu thun; durch das Zureden seiner Freunde liess\ner sich endlich bewegen, dem Kaiser den Stand seiner An-\ngelegenheiten vorzutragen, und dass ihm nichts übrig\nbleibe, als um seine Entlassung zu bitten. Unangenehm\nüberrascht, fragte Joseph: „Wie! Sie wollen mich verlas-\nsen, Mozart?\" Da antwortete dieser gerührt: „Ew. Maje-\nstät! ich empfehle mich zu Gnaden, ich bleibe.\" Und als\nein Freund, dem er diesen Vorgang erzählte, ihn fragte,\nob er denn die Gelegenheit auch benutzt habe, um sich\neine entsprechende Entschädigung auszubedingen, rief er\nunwillig aus: „Der Teufel denke in solcher Stunde daran!\"\nDer Kaiser trug ihm nun zwar Ende 1789 auf, die\nOper Cos'i fan tuttezu schreiben; allein er starb bald dar-\nan! !*2O. Februar 1790), und Mozart's Lage blieb die-\nselbe. Leopold 11. that nichts für ihn; erst nach Mozart's\nTode bezahlte er dessen Schulden mit 3000 Gulden. So\nsah sich denn der grösste Musiker aller Zeiten genöthigt,\nden Magistrat von Wien zu bitten, „ihn dem alten Dom-\nCapeilmeister Hofmann unentgeltlich zu adjungi-\nren\"! Der Magistrat nahm das Gesuch an, unter der Be-\ndingung, „dass Mozart dem Capellmeister im Dienste un-\nentgeltlich an die Hand gehe, ihn ordentlich supplire, wenn\ner selbst nicht erscheinen könne, und bei Erledigung der\nStelle sich mit dem Gehalt und allem, was der Magistrat\nfür gut finden wird, zu verordnen, begnüge\" (d. d. den\n9. Mai 1791;. Aber der alte Mann überlebte seinen\nAdjunctus!\nSo war also Mozart auf Unterricht, Concerte und\nCompositionen zur Vermehrung seiner kargen Einnahme\nangewiesen, ja, bis 1787 waren dies die einzigen Quellen\nfür die Bestreitung seines Haushaltes.\nDer Unterricht brachte ihm wenig ein. Obwohl als\nClavierspieler in Wien bekannt und hochgerühmt, gehörte\ner doch nie zu den gesuchten und gut bezahlten Musik-\nlehrern. Er war nicht dazu gemacht: „es fehlte ihm an"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580102-01.1.3", "texte": "Betriebsamkeit und Fügsamkeit, vielleicht auch an Stetig-\nkeit und Regelmässigkeit.\"\nBesser ging es ihm mit dem Concertgeben. Der aus-\nserordentliche Beifall, den er bei seinem ersten Auftreten\nals Clavierspieler in Wien gefunden hatte, blieb ihm viele\nJahre lang unverändert. Seine Concerte in der Fastenzeit\nverschafften ihm bis 1788 —B9 sehr gute Einnahmen.\nDer Abschnitt, der in Jahn's Buche davon handelt (S. 199\n—215), gehört zu den anziehendsten und reisst den Leser\nwenigstens auf einige Augenblicke aus der trüben und\nwehmüthigen Stimmung, welche die Schilderung von Mo-\nzart's äusseren Lebens-Verhältnissen sonst erzeugt. Wir\ntheilen unseren Lesern Einiges daraus mit.\n„Entschieden war der Erfolg, den Mozart in den Con-\ncerten der Fastenzeit 1783 errang. Vor seiner Akademie\nunterstützte er seine Schwägerin AI. Lange in einem Con-\ncerte, welches sie am 11. März im Theater gab, auf das\nkräftigste. Er liess seine pariser Sinfonie vom\nspirituel aufführen, dann sang sie jene in Mannheim für\nsie componirte Arie Non so cl—was für Erin-\nnerungen mögen dabei in ihm wach geworden sein! „ „Gluck\nhatte die Loge neben der Langischen,\"\" berichtet er dem\nVater (12. März 1783), „„worin auch meine Frau war;\ner konnte die Sinfonie und dieAria nicht genug loben und\nlud uns auf künftigen Sonntag alle zum Speisen ein.\"\" Aus-\nserdem spielte er selbst ein Concert seiner eigenen Com-\nposition. „ „Das Theater war sehr voll, und ich wurde auf\neine so schöne Art von dem hiesigen Publicum wieder em-\npfangen, dass ich ein wahres Vergnügen darüber haben\nmuss.—Ich war schon weg; man hörte aber nicht auf zu\nklatschen, und ich musste das Rondeau repetiren—es war\nein ordentlicher Platzregen.\"\" Daher waren denn auch in\nseiner eigenen Akademie am 22. März alle Logen besetzt,\nund das Theater „konnte nicht voller sein.\" Er theilt sei-\nnem Vater das Programm dieses Concertes mit. Es wur-\nden aufgeführt:\n1) Die neue Hafner-Sinfonie, welche im Sommer\nvorher für die Hafner'sche Familie in Salzburg\ncomponirt war.\n2) Arie aus Idomeneo Se il padre perdei, gesungen\nvon Mad. Lange.\n3) Das dritte Subscriptions-Concert, damals eben her-\nausgegeben, in C-dur (Nr. 5 der Breitkopf & Här-\nterschen Sammlung).\n4) Die Seena für die Baumgarten, gesungen von\nAdamberger.\n5) Die kleine Concertant-Sinfonie der letzten Final-\nmusik.\n6) Das hier beliebte Concert\n7) Seena Parto, m'affretto aus der letzten mailänder\nOper [Lucio Silla 16), gesungen von Mademoiselle\nTeyber.\n8) Freie Phantasie von Mozart, die er, „ „weil der Kay -\nser da war\"\" ,mit einer kleinen Fuge anfing, darauf\nvariirte er eine Arie aus der Oper „ „Die Philoso-\nphen\" \" von Paisicllo,und als er durch den rauschen-\nden Beifall genöthigt wurde, noch einmal zu spielen,\nwählte er die Arie „ „Unser dummer Pöbel meint\" \"\naus Gluck's Pilgrimme von Mekka zum Thema sei-\nner Variationen.\n9) Ein neues Rondeau (Mia speranza adorata), com-\nponirt für Mad. Lange, welche dasselbe sang.\n10) Das letzte Stück der ersten Sinfonie.\nMan sieht, die Anforderungen an das, was ein Con-\ncertgeber zu leisten hatte, waren andere, als die jetzt ge-\nwöhnlichen, und das Publicum hatte auch am Zuhören\nmehr Lust. „ ..DasLiebste war mir,\"\" berichtet Mozart dem\nVater (29. März 1783), „ „dass Se. Majestät der Kayser\nauch zugegen war, und wie vergnügt er war, und was für\nlauten Bevfall er mir gegeben. Es ist schon bey ihm ge-\nwöhnlich, dass er das Geld, bevor er ins Theater kommt,\nzur Casse schickt (25 Ducaten), sonst hätte ich mir mit\nallem Recht mehr versprechen dürfen, denn seine Zufrie-\ndenheitwar ohne Gränzen.\"\" Auch so konnte er mit seiner\nEinnahme zufrieden sein, welche in einem gleichzeitigen\nBerichte auf 1600 Fl. geschätzt wird.\n„Etwas später spielte Mozart noch in der Akademie der\nMlle. Teyber ein Concert. Auch damals sollte er das Ron-\ndeau repetiren, er liess aber, als er sich wieder an den\nFlügel hinsetzte, das Pult wegnehmen, um frei zu spielen ;\n„ „diese kleine Surprise erfreute das Publicum ausserordent-\nlich, man klatschte, rief Bravo, Bravissimo.\"\" Der Kaiser\nging auch aus diesem Concerte erst fort, nachdem er ihn\nganz ausgehert hatte. So berichtet Mozart sehr erfreut sei-\nnem Vater (12. April 1783).\n„In der Fastenzeit des Jahres 1784 gab er ausser einer\nAkademie im Theater noch drei Subscriptions-Concerte.\nDie Liste seiner Subscribenten, welche er dem Vater mit-\ntheilte, zählte 174 Namen. Auf dieser stattlichen Liste fin-\nden sich nicht nur die Namen von Mozart's bekannten Gön-\nnern, Gräfin Thun, Baronin Waldstädten, Graf Zichy,\nvan Swieten, sondern der Herzog von Würtemberg,\nPrinz von Mecklenburg, die Fürsten C. Liechten-\nstein, Auersperg, Kaunitz, Lychnowski, Lobko-\nwitz, Paar, Palm, Schwarzenberg sind aufgezeich-\nnet, ferner die berühmten Familien Batthiany, Diet-\nrichstein, Erdödy, Esterhazv, Harrach, Herber-\nstein, Keglewicz, Nostiz, Palfy, Schafgotsch,\nStahremberg, Waldstein und andere sind in ihren\nverschiedenen Zweigen vertreten, die Gesandten von Russ-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580102-01.1.4", "texte": "Land, Spanien, Sardinien, Holland, Dänemark, die ange-\nsehensten Familien der Finanz, Fries, Hönikstein,\nAr en feld, Bienenfe Id,P 1 o y er, Wetz 1 ar, hohe Staats-\nbeamte und Gelehrte wie Isdenczy, Bedekovich, Ne-\nverv, Braun, Greiner, Keess, Puffendorf, Born,\nMartini, Sonnenfels in Wahrheit die erlesenste Ge-\nsellschaft Wiens.\n„Daneben gab er nun aber auch zwei Akademieen im\nTheater, die ebenfalls sehr günstig ausfielen. Er hatte für\ndiese Akademieen zwei grosse Concerte geschrieben und\ndas Quintett für Pianoforte und Blas-Instrumente, welches\nausserordentlichen Beifall erhielt. „ „Ich selbst'- \", fügt er\nhinzu, „ „halte es für das Beste, was ich noch in meinem\nLeben geschrieben habe. Ich wollte wünschen, Sie hätten\nes hören können! Und wie schön es aufgeführt wurde!\nUebrigens bin ich, die Wahrheit zu gestehen, gegen das\nEnde hin müde geworden von lauter Spielen, und es macht\nmir keine geringe Ehre,dass es meine Zuhörer nie wurden.\"\"\n„Im folgenden Jahre war Leopold Mozart Zeuge von den\nTriumphen seines Sohnes, den er in Wien besuchte. Der\nVater richtete sich so ein, dass er zu dem ersten dieser Con-\ncerte, welche mit mehr als 150 Abonnenten auf der Mehl-\ngrube gegeben wurden und deren Subscriptionspreis 3 Du-\ncaten betrug, in Wien war. Auch die zweite Akademie\n„ „war herrlich\"\" ,und als Wolfgang eine Akademie zu sei-\nnem Vortheil im Theater gab, machte er 559 Fl. „ „Ich\nwar\"\", schreibt der Vater, „„ in einer so guten Loge, dass ich\ndas Vergnügen hatte, alle Abwechslung der Instrumente so\nvortrefflich zu hören, dass mir die Thränen in die Augen\nkamen. Als Dein Bruder wegging, machte ihm der Kaiser\nmit dem Hute in der Hand ein Compliment und rief: Bravo,\nMozart! Beim Herauskommen zum Spiel war ihm ohnehin\nzugeklatscht worden.\"\"\n„Für die Fasten 1786 hatte Mozart, wie er seinem Va-\nter schrieb, drei Subscriptions-Akademieen mit 120 Sub-\nscribenten zu Stande gebracht; in einem derselben spielte\ner das neue Concert in C-moll, dessen Andante er repetiren\nmusste. In der Adventszeit desselben Jahres gab er auf dem\nCasino vier Akademieen und reis'te im Januar des folgen-\nden Jahres nach Prag, wo der Componist des Figaro mit\nEnthusiasmus aufgenommen wurde. Er liess sich auf allge-\nmeines Verlangen in einer grossen musicalischen Akademie\nim Opern-Theater auf dem Theater hören, das gedrängt\nvoll war; der Beifall wollte nicht enden, als Mozart zum\nSchlüsse des Concertes frei phantasirte; drei Mal wurde er\nwieder ans Ciavier gerufen, und ein zweites Concert hatte\ndenselben glänzenden Erfolg. Die Sängerin Storace erzählte\nLeopold Mozart, dass sein Sohn in Prag 1000 Fl. gewon-\nnen habe.\n„Wenn auch der Buhm und die Einnahme dieser Con-\ncerte den Belohnungen nicht gleich kamen, welche schon\ndamals Sängern und Sängerinnen von Buf zu Theil wurden,\nso wäre es doch ungerecht, zn behaupten, dass Mozart von\ndem Publicum jener Zeit nicht gebührend anerkannt, und\ndass diese Anerkennung nicht auch in klingender Münze\nausgesprochen wäre. Bei einem Vergleich mit den beispiel-\nlosen Virtuosen-Erfolgen neuerer Zeiten darf man nicht\nübersehen, dass das musicalische Publicum, auch dasjenige,\nwelches Concerte besucht, eine ungeheure Ausdehnung ge-\ngen jene Zeit gewonnen hat, wo auch dieser Kunstgenuss\nwesentlich noch ein Vorrecht der höheren Stände, der vor-\nnehmen und reichen Leute war. Während des Winters und\nnamentlich in der Fastenzeit spielte in den grossen Gesell-\nschaften des Adels und des reichen Bürgerstandes, der es\ndemselben nachzuthun suchte, die Musik eine Hauptrolle,\nund diese musicalischen Aufführungen hatten einen Umfang\nund eine Bedeutung, wie jetzt etwa die Hof-Concerte. Bei\ndem Beifalle, welchen Mozart als Ciavierspieler fand, konnte\nes nicht ausbleiben, dass er für die Akademieen der vorneh-\nmen Welt gesucht wurde. Bereits im Winter 1782 war er\nbeim Fürsten Gallizin auf alle Concerte engagirt; im näch-\nsten Winter spielte er regelmässig bei demselben, bei Graf\nJohann Esterhazy, bei Graf Zichy und Anderen. Als der\nVater im Jahre 1785 in Wien war, schrieb er seiner Toch-\nter, dass der Flügel Wolfgang's vom 11. Februar bis 12.\nMärz „ „wohl zwölf Mal ins Theater oder zum Fürsten Kau-\nnitz, Grafen Zichy u. s. w. getragen worden sei.\"\" In wel-\ncher Weise Mozart für diese Theilnahme an Privat-Con-\ncerten honorirt worden sei, darüber liegt nichts vor. Im All-\ngemeinen aber galt es für eine Ehrensache der Aristokratie,\nausgezeichnete Künstler ausgezeichnet zu belohnen; auch\nwar ihre Stellung, wie überhaupt, so auch dem Künstler\ngegenüber noch die exceptionelle, dass dieser, ohne seine\npersönliche Würde irgendwie verletzt zu fühlen, als eine\nLiberalität annehmen konnte, was da, wo auch der vor-\nnehme Mann nur als ein Individuum in der Masse des Pu-\nblicums erscheint, leicht einen anderen Anstrich gewinnt.\nDiese vorzugsweise vornehme Haltung, welche die Aristo-\nkratie dem Künstler gegenüber behauptete, hinderte doch\nin keiner Weise eine feine und wohlwollende, auf der Ach-\ntung vor dem Künstler und Menschen beruhende Behand-\nlung desselben; unter solchen Umständen wird man es eben\nso begreiflich finden, wenn diese Humanität der Vorneh-\nmen bereitwillig anerkannt und gepriesen wurde, als wenn\ngelegentlich Künstler sich dem Adel gegenüber elend er-\nniedrigten. Es ist ein neues Zeugniss für das innere Gleich-\ngewicht und die ruhige Klarheit Mozart's, wenn wir ihn\nauch in diesen Verhältnissen nicht allein völlig frei und un-\nbehindert durch die Formen des socialen Verkehrs, sondern"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580102-01.1.5", "texte": "mit jener wahren Unabhängigkeit eines bedeutenden Man-\nnes sich bewegen sehen, der weiss, was er sich und seiner\nEhre schuldig ist, ohne je Rücksichtslosigkeit und Imperti-\nnenz als das Privilegium in Anspruch zu nehmen, das dem\ngenialen Künstler der gebildeten Gesellschaft gegenüber\nzustehe. Uebrigens schloss die förmlichere Etiquette, welche\ndazumal die Stände strenger schied, auch engere freund-\nschaftliche Verhältnisse nicht aus, wie Mozart zum Fürsten\nLychnowski, der später Beethoven's Freund und Beschützer\nwar, und zum Grafen August Hatzfeld in einer innigen\nFreundschaft stand.\n„Mozart pflegte auch regelmässig in seiner Wohnung\nSonntags Vormittags Musik-Aufführungen zu halten, zu\nwelchen er nicht allein seine Freunde einlud, sondern welche\nvon den Musik-Liebhabern gegen Honorar besucht wurden.\nKelly (üemin. 1., P. 226 ) erzählt, dass er nie bei denselben\ngefehlt habe; auch finde ich sie sonst mitunter erwähnt und\nhabe noch von alten Leuten gehört, welche sie in Mozart1 s\nletzten Lebensjahren besucht hatten. Diese fanden also auch\ndamals noch Theilnahme. Ob Mozart seine öffentlichen Con-\ncerte auch nach dem Jahre 1788 mit gleichem Beifalle und\nErfolg fortsetzte, oder ob die Zeit gekommen war, in wel-\ncher auch er erfahren sollte, dass die Wiener „ „gern ab-\nschössen\" \", kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen. Da er\nim Juni, Juli und August des Jahres 1788 drei Sinfonieen\nschrieb, so lässt sich daraus schliessen, dass er damals Con-\ncerte gab, so wie man danach, dass in den nächsten Jahren\nweder Sinfonieen noch Concerte geschrieben werden, wohl\nvermuthen darf, dass ihm keine Akademieen Veranlassung\ndazu boten.-Leider sprechen auch die ungünstigen Vermö-\ngens-Verhältnisse, in denen er sich in diesen Jahren befand,\ndafür, dass eine so bedeutende, oder vielmehr seine wich-\ntigste Einnahme-Quelle versiegt war, wodurch denn auch\nwohl die Reisen nach Berlin und Frankfurt hauptsächlich\nveranlasst wurden. Erst im Januar 1791 begegnen wir\neinem Clavier-Concerte in B-dur (Nr. 15), das wohl gew iss\nfür ein Fasten-Concert bestimmt war.\"\n\nPariser Briefe.\n\n[Opernmusterung Le roi Don Pedre von Poize Nicolo' s\nJeannot et Colin Clapisson's „Margot\". A. Thomas'\nCarneval de Venise.]\nDen 26. December 1857.\nDie letzten drei Monate des Jahres haben in der musi-\ncalisch-dramatischen Literatur noch einige Blüthen getrie-\nben. Die meisten haben das Schicksal gehabt, nur einige\nAbende zu duften und dann hübsch aufgetrocknet in das\nErinnerungsbuch der Componisten gelegt zu v/erden.\nDie Reihe begann Le roi Don Pedre in zwei Acten\nund drei Tableaux an der Opera comique, mit Musik von\nPoize. Don Pedro der Grausame ist hier in einen Don\nJuan verwandelt; er duellirt sich mit einem jungen Bild-\nhauer in dem Augenblicke, wo er einen königlichen Straf-\nbefehl gegen den Zweikampf bekannt machen lässt, und\ndroht dem Aleaden, der eine schöne Nichte vor ihm hütet,\nmit Verbannung, wenn er nicht den Angreifer bei jenem\nDuell entdecke. Ein Jude verräth dem Aleaden, dass der\nAngreifer kein anderer gewesen, als der verkappte König\nselbst. Neue Verlegenheit—; indess Don Pedro hat An-\nwandlungen von Edelmuth, er vermählt dem Bildhauer die\nschöne Nichte, denn dieser hat eine herrliche Bildsäule des\nKönigs gemacht, welche eben auf dem Markte von Toledo\nenthüllt wird, und—o Wunder der Gerechtigkeitsliebe!\ner vollzieht an sich selbst die vom Gesetze angedrohte Strafe\ndes Ausforderers, indem er seinem Marmorbilde die\n-Hand abhaut!\nDer Componist dieses albernen Buches, Poize, ist ein\nSchüler des verstorbenen Adolf Adam. Er hat für das\nTheätre lyrique zwei oder drei Operetten geschrieben, die\neiniges Glück machten; seine Musik zum Don Pedro ist aber\nnur ein Fortschritt in die Breite, keineswegs in die Tiefe.\nVon eigentlicher Erfindung kann gar nicht die Rede sein;\nAlles ist schon hundert Mal auf dieselbe Weise gesagt, und\nin dem weiten Reiche der Monotonie ist die Eintönigkeit\nim komischen Stil am unerträglichsten.\nDie Wiederaufnahme von Nicolo's Oper Jeannot et\nColin (im October) lockte mich in die weil\nJocondevon demselben Componisten mich sehr angespro-\nchen hatte, und weil Stock hausen den Jeannot gab. Ich\nwurde in beider Hinsicht um eine Enttäuschung reicher.\nEs mag sein, dass die hübschen Melodieen denen, welche\ndie Oper seit 1814, wo sie zum ersten Male gegeben wurde,\nkannten, eine angenehme Erinnerung an die Jugendzeit\nwaren; auf uns Jüngere, denen die Oper neu war, konnte\ndas Ganze, auch des altvaterischen Inhalts und der langen\nZwischen-Dialoge wegen, nur einen Eindruck machen, der\nsehr nahe an Langeweile gränzte. Stockhausen war ganz\nund gar nicht an seiner Stelle, und auch die Rollen der Da-\nmen (Therese und Gräfin machen weit grössere Ansprüche\nan Technik und Grazie, als die jetzigen Darstellerinnen er-\nfüllen konnten.\nDer November brachte im eine neue\nkomische Oper in drei Acten von Louis Clapisson, dem\nComponisten der Fanchonnette, mit dem Titel „Margot*\nschlecht weg. . Buch und Musik stehen tief unter der vorge-\nnannten Oper. Die Herren de St. Georges und de i.euven\nhaben diesmal ein höchst fades Machwerk geliefert, das all-\nbekannte Situationen, meist tragi-kornische, wie den Ab-\nschied Margot's ä laßegimentstochter, die Unschuld im\nSchlafzimmer eines Marquis, wie in der Nachtwandlerin,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580102-01.1.6", "texte": "u. dgl. wieder aufstapelt und durch Details verbindet, die\neben so trivial sind, wie der Inhalt des Stückes. Margot,\neine sechszehnjährige Schönheit, dient als Viehmagd (daher\nin der Introduction das Brüllen der Rühe, Blöken der\nSchafe, Glucken der Hühner, mit etwas Wachtel- und\nNachtigallenschlag vermischt!!) bei einem reichen Pachter,\nder seinen Gutsherrn ruinirt. Sie nimmt die Schuld eines\nTölpels, der einen Beutel mit Geld verloren hat, auf sich\nund wird vor die Thür gesetzt. Der Tölpel heult, überlässt\naber die unschuldige Geliebte ruhig dem Elende. Wer kann\nsich für eine solche Liebe interessiren ? Und doch bleibt\nder Bauernlümmel der Held; denn Margot's Liebe und ihr\nSchicksal drehen sich um ihn.\nIhr Loos ändert sich nämlich gar sehr. Der Marquis,\nd. i. der Gutsherr, ist ihr Pathe und nimmt sie zu sich ins\nSchloss. Nach drei Wochen im zweiten Acte) hat das gute\nKind Talente entwickelt, die in Erstaunen setzen; sie lies't,\nschreibt, singt vollends mit fabelhafter Virtuosität (Mad.\nMiolan-Carvalho , weiss sich vortrefflich im seidenen Co-\nstume zu benehmen, bleibt aber dabei im Uebrigen so naiv,\ndass sie von ihrer Gefahr in ihrer jetzigen Umgebung gar\nnichts merkt. Kurz, dieses aussergewöhnliche Geschöpf der\nbeiden Dichter ist ein Genie, wenn St. Georges es will, und\nein Gänschen, wenn de Leuven eins braucht.\nGlücklicher Weise ist der Gutsherr auch ein ausser-\nordentlicher Mensch. Erst fünfundzwanzig Jahre alt, com-\nmandirt er ein Linienschiff, hat aber vollauf Zeit, Cham-\npagner zu trinken, Pharo zu spielen, mit den Tänzerinnen\nder Oper zu leben. Dabei ist er aber für Margot nur gross-\nmüthiger Pathe, und nur ein einziges Mal, wo er etwas an-\ngetrunken ist, spürt er die marquisische Regung, ihr einen\nKuss zu geben. Uebrigens ruinirt ihn der Pachter wirklich.\nDa schenkt er Margot den Rest seines baaren Geldes und\nschickt sie fort wie edel! Aber sie ist nicht minder edel,\nträgt den vollen Beutel heimlich in sein Schlafzimmer\naber, o Himmel! wird hier von der ganzen vornehmen Ge-\nsellschaft, die der bankerotte Marquis zum letzten Male ein-\ngeladen, gefunden! Nach einigen Thränen verkannter Un-\nschuld, zu welcher die coquettesten Rouladen den Beweis\nliefern, läuft sie fort der jovial gelaunte Marquis lässt den\nPharo-Tisch decken der Vorhang fällt hebt sich, und\nsiehe! der Marquis hat sein ganzes Vermögen durch das\nGold in Margot's Beutel wieder gewonnen! Muss er nun\nnicht, als die Nachricht kommt, sie habe sich ins Wasser\ngestürzt, als braver Schiffs-Capitän ihr nachspringen, sie\nretten, und die Ohnmächtige, deren Crinoline nicht einmal\nvon dem Wellenschlage gelitten hat, in seinen Armen auf\ndie Scene tragen? Ei, freilich! Und so geschieht es auch\nPunktum.\nUnd die Musik? Eine Oper kann man diese Compo-\nsition nicht nennen; es ist ein langes Vaudeville mit einem\nNeujahrs-Vorrath von Romanzen, Couplets und neuen Sing-\nstückchen. Sie sind alle über Einen Leisten geschlagen, mo-\nduliren sämmtlich im achten Tacte und gehen mit dem Re-\nfrain wieder nach Hause in die Tonica. Mit seltenen Aus-\nnahmen ist die Melodie ohne wahren Inhalt, der Rhythmus\ntrivial, die komische Würze gemein. Die Concert- oder\n\\ iolin-Passagen für die Miolan sind als Paradeschweife den\nCouplets angehängt; eine eigentliche Arie hat sie nur im\ndritten Acte. Ihr Abschiedslied an die Leute vom Pacht-\nhofc im ersten Acte ist eine Parodie des ähnlichen Stückes\nin der Regimentstochter, mit dem Unterschiede, dass Doni-\nzetti so vernünftig war, es bei der Melodie bewenden zu\nlassen, Clapisson aber seine Margot nach den Thränen und\nden schmerzlichen Abschiedsworten auf dem Vocal ver-\nweilen und eine lustige Fanfare voll Coloratur-Jubel los-\nschiessen lässt! Heutzutage bedarf eine wehmüthige Zu-\nschauerin nicht des Trostes jenes Trompeters, der ihr aus\ndem Orchester zurief: „Weinen Sie doch nicht, Mamsell-\nchen ! die da oben stellt sich ja nur so!\" der Componist\nsorgt durch die Coda schon selbst dafür, dass man nicht auf\nden Gedanken kommt, es sei ihm Ernst mit der Wahrheit\nder Empfindung. Im zweiten Acte hat dieselbe Sängerin\neine Cavatine über Worte, die man unter dem Gerölle von\nTönen nicht auffinden kann; aber das ist nicht genug: am\nSchlüsse setzt sie sich wieder auf ihr Paradepferd, den Vocal\na, und galoppirt durch Labyrinthe von Harpeggien, diato-\nnischen und chromatischen Tonleitern, Mordenten, Trillern\neine \\ iertelstunde lang bergauf, bergab, dass einem schwin-\ndelig wird. Bei derartigen Coloraturen, wie sie Clapisson\nhier geschrieben hat, verschwindet das Einzige, was den Ge-\nsangs-Verzierungen Reiz geben kann, die Grazie; die Into-\nnation auch der geschultesten Sängerin und das ist die\nMiolan gewiss wird bei den grässlichen Sprüngen von\neiner Octave in die andere, bei den herausgestossenen ho-\nhen Tönen nicht immer ganz rein, geschweige denn wohl-\nlautend sein, und wo Alles auf den Eclat berechnet ist,\nmuss die Grazie ihr Haupt verhüllen und sich entfernen.\nUnd die Opernbühne ist doch wahrlich keine Schulstube für\nStudien und Kunststücke, bei deren Ausführung man sich\ndes ängstlichen Gedankens an das Misslingen nicht erweh-\nren kann! Dasselbe Gefühl ergreift einen bei der Tenor-\nPartie des Marquis wegen der verzweifelten Höhe, in der\nsie geschrieben ist. Das heisst nicht nur auf der Tonleiter\naus der Brust in den Kopf steigen, sondern den ganzen Ge-\nsang auf den Kopf stellen und die Männerstimmen zu Wei-\nberstimmen machen.\nWann wird die Natur endlich die Unnatur wieder ver-\ndrängen? Die Contrabassisten spielen Bratsche, die Violon-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580102-01.1.7", "texte": "Cellisten Violine, die Violinisten blasen Flöte, die Hornisten\nsingen zwei- und dreistimmig, die Trompeter quirlen Colo-\nratur, die Sängerinnen singen Violine, die Tenoristen pfeifen\nSopran! Wo will das hinaus?!\nIn ähnliche Betrachtungen vertieft und weder in der\nbesten Laune, noch in Erwartung eines musicalischen Tro-\nstes ging ich am 9. December nach der Opera comique, um\nLe Carnaval de Venise,eine neue Oper in drei Acten, Mu-\nsik von Ambroise Thomas, zu hören. Da bin ich aus\ndem Regen in die Traufe gekommen! Das Buch und die\nPartitur sind einzig und allein dazu da, der Madame Cabel,\njetzigen Prima Donna an dieser Bühne, Stoff für ihre Kehl-\nfertigkeit zu liefern, und was ich so eben im Scherz sagte,\nwird hier buchstäblich wahr: die Entwirrung der Handlung\nwird dadurch herbeigeführt, dass Mad. Cabel ein \\ iolin-\nConcert singt, sage: ein wirkliches Violin-Concert, wel-\nches uns im ersten Acte von dem vornehmen venetianischen\nMusik-Dilettantan auf der Bühne (d. h. im Orchester durch\nden Solo-Geiger) vorgespielt, von der schlauen Sylvia be-\nlauscht und durch sie am Ende aus dem Gedächtniss repro-\nducirt wird! Sie hat aber nicht nur dem Familienhaupte\nPalifornio sein Concert escamotirt, sondern auch seiner Frau\nund seiner Schwester die Beweise Briefe, Portrait u. s. w.)\nsträflicher und unadeliger Neigungen;—Alles im Bunde mit\ndem Sänger Caramello (Stockhausen) und unter dem\nSchutze des Carnevals, der mit grossem Pomp auf dem er-\nleuchteten und von Masken wimmelnden St. Markusplatze\nden zweiten Act füllt. Man merkt leicht, dass Sylvia eine\nOpernsängerin von Profession ist; aber dassLelio, der Sohn\ndes dilettantischen Nobile der übrigens verzweifelt gut\ngeigt), sich mit ihr heimlich vermählt hat, muss einem ge-\nsagt werden. Der dritte Act spielt im Saale der philharmo-\nnischen Gesellschaft, wo ein Concert gegeben wird. liier\nwill Palifornio sein Violin-Concert vortragen, allein eine\nSängerin hat die erste Nummer auf dem Programm und\nsingt unter dem Titel einer ihm sein\nConcert vor der Nase weg. Es ist Sylvia. Unter fanatischem\nApplaus verlangt die Gesellschaft den Namen des Compo-\nnisten, sie proclamirt ihn, und auf der ersehnten Stufe des\nRuhmes heiligt der Glückliche die Missheirath seines Sohnes\ndurch seine Einwilligung. Schwiegermutter und Tante\nwerden durch angedrohte Entdeckung ihrer süssesten Ge-\nheimnisse beschwichtigt und zur Milde gestimmt, und die\nGeschichte schiiesst mit einem Raketenbündel von Colora-\nturen der Heldin dieses Carnevals.\nSo haben also die beiden besten Componisten, die\nFrankreich in der Gattung der komischen Oper besitzt, Cla-\npisson und Thomas, sich dahin erniedrigt, auf Bestellung\nder Theater-Directoren nicht für die Kunst, sondern für die\nVirtuosität einer einzelnen Person zu schreiben! Herr Ca-\nvalho sagt: „Ich muss für meine Frau eine neue Glanz-\npartie haben!\"— Herr Roqueplan: „Madame Cabel kostet\nmir entsetzlich viel, schaffen Sie mir etwas Neues, Uner-\nhörtes für sie!\" —und auf der Stelle sind Dichter und Com-\nponisten bereit, Ordre zu pariren. Und das jämmerliche\nZeug, das sie dann zu Tage fördern, soll die Tradition der\nalten trefflichen komischen Oper der Franzosen fortsetzen?\nStockhausen hatte man in dieser Oper zum ersten Male\neine ganz neue Rolle anvertraut, als premiere creation. Er\nhätte eine bessere verdient, denn der Sänger Caramello ist\nnur eine Nebenperson. Indess hat ihn der Componist mit\nmehreren Nummern bedacht; seine erste Arie würde mehr\nEindruck gemacht haben, wenn der Eintritt Ihrer Majestä-\nten nicht während derselben die Aufmerksamkeit des Pu-\nblicums auf die kaiserliche Loge gezogen hätte. Ein hiesi-\nges Blatt sagt, er habe sich mit vielem Geschick und Ge-\nschmack aus der Sache gezogen und in der Rolle Elemente\neines vollständigeren Erfolgs gefunden, als er bis jetzt den\nRollen des alten Repertoires abgewonnen habe. Ich unter-\nschreibe das als historisch richtig; die Thatsache spricht\naber nicht zu Gunsten der hiesigen Kritik und des jetzigen\nGeschmacks.\n\nB. P.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nIhLJ&In. Dinstag den 29. December hörten wir in der dritten\nSoiree für Kammermusik das Yiolin-Quartett Nr. 4 in G-moll von\nG-. Ons low, das allerliebste Trio für Pianoforte, Violine und Cello\nin C-clur von J. Haydn, das Yiolin-Quartett Op. 59 Nr. 1 von\nBeethoven und eine neue Sonate für Pianoforte von F. Hiller.\nDas Onslow'sche Quartett wurde recht nett und verständig gespielt,\nkonnte jedoch im Allgemeinen keinen recht erwärmen len Eindruck\nmachen. Im Beethoven'schen hätten wir, bei aller Anerkennung der\nguten Ausführung, im ersten Satze mehr Breite und Kraft und den\nzweiten Satz etwas bewegter im Tempo gewünscht. Hiller spielte\ndas Haydn'sche Trio und seine neueste Sonate [Andante agitato\nein trefflicher Satz Scherzo und Finale) ganz vortrefflich auf\neinem schönen Erard'schen Flügel aus dem Depot von J. M. Hei-\nmann. Wir bewunderten in seinem Spiel vorzüglich auch die Modi-\nfication des Anschlags, welche den Tönen des Instrumentes eine\nsehr schön nuaneirte Farbe gab.\nDer Herr Graf von Redern zu Berlin hat dem kölner Män-\nnerg es an g-Y e r ein e als Zeichen der Anerkennung die Partitur\nder beiden Hefte der von ihm componirten und Sr. Majestät dem\nKönige gewidmeten Musica Sacra (Berlin, bei Schlesinger) übersandt.\nAm 5. Januar werden die vereinten Musik- und Sängerchöre der\nhiesigen Garnison ein grosses Concert im Gürzenichsaale zum Be-\nsten der in Mainz Verunglückten geben.\n** 30. December. Unser gestriges Concert ward mit\nder D-dur-Sinfonie von Mozart eröffnet, welche, frisch und spru-\ndelnd, daneben auch glänzend und elektrisirend, so recht empfäng-\nlich für die ferneren Kunstgenüsse machte. Dann sang Fräul. Mann\ndie grosse Scene und Arie aus dem Freischütz wie immer mit schö-\nnem Vortrage und mit Begeisterung, und errang lebhaften Beifall.\nDass Herr Breunung mit dem Chopin1 sehen Concerte den leb-\nhaftesten, begeistertsten Beifall errang, versteht sich von selbst; be-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580102-01.1.8", "texte": "sonders aber alle Kenner hat er vollständig entzückt. Auch die Be-\ngleitung des Orchesters war recht gut. Herr Eemmertz aus Düs-\nseldorf sang „In diesen heiligen Hallen\". Seine Stimme kam dabei\nzur besten Geltung; sie ist in der That wundervoll, und man hört\nsicher nur selten eine so schöne Bassstimme. Herr Dr. R. sang „Be-\nruhigung\" von Spohr und „Erlkönig\" von Schubert; er ist sehr\nmusicalisch und trägt mit vielem Verständniss vor. Den Schluss des\nersten Theiles machte eine neue Ouvertüre von C. Rein ecke zu\nRöber's Trauerspiel „Sophonisbe\". Sie wurde sehr gut ausgeführt\nund sehr lebhaft aufgenommen, und wird gewiss eben so ihre Lauf-\nbahn machen, wie die Ouvertüre zu „Dame Kobold\", mit welcher\nder Componist allerwärts einen grossen Erfolg errungen hat. Sie\nwurde zum zweiten Male im Gewandhause zu Leipzig mit demsel-\nben Beifalle, wie voriges Jahr, gegeben; auch Prag ist sie schon\nwiederholt worden, ferner in Kopenhagen, Magdeburg, Lübeck, Ro-\nstock, Sondershausen, Bremen, Löwenberg, München u. s. w. Den\nzweiten Theil bildete „Die erste Walpurgisnacht\" von Mendels-\nsohn-B artholdy. Das schöne, originelle Werk schlug sehr durch\nund gab einen neuen erfreulichen Beweis von dem Aufschwünge der\nhiesigen musicalischen Zustände, von den scliätzenswertlien Kräften\nund deren intelligenter und eifriger Benutzung durch den Dirigenten.\nDer Cäcilien-Verein hat am 28. November\nzur Einweihung des neuen Vereins-Locals sein erstes Concert gege-\nben. Das Programm war in historisch-chronologischer Reihenfolge\ngeordnet, „dem Andenken der grossen Meister deutscher Tonkunst\ngewidmet\" und enthielt in der ersten Abtheilung: 1) Achtstimmige\nMotette für Doppelchor: „Lob und Ehre und Weisheit\" u. s.w. von\nJob. Seb. Bach; 2) Arie für Bass und Chor aus dem Oratorium\n„Josua\" von G. Fr. Händel (die Arie des Kaleb gesungen von Herrn\nKammersänger OberhofFer); 3) Recitativ und Arie für Tenor aus der\nOper „Iphigenie\" auf Tauris von Christ. Gluck (gesungen von Herrn\nHof-Opernsänger Grimminger]; 4) Jagd- und Trinkchor aus dem\nOratorium „Die vier Jahreszeiten\" von Jos. Haydn. - In der zwei-\nten Abtheilung: 5) Ouvertüre zur Oper „Die Zauberflöte\" von W.\nA. Mozart; 6) Concert für das Ciavier (Nr. 3, C-moll) von L. van\nBeethoven (die Clavier-Partie vorgetragen von Herrn Alb. Fuhr, die\neingelegte Cadenz componirt von H. Giehne); 7) Lauda Sion, Hymne\ndes Thomas von Aquino aus dem 13 Jahrhundert, für Soli, Chor\nund Orchester componirt von Felix Mendelssohn-Bartholdy (die Soli\ngesungen von der Hof-Opernsängerin Frau Hauser, Herrn Kammer-\nsänger Oberhoffei, so wie zwei Mitgliedern des Vereins).\nDie Wiener Monatsschrift für Theater und Musik\n(herausgegeben von Jos. Klemm) wird auch in diesem Jahre (vierter\nJahrgang) fort erscheinen.\nHeit-York? 6. December. Vorigen Montag Abends hatten die\nBewohner der 3. Avenue und 14. Strasse einen seit langer Zeit un-\ngewohnten Anblick den einer mächtigen Wagenburg um das\nOpernhaus. Es waren aber auch keine Maccaroni aus Verdes oder\nDonizetti's Küche, die an dem Abende den Gästen aufgetragen wur-\nden, sondern eine kräftige Fleischspeise Meyerbeer's „Robert der\nTeufel\". Der anerkannte Werth der Oper einestheils, deren Schöpfer\nDeutschland und Frankreich eben so gleichmässig angehört, ange-\nhört wie die Oper selbst deutscher und französischer Schule, und\nder Name des deutschen Bassisten Karl Formes, der an dem\nAbende zum ersten Male auftrat, Hessen das Haus rasch und bis\nin die obersten Räume sich füllen, und zwar zu mehr als einem Drit-\ntel durch das nicht anglo-sächsische Publicum. Die Krisis war ver-\ngessen und von der „Finanznoth blasser Wehmuth\" inmitten der\nreichen Damen-Toilette nichts zu bamerken.\nDie Vorstellung war eine bei der kurzen Zeit des Einstudirens\nüber Erwarten gelungene, Dank der Rastlosigkeit und Sorgfalt, mit\nwelcher Hr. Capellmeister Ans c h üt z die Solo-, Chor- und Orchester-\nProben geleitet hat. Zugleich hatte die Direction, wohl erkennend,\ndass diese und ähnliche Opern bedeutende scenische Pracht erfor-\ndern, in Costumen und Decorationen Vieles gethan, wenn auch die\nKirchhofscene des dritten Actes, trotz guter Anordnungen des Herrn\nFormes und trotz des BaUets, noch weit hinter europäischer Dar-\nstellung zurückblieb.\nDer erste Stern war natürlich K. Forme s, der in der Rolle des\nBertram in Gesang und Spiel wohl keinen einzigen Concurrenten be-\nsitzt, der ihm den Sieg streitig machen könnte. Sein Vortrag bekun-\ndete in jedem Tone den vollendeten und routinirten Sänger, und sei-\nnes „Basses Grundgewalt\", die alle Herzen erzittern machte, rief von\nScene zu Scene den stürmischsten Beifall hervor, so dass der Sän-\nger, besonders nach dem grossen zweiten Acte, mit Blumen und\nKränzen reich bedacht und wiederholt gerufen wurde. Sein diaboli-\nsches, bis in die kleinsten Details durchdachtes und edles Spiel, im\nvollsten Einklang mit den Worten, bewies, dass Herr Formes nicht\nblosser Sänger, sondern dramatischer Sänger ist, der in seiner Partie\nsich verkörpert. Fügen wir noch bei, dass derselbe sich am Montag\ndiese vollste Anerkennung des Publicums erwarb, als dieses schon\nfürchtete, dass eine bedeutende Erkältung, die ihn befallen, sein\nAuftreten unmöglich machen würde, so ist kein Zweifel, dass der\nvollkommen disponirte Formes sich diesen Lorber nicht mehr vom\nHaupte reissen lässt.\nIhm würdig zur Seite stand Mad. Lag ränge als Alice, jeden-\nfalls eine ihrer schönsten Partieen. Die Wiederholung der Oper\nam Mittwoch und am Freitag fand ein fast eben so volles Haus und\ndie vollste Anerkennung des Publicums."}]}