{"numero_id": "bm-bmtnabi-1858-01-09-01", "volume": "bmtnabi_1858-01-09_01", "ocr_sha256": "c81b2ee73b00cb634235ee19044eddfbed450ba3e1e5cacf2c4ff50c6cecf6a7", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1858/01/09_01/bmtnabi_1858-01-09_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580109-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1858-01-09-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-01-09_01#c001", "volume": "bmtnabi_1858-01-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "9", "page_fin": "9", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580109-01.2.1", "titre_corps": "Saul. Oratorium von F. 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Sie verfuhr damit, wie mit so vielen Dingen\nin Kunst und Welt: ein ursprünglich richtiges, naturgemäs-\nses, in der Empfindungs- und Anschauungsweise des Jahr-\nhunderts wurzelndes und folglich berechtigtes Gefühl des\nUngenügenden im Vorhandenen und Gewordenen brach\ndurch alle Schranken und wähnte seine Befriedigung im\nUmsturz des Bestehenden und im Schaffen von etwas gänz-\nlich Neuem zu finden. Das Zerstören ging leicht vonStatten;\naber ehe sie zum Aufbau des Neuen kamen, stolperten die\nBaumeister über die Trümmer des Alten.\nZunächst wurde für das Oratorium nicht nur der bibli-\nsche Stoff, sondern auch die religiöse Stimmung für nicht\nmehr zeitgemäss erklärt. Wiewohl Haydn auf wunderbar\nschöne Weise die Vereinigung des Religiösen mit Stoffen\naus der Wirklichkeit des Lebens in der „Schöpfung\" und\nin den „Jahreszeiten\" vollbracht und dadurch gezeigt hatte,\ndass auch beim so genannten weltlichen Oratorium das\nDurchklingen eines religiösen und ethischen Grundgefühles\ndie Einzelgefühle zu inniger Einheit zusammenfasse und\ndem Ganzen die höhere Weihe gebe, so fand diese Gattung\ndennoch nicht nur keinen Nachahmer, sondern die neueste\nSchule verwarf auch diese Meisterwerke und wählte zu Stof-\nfen für oratorienartige Gesangwerke Schilderungen und\nBilder des Lebens oder der Natur und Erfindungen der\nPhantasie.\nFast ärger noch als den Stoffen erging es den musica-\nlischen Formen des Oratoriums, wiewohl auch in dieser\nBeziehung ein dunkles Gefühl der Unzulänglichkeit dersel-\nben für unsere Zeit im Rechte war. Wenn es unseren Com-\nI\nponisten an dem Genie eines Bach und eines Händel fehlt,\ndie strengsten contrapunktischen Formen so zu beseelen,\nwie jene es vermochten, und sich daraus allein schon die\nNotwendigkeit einer anderen Schreibart für sie ergibt, so\nwäre es auf der anderen Seite unverantwortlich, wenn sie\ndie grossen Fortschritte auf dem Gebiete der Tonkunst im\nVerlaufe eines Jahrhunderts als nicht vorhanden betrachten\nwollten. Die schöpferischen Geister Haydn, Mozart und\nBeethoven haben die Romantik der Musik als deren eigen-\ntümlichstes Wesen durch ihre Instrumental-Compositionen\nauf eine Weise zur Erscheinung gebracht, von welcher die\nalten Meister keine Ahnung hatten, und diese neue Offen-\nbarung führte eine Vermehrung und Vervollkommnung der\nOrchester-Mittel herbei, an deren Benutzung wir so gewohnt\nsind, dass ihre Vernachlässigung bei neueren Werken ein\ngrosser Missgriff sein würde.\nAm lebhaftesten fühlte das Mendelssohn. Ergriffen so-\nwohl von der Innigkeit und Tiefe, als von der Pracht und\nKraft in Bach und Händel, versuchte er in Bezug auf reli-\ngiöse Stimmung und auf polyphone Formen an beide anzu-\nknüpfen und zugleich die neuen Eroberungen der Tonkunst\nmit dem Geiste der alten Tradition zu vereinigen. Im Gan-\nzen genommen war er glücklich in dieser Vermittlung und\nhat den Ruhm gar wohl verdient, den sein Paulus ihm er-\nworben und sein Elias ihm gesichert hat.\nHiller betrat, jedoch keineswegs ohne Eigentümlich-\nkeit, denselben Weg; seine „Zerstörung von Jerusalem\" hob\nihn mehr als alle seine früheren Compositionen auf die Höhe\neines europäischen Rufes, und die Aufführungen dieses\nOratoriums wechseln noch jetzt bei grösseren Concert-An-\nstalten mit den Werken Mendelssohn's ab. In unseren Ta-\ngen ist Reinthaler auf derselben Bahn zu einem schönen\nErfolge durch das Oratorium „Jephta und seine Tochter*\ngelangt."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580109-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5260, "texte": "Im „Saul\" hat nun aber Ililler einen bedeutenden\nSchritt weiter gethan, indem er sich im Ganzen der freien\nSchreibart hingibt und doch der Gattung, zu welcher das\nWerk gehört, durch gediegene polyphone Arbeit den ern-\nsten und würdigen Charakter bewahrt. Diese Vereinigung\nder polyphonen Arbeit mit dem freien Stil ist auf eine so\nmeisterhafte Weise durchgeführt und wird ferner durch\neine so geniale Behandlung des Orchesters theils vermit-\ntelt, theils gehoben, dass wir in diesen beiden Dingen ne-\nben der reichen Erfindungsgabe im melodischen Theile\nden Hauptgrund des ganz ausserordentlichen Erfolges des\nWerkes sehen. Es ist dadurch etwas erreicht, was vielleicht\ndie einzig wahre Aufgabe des Oratoriums in unserer Zeit\nsein dürfte: das Religiöse mit dem rein Menschlichen zu\nverbinden. Sobald das Oratorium das Dramatische in sich\naufnimmt wozu es von je her berechtigt gewesen ist,\nwie Händel's Samson, Jephta und andere Werke zeigen,\nund wozu es in der jetzigen Zeit sich immer mehr hinneigt\n—, so darf ihm auch der Ausdruck menschlicher Leiden-\nschaften nicht fern bleiben. Der eigentlichen Kirchenmusik,\nd. h. der beim Gottesdienste angewandten, verbleibe das\nKirchliche und dogmatisch Geheiligte; das Oratorium\ndurchdringe als Hauptbedingung ein religiöses Grundgefühl,\nallein dessen Element sei die Idealität. Diese bewahre das\nOratorium bei aller vollen Gefühls-Ergiessung vor dem\nRealismus der Oper und vollends vor dem Uebermaass in\ndemselben.\nIn dieser Beziehung ist Hiller's „Saul\" als Schöpfung\neiner neuen Gattung zu bezeichnen. Es ist moderne Musik,\nsie wurzelt im Charakter der Zeit, aber sie hält fest an dem\nGesetze, dass das musicalisch Schöne ihr Haupt-Inhalt sein\nmüsse. Sie ist ferner nicht durchaus modern, indem sie der\nSubjectivität nicht ganz und gar den Zügel schiessen und\nsie in Stoff und Form ungebändigt frei walten lässt, son-\ndern in einem wesentlichen Theile objectiv bleibt, in den\nChören, die ihr (wie bei den älteren Meistern) als Gipfel-\npunkt des Oratoriums gelten, so dass ihr bei diesen nicht\nbloss der tiefe Gehalt und Gefühls-Ausdruck, sondern auch\ndie strengere Form und kunstmässige (objective) Gedan-\nken-Entwicklung die Hauptsache sind.\nDiese Musik unterscheidet sich daher wesentlich von\nderjenigen, die aus ähnlichen, weil in der Zeit wurzelnden\nBestrebungen Robert Schumann s und Richard Wagner s\nhervorgegangen ist; von Schumanns Werken (Paradies\nund Peri, Der Rose Pilgerfahrt u. s. w.) zunächst durch\nden biblisch-historischen Stoff und dessen dramatische Be-\narbeitung, von beiden Componisten durch die gediegene\nPolyphonie, und von der Schreibart Wagners noch beson-\nders durch melodischen Reichthum im Gesänge und treff-\nliche Behandlung des Orchesters, in welchem die Wirkung\nnicht durch schroffen Accordwechsel und materielle Klang-\nEffecte gesucht, sondern durch harmonische Combinatio-\nnen, die bei aller Mannigfaltigkeit und Neuheit nie den\nWohlklang verletzen, und durch schöne Melodieen einzel-\nner Instrumente, die sich um die Gesangstimmen winden\noder mit ihnen verschmelzen, auf echt musicalische Weise\nerreicht wird.\nDer Text ist nicht aus Bibelstellen zusammengefügt,\nsondern von Moriz Hartmann selbstständig bearbeitet, und\nzwar in gereimten Versen, mit Ausnahme einiger Recitative,\ndie in Prosa geschrieben sind. Die Sprache sucht die alt-\ntestamentliche Farbe wiederzugeben, meistens mit Glück;\ndoch könnte sie hier und da edler gehalten und poetischer\nsein.\nDie Handlung umfasst die letzten Lebensjahre Saul's,\nseine Verfolgung David's und sein Ende nach der verlore-\nnen Schlacht gegen die Philister.\nSie beginnt mit dem jubelnden Sieges-Chcr der Kinder\nIsraels nach der Niederlage Goliath's. Mit steigendem Groll\nvernimmt der König Saul den Gesang: „Saul hat Tausend\ngeschlagen, David zehnmal Tausend\" —die Undankbarkeit\ndes Volkes gegen ihn und die Lobpreisung David's regen\nihn stürmisch auf, und als er nun gar seine Tochter Michal\nan der Spitze der Frauen daherkommen sieht zur Feier des\nHirtenknaben, da ruft er aus:\n~Vergessen ihren König hat die Menge,\nVergessen seinen Vater hat das Kind;\nNur David's Namen feiern die Gesänge,\nMein Ruhm zerfliesst wie Nebel vor dem Wind.\"\nDer Zug der Frauen naht: Saul weicht ihm aus. Mi-\nchal preis't die That des Helden-Jünglings und bekränzt ihn.\nEr weis't den Lorberkranz zurück und sehnt sich nach\ndem stillen Glück der heimatlichen Flur, nach dem Liede\nI der Harfe und dem Heerde seines Vaters zurück.\nDa erscheint der König wieder; sein Zorn wallt auf\nvon gekränktem Stolz. Allein David's demuthsvoller Sinn\nund liebliche Stimme „klingen ihm tröstend und mild, die\nThräne entquillt seinem Auge\", er sinkt unter David's, Mi-\nch al's und der Frauen leisem Gesang in Schlummer.\nAber plötzlich fährt er auf aus schrecklichem Traum:\nder Chor ruft „Wehe!\"\n„Die Geister der Naeht\nSind neu erwacht\" -\nSaul fährt in wildem Grimm David an, „den frechen\nKnecht, der sich schmückt mit seinem Glänze,\" und schleu-\ndert die Lanze nach ihm. Der Herr schützt David, Saul\nbricht in sich zusammen, das Volk dankt in vollem Chore\nGott; denn „der Herr hat David's Seele vom Tode errettet.\"\nHiermit endigt der erste Abschnitt der Handlung. Im\nfolgenden erscheint Samuel und verkündet mit Donner-\nstimme den Zorn Jehovah's, der „Saul, den König, verwor-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580109-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4499, "texte": "feu hat, weil er des Herren Wort verworfen\". Das Volk\nerbebt ob des furchtbaren Strafgerichtes des Herrn: „Wel-\nche Donnerworte entströmen seinen Lippen! Die Stimme\ndes Herrn geht mit Macht.\" Aber Michal und Jona-\nthan rufen in des Vaters Seele Muth und Vertrauen auf\nGott zurück. Saul ermannt sich als König, und das Volk\nliehet zu Gott, „des Zornes Wolke an dem einst durch ihn\nauserkorenen Fürsten vorübergehen zu lassen\".\nDamit schliesst der erste Theil des Oratoriums.\nDer zweite Theil führt uns in das Heimatsthal Da-\nvid's, wo Isai mit seinen Söhnen und Knechten die Herde\nweidet. Ein Chor der Hirten eröffnet die Scene. Samuel\nerscheint, verkündet das Gebot Gottes und salbt David zum\nKönig. David und die Seinigen beugen sich dem Willen\ndes Herrn, und als Samuel dem Gesalbten befiehlt, vor\ndem Herannahen Saul's und seiner Heerscharen in die\nWüste zu liiehen, „werfen Alle den Hirtenstab hin, grei-\nfen zu Schild und Wanen\" und ziehen mit David.\n/\nEinsam und verlassen im Königspalaste spricht Michal\nihre Liebe zu David und ihre Sehnsucht nach seiner Rück-\nkehr aus.\nDem Flüchtigen hat die Stadt Nobe eine Stätte ge-\nwährt. Die Krieger Saul's nahen in wildem Chor;\nSaul verflucht die Stadt und weiht sie dem Untergange:\nMord der Priester und der heiligen Gemeinde, die „be-\ntend sterben\" und den Herrn loben. Saul fordert dann auf,\nDavid zu verfolgen, „seinen Staub den Lüften, sein Gebein\ndem Gethier zum Raube zu geben\".\nDoch gebeut er, erst der Ruhe eine Stunde zu weihen.\nDie Krieger lagern sich zum Schlafen, er selbst sehnt sich\nnach dem Gesänge des jungen Hirten, der sonst „die bösen\nGeister, die sein Haupt umschwirrten, zur Ruhe sang\", und\nfällt nach und nach in tiefen Schlaf.\nDa naht David's gewaffnete Schar; mit leisem Chor\nrufen sie ihn und zeigen ihm die schlafenden Krieger und\nden König selbst, den „Gott in seine Hand gcfeben\". Er\naber heisst sie sich zurückziehen, ruft dem Könige zu:\n„Saul, erwache!\" und zeigt ihm den Saum, den er von sei-\nnem Gewände geschnitten. Saul erkennt die Stimme seines\nSängers, sein Herz fliesst über der ganze Chor ruft aus:\n„Seht, sie weinen beide! steckt die Schwerter in die\nScheide!\" und schliesst mit dem Gesänge:\n„0, wie schön und lieblich ist es,\nWenn in Eintracht Herrscher wohnen:\nGleich dem Balsam, gleich dem Thaue\nIst der Friede auf den Thronen.\"\nDoch neue Trauer naht: die Prophetenjünger verkün-\ndenSamuel's Tod. „Wehe! o finstre Kunde\", ruft das Volk.\n„Ein Stab ist gebrochen,\nEin Stamm verdorrt,\nEin Fels verwittert!\"\nNoch nicht genug der Trauerbotschaft: ein neues Heer\nder Philister ist ins Land gefallen. Da fordert der König\nzum Kampfe auf. Das begeisterte Volk antwortet mit einem\nHvmnus an Jehovah:\n«J\n„Erhaben, einsam thronest du\nHinter Wolken in heiliger Ruh' \"\nmit dem Gebet: „Mach' uns stark!\" und dem feurigen\nSchlachtlied: „Schlage sie nieder mit starker Faust!\"\n„Mache dich auf, denn du bist der Herr in Ewigkeit!\"\nHier schliesst der zweite Theil.\nDer dritte Theil zeigt uns Saul auf „den kahlen\nStrecken\" von Endor. Es ist Nacht. Von der Ahnung sei-\nnes Geschicks gepeinigt, fordert er das Zauberweib von\nEndor auf, Samuel's Geist heraufzubeschwören. Samuel\nerscheint und weissagt ihm sein nahes Verderben. Der\nTag bricht an: die Frauen von Endor begrüssen den\nMorgen und Saul, den gehofften Erretter. Der Chor der\nKrieger ruft seinen Führer; aber Saulist matt, erschöpft,\nlebenssatt. Die Hexe von Endor reicht ihm stärkende Nah-\nrung der Chor wiederholt seinen Ruf: „Erschein' in\ndeiner Macht!\"\nDa richtet sich Saul auf:\n„Noch einmal in Pracht\nDurchzieh' ich die Schlacht,\nUnd kann ich den Eathschluss Jehovah's nicht wenden,\nSo will ich als Held und als König enden.\"\nDie Schlacht beginnt: der Chor der Frauen, die von\nder Höhe herab der Schlacht zusehen, schildert den heis-\nsen Kampf: Grauen und Gebet wechseln mit einander:\nIsrael unterliegt, Alles wendet sich zur Flucht. Saul, ge-\nschlagen und vereinsamt, ruft aus:\n„Meine Söhne sterben,\nMich hat Gott verlassen!\"\nund fällt in sein Schwert.\nIn der letzten Scene meldet an Michal ein Bote den\nTod Saul's und Jonathan's. Trauermarsch, Klagelied Mi-\nchal's und Trauerchor des Volkes. Klaggesang David's um\nSaul und Jonathan. Michal erhebt sich und grüsst zuerst\nDavid „als Herrn und König, als Schutz und Heil\". Das\nVolk beugt die Kniee vor ihm, und David und die Kinder\nIsraels „preisen den Herrn und erhöhen seinen Namen\".\nDas Gedicht ist, wie man sieht, reich an ergreifenden\nScenen, contrastirendcn Situationen, dramaticshen und ly-\nrischen Momenten."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-01-09-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-01-09_01#c004", "volume": "bmtnabi_1858-01-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "11", "page_fin": "13", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580109-01.2.3", "titre_corps": "Die diesjährige musicalische Winterzeit in Holland.", "titre_sommaire": "Die diesjährige musicalische Winterzeit in Holland.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580109-01.1.3", "debut_caractere": 4501, "fin_caractere_exclue": 4773, "texte": "Die diesjährige musicalische Winterzeit in Holland.\nIn Amsterdam wurde die Reihe der Concerte am 15.\nNovember mit dem 35. Concert der Gesellschaft „Cäcilia\"\neröffnet. Dieses Concert-Institut, das im Jahre 1840 mit\nder Bestimmung, einen Pensionsfonds für Musiker zu bilden,"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580109-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5260, "texte": "entstanden, wurde unter Leitung des unvergesslichen van\nBr e e auf eine solche Höhe gebracht, dass dessen Leistun-\ngen mit jedem Orchester, ja, laut Urtheil berühmter fran-\nzösischer Künstler selbst mit dem pariser Conservatoire-Or-\nchester wetteifern konnten. Der Tod van Bree's (Februar\n1857) brachte dem Vereine einen harten Verlust, welcher\nunersetzlich gewesen wäre, hätte man nicht in Herrn Bunte\neinen Dirigenten gefunden, der sich der Aufgabe gewach-\nsen zeigte. Herr Bunte leitete schon zwei Concerte mit\nglücklichem Erfolge und wird wahrscheinlich seine schwie-\nrige Stelle behaupten können.\nDas Programm des oben genannten Concertes bestand\naus: I. Ouvertüre zu Joseph von Mehul; Sinfonie (C-moll)\nOp. 77 von J. Haydn; Ouvertüre „Ossians-Nachklänge\"\nvon Niels Gade; 11. Sinfonie Nr. 3 (.Es-dur) von Rob. Schu-\nmann; Tannhäuser-Ouverture von Richard Wagner. In\nmusikgeschichtlicher Beziehung war dieses Programm sehr\ninteressant. Vom Begründer der Instrumental-Musik, dem\nkindlich-naiven Vater Haydn, bis zum Abgott der Zukunft-\nsmänner, Richard Wagner, waren Componisten aus ver-\nschiedenen Epochen unseres Jahrhunderts vertreten.\nEs möchte Vielen zweifelhaft vorkommen, ob die Wag-\nner'sche Ouvertüre in den Concertsaal gehört. Wir theilen\ndiese Zweifel in so weit, dass die Tannhäuser-Ouverture\nverständlicher ist, wenn man dieselbe in Verbindung mit\nder Oper bringt. Jedoch hat die Ausführung im Concert-\nsaale den Vortheil, dass bei der stärkeren Besetzung des\nStreich-Quartettes die Instrumentation besseren Effect\nmacht, als im Theater. Die Ausführung der sämmtlichen\nYS erke war ausgezeichnet. Das Menuetto der llavdn'sehen\nV__/\nSinfonie, wie auch die Tannhäuser-Ouverture wurden nach\nstürmischem Applaus wiederholt.\nIm ersten Concert der Gesellschaft Felix Meritis am\n20. November wurde eine Sinfonie, Op. 64, von Ad.\nHesse zu Gehör gebracht. Eine Sinfonie von diesem treff-\nlichen Orgelspieler und Componisten war uns bisher unbe-\nkannt. Sie wurde sehr gut ausgeführt und hatte einen\nces d'estime.\nFräul. D eutz erregte durch ihre schöne volle Stimme\nAufsehen, wiewohl eine kleine Disposition zur Heiserkeit\nnicht zu verkennen war, in Folge deren sie hier und da\nnicht ganz rein intonirte. Trotz dieser, wenn auch nur ge-\nringen, Spuren einer Erkältung gelang es ihrem schönen\nTalente dennoch, sich Anerkennung und lebhaften Beifall\nzu erwerben. Zwei Lieder von Mendelssohn und von Ni-\ncolai sang sie wunderschön und mit grossem Applaus. Sie\nwurde aul der Stelle auch für das zweite Concert engagirt.\nHerr Capellmeister A. Pott aus Oldenburg spielte ein\nConcert (Nr. 4) von seiner Composition und einige kleinere\nSolostücke. Endlich einmal wieder ein echt kerndeutsches\nViolinspiel! Der wackere Künstler bewährte sich als vor-\nzüglichen Componisten und vortrefflichen Vertreter der\nSpohr'schen Schule. - Die Ouvertüre zum „Berggeist\"\nwurde ausgezeichnet gut gespielt und machte grosse Wir-\nkung. Eine andere zur Oper „Portia\" von Hartog hat\nhübsche Stellen, geht aber besonders gegen Ende ganz in\ndas jetzige italiänisch-französische Ouvertüren-Wesen über.\nSie wurde jedoch beifällig aufgenommen, und mag auch\nwohl in Verbindung mit der Oper besser an ihrer Stelle\nsein, als im Concert, für welches ihr Zuschnitt nicht pas-\nsend ist.\nHaag, 25. November. Erstes Concert der Gesellschaft\nDiligentia. Diese Gesellschaft ist auf ganz ähnliche Weise\nwie Felix Meritisin Amsterdam eingerichtet; Literatur,\nNaturkunde, Malerei und Musik finden gleiche Pflege. Un-\nter anderen Orchesterwerken wurde Mendelssohn's\nOuvertüre: Die Heimkehr aus der Fremde, zum ersten\n-Male ausgeführt. Dieselbe wurde vom Publicum mit En-\nthusiasmus empfangen.\nFräul. Deutz und der italiänische Violin-Virtuose\nCamillo Sivori füllten die Solo-Partieen aus.\nRotterdam, 26. November. Erstes Concert von Eru-\nditio Musica. Sinfonia Eroica von Beethoven, Ouvertüren\nzu Tannhäuser und zu Euryanthe. Gesang: Fräul. Deutz,\nVioline: Herr Sivori. Fräul. Deutz erwarb durch den\nVortrag der Arie in B-duraus der Schöpfung grossen\nund wohlverdienten Beifall. Herr Sivori war uns schon\nvon vor 12 Jahren her bekannt, jedoch hörten wir ihn von\nNeuem mit Bewunderung an. Sein Spiel ist perlenrein,\ntechnisch vollkommen und im Vortrage manchmal geist-\nreich und humoristisch. Derselbe trug uns zwei Compositio-\nnen von Paganini und eine eigene Phantasie vor.\nDie Orchesterwerke, namentlich die Ouvertüren zu\nTannhäuser und zu Euryanthe, wurden mit Glanz ausge-\nführt. Weniger glücklich war man mit der Beethoven'schen\nSinfonie. Bei der gegenwärtigen Einrichtung der Proben\nin Rotterdam kann aber kein besseres Resultat erwartet\nwerden. Das Orchester besitzt allerdings eine achtens-\nwerthe Technik; jedoch kann man es nicht billigen, dass\nmit nur Einer Probe am Morgen des Concert-Tages\nsämmtliche Orchesterwerke, selbst neue (wie diesmal die\nTannhäuser-Ouverture), nebst den Soli-Begleitungen ein-\nstudirt werden müssen.\nDas zweite Concert derselben Gesellschaft fand am\n10.Deccmber Statt. Programm: Sinfonie „Die Weihe der\nTöne\" von Spohr; Ouvertüren: Bianca Sill'redi von Dli-\npon t und die Fingalshöhle von Mendelssohn; Gesang:\nFräul. Caroline Lehmann; Violine: Herr Sivori.\nFräul. Lehmann gastirte schon vor zwei Jahren bei\nder deutschen Oper in Amsterdam* liess sich in verschie-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580109-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2859, "texte": "denen Concerten hören und bewies sich damals schon als\neine Künstlerin hohen Ranges. Ihre schöne Stimme ist von\nseltenem Umfange, ihre Coloratur untadelhaft und ihr Vor-\ntrag geistvoll. Diesmal sang sie die Arie aus Fidelio und\nCosta Diva aus Norma.\nHerr Sivori riss uns nochmals zur Bewunderung hin,\nvornehmlich mit seiner Phantasie aus Rossini's „Moses\"\nauf der 6r-Saite allein.\nAls Novität brachte das Orchester uns die Ouvertüre\nzur Oper Bianca Siffredi von Dupont, gegenwärtig Mu-\nsik-Director in Hamburg, zu Gehör. Nachdem dieser Oper\naus Linz, Salzburg und Hamburg ein ehrenvoller Ruf vor-\nausgegangen, waren unsere Erwartungen auch auf die\nOuvertüre hoch gespannt. Sie wurden aber getäuscht. Die\nComposition ist technisch gut zu nennen, jedoch ist damit\nauch fast Alles gesagt. Wir fordern von einem Componisten\nnicht, dass er in allen Hinsichten ganz neu sein und das\nnoch nicht Dagewesene liefern solle. Nur wollen wir, dass\ner seine eigenen Gedanken zusammenstelle, und hören nicht\nijern Reminiscenzen aus bekannten Werken, wie hier der\nFall ist. Mit Ausnahme des zweiten Haupt-Motivs ist in die-\nser Ouvertüre fast Alles aus Mendelssohn's Athalia und Lob-\ngesang genommen; ferner sind Gade und Richard Wagner\ndeutlich zu erkennen. Eine mittelmässige Ouvertüre kann\naber wohl einer guten Oper angehören, und so wollen wir\nvon der letzteren das Beste hoffen.\nEbenfalls in Rotterdam führte am 18. December die\nGesellschaft zur Beförderung der Tonkunst „Die Zerstö-\nrung Jerusalems\", Oratorium von Ferd. Hiller, auf, unter\nDirection von Verhülst. Das Hiller sehe Werk wurde\nzum ersten Male im Jahre 184*2 in Amsterdam aufgeführt,\n1848 im Haag, wurde seitdem in mehreren Provincial-\nstädten gehört und machte also nach und nach die Runde\ndurch ganz Niederland. Den Werth dieser- Composition\nhier noch zu besprechen, ist nicht mehr nothwendig. Nur\nnahmen wir bei der gegenwärtigen Aufführung Veranlas-\nsung, unsere besondere Aufmerksamkeit der fast überall\nhöchst interessanten Orchester-Begleitung und der schönen\nInstrumentation zu widmen. Was die Aufführung betrifft,\nso war sie in aller Hinsicht höchst gelungen. Der *220 Per-\nsonen starke Chor und Orchester leisteten unter Verhütet's\nLeitung Vortreffliches. Die Soli wurden von drei Dilet-\ntantinnen und den Herren B r e e uw s (Tenor) und Schiffer\naus Köln (Bariton) gesungen. Alle ärnteten Beifall; unser\ngeehrter Gast aus Köln sang seine schwierige Partie mit\nWahrheit des Ausdrucks und tiefem Gefühl. Auch die tüch-\ntige Haltung des Orchesters, vornehmlich der schöne Vor-\ntrag des Violin-Solo's durch den Herrn Concertmeisters\no\nTours verdient Anerkennung. Ungefähr 1200 Zuhörer\nwohnten der Aufführung bei.\nIm Februar werden Mendelssohn's Lorelei, Gade's\nErlkönigs Töchterlein und die neunte Sinfonie von Beet-\nhoven, im April Händel's Israel in Aegypten in Rotter-\ndam zur Aufführung kommen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-01-09-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-01-09_01#c005", "volume": "bmtnabi_1858-01-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "13", "page_fin": "14", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580109-01.2.4", "titre_corps": "Der Männergesang-Verein in Wien.", "titre_sommaire": "Der Männergesang-Verein in Wien.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580109-01.1.5", "debut_caractere": 2861, "fin_caractere_exclue": 5069, "texte": "Der Männergesang-Verein in Wien.\nDer dritte Jahres-Bericht über das Vereinsjahr\n1856 57, verfasst von dem Schriftführer Spranz Ellinger,\numfasst die Wirksamkeit des wiener Männergesang-Vereins\nim vierzehnten Jahre seines Bestehens.\nAn die Stelle der üblichen Stiltungs-Messe wählte man\ndieses Mal das Requiem von Cherubini mit Orchester-\nBegleitung. Es wurde zugleich als Todtenfeier für die ver-\nstorbenen Vereins-Mitglieder am 13. November 1856 in\nder Augustinerkirche unter der Direction des Chormeisters\nSchläger aufgeführt.\nDer Verein veranstaltete ausserdem nebst den statuten-\nmässigen 2 Liedertafeln und 2 Concerten noch 6 Lieder-\ntafeln im engeren Kreise und 3 Sängerfahrten und brachte\nam 15. September 1857 zum Schlüsse bei dem Künstler-\nJubiläum seines gefeierten Ehren-Mitgliedes Heinrich An-\nschütz demselben eine Serenade.\nIn seiner Mitgliederzahl ist der Verein sich ziemlich\ngleich geblieben. Von den Anfangs des Jahres zählenden\n194 Mitgliedern verlor er 30; dagegen traten 44 neue\nMitglieder ein, so dass der Verein mit Ende September\n1857 208 Mitglieder stark ist. Einen Beweis der regen\nTheilnahme unter dem Publicum gibt die Zahl der beitra-\ngenden Mitglieder, deren der Verein mit Schluss 1856 362\nzählte, im heurigeu Jahre aber 420, also um 58 mehr.\nZu gewöhnlichen Uebungen versammelte sich der Ver-\nein 55 Mal. In den statutenmässig bestimmten Concerten\nund Liedertafeln brachte der Verein 47 Nummern, darun-\nter 25 neue, zur Aufführung. Bei Liedertafeln im engeren\nKreise und bei Sängerfahrten aber kam man mit den Pro-\nduetionen auf 111 Nummern.\nDas Wirken des Vereins erhielt auch im heurigen Jahre\nwieder vielseitige thatsächliche Anerkennungen; das zeigen\ndie zahlreichen und anerkennenden Zuschriften und Wid-\nmungen, die Uebersendung eines Ehrenpocals und Gedenk-\nblattes durch die münchener Liedertafel, das Legat von 120\nFl., welches dem Vereine von dem verstorbenen Dr. Joel\nvermacht wurde, u. s. w.\nMit einem Ehren-Honorar für neu aufgeführte\nNummern wurden 15 Compositeure mit 22 Stück k. k.\nDucaten bedacht, Beträge für Archiv-Anschaffungen ge-\nordnet und der Witwe eines um den deutschen Männerge-\nsang verdienten Compositeurs wie alljährlich eine Beisteuer\ngeleistet."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580109-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1332, "texte": "Der Bechnungs-Abschluss für das vierzehnte Vereins-\njahr vom 1. October 1856 bis 30. September 1857 ergibt\nan Einnahmen . . 5502 Fl. 15 Kr.\nan Ausgaben . . 3705 „ 11 ,\nCassarest ... 1797 Fl. 4 Kr.\nUnter den 17 Ehren-Mitgliedern der Verein be-\nobachtet in Ernennung derselben eine zweckmässige Spar-\nsamkeit finden wir unter Anderen H. Marschner, Franz\nLachner, J. Otto und Franz Weber in Köln. Die Vereins-\nLeitung haben 15 Mitglieder; Vorstand ist Herr Dr. Franz\nEgger, Chormeister die Herren Johann Herbeck und\nJohann Schläger. Von den 208 ausübenden Mitgliedern\nsind 37 im I. und 56 im 11. Tenor, 62 im I. und 53 im\n11. Bass.\nUnter den 420 beitragenden Mitgliedern erblicken wir\ndie Namen der Minister von Bach und von Bruck, des Gra-\nfen Joh. Barkoczy, der drei Fürsten Czartoryski, des Grafen\nLudwig Esterhazy, des Freiherrn von Hammer-Purgstall,\ndes Cassationshofs-Präsidenten von Härdtl,des Unter-Staats-\nsecretärs von Helfer, des Vice-Präsidenten der Akademie\nder Wissenschaften Th. Karajan, des Fürsten Aloys Liech-\ntenstein, des Bürgermeisters Bitter von Seiller, Grafen von\nThun, Ministerialrathes Vesque von Püttlingen, mehrerer\nhohen Beamten, Stabs-Officiere, Professoren, angesehenen\nHandlungshäuser u. s. w. erfreuliche Beweise einer sehr\nregen und für den Verein ehrenvollen Theilnahme von Sei-\nten seiner Mitbürger."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-01-09-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-01-09_01#c006", "volume": "bmtnabi_1858-01-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "14", "page_fin": "15", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580109-01.2.5", "titre_corps": "Die deutsche Ausgabe von G. F. Händel’s sämmtlichen Werken.", "titre_sommaire": "Die deutsche Ausgabe von G. F. Händel’s sämmtlichen Werken.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580109-01.1.6", "debut_caractere": 1334, "fin_caractere_exclue": 4924, "texte": "Die deutsche Ausgabe\nvon G. F. Händel’s sämmtlichen Werken.\nDas Directorium der deutschen Händel-Ge-\nsellschaft (Fr. Chrysander, G. G. Gervinus, M. Haupt-\nmann, Breitkopf und Härtel) kündigt an, dass es im Laufe\ndes Jahres 1858 drei Lieferungen, und zwar das biblische\nOratorium Susanna, das Schäferspiel Acis und Gala-\ntea und die Suiten und Fugen für Ciavier ausge-\nben wird, denen in dem Säcularjahre von Händel's Tode\nHercules, Allegro und Peiisieroso und Athalia\nfolgen sollen.\nEs fühlt sich übrigens verpflichtet, zu erklären, dass\ndieser Entschluss vorerst noch ein Wagnissist und eine\nBürgschaft für die x\\usführung des ganzen Werkes noch\nnicht in sich schliessen kann. Dass aber bei dem Zweifel,\nob es besser sei, in misstrauender Vorsicht zuzuwarten, bis\ndie erforderliche Anzahl von Subscribenten versammelt\nwäre, oder einen wagenden Entschluss zu fassen, der von\ngutem Vertrauen zur Sache zeugt, das Directorium diese\nletztere Partie ergriffen hat, wird sicherlich den Beifall der\nbisherigen Unterzeichner haben.\nDie erste Aufforderung hat bis jetzt einen Erfolg ge-\nhabt, der zwar zu den besten Hoffnungen berechtigt, aber\ngleichwohl nicht ausreicht, das Unternehmen vollständig\nzu sichern, noch weniger was so sehr wünschenswerth\nwäre es zu erleichtern. Desshalb richtet das Direc-\ntorium eine wiederholte Ansprache an das deutsche Pu-\nblicum, deren wesentlichen Inhalt wir mittheilen:\nir haben für den Fall, dass die Subscription den\nStand der Zeichnun gen auf Bach's Werke (5—600) er-\nreiche, die jährliche Lieferung von drei Werken für den\nJahresbeitrag von 10 Thlrn. zugesagt. Es wäre aber auch\nmöglich, dass, hüls ein solcher Erfolg auf bloss deutschem\nBoden erzielt werden sollte, für diesen selben Beitrag,\nwenn die Betheiligung fremder Unterzeichner hinzukäme,\nmehr geliefert, der Kostenaufwand für das Ganze also viel-\nleicht noch bedeutend verringert werden konnte. Da die\nAusgabe durch die Beifügung der englischen Texte auch\nfür England brauchbar ist, so wird auch dort auf Theil-\nnahme zu rechnen sein, um so mehr, als die englische Aus-\ngabe der Ilaendel Society nur sehr langsam fortschreitet.\n,W ir haben bemerken können, dass in Deutschland\nmancherlei Einwände und Vorwände gegen die Unter-\nstützung unserer Unternehmung erhoben werden. Die Kla-\ngen betreffen die Höhe des Jahresbeitrages, die Masse der\nzu bewältigenden Werke, wohl gar den Mangel an Baum,\nsie unterzubringen. So kleine Anstände sollten aber billig\nbei einer so grossen Sache schweigen. Wenn man beden-\nken möchte, dass man durch die Anschaffung dieser Werke\nin jeder musicalischen Familie einen Hausschatz von ewi-\nger Dauer begründet, der die unvergänglichsten Genüsse\nvon Geschlecht zu Geschlechtern fortpflanzt, wie gering\nerscheint dann der allmähliche Einsatz, den die Sache in\nAnspruch nimmt, einem so grossen und nachhaltenden Be-\nsitze gegenüber!\nB')ie Zeichnungen der Musik-Vereine und anderer mu-\nsicalischer Institute in Deutschland haben, wie es in unse-\nren Wünschen lag, begonnen; aber auch sie nicht in dem\nUmfange, wie wir gehofft hatten. Wie viele Bibliotheken\ngibt es nicht in kleinen und grossen Städten, die mit der\nAnschaffung dieser Werke dem allgemeinen Besten dienen\nkönnten! Wo in kleineren solchen Anstalten die Mittel\nfehlen, wie vielerlei Auswege bieten sich nicht, dem abzu-\nhelfen! In einer schweizer Stadt haben sich mehrere Pri-\nvate verbunden zur Unterzeichnung, um ihr Exemplar einer\nöffentlichen Anstalt zum öffentlichen Gebrauche zu über-\nlassen. Wie einfach gegriffen ist solch ein Mittel! wie viel\nmehr aber sollten wir uns in Deutschland auf solche un-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580109-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1546, "texte": "eigennütziga Hülfswege besinnen, wo es sich um eint deut-\nsche Ehrensache handelt!\n„Für Nicht-Musiker bleibt die Angelegenheit allerdings\nnur die eines dem grossen deutschen Manne zu stiftenden\nwürdigen Denkmals in der bis jetzt noch fehlenden Ge-\nsammt-Ausgabe seiner Werke, zu dem jeder, der es ver-\nmag, seinen Beitrag nicht gern verweigern wird. Für die\nMusikverständigen aber, auch wenn sie nicht Musiker von\nFach sind, verbindet sich .diesem allgemeinen Interesse\nnoch das für das zu erlangende Besitzthum selbst. \\\\ enn\nman dem deutschen Volke ankündigte, dass ein Schatz\nvon unbekannten Werken (jöthe s, an Zahl dem bekann\nten wenigstens gleich, entdeckt sei und um einen hohen\nPreis gehoben werden könne, wer würde sich mit dem\nFach entschuldigt halten, seinen Einsatz für ein so vater-\nländisches Opfer zu weigern? Dieses aber ist der vorlie-\ngende Fall! Wir haben in dem Jahrhundert nach HändeFs\nTode für seine grossen, in Schutt vergrabenen Kunstwerke\nzu thun, was die Engländer im Jahrhundert nach Shake-\nspeares Tode für ihn und seine Wiederbelebung auf der\nBühne gethan haben. Und wir richten noch einmal an die\ndeutsche Nation vertrauensvoll unsere Bitte und Mahnung,\nin solch einer wahrhaft vaterländischen Sache nicht zu-\nrückzubleiben.\n„Leipzig, den 1. December 1857.''\nWir fügen hinzu, dass der Jahres-Beitrag von 10\nThlrn. im Januar und Juli mit je 5 Thlrn. einzuzahlen ist.\nIn Köln nehmen Herr Capellmeister F. Hill er, die M.\nDuMont-Schauberg'sche Buchhandlung und der Un-\nterzeichnete Subscnptionen an. Prof. L. Bisch off."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-01-09-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-01-09_01#c007", "volume": "bmtnabi_1858-01-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "15", "page_fin": "15", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580109-01.2.6", "titre_corps": "Aus New-York.", "titre_sommaire": "Aus New-York.", "signature_source": "J. u", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580109-01.1.7", "debut_caractere": 1548, "fin_caractere_exclue": 5907, "texte": "Aus New-York.\nJ. u.\nDen 13. December 1857.\nDie italiänische Oper durfte auch in dieser Woche Meyerbeer s\n„Robert der Teufel\" noch zwei Mal' wiederholen, ohne eine Abnahme\ndes Interesses auf Seite des I'ublicums fürchten zu müssen Der\nmeiste Theil dieses beispiellosen Erfolges fällt auf Rechnung von\nKarl Formes (Bertram) und nächst ihm auf die von Mad. La Crange\n(Alice) und Herrn Labocetta (Raimbaut). Nennen wir Herrn Bignardi\n(Robert) nicht in der Reihe, so möge man uns verzeihen. Partieen\nvon vorzugsweise dramatischer Natur fordern Etwas, was über Stim-\nme an sich und lyrische Gewandtheit weit hinaus geht, eine vollen-\ndete. wahrhaft musicalische und scenische Durchbildung, wie sie lei-\nde/ bei den beutigen Sängern nur selten mehr angetroffen wird.\nAuch Staudigl und Lablacbe konnten mehr mit ihren Stimmen ma-\nchen, als Formes, verstanden feinere Dinten aufzutragen, zartere Ab-\nstufungen im Colorit zu schaffen; aber Lablache und Staudigl hat-\nten auch nicht mit einem solch ungeheuren Volumen der Stimme zu\nkämpfen. Formes' gewaltige Stimme duldet nur ein al fresco, und\neben daher das Ausserordentliche seiner Wirkung, weil mit dieser\nEigentümlichkeit seiner Singkunst seine scenische Darstellung im\nvollkommensten Ebenmaasse steht. Als Sanger für sich reichen wir\ngern Staudigl wie Lablache den Lorber, und nennen wir noch Einen\nmehr, den vielleicht nur Wenige noch kennen: Stromayer; als\nscenischer Sänger aber wirft Formes Vorzüge in die Schale, welche\nso schwer wiegen, dass zum Mindesten der Vergleich reifes Urtheil\nund Vorsicht fordert. Formes ist mehr als ein geschulter Sänger, er\nist ein genialer Sänger. Besondere Hervorhebung verdient die vor-\ntreffliche Haltung des Orchesters in dieser Oper, während dem Chor\ndie nöthige Sicherheit abzugehen schien, um immer gleich wirksam\nauftreten zu können. Nächsten Donnerstag, den 17. d. Mts., wird\nHaydn's „Schöpfung\" mit bedeutend verstärktem Chor und Orche-\nster, mit Formes als Raphael und Adam, Mad. La Grange als\nEva, Mlle. Miliner als Gabriel und Herrn Perring als Uriel auf-\ngeführt werden. Es ist das die erste wahrhafte Oratorienfeier hier\nein ganzes, vollständiges und wirkliches Oratorium mit Massen-\nwirkung !\nIn den Concerten kämpften zwei Clavierspielerinnen, eben ange-\nkommen aus Europa, um den Preis: eine Madame Gräver-John-\nson (in Niblo's Salon) und eine Madame de Bienville (in Dod-\nworth's Local). Erstere ist unbedingt eine recht wackere Virtuosin,\nwenn auch noch lange keine Goddard oder Pleyel, oder gar Claus\noder Schumann. Sie spielte ein Concert von Litolff (welches dieser\nselbst Sinfonie taufte, ohne dass es mehr ist, als ein flacher und\ntheilweise sogar compilirter Orchestersatz mit concertirendem Clavier-\npart), Liszt's Patineuis (eine echte Liszt'sche Paraphrase über Meyer-\nbeer's Schlittschuhläufer-Tanz in dem Propheten) und ein paar klei-\nnere Sachen, zeigte viel Fertigkeit, einen guten Anschlag und künst-\nlerische Auffassung; doch hätte sie, um letztere wahrhaft zu mani-\nfestiren, wohl andere Compositionen wählen dürfen, jedenfalls keine,\ndie ihre technischen wie physischen Kräfte so sehr übersteigen, dass\nsie dieselben sich erst zurecht machen muss. Madame de Bien-\nville ist ungeachtet Mendelssohn's (i-moW-Concertes, an das sie sich\nwagte, nicht mehr als eine gute Dilettantin. Selbst Hummel s wenig\nschwieriges /l-Concert haben wir bereits von Dilettanten graziöser\nvortragen hören, und Grazie eben will dieses Concert, selbst wo es\nbis zur Bravour aufsteigt.\nAuf dem Stadttheater macht leider „Die Quäkerstadt\", amenca-\nnisches Sittengemälde in fünf Abtheilungen von G. Lebrun, eine\nDramatisirung des gleichnamigen Romans von George Lippard, Auf-\nsehen. Die Personen und Ereignisse aber sind der Art, dass sie nie\nund nimmermehr einem anständigen Publicum hätten vorgeführt wer-\nden dürfen. Der rothe Faden, der sich durch das ganze Stück hin-\ndurchzieht, ist Ehebruch, dann Verführung und Mord in jeglicher\nGestalt; das Innere eines Bordells ist der Schauplatz. Es ist kaum\nEine Person im ganzen Stücke zu finden, welche den Anspruch ma-\nchen könnte, für sittlich zu gelten. Doch sind die Charaktere schon\nAbscheu erregend, so sind es noch in erhöhtem Grade die wahrhaft\nschaamlosen Situationen, in denen jene vor die Augen des Publicum»\ngebracht werden. Das Ganze ist abscheulich, aber charakteristisch\nÖ\nfür das Land, in dem wir leben."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-01-09-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-01-09_01#c008", "volume": "bmtnabi_1858-01-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "15", "page_fin": "16", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580109-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580109-01.1.7", "debut_caractere": 5909, "fin_caractere_exclue": 6630, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nS4Jfl«a. Am 5. Januar fand im Gürzenichsaale ein grosses Mi-\nlitär-Concert Statt, welches Herr General-Lieutenant v. Schack\nzum Besten der in Mainz Verunglückten orgamsirt hatte. Die Mu-\nsik- und Sängercliöre der drei Infanterie-Regimenter hiesiger Garni-\nson führten unter Direction des Herrn Vogt, Capellmeisters beim\n30. Infanterie-Regimente, sämmtliche Nummern des Programms mit\ngrosser Präcisbn aus. Von den Instrumentalsachen ärnteten der\nFackeltanz von Meyerbeer, Mendelssohn's Hochzeitsmarsch\nund ein Marsch, componirt von dem Könige Friedrich 11., mit\nRecht den grössten Beifall. Der Marsch aus dem Propheten konnte\nwegen des zu schnellen Tempo's nicht so wirken, wie es die Masse"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580109-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7154, "texte": "von Kräften erwarten liess. Von den grösseren arrangirten Sachen\ngingen die Ouvertüre zu Euryanthe und das Finale aus Catharina\nCornaro am besten. Sehr erfreulich waren die Leistungen des Sän-\ngerchors, der aus nahezu 100 Soldaten bestand. Ausser den Gesän-\ngen mit Instrumental-Begleitung Spontini's Borussia und einem\nChor aus A. Adam s „Brauer von Breston\" trugen sie ohne die-\nselbe Mendelssolin's „Der frohe Wandersmann\" und Stern's „Morgen\nmarsehircn wir\" vor. Das erstere würde bei gemässigterem Tempo\nnoch mehr Anklang gefunden haben; das letztere wurde stark ap-\nplaudirt und musste wiederholt werden. Es war in der Tliat ein er-\nhebender Gedanke, wenn man sich den Auszug der preussischen\nKrieger dachte und an ihrer Spitze einen Sängerchor, der rein aus\ndem Volke hervorgegangen, mit so frischen Stimmen und so siche-\nrem Tacte ein vierstimmiges Lied erklingen lässt!\nIm nächsten Gesellschafts-Concerte, Dinstag den 12. d. Mts.,\nwerden wir den berühmten Violinspieler Sivori hören.\nIn der musicalischen Gesellschaft führte Herr W. F. Tliooft\naus Rotterdam, der früher in Deutschland, namentlich in Leipzig\nunter Hauptmanns Leitung, die Composition studirt hat, eine Sin-\nfonie (Cdur) für grosses Orchester von sich auf. Sie rief lebhaften\nBeifall hervor, namentlich wurde das originelle und trefflich durch-\ngeführte Scherzo mit enthusiastischem Applaus aufgenommen. Herr\nThooft dirigirte selbst und zwar mit Feuer und grosser Präeision.\nDas Orchester bewährte sich im Vomblattspielen.\nWieaa. In Anton Rubinstein's drittem Concerte war das\nProgramm interessant. Ein Quartett von C. M. von Weber für\nPianoforte, Violine, Viola und Cello stand an der Spitze. Die Aus-\nführung war eine durchaus meisterhafte, dem Geiste und Sinne des\nTonwerkes sich treu anschmiegende. Nebstbei spielte der Concert-\ngeber „Mira la bianca luncr6 (Soirees de Rossini) von Liszt, ein\nköstliches „Lied ohne Worte\" von Mendelssohn, eine ausdrucks-\nvolle Nocturne (Nr. 5) von Field und die sehr wirksame Berqcuse\nvon Chopin. Er musste sowohl das Mendelssohn'sche „Lied ohne\nWorte\" als die „Ber<?euse\" wiederholen. Von eigenen kleineren Com-\npositionen für Ciavier allein trug Rubinstein ein „Capriccioein\n„Melancolie\" benanntes Tonstück und zuletzt einen „Galop\" vor. Der\nVortrag der beiden ersteren Stücke war meisterhaft, jener des „Ga-\nlop\" nicht von vollendeter Reinheit und Deutlichkeit; der Künstler\nschien ermüdet zu sein.\nIn den Abendstunden des 20. December v. J. trat der Nestor der\nPianisten Wiens, Herr Karl Maria von Bocklet, einmal wieder\nöffentlich auf mit der Phantasie Op. 78 von Franz Schubert und der\ngrossen Clavier-Sonate Op. 106 von L. v. Beethoven. Er wurde nach\njedem Satze und am Schlüsse seines Vortrags durch wiederholten\nlebhaften Beifall ausgezeichnet.\nMendelssohn's „Elias\" wurde am 22. und 23 December 1857\nim Hofburgtheater aufgeführt. Das Werk ist früher in Wien nur\neinmal, und zwar im Jahre 1847 in der kaiserlichen Winter-Reit-\nschule, gehört worden. Damals wurde der gefeierte Meister selbst\nerwartet; er sollte sein Werk selbst leiten, aber das Verhängniss\nwollte es anders. Seither hatten wir es nicht wieder gehört. Aller-\ndings ist die in den akustisch ungünstigen, engen Räumen des Hof-\nburgtlieaters Statt gehabte Ausführung'mit jener in der prachtvollen\nWinter-Reitschule nicht zu vergleichen, und der Eindruck konnte\ndaher schon dieses Umstandes wegen nicht so mächtig sein, als man\nes sonst zu erwarten berechtigt gewesen wäre. Als eine eigentüm-\nliche Erscheinung muss aber hervorgehoben werden, dass die Orato-\nrien Mendelssohn's hier durchaus keine Anziehungskraft üben. Dies\nhat der wenig ausgiebige Besuch des Oratoriums „Paulus\" im ver-\nflossenen, der schwache Besuch des „Elias\" in diesem Jahre bewie-\nsen. Dagegen reichen die Räume nie hin, das zudrängende Publi-\ncum zu fassen, so oft „Die Jahreszeiten\" oder „Die Schöpfung\" von\nHaydn gegeben werden. Gewiss trägt die Zeitstimmung im Allgemei-\nnen an dieser geringen Anziehungskraft der Mendelssohn'schen, so\nwie der Händerschen Oratorien vorzugsweise Schuld. Diesen wohl\nleicht erregbaren, aber schwer zu fesselnden südlichen Naturen kann\neine dem sinnlichen Reize so fremde und durch keinen Wechsel der\nStimmungen und Zustände anregende Musik nicht vollkommen zu-\nsagen, besonders wenn sie drei volle Stunden dauert. Man muss\ndem Eifer, mit welchem das Werk einstudirt worden, der Energie\nund Umsicht, womit es geleitet wurde, und der Correctheit der Aus-\nfuhrung die vollste Anerkennung zu Theil werden lassen; allein\nabgesehen von den akustisch ungünstigen Raum-Verhältnissen und\nder nachtheiligen Aufstellung des Orchesters konnten für den\nChor und die Solo-Partieen auch nicht jene Kräfte gewonnen wer-\nden, die eine vollkommen entsprechende Darstellung der charakte-\nristischen Schönheiten des hohen Werkes sicherten.\nIm ersten Concerte des Männ er gesang -V er eins am 27. De-\ncember 1857 war Schubert's „Gesang der Geister über den WTassern\"\n(achtstimmiger Chor mit Begleitung von Violen, Violoncells und Con-\ntrabässen) den Zuhörern neu, und mächtig ergriffen von der wun-\nderbaren Herrlichkeit des Werkes, in welchem Dichter und Ton-\nsetzer gleich gross sind, liessen sie ihrem Entzücken in stürmischem\nBeifallsjubel freien Lauf, und der Chor musste ungeachtet seiner\neine Viertelstunde langen Dauer wiederholt werden. Die Ehre der\nWiederholung wurde auch dem schönen Chor „Morgenwanderung«\nvon Esser zu Theil. Die Ausführung war durchaus eine vorzüg-\nliche, hinreissend jene des Weber'sehen Chors „Lützow's wilde\nJagd\". Auch der Vortrag des Quartetts „An den Sonnenschein\" war\nausgezeichnet\ntl ZSriiasd, 4. Januar. Ihr geschätztes Blatt hat im IV.\nJahrgange, Nr. 42, vom 18. October 1856 eine Beschreibung der\ngiossen Oigel für die Kathedrale von Murcia in Spanien, welche\naus dem hiesigen Etablissement der Herren J. Merklin, Schütze &\nComp, hervorgegangen ist, gegeben. Es wird Sie mithin eben so,\nwie alle Kenner, welche damals Gelegenheit hatten, das schöne und\nkolossale Werk in dem grossen Probesaale der genannten Fabrik zu\nbewundern, interessiren, zu erfahren, dass Herr J. Merklin selbst\ndie Aufstellung zu Murcia geleitet hat Die Wirkung des pracht-\nvollen Instrumentes, welches mit zwei Prospecten nach den zwei\nKirchen, welche den dortigen Dom bilden, auf dem Zwischenchor\naufgerichtet worden, war eine der grossartigsten, die man hören kann;\nsie setzte alle Zuhörer in Erstaunen und erwarb den Erbauern in so\nhohem Grade die Zufriedenheit der hohen Geistlichkeit und aller\nFreunde der Kirche und der Tonkunst, dass Ihre Majestät die fcö-\nnigin von Spanien sieh bewogen fand, Herrn J. Merklin zum\nKitter des Isabellen-Ordens zu ernennen. Bekanntlich hat Se. Maj.\nder König der Belgier durch Verleihung des Leopolds-Ordens schon\nfrüher die ausserordentlichen Verdienste desselben um den Orgelbau\nanerkannt. In diesen Pagen hat nun auch Herr Merklin von der kai-\nserlichen Kegieiung in Irankreich den ehrenvollen Auftrag erhalten,\ndie Orgel in dei Kathedrale zu Rouen, einem der ältesten uud\nschönsten Dome von Frankreich, zu restauriren und umzubauen, so\ndass dasselbe ein 32füssiges Werk von 58 Stimmen mit Pedal und\n4 Manualen werden wird."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580109-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nSaul. Oratorium von F. Hiller. I. Von L. Bis eh off. Die diesjährige Coneertzeit in Holland (Amsterdam Haag\nRotterdam Fräul. Catharina Deutz Sivori Fräul. Lehmann Hillers Zerstörung von Jerusalem).— Der Männer-\ngesang-Verein in Wien (Jahres-Berieht). Die deutsche Ausgabe von G-. F. Händel's sämmtlichen Werken. Aus New-York.\nTages- und Unterhaltungsblatt (Köln, MilitSr-Concert, Sivori, W. F. Thooft Wien Brüssel, J. Merklin, Schütye & Comp.)\n\nSaul.\nOratorium von Ferdinand Hiller.\nText von Moriz Hartmann.\nI.\nDie neuere Zeit hat an der althergebrachten Form des\nOratoriums mannigfach gerüttelt, ja, es fehlte nicht an\nmusicalischen Aesthetikern, welche es geradezu für todt\nund jeder Auferstehung und Neubelebung unfähig und un-\nwerth erklärten. Sie verfuhr damit, wie mit so vielen Dingen\nin Kunst und Welt: ein ursprünglich richtiges, naturgemäs-\nses, in der Empfindungs- und Anschauungsweise des Jahr-\nhunderts wurzelndes und folglich berechtigtes Gefühl des\nUngenügenden im Vorhandenen und Gewordenen brach\ndurch alle Schranken und wähnte seine Befriedigung im\nUmsturz des Bestehenden und im Schaffen von etwas gänz-\nlich Neuem zu finden. Das Zerstören ging leicht vonStatten;\naber ehe sie zum Aufbau des Neuen kamen, stolperten die\nBaumeister über die Trümmer des Alten.\nZunächst wurde für das Oratorium nicht nur der bibli-\nsche Stoff, sondern auch die religiöse Stimmung für nicht\nmehr zeitgemäss erklärt. Wiewohl Haydn auf wunderbar\nschöne Weise die Vereinigung des Religiösen mit Stoffen\naus der Wirklichkeit des Lebens in der „Schöpfung\" und\nin den „Jahreszeiten\" vollbracht und dadurch gezeigt hatte,\ndass auch beim so genannten weltlichen Oratorium das\nDurchklingen eines religiösen und ethischen Grundgefühles\ndie Einzelgefühle zu inniger Einheit zusammenfasse und\ndem Ganzen die höhere Weihe gebe, so fand diese Gattung\ndennoch nicht nur keinen Nachahmer, sondern die neueste\nSchule verwarf auch diese Meisterwerke und wählte zu Stof-\nfen für oratorienartige Gesangwerke Schilderungen und\nBilder des Lebens oder der Natur und Erfindungen der\nPhantasie.\nFast ärger noch als den Stoffen erging es den musica-\nlischen Formen des Oratoriums, wiewohl auch in dieser\nBeziehung ein dunkles Gefühl der Unzulänglichkeit dersel-\nben für unsere Zeit im Rechte war. Wenn es unseren Com-\nI\nponisten an dem Genie eines Bach und eines Händel fehlt,\ndie strengsten contrapunktischen Formen so zu beseelen,\nwie jene es vermochten, und sich daraus allein schon die\nNotwendigkeit einer anderen Schreibart für sie ergibt, so\nwäre es auf der anderen Seite unverantwortlich, wenn sie\ndie grossen Fortschritte auf dem Gebiete der Tonkunst im\nVerlaufe eines Jahrhunderts als nicht vorhanden betrachten\nwollten. Die schöpferischen Geister Haydn, Mozart und\nBeethoven haben die Romantik der Musik als deren eigen-\ntümlichstes Wesen durch ihre Instrumental-Compositionen\nauf eine Weise zur Erscheinung gebracht, von welcher die\nalten Meister keine Ahnung hatten, und diese neue Offen-\nbarung führte eine Vermehrung und Vervollkommnung der\nOrchester-Mittel herbei, an deren Benutzung wir so gewohnt\nsind, dass ihre Vernachlässigung bei neueren Werken ein\ngrosser Missgriff sein würde.\nAm lebhaftesten fühlte das Mendelssohn. Ergriffen so-\nwohl von der Innigkeit und Tiefe, als von der Pracht und\nKraft in Bach und Händel, versuchte er in Bezug auf reli-\ngiöse Stimmung und auf polyphone Formen an beide anzu-\nknüpfen und zugleich die neuen Eroberungen der Tonkunst\nmit dem Geiste der alten Tradition zu vereinigen. Im Gan-\nzen genommen war er glücklich in dieser Vermittlung und\nhat den Ruhm gar wohl verdient, den sein Paulus ihm er-\nworben und sein Elias ihm gesichert hat.\nHiller betrat, jedoch keineswegs ohne Eigentümlich-\nkeit, denselben Weg; seine „Zerstörung von Jerusalem\" hob\nihn mehr als alle seine früheren Compositionen auf die Höhe\neines europäischen Rufes, und die Aufführungen dieses\nOratoriums wechseln noch jetzt bei grösseren Concert-An-\nstalten mit den Werken Mendelssohn's ab. In unseren Ta-\ngen ist Reinthaler auf derselben Bahn zu einem schönen\nErfolge durch das Oratorium „Jephta und seine Tochter*\ngelangt."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580109-01.1.2", "texte": "Im „Saul\" hat nun aber Ililler einen bedeutenden\nSchritt weiter gethan, indem er sich im Ganzen der freien\nSchreibart hingibt und doch der Gattung, zu welcher das\nWerk gehört, durch gediegene polyphone Arbeit den ern-\nsten und würdigen Charakter bewahrt. Diese Vereinigung\nder polyphonen Arbeit mit dem freien Stil ist auf eine so\nmeisterhafte Weise durchgeführt und wird ferner durch\neine so geniale Behandlung des Orchesters theils vermit-\ntelt, theils gehoben, dass wir in diesen beiden Dingen ne-\nben der reichen Erfindungsgabe im melodischen Theile\nden Hauptgrund des ganz ausserordentlichen Erfolges des\nWerkes sehen. Es ist dadurch etwas erreicht, was vielleicht\ndie einzig wahre Aufgabe des Oratoriums in unserer Zeit\nsein dürfte: das Religiöse mit dem rein Menschlichen zu\nverbinden. Sobald das Oratorium das Dramatische in sich\naufnimmt wozu es von je her berechtigt gewesen ist,\nwie Händel's Samson, Jephta und andere Werke zeigen,\nund wozu es in der jetzigen Zeit sich immer mehr hinneigt\n—, so darf ihm auch der Ausdruck menschlicher Leiden-\nschaften nicht fern bleiben. Der eigentlichen Kirchenmusik,\nd. h. der beim Gottesdienste angewandten, verbleibe das\nKirchliche und dogmatisch Geheiligte; das Oratorium\ndurchdringe als Hauptbedingung ein religiöses Grundgefühl,\nallein dessen Element sei die Idealität. Diese bewahre das\nOratorium bei aller vollen Gefühls-Ergiessung vor dem\nRealismus der Oper und vollends vor dem Uebermaass in\ndemselben.\nIn dieser Beziehung ist Hiller's „Saul\" als Schöpfung\neiner neuen Gattung zu bezeichnen. Es ist moderne Musik,\nsie wurzelt im Charakter der Zeit, aber sie hält fest an dem\nGesetze, dass das musicalisch Schöne ihr Haupt-Inhalt sein\nmüsse. Sie ist ferner nicht durchaus modern, indem sie der\nSubjectivität nicht ganz und gar den Zügel schiessen und\nsie in Stoff und Form ungebändigt frei walten lässt, son-\ndern in einem wesentlichen Theile objectiv bleibt, in den\nChören, die ihr (wie bei den älteren Meistern) als Gipfel-\npunkt des Oratoriums gelten, so dass ihr bei diesen nicht\nbloss der tiefe Gehalt und Gefühls-Ausdruck, sondern auch\ndie strengere Form und kunstmässige (objective) Gedan-\nken-Entwicklung die Hauptsache sind.\nDiese Musik unterscheidet sich daher wesentlich von\nderjenigen, die aus ähnlichen, weil in der Zeit wurzelnden\nBestrebungen Robert Schumann s und Richard Wagner s\nhervorgegangen ist; von Schumanns Werken (Paradies\nund Peri, Der Rose Pilgerfahrt u. s. w.) zunächst durch\nden biblisch-historischen Stoff und dessen dramatische Be-\narbeitung, von beiden Componisten durch die gediegene\nPolyphonie, und von der Schreibart Wagners noch beson-\nders durch melodischen Reichthum im Gesänge und treff-\nliche Behandlung des Orchesters, in welchem die Wirkung\nnicht durch schroffen Accordwechsel und materielle Klang-\nEffecte gesucht, sondern durch harmonische Combinatio-\nnen, die bei aller Mannigfaltigkeit und Neuheit nie den\nWohlklang verletzen, und durch schöne Melodieen einzel-\nner Instrumente, die sich um die Gesangstimmen winden\noder mit ihnen verschmelzen, auf echt musicalische Weise\nerreicht wird.\nDer Text ist nicht aus Bibelstellen zusammengefügt,\nsondern von Moriz Hartmann selbstständig bearbeitet, und\nzwar in gereimten Versen, mit Ausnahme einiger Recitative,\ndie in Prosa geschrieben sind. Die Sprache sucht die alt-\ntestamentliche Farbe wiederzugeben, meistens mit Glück;\ndoch könnte sie hier und da edler gehalten und poetischer\nsein.\nDie Handlung umfasst die letzten Lebensjahre Saul's,\nseine Verfolgung David's und sein Ende nach der verlore-\nnen Schlacht gegen die Philister.\nSie beginnt mit dem jubelnden Sieges-Chcr der Kinder\nIsraels nach der Niederlage Goliath's. Mit steigendem Groll\nvernimmt der König Saul den Gesang: „Saul hat Tausend\ngeschlagen, David zehnmal Tausend\" —die Undankbarkeit\ndes Volkes gegen ihn und die Lobpreisung David's regen\nihn stürmisch auf, und als er nun gar seine Tochter Michal\nan der Spitze der Frauen daherkommen sieht zur Feier des\nHirtenknaben, da ruft er aus:\n~Vergessen ihren König hat die Menge,\nVergessen seinen Vater hat das Kind;\nNur David's Namen feiern die Gesänge,\nMein Ruhm zerfliesst wie Nebel vor dem Wind.\"\nDer Zug der Frauen naht: Saul weicht ihm aus. Mi-\nchal preis't die That des Helden-Jünglings und bekränzt ihn.\nEr weis't den Lorberkranz zurück und sehnt sich nach\ndem stillen Glück der heimatlichen Flur, nach dem Liede\nI der Harfe und dem Heerde seines Vaters zurück.\nDa erscheint der König wieder; sein Zorn wallt auf\nvon gekränktem Stolz. Allein David's demuthsvoller Sinn\nund liebliche Stimme „klingen ihm tröstend und mild, die\nThräne entquillt seinem Auge\", er sinkt unter David's, Mi-\nch al's und der Frauen leisem Gesang in Schlummer.\nAber plötzlich fährt er auf aus schrecklichem Traum:\nder Chor ruft „Wehe!\"\n„Die Geister der Naeht\nSind neu erwacht\" -\nSaul fährt in wildem Grimm David an, „den frechen\nKnecht, der sich schmückt mit seinem Glänze,\" und schleu-\ndert die Lanze nach ihm. Der Herr schützt David, Saul\nbricht in sich zusammen, das Volk dankt in vollem Chore\nGott; denn „der Herr hat David's Seele vom Tode errettet.\"\nHiermit endigt der erste Abschnitt der Handlung. Im\nfolgenden erscheint Samuel und verkündet mit Donner-\nstimme den Zorn Jehovah's, der „Saul, den König, verwor-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580109-01.1.3", "texte": "feu hat, weil er des Herren Wort verworfen\". Das Volk\nerbebt ob des furchtbaren Strafgerichtes des Herrn: „Wel-\nche Donnerworte entströmen seinen Lippen! Die Stimme\ndes Herrn geht mit Macht.\" Aber Michal und Jona-\nthan rufen in des Vaters Seele Muth und Vertrauen auf\nGott zurück. Saul ermannt sich als König, und das Volk\nliehet zu Gott, „des Zornes Wolke an dem einst durch ihn\nauserkorenen Fürsten vorübergehen zu lassen\".\nDamit schliesst der erste Theil des Oratoriums.\nDer zweite Theil führt uns in das Heimatsthal Da-\nvid's, wo Isai mit seinen Söhnen und Knechten die Herde\nweidet. Ein Chor der Hirten eröffnet die Scene. Samuel\nerscheint, verkündet das Gebot Gottes und salbt David zum\nKönig. David und die Seinigen beugen sich dem Willen\ndes Herrn, und als Samuel dem Gesalbten befiehlt, vor\ndem Herannahen Saul's und seiner Heerscharen in die\nWüste zu liiehen, „werfen Alle den Hirtenstab hin, grei-\nfen zu Schild und Wanen\" und ziehen mit David.\n/\nEinsam und verlassen im Königspalaste spricht Michal\nihre Liebe zu David und ihre Sehnsucht nach seiner Rück-\nkehr aus.\nDem Flüchtigen hat die Stadt Nobe eine Stätte ge-\nwährt. Die Krieger Saul's nahen in wildem Chor;\nSaul verflucht die Stadt und weiht sie dem Untergange:\nMord der Priester und der heiligen Gemeinde, die „be-\ntend sterben\" und den Herrn loben. Saul fordert dann auf,\nDavid zu verfolgen, „seinen Staub den Lüften, sein Gebein\ndem Gethier zum Raube zu geben\".\nDoch gebeut er, erst der Ruhe eine Stunde zu weihen.\nDie Krieger lagern sich zum Schlafen, er selbst sehnt sich\nnach dem Gesänge des jungen Hirten, der sonst „die bösen\nGeister, die sein Haupt umschwirrten, zur Ruhe sang\", und\nfällt nach und nach in tiefen Schlaf.\nDa naht David's gewaffnete Schar; mit leisem Chor\nrufen sie ihn und zeigen ihm die schlafenden Krieger und\nden König selbst, den „Gott in seine Hand gcfeben\". Er\naber heisst sie sich zurückziehen, ruft dem Könige zu:\n„Saul, erwache!\" und zeigt ihm den Saum, den er von sei-\nnem Gewände geschnitten. Saul erkennt die Stimme seines\nSängers, sein Herz fliesst über der ganze Chor ruft aus:\n„Seht, sie weinen beide! steckt die Schwerter in die\nScheide!\" und schliesst mit dem Gesänge:\n„0, wie schön und lieblich ist es,\nWenn in Eintracht Herrscher wohnen:\nGleich dem Balsam, gleich dem Thaue\nIst der Friede auf den Thronen.\"\nDoch neue Trauer naht: die Prophetenjünger verkün-\ndenSamuel's Tod. „Wehe! o finstre Kunde\", ruft das Volk.\n„Ein Stab ist gebrochen,\nEin Stamm verdorrt,\nEin Fels verwittert!\"\nNoch nicht genug der Trauerbotschaft: ein neues Heer\nder Philister ist ins Land gefallen. Da fordert der König\nzum Kampfe auf. Das begeisterte Volk antwortet mit einem\nHvmnus an Jehovah:\n«J\n„Erhaben, einsam thronest du\nHinter Wolken in heiliger Ruh' \"\nmit dem Gebet: „Mach' uns stark!\" und dem feurigen\nSchlachtlied: „Schlage sie nieder mit starker Faust!\"\n„Mache dich auf, denn du bist der Herr in Ewigkeit!\"\nHier schliesst der zweite Theil.\nDer dritte Theil zeigt uns Saul auf „den kahlen\nStrecken\" von Endor. Es ist Nacht. Von der Ahnung sei-\nnes Geschicks gepeinigt, fordert er das Zauberweib von\nEndor auf, Samuel's Geist heraufzubeschwören. Samuel\nerscheint und weissagt ihm sein nahes Verderben. Der\nTag bricht an: die Frauen von Endor begrüssen den\nMorgen und Saul, den gehofften Erretter. Der Chor der\nKrieger ruft seinen Führer; aber Saulist matt, erschöpft,\nlebenssatt. Die Hexe von Endor reicht ihm stärkende Nah-\nrung der Chor wiederholt seinen Ruf: „Erschein' in\ndeiner Macht!\"\nDa richtet sich Saul auf:\n„Noch einmal in Pracht\nDurchzieh' ich die Schlacht,\nUnd kann ich den Eathschluss Jehovah's nicht wenden,\nSo will ich als Held und als König enden.\"\nDie Schlacht beginnt: der Chor der Frauen, die von\nder Höhe herab der Schlacht zusehen, schildert den heis-\nsen Kampf: Grauen und Gebet wechseln mit einander:\nIsrael unterliegt, Alles wendet sich zur Flucht. Saul, ge-\nschlagen und vereinsamt, ruft aus:\n„Meine Söhne sterben,\nMich hat Gott verlassen!\"\nund fällt in sein Schwert.\nIn der letzten Scene meldet an Michal ein Bote den\nTod Saul's und Jonathan's. Trauermarsch, Klagelied Mi-\nchal's und Trauerchor des Volkes. Klaggesang David's um\nSaul und Jonathan. Michal erhebt sich und grüsst zuerst\nDavid „als Herrn und König, als Schutz und Heil\". Das\nVolk beugt die Kniee vor ihm, und David und die Kinder\nIsraels „preisen den Herrn und erhöhen seinen Namen\".\nDas Gedicht ist, wie man sieht, reich an ergreifenden\nScenen, contrastirendcn Situationen, dramaticshen und ly-\nrischen Momenten.\n\nDie diesjährige musicalische Winterzeit in Holland.\nIn Amsterdam wurde die Reihe der Concerte am 15.\nNovember mit dem 35. Concert der Gesellschaft „Cäcilia\"\neröffnet. Dieses Concert-Institut, das im Jahre 1840 mit\nder Bestimmung, einen Pensionsfonds für Musiker zu bilden,"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580109-01.1.4", "texte": "entstanden, wurde unter Leitung des unvergesslichen van\nBr e e auf eine solche Höhe gebracht, dass dessen Leistun-\ngen mit jedem Orchester, ja, laut Urtheil berühmter fran-\nzösischer Künstler selbst mit dem pariser Conservatoire-Or-\nchester wetteifern konnten. Der Tod van Bree's (Februar\n1857) brachte dem Vereine einen harten Verlust, welcher\nunersetzlich gewesen wäre, hätte man nicht in Herrn Bunte\neinen Dirigenten gefunden, der sich der Aufgabe gewach-\nsen zeigte. Herr Bunte leitete schon zwei Concerte mit\nglücklichem Erfolge und wird wahrscheinlich seine schwie-\nrige Stelle behaupten können.\nDas Programm des oben genannten Concertes bestand\naus: I. Ouvertüre zu Joseph von Mehul; Sinfonie (C-moll)\nOp. 77 von J. Haydn; Ouvertüre „Ossians-Nachklänge\"\nvon Niels Gade; 11. Sinfonie Nr. 3 (.Es-dur) von Rob. Schu-\nmann; Tannhäuser-Ouverture von Richard Wagner. In\nmusikgeschichtlicher Beziehung war dieses Programm sehr\ninteressant. Vom Begründer der Instrumental-Musik, dem\nkindlich-naiven Vater Haydn, bis zum Abgott der Zukunft-\nsmänner, Richard Wagner, waren Componisten aus ver-\nschiedenen Epochen unseres Jahrhunderts vertreten.\nEs möchte Vielen zweifelhaft vorkommen, ob die Wag-\nner'sche Ouvertüre in den Concertsaal gehört. Wir theilen\ndiese Zweifel in so weit, dass die Tannhäuser-Ouverture\nverständlicher ist, wenn man dieselbe in Verbindung mit\nder Oper bringt. Jedoch hat die Ausführung im Concert-\nsaale den Vortheil, dass bei der stärkeren Besetzung des\nStreich-Quartettes die Instrumentation besseren Effect\nmacht, als im Theater. Die Ausführung der sämmtlichen\nYS erke war ausgezeichnet. Das Menuetto der llavdn'sehen\nV__/\nSinfonie, wie auch die Tannhäuser-Ouverture wurden nach\nstürmischem Applaus wiederholt.\nIm ersten Concert der Gesellschaft Felix Meritis am\n20. November wurde eine Sinfonie, Op. 64, von Ad.\nHesse zu Gehör gebracht. Eine Sinfonie von diesem treff-\nlichen Orgelspieler und Componisten war uns bisher unbe-\nkannt. Sie wurde sehr gut ausgeführt und hatte einen\nces d'estime.\nFräul. D eutz erregte durch ihre schöne volle Stimme\nAufsehen, wiewohl eine kleine Disposition zur Heiserkeit\nnicht zu verkennen war, in Folge deren sie hier und da\nnicht ganz rein intonirte. Trotz dieser, wenn auch nur ge-\nringen, Spuren einer Erkältung gelang es ihrem schönen\nTalente dennoch, sich Anerkennung und lebhaften Beifall\nzu erwerben. Zwei Lieder von Mendelssohn und von Ni-\ncolai sang sie wunderschön und mit grossem Applaus. Sie\nwurde aul der Stelle auch für das zweite Concert engagirt.\nHerr Capellmeister A. Pott aus Oldenburg spielte ein\nConcert (Nr. 4) von seiner Composition und einige kleinere\nSolostücke. Endlich einmal wieder ein echt kerndeutsches\nViolinspiel! Der wackere Künstler bewährte sich als vor-\nzüglichen Componisten und vortrefflichen Vertreter der\nSpohr'schen Schule. - Die Ouvertüre zum „Berggeist\"\nwurde ausgezeichnet gut gespielt und machte grosse Wir-\nkung. Eine andere zur Oper „Portia\" von Hartog hat\nhübsche Stellen, geht aber besonders gegen Ende ganz in\ndas jetzige italiänisch-französische Ouvertüren-Wesen über.\nSie wurde jedoch beifällig aufgenommen, und mag auch\nwohl in Verbindung mit der Oper besser an ihrer Stelle\nsein, als im Concert, für welches ihr Zuschnitt nicht pas-\nsend ist.\nHaag, 25. November. Erstes Concert der Gesellschaft\nDiligentia. Diese Gesellschaft ist auf ganz ähnliche Weise\nwie Felix Meritisin Amsterdam eingerichtet; Literatur,\nNaturkunde, Malerei und Musik finden gleiche Pflege. Un-\nter anderen Orchesterwerken wurde Mendelssohn's\nOuvertüre: Die Heimkehr aus der Fremde, zum ersten\n-Male ausgeführt. Dieselbe wurde vom Publicum mit En-\nthusiasmus empfangen.\nFräul. Deutz und der italiänische Violin-Virtuose\nCamillo Sivori füllten die Solo-Partieen aus.\nRotterdam, 26. November. Erstes Concert von Eru-\nditio Musica. Sinfonia Eroica von Beethoven, Ouvertüren\nzu Tannhäuser und zu Euryanthe. Gesang: Fräul. Deutz,\nVioline: Herr Sivori. Fräul. Deutz erwarb durch den\nVortrag der Arie in B-duraus der Schöpfung grossen\nund wohlverdienten Beifall. Herr Sivori war uns schon\nvon vor 12 Jahren her bekannt, jedoch hörten wir ihn von\nNeuem mit Bewunderung an. Sein Spiel ist perlenrein,\ntechnisch vollkommen und im Vortrage manchmal geist-\nreich und humoristisch. Derselbe trug uns zwei Compositio-\nnen von Paganini und eine eigene Phantasie vor.\nDie Orchesterwerke, namentlich die Ouvertüren zu\nTannhäuser und zu Euryanthe, wurden mit Glanz ausge-\nführt. Weniger glücklich war man mit der Beethoven'schen\nSinfonie. Bei der gegenwärtigen Einrichtung der Proben\nin Rotterdam kann aber kein besseres Resultat erwartet\nwerden. Das Orchester besitzt allerdings eine achtens-\nwerthe Technik; jedoch kann man es nicht billigen, dass\nmit nur Einer Probe am Morgen des Concert-Tages\nsämmtliche Orchesterwerke, selbst neue (wie diesmal die\nTannhäuser-Ouverture), nebst den Soli-Begleitungen ein-\nstudirt werden müssen.\nDas zweite Concert derselben Gesellschaft fand am\n10.Deccmber Statt. Programm: Sinfonie „Die Weihe der\nTöne\" von Spohr; Ouvertüren: Bianca Sill'redi von Dli-\npon t und die Fingalshöhle von Mendelssohn; Gesang:\nFräul. Caroline Lehmann; Violine: Herr Sivori.\nFräul. Lehmann gastirte schon vor zwei Jahren bei\nder deutschen Oper in Amsterdam* liess sich in verschie-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580109-01.1.5", "texte": "denen Concerten hören und bewies sich damals schon als\neine Künstlerin hohen Ranges. Ihre schöne Stimme ist von\nseltenem Umfange, ihre Coloratur untadelhaft und ihr Vor-\ntrag geistvoll. Diesmal sang sie die Arie aus Fidelio und\nCosta Diva aus Norma.\nHerr Sivori riss uns nochmals zur Bewunderung hin,\nvornehmlich mit seiner Phantasie aus Rossini's „Moses\"\nauf der 6r-Saite allein.\nAls Novität brachte das Orchester uns die Ouvertüre\nzur Oper Bianca Siffredi von Dupont, gegenwärtig Mu-\nsik-Director in Hamburg, zu Gehör. Nachdem dieser Oper\naus Linz, Salzburg und Hamburg ein ehrenvoller Ruf vor-\nausgegangen, waren unsere Erwartungen auch auf die\nOuvertüre hoch gespannt. Sie wurden aber getäuscht. Die\nComposition ist technisch gut zu nennen, jedoch ist damit\nauch fast Alles gesagt. Wir fordern von einem Componisten\nnicht, dass er in allen Hinsichten ganz neu sein und das\nnoch nicht Dagewesene liefern solle. Nur wollen wir, dass\ner seine eigenen Gedanken zusammenstelle, und hören nicht\nijern Reminiscenzen aus bekannten Werken, wie hier der\nFall ist. Mit Ausnahme des zweiten Haupt-Motivs ist in die-\nser Ouvertüre fast Alles aus Mendelssohn's Athalia und Lob-\ngesang genommen; ferner sind Gade und Richard Wagner\ndeutlich zu erkennen. Eine mittelmässige Ouvertüre kann\naber wohl einer guten Oper angehören, und so wollen wir\nvon der letzteren das Beste hoffen.\nEbenfalls in Rotterdam führte am 18. December die\nGesellschaft zur Beförderung der Tonkunst „Die Zerstö-\nrung Jerusalems\", Oratorium von Ferd. Hiller, auf, unter\nDirection von Verhülst. Das Hiller sehe Werk wurde\nzum ersten Male im Jahre 184*2 in Amsterdam aufgeführt,\n1848 im Haag, wurde seitdem in mehreren Provincial-\nstädten gehört und machte also nach und nach die Runde\ndurch ganz Niederland. Den Werth dieser- Composition\nhier noch zu besprechen, ist nicht mehr nothwendig. Nur\nnahmen wir bei der gegenwärtigen Aufführung Veranlas-\nsung, unsere besondere Aufmerksamkeit der fast überall\nhöchst interessanten Orchester-Begleitung und der schönen\nInstrumentation zu widmen. Was die Aufführung betrifft,\nso war sie in aller Hinsicht höchst gelungen. Der *220 Per-\nsonen starke Chor und Orchester leisteten unter Verhütet's\nLeitung Vortreffliches. Die Soli wurden von drei Dilet-\ntantinnen und den Herren B r e e uw s (Tenor) und Schiffer\naus Köln (Bariton) gesungen. Alle ärnteten Beifall; unser\ngeehrter Gast aus Köln sang seine schwierige Partie mit\nWahrheit des Ausdrucks und tiefem Gefühl. Auch die tüch-\ntige Haltung des Orchesters, vornehmlich der schöne Vor-\ntrag des Violin-Solo's durch den Herrn Concertmeisters\no\nTours verdient Anerkennung. Ungefähr 1200 Zuhörer\nwohnten der Aufführung bei.\nIm Februar werden Mendelssohn's Lorelei, Gade's\nErlkönigs Töchterlein und die neunte Sinfonie von Beet-\nhoven, im April Händel's Israel in Aegypten in Rotter-\ndam zur Aufführung kommen.\n\nDer Männergesang-Verein in Wien.\nDer dritte Jahres-Bericht über das Vereinsjahr\n1856 57, verfasst von dem Schriftführer Spranz Ellinger,\numfasst die Wirksamkeit des wiener Männergesang-Vereins\nim vierzehnten Jahre seines Bestehens.\nAn die Stelle der üblichen Stiltungs-Messe wählte man\ndieses Mal das Requiem von Cherubini mit Orchester-\nBegleitung. Es wurde zugleich als Todtenfeier für die ver-\nstorbenen Vereins-Mitglieder am 13. November 1856 in\nder Augustinerkirche unter der Direction des Chormeisters\nSchläger aufgeführt.\nDer Verein veranstaltete ausserdem nebst den statuten-\nmässigen 2 Liedertafeln und 2 Concerten noch 6 Lieder-\ntafeln im engeren Kreise und 3 Sängerfahrten und brachte\nam 15. September 1857 zum Schlüsse bei dem Künstler-\nJubiläum seines gefeierten Ehren-Mitgliedes Heinrich An-\nschütz demselben eine Serenade.\nIn seiner Mitgliederzahl ist der Verein sich ziemlich\ngleich geblieben. Von den Anfangs des Jahres zählenden\n194 Mitgliedern verlor er 30; dagegen traten 44 neue\nMitglieder ein, so dass der Verein mit Ende September\n1857 208 Mitglieder stark ist. Einen Beweis der regen\nTheilnahme unter dem Publicum gibt die Zahl der beitra-\ngenden Mitglieder, deren der Verein mit Schluss 1856 362\nzählte, im heurigeu Jahre aber 420, also um 58 mehr.\nZu gewöhnlichen Uebungen versammelte sich der Ver-\nein 55 Mal. In den statutenmässig bestimmten Concerten\nund Liedertafeln brachte der Verein 47 Nummern, darun-\nter 25 neue, zur Aufführung. Bei Liedertafeln im engeren\nKreise und bei Sängerfahrten aber kam man mit den Pro-\nduetionen auf 111 Nummern.\nDas Wirken des Vereins erhielt auch im heurigen Jahre\nwieder vielseitige thatsächliche Anerkennungen; das zeigen\ndie zahlreichen und anerkennenden Zuschriften und Wid-\nmungen, die Uebersendung eines Ehrenpocals und Gedenk-\nblattes durch die münchener Liedertafel, das Legat von 120\nFl., welches dem Vereine von dem verstorbenen Dr. Joel\nvermacht wurde, u. s. w.\nMit einem Ehren-Honorar für neu aufgeführte\nNummern wurden 15 Compositeure mit 22 Stück k. k.\nDucaten bedacht, Beträge für Archiv-Anschaffungen ge-\nordnet und der Witwe eines um den deutschen Männerge-\nsang verdienten Compositeurs wie alljährlich eine Beisteuer\ngeleistet."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580109-01.1.6", "texte": "Der Bechnungs-Abschluss für das vierzehnte Vereins-\njahr vom 1. October 1856 bis 30. September 1857 ergibt\nan Einnahmen . . 5502 Fl. 15 Kr.\nan Ausgaben . . 3705 „ 11 ,\nCassarest ... 1797 Fl. 4 Kr.\nUnter den 17 Ehren-Mitgliedern der Verein be-\nobachtet in Ernennung derselben eine zweckmässige Spar-\nsamkeit finden wir unter Anderen H. Marschner, Franz\nLachner, J. Otto und Franz Weber in Köln. Die Vereins-\nLeitung haben 15 Mitglieder; Vorstand ist Herr Dr. Franz\nEgger, Chormeister die Herren Johann Herbeck und\nJohann Schläger. Von den 208 ausübenden Mitgliedern\nsind 37 im I. und 56 im 11. Tenor, 62 im I. und 53 im\n11. Bass.\nUnter den 420 beitragenden Mitgliedern erblicken wir\ndie Namen der Minister von Bach und von Bruck, des Gra-\nfen Joh. Barkoczy, der drei Fürsten Czartoryski, des Grafen\nLudwig Esterhazy, des Freiherrn von Hammer-Purgstall,\ndes Cassationshofs-Präsidenten von Härdtl,des Unter-Staats-\nsecretärs von Helfer, des Vice-Präsidenten der Akademie\nder Wissenschaften Th. Karajan, des Fürsten Aloys Liech-\ntenstein, des Bürgermeisters Bitter von Seiller, Grafen von\nThun, Ministerialrathes Vesque von Püttlingen, mehrerer\nhohen Beamten, Stabs-Officiere, Professoren, angesehenen\nHandlungshäuser u. s. w. erfreuliche Beweise einer sehr\nregen und für den Verein ehrenvollen Theilnahme von Sei-\nten seiner Mitbürger.\n\nDie deutsche Ausgabe\nvon G. F. Händel’s sämmtlichen Werken.\nDas Directorium der deutschen Händel-Ge-\nsellschaft (Fr. Chrysander, G. G. Gervinus, M. Haupt-\nmann, Breitkopf und Härtel) kündigt an, dass es im Laufe\ndes Jahres 1858 drei Lieferungen, und zwar das biblische\nOratorium Susanna, das Schäferspiel Acis und Gala-\ntea und die Suiten und Fugen für Ciavier ausge-\nben wird, denen in dem Säcularjahre von Händel's Tode\nHercules, Allegro und Peiisieroso und Athalia\nfolgen sollen.\nEs fühlt sich übrigens verpflichtet, zu erklären, dass\ndieser Entschluss vorerst noch ein Wagnissist und eine\nBürgschaft für die x\\usführung des ganzen Werkes noch\nnicht in sich schliessen kann. Dass aber bei dem Zweifel,\nob es besser sei, in misstrauender Vorsicht zuzuwarten, bis\ndie erforderliche Anzahl von Subscribenten versammelt\nwäre, oder einen wagenden Entschluss zu fassen, der von\ngutem Vertrauen zur Sache zeugt, das Directorium diese\nletztere Partie ergriffen hat, wird sicherlich den Beifall der\nbisherigen Unterzeichner haben.\nDie erste Aufforderung hat bis jetzt einen Erfolg ge-\nhabt, der zwar zu den besten Hoffnungen berechtigt, aber\ngleichwohl nicht ausreicht, das Unternehmen vollständig\nzu sichern, noch weniger was so sehr wünschenswerth\nwäre es zu erleichtern. Desshalb richtet das Direc-\ntorium eine wiederholte Ansprache an das deutsche Pu-\nblicum, deren wesentlichen Inhalt wir mittheilen:\nir haben für den Fall, dass die Subscription den\nStand der Zeichnun gen auf Bach's Werke (5—600) er-\nreiche, die jährliche Lieferung von drei Werken für den\nJahresbeitrag von 10 Thlrn. zugesagt. Es wäre aber auch\nmöglich, dass, hüls ein solcher Erfolg auf bloss deutschem\nBoden erzielt werden sollte, für diesen selben Beitrag,\nwenn die Betheiligung fremder Unterzeichner hinzukäme,\nmehr geliefert, der Kostenaufwand für das Ganze also viel-\nleicht noch bedeutend verringert werden konnte. Da die\nAusgabe durch die Beifügung der englischen Texte auch\nfür England brauchbar ist, so wird auch dort auf Theil-\nnahme zu rechnen sein, um so mehr, als die englische Aus-\ngabe der Ilaendel Society nur sehr langsam fortschreitet.\n,W ir haben bemerken können, dass in Deutschland\nmancherlei Einwände und Vorwände gegen die Unter-\nstützung unserer Unternehmung erhoben werden. Die Kla-\ngen betreffen die Höhe des Jahresbeitrages, die Masse der\nzu bewältigenden Werke, wohl gar den Mangel an Baum,\nsie unterzubringen. So kleine Anstände sollten aber billig\nbei einer so grossen Sache schweigen. Wenn man beden-\nken möchte, dass man durch die Anschaffung dieser Werke\nin jeder musicalischen Familie einen Hausschatz von ewi-\nger Dauer begründet, der die unvergänglichsten Genüsse\nvon Geschlecht zu Geschlechtern fortpflanzt, wie gering\nerscheint dann der allmähliche Einsatz, den die Sache in\nAnspruch nimmt, einem so grossen und nachhaltenden Be-\nsitze gegenüber!\nB')ie Zeichnungen der Musik-Vereine und anderer mu-\nsicalischer Institute in Deutschland haben, wie es in unse-\nren Wünschen lag, begonnen; aber auch sie nicht in dem\nUmfange, wie wir gehofft hatten. Wie viele Bibliotheken\ngibt es nicht in kleinen und grossen Städten, die mit der\nAnschaffung dieser Werke dem allgemeinen Besten dienen\nkönnten! Wo in kleineren solchen Anstalten die Mittel\nfehlen, wie vielerlei Auswege bieten sich nicht, dem abzu-\nhelfen! In einer schweizer Stadt haben sich mehrere Pri-\nvate verbunden zur Unterzeichnung, um ihr Exemplar einer\nöffentlichen Anstalt zum öffentlichen Gebrauche zu über-\nlassen. Wie einfach gegriffen ist solch ein Mittel! wie viel\nmehr aber sollten wir uns in Deutschland auf solche un-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580109-01.1.7", "texte": "eigennütziga Hülfswege besinnen, wo es sich um eint deut-\nsche Ehrensache handelt!\n„Für Nicht-Musiker bleibt die Angelegenheit allerdings\nnur die eines dem grossen deutschen Manne zu stiftenden\nwürdigen Denkmals in der bis jetzt noch fehlenden Ge-\nsammt-Ausgabe seiner Werke, zu dem jeder, der es ver-\nmag, seinen Beitrag nicht gern verweigern wird. Für die\nMusikverständigen aber, auch wenn sie nicht Musiker von\nFach sind, verbindet sich .diesem allgemeinen Interesse\nnoch das für das zu erlangende Besitzthum selbst. \\\\ enn\nman dem deutschen Volke ankündigte, dass ein Schatz\nvon unbekannten Werken (jöthe s, an Zahl dem bekann\nten wenigstens gleich, entdeckt sei und um einen hohen\nPreis gehoben werden könne, wer würde sich mit dem\nFach entschuldigt halten, seinen Einsatz für ein so vater-\nländisches Opfer zu weigern? Dieses aber ist der vorlie-\ngende Fall! Wir haben in dem Jahrhundert nach HändeFs\nTode für seine grossen, in Schutt vergrabenen Kunstwerke\nzu thun, was die Engländer im Jahrhundert nach Shake-\nspeares Tode für ihn und seine Wiederbelebung auf der\nBühne gethan haben. Und wir richten noch einmal an die\ndeutsche Nation vertrauensvoll unsere Bitte und Mahnung,\nin solch einer wahrhaft vaterländischen Sache nicht zu-\nrückzubleiben.\n„Leipzig, den 1. December 1857.''\nWir fügen hinzu, dass der Jahres-Beitrag von 10\nThlrn. im Januar und Juli mit je 5 Thlrn. einzuzahlen ist.\nIn Köln nehmen Herr Capellmeister F. Hill er, die M.\nDuMont-Schauberg'sche Buchhandlung und der Un-\nterzeichnete Subscnptionen an. Prof. L. Bisch off.\n\nAus New-York.\nJ. u.\nDen 13. December 1857.\nDie italiänische Oper durfte auch in dieser Woche Meyerbeer s\n„Robert der Teufel\" noch zwei Mal' wiederholen, ohne eine Abnahme\ndes Interesses auf Seite des I'ublicums fürchten zu müssen Der\nmeiste Theil dieses beispiellosen Erfolges fällt auf Rechnung von\nKarl Formes (Bertram) und nächst ihm auf die von Mad. La Crange\n(Alice) und Herrn Labocetta (Raimbaut). Nennen wir Herrn Bignardi\n(Robert) nicht in der Reihe, so möge man uns verzeihen. Partieen\nvon vorzugsweise dramatischer Natur fordern Etwas, was über Stim-\nme an sich und lyrische Gewandtheit weit hinaus geht, eine vollen-\ndete. wahrhaft musicalische und scenische Durchbildung, wie sie lei-\nde/ bei den beutigen Sängern nur selten mehr angetroffen wird.\nAuch Staudigl und Lablacbe konnten mehr mit ihren Stimmen ma-\nchen, als Formes, verstanden feinere Dinten aufzutragen, zartere Ab-\nstufungen im Colorit zu schaffen; aber Lablache und Staudigl hat-\nten auch nicht mit einem solch ungeheuren Volumen der Stimme zu\nkämpfen. Formes' gewaltige Stimme duldet nur ein al fresco, und\neben daher das Ausserordentliche seiner Wirkung, weil mit dieser\nEigentümlichkeit seiner Singkunst seine scenische Darstellung im\nvollkommensten Ebenmaasse steht. Als Sanger für sich reichen wir\ngern Staudigl wie Lablache den Lorber, und nennen wir noch Einen\nmehr, den vielleicht nur Wenige noch kennen: Stromayer; als\nscenischer Sänger aber wirft Formes Vorzüge in die Schale, welche\nso schwer wiegen, dass zum Mindesten der Vergleich reifes Urtheil\nund Vorsicht fordert. Formes ist mehr als ein geschulter Sänger, er\nist ein genialer Sänger. Besondere Hervorhebung verdient die vor-\ntreffliche Haltung des Orchesters in dieser Oper, während dem Chor\ndie nöthige Sicherheit abzugehen schien, um immer gleich wirksam\nauftreten zu können. Nächsten Donnerstag, den 17. d. Mts., wird\nHaydn's „Schöpfung\" mit bedeutend verstärktem Chor und Orche-\nster, mit Formes als Raphael und Adam, Mad. La Grange als\nEva, Mlle. Miliner als Gabriel und Herrn Perring als Uriel auf-\ngeführt werden. Es ist das die erste wahrhafte Oratorienfeier hier\nein ganzes, vollständiges und wirkliches Oratorium mit Massen-\nwirkung !\nIn den Concerten kämpften zwei Clavierspielerinnen, eben ange-\nkommen aus Europa, um den Preis: eine Madame Gräver-John-\nson (in Niblo's Salon) und eine Madame de Bienville (in Dod-\nworth's Local). Erstere ist unbedingt eine recht wackere Virtuosin,\nwenn auch noch lange keine Goddard oder Pleyel, oder gar Claus\noder Schumann. Sie spielte ein Concert von Litolff (welches dieser\nselbst Sinfonie taufte, ohne dass es mehr ist, als ein flacher und\ntheilweise sogar compilirter Orchestersatz mit concertirendem Clavier-\npart), Liszt's Patineuis (eine echte Liszt'sche Paraphrase über Meyer-\nbeer's Schlittschuhläufer-Tanz in dem Propheten) und ein paar klei-\nnere Sachen, zeigte viel Fertigkeit, einen guten Anschlag und künst-\nlerische Auffassung; doch hätte sie, um letztere wahrhaft zu mani-\nfestiren, wohl andere Compositionen wählen dürfen, jedenfalls keine,\ndie ihre technischen wie physischen Kräfte so sehr übersteigen, dass\nsie dieselben sich erst zurecht machen muss. Madame de Bien-\nville ist ungeachtet Mendelssohn's (i-moW-Concertes, an das sie sich\nwagte, nicht mehr als eine gute Dilettantin. Selbst Hummel s wenig\nschwieriges /l-Concert haben wir bereits von Dilettanten graziöser\nvortragen hören, und Grazie eben will dieses Concert, selbst wo es\nbis zur Bravour aufsteigt.\nAuf dem Stadttheater macht leider „Die Quäkerstadt\", amenca-\nnisches Sittengemälde in fünf Abtheilungen von G. Lebrun, eine\nDramatisirung des gleichnamigen Romans von George Lippard, Auf-\nsehen. Die Personen und Ereignisse aber sind der Art, dass sie nie\nund nimmermehr einem anständigen Publicum hätten vorgeführt wer-\nden dürfen. Der rothe Faden, der sich durch das ganze Stück hin-\ndurchzieht, ist Ehebruch, dann Verführung und Mord in jeglicher\nGestalt; das Innere eines Bordells ist der Schauplatz. Es ist kaum\nEine Person im ganzen Stücke zu finden, welche den Anspruch ma-\nchen könnte, für sittlich zu gelten. Doch sind die Charaktere schon\nAbscheu erregend, so sind es noch in erhöhtem Grade die wahrhaft\nschaamlosen Situationen, in denen jene vor die Augen des Publicum»\ngebracht werden. Das Ganze ist abscheulich, aber charakteristisch\nÖ\nfür das Land, in dem wir leben.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nS4Jfl«a. Am 5. Januar fand im Gürzenichsaale ein grosses Mi-\nlitär-Concert Statt, welches Herr General-Lieutenant v. Schack\nzum Besten der in Mainz Verunglückten orgamsirt hatte. Die Mu-\nsik- und Sängercliöre der drei Infanterie-Regimenter hiesiger Garni-\nson führten unter Direction des Herrn Vogt, Capellmeisters beim\n30. Infanterie-Regimente, sämmtliche Nummern des Programms mit\ngrosser Präcisbn aus. Von den Instrumentalsachen ärnteten der\nFackeltanz von Meyerbeer, Mendelssohn's Hochzeitsmarsch\nund ein Marsch, componirt von dem Könige Friedrich 11., mit\nRecht den grössten Beifall. Der Marsch aus dem Propheten konnte\nwegen des zu schnellen Tempo's nicht so wirken, wie es die Masse"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580109-01.1.8", "texte": "von Kräften erwarten liess. Von den grösseren arrangirten Sachen\ngingen die Ouvertüre zu Euryanthe und das Finale aus Catharina\nCornaro am besten. Sehr erfreulich waren die Leistungen des Sän-\ngerchors, der aus nahezu 100 Soldaten bestand. Ausser den Gesän-\ngen mit Instrumental-Begleitung Spontini's Borussia und einem\nChor aus A. Adam s „Brauer von Breston\" trugen sie ohne die-\nselbe Mendelssolin's „Der frohe Wandersmann\" und Stern's „Morgen\nmarsehircn wir\" vor. Das erstere würde bei gemässigterem Tempo\nnoch mehr Anklang gefunden haben; das letztere wurde stark ap-\nplaudirt und musste wiederholt werden. Es war in der Tliat ein er-\nhebender Gedanke, wenn man sich den Auszug der preussischen\nKrieger dachte und an ihrer Spitze einen Sängerchor, der rein aus\ndem Volke hervorgegangen, mit so frischen Stimmen und so siche-\nrem Tacte ein vierstimmiges Lied erklingen lässt!\nIm nächsten Gesellschafts-Concerte, Dinstag den 12. d. Mts.,\nwerden wir den berühmten Violinspieler Sivori hören.\nIn der musicalischen Gesellschaft führte Herr W. F. Tliooft\naus Rotterdam, der früher in Deutschland, namentlich in Leipzig\nunter Hauptmanns Leitung, die Composition studirt hat, eine Sin-\nfonie (Cdur) für grosses Orchester von sich auf. Sie rief lebhaften\nBeifall hervor, namentlich wurde das originelle und trefflich durch-\ngeführte Scherzo mit enthusiastischem Applaus aufgenommen. Herr\nThooft dirigirte selbst und zwar mit Feuer und grosser Präeision.\nDas Orchester bewährte sich im Vomblattspielen.\nWieaa. In Anton Rubinstein's drittem Concerte war das\nProgramm interessant. Ein Quartett von C. M. von Weber für\nPianoforte, Violine, Viola und Cello stand an der Spitze. Die Aus-\nführung war eine durchaus meisterhafte, dem Geiste und Sinne des\nTonwerkes sich treu anschmiegende. Nebstbei spielte der Concert-\ngeber „Mira la bianca luncr6 (Soirees de Rossini) von Liszt, ein\nköstliches „Lied ohne Worte\" von Mendelssohn, eine ausdrucks-\nvolle Nocturne (Nr. 5) von Field und die sehr wirksame Berqcuse\nvon Chopin. Er musste sowohl das Mendelssohn'sche „Lied ohne\nWorte\" als die „Ber<?euse\" wiederholen. Von eigenen kleineren Com-\npositionen für Ciavier allein trug Rubinstein ein „Capriccioein\n„Melancolie\" benanntes Tonstück und zuletzt einen „Galop\" vor. Der\nVortrag der beiden ersteren Stücke war meisterhaft, jener des „Ga-\nlop\" nicht von vollendeter Reinheit und Deutlichkeit; der Künstler\nschien ermüdet zu sein.\nIn den Abendstunden des 20. December v. J. trat der Nestor der\nPianisten Wiens, Herr Karl Maria von Bocklet, einmal wieder\nöffentlich auf mit der Phantasie Op. 78 von Franz Schubert und der\ngrossen Clavier-Sonate Op. 106 von L. v. Beethoven. Er wurde nach\njedem Satze und am Schlüsse seines Vortrags durch wiederholten\nlebhaften Beifall ausgezeichnet.\nMendelssohn's „Elias\" wurde am 22. und 23 December 1857\nim Hofburgtheater aufgeführt. Das Werk ist früher in Wien nur\neinmal, und zwar im Jahre 1847 in der kaiserlichen Winter-Reit-\nschule, gehört worden. Damals wurde der gefeierte Meister selbst\nerwartet; er sollte sein Werk selbst leiten, aber das Verhängniss\nwollte es anders. Seither hatten wir es nicht wieder gehört. Aller-\ndings ist die in den akustisch ungünstigen, engen Räumen des Hof-\nburgtlieaters Statt gehabte Ausführung'mit jener in der prachtvollen\nWinter-Reitschule nicht zu vergleichen, und der Eindruck konnte\ndaher schon dieses Umstandes wegen nicht so mächtig sein, als man\nes sonst zu erwarten berechtigt gewesen wäre. Als eine eigentüm-\nliche Erscheinung muss aber hervorgehoben werden, dass die Orato-\nrien Mendelssohn's hier durchaus keine Anziehungskraft üben. Dies\nhat der wenig ausgiebige Besuch des Oratoriums „Paulus\" im ver-\nflossenen, der schwache Besuch des „Elias\" in diesem Jahre bewie-\nsen. Dagegen reichen die Räume nie hin, das zudrängende Publi-\ncum zu fassen, so oft „Die Jahreszeiten\" oder „Die Schöpfung\" von\nHaydn gegeben werden. Gewiss trägt die Zeitstimmung im Allgemei-\nnen an dieser geringen Anziehungskraft der Mendelssohn'schen, so\nwie der Händerschen Oratorien vorzugsweise Schuld. Diesen wohl\nleicht erregbaren, aber schwer zu fesselnden südlichen Naturen kann\neine dem sinnlichen Reize so fremde und durch keinen Wechsel der\nStimmungen und Zustände anregende Musik nicht vollkommen zu-\nsagen, besonders wenn sie drei volle Stunden dauert. Man muss\ndem Eifer, mit welchem das Werk einstudirt worden, der Energie\nund Umsicht, womit es geleitet wurde, und der Correctheit der Aus-\nfuhrung die vollste Anerkennung zu Theil werden lassen; allein\nabgesehen von den akustisch ungünstigen Raum-Verhältnissen und\nder nachtheiligen Aufstellung des Orchesters konnten für den\nChor und die Solo-Partieen auch nicht jene Kräfte gewonnen wer-\nden, die eine vollkommen entsprechende Darstellung der charakte-\nristischen Schönheiten des hohen Werkes sicherten.\nIm ersten Concerte des Männ er gesang -V er eins am 27. De-\ncember 1857 war Schubert's „Gesang der Geister über den WTassern\"\n(achtstimmiger Chor mit Begleitung von Violen, Violoncells und Con-\ntrabässen) den Zuhörern neu, und mächtig ergriffen von der wun-\nderbaren Herrlichkeit des Werkes, in welchem Dichter und Ton-\nsetzer gleich gross sind, liessen sie ihrem Entzücken in stürmischem\nBeifallsjubel freien Lauf, und der Chor musste ungeachtet seiner\neine Viertelstunde langen Dauer wiederholt werden. Die Ehre der\nWiederholung wurde auch dem schönen Chor „Morgenwanderung«\nvon Esser zu Theil. Die Ausführung war durchaus eine vorzüg-\nliche, hinreissend jene des Weber'sehen Chors „Lützow's wilde\nJagd\". Auch der Vortrag des Quartetts „An den Sonnenschein\" war\nausgezeichnet\ntl ZSriiasd, 4. Januar. Ihr geschätztes Blatt hat im IV.\nJahrgange, Nr. 42, vom 18. October 1856 eine Beschreibung der\ngiossen Oigel für die Kathedrale von Murcia in Spanien, welche\naus dem hiesigen Etablissement der Herren J. Merklin, Schütze &\nComp, hervorgegangen ist, gegeben. Es wird Sie mithin eben so,\nwie alle Kenner, welche damals Gelegenheit hatten, das schöne und\nkolossale Werk in dem grossen Probesaale der genannten Fabrik zu\nbewundern, interessiren, zu erfahren, dass Herr J. Merklin selbst\ndie Aufstellung zu Murcia geleitet hat Die Wirkung des pracht-\nvollen Instrumentes, welches mit zwei Prospecten nach den zwei\nKirchen, welche den dortigen Dom bilden, auf dem Zwischenchor\naufgerichtet worden, war eine der grossartigsten, die man hören kann;\nsie setzte alle Zuhörer in Erstaunen und erwarb den Erbauern in so\nhohem Grade die Zufriedenheit der hohen Geistlichkeit und aller\nFreunde der Kirche und der Tonkunst, dass Ihre Majestät die fcö-\nnigin von Spanien sieh bewogen fand, Herrn J. Merklin zum\nKitter des Isabellen-Ordens zu ernennen. Bekanntlich hat Se. Maj.\nder König der Belgier durch Verleihung des Leopolds-Ordens schon\nfrüher die ausserordentlichen Verdienste desselben um den Orgelbau\nanerkannt. In diesen Pagen hat nun auch Herr Merklin von der kai-\nserlichen Kegieiung in Irankreich den ehrenvollen Auftrag erhalten,\ndie Orgel in dei Kathedrale zu Rouen, einem der ältesten uud\nschönsten Dome von Frankreich, zu restauriren und umzubauen, so\ndass dasselbe ein 32füssiges Werk von 58 Stimmen mit Pedal und\n4 Manualen werden wird."}]}