{"numero_id": "bm-bmtnabi-1858-01-16-01", "volume": "bmtnabi_1858-01-16_01", "ocr_sha256": "c168b35fc3e9393e869cf1363d4e810499c247e274aee71135c37d6db637440b", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1858/01/16_01/bmtnabi_1858-01-16_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580116-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1858-01-16-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-01-16_01#c001", "volume": "bmtnabi_1858-01-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "17", "page_fin": "17", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580116-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "17", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580116-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 351, "texte": "Inhalt.\nW. A. Mozart. Von Otto Jahn. Dritter Theil. 111. Von L. B. Saul. Oratorium von F. Hiller. 11. Von L. Bi-\nsch off. Aus Bonn (Musicalische Soiree Drittes Abonnements-Concert). Viertes Gesellschafts-Concert in Köln. Tages- und\nUnterhaltungsblatt (Köln, Scherz, List und Rache, Operette von Max Bruch Oldenburg, Musicalische Abend-Unterhaltungen)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-01-16-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-01-16_01#c002", "volume": "bmtnabi_1858-01-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "17", "page_fin": "20", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580116-01.2.2", "titre_corps": "W. A. Mozart.", "titre_sommaire": "W. A. 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Manche Compositionen, namentlich Concerte und\nSinfonieen, entschädigten Mozart durch den Gebrauch, den er\ndavon in seinen Akademieen machte; für andere erhielt er\nauch gute Honorare, z. B. vom Könige Friedrich Wilhelm\n11. für die von- ihm bestellten Quartette, 100 Ducaten für\ndas Requiem, 100 Ducaten von Artaria für die Jos. Haydn\ngewidmeten Quartette. Das gewöhnliche Honorar für eine\nOper war 100 Ducaten. Mozart erhielt diese Summe für\ndie Entführung, Figaro, Cosl fan tutte und auch von dem\nPrivat-Unternehmer Schikaneder für die Zauberflöte; eben\nso von Bondini für den Don Juan; auch wurde ihm in der\nRegel nach jeder neuen Oper eine Benefiz-Vorstellung be-\nwilligt. Aber mit der Partitur war wenig oder gar nichts zu\nverdienen: man bezahlte nur die Copisten, die oft selbst\nhinter dem Rücken des Theater-Directors Handel damit\ntrieben. Nun, wir kennen diese Diebes-Wirthschaft ja selbst\nnoch aus unseren jüngeren Jahren! Es hat lange genug\ngedauert, ehe der Componist in Deutschland die Rechte\neines Besitzers von Eigenthum erlangt hat.\nDer Grund, wesshalb es Mozart fast immer an Geld\nfehlte, lag wohl hauptsächlich an dem Mangel einer geord-\nneten Wirthschaft im eigenen Hause. Er war weder ein\nVerschwender noch ein Feinschmecker und Trinker im\nschlimmen Sinne; ailein aus allem Einzelnen, das Jahn an-\nführt, geht hervor, dass er im (äusseren Leben sehr nobel,\nllott und freigebig war, und das alles wohl mehr, als seine\nVerhältnisse erlaubten. Er gab viel aus für saubere und\ngewählte Kleidung, Spitzen und Uhrketten; Clementi hielt\nihn bei seiner ersten Begegnung für einen kaiserlichen\nKammerherrn, so elegant war er gekleidet. Der Besuch der\nvornehmen Gesellschaften veranlasste sicher ebenfalls grosse\nAusgaben, und wenn auch die Glace-Handschuhe damals\nnoch nicht unvermeidlich waren, so machte die Mode an\nManschetten, Rosetten, gestickten Westen und dergleichen\nnoch viel anspruchsvollere Forderungen.\nIn Wien herrschte damals eine rasende Tanzwuth, und\nMozart liebte und trieb den Tanz leidenschaftlich, ja, „er\nbehauptete sogar, seine Leistungen im Tanzen (Vestris war\nsein Lehrer gewesen) seien bedeutender, als die in der\nMusik.\" (S. 237.) Die öffentlichen Maskenbälle wie die\nHausbälle versäumte er nie; von Jugend aufhatte er grosse\nNeigung und Talent, sich in Charakter-Masken zu zeigen,\nund soll besonders den Harlekin unvergleichlich gemacht\nhaben.\nEine andere leidenschaftliche Neigung von ihm war das\nBillardspiel. „Kelly erzählt, dass er oft mit Mozart gespielt,\nihm aber nie eine Partie abgewonnen habe (Remin.\n226). Er hatte ein eigenes Billard in seiner Wohnung, und\nauf diesem spielte er im Nothfalle mit seiner Frau oder auch\nwohl ganz allein. Allerdings war dies ein Luxus, obgleich\ndamals in Wien nicht so gar auffallend, und veranlasst nicht\nallein durch seine Neigung zum Billardspiel, sondern auch\ndurch die Sorge der Aerzte für Mozart's Gesundheit. Ba-\nrisani, der Sohn des erzbischöfliehen Leibarztes in Salz-\nburg, mit welchem die Mozart'sche Familie vertrauten Um-\ngang hatte, war ein eben so ausgezeichneter Arzt als war-\nmer Freund und Verehrer Mozart's. Er suchte, da er Mo-\nzart von der Gewohnheit, bis tief in die Nacht hinein zu ar-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580116-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5669, "texte": "bellen und des Morgens oft im Bette liegend zu schreiben,\nnicht ganz abbringen konnte, den schädlichen Folgen auf\nandere Weise entgegen zu treten. Er veranlasste ihn, da er\nschon am Ciavier so viel sass, wenigstens stehend zu schrei-\nben, und suchte ihn zu regelmässiger körperlicher Bewe-\ngung anzuhalten. Die Vorschrift, früh Morgens spaziren zu\nreiten, scheint Mozart nicht lange befolgt zu haben, wenig-\nstens erfahren wir, dass er beim Reiten, obgleich ihm diese\nBewegung zusagte, doch nie eine gewisse Aengstlichkeit\nüberwinden konnte. Da gab denn seine Neigung zum Bil-\niardspielen dem Arzte eine willkommene Veranlassung, we-\nnigstens diese Motion zu einer regelmässigen zu machen,\nwelche Mozart eben so wie das Regelspiel, das er gern vor-\nnahm, um so angenehmer war, als beide körperliche\nHebungen ihn in seiner geistigen Thätigkeit nicht störten.\nZum grossen Erstaunen seiner Freunde concipirte Mozart,\nwährend er Billard spielte, das erste Quintett der Zauber-\nnöte; und als er in Prag in Duschek's Weingarten die Par-\ntitur des Don Giovanni niederschrieb, nahm er nicht selten\ndabei am Kegelschieben Theil, stand auf, wenn an ihn die\nReihe gekommen war, und setzte sich wieder zum Schrei-\nben, nachdem er geworfen hatte.\n„Fasst man die einzelnen Züge zusammen, welche wir\nin unerfreulicher Weise zu discutiren gezwungen waren,\nso bleibt uns das Bild eines heiteren, lebenslustigen Mannes,\nwelcher bei einer Anstrengung und Anspannung der Pro-\nductionskraft und einer geistigen Arbeitsamkeit, wie sie die\nKunstgeschichte nur in den allerseltensten Beispielen kennt,\ndas Bedürfniss nach Zerstreuung durch den geselligen Ver-\nkehr und dessen sinnliche Genüsse in einem Maasse befrie-\ndigt, wie es die Mehrzahl seiner Zeitgenossen in Wien that,\nohne irgend einer Aufmerksamkeit dafür gewürdigt zu wer-\nden - nicht das eines leichtfertigen Wüstlings und Ver-\nschwenders, wie man dieses Wort gewöhnlich fasst. Die\ngefährlichsten Eigenschaften aber waren für ihn eine gut-\nmüthige Weichheit seines Herzens und eine echte Libera-\nlität der Gesinnung. Wenn er augenblicklich im Stande war,\nzu helfen, so konnte er einen Bedürftigen nicht ohne Unter-\nstützung lassen, selbst wenn er sich und die Seinigen in\nnächster Zeit Verlegenheiten aussetzen musste; sogar wie-\nderholte Erfahrungen, dass man ihn hinterging, machten\nihn nicht vorsichtig. Man kann denken, wie das benutzt\nwurde. Wer sich bei ihm zur Tischzeit einstellte, war sein\nGast, um so willkommener, wenn er aufgeräumt und lustig\nwar, Spass machte und verstand, und Mozart war froh,\nwenn seine Tischgäste es sich bei ihm schmecken liessen.\nDarunter waren aber auch, wie Sophie Haibl erzählt, „ „ fal-\nsche Freunde, Blutsauger ohne sein Wissen, werthlose\nMenschen, die ihm zu Tischnarren dienten, und deren Um-\ngang seinen) Rufe schadete.\"Einer der ärgsten Menschen\ndieser Art war Ant. Stadler nicht zu verwechseln mit\ndem Abbe Max. Stadler —, der zum Beispiel dessen die-\nnen mag, was man Mozart bieten konnte. Er war ein aus-\ngezeichneter Clarinettist und ein Mensch, der Possen und\nSpass zu treiben und sich einzuschmeicheln wusste; dadurch\nbrachte er es dahin, dass Mozart ihn häulig bei sich zu Tisch\nsah und für ihn componirte. (Das Quintett für Saiten-In-\nstrumente und Clarinette [componirt 29. September 17891\nund das Concert für Clarinette [componirt im Sept. 1791]\nsind für ihn geschrieben.) Einst hatte er erfahren, dass\nMozart vom Kaiser fünfzig Ducaten erhalten habe, und\nstellte demselben aufs beweglichste seine Noth vor: er sei\nverloren, wenn er ihm nicht diese Summe borge. Mozart,\nder das Geld selbst brauchte, gab ihm zwei schwere Repe-\ntiruhren zum Versetzen, unter der Bedingung, dass er ihm\nden Zettel bringen und sie zur rechten Zeit einlösen solle;\nda dies nicht geschah, gab ihm Mozart, um die Uhren nicht\nzu verlieren, fünfzig Ducaten nebst den Zinsen - Stadler\nbehielt das Geld und Hess die Uhren auf dem Leihhaus.\nNicht gewitzigt durch diese Erfahrung, gab Mozart, als er\n1790 von Frankfurt zurückkam, Stadler den Auftrag,\neinen Theil des Silbergeräthes, welches zum Behuf der\nReise hatte versetzt werden müssen, einzulösen und den\nRest umschreiben zu lassen. Trotz des dringenden Verdach-\ntes, dass Stadler diesen Versatz-Zettel aus Mozart's stets of-\nfener Schatulle entwendet hatte, liess sich dieser nicht ab-\nhalten, ihn. als er im folgenden Jahre eine Kunstreise an-\ntreten wollte, mit Reisegeld und Empfehlungen nach Prag\nund mit einem Concert auszustatten, das er wenige Monate\nvor seinem Tode noch für ihn componirte.\"\nDie Abschnitte über Mozart's persönliche Verhältnisse\nund über die Veranlassungen zu vielen vereinzelten Compo-\nsitionen (z. B. an 30 grosse Arien von 1781-—1791; ent-\nhalten sehr viel Interessantes. Unter den Arien war auch\neine für den BassistenGerl (den erstenSarastro)mit obliga-\ntem Contr ab ass, gespielt von dem damaligen Meister auf\ndiesem Instrumente Pischlberger.—Für Regina Stri-\nnasa cchi, eine junge und bedeutende Violinistin, schrieb er\neine Sonate {B-dur,lX., Nr. 3) für Violine und Ciavier. Aber\ndie Sonate wurde nicht zur rechten Zeit fertig, und nur mit\nMühe erpresste die Strinasacchi am Abend vor dem Con-\ncerte wenigstens die Violinstimme von Mozart, die sie am\nfolgenden Morgen ohne seine Beihülfe einübte; er sah sie\nerst im Concerte wieder. Beide spielten vortrefflich und\närnteten mit der Sonate grossen Beifall ein. Kaiser Joseph,\nder zugegen war, glaubte aus seiner Loge mit der Lorgnette\nzu erkennen, dass Mozart keine Noten vor sich hätte; er\nliess ihn zu sich rufen und ihn bitten, die Sonate mitzubrin-\ngen. Es war ein leeres Notenblatt mit Tactstrichen; denn\nMozart hatte keine Zeit gefunden, die Cavierstimme aufzu-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "19", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580116-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5560, "texte": "schreibe», und spielte die Sonate, die er also noch gar nicht\ngehört hatte, aus dem Gedächtniss.\n„Beethoven, der als ein vielversprechender Jüngling\nim Winter 1786 nach Wien kam, aber nach kurzem Auf-\nenthalte wieder nach Hause reisen musste, wurde zu Mo-\nzart geführt und spielte ihm auf seine Aufforderung etwas\nvor, das dieser, weil er es für ein eingelerntes Paradestück\nhielt, ziemlich kühl belobte; Beethoven, der das merkte,\nbat ihn darauf um ein Thema zu einer freien Phantasie,\nund wie er stets vortrefflich zu spielen pflegte, wenn er ge-\nreizt war, dazu noch angefeuert durch die Gegenwart des\nvon ihm hochverehrten Meisters, erging er sich nun in einer\nWeise auf dem Ciavier, dass Mozart, dessen Aufmerksam-\nkeit und Spannung immer wuchs, endlich sachte zu den\nim Nebenzimmer sitzenden Freunden ging und lebhaft\nsagte: „ „Auf den gebt Acht, der wird einmal in der Welt\nvon sich reden machen!\"\" Schindler (Biogr. Beethoven's,\nS. 24) erwähnt dieser Begegnung, an die Beethoven sich\ngern erinnerte, nur kurz; der obige Bericht ist mir in Wien\naus guter Quelle mitgetheilt. Die ausgeschmückte Erzäh-\nlung in Beethoven's Studien (Anhang S. 4 ff.) dichtet Beet-\nhoven contrapunktische Studien und Kenntnisse an, von de-\nnen er damals weit entfernt war.\n„Den schönsten Beweis, wie hoch Mozart Jos. Haydn\nachtete, und wie herzlich er ihn liebte, gab er durch die\nZueignungsschrift seiner sechs Quartette, in welcher er ihm\ndieselben als die Frucht einer langen und mühevollen Ar-\nbeit, durch seinen Beifall ermuthigt, übergibt, wie ein Vater\nseine Kinder einem bewährten Freunde von hohem Anse-\nhen und Rufe anvertraut, dass er sie nachsichtig aufnehme,\nbeschütze und vertrete. Solche Aeusserungen der Vereh-\nrung kamen ihm tief aus dem Herzen; als man mit ihm\nüber diese Dedication sprach, sagte er: „ „Das war Schul-\ndigkeit; denn von Ilaydn habe ich gelernt, wie man Quar-\ntetts schreiben müsse.\"\" Nie sprach er ohne die lebhafteste\nBewunderung von ihm. „„Keiner\"\", sagte er, „„kann\nAlles, schäkern und erschüttern, Lachen erregen und tiefe\nRührung, und Alles gleich gut als Joseph Ilaydn.\"\"\n„Der Haydn, welchen Mozart auf diese Weise aus-\nzeichnete und über alle lebenden Componisten stellte, war\nkeineswegs schon der allverehrte und allgeliebte Vater\nHaydn der späteren Zeit. Erst nach dem Aufenthalte in\nLondon fand Haydn in Wien allgemeine und enthusiastische\nBewunderung und Verehrung; in früheren Jahren war der\nWiderspruch gegen seine Originalität nirgends stärker, als\nin Wien. Schon seine Stellung beim Fürsten Esterhazv,\nsein Aufenthalt in Ungarn machte die Künstler und Kenner\nder Hauptstadt abgeneigt, ihn als ebenbürtig oder gar\nüberlegen anzuerkennen. Während das musikliebende Pu-\nblicum seine frischen, jovialen Schöpfungen mit unbefange-\nnem Entzücken genoss, nahmen die Kenner und Künstler\nder Hauptstadt daran vielfachen Anstoss; humoristische\nLaune war in der Musik noch nicht anerkannt, man stritt,\nob und wie weit dieselbe berechtigt sei, und die Freiheiten,\nwelche er sich mit grosser Ueberlegung gegen hergebrachte\nRegeln nahm, rechnete man ihm gar zu gern als Fehler an.\nAn der Spitze derer, die ihm abgeneigt waren, stand Kaiser\nJoseph mit seiner musicalischen Umgebung; wir dürfen uns\nnicht wundern, wenn Viele diesem Beispiele folgten, und\nHaydn sich oftmals über seine Kritiker und Feinde be-\nSchwerte. Um ihn ganz zu verstehen, zu würdigen und an-\nzuerkennen, bedurfte es eines gleich genialen und neidlosen\nKünstlers wie Mozart. Mit eben so sicherem Blicke erkannte\naber auch Haydn die Grösse Mozart's, mit gleich freiem\nSinne bewunderte und pries er ihn, und wo er nur Gelegen-\nheit fand, sprach er seine Ueberzeugung von dessen künst-\nlerischer Grösse aus. Als man in Prag neben Mozart's Figaro\nund Don Giovanni auch eine Oper von Haydn aufzuführen\nwünschte, antwortete dieser dem Freunde, welcher ihm\ndiesen Wunsch aussprach: „ „Sie verlangen eine Opera\nbuffa von mir; recht herzlich gern, wenn Sie Lust haben,\nvon meiner Sing-Composition etwas für Sich allein zu be-\nsitzen. Aber um sie auf dem Theater in Prag aufzuführen,\nkann ich Ihnen diesfalls nicht dienen, weil alle meine Opern\nzu viel auf unser Personale gebunden sind und ausserdem\nnie die Wirkung hervorbringen würden, die ich nach der\nLocalität berechnet habe. Ganz was Anderes wäre es, wenn\nich das unschätzbare Glück hätte, ein ganz neues Buch für\ndas dasige Theater zu componircn. Aber auch da hätte ich\nnoch viel zu wagen, indem der grosse Mozart schwerlich\njemanden Anderen zur Seite haben kann. Denn könnte ich\njedem Musikfreunde, besonders aber den Grossen, die un-\nnachahmlichen Arbeiten Mozart's so tief und mit einem sol-\nchen musicalischen Verstände, mit einer so grossen Empfin-\ndung in die Seele prägen, als ich sie begreife und empfinde,\nso würden die Nationen wetteifern, ein solches Kleinod in\nihren Ringmauern zu besitzen. Prag soll den theuren Mann\nfesthalten aber auch belohnen; denn ohne dieses ist die\nGeschichte grosser Genien traurig und gibt der Nachwelt\nwenig Aufmunterung zum ferneren Bestreben, wesswegen\nleider so viele hoffnungsvolle Geister darniederliegen. Mich\nzürnt es, dass dieser einzige Mozart noch nicht bei einem\nkaiserlichen oder königlichen Hofe engagirt ist. Verzeihen\nSie, wenn ich aus dem Geleise komme; ich habe den Mann\nzu lieb.\"\"\n„Der Brief ist im December 17 87 geschrieben, und\nHaydn konnte in Esterhaz noch nicht wissen, dass Mozart\nso eben als kaiserlicher Kammer-Compositor angestellt war;\nman sieht aber, in welche Stimmung ihn das wiener Publi-\ncum versetzt hatte, das von Mozart's besten Compositioneri,"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580116-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5027, "texte": "wie den Quartetten, nichts wissen mochte und den Figaro\nfallen Hess. Als im folgenden Jahre auch Don Giovanni\nin Wien nur zweifelhaft aufgenommen wurde, befand sich\nHaydn in einer grossen Gesellschaft, in welcher die bedeu-\ntendsten Künstler und Kenner Wiens sich in der verschie-\ndensten Art über die Mängel und Gebrechen der neuen\nOper aussprachen; endlich wurde auch Haydn um seine\nMeinung gefragt. „ „Ich kann den Streit nicht ausmachen,\"\"\nsagte er, „ „aber das weiss ich, dass Mozart der grösste\nComponist ist, den die Welt jetzt hat.\"\"\n„Und nicht allein auf diesem Gebiete erkannte er ihn\nan, sondern auch da, wo sie recht eigentlich mit einander\nzu rivalisiren schienen, indem er sagte, wenn Mozart auch\nnichts Anderes geschrieben hätte, als seine Violin-Quar-\ntetts und das Requiem,würde er allein dadurch unsterb-\nlich geworden sein, und mit Thränen in den Augen ver-\nsicherte, Mozart's Ciavierspiel könne er in seinem Leben\nnicht vergessen: „ „das ging ans Herz!\"\" Auch später ver-\nsäumte er keine Gelegenheit, wo er Mozart'sche Musik hö-\nren konnte, und pflegte zu betheuern, dass er nie eine\n(Komposition von ihm gehört habe, ohne etwas zu lernen.\n„Der persönliche Verkehr zwischen Beiden war ein-\nfach und herzlich; Mozart pflegte Haydn Papa zu nennen,\nauch duzten sie sich, was damals bei solchem Alters-Unter-\nschiede seltener als heutzutage war. Uebrigens hatte Haydn,\nwährend Mozart in Wien lebte, seinen regelmässigen Auf-\nenthalt in Eisenstadt und Esterhaz, und kam nur im Win-\nter mit seinem Fürsten auf einige Monate nach Wien. Erst\nnach dem Tode des Fürsten Nikolaus im Jahre 17 90 nahm\nHaydn seinen Wohnsitz in Wien; allein schon im Decem-\nber desselben Jahres kam Salomon und bewog ihn, mit\nnach London zu gehen. Mozart fand, wie andere Freunde\nHaydn's, diese Unternehmung sehr gewagt und machte ihn\nauf die Schwierigkeiten aufmerksam, welche er als ein be-\njahrter Mann, der nicht gewohnt sei, sich in der grossen\nWelt zu bewegen, unter einem Volke, dessen Sprache er\nnicht verstehe, zu überwinden habe, deren er gewiss bald\nüberdrüssig sein werde. Haydn aber meinte, er sei zwar alt\ner war 59 Jahre alt -—, aber munter und bei Kräften,\nund seine Sprache verstehe man durch die ganze Welt.\nAm Tage der Abreise verliess Mozart Haydn nicht, er\nspeis'te bei ihm und sagte beim Abschiede, bis zu Thränen\ngerührt: „ „Wir werden uns wohl das letzte Lebewohl in\ndiesem Leben sagen!\"\" Auch Haydn war tief bewegt, er\ndachte an seinen Tod und suchte Mozart zu trösten und\nzu beruhigen; als er zurückkam, fand er Mozart nicht mehr.\n„Es ist ein wohlthuender Anblick, wie diese beiden\ngrossen und edlen Männer, unberührt von dem gemeinen\nTreiben des Handwerksneides und der Intrigue, welches\ndamals in Wien geschäftig war, einander die Bruderhand\nreichen und fest und treu zu einander stehen. Jeder hat\nden Anderen wohl verstanden und gewürdigt, Jeder ver-\ndankt dem Anderen viel für seine künstlerische Ausbildung\nund erkannte dies freudig an; das richtige Gefühl der eige-\nnen Selbstständigkeit und Bedeutung gab Jedem den Maass-\nstab für die Schätzung des Anderen. Vergessen und ver-\nschollen, oder doch an ihren bescheidenen Platz gestellt\nsind die meisten, welche damals geschäftig waren, Staub\num sie zu erregen; vereinigt stehen Mozart und Haydn auf\nder Höhe, auch sie ein schönes Denkmal, dass wahre Grösse\nechte Künstler-Naturen nicht scheidet, sondern einigt.\"\nDie letzten Abschnitte des Buches bringen neben den\nSchilderungen der geselligen Kreise, in denen sich Mozart\nbewegte, viele schätzbare Bemerkungen über einzelne Com-\npositionen, die man Gelegenheitsstücke nennen könnte, als\nz. B. Lieder, in welchen sich der so melodieenreiche Mozart\nnicht gerade auszeichnete, Canons u. s. w. Die Bass-Arie\n„Io tilasch\" wird als unecht und von einem Freunde Mo-\nzart's, Gottfried von Jacquin, herrührend, nachgewiesen\n(S. 331).\nEin besonderes Capitel ist dem grossen Verehrer der\nälteren Meister van Swieten und dessen Einlluss auf das\nmusicalische Wien und auf Mozart gewidmet. Durch ihn\nangeregt, begann Mozart erst in Wien das Studium von\nBach und Händel, und was Jahn darüber sagt, ist vortreff-\nlich und namentlich von allen jüngeren Künstlern wohl zu\nbeherzigen. Die Fuge in C-mollfür zwei Claviere, die drei-\nstimmige Fuge für Ciavier, die zwei Phantasieen zu vier\nHänden in F-mott(willkürlich so benannt, von Mozart aber\nals „Stücke für ein Orgelwerk in einer Uhr\" componirt\nS. 387), endlich die unvollendete Messe in und die\nBenutzung von acht Nummern derselben zum Oratorium\nDaviddepenitente werden ausführlich besprochen.\nIm Abschnitt 10 werden Mozart s Beziehungen zum Frei-\nmaurer-Orden berührt, doch wird erst im vierten Theile\ngezeigt werden, wie die Zauberllöte in der Freimaurerei\nwurzelt.\nDer letzte Abschnitt (Nr. 11) verbreitet sich über die\nArt, wie Mozart schul und arbeitete. Der Verfasser ver-\nsucht mit Glück, den Späherblick in die geheime Werkstatt\neiner genialen Künstler-Natur zu vertiefen; der Erfolg, mit\ndem er dies thut, verdient, dass wir noch einige Proben\ndavon mittheilen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-01-16-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-01-16_01#c003", "volume": "bmtnabi_1858-01-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "21", "page_fin": "23", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580116-01.2.3", "titre_corps": "Saul. Oratorium von Ferdinand Hiller.", "titre_sommaire": "Saul. Oratorium von Ferdinand Hiller.", "signature_source": "Moriz Hartmann", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "21", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580116-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4569, "texte": "Saul.\nOratorium von Ferdinand Hiller.\nText von Moriz Hartmann.\nII.\n(I. s. Nr. 2.)\nDie Ouvertüre ist nicht bloss eine Einleitung, sondern\nein vollständiges Musikstück. Nach einem\nin 3/4-Tact, dessen Motiv im Unisono der Saiten-Instru-\nmente und Fagotte, von einzelnen leisen Klängen des Po-\nsaunen-Quartetts und dumpfen Paukenwirbeln unterbro-\nchen, einen mystischen Charakter hat, tritt ein\nenergico in C-moll,3/4-Tact, ein, dessen Haupt-Thema den\nAusdruck von Thatkraft und Heldenmässigkeit hat, wäh-\nrend daneben sogleich die Sechszehntel-Figuren der Brat-\nschen und Violoncells etwas Unruhiges, Hastiges und Un-\nstätes aussprechen, was im Verlauf des ganzen durchgear-\nbeiteten Musikstückes bezeichnend genug auf ein bewegtes\nMenschenleben hindeutet, das sich in kräftigem Aufschwung\nerhebt, aber von Leidenschaften unterwühlt wird, und das\nnur selten die Lichtstrahlen sanfterer Empfindung durch-\nwärmen. Der Schlussist besonders von grosser Wirkung;\ndas mystische, gleichsam das hohepriesterüche Element ver-\ntretende Thema des einleitenden Andante erscheint hier\nwieder, und zwar in den Posaunen und Fagotten allein ;\nzwei Mal unterbricht ein Aufrauschen der Saiten-Instru-\nmente seinen mächtigen Schritt vergebens! Das Grollen\nder menschlichen Leidenschaft gegen den göttlichen Wil-\nlen verhallt, und unter dem leisen Tremolo der Geigen und\nBratschen bringen die Violoncells das energische Haupt-\nMotiv des Allegro im Pianissimo, und lassen es wie die\nErinnerung an eine gefallene Grösse dahinsterbend ver-\nklingen.\nNach einer einleitenden Steigerung, unter deren iort-\nreissender Flut man gleichsam das Volk von allen Seiten\nherbeiströmen sieht, brechen die Bässe und lenöre in\nohne alle Instrumental-Begleitung mit:\nlos und unmittelbar darauf die Frauenstimmen mit sämmt-\nlichen Violinen, Flöten, Oboen, Clarinetten und dem Ein-\nsatz der Trompeten auf das zweite Viertel:\nHier kann man wahrlich sagen; ex ungue leonem! Man be-\ngreift, dass dieser Jubel, diese Erhebung David's dem\nKönige Said in die Ohren gellen musste!\nIm Gegensatz zu diesem Jubel grollt Saul dem \\ clke,\ndas den Besieger Goliath's verherrlicht. Dass Hiller durch\nwirkliche Recitative dem Sänger zu wahrem declamatori-\nschem Vortrage Gelegenheit geben würde, Hess sich er-\nwarten; denn nichts ist langweiliger als das psalmodirende\ntactgerechte Arioso, in welchem Schumann und Wagner,\naller Natur zuwider (und doch wollen sie die Wahrheit\nder Declamation herstellen!), die lextes-Sylben in eben\nso viele Noten übersetzen und dem leidenschaftlichen Aus-\ndrucke dadurch die Zwangsjacke anlegen. \\\\ ir bemerken\naber ausserdem hier gleich im Allgemeinen, dass alles Re-\ncitativische im Saul uns sowohl in der Melodie als in der\nAnwendung des Orchesters zu Einleitungen und Zwischen-\nspielen vorzüglich gelungen scheint. Wie dürltig und be-\ndeutungslos das Orchester in dieser Beziehung im Tann-\nhäuser und im Lohengrin ist, haben wir früher nachge-\nwiesen, und dennoch weiss Wagner sonst wohl das Or-\nchester zu gebrauchen. Aber es gehört zum Schreiben\neines guten Recitativs mit Orchester, wie wir es bei Gluck,\nMozart und Spontini linden, eine echt musicalische Natur,\nweil beim Recitativ erstens der gesuchte Wort-Ausdruck\nleicht zur Unmusik verleitet, und zweitens die Aulgabe,\nden kurzen Zwischensätzen des Orchesters eine Bedeutung\nzu geben, nicht zu den leichteren gehört.\nSau Ts Recitativ geht in ein\n%-Tact) über: ..Sein ist der Glanz des Sieges!\" wel-\nches durch den fernen Klang eines Marsches unterbrochen\nwird. Der König erblickt den Zug der Frauen, „seine\nTochter Michal an ihrer Spitze.\" „0 der Schmach!\"\nSein Zorn geht in Wehmuth über, die sich in einem\ndante espressivo,welches diese Scene schliesst, ausspricht.\nMan sieht, dass der Componist keineswegs an der herge-\nbrachten Form der Arie festhält, wo es die Situation ver-\nbietet, denn er beginnt hier mit dem Allegro und schliesst\nmit dem Andante; aber das Wesen der Arie, d. h. den\nmelodischen Ausdruck einer Stimmung, welche sich in einer\nReihe von Tönen, die von dem einzelnen Worte unab-\nhängig sind, ausspricht, verschmäht er keineswegs, sondern\nbetrachtet es mit Recht als einen Haupt-Bestandtheil des\nOratoriums und der Oper.\nWie trefflich er die Arie zu behandeln weiss, auf dass\nsie dem ernsten Stile des dramatischen Oratoriums ange-\nmessen sei, zeigt dann besonders auch die folgende Scene,\nin welcher nach einem heiteren Marsch und Frauenchor\nin F-dur Michal in einem kurzen Recitativ die That Da-\nvid's preis't, dem sich ein Andante mosso [F-dur, %-Tact)\nanschliesst, das mehr das innige Gefühl des Dankes gegen"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580116-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5309, "texte": "Jehovah ausdruckt, als ein Frohlocken, wozu die Textes-\nworte („Es schwand das Trauern die Cedern Hügel\nund Thal rauschten in die Psalmen\" u. s. w.) hätten ver-\nanlassen können. Allein diese Worte haben ohne Zweifel\ndie sanft wogende Bewegung aller Saiten-Instrumente,\nwelche das ganze Andante hindurch sich gleich bleibt, her-\nvorgerufen; über derselben sind die Blas-Instrumente (Flö-\nten, Oboen, Clarinetten, Fagotte und vier Hörner - meister-\nk '—' /\nhaft angewandt zu zarten Melismen, welche den Gesang\ntheils begleiten, theils imitiren; namentlich ist der Eintritt\nder harmonisch gefüllten Triolen in den Flöten und Cla-\nrinetten in den letzten zehn Tacten von wunder lieblichem\nReiz. Nach einem vollkommenen Schluss in F tritt mit\neiner Modulation in As ein kurzes Recitativ in lebhafterem\nTempo ein, worauf wieder in das Allegro (4/4-Tact)\n„Um deine Locken winde ich den Kranz\" folgt—ein feu-\nriger, glänzender. Satz. Die Art und Weise, wie Hiller\ndiese sechszehn Verse Text, in welchen im Grunde genom-\nmen nur Eine Stimmung herrscht, in die so eben angege-\nbene Form gebracht hat, bewährt den echten Musiker,\nder das Wort für seine Kunst ordnet und gestaltet, nicht\ndiese als Magd in die Knechtschaft der Poesie gibt. Ein\nsolches Talent zeigt den Nachfolger Haydn's und Mozart's\nund bewahrt sicher vor der ermüdenden Monotonie der\nrhetorischen Declamation.\nDavid weis't den Kranz zurück [quasi Recitativo) und\nes folgt ein schöner, romanzenartiger Gesang\nD-dur, %-Tact) mit Harfen-Begleitung: „Mir ist nicht\nRuhm und Glanz beschieden.\" Die Stimme einer Jungfrau\nverkündet das Herannahen des Königs. Eine düstere Me-\nlodie der Bässe schreitet ihm gleichsam voran; er erscheint,\nsein Sinn ist trübe: „Bin ich noch König? Bin ich Vater?\"\nBedeutungsvoll wiederholt das Orchester leise das Motiv\ndes Allegro, bei welchem Michal David kränzte auch\nAnklänge aus dem Jubel des Volkes tauchen wieder auf.\nAlle diese Bilder scheuchen den König: er will fort da\nhört er David's demuthsvolle Stimme: „0 König, sieh zu\ndeinen Füssen\" u. s. w., mit welchen Worten ein Duett\nin Es-dur beginnt, in welches am Schlüsse auch Michal\nund der Chor auf überraschende Weise nur mit einigen\nTacten im Pianissimoeintreten. Der erste Satz von David's\n4\nMelodie klingt etwas gewöhnlich, dagegen erhebt sich\nSaul's Gesang sogleich wieder zu charakteristischer Eigen-\nthümlichkeit, und auch der zweite Satz vom Tenor, der\nnach dem Eintritt der Harfe beginnt: „Gesalbter Gottes!\"\nu. s. w., ist gut ausgedrückt. Vortrefflich ist der Ueber-\ngang vom Unmuth und Trübsinn zur Ruhe und Milde in\nSaul's Gesang. Unter Harfenklängen und leisem Flüstern\ndes Chors schlummert der König ein.\nHieran schliesst sich ein Gesang der Michal mit vier-\nstimmigem Frauenchor, Allegro grazioso in D-dur, %-\nTact: „Weckt ihn nicht!\" immer pianissimo ein über-\naus anmuthiges musicalisches Bildchen, in duftigen Abend-\ndämmerungsschein gehüllt.\nAber Saul fährt auf aus schwerem Traume, der ihm\nUntergang seines Namens geweissagt. Das Volk ruft:\n„Wehe, die Geister der Nacht!\" —ein Chor, der auf einem\nOrgelpunkt auf Bverweilt {A %), während\ndie einzelnen Stimmen oft gleichsam recitativisch nach ein-\nander und mit einander einfallen, bis sich alle zu einem\nsanften Gesang in Es-dur vereinigen: „0 David, lindre\nseinen Schmerz!\" was einen ungemein wohlthuenden Ein-\ndruck macht. Der König aber wird durch die Erwähnung\ndes Namens nur noch wilder und schleudert seine Lanze\nnach ihm. Das Entsetzen von Michal, David, Jonathan und\ndem Volke über die That ist kurz und prägnant, die Zer-\nknirschung Saul's ergreifend wahr ausgedrückt.\nHieran knüpft sich einer der herrlichsten Chöre des\nganzen Werkes, die fromme Betrachtung des Volkes über\nDavid's Errettung—ein Andante con moto in As-dur, 3/4-\nTact mit einem Mittelsatz in „Der Herr hat seine\nSeele vom Tode errettet.\" Mit einer natürlich liiessenden\n»\nPolyphonie sind hier melodische Motive von grosser Schön-\nheit unter einander verbunden; das Ganze athmet den\nCharakter ruhiger Andacht, den Ausdruck innigen Dank-\ngefühls, und steht den schönsten Chören Mendelssohn s\nvon ähnlicher Gattung aufs würdigste zur Seite.\nHier schliesst der erste Abschnitt des ersten Theiles\nfür sich genommen schon eine schöne Cantate, die ganz\ngut auch allein aufgeführt werden könnte. Wir fügen\nnoch hinzu, dass schon in diesem Abschnitte in David's\nLied, in dem Duett zwischen David und Saul, in den Chö-\nren: „Weckt ihn nicht\", „oDavid, lindre seinen Schmerz\"\nund „Der Herr hat seine Seele errettet\", Melodieen lie-\ngen, die man, einmal gehört, mit nach Hause trägt und so\nleicht nicht vergisst. Das ist heutzutage eine grosse Seltenheit!\nDer zweite Abschnitt des ersten Theiles enthält drei\ngrosse Musikstücke. Samuel tritt auf als strafender Hoher-\npriester; er verkündet dem Könige, dass er von Gott ver-\nworfen sei. Sein Recitativ beginnt mit kräftigen Einschrit-\nten in Cis-moll und geht in eine grosse Arie aus derselben\nTonart über, die in einem %-Tact:\n„Gehorsam will der Herr der Himmelsscharen\" einen\ngrossen und energischen Charakter entwickelt, auch einer\ntüchtigen Bassstimme Gelegenheit zu kräftigem, wirkungs-\nvollem Y ortrage gibt. Diese Nummer ist sehr achtungs-\nwerth; sie würde aber an anderer Stelle vielleicht bedeu-\ntender erscheinen. Hier tritt sie gegen die Umgebungen\neiniger Maassen zurück."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580116-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2027, "texte": "Denn wie wundervoll, erst schauerlich, dann gross\nund prächtig ist gleich wieder der darauf folgende Chor\nin Fis-moll\\ Feierlich und mit frommem Schauer treten im\nAndante sostenuto,4/4-Tact, die einzelnen Stimmen nach\nund nach mit demselben Motiv ein: „Welche Donnerworte\nentströmen seinen Lippen!\" —auf dem gehaltenen Fis des\nGrundbasses ruhend, in der tiefen und mittleren Tonregion\nund stets piano nach der Dominante modulirend. Dann\nbricht im Fortissimo das Allegro niolto, 3/4-Tact, los:\nWelch ein Eindruck durch diesen Accord! Er reisst Alles\nvor sich her ein, wie ein Donnerschlag mit Orkan! Und\nin diesem Geiste und Charakter geht es fort in leidenschaft-\nlicher Steigerung, in welche auch das zweite Motiv, das\nzu einem Fugatobenutzt wird,\nVor Dei-nem Ur-theil er - be - bet das Erd - reich.\nwie man sieht, keine Ruhe bringt. Dass das Orchester\nauch sein Stück Arbeit dabei hat, kann man sich denken.\nDas Ganze ist ein Prachtstück, das auf der Stelle imponirt\nund packt und bei näherer Ansicht der Partitur mit Be-\nwunderung erfüllt.\nNach diesem Chor, der in erschütternder Weise die\nalttestamentliche Ansicht von dem Zorn und der Rache Je-\nvah's darstellt, tritt in A-dur (Andante mosso, 4/4-Tac.t\nunter einleitenden Melismen der Violine, Flöte und Clari-\nnette und sanft wogender Violoncell-Begleitung die Stimme\nder Michal ein. Das Volk, durch sie zu milderen Gefühlen\ngestimmt, fleht wie sie zu dem Herrn, „des Zornes Wolke\nan Saul vorübergehen zu lassen\" ; drei Solostimmen (Mi-\nchal, Jonathan Tenor, Saul) nehmen zusammen das\nHaupt-Motiv, womit der Sopran begann, wieder auf und\nführen neben und über dem Chor den Gesang, dessen Me-\nlodieen fromme Bitte und gläubige Hoffnung athmen, zum\nberuhigenden Ende.\nDieser Schlusssatz des ersten Theiles macht durch den\nGegensatz seines Charakters zu dem vorhergehenden und\ndurch seinen melodischen Gehalt eine ausserordentlich\nschöne Wirkung. Ein Sturm von Beifall brach am Schlüsse\ndesselben im ganzen Publicum aus; der Componist wurde\nmit wahrem Enthusiasmus gefeiert."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-01-16-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-01-16_01#c008", "volume": "bmtnabi_1858-01-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "23", "page_fin": "24", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580116-01.2.4", "titre_corps": "Aus Bonn.", "titre_sommaire": "Aus Bonn.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580116-01.1.7", "debut_caractere": 2029, "fin_caractere_exclue": 5980, "texte": "Aus Bonn.\nDen 30. December 1857.\nAm zweiten Weihnachtstage gab Herr Müsiklelirer Henseler\neine musicalische Soiree im Goldenen Stern, welche sich sowohl durch\nGediegenheit des Programms als durch wohlgelungene Ausführung\nsämmtlicher Stücke auszeichnete. Herr Henseler, der uns durch be-\ndeutende Fortschritte auf der Bahn zur Virtuosität überraschte, spielte\nBeethoven1 s Trio, Op. 70, Nr. 1, Concert-Variationen von Henselt,\nImpromptu et Vctlse von Chopin und Phantasiestücke für Pianoforte\nund Violine von R. Schumann, alles mit rundem, kräftigem Anschlag,\njugendlichem Feuer und guter Technik, wenn auch nicht ohne Be-\nfangenheit, was sich gewiss nach öfterem öffentlichen Auftreten ver-\nlieren wird. Aber auch des Zarten und Anmuthigen möge sich Herr\nHenseler noch mehr befleissigen, das wird die Wirkung seines Spiels\nnoch um Vieles erhöhen. Unterstützt wurde der Concertgeber durch\ndie Mitwirkung des Fräul. Deutz (Sopran) aus Köln, des Herrn\nPosse (Violine) von Elberfeld und des Herrn Gerhards (Violon-\ncello) von hier. Erstere sang mit lebhaftem Gefühl und edlem Aus-\ndruck die Arie aus Figaro's Hochzeit: „O säume länger nicht!\" und\nzwei Lieder von Nicolai und von Eckart. Herr Posse spielte die\nElegie von Ernst recht brav, jedoch mit etwas rauhem Tone, woran\nvielleicht das Instrument Schuld trug. Das Violoneell drang nicht\nrecht durch, etwas mehr Kraft und Feuer hätte nicht schaden kön-\nnen. - Unser drittes, auf Beethoven\\s Geburtstag (17. December)\nfallendes Abonnements-Coneert enthielt nur Stücke dieses Meisters,\nund zwar: 1) Marsch und Chor aus den Ruinen von Athen, 2) das\nSeptett, 3) das Kyrie der zweiten Messe und 4) die Pastoral-Sinfonie.\nOb das umfangreiche Septett nicht vielmehr als Kammermusik anzu-\nsehen und daher in die Soireen oder Matineen für diese zu verwei-\nsen sein möchte, mag dahin gestellt bleiben. Die Ausführung war\n(bis auf die gefährlichen Hornstellen im Trio) eine ziemlich gelun-\ngene zu nennen. Hätte da nicht aus der Noth eine Tugend gemacht\nund die gefährliche Stelle lieber langsamer, quasi rilcirdando,\ngenommen werden sollen? In dem Kyrie waren diesmal die Solostim-\nmen ausgezeichnet gut besetzt. Es ist jedenfalls der beste Satz des\nganzen Werkes, dennoch ist dadurch eine so baldige Wiederholung\ndesselben nicht gerade gerechtfertigt. Ueberliaupt möchte etwas mehr\nMannigfaltigkeit in der Wahl der Autoren dem bei weitem grössten\nTheile des Publicums sehr willkommen sein. Wenn z. B. auf zehn\nClavier-Concerte sieben oder acht allein auf Beethoven's Namen kom-\nmen, so finden wir dies bei allem gebührenden Respect vor diesem\ngrossen Namen doch nicht in dem richtigen Verhältnisse zu dem ge-\ngenwärtigen Standpunkte dieser Musikgattung. Es wäre nicht anders,\nals wenn eine Theater-Intendantur unter fünfzig Opern-Vorstellungen\n35 4O Mal die Opern von Mozart brächte. Man braucht eben nicht\nfür die Zukunftsmusik zu schwärmen, um den verzeihlichen Wunsch\nzu hegen, auch mit den besseren und besten Erzeugnissen der Ge-\ngenwart und der jüngsten Vergangenheit, und zwar auch über die\nnächste Umgebung hinaus, bekannt zu werden Wir sagen dies in\nder besten Absicht und ohne alle Animosität, was man uns um so\neher glauben wird, wenn wir versichern, dass wir den Bemühungen\nund dem redlichen, soliden Streben unseres jetzigen Concert-Dirigen-\nten, Herrn Dieterich, unsere volle Anerkennung zollen. Unser in\nden letzten vier bis fünf Jahren sehr ilcfect gewordenes Orchester\nhat, Dank dem Comite und freiwilligen Beitrage der Musikfreunde, '\nmehrere neue, ganz brauchbare Mitglieder bekommen, wodurch sehr\nfühlbare und kostspielige Lücken (die Fehlenden mussten bei jedem\nConcerte von Köln requirirt werden) ausgefüllt worden. Wenn nur\ndas Frühjahr, wie zu fürchten steht, sie nicht wieder entfuhrt, da\ndie hiesigen Umstände, wie wohl in jeder kleinen Stadt, nicht dar-\nnach angetlian sind, diesen Leuten ein einiger Maassen anständiges\nAuskommen zu sichern. Der Instrumental-Verein, Beethoven-Verein"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580116-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 576, "texte": "genannt, ist aus Mangel an Theilnahme factisch eingegangen und\nhält schon seit einiger Zeit keine Uebungen mehr. Dass es so kom-\nmen würde, war schon lange voraus zu sehen, und ist ihm schon\nbei seiner Gründung von Leuten, welche die Verhältnisse genauer\nkennen, vorausgesagt worden. —Der Männergesang-Verein Concor-\ndia hat in der Person des Herrn K. Henseler einen neuen Dirigen-\nten gewonnen und scheint nach langem Winterschlafe wieder zu\nneuem Leben erwachen zu wollen. Gleichwohl ist er erst einmal,\nbei Gelegenheit der Naturforscher-Versammlung, öffentlich aufgetreten."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-01-16-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-01-16_01#c009", "volume": "bmtnabi_1858-01-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "24", "page_fin": "24", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580116-01.2.5", "titre_corps": "Viertes Gesellschafts-Concert in Köln im Hauptsaale des Gürzenich.", "titre_sommaire": "Viertes Gesellschafts-Concert in Köln im Hauptsaale des Gürzenich.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580116-01.1.8", "debut_caractere": 578, "fin_caractere_exclue": 2822, "texte": "Viertes Gesellschafts-Concert in Köln\nim Hauptsaale des Gürzenich.\nDen 12. Januar 1858.\nProgramm: I. 1) Sinfonie in D-dur von J. Haydn; 2) Recitativ\nund Rondo (Non temer) für Sopran mit Orchester und obligatem Cla-\nyier von W. A. Mozart; Fräul. Köckel und Herr Capellmeister\nHill er; 3) Adagio und Rondo (la Clochette) für die Yioline von Pa-\nganini, gespielt von Camillo Sivori; 4) Des Sängers Fluch,\nBallade, nach Uhland bearbeitet von R. Pohl, für Soli, Chor und Or-\nchester componirt von R. Schumann (zum ersten Male). 11. 5)\nJubilale Amen von Th. Moore, übersetzt von F. Freiligrath, compo-\nnirt für Sopran-Solo, Chor und Orchester von Max Bruch (Manu-\nscript); 6) Recitativ, Gebet aus Moses von Rossini und Variationen\nvon Paganini für die Yioline, auf der Gr-Saite vorgetragen von\nHerrn C. Sivori; 7) Grosse Ouvertüre zu Leonore von Beethoven.\nHaydn's Sinfonie wurde recht präcis ausgeführt und sehr beifäl-\nlig aufgenommen. Fräul. Rockel vom hiesigen Theater sang die\ngrosse Arie von Mozart recht brav, besonders in der Coloratur; für\ndie getragenen Töne des Andante reichte das Volumen von Stimme\nund Athem zumal bei dem etwas zu langsam genommenen Tempo\nnicht aus.\nSivori1 s Spiel nahm an diesem Abende vorzugsweise die Auf-\nmerksamkeit und den Beifall des Publicums in Anspruch. Er ist der\neinzige Violinist, der denjenigen, die Paganini nicht gehört haben,\neine Vorstellung von dem exceptionellen Spiel jenes Künstlers geben\nkann; er hat nicht nur die Tradition desselben von Paganini selbst\nempfangen, sondern ist durch eminentes Talent auch befähigt, sie\nlebendig zu machen. Sein Spiel ist eine geniale Reproduction, kei-\nneswegs eine blosse Nachahmung. Eine fabelhafte Virtuosität der\nTechnik, eine unzerstörbare Sicherheit in den Flageolet-Tönen und\nvor Allem ein voller, in jeder Nuancirung schöner Ton, der den echt\nitaliänischen Gesang bis zu den höchsten Feinheiten des Ausdrucks\nwiedergibt, machen ihm diese Wiederbelebung jenes rein individuel-\nlen Vortrags durch eigenthümliche Behandlung des Instrumentes\nmöglich. Nach jedem Stücke enthusiastisch applaudirt und gerufen,\ngab er noch den Carneval von Venedig zu, nach dessen humoristisch\ngenialem Vortrage der Sturm des Beifalls kein Ende nehmen wollte.\ntsSchluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-01-16-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-01-16_01#c010", "volume": "bmtnabi_1858-01-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "24", "page_fin": "24", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580116-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580116-01.1.8", "debut_caractere": 2824, "fin_caractere_exclue": 5304, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt\nMolki« Am Donnerstag den 14. d. Mts. wurde die komische\nOperette Scherz, List und Rache, nach Göthe's Text bearbeitet,\ncomponirt von Max Bruch, im Stadttheater zum ersten Male ge-\ngeben. Fräul. Chaloupka (Scapine) und die Herren Kahle (Sca-\npin) und Abiger (Doctor) waren die Darsteller und ärnteten ver-\ndienten Beifall. Die Oper wurde ausserordentlich gut aufgenommen,\ndas Haus war ganz besetzt, und am Schlüsse wurden die Darsteller\nund namentlich der Componist unter rauschendem Applaus gerufen.\nQlcfieilt)!!&*s• Herr Hof-Capellmeister Pott eröffnete am 18.\nDecember v. J. im Saale des Butpadinger Hofes seine musicalischen\nAbend-Unterhaltungen mit einem Quartett in D-dur von Va-\nter Haydn und dem grossen /J-mo//-Quartett, Op. 132, von Beet-\nhoven. Wahl und Zusammenstellung beider Werke war eine\nglückliche. Die Bahnen, in welchen beide Werke kreisen, sind ohne\nZweifel sehr verschiedenartig und veranschaulichen gewisser Maas-\nsen den Eingangs- und Ausgangspunkt classischer Quartett-Musik.\nDie Auffassung und Darstellung entsprach dem Geiste dieser Werke\nvollkommen. Von einem Künstler wie Herrn Pott ist man allerdings\nberechtigt, eine vollendete Leistung zu fordern, aber er übertraf die\nstrengsten Anforderungen durch seinen Vortrag und durch den Zau-\nber seines Tones. Er wurde durch die Herren Hofmusiker Schär-\nnack, Maler und Ebert in angemessener Weise unterstützt.\nEine Orgel aus Bambus. In dem chinesischen Orte Sikawi,\nunweit Schanghai, wo sich seit zehn Jahren eine Jesuiten-Mission\nbefindet, welche einige achtzig Eingeborene zählt, die sich für den\ngeistlichen Stand vorbereiten, ist unlängst eine Orgel aus Bambus-\nrohr angefertigt worden. Es ist dies ein Meisterstück chinesischen\nKunstfleisses, zu dem freilich die Jesuiten den Anstoss gegeben ha-\nben. Die Orgel hat 9 Register, die grösste Pfeife ist 16 Fuss lang.\nAnfangs wollte es nicht gelingen, reine Töne den Pfeifen zu ent-\nlocken; aber man liess sieh keine Mühe verdriessen, bis alle Schwie-\nrigkeiten überwunden waren. Diese nur aus Holz bestehende Orgel\nist daher einzig in ihrer Art. Man hat sie in der Kathedrale zu\nThungkadu, welches zwischen Schanghai und Sikawi liegt, aufge-\nstellt, und am 15. August 1857 ward sie zum ersten Male bei der\nMesse gespielt. Der Bass besass eine grosse Tiefe, und die höheren\nTöne klangen sanft und schmelzend, wie die Laute der Flöte. Das\nTrompeten-Register hielt die Mitte zwischen dem Tone einer Posaune\nund dem einer Geige."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "17", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580116-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nW. A. Mozart. Von Otto Jahn. Dritter Theil. 111. Von L. B. Saul. Oratorium von F. Hiller. 11. Von L. Bi-\nsch off. Aus Bonn (Musicalische Soiree Drittes Abonnements-Concert). Viertes Gesellschafts-Concert in Köln. Tages- und\nUnterhaltungsblatt (Köln, Scherz, List und Rache, Operette von Max Bruch Oldenburg, Musicalische Abend-Unterhaltungen).\n\nW. A. Mozart.\nVon Otto Jahn.\nDritter Theil.\nIII.\n(I. s. Nr. 52 Y. v. J., 11. Nr. 1.)\nDas Componiren war für Mozart verhältnissmässig\nnicht einträglich. Der Musicalienhandel war keineswegs so\ngeordnet und ausgedehnt, und die Rechte der Autoren weit\nweniger gewahrt, als dies späterhin der Fall wurde. Wer\neiner Composition habhaft werden konnte, der schrieb sie\nab, liess sie auch wohl ohne Weiteres stechen und verkaufte\nAbschriften und Abdrücke, ohne den Componisten zu fragen.\nJahn führt mehrere Beispiele einer solchen Räuber-Indu-\nstrie an. Manche Compositionen, namentlich Concerte und\nSinfonieen, entschädigten Mozart durch den Gebrauch, den er\ndavon in seinen Akademieen machte; für andere erhielt er\nauch gute Honorare, z. B. vom Könige Friedrich Wilhelm\n11. für die von- ihm bestellten Quartette, 100 Ducaten für\ndas Requiem, 100 Ducaten von Artaria für die Jos. Haydn\ngewidmeten Quartette. Das gewöhnliche Honorar für eine\nOper war 100 Ducaten. Mozart erhielt diese Summe für\ndie Entführung, Figaro, Cosl fan tutte und auch von dem\nPrivat-Unternehmer Schikaneder für die Zauberflöte; eben\nso von Bondini für den Don Juan; auch wurde ihm in der\nRegel nach jeder neuen Oper eine Benefiz-Vorstellung be-\nwilligt. Aber mit der Partitur war wenig oder gar nichts zu\nverdienen: man bezahlte nur die Copisten, die oft selbst\nhinter dem Rücken des Theater-Directors Handel damit\ntrieben. Nun, wir kennen diese Diebes-Wirthschaft ja selbst\nnoch aus unseren jüngeren Jahren! Es hat lange genug\ngedauert, ehe der Componist in Deutschland die Rechte\neines Besitzers von Eigenthum erlangt hat.\nDer Grund, wesshalb es Mozart fast immer an Geld\nfehlte, lag wohl hauptsächlich an dem Mangel einer geord-\nneten Wirthschaft im eigenen Hause. Er war weder ein\nVerschwender noch ein Feinschmecker und Trinker im\nschlimmen Sinne; ailein aus allem Einzelnen, das Jahn an-\nführt, geht hervor, dass er im (äusseren Leben sehr nobel,\nllott und freigebig war, und das alles wohl mehr, als seine\nVerhältnisse erlaubten. Er gab viel aus für saubere und\ngewählte Kleidung, Spitzen und Uhrketten; Clementi hielt\nihn bei seiner ersten Begegnung für einen kaiserlichen\nKammerherrn, so elegant war er gekleidet. Der Besuch der\nvornehmen Gesellschaften veranlasste sicher ebenfalls grosse\nAusgaben, und wenn auch die Glace-Handschuhe damals\nnoch nicht unvermeidlich waren, so machte die Mode an\nManschetten, Rosetten, gestickten Westen und dergleichen\nnoch viel anspruchsvollere Forderungen.\nIn Wien herrschte damals eine rasende Tanzwuth, und\nMozart liebte und trieb den Tanz leidenschaftlich, ja, „er\nbehauptete sogar, seine Leistungen im Tanzen (Vestris war\nsein Lehrer gewesen) seien bedeutender, als die in der\nMusik.\" (S. 237.) Die öffentlichen Maskenbälle wie die\nHausbälle versäumte er nie; von Jugend aufhatte er grosse\nNeigung und Talent, sich in Charakter-Masken zu zeigen,\nund soll besonders den Harlekin unvergleichlich gemacht\nhaben.\nEine andere leidenschaftliche Neigung von ihm war das\nBillardspiel. „Kelly erzählt, dass er oft mit Mozart gespielt,\nihm aber nie eine Partie abgewonnen habe (Remin.\n226). Er hatte ein eigenes Billard in seiner Wohnung, und\nauf diesem spielte er im Nothfalle mit seiner Frau oder auch\nwohl ganz allein. Allerdings war dies ein Luxus, obgleich\ndamals in Wien nicht so gar auffallend, und veranlasst nicht\nallein durch seine Neigung zum Billardspiel, sondern auch\ndurch die Sorge der Aerzte für Mozart's Gesundheit. Ba-\nrisani, der Sohn des erzbischöfliehen Leibarztes in Salz-\nburg, mit welchem die Mozart'sche Familie vertrauten Um-\ngang hatte, war ein eben so ausgezeichneter Arzt als war-\nmer Freund und Verehrer Mozart's. Er suchte, da er Mo-\nzart von der Gewohnheit, bis tief in die Nacht hinein zu ar-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580116-01.1.2", "texte": "bellen und des Morgens oft im Bette liegend zu schreiben,\nnicht ganz abbringen konnte, den schädlichen Folgen auf\nandere Weise entgegen zu treten. Er veranlasste ihn, da er\nschon am Ciavier so viel sass, wenigstens stehend zu schrei-\nben, und suchte ihn zu regelmässiger körperlicher Bewe-\ngung anzuhalten. Die Vorschrift, früh Morgens spaziren zu\nreiten, scheint Mozart nicht lange befolgt zu haben, wenig-\nstens erfahren wir, dass er beim Reiten, obgleich ihm diese\nBewegung zusagte, doch nie eine gewisse Aengstlichkeit\nüberwinden konnte. Da gab denn seine Neigung zum Bil-\niardspielen dem Arzte eine willkommene Veranlassung, we-\nnigstens diese Motion zu einer regelmässigen zu machen,\nwelche Mozart eben so wie das Regelspiel, das er gern vor-\nnahm, um so angenehmer war, als beide körperliche\nHebungen ihn in seiner geistigen Thätigkeit nicht störten.\nZum grossen Erstaunen seiner Freunde concipirte Mozart,\nwährend er Billard spielte, das erste Quintett der Zauber-\nnöte; und als er in Prag in Duschek's Weingarten die Par-\ntitur des Don Giovanni niederschrieb, nahm er nicht selten\ndabei am Kegelschieben Theil, stand auf, wenn an ihn die\nReihe gekommen war, und setzte sich wieder zum Schrei-\nben, nachdem er geworfen hatte.\n„Fasst man die einzelnen Züge zusammen, welche wir\nin unerfreulicher Weise zu discutiren gezwungen waren,\nso bleibt uns das Bild eines heiteren, lebenslustigen Mannes,\nwelcher bei einer Anstrengung und Anspannung der Pro-\nductionskraft und einer geistigen Arbeitsamkeit, wie sie die\nKunstgeschichte nur in den allerseltensten Beispielen kennt,\ndas Bedürfniss nach Zerstreuung durch den geselligen Ver-\nkehr und dessen sinnliche Genüsse in einem Maasse befrie-\ndigt, wie es die Mehrzahl seiner Zeitgenossen in Wien that,\nohne irgend einer Aufmerksamkeit dafür gewürdigt zu wer-\nden - nicht das eines leichtfertigen Wüstlings und Ver-\nschwenders, wie man dieses Wort gewöhnlich fasst. Die\ngefährlichsten Eigenschaften aber waren für ihn eine gut-\nmüthige Weichheit seines Herzens und eine echte Libera-\nlität der Gesinnung. Wenn er augenblicklich im Stande war,\nzu helfen, so konnte er einen Bedürftigen nicht ohne Unter-\nstützung lassen, selbst wenn er sich und die Seinigen in\nnächster Zeit Verlegenheiten aussetzen musste; sogar wie-\nderholte Erfahrungen, dass man ihn hinterging, machten\nihn nicht vorsichtig. Man kann denken, wie das benutzt\nwurde. Wer sich bei ihm zur Tischzeit einstellte, war sein\nGast, um so willkommener, wenn er aufgeräumt und lustig\nwar, Spass machte und verstand, und Mozart war froh,\nwenn seine Tischgäste es sich bei ihm schmecken liessen.\nDarunter waren aber auch, wie Sophie Haibl erzählt, „ „ fal-\nsche Freunde, Blutsauger ohne sein Wissen, werthlose\nMenschen, die ihm zu Tischnarren dienten, und deren Um-\ngang seinen) Rufe schadete.\"Einer der ärgsten Menschen\ndieser Art war Ant. Stadler nicht zu verwechseln mit\ndem Abbe Max. Stadler —, der zum Beispiel dessen die-\nnen mag, was man Mozart bieten konnte. Er war ein aus-\ngezeichneter Clarinettist und ein Mensch, der Possen und\nSpass zu treiben und sich einzuschmeicheln wusste; dadurch\nbrachte er es dahin, dass Mozart ihn häulig bei sich zu Tisch\nsah und für ihn componirte. (Das Quintett für Saiten-In-\nstrumente und Clarinette [componirt 29. September 17891\nund das Concert für Clarinette [componirt im Sept. 1791]\nsind für ihn geschrieben.) Einst hatte er erfahren, dass\nMozart vom Kaiser fünfzig Ducaten erhalten habe, und\nstellte demselben aufs beweglichste seine Noth vor: er sei\nverloren, wenn er ihm nicht diese Summe borge. Mozart,\nder das Geld selbst brauchte, gab ihm zwei schwere Repe-\ntiruhren zum Versetzen, unter der Bedingung, dass er ihm\nden Zettel bringen und sie zur rechten Zeit einlösen solle;\nda dies nicht geschah, gab ihm Mozart, um die Uhren nicht\nzu verlieren, fünfzig Ducaten nebst den Zinsen - Stadler\nbehielt das Geld und Hess die Uhren auf dem Leihhaus.\nNicht gewitzigt durch diese Erfahrung, gab Mozart, als er\n1790 von Frankfurt zurückkam, Stadler den Auftrag,\neinen Theil des Silbergeräthes, welches zum Behuf der\nReise hatte versetzt werden müssen, einzulösen und den\nRest umschreiben zu lassen. Trotz des dringenden Verdach-\ntes, dass Stadler diesen Versatz-Zettel aus Mozart's stets of-\nfener Schatulle entwendet hatte, liess sich dieser nicht ab-\nhalten, ihn. als er im folgenden Jahre eine Kunstreise an-\ntreten wollte, mit Reisegeld und Empfehlungen nach Prag\nund mit einem Concert auszustatten, das er wenige Monate\nvor seinem Tode noch für ihn componirte.\"\nDie Abschnitte über Mozart's persönliche Verhältnisse\nund über die Veranlassungen zu vielen vereinzelten Compo-\nsitionen (z. B. an 30 grosse Arien von 1781-—1791; ent-\nhalten sehr viel Interessantes. Unter den Arien war auch\neine für den BassistenGerl (den erstenSarastro)mit obliga-\ntem Contr ab ass, gespielt von dem damaligen Meister auf\ndiesem Instrumente Pischlberger.—Für Regina Stri-\nnasa cchi, eine junge und bedeutende Violinistin, schrieb er\neine Sonate {B-dur,lX., Nr. 3) für Violine und Ciavier. Aber\ndie Sonate wurde nicht zur rechten Zeit fertig, und nur mit\nMühe erpresste die Strinasacchi am Abend vor dem Con-\ncerte wenigstens die Violinstimme von Mozart, die sie am\nfolgenden Morgen ohne seine Beihülfe einübte; er sah sie\nerst im Concerte wieder. Beide spielten vortrefflich und\närnteten mit der Sonate grossen Beifall ein. Kaiser Joseph,\nder zugegen war, glaubte aus seiner Loge mit der Lorgnette\nzu erkennen, dass Mozart keine Noten vor sich hätte; er\nliess ihn zu sich rufen und ihn bitten, die Sonate mitzubrin-\ngen. Es war ein leeres Notenblatt mit Tactstrichen; denn\nMozart hatte keine Zeit gefunden, die Cavierstimme aufzu-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "19", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580116-01.1.3", "texte": "schreibe», und spielte die Sonate, die er also noch gar nicht\ngehört hatte, aus dem Gedächtniss.\n„Beethoven, der als ein vielversprechender Jüngling\nim Winter 1786 nach Wien kam, aber nach kurzem Auf-\nenthalte wieder nach Hause reisen musste, wurde zu Mo-\nzart geführt und spielte ihm auf seine Aufforderung etwas\nvor, das dieser, weil er es für ein eingelerntes Paradestück\nhielt, ziemlich kühl belobte; Beethoven, der das merkte,\nbat ihn darauf um ein Thema zu einer freien Phantasie,\nund wie er stets vortrefflich zu spielen pflegte, wenn er ge-\nreizt war, dazu noch angefeuert durch die Gegenwart des\nvon ihm hochverehrten Meisters, erging er sich nun in einer\nWeise auf dem Ciavier, dass Mozart, dessen Aufmerksam-\nkeit und Spannung immer wuchs, endlich sachte zu den\nim Nebenzimmer sitzenden Freunden ging und lebhaft\nsagte: „ „Auf den gebt Acht, der wird einmal in der Welt\nvon sich reden machen!\"\" Schindler (Biogr. Beethoven's,\nS. 24) erwähnt dieser Begegnung, an die Beethoven sich\ngern erinnerte, nur kurz; der obige Bericht ist mir in Wien\naus guter Quelle mitgetheilt. Die ausgeschmückte Erzäh-\nlung in Beethoven's Studien (Anhang S. 4 ff.) dichtet Beet-\nhoven contrapunktische Studien und Kenntnisse an, von de-\nnen er damals weit entfernt war.\n„Den schönsten Beweis, wie hoch Mozart Jos. Haydn\nachtete, und wie herzlich er ihn liebte, gab er durch die\nZueignungsschrift seiner sechs Quartette, in welcher er ihm\ndieselben als die Frucht einer langen und mühevollen Ar-\nbeit, durch seinen Beifall ermuthigt, übergibt, wie ein Vater\nseine Kinder einem bewährten Freunde von hohem Anse-\nhen und Rufe anvertraut, dass er sie nachsichtig aufnehme,\nbeschütze und vertrete. Solche Aeusserungen der Vereh-\nrung kamen ihm tief aus dem Herzen; als man mit ihm\nüber diese Dedication sprach, sagte er: „ „Das war Schul-\ndigkeit; denn von Ilaydn habe ich gelernt, wie man Quar-\ntetts schreiben müsse.\"\" Nie sprach er ohne die lebhafteste\nBewunderung von ihm. „„Keiner\"\", sagte er, „„kann\nAlles, schäkern und erschüttern, Lachen erregen und tiefe\nRührung, und Alles gleich gut als Joseph Ilaydn.\"\"\n„Der Haydn, welchen Mozart auf diese Weise aus-\nzeichnete und über alle lebenden Componisten stellte, war\nkeineswegs schon der allverehrte und allgeliebte Vater\nHaydn der späteren Zeit. Erst nach dem Aufenthalte in\nLondon fand Haydn in Wien allgemeine und enthusiastische\nBewunderung und Verehrung; in früheren Jahren war der\nWiderspruch gegen seine Originalität nirgends stärker, als\nin Wien. Schon seine Stellung beim Fürsten Esterhazv,\nsein Aufenthalt in Ungarn machte die Künstler und Kenner\nder Hauptstadt abgeneigt, ihn als ebenbürtig oder gar\nüberlegen anzuerkennen. Während das musikliebende Pu-\nblicum seine frischen, jovialen Schöpfungen mit unbefange-\nnem Entzücken genoss, nahmen die Kenner und Künstler\nder Hauptstadt daran vielfachen Anstoss; humoristische\nLaune war in der Musik noch nicht anerkannt, man stritt,\nob und wie weit dieselbe berechtigt sei, und die Freiheiten,\nwelche er sich mit grosser Ueberlegung gegen hergebrachte\nRegeln nahm, rechnete man ihm gar zu gern als Fehler an.\nAn der Spitze derer, die ihm abgeneigt waren, stand Kaiser\nJoseph mit seiner musicalischen Umgebung; wir dürfen uns\nnicht wundern, wenn Viele diesem Beispiele folgten, und\nHaydn sich oftmals über seine Kritiker und Feinde be-\nSchwerte. Um ihn ganz zu verstehen, zu würdigen und an-\nzuerkennen, bedurfte es eines gleich genialen und neidlosen\nKünstlers wie Mozart. Mit eben so sicherem Blicke erkannte\naber auch Haydn die Grösse Mozart's, mit gleich freiem\nSinne bewunderte und pries er ihn, und wo er nur Gelegen-\nheit fand, sprach er seine Ueberzeugung von dessen künst-\nlerischer Grösse aus. Als man in Prag neben Mozart's Figaro\nund Don Giovanni auch eine Oper von Haydn aufzuführen\nwünschte, antwortete dieser dem Freunde, welcher ihm\ndiesen Wunsch aussprach: „ „Sie verlangen eine Opera\nbuffa von mir; recht herzlich gern, wenn Sie Lust haben,\nvon meiner Sing-Composition etwas für Sich allein zu be-\nsitzen. Aber um sie auf dem Theater in Prag aufzuführen,\nkann ich Ihnen diesfalls nicht dienen, weil alle meine Opern\nzu viel auf unser Personale gebunden sind und ausserdem\nnie die Wirkung hervorbringen würden, die ich nach der\nLocalität berechnet habe. Ganz was Anderes wäre es, wenn\nich das unschätzbare Glück hätte, ein ganz neues Buch für\ndas dasige Theater zu componircn. Aber auch da hätte ich\nnoch viel zu wagen, indem der grosse Mozart schwerlich\njemanden Anderen zur Seite haben kann. Denn könnte ich\njedem Musikfreunde, besonders aber den Grossen, die un-\nnachahmlichen Arbeiten Mozart's so tief und mit einem sol-\nchen musicalischen Verstände, mit einer so grossen Empfin-\ndung in die Seele prägen, als ich sie begreife und empfinde,\nso würden die Nationen wetteifern, ein solches Kleinod in\nihren Ringmauern zu besitzen. Prag soll den theuren Mann\nfesthalten aber auch belohnen; denn ohne dieses ist die\nGeschichte grosser Genien traurig und gibt der Nachwelt\nwenig Aufmunterung zum ferneren Bestreben, wesswegen\nleider so viele hoffnungsvolle Geister darniederliegen. Mich\nzürnt es, dass dieser einzige Mozart noch nicht bei einem\nkaiserlichen oder königlichen Hofe engagirt ist. Verzeihen\nSie, wenn ich aus dem Geleise komme; ich habe den Mann\nzu lieb.\"\"\n„Der Brief ist im December 17 87 geschrieben, und\nHaydn konnte in Esterhaz noch nicht wissen, dass Mozart\nso eben als kaiserlicher Kammer-Compositor angestellt war;\nman sieht aber, in welche Stimmung ihn das wiener Publi-\ncum versetzt hatte, das von Mozart's besten Compositioneri,"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580116-01.1.4", "texte": "wie den Quartetten, nichts wissen mochte und den Figaro\nfallen Hess. Als im folgenden Jahre auch Don Giovanni\nin Wien nur zweifelhaft aufgenommen wurde, befand sich\nHaydn in einer grossen Gesellschaft, in welcher die bedeu-\ntendsten Künstler und Kenner Wiens sich in der verschie-\ndensten Art über die Mängel und Gebrechen der neuen\nOper aussprachen; endlich wurde auch Haydn um seine\nMeinung gefragt. „ „Ich kann den Streit nicht ausmachen,\"\"\nsagte er, „ „aber das weiss ich, dass Mozart der grösste\nComponist ist, den die Welt jetzt hat.\"\"\n„Und nicht allein auf diesem Gebiete erkannte er ihn\nan, sondern auch da, wo sie recht eigentlich mit einander\nzu rivalisiren schienen, indem er sagte, wenn Mozart auch\nnichts Anderes geschrieben hätte, als seine Violin-Quar-\ntetts und das Requiem,würde er allein dadurch unsterb-\nlich geworden sein, und mit Thränen in den Augen ver-\nsicherte, Mozart's Ciavierspiel könne er in seinem Leben\nnicht vergessen: „ „das ging ans Herz!\"\" Auch später ver-\nsäumte er keine Gelegenheit, wo er Mozart'sche Musik hö-\nren konnte, und pflegte zu betheuern, dass er nie eine\n(Komposition von ihm gehört habe, ohne etwas zu lernen.\n„Der persönliche Verkehr zwischen Beiden war ein-\nfach und herzlich; Mozart pflegte Haydn Papa zu nennen,\nauch duzten sie sich, was damals bei solchem Alters-Unter-\nschiede seltener als heutzutage war. Uebrigens hatte Haydn,\nwährend Mozart in Wien lebte, seinen regelmässigen Auf-\nenthalt in Eisenstadt und Esterhaz, und kam nur im Win-\nter mit seinem Fürsten auf einige Monate nach Wien. Erst\nnach dem Tode des Fürsten Nikolaus im Jahre 17 90 nahm\nHaydn seinen Wohnsitz in Wien; allein schon im Decem-\nber desselben Jahres kam Salomon und bewog ihn, mit\nnach London zu gehen. Mozart fand, wie andere Freunde\nHaydn's, diese Unternehmung sehr gewagt und machte ihn\nauf die Schwierigkeiten aufmerksam, welche er als ein be-\njahrter Mann, der nicht gewohnt sei, sich in der grossen\nWelt zu bewegen, unter einem Volke, dessen Sprache er\nnicht verstehe, zu überwinden habe, deren er gewiss bald\nüberdrüssig sein werde. Haydn aber meinte, er sei zwar alt\ner war 59 Jahre alt -—, aber munter und bei Kräften,\nund seine Sprache verstehe man durch die ganze Welt.\nAm Tage der Abreise verliess Mozart Haydn nicht, er\nspeis'te bei ihm und sagte beim Abschiede, bis zu Thränen\ngerührt: „ „Wir werden uns wohl das letzte Lebewohl in\ndiesem Leben sagen!\"\" Auch Haydn war tief bewegt, er\ndachte an seinen Tod und suchte Mozart zu trösten und\nzu beruhigen; als er zurückkam, fand er Mozart nicht mehr.\n„Es ist ein wohlthuender Anblick, wie diese beiden\ngrossen und edlen Männer, unberührt von dem gemeinen\nTreiben des Handwerksneides und der Intrigue, welches\ndamals in Wien geschäftig war, einander die Bruderhand\nreichen und fest und treu zu einander stehen. Jeder hat\nden Anderen wohl verstanden und gewürdigt, Jeder ver-\ndankt dem Anderen viel für seine künstlerische Ausbildung\nund erkannte dies freudig an; das richtige Gefühl der eige-\nnen Selbstständigkeit und Bedeutung gab Jedem den Maass-\nstab für die Schätzung des Anderen. Vergessen und ver-\nschollen, oder doch an ihren bescheidenen Platz gestellt\nsind die meisten, welche damals geschäftig waren, Staub\num sie zu erregen; vereinigt stehen Mozart und Haydn auf\nder Höhe, auch sie ein schönes Denkmal, dass wahre Grösse\nechte Künstler-Naturen nicht scheidet, sondern einigt.\"\nDie letzten Abschnitte des Buches bringen neben den\nSchilderungen der geselligen Kreise, in denen sich Mozart\nbewegte, viele schätzbare Bemerkungen über einzelne Com-\npositionen, die man Gelegenheitsstücke nennen könnte, als\nz. B. Lieder, in welchen sich der so melodieenreiche Mozart\nnicht gerade auszeichnete, Canons u. s. w. Die Bass-Arie\n„Io tilasch\" wird als unecht und von einem Freunde Mo-\nzart's, Gottfried von Jacquin, herrührend, nachgewiesen\n(S. 331).\nEin besonderes Capitel ist dem grossen Verehrer der\nälteren Meister van Swieten und dessen Einlluss auf das\nmusicalische Wien und auf Mozart gewidmet. Durch ihn\nangeregt, begann Mozart erst in Wien das Studium von\nBach und Händel, und was Jahn darüber sagt, ist vortreff-\nlich und namentlich von allen jüngeren Künstlern wohl zu\nbeherzigen. Die Fuge in C-mollfür zwei Claviere, die drei-\nstimmige Fuge für Ciavier, die zwei Phantasieen zu vier\nHänden in F-mott(willkürlich so benannt, von Mozart aber\nals „Stücke für ein Orgelwerk in einer Uhr\" componirt\nS. 387), endlich die unvollendete Messe in und die\nBenutzung von acht Nummern derselben zum Oratorium\nDaviddepenitente werden ausführlich besprochen.\nIm Abschnitt 10 werden Mozart s Beziehungen zum Frei-\nmaurer-Orden berührt, doch wird erst im vierten Theile\ngezeigt werden, wie die Zauberllöte in der Freimaurerei\nwurzelt.\nDer letzte Abschnitt (Nr. 11) verbreitet sich über die\nArt, wie Mozart schul und arbeitete. Der Verfasser ver-\nsucht mit Glück, den Späherblick in die geheime Werkstatt\neiner genialen Künstler-Natur zu vertiefen; der Erfolg, mit\ndem er dies thut, verdient, dass wir noch einige Proben\ndavon mittheilen."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "21", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580116-01.1.5", "texte": "Saul.\nOratorium von Ferdinand Hiller.\nText von Moriz Hartmann.\nII.\n(I. s. Nr. 2.)\nDie Ouvertüre ist nicht bloss eine Einleitung, sondern\nein vollständiges Musikstück. Nach einem\nin 3/4-Tact, dessen Motiv im Unisono der Saiten-Instru-\nmente und Fagotte, von einzelnen leisen Klängen des Po-\nsaunen-Quartetts und dumpfen Paukenwirbeln unterbro-\nchen, einen mystischen Charakter hat, tritt ein\nenergico in C-moll,3/4-Tact, ein, dessen Haupt-Thema den\nAusdruck von Thatkraft und Heldenmässigkeit hat, wäh-\nrend daneben sogleich die Sechszehntel-Figuren der Brat-\nschen und Violoncells etwas Unruhiges, Hastiges und Un-\nstätes aussprechen, was im Verlauf des ganzen durchgear-\nbeiteten Musikstückes bezeichnend genug auf ein bewegtes\nMenschenleben hindeutet, das sich in kräftigem Aufschwung\nerhebt, aber von Leidenschaften unterwühlt wird, und das\nnur selten die Lichtstrahlen sanfterer Empfindung durch-\nwärmen. Der Schlussist besonders von grosser Wirkung;\ndas mystische, gleichsam das hohepriesterüche Element ver-\ntretende Thema des einleitenden Andante erscheint hier\nwieder, und zwar in den Posaunen und Fagotten allein ;\nzwei Mal unterbricht ein Aufrauschen der Saiten-Instru-\nmente seinen mächtigen Schritt vergebens! Das Grollen\nder menschlichen Leidenschaft gegen den göttlichen Wil-\nlen verhallt, und unter dem leisen Tremolo der Geigen und\nBratschen bringen die Violoncells das energische Haupt-\nMotiv des Allegro im Pianissimo, und lassen es wie die\nErinnerung an eine gefallene Grösse dahinsterbend ver-\nklingen.\nNach einer einleitenden Steigerung, unter deren iort-\nreissender Flut man gleichsam das Volk von allen Seiten\nherbeiströmen sieht, brechen die Bässe und lenöre in\nohne alle Instrumental-Begleitung mit:\nlos und unmittelbar darauf die Frauenstimmen mit sämmt-\nlichen Violinen, Flöten, Oboen, Clarinetten und dem Ein-\nsatz der Trompeten auf das zweite Viertel:\nHier kann man wahrlich sagen; ex ungue leonem! Man be-\ngreift, dass dieser Jubel, diese Erhebung David's dem\nKönige Said in die Ohren gellen musste!\nIm Gegensatz zu diesem Jubel grollt Saul dem \\ clke,\ndas den Besieger Goliath's verherrlicht. Dass Hiller durch\nwirkliche Recitative dem Sänger zu wahrem declamatori-\nschem Vortrage Gelegenheit geben würde, Hess sich er-\nwarten; denn nichts ist langweiliger als das psalmodirende\ntactgerechte Arioso, in welchem Schumann und Wagner,\naller Natur zuwider (und doch wollen sie die Wahrheit\nder Declamation herstellen!), die lextes-Sylben in eben\nso viele Noten übersetzen und dem leidenschaftlichen Aus-\ndrucke dadurch die Zwangsjacke anlegen. \\\\ ir bemerken\naber ausserdem hier gleich im Allgemeinen, dass alles Re-\ncitativische im Saul uns sowohl in der Melodie als in der\nAnwendung des Orchesters zu Einleitungen und Zwischen-\nspielen vorzüglich gelungen scheint. Wie dürltig und be-\ndeutungslos das Orchester in dieser Beziehung im Tann-\nhäuser und im Lohengrin ist, haben wir früher nachge-\nwiesen, und dennoch weiss Wagner sonst wohl das Or-\nchester zu gebrauchen. Aber es gehört zum Schreiben\neines guten Recitativs mit Orchester, wie wir es bei Gluck,\nMozart und Spontini linden, eine echt musicalische Natur,\nweil beim Recitativ erstens der gesuchte Wort-Ausdruck\nleicht zur Unmusik verleitet, und zweitens die Aulgabe,\nden kurzen Zwischensätzen des Orchesters eine Bedeutung\nzu geben, nicht zu den leichteren gehört.\nSau Ts Recitativ geht in ein\n%-Tact) über: ..Sein ist der Glanz des Sieges!\" wel-\nches durch den fernen Klang eines Marsches unterbrochen\nwird. Der König erblickt den Zug der Frauen, „seine\nTochter Michal an ihrer Spitze.\" „0 der Schmach!\"\nSein Zorn geht in Wehmuth über, die sich in einem\ndante espressivo,welches diese Scene schliesst, ausspricht.\nMan sieht, dass der Componist keineswegs an der herge-\nbrachten Form der Arie festhält, wo es die Situation ver-\nbietet, denn er beginnt hier mit dem Allegro und schliesst\nmit dem Andante; aber das Wesen der Arie, d. h. den\nmelodischen Ausdruck einer Stimmung, welche sich in einer\nReihe von Tönen, die von dem einzelnen Worte unab-\nhängig sind, ausspricht, verschmäht er keineswegs, sondern\nbetrachtet es mit Recht als einen Haupt-Bestandtheil des\nOratoriums und der Oper.\nWie trefflich er die Arie zu behandeln weiss, auf dass\nsie dem ernsten Stile des dramatischen Oratoriums ange-\nmessen sei, zeigt dann besonders auch die folgende Scene,\nin welcher nach einem heiteren Marsch und Frauenchor\nin F-dur Michal in einem kurzen Recitativ die That Da-\nvid's preis't, dem sich ein Andante mosso [F-dur, %-Tact)\nanschliesst, das mehr das innige Gefühl des Dankes gegen"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580116-01.1.6", "texte": "Jehovah ausdruckt, als ein Frohlocken, wozu die Textes-\nworte („Es schwand das Trauern die Cedern Hügel\nund Thal rauschten in die Psalmen\" u. s. w.) hätten ver-\nanlassen können. Allein diese Worte haben ohne Zweifel\ndie sanft wogende Bewegung aller Saiten-Instrumente,\nwelche das ganze Andante hindurch sich gleich bleibt, her-\nvorgerufen; über derselben sind die Blas-Instrumente (Flö-\nten, Oboen, Clarinetten, Fagotte und vier Hörner - meister-\nk '—' /\nhaft angewandt zu zarten Melismen, welche den Gesang\ntheils begleiten, theils imitiren; namentlich ist der Eintritt\nder harmonisch gefüllten Triolen in den Flöten und Cla-\nrinetten in den letzten zehn Tacten von wunder lieblichem\nReiz. Nach einem vollkommenen Schluss in F tritt mit\neiner Modulation in As ein kurzes Recitativ in lebhafterem\nTempo ein, worauf wieder in das Allegro (4/4-Tact)\n„Um deine Locken winde ich den Kranz\" folgt—ein feu-\nriger, glänzender. Satz. Die Art und Weise, wie Hiller\ndiese sechszehn Verse Text, in welchen im Grunde genom-\nmen nur Eine Stimmung herrscht, in die so eben angege-\nbene Form gebracht hat, bewährt den echten Musiker,\nder das Wort für seine Kunst ordnet und gestaltet, nicht\ndiese als Magd in die Knechtschaft der Poesie gibt. Ein\nsolches Talent zeigt den Nachfolger Haydn's und Mozart's\nund bewahrt sicher vor der ermüdenden Monotonie der\nrhetorischen Declamation.\nDavid weis't den Kranz zurück [quasi Recitativo) und\nes folgt ein schöner, romanzenartiger Gesang\nD-dur, %-Tact) mit Harfen-Begleitung: „Mir ist nicht\nRuhm und Glanz beschieden.\" Die Stimme einer Jungfrau\nverkündet das Herannahen des Königs. Eine düstere Me-\nlodie der Bässe schreitet ihm gleichsam voran; er erscheint,\nsein Sinn ist trübe: „Bin ich noch König? Bin ich Vater?\"\nBedeutungsvoll wiederholt das Orchester leise das Motiv\ndes Allegro, bei welchem Michal David kränzte auch\nAnklänge aus dem Jubel des Volkes tauchen wieder auf.\nAlle diese Bilder scheuchen den König: er will fort da\nhört er David's demuthsvolle Stimme: „0 König, sieh zu\ndeinen Füssen\" u. s. w., mit welchen Worten ein Duett\nin Es-dur beginnt, in welches am Schlüsse auch Michal\nund der Chor auf überraschende Weise nur mit einigen\nTacten im Pianissimoeintreten. Der erste Satz von David's\n4\nMelodie klingt etwas gewöhnlich, dagegen erhebt sich\nSaul's Gesang sogleich wieder zu charakteristischer Eigen-\nthümlichkeit, und auch der zweite Satz vom Tenor, der\nnach dem Eintritt der Harfe beginnt: „Gesalbter Gottes!\"\nu. s. w., ist gut ausgedrückt. Vortrefflich ist der Ueber-\ngang vom Unmuth und Trübsinn zur Ruhe und Milde in\nSaul's Gesang. Unter Harfenklängen und leisem Flüstern\ndes Chors schlummert der König ein.\nHieran schliesst sich ein Gesang der Michal mit vier-\nstimmigem Frauenchor, Allegro grazioso in D-dur, %-\nTact: „Weckt ihn nicht!\" immer pianissimo ein über-\naus anmuthiges musicalisches Bildchen, in duftigen Abend-\ndämmerungsschein gehüllt.\nAber Saul fährt auf aus schwerem Traume, der ihm\nUntergang seines Namens geweissagt. Das Volk ruft:\n„Wehe, die Geister der Nacht!\" —ein Chor, der auf einem\nOrgelpunkt auf Bverweilt {A %), während\ndie einzelnen Stimmen oft gleichsam recitativisch nach ein-\nander und mit einander einfallen, bis sich alle zu einem\nsanften Gesang in Es-dur vereinigen: „0 David, lindre\nseinen Schmerz!\" was einen ungemein wohlthuenden Ein-\ndruck macht. Der König aber wird durch die Erwähnung\ndes Namens nur noch wilder und schleudert seine Lanze\nnach ihm. Das Entsetzen von Michal, David, Jonathan und\ndem Volke über die That ist kurz und prägnant, die Zer-\nknirschung Saul's ergreifend wahr ausgedrückt.\nHieran knüpft sich einer der herrlichsten Chöre des\nganzen Werkes, die fromme Betrachtung des Volkes über\nDavid's Errettung—ein Andante con moto in As-dur, 3/4-\nTact mit einem Mittelsatz in „Der Herr hat seine\nSeele vom Tode errettet.\" Mit einer natürlich liiessenden\n»\nPolyphonie sind hier melodische Motive von grosser Schön-\nheit unter einander verbunden; das Ganze athmet den\nCharakter ruhiger Andacht, den Ausdruck innigen Dank-\ngefühls, und steht den schönsten Chören Mendelssohn s\nvon ähnlicher Gattung aufs würdigste zur Seite.\nHier schliesst der erste Abschnitt des ersten Theiles\nfür sich genommen schon eine schöne Cantate, die ganz\ngut auch allein aufgeführt werden könnte. Wir fügen\nnoch hinzu, dass schon in diesem Abschnitte in David's\nLied, in dem Duett zwischen David und Saul, in den Chö-\nren: „Weckt ihn nicht\", „oDavid, lindre seinen Schmerz\"\nund „Der Herr hat seine Seele errettet\", Melodieen lie-\ngen, die man, einmal gehört, mit nach Hause trägt und so\nleicht nicht vergisst. Das ist heutzutage eine grosse Seltenheit!\nDer zweite Abschnitt des ersten Theiles enthält drei\ngrosse Musikstücke. Samuel tritt auf als strafender Hoher-\npriester; er verkündet dem Könige, dass er von Gott ver-\nworfen sei. Sein Recitativ beginnt mit kräftigen Einschrit-\nten in Cis-moll und geht in eine grosse Arie aus derselben\nTonart über, die in einem %-Tact:\n„Gehorsam will der Herr der Himmelsscharen\" einen\ngrossen und energischen Charakter entwickelt, auch einer\ntüchtigen Bassstimme Gelegenheit zu kräftigem, wirkungs-\nvollem Y ortrage gibt. Diese Nummer ist sehr achtungs-\nwerth; sie würde aber an anderer Stelle vielleicht bedeu-\ntender erscheinen. Hier tritt sie gegen die Umgebungen\neiniger Maassen zurück."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580116-01.1.7", "texte": "Denn wie wundervoll, erst schauerlich, dann gross\nund prächtig ist gleich wieder der darauf folgende Chor\nin Fis-moll\\ Feierlich und mit frommem Schauer treten im\nAndante sostenuto,4/4-Tact, die einzelnen Stimmen nach\nund nach mit demselben Motiv ein: „Welche Donnerworte\nentströmen seinen Lippen!\" —auf dem gehaltenen Fis des\nGrundbasses ruhend, in der tiefen und mittleren Tonregion\nund stets piano nach der Dominante modulirend. Dann\nbricht im Fortissimo das Allegro niolto, 3/4-Tact, los:\nWelch ein Eindruck durch diesen Accord! Er reisst Alles\nvor sich her ein, wie ein Donnerschlag mit Orkan! Und\nin diesem Geiste und Charakter geht es fort in leidenschaft-\nlicher Steigerung, in welche auch das zweite Motiv, das\nzu einem Fugatobenutzt wird,\nVor Dei-nem Ur-theil er - be - bet das Erd - reich.\nwie man sieht, keine Ruhe bringt. Dass das Orchester\nauch sein Stück Arbeit dabei hat, kann man sich denken.\nDas Ganze ist ein Prachtstück, das auf der Stelle imponirt\nund packt und bei näherer Ansicht der Partitur mit Be-\nwunderung erfüllt.\nNach diesem Chor, der in erschütternder Weise die\nalttestamentliche Ansicht von dem Zorn und der Rache Je-\nvah's darstellt, tritt in A-dur (Andante mosso, 4/4-Tac.t\nunter einleitenden Melismen der Violine, Flöte und Clari-\nnette und sanft wogender Violoncell-Begleitung die Stimme\nder Michal ein. Das Volk, durch sie zu milderen Gefühlen\ngestimmt, fleht wie sie zu dem Herrn, „des Zornes Wolke\nan Saul vorübergehen zu lassen\" ; drei Solostimmen (Mi-\nchal, Jonathan Tenor, Saul) nehmen zusammen das\nHaupt-Motiv, womit der Sopran begann, wieder auf und\nführen neben und über dem Chor den Gesang, dessen Me-\nlodieen fromme Bitte und gläubige Hoffnung athmen, zum\nberuhigenden Ende.\nDieser Schlusssatz des ersten Theiles macht durch den\nGegensatz seines Charakters zu dem vorhergehenden und\ndurch seinen melodischen Gehalt eine ausserordentlich\nschöne Wirkung. Ein Sturm von Beifall brach am Schlüsse\ndesselben im ganzen Publicum aus; der Componist wurde\nmit wahrem Enthusiasmus gefeiert.\n\nAus Bonn.\nDen 30. December 1857.\nAm zweiten Weihnachtstage gab Herr Müsiklelirer Henseler\neine musicalische Soiree im Goldenen Stern, welche sich sowohl durch\nGediegenheit des Programms als durch wohlgelungene Ausführung\nsämmtlicher Stücke auszeichnete. Herr Henseler, der uns durch be-\ndeutende Fortschritte auf der Bahn zur Virtuosität überraschte, spielte\nBeethoven1 s Trio, Op. 70, Nr. 1, Concert-Variationen von Henselt,\nImpromptu et Vctlse von Chopin und Phantasiestücke für Pianoforte\nund Violine von R. Schumann, alles mit rundem, kräftigem Anschlag,\njugendlichem Feuer und guter Technik, wenn auch nicht ohne Be-\nfangenheit, was sich gewiss nach öfterem öffentlichen Auftreten ver-\nlieren wird. Aber auch des Zarten und Anmuthigen möge sich Herr\nHenseler noch mehr befleissigen, das wird die Wirkung seines Spiels\nnoch um Vieles erhöhen. Unterstützt wurde der Concertgeber durch\ndie Mitwirkung des Fräul. Deutz (Sopran) aus Köln, des Herrn\nPosse (Violine) von Elberfeld und des Herrn Gerhards (Violon-\ncello) von hier. Erstere sang mit lebhaftem Gefühl und edlem Aus-\ndruck die Arie aus Figaro's Hochzeit: „O säume länger nicht!\" und\nzwei Lieder von Nicolai und von Eckart. Herr Posse spielte die\nElegie von Ernst recht brav, jedoch mit etwas rauhem Tone, woran\nvielleicht das Instrument Schuld trug. Das Violoneell drang nicht\nrecht durch, etwas mehr Kraft und Feuer hätte nicht schaden kön-\nnen. - Unser drittes, auf Beethoven\\s Geburtstag (17. December)\nfallendes Abonnements-Coneert enthielt nur Stücke dieses Meisters,\nund zwar: 1) Marsch und Chor aus den Ruinen von Athen, 2) das\nSeptett, 3) das Kyrie der zweiten Messe und 4) die Pastoral-Sinfonie.\nOb das umfangreiche Septett nicht vielmehr als Kammermusik anzu-\nsehen und daher in die Soireen oder Matineen für diese zu verwei-\nsen sein möchte, mag dahin gestellt bleiben. Die Ausführung war\n(bis auf die gefährlichen Hornstellen im Trio) eine ziemlich gelun-\ngene zu nennen. Hätte da nicht aus der Noth eine Tugend gemacht\nund die gefährliche Stelle lieber langsamer, quasi rilcirdando,\ngenommen werden sollen? In dem Kyrie waren diesmal die Solostim-\nmen ausgezeichnet gut besetzt. Es ist jedenfalls der beste Satz des\nganzen Werkes, dennoch ist dadurch eine so baldige Wiederholung\ndesselben nicht gerade gerechtfertigt. Ueberliaupt möchte etwas mehr\nMannigfaltigkeit in der Wahl der Autoren dem bei weitem grössten\nTheile des Publicums sehr willkommen sein. Wenn z. B. auf zehn\nClavier-Concerte sieben oder acht allein auf Beethoven's Namen kom-\nmen, so finden wir dies bei allem gebührenden Respect vor diesem\ngrossen Namen doch nicht in dem richtigen Verhältnisse zu dem ge-\ngenwärtigen Standpunkte dieser Musikgattung. Es wäre nicht anders,\nals wenn eine Theater-Intendantur unter fünfzig Opern-Vorstellungen\n35 4O Mal die Opern von Mozart brächte. Man braucht eben nicht\nfür die Zukunftsmusik zu schwärmen, um den verzeihlichen Wunsch\nzu hegen, auch mit den besseren und besten Erzeugnissen der Ge-\ngenwart und der jüngsten Vergangenheit, und zwar auch über die\nnächste Umgebung hinaus, bekannt zu werden Wir sagen dies in\nder besten Absicht und ohne alle Animosität, was man uns um so\neher glauben wird, wenn wir versichern, dass wir den Bemühungen\nund dem redlichen, soliden Streben unseres jetzigen Concert-Dirigen-\nten, Herrn Dieterich, unsere volle Anerkennung zollen. Unser in\nden letzten vier bis fünf Jahren sehr ilcfect gewordenes Orchester\nhat, Dank dem Comite und freiwilligen Beitrage der Musikfreunde, '\nmehrere neue, ganz brauchbare Mitglieder bekommen, wodurch sehr\nfühlbare und kostspielige Lücken (die Fehlenden mussten bei jedem\nConcerte von Köln requirirt werden) ausgefüllt worden. Wenn nur\ndas Frühjahr, wie zu fürchten steht, sie nicht wieder entfuhrt, da\ndie hiesigen Umstände, wie wohl in jeder kleinen Stadt, nicht dar-\nnach angetlian sind, diesen Leuten ein einiger Maassen anständiges\nAuskommen zu sichern. Der Instrumental-Verein, Beethoven-Verein"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580116-01.1.8", "texte": "genannt, ist aus Mangel an Theilnahme factisch eingegangen und\nhält schon seit einiger Zeit keine Uebungen mehr. Dass es so kom-\nmen würde, war schon lange voraus zu sehen, und ist ihm schon\nbei seiner Gründung von Leuten, welche die Verhältnisse genauer\nkennen, vorausgesagt worden. —Der Männergesang-Verein Concor-\ndia hat in der Person des Herrn K. Henseler einen neuen Dirigen-\nten gewonnen und scheint nach langem Winterschlafe wieder zu\nneuem Leben erwachen zu wollen. Gleichwohl ist er erst einmal,\nbei Gelegenheit der Naturforscher-Versammlung, öffentlich aufgetreten.\n\nViertes Gesellschafts-Concert in Köln\nim Hauptsaale des Gürzenich.\nDen 12. Januar 1858.\nProgramm: I. 1) Sinfonie in D-dur von J. Haydn; 2) Recitativ\nund Rondo (Non temer) für Sopran mit Orchester und obligatem Cla-\nyier von W. A. Mozart; Fräul. Köckel und Herr Capellmeister\nHill er; 3) Adagio und Rondo (la Clochette) für die Yioline von Pa-\nganini, gespielt von Camillo Sivori; 4) Des Sängers Fluch,\nBallade, nach Uhland bearbeitet von R. Pohl, für Soli, Chor und Or-\nchester componirt von R. Schumann (zum ersten Male). 11. 5)\nJubilale Amen von Th. Moore, übersetzt von F. Freiligrath, compo-\nnirt für Sopran-Solo, Chor und Orchester von Max Bruch (Manu-\nscript); 6) Recitativ, Gebet aus Moses von Rossini und Variationen\nvon Paganini für die Yioline, auf der Gr-Saite vorgetragen von\nHerrn C. Sivori; 7) Grosse Ouvertüre zu Leonore von Beethoven.\nHaydn's Sinfonie wurde recht präcis ausgeführt und sehr beifäl-\nlig aufgenommen. Fräul. Rockel vom hiesigen Theater sang die\ngrosse Arie von Mozart recht brav, besonders in der Coloratur; für\ndie getragenen Töne des Andante reichte das Volumen von Stimme\nund Athem zumal bei dem etwas zu langsam genommenen Tempo\nnicht aus.\nSivori1 s Spiel nahm an diesem Abende vorzugsweise die Auf-\nmerksamkeit und den Beifall des Publicums in Anspruch. Er ist der\neinzige Violinist, der denjenigen, die Paganini nicht gehört haben,\neine Vorstellung von dem exceptionellen Spiel jenes Künstlers geben\nkann; er hat nicht nur die Tradition desselben von Paganini selbst\nempfangen, sondern ist durch eminentes Talent auch befähigt, sie\nlebendig zu machen. Sein Spiel ist eine geniale Reproduction, kei-\nneswegs eine blosse Nachahmung. Eine fabelhafte Virtuosität der\nTechnik, eine unzerstörbare Sicherheit in den Flageolet-Tönen und\nvor Allem ein voller, in jeder Nuancirung schöner Ton, der den echt\nitaliänischen Gesang bis zu den höchsten Feinheiten des Ausdrucks\nwiedergibt, machen ihm diese Wiederbelebung jenes rein individuel-\nlen Vortrags durch eigenthümliche Behandlung des Instrumentes\nmöglich. Nach jedem Stücke enthusiastisch applaudirt und gerufen,\ngab er noch den Carneval von Venedig zu, nach dessen humoristisch\ngenialem Vortrage der Sturm des Beifalls kein Ende nehmen wollte.\ntsSchluss folgt.)\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt\nMolki« Am Donnerstag den 14. d. Mts. wurde die komische\nOperette Scherz, List und Rache, nach Göthe's Text bearbeitet,\ncomponirt von Max Bruch, im Stadttheater zum ersten Male ge-\ngeben. Fräul. Chaloupka (Scapine) und die Herren Kahle (Sca-\npin) und Abiger (Doctor) waren die Darsteller und ärnteten ver-\ndienten Beifall. Die Oper wurde ausserordentlich gut aufgenommen,\ndas Haus war ganz besetzt, und am Schlüsse wurden die Darsteller\nund namentlich der Componist unter rauschendem Applaus gerufen.\nQlcfieilt)!!&*s• Herr Hof-Capellmeister Pott eröffnete am 18.\nDecember v. J. im Saale des Butpadinger Hofes seine musicalischen\nAbend-Unterhaltungen mit einem Quartett in D-dur von Va-\nter Haydn und dem grossen /J-mo//-Quartett, Op. 132, von Beet-\nhoven. Wahl und Zusammenstellung beider Werke war eine\nglückliche. Die Bahnen, in welchen beide Werke kreisen, sind ohne\nZweifel sehr verschiedenartig und veranschaulichen gewisser Maas-\nsen den Eingangs- und Ausgangspunkt classischer Quartett-Musik.\nDie Auffassung und Darstellung entsprach dem Geiste dieser Werke\nvollkommen. Von einem Künstler wie Herrn Pott ist man allerdings\nberechtigt, eine vollendete Leistung zu fordern, aber er übertraf die\nstrengsten Anforderungen durch seinen Vortrag und durch den Zau-\nber seines Tones. Er wurde durch die Herren Hofmusiker Schär-\nnack, Maler und Ebert in angemessener Weise unterstützt.\nEine Orgel aus Bambus. In dem chinesischen Orte Sikawi,\nunweit Schanghai, wo sich seit zehn Jahren eine Jesuiten-Mission\nbefindet, welche einige achtzig Eingeborene zählt, die sich für den\ngeistlichen Stand vorbereiten, ist unlängst eine Orgel aus Bambus-\nrohr angefertigt worden. Es ist dies ein Meisterstück chinesischen\nKunstfleisses, zu dem freilich die Jesuiten den Anstoss gegeben ha-\nben. Die Orgel hat 9 Register, die grösste Pfeife ist 16 Fuss lang.\nAnfangs wollte es nicht gelingen, reine Töne den Pfeifen zu ent-\nlocken; aber man liess sieh keine Mühe verdriessen, bis alle Schwie-\nrigkeiten überwunden waren. Diese nur aus Holz bestehende Orgel\nist daher einzig in ihrer Art. Man hat sie in der Kathedrale zu\nThungkadu, welches zwischen Schanghai und Sikawi liegt, aufge-\nstellt, und am 15. August 1857 ward sie zum ersten Male bei der\nMesse gespielt. Der Bass besass eine grosse Tiefe, und die höheren\nTöne klangen sanft und schmelzend, wie die Laute der Flöte. Das\nTrompeten-Register hielt die Mitte zwischen dem Tone einer Posaune\nund dem einer Geige."}]}