{"numero_id": "bm-bmtnabi-1858-01-30-01", "volume": "bmtnabi_1858-01-30_01", "ocr_sha256": "d891c6b74c17bb646efbdbd3aa2897d8a986768646772e699a402cb4551070c6", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1858/01/30_01/bmtnabi_1858-01-30_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580130-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1858-01-30-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-01-30_01#c001", "volume": "bmtnabi_1858-01-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "33", "page_fin": "33", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580130-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "33", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580130-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 460, "texte": "Inhalt.\nBerliner Briefe (Sinfonie-Concerte Sing-Akademie Dom-Chor Oper: Signora Piccolornini Signor Giuglini\nMacbeth von Taubert). Von G. E. Beurtheilungen. Für Orgel: C. G. Höpner, Op. 19, F. W. Markul, Op. 62, Gustav Merkel, Op. 5\nund 12, Karl Seeger, C. Albert Ludwig, Joh. Ludw. Krebs. Von V. D. Fünftes Gesellschafts-Concert in Köln. Tages- und Un-\nterhaltungsblatt (Köln, 11. Winter-Concert des Männergesang-Vereins Paderborn, Concert Regensburg Bremen)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-01-30-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-01-30_01#c002", "volume": "bmtnabi_1858-01-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "33", "page_fin": "38", "image_debut": 1, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580130-01.2.2", "titre_corps": "Berliner Briefe.", "titre_sommaire": "Berliner Briefe.", "signature_source": "G. E", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "33", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580130-01.1.1", "debut_caractere": 462, "fin_caractere_exclue": 4410, "texte": "Berliner Briefe.\n\n[Sinfonie-Concerte Festhalten am Classischen geringe\nTheilnahme für neue Richtungen. Sing-Akademie Bach's\nWeihnachts-Oratorium. Dom-Chor alte Italiäner: zwei „Mi-\nsericordias\" von Durante Deutsche: Sethus Calvisius u. s. w.\nVereine für Kammermusik: Zimmermann Laub Oertling u. s.\nw. Die Oper: die Italiäner Signora Piccolomini\nSignor Giuglini Macbeth von Taubert.]\nDen 17. Januar.lBsB.\nDie Concert-Saison ist in diesem Winter an ausserge-\nwöhnlichen Ereignissen nicht allzu reich. Die regelmässi-\ngen Concerte der Sing-Akademie, des Stern'schen Vereins,\ndes Dom-Chors, der königlichen und der Liebig'schen Ca-\npelle und der verschiedenen Vereine für die Gattungen\ndes Quartettes, des Trio's u. s. w. nehmen ihren gewöhn-\nlichen Gang; nur selten wird ein Wechsel in den zur Auf-\nführung kommenden Werken vorgenommen; Virtuosen-\nConcerte unterbrechen die Gleichmässigkeit ebenfalls nur\nwenig. Ich schrieb Ihnen in meinem vorigen Briefe von\nden glänzenden Concerten, die in Kroll's Hotel Statt fan-\nden, wo sich zuerst Bazzini und die Signora Fortuni, nach\nihnen die Gebrüder Wieniawski, der Contrabassist Botte-\nsini und Signora Fiorentini vereinigt hatten; einen mehr\nals vorübergehenden Eindruck haben dieselben indess auf\nunser Publicum nicht gemacht; man hat wenig von ihnen\ngesprochen, sie bald ganz vergessen; fast betrachtet man\nsie, als wären sie gar nicht da gewesen. Es hat sich daran\nwieder gezeigt, wie wichtig es für den Musiker ist, seine\nLeistungen an rechter Stelle zu Gehör zu bringen. Wer\nsich nicht in den fashionablen Concertsälen der Stadt hö-\nren lässt, wird über die Achsel angesehen; ein geheimer\nInstinct treibt die Meisten, Kunstleistungen, die bei Kroll\noder in ähnlichen Localen producirt werden, als leichte\nWaare zu betrachten. Und in gewisser Weise hat diese\nAuffassung Recht. Denn für den musicalischen Standpunkt\nder heutigen Zeit ist in der That alles, was in das Gebiet\nder blossen Virtuosität schlägt, leichte Waare; selbst das\nGrosse Publicum verlangt einen gediegenen musicalischen\noder Empfindungs-Gehalt. Desshalb nun hat sich der Ge-\nschmack mehr als jemals dem Classischen zugewandt; dess-\nhalb aber auch tritt eine gewisse Erstarrung und Lähmung\nein, die man wohl auf einige Jahre, aber nicht auf die\nDauer ertragen kann. Viele sehnen sich nach neuer Erfri-\nschung, nach jener Aufregung und Begeisterung, die nur\ndie erste Bekanntschaft mit bedeutenden Kunstwerken ge-\nben kann; und bei jedem neuen Werke, das sie kennen\nlernen, fühlen sie sich enttäuscht, sei es, weil ihnen die\nBeweglichkeit fehlt, das Neue sich zu assimiliren, oder weil\ndie Werke einer Epigonen-Zeit jenes Merkmals der Objec-\ntivität entbehren, von dem allein weite und grosse Erfolge\nabhangen.\nAm meisten zeigt sich dieser Stillstand, dieses Fest-\nhalten an denjenigen Werken, die den Gipfel der Kunst\nbezeichnen, in den Concerten der königlichen und der Lie-\nbig'schen Capelle. Die fünf ersten Sinfonie-Soireen der kö-\nniglichen Capelle sind vorübergegangen, ohne dass irgend\neine früher noch nicht gehörte Sinfonie oder Ouvertüre\nzur Aufführung gekommen wäre eine Suite von Bach\n(aus D) ausgenommen, die für Berlin allerdings neu war.\nSchumann war durch die D-nioll-, Gade durch die C-moll-\nSinfonie vertreten. Dem grösseren Theile des Publicums\nwäre es, glaube ich, angenehmer gewesen, wenn Beide gar\nnicht vertreten gewesen wären. Noch exclusiver ist indess\ndas Publicum der Liebig'schen Concerte; hier sind die wah-\nren Kenner, die ihren Beethoven aus- und inwendig ken-\nnen, oder wenigstens auswendig; denn auf die Kenntniss\ndes Innern verstehen sich freilich immer und überall nur\nWenige. Die Stern'sehen Orchester-Concerte sind in die-\nsem Winter aus Mangel an genügender Theilnahme nicht\nzu Stande gekommen; Herr v. Bülow hat beschlossen, sie\nfortzusetzen, und will in der nächsten Woche damit den\nAnfang machen. Es lässt sich kaum annehmen, dass das\nPublicum anders über die Liszt'schen Bestrebungen urthei-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "34", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580130-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5561, "texte": "len wird, als in früheren Jahren; wie es darüber und\nüberhaupt über die Productionsfähigkeit der neueren Zeit\ngeurtheilt hat, geht aus dem einfachen Factum hervor, dass\nder frühere Unternehmer der diesen Bestrebungen gewid-\nmeten Concerte dieselben aufgegeben hat. Das Publicum\nist durch das, was es in den beiden letzten Jahren hier er-\nlebt hat, dem classischen Geschmacke nur noch treuer ge-\nworden; und je anhaltender es sich mit den Werken der\nMoz art-Beethoven'schen Periode beschäftigt, desto mehr\nmuss es sich wohl dem, was die heutige Zeit hervorbringt,\nentfremdet fühlen; nur von denen, die das wahrhaft Gute\nnicht kennen, ist zu erwarten, dass sie dem minder Guten\noder ganz und gar Verwerflichen ihren Beifall schenken.\nEtwas mehr Leben herrschte in den Aufführungen der\nSing-Akademie und des Dom-Chors und in den der Kam-\nmermusik bestimmten Concerten.\nDie Sing-Akademie brachte im Laufe des Winters\ndas Alexanderfest (zum Besten des lländel-Denkmals, mit\nleider sehr geringem pecuniärem Erfolge), das\nvon Mozart, die Cantate von Bach „Gottes Zeit ist die al-\nlerbeste Zeit\" und das Weihnachts-Oratorium von Seb.\nBach zur Aufführung. Letzteres Werk ist für Berlin und\nüberhaupt für fast ganz Deutschland neu; vor anderthalb\nJahr zum ersten Male in Druck erschienen, ist es erst seit\ndieser Zeit jedem Gesang-Vereine zugänglich. Wer über-\nhaupt Empfänglichkeit für den polyphonen Stil Bach's hat,\nwird auch hier sich auf das höchste befriedigt fühlen.\nDennoch werden die Meisten erstaunen, nicht ganz densel-\nben Bach wiederzufinden, den sie aus der Passion, aus der\nMehrzahl der Cantaten und Motetten kennen; aber darin\ngerade zeigt sich die Universalität seines Genius, dass er\nseine künstlerische Methode in einer dem Sinne der jedes-\nmaligen Aufgabe angemessenen Weise umzugestalten\nwusste. Die Polyphonie ist in dem Weihnachts-Oratorium\nkeineswegs so verwickelt, durch harte Gegensätze sich hin-\ndurcharbeitend, als z. li. in der Matthäus- oder Johannes-\nPassion ; auch der melodische Ausdruck ist nicht so tief-\nsinnig, so von der gewaltigsten Erregung des Gemüthes\nzeugend, aber dafür um so lieblicher und reiner. Es ist\nmerkwürdig, dass sich die erneute Bekanntschaft mit Bach\ngerade an seine schwierigsten Werke, an die Passionen\nund an die grosse Messe, knüpfte; es lag viel näher, mit\ndem Weihnachts-Oratorium anzufangen, dem der eigen-\nthümliche Stempel, den alle Werke Bach's tragen, zwar\nnicht fehlt, aber doch nur zart und mild aufgedrückt ist,\nso dass es recht eigentlich die Brücke zu jenen bildet. Da-\nmit ist aber keineswegs gesagt, dass es an Bedeutung den\nPassionen, der Messe u. s. w. nachstehe; unsere Ansicht\nist vielmehr, dass es diesen Wrerken in seiner Art vollstän-\ndig ebenbürtig ist. Aber die Art ist eben eine verschiedene.\nDie freudige Stimmung des Weihnachtsfestes musste einen\nganz anderen musicalischen Ausdruck finden, als der Ernst\nder Passionszeit. Dort ist der Stoff lyrisch, hier dramatisch:\ndort ist reine, ungetrübte Freude, hier die höhere Selig-\nkeit, die durch Schmerz und Leiden sich hindurchkämpft.\nEinerseits also kam es darauf an, alles Trübe, Verwickelte,\nDramatische, Schmerzvolle zu vermeiden, andererseits aber\nmusste zugleich ein Uebermaass der Naivetät und Fröh-\nlichkeit vermieden werden; es durfte nicht jener gemüth-\nvolle Ton angeschlagen werden, der wohl der häuslichen\nWeihnachtsstimmung entsprechen mag, sondern es han-\ndelte sich darum, die frohe Feststimmung mit dem Ernste\nund der Weihe zu durchdringen, welche der Kirche einzig\nund allein würdig ist. In diesem Sinne konnte unserer An-\nsicht nach, wenigstens vom protestantischen Standpunkte\naus, nur Bach die Aufgabe lösen, und er hat sie in einer\nfür alle Zeiten classischen Weise gelös't. Bei der grossen\nAusdehnung des Werkes—es besteht eigentlich aus sechs\nCantaten, die zwar in sich zusammenhangen, ursprünglich\naber jede für einen besonderen Sonntag bestimmt waren\n—mussten viele Auslassungen Statt finden. Natürlich wur-\nden hauptsächlich die Arien davon getroffen. Es verhält\nsich zwar keineswegs bei Bach so, wie bei Händel, dass\nf\ndie Chöre bedeutender sind, als die Arien; denn Bach's\nfeine, individuelle Natur war für den Ausdruck des Sub-\njectivsten vorzugsweise geeignet, und trotz seiner unerreich-\nten Meisterschaft in der Polyphonie könnte man fast eher\numgekehrt sagen, dass die Arien und Becitative bei Bach\ndas Bedeutendste sind, weil bei der Ausdehnung, die er\nder Polyphonie gab, eine beschränktere Anzahl von Stim-\nmen der Klarheit des Ganzen günstiger ist, weil ferner\nselbst der Bau seiner Melodieen von einer Tiefe der Em-\npfindungzeugt, wie sie nur einzelne, bevorzugte Individuen,\nniemals grosse Massen haben können. Trotz alledem muss-\nten Arien weggelassen werden, weil sie heutzutage noch\nviel weniger gesungen werden können, als die Chöre. Die\nForderungen, die Bach in seinen Arien an den Umfang\nder Stimme, an die Coloraturfertigkeit und an die Modu-\nlationsfähigkeit des Organs für jede Art des Ausdrucks\nstellt, sind ausserordentlich. So sehr hat noch kein Com-\nponist von dem Sänger die Vereinigung der entgegenge-\nsetztesten Eigenschaften verlangt. Die Schwierigkeiten stei-\ngern sich für die Gegenwart oft zur Unüberwindlichkeit\ndadurch, dass der Kammerton um einen ganzen Ton höher\ngeworden ist. Zwar hat die Sing-Akademie die trotz der\nfür das Orchester daraus entstehenden Unbequemlichkeiten\nlöbliche Sitte eingeführt, sämmtliche Werke von Bach einen\nhalben Ton tiefer ausführen zu lassen; aber ein halber\n11 \\W9 i I * f »■> ij» ,| <\nTon ist noch kein ganzer Ton. So liess denn auch die Aus-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "35", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580130-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5552, "texte": "Führung tler Soli viel zu wünschen übrig ; die Chöre wur-\nden indess recht gut gesungen.\nDas erste Concert des Dom-Chors war um so in-\nteressanter, als die zur Aufführung kommenden Stücke\nfrüher hier noch nicht zu Gehör gebracht waren. Bei den\nSchöpfungen der alt-italiänischen Kirchenmusik ist zwar\nkein sehr hervortretender individueller Unterschied zu be-\nmerken, und uns wenigstens macht das aus der\nMarcellus-Messe von Palestrina so ziemlich denselben Ein-\ndruck, wie das Kyrie,den nämlich einer Erhabenheit, die\nsich auf die feinen Unterschiede des Verstandes, auf die\nLaunen des subjectiven Gefühls nicht weiter einlässt, son-\ndern nur das die feste Unwandelbarkeit des Gött-\nlichen und der Kirche aller dieser irdischen Mannigfaltig-\nkeit gegenüber festhält. Dagegen bei den Deutschen und\nden späteren Italiänern sind charakteristische Unterschiede\nnicht zu verkennen. So besitzen wir z. B. zwei Compositio-\nnen des „ Misericordias Domini von\nDurante, von denen die eine schon oft in den Concerten\ndes Dom-Chors zur Aufführung kam, die andere erst in\ndem jetzt zu besprechenden. Beide haben natürlich eine\ngewisse Aehnlichkeit im Ausdruck, wie es bei dem sehr\neinfachen und klaren Sinne der zu Grunde liegenden Worte\nnicht anders sein kann; und dennoch sind sie musicalisch\nsehr bestimmt unterschieden, indem die eine im Verhält-\nniss zur anderen mehr homophon gehalten und ruhiger im\nAusdruck ist. Durante gehört einer Zeit an, in der Kirch-\nliches und Weltliches sich schon zu durchdringen began-\nnen, in der somit auch in der Kirchenmusik das Mannig-\nfaltige und Irdische sein Recht behauptete. Die deutsche\nMusik war durch Melchior Franck, Seb. Bach und\nSethus Calvisius vertreten. Von Melchior Franck (aus\ndem siebenzehnten Jahrhundert) kam eine sehr liebliche\nMotette: „In den Armen dein\", von einem, namentlich für\njene Zeit, überaus weichen Gefühls-Ausdruck zur Auffüh-\nrung. Sie ist, so viel ich weiss, nicht gedruckt; sollte sie\nes werden, so wird sie gewiss allen Gesang-Vereinen eine\nsehr willkommene Bereicherung sein. Von Calvisius (dem-\nselben Calvisius, der gleichzeitig Cantor an der Thomas-\nschule und ein sehr berühmter Gelehrter war; eines der\nwichtigsten chronologischen Werke rührt von ihm her; er\nverschmähte indess mehrere Professuren, weil ihm seine\nmusicalische Thätigkeit, die theils in Musik-Unterricht,\ntheils in Componiren, theils endlich in musicalischer Schrift-\nstellerei bestand, angenehmer war) hörten wir ein (bereits\ngedrucktes) Weihnachtslied, ein ebenfalls sehr ansprechen-\ndes und gefälliges Stück von fast scherzhaftem Ausdruck.\nIch denke mir, dass es nicht für die Kirche, sondern für\ndas Haus bestimmt gewesen ist; es herrscht ganz der ge-\nmüthvolle Ton darin, der dem deutschen Familienleben in\nalter Zeit eigen war. Der Stern'sehe Gesang-Verein\nist in diesem Winter wenig nach aussen hin thätig gewesen.\nDas Genre des Streich-Quartetts ist durch drei ver-\nschiedene Cyklus vertreten. An der Spitze des einen steht\nder Kammermusicus Zimmermann, an der Spitze des\nzweiten der Concertmeister Laub und an der Spitze des\ndritten der Violinist Oertling. Das Zimmermann'sehe\nQuartett war viele Jahre hindurch das einzige in Berlin.\nIch habe mehrmals in meinen Briefen über die geringe\nTheilnahme geklagt, die sich gerade für diesen Zweig der\nMusik hier zeigt. Die Zahl der Abonnenten war so gering,\ndass der Unternehmer nicht selten sich zu persönlichen\nOpfern entschliessen musste. Er selbst ist ein solider Spie-\nler, ohne Genialität, aber von einer correcten Technik und\nmit der gewisser Maassen philologischen Treue begabt,\nwelche die Ideen des Componisten, soweit er sie ausspre-\nchen konnte, vollständig wiederzugeben sucht. In Betreff\nder Richtigkeit der Ausführung fehlte daher selten etwas;\ndoch ist die richtige Ausführung noch nicht die wahre und\nvolle Verwirklichung des geistigen Gehaltes. Die Noten\nselbst und alle dynamischen und Tempo-Zeichen sind doch\nnichts weiter, als die Kennzeichen, in welcher Richtung\nsich der geistige Gehalt zu verwirklichen und zu versinn-\nlichen hat. Der vollendete ausübende Künstler muss die-\nsen Kennzeichen als den Spuren folgen, dann aber das\nWerk frei aus sich entstehen lassen mit allen den unend-\nlich vielen Schattirungen, die sich nicht mehr durch die\nausdrückliche Angabe „So soll es sein\" fixiren lassen, die\naber doch nicht fehlen dürfen, wenn die äussere Erschei-\nnung die Eigenschaften des weich Uebergehenden, des\nFliessenden, des frei Entsprungenen haben soll. Es ist dies\nein Ideal, das freilich fast nie erreicht wird. Denn diejeni-\ngen, die frei vortragen, erkaufen sich diese Freiheit mei-\nstens durch Abweichungen von dem, was der Componist\nausdrücklich gewollt hat. Sich seiner Phantasie zu über-\nlassen, ist nicht schwer; aber sich in Fesseln und Schran-\nken frei zu bewegen, dies ist die Aufgabe. Je länger sich\ndas Laub'sche Quartett, zu dem ausser dem Unterneh-\nmer die Herren Würst, Radecke und Bruns gehören,\nbefestigt haben wird, desto mehr wird es, wie wir hoffen,\ndieser idealen Aufgabe genügen. In den zwei Quartett-\nSoireen, die bis jetzt Statt gefunden haben, hörten wir\nausser älteren Werken das il-mo/Z-Quartett von Schumann\nund ein Quartett von Würst (A-dur). Letzteres ist, wie\nalle Arbeiten dieses talentbegabten und kunstgeübten Com-\nponisten, gewandt, llicssend, unterhaltend und frei von je-\nder Geschraubtheit und Künstelei. Hervorragende Origi-\nnalität der Erfindung, fortreissende Tiefe des Ausdrucks\nsind allerdings nicht die Eigenschaften, durch die er sich\nauszeichnet. Wer besitzt aber überhaupt heute dieselben?"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580130-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5580, "texte": "Und muss uns da nicht gesunder Menschenverstand und\nwirkliches Können lieber sein, als die genial sein sollende\nUngereimtheit, die uns heute mit frecher Stirn als das\nIdeal der Zukunft proclamirt wird, und die in den günstig-\nsten Fällen in einem unerträglich schwülstigen Ausdruck\nbesteht, oft aber auch nur ein Aggregat der geradezu un-\nsinnigsten Voraussetzungen ist? Bei der Entwicklung,\nwelche die Musik jetzt nimmt, ist in der That das Nächste\nund Wichtigste, correct und klar zu schreiben; es kommt\nfür den Augenblick mehr darauf an, das Gute zu conser-\nviren, als grosse, bahnbrechende Fortschritte zu machen,\nderen Möglichkeit überhaupt problematisch ist. Das hier\nwenig bekannte Schumann'sche Quartett (.A-moll) machte\neinen sehr tiefen Eindruck. Zwar herrscht eine etwas\nkränkliche, unkräftige Melancholie darin, ausgenommen in\ndem letzten Satze, der allerdings etwas Frisches, Beleben-\ndes hat: aber es ist doch warme und wirkliche Empfindung\nund ein durchaus künstlerischer Ernst. Die Oertling'-\nschen Quartette, deren Zweck allein darin besteht, durch\neinen niedrigen Eintrittspreis diese Gattung von Musik all-\ngemeiner zugänglich zu machen, haben in diesem Winter\nhinsichts der Tüchtigkeit der Ausführung sich fast verhes-\nsert, in der Gunst des Publicums aber Rückschritte ge-\nmacht. Es scheint doch, als wenn nur sehr Wenige zum\nVerständnisse und Genuss eines Streich-Quartetts zu ge-\nlangen im Stande seien. Die Herren v. Bülow, Laub\nund Wohlers, ferner die Herren Löschhorn und Ge-\nbrüder Stahlknecht geben Trio-Soireen; die letzteren\nsind vorzugsweise älterer, die ersteren, obschon nicht aus-\nschliesslich, der modernen Musik gewidmet. Im Ganzen\nwerden jene durch den Inhalt, diese durch den Glanz der\nAusführung den Vorzug verdienen; doch ist der Gegen-\nsatz kein sehr scharf ausgesprochener. Die Herren Ba-\ndecke und Grünwald haben zwei Concerte ihres Cvklus\nbereits hinter sich. Herr lla decke hat sich in denselben\nein anerkennungswerthes Verdienst durch den Vortrag von\nweniger bekannten und schwierigen Beethoven'schen und\nSchubert'schen Compositionen erworben. Ein Duo für Cia-\nvier und Violine, das einen jüngeren Bruder von ihm zum\nComponisten hat, war in der Form recht geschickt, im\nInhalt aber noch von zu geringer Selbstständigkeit.\nAn der königlichen Oper gastirten vier Mitglieder der\nLumley'schen Gesellschaft an zwei Abenden: SignoraPic-\nco'omini und die Herren Giuglini, llossi und Al-\ndi ghi er i. Der Letztgenannte ist mehr als unbedeutend,\nSignor Bossi ist ein schon aus früheren Jahren, da er lange\nZeit Mitglied der italiänisehen Oper an der Königsstadt\nwar, uns wohl bekannter, trefflicher Buffo. Die Sängerin\nund der Tenor gehören aber unstreitig zu den grössten\nGesanges-Celebritäten der jetzigen Zeit. Ueber Signora\nPiccolomini ist so viel geschrieben worden, dass dem Re-\nferenten nur noch übrig bleibt, den persönlichen Eindruck,\nden sie auf ihn gemacht, auszusprechen. Man kann ihren\nGegnern, deren es viele gibt, zugestehen, dass sie nur eine\nkleine Stimme hat, die überdies nicht einmal vollkommen\nausgebildet ist. So sauber ihre Coloratur in der Regel ist,\ndamit ist der Technik noch nicht Genüge geschehen. Die\nTonbildung beruht zu einseitig auf dem Princip, das man\nnicht ungeschickt als das des Tonfassens im Gegensatz\nzum Ton hauchen bezeichnet hat., Dadurch leidet nicht\nnur der Wohlklang, sondern auch die Intonation. Ferner\nsingt sie mit zu dramatischem Ausdruck, um nicht hin und\nwieder die Gränzen des rein musicalisch Verständlichen\nund Befriedigenden zu überschreiten. Aber mit diesen\nMängeln hangen auch ihre Vorzüge zusammen. Ihr Spiel\nnicht bloss, sondern auch ihre musicalische Auffassung,\nwie sie sich namentlich in der geschickten Wahl der Ton-\nfarben ausspricht, verrathen einen inneren künstlerischen\nBeruf. Sie hat eine Feinheit des Verständnisses, eine Ener-\ngie des Gefühls, die uns bedauern lässt, dass diese starke\nSeele nicht über einen kräftigeren Körper zu gebieten\nvermag. Ich glaube, Sign. Piccolomini würde eine grosse\ndramatische Sängerin sein, wenn ihr die Natur eine grös-\nsere Stimme gegeben hätte. Manche Accente, die jetzt zu\nstark und gewaltsam erscheinen, sind es nur darum, weil\nihr Organ dieselben nicht verträgt. Zu dieser eben so feu-\nrigen als einsichtsvollen Auffassung kommt nun noch jene\nvornehme Haltung hinzu, die an die Abkunft aus einer\naristokratischen Familie erinnert, und die Fähigkeit, auch\nin Momenten hoher Leidenschaft noch den Hauch liebli-\ncher Weiblichkeit zu bewahren. Namentlich waren die\nScenen, die Signora Piccolomini aus der Traviata gab,\nreich an wahrhafter Poesie. Signor Giuglini ist als dra-\nmatischer Sänger viel unbedeutender. Bei ihm herrscht\nnicht der Geist über den Körper, sondern seine Phantasie\nschwelgt in dem Tone als solchem, und ist beruhigt in je-\nnen sanften Gefühlen, die nicht als eine fremde Macht er-\nschütternd, mitunter zerstörend, in das Tonleben eingreifen,\nsondern es anmuthig in gefälligen Fluss bringen. Signor\nGiuglini besitzt die schönste Tenorstimme, die ich jemals\ngehört habe, eine so leicht ansprechende Höhe, wie man\nsie heutzutage nur noch in den Traditionen über das, was\nfrühere Zeiten geleistet haben, wiederfindet, eine ausser-\nordentlich reine Intonation, edle Aussprache, fehlerfreie\nTonbildung und, wie gesagt, eine warme, innige Auffas-\nsung, so lange es sich nur darum handelt, Empfindungen,\nnicht Leidenschaften, auszudrücken. Der Zauber seines\nGesanges beruht in der Ausbildung der Kopfstimme, jenes\nfast verschwundenen Stimmregisters, das durchaus nicht\nmit dem Falset zu verwechseln ist; es ist. vielmehr nur"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "37", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580130-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5583, "texte": "eine Modifikation der Bruststimme und beruht vorzugsweise\nauf maassvollem Gebrauche des Athems, sanftem Ansatz\nund etwas dunkler Führung des Tonstrahls. Dadurch ent-\nsteht ein weicher Klang, der aber immer noch Fülle hat,\neine bedeutende Erweiternng der Höhe, eine ungewöhn-\nliche Gleichmüssigkeit des Klanges da sich diese Art\nvon Stimme über einen sehr grossen Umfang ausdehnen\nlässt—und, wo es nöthig ist, ein fast unmerklicher Ueber-\ngang in das Falset. Das Wesentliche, um diesen Klang,\nwelcher der echte Tenorklang ist, zu erhalten, besteht\ndarin, dass man auf alle eigentlichen Kraft-Productionen\nVerzicht leiste oder sie wenigstens auf ein sehr kleines\nMaass beschränke. Das berliner Publicum war über diese\nStimme und diesen Gesang vor Entzücken ausser sich.\nDie neue Oper von Taubert, „Macbeth\", ist be-\nreits etwa zehn Mal gegeben worden, hat also jedenfalls\neinen Erfolg davongetragen. Für den Werth der Oper\nfolgt daraus freilich nichts; indess muss es doch den miss-\nliebigen Berichten gegenüber, die in die Welt gehen, con-\nstatirt werden. Ob der Stoff der Oper musicalisch sei,\nschon dieser Punkt regt zu den vielseitigsten Betrachtungen\nan. Unserer Ansicht nach ist er es, wenn auch nicht in\ndem Grade, wie etwa der Stoff des Don Juan und des\nFidelio, so doch eben so sehr, als mancher andere Stoff,\nan den sich die Musik gewagt hat. Unzweifelhaft wird eine\nOper daraus entstehen, die des Anmuthigen und Weichen\nwenig hat; aber die Musik hat auch Töne für das Gewal-\ntige, Leidenschaftliche und wild Zerrissene; so wreit das\nReich der Empfindung, so weit ist auch das Reich der\nMusik. Nun lässt sich, wie mir scheint, die eigentliche\nHandlung des Macbeth vorwiegend auf die Herrschaft der\nLeidenschaften zurückführen und in einer Sprache darstel-\nlen, die eben eine reine Sprache des Gefühls und darum\nmusicalisch ist. Alle jene gewaltigen Bilder, jene scharfen\nBetrachtungen des Verstandes freilich, in denen Shake-\nspeare seine Personen reden lässt, sind der Musik ungün-\nstig; aber sie gehören nur der poetischen Ausführung\nan und sind für die Sache selbst nicht wesentlich. Vom\nidealen Standpunkte aus hätten wir nun freilich gewünscht,\ndass der Bearbeiter des Textes die Worte noch musicaii-\nscher gewählt und auch überhaupt in der Anordnung der\nScenen, in der Zeichnung der Charaktere mehr Rücksicht\ndarauf genommen hätte, dass der poetische Gehalt sich in\nmusicalischen Formen krvstallisiren soll. Er ist in manchen\n«J\nBeziehungen von Shakespeare so abgewichen, dass er da-\nbei eine wesentliche, innere Bedingung des Drama's ver-\nletzte, indem er z. B. die Lady Macbeth nach ihrer Erschei-\nnung als Nachtwandlerin noch einmal auftreten und sich\nvom Felsen herabstürzen lässt, während er in dem Aeus-\nserlichen, in demjenigen, was unbeschadet des inneren Or-\nganismus so oder anders sein kann, zu ängstlich seinen\nSpuren folgte. Vom praktischen Standpunkte aus, d. h.\nwenn wir berücksichtigen, dass diese ideale Construction\neines musicalischen Operntextes vielleicht noch niemals\nwirklich da gewesen ist, dass ferner die deutschen Com-\nponisten ohnedies schon längst gewohnt sind, eine Masse\ntiefsinniger Worte sich musicalisch zurecht zu legen, dass\nes endlich ja auch nicht darauf ankam, ein für alle Zeiten\nmustergültiges Werk zu schreiben, vom praktischen\nStandpunkte aus ist der Text recht geschickt gemacht.\nWas nun den Componisten betrifft, so trat ihm sofort das\nVorurtheil entgegen, dass er als ein sehr gewandter Künst-\nler im Genre des Anmuthigen, Lieblichen bekannt ist, nie-\nmals aber ein entschiedenes Talent für das Grossartige,\nTragische verrathen hat. Zwei äussere Umstände mochten\nihn wohl dazu veranlassen, einen Versuch mit einem Stoffe\ndieser Art zu machen. Er hatte vor wenigen Jahren eine\nOper im leichten Stil, eine Art Dorf-Idylle, „Joggeli\",\ngeschrieben, ein Werk von einfacher Handlung, ohne alle\nLeidenschaften und Erschütterungen, ohne allen äusseren\nPrunk der Scene, an den sich das heutige Publicum mehr\nals billig gewöhnt hat. Der „Joggeli\" war reich an Melo-\ndieen; die Personen und Situationen hatten charakteristi-\nschen Ausdruck, der in vielen Fällen durchaus neu war;\ndie Ensembles und die Instrumentation zeigten durchweg\ndie geschickte Technik des an classischer Kunst herange-\nbildeten Musikers. Kurz, die Oper war vom musicalischen\nStandpunkte aus so befriedigend, wie kaum ein anderes\ndiesem leichten Stil angehöriges Werk aus neuerer Zeit.\nDennoch fiel sie durch—theilweise aus inneren Gründen,\nweil in der That die dramatische Spannung für ein Werk\nvon diesem Umfange zu gering war, weil man auf lange\nZeit das bloss Anmuthige, Zierliche nicht verträgt, theil-\nweise aus äusseren, weil das Publicum durch rohe Kraft-\nund Glanz-Effecte zu sehr verwöhnt ist, um noch einen\nhinreichend empfänglichen Sinn für die Vorzüge einer fei-\nnen Empfindung und Textur zu haben. Theils dieser Um-\nstand, theils der Wunsch, eine dankbare Rolle für Johanna\nWagner zu schreiben, haben ihn nun wohl auf die Idee\ndes Macbeth geführt. Taubert hat darin noch nicht das\nBeste geleistet, was er unserer Ansicht nach als Opern-\nComponist zu leisten vermag. Er hat bis jetzt die beiden\näussersten Extreme berührt. Erst dann, wenn es ihm ge-\nlingt, einen Stoff zu finden, der in der Mitte dieser Ex-\ntreme liegt, wird er seine ganze Kraft entfalten können,\nund dieselbe ist nicht unbedeutend, da er nieht bloss ein\nguter Harmoniker und ein trefflicher Kenner der instru-\nmentalen Wirkungen ist, sondern auch die in Deutschland\nnicht allzu häufige Tugend einer klaren, melodisch flies-\nsenden Schreibart besitzt. Dass er im Macbeth noch immer"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "38", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580130-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3479, "texte": "nicht den ihm angemessenen Stoff gefunden hat, geht theils\ndaraus hervor, dass er die gewaltige Leidenschaft der Cha-\nraktere und Situationen nicht genügend auszudrücken ver-\nmochte, theils daraus, dass er, um Raum für das ihm Zu-\ngängliche, für das Lyrische zu finden, eine Anzahl von\nEpisoden in den Text verweben inusste, die zwar allen-\nfalls zu rechtfertigen sind, aber doch immer als eine äus-\nserliche Zuthat erscheinen. Auch gelang es ihm nicht, die\nentscheidenden Momente der Handlung, wie z. B. die Mord-\nscene, die Erscheinung von Banquo s Geist, die Scene in\nder Hexenküche zu musicalischen Formen zu krystallisiren\n(wie dies zu erreichen, dafür ist die Introduction aus dem\nDen Juan das glänzendste Beispiel), sondern wo feste For-\nmen sind und es sind deren viele sind sie in der Re-\ngel aus Episoden hervorgegangen. Das heisst aber nicht\ndas Problem lösen, sondern es umgehen; denn die Hand-\nlung selbst soll in Musik übergehen. Der gelungenste Cha-\nrakter ist die Lady, sie, die noch herzloser und unmensch-\nlicher als Macbeth selbst, und darum der Musik noch viel\nmehr zu widerstreben scheint. Besonders ist die Schlaf-\nund Traum-Scene ein tief ergreifendes dramatisches Ge-\nmälde. Von höchster poetischer Schönheit ist namentlich\ndie Auffassung der Worte: „Alle Wohlgerüche Arabiens\nversüssen diese kleine Hand nicht mehr.\" Gegen den eben\nso furchtbaren als rührenden Schmerz der königlichen\nVerbrecherin bildet die schlichte Einfachheit, die in der\nmusicalischen Behandlung des Arztes und der Kammerfrau\nliegt, einen höchst wirkungsvollen Gegensatz. Eine Scene,\nwie diese, ist lange nicht geschrieben worden. Für sehr\nwenig gelungen halte ich den Charakter des Macbeth selbst.\nDie Hexen sind nicht grauenvoll genug; was die anderen\nPersonen betrifft, so hat sich in ihnen wohl häufig genug\ndas musicalische Talent von Taubert glücklich entfaltet,\naber nicht das dramatische. Eine der schönsten Nummern\nder Oper ist das Ballet, ein wahrhaft reizendes Musikstück\nvon dem feinsten Geschmack. Dass bei so vielen guten\nEigenschaften dem Werke der Erfolg, den es gehabt, zu\ngönnen, ein noch weiterer zu wünschen ist, versteht sich\nwohl von selbst. Werke, die idealen Ansprüchen genügen,\nsind für alle Zeiten; und daraus, dass sich noch Vieles\nhätte anders und besser machen lassen, folgt nicht, dass es\nganz hätte unterbleiben sollen» Wie ungerecht die Kritik\noft ist, hat sich gerade beim Macbeth recht deutlich ge-\nzeigt. Dieselben Kritiker, die vor vier Jahren durch ihren\nheftigen Tadel wesentlich dazu beitrugen, den Joggeli beim\nPublicum in Verruf zu bringen, sagen jetzt, einen Joggeli\nhätte Taubert wohl schreiben können, das sei sein Feld,\naber von Stoffen dieser Art solle er seine Hand lassen. Ich\nsage nicht, dass dies Böswilligkeit ist; man kann es milder\nerklären dadurch, dass man nicht streng unterscheidet, ob\netwas trotz seiner Unvollkommenheiten eine gewisse Le-\nbensfähigkeit hat. Aber gerade darum muss sich eine ge-\nwissenhafte Kritik bemühen, sonst greift sie vernichtend in\ndas positive Gedeihen der Kunst ein, anstatt zu fördern\nund zu beleben. Johanna Wagner leistet als Ladv\nMacbeth das Ergreifendste, was wir auf dramatischem Ge-\nbiete je von ihr gesehen haben. Trotz der immer fühlba-\nrer werdenden Schwächen ihres Organs weiss sie doch\nnoch siegreich sich zu behaupten, weil sie eine Sängerin\nist, deren Schöpfungen nicht bloss aus musicalischer Be-\nrechnung, sondern aus dem Verständnisse des menschli-\nchen Herzens hervorgehen.\n\nG. E."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-01-30-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-01-30_01#c003", "volume": "bmtnabi_1858-01-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "38", "page_fin": "39", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580130-01.2.3", "titre_corps": "Beurtheilungen.", "titre_sommaire": "Beurtheilungen.", "signature_source": "V. D", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "38", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580130-01.1.6", "debut_caractere": 3481, "fin_caractere_exclue": 5094, "texte": "Beurtheilungen.\nFür Orgel.\n\nC. G. Höpner, Op. 19, Vier variirte Choräle zu vier\nHänden. Erfurt, G. W. Körner. Preis 15 Sgr.\nDie vierhändige Orgel-Literatur ist noch sehr wenig\nberücksichtigt worden, und dennoch ist das vierhändige\nSpiel und das vierfüssige (sans comparaison/) sehr geeig-\nnet, die Macht des Instrumentes in grösster Fülle zu Gehör\nzu bringen. Desto willkommener heissen wir jede Gabe\nauf diesem Gebiete. Die Arbeit in dem vorliegenden Werke\nist sehr gediegen und effectvoll, die Ausstattung sauber\nund der Preis billig, so dass wir es mit grossem Verguü-\ngen bestens empfehlen.\nF. W. Mar kull, Op. 62, Sechs Nachspiele. Erfurt,\nG. W. Körner. Preis 20 Sgr.\nDiese Compositionen sind alle feierlichen Inhalts, die\nErfindung frisch, die Arbeit tüchtig, die Wirkung eine\nsehr schöne. Die Ausführung erfordert gerade keinen Vir-\ntuosen. Dass man von einem Componisten, der auch Opern\nund elegante Salonsachen geschrieben hat, keinen so ge-\nnannten Orgelzopf zu erwarten hat, versteht sich von selbst.\nGustav Merkel, Op. 5, Fantasia et Fuga ä 5 Voei,\nseinem Lehrer Johann Schneider, königlich\nsächsischem Hof-Organisten, gewidmet. Erlurt,\nKörner. Preis 15 Sgr.\nSchon früher lobten wir die soliden und schwunghaf-\nten Compositionen dieses Tonkünstlers. Auch dieses Werk\nzeugt von guten Studien im Contrapunkt, vorzüglich in\nder Messenden fünfstimmigen Fuga, und von frischer Er-\nfindung. Geübtere Orgelspieler werden sich dieses Werk\ngewiss mit Vergnügen zu eigen machen.\nGustav Merkel, Op. 12, Zwei ausgeführte Choräle\nund Fuge mit Choral. Herrn J. A. van Eyken\nzugeeignet. Erfurt, Körner. Preis 10 Sgr,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "39", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580130-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2257, "texte": "Auch dieses Werk gehört zu den besten der neueren\nOrgel-Literatur. Sehr gelungen ist die Fuge über den Cho-\nral „Nun sich der Tag geendet hat\".\nKarl Seeger, Der praktische Organist, ein periodisch\nerscheinendes Hand- und Musterbuch, unter Mit-\nwirkung der Herren J. Andre, Bodenschatz,\nDr. Brauer, Dr. J. Faist, G. Flügel, F.\nlvühmstedt, F. J. Runkel, S. Müller, Dr.\nVolk mann, P. Walter u. A. Erste Lieferung.\nPreis 36 Kr. Odenbach a. M., bei J. Andre.\nDieses Heft enthält ausser einem Paar grösserer Vor-\nspiele von Volkmann und S. Müller fünfzehn kleine\nChoral-Vorspiele der verschiedenen Mitarbeiter, welche\nalle sehr fliessend, gefällig und gut orgelmässig sind. Ob\ndieses Unternehmen keinen ferneren Fortgang gehabt hat,\nkönnen wir nicht angeben, da uns keine weiteren Sendun-\ngen zugekommen sind. Ausserdem sollte jeder Lieferung\nein Literaturblatt beigefügt werden. In beiliegender (vom\nJuli 1854) findet man eine ganz kostbare Polemik des\nHerrn G. J. Körner gegen dieses Unternehmen.\nC. Albert Ludwig, Grosse Phantasie, dem General-\nSuperintendenten Dr. Peters hochachtungsvoll\nzugeeignet. Gotha, H. Wattenbach.\nEine Phantasie, in der ein Bisschen mehr Phantasie,\nwir meinen Erfindung, nicht schaden könnte, und zugleich\neine grössere Mässigung in der Phantasie, d. h. eine cor-\nrectere Form, sehr nützlich wäre. Dies klingt paradox und\nist es doch nicht. Finden wir bei manchen Orgel-Compo-\nnisten mehr Form und Studium, als frisches Leben, so\nzeiet sich hier eine zwar noch unklare, aber doch musi-\no\ncalische Quelle. Vor allen Dingen rathen wir dem Verfas-\nser, mehr Werth auf die Erfindung zu legen, nicht gleich\nalles, was ihm in den Kopf kommt, aufs Papier zu werfen,\nund schliesslich weniger clavierartig zu schreiben.\nJoh. Ludw. Krebs, Gesammt-Ausgabe der Ton-\nstücke für die Orgel, herausgegeben von Karl\nGeissler. o. Abtheilung. Heft 3. Preis 10 Sgr.\nMagdeburg, II e i n ri c h s h o fen.\nNachdem der wackere und beste Schüler Bacli's bei-\nnahe vergessen war, fangen jetzt auf einmal zwei Musik-\nVerleger, Heinrichshofen und Körner, an, sich um seinen\nmusicalischen Nachlass zu bekümmern, natürlich zum gros-\nsen Nutzen des Publicurns, das nun Gelegenheit hat, beide\nAusgaben zu vergleichen. Die vorliegende ist correct und\nbillig.\n\nV. D."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-01-30-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-01-30_01#c004", "volume": "bmtnabi_1858-01-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "39", "page_fin": "39", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580130-01.2.4", "titre_corps": "Fünftes Gesellschafts-Concert in Köln im Hauptsaale des Gürzenich.", "titre_sommaire": "Fünftes Gesellschafts-Concert in Köln im Hauptsaale des Gürzenich.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "39", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580130-01.1.7", "debut_caractere": 2259, "fin_caractere_exclue": 5154, "texte": "Fünftes Gesellschafts-Concert in Köln\nim Hauptsaale des Gürzenich.\nDen 26. Januar 1858.\nProgramm: I. 1) Sinfonie in B-dur von Ed. Franck (Manu-\ncript), zum ersten Male; 2) Sopran-Arie ~Auf starkem Fittich\" aus\nHaydn1 s „Schöpfung\", gesungen von Frau Sophie Förster;\n3) Concert für die Violine von Viotti, gespielt von J. Joachim.\n11. 4) Ouvertüre zum Wasserträger von Cherubini; 5) Cavatine\naus Lucrezia Borgia von Donizetti, gesungen von Frau S. För-\nster; 6) Gesangscene für die Violine von L. Spohr, gespielt von\nJ. Joachim; 7) Der 114. Psalm für achtstimmigen Chor und Or-\nchester von F. Mendelssohn-Bar tholdy.\nDie neue Sinfonie von Ed. Franck ist ein ehrenwertlies Werk,\nüberall klar und fliessend; an melodischem Reiz, wie an geistvollem\nSchwung steht sie jedoch der ersten Sinfonie des Componisten nach.\nDas Publicum nahm besonders die zwei letzten Sätze mit achtungs-\nvollem Beifalle auf.\nFrau Sophie Förster von Dresden bewährte in beiden lor-\nträgen den Ruf einer vorzüglichen, künstlerisch durchgebildeten Sän-\ngerin, dessen sie seit einigen Jahren in Deutschland geniesst. Ihre\nIntonation ist rein, der Tonansatz gut, die Behandlung des Athems\nvortrefflich, die Coloratur glatt, besonders im mezza voce, der Triller\ncorrect und glänzend. Das sind Eigenschaften, vor denen man um\nso mehr Achtung haben muss, als sie auf einem ernsten und langen\nStudium beruhen, welches leider immer seltener wird. Der V ortrag\ndürfte indess an Ausdruck und Innigkeit gewinnen, wenn die Künst-\nlerin zuweilen die Empfindung, die im ganzen Musikstücke vor-\nherrscht, mehr berücksichtigte, als einzelne Stellen und \"YY orte. Sie\närntete lebhaften Beifall und wurde nach der zweiten Arie gerufen.\nHerr Concertmeister Joachim war ein gefährlicher Nebenbuhler\nfür die Sängerin. Sein mächtiger Ton und der geniale Schwung, den\ner diesem Tone in jeder Art des Ausdrucks, besonders aber überall,\nwo der Charakter der Composition grossartig, pathetisch, erhaben\nist, zu geben weiss, haben in der That nicht bloss etwas Hinreis-\nsendes, sondern etwas Ueberwältigendes. Jeder Strich ist edel, kei-\nner buhlt um Beifall, das ganze Spiel lässt den Zuhörer den Künst-\nler vergessen und nur das Kunstwerk hören, so wie er selbst dabei\nan sich und seine Person nicht denkt, sondern nur an den, dessen\nGeist in seinen Werken er jedesmal zur Erscheinung bringen will.\nDas ist ein charakteristisches Zeichen an diesem grossen deutschen\nKünstler, dass sein Spiel, wenn man so sagen darf, stolz ist, aber\nniemals eitel. So dürfte er denn auch wohl der Einzige sein, der die\ngediegenen Violin-Compositionen aller Perioden, von J. S. Bach bis\nauf Mendelssohn auf gleich meisterhafte Weise spielt.\nMendelssohn's 114. Psalm machte am Schlüsse des Concertes\neine um so grössere Wirkung, als der reich besetzte Chor damit end-\nlich seinen mächtigen Klang entfaltete. Die Ausführung des präch-\ntigen Gesangstüekes war recht gut."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-01-30-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-01-30_01#c005", "volume": "bmtnabi_1858-01-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "39", "page_fin": "40", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580130-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "F. W. Brauer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "39", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580130-01.1.7", "debut_caractere": 5156, "fin_caractere_exclue": 5880, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\n\nI&öliift« Sonntag den 24. d. Mts. gab der Männergesang-\nVerein sein zweites Winter-Concert im Casinosaale. Das Programm\nenthielt eine recht hübsche, an Abwechslung reiche Auswahl von\nGesängen. Die Ausführung war so vorzüglich, wie wir sie lange\nnicht gehört haben; man musste mit Freuden bekennen, dass es\neinem dabei so zu Muthe war, als stände der Verein erst jetzt auf\ndem Höhenpunkte man vergass fast die bisherigen trefflichen Lei-\nstungen über die letzte. Den Vortrag von C. M. v. Weber's Schlum-\nmerlied, von F. Otto s Klage („Weit über das Thal\"], und in ande-\nrer Gattung von Girschner's „Hüte dich\" möchte man wohl nir-\ngends in Deutschland so vollendet gelungen hören können. Herr"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "40", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580130-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5759, "texte": "M. DuMont-Fier glänzte in den Solo-Vorträgen von C. M. v.\nWeber's Freiheitslied („Ein Kind ist uns geboren\") und in einer Com-\nposition von Girschner : „Ihr Auge\" für Bariton und Chor, die\nuns neu war, hübsch melodisch fliesst, aber nicht eben tief aufregt.\nDer Ausdruck, den Herr DuMont hineinlegte, brachte sie zur Gel-\ntung, und der vortreffliche Sänger ärntete damit enthusiastischm\nBeifall. Herr Musik-Director Jul. Tausch aus Düsseldorf trug\nzwischen den Gesängen im ersten Theile die /J-mo//-Sonate, Op 31,\nvon Beethoven, im /weiten eine Phantasie eigener Composition und\ndie Polonaise in As-dur von F. Chopin vor Das Clavierspiel des\nHerrn Tausch ist correct und in der Technik höchst lobens werth;\ner fand den lebhaftesten Beifall und wurde gerufen.\nDer Musik-Verein zu Paderborn brachte in seinem Concerte\nam 22. Januar zwei Ccmpositionen von Max Bruch in Köln zu\nGehör: ~Juhilate, amen\" und „Die Birken und die Erlen\", Gedicht\naus den Waldliedern von G. Pfarrius, für Sopran-Solo, Chor und\nOrchester.\nAus Regensburg, Ende December 1857. Oft hört man die\nMeinung aussprechen, es vertrage sich selten in einem künstlerischen\nGemüthe die profane und die religiöse Richtung. Dass aber beide\nZweige der Kunst, die in ihren verschiedensten Manifestationen im\nGrunde, wie die Wahrheit nur Eine ist, zur schönsten Harmonie\nsich einigen können, beweisen so viele Meister, die neben ihren herr-\nlichen kirchlichen Tonwerken nicht minder grossartige weltliche\nCompositionen schufen. Wie sich auch in der Person des Künstlers\nBeides concentrirt, zeigt der Chorregent J o h. Georg Mettenlei-\nter und die von ihm geleitete Production der vier Jahreszeiten Der\nbekannte Dr. Proske sagt im Appendix der Musica divina: „In\nseinem vieljährigen Wirken als Chor-Dirigent lieferte er durch zahl-\nreiche Productionen der grossartigsten Werke den Beweis, dass er\nnicht minder mit dem Geiste der neueren Kunst vollkommen ver-\ntraut, wie in die Tiefen der älteren Musik eingeweiht ist, sich je-\ndoch die schwierige Aufgabe gestellt hat, den Ueberlieferungen des\nkirchlichen Figural- und Choral-Gesanges vorzugsweise seine Geistes-\nkräfte und jene andauernde Hingebung zu widmen, welche nur in\nder Begeisterung für eine heilige Sache wurzeln kann.\" Mettenleiter,\nergriffen von dem tiefen kindlich frommen und offen munteren Geiste,\nder Haydn's vier Jahreszeiten durchweht, hat dieses Tonwerk, das\nnie vollständig in Regensburg zur Aufführung kam, sondern immer\nnur in Auszügen gegeben wurde, dem regensburger Publicum vorge-\nführt. Die Solo Partieen waren von Frau von Denzinger (Hann-\nchen), Herrn Bezirks-Gerichts-Assessor Gottfried (Lucas) und Herrn\nBariton der hiesigen Oper Lettinger (Simon) mit meisterhafter\nAuffassung vorgetragen. Frau von Denzinger, die bei allen Concerten\nund Oratorien, die Herr Mettenleiter gab, stets mit grösster Bereit-\nwilligkeit durch ihre klangvolle, rsiche Stimme unterstützte, hatte\nauch diesmal wieder, als seine frühere Schülerin, ein öffentliches,\nehrenvolles Zeugniss ihrem Lehrer gegeben Die Chöre zeigten eine\nwahre Begeisterung, eine äusserst gediegene Schule und eine tüch-\ntige, kraftvolle Einheit. Die Herren der einzelnen Semi-\nnarien, deren Zöglinge theils im 'Orchester, theils im Chor mitwirk-\nten, mochten hierbei am besten Gelegenheit haben, die schönen Stim-\nmen und die gesegneten Früchte ihres Wirkens zu bewundern. Der\nLiederkranz und der Gesang-Verein, lauter kräftige, klangreiche Män-\nnerstimmen, die sich stets so bereitwillig um Mettenleiter's Dirigen-\ntenstab scharen, hoben die Lebenskräftigkeit und die gefühlte deut-\nsche Sangweise besonders hervor und bewährten den seit Jahren\nfeststehenden Ruf dieser blühenden Vereine. Wenn wir zum Schlüsse\ndes Orchesters erwähnen, so geschieht dieses nur in höchst gerech-\nter, anerkennender Weise. Schatten und Licht, die einzelnen Teints\ndes in Musik gesetzten Naturbildes in allen Scalen hindurch, waren\ngefühlt und gelungen. Noch klingen die herrlichen Töne, schon\nüber fünfzig Jahre alt und doch mit jedem neuen Frühling neu\nbelebt.\nIn dem VII. Abonnements-Concerte am 26. d. Mts,\nwurde Spohr1 s Weihe der Töne und die Ouvertüren zur Elisa von\nCherubini und zu Fidelio von Beethoven gemacht. Eine recht\nwackere Violinistin, Fräulein Euphro syn e Bordi aus Mailand,\nspielte mit grossem Beifall ein Caprice von Vieuxtemps und das\nSouvenir de Bellini von Artot. Fräulein Cath. Deutz aus Köln\nsang Mendelssohn's Concert-Arie, die Arie in B-dur aus der Schö-\npfung, ein Lied von Nicolai und das Gondellied von Mendelssohn.\nSie hatte einen ganz ausserordentlichen Erfolg und wurde von der\nConcert-Direction sogleich für eines der folgenden Concerte engagirt.\nFräulein Auguste Geb ler aus Köln hatte vor wenigen Tagen\nihr gut besuchtes Benefiz im Theater, worin sie, wie immer, als\ntreffliche Coloratursängerin glänzte.\nBerichtigung.\nIn Nr. 50 der Niederrheinischen Musik-Zeitung (vom vor. Jahre),\nArtikel „C. M. v. Weber in England\", heisst es am Schlüsse: „Zehn\nJahre nach seinem Tode wurde seine Asche nach Deutschland ge-\nschafft und in der katholischen Kirche zu Dresden beigesetzt.\"\nDas ist nicht ganz richtig; es waren bereits 18 Jahre (achtzehn\nJahre) verstrichen Denn die Asche des gefeierten Meisters kam am\n14. December 1844 in Dresden an, wo sie noch an demselben\nAbende in der feierlichsten Weise nach dem katholischen Fried-\nhofe geführt, dort einstweilen in der kleinen Capelle beigesetzt\nund am folgenden Tage, den 15. December, in die auf diesem Fried-\nhofe neu gebaute Gruft eingesenkt wurde.\nHistorische Genauigkeit ist immer wünschenswert!!. Da ich bei\nden Beisetzungs-Feierlichkeiten selber betheiligt war, mochte ich mir\nnicht versagen, Ihnen obige Berichtigung zugehen zu lassen. Mit\nGrösster Hochachtuug\nDresden, den 8. Januar 1858.\n\nF. W. Brauer."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "33", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580130-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nBerliner Briefe (Sinfonie-Concerte Sing-Akademie Dom-Chor Oper: Signora Piccolornini Signor Giuglini\nMacbeth von Taubert). Von G. E. Beurtheilungen. Für Orgel: C. G. Höpner, Op. 19, F. W. Markul, Op. 62, Gustav Merkel, Op. 5\nund 12, Karl Seeger, C. Albert Ludwig, Joh. Ludw. Krebs. Von V. D. Fünftes Gesellschafts-Concert in Köln. Tages- und Un-\nterhaltungsblatt (Köln, 11. Winter-Concert des Männergesang-Vereins Paderborn, Concert Regensburg Bremen).\n\nBerliner Briefe.\n\n[Sinfonie-Concerte Festhalten am Classischen geringe\nTheilnahme für neue Richtungen. Sing-Akademie Bach's\nWeihnachts-Oratorium. Dom-Chor alte Italiäner: zwei „Mi-\nsericordias\" von Durante Deutsche: Sethus Calvisius u. s. w.\nVereine für Kammermusik: Zimmermann Laub Oertling u. s.\nw. Die Oper: die Italiäner Signora Piccolomini\nSignor Giuglini Macbeth von Taubert.]\nDen 17. Januar.lBsB.\nDie Concert-Saison ist in diesem Winter an ausserge-\nwöhnlichen Ereignissen nicht allzu reich. Die regelmässi-\ngen Concerte der Sing-Akademie, des Stern'schen Vereins,\ndes Dom-Chors, der königlichen und der Liebig'schen Ca-\npelle und der verschiedenen Vereine für die Gattungen\ndes Quartettes, des Trio's u. s. w. nehmen ihren gewöhn-\nlichen Gang; nur selten wird ein Wechsel in den zur Auf-\nführung kommenden Werken vorgenommen; Virtuosen-\nConcerte unterbrechen die Gleichmässigkeit ebenfalls nur\nwenig. Ich schrieb Ihnen in meinem vorigen Briefe von\nden glänzenden Concerten, die in Kroll's Hotel Statt fan-\nden, wo sich zuerst Bazzini und die Signora Fortuni, nach\nihnen die Gebrüder Wieniawski, der Contrabassist Botte-\nsini und Signora Fiorentini vereinigt hatten; einen mehr\nals vorübergehenden Eindruck haben dieselben indess auf\nunser Publicum nicht gemacht; man hat wenig von ihnen\ngesprochen, sie bald ganz vergessen; fast betrachtet man\nsie, als wären sie gar nicht da gewesen. Es hat sich daran\nwieder gezeigt, wie wichtig es für den Musiker ist, seine\nLeistungen an rechter Stelle zu Gehör zu bringen. Wer\nsich nicht in den fashionablen Concertsälen der Stadt hö-\nren lässt, wird über die Achsel angesehen; ein geheimer\nInstinct treibt die Meisten, Kunstleistungen, die bei Kroll\noder in ähnlichen Localen producirt werden, als leichte\nWaare zu betrachten. Und in gewisser Weise hat diese\nAuffassung Recht. Denn für den musicalischen Standpunkt\nder heutigen Zeit ist in der That alles, was in das Gebiet\nder blossen Virtuosität schlägt, leichte Waare; selbst das\nGrosse Publicum verlangt einen gediegenen musicalischen\noder Empfindungs-Gehalt. Desshalb nun hat sich der Ge-\nschmack mehr als jemals dem Classischen zugewandt; dess-\nhalb aber auch tritt eine gewisse Erstarrung und Lähmung\nein, die man wohl auf einige Jahre, aber nicht auf die\nDauer ertragen kann. Viele sehnen sich nach neuer Erfri-\nschung, nach jener Aufregung und Begeisterung, die nur\ndie erste Bekanntschaft mit bedeutenden Kunstwerken ge-\nben kann; und bei jedem neuen Werke, das sie kennen\nlernen, fühlen sie sich enttäuscht, sei es, weil ihnen die\nBeweglichkeit fehlt, das Neue sich zu assimiliren, oder weil\ndie Werke einer Epigonen-Zeit jenes Merkmals der Objec-\ntivität entbehren, von dem allein weite und grosse Erfolge\nabhangen.\nAm meisten zeigt sich dieser Stillstand, dieses Fest-\nhalten an denjenigen Werken, die den Gipfel der Kunst\nbezeichnen, in den Concerten der königlichen und der Lie-\nbig'schen Capelle. Die fünf ersten Sinfonie-Soireen der kö-\nniglichen Capelle sind vorübergegangen, ohne dass irgend\neine früher noch nicht gehörte Sinfonie oder Ouvertüre\nzur Aufführung gekommen wäre eine Suite von Bach\n(aus D) ausgenommen, die für Berlin allerdings neu war.\nSchumann war durch die D-nioll-, Gade durch die C-moll-\nSinfonie vertreten. Dem grösseren Theile des Publicums\nwäre es, glaube ich, angenehmer gewesen, wenn Beide gar\nnicht vertreten gewesen wären. Noch exclusiver ist indess\ndas Publicum der Liebig'schen Concerte; hier sind die wah-\nren Kenner, die ihren Beethoven aus- und inwendig ken-\nnen, oder wenigstens auswendig; denn auf die Kenntniss\ndes Innern verstehen sich freilich immer und überall nur\nWenige. Die Stern'sehen Orchester-Concerte sind in die-\nsem Winter aus Mangel an genügender Theilnahme nicht\nzu Stande gekommen; Herr v. Bülow hat beschlossen, sie\nfortzusetzen, und will in der nächsten Woche damit den\nAnfang machen. Es lässt sich kaum annehmen, dass das\nPublicum anders über die Liszt'schen Bestrebungen urthei-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "34", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580130-01.1.2", "texte": "len wird, als in früheren Jahren; wie es darüber und\nüberhaupt über die Productionsfähigkeit der neueren Zeit\ngeurtheilt hat, geht aus dem einfachen Factum hervor, dass\nder frühere Unternehmer der diesen Bestrebungen gewid-\nmeten Concerte dieselben aufgegeben hat. Das Publicum\nist durch das, was es in den beiden letzten Jahren hier er-\nlebt hat, dem classischen Geschmacke nur noch treuer ge-\nworden; und je anhaltender es sich mit den Werken der\nMoz art-Beethoven'schen Periode beschäftigt, desto mehr\nmuss es sich wohl dem, was die heutige Zeit hervorbringt,\nentfremdet fühlen; nur von denen, die das wahrhaft Gute\nnicht kennen, ist zu erwarten, dass sie dem minder Guten\noder ganz und gar Verwerflichen ihren Beifall schenken.\nEtwas mehr Leben herrschte in den Aufführungen der\nSing-Akademie und des Dom-Chors und in den der Kam-\nmermusik bestimmten Concerten.\nDie Sing-Akademie brachte im Laufe des Winters\ndas Alexanderfest (zum Besten des lländel-Denkmals, mit\nleider sehr geringem pecuniärem Erfolge), das\nvon Mozart, die Cantate von Bach „Gottes Zeit ist die al-\nlerbeste Zeit\" und das Weihnachts-Oratorium von Seb.\nBach zur Aufführung. Letzteres Werk ist für Berlin und\nüberhaupt für fast ganz Deutschland neu; vor anderthalb\nJahr zum ersten Male in Druck erschienen, ist es erst seit\ndieser Zeit jedem Gesang-Vereine zugänglich. Wer über-\nhaupt Empfänglichkeit für den polyphonen Stil Bach's hat,\nwird auch hier sich auf das höchste befriedigt fühlen.\nDennoch werden die Meisten erstaunen, nicht ganz densel-\nben Bach wiederzufinden, den sie aus der Passion, aus der\nMehrzahl der Cantaten und Motetten kennen; aber darin\ngerade zeigt sich die Universalität seines Genius, dass er\nseine künstlerische Methode in einer dem Sinne der jedes-\nmaligen Aufgabe angemessenen Weise umzugestalten\nwusste. Die Polyphonie ist in dem Weihnachts-Oratorium\nkeineswegs so verwickelt, durch harte Gegensätze sich hin-\ndurcharbeitend, als z. li. in der Matthäus- oder Johannes-\nPassion ; auch der melodische Ausdruck ist nicht so tief-\nsinnig, so von der gewaltigsten Erregung des Gemüthes\nzeugend, aber dafür um so lieblicher und reiner. Es ist\nmerkwürdig, dass sich die erneute Bekanntschaft mit Bach\ngerade an seine schwierigsten Werke, an die Passionen\nund an die grosse Messe, knüpfte; es lag viel näher, mit\ndem Weihnachts-Oratorium anzufangen, dem der eigen-\nthümliche Stempel, den alle Werke Bach's tragen, zwar\nnicht fehlt, aber doch nur zart und mild aufgedrückt ist,\nso dass es recht eigentlich die Brücke zu jenen bildet. Da-\nmit ist aber keineswegs gesagt, dass es an Bedeutung den\nPassionen, der Messe u. s. w. nachstehe; unsere Ansicht\nist vielmehr, dass es diesen Wrerken in seiner Art vollstän-\ndig ebenbürtig ist. Aber die Art ist eben eine verschiedene.\nDie freudige Stimmung des Weihnachtsfestes musste einen\nganz anderen musicalischen Ausdruck finden, als der Ernst\nder Passionszeit. Dort ist der Stoff lyrisch, hier dramatisch:\ndort ist reine, ungetrübte Freude, hier die höhere Selig-\nkeit, die durch Schmerz und Leiden sich hindurchkämpft.\nEinerseits also kam es darauf an, alles Trübe, Verwickelte,\nDramatische, Schmerzvolle zu vermeiden, andererseits aber\nmusste zugleich ein Uebermaass der Naivetät und Fröh-\nlichkeit vermieden werden; es durfte nicht jener gemüth-\nvolle Ton angeschlagen werden, der wohl der häuslichen\nWeihnachtsstimmung entsprechen mag, sondern es han-\ndelte sich darum, die frohe Feststimmung mit dem Ernste\nund der Weihe zu durchdringen, welche der Kirche einzig\nund allein würdig ist. In diesem Sinne konnte unserer An-\nsicht nach, wenigstens vom protestantischen Standpunkte\naus, nur Bach die Aufgabe lösen, und er hat sie in einer\nfür alle Zeiten classischen Weise gelös't. Bei der grossen\nAusdehnung des Werkes—es besteht eigentlich aus sechs\nCantaten, die zwar in sich zusammenhangen, ursprünglich\naber jede für einen besonderen Sonntag bestimmt waren\n—mussten viele Auslassungen Statt finden. Natürlich wur-\nden hauptsächlich die Arien davon getroffen. Es verhält\nsich zwar keineswegs bei Bach so, wie bei Händel, dass\nf\ndie Chöre bedeutender sind, als die Arien; denn Bach's\nfeine, individuelle Natur war für den Ausdruck des Sub-\njectivsten vorzugsweise geeignet, und trotz seiner unerreich-\nten Meisterschaft in der Polyphonie könnte man fast eher\numgekehrt sagen, dass die Arien und Becitative bei Bach\ndas Bedeutendste sind, weil bei der Ausdehnung, die er\nder Polyphonie gab, eine beschränktere Anzahl von Stim-\nmen der Klarheit des Ganzen günstiger ist, weil ferner\nselbst der Bau seiner Melodieen von einer Tiefe der Em-\npfindungzeugt, wie sie nur einzelne, bevorzugte Individuen,\nniemals grosse Massen haben können. Trotz alledem muss-\nten Arien weggelassen werden, weil sie heutzutage noch\nviel weniger gesungen werden können, als die Chöre. Die\nForderungen, die Bach in seinen Arien an den Umfang\nder Stimme, an die Coloraturfertigkeit und an die Modu-\nlationsfähigkeit des Organs für jede Art des Ausdrucks\nstellt, sind ausserordentlich. So sehr hat noch kein Com-\nponist von dem Sänger die Vereinigung der entgegenge-\nsetztesten Eigenschaften verlangt. Die Schwierigkeiten stei-\ngern sich für die Gegenwart oft zur Unüberwindlichkeit\ndadurch, dass der Kammerton um einen ganzen Ton höher\ngeworden ist. Zwar hat die Sing-Akademie die trotz der\nfür das Orchester daraus entstehenden Unbequemlichkeiten\nlöbliche Sitte eingeführt, sämmtliche Werke von Bach einen\nhalben Ton tiefer ausführen zu lassen; aber ein halber\n11 \\W9 i I * f »■> ij» ,| <\nTon ist noch kein ganzer Ton. So liess denn auch die Aus-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "35", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580130-01.1.3", "texte": "Führung tler Soli viel zu wünschen übrig ; die Chöre wur-\nden indess recht gut gesungen.\nDas erste Concert des Dom-Chors war um so in-\nteressanter, als die zur Aufführung kommenden Stücke\nfrüher hier noch nicht zu Gehör gebracht waren. Bei den\nSchöpfungen der alt-italiänischen Kirchenmusik ist zwar\nkein sehr hervortretender individueller Unterschied zu be-\nmerken, und uns wenigstens macht das aus der\nMarcellus-Messe von Palestrina so ziemlich denselben Ein-\ndruck, wie das Kyrie,den nämlich einer Erhabenheit, die\nsich auf die feinen Unterschiede des Verstandes, auf die\nLaunen des subjectiven Gefühls nicht weiter einlässt, son-\ndern nur das die feste Unwandelbarkeit des Gött-\nlichen und der Kirche aller dieser irdischen Mannigfaltig-\nkeit gegenüber festhält. Dagegen bei den Deutschen und\nden späteren Italiänern sind charakteristische Unterschiede\nnicht zu verkennen. So besitzen wir z. B. zwei Compositio-\nnen des „ Misericordias Domini von\nDurante, von denen die eine schon oft in den Concerten\ndes Dom-Chors zur Aufführung kam, die andere erst in\ndem jetzt zu besprechenden. Beide haben natürlich eine\ngewisse Aehnlichkeit im Ausdruck, wie es bei dem sehr\neinfachen und klaren Sinne der zu Grunde liegenden Worte\nnicht anders sein kann; und dennoch sind sie musicalisch\nsehr bestimmt unterschieden, indem die eine im Verhält-\nniss zur anderen mehr homophon gehalten und ruhiger im\nAusdruck ist. Durante gehört einer Zeit an, in der Kirch-\nliches und Weltliches sich schon zu durchdringen began-\nnen, in der somit auch in der Kirchenmusik das Mannig-\nfaltige und Irdische sein Recht behauptete. Die deutsche\nMusik war durch Melchior Franck, Seb. Bach und\nSethus Calvisius vertreten. Von Melchior Franck (aus\ndem siebenzehnten Jahrhundert) kam eine sehr liebliche\nMotette: „In den Armen dein\", von einem, namentlich für\njene Zeit, überaus weichen Gefühls-Ausdruck zur Auffüh-\nrung. Sie ist, so viel ich weiss, nicht gedruckt; sollte sie\nes werden, so wird sie gewiss allen Gesang-Vereinen eine\nsehr willkommene Bereicherung sein. Von Calvisius (dem-\nselben Calvisius, der gleichzeitig Cantor an der Thomas-\nschule und ein sehr berühmter Gelehrter war; eines der\nwichtigsten chronologischen Werke rührt von ihm her; er\nverschmähte indess mehrere Professuren, weil ihm seine\nmusicalische Thätigkeit, die theils in Musik-Unterricht,\ntheils in Componiren, theils endlich in musicalischer Schrift-\nstellerei bestand, angenehmer war) hörten wir ein (bereits\ngedrucktes) Weihnachtslied, ein ebenfalls sehr ansprechen-\ndes und gefälliges Stück von fast scherzhaftem Ausdruck.\nIch denke mir, dass es nicht für die Kirche, sondern für\ndas Haus bestimmt gewesen ist; es herrscht ganz der ge-\nmüthvolle Ton darin, der dem deutschen Familienleben in\nalter Zeit eigen war. Der Stern'sehe Gesang-Verein\nist in diesem Winter wenig nach aussen hin thätig gewesen.\nDas Genre des Streich-Quartetts ist durch drei ver-\nschiedene Cyklus vertreten. An der Spitze des einen steht\nder Kammermusicus Zimmermann, an der Spitze des\nzweiten der Concertmeister Laub und an der Spitze des\ndritten der Violinist Oertling. Das Zimmermann'sehe\nQuartett war viele Jahre hindurch das einzige in Berlin.\nIch habe mehrmals in meinen Briefen über die geringe\nTheilnahme geklagt, die sich gerade für diesen Zweig der\nMusik hier zeigt. Die Zahl der Abonnenten war so gering,\ndass der Unternehmer nicht selten sich zu persönlichen\nOpfern entschliessen musste. Er selbst ist ein solider Spie-\nler, ohne Genialität, aber von einer correcten Technik und\nmit der gewisser Maassen philologischen Treue begabt,\nwelche die Ideen des Componisten, soweit er sie ausspre-\nchen konnte, vollständig wiederzugeben sucht. In Betreff\nder Richtigkeit der Ausführung fehlte daher selten etwas;\ndoch ist die richtige Ausführung noch nicht die wahre und\nvolle Verwirklichung des geistigen Gehaltes. Die Noten\nselbst und alle dynamischen und Tempo-Zeichen sind doch\nnichts weiter, als die Kennzeichen, in welcher Richtung\nsich der geistige Gehalt zu verwirklichen und zu versinn-\nlichen hat. Der vollendete ausübende Künstler muss die-\nsen Kennzeichen als den Spuren folgen, dann aber das\nWerk frei aus sich entstehen lassen mit allen den unend-\nlich vielen Schattirungen, die sich nicht mehr durch die\nausdrückliche Angabe „So soll es sein\" fixiren lassen, die\naber doch nicht fehlen dürfen, wenn die äussere Erschei-\nnung die Eigenschaften des weich Uebergehenden, des\nFliessenden, des frei Entsprungenen haben soll. Es ist dies\nein Ideal, das freilich fast nie erreicht wird. Denn diejeni-\ngen, die frei vortragen, erkaufen sich diese Freiheit mei-\nstens durch Abweichungen von dem, was der Componist\nausdrücklich gewollt hat. Sich seiner Phantasie zu über-\nlassen, ist nicht schwer; aber sich in Fesseln und Schran-\nken frei zu bewegen, dies ist die Aufgabe. Je länger sich\ndas Laub'sche Quartett, zu dem ausser dem Unterneh-\nmer die Herren Würst, Radecke und Bruns gehören,\nbefestigt haben wird, desto mehr wird es, wie wir hoffen,\ndieser idealen Aufgabe genügen. In den zwei Quartett-\nSoireen, die bis jetzt Statt gefunden haben, hörten wir\nausser älteren Werken das il-mo/Z-Quartett von Schumann\nund ein Quartett von Würst (A-dur). Letzteres ist, wie\nalle Arbeiten dieses talentbegabten und kunstgeübten Com-\nponisten, gewandt, llicssend, unterhaltend und frei von je-\nder Geschraubtheit und Künstelei. Hervorragende Origi-\nnalität der Erfindung, fortreissende Tiefe des Ausdrucks\nsind allerdings nicht die Eigenschaften, durch die er sich\nauszeichnet. Wer besitzt aber überhaupt heute dieselben?"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580130-01.1.4", "texte": "Und muss uns da nicht gesunder Menschenverstand und\nwirkliches Können lieber sein, als die genial sein sollende\nUngereimtheit, die uns heute mit frecher Stirn als das\nIdeal der Zukunft proclamirt wird, und die in den günstig-\nsten Fällen in einem unerträglich schwülstigen Ausdruck\nbesteht, oft aber auch nur ein Aggregat der geradezu un-\nsinnigsten Voraussetzungen ist? Bei der Entwicklung,\nwelche die Musik jetzt nimmt, ist in der That das Nächste\nund Wichtigste, correct und klar zu schreiben; es kommt\nfür den Augenblick mehr darauf an, das Gute zu conser-\nviren, als grosse, bahnbrechende Fortschritte zu machen,\nderen Möglichkeit überhaupt problematisch ist. Das hier\nwenig bekannte Schumann'sche Quartett (.A-moll) machte\neinen sehr tiefen Eindruck. Zwar herrscht eine etwas\nkränkliche, unkräftige Melancholie darin, ausgenommen in\ndem letzten Satze, der allerdings etwas Frisches, Beleben-\ndes hat: aber es ist doch warme und wirkliche Empfindung\nund ein durchaus künstlerischer Ernst. Die Oertling'-\nschen Quartette, deren Zweck allein darin besteht, durch\neinen niedrigen Eintrittspreis diese Gattung von Musik all-\ngemeiner zugänglich zu machen, haben in diesem Winter\nhinsichts der Tüchtigkeit der Ausführung sich fast verhes-\nsert, in der Gunst des Publicums aber Rückschritte ge-\nmacht. Es scheint doch, als wenn nur sehr Wenige zum\nVerständnisse und Genuss eines Streich-Quartetts zu ge-\nlangen im Stande seien. Die Herren v. Bülow, Laub\nund Wohlers, ferner die Herren Löschhorn und Ge-\nbrüder Stahlknecht geben Trio-Soireen; die letzteren\nsind vorzugsweise älterer, die ersteren, obschon nicht aus-\nschliesslich, der modernen Musik gewidmet. Im Ganzen\nwerden jene durch den Inhalt, diese durch den Glanz der\nAusführung den Vorzug verdienen; doch ist der Gegen-\nsatz kein sehr scharf ausgesprochener. Die Herren Ba-\ndecke und Grünwald haben zwei Concerte ihres Cvklus\nbereits hinter sich. Herr lla decke hat sich in denselben\nein anerkennungswerthes Verdienst durch den Vortrag von\nweniger bekannten und schwierigen Beethoven'schen und\nSchubert'schen Compositionen erworben. Ein Duo für Cia-\nvier und Violine, das einen jüngeren Bruder von ihm zum\nComponisten hat, war in der Form recht geschickt, im\nInhalt aber noch von zu geringer Selbstständigkeit.\nAn der königlichen Oper gastirten vier Mitglieder der\nLumley'schen Gesellschaft an zwei Abenden: SignoraPic-\nco'omini und die Herren Giuglini, llossi und Al-\ndi ghi er i. Der Letztgenannte ist mehr als unbedeutend,\nSignor Bossi ist ein schon aus früheren Jahren, da er lange\nZeit Mitglied der italiänisehen Oper an der Königsstadt\nwar, uns wohl bekannter, trefflicher Buffo. Die Sängerin\nund der Tenor gehören aber unstreitig zu den grössten\nGesanges-Celebritäten der jetzigen Zeit. Ueber Signora\nPiccolomini ist so viel geschrieben worden, dass dem Re-\nferenten nur noch übrig bleibt, den persönlichen Eindruck,\nden sie auf ihn gemacht, auszusprechen. Man kann ihren\nGegnern, deren es viele gibt, zugestehen, dass sie nur eine\nkleine Stimme hat, die überdies nicht einmal vollkommen\nausgebildet ist. So sauber ihre Coloratur in der Regel ist,\ndamit ist der Technik noch nicht Genüge geschehen. Die\nTonbildung beruht zu einseitig auf dem Princip, das man\nnicht ungeschickt als das des Tonfassens im Gegensatz\nzum Ton hauchen bezeichnet hat., Dadurch leidet nicht\nnur der Wohlklang, sondern auch die Intonation. Ferner\nsingt sie mit zu dramatischem Ausdruck, um nicht hin und\nwieder die Gränzen des rein musicalisch Verständlichen\nund Befriedigenden zu überschreiten. Aber mit diesen\nMängeln hangen auch ihre Vorzüge zusammen. Ihr Spiel\nnicht bloss, sondern auch ihre musicalische Auffassung,\nwie sie sich namentlich in der geschickten Wahl der Ton-\nfarben ausspricht, verrathen einen inneren künstlerischen\nBeruf. Sie hat eine Feinheit des Verständnisses, eine Ener-\ngie des Gefühls, die uns bedauern lässt, dass diese starke\nSeele nicht über einen kräftigeren Körper zu gebieten\nvermag. Ich glaube, Sign. Piccolomini würde eine grosse\ndramatische Sängerin sein, wenn ihr die Natur eine grös-\nsere Stimme gegeben hätte. Manche Accente, die jetzt zu\nstark und gewaltsam erscheinen, sind es nur darum, weil\nihr Organ dieselben nicht verträgt. Zu dieser eben so feu-\nrigen als einsichtsvollen Auffassung kommt nun noch jene\nvornehme Haltung hinzu, die an die Abkunft aus einer\naristokratischen Familie erinnert, und die Fähigkeit, auch\nin Momenten hoher Leidenschaft noch den Hauch liebli-\ncher Weiblichkeit zu bewahren. Namentlich waren die\nScenen, die Signora Piccolomini aus der Traviata gab,\nreich an wahrhafter Poesie. Signor Giuglini ist als dra-\nmatischer Sänger viel unbedeutender. Bei ihm herrscht\nnicht der Geist über den Körper, sondern seine Phantasie\nschwelgt in dem Tone als solchem, und ist beruhigt in je-\nnen sanften Gefühlen, die nicht als eine fremde Macht er-\nschütternd, mitunter zerstörend, in das Tonleben eingreifen,\nsondern es anmuthig in gefälligen Fluss bringen. Signor\nGiuglini besitzt die schönste Tenorstimme, die ich jemals\ngehört habe, eine so leicht ansprechende Höhe, wie man\nsie heutzutage nur noch in den Traditionen über das, was\nfrühere Zeiten geleistet haben, wiederfindet, eine ausser-\nordentlich reine Intonation, edle Aussprache, fehlerfreie\nTonbildung und, wie gesagt, eine warme, innige Auffas-\nsung, so lange es sich nur darum handelt, Empfindungen,\nnicht Leidenschaften, auszudrücken. Der Zauber seines\nGesanges beruht in der Ausbildung der Kopfstimme, jenes\nfast verschwundenen Stimmregisters, das durchaus nicht\nmit dem Falset zu verwechseln ist; es ist. vielmehr nur"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "37", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580130-01.1.5", "texte": "eine Modifikation der Bruststimme und beruht vorzugsweise\nauf maassvollem Gebrauche des Athems, sanftem Ansatz\nund etwas dunkler Führung des Tonstrahls. Dadurch ent-\nsteht ein weicher Klang, der aber immer noch Fülle hat,\neine bedeutende Erweiternng der Höhe, eine ungewöhn-\nliche Gleichmüssigkeit des Klanges da sich diese Art\nvon Stimme über einen sehr grossen Umfang ausdehnen\nlässt—und, wo es nöthig ist, ein fast unmerklicher Ueber-\ngang in das Falset. Das Wesentliche, um diesen Klang,\nwelcher der echte Tenorklang ist, zu erhalten, besteht\ndarin, dass man auf alle eigentlichen Kraft-Productionen\nVerzicht leiste oder sie wenigstens auf ein sehr kleines\nMaass beschränke. Das berliner Publicum war über diese\nStimme und diesen Gesang vor Entzücken ausser sich.\nDie neue Oper von Taubert, „Macbeth\", ist be-\nreits etwa zehn Mal gegeben worden, hat also jedenfalls\neinen Erfolg davongetragen. Für den Werth der Oper\nfolgt daraus freilich nichts; indess muss es doch den miss-\nliebigen Berichten gegenüber, die in die Welt gehen, con-\nstatirt werden. Ob der Stoff der Oper musicalisch sei,\nschon dieser Punkt regt zu den vielseitigsten Betrachtungen\nan. Unserer Ansicht nach ist er es, wenn auch nicht in\ndem Grade, wie etwa der Stoff des Don Juan und des\nFidelio, so doch eben so sehr, als mancher andere Stoff,\nan den sich die Musik gewagt hat. Unzweifelhaft wird eine\nOper daraus entstehen, die des Anmuthigen und Weichen\nwenig hat; aber die Musik hat auch Töne für das Gewal-\ntige, Leidenschaftliche und wild Zerrissene; so wreit das\nReich der Empfindung, so weit ist auch das Reich der\nMusik. Nun lässt sich, wie mir scheint, die eigentliche\nHandlung des Macbeth vorwiegend auf die Herrschaft der\nLeidenschaften zurückführen und in einer Sprache darstel-\nlen, die eben eine reine Sprache des Gefühls und darum\nmusicalisch ist. Alle jene gewaltigen Bilder, jene scharfen\nBetrachtungen des Verstandes freilich, in denen Shake-\nspeare seine Personen reden lässt, sind der Musik ungün-\nstig; aber sie gehören nur der poetischen Ausführung\nan und sind für die Sache selbst nicht wesentlich. Vom\nidealen Standpunkte aus hätten wir nun freilich gewünscht,\ndass der Bearbeiter des Textes die Worte noch musicaii-\nscher gewählt und auch überhaupt in der Anordnung der\nScenen, in der Zeichnung der Charaktere mehr Rücksicht\ndarauf genommen hätte, dass der poetische Gehalt sich in\nmusicalischen Formen krvstallisiren soll. Er ist in manchen\n«J\nBeziehungen von Shakespeare so abgewichen, dass er da-\nbei eine wesentliche, innere Bedingung des Drama's ver-\nletzte, indem er z. B. die Lady Macbeth nach ihrer Erschei-\nnung als Nachtwandlerin noch einmal auftreten und sich\nvom Felsen herabstürzen lässt, während er in dem Aeus-\nserlichen, in demjenigen, was unbeschadet des inneren Or-\nganismus so oder anders sein kann, zu ängstlich seinen\nSpuren folgte. Vom praktischen Standpunkte aus, d. h.\nwenn wir berücksichtigen, dass diese ideale Construction\neines musicalischen Operntextes vielleicht noch niemals\nwirklich da gewesen ist, dass ferner die deutschen Com-\nponisten ohnedies schon längst gewohnt sind, eine Masse\ntiefsinniger Worte sich musicalisch zurecht zu legen, dass\nes endlich ja auch nicht darauf ankam, ein für alle Zeiten\nmustergültiges Werk zu schreiben, vom praktischen\nStandpunkte aus ist der Text recht geschickt gemacht.\nWas nun den Componisten betrifft, so trat ihm sofort das\nVorurtheil entgegen, dass er als ein sehr gewandter Künst-\nler im Genre des Anmuthigen, Lieblichen bekannt ist, nie-\nmals aber ein entschiedenes Talent für das Grossartige,\nTragische verrathen hat. Zwei äussere Umstände mochten\nihn wohl dazu veranlassen, einen Versuch mit einem Stoffe\ndieser Art zu machen. Er hatte vor wenigen Jahren eine\nOper im leichten Stil, eine Art Dorf-Idylle, „Joggeli\",\ngeschrieben, ein Werk von einfacher Handlung, ohne alle\nLeidenschaften und Erschütterungen, ohne allen äusseren\nPrunk der Scene, an den sich das heutige Publicum mehr\nals billig gewöhnt hat. Der „Joggeli\" war reich an Melo-\ndieen; die Personen und Situationen hatten charakteristi-\nschen Ausdruck, der in vielen Fällen durchaus neu war;\ndie Ensembles und die Instrumentation zeigten durchweg\ndie geschickte Technik des an classischer Kunst herange-\nbildeten Musikers. Kurz, die Oper war vom musicalischen\nStandpunkte aus so befriedigend, wie kaum ein anderes\ndiesem leichten Stil angehöriges Werk aus neuerer Zeit.\nDennoch fiel sie durch—theilweise aus inneren Gründen,\nweil in der That die dramatische Spannung für ein Werk\nvon diesem Umfange zu gering war, weil man auf lange\nZeit das bloss Anmuthige, Zierliche nicht verträgt, theil-\nweise aus äusseren, weil das Publicum durch rohe Kraft-\nund Glanz-Effecte zu sehr verwöhnt ist, um noch einen\nhinreichend empfänglichen Sinn für die Vorzüge einer fei-\nnen Empfindung und Textur zu haben. Theils dieser Um-\nstand, theils der Wunsch, eine dankbare Rolle für Johanna\nWagner zu schreiben, haben ihn nun wohl auf die Idee\ndes Macbeth geführt. Taubert hat darin noch nicht das\nBeste geleistet, was er unserer Ansicht nach als Opern-\nComponist zu leisten vermag. Er hat bis jetzt die beiden\näussersten Extreme berührt. Erst dann, wenn es ihm ge-\nlingt, einen Stoff zu finden, der in der Mitte dieser Ex-\ntreme liegt, wird er seine ganze Kraft entfalten können,\nund dieselbe ist nicht unbedeutend, da er nieht bloss ein\nguter Harmoniker und ein trefflicher Kenner der instru-\nmentalen Wirkungen ist, sondern auch die in Deutschland\nnicht allzu häufige Tugend einer klaren, melodisch flies-\nsenden Schreibart besitzt. Dass er im Macbeth noch immer"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "38", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580130-01.1.6", "texte": "nicht den ihm angemessenen Stoff gefunden hat, geht theils\ndaraus hervor, dass er die gewaltige Leidenschaft der Cha-\nraktere und Situationen nicht genügend auszudrücken ver-\nmochte, theils daraus, dass er, um Raum für das ihm Zu-\ngängliche, für das Lyrische zu finden, eine Anzahl von\nEpisoden in den Text verweben inusste, die zwar allen-\nfalls zu rechtfertigen sind, aber doch immer als eine äus-\nserliche Zuthat erscheinen. Auch gelang es ihm nicht, die\nentscheidenden Momente der Handlung, wie z. B. die Mord-\nscene, die Erscheinung von Banquo s Geist, die Scene in\nder Hexenküche zu musicalischen Formen zu krystallisiren\n(wie dies zu erreichen, dafür ist die Introduction aus dem\nDen Juan das glänzendste Beispiel), sondern wo feste For-\nmen sind und es sind deren viele sind sie in der Re-\ngel aus Episoden hervorgegangen. Das heisst aber nicht\ndas Problem lösen, sondern es umgehen; denn die Hand-\nlung selbst soll in Musik übergehen. Der gelungenste Cha-\nrakter ist die Lady, sie, die noch herzloser und unmensch-\nlicher als Macbeth selbst, und darum der Musik noch viel\nmehr zu widerstreben scheint. Besonders ist die Schlaf-\nund Traum-Scene ein tief ergreifendes dramatisches Ge-\nmälde. Von höchster poetischer Schönheit ist namentlich\ndie Auffassung der Worte: „Alle Wohlgerüche Arabiens\nversüssen diese kleine Hand nicht mehr.\" Gegen den eben\nso furchtbaren als rührenden Schmerz der königlichen\nVerbrecherin bildet die schlichte Einfachheit, die in der\nmusicalischen Behandlung des Arztes und der Kammerfrau\nliegt, einen höchst wirkungsvollen Gegensatz. Eine Scene,\nwie diese, ist lange nicht geschrieben worden. Für sehr\nwenig gelungen halte ich den Charakter des Macbeth selbst.\nDie Hexen sind nicht grauenvoll genug; was die anderen\nPersonen betrifft, so hat sich in ihnen wohl häufig genug\ndas musicalische Talent von Taubert glücklich entfaltet,\naber nicht das dramatische. Eine der schönsten Nummern\nder Oper ist das Ballet, ein wahrhaft reizendes Musikstück\nvon dem feinsten Geschmack. Dass bei so vielen guten\nEigenschaften dem Werke der Erfolg, den es gehabt, zu\ngönnen, ein noch weiterer zu wünschen ist, versteht sich\nwohl von selbst. Werke, die idealen Ansprüchen genügen,\nsind für alle Zeiten; und daraus, dass sich noch Vieles\nhätte anders und besser machen lassen, folgt nicht, dass es\nganz hätte unterbleiben sollen» Wie ungerecht die Kritik\noft ist, hat sich gerade beim Macbeth recht deutlich ge-\nzeigt. Dieselben Kritiker, die vor vier Jahren durch ihren\nheftigen Tadel wesentlich dazu beitrugen, den Joggeli beim\nPublicum in Verruf zu bringen, sagen jetzt, einen Joggeli\nhätte Taubert wohl schreiben können, das sei sein Feld,\naber von Stoffen dieser Art solle er seine Hand lassen. Ich\nsage nicht, dass dies Böswilligkeit ist; man kann es milder\nerklären dadurch, dass man nicht streng unterscheidet, ob\netwas trotz seiner Unvollkommenheiten eine gewisse Le-\nbensfähigkeit hat. Aber gerade darum muss sich eine ge-\nwissenhafte Kritik bemühen, sonst greift sie vernichtend in\ndas positive Gedeihen der Kunst ein, anstatt zu fördern\nund zu beleben. Johanna Wagner leistet als Ladv\nMacbeth das Ergreifendste, was wir auf dramatischem Ge-\nbiete je von ihr gesehen haben. Trotz der immer fühlba-\nrer werdenden Schwächen ihres Organs weiss sie doch\nnoch siegreich sich zu behaupten, weil sie eine Sängerin\nist, deren Schöpfungen nicht bloss aus musicalischer Be-\nrechnung, sondern aus dem Verständnisse des menschli-\nchen Herzens hervorgehen.\n\nG. E.\n\nBeurtheilungen.\nFür Orgel.\n\nC. G. Höpner, Op. 19, Vier variirte Choräle zu vier\nHänden. Erfurt, G. W. Körner. Preis 15 Sgr.\nDie vierhändige Orgel-Literatur ist noch sehr wenig\nberücksichtigt worden, und dennoch ist das vierhändige\nSpiel und das vierfüssige (sans comparaison/) sehr geeig-\nnet, die Macht des Instrumentes in grösster Fülle zu Gehör\nzu bringen. Desto willkommener heissen wir jede Gabe\nauf diesem Gebiete. Die Arbeit in dem vorliegenden Werke\nist sehr gediegen und effectvoll, die Ausstattung sauber\nund der Preis billig, so dass wir es mit grossem Verguü-\ngen bestens empfehlen.\nF. W. Mar kull, Op. 62, Sechs Nachspiele. Erfurt,\nG. W. Körner. Preis 20 Sgr.\nDiese Compositionen sind alle feierlichen Inhalts, die\nErfindung frisch, die Arbeit tüchtig, die Wirkung eine\nsehr schöne. Die Ausführung erfordert gerade keinen Vir-\ntuosen. Dass man von einem Componisten, der auch Opern\nund elegante Salonsachen geschrieben hat, keinen so ge-\nnannten Orgelzopf zu erwarten hat, versteht sich von selbst.\nGustav Merkel, Op. 5, Fantasia et Fuga ä 5 Voei,\nseinem Lehrer Johann Schneider, königlich\nsächsischem Hof-Organisten, gewidmet. Erlurt,\nKörner. Preis 15 Sgr.\nSchon früher lobten wir die soliden und schwunghaf-\nten Compositionen dieses Tonkünstlers. Auch dieses Werk\nzeugt von guten Studien im Contrapunkt, vorzüglich in\nder Messenden fünfstimmigen Fuga, und von frischer Er-\nfindung. Geübtere Orgelspieler werden sich dieses Werk\ngewiss mit Vergnügen zu eigen machen.\nGustav Merkel, Op. 12, Zwei ausgeführte Choräle\nund Fuge mit Choral. Herrn J. A. van Eyken\nzugeeignet. Erfurt, Körner. Preis 10 Sgr,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "39", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580130-01.1.7", "texte": "Auch dieses Werk gehört zu den besten der neueren\nOrgel-Literatur. Sehr gelungen ist die Fuge über den Cho-\nral „Nun sich der Tag geendet hat\".\nKarl Seeger, Der praktische Organist, ein periodisch\nerscheinendes Hand- und Musterbuch, unter Mit-\nwirkung der Herren J. Andre, Bodenschatz,\nDr. Brauer, Dr. J. Faist, G. Flügel, F.\nlvühmstedt, F. J. Runkel, S. Müller, Dr.\nVolk mann, P. Walter u. A. Erste Lieferung.\nPreis 36 Kr. Odenbach a. M., bei J. Andre.\nDieses Heft enthält ausser einem Paar grösserer Vor-\nspiele von Volkmann und S. Müller fünfzehn kleine\nChoral-Vorspiele der verschiedenen Mitarbeiter, welche\nalle sehr fliessend, gefällig und gut orgelmässig sind. Ob\ndieses Unternehmen keinen ferneren Fortgang gehabt hat,\nkönnen wir nicht angeben, da uns keine weiteren Sendun-\ngen zugekommen sind. Ausserdem sollte jeder Lieferung\nein Literaturblatt beigefügt werden. In beiliegender (vom\nJuli 1854) findet man eine ganz kostbare Polemik des\nHerrn G. J. Körner gegen dieses Unternehmen.\nC. Albert Ludwig, Grosse Phantasie, dem General-\nSuperintendenten Dr. Peters hochachtungsvoll\nzugeeignet. Gotha, H. Wattenbach.\nEine Phantasie, in der ein Bisschen mehr Phantasie,\nwir meinen Erfindung, nicht schaden könnte, und zugleich\neine grössere Mässigung in der Phantasie, d. h. eine cor-\nrectere Form, sehr nützlich wäre. Dies klingt paradox und\nist es doch nicht. Finden wir bei manchen Orgel-Compo-\nnisten mehr Form und Studium, als frisches Leben, so\nzeiet sich hier eine zwar noch unklare, aber doch musi-\no\ncalische Quelle. Vor allen Dingen rathen wir dem Verfas-\nser, mehr Werth auf die Erfindung zu legen, nicht gleich\nalles, was ihm in den Kopf kommt, aufs Papier zu werfen,\nund schliesslich weniger clavierartig zu schreiben.\nJoh. Ludw. Krebs, Gesammt-Ausgabe der Ton-\nstücke für die Orgel, herausgegeben von Karl\nGeissler. o. Abtheilung. Heft 3. Preis 10 Sgr.\nMagdeburg, II e i n ri c h s h o fen.\nNachdem der wackere und beste Schüler Bacli's bei-\nnahe vergessen war, fangen jetzt auf einmal zwei Musik-\nVerleger, Heinrichshofen und Körner, an, sich um seinen\nmusicalischen Nachlass zu bekümmern, natürlich zum gros-\nsen Nutzen des Publicurns, das nun Gelegenheit hat, beide\nAusgaben zu vergleichen. Die vorliegende ist correct und\nbillig.\n\nV. D.\n\nFünftes Gesellschafts-Concert in Köln\nim Hauptsaale des Gürzenich.\nDen 26. Januar 1858.\nProgramm: I. 1) Sinfonie in B-dur von Ed. Franck (Manu-\ncript), zum ersten Male; 2) Sopran-Arie ~Auf starkem Fittich\" aus\nHaydn1 s „Schöpfung\", gesungen von Frau Sophie Förster;\n3) Concert für die Violine von Viotti, gespielt von J. Joachim.\n11. 4) Ouvertüre zum Wasserträger von Cherubini; 5) Cavatine\naus Lucrezia Borgia von Donizetti, gesungen von Frau S. För-\nster; 6) Gesangscene für die Violine von L. Spohr, gespielt von\nJ. Joachim; 7) Der 114. Psalm für achtstimmigen Chor und Or-\nchester von F. Mendelssohn-Bar tholdy.\nDie neue Sinfonie von Ed. Franck ist ein ehrenwertlies Werk,\nüberall klar und fliessend; an melodischem Reiz, wie an geistvollem\nSchwung steht sie jedoch der ersten Sinfonie des Componisten nach.\nDas Publicum nahm besonders die zwei letzten Sätze mit achtungs-\nvollem Beifalle auf.\nFrau Sophie Förster von Dresden bewährte in beiden lor-\nträgen den Ruf einer vorzüglichen, künstlerisch durchgebildeten Sän-\ngerin, dessen sie seit einigen Jahren in Deutschland geniesst. Ihre\nIntonation ist rein, der Tonansatz gut, die Behandlung des Athems\nvortrefflich, die Coloratur glatt, besonders im mezza voce, der Triller\ncorrect und glänzend. Das sind Eigenschaften, vor denen man um\nso mehr Achtung haben muss, als sie auf einem ernsten und langen\nStudium beruhen, welches leider immer seltener wird. Der V ortrag\ndürfte indess an Ausdruck und Innigkeit gewinnen, wenn die Künst-\nlerin zuweilen die Empfindung, die im ganzen Musikstücke vor-\nherrscht, mehr berücksichtigte, als einzelne Stellen und \"YY orte. Sie\närntete lebhaften Beifall und wurde nach der zweiten Arie gerufen.\nHerr Concertmeister Joachim war ein gefährlicher Nebenbuhler\nfür die Sängerin. Sein mächtiger Ton und der geniale Schwung, den\ner diesem Tone in jeder Art des Ausdrucks, besonders aber überall,\nwo der Charakter der Composition grossartig, pathetisch, erhaben\nist, zu geben weiss, haben in der That nicht bloss etwas Hinreis-\nsendes, sondern etwas Ueberwältigendes. Jeder Strich ist edel, kei-\nner buhlt um Beifall, das ganze Spiel lässt den Zuhörer den Künst-\nler vergessen und nur das Kunstwerk hören, so wie er selbst dabei\nan sich und seine Person nicht denkt, sondern nur an den, dessen\nGeist in seinen Werken er jedesmal zur Erscheinung bringen will.\nDas ist ein charakteristisches Zeichen an diesem grossen deutschen\nKünstler, dass sein Spiel, wenn man so sagen darf, stolz ist, aber\nniemals eitel. So dürfte er denn auch wohl der Einzige sein, der die\ngediegenen Violin-Compositionen aller Perioden, von J. S. Bach bis\nauf Mendelssohn auf gleich meisterhafte Weise spielt.\nMendelssohn's 114. Psalm machte am Schlüsse des Concertes\neine um so grössere Wirkung, als der reich besetzte Chor damit end-\nlich seinen mächtigen Klang entfaltete. Die Ausführung des präch-\ntigen Gesangstüekes war recht gut.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\n\nI&öliift« Sonntag den 24. d. Mts. gab der Männergesang-\nVerein sein zweites Winter-Concert im Casinosaale. Das Programm\nenthielt eine recht hübsche, an Abwechslung reiche Auswahl von\nGesängen. Die Ausführung war so vorzüglich, wie wir sie lange\nnicht gehört haben; man musste mit Freuden bekennen, dass es\neinem dabei so zu Muthe war, als stände der Verein erst jetzt auf\ndem Höhenpunkte man vergass fast die bisherigen trefflichen Lei-\nstungen über die letzte. Den Vortrag von C. M. v. Weber's Schlum-\nmerlied, von F. Otto s Klage („Weit über das Thal\"], und in ande-\nrer Gattung von Girschner's „Hüte dich\" möchte man wohl nir-\ngends in Deutschland so vollendet gelungen hören können. Herr"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "40", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580130-01.1.8", "texte": "M. DuMont-Fier glänzte in den Solo-Vorträgen von C. M. v.\nWeber's Freiheitslied („Ein Kind ist uns geboren\") und in einer Com-\nposition von Girschner : „Ihr Auge\" für Bariton und Chor, die\nuns neu war, hübsch melodisch fliesst, aber nicht eben tief aufregt.\nDer Ausdruck, den Herr DuMont hineinlegte, brachte sie zur Gel-\ntung, und der vortreffliche Sänger ärntete damit enthusiastischm\nBeifall. Herr Musik-Director Jul. Tausch aus Düsseldorf trug\nzwischen den Gesängen im ersten Theile die /J-mo//-Sonate, Op 31,\nvon Beethoven, im /weiten eine Phantasie eigener Composition und\ndie Polonaise in As-dur von F. Chopin vor Das Clavierspiel des\nHerrn Tausch ist correct und in der Technik höchst lobens werth;\ner fand den lebhaftesten Beifall und wurde gerufen.\nDer Musik-Verein zu Paderborn brachte in seinem Concerte\nam 22. Januar zwei Ccmpositionen von Max Bruch in Köln zu\nGehör: ~Juhilate, amen\" und „Die Birken und die Erlen\", Gedicht\naus den Waldliedern von G. Pfarrius, für Sopran-Solo, Chor und\nOrchester.\nAus Regensburg, Ende December 1857. Oft hört man die\nMeinung aussprechen, es vertrage sich selten in einem künstlerischen\nGemüthe die profane und die religiöse Richtung. Dass aber beide\nZweige der Kunst, die in ihren verschiedensten Manifestationen im\nGrunde, wie die Wahrheit nur Eine ist, zur schönsten Harmonie\nsich einigen können, beweisen so viele Meister, die neben ihren herr-\nlichen kirchlichen Tonwerken nicht minder grossartige weltliche\nCompositionen schufen. Wie sich auch in der Person des Künstlers\nBeides concentrirt, zeigt der Chorregent J o h. Georg Mettenlei-\nter und die von ihm geleitete Production der vier Jahreszeiten Der\nbekannte Dr. Proske sagt im Appendix der Musica divina: „In\nseinem vieljährigen Wirken als Chor-Dirigent lieferte er durch zahl-\nreiche Productionen der grossartigsten Werke den Beweis, dass er\nnicht minder mit dem Geiste der neueren Kunst vollkommen ver-\ntraut, wie in die Tiefen der älteren Musik eingeweiht ist, sich je-\ndoch die schwierige Aufgabe gestellt hat, den Ueberlieferungen des\nkirchlichen Figural- und Choral-Gesanges vorzugsweise seine Geistes-\nkräfte und jene andauernde Hingebung zu widmen, welche nur in\nder Begeisterung für eine heilige Sache wurzeln kann.\" Mettenleiter,\nergriffen von dem tiefen kindlich frommen und offen munteren Geiste,\nder Haydn's vier Jahreszeiten durchweht, hat dieses Tonwerk, das\nnie vollständig in Regensburg zur Aufführung kam, sondern immer\nnur in Auszügen gegeben wurde, dem regensburger Publicum vorge-\nführt. Die Solo Partieen waren von Frau von Denzinger (Hann-\nchen), Herrn Bezirks-Gerichts-Assessor Gottfried (Lucas) und Herrn\nBariton der hiesigen Oper Lettinger (Simon) mit meisterhafter\nAuffassung vorgetragen. Frau von Denzinger, die bei allen Concerten\nund Oratorien, die Herr Mettenleiter gab, stets mit grösster Bereit-\nwilligkeit durch ihre klangvolle, rsiche Stimme unterstützte, hatte\nauch diesmal wieder, als seine frühere Schülerin, ein öffentliches,\nehrenvolles Zeugniss ihrem Lehrer gegeben Die Chöre zeigten eine\nwahre Begeisterung, eine äusserst gediegene Schule und eine tüch-\ntige, kraftvolle Einheit. Die Herren der einzelnen Semi-\nnarien, deren Zöglinge theils im 'Orchester, theils im Chor mitwirk-\nten, mochten hierbei am besten Gelegenheit haben, die schönen Stim-\nmen und die gesegneten Früchte ihres Wirkens zu bewundern. Der\nLiederkranz und der Gesang-Verein, lauter kräftige, klangreiche Män-\nnerstimmen, die sich stets so bereitwillig um Mettenleiter's Dirigen-\ntenstab scharen, hoben die Lebenskräftigkeit und die gefühlte deut-\nsche Sangweise besonders hervor und bewährten den seit Jahren\nfeststehenden Ruf dieser blühenden Vereine. Wenn wir zum Schlüsse\ndes Orchesters erwähnen, so geschieht dieses nur in höchst gerech-\nter, anerkennender Weise. Schatten und Licht, die einzelnen Teints\ndes in Musik gesetzten Naturbildes in allen Scalen hindurch, waren\ngefühlt und gelungen. Noch klingen die herrlichen Töne, schon\nüber fünfzig Jahre alt und doch mit jedem neuen Frühling neu\nbelebt.\nIn dem VII. Abonnements-Concerte am 26. d. Mts,\nwurde Spohr1 s Weihe der Töne und die Ouvertüren zur Elisa von\nCherubini und zu Fidelio von Beethoven gemacht. Eine recht\nwackere Violinistin, Fräulein Euphro syn e Bordi aus Mailand,\nspielte mit grossem Beifall ein Caprice von Vieuxtemps und das\nSouvenir de Bellini von Artot. Fräulein Cath. Deutz aus Köln\nsang Mendelssohn's Concert-Arie, die Arie in B-dur aus der Schö-\npfung, ein Lied von Nicolai und das Gondellied von Mendelssohn.\nSie hatte einen ganz ausserordentlichen Erfolg und wurde von der\nConcert-Direction sogleich für eines der folgenden Concerte engagirt.\nFräulein Auguste Geb ler aus Köln hatte vor wenigen Tagen\nihr gut besuchtes Benefiz im Theater, worin sie, wie immer, als\ntreffliche Coloratursängerin glänzte.\nBerichtigung.\nIn Nr. 50 der Niederrheinischen Musik-Zeitung (vom vor. Jahre),\nArtikel „C. M. v. Weber in England\", heisst es am Schlüsse: „Zehn\nJahre nach seinem Tode wurde seine Asche nach Deutschland ge-\nschafft und in der katholischen Kirche zu Dresden beigesetzt.\"\nDas ist nicht ganz richtig; es waren bereits 18 Jahre (achtzehn\nJahre) verstrichen Denn die Asche des gefeierten Meisters kam am\n14. December 1844 in Dresden an, wo sie noch an demselben\nAbende in der feierlichsten Weise nach dem katholischen Fried-\nhofe geführt, dort einstweilen in der kleinen Capelle beigesetzt\nund am folgenden Tage, den 15. December, in die auf diesem Fried-\nhofe neu gebaute Gruft eingesenkt wurde.\nHistorische Genauigkeit ist immer wünschenswert!!. Da ich bei\nden Beisetzungs-Feierlichkeiten selber betheiligt war, mochte ich mir\nnicht versagen, Ihnen obige Berichtigung zugehen zu lassen. Mit\nGrösster Hochachtuug\nDresden, den 8. Januar 1858.\n\nF. W. Brauer."}]}