{"numero_id": "bm-bmtnabi-1858-02-13-01", "volume": "bmtnabi_1858-02-13_01", "ocr_sha256": "4727e65f188f9bd56433eac253df78745ecf5d4e0fe3c82e982663f9afcd92ad", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1858/02/13_01/bmtnabi_1858-02-13_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580213-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1858-02-13-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-02-13_01#c001", "volume": "bmtnabi_1858-02-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "49", "page_fin": "49", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580213-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "49", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580213-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 417, "texte": "Inhalt.\nMichael von Glinka und die Musik in Russland. I. Friedrich Kühmstedt (Biographisches). Aus Holland\n(Amsterdam, Haag, Rotterdam, Musik-Aufführungen). Benrth eilungen. Für Gesang: Karl G. P. Grädener. Op. 36. Von L. B. Joh.\nJleuchemer, Op. 4. Franz Wüllner, Op. 2. Von N Tages- und Unterhaltungsblatt (Bonn, Viertes Abonnements-Concert\nHannover, Abonnements-Concert, Mad. 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An seiner Wiege\nklangen ihm die eigentümlichen Weisen seines Vaterlan-\ndes, zu welchen er von Kindheit an eine grosse Liebe\nfasste, die einen bedeutenden Einfluss auf sein Talent und\nsein Kunststreben hatte. Man weiss nicht, wer sein erster\nLehrer in der Musik war; er war bereits achtzehn Jahre\nalt, als er von Field in Moskau Clavier-Unterricht erhielt.\nDiesem Meister aus der guten alten Schule verdankte er\ndas elegante und ausdrucksvolle Spiel, wodurch er in sei-\nnen jüngeren Jahren glänzte.\nDurch Geburt und Vermögen begünstigt, trieb Glinka\nAnfangs die Musik nur aus Liebhaberei. Sein glückliches\nTalent gab ihm Melodieen und Lieder ein, in denen sich\nein feiner Kunstsinn offenbarte. Die Dilettanten trugen sie\nweiter, und bald beeilten sich Verleger, sie zu veröffent-\nlichen. Adolf Henselt hat einige derselben zu Thema's ver-\nschiedener Ciavierstücke benutzt. Auch Glinka schrieb\nmehrere kleinere Stücke für Pianoforte, die sehr gefielen,\nbesonders wenn er sie selbst vortrug.\nNach einem längeren Aufenthalte in Warschau, das\ner erst in Folge der Ereignisse des Jahres 1830 verliess,\nerhielt er von der Regierung die Erlaubniss, nach Italien\nzu reisen. Er blieb mehrere Monate in Wien, ging dann\nnach Venedig, wo er sich wiederum einige Zeit lang auf-\nhielt. In Mailand gab er italiänische Canzonen, Salonstücke\nfür Pianoforte und Saiten-Instrumente über Thema's von\nBellini und Donizetti heraus, ein Septett (Serenade) für\nCiavier, Harfe, Horn, Fagott, Bratsche, Violoncell und\nContrabass über Motive aus Anna Bolena, dann ein Origi-\nnal-Sextett für Ciavier, zwei Violinen, Bratsche, Violoncell\nund Contrabass, und mehrere Variationen und Tänze.\nDas Jahr 1833 brachte Glinka in Neapel zu, wo er\ndie Salons durch sein Clavierspiel und durch seine Lieder\nentzückte, welche der Sänger Iwanoff, der damals noch\nim vollen Besitze seiner herrlichen Tenorstimme war,\nvortrug.\nIm Jahre 1835 war er wieder in Petersburg. Eine\nbedeutende Veränderung war jetzt mit ihm vorgegangen:\nes war ihm Ernst geworden mit der Musik, die er bis jetzt\nnur zur Erholung getrieben hatte; er fühlte den inneren\nBeruf zum Künstler. Der heisse Wunsch, diesen Beruf\nseinem Vaterlande durch eine grosse Composition zu of-\nfenbaren, brachte ihn zu dem Entschlüsse, eine Oper zu\nschreiben. Er wählte natürlich einen russischen Text: „Das\nLeben für den Czaar\", und arbeitete mehrere Jahre mit\nEifer und Liebe. Im Jahre 1839 wurde diese Oper in\nPetersburg aufgeführt und mit Begeisterung aufgenommen;\nja, die öffentliche Stimme erhob den Verfasser sogleich zu\ndem Range der berühmtesten Componisten. Der kaiser-\nliche Hof hatte sich selbst für die Aufführung dieses Na-\ntionalwerkes intcressirt, und nichts war vernachlässigt wor-\nden, um es aufs glänzendste in Scene zu setzen. Leonof,\nein natürlicher Sohn von Field, Tenor und tüchtiger Mu-\nsiker, eine russische, in Frankreich gebildete Sängerin, in\nParis unter dem Namen Verteuil bekannt, die Stepanowa\nals zweite Sängerin und der Bassist Petrof sangen die\nOper, Chor und Orchester waren gut, das Ganze dirigirte\nCavos, ein talentvoller italiänischer Musiker.\nDieser Oper folgte eine zweite, und zwar eine grosse\nOper in fünf Acten: „Russlan und Ludmilla\", deren Stoff\naus der früheren Geschichte der Grossfürsten von Kiew\nnach einem Gedichte von Puschkin für die Bühne bear-\nbeitet war. Sie wurde zwar gut aufgenommen, machte\naber doch nicht das ausserordentliche Glück der ersten,\nwelches hauptsächlich auch durch den Text und die Hand-\nlung hervorgerufen worden war. Seine Landsleute waren\no O\njedoch einstimmig der Meinung, dass beide Partituren Mi-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "50", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580213-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5454, "texte": "chael Glinka zum grössten russischen Componisten der ge-\ngenwärtigen Epoche machten.\nNach dem Erfolg dieser Werke erhielt Glinka von\nNeuem die Erlaubniss, im Auslande zu reisen. Er ging\nnach Spanien und kam auf seinem Wege dahin im Jahre\n1845 nach Paris. Er war vierzig Jahre alt, jedoch Nie-\nmandem, mit Ausnahme einiger Virtuosen, die Russland\nbereis't hatten, bekannt. Er gab ein Concert im Saale\nHerz mit Orchester; ein Chor konnte nicht zusammenge-\nbracht werden, was sehr zu bedauern war, da die Chöre\nin Glinka's Opern eine wichtige Rolle spielen, und er\nmusste sich auf die Aufführung eines Scherzo in Walzer-\nform, einer grossen Cracovienne, eines phantastischen Mar-\nsches aus Russlan und Ludmilla und einiger Lieder be-\nschränken. Ausserdem spielten Haumann und Leopold von\nMeyer in diesem Concerte. Sodann hörte man in einem\nConcerte von 11. Berlioz ein Rondo aus der Oper „Das\nLeben für den Czaar\", welches Mad. Solowiowa (Verteuil)\nsang, und ein grosses Stück Bailetmusik aus Ludmilla. Der\nErfolg entsprach den Erwartungen des Componisten nicht.\nDer russische Text und der Mangel eines Programms über\ndie jedesmalige Situation hinderten das Verständniss. Auch\nsprach die romantische und allerdings etwas eintönige\nFarbe der Musik die Franzosen nicht an, und da man\nvollends in Custine's Buch über Russland eben erst gelesen\nhatte, dass „die russische National-Oper ein abscheuliches\nSchauspiel in einem prächtigen Hause\" sei, so langweilte\nsich das grosse Publicum, und die Musiker stiessen sich an\neinige Sonderbarkeiten und warfen dem Componisten vor,\nStücke von so kleinen Verhältnissen den Parisern vorge-\nführt zu haben.\nTrotzdem, dass eine wohlwollende Kritik in der Ga-\nzette musicale erschien, fühlte sich Glinka doch durch den\ngeringen Erfolg von weiteren Versuchen abgeschreckt, ver-\nliess Paris verstimmt und behielt sein Leben lang eine sehr\nungünstige Meinung von der musicalischen Einsicht der\nFranzosen. Mit Recht und mit Unrecht. Dem grossen Hau-\nfen gefällt nur das, was mit seinem Naturel übereinstimmt\n—das ist in Paris eben so, wie überall; aber es gibt auch\ndort eine ausgewählte Gesellschaft, welche das Kunst-\nschöne mit Geschmack und sicherem Urtheil würdigt und\nbewundert. Man wirft dem pariser Publicum nicht ohne\nGrund seine Vorurtheile gegen alles, was es nicht kennt,\nund seine Vorliebe für berühmte Namen vor: aber man\nmuss ihm auch die Gerechtigkeit widerfahren lassen, an-\nzuerkennen, dass es die Altäre,' die es früheren Berühmt-\nheiten errichtet hat, nicht aus Liebe zum Neuen zerschlägt.\n[? In der Instrumentalmusik —ja; aber in der Oper??]\nIm Sommer 1845 ging Glinka nach Spanien. Im Juli\nwar er in Valladolid, im October kam er nach Madrid.\nDer Zweck seines Aufenthaltes auf der pyrenäischen Halb-\ninsel war hauptsächlich, Volksmelodieen zu sammeln. Als\nMann von Welt, der keine Art von Lebensgenuss ver-\nschmähte, gefiel er sich gar sehr in Spanien und brachte\ndort mehrere Jahre im dolce f zu. Seine Freunde\nhielten ihn für verloren für die Kunst. Er lebte sehr lange\nin Madrid, dann in Andalusien und zuletzt in Cadix. Erst\nim Jahre 1852 kehrte er nach Russland zurück.\nDort schien er sich wieder ermannen und sich von\nNeuem der Thätigkeit, zu der ihn sein natürlicher Beruf\nbefähigte, hingeben zu wollen, zumal da ihm der Kaiser\ndie Direction der Hofcapelle und der Oper übertrug. Diese\nneue Stellung führte ihn zur Beschäftigung mit Kirchen-\nmusik, mit Compositionen für die Kirche, unter denen sich\neine Messe mit Orchester befindet, an welche er die letzte\nHand legte, als der Tod ihn zu Berlin am 15. Februar\n1857 überraschte. Er war erst 53 Jahre alt.\nSein Verlust ist für den Fortschritt der Musik in Russ-\nland bedauernswerth. Wie auch das Urtheil der Nachwelt\nüber die beiden grossen Werke, die seinen Ruf bei seinen\nLandsleuten begründet haben, ausfallen mag, das wird\nsie nicht verkennen, dass seine Musik einen ganz besonde-\nren Charakter hat, einen Charakter, der sich von den ita-\nliänischen, deutschen und französischen Schulen aller Pe-\nrioden unterscheidet. Sie hätte also, wenn sie als eine be-\nsondere Kunstform durch seine Nachfolger entwickelt wor-\nden wäre, eine wirklich russisch e Musik werden können.\nDenn die Musik als Kunst hat in der That während\ndes achtzehnten und des ersten Viertels des neunzehnten\nI\nJahrhunderts in Russland nur ein exotisches Dasein ge-\nhabt. Ein russischer Musiker, Dimitri Stepanowitsch\nBortnianski, in Italien gebildet, hatte allerdings um\n1796 eine Vocal-Kirchenmusik von besonderer Gattung\nund schönem Charakter begründet, als er die kaiserliche\nSänger-Capelle, die unter dem Czaaren Alexis Michailo-\nwitsch gestiftet worden, wieder organisirte. Fremde Künst-\nler und Kunstfreunde, welche den Gesang dieser Capelle\ngehört haben, sprechen sich bekanntlich so darüber aus,\ndass man nichts Schöneres hören könne, sowohl was den\nKlang, den wunderbaren Umfang der Stimmen und die\nFeinheit des Vortrags, als den edeln, ernsten und eindring-\nlichen Charakter der Compositionen betreffe. Aber darauf\nallein und auf die reizenden Volks-Melodieen in den Pro-\nvinzen beschränkte sich die ganze eigentlich russische Mu-\nsik. Unter der Kaiserin Elisabeth wurde eine italiänische\nOper und der Venetianer Galuppi als Dirigent derselben\nund Hofcomponist nach Petersburg berufen. Katharina 11.\nbehielt diese Oper bei und hatte nach und nach Paesiello,\nSarti und Cimarosa in ihren Diensten. Sarti, der durch\nseinen langen Aufenthalt im Lande gewisser Maassen ein"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "51", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580213-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4601, "texte": "RusSe geworden war besass er doch auch dort eine\nMenge Güter und Bauern, welche ihm die Kaiserin und\nder Fürst Potemkin geschenkt hatten, und sprach fertig\nRussisch —, war der Erste, der eine Oper und ein\nDeum auf russische Texte schrieb. Aber die Musik war\nitaliänisch, nichts weiter.\nNach Paul's I. Tode wurde die italiänische Oper ab-\ngeschafft, und Alexander I. berief eine Colonie von fran-\nzösischen Künstlern nach Petersburg, unter ihnen Boiel-\ndieu, Rode, Baillot und den trefflichen Violoncellisten La-\ninarc. Die französische komische Oper trat an die Stelle\nder italiänischen, Boieldieu dirigirte sie und schrieb auch\nneue Werke für diese Bühne. Auch die Clavierspieler Cle-\nmenti und sein Schüler Field waren um dieselbe Zeit dort.\nVor der Anwesenheit aller dieser Künstler kannte man in\nPetersburg und in Moskau nur Pleyersche Musik. Baillot\nund Lamarc führten die Quartette von Haydn und Mozart\nein, für welche die gebildete Aristokratie sich begeisterte.\nDie Traditionen dieser Epoche wurden durch die Grafen\nMatthias und Michael Wielhorski, die Herren Lwoff, Se-\nmenof, Amatof und andere Kunstfreunde fortgepflanzt.\nNach Boieldieu's Abreise folgte ihm Steibelt in der Direc-\ntion der französischen Oper. Er schrieb für sie Cendrillon\nund Sargines und stutzte seine älteren Partituren Romeo\nund Julie und die Prinzessin von Babylon dafür zu. Er\nstarb im Jahre 1823, gerade als er eine neue Oper: „Das\nUrtheil des Midas\", beendigte.\nEs hatte also die dramatische, so wie die Instrumen-\ntal-Musik bis gegen 1825 nur ein eingeführtes Dasein in\nRussland. Erst alsdann erwachte der Schöpfungsgeist bei\neinigen ausgezeichneten Kunstfreunden. Der Graf Michael\nWielhorski schrieb Quartette und Sinfonieen, der Ge-\nneral Alexis Lwoff, Director der kaiserlichen Capelle,\nein sehr talentvoller Violinspieler und Componist, schrieb\nausser mehreren kleineren Sachen und der national ge-\nwordenen Hymne zwei Opern: \" und\n„Undine\", und ein sehr geschätztes Zu der-\nselben Zeit begann Glinka's Talent sich Bahn zu bre-\nchen, während Werstowski seine Oper „Das Grab von\nAskold\" auf die Bühne brachte.\nEin wenig später gab Dargomyski, der eben so wie\nseine Kunstgenossen der höheren Classe der Gesellschaft\nangehörte und sich als Clavierspieler auszeichnete, mehrere\nrussische Lieder heraus, von denen die meisten sehr be-\nliebt wurden. Im Jahre 1848 kam auf der Nationalbühne\nseine Oper „Esmeralda\" zur Aufführung, ein gut geschrie-\nbenes Werk, in welchem man Ensemblestücke von wahr-\nhaft künstlerischer Conception findet. Seitdem sind noch\nzwei Opern von ihm aufgeführt worden, deren Partituren\nich nicht kenne. Dargomyski ist jetzt 44 Jahre alt. Seine\nMusik unterscheidet sich wesentlich von der Musik Glin-\nka's durch die Factur, welche sicherer und den allgemei-\nnen Formen der heutigen Tonkunst angemessener ist; sie\nist auch wohl dramatischer und leidenschaftlicher, allein\nweniger originel und weniger russisch, als die Oper Glin-\nka s „Das Leben für den Czaaru.\nEs ist bekannt, dass in Anton Rubinstein ein neues\nTalent sich in unseren Tagen aufgethan hat. Seine ur-\nsprüngliche Stellung in der Gesellschaft war verschieden\nvon derjenigen seiner vornehmen Vorgänger; er hätte Sol-\ndat werden müssen und war aller Wahrscheinlichkeit nach\nfür die Kunst verloren, wenn die Protection der Gross-\nfürstin Helene sein Schicksal nicht gesichert hätte. Schon\n1841 erregte er als Knabe durch sein Clavierspiel\nBewunderung, und wir wissen alle, dass er gegenwärtig\nzu den Heroen des Pianoforte gehört. Rubinstein hat be-\nreits für Gesang, für Ciavier und für Orchester geschrie-\nben; es sind auch eine oder zwei Opern von ihm, Jugend-\nwerke und mehr als Versuche zu betrachten, aufgeführt\nworden [auch hat er ein Oratorium componirtj. Möge er\nsich nicht auf seiner Bahn verirren und gewisse Tenden-\nzen übertreiben, die in seinen Werken aus der gegenwär-\ntigen Periode hervorzutreten scheinen!\nIm Ganzen genommen, scheint Glinka besser als seine\nKunstgenossen und unmittelbaren Nachfolger dasjenige auf-\ngefasst zu haben, was der russischen Opernmusik einen\nNational-Charakter verleihen kann. Die Wahl seiner Me-\nlodieen und Rhythmen, die sonderbaren harmonischen\nGänge und manche eigenthümliche Formen, die er liebt,\ngeben seinen Werken ein Gepräge von Originalität, und\ndas ist ihr hauptsächlichstes Verdienst.\nMan muss sich desshalb aber auch, um ihn richtig zu\nwürdigen, auf den Standpunkt stellen, den der Componist\neinnahm, als er jene Werke schrieb, und man würde sie\nganz falsch beurtheilen, wenn man darin eine dramatische\nWirkung suchte, wie sie die französische oder italiänische\nOper bedingt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-02-13-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-02-13_01#c003", "volume": "bmtnabi_1858-02-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "51", "page_fin": "53", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580213-01.2.3", "titre_corps": "Friedrich Kühmstedt.", "titre_sommaire": "Friedrich Kühmstedt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "51", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580213-01.1.3", "debut_caractere": 4603, "fin_caractere_exclue": 5046, "texte": "Friedrich Kühmstedt.\nBiographisches.\n„Das Leben ist Todeskampf: man muss sich doch\nso theuer verkaufen, als möglich.\" F. K.\nDie folgenden, von Freundeshand uns mitgetheilten\nBriefe des kürzlich verstorbenen ausgezeichneten Orgel-\nGomponisten Friedrich Kühmstedt (geboren zu Oldesleben\nin Thüringen den 20. December 1809), Professors der\nMusik am grossherzoglich weimarschen Lehrer-Seminar\nzu Eisenach, gewähren wieder einmal einen Blick in ein"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "52", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580213-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5139, "texte": "deutsches Künstlerleben, der sich mit Wehmuth umschlei-\nert, weil er das traurige Loos eines redlichen, bedeuten-\nden Talentes enthüllt, das, von Hause aus zu drückenden\nVerhältnissen durch das Schicksal verurtheilt, sein ganzes\nDasein mit Entsagung und Verzichtung nicht nur auf äus-\nseres Lebensglück, sondern auch auf äussere Anregung\nund geistige Auffrischung hinbringen musste, und nur we-\nnige Stunden fand, in denen es dem Drange des inneren\nBerufes folgen konnte! Man wird sie nicht ohne die innig-\nste Theilnahme lesen.\nI.\n„Eisenach, 3. September 1849.\n„Als Junge von 10—11 Jahren componirte ich schon.\nMeine Eltern, Bauern, hatten sich's aber in den Kopf ge-\nsetzt, mich auf der Kanzel zu sehen. Desshalb kam ich,\n12 Jahre alt, aufs Gymnasium nach Frankenhausen und,\nv 7\n15 Jahre alt, nach Weimar. Dass hier die Neigung, mich\nganz der Musik widmen zu können, immer stärker wurde,\nwirst Du natürlich finden. Dessen ungeachtet gelang es\nmir nicht, mir reelle Kenntnisse und Fertigkeiten in der\nMusik zu erwerben. Die Schulgesetze und Arbeiten mach-\nten es unmöglich. Endlich, 19 Jahre alt, wo ich ziemlich\nfür die Universität reif war, verliess ich gegen den elterli-\nchen Willen das Gymnasium und ging nach Darmstadt zu\nRinck, um die Composition zu studiren. In drei Jahren,\ndie ich unter Rinck arbeitete, war ich nicht nur, wie Rinck\nsagte, ein respectabeler Componist und Contrapunktist,\nsondern auch ein guter Ciavierspieler geworden. Ich spielte\nmit einer ganz artigen Fertigkeit u. s. w. die Concerte\nvon Hummel.\n„Nach Verlauf von drei Jahren ging ich nach Weimar,\num mich unter Hummel weiter auszubilden. Nur ein Jahr\nkonnte ich da verweilen. Eine urplötzlich eintretende Läh-\nmung der rechten Hand zertrümmerte alle meine künst-\nlerischen Projecte und Luftschlösser. Die Lähmung nahm\nin kurzer Zeit so zu, dass ich kein Messer mehr anfassen\nund halten konnte, und ich war mit Einem Male von der\nHöhe eines guten Ciavierspielers und Hoffnung erregenden\nComponisten zum unbrauchbarsten Menschen, zum wahren\nNichts herabgesunken. Das Unglück nöthigte mich, zu\nmeinen Eltern zurückzukehren. Brauche ich Dir wohl\n4\neine Beschreibung von meinem Leben in jener Zeit zu ge-\nben? Zwei Jahre verlebte ich in dumpfer Verzweiflung.\nEndlich kam ich auf den Gedanken, eine grosse Oper zu\ncomponiren und damit den Eltern wie der Welt zu zei-\ngen, dass ich etwas könne. Ich contrahirte mit dem Dich-\nter Ludwig Storch, und nach einem halben Jahre hatte\nich eine grosse, dreiactige Oper, „Die Geisterfürstin\",\nfertig. Ich brachte sie Hummel, meinem Lehrer; er sagte\nmir viel Schmeichelhaftes, aber zur Aufführung kam sie\nnicht, trotzdem, dass man mich ein ganzes Jahr mit Ver-\nsprechungen hingezogen.\n„Endlich unwillig darüber, verlangte ich meine Oper\nzurück und ging nach Leipzig. Aber unbekannt mit der\nwirklichen wie mit der Theater-Welt, ein junger Mensch\nvon 24 Jahren, kam ich nicht zum Ziele. Von da ging\nich nach Berlin. Von meinem Leben in Berlin könnte ich\nein dickes Buch schreiben. Nur so viel: Ich drang nicht\ndurch, trotzdem dass Spontini und Eisner sehr gute Ur-\ntheile über meine Oper gefällt hatten. Eisner wollte bei\nmir sogar Generalbass-Unterricht nehmen. Aber Alles\nschlug fehl, und bald sah ich mich in der schrecklichsten\nNoth, durch abgefeimtesten Betrug- . Ich hatte nichts,\nich konnte nicht aus Berlin heraus und konnte doch auch\nnicht bleiben, oder wusste mich nicht zu halten. So\nschleppte ich ziemlich ein Jahr lang mein Leben in Berlin\nhin. Nach Verlauf dieser Zeit, wo es etwas besser ging\nund durch Unterricht mein Leben zu fristen mir gelang,\nfing ich wieder an, zu studiren. Ich hörte Collegia, Ge-\nschichte, Philosophie u. s. w., fing an zu recensiren u. s.\nw. Das trieb ich so wohl ein und ein halbes Jahr.\n„In dieser Zeit wurde meine jetzige Stelle vacant. Ich\nreis'te von Berlin nach Weimar zurück, meldete mich zu\nder Stelle, obgleich sie nur 180 Thlr. eintrug, und war\nso glücklich!! sie zu bekommen, und so unglücklich,\nmir dadurch den Herrn Organisten R., der sich auch\ndarum beworben hatte und sie schon in den Händen zu\nhaben glaubte, zum ewigen Feinde zu machen.\n„Seit zwölf Jahren bin ich nun hier, hier, wo ich täg-\nlich 5 6—7 Stunden an dem Seminar, Gymnasium und\nder Realschule geben muss, um nur meine Einnahme auf\n310 Thlr. zu bringen. Zehn Jahre habe ich 180\nThlr. gehabt. Vor einem Jahre bat ich um Besoldungs-\nZulage; man gab mir eine Lumperei und den Profes-\nsor-Titel!!!\n„In dieser langen Zeit hab' ich nichts gehört, nichts\ngesehen. Was ich weiss, was ich kenne, das kenne ich nur\naus Partituren, die ich mir erdarbt habe. Und doch habe\nj\nich daneben an hundert grössere und kleinere Werke ge-\nschrieben, zwei Oratorien, eine zwei Sin-\nfonieen, Ouvertüren, Ciaviersachen, Orgelsachen, unter\ndiesen den Gradus ad Parnass die Kunst des Vorspiels,\nfünf Hefte Lieder u. s. w.\"\nII.\n„Eisenach, 1. Februar 1855.\n„Vor einiger Zeit hab' ich auch wieder Einiges für\nCiavier geschrieben, unter Anderem auch eine Sonate, aber\nkein Teufel will das Zeug haben. Freilich sind die Sachen\nnicht ä la Lisztu. s. w. geschrieben. Kurz, ich muss an-\nnehmen, dass die Musik der Gegenwart auf einem Punkte"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "53", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580213-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2680, "texte": "angelangt ist, der mir verschlossen ist, in Folge dessen ich\nschon zu den Künstlern des „überwundenen Standpunk-\ntes\" zu zählen bin. Nun, zum Verwundern wäre dieses\nnicht. Denn ich sehe und höre nichts von Musik, wenn\nman nicht einige schon vor zehn Jahren veraltete, in einem\npaar Bierkneipen von sieben Lehrjungen des hiesigen Stadt-\nmusicus ausgeführte Walzer und Polka's noch Musik\nnennt. In der That, von etwas Anderem ist hier nicht die\nRede. Eine musicalische Zeitung bekommme ich\ngar nicht mehr in die Hände. In ganz Eisenach ist\nkeine zweite musicalische Seele, die sich sehnt, zu wissen,\nwas Neues in der musicalischen Welt passirt, und ich al-\nlein ich hab' nicht so viel, um mir eine halten\nzu können. Denke Dir, lieber Freund, dass ich als gross-\nherzoglich Sachsen-Weimar-Eisenach'scher Professor der\nMusik am Seminar, gewesener Musik-Director, resp. Can-\ntor an der Hauptkirche hier, noch nicht einmal volle 200\nThlr. Besoldung habe (und in der Stadt Eisenach, der zwei-\nten Residenz, wo ich für ein erbärmliches Logis, das im\nWinter nur eine bewohnbare Stube hat, 80 Thlr. Miethe\ngeben muss), so hast Du eigentlich mein Schick-\nsal, meine Künstler-Leiden und Freuden. Denn nun weisst\nDu auch, dass ich mir das tägliche Brod erst durch Pri-\nvatstunden, die früh 9 Uhr beginnen und Abends 7 Uhr\n(Tag für Tag) aufhören, verdienen muss. Zwar habe ich\nkeine eigenen Kinder, aber Vater und Bruderskinder zu\nunterstützen und zu erhalten. So bin ich hier ein zweiter\nSisyphus. Doch das Steinwälzen ist wahrhaftig eine Lum-\nperei gegen die Qual, die ein Mensch auszustehen hat,\nder sich zur Kunst berufen fühlt und seine Kraft\nund Zeit damit vergeuden muss, das ABC dieser\nKunst Jungen und Mädchen einzupauken. Wäh-\nrend ich hier so verschmachte, erhält\n2000 Thlr. Besoldung und lebt —. S'ist lustig!\nJa, es wäre zum Todtlachen, wenn's nur nicht zum Ver-\nä\nzweifeln wäre. Sieh, lieber Freund! unter solchen Verhält-\nnissen geht zuletzt und besonders mit zunehmendem Alter\nAlles zu Grunde, mit der Zeit und Kraft auch die Fähig-\nkeit, sich zusammenzuraffen, sich zu sammeln, seine noch\nübrige Kraft auf einen Punkt zu concentriren. Und ist erst\no\ndieses verloren, so ist Alles verloren. Der Rückgang wird\nzum reissenden Falle. Diesen Fall zu sehen, ihn aber doch\nnicht aufhalten zu können, ist ein Zustand, der nur dem\nzu vergleichen ist, wenn Jemand den Starrkrampf hat und\nsich mit vollem Bewusstsein begraben lassen muss. O,\nüber unsere vielgepriesene, herrliche, christliche Zeit!\nWo ist die Liebe? Wo wird das Streben nach Realisirung\ndes Wahren, Guten und Schönen gefördert?\n„Doch nur zu! Das Leben ist Todeskampf. Man muss\nsich doch so theuer verkaufen, wie möglich.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-02-13-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-02-13_01#c004", "volume": "bmtnabi_1858-02-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "53", "page_fin": "55", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580213-01.2.4", "titre_corps": "Aus Holland.", "titre_sommaire": "Aus Holland.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "53", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580213-01.1.5", "debut_caractere": 2682, "fin_caractere_exclue": 5263, "texte": "Aus Holland.\nAmsterdam. Am 30. üecember v. J. führte die Ge-\nsellschaft zur Beförderung der Tonkunst Karl Reinthaler's\nOratorium „Jephta und seine Tochter\" unter persönlicher\nLeitung des Componisten auf. [S. die Correspondenz aus\nAmsterdam in Nr. 4 dieses Jahrgangs.]\nDer Raum gestattet uns nicht, über die Concerte in\nFelix Meritisins Einzelne zu gehen. Wie gewöhnlich, so\nhaben wir auch diesen Winter starken Besuch von frem-\nden Künstlern, welche mit mehr oder weniger Glück auf-\ntreten. Im vierten Concerte hörten wir zwei schwedische\nKünstler, Herrn Capellmeister Addner, Clarinettist, und\nFräul. Ida Löffgrfen, Sängerin. Beide leisteten nur we-\nnig Bedeutendes. Dagegen lernten wir zwei achtenswerthe\nTalente kennen in dem belgischen Violin-Virtuosen Leen-\nders und dem leipziger Clavierspieler Louis Brassin.\nDas Streben der Concert-Direction, alte und neue Orche-\nsterwerke in steter Abwechslung hören zu lassen, verdient\nAnerkennung. Unter Anderem kam im zweiten Concerte\ndie erste Sinfonie von Beethoven zur Aufführung, und das\nPublicum hatte seine Freude daran, diesen Erstling der\nneun symphonischen Kolosse wieder einmal zu hören. Im\nsiebenten Concerte brachte Herr Capellmeister Aug. Pott\naus Oldenburg eine Sinfonie und eine Ouvertüre, „Tita-\nnia's Wahl\", zu Gehör. Beide Compositionen wurden mit\nreichem Beifalle belohnt.\nHaag. Im zweiten Diligentia-Concerte hörten wir\nFerd. Hill er s Ouvertüre zu „Ein Traum in der Christ-\nnacht\". Eine Abweichung von der gewöhnlichen Ouver-\nturen-Form ist hier deutlich zu erkennen. Wir würden\ndas Musikstück eher dramatische Scene nennen, die\nmit hellen Farben und scharf gezeichneten Zügen darge-\nstellt ist. Die Wirkung war vortrefflich und die Aufnahme\nvon Seiten des Publicums äusserst günstig.\nIm vierten Concerte gab Fräul. aus Paris\nzwei Solo-Vorträge auf dem Orgue Alexandre zum Besten\nund fiel durch, indem nicht allein die vorgetragenen Stücke\nan und für sich höchst unbedeutend waren, sondern auch\ndieses Instrument im Concertsaale nicht passend ist.\nDie zweite Quartett-Unterhaltung brachte zu Gehör:\nQuartett von Schubert, Op. 25, ein Quartett von Beetho-\nven [welches?] und das Trio Op. 70 [welches?] von dem-\nselben.\nAm 6. Januar gab das Orchester-Pensionsfonds-Insti-\ntut „Die Zukunft\" sein fünftes Concert. Das Vorbild der\namsterdam'schen Gesellschaft „Cäcilia\" hatte vor zwei Jah-\nren ein ähnliches Institut hier ins Leben gerufen. Das hie-\nsige Orchester gibt ebenfalls jede Saison nur zwei derar-\ntige Concerte, jedoch bestehen hier die Programme nicht\naus Ensemble-Werken allein, sondern man hört auch Solo-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580213-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5176, "texte": "Vorträge. Diesmal führte das Orchester unter Leitung des\nHerrn J. 11. Lübeck die fünfte Sinfonie von Gade und\ndie Schubert'sche Sinfonie auf, und in höchst vollendeter\nWeise, wie es sich nach einer tüchtigen Vorbereitung durch\nmehrere Proben nicht anders erwarten liess. Unsere ge-\nfeierte Künstlerin Frau Offermans van llove sang eine\nArie aus Mozart's Davidde Penitente. Herr Caubet, Pre-\nmier-Tenor unserer Hofbühne, liess uns sein wahrhaft\nseltenes Organ und Talent in einer Arie aus „Joseph\" von\nMehul von Neuem bewundern. Die Instrumental-Solo-Par-\ntieen waren in den Händen der Herren Henri Wieniawski\nVioline) und C. van der Does (Piano). Wieniawski wurde\nbei seinem Erscheinen auf dem Orchester mit einem Tusch\nder Blech-Instrumente empfangen. Herr van der Does er-\nfreute uns durch den vortrefflichen Vortrag einer Beetho-\nven'schen Sonate.\nObgleich die so genannten Wunderkinder nach und\nnach zu den seltenen Erscheinungen zu gehören anfangen,\nso kommen doch noch dann und wann Talente vor, welche\nsich schon in zarter Jugend mehr als gewöhnlich entwickeln.\nHiervon lieferten die Kinder des Ciavierlehrers Hekking\nneulich einen Beweis. Drei Töchter traten in einer Soiree\nals Pianistinnen und ein Sohn als Violinist auf. Die älteste\nTochter, Fräul. Anna Hekking, bewies sich als eine tüch-\ntig geschulte und mit Talent begabte Pianistin; der zwölf-\njährige Gerard spielte die Violine mit einer für sein Alter\nganz ungewöhnlichen Kraft, so dass er seine Partie neben\nder Begleitung des stark besetzten Orchesters vollkommen\ngeltend machte.\nRotterdam, T.Januar. Drittes Concert derEruditio\nMiisica. Sinfonie Nr. 2, F-dur (Manuscript, zum ersten\nMale), vonW.F. Thooft; Ouvertüren zu Leonore, Nr. 3,\nvon Beethoven und zur Zauberflöte von Mozart. Gesang:\nFrau Bochkolz-Falconi; Violine: Herr Wieniawski.\nHerr Thooft trat diesen Abend zum dritten Male in-\nnerhalb zweier Jahre als Componist auf. Schon mit seinen\nfrüheren Werken, einer Ouvertüre zur Jungfrau von Or-\nleans und einer ersten Sinfonie, hatte derselbe sich die\nGunst unseres Publicums erworben, und freut es uns, sa-\ngen zu können, dass unsere hochgespannte Erwartung\nauch dieses Mal nicht getäuscht wurde. Dieselben Vorzüge,\nwelche seine erste Sinfonie zieren, fanden wir in diesem\nWerke in erhöhtem Maasse wieder: originelle und gut\ndurchgeführte Motive, leichtfliessenden Stil und schöne,\nmeistens zweckmässige Instrumentation. Nach einmaligem\nHören können wir noch kein abschliessendes Urtheil fällen.\nDie Ausführung von Seiten des Orchesters war im Allge-\nmeinen befriedigend; nur waren im Finale vornehmlich die\nBlas-Instrumente einige Male sehr unsicher. Der Componist\nwurde am Schlüsse der Sinfonie mit enthusiastischem Ap-\nplaus hervorgerufen; namentlich erfreute sich sein Werk\nauch der lebhaften Anerkennung der hiesigen Künstler,\nwie des Herrn Verhülst und Anderer. Die Ausführung der\nbeiden Ouvertüren war recht tüchtig.\nIn Zeiten, wo so grosser Mangel an guten Gesangs-\nkünstlern gefühlt wird, wie gegenwärtig, ist eine Sängerin\nwie Frau Bochkolz-Falconi eine doppelt willkommene Er-\nscheinung, zumal dieselbe noch Vertreterin der alten ita-\nliänischen Schule ist. Frau Bochkolz-Falconi sang diesmal\neine Arie aus Titus und eine aus Ernani. Herrn Henri\nWieniawski einen der grossartigsten Violinspieler der Ge-\ngenwart zu nennen, wird wohl nicht als Ueberlreibung\ngerügt werden. Wir haben wenig Violin-Virtuosen gehört,\nwelche einen solchen kräftigen und in Gesangstellen herz-\nergreifenden Ton besitzen. Technik und Vortrag lassen\nnichts zu wünschen übrig. Herr W ieniawski spielte ein\nAllegro aus dem Concert militaire von Lipinsky und eine\nvon ihm selbst componirte Polonaise.\nViertes Concert der Eruditio 21. Januar. Sin-\nfonie Nr. 5 mit obligatem Pianoforte von Niels W. Gade,\nOuvertüren von AI. Schmitt und Bennett. Gesang:\nFräul. Ciaire Dobre; Pianoforte: Herr Bremer; Vio-\nloncelli Herr Grützmacher.\nDie Gade'sche Sinfonie wurde hier zum ersten Male\ngehört und vom Publicum günstig aufgenommen. Mit der\nAnwendung des obligaten Pianoforte können wir uns\naber nicht vereinigen; auf diese Weise wird die Kraft der\nOrchester-Masse eher dadurch verringert, als verstärkt.\nDagegen würde das Pianoforte, ganz als Orchester-Instru-\nment angewandt, wie Hector Berlioz solches schon in sei-\nner Instrumentationslehre angedeutet hat, vielleicht eine\ngute Wirkung machen können. Es versteht sich, dass als-\ndann eine Mehrzahl von Ciavieren, nach dem Räume des\nSaales und der Stärke des Orchesters berechnet, ange-\nwandt werden müsste. [?]\nDie Aufführung der Ouvertüre von Aloys Schmitt\nkönnen wir nur als einen MissgrifF von Seiten der Direc-\ntion bezeichnen; dagegen war uns die Bennett'sche Ouver-\ntüre „Die Waldnymphe\" recht willkommen.\n%\nFräul. Ciaire Dobre aus Paris sang eine Arie aus Fer-\ndinand Cortez von Spontini und die bekannte Romanze\n„Sombres forets\" aus Rossini's Teil. Ihre Stimme empfiehlt\nsich durch angenehmen und weichen Klang, ihr Vortrag\nist sehr gut, nur liess das Portamento Manches zu wün-\nschen übrig.\nUnser Pianist Johann Bremer spielte die Clavier-Partie\nin der Sinfonie und ferner ein Andante und Finale aus\neinem Concerte von Henselt mit Virtuosität und gutem\nVortrag."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "55", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580213-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 179, "texte": "Herr Grützmacher aus Leipzig ärntete grossen Beifall\ndurch sein sowohl edles als recht tüchtiges Violoncellspiel.\nEr trug ein Concert und eine Phantasie eigener Compo-\nsition vor."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-02-13-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-02-13_01#c005", "volume": "bmtnabi_1858-02-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "55", "page_fin": "56", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580213-01.2.5", "titre_corps": "Beurtheilungen.", "titre_sommaire": "Beurtheilungen.", "signature_source": "N", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "55", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580213-01.1.7", "debut_caractere": 181, "fin_caractere_exclue": 4693, "texte": "Beurtheilungen.\nFür Gesang.\n\nKarl G. P. Grädener, Zvviegesang der Elfen von\nRob. Reinick. Ein Nachtstück für sechsstimmigen\nChor, Solostimmen und kleines Orchester. Op. 36.\nClavier-Auszug vom Componisten. Preis V/3 Thlr.\nHamburg, bei F. Schubert. (Solo- und Chorstim-\nmen 1 Thlr. Orchester-Partitur ist in Abschrift\nzu haben.)\nDas allerliebste Gedicht von Reinick: „Hört ihr das\nFlüstern?\" begegnet uns hier in einer musicalischen Ver-\nduftigung, möchten wir sagen, welche sowohl in Bezug auf\nForm und Auffassung, als auf melodische und harmonische\nGestaltung sehr einnimmt und sich überall Freunde und\nbesonders auch Freundinnen gewinnen wird. Diese Com-\nposition ist ein reizendes und anmuthiges Nacht- und Mond-\nlichtstück, das sich keck an seine Vorbilder reihen kann;\nC. M. von Weber's und Mendelssohn's Elfen im Oberon\nund im Sommernachtstraum werden in den jüngeren Brü-\ndern und Schwestern die Familien-Aehnlichkeit gern sehen,\naber sich dabei um so mehr gewisser eigenthümlicher Züge\nin den Physiognomieen erfreuen, und besonders auch an\nden neuen, auf kunstreiche und doch natürlich fliessende\nWeise verschlungenen Chorreigen Wohlgefallen finden.\nEin lebhafter %-Tact jn D-moll beginnt: clie sechs\nStimmen sind zwei Soprane und ein Alt, zwei Tenöre und\nein Bass. Es hüpft Alles leicht und leise in Achteln herbei,\num zu „lauschen, ob es die Rosen sind\", oder „des Win-\ndes Hauch\", oder, wie eine Solostimme fragt: „Sind es die\nVögelein im Strauch?\" bis eine andere Alle zur Laube\nlockt: „Störet sie nicht!\" Nun tritt mit den Worten:\n„Heimliche Liebe will nicht verrathen sein\" u. s. w., ein\nerst dreistimmiger, nach und nach sechsstimmiger Sologe-\nsang, F-dur,4/4, in langsamerem Tempo ein, dessen lieb-\nliche Melodie von einzelnen unisonen Chorstellen: „Störet\nsie nicht!\" nicht so sehr unterbrochen als gehoben wird.\nBei der Wiederholung nimmt der Chor die Haupt-Melodie\nauf, und eine Sopran-Solostimme schwebt darüber, nicht\n* aber etwa in französisch coquetter Coloratur, sondern in\nsanften melodischen Triolen, wie eine Spohr'sche Solo-\nVioline. Am Schlüsse dieses sehr hübschen Satzes sind dem\nComponisten unbewusst zwei ganz kleine Reminiscenzen in\ndie Feder gekommen, eine ausFidelio (Finale desl. Actes,\nNachspiel):\nv\nhier in F-, dort in B-dur und gleich hinterher aus der\nHebriden-Ouverture:\nwo nur noch das c nach dem f fehlt, um das Motiv zu ver-\nvollständigen. Uebrigens machen sich diese fünf Tacte recht\nhübsch an dieser Stelle. Nach dem Schlüsse, den sie ein-\nleiten, tritt auf die Worte: „Gute Nacht! Fort mit des\nMondes Strahl! Schweig', liebe Nachtigall!\" ein Chorsatz\nin D-moll, der Haupt-Tonart des Ganzen, in schnellerem\n4/4-Tact, doch „nicht zu rasch\" ein, der acht Seiten des\nCiavier-Auszugs füllt und einen sehr artigen und durchweg\npolyphon gearbeiteten sechsstimmigen Gesang bildet in\nder That bei diesem Texte, dieser Situation und dem ganz\nund gar romantischen Charakter der Musik des ganzen\nStückes ein neuer und überraschend gelungen durchge-\nführter Gedanke! Am Ende kehren in Form einer Instru-\nmental-Coda die Motive der Einleitung (so dass hier zwölf\nAchtel statt sechs in den Tact kommen) zurück, in welche\neinzelne Chorstimmen ihr „Gute Nacht\" leise verschwin-\ndend hineinrufen.\nWir empfehlen diesen Elfengesang allen kleinen und\ngrossen Gesang-Vereinen angelegentlich; auch bloss mit\ngut gespielter Clavier-Begleitung wird er gute Wirkung\nmachen und mit grossem Vergnügen gesungen werden.\nDie Ausführung ist nicht schwierig, sie erfordert nur stren-\ngen Tact und zarten Vortrag. Der Titel „Z wiegesang\",\nden das Gedicht hat, könnte ein Missverständniss veran-\nlassen; wir haben dabei, dass der Componist einen Chor-\nund Sechsgesang daraus gemacht hat, nur gewonnen.\nL. B.\nJoh. Heuchemer, Op. 4, Vier Lieder, bei Rieter-\nBiedermann in Winterthur.\nDieses Liederheft verdient allen Freunden schönen,\ninnigen Gesanges aufs wärmste empfohlen zu werden. Die\nMelodieen zeichnen sich durch Fluss uud dennoch inniges\nAnschmiegen an die Textvvorte aus, die Begleitung ist fein\nund in dem letzten der Lieder höchst originel, ohne jedoch\nim Geringsten den Gesang zu überwuchern.\nDas erste Lied ist freundlich, erhebt sich aber nicht\nzu der Bedeutung der folgenden; auch ist der Perioden-\nbau desselben etwas verwickelt und vielleicht unklar. Das\nfolgende Lied „Passiflora\" ist sehr schön, tief empfunden;\nder Componist hat ein gefährliches Mittel, die Vermischung\nzweier Tactarten (2A und y*), welche so leicht zur Zer-\nrissenheit der Melodie führt, mit dem grössten Glück be-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580213-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1269, "texte": "nutzt. Nr. 3, „Des Morgens in dem Thaue\", ist ein ge-\nsundes, frisches und dabei sehr zartes Liedchen, während\nNr. 4, „Schilflied\", durchaus wehmüthig, elegisch klingt;\ndiese letzte Composition, ja, die drei letzten Lieder des\nHeftes gehören sicherlich zum Besten, was seit Schubert\nund Mendelssohn in diesem Fache geschrieben wurde.\nFranz Wüllner, 0p.2, Sechs Lieder. Op. 4, Sechs\nLieder. Beide Hefte bei Kahnt in Leipzig.\nAuch diese Lieder sind eine sehr dankensw erthe Be-\nreicherung des deutschen Liederschatzes. Op. 2, „Meine\nLieb' ist ein Segelschiff\", ist frisch und kräftig, „Lieb'um\nLiebe\" 4) „Neues Leben\" sind schwungvoll und\nfliessend, „Trost im Scheiden\" dagegen ist bescheiden, ein-\nfach und ansprechend. Gegen Nr. 6 in Op. 2, „Ich hab'\ndich geliebt\", ist einzuwenden, dass der Componist darin\nviel Chromatik und gezwungene Modulationen gebraucht\nhat. Die Clavier-Begleitung, obwohl hier und da zu schwie-\nrig (besonders in Nr. 6 von Op. 4), ist immer hübsch aus-\ngearbeitet. Wir hätten dieselbe an manchen Stellen einfa-\ncher gewünscht, doch wird sie unter geübten Fingern\nvoll Und reich klingen, was die Lieder, wenn sie z. B. im\nConcerte vorgetragen werden, wozu sich mehrere dersel-\nben sehr gut eignen, nur um so effectvoller machen wird.\n\nN ........"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-02-13-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-02-13_01#c008", "volume": "bmtnabi_1858-02-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "56", "page_fin": "56", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580213-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580213-01.1.8", "debut_caractere": 1271, "fin_caractere_exclue": 3968, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nÜSoilil. Im vierten Abonnements-Concerte am 30. v. Mts. ka-\nmen zur Aufführung: Sinfonie Nr. 4 in D-moll von Rob. Schu-\nmann; Lorelei, Gedicht von W* Müller, für Solostimmen, Chor\nund Orchester componirt von F. Hiller; Violin-Concert Nr. 5 von\nMolique, erster Satz; Cavatine von C. M. von Weber für So-\npran; Andante von Ernst und Ronde des Lutins von Bazzini für\ndie Violine; Ouvertüre „Die Hebriden\" von Mendelssohn.\nEs war etwas viel moderne Romantik auf einmal in dem Pro-\ngramm; die Orchestersachen wurden im Verhältniss der Kräfte zu\nden Schwierigkeiten einer feinen Ausführung befriedigend gespielt.\nAm meisten sprachen Hiller's Lorelei in Composition und Ausfüh-\nrung und die Violin-Vorträge das Publicum an. Fräulein Cath.\nDeutz sang die Lorelei mit leidenschaftlichem Feuer und wurde\nmehrere Male durch den lebhaftesten Beifall unterbrochen; auch\nHerr Peretti trug die Tenor-Partie des Fischerknaben ganz hübsch\nvor. Der Chor war präcis und besonders in den Frauenstimmen\nrecht frisch und klangvoll. Herr Concertmeister J. Grunwald aus\nKöln erregte durch sein vortreffliches Violinspiel einen Enthusiasmus,\nwie er bei dem bonner Publicum selten vorkommt. Wenn der edle\nVortrag des Concertsatzes von Molique seine gediegene Schule des\ndeutschen Spiels bekundete, so riss die meisterhafte Ausführung der\nBazzinfschen Hexereien die Menge zu stürmischem Applaus und\nDacapo-Ruf hin, welchem der Künstler denn auch am Ende fol-\ngen musste.\nIn Hannover wirkten Sonnabend den G. Februar im Abonne-\nments-Concerte folgende Künstler mit: Alexander Dreyschock,\nFrau Nottes und die junge Violinistin Fräul. von Wendheim.\n• Letztere ist schon jetzt eine sehr bedeutende Künstlerin. S-onnabend\nden 13. d. Mts. wird A. Dreyschock im Concertsaale des Hoftheaters\nein Concert geben.\nMad. Adelaide Ristori ist den Wünschen nachgekommen und\nam 10. d. Mts. im Hoftheater zum zweiten Male aufgetreten, und\nzwar diesmal als Medea.\nZur Mitwirkung im achten Privat-Concerte zu Bremen (9. Fe-\nbruar) waren Hr. Hof-Capellmeister Alexander Dreyschock und\nFräul. Auguste Gebler geladen. Das Orchester führte die Ouver-\ntüren zu „König Stephan4' von Beethoven (~König Stephan, Un-\ngarns erster Wohlthäter\", ist ein Festspiel, welches Beethoven zur Er-\nöffnung des neuen Theaters'in Pesth im Jahre 1812 componirte) und\nzu Wilhelm Teil von Rossini, so wie die Sinfonie Nr. 1 C-moll\nvon Niels W. Gade aus. Dreyschock ärntete durch den Vortrag\ndes Concertes in Es-dur von Beethoven und seines Marche triom-\nphale selbstredend neue Lorbern. Fräul. Gebler sang eine Arie aus\nder Schöpfung („Auf starkem Fittich\") und eine aus Torquato Tasso\nvon Donizetti, und empfing grosse Beifallssalven."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "49", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580213-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nMichael von Glinka und die Musik in Russland. I. Friedrich Kühmstedt (Biographisches). Aus Holland\n(Amsterdam, Haag, Rotterdam, Musik-Aufführungen). Benrth eilungen. Für Gesang: Karl G. P. Grädener. Op. 36. Von L. B. Joh.\nJleuchemer, Op. 4. Franz Wüllner, Op. 2. Von N Tages- und Unterhaltungsblatt (Bonn, Viertes Abonnements-Concert\nHannover, Abonnements-Concert, Mad. Ristori Bremen, achtes Privat-Concert).\n\nMichael von Glinka und die Musik in Russland.\nI.\nMichael von Glinka ist im Jahre 1804 bei Smolensk\nvon adeligen und reichen Eltern geboren. An seiner Wiege\nklangen ihm die eigentümlichen Weisen seines Vaterlan-\ndes, zu welchen er von Kindheit an eine grosse Liebe\nfasste, die einen bedeutenden Einfluss auf sein Talent und\nsein Kunststreben hatte. Man weiss nicht, wer sein erster\nLehrer in der Musik war; er war bereits achtzehn Jahre\nalt, als er von Field in Moskau Clavier-Unterricht erhielt.\nDiesem Meister aus der guten alten Schule verdankte er\ndas elegante und ausdrucksvolle Spiel, wodurch er in sei-\nnen jüngeren Jahren glänzte.\nDurch Geburt und Vermögen begünstigt, trieb Glinka\nAnfangs die Musik nur aus Liebhaberei. Sein glückliches\nTalent gab ihm Melodieen und Lieder ein, in denen sich\nein feiner Kunstsinn offenbarte. Die Dilettanten trugen sie\nweiter, und bald beeilten sich Verleger, sie zu veröffent-\nlichen. Adolf Henselt hat einige derselben zu Thema's ver-\nschiedener Ciavierstücke benutzt. Auch Glinka schrieb\nmehrere kleinere Stücke für Pianoforte, die sehr gefielen,\nbesonders wenn er sie selbst vortrug.\nNach einem längeren Aufenthalte in Warschau, das\ner erst in Folge der Ereignisse des Jahres 1830 verliess,\nerhielt er von der Regierung die Erlaubniss, nach Italien\nzu reisen. Er blieb mehrere Monate in Wien, ging dann\nnach Venedig, wo er sich wiederum einige Zeit lang auf-\nhielt. In Mailand gab er italiänische Canzonen, Salonstücke\nfür Pianoforte und Saiten-Instrumente über Thema's von\nBellini und Donizetti heraus, ein Septett (Serenade) für\nCiavier, Harfe, Horn, Fagott, Bratsche, Violoncell und\nContrabass über Motive aus Anna Bolena, dann ein Origi-\nnal-Sextett für Ciavier, zwei Violinen, Bratsche, Violoncell\nund Contrabass, und mehrere Variationen und Tänze.\nDas Jahr 1833 brachte Glinka in Neapel zu, wo er\ndie Salons durch sein Clavierspiel und durch seine Lieder\nentzückte, welche der Sänger Iwanoff, der damals noch\nim vollen Besitze seiner herrlichen Tenorstimme war,\nvortrug.\nIm Jahre 1835 war er wieder in Petersburg. Eine\nbedeutende Veränderung war jetzt mit ihm vorgegangen:\nes war ihm Ernst geworden mit der Musik, die er bis jetzt\nnur zur Erholung getrieben hatte; er fühlte den inneren\nBeruf zum Künstler. Der heisse Wunsch, diesen Beruf\nseinem Vaterlande durch eine grosse Composition zu of-\nfenbaren, brachte ihn zu dem Entschlüsse, eine Oper zu\nschreiben. Er wählte natürlich einen russischen Text: „Das\nLeben für den Czaar\", und arbeitete mehrere Jahre mit\nEifer und Liebe. Im Jahre 1839 wurde diese Oper in\nPetersburg aufgeführt und mit Begeisterung aufgenommen;\nja, die öffentliche Stimme erhob den Verfasser sogleich zu\ndem Range der berühmtesten Componisten. Der kaiser-\nliche Hof hatte sich selbst für die Aufführung dieses Na-\ntionalwerkes intcressirt, und nichts war vernachlässigt wor-\nden, um es aufs glänzendste in Scene zu setzen. Leonof,\nein natürlicher Sohn von Field, Tenor und tüchtiger Mu-\nsiker, eine russische, in Frankreich gebildete Sängerin, in\nParis unter dem Namen Verteuil bekannt, die Stepanowa\nals zweite Sängerin und der Bassist Petrof sangen die\nOper, Chor und Orchester waren gut, das Ganze dirigirte\nCavos, ein talentvoller italiänischer Musiker.\nDieser Oper folgte eine zweite, und zwar eine grosse\nOper in fünf Acten: „Russlan und Ludmilla\", deren Stoff\naus der früheren Geschichte der Grossfürsten von Kiew\nnach einem Gedichte von Puschkin für die Bühne bear-\nbeitet war. Sie wurde zwar gut aufgenommen, machte\naber doch nicht das ausserordentliche Glück der ersten,\nwelches hauptsächlich auch durch den Text und die Hand-\nlung hervorgerufen worden war. Seine Landsleute waren\no O\njedoch einstimmig der Meinung, dass beide Partituren Mi-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "50", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580213-01.1.2", "texte": "chael Glinka zum grössten russischen Componisten der ge-\ngenwärtigen Epoche machten.\nNach dem Erfolg dieser Werke erhielt Glinka von\nNeuem die Erlaubniss, im Auslande zu reisen. Er ging\nnach Spanien und kam auf seinem Wege dahin im Jahre\n1845 nach Paris. Er war vierzig Jahre alt, jedoch Nie-\nmandem, mit Ausnahme einiger Virtuosen, die Russland\nbereis't hatten, bekannt. Er gab ein Concert im Saale\nHerz mit Orchester; ein Chor konnte nicht zusammenge-\nbracht werden, was sehr zu bedauern war, da die Chöre\nin Glinka's Opern eine wichtige Rolle spielen, und er\nmusste sich auf die Aufführung eines Scherzo in Walzer-\nform, einer grossen Cracovienne, eines phantastischen Mar-\nsches aus Russlan und Ludmilla und einiger Lieder be-\nschränken. Ausserdem spielten Haumann und Leopold von\nMeyer in diesem Concerte. Sodann hörte man in einem\nConcerte von 11. Berlioz ein Rondo aus der Oper „Das\nLeben für den Czaar\", welches Mad. Solowiowa (Verteuil)\nsang, und ein grosses Stück Bailetmusik aus Ludmilla. Der\nErfolg entsprach den Erwartungen des Componisten nicht.\nDer russische Text und der Mangel eines Programms über\ndie jedesmalige Situation hinderten das Verständniss. Auch\nsprach die romantische und allerdings etwas eintönige\nFarbe der Musik die Franzosen nicht an, und da man\nvollends in Custine's Buch über Russland eben erst gelesen\nhatte, dass „die russische National-Oper ein abscheuliches\nSchauspiel in einem prächtigen Hause\" sei, so langweilte\nsich das grosse Publicum, und die Musiker stiessen sich an\neinige Sonderbarkeiten und warfen dem Componisten vor,\nStücke von so kleinen Verhältnissen den Parisern vorge-\nführt zu haben.\nTrotzdem, dass eine wohlwollende Kritik in der Ga-\nzette musicale erschien, fühlte sich Glinka doch durch den\ngeringen Erfolg von weiteren Versuchen abgeschreckt, ver-\nliess Paris verstimmt und behielt sein Leben lang eine sehr\nungünstige Meinung von der musicalischen Einsicht der\nFranzosen. Mit Recht und mit Unrecht. Dem grossen Hau-\nfen gefällt nur das, was mit seinem Naturel übereinstimmt\n—das ist in Paris eben so, wie überall; aber es gibt auch\ndort eine ausgewählte Gesellschaft, welche das Kunst-\nschöne mit Geschmack und sicherem Urtheil würdigt und\nbewundert. Man wirft dem pariser Publicum nicht ohne\nGrund seine Vorurtheile gegen alles, was es nicht kennt,\nund seine Vorliebe für berühmte Namen vor: aber man\nmuss ihm auch die Gerechtigkeit widerfahren lassen, an-\nzuerkennen, dass es die Altäre,' die es früheren Berühmt-\nheiten errichtet hat, nicht aus Liebe zum Neuen zerschlägt.\n[? In der Instrumentalmusik —ja; aber in der Oper??]\nIm Sommer 1845 ging Glinka nach Spanien. Im Juli\nwar er in Valladolid, im October kam er nach Madrid.\nDer Zweck seines Aufenthaltes auf der pyrenäischen Halb-\ninsel war hauptsächlich, Volksmelodieen zu sammeln. Als\nMann von Welt, der keine Art von Lebensgenuss ver-\nschmähte, gefiel er sich gar sehr in Spanien und brachte\ndort mehrere Jahre im dolce f zu. Seine Freunde\nhielten ihn für verloren für die Kunst. Er lebte sehr lange\nin Madrid, dann in Andalusien und zuletzt in Cadix. Erst\nim Jahre 1852 kehrte er nach Russland zurück.\nDort schien er sich wieder ermannen und sich von\nNeuem der Thätigkeit, zu der ihn sein natürlicher Beruf\nbefähigte, hingeben zu wollen, zumal da ihm der Kaiser\ndie Direction der Hofcapelle und der Oper übertrug. Diese\nneue Stellung führte ihn zur Beschäftigung mit Kirchen-\nmusik, mit Compositionen für die Kirche, unter denen sich\neine Messe mit Orchester befindet, an welche er die letzte\nHand legte, als der Tod ihn zu Berlin am 15. Februar\n1857 überraschte. Er war erst 53 Jahre alt.\nSein Verlust ist für den Fortschritt der Musik in Russ-\nland bedauernswerth. Wie auch das Urtheil der Nachwelt\nüber die beiden grossen Werke, die seinen Ruf bei seinen\nLandsleuten begründet haben, ausfallen mag, das wird\nsie nicht verkennen, dass seine Musik einen ganz besonde-\nren Charakter hat, einen Charakter, der sich von den ita-\nliänischen, deutschen und französischen Schulen aller Pe-\nrioden unterscheidet. Sie hätte also, wenn sie als eine be-\nsondere Kunstform durch seine Nachfolger entwickelt wor-\nden wäre, eine wirklich russisch e Musik werden können.\nDenn die Musik als Kunst hat in der That während\ndes achtzehnten und des ersten Viertels des neunzehnten\nI\nJahrhunderts in Russland nur ein exotisches Dasein ge-\nhabt. Ein russischer Musiker, Dimitri Stepanowitsch\nBortnianski, in Italien gebildet, hatte allerdings um\n1796 eine Vocal-Kirchenmusik von besonderer Gattung\nund schönem Charakter begründet, als er die kaiserliche\nSänger-Capelle, die unter dem Czaaren Alexis Michailo-\nwitsch gestiftet worden, wieder organisirte. Fremde Künst-\nler und Kunstfreunde, welche den Gesang dieser Capelle\ngehört haben, sprechen sich bekanntlich so darüber aus,\ndass man nichts Schöneres hören könne, sowohl was den\nKlang, den wunderbaren Umfang der Stimmen und die\nFeinheit des Vortrags, als den edeln, ernsten und eindring-\nlichen Charakter der Compositionen betreffe. Aber darauf\nallein und auf die reizenden Volks-Melodieen in den Pro-\nvinzen beschränkte sich die ganze eigentlich russische Mu-\nsik. Unter der Kaiserin Elisabeth wurde eine italiänische\nOper und der Venetianer Galuppi als Dirigent derselben\nund Hofcomponist nach Petersburg berufen. Katharina 11.\nbehielt diese Oper bei und hatte nach und nach Paesiello,\nSarti und Cimarosa in ihren Diensten. Sarti, der durch\nseinen langen Aufenthalt im Lande gewisser Maassen ein"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "51", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580213-01.1.3", "texte": "RusSe geworden war besass er doch auch dort eine\nMenge Güter und Bauern, welche ihm die Kaiserin und\nder Fürst Potemkin geschenkt hatten, und sprach fertig\nRussisch —, war der Erste, der eine Oper und ein\nDeum auf russische Texte schrieb. Aber die Musik war\nitaliänisch, nichts weiter.\nNach Paul's I. Tode wurde die italiänische Oper ab-\ngeschafft, und Alexander I. berief eine Colonie von fran-\nzösischen Künstlern nach Petersburg, unter ihnen Boiel-\ndieu, Rode, Baillot und den trefflichen Violoncellisten La-\ninarc. Die französische komische Oper trat an die Stelle\nder italiänischen, Boieldieu dirigirte sie und schrieb auch\nneue Werke für diese Bühne. Auch die Clavierspieler Cle-\nmenti und sein Schüler Field waren um dieselbe Zeit dort.\nVor der Anwesenheit aller dieser Künstler kannte man in\nPetersburg und in Moskau nur Pleyersche Musik. Baillot\nund Lamarc führten die Quartette von Haydn und Mozart\nein, für welche die gebildete Aristokratie sich begeisterte.\nDie Traditionen dieser Epoche wurden durch die Grafen\nMatthias und Michael Wielhorski, die Herren Lwoff, Se-\nmenof, Amatof und andere Kunstfreunde fortgepflanzt.\nNach Boieldieu's Abreise folgte ihm Steibelt in der Direc-\ntion der französischen Oper. Er schrieb für sie Cendrillon\nund Sargines und stutzte seine älteren Partituren Romeo\nund Julie und die Prinzessin von Babylon dafür zu. Er\nstarb im Jahre 1823, gerade als er eine neue Oper: „Das\nUrtheil des Midas\", beendigte.\nEs hatte also die dramatische, so wie die Instrumen-\ntal-Musik bis gegen 1825 nur ein eingeführtes Dasein in\nRussland. Erst alsdann erwachte der Schöpfungsgeist bei\neinigen ausgezeichneten Kunstfreunden. Der Graf Michael\nWielhorski schrieb Quartette und Sinfonieen, der Ge-\nneral Alexis Lwoff, Director der kaiserlichen Capelle,\nein sehr talentvoller Violinspieler und Componist, schrieb\nausser mehreren kleineren Sachen und der national ge-\nwordenen Hymne zwei Opern: \" und\n„Undine\", und ein sehr geschätztes Zu der-\nselben Zeit begann Glinka's Talent sich Bahn zu bre-\nchen, während Werstowski seine Oper „Das Grab von\nAskold\" auf die Bühne brachte.\nEin wenig später gab Dargomyski, der eben so wie\nseine Kunstgenossen der höheren Classe der Gesellschaft\nangehörte und sich als Clavierspieler auszeichnete, mehrere\nrussische Lieder heraus, von denen die meisten sehr be-\nliebt wurden. Im Jahre 1848 kam auf der Nationalbühne\nseine Oper „Esmeralda\" zur Aufführung, ein gut geschrie-\nbenes Werk, in welchem man Ensemblestücke von wahr-\nhaft künstlerischer Conception findet. Seitdem sind noch\nzwei Opern von ihm aufgeführt worden, deren Partituren\nich nicht kenne. Dargomyski ist jetzt 44 Jahre alt. Seine\nMusik unterscheidet sich wesentlich von der Musik Glin-\nka's durch die Factur, welche sicherer und den allgemei-\nnen Formen der heutigen Tonkunst angemessener ist; sie\nist auch wohl dramatischer und leidenschaftlicher, allein\nweniger originel und weniger russisch, als die Oper Glin-\nka s „Das Leben für den Czaaru.\nEs ist bekannt, dass in Anton Rubinstein ein neues\nTalent sich in unseren Tagen aufgethan hat. Seine ur-\nsprüngliche Stellung in der Gesellschaft war verschieden\nvon derjenigen seiner vornehmen Vorgänger; er hätte Sol-\ndat werden müssen und war aller Wahrscheinlichkeit nach\nfür die Kunst verloren, wenn die Protection der Gross-\nfürstin Helene sein Schicksal nicht gesichert hätte. Schon\n1841 erregte er als Knabe durch sein Clavierspiel\nBewunderung, und wir wissen alle, dass er gegenwärtig\nzu den Heroen des Pianoforte gehört. Rubinstein hat be-\nreits für Gesang, für Ciavier und für Orchester geschrie-\nben; es sind auch eine oder zwei Opern von ihm, Jugend-\nwerke und mehr als Versuche zu betrachten, aufgeführt\nworden [auch hat er ein Oratorium componirtj. Möge er\nsich nicht auf seiner Bahn verirren und gewisse Tenden-\nzen übertreiben, die in seinen Werken aus der gegenwär-\ntigen Periode hervorzutreten scheinen!\nIm Ganzen genommen, scheint Glinka besser als seine\nKunstgenossen und unmittelbaren Nachfolger dasjenige auf-\ngefasst zu haben, was der russischen Opernmusik einen\nNational-Charakter verleihen kann. Die Wahl seiner Me-\nlodieen und Rhythmen, die sonderbaren harmonischen\nGänge und manche eigenthümliche Formen, die er liebt,\ngeben seinen Werken ein Gepräge von Originalität, und\ndas ist ihr hauptsächlichstes Verdienst.\nMan muss sich desshalb aber auch, um ihn richtig zu\nwürdigen, auf den Standpunkt stellen, den der Componist\neinnahm, als er jene Werke schrieb, und man würde sie\nganz falsch beurtheilen, wenn man darin eine dramatische\nWirkung suchte, wie sie die französische oder italiänische\nOper bedingt.\n\nFriedrich Kühmstedt.\nBiographisches.\n„Das Leben ist Todeskampf: man muss sich doch\nso theuer verkaufen, als möglich.\" F. K.\nDie folgenden, von Freundeshand uns mitgetheilten\nBriefe des kürzlich verstorbenen ausgezeichneten Orgel-\nGomponisten Friedrich Kühmstedt (geboren zu Oldesleben\nin Thüringen den 20. December 1809), Professors der\nMusik am grossherzoglich weimarschen Lehrer-Seminar\nzu Eisenach, gewähren wieder einmal einen Blick in ein"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "52", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580213-01.1.4", "texte": "deutsches Künstlerleben, der sich mit Wehmuth umschlei-\nert, weil er das traurige Loos eines redlichen, bedeuten-\nden Talentes enthüllt, das, von Hause aus zu drückenden\nVerhältnissen durch das Schicksal verurtheilt, sein ganzes\nDasein mit Entsagung und Verzichtung nicht nur auf äus-\nseres Lebensglück, sondern auch auf äussere Anregung\nund geistige Auffrischung hinbringen musste, und nur we-\nnige Stunden fand, in denen es dem Drange des inneren\nBerufes folgen konnte! Man wird sie nicht ohne die innig-\nste Theilnahme lesen.\nI.\n„Eisenach, 3. September 1849.\n„Als Junge von 10—11 Jahren componirte ich schon.\nMeine Eltern, Bauern, hatten sich's aber in den Kopf ge-\nsetzt, mich auf der Kanzel zu sehen. Desshalb kam ich,\n12 Jahre alt, aufs Gymnasium nach Frankenhausen und,\nv 7\n15 Jahre alt, nach Weimar. Dass hier die Neigung, mich\nganz der Musik widmen zu können, immer stärker wurde,\nwirst Du natürlich finden. Dessen ungeachtet gelang es\nmir nicht, mir reelle Kenntnisse und Fertigkeiten in der\nMusik zu erwerben. Die Schulgesetze und Arbeiten mach-\nten es unmöglich. Endlich, 19 Jahre alt, wo ich ziemlich\nfür die Universität reif war, verliess ich gegen den elterli-\nchen Willen das Gymnasium und ging nach Darmstadt zu\nRinck, um die Composition zu studiren. In drei Jahren,\ndie ich unter Rinck arbeitete, war ich nicht nur, wie Rinck\nsagte, ein respectabeler Componist und Contrapunktist,\nsondern auch ein guter Ciavierspieler geworden. Ich spielte\nmit einer ganz artigen Fertigkeit u. s. w. die Concerte\nvon Hummel.\n„Nach Verlauf von drei Jahren ging ich nach Weimar,\num mich unter Hummel weiter auszubilden. Nur ein Jahr\nkonnte ich da verweilen. Eine urplötzlich eintretende Läh-\nmung der rechten Hand zertrümmerte alle meine künst-\nlerischen Projecte und Luftschlösser. Die Lähmung nahm\nin kurzer Zeit so zu, dass ich kein Messer mehr anfassen\nund halten konnte, und ich war mit Einem Male von der\nHöhe eines guten Ciavierspielers und Hoffnung erregenden\nComponisten zum unbrauchbarsten Menschen, zum wahren\nNichts herabgesunken. Das Unglück nöthigte mich, zu\nmeinen Eltern zurückzukehren. Brauche ich Dir wohl\n4\neine Beschreibung von meinem Leben in jener Zeit zu ge-\nben? Zwei Jahre verlebte ich in dumpfer Verzweiflung.\nEndlich kam ich auf den Gedanken, eine grosse Oper zu\ncomponiren und damit den Eltern wie der Welt zu zei-\ngen, dass ich etwas könne. Ich contrahirte mit dem Dich-\nter Ludwig Storch, und nach einem halben Jahre hatte\nich eine grosse, dreiactige Oper, „Die Geisterfürstin\",\nfertig. Ich brachte sie Hummel, meinem Lehrer; er sagte\nmir viel Schmeichelhaftes, aber zur Aufführung kam sie\nnicht, trotzdem, dass man mich ein ganzes Jahr mit Ver-\nsprechungen hingezogen.\n„Endlich unwillig darüber, verlangte ich meine Oper\nzurück und ging nach Leipzig. Aber unbekannt mit der\nwirklichen wie mit der Theater-Welt, ein junger Mensch\nvon 24 Jahren, kam ich nicht zum Ziele. Von da ging\nich nach Berlin. Von meinem Leben in Berlin könnte ich\nein dickes Buch schreiben. Nur so viel: Ich drang nicht\ndurch, trotzdem dass Spontini und Eisner sehr gute Ur-\ntheile über meine Oper gefällt hatten. Eisner wollte bei\nmir sogar Generalbass-Unterricht nehmen. Aber Alles\nschlug fehl, und bald sah ich mich in der schrecklichsten\nNoth, durch abgefeimtesten Betrug- . Ich hatte nichts,\nich konnte nicht aus Berlin heraus und konnte doch auch\nnicht bleiben, oder wusste mich nicht zu halten. So\nschleppte ich ziemlich ein Jahr lang mein Leben in Berlin\nhin. Nach Verlauf dieser Zeit, wo es etwas besser ging\nund durch Unterricht mein Leben zu fristen mir gelang,\nfing ich wieder an, zu studiren. Ich hörte Collegia, Ge-\nschichte, Philosophie u. s. w., fing an zu recensiren u. s.\nw. Das trieb ich so wohl ein und ein halbes Jahr.\n„In dieser Zeit wurde meine jetzige Stelle vacant. Ich\nreis'te von Berlin nach Weimar zurück, meldete mich zu\nder Stelle, obgleich sie nur 180 Thlr. eintrug, und war\nso glücklich!! sie zu bekommen, und so unglücklich,\nmir dadurch den Herrn Organisten R., der sich auch\ndarum beworben hatte und sie schon in den Händen zu\nhaben glaubte, zum ewigen Feinde zu machen.\n„Seit zwölf Jahren bin ich nun hier, hier, wo ich täg-\nlich 5 6—7 Stunden an dem Seminar, Gymnasium und\nder Realschule geben muss, um nur meine Einnahme auf\n310 Thlr. zu bringen. Zehn Jahre habe ich 180\nThlr. gehabt. Vor einem Jahre bat ich um Besoldungs-\nZulage; man gab mir eine Lumperei und den Profes-\nsor-Titel!!!\n„In dieser langen Zeit hab' ich nichts gehört, nichts\ngesehen. Was ich weiss, was ich kenne, das kenne ich nur\naus Partituren, die ich mir erdarbt habe. Und doch habe\nj\nich daneben an hundert grössere und kleinere Werke ge-\nschrieben, zwei Oratorien, eine zwei Sin-\nfonieen, Ouvertüren, Ciaviersachen, Orgelsachen, unter\ndiesen den Gradus ad Parnass die Kunst des Vorspiels,\nfünf Hefte Lieder u. s. w.\"\nII.\n„Eisenach, 1. Februar 1855.\n„Vor einiger Zeit hab' ich auch wieder Einiges für\nCiavier geschrieben, unter Anderem auch eine Sonate, aber\nkein Teufel will das Zeug haben. Freilich sind die Sachen\nnicht ä la Lisztu. s. w. geschrieben. Kurz, ich muss an-\nnehmen, dass die Musik der Gegenwart auf einem Punkte"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "53", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580213-01.1.5", "texte": "angelangt ist, der mir verschlossen ist, in Folge dessen ich\nschon zu den Künstlern des „überwundenen Standpunk-\ntes\" zu zählen bin. Nun, zum Verwundern wäre dieses\nnicht. Denn ich sehe und höre nichts von Musik, wenn\nman nicht einige schon vor zehn Jahren veraltete, in einem\npaar Bierkneipen von sieben Lehrjungen des hiesigen Stadt-\nmusicus ausgeführte Walzer und Polka's noch Musik\nnennt. In der That, von etwas Anderem ist hier nicht die\nRede. Eine musicalische Zeitung bekommme ich\ngar nicht mehr in die Hände. In ganz Eisenach ist\nkeine zweite musicalische Seele, die sich sehnt, zu wissen,\nwas Neues in der musicalischen Welt passirt, und ich al-\nlein ich hab' nicht so viel, um mir eine halten\nzu können. Denke Dir, lieber Freund, dass ich als gross-\nherzoglich Sachsen-Weimar-Eisenach'scher Professor der\nMusik am Seminar, gewesener Musik-Director, resp. Can-\ntor an der Hauptkirche hier, noch nicht einmal volle 200\nThlr. Besoldung habe (und in der Stadt Eisenach, der zwei-\nten Residenz, wo ich für ein erbärmliches Logis, das im\nWinter nur eine bewohnbare Stube hat, 80 Thlr. Miethe\ngeben muss), so hast Du eigentlich mein Schick-\nsal, meine Künstler-Leiden und Freuden. Denn nun weisst\nDu auch, dass ich mir das tägliche Brod erst durch Pri-\nvatstunden, die früh 9 Uhr beginnen und Abends 7 Uhr\n(Tag für Tag) aufhören, verdienen muss. Zwar habe ich\nkeine eigenen Kinder, aber Vater und Bruderskinder zu\nunterstützen und zu erhalten. So bin ich hier ein zweiter\nSisyphus. Doch das Steinwälzen ist wahrhaftig eine Lum-\nperei gegen die Qual, die ein Mensch auszustehen hat,\nder sich zur Kunst berufen fühlt und seine Kraft\nund Zeit damit vergeuden muss, das ABC dieser\nKunst Jungen und Mädchen einzupauken. Wäh-\nrend ich hier so verschmachte, erhält\n2000 Thlr. Besoldung und lebt —. S'ist lustig!\nJa, es wäre zum Todtlachen, wenn's nur nicht zum Ver-\nä\nzweifeln wäre. Sieh, lieber Freund! unter solchen Verhält-\nnissen geht zuletzt und besonders mit zunehmendem Alter\nAlles zu Grunde, mit der Zeit und Kraft auch die Fähig-\nkeit, sich zusammenzuraffen, sich zu sammeln, seine noch\nübrige Kraft auf einen Punkt zu concentriren. Und ist erst\no\ndieses verloren, so ist Alles verloren. Der Rückgang wird\nzum reissenden Falle. Diesen Fall zu sehen, ihn aber doch\nnicht aufhalten zu können, ist ein Zustand, der nur dem\nzu vergleichen ist, wenn Jemand den Starrkrampf hat und\nsich mit vollem Bewusstsein begraben lassen muss. O,\nüber unsere vielgepriesene, herrliche, christliche Zeit!\nWo ist die Liebe? Wo wird das Streben nach Realisirung\ndes Wahren, Guten und Schönen gefördert?\n„Doch nur zu! Das Leben ist Todeskampf. Man muss\nsich doch so theuer verkaufen, wie möglich.\"\n\nAus Holland.\nAmsterdam. Am 30. üecember v. J. führte die Ge-\nsellschaft zur Beförderung der Tonkunst Karl Reinthaler's\nOratorium „Jephta und seine Tochter\" unter persönlicher\nLeitung des Componisten auf. [S. die Correspondenz aus\nAmsterdam in Nr. 4 dieses Jahrgangs.]\nDer Raum gestattet uns nicht, über die Concerte in\nFelix Meritisins Einzelne zu gehen. Wie gewöhnlich, so\nhaben wir auch diesen Winter starken Besuch von frem-\nden Künstlern, welche mit mehr oder weniger Glück auf-\ntreten. Im vierten Concerte hörten wir zwei schwedische\nKünstler, Herrn Capellmeister Addner, Clarinettist, und\nFräul. Ida Löffgrfen, Sängerin. Beide leisteten nur we-\nnig Bedeutendes. Dagegen lernten wir zwei achtenswerthe\nTalente kennen in dem belgischen Violin-Virtuosen Leen-\nders und dem leipziger Clavierspieler Louis Brassin.\nDas Streben der Concert-Direction, alte und neue Orche-\nsterwerke in steter Abwechslung hören zu lassen, verdient\nAnerkennung. Unter Anderem kam im zweiten Concerte\ndie erste Sinfonie von Beethoven zur Aufführung, und das\nPublicum hatte seine Freude daran, diesen Erstling der\nneun symphonischen Kolosse wieder einmal zu hören. Im\nsiebenten Concerte brachte Herr Capellmeister Aug. Pott\naus Oldenburg eine Sinfonie und eine Ouvertüre, „Tita-\nnia's Wahl\", zu Gehör. Beide Compositionen wurden mit\nreichem Beifalle belohnt.\nHaag. Im zweiten Diligentia-Concerte hörten wir\nFerd. Hill er s Ouvertüre zu „Ein Traum in der Christ-\nnacht\". Eine Abweichung von der gewöhnlichen Ouver-\nturen-Form ist hier deutlich zu erkennen. Wir würden\ndas Musikstück eher dramatische Scene nennen, die\nmit hellen Farben und scharf gezeichneten Zügen darge-\nstellt ist. Die Wirkung war vortrefflich und die Aufnahme\nvon Seiten des Publicums äusserst günstig.\nIm vierten Concerte gab Fräul. aus Paris\nzwei Solo-Vorträge auf dem Orgue Alexandre zum Besten\nund fiel durch, indem nicht allein die vorgetragenen Stücke\nan und für sich höchst unbedeutend waren, sondern auch\ndieses Instrument im Concertsaale nicht passend ist.\nDie zweite Quartett-Unterhaltung brachte zu Gehör:\nQuartett von Schubert, Op. 25, ein Quartett von Beetho-\nven [welches?] und das Trio Op. 70 [welches?] von dem-\nselben.\nAm 6. Januar gab das Orchester-Pensionsfonds-Insti-\ntut „Die Zukunft\" sein fünftes Concert. Das Vorbild der\namsterdam'schen Gesellschaft „Cäcilia\" hatte vor zwei Jah-\nren ein ähnliches Institut hier ins Leben gerufen. Das hie-\nsige Orchester gibt ebenfalls jede Saison nur zwei derar-\ntige Concerte, jedoch bestehen hier die Programme nicht\naus Ensemble-Werken allein, sondern man hört auch Solo-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580213-01.1.6", "texte": "Vorträge. Diesmal führte das Orchester unter Leitung des\nHerrn J. 11. Lübeck die fünfte Sinfonie von Gade und\ndie Schubert'sche Sinfonie auf, und in höchst vollendeter\nWeise, wie es sich nach einer tüchtigen Vorbereitung durch\nmehrere Proben nicht anders erwarten liess. Unsere ge-\nfeierte Künstlerin Frau Offermans van llove sang eine\nArie aus Mozart's Davidde Penitente. Herr Caubet, Pre-\nmier-Tenor unserer Hofbühne, liess uns sein wahrhaft\nseltenes Organ und Talent in einer Arie aus „Joseph\" von\nMehul von Neuem bewundern. Die Instrumental-Solo-Par-\ntieen waren in den Händen der Herren Henri Wieniawski\nVioline) und C. van der Does (Piano). Wieniawski wurde\nbei seinem Erscheinen auf dem Orchester mit einem Tusch\nder Blech-Instrumente empfangen. Herr van der Does er-\nfreute uns durch den vortrefflichen Vortrag einer Beetho-\nven'schen Sonate.\nObgleich die so genannten Wunderkinder nach und\nnach zu den seltenen Erscheinungen zu gehören anfangen,\nso kommen doch noch dann und wann Talente vor, welche\nsich schon in zarter Jugend mehr als gewöhnlich entwickeln.\nHiervon lieferten die Kinder des Ciavierlehrers Hekking\nneulich einen Beweis. Drei Töchter traten in einer Soiree\nals Pianistinnen und ein Sohn als Violinist auf. Die älteste\nTochter, Fräul. Anna Hekking, bewies sich als eine tüch-\ntig geschulte und mit Talent begabte Pianistin; der zwölf-\njährige Gerard spielte die Violine mit einer für sein Alter\nganz ungewöhnlichen Kraft, so dass er seine Partie neben\nder Begleitung des stark besetzten Orchesters vollkommen\ngeltend machte.\nRotterdam, T.Januar. Drittes Concert derEruditio\nMiisica. Sinfonie Nr. 2, F-dur (Manuscript, zum ersten\nMale), vonW.F. Thooft; Ouvertüren zu Leonore, Nr. 3,\nvon Beethoven und zur Zauberflöte von Mozart. Gesang:\nFrau Bochkolz-Falconi; Violine: Herr Wieniawski.\nHerr Thooft trat diesen Abend zum dritten Male in-\nnerhalb zweier Jahre als Componist auf. Schon mit seinen\nfrüheren Werken, einer Ouvertüre zur Jungfrau von Or-\nleans und einer ersten Sinfonie, hatte derselbe sich die\nGunst unseres Publicums erworben, und freut es uns, sa-\ngen zu können, dass unsere hochgespannte Erwartung\nauch dieses Mal nicht getäuscht wurde. Dieselben Vorzüge,\nwelche seine erste Sinfonie zieren, fanden wir in diesem\nWerke in erhöhtem Maasse wieder: originelle und gut\ndurchgeführte Motive, leichtfliessenden Stil und schöne,\nmeistens zweckmässige Instrumentation. Nach einmaligem\nHören können wir noch kein abschliessendes Urtheil fällen.\nDie Ausführung von Seiten des Orchesters war im Allge-\nmeinen befriedigend; nur waren im Finale vornehmlich die\nBlas-Instrumente einige Male sehr unsicher. Der Componist\nwurde am Schlüsse der Sinfonie mit enthusiastischem Ap-\nplaus hervorgerufen; namentlich erfreute sich sein Werk\nauch der lebhaften Anerkennung der hiesigen Künstler,\nwie des Herrn Verhülst und Anderer. Die Ausführung der\nbeiden Ouvertüren war recht tüchtig.\nIn Zeiten, wo so grosser Mangel an guten Gesangs-\nkünstlern gefühlt wird, wie gegenwärtig, ist eine Sängerin\nwie Frau Bochkolz-Falconi eine doppelt willkommene Er-\nscheinung, zumal dieselbe noch Vertreterin der alten ita-\nliänischen Schule ist. Frau Bochkolz-Falconi sang diesmal\neine Arie aus Titus und eine aus Ernani. Herrn Henri\nWieniawski einen der grossartigsten Violinspieler der Ge-\ngenwart zu nennen, wird wohl nicht als Ueberlreibung\ngerügt werden. Wir haben wenig Violin-Virtuosen gehört,\nwelche einen solchen kräftigen und in Gesangstellen herz-\nergreifenden Ton besitzen. Technik und Vortrag lassen\nnichts zu wünschen übrig. Herr W ieniawski spielte ein\nAllegro aus dem Concert militaire von Lipinsky und eine\nvon ihm selbst componirte Polonaise.\nViertes Concert der Eruditio 21. Januar. Sin-\nfonie Nr. 5 mit obligatem Pianoforte von Niels W. Gade,\nOuvertüren von AI. Schmitt und Bennett. Gesang:\nFräul. Ciaire Dobre; Pianoforte: Herr Bremer; Vio-\nloncelli Herr Grützmacher.\nDie Gade'sche Sinfonie wurde hier zum ersten Male\ngehört und vom Publicum günstig aufgenommen. Mit der\nAnwendung des obligaten Pianoforte können wir uns\naber nicht vereinigen; auf diese Weise wird die Kraft der\nOrchester-Masse eher dadurch verringert, als verstärkt.\nDagegen würde das Pianoforte, ganz als Orchester-Instru-\nment angewandt, wie Hector Berlioz solches schon in sei-\nner Instrumentationslehre angedeutet hat, vielleicht eine\ngute Wirkung machen können. Es versteht sich, dass als-\ndann eine Mehrzahl von Ciavieren, nach dem Räume des\nSaales und der Stärke des Orchesters berechnet, ange-\nwandt werden müsste. [?]\nDie Aufführung der Ouvertüre von Aloys Schmitt\nkönnen wir nur als einen MissgrifF von Seiten der Direc-\ntion bezeichnen; dagegen war uns die Bennett'sche Ouver-\ntüre „Die Waldnymphe\" recht willkommen.\n%\nFräul. Ciaire Dobre aus Paris sang eine Arie aus Fer-\ndinand Cortez von Spontini und die bekannte Romanze\n„Sombres forets\" aus Rossini's Teil. Ihre Stimme empfiehlt\nsich durch angenehmen und weichen Klang, ihr Vortrag\nist sehr gut, nur liess das Portamento Manches zu wün-\nschen übrig.\nUnser Pianist Johann Bremer spielte die Clavier-Partie\nin der Sinfonie und ferner ein Andante und Finale aus\neinem Concerte von Henselt mit Virtuosität und gutem\nVortrag."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "55", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580213-01.1.7", "texte": "Herr Grützmacher aus Leipzig ärntete grossen Beifall\ndurch sein sowohl edles als recht tüchtiges Violoncellspiel.\nEr trug ein Concert und eine Phantasie eigener Compo-\nsition vor.\n\nBeurtheilungen.\nFür Gesang.\n\nKarl G. P. Grädener, Zvviegesang der Elfen von\nRob. Reinick. Ein Nachtstück für sechsstimmigen\nChor, Solostimmen und kleines Orchester. Op. 36.\nClavier-Auszug vom Componisten. Preis V/3 Thlr.\nHamburg, bei F. Schubert. (Solo- und Chorstim-\nmen 1 Thlr. Orchester-Partitur ist in Abschrift\nzu haben.)\nDas allerliebste Gedicht von Reinick: „Hört ihr das\nFlüstern?\" begegnet uns hier in einer musicalischen Ver-\nduftigung, möchten wir sagen, welche sowohl in Bezug auf\nForm und Auffassung, als auf melodische und harmonische\nGestaltung sehr einnimmt und sich überall Freunde und\nbesonders auch Freundinnen gewinnen wird. Diese Com-\nposition ist ein reizendes und anmuthiges Nacht- und Mond-\nlichtstück, das sich keck an seine Vorbilder reihen kann;\nC. M. von Weber's und Mendelssohn's Elfen im Oberon\nund im Sommernachtstraum werden in den jüngeren Brü-\ndern und Schwestern die Familien-Aehnlichkeit gern sehen,\naber sich dabei um so mehr gewisser eigenthümlicher Züge\nin den Physiognomieen erfreuen, und besonders auch an\nden neuen, auf kunstreiche und doch natürlich fliessende\nWeise verschlungenen Chorreigen Wohlgefallen finden.\nEin lebhafter %-Tact jn D-moll beginnt: clie sechs\nStimmen sind zwei Soprane und ein Alt, zwei Tenöre und\nein Bass. Es hüpft Alles leicht und leise in Achteln herbei,\num zu „lauschen, ob es die Rosen sind\", oder „des Win-\ndes Hauch\", oder, wie eine Solostimme fragt: „Sind es die\nVögelein im Strauch?\" bis eine andere Alle zur Laube\nlockt: „Störet sie nicht!\" Nun tritt mit den Worten:\n„Heimliche Liebe will nicht verrathen sein\" u. s. w., ein\nerst dreistimmiger, nach und nach sechsstimmiger Sologe-\nsang, F-dur,4/4, in langsamerem Tempo ein, dessen lieb-\nliche Melodie von einzelnen unisonen Chorstellen: „Störet\nsie nicht!\" nicht so sehr unterbrochen als gehoben wird.\nBei der Wiederholung nimmt der Chor die Haupt-Melodie\nauf, und eine Sopran-Solostimme schwebt darüber, nicht\n* aber etwa in französisch coquetter Coloratur, sondern in\nsanften melodischen Triolen, wie eine Spohr'sche Solo-\nVioline. Am Schlüsse dieses sehr hübschen Satzes sind dem\nComponisten unbewusst zwei ganz kleine Reminiscenzen in\ndie Feder gekommen, eine ausFidelio (Finale desl. Actes,\nNachspiel):\nv\nhier in F-, dort in B-dur und gleich hinterher aus der\nHebriden-Ouverture:\nwo nur noch das c nach dem f fehlt, um das Motiv zu ver-\nvollständigen. Uebrigens machen sich diese fünf Tacte recht\nhübsch an dieser Stelle. Nach dem Schlüsse, den sie ein-\nleiten, tritt auf die Worte: „Gute Nacht! Fort mit des\nMondes Strahl! Schweig', liebe Nachtigall!\" ein Chorsatz\nin D-moll, der Haupt-Tonart des Ganzen, in schnellerem\n4/4-Tact, doch „nicht zu rasch\" ein, der acht Seiten des\nCiavier-Auszugs füllt und einen sehr artigen und durchweg\npolyphon gearbeiteten sechsstimmigen Gesang bildet in\nder That bei diesem Texte, dieser Situation und dem ganz\nund gar romantischen Charakter der Musik des ganzen\nStückes ein neuer und überraschend gelungen durchge-\nführter Gedanke! Am Ende kehren in Form einer Instru-\nmental-Coda die Motive der Einleitung (so dass hier zwölf\nAchtel statt sechs in den Tact kommen) zurück, in welche\neinzelne Chorstimmen ihr „Gute Nacht\" leise verschwin-\ndend hineinrufen.\nWir empfehlen diesen Elfengesang allen kleinen und\ngrossen Gesang-Vereinen angelegentlich; auch bloss mit\ngut gespielter Clavier-Begleitung wird er gute Wirkung\nmachen und mit grossem Vergnügen gesungen werden.\nDie Ausführung ist nicht schwierig, sie erfordert nur stren-\ngen Tact und zarten Vortrag. Der Titel „Z wiegesang\",\nden das Gedicht hat, könnte ein Missverständniss veran-\nlassen; wir haben dabei, dass der Componist einen Chor-\nund Sechsgesang daraus gemacht hat, nur gewonnen.\nL. B.\nJoh. Heuchemer, Op. 4, Vier Lieder, bei Rieter-\nBiedermann in Winterthur.\nDieses Liederheft verdient allen Freunden schönen,\ninnigen Gesanges aufs wärmste empfohlen zu werden. Die\nMelodieen zeichnen sich durch Fluss uud dennoch inniges\nAnschmiegen an die Textvvorte aus, die Begleitung ist fein\nund in dem letzten der Lieder höchst originel, ohne jedoch\nim Geringsten den Gesang zu überwuchern.\nDas erste Lied ist freundlich, erhebt sich aber nicht\nzu der Bedeutung der folgenden; auch ist der Perioden-\nbau desselben etwas verwickelt und vielleicht unklar. Das\nfolgende Lied „Passiflora\" ist sehr schön, tief empfunden;\nder Componist hat ein gefährliches Mittel, die Vermischung\nzweier Tactarten (2A und y*), welche so leicht zur Zer-\nrissenheit der Melodie führt, mit dem grössten Glück be-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580213-01.1.8", "texte": "nutzt. Nr. 3, „Des Morgens in dem Thaue\", ist ein ge-\nsundes, frisches und dabei sehr zartes Liedchen, während\nNr. 4, „Schilflied\", durchaus wehmüthig, elegisch klingt;\ndiese letzte Composition, ja, die drei letzten Lieder des\nHeftes gehören sicherlich zum Besten, was seit Schubert\nund Mendelssohn in diesem Fache geschrieben wurde.\nFranz Wüllner, 0p.2, Sechs Lieder. Op. 4, Sechs\nLieder. Beide Hefte bei Kahnt in Leipzig.\nAuch diese Lieder sind eine sehr dankensw erthe Be-\nreicherung des deutschen Liederschatzes. Op. 2, „Meine\nLieb' ist ein Segelschiff\", ist frisch und kräftig, „Lieb'um\nLiebe\" 4) „Neues Leben\" sind schwungvoll und\nfliessend, „Trost im Scheiden\" dagegen ist bescheiden, ein-\nfach und ansprechend. Gegen Nr. 6 in Op. 2, „Ich hab'\ndich geliebt\", ist einzuwenden, dass der Componist darin\nviel Chromatik und gezwungene Modulationen gebraucht\nhat. Die Clavier-Begleitung, obwohl hier und da zu schwie-\nrig (besonders in Nr. 6 von Op. 4), ist immer hübsch aus-\ngearbeitet. Wir hätten dieselbe an manchen Stellen einfa-\ncher gewünscht, doch wird sie unter geübten Fingern\nvoll Und reich klingen, was die Lieder, wenn sie z. B. im\nConcerte vorgetragen werden, wozu sich mehrere dersel-\nben sehr gut eignen, nur um so effectvoller machen wird.\n\nN ........\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nÜSoilil. Im vierten Abonnements-Concerte am 30. v. Mts. ka-\nmen zur Aufführung: Sinfonie Nr. 4 in D-moll von Rob. Schu-\nmann; Lorelei, Gedicht von W* Müller, für Solostimmen, Chor\nund Orchester componirt von F. Hiller; Violin-Concert Nr. 5 von\nMolique, erster Satz; Cavatine von C. M. von Weber für So-\npran; Andante von Ernst und Ronde des Lutins von Bazzini für\ndie Violine; Ouvertüre „Die Hebriden\" von Mendelssohn.\nEs war etwas viel moderne Romantik auf einmal in dem Pro-\ngramm; die Orchestersachen wurden im Verhältniss der Kräfte zu\nden Schwierigkeiten einer feinen Ausführung befriedigend gespielt.\nAm meisten sprachen Hiller's Lorelei in Composition und Ausfüh-\nrung und die Violin-Vorträge das Publicum an. Fräulein Cath.\nDeutz sang die Lorelei mit leidenschaftlichem Feuer und wurde\nmehrere Male durch den lebhaftesten Beifall unterbrochen; auch\nHerr Peretti trug die Tenor-Partie des Fischerknaben ganz hübsch\nvor. Der Chor war präcis und besonders in den Frauenstimmen\nrecht frisch und klangvoll. Herr Concertmeister J. Grunwald aus\nKöln erregte durch sein vortreffliches Violinspiel einen Enthusiasmus,\nwie er bei dem bonner Publicum selten vorkommt. Wenn der edle\nVortrag des Concertsatzes von Molique seine gediegene Schule des\ndeutschen Spiels bekundete, so riss die meisterhafte Ausführung der\nBazzinfschen Hexereien die Menge zu stürmischem Applaus und\nDacapo-Ruf hin, welchem der Künstler denn auch am Ende fol-\ngen musste.\nIn Hannover wirkten Sonnabend den G. Februar im Abonne-\nments-Concerte folgende Künstler mit: Alexander Dreyschock,\nFrau Nottes und die junge Violinistin Fräul. von Wendheim.\n• Letztere ist schon jetzt eine sehr bedeutende Künstlerin. S-onnabend\nden 13. d. Mts. wird A. Dreyschock im Concertsaale des Hoftheaters\nein Concert geben.\nMad. Adelaide Ristori ist den Wünschen nachgekommen und\nam 10. d. Mts. im Hoftheater zum zweiten Male aufgetreten, und\nzwar diesmal als Medea.\nZur Mitwirkung im achten Privat-Concerte zu Bremen (9. Fe-\nbruar) waren Hr. Hof-Capellmeister Alexander Dreyschock und\nFräul. Auguste Gebler geladen. Das Orchester führte die Ouver-\ntüren zu „König Stephan4' von Beethoven (~König Stephan, Un-\ngarns erster Wohlthäter\", ist ein Festspiel, welches Beethoven zur Er-\nöffnung des neuen Theaters'in Pesth im Jahre 1812 componirte) und\nzu Wilhelm Teil von Rossini, so wie die Sinfonie Nr. 1 C-moll\nvon Niels W. Gade aus. Dreyschock ärntete durch den Vortrag\ndes Concertes in Es-dur von Beethoven und seines Marche triom-\nphale selbstredend neue Lorbern. Fräul. Gebler sang eine Arie aus\nder Schöpfung („Auf starkem Fittich\") und eine aus Torquato Tasso\nvon Donizetti, und empfing grosse Beifallssalven."}]}