{"numero_id": "bm-bmtnabi-1858-02-27-01", "volume": "bmtnabi_1858-02-27_01", "ocr_sha256": "f1ddf4a3dd99fd991323d3c017664ec4a949d91b29a0fd00643511858106f782", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1858/02/27_01/bmtnabi_1858-02-27_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580227-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1858-02-27-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-02-27_01#c001", "volume": "bmtnabi_1858-02-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "65", "page_fin": "65", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580227-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "65", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580227-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 439, "texte": "Inhalt.\nMichael von Glinka und die Musik in Russland. 111. Von L. B Friedrich Kühmstedt. Eine biographische Skizze.\nI. Johannes Heuchemer (Nekrolog). Yon Franz Wüllner. Lablache (Nekrolog). Tages- und Unterhaltungs-\nblatt (Köln, Das bevorstehende niederrheinische Musikfest, Fünfte Soiree für Kammermusik, Herr M. DuMont-Fier Barmen, Concert\nvon Herrn Karl Reinecke. Abonnements-Concert Dresden, eine neue Oper Frankfurt a. M. 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Es enthält dialogischen\nWechselgesang der Antonida und ihres Verlobten mit dem\nChor, ohne feste Tonart, weder Arioso noch Recitativ,\ndann ein Duett (Larghetto in A-moll), unterbrochen und\nfortgesetzt durch Chöre theils von Männern, theils von\nFrauen allein, theils von Allen zusammen.\nIn der Introduction des dritten Actes kehren die ge-\nwöhnlichen Modulationen und Schlüsse bei, _M?//-Tonarten\nin Dur und bei ZW-Tonarten in Moll wieder, was am\nEnde sehr monoton wird. Eine Tenor-Arie des Verlobten\n(Sobinin genannt) ist entwickelter und regelmässiger in der\nForm, als die übrigen Arien der Oper; der Rhythmus des\nThema's ist originel, indem die erste Hälfte der Periode\nsechs, die zweite nur drei Tacte hat. Hierauf folgt eine\ngrosse Arie für Alt (Wanja) mit Chor, eines der besten\nMusikstücke des Werkes in Rücksicht auf die Form, aber\ndennoch sowohl im Recitativ, wenn man es so nennen\nkann, als im Andante moderatonicht frei von seltsamen\nDingen, namentlich in Rezug auf periodische Rhythmik.\nDer bewegtere Schlusssatz mit Chor ist sehr energisch\nund effectvoll. Fetis.\ny\nNach dieser interessanten Analyse des Hauptwerkes\nvon Glinka geht Herr Fetis auch noch über die zweite\nOper, „Ruslan und Ludmilla\", ins Einzelne. Diese\nist eine Zauber-Oper, deren Stoff einem Gedichte von\nPuschkin entnommen ist. Die Musik bewahrt nach Fetis\nnicht so sehr den nationalen Charakter, wie in dem frühe-\nren Werke, auch spielt der Chor keine so wichtige Rolle;\nübrigens treten die Volks-Melodieen aber nicht bloss\nrussische, sondern auch finnische, krim-tatarische und so-\ngar persische und rhythmische Sonderbarkeiten, z. R.\nfünftheilige Tactarten u. s. w., ebenfalls an verschiedenen\nStellen auf. Einzelne Nummern, z. R. das Finale des ersten\nActes, stellt Fetis höher als irgend etwas in der früheren\nOper. Im Ganzen jedoch scheint die Musik in dieser Zau-\nber-Oper keinen einheitlichen Charakter zu haben, da\nMehreres an die Schreibart von Rossini und Meyerbeer\nerinnern soll. Gewiss ist, dass sie in Russland selbst\nnach einer uns zugegangenen Mittheilung des Herrn R.\nvon Engelhardt in Petersburg über Glinka, dessen vertrau-\nter Freund er gewesen zwar mit grosser Pracht auf\nden Theatern zu Petersburg und Moskau gegeben wurde\nund Anfangs grossen Erfolg erlangte, dass sie jedoch bei\nWeitem nicht die Popularität gewann, wie „Das Leben für\nden Czaar\", das mehrere Hundert Aufführungen erlebte\nund noch jetzt jährlich auf dem Repertoire erscheint.\nIn Rezug auf die Volks-Melodieen in der letztgenann-\nten Oper scheint Herr Fetis, wenn wir ein Urtheil Ulibi-\nscheff's (der am 5. Februar d. J. in Nischnei Nowgorod\ngestorben ist) über Glinka berücksichtigen, darin im Irrthum\nzu sein, dass er sie alle für russische hält, indem der Ge-\ngensatz zwischen russischen und polnischen ihm entgangen\nist. Die Stelle von Ulibischeff (.Beethoven, ses critiques et\nses glossateurs —S. 34) lautet:\n„In diesem Werke (Das Leben für den Czaar) kam\nes nicht allein darauf an, den dramatischen mit dem volks-\nmässigen Gesänge zu verbinden, wie Weber im Freischütz\ngethan hatte, ohne beide mit einander zu verschmelzen,\nsondern darauf, zwei verschiedene Nationalitäten\ndadurch zu charakterisiren, dass die Melodieen von Anfang\nbis zu Ende und selbst in den erschütterndsten tragischen\nSituationen ihre russische und polnische Farbe be-\nhielten. Dieses ist eine Aufgabe, welche ich zu der Zeit,\nals ich meine Riographie Mozart's schrieb, für unlösbar\nhielt, und doch hat sie Glinka mit einem um so ausser-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580227-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3309, "texte": "ordentlicheren Talente und Glück gelös't, als ihm Vorbil-\nder dazu in jeder Hinsicht fehlten.\"\nDa Ulibischeff-als Busse hier wohl gewiss eine mehr\nberechtigte Autorität ist, weil dem Ausländer der Unter-\nschied zwischen den slawischen Melodieen der Polen und\nBussen kaum fühlbar sein dürfte, so müssen wir wohl sei-\nnem Ausspruche über die wesentlichste Eigenthümlichkeit\nvon Glinka's Musik in jener Oper Glauben beimessen, wo-\ndurch denn auch unsere Verwunderung über die grosse\nMenge von Volks-Melodieen (in der Analyse der Oper von\nFetis) gemindert wird, da diese zwei verschiedene und so-\ngar einander feindliche Nationen repräsentiren und dess-\nhalb den Eingeweihten nicht so monoton erscheinen, wie\ndenen, die damit unbekannt sind.\nAusser diesen beiden Opern hat Glinka nach der\nMittheilung des Herrn von Engelhardt ferner ge-\nschrieben: „Musik zum Trauerspiel „Fürst Kholmsky\",\nnämlich Ouvertüre, Zwischenacte und Gesänge; La Ta-\nrantella, Prolog mit Chor und Declamation; viele Stücke\nfür Orchester mit und ohne Chor; an siebenzig Lieder\nund Bomanzen; ein Quartett für Streich-Instrumente und\neine Menge Stücke für Pianoforte allein und mit Beglei-\ntung anderer Instrumente. Er war also bei seiner schwa-\nchen Gesundheit doch produetiv genug. Er spielte sehr\ngut Ciavier und improvisirte vortrefflich. Auch als Sänger\nzeichnete er sich aus, er hatte eine schöne, starke Tenor-\nstimme und trug Lieder unvergleichlich schön vor.\"\n„Die letzten Monate seines Lebens brachte er in Berlin\nzu, wo er am 3. Februar 1857 starb. Seine sterblichen\nUeberreste wurden nach Petersburg gebracht und im St.-\nAlexander-Newsky-Kloster, welches innerhalb der Bing-\nmauern der Stadt liegt, beigesetzt. Der kaiserliche Sänger-\nchor, dessen Capellmeister er einige Jahre hindurch war,\nveranstaltete eine kirchliche Feier zu seinem Andenken.\nEinige Wochen später veranstaltete die philharmonische\nGesellschaft von Petersburg ein Erinnerungs-Concert, in\nwelchem nur Compositionen von ihm ausgeführt wurden.\nSeine mit Blumen umgebene und bekränzte Büste zierte\ndie Tonbühne.\"\nIn Deutschland, überhaupt ausserhalb Busslands, war\nbis jetzt noch gar nichts von Glinka gedruckt worden,\nhauptsächlich aus dem Grunde, weil dessen Yocal-Compo-\nsitionen alle auf russische Texte geschrieben sind. Gegen-\nwärtig aber haben Herr B. Engelhardt, ein vertrauter\nFreund des Componisten, und Frau L. Schcstakof, die\nSchwester Glinka's, eine Ausgabe seiner Werke begonnen,\ndie in Leipzig bei C. F. W. Siegel (Petersburg, bei Ber-\nnard & Stellowsky) erscheint.\nEs liegen uns davon vor: die erste Sammlung von\nGesängen, siebenzehn an der Zahl, mit deutschem, fran-\nzösischem und ilaliänischem Text, aus dem Bussischen\nübersetzt, herausgegeben von B. Engelhardt. Ferner\nvier Orchesterwerke in Partitur: 1. Ouvertüre zu\n„Das Leben für den Czaar\", Preis ll/2 Thlr., die Or-\nchesterstimmen 3 Thlr. 2. Ouvertüre zu „Buslan\nund Ludmilla\", bloss in Partitur (1V2 Thlr.). —3. Ca-\npriccio brillant cn forme d'Ouverture sur le theme de\nla Jota Aragonesa. Preis T/ß Thlr., die Orchesterstimmen\n3 Thlr. 4. Souvenirs d'une\ntaisie pour Orchestre sur des themes Espaqmk. Partitur,\n1 % Thlr. .\n' t)\nWir sind mithin dadurch in Stand gesetzt, aus eige-\nner Anschauung über Glinka's russische Musik zu urthei-\nlen, und werden nächstens darauf zurückkommen.\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-02-27-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-02-27_01#c003", "volume": "bmtnabi_1858-02-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "66", "page_fin": "68", "image_debut": 2, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580227-01.2.3", "titre_corps": "Friedrich Kühmstedt.", "titre_sommaire": "Friedrich Kühmstedt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580227-01.1.2", "debut_caractere": 3311, "fin_caractere_exclue": 4957, "texte": "Friedrich Kühmstedt.\nEine biographische Skizze.\nI.\nEisenach, 26. Januar 1858.\nVor einigen Tagen erschallte in unserer kleinen Stadt\ndie Trauerkunde von dem Tode eines der bedeutendsten\nComponisten und Theoretiker der Musik, des Professors\nKühmstedt, und ergriff alle ihm näher und entfernter\nStehenden mit der tiefsten Betrübniss. Es wird zur heilig-\nsten Pflicht derer, die seinen Genius näher kannten, eine\nBlüthe der Liehe und Anerkennung auf sein Grab zu le-\ngen, um so mehr, als das Leben durch ein theils aus sei-\nner Eigenthümlichkeit, theils aus den Verhältnissen hervor-\ngehendes Missgeschick ihm diejenige Stellung versagte, die\ngeeignet gewesen wäre, seinen Genius in weiteren Kreisen\nzur Geltung zu bringen, und der Tod im besten Mannes-\nalter jede Hoffnung einer günstigeren Wendung seines\nSchicksals vereitelte. Ausserdem aber hat das Leben die-\nses Mannes in seinem geistigen und künstlerischen Schaf-\nfen ein so hohes, rein menschliches und psychologisches\nInteresse, dass es wohl verdient, auch in dieser Beziehung\nallgemeiner bekannt und gewürdigt zu werden. Die ein-\nmal begonnene Forschung über die Theorie der Musik\nliess ihm trotz der selbstschöpferischsten Anlage zur Com-\npositum nicht Buhe noch Bast, in das Gebiet seiner Kunst\nwie in das der Philosophie nach allen Seiten hin immer\ntiefer einzudringen, und sich erst dann der ganzen kindli-\nchen Gläubigkeit seines Gemüthes zu überlassen, wenn er\nan die Gränze gekommen, wo dem menschlichen Verstände\neine höhere ahnungsvolle Stimme zuruft: „Bis hieher und\nnicht weiter!\"\nKühmstedt, geboren den 20. December 1809, war\nder Sohn eines Schmiedemeisters in Oldesleben, einem"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "67", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580227-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5415, "texte": "Marktflecken in der goldenen Aue, nicht gar weit von dem\nKvffhäuser. Sein Vater bestimmte ihn wegen seiner beson-\nderen Begabung und seines frommen, gefühlvollen Her-\nzens schon als Knaben von acht Jahren zur Theologie. Er\nwurde daher zur besseren Ausbildung nach Frankenhau-\nsen getham Hier wohnte er der Aufführung des Freischütz\nund der Stummen von Portici bei. Er hatte vorher niemals\nMusik gehört, ausser schlechten Kirchmess-Tänzen. Die\nherrlichen Melodieen, besonders die echtdeutschen der er-\nsteren Oper, machten auf den Knaben einen solchen Ein-\ndruck, dass er seitdem nichts hören und sehen mochte, als\nMusik. Die meisten Gesänge wusste er mit seiner schönen\nStimme bald nachzusingen und bald auch auf den schlech-\nten Instrumenten seiner Bekannten nachzuspielen, obgleich\ner niemals Anleitung zur Musik erhalten hatte und auch\njetzt der Vater ihm streng jede Uebung in dieser Kunst\nuntersagte. Ja, des Vaters Furcht, er möge sich in seinen\nStudien durch die Musik stören lassen, war so gross, dass\ner ihn von Frankenhausen, wo er die Bekanntschaft eini-\nger musicalischen jungen Leute gemacht hatte, nach Wei-\nmar unter strenge Aufsicht that, die ihm weder irgend\neine musicalische Uebung, noch den Besuch der Oper oder\neines Concertes gestattete. Aber der innere Drang liess\nsich nicht untci drücken. Kühmstedt durfte zwar nicht Cia-\nvier noch sonst ein Instrument spielen, durfte nichts von\nMusik hören, allein die Musik, die in ihm erklang, liess\nihm keine Ruhe; er componirte heimlich Lieder und kleine\nCiavierstücke, ohne von der Compositionslehre etwas zu\nwissen.\nEndlich in seinem siebenzehnten Jahre zu einiger\nSelbstständigkeit gereift und zu dem Einsehen gelangt,\ndass das Studium der Theologie nicht sein eigentlicher\nBeruf sei, beschloss er, sich der Musik zu widmen, selbst\ngegen des Vaters Willen. Er ging heimlich mit der weni-\ngen Baarschaft, die er besass, fort, und zwar nach Darm-\nstadt zu Rink, dem berühmten Organisten, von dem er in\nWeimar gehört hatte.\nBeinahe aller Mittel der Existenz entbehrend, lebte er\nhier in der grössten Dürftigkeit, und zwar, weil er sich\nkeine Stube miethen konnte, in dem beschränkten Räume\neines Heubodens, auf welchem er einen alten Flügel, den\nihm ein Musikfreund geliehen, so weit in das Heu aus\nMangel an Platz vergraben musste, dass nur die Claviatur\nheraussah. Aber er war glücklich, denn er konnte nun\nganz seiner geliebten Musik leben. Bei Rink, der sich\nüberaus freundlich gegen ihn benahm, machte er die an-\nstrengendsten Contrapunkt-Studien und spielte dabei auf\nseinem Heuboden-Verliess so fleissig, dass er, der vorher\nkaum die Noten kannte und den Sehnsuchts-Walzer von\nSchubert, sein Lieblingsstück, nur nothdürftig bewältigt\nhatte, bald selbst Unterricht geben lind sich dadurch das\nLeben fristen konnte.\nt\nIn einem halben Jahre hatte er es so weit gebracht,\ndass er die Fis-mott-Sonate und das Es-dur-Concert von\nseinem Liebling Beethoven in Darmstadt und Frankfurt\nvortrug. Etwas später componirte er bei seinem Lehrer\neine Messe. Hink war entzückt von dem Talente seines\nSchillers, schrieb wiederholt an den höchlichst erzürnten\nVater und wusstc denselben mit dem Sohne und dessen\nVorsatze, sich der Musik zu widmen, zu versöhnen. Der\nVater gab ihm nach einiger Zeit sein kleines Erbtheil\nheraus. Kühmstedt ging nach der Vollendung seiner Stu-\ndien in Darmstadt nach Weimar zu Hummel, um sich bei\nihm zum Virtuosen und zum Componisten auszubilden.\nHummel hatte gleich Rink grosse Freude an Kühm-\nstedt. Er stellte ihn öfters seinen Söhnen als Muster vor\nund schalt sie dabei aus, dass sie es nicht auch so mach-\nten, nicht auch dieselbe Ausdauer und denselben Fleiss\nhätten, wie Kühmstedt. Ausserdem verschaffte das ausge-\nzeichnete Talent zur Declamation, das sich bei dem jungen\nKünstler schon auf der Schule gezeigt hatte, ihm Eingang\nbei dem berühmten Schauspieler Unzelmann, wo man zu-\nweilen classische Stücke las, und wo er besonders in Gö-\nthe's Faust excellirte. Dieses Talent blieb ihm auch später\ntreu, obgleich er es fast niemals übte. Es war ein hoher\nGenuss, ihn das kleinste Gedicht vorlesen zu hören. Ohne\nalle Effecthascherei wusste er Schönheiten einer guten\nDichtung, die man kaum geahnt hatte, so hervorzuheben,\ndass man glaubte, zum ersten Male das Gedicht so recht\nzu verstehen. IndeSs war der Musik natürlich seine ganze\nKraft gewidmet. Er componirte in llummiTscher Manier\nRondo's,Duo's u. s. w., die in Leipzig erschienen sind. Aber\ndas theure Stundengeld von einem Louisd'or konnte seine\nspärliche Casse nicht lange erschwingen. Auch sagte Hum-\nmel nach einem Jahre zu ihm in seiner aufrichtigen wie-\nner Manier: „N«n sind wir holter fertig, nun müssen's\nauf eigenen Füssen stehen und holter durch die Welt\nschmeissen und was erreichen.\"\nKühmstedt, der zu seinem grossen Schrecken eine zu-\nweilen eintretende leichte Lähmung der Hand fühlte, gab,\nbis es sich gebessert, das eifrige Spielen auf und beschloss,\neine Oper zu componiren. Dahin drängte ihn sein drama-\ntisches Talent, das sich in sehr vielen anderen Musikstücken\noffenbart, am meisten hin, dadurch hoffte er auch am\nleichtesten bekannt zu werden. Er ging nach Gotha, um\nsich dort von einem Literaten einen Text schreiben zu las-\nsen, erhielt für die Summe von 150 Thalern einen sol-\nchen, genannt „Die Schlangenkönigin\", in romanti-\nscher Manier geschrieben und ein gänzlich leeres Product,\nwie beinahe alle derartigen Opern-Texte. Sich eben so"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580227-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5333, "texte": "wenig daran kehrend, als andere grössere Componisten,\nwurde er in einem halben Jahre mit der Composition fer-\ntig. Er war damals 22 Jahre alt und hatte eigentlich noch\ngar keine Studien in der Instrumental-Composition ge-\nmacht; aus Mozart'schen Ouvertüren suchte er die Form-\ngesetze zu entnehmen. Dennoch war das Urtheil Spohr's,\ndem er dieses erste bedeutendere Werk mittheilte, ein sehr\ngünstiges (es findet sich noch in seinen Papieren), und der\nMeister fand besonders die Instrumentalsetzung vorzüglich\nund bedeutend. Dennoch konnte er die Oper weder in\nWeimar noch in Leipzig trotz aller Mühe anbringen.\nEr entschloss sich, damit nach Berlin zu gehen. Von\nseinem kleinen Erbtheil hatte er nur noch 100 Thaler.\nKühmstedt war, wie die meisten Künstler, unpraktisch im\nLeben; Mangel an Gewandtheit im Umgange mit Men-\nschen hat ihm stets geschadet. Berlin war wohl der Ort,\nwo Beides am nachtheiligsten für ihn werden musste. In\nZeit von vier Wochen hatte man ihn um seine letzten hun-\ndert 1 haier durch Schwindeleien und Betrügereien ge-\nbracht. Die Oper zur Aufführung zu bringen, war bei dem\nZudrange junger Componisten und seinem Mangel an Be-\nkanntschaften nicht möglich geworden. Die Lähmung der\nHand hatte zugenommen; sich durch sein Ciavierspiel gel-\ntend zu machen, wurde ihm dadurch ebenfalls benommen.\nNachdem der letzte Groschen für die nothwendigsten Be-\ndürfnisse ausgegeben war, ergriff ihn die Verzweiflung.\nZu stolz, um irgend ein Rettungsmittel armer Künstler,\ndas einer Bettelei ähnlich sieht, zu ergreifen, hatte er schon\nein paar Tage gehungert. Seine Anzeige in der Zeitung,\nStunden sowohl in der Musik als in den Anfangsgründen\nalter Sprachen zu geben, war unberücksichtigt geblieben.\nDa fasst er den Entschluss, seinem Leben ein Ende zu\nmachen. Schon steht er in der Abenddämmerung an einer\neinsamen Stelle am Ufer der Spree. Da fasst ihn etw as am\nRockzipfel: „Na, wollen Se 'nen Bittern aus der Spree\nnehmen? det lassen Se man sin!\" ertönt die Stimme eines\nEckenstehers. Kühmstedt muss in all seinem Elend über\ndiesen treffenden Humor lachen und - ist gerettet. Er be-\nschliesst, nicht wieder auf solche Weise kleinmüthig in sein\nSchicksal einzugreifen, sondern sich ihm als ein Held ent-\ngegenzustellen. Zu Hause angekommen, findet er das Billet\neiner Gräfin, die für ihre Kinder Stunde in den Anfangs-\no\ngründen des Griechischen und Lateinischen wünscht. Auf\ndiese Weise findet er ein spärliches Existenzmittel.\nIn Berlin war damals der Philosoph Hegel der Mittel-\npunkt aller Intelligenz. Auch Kühmstedt befand sich unter\ndessen begeisterten Zuhörern; doch hat er später versichert,\ndass nur die glänzende Dialektik des bedeutenden Mannes\nihn bestochen habe, und dass er zum Selbstdenken und\nPhilosophiren damals noch wenig Neigung gehabt. Gewiss\nist es, dass ihn diese so verschieden aufgefasste Philosophie\ngerade in der äussersten verneinenden Richtung eine Zeit-\nlang beherrscht hat, und dass er sich erst später davon\nlosgerissen. Nach einiger Zeit erhielt er durch die Ver-\nmittlung des Capellmeisters Hummel und mehrerer ande-\nrer seiner musicalischen Freunde, namentlich des ausse-\no\nzeichneten Spielers und Componisten Freiherrn von Beyen-\nburgk einen Antrag, nach Eisenach als Musik- und Sing-\nlehrer am Gymnasium und am Seminar zu kommen und\ndie Kirchenmusik zu leiten. Mit Freuden nahm er die Stelle\nan, hoffend, sich nun eine gesicherte Existenz begründen\nzu können. Es musste ihm daran um so mehr gelegen sein,\nda er seit dem Aufenthalte in Weimar mit einem schönen\nMädchen verlobt war, das er mit aller Innigkeit seines\nKünstlerherzens liebte und mit dem er gedachte sich nun\nehelich verbinden zu können.\nSein erstes Auftreten in Eisenach war wieder von je-\nnem Missgeschick begleitet, das ihn so oft im Leben ver-\nfolgte und aus kleinen Begegnissen üble Folgen für seine\nKünstler-Laufbahn hervorrief. Uie Lähmung seiner Hand\nglaubte er so weit überwunden zu haben, um sich durch\nein Concert einführen zu können. Der grosse schöne Mann\nmit dem braunen, kurz gelockten Haar über der hohen\nStirn, den edeln, ausdrucksvollen Zügen und den glänzen-\nden dunklen Augen machte den vortheilhaftesten Eindruck,\nals er in den dicht mit Menschen gefüllten Saal trat und\nsich an den Flügel setzte. Plötzlich, gleich nach den ersten\nPassagen, hielt er inne, versuchte mehrmals, wieder anzu-\nfangen, was nicht gehen wollte, machte sein Compliment,\neine etwas verwirrte und nicht ganz passende Entschuldi-\ngung stammelnd. Es ging dem idealen deutschen Künstler\ndiejenige Gewandtheit ab, welche die Franzosen\nsa fortunenennen, sowohl in den kleinen unangenehmen\nVorfällen des Lebens, als in grösseren Schicksalen. Nach\neiner Weile versuchte er allerdings noch an demselben\nAbend das Publicum durch seine ausgezeichnete Tenor-\nstimme zu entschädigen. Unglücklicherweise hatte er eine\nArie gewählt, in welcher der Anfang lautete: „0 grauses\nSchicksal!\" Die Anwesenden brachen in ein schallendes\nGelächter aus. Er trat beschämt ab. Der Stab schien über\nihn gebrochen. Er konnte die Scene nicht überwinden.\nGanz in sich selbst und seinen kleinen Wirkungskreis zu-\nrückgezogen, nahm er während zehn Jahre eben so we-\nnig Notiz von dem Publicum, als dieses von ihm. Alle\nPlane, wohlthätig auf den Geist der Musik in der kleinen\nStadt zu wirken, gab er, von diesem unangenehmen Vor-\nfalle abgeschreckt, auf."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-02-27-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-02-27_01#c004", "volume": "bmtnabi_1858-02-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "69", "page_fin": "70", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580227-01.2.4", "titre_corps": "Johannes Heuchemer.", "titre_sommaire": "Johannes Heuchemer.", "signature_source": "Franz Wüllner", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "69", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580227-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5352, "texte": "Johannes Heuchemer.\n(Nekrolog.)\n\nHeute Morgens, den 14. Februar, verschied nach län-\ngerem Krankenlager, wenig über 30 Jahre alt, Johan-\nnes Heuchemer, Professor am hiesigen königlichen Con-\nservatorium für Musik. Wenn auch sein Name bis jetzt\nnicht weithin bekannt geworden ist, so darf ich doch wohl\num Aufnahme dieser Zeilen in Ihr Blatt bitten, da der\nVerlust, den wir durch seinen Tod erleiden, nicht nur für\nseine Freunde und seine zahlreichen Schüler, sondern auch\nfür einen weiteren Kreis, der erst in der letzten Zeit an-\nfing, auf ihn aufmerksam zu werden, ein höchst bedeuten-\nder zu nennen ist. Ueberdies war Heuchemer ein Rhein-\nländer, und schon als solchem gebührt es ihm, dass ihm in\nIhrem Blatte ein Denkstein gesetzt werde.\nWas ich über die Zeit seiner Entwicklung und über-\nhaupt über seine früheren Verhältnisse in Erfahrung ge-\nbracht habe, ist nur wenig, kann auch eigentlich nur we-\nnig sein, da dieselben höchst einfacher Natur waren, und\ner grossentheils Autodidakt war. Er führte, wie so viele\nechte Künstler-Naturen, ein reiches inneres Leben, ohne\ndass in seinem äusseren Leben irgendwelche bedeutendere\nEreignisse eingetreten und von bestimmendem Einflüsse\nauf ihn gewesen wären. Dabei hatte er die Eigenschaft,\nwenig oder gar nicht über sich zu reden und mit allem,\nwas ihn betraf oder von ihm ausging, sehr zurückhaltend\nzu sein, so dass selbst genauere Freunde, zu denen der\nUnterzeichnete sich zählen zu dürfen stolz war, darüber\nnur wie zufällig etwas in Erfahrung brachten.\nEr war zu Vallendar bei Coblenz geboren, wo er\nden ersten Unterricht von seinem Vater, dem Organisten\nan der dortigen Kirche, erhielt. Später besuchte er das\nGymnasium in Coblenz und fand dort für seine weitere\nmusicalische Ausbildung in Anschütz einen Lehrer, dem\ner immer ein dankbares Andenken bewahrt hat. Er bil-\ndete sich zu einem tüchtigen Ciavierspieler und machte\nvielversprechende Anfänge in der Composition, ging dann\nnach Eupen bei Aachen, wo er einige Jahre als Musik-\nDirector fungirte. Er benutzte fleissig die Gelegenheit, nach\nAachen und Köln hinüber zu reisen, wenn es dort etwas\nInteressantes zu hören gab, und lernte um diese Zeit auch\nFerdinand Hiller persönlich kennen, der ein freundliches\nInteresse an ihm nahm und eine (Jamals von ihm geschrie-\nbene Ouvertüre, so viel ich weiss, in der musicalischen\nGesellschaft in Köln zu Gehör brachte.\nIm Jahre 1851 ging er nach München, wo er bald\neinen Wirkungskreis fand, zuerst als Lehrer der Vorbe-\nreitungsclasse des Conservatoriums und seit 1854 als Pro-\nfessor an der Anstalt selbst. Seine Entwicklung trat mit\nder Uebersiedlung hieher in ein neues Stadium; er kam\naus engen, beschränkten Verhältnissen in ein reges Musik-\ntreiben und gewann bedeutend an Ueberbiick und Urtheil;\nin den letzten Jahren hatte er nach vielen Seiten hin eine\nsehr hohe Bildungsstufe erreicht.\nIn seiner Stellung als Lehrer des Ciavierspiels war er\nausgezeichnet. Unermüdlich, voll Interesse für die Schüler,\nwelche es verdienten, traf er stets die rechte Mitte zwi-\nschen Milde und Strenge. Er war gründlich, ohne pedan-\ntisch zu sein, und sorgte für die musicalische Ausbildung\nseiner Schüler, ohne die technische Seite des Unterrichts\nzu vernachlässigen. Selbst der edelsten Richtung treu und\nmit feinem Schönheitssinn begabt, suchte er diese Eigen-\nschaften mit Glück auf seine Schüler zu übertragen, die\nsich besonders durch guten Anschlag und scharf markir-\nten, namentlich in rhythmischer Beziehung klaren und so-\nliden Vortrag auszeichneten. Von seinen Compositionen\nsind nur wenige bekannt geworden. Ausser einigen Jugend-\nwerken, die in Aachen bei Ter Meer erschienen sind, ka-\nmen vor zwei Jahren bei Breitkopf & Härtel drei Cla-\nvierstücke und vor einigen Monaten bei Rieter-Bieder-\nmann in Winterthur ein Heft Lieder heraus, dem ein\nTrauermarsch für Pianoforte zu vier Händen und sechs\nkleine Ciavierstücke, so wie ein Heft vierstimmi-\nger Lieder für gemischten Chor sich nächstens anschlies-\nsen werden. Ausserdem gab er mit seinem Freunde und\nCollegen B. Scholz die ~Neue Hausmusik\" (Breitkopf\n& Härtel) im letzten Sommer heraus, in welcher zwölf\nvon ihm componirte Lieder enthalten sind. Grössere Werke,\nnamentlich für Kammermusik, Quartette und Trio's, hat\ner geschrieben, doch ist es ihm wie vielen Anderen damit\nergangen er hat keinen Verleger dafür gefunden, ob-\nwohl die Sachen es weit eher verdienten, gedruckt zu wer-\nden, als so vieles' elende Zeug, welches täglich erscheint.\nSeine Natur neigte etwas ins Feine, Zugespitzte, doch war\ner frisch genug, um sich vor harmonischen Grübeleien zu\nbewahren, und so sind seine kleinsten Sachen last die ge-\nlungensten. In der „Neuen Hausmusik\" (deren Titel ein\nkleiner Stich auf Bichl sein sollte, mit dessen Kunst-An-\nschauungen und namentlich Kunstleistungen Heuchemer\nso wenig wie irgend ein anderer Musiker übereinstimmte)\nsind wahre und echte Perlen musicalischer Lyrik. Nament-\nlich sind einige volksthümliche Lieder aus dem Quickborn\nund von älteren Dichtern vortrefflich gelungen; ein Hauch\nvon Romantik umgibt dieselben, der an die schönsten kür-\nzeren Lieder von Mendelssohn, wie „Leise zieht durch\nmeinGemüth\" u. A., erinnert. Von gleichem Werthe sind\nseine „vierstimmigen Lieder\", auf welche hiedurch im\nVoraus dringend aufmerksam gemacht sein soll. Auch die\nbei Rieter erschienenen Lieder haben sich schon vielfache"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "70", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580227-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1045, "texte": "Freunde erworben *). Ileuchemer fing eben an, seine Com-\npositionen gedruckt zu sehen; aber die Freude des Erfolgs\nwar ihm nicht mehr gcg önnt: er musste von uns.\nHeuchemer war treu, zuverlässig, voll warmer Theil-\nnahme für alles Edle und Gute; wen er lieb hatte, der\nkonnte auf ihn bauen, für den that er, was in seinen Kräf-\nten stand. Er war niemals sehr zugänglich, vielmehr scheu\nund in sich gekehrt, und konnte sogar hin und wieder\nschroff und abstossend sein. Er hatte innerlich Vieles durch-\ngemacht, und dazu kam ein körperliches Unwohlsein, das\nihn seit langer Zeit quälte, und das nicht ohne Einlluss\nauf seine Gemüthsstimmung blieb. Man musste ihn suchen,\num mit ihm in nähere Beziehungen zu treten; aber je nä-\nher man ihm kam, desto lieber hatte man ihn. Seinen\nFreunden und Collegen ist er unersetzlich. Nicht nur seine\neigenen, sondern alle Schüler unserer Anstalt hingen an\nihm mit gleicher Hochachtung und Liebe, und die Trauer\num seinen Tod ist gross bei allen, die ihn kannten.\nMünchen, den 14. Februar 1858.\n\nFranz Wüllner."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-02-27-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-02-27_01#c005", "volume": "bmtnabi_1858-02-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "70", "page_fin": "71", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580227-01.2.5", "titre_corps": "Lablache.", "titre_sommaire": "Lablache.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "70", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580227-01.1.6", "debut_caractere": 1047, "fin_caractere_exclue": 5192, "texte": "Lablache.\nLudwig Lablache wurde in Neapel am 6. Decem-\nber 1794 geboren. Sein Vater, Nicolaus Lablache, war\nein Kaufmann aus Marseille. Auf der Flucht vor der fran-\nzösischen Revolution des Jahres 1791 suchte er in Neapel\neine Zufluchtsstätte, um später dem Terrorismus des Jah-\nres 1799 zu verfallen.\nDas Kind hatte eine verheissungsreichc Stimme, und\nder Vater erlangte die Aufnahme desselben in das Conser-\nvatorium von Neapel. Lablache that sich vor Allem durch\nunverbesserlichen Muthwillen und Schelmereien aller Art\nhervor. Gentiii, sein Lehrer, verzweifelte an ihm. Man\nmusste, um ihn zu bändigen, mit einer förmlicheu Auswei-\nsung drohen.\nLudwig Lablache spielte Violine und Violoncell und\nhatte vor dem Wechsel eine schöne Altstimme. Eines Ta-\nges führte man im Conscrvatorium Mozart's aus.\nSechszehn Bassstimmen deckten im Chor die schwächeren\nAltstimmen; der jugendliche Künstler wollte das Gleichge-\nwicht herstellen und liess aus vollen Lungen so schmet-\nternde Töne erschallen, dass seine über Kraft gespannte\nStimme plötzlich versiegte. Er wurde stumm.\nAber zwei Monate nach diesem Ereignisse erwachte\nLablache eines Morgens wunderbar geheilt. Er hatte nicht\nnur das Wort wiedergefunden, sondern auch die Stimme\njene wunderbare, klangvolle und schwungreiche Bass-\nstimme, voll lang austönenden Wiederhalls, immer gleich,\nmit den Schwingungen einer Glocke oder dem Brausen\neiner Orgel zu vergleichen.\nLablache war 16 Jahre alt, als ihm dieses seltsame\nAbenteuer begegnete. Kurze Zeit darauf musste er in drei\nTagen den Contrabass (ein Instrument, das er noch nicht zu\nhandhaben wusste) so weit spielen lernen, um eine schwie-\nrige Partie im Orchester von San Onufrio auszuführen.\nEr erlitt bei dieser schrecklichen Uebung eine Verletzung\ndes Schlüsselbeins, die eine bedeutende chirurgische Ope-\nration nothwendig machte. Auf die Instrumental-Musik ver-\nzichtete er nun und folgte seiner Leidenschaft für das Thea-\nter, zu welchem Berufe seine Stimme ihn bestimmte.\nEr entfloh dem Conservatorium und übte heimlich bei\neiner Primadonna, die ihm ihre Neigung zugewandt hatte,\neine Rolle ein, in welcher er am Teatro Nuovo debuliren\nwollte. Er wurde bei diesem Manöver ertappt und in das\nConservatorium zurückgebracht, wo man, um ihn festzuhal-\nten, eine Bühne errichtete. Diese Einrichtung blieb bestehen,\nund dort wagen nun die beginnenden Componisten unter\nder gelehrten Leitung M ercadant e's ihre ersten Versuche.\nSie verdanken dieses musicalische und dramatische Gymna-\nsium Lablache. Er blieb bis zu seinem 17. Jahre, und man\nvergötterte ihn schon. Er engagirte sich endlich am kleinen\nTheater San Carlino, wo er zweimal des Tages sang, ohne\nseine herculische Stimme im Mindesten zu ermüden. Dort\nwar es, wo er Theresa Pinotti, die Tochter eines ge-\nnialen Schauspielers, heirathete.\nMadame Lablache war ehrgeizig, und um ihren Gatten\nzu zwingen, einen seiner würdigeren Platz an einem vorneh-\nmeren Theater einzunehmen, liess sie ihn auspfeifen. Nach-\ndem sie hieraufsein Engagement als -so in Pa-\nlermo bewirkt hatte, hinderte sie fortan seine Rückkehr\nnach Neapel und zwang ihn, Rossini zu singen. Es war übri-\ngens nicht leicht, es mit dem bis auf das Mark neapolitani-\nschen Künstler aufzunehmen. Diejenigen, die ihn in Paris\nkannten, haben die Feinheit und närrische Laune des trclf-\nlichen Mannes nicht vergessen, und die kleine Chronik ist\nvoll von köstlichen Streichen, die ihm zugeschrieben wurden.\nDie Unternehmer des Theaters in Palermo waren Mai-\nländer, die Sicilien im Jahre 1820 aus politischen Gründen\nverlassen mussten. Sic nahmen den jungen Ruhm des neuen\nKünstlers mit sich und liessen ihn in Mailand in Cenerentola\ndebutiren. Man bewunderte seine Stimme, aber keineswegs\nseine Sprache. Der Grund ist, dass die Dialekte von Neapel\nund Sicilien dem toscanischen wenig gleichen. Lablache\nlernte nun das Italiänische unter einem ausgezeichneten\nProfessor, RafFanelli, und yon da an war seine Laufbahn\nein langer Triumphzug. Er machte in den Rollen des Assur\n(in Semramide), des Figaro, des Überto, des Geronimo,\n\n*) Vergl. die Bcurtheilung derselben in Nr. 7 dieser Blätter\nvom 13. Februar 1858, Die Rodaction."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580227-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2056, "texte": "diesen so verschiedenen und von ihm insgcsammt mit einem\nhöheren Talente dargestellten Charakteren, in Mailand, das\nihn sechs Jahre festhielt, in Horn, in Turin In Wien,\nim Jahre 1825, prägte man ihm zu Ehren eine Medaille;\nauch wurde er dort von seinem eigenen Souverain, Ferdi-\nnand, König von Neapel, mit Gunstbezeugungen überhäuft,\nindem der König ihn zu seinem Kammersänger ernannte\nund seinem Schwiegervater, dem Schauspieler Pinotti, eine\nPension auswarf.\nDer Künstler kam nach Neapel zurück, wo er in der\nSemiramis jene schaudern machte, die er auf der Polichi-\nnelle-Bühne so sehr zum Lachen gereizt hatte. Doch glänzte\ner, ungeachtet seiner Erfolge im ernsten Fache, vorzüglich\nin der Operabuffa, wohin seine sprüchwörtlich gewordene\nBeleibtheit ihn zuletzt ausschliesslich hinwies.\nIm Jahre 1830 erhielt unser Künstler die pariser Taufe,\nRossini sah und hörte ihn. Seit dieser Zeit wuchs der Ruhm\ndes Maestro mit jenem des Sängers Hand in Hand. Der\nBiograph hat von nun an nichts mehr zu thun, als den Le-\nser seinen Erinneruugen zu überlassen.\nBetrachten wir Lablache in seinem Hause, so wissen\nalle, die in Verkehr mit ihm traten, bis zu welchem Grade\ner heiter, von freimüthigem Humor, gastfreundlich, glück-\nlich, voll Begeisterung und Gesundheit war.\nLeider war diese Gesundheit nur ein Blendwerk. Lr\nmusste Russland, wo der Czaar ihm 1857 nebst seiner Er-\nnennung zum Kammersänger eine mit Brillanten reich be-\nsetzte goldene Medaille, am Bande des St.-Andreas-Ordens\nbefestigt, zustellen liess, verlassen. Er ging im August nach\nNeapel, indem er in der vaterländischen Luft wieder aufzu-\nleben hoffte. Die Aerzte gaben ihm gute Hoffnungen. Er-\nstarb Samstag, am 23. Januar 1858, um 21/» Uhr Nach-\nmittags. In seinen letzten Augenblicken recitirte er die er-\nsten Strophen der Ode von Manzoni, maggio\",\nbei der zweiten Strophe kamen ihm Thränen in die Augen,\nund er konnte nicht weiter sprechen. Wenige Augenblicke\nvor seinem Tode stimmte er sein Lieblingslied: Home,\nsweet hörne\", an, und seine Stimme erlosch mit diesen\nrührenden Worten."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-02-27-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-02-27_01#c006", "volume": "bmtnabi_1858-02-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "71", "page_fin": "72", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580227-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580227-01.1.7", "debut_caractere": 2058, "fin_caractere_exclue": 6397, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKSln. Dem Vernehmen nach bat die städtische Verwaltung\ndie unentgeltliche Benutzung der Gürzenich-Säle zur Feier des nie-\nder rh e ini s chen Musikfestes an den Pfingst-Feiertagen be-\nwilligt. Für den ersten Tag ist F. Hiller's neues Oratorium Saul\nzur Aufführung bestimmt. Ausserdem hören wir von der Sinfonia\neroieet, Scenen aus Gluck's Armida u. s. w. sprechen. Pest-Dirigent\nwird der städtische Capellmeister Herr Ferd. Hiller sein, üeber\ndie in Aussicht genommenen Solisten verlautet, ausser einer kolos-\nsalen Honorarforderung von gewisser Seite, noch nichts. W an li-\neh er werden die Comite' s der nieder rheinischen Mu-\nsik feste auf den ursprünglichen Standpunkt derselben zurückkom-\nmen und die unerschwinglichen Ausgaben für Gesang*\nCelebritäten wieder abschaffen? Wenn Köln in seinem\nneuen prachtvollen Locale, seinen herrlichen Gesan-\ngeskräften, seinem berühmten Dirigenten und der Höhe\nseiner gegenwärtigen Bedeutung für die Tonkunst\nüberhaupt nicht Anziehungspunkte genug für den\nBesuch des Festes zu haben vermeint, so heisst das unserer\nAnsicht nach das Geständniss ablegen, dass man an dem wahren\nSinne für Musik und an der Liebe zur Kunst verzweifelt. Hat man\nnicht den Muth, die niederrheinischen Musikfeste als Säulen der\nechten Kunst hinzustellen, die nur durch ihre classische Schönheit\nund ihre grossartigen Proportionen imponiren, ohne durch Flitter-\ngold-Verzierungen die Augen des grossen Haufens zu blenden, so\nlasse man sie lieber ganz fallen.\nAm 23. Februar hörten wir in der fünften Soiree für Kam-\nmermusik das Quintett für zwei Violinen, zwei Violen und Cello,\nOp. 15, in E-moll von Ed. Franck, eine Composition, die sich\ndurch originelle Farbe in den Melodieen und der Stimmführung aus-\nzeichnet und dieses Verdienst mit grosser Klarheit der Schreibart\nvereinigt. Der erste Satz ist von sehr eigenthümlichem Charakter,\ndie Motive tragen ein Gepräge, das man versucht wird für slawisch\noder nordisch zu halten, aber Alles ist fliessend geschrieben und\nnicht im Geringsten gesucht. Im Scherzo tritt zu dem Obigen auch\nnoch ein recht wirkungsvoller Wechsel in der rhythmischen Be-\nhandlung hinzu. Die zweite Leistung war ein Quartett in 11-moll\nvon Haydn, dessen Bekanntschaft wir erst neulich durch Joachim\ngemacht hatten. Zum Scltlnss hörten wir das wundervolle grosse\nYi-dwr-Trio, Op. 97, von Beet hoven, dessen Clavier-Partie Herr\nBreunung recht brav, im Scherzo und im Finale ausgezeichnet\nsicher und geistvoll vortrug.\nHerr M. DuMont-Fier ist wiederum einer Einladung der\nGesellschaft zur Beförderung der Tonkunst nach Amsterdam\ngefolgt, um dort den Elias von Mendelssohn zu singen.— Fräul.\nCatharina Deutz hat in dieser Woche in dem Privat-Concerte\nzu Bremen und in dem Concerte der Hofcapelle zu Oldenburg\ngesungen.\n** Barmen. Am 23. Januar fand das jährliche Concert des\nstädtischen Musik-Directors Herrn Karl Rein ecke Statt. Von Or-\nchesterwerken wurden gemacht Cherubin Ts Ouvertüre zu den\nAbenceragen zu Anfang und Reinecke1 s Ouvertüre zu Dame Ko-\nbold zum Schlüsse. Ausserdem spielte Herr Reinecke Mozart's\nD-moll- Concert und das Larghetto und Rondo aus Chopin' s E-\ninoll-Concert mit Orchester. Von neuen Compositionen desselben wur-\nden aufgeführt: Schlachtlied von Klopstock: „Mit unserm Arm\nist nichts gethan\", für zwei Männerchöre und Orchester; Schlaf-\nlied der Zwerge aus „Schneewittchen'' von F. Röber für Frauen-\nchor und Orchester. Dazwischen sang die künstlerisch gebildete Di-\nlettantin Frau P. aus Düsseldorf im ersten Theile die B-dur-Arie\naus Haydn's Schöpfung, im zweiten eine Arie aus Händers Ezio\nund drei Lieder am Pianoforte von Mendelssohn, Mozart und Rob.\nSchumann. Das Concert war ausserordentlich stark besucht und\ndas Publicum in sehr gehobener Stimmung. Namentlich zeigte es\nsich sowohl für die trefflichen Vorträge des Herrn Reinecke auf dem\nPianoforte, als auch für dessen neue Compositionen sehr empfäng-\nlich. Auch Frau P. wurde enthusiastischer Beifall zu Theil. „Das\nVeilchen\" von Mozart und „Sonnenschein\" von Schumann war sie\nso gefällig, auf anhaltendes Verlangen des Publicums zu wiederholen.\nAm 20. Februar wurde im Abonnements-Concerte C. M. von\nWeb er1 s Musik zu Wolfs Preciosa mit dem verbindenden Ge-\ndichte von Sternau aufgeführt und die grosse C-dwr-Sinfonie von\nF. Schubert, welche eine begeisterte Aufnahme fand."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580227-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5907, "texte": "Ich habe das Vergnügen, Ihnen zu melden, dass Herr Musik-\nDirector Reinecke den von Bern aus an ihn ergangenen Ruf\nnicht angenommen hat, sondern uns unter für ihn sehr ehrenvollen\nBedingungen verbleiht. Bei einem solchen Gemeinsinn unserer Bür-\ngerschaft für die Kunst, wie er sich bei dieser Gelegenheit wieder\nauf der Stelle bewährt hat, dürfen wir uns der Zuversicht hingeben,\ndass der Bau eines neuen Gesellschafts- und Concert-\nLocales auch in würdigen und angemessenen Proportionen zu\nStande kommen und den Schlussstein zu allem demjenigen bilden\nwird, was Eintracht und Bürgersinn in dem letzten Jahrzehend hier\nins Leben gerufen haben.\nEine neue Oper von Krebs, „Agnes\", ging am 17. Januar über\ndie dresdener Hofbühne; das Buch ist nach dem Trauerspiel „Agnes\nBernauer\" bearbeitet und soll geschickt und praktisch eingerichtet\nsein. Die Musik besitzt nach C. Banck gute Einzelheiten, lässt aber\nim Ganzen in Bezug auf Abrundung, Colorit und Wahrheit der Em-\npfindung Manches zu wünschen übrig. Die erste Aufführung unter\ndes Componisten eigener Direction und mit Kräften wie Frau Ney-\nBürde, den Herren Tiehatschek und Mitterwurzer, erhielt natürlich\nvielen Beifall; der Componist wurde drei Mal gerufen.\naart a. ]?!• M a t i n ee musicale von Fräul. Rosa\nKastner am 14. Februar. Auch in diesem zweiten Concerte legte\ndiese liebenswürdige Künstlerin Zeugnisse ihrer physischen und psy-\nchischen Kunst-Vollendung ab und begeisterte ein gewähltes Audi-\ntorium durch Beides. Zu Ersterem zählen wir eine selbst im höch-\nsten Aufschwünge beibehaltene perlende und fessellose Federkraft\ndes Anschlags, zu Letzterem den poetischen, selbstständigen Geist\nihres Vortrags und die verständige Auseinanderlegung so verschie-\ndener Meisterwerke. Wer in den Compositionen eines Beethoven,\nHändel, Chopin, Aloys Schmitt und Mendelssohn so zu Hause ist,\ndass in Allem der Grund-Charakter und in demselben alle Schönhei-\nten und Geistesfunken klar hervorleuchten, ist des Lorbers würdig und\ndarf selbst suchen den Flutensturm (le Torrent) eines Lacombe zu\nüberwältigen, selbst wenn uns das Wasser dieser Composition bis\nan die Kehle steigt. Wie gesagt, Rosa Kästner zeigt ein so ehrliches\nStreben, dass man über dem Grossen, was sie leistet, gern solche\nkleine Salon-Eitelkeiten übersieht. Von den genannten Clavier-Com-\npositionen heben wir billiger Weise das liier noch wenig bekannte\nTrio in Es-dur von unserem verehrten Landsmanne Aloys Schmitt\nhervor, welches, in einer früheren Periode componirt und bei Andrd\nin Druck erschienen, würdig ist, neben den besten Werken dieser\nGattung genannt zu werden. Bei einem oft hinreissenden Feuer ori-\ngineller Erfindungen sind Klarheit, Ordnung und Einheit aller Theile\ntreu bewahrt, und versteht es der Meister, durch schöne Melodieen\nzu fesseln, durch Correctheit zu belehren. Unseres ersten Geigers,\nHerrn Eliason's, neuere Composition, „Lieder ohne Worte\", fand\nin dem sinnigen Vortrage des Componisten die verdiente Würdigung.\nEndlich Frau Nissen-Saloman, und es fühle sich Niemand\nzurückgesetzt hiermit das Beste zuletzt; denn der Gesang bleibt\nallemal die Sonne unter den Sternen und Monden unserer Concerte.\nSo oft wir auch diese Sängerin gehört, sie bleibt stets neu und pi-\nkant. Ob sie in deutscher, schwedischer oder in anderen Zungen\nsingt, Alles deutlich, schön und bezeichnend, und niemals kommt\nuns etwas spanisch vor, oder sie müsste denn in dieser Sprache selbst\nvortragen. Hat sie uns durch unseres Wilhelm Spei er „Früh-\nlingslied\" wahrhaft in den Mai versetzt und durch G. Aloys\nSchmitts (des Sohnes unseres Nestors) „Ich bin geliebt\" mit tief-\nempfundener Verklärung erfüllt, so trug sie das „J'ai peur des Ja-\nloux\" von de Beriot so vor, dass sie wohl eine Menge Jalousieen er-\nwecken mochte, aber keine zu fürchten hat. C. G.\nBei Gelegenheit der königlichen Hochzeitsfeier in London wurde\nbekanntlich die Hochzeitsmusik (Chor und Marsch) aus Lohengrin,\nund zwar nach einem neuen, vom Componisten fiir diese Gelegenheit\ngetroffenen Arrangement gespielt Wagner erhielt für diese Arbeit\nvon der Königin Victoria ein schmeichelhaftes Dankschreiben nebst\neinem werthvollen Geschenke.\nieit* In der diesjährigen italiänischen Opern-Saison wird\nMozart's Cosi fan tutte und eine Verdi'sche Oper (Stifelio) in neuer\nUmarbeitung zur Aufführung kommen.\nDurch eine Verfügung der hohen Statthaltcrei wurde der Direc-\ntion der Gesellschaft der Musikfreunde die Verwaltung eines Fonds\nübertragen, welcher schon im Jahre 1819 durch freiwillige Beitfäga\nvon einigen Kunstfreunden gegründet wurde, um für die Heroen der\nTonkunst: Gluck, Haydn, Mozart und Beethoven, welche in Wien\nihr ruhmvolles Leben beschlossen, ein Monument zu errichten. Der\nFonds besteht derzeit in 8635 Gulden in Obligationen, und ist nach\nden Andeutungen der hohen Statthalterei auf dessen fruchtbringende\nVermehrung Bedacht zu nehmen, bis er die zur Ausführung des be-\nabsichtigten Monumentes zureichende Höhe erreicht haben wird.\nHerr Carlo de Barbieri, Capellmeister am Stadttheater zu\nHamburg, wurde in gleicher Weise beim hiesigen k. k. Hof-Opern-\nTlieater engagirt.\nIParis» Die erste Vorstellung der neuen Oper von Halevy:\nLa Magicienne, Text von de Saint-Georges, ist auf den 3. März\nfestgesetzt.\nMadame Szarvady (Wilhelmine Clauss) ist als Pianistin\nwieder in die Oeffentlichkeit getreten. Sie hat drei Soireen im PleyeP-\nschen Saale angekündigt, von denen die erste am 20. Februar Statt\nfand. Die Zuhörerschaft war zahlreich und glänzend und feierte die\nvortreffliche Künstlerin eben so wie bei ihrem ersten Auftreten zu\nParis im Jahre 1852. Die zweite Soiree wird am die dritte am\n20. März Statt finden.\nAm 20. Februar wurden die Exequ'en für den Sänger Lab lache,\ndessen Leiche von Neapel, wo er gestorben, nach Paris gebracht\nworden war, in der Kirche de la Madeleine gefeiert. Es wurde Mo-\nzart's Requiem von dem Personal der kaiserlichen und der italiäni-\nschen Oper aufgeführt."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "65", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580227-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nMichael von Glinka und die Musik in Russland. 111. Von L. B Friedrich Kühmstedt. Eine biographische Skizze.\nI. Johannes Heuchemer (Nekrolog). Yon Franz Wüllner. Lablache (Nekrolog). Tages- und Unterhaltungs-\nblatt (Köln, Das bevorstehende niederrheinische Musikfest, Fünfte Soiree für Kammermusik, Herr M. DuMont-Fier Barmen, Concert\nvon Herrn Karl Reinecke. Abonnements-Concert Dresden, eine neue Oper Frankfurt a. M. Wien Paris).\n\nMichael von Glinka und die Musik in Russland.\n\nIII.\n(I. s. Nr. 7. 11. Nr. 8)\nIn dem Finale des zweiten Actes bleibt Glinka dem\nangenommenen Systeme treu, das heisst: der Volksgesang\nherrscht auch hier wieder vor. Es enthält dialogischen\nWechselgesang der Antonida und ihres Verlobten mit dem\nChor, ohne feste Tonart, weder Arioso noch Recitativ,\ndann ein Duett (Larghetto in A-moll), unterbrochen und\nfortgesetzt durch Chöre theils von Männern, theils von\nFrauen allein, theils von Allen zusammen.\nIn der Introduction des dritten Actes kehren die ge-\nwöhnlichen Modulationen und Schlüsse bei, _M?//-Tonarten\nin Dur und bei ZW-Tonarten in Moll wieder, was am\nEnde sehr monoton wird. Eine Tenor-Arie des Verlobten\n(Sobinin genannt) ist entwickelter und regelmässiger in der\nForm, als die übrigen Arien der Oper; der Rhythmus des\nThema's ist originel, indem die erste Hälfte der Periode\nsechs, die zweite nur drei Tacte hat. Hierauf folgt eine\ngrosse Arie für Alt (Wanja) mit Chor, eines der besten\nMusikstücke des Werkes in Rücksicht auf die Form, aber\ndennoch sowohl im Recitativ, wenn man es so nennen\nkann, als im Andante moderatonicht frei von seltsamen\nDingen, namentlich in Rezug auf periodische Rhythmik.\nDer bewegtere Schlusssatz mit Chor ist sehr energisch\nund effectvoll. Fetis.\ny\nNach dieser interessanten Analyse des Hauptwerkes\nvon Glinka geht Herr Fetis auch noch über die zweite\nOper, „Ruslan und Ludmilla\", ins Einzelne. Diese\nist eine Zauber-Oper, deren Stoff einem Gedichte von\nPuschkin entnommen ist. Die Musik bewahrt nach Fetis\nnicht so sehr den nationalen Charakter, wie in dem frühe-\nren Werke, auch spielt der Chor keine so wichtige Rolle;\nübrigens treten die Volks-Melodieen aber nicht bloss\nrussische, sondern auch finnische, krim-tatarische und so-\ngar persische und rhythmische Sonderbarkeiten, z. R.\nfünftheilige Tactarten u. s. w., ebenfalls an verschiedenen\nStellen auf. Einzelne Nummern, z. R. das Finale des ersten\nActes, stellt Fetis höher als irgend etwas in der früheren\nOper. Im Ganzen jedoch scheint die Musik in dieser Zau-\nber-Oper keinen einheitlichen Charakter zu haben, da\nMehreres an die Schreibart von Rossini und Meyerbeer\nerinnern soll. Gewiss ist, dass sie in Russland selbst\nnach einer uns zugegangenen Mittheilung des Herrn R.\nvon Engelhardt in Petersburg über Glinka, dessen vertrau-\nter Freund er gewesen zwar mit grosser Pracht auf\nden Theatern zu Petersburg und Moskau gegeben wurde\nund Anfangs grossen Erfolg erlangte, dass sie jedoch bei\nWeitem nicht die Popularität gewann, wie „Das Leben für\nden Czaar\", das mehrere Hundert Aufführungen erlebte\nund noch jetzt jährlich auf dem Repertoire erscheint.\nIn Rezug auf die Volks-Melodieen in der letztgenann-\nten Oper scheint Herr Fetis, wenn wir ein Urtheil Ulibi-\nscheff's (der am 5. Februar d. J. in Nischnei Nowgorod\ngestorben ist) über Glinka berücksichtigen, darin im Irrthum\nzu sein, dass er sie alle für russische hält, indem der Ge-\ngensatz zwischen russischen und polnischen ihm entgangen\nist. Die Stelle von Ulibischeff (.Beethoven, ses critiques et\nses glossateurs —S. 34) lautet:\n„In diesem Werke (Das Leben für den Czaar) kam\nes nicht allein darauf an, den dramatischen mit dem volks-\nmässigen Gesänge zu verbinden, wie Weber im Freischütz\ngethan hatte, ohne beide mit einander zu verschmelzen,\nsondern darauf, zwei verschiedene Nationalitäten\ndadurch zu charakterisiren, dass die Melodieen von Anfang\nbis zu Ende und selbst in den erschütterndsten tragischen\nSituationen ihre russische und polnische Farbe be-\nhielten. Dieses ist eine Aufgabe, welche ich zu der Zeit,\nals ich meine Riographie Mozart's schrieb, für unlösbar\nhielt, und doch hat sie Glinka mit einem um so ausser-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580227-01.1.2", "texte": "ordentlicheren Talente und Glück gelös't, als ihm Vorbil-\nder dazu in jeder Hinsicht fehlten.\"\nDa Ulibischeff-als Busse hier wohl gewiss eine mehr\nberechtigte Autorität ist, weil dem Ausländer der Unter-\nschied zwischen den slawischen Melodieen der Polen und\nBussen kaum fühlbar sein dürfte, so müssen wir wohl sei-\nnem Ausspruche über die wesentlichste Eigenthümlichkeit\nvon Glinka's Musik in jener Oper Glauben beimessen, wo-\ndurch denn auch unsere Verwunderung über die grosse\nMenge von Volks-Melodieen (in der Analyse der Oper von\nFetis) gemindert wird, da diese zwei verschiedene und so-\ngar einander feindliche Nationen repräsentiren und dess-\nhalb den Eingeweihten nicht so monoton erscheinen, wie\ndenen, die damit unbekannt sind.\nAusser diesen beiden Opern hat Glinka nach der\nMittheilung des Herrn von Engelhardt ferner ge-\nschrieben: „Musik zum Trauerspiel „Fürst Kholmsky\",\nnämlich Ouvertüre, Zwischenacte und Gesänge; La Ta-\nrantella, Prolog mit Chor und Declamation; viele Stücke\nfür Orchester mit und ohne Chor; an siebenzig Lieder\nund Bomanzen; ein Quartett für Streich-Instrumente und\neine Menge Stücke für Pianoforte allein und mit Beglei-\ntung anderer Instrumente. Er war also bei seiner schwa-\nchen Gesundheit doch produetiv genug. Er spielte sehr\ngut Ciavier und improvisirte vortrefflich. Auch als Sänger\nzeichnete er sich aus, er hatte eine schöne, starke Tenor-\nstimme und trug Lieder unvergleichlich schön vor.\"\n„Die letzten Monate seines Lebens brachte er in Berlin\nzu, wo er am 3. Februar 1857 starb. Seine sterblichen\nUeberreste wurden nach Petersburg gebracht und im St.-\nAlexander-Newsky-Kloster, welches innerhalb der Bing-\nmauern der Stadt liegt, beigesetzt. Der kaiserliche Sänger-\nchor, dessen Capellmeister er einige Jahre hindurch war,\nveranstaltete eine kirchliche Feier zu seinem Andenken.\nEinige Wochen später veranstaltete die philharmonische\nGesellschaft von Petersburg ein Erinnerungs-Concert, in\nwelchem nur Compositionen von ihm ausgeführt wurden.\nSeine mit Blumen umgebene und bekränzte Büste zierte\ndie Tonbühne.\"\nIn Deutschland, überhaupt ausserhalb Busslands, war\nbis jetzt noch gar nichts von Glinka gedruckt worden,\nhauptsächlich aus dem Grunde, weil dessen Yocal-Compo-\nsitionen alle auf russische Texte geschrieben sind. Gegen-\nwärtig aber haben Herr B. Engelhardt, ein vertrauter\nFreund des Componisten, und Frau L. Schcstakof, die\nSchwester Glinka's, eine Ausgabe seiner Werke begonnen,\ndie in Leipzig bei C. F. W. Siegel (Petersburg, bei Ber-\nnard & Stellowsky) erscheint.\nEs liegen uns davon vor: die erste Sammlung von\nGesängen, siebenzehn an der Zahl, mit deutschem, fran-\nzösischem und ilaliänischem Text, aus dem Bussischen\nübersetzt, herausgegeben von B. Engelhardt. Ferner\nvier Orchesterwerke in Partitur: 1. Ouvertüre zu\n„Das Leben für den Czaar\", Preis ll/2 Thlr., die Or-\nchesterstimmen 3 Thlr. 2. Ouvertüre zu „Buslan\nund Ludmilla\", bloss in Partitur (1V2 Thlr.). —3. Ca-\npriccio brillant cn forme d'Ouverture sur le theme de\nla Jota Aragonesa. Preis T/ß Thlr., die Orchesterstimmen\n3 Thlr. 4. Souvenirs d'une\ntaisie pour Orchestre sur des themes Espaqmk. Partitur,\n1 % Thlr. .\n' t)\nWir sind mithin dadurch in Stand gesetzt, aus eige-\nner Anschauung über Glinka's russische Musik zu urthei-\nlen, und werden nächstens darauf zurückkommen.\n\nL. B.\n\nFriedrich Kühmstedt.\nEine biographische Skizze.\nI.\nEisenach, 26. Januar 1858.\nVor einigen Tagen erschallte in unserer kleinen Stadt\ndie Trauerkunde von dem Tode eines der bedeutendsten\nComponisten und Theoretiker der Musik, des Professors\nKühmstedt, und ergriff alle ihm näher und entfernter\nStehenden mit der tiefsten Betrübniss. Es wird zur heilig-\nsten Pflicht derer, die seinen Genius näher kannten, eine\nBlüthe der Liehe und Anerkennung auf sein Grab zu le-\ngen, um so mehr, als das Leben durch ein theils aus sei-\nner Eigenthümlichkeit, theils aus den Verhältnissen hervor-\ngehendes Missgeschick ihm diejenige Stellung versagte, die\ngeeignet gewesen wäre, seinen Genius in weiteren Kreisen\nzur Geltung zu bringen, und der Tod im besten Mannes-\nalter jede Hoffnung einer günstigeren Wendung seines\nSchicksals vereitelte. Ausserdem aber hat das Leben die-\nses Mannes in seinem geistigen und künstlerischen Schaf-\nfen ein so hohes, rein menschliches und psychologisches\nInteresse, dass es wohl verdient, auch in dieser Beziehung\nallgemeiner bekannt und gewürdigt zu werden. Die ein-\nmal begonnene Forschung über die Theorie der Musik\nliess ihm trotz der selbstschöpferischsten Anlage zur Com-\npositum nicht Buhe noch Bast, in das Gebiet seiner Kunst\nwie in das der Philosophie nach allen Seiten hin immer\ntiefer einzudringen, und sich erst dann der ganzen kindli-\nchen Gläubigkeit seines Gemüthes zu überlassen, wenn er\nan die Gränze gekommen, wo dem menschlichen Verstände\neine höhere ahnungsvolle Stimme zuruft: „Bis hieher und\nnicht weiter!\"\nKühmstedt, geboren den 20. December 1809, war\nder Sohn eines Schmiedemeisters in Oldesleben, einem"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "67", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580227-01.1.3", "texte": "Marktflecken in der goldenen Aue, nicht gar weit von dem\nKvffhäuser. Sein Vater bestimmte ihn wegen seiner beson-\nderen Begabung und seines frommen, gefühlvollen Her-\nzens schon als Knaben von acht Jahren zur Theologie. Er\nwurde daher zur besseren Ausbildung nach Frankenhau-\nsen getham Hier wohnte er der Aufführung des Freischütz\nund der Stummen von Portici bei. Er hatte vorher niemals\nMusik gehört, ausser schlechten Kirchmess-Tänzen. Die\nherrlichen Melodieen, besonders die echtdeutschen der er-\nsteren Oper, machten auf den Knaben einen solchen Ein-\ndruck, dass er seitdem nichts hören und sehen mochte, als\nMusik. Die meisten Gesänge wusste er mit seiner schönen\nStimme bald nachzusingen und bald auch auf den schlech-\nten Instrumenten seiner Bekannten nachzuspielen, obgleich\ner niemals Anleitung zur Musik erhalten hatte und auch\njetzt der Vater ihm streng jede Uebung in dieser Kunst\nuntersagte. Ja, des Vaters Furcht, er möge sich in seinen\nStudien durch die Musik stören lassen, war so gross, dass\ner ihn von Frankenhausen, wo er die Bekanntschaft eini-\nger musicalischen jungen Leute gemacht hatte, nach Wei-\nmar unter strenge Aufsicht that, die ihm weder irgend\neine musicalische Uebung, noch den Besuch der Oper oder\neines Concertes gestattete. Aber der innere Drang liess\nsich nicht untci drücken. Kühmstedt durfte zwar nicht Cia-\nvier noch sonst ein Instrument spielen, durfte nichts von\nMusik hören, allein die Musik, die in ihm erklang, liess\nihm keine Ruhe; er componirte heimlich Lieder und kleine\nCiavierstücke, ohne von der Compositionslehre etwas zu\nwissen.\nEndlich in seinem siebenzehnten Jahre zu einiger\nSelbstständigkeit gereift und zu dem Einsehen gelangt,\ndass das Studium der Theologie nicht sein eigentlicher\nBeruf sei, beschloss er, sich der Musik zu widmen, selbst\ngegen des Vaters Willen. Er ging heimlich mit der weni-\ngen Baarschaft, die er besass, fort, und zwar nach Darm-\nstadt zu Rink, dem berühmten Organisten, von dem er in\nWeimar gehört hatte.\nBeinahe aller Mittel der Existenz entbehrend, lebte er\nhier in der grössten Dürftigkeit, und zwar, weil er sich\nkeine Stube miethen konnte, in dem beschränkten Räume\neines Heubodens, auf welchem er einen alten Flügel, den\nihm ein Musikfreund geliehen, so weit in das Heu aus\nMangel an Platz vergraben musste, dass nur die Claviatur\nheraussah. Aber er war glücklich, denn er konnte nun\nganz seiner geliebten Musik leben. Bei Rink, der sich\nüberaus freundlich gegen ihn benahm, machte er die an-\nstrengendsten Contrapunkt-Studien und spielte dabei auf\nseinem Heuboden-Verliess so fleissig, dass er, der vorher\nkaum die Noten kannte und den Sehnsuchts-Walzer von\nSchubert, sein Lieblingsstück, nur nothdürftig bewältigt\nhatte, bald selbst Unterricht geben lind sich dadurch das\nLeben fristen konnte.\nt\nIn einem halben Jahre hatte er es so weit gebracht,\ndass er die Fis-mott-Sonate und das Es-dur-Concert von\nseinem Liebling Beethoven in Darmstadt und Frankfurt\nvortrug. Etwas später componirte er bei seinem Lehrer\neine Messe. Hink war entzückt von dem Talente seines\nSchillers, schrieb wiederholt an den höchlichst erzürnten\nVater und wusstc denselben mit dem Sohne und dessen\nVorsatze, sich der Musik zu widmen, zu versöhnen. Der\nVater gab ihm nach einiger Zeit sein kleines Erbtheil\nheraus. Kühmstedt ging nach der Vollendung seiner Stu-\ndien in Darmstadt nach Weimar zu Hummel, um sich bei\nihm zum Virtuosen und zum Componisten auszubilden.\nHummel hatte gleich Rink grosse Freude an Kühm-\nstedt. Er stellte ihn öfters seinen Söhnen als Muster vor\nund schalt sie dabei aus, dass sie es nicht auch so mach-\nten, nicht auch dieselbe Ausdauer und denselben Fleiss\nhätten, wie Kühmstedt. Ausserdem verschaffte das ausge-\nzeichnete Talent zur Declamation, das sich bei dem jungen\nKünstler schon auf der Schule gezeigt hatte, ihm Eingang\nbei dem berühmten Schauspieler Unzelmann, wo man zu-\nweilen classische Stücke las, und wo er besonders in Gö-\nthe's Faust excellirte. Dieses Talent blieb ihm auch später\ntreu, obgleich er es fast niemals übte. Es war ein hoher\nGenuss, ihn das kleinste Gedicht vorlesen zu hören. Ohne\nalle Effecthascherei wusste er Schönheiten einer guten\nDichtung, die man kaum geahnt hatte, so hervorzuheben,\ndass man glaubte, zum ersten Male das Gedicht so recht\nzu verstehen. IndeSs war der Musik natürlich seine ganze\nKraft gewidmet. Er componirte in llummiTscher Manier\nRondo's,Duo's u. s. w., die in Leipzig erschienen sind. Aber\ndas theure Stundengeld von einem Louisd'or konnte seine\nspärliche Casse nicht lange erschwingen. Auch sagte Hum-\nmel nach einem Jahre zu ihm in seiner aufrichtigen wie-\nner Manier: „N«n sind wir holter fertig, nun müssen's\nauf eigenen Füssen stehen und holter durch die Welt\nschmeissen und was erreichen.\"\nKühmstedt, der zu seinem grossen Schrecken eine zu-\nweilen eintretende leichte Lähmung der Hand fühlte, gab,\nbis es sich gebessert, das eifrige Spielen auf und beschloss,\neine Oper zu componiren. Dahin drängte ihn sein drama-\ntisches Talent, das sich in sehr vielen anderen Musikstücken\noffenbart, am meisten hin, dadurch hoffte er auch am\nleichtesten bekannt zu werden. Er ging nach Gotha, um\nsich dort von einem Literaten einen Text schreiben zu las-\nsen, erhielt für die Summe von 150 Thalern einen sol-\nchen, genannt „Die Schlangenkönigin\", in romanti-\nscher Manier geschrieben und ein gänzlich leeres Product,\nwie beinahe alle derartigen Opern-Texte. Sich eben so"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580227-01.1.4", "texte": "wenig daran kehrend, als andere grössere Componisten,\nwurde er in einem halben Jahre mit der Composition fer-\ntig. Er war damals 22 Jahre alt und hatte eigentlich noch\ngar keine Studien in der Instrumental-Composition ge-\nmacht; aus Mozart'schen Ouvertüren suchte er die Form-\ngesetze zu entnehmen. Dennoch war das Urtheil Spohr's,\ndem er dieses erste bedeutendere Werk mittheilte, ein sehr\ngünstiges (es findet sich noch in seinen Papieren), und der\nMeister fand besonders die Instrumentalsetzung vorzüglich\nund bedeutend. Dennoch konnte er die Oper weder in\nWeimar noch in Leipzig trotz aller Mühe anbringen.\nEr entschloss sich, damit nach Berlin zu gehen. Von\nseinem kleinen Erbtheil hatte er nur noch 100 Thaler.\nKühmstedt war, wie die meisten Künstler, unpraktisch im\nLeben; Mangel an Gewandtheit im Umgange mit Men-\nschen hat ihm stets geschadet. Berlin war wohl der Ort,\nwo Beides am nachtheiligsten für ihn werden musste. In\nZeit von vier Wochen hatte man ihn um seine letzten hun-\ndert 1 haier durch Schwindeleien und Betrügereien ge-\nbracht. Die Oper zur Aufführung zu bringen, war bei dem\nZudrange junger Componisten und seinem Mangel an Be-\nkanntschaften nicht möglich geworden. Die Lähmung der\nHand hatte zugenommen; sich durch sein Ciavierspiel gel-\ntend zu machen, wurde ihm dadurch ebenfalls benommen.\nNachdem der letzte Groschen für die nothwendigsten Be-\ndürfnisse ausgegeben war, ergriff ihn die Verzweiflung.\nZu stolz, um irgend ein Rettungsmittel armer Künstler,\ndas einer Bettelei ähnlich sieht, zu ergreifen, hatte er schon\nein paar Tage gehungert. Seine Anzeige in der Zeitung,\nStunden sowohl in der Musik als in den Anfangsgründen\nalter Sprachen zu geben, war unberücksichtigt geblieben.\nDa fasst er den Entschluss, seinem Leben ein Ende zu\nmachen. Schon steht er in der Abenddämmerung an einer\neinsamen Stelle am Ufer der Spree. Da fasst ihn etw as am\nRockzipfel: „Na, wollen Se 'nen Bittern aus der Spree\nnehmen? det lassen Se man sin!\" ertönt die Stimme eines\nEckenstehers. Kühmstedt muss in all seinem Elend über\ndiesen treffenden Humor lachen und - ist gerettet. Er be-\nschliesst, nicht wieder auf solche Weise kleinmüthig in sein\nSchicksal einzugreifen, sondern sich ihm als ein Held ent-\ngegenzustellen. Zu Hause angekommen, findet er das Billet\neiner Gräfin, die für ihre Kinder Stunde in den Anfangs-\no\ngründen des Griechischen und Lateinischen wünscht. Auf\ndiese Weise findet er ein spärliches Existenzmittel.\nIn Berlin war damals der Philosoph Hegel der Mittel-\npunkt aller Intelligenz. Auch Kühmstedt befand sich unter\ndessen begeisterten Zuhörern; doch hat er später versichert,\ndass nur die glänzende Dialektik des bedeutenden Mannes\nihn bestochen habe, und dass er zum Selbstdenken und\nPhilosophiren damals noch wenig Neigung gehabt. Gewiss\nist es, dass ihn diese so verschieden aufgefasste Philosophie\ngerade in der äussersten verneinenden Richtung eine Zeit-\nlang beherrscht hat, und dass er sich erst später davon\nlosgerissen. Nach einiger Zeit erhielt er durch die Ver-\nmittlung des Capellmeisters Hummel und mehrerer ande-\nrer seiner musicalischen Freunde, namentlich des ausse-\no\nzeichneten Spielers und Componisten Freiherrn von Beyen-\nburgk einen Antrag, nach Eisenach als Musik- und Sing-\nlehrer am Gymnasium und am Seminar zu kommen und\ndie Kirchenmusik zu leiten. Mit Freuden nahm er die Stelle\nan, hoffend, sich nun eine gesicherte Existenz begründen\nzu können. Es musste ihm daran um so mehr gelegen sein,\nda er seit dem Aufenthalte in Weimar mit einem schönen\nMädchen verlobt war, das er mit aller Innigkeit seines\nKünstlerherzens liebte und mit dem er gedachte sich nun\nehelich verbinden zu können.\nSein erstes Auftreten in Eisenach war wieder von je-\nnem Missgeschick begleitet, das ihn so oft im Leben ver-\nfolgte und aus kleinen Begegnissen üble Folgen für seine\nKünstler-Laufbahn hervorrief. Uie Lähmung seiner Hand\nglaubte er so weit überwunden zu haben, um sich durch\nein Concert einführen zu können. Der grosse schöne Mann\nmit dem braunen, kurz gelockten Haar über der hohen\nStirn, den edeln, ausdrucksvollen Zügen und den glänzen-\nden dunklen Augen machte den vortheilhaftesten Eindruck,\nals er in den dicht mit Menschen gefüllten Saal trat und\nsich an den Flügel setzte. Plötzlich, gleich nach den ersten\nPassagen, hielt er inne, versuchte mehrmals, wieder anzu-\nfangen, was nicht gehen wollte, machte sein Compliment,\neine etwas verwirrte und nicht ganz passende Entschuldi-\ngung stammelnd. Es ging dem idealen deutschen Künstler\ndiejenige Gewandtheit ab, welche die Franzosen\nsa fortunenennen, sowohl in den kleinen unangenehmen\nVorfällen des Lebens, als in grösseren Schicksalen. Nach\neiner Weile versuchte er allerdings noch an demselben\nAbend das Publicum durch seine ausgezeichnete Tenor-\nstimme zu entschädigen. Unglücklicherweise hatte er eine\nArie gewählt, in welcher der Anfang lautete: „0 grauses\nSchicksal!\" Die Anwesenden brachen in ein schallendes\nGelächter aus. Er trat beschämt ab. Der Stab schien über\nihn gebrochen. Er konnte die Scene nicht überwinden.\nGanz in sich selbst und seinen kleinen Wirkungskreis zu-\nrückgezogen, nahm er während zehn Jahre eben so we-\nnig Notiz von dem Publicum, als dieses von ihm. Alle\nPlane, wohlthätig auf den Geist der Musik in der kleinen\nStadt zu wirken, gab er, von diesem unangenehmen Vor-\nfalle abgeschreckt, auf."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "69", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580227-01.1.5", "texte": "Johannes Heuchemer.\n(Nekrolog.)\n\nHeute Morgens, den 14. Februar, verschied nach län-\ngerem Krankenlager, wenig über 30 Jahre alt, Johan-\nnes Heuchemer, Professor am hiesigen königlichen Con-\nservatorium für Musik. Wenn auch sein Name bis jetzt\nnicht weithin bekannt geworden ist, so darf ich doch wohl\num Aufnahme dieser Zeilen in Ihr Blatt bitten, da der\nVerlust, den wir durch seinen Tod erleiden, nicht nur für\nseine Freunde und seine zahlreichen Schüler, sondern auch\nfür einen weiteren Kreis, der erst in der letzten Zeit an-\nfing, auf ihn aufmerksam zu werden, ein höchst bedeuten-\nder zu nennen ist. Ueberdies war Heuchemer ein Rhein-\nländer, und schon als solchem gebührt es ihm, dass ihm in\nIhrem Blatte ein Denkstein gesetzt werde.\nWas ich über die Zeit seiner Entwicklung und über-\nhaupt über seine früheren Verhältnisse in Erfahrung ge-\nbracht habe, ist nur wenig, kann auch eigentlich nur we-\nnig sein, da dieselben höchst einfacher Natur waren, und\ner grossentheils Autodidakt war. Er führte, wie so viele\nechte Künstler-Naturen, ein reiches inneres Leben, ohne\ndass in seinem äusseren Leben irgendwelche bedeutendere\nEreignisse eingetreten und von bestimmendem Einflüsse\nauf ihn gewesen wären. Dabei hatte er die Eigenschaft,\nwenig oder gar nicht über sich zu reden und mit allem,\nwas ihn betraf oder von ihm ausging, sehr zurückhaltend\nzu sein, so dass selbst genauere Freunde, zu denen der\nUnterzeichnete sich zählen zu dürfen stolz war, darüber\nnur wie zufällig etwas in Erfahrung brachten.\nEr war zu Vallendar bei Coblenz geboren, wo er\nden ersten Unterricht von seinem Vater, dem Organisten\nan der dortigen Kirche, erhielt. Später besuchte er das\nGymnasium in Coblenz und fand dort für seine weitere\nmusicalische Ausbildung in Anschütz einen Lehrer, dem\ner immer ein dankbares Andenken bewahrt hat. Er bil-\ndete sich zu einem tüchtigen Ciavierspieler und machte\nvielversprechende Anfänge in der Composition, ging dann\nnach Eupen bei Aachen, wo er einige Jahre als Musik-\nDirector fungirte. Er benutzte fleissig die Gelegenheit, nach\nAachen und Köln hinüber zu reisen, wenn es dort etwas\nInteressantes zu hören gab, und lernte um diese Zeit auch\nFerdinand Hiller persönlich kennen, der ein freundliches\nInteresse an ihm nahm und eine (Jamals von ihm geschrie-\nbene Ouvertüre, so viel ich weiss, in der musicalischen\nGesellschaft in Köln zu Gehör brachte.\nIm Jahre 1851 ging er nach München, wo er bald\neinen Wirkungskreis fand, zuerst als Lehrer der Vorbe-\nreitungsclasse des Conservatoriums und seit 1854 als Pro-\nfessor an der Anstalt selbst. Seine Entwicklung trat mit\nder Uebersiedlung hieher in ein neues Stadium; er kam\naus engen, beschränkten Verhältnissen in ein reges Musik-\ntreiben und gewann bedeutend an Ueberbiick und Urtheil;\nin den letzten Jahren hatte er nach vielen Seiten hin eine\nsehr hohe Bildungsstufe erreicht.\nIn seiner Stellung als Lehrer des Ciavierspiels war er\nausgezeichnet. Unermüdlich, voll Interesse für die Schüler,\nwelche es verdienten, traf er stets die rechte Mitte zwi-\nschen Milde und Strenge. Er war gründlich, ohne pedan-\ntisch zu sein, und sorgte für die musicalische Ausbildung\nseiner Schüler, ohne die technische Seite des Unterrichts\nzu vernachlässigen. Selbst der edelsten Richtung treu und\nmit feinem Schönheitssinn begabt, suchte er diese Eigen-\nschaften mit Glück auf seine Schüler zu übertragen, die\nsich besonders durch guten Anschlag und scharf markir-\nten, namentlich in rhythmischer Beziehung klaren und so-\nliden Vortrag auszeichneten. Von seinen Compositionen\nsind nur wenige bekannt geworden. Ausser einigen Jugend-\nwerken, die in Aachen bei Ter Meer erschienen sind, ka-\nmen vor zwei Jahren bei Breitkopf & Härtel drei Cla-\nvierstücke und vor einigen Monaten bei Rieter-Bieder-\nmann in Winterthur ein Heft Lieder heraus, dem ein\nTrauermarsch für Pianoforte zu vier Händen und sechs\nkleine Ciavierstücke, so wie ein Heft vierstimmi-\nger Lieder für gemischten Chor sich nächstens anschlies-\nsen werden. Ausserdem gab er mit seinem Freunde und\nCollegen B. Scholz die ~Neue Hausmusik\" (Breitkopf\n& Härtel) im letzten Sommer heraus, in welcher zwölf\nvon ihm componirte Lieder enthalten sind. Grössere Werke,\nnamentlich für Kammermusik, Quartette und Trio's, hat\ner geschrieben, doch ist es ihm wie vielen Anderen damit\nergangen er hat keinen Verleger dafür gefunden, ob-\nwohl die Sachen es weit eher verdienten, gedruckt zu wer-\nden, als so vieles' elende Zeug, welches täglich erscheint.\nSeine Natur neigte etwas ins Feine, Zugespitzte, doch war\ner frisch genug, um sich vor harmonischen Grübeleien zu\nbewahren, und so sind seine kleinsten Sachen last die ge-\nlungensten. In der „Neuen Hausmusik\" (deren Titel ein\nkleiner Stich auf Bichl sein sollte, mit dessen Kunst-An-\nschauungen und namentlich Kunstleistungen Heuchemer\nso wenig wie irgend ein anderer Musiker übereinstimmte)\nsind wahre und echte Perlen musicalischer Lyrik. Nament-\nlich sind einige volksthümliche Lieder aus dem Quickborn\nund von älteren Dichtern vortrefflich gelungen; ein Hauch\nvon Romantik umgibt dieselben, der an die schönsten kür-\nzeren Lieder von Mendelssohn, wie „Leise zieht durch\nmeinGemüth\" u. A., erinnert. Von gleichem Werthe sind\nseine „vierstimmigen Lieder\", auf welche hiedurch im\nVoraus dringend aufmerksam gemacht sein soll. Auch die\nbei Rieter erschienenen Lieder haben sich schon vielfache"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "70", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580227-01.1.6", "texte": "Freunde erworben *). Ileuchemer fing eben an, seine Com-\npositionen gedruckt zu sehen; aber die Freude des Erfolgs\nwar ihm nicht mehr gcg önnt: er musste von uns.\nHeuchemer war treu, zuverlässig, voll warmer Theil-\nnahme für alles Edle und Gute; wen er lieb hatte, der\nkonnte auf ihn bauen, für den that er, was in seinen Kräf-\nten stand. Er war niemals sehr zugänglich, vielmehr scheu\nund in sich gekehrt, und konnte sogar hin und wieder\nschroff und abstossend sein. Er hatte innerlich Vieles durch-\ngemacht, und dazu kam ein körperliches Unwohlsein, das\nihn seit langer Zeit quälte, und das nicht ohne Einlluss\nauf seine Gemüthsstimmung blieb. Man musste ihn suchen,\num mit ihm in nähere Beziehungen zu treten; aber je nä-\nher man ihm kam, desto lieber hatte man ihn. Seinen\nFreunden und Collegen ist er unersetzlich. Nicht nur seine\neigenen, sondern alle Schüler unserer Anstalt hingen an\nihm mit gleicher Hochachtung und Liebe, und die Trauer\num seinen Tod ist gross bei allen, die ihn kannten.\nMünchen, den 14. Februar 1858.\n\nFranz Wüllner.\n\nLablache.\nLudwig Lablache wurde in Neapel am 6. Decem-\nber 1794 geboren. Sein Vater, Nicolaus Lablache, war\nein Kaufmann aus Marseille. Auf der Flucht vor der fran-\nzösischen Revolution des Jahres 1791 suchte er in Neapel\neine Zufluchtsstätte, um später dem Terrorismus des Jah-\nres 1799 zu verfallen.\nDas Kind hatte eine verheissungsreichc Stimme, und\nder Vater erlangte die Aufnahme desselben in das Conser-\nvatorium von Neapel. Lablache that sich vor Allem durch\nunverbesserlichen Muthwillen und Schelmereien aller Art\nhervor. Gentiii, sein Lehrer, verzweifelte an ihm. Man\nmusste, um ihn zu bändigen, mit einer förmlicheu Auswei-\nsung drohen.\nLudwig Lablache spielte Violine und Violoncell und\nhatte vor dem Wechsel eine schöne Altstimme. Eines Ta-\nges führte man im Conscrvatorium Mozart's aus.\nSechszehn Bassstimmen deckten im Chor die schwächeren\nAltstimmen; der jugendliche Künstler wollte das Gleichge-\nwicht herstellen und liess aus vollen Lungen so schmet-\nternde Töne erschallen, dass seine über Kraft gespannte\nStimme plötzlich versiegte. Er wurde stumm.\nAber zwei Monate nach diesem Ereignisse erwachte\nLablache eines Morgens wunderbar geheilt. Er hatte nicht\nnur das Wort wiedergefunden, sondern auch die Stimme\njene wunderbare, klangvolle und schwungreiche Bass-\nstimme, voll lang austönenden Wiederhalls, immer gleich,\nmit den Schwingungen einer Glocke oder dem Brausen\neiner Orgel zu vergleichen.\nLablache war 16 Jahre alt, als ihm dieses seltsame\nAbenteuer begegnete. Kurze Zeit darauf musste er in drei\nTagen den Contrabass (ein Instrument, das er noch nicht zu\nhandhaben wusste) so weit spielen lernen, um eine schwie-\nrige Partie im Orchester von San Onufrio auszuführen.\nEr erlitt bei dieser schrecklichen Uebung eine Verletzung\ndes Schlüsselbeins, die eine bedeutende chirurgische Ope-\nration nothwendig machte. Auf die Instrumental-Musik ver-\nzichtete er nun und folgte seiner Leidenschaft für das Thea-\nter, zu welchem Berufe seine Stimme ihn bestimmte.\nEr entfloh dem Conservatorium und übte heimlich bei\neiner Primadonna, die ihm ihre Neigung zugewandt hatte,\neine Rolle ein, in welcher er am Teatro Nuovo debuliren\nwollte. Er wurde bei diesem Manöver ertappt und in das\nConservatorium zurückgebracht, wo man, um ihn festzuhal-\nten, eine Bühne errichtete. Diese Einrichtung blieb bestehen,\nund dort wagen nun die beginnenden Componisten unter\nder gelehrten Leitung M ercadant e's ihre ersten Versuche.\nSie verdanken dieses musicalische und dramatische Gymna-\nsium Lablache. Er blieb bis zu seinem 17. Jahre, und man\nvergötterte ihn schon. Er engagirte sich endlich am kleinen\nTheater San Carlino, wo er zweimal des Tages sang, ohne\nseine herculische Stimme im Mindesten zu ermüden. Dort\nwar es, wo er Theresa Pinotti, die Tochter eines ge-\nnialen Schauspielers, heirathete.\nMadame Lablache war ehrgeizig, und um ihren Gatten\nzu zwingen, einen seiner würdigeren Platz an einem vorneh-\nmeren Theater einzunehmen, liess sie ihn auspfeifen. Nach-\ndem sie hieraufsein Engagement als -so in Pa-\nlermo bewirkt hatte, hinderte sie fortan seine Rückkehr\nnach Neapel und zwang ihn, Rossini zu singen. Es war übri-\ngens nicht leicht, es mit dem bis auf das Mark neapolitani-\nschen Künstler aufzunehmen. Diejenigen, die ihn in Paris\nkannten, haben die Feinheit und närrische Laune des trclf-\nlichen Mannes nicht vergessen, und die kleine Chronik ist\nvoll von köstlichen Streichen, die ihm zugeschrieben wurden.\nDie Unternehmer des Theaters in Palermo waren Mai-\nländer, die Sicilien im Jahre 1820 aus politischen Gründen\nverlassen mussten. Sic nahmen den jungen Ruhm des neuen\nKünstlers mit sich und liessen ihn in Mailand in Cenerentola\ndebutiren. Man bewunderte seine Stimme, aber keineswegs\nseine Sprache. Der Grund ist, dass die Dialekte von Neapel\nund Sicilien dem toscanischen wenig gleichen. Lablache\nlernte nun das Italiänische unter einem ausgezeichneten\nProfessor, RafFanelli, und yon da an war seine Laufbahn\nein langer Triumphzug. Er machte in den Rollen des Assur\n(in Semramide), des Figaro, des Überto, des Geronimo,\n\n*) Vergl. die Bcurtheilung derselben in Nr. 7 dieser Blätter\nvom 13. Februar 1858, Die Rodaction."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580227-01.1.7", "texte": "diesen so verschiedenen und von ihm insgcsammt mit einem\nhöheren Talente dargestellten Charakteren, in Mailand, das\nihn sechs Jahre festhielt, in Horn, in Turin In Wien,\nim Jahre 1825, prägte man ihm zu Ehren eine Medaille;\nauch wurde er dort von seinem eigenen Souverain, Ferdi-\nnand, König von Neapel, mit Gunstbezeugungen überhäuft,\nindem der König ihn zu seinem Kammersänger ernannte\nund seinem Schwiegervater, dem Schauspieler Pinotti, eine\nPension auswarf.\nDer Künstler kam nach Neapel zurück, wo er in der\nSemiramis jene schaudern machte, die er auf der Polichi-\nnelle-Bühne so sehr zum Lachen gereizt hatte. Doch glänzte\ner, ungeachtet seiner Erfolge im ernsten Fache, vorzüglich\nin der Operabuffa, wohin seine sprüchwörtlich gewordene\nBeleibtheit ihn zuletzt ausschliesslich hinwies.\nIm Jahre 1830 erhielt unser Künstler die pariser Taufe,\nRossini sah und hörte ihn. Seit dieser Zeit wuchs der Ruhm\ndes Maestro mit jenem des Sängers Hand in Hand. Der\nBiograph hat von nun an nichts mehr zu thun, als den Le-\nser seinen Erinneruugen zu überlassen.\nBetrachten wir Lablache in seinem Hause, so wissen\nalle, die in Verkehr mit ihm traten, bis zu welchem Grade\ner heiter, von freimüthigem Humor, gastfreundlich, glück-\nlich, voll Begeisterung und Gesundheit war.\nLeider war diese Gesundheit nur ein Blendwerk. Lr\nmusste Russland, wo der Czaar ihm 1857 nebst seiner Er-\nnennung zum Kammersänger eine mit Brillanten reich be-\nsetzte goldene Medaille, am Bande des St.-Andreas-Ordens\nbefestigt, zustellen liess, verlassen. Er ging im August nach\nNeapel, indem er in der vaterländischen Luft wieder aufzu-\nleben hoffte. Die Aerzte gaben ihm gute Hoffnungen. Er-\nstarb Samstag, am 23. Januar 1858, um 21/» Uhr Nach-\nmittags. In seinen letzten Augenblicken recitirte er die er-\nsten Strophen der Ode von Manzoni, maggio\",\nbei der zweiten Strophe kamen ihm Thränen in die Augen,\nund er konnte nicht weiter sprechen. Wenige Augenblicke\nvor seinem Tode stimmte er sein Lieblingslied: Home,\nsweet hörne\", an, und seine Stimme erlosch mit diesen\nrührenden Worten.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKSln. Dem Vernehmen nach bat die städtische Verwaltung\ndie unentgeltliche Benutzung der Gürzenich-Säle zur Feier des nie-\nder rh e ini s chen Musikfestes an den Pfingst-Feiertagen be-\nwilligt. Für den ersten Tag ist F. Hiller's neues Oratorium Saul\nzur Aufführung bestimmt. Ausserdem hören wir von der Sinfonia\neroieet, Scenen aus Gluck's Armida u. s. w. sprechen. Pest-Dirigent\nwird der städtische Capellmeister Herr Ferd. Hiller sein, üeber\ndie in Aussicht genommenen Solisten verlautet, ausser einer kolos-\nsalen Honorarforderung von gewisser Seite, noch nichts. W an li-\neh er werden die Comite' s der nieder rheinischen Mu-\nsik feste auf den ursprünglichen Standpunkt derselben zurückkom-\nmen und die unerschwinglichen Ausgaben für Gesang*\nCelebritäten wieder abschaffen? Wenn Köln in seinem\nneuen prachtvollen Locale, seinen herrlichen Gesan-\ngeskräften, seinem berühmten Dirigenten und der Höhe\nseiner gegenwärtigen Bedeutung für die Tonkunst\nüberhaupt nicht Anziehungspunkte genug für den\nBesuch des Festes zu haben vermeint, so heisst das unserer\nAnsicht nach das Geständniss ablegen, dass man an dem wahren\nSinne für Musik und an der Liebe zur Kunst verzweifelt. Hat man\nnicht den Muth, die niederrheinischen Musikfeste als Säulen der\nechten Kunst hinzustellen, die nur durch ihre classische Schönheit\nund ihre grossartigen Proportionen imponiren, ohne durch Flitter-\ngold-Verzierungen die Augen des grossen Haufens zu blenden, so\nlasse man sie lieber ganz fallen.\nAm 23. Februar hörten wir in der fünften Soiree für Kam-\nmermusik das Quintett für zwei Violinen, zwei Violen und Cello,\nOp. 15, in E-moll von Ed. Franck, eine Composition, die sich\ndurch originelle Farbe in den Melodieen und der Stimmführung aus-\nzeichnet und dieses Verdienst mit grosser Klarheit der Schreibart\nvereinigt. Der erste Satz ist von sehr eigenthümlichem Charakter,\ndie Motive tragen ein Gepräge, das man versucht wird für slawisch\noder nordisch zu halten, aber Alles ist fliessend geschrieben und\nnicht im Geringsten gesucht. Im Scherzo tritt zu dem Obigen auch\nnoch ein recht wirkungsvoller Wechsel in der rhythmischen Be-\nhandlung hinzu. Die zweite Leistung war ein Quartett in 11-moll\nvon Haydn, dessen Bekanntschaft wir erst neulich durch Joachim\ngemacht hatten. Zum Scltlnss hörten wir das wundervolle grosse\nYi-dwr-Trio, Op. 97, von Beet hoven, dessen Clavier-Partie Herr\nBreunung recht brav, im Scherzo und im Finale ausgezeichnet\nsicher und geistvoll vortrug.\nHerr M. DuMont-Fier ist wiederum einer Einladung der\nGesellschaft zur Beförderung der Tonkunst nach Amsterdam\ngefolgt, um dort den Elias von Mendelssohn zu singen.— Fräul.\nCatharina Deutz hat in dieser Woche in dem Privat-Concerte\nzu Bremen und in dem Concerte der Hofcapelle zu Oldenburg\ngesungen.\n** Barmen. Am 23. Januar fand das jährliche Concert des\nstädtischen Musik-Directors Herrn Karl Rein ecke Statt. Von Or-\nchesterwerken wurden gemacht Cherubin Ts Ouvertüre zu den\nAbenceragen zu Anfang und Reinecke1 s Ouvertüre zu Dame Ko-\nbold zum Schlüsse. Ausserdem spielte Herr Reinecke Mozart's\nD-moll- Concert und das Larghetto und Rondo aus Chopin' s E-\ninoll-Concert mit Orchester. Von neuen Compositionen desselben wur-\nden aufgeführt: Schlachtlied von Klopstock: „Mit unserm Arm\nist nichts gethan\", für zwei Männerchöre und Orchester; Schlaf-\nlied der Zwerge aus „Schneewittchen'' von F. Röber für Frauen-\nchor und Orchester. Dazwischen sang die künstlerisch gebildete Di-\nlettantin Frau P. aus Düsseldorf im ersten Theile die B-dur-Arie\naus Haydn's Schöpfung, im zweiten eine Arie aus Händers Ezio\nund drei Lieder am Pianoforte von Mendelssohn, Mozart und Rob.\nSchumann. Das Concert war ausserordentlich stark besucht und\ndas Publicum in sehr gehobener Stimmung. Namentlich zeigte es\nsich sowohl für die trefflichen Vorträge des Herrn Reinecke auf dem\nPianoforte, als auch für dessen neue Compositionen sehr empfäng-\nlich. Auch Frau P. wurde enthusiastischer Beifall zu Theil. „Das\nVeilchen\" von Mozart und „Sonnenschein\" von Schumann war sie\nso gefällig, auf anhaltendes Verlangen des Publicums zu wiederholen.\nAm 20. Februar wurde im Abonnements-Concerte C. M. von\nWeb er1 s Musik zu Wolfs Preciosa mit dem verbindenden Ge-\ndichte von Sternau aufgeführt und die grosse C-dwr-Sinfonie von\nF. Schubert, welche eine begeisterte Aufnahme fand."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580227-01.1.8", "texte": "Ich habe das Vergnügen, Ihnen zu melden, dass Herr Musik-\nDirector Reinecke den von Bern aus an ihn ergangenen Ruf\nnicht angenommen hat, sondern uns unter für ihn sehr ehrenvollen\nBedingungen verbleiht. Bei einem solchen Gemeinsinn unserer Bür-\ngerschaft für die Kunst, wie er sich bei dieser Gelegenheit wieder\nauf der Stelle bewährt hat, dürfen wir uns der Zuversicht hingeben,\ndass der Bau eines neuen Gesellschafts- und Concert-\nLocales auch in würdigen und angemessenen Proportionen zu\nStande kommen und den Schlussstein zu allem demjenigen bilden\nwird, was Eintracht und Bürgersinn in dem letzten Jahrzehend hier\nins Leben gerufen haben.\nEine neue Oper von Krebs, „Agnes\", ging am 17. Januar über\ndie dresdener Hofbühne; das Buch ist nach dem Trauerspiel „Agnes\nBernauer\" bearbeitet und soll geschickt und praktisch eingerichtet\nsein. Die Musik besitzt nach C. Banck gute Einzelheiten, lässt aber\nim Ganzen in Bezug auf Abrundung, Colorit und Wahrheit der Em-\npfindung Manches zu wünschen übrig. Die erste Aufführung unter\ndes Componisten eigener Direction und mit Kräften wie Frau Ney-\nBürde, den Herren Tiehatschek und Mitterwurzer, erhielt natürlich\nvielen Beifall; der Componist wurde drei Mal gerufen.\naart a. ]?!• M a t i n ee musicale von Fräul. Rosa\nKastner am 14. Februar. Auch in diesem zweiten Concerte legte\ndiese liebenswürdige Künstlerin Zeugnisse ihrer physischen und psy-\nchischen Kunst-Vollendung ab und begeisterte ein gewähltes Audi-\ntorium durch Beides. Zu Ersterem zählen wir eine selbst im höch-\nsten Aufschwünge beibehaltene perlende und fessellose Federkraft\ndes Anschlags, zu Letzterem den poetischen, selbstständigen Geist\nihres Vortrags und die verständige Auseinanderlegung so verschie-\ndener Meisterwerke. Wer in den Compositionen eines Beethoven,\nHändel, Chopin, Aloys Schmitt und Mendelssohn so zu Hause ist,\ndass in Allem der Grund-Charakter und in demselben alle Schönhei-\nten und Geistesfunken klar hervorleuchten, ist des Lorbers würdig und\ndarf selbst suchen den Flutensturm (le Torrent) eines Lacombe zu\nüberwältigen, selbst wenn uns das Wasser dieser Composition bis\nan die Kehle steigt. Wie gesagt, Rosa Kästner zeigt ein so ehrliches\nStreben, dass man über dem Grossen, was sie leistet, gern solche\nkleine Salon-Eitelkeiten übersieht. Von den genannten Clavier-Com-\npositionen heben wir billiger Weise das liier noch wenig bekannte\nTrio in Es-dur von unserem verehrten Landsmanne Aloys Schmitt\nhervor, welches, in einer früheren Periode componirt und bei Andrd\nin Druck erschienen, würdig ist, neben den besten Werken dieser\nGattung genannt zu werden. Bei einem oft hinreissenden Feuer ori-\ngineller Erfindungen sind Klarheit, Ordnung und Einheit aller Theile\ntreu bewahrt, und versteht es der Meister, durch schöne Melodieen\nzu fesseln, durch Correctheit zu belehren. Unseres ersten Geigers,\nHerrn Eliason's, neuere Composition, „Lieder ohne Worte\", fand\nin dem sinnigen Vortrage des Componisten die verdiente Würdigung.\nEndlich Frau Nissen-Saloman, und es fühle sich Niemand\nzurückgesetzt hiermit das Beste zuletzt; denn der Gesang bleibt\nallemal die Sonne unter den Sternen und Monden unserer Concerte.\nSo oft wir auch diese Sängerin gehört, sie bleibt stets neu und pi-\nkant. Ob sie in deutscher, schwedischer oder in anderen Zungen\nsingt, Alles deutlich, schön und bezeichnend, und niemals kommt\nuns etwas spanisch vor, oder sie müsste denn in dieser Sprache selbst\nvortragen. Hat sie uns durch unseres Wilhelm Spei er „Früh-\nlingslied\" wahrhaft in den Mai versetzt und durch G. Aloys\nSchmitts (des Sohnes unseres Nestors) „Ich bin geliebt\" mit tief-\nempfundener Verklärung erfüllt, so trug sie das „J'ai peur des Ja-\nloux\" von de Beriot so vor, dass sie wohl eine Menge Jalousieen er-\nwecken mochte, aber keine zu fürchten hat. C. G.\nBei Gelegenheit der königlichen Hochzeitsfeier in London wurde\nbekanntlich die Hochzeitsmusik (Chor und Marsch) aus Lohengrin,\nund zwar nach einem neuen, vom Componisten fiir diese Gelegenheit\ngetroffenen Arrangement gespielt Wagner erhielt für diese Arbeit\nvon der Königin Victoria ein schmeichelhaftes Dankschreiben nebst\neinem werthvollen Geschenke.\nieit* In der diesjährigen italiänischen Opern-Saison wird\nMozart's Cosi fan tutte und eine Verdi'sche Oper (Stifelio) in neuer\nUmarbeitung zur Aufführung kommen.\nDurch eine Verfügung der hohen Statthaltcrei wurde der Direc-\ntion der Gesellschaft der Musikfreunde die Verwaltung eines Fonds\nübertragen, welcher schon im Jahre 1819 durch freiwillige Beitfäga\nvon einigen Kunstfreunden gegründet wurde, um für die Heroen der\nTonkunst: Gluck, Haydn, Mozart und Beethoven, welche in Wien\nihr ruhmvolles Leben beschlossen, ein Monument zu errichten. Der\nFonds besteht derzeit in 8635 Gulden in Obligationen, und ist nach\nden Andeutungen der hohen Statthalterei auf dessen fruchtbringende\nVermehrung Bedacht zu nehmen, bis er die zur Ausführung des be-\nabsichtigten Monumentes zureichende Höhe erreicht haben wird.\nHerr Carlo de Barbieri, Capellmeister am Stadttheater zu\nHamburg, wurde in gleicher Weise beim hiesigen k. k. Hof-Opern-\nTlieater engagirt.\nIParis» Die erste Vorstellung der neuen Oper von Halevy:\nLa Magicienne, Text von de Saint-Georges, ist auf den 3. März\nfestgesetzt.\nMadame Szarvady (Wilhelmine Clauss) ist als Pianistin\nwieder in die Oeffentlichkeit getreten. Sie hat drei Soireen im PleyeP-\nschen Saale angekündigt, von denen die erste am 20. Februar Statt\nfand. Die Zuhörerschaft war zahlreich und glänzend und feierte die\nvortreffliche Künstlerin eben so wie bei ihrem ersten Auftreten zu\nParis im Jahre 1852. Die zweite Soiree wird am die dritte am\n20. März Statt finden.\nAm 20. Februar wurden die Exequ'en für den Sänger Lab lache,\ndessen Leiche von Neapel, wo er gestorben, nach Paris gebracht\nworden war, in der Kirche de la Madeleine gefeiert. Es wurde Mo-\nzart's Requiem von dem Personal der kaiserlichen und der italiäni-\nschen Oper aufgeführt."}]}