{"numero_id": "bm-bmtnabi-1858-03-06-01", "volume": "bmtnabi_1858-03-06_01", "ocr_sha256": "194ded8ac39e0ebaa0bbb68722a78edf136e88aae59f0ef714b88d20f5fd91b7", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1858/03/06_01/bmtnabi_1858-03-06_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580306-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1858-03-06-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-03-06_01#c001", "volume": "bmtnabi_1858-03-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "73", "page_fin": "73", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580306-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "73", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580306-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 467, "texte": "Inhalt.\nFriedrich Kühmstedt. Eine biographische Skizze. 11. Von L. M. Nachtrag. Zur Geschichte der Hoftheater in\nWien. Aus Frankfurt am Main (Joachim). Von A. Schindler. Zur Nachricht (Engelhardt's Testaments-Verfügung für das märki-\nsche Musikfest). Von H. K. Aus Karlsruhe. Tages- und Un terh al tun g sbl att (Köln, VI. 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Aus Pietät behielt er die Mutter,\nwelche die einzige Stütze in der Tochter verlor, bei sich,\neine sehr wenig liebenswürdige Frau, die er dennoch mit\nder grössten Geduld bis an ihr Ende pflegte. Inmitten aller\ndieser Widerwärtigkeiten entstanden trotzdem einige der\ngediegensten Compositionen, unter anderen Orgelstücke,\nreich und neu an Inhalt, Choräle, die noch jetzt im Munde\ndes Thüringervolkes leben und ihn, der den eigentlichen\nPriesterstand zurückgewiesen, als würdigen Priester im\nReiche der Töne bekunden. Ausserdem gab er noch meh-\nreren Schülern privatim in der Theorie der Musik Unter-\nricht. Indem er einem derselben einmal seine Sätze corri-\ngirt, stellt dieser die Frage: „Ja, warum klingt nun das,\nwie Sie es schreiben, so schön, und das Meinige so schlecht,\nauch wenn es dem Gesetze nach richtig ist?\"\nKühmstedt, bisher noch allein in der Composition dem\nDrange seines Genius folgend, lässt dieses „Warum\", auf\nwelches er dem Schüler die Antwort schuldig bleiben\nmuss, seitdem keine Ruhe. Er beginnt tiefere Studien, da\ner keine genügende Antwort in allen den Compositionsleh-\nren findet. Die Gesetze des Schönen in der Musik müssen\nin ihren Grundzügen dieselben sein, wie die in den ande-\nRen Künsten. Er beginnt Philosophie zu studiren, schafft\nsich bei seinem kärglichen Gehalt die bedeutendsten Werke\naus den verschiedenen philosophischen Systemen an, die\ner Tag und Nacht durchdenkt und mehr mit seiner schö-\no\npferischen Phantasie durchdringt, als mit dem abstracten\nVerstände. Keines genügt ihm, alle geben ihn nur dem\nZweifel an irgend etwas Positivem hin. Er, der noch im-\nmer seinen Compositionen, besonders den kirchlichen, die\nhöchste religiöse Weihe einhaucht, er, dessen Lieder an\nInnigkeit und Zartheit und dabei an Tiefe sich den besten,\nwelche jemals geschrieben wurden, anreihen, gilt eine\nZeit lang selbst im Publicum für einen Gottesläugner. So in\nBahnen geworfen, für die er als phantasie- und gefühl-\nvoller Künstler trotz alles Genies die rechte Befähigung\nnicht besitzt, arbeitet er sich endlich dennoch glücklich so\nweit durch, um für seine Theorie der Musik wenigstens\neine klarere Leuchte zu erhalten, und die Musik wird ihm\nzugleich zur Offenbarerin, zum Spiegel des Weltgesetzes\nund des göttlichen Hauches, der dasselbe durchdringt. Aus\ndem Tone, diesem wunderbaren, von allem Irdischen sich\ndem höheren Geisterreiche am ersten nähernden Wesen,\nentsteht nach Kühmstedt der Dreiklang, und er, und nicht\ndie Tonleiter, wie die früheren Theoretiker meinen, ist\ndie Grundlage der Musik, aus welcher der musicalische\nGedanke geboren wird. Gleich dem Samenkorn in der\nErde und den Accorden allen aus dem Dreiklang entfaltet\nsich dieser Gedanke in dem Kunstwerke in immer schö-\nnere Zweige, Blätter undßlüthen, die in die Unendlichkeit\ndes Daseins hinausstreben und doch wieder sich begränzen\nzu einem Ganzen. Das musicalische Kunstwerk aber soll\nnicht bloss Gefühle erregen und in einem unklaren Schwe-\nben uud Schwimmen derselben entzücken, es soll wie je-\ndes andere Werk in den schönen Künsten den ganzen\nMenschen ergreifen und alle Kräfte der Seele in inniger\nHarmonie vereinigen, und somit befriedigen und bese-\nligen."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "74", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580306-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5472, "texte": "Kühmstedt erfand eine neue, einfachere und klarere\nUnterrichts-Metliode im Generalbass, von der alle seine\nSchüler begeistert sind, namentlich die gebildeteren, denen,\nwie sie versicherten, dadurch Geist und Gemütli in über-\nraschenderweise nicht bloss für die Musik, sondern über-\nhaupt in rein menschlicher Beziehung höher gehoben\nwurde. So wenig Kühmstedt jemals ganz klar in dem Ge-\nbiete der Philosophie an und für sich die Ergebnisse sei-\nnes Forschens kund geben konnte, so licht wurde er, wenn\ner sie in Verbindung mit der Musik brachte. Nicht nur\nwusste er seine Lehre den einfachen Bauernsöhnen im\nSeminar trotz der Vergeistigung dieser theoretischen Ge-\nsetze, oder vielleicht eben desshalb, klar zu machen, son-\ndern auch Kindern von zwölf Jahren konnte er sie anpas-\nsen, wenn sie nur überhaupt musicalisches Talent hatten.\nSonderbarer Weise aber wurde es bei einem so abstrac-\nten Unterrichte, wie der in der Theorie der Musik, gerade\nden verständigen, rellectirenden Naturen am schwersten,\nihm zu folgen, und er hat oft geäussert, er könne diesel-\nben nur bis zu einem gewissen Punkte bringen, dann wäre\nAlles aus. Ein Beweis, wie sehr Poesie, Gefühl und Phan-\ntasie Antheil an seiner philosophischen Anschauung hatten,\nund wie Kühmstedt als echter Künstler zum abstracten\nDenker keineswegs geboren war. Dennoch übten diese\nangestrengten Studien wohl nicht immer den wohltätig-\nsten Einlluss auf sein künstlerisches Schaffen aus, indem\nsie ihn einestheils bei der ihm kärglich zugemessenen Zeit\nstörten, anderenteils auf dessen Gestaltung wohl durch\ngrössere Gediegenheit, aber auch schwereres Verständniss\neinem weiteren Publicum gegenüber einwirkten.\nDem ist auch wohl zuzuschreiben, dass sein Oratorium\n„Des Heilandes Verklärung\", in Weimar, Kassel,\nLübeck und anderen Orten zur Aufführung gelangend,\nden allgemeinen begeisterten Antheil im grösseren Publi-\ncum nicht erfuhr, den es nach dem Urtheil der Kunst-\nkenner seiner originellen, durchbildeten Form, seiner kla-\nren Herausstellung des musicalischen Gedankens und vor\nAllem seiner erhabenen Andacht gemäss verdient. Drei\nSinfonieen kamen in Kassel ebenfalls zur Aufführung,\nund hatten eben so wenig dem Componisten die\nLiebe im grösseren Publicum zu erringen, die ihm so not-\nwendig war und welche sein Herz ersehnte. Unbegreiflich\naber ist es, dass seine kleineren Musikstücke und\nLieder, die an Tiefe und Innigkeit der Empfindung und\nan edler Leidenschaft denen der grössten Meister keines-\nwegs nachstehen, keine grössere Verbreitung gefunden\nhaben. Jedes fühlende Herz kann sie verstehen, so wie\ndenn jeder, der sie nur einmal hörte, sich tief davon er-\ngriffen gefühlt hat. Es ist das wieder theils seinem Miss-\ngeschick zuzuschreiben, das ihn immer gerade da verfolgte,\nwo sein Genius die ihm gemässeste Bahn einschlug, theils\nseiner Ungeschicklichkeit, sich selbst und seine Productio-\nnen bekannt zu machen. Eben so hat Kühmstedt Kinder-\nIi oder von Kletke componirt, die in wenigen Tönen die\nliebenswürdigste Anmuth und Naivetät, ja, zuweilen die\nkindlichste Heiterkeit, und dann wieder Frömmigkeit\nathmen.\nDie Sonate, welche er für den Virtuosen Liszt nach\neinem ihm gegebenen Thema schrieb, ist nach dem Ur-\ntheil der Künstler reich an den wunderbarsten Combina-\ntionen, an Entwicklung der Stimmen und Hereinziehen des\nContrapunktes in die Forderungen des heutigen Virtuosen-\nthums. Einige Sonaten stehen an Schönheit und Tiefe des\nGedankens denen Beethoven's gleich, unter anderen eine,\nin welcher zwei Principe, ein liebliches und anmuthiges\nund ein leidenschaftliches, dämonisches, sich bekämpfen,\nvon denen das letztere den Sieg erringt. Kühmstedt liebte\nes in der letzteren Zeit, zwei Themata in grösseren Sachen\nkämpfen zu lassen. Seine letzte Arbeit war ein grosses\nOrgel-Concert, in welcher Composition ihm Melanch-\nthon und Luther vorgeschwebt hatten. Sein erstes bedeu-\ntendes Werk hinsichtlich der Kirchenmusik war eine Vor-\nschule zu Bach, in welcher die schwierigsten Formen\ndem Gemüthe zugänglich gemacht werden, dann die Kunst\ndes Vorspiels, worin das Princip seiner Theorie zur Gel-\ntung kommt. In den meisten seiner Werke spricht sich\nsein Talent zur dramatischen Musik aus, wie es denn eine\nZeit lang sein grosser Wunsch war, es noch einmal mit\neiner Oper zu versuchen. Einmal aber, vielleicht durch\nSchuld des verkehrten Textes, nicht reussirend und da-\ndurch wählerisch geworden, verwarf er mehrere für ihn\nbearbeitete Stoffe und äusserte einmal, er würde zehn Jahre\nvon seinem Leben für einen guten Opern-Text geben,\ndessen Ideal er in der Seele trüge. Für die Composition\neiner Oper wäre ihm auch der Aufenthalt in einer kleinen\nStadt, in zum Theil drückenden Verhältnissen, wo er bei-\nnahe niemals etwas Gutes hörte, nicht günstig gewesen.\nSich ewig aus diesen Verhältnissen und dieser Stadt\nhinwegsehnend, vermochte er für eine bessere Lebens-\nstellung theils aus Künstlerstolz, theils aus Mangel an\nWeltklugheit weder selbst energisch zu wirken, noch An-\ndere zu veranlassen, für ihn sich zu verwenden. Einen\nlluf nach Paris an das Conservatorium musste er aus Man-\ngel an Sprachkenntniss ausschlagen, ein anderer Plan für\nHeidelberg in derselben Stellung scheiterte an einer Partei,\ndie ihm entgegen trat. Zwei Jahre nach dem Tode seiner\nBraut machte er eine andere Bekanntschaft in dem Hause\nseiner einzigen Gönnerin, der Freifrau von Bechtolsheim.\nDie geistreiche Dichterin wusste seine Genialität und sei-\nnen dem Höchsten und Tiefsten zustrebenden Geist z:"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "75", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580306-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4277, "texte": "erkennen und werth zu schätzen. Er verlobte sich bei ihr\nmit einem einfachen, aber gemüthlichen Mädchen,, das ei-\nerst nach acht Jahren heirathen konnte, und das sich wäh-\nrend ihres Brautstandes und ihrer zehnjährigen Ehe der\naufmerksamsten, stets sich gleich bleibenden Zärtlichkeit\nzu erfreuen hatte, die sie die oft sehr beschränkten Ver-\nhältnisse vergessen machte.\nSeit mehreren Jahren hatte er einige der dienstlichen\nGeschäfte, die ihm am widerwärtigsten waren und ihn\nam meisten störten und abspannten, aufgegeben und dage-\ngen auswärtige Schüler angenommen, welche er in der\nhöheren Theorie der Musik- und Compositionslehre unter-\nrichtete. Diese sind nicht nur von dem Unterricht des Mei-\nsters mit der seltensten Begeisterung erfüllt, sondern auch\nvon seinem persönlichen Umgange. Wirklich war es auch\netwas Erquickliches, das ideale Verhältniss zwischen dem\nLehrer und seinen Schülern zu beobachten. Beinahe un-\nzertrennlich in den Erholungsstunden mit ihm sowohl auf\nSpazirgängen als im häuslichen Kreise vereinigt, schien\nihnen jede Stunde verloren, die sie nicht an seiner Seite\nzubrachten. Ein Bild aus dem alten Griechenlande, ein So-\nkrates oder Plato unter seinen Zöglingen der Weltweis-\nheit, schien auf deutscher Erde in unserem materiellen\nZeitalter sich zu wiederholen. So schroff und zurückhaltend\nKühmstedt den Entfernterstehenden erschien, so liebens-\nwürdig war er bei näherem Umgange. Deutsche Herz-\nlichkeit und Biederkeit fand man in seinem Hause, und\nder Hauch seines Genius wusste dem Gewöhnlichsten eine\nWeihe zu geben. Eine Stunde bei ihm war geistig in ho-\nhem Grade anregend und zugleich gemüthlich befriedigend.\nAber sein nach Anerkennung und Liebe strebendes Herz\nkonnte es nicht überwinden, dass dieses immer nur ein\nkleiner Kreis war; und doch hinderten ihn auch hinsichtlich\neiner weiteren Geselligkeit sein Mangel an praktischer Le-\nbenskenntniss und sein edler Künstlerstolz.\nUnser alles Grosse und Schöne anerkennender Gross-\nherzog zeichnete ihn öfters aus, so wie auch die Grossher-\nzogin, eine mit dem tiefsten Verständniss für Musik be-\ngabte Dame, welche selbst vortrefflich spielt, ihn von Her-\nzen werthschätzte. Es war einmal die Bede von einem\nConservatorium, das Kühmstedt mit Liszt begründen sollte.\nIn unserem kleinen Lande mochte diese Idee an dem Ko-\nstenpunkte scheitern.\nSich mit Besignation zuletzt in seine einfache, gedrückte\nLebensstellung findend, hatte der Verstorbene nur noch\nEinen Wunsch: durch die Verwirklichung eines grossen\nschriftstellerischen Werkes, „Die Theorie der Musik\",\nwohltätig und zum Theil reformirend für den oft in unse-\nrer Zeit misshandelten Geist der Musik zu wirken und zu-\ngleich alle seine Erfahrungen in einer besseren Unterrichts-\nweise der Composition niederzulegen. Er hatte zehn Jahre\nlang die umfassendsten und tiefsten Studien dazu gemacht,\nan mehreren Orten Vorträge darüber gehalten. Einen\ngrossen Theil der Arbeit als ungenügend wieder vernich-\ntend, wollte er nun in diesem Winter das Werk vollenden.\nDa begann im Herbste eine sehr schmerzhafte Krankheit\nihn zu jeder Beschäftigung unfähig zu machen. „Beten Sie\nfür mich, dass ich gesund werde und nur mein Werk erst\nschreiben kann, ehe ich sterbe\", sagte er zu einer Freun-\ndin. Auch dieser Wunsch sollte ihm nicht erfüllt werden.\nNach unsäglichen Schmerzen schlief er, in den letzten Ta-\ngen davon befreit, sanft ein, mit einem Blicke der Liebe\nauf seine trostlose Gattin. Der einzige Trost war ihm der\nGedanke der Unsterblichkeit, an welcher er unter allen\nanderen religiösen Zweifeln, die er indess in den letzten\nJahren überwunden, festgehalten hatte. Seine Schüler\nwerden seine Unterrichtsweise vielleicht jetzt in weiteren\nKreisen verbreiten, wozu einer derselben, Scheffer, durch\ndie Verwendung des edlen Spohr am münchener Conser-\nvatorium die beste Gelegenheit hat. Ein anderer, Namens\nO 7\nMüller, wird es vielleicht unternehmen, die Theorie der\nMusik zu schreiben, da er am klarsten und begeistertsten\nin seine Ideen eingedrungen ist und dem Meister im Leben\ngleich einem theuren Sohne nahe stand. So möge denn\nnicht verloren sein, was sein Geist geschaffen, geschaffen\nunter den ungünstigen Verhältnissen, die einen anderen,\nweniger reichen Genius vielleicht an allem Bedeutenden\ngehindert haben würden.\n\nL. M."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-03-06-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-03-06_01#c003", "volume": "bmtnabi_1858-03-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "75", "page_fin": "76", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580306-01.2.3", "titre_corps": "Nachtrag.", "titre_sommaire": "Nachtrag.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "75", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580306-01.1.3", "debut_caractere": 4279, "fin_caractere_exclue": 5446, "texte": "Nachtrag.\nWir fügen hier noch eine Erinnerung an die Ton-\nkünstler-Versammlung zu Leipzig am 26. Juli 1849 zu\n(s. Neue Zeitschrift für Musik, Band XXXI., Nr. 24). Was\nKühmstedt dort in Bezug auf die Laufbahn eines jungen\nMusikers bemerkte, sprach er wohl zunächst und allermeist\naus eigener trauriger Erfahrung heraus, und es mag dess-\nhalb hier noch eine Stelle finden.\nNach Beendigung des Vortrags von Brendel über die\nFrag0, wer vorzugsweise sich bei der Kritik betheiligen\nsolle, über das Verhältniss des Kritikers und des Künstlers,\nsprach Kühmstedt u. A.: Kritisiren, recensiren heisse nichts\nweiter, als den Werth eines Kunstwerkes bestimmen. Es\nsei nicht zu zweifeln, dass sowohl der Künstler als der Kri-\ntiker als solcher zur Kritik berechtigt sei. Die Frage, wie\nsich Beide zu einander verhalten sollen, werde sich erge-\nben, sobald man die bisher gemachten Erfahrungen in Be-\nzug auf die Laufbahn Beider gegen einander stelle. Der\nKünstler, in seiner Jugend durch irgend einen Meister an-\ngeregt, fühle den Drang in sich, in dessen Weise etwas\nzu schaffen: der Beiz, den ein Werk auf ihn ausübe, er-\nrege ihn zu ähnlichen Schöpfungen. Was er erzeuge, gehe"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "76", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580306-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3790, "texte": "aber nicht aus Bewusstsein über die Sache, sondern aus\nblossem Naturtriebe hervor. Dann komme er zu einem\nMeister, lerne eine Masse Regeln, die er nicht brauchen\nkönne, die entweder nur halb wahr oder gar nicht wahr\nseien; er werde von fremden Gedanken gemästet, ohne gei-\nstig selbstthätig zu sein. Nun schreibe er nach dem, was\nin ihn hineingepfropft worden; eingedenk des guten Ra-\nthes, er müsse fort und fort die alten Meister studiren, be-\nlleissige er sich, sie nachzuahmen, und gebe so fremde Ge-\ndanken wieder. Da komme die Kritik und mache dem\nKünstler den Kopf verdreht; sie fordere ihn auf, etwas\nAnderes, etwas Neues zu geben. Jetzt frage er sich, wie\ner dies anfangen solle. Doch stehe er verlassen da; denn\nkeinen Wink habe ihm die Kritik gegeben, um aus sich\nselbst etwas zu schaffen. Ueberzeugt nun, dass er das nicht\nmachen solle, was die Meister vor ihm gemacht, studire\ner Hegel, Schelling, Vischer, Rüge, und wie die Geister\nalle heissen. Da erfahre er, die Kunst solle das Wesent-\nliche darstellen, oder das Göttliche in einer bestimmten\nForm, oder die Wahrheit; jeder der Philosophen antworte\nihm anders über das Wesen der Schönheit. Aber er er-\nfahre nicht, wie er diese Sentenzen auf die besondere\nKunst anzuwenden habe, und bleibe hinsichtlich seines\nSchaffens so klug, wie vorher! Wie stehe es mit dem\nKritiker? Der denke: wenn du nur Phrasen machen kannst\nund allenfalls etwas Hegel studirst, so bist du ein gemach-\nter Mann ; von der Sache, von dem Organismus eines Kunst-\nwerkes verstehe er nichts. Da sehe es sehr schlimm aus;\nlauter Phrasen begegne man, der Kritiker wisse nichts,\nweil er die Technik nicht kenne. Jetzt, da wir zu die-\nsem Bewusstsein über die Sache gekommen, müsse der\nvom Vorsitzenden angegebene Weg eingeschlagen werden,\nder Kritiker müsse Hand in Hand mit dem Künstler und\nin die Sache seihst eingehen.\nDörffel fragte, wo die Kritiker seien, von denen man\nso bestimmt behaupten könne, dass sie dächten, mit blos-\nsen Phrasen sei Alles abgethan. Wolle man, dass der\nKünstlet mit dem Kritiker Hand in Hand gehe, wolle man\nein gemeinschaftliches Wirken Beider, so müsse man vor\nAllem dergleichen Vorurtheile, als sei der Kritiker jeder\nBestrebung, das Höchste zu erfassen, verlustig, beseitigen\nlernen, und diesem nicht so ohne Weiteres eine Einbildung\nund Beschränktheit unterschieben, die gleich von vorn\nherein-jede Einigung unmöglich mache - Kühm-\nstedt: Sie haben mich missverstanden Dörffel:\nNein, nein! ich halte mich an Ihre Worte! Kehm-\nstedt: Ich gebe zu, dass die jetzige Kritik ein neues und\nschönes Streben offenbart; doch verschmähen es die Kri-\ntiker, in die Technik, in den Organismus des Kunstwerkes\neinzugehen, und lassen es bei philosophisch-ästhetischen\nRaisonnements bewenden *Das ist grösstentheils bis jetzt\nnoch der Fall. W ir sehen desshalb, dass sich die Künstler\nvon der Kritik abwenden. Und wahr ist's, die meisten Kri-\ntiker, mit wenigen achtbaren Ausnahmen, haben nicht die\nStudien gemacht, die der Künstler gemacht hat. —Bren-\ndel: Man kann das in gewissem Sinne zugeben; da aber\nnoch Keiner existirt hat, der beide Seiten, Tondichtung\nund Philosophie, in gleicher Weise vollständig umfasste,\nso folgt eben daraus, dass Künstler und Kritiker sich eini-\ngen, einander in die Hände arbeiten müssen. Kühm-\nstedt: Diesen Standpunkt der Kritik erreichen wir nicht\neher, als bis wir so weit sind, dass der praktische Künst-\nler auch Philosoph, und der Kritiker nicht bloss Philosoph,\nsondern auch praktischer Künstler ist. [?] Später äus-\nsert Kiihmstedt, er habe nur andeuten wollen, dass die\ngrosse Zahl der Künstler zu keinem klaren Bewusstsein\nkomme, wonach der Werth des Kunstwerkes bestimmt\nwerden könne, nur sagen wollen, dass die grosse Zahl der\nKritiker sich nicht um das Technische bekümmert habe\nu. s. w."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-03-06-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-03-06_01#c004", "volume": "bmtnabi_1858-03-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "76", "page_fin": "78", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580306-01.2.4", "titre_corps": "Zur Geschichte der Hoftheater in Wien", "titre_sommaire": "Zur Geschichte der Hoftheater in Wien", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "76", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580306-01.1.4", "debut_caractere": 3792, "fin_caractere_exclue": 5364, "texte": "Zur Geschichte der Hoftheater in Wien\n**).\nDie Liebe zur Tonkunst ging von Kaiser Maximi-\nlian I. auf seine Nachfolger über; eine ganze Reihe von\nKaisern zeichnete sich dadurch aus und machte Wien zum\nMittelpunkte der prachtvollsten Opern-Aufführungen.\nKaiser Leopold war nicht nur ein Freund und Be-\nförderer der Tonkunst, er war selbst ein tüchtiger Musi-\nker. Er hatte den P. Kirchner eigens von Rom verschrie-\nben, um bei ihm den Contrapunkt zu studiren. Der Kaiser\ncomponirte Oratorien, Opern, Komödien und viele einzelne\nMusikstücke. In der Hof-Bibliothek befinden sich die Ma-\nnuscripte von acht Oratorien, Hymnen, Motetten, Opern,\nKomödien und zahlreiche Einlagen zu den Opern Anderer.\nEs wurde eine ansehnliche Capelle unterhalten; sie zählte\n1 Capellmeister, 1 Vice-Capellmeister, 3 Compositores,\n5 Organisten, 34 Sänger, 41 Instrumentalisten.\nBei der Aufnahme eines Mitgliedes prüfte der Kaiser\nselbst, eben so auch die Opern, welche zur Aufführung\nvorgeschlagen wurden. Während der Vorstellung hatte der\nKaiser stets die Partitur vor sich. Es durften nur italiäni-\n\n*) Es ist jedenfalls auffallend, dass Kiihmstedt auf obige Weise\nüber die Kritiker abspricht, da er doch nach seinem eigenen\nGeständnisse in Eisenach nicht einmal eine musicalische Zei-\ntung halten konnte. AVahrscheinlich hatten jene Aeusserungen\neine Beziehung. Die Redaction.\n**) Aus einem grösseren Werke unter diesem Titel bringt die\nWiener Monatschrift für Theater und Musik einen Ab-\nschnitt über „das erste Theater am Kärnthnerthor\", dem wir\nObiges auszugsweise entnehmen. Die Redaction."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "77", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580306-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5311, "texte": "sehe Opern gegeben werden, und dieser Vorliebe ist es\nwohl zuzuschreiben, dass die deutsche Oper auch an allen\nanderen deutschen Höfen erst fast ein Jahrhundert später\nEingang gefunden hat, während sie schon zu Ende des\nsiebenzehnten Jahrhunderts durch ihren Gründer Rein-\nhard Keys er in Hamburg mit „Basilius\" 1694 und „Is-\nmene\" 1698 zu erblühen begann. Diese Vorliebe war\nbei den Kenntnissen und dem feinen Geschmacke des Kai-\nsers sehr begreiflich, da die deutschen Sänger den italiäni-\nschen sehr nachstanden.\nDie Kaiserin Margarita Teresa liebte die Musik\nnicht; sie liess sich oft ihren „Neh-Rehm\" in die Loge\nbringen, ohne einen Blick auf die Bühne zu werfen. Da-\ngegen liebte die Kaiserin Claudia Felicitas, in den Opern\nAnspielungen auf die Schwächen des Hofes anbringen zu\nlassen; sie verschonte selbst den Kaiser nicht, besonders in\nder im Carneval 1674 am Hofe auf geheimer Schaubühne\ngegebenen Oper „La lanterna di Diogene\" DT. p. mus.\nin drei Acten, Text von Minato, Musik von Draghi, Ballet\nvon Ventura, Decorationen nach Angabe von Burnacini. Im\ndritten Acte ist eine Arie von Kaiser Leopold eingelegt.\nWir wollen hier besonders des Capellmeisters Antonio\nDrashi wegen seiner fast unerreichten Fruchtbarkeit er-\nO O «\nwähnen, indem dieser Componist in dem von uns zusam-\nmengestellten, zwei Jahrhunderte umfassenden Repertoire\nder Hof-Oper mit 156 dramatischen Werken erscheint,\nwelche für Wien geschrieben und auch da aufgeführt wor-\nden sind. Sic beginnen 1663 mit „L'Oronisba\", zu wel-\ncher Draghi auch das Textbuch verfasst hat, und schlies-\nsen am 8. November 1699 mit Text von\nCupeda, Ralletmusik von HofFer, welche Oper am Geburts-\ntage der Erzherzogin Maria, Tochter des Königs, nach-\nmaligen Kaisers Joseph 1., auf Befehl des Kaisers darge-\nstellt worden ist.\nDieser Componist hatte an Minato, k. Holpoe-\nten, einen eben so unerschöpflichen Textdichter gefunden.\nDenn von der „ Atalante\" bis zum „Muzio Scevola\" hat\nderselbe 110 Textbücher für Wien geschrieben.\nKaiser Joseph I. war dem Kaiser Leopold gefolgt.\nAuch dieser Fürst besass gründliche Kenntnisse in allen\nZweigen der Kunst. Er spielte Ciavier, blies die Flöte, ver-\nmehrte und vervollkommnete die Capelle. Auch in der\nTanzkunst hatte er es zu einem hohen Grade der Ausbil-\ndung gebracht. Sein Tanzmeister war Brunian, ein Schwede.\nEs wurde viel auf das Ballet verwandt, und der Kaisei\nproducirte sich darin, selbst schon Regent, in den Vor-\nstellungen am Hofe.\nIm Jahre 1706 liess der Kaiser auf der anderen Seite\ndes jetzigen Josephsplatzes, dort, wo gegenwärtig die Re-\ndoutensäle stehen, zwei Theater durch die Gebrüder Bi-\nbiena erbauen, ein kleines, bestimmt für die t estlichkeiten\nbei Hofe, für die italiänischen Komödien im Carneval und\nfür die Edelknaben-Komödien, und ein grosses Holtheater,\nzur Aufführung ernsthafter, italiänischer Opern, welches\ndas grösste und schönste seiner Zeit war, und das an\nPracht der Ausschmückung, der Decorationen,- der Co-\nstume und der Maschinerieen alle gleichzeitigen übertraf.\nDie Malerei des Amphitheaters allein kostete bei 100,000\nFl. Der Marchese Santa Croce, ein grosser Musikkenner,\nward zum Oberleiter desselben ernannt.\nDer im Jahre 1 / 08 begonnene Kau des Theaters am\nlvarnthnerthor, den der Stadtrath ausführte, war im darauf-\nfolgenden beendet. Es ist ursprünglich von der Stadt der\nitaliänischen Burlesca gewidmet worden. Conte l'ecori war\nder erste Pachter, Calderoni, Sebastien, Scio und 1/I*2\nRistori folgten einander daselbst mit ihren Truppen.\nJedoch im Februar 1713 wanderte Stranitzky aus\nseiner Bude auf dem Neumarkt, vereint mit den Deutschen\naus der Teinfaltstrasse, in das Kärnthnerthor-Thcater hin-\nüber. Stranitzky zahlte in den ersten drei Jahren an Pacht\nin den sieben Sommermonaten monatlich 50 Fl., in den\nfünf Wintermonaten monatlich 60 Fl., und war gehalten,\nauf Grund der Verordnung vom 14. Juli 1671, nach wel-\ncher Komödien, Glückshäfen und dergleichen zur Erhal-\ntung des Zuchthauses in der Leopoldstadt beizutragen hat-\nten, ein Fünftel seiner Einnahme dorthin abzuführen. Das\nKärnthnerthor-Theater hat also von je her zur Yerbesse-\nrung der Sitten beigetragen.\nDer Hof liess dieses Theater unbeachtet. Erst Prehau-\nser, ein Sohn des Hausmeisters bei den drei Laufern, der\nStranitzkv's Rollenfach übernommen hatte, lockte ihn an.\nIm Jahre 1737, in demselben Jahre, in welchem der Hans-\nwurst von Gottsched und der Neuberin zu Leipzig verbrannt\nwurde, hatten die deutschen Schauspieler zum ersten Male\ndie Ehre, vor dem Hole in Mannersdorf zu spielen. In\nSchönbrunn spielten sie zum ersten Male am 1/. Septem-\nber 1767 den „Geburtstag\" von Heufeld und „Die Wirt-\nschafterin\"; in Laxen bürg im Jahre 1/71 „Den Postzug\nund „Den dankbaren Sohn'- von Engel.\nUm desto begünstigter war die Oper. Nach dem am\n17. April 1711 so früh dahingeschiedenen Kaiser Joseph\nI. hatte Kaiser Karl VI. den Thron bestiegen. Auch dieser\nFürst war ein grosser Musikfreund und Musikkenner. Fuchs,\nder Autor des Gradus ad Parnassum, war sein Lehrer im\nContrapunkt, Caldara, der vom Jahre 1716 bis zum Jahre\n1736 zweiundfünfzig Opern im Hoftheater aufführen liess,\nwar es in der modernen Composition.\nDas musicalische Gehör des Kaisers war berühmt. Ls\nentging ihm kein Fehler in der Ausführung. Bei der drit-\nten Vorstellung der Oper „Elisa\", Text von Pariati, Musik"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "78", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580306-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3248, "texte": "von Fuchs, welche zum ersten Male am 28. August 1719\nzum Geburtsfeste der Kaiserin Elisabeth in der Favorita\ngegeben wurde, war der Kaiser so sehr von der Musik ent-\nzückt, dass er sich an das Ciavier setzte und die ganze Oper\ndurch accompagnirte. Fuchs, der hinter dem Kaiser stand\nund ihm umblätterte, war von der Geschicklichkeit des Kai-\nsers so hingerissen, dass er laut ausrief: „Bravissimo! Ew.\nMajestät könnten meine Stelle ganz gut einnehmen!\" „Ich\ndanke, mein lieber Capellmeister, für die gute Meinung,\"\nerwiderte der Kaiser, „ich bin schon mit der meinigen\nzufrieden.\"\n*\nBekannt ist, welchen günstigen Einfluss die Rathschläge\ndes Kaisers auf Farinelli ausgeübt haben. Dieser berühmte\nSänger kam dreimal nach Wien, 1724 mit Porpora, 1728\nund 1731. Als der Kaiser ihm einst accompagnirte, be-\nmerkte er ihm, wie sehr der Gesang noch gewinnen würde,\nwenn er ihn weniger mit langathmigen Verzierungen über-\nladen wollte. Diesen Rath beherzigte Farinelli, und von\njener Zeit rührten die ergreifenden Eindrücke her, die die-\nser Künstler mit seinem getragenen Gesänge hervorbrachte.\nDiese Pflege der Musik erstreckte sich auch auf die\nanderen Mitglieder der kaiserlichen Familie. Die Erzher-\nzoginnen erhielten Ciavier- und Gesang-Unterricht von\nWagenseil und Nancini.\nAlljährlich am 4. November, am Namenstage des Kai-\nsers, kam auf Befehl der Kaiserin im grossen Theater, und\nan jedem 28. August, dem Geburtstage der Kaiserin, kam\naul Befehl des Kaisers im Theater der Favorita eine neue\neigens componirte Oper mit der prachtvollsten Ausstattung\nzur Aufführung. Diese Opern wurden nur 2—3 Mal ge-\ngeben. Der Hof wohnte stets den letzten Proben bei.\nDie mise en sceneeiner solchen Oper kostete 50-\n00,000 Fl. Die Costume waren aus Sammt, Seide und\nreich mit Gold und Silber gestickt; selbst das Orchester-\nPersonal erschien in glänzenden Anzügen, und weder die\nOpern-Vorstellungen in Paris, noch jene in London konn-\nten damals hinsichtlich der Vocal-und lustrumental-Musik,\nder Costume und Decorationen einen Vergleich mit jenen\nder kaiserlichen Hoftheater aushalten.\nDer jährliche Etat der Oper betrug beiläufig 200,000\nFl., darunter für die Capelle 43,000 Fl. Diese zählte 1\nHof-Capellmeister, Fuchs; 1 Vice-Capellmeister, Caldara;\n3 Compositores, Badia, Francesco Conti, Porsile, und für\ndie Balletmusik Matheis und Holzbauer; 3 italiänischc Hof-\nPoeten, Stampiglia, Zeno, Pariati, später Pasquini und Me-\ntastasio, und einen Deutschen, ProkofF; 34 Sänger und 8\nSängerinnen, 1 Concertmeister nebst einem Adjuncten, 32\nSaiten-Instrumentalisten nebst 2 Theorbisten, 1 Gambisten,\n1 Lautenisten, 5 Hautboisten, 5 Fagottisten, 4 Posaunisten,\n1 Hornisten, 13 musicalische Trompeter, 1 Heerpauker.\nBalletmeister waren Levassori della Motta und Philibois,\nDirector der Oper war Fürst Pio. Das Ganze unterstand\ndem Obersthofmeister-Amte. Dem Hofküchen-Departement\nwaren ein eigener Musicanten-Tafeldeeker nebst zwei Ge-\nhülfen zugetheilt. Eines edleren, von wahrer Kunst-Vereh-\nrung zeugenden, rührenden Brauches müssen wir noch\ndankbar gedenken. Von allen Hofbediensteten waren es\ndie Musici allein, die, selbst schon in den Ruhestand getre-\nten, fortwährend und bis zu ihrem Ableben im Hofstatus\nnamentlich fortgeführt wurden. (Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-03-06-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-03-06_01#c005", "volume": "bmtnabi_1858-03-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "78", "page_fin": "79", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580306-01.2.5", "titre_corps": "Aus Frankfurt am Main.", "titre_sommaire": "Aus Frankfurt am Main.", "signature_source": "A. 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Für Ihren Correspondenten spe-\nciel war dieser Moment jedoch weit mehr, als bloss erhe-\nbend, enthusiasmirend; er fand nämlich Veranlassung, die\nListe der oft gehörten Fürsten der Violine aufzurollen, auf\nwelcher die Namen Polledro, Rode, Lipinsky, May-\nseder, Baillot, Lafont, Spohr, Paganini und Be-\nriot verzeichnet stehen, um dieselbe um einen Namen zu\nvermehren: Joachim. Poesie im engsten Wortsinne er-\nklang aber nur aus der Violine Spohr's und Paganini's.\nMöge Herr Joachim einstens der Dritte im Bunde genannt\nwerden können!\nDer Charakter seines Spiels ist in Bezug auf reinen\nStil, natürlichen Gefühls-Ausdruck und die Eigenschaften\ndes Tones und Bogens so vielfach beschrieben worden,\ndass es keiner Worte weiter bedarf. Dass sein Bogen ins-\nbesondere von den aus der belgischen Schule herkommen-\nden Unarten des Spiccato und Getänzels am Frosch absieht,\noder sie vielleicht nur dort anwendet, wo sie zur Sache\npassen, gereicht dem Künstler zu nicht geringem Lobe.\nDie Eigenschaften mithin, welche den Künstler aus-\nmachen und Bedingung eines gediegenen Vortrags sind,\nkönnen hier im Falle die Kritik nicht beschäftigen, und hat\nsie sich lediglich zu den Bestandteilen der Vorträge zu\nwenden. Da darf nicht bloss nach Einsicht des Unterzeich-\nneten, sondern auch nach der vieler sachkundigen Zuhörer,\ndas Bedauern ausgesprochen werden, dass Herr Joachim\nnicht anstatt der Tartini'schen Sonate, dieses höchst mo-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "79", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580306-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4512, "texte": "notonen, darum langweiligen, und eine mehr als erträg-\nliche Ar zahl altväterischer Cadenzen ä und Zeit-\ngenossen enthaltenden Tonstücks, eine andere Wahl ge-\ntroffen, mit der sein eminentes Talent auf gleicher Höhe\nsteht. In der That war diese Teufels-Sonate geeignet, den\nfrüher erregten Enthusiasmus mit kaltem Wasser zu däm-\npfen. Was soll diese Perrücke aus der Mitte des vorigen\nJahrhunderts heute in Gesellschaft mit Haveln, Beethoven\nund Mendelssohn im Concertsaale? Es gehört leider zu\nden Thorheiten unserer Musik-Epoche, nicht nur entge-\ngengesetzte Stilarten, sondern auch Componisten aus ent-\nfernten Epochen neben einander zu stellen, um schroffe\nContraste zu bieten.\nHerr Joachim vorzugsweise würde sich Verdienste um\nVermehrung des Repertoires, zugleich auch den Dank sehr\nvieler Musikfreunde erwerben, wollte er die unverdient\nzurückgestellten kleineren Compositionen von Spohr, z. B.\nseine so genannten Potpourri's, oder Werke anderer Mei-\nster der älteren Schule, denen dasselbe Loos zu Thcil ge-\nworden, wieder in den Concertsaal einführen, wobei\nauch das Orchester eine würdige Beschäftigung fände.\nErstgenannte zählen zu den geistvollsten, aber auch brillan-\ntesten Stücken in der Gesammt-Literatur für Violine und\nsind dem jungen Künstlergeschlechte völlig unbekannt.\nJoachim ist der Mann, um sie wieder zur Geltung zu brin-\ngen, so wie ihm der Ruhm gebührt, das Beethoven'sche\n\\ iolin-Concert wieder zu Geltung und Ehren gebracht zu\nhaben, nachdem es, von allen Violinspielern als undankbar,\nsogar als unausführbar verschrieen, seit der ersten Pro-\nduktion 1807 durch den genialen Franz Clement in\nWien, auf dessen Eigenthümlichkeiten (kurzer Bogen, Be-\nherrschung der höchsten Applicatur u. s. w.) der Meister\nRücksicht genommen, niemals wieder zum Vorschein ge-\nkommen ist.\nEine andere Bemerkung mag die Cadenzen in dem\nBeethoven'schen Concerte von Joachim's Erfindung betref-\nJen. Ich anerkenne mit Vergnügen ihren musicalischen Ge-\nhalt, aber was namentlich die zum ersten Satze betrifft,\nso ist Manches dagegen einzuwenden. Die Anklänge an\nden betreffenden Satz geben der Cader.z noch keinen\nWerth; die ganze Gestaltung dieser Improvisation\ndas soll nämlich cie Cac'er.z £ein mues zunächst im be-\nsten Einklänge mit dem Stilgepräge des Werkes stehen\nund den möglichsten Glanz entfalten. Die fragliche Ca-\ndenz entspricht diesen Anforderungen keinesfalls, ist noch\ndazu viel zu lang ausgesponnen. Wohl darf gefragt wer-\nden: Wie passt dieses gesuchte, düstere Accord-Geflechte\nmit dem erhabenen, zum Theil auch heiteren, gefälligen\nCharakter des Satzes zusammen? Bei jeder Seb. Bach'-\nschen Composition wäre es am rechten Platze.\nGerechte Bedenken wären noch zu erheben gegen das\nTempo des dritten Satzes. Der Componist schreibt bloss\n„Rondo\", ohne irgend einen Beisatz, der im Jahre 1807\nwahrscheinlich überflüssig gewesen. Die Bewegung wird,\nohne Verletzung des Charakters, ein gemässigtes Allegro\n(im Verstände der Classiker nämlich) nicht überschreiten\ndürfen. Das Tempo aber des Herrn Joachim ist ein ent-\nschiedenes Presto. Damit wird eine grossartige, der Ge-\nsammt-Charakteristik entsprechende Darstellung unmög-\nlich, der Satz läuft vielmehr in leichtfertiger Weise an uns\nvorüber, wie eine Composition aus' den jüngsten Tagen.\nDie Gesang-Novize Fräul. Ottilie Hauer hatte ne-\nben diesem \\ iolin-Heros einen gefährlichen Stand, doch\nhaben sich die neulich an ihr gerühmten Stimmmittel nun\nauch im grossen Räume trefflich bewährt. Bei weiterer\nBildung auf dem zu Wien eingeschlagenen Wege dürfte\nsie bald eine schätzenswerthe Acquisition für den Concert-\nsaal werden. Das Publicum spendete ihren Vorträgen recht\naufmunternden Beifall. Sie sang mit Herrn Bau mann\nvon der Oper ein Duett von Jos. Haydn von alter Fafon,\ndann noch Mendelssohn's schönes Lied „Suleika\". Herr\nBaumann traf an der zürnenden Diana von Franz Schu-\nbert keine passende Wahl, sang übrigens noch dieses dem\nhöheren Gesangstile angehörende Tonstück mit vielen un-\nrichtigen Accentuationen.\nDem Orchester unter Herrn Messer's Leitung war\neine würdige Aufgabe gestellt durch den Vortrag einer\nder am seltensten gehörten Sinfonieen von Haydn in\nmit dem obligaten Violoncell im Z>wr-Satze des Menuets.\nWelch wunderbarer Bau! welch reizvolles Werk über-\nhaupt! Leider nur zu kurz im ersten und besonders im\nvierten Satze. Herr Joachim dürfte auch Grund gehabt ha-\nben, mit dem Orchester ganz zufrieden zu sein, dessen\nLeistung im Viofin-Concert in jedem Betrachte des gross-\nten Lobes werth ist.\n\nA. Schindler."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-03-06-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-03-06_01#c006", "volume": "bmtnabi_1858-03-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "79", "page_fin": "80", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580306-01.2.6", "titre_corps": "Zur Nachricht.", "titre_sommaire": "Zur Nachricht.", "signature_source": "H. 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Die Bemerkung, den Verlag\nbetreffend, dürfte die Leser wenig interessiren und hat\nnur in so fern Bedeutung, als sie den Erklärungsgrund dazu\nahnen lässt, warum in dieser Zeitschrift zuweilen bittere\nPillen über Musiker aufgetischt werden; die werden wohl"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "80", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580306-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 664, "texte": "nicht für den Körner'sehen Orgel-Verlag wirken und also\nPüffe verdienen!! Was nun Engelhardt betrifft, der aus-\ngezeichnete Lehrgabe besass und sich bei der musicalischen\nAusbildung vieler Hundert Lehrer grosse Verdienste er-\nworben hat, so wollen wir nicht unterlassen, an dieser\nStelle hervorzuheben', dass Er für ewige Zeiten sich den\nDank vieler Menschen verdient hat durch die Bestimmung\nseines Testamentes, nach welcher die Hälfte seines erspar-\nten Vermögens, nämlich 4000 Thaler, dem märkischen\nLehrer-Gesangfeste zufällt, um aus den jährlichen Zinsen\ndie Kosten des Festes zu bestreiten. Wahrlich, das ver-\ndient zur Nachahmung empfohlen zu werden!\n\nH. 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Von grösseren Sachen, wobei\nder ganze Chor beschäftigt war, wurde der erste Theil des Mes-\nsias von Händel aufgeführt und das Neujahrslied von J. P.\nHebel, von F. Mendelssohn-Bartholdy für Chor componirt.\nDie Sopran- und Alt-Soli im Messias wurden von Fräul. Brenken\nund Frau Haus er gesungen. Erstere trug ausserdem noch zwei\nLieder von F. Schubert, letztere „Gretchens Gebet\" aus Faust\nvon M. Hauptmann vor. Von Kammermusik hörten wir Beetho-\nven's Violin-Quartett Op. 18, Nr. 2 (G-dur), durch die Herren Pe-\nchatscheck, Blumenstengel, Pfeiffer und Segisser, und Mozart's\nliebliches Quintett für Ciavier, Oboe, Clarinette, Horn und Fa-\ngott, durch die Herren Fuhr, Jaucken, Schwarz, Dorn und Hunkler\ntrefflich vorgetragen.\nIn dem dritten Concert wurde das Oratorium Samson von\nHändel aufgeführt. Bekanntlich enthält die in Deutschland gewöhn-\nlich gebrauchte Ausgabe nicht alle Nummern der Original-Partitur.\nVon den nicht aufgenommenen wurde bei der hiesigen Aufführung\nzwischen Nr. 1 und 2 ein Becitativ und Arie des Samson ein-\ngeschaltet; sie hat ebenfalls den Charakter wehmüthiger Betrach-\ntung: ~Warum hat einst ein Eugel mich meinem Vater verkündet\nwenn ich in Schmach vergehe? Schwermuth dringt bis in\nder Seele Tiefen\" u. s w."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-03-06-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-03-06_01#c008", "volume": "bmtnabi_1858-03-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "80", "page_fin": "80", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580306-01.2.8", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "80", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580306-01.1.8", "debut_caractere": 2016, "fin_caractere_exclue": 5198, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nI&olfll« In dem VI. Gesellschafts-Concert wurden der\nerste und zweite Theil der Jahreszeiten von Haydn (Solisten\nFräul. Deutz, Herr Göbbels und Herr Schiffer) und Beetho-\nven's Sinfonie Nr. VII. in A-dur aufgeführt.\nAuf dem Stadttheater hat Fräul. Marie Seebach aus Hanno-\nver zwei schöne Gastdarstellungen gegeben: Griseldis und Adrienne\nLecouvreur. Gegenwärtig hat Fräul. Fanny Janauscheck aus\nFrankfurt ihr Gastspiel begonnen und als „Deborah\" und „Königin\nElisabeth\" in Laube's Essex bereits grosse Erfolge errungen.\nIm nächsten Concert, Dinstag den 9. d. Mts., werden wir den\nberühmten Pianisten Alexander Dreyschock hören.\n** Hamburg. Fräul. Nina Hartmann, welche als drama-\ntische Sängerin so schnell eine so hohe Stufe erreicht hat, werden\nwir zu unserem grossen Bedauern verlieren. Sie tritt im April ein\nEngagement in Prag an, das sie unter mehreren ehrenvollen An-\nträgen vorgezogen hat.\nTOTien* Die Gesellschaft der Musikfreunde veröffent-\nlicht ihren Jahresbericht für das Verwaltungsjahr 1857. Danach wa-\nren die Einnahmen 19,790 Fl., die Ausgaben 18,287 FL; es verblieb\nsonach ein Cassarest von 156 L Fl. — Die Einnahmen des Conserva-\ntoriums waren 13,680 Fl., die Ausgaben 13 679 Fl. Die Verlänge-\nrung des früher von Sr. Majestät dem Kaiser bewilligten Staats-Bei-\ntrages jährlicher 3000 Fl. und des Jahres-Beitrages der Gemeinde\nmit 2000 Fl., beide auf weitere drei Jahre, wurde genehmigt. Die\ndurch den verstorbeneu Tonkünstler Karl Czerny der Gesellschaft\nzugewandte Erbschaft beläuft sich auf 14,000 Fl. in Bank-Actien\nund Staats-Obligationen.\nJLISIe. Die Societe de Sainte Cecile hat das dritte Jahr ihres\nBestehens durch eine musicalische Production gefeiert, die Zeugniss\nihrer ernsten Fortschritte gab. Dieselbe bestand aus Fragmenten\naus Neukomm's „Hymne an die Nacht\", Weber's „Euryanthe\", Men-\n„Elias\", Meyerbeer's „Prophet\", Händel's „Messias\", einem\n„O salutaris\" von Cherubini, der „Charite\" von Rossini, dem Kyrie\nder Beethoven'schen Messe in C, zwei kleinen Chören von Mendels-\nsohn und zwei von Steinkühler, Musik-Director der Gesellschaft.\nVieuxtemps concertirt in Philadelphia. Er hat in weniger als\nzwei Monaten 25 Concerte in America mit dem ausserordentlichsten\nErfolge gegeben.\nII e u t § e Ii e Tonhalle.\nVon den auf das dreizehnte Preis-Ausschreiben des Vereins ein-\ngekommenen dreizehn vierhändigen Orgel-Sonaten hat die des Herrn\nGustav Merkel in Dresden den Preis zuerkannt erhalten. Beson-\nders belobt wurde voraus die Sonate, deren Verfasser nicht genannt\nsein will, sodann die eines Ungenannten und die Werke der Herren\nEduard Guth hier, A. Helfer in Gera und Dr. Wilh. Volck-\nmar in Homberg; belobt wurde das Werk des Herrn Friedrich\nLux in Mainz.\nDie erwählten drei Herren Preisrichter, welche die Beurtheilung\nder sämmtlichen dreizehn Sonaten gefälligst übernommen hatten,\nwaren Herr Professor Dr. F a i s t in Stuttgart, Herr General-Musik-\nDirector F. Lachner in München und Herr Hof-Capellmeister V.\nLachner hier.\nDie Bewerbungen können nur auf unmittelbares und postfreies\nVerlangen an den Schriftführer der Tonhalle ihren Verfassern zu-\nrückgesandt werden.\nMannheim, Februar 1858. Der Vorstand."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "73", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580306-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nFriedrich Kühmstedt. Eine biographische Skizze. 11. Von L. M. Nachtrag. Zur Geschichte der Hoftheater in\nWien. Aus Frankfurt am Main (Joachim). Von A. Schindler. Zur Nachricht (Engelhardt's Testaments-Verfügung für das märki-\nsche Musikfest). Von H. K. Aus Karlsruhe. Tages- und Un terh al tun g sbl att (Köln, VI. Gesellschafts-Concert, Marie See-\nbach, Fanny Janauscheck, Alexander Dreyschock Hamburg, Nina Hartmann Wien Lille Vieuxtemps Deutsche Tonhalle).\n\nFriedrich Kühmstedt.\nEine biographische Skizze.\n\nII.\n(I. s. Nr. 9.)\nUeber die angenommene Stelle hatte er sich getäuscht.\nEr war nicht geschaffen, den Elementar-Unterricht in der\nMusik und dem Gesänge zu geben; er eignete sich nicht\ndazu, der Führer eines Chors zu sein. Ausserdem brachte\nihm seine Stelle nur eine kärgliche äussere Existenz und\nnahm ihm beinahe seine ganze Zeit auf die seiner inner-\nsten Neigung entgegengesetzte Weise ein. Auch ein häus-\nliches Glück sollte ihm fürs Erste versagt sein. Seine Braut\nstarb, noch ehe die Hochzeit sein konnte, an der Auszeh-\nrung in seinen Armen. Aus Pietät behielt er die Mutter,\nwelche die einzige Stütze in der Tochter verlor, bei sich,\neine sehr wenig liebenswürdige Frau, die er dennoch mit\nder grössten Geduld bis an ihr Ende pflegte. Inmitten aller\ndieser Widerwärtigkeiten entstanden trotzdem einige der\ngediegensten Compositionen, unter anderen Orgelstücke,\nreich und neu an Inhalt, Choräle, die noch jetzt im Munde\ndes Thüringervolkes leben und ihn, der den eigentlichen\nPriesterstand zurückgewiesen, als würdigen Priester im\nReiche der Töne bekunden. Ausserdem gab er noch meh-\nreren Schülern privatim in der Theorie der Musik Unter-\nricht. Indem er einem derselben einmal seine Sätze corri-\ngirt, stellt dieser die Frage: „Ja, warum klingt nun das,\nwie Sie es schreiben, so schön, und das Meinige so schlecht,\nauch wenn es dem Gesetze nach richtig ist?\"\nKühmstedt, bisher noch allein in der Composition dem\nDrange seines Genius folgend, lässt dieses „Warum\", auf\nwelches er dem Schüler die Antwort schuldig bleiben\nmuss, seitdem keine Ruhe. Er beginnt tiefere Studien, da\ner keine genügende Antwort in allen den Compositionsleh-\nren findet. Die Gesetze des Schönen in der Musik müssen\nin ihren Grundzügen dieselben sein, wie die in den ande-\nRen Künsten. Er beginnt Philosophie zu studiren, schafft\nsich bei seinem kärglichen Gehalt die bedeutendsten Werke\naus den verschiedenen philosophischen Systemen an, die\ner Tag und Nacht durchdenkt und mehr mit seiner schö-\no\npferischen Phantasie durchdringt, als mit dem abstracten\nVerstände. Keines genügt ihm, alle geben ihn nur dem\nZweifel an irgend etwas Positivem hin. Er, der noch im-\nmer seinen Compositionen, besonders den kirchlichen, die\nhöchste religiöse Weihe einhaucht, er, dessen Lieder an\nInnigkeit und Zartheit und dabei an Tiefe sich den besten,\nwelche jemals geschrieben wurden, anreihen, gilt eine\nZeit lang selbst im Publicum für einen Gottesläugner. So in\nBahnen geworfen, für die er als phantasie- und gefühl-\nvoller Künstler trotz alles Genies die rechte Befähigung\nnicht besitzt, arbeitet er sich endlich dennoch glücklich so\nweit durch, um für seine Theorie der Musik wenigstens\neine klarere Leuchte zu erhalten, und die Musik wird ihm\nzugleich zur Offenbarerin, zum Spiegel des Weltgesetzes\nund des göttlichen Hauches, der dasselbe durchdringt. Aus\ndem Tone, diesem wunderbaren, von allem Irdischen sich\ndem höheren Geisterreiche am ersten nähernden Wesen,\nentsteht nach Kühmstedt der Dreiklang, und er, und nicht\ndie Tonleiter, wie die früheren Theoretiker meinen, ist\ndie Grundlage der Musik, aus welcher der musicalische\nGedanke geboren wird. Gleich dem Samenkorn in der\nErde und den Accorden allen aus dem Dreiklang entfaltet\nsich dieser Gedanke in dem Kunstwerke in immer schö-\nnere Zweige, Blätter undßlüthen, die in die Unendlichkeit\ndes Daseins hinausstreben und doch wieder sich begränzen\nzu einem Ganzen. Das musicalische Kunstwerk aber soll\nnicht bloss Gefühle erregen und in einem unklaren Schwe-\nben uud Schwimmen derselben entzücken, es soll wie je-\ndes andere Werk in den schönen Künsten den ganzen\nMenschen ergreifen und alle Kräfte der Seele in inniger\nHarmonie vereinigen, und somit befriedigen und bese-\nligen."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "74", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580306-01.1.2", "texte": "Kühmstedt erfand eine neue, einfachere und klarere\nUnterrichts-Metliode im Generalbass, von der alle seine\nSchüler begeistert sind, namentlich die gebildeteren, denen,\nwie sie versicherten, dadurch Geist und Gemütli in über-\nraschenderweise nicht bloss für die Musik, sondern über-\nhaupt in rein menschlicher Beziehung höher gehoben\nwurde. So wenig Kühmstedt jemals ganz klar in dem Ge-\nbiete der Philosophie an und für sich die Ergebnisse sei-\nnes Forschens kund geben konnte, so licht wurde er, wenn\ner sie in Verbindung mit der Musik brachte. Nicht nur\nwusste er seine Lehre den einfachen Bauernsöhnen im\nSeminar trotz der Vergeistigung dieser theoretischen Ge-\nsetze, oder vielleicht eben desshalb, klar zu machen, son-\ndern auch Kindern von zwölf Jahren konnte er sie anpas-\nsen, wenn sie nur überhaupt musicalisches Talent hatten.\nSonderbarer Weise aber wurde es bei einem so abstrac-\nten Unterrichte, wie der in der Theorie der Musik, gerade\nden verständigen, rellectirenden Naturen am schwersten,\nihm zu folgen, und er hat oft geäussert, er könne diesel-\nben nur bis zu einem gewissen Punkte bringen, dann wäre\nAlles aus. Ein Beweis, wie sehr Poesie, Gefühl und Phan-\ntasie Antheil an seiner philosophischen Anschauung hatten,\nund wie Kühmstedt als echter Künstler zum abstracten\nDenker keineswegs geboren war. Dennoch übten diese\nangestrengten Studien wohl nicht immer den wohltätig-\nsten Einlluss auf sein künstlerisches Schaffen aus, indem\nsie ihn einestheils bei der ihm kärglich zugemessenen Zeit\nstörten, anderenteils auf dessen Gestaltung wohl durch\ngrössere Gediegenheit, aber auch schwereres Verständniss\neinem weiteren Publicum gegenüber einwirkten.\nDem ist auch wohl zuzuschreiben, dass sein Oratorium\n„Des Heilandes Verklärung\", in Weimar, Kassel,\nLübeck und anderen Orten zur Aufführung gelangend,\nden allgemeinen begeisterten Antheil im grösseren Publi-\ncum nicht erfuhr, den es nach dem Urtheil der Kunst-\nkenner seiner originellen, durchbildeten Form, seiner kla-\nren Herausstellung des musicalischen Gedankens und vor\nAllem seiner erhabenen Andacht gemäss verdient. Drei\nSinfonieen kamen in Kassel ebenfalls zur Aufführung,\nund hatten eben so wenig dem Componisten die\nLiebe im grösseren Publicum zu erringen, die ihm so not-\nwendig war und welche sein Herz ersehnte. Unbegreiflich\naber ist es, dass seine kleineren Musikstücke und\nLieder, die an Tiefe und Innigkeit der Empfindung und\nan edler Leidenschaft denen der grössten Meister keines-\nwegs nachstehen, keine grössere Verbreitung gefunden\nhaben. Jedes fühlende Herz kann sie verstehen, so wie\ndenn jeder, der sie nur einmal hörte, sich tief davon er-\ngriffen gefühlt hat. Es ist das wieder theils seinem Miss-\ngeschick zuzuschreiben, das ihn immer gerade da verfolgte,\nwo sein Genius die ihm gemässeste Bahn einschlug, theils\nseiner Ungeschicklichkeit, sich selbst und seine Productio-\nnen bekannt zu machen. Eben so hat Kühmstedt Kinder-\nIi oder von Kletke componirt, die in wenigen Tönen die\nliebenswürdigste Anmuth und Naivetät, ja, zuweilen die\nkindlichste Heiterkeit, und dann wieder Frömmigkeit\nathmen.\nDie Sonate, welche er für den Virtuosen Liszt nach\neinem ihm gegebenen Thema schrieb, ist nach dem Ur-\ntheil der Künstler reich an den wunderbarsten Combina-\ntionen, an Entwicklung der Stimmen und Hereinziehen des\nContrapunktes in die Forderungen des heutigen Virtuosen-\nthums. Einige Sonaten stehen an Schönheit und Tiefe des\nGedankens denen Beethoven's gleich, unter anderen eine,\nin welcher zwei Principe, ein liebliches und anmuthiges\nund ein leidenschaftliches, dämonisches, sich bekämpfen,\nvon denen das letztere den Sieg erringt. Kühmstedt liebte\nes in der letzteren Zeit, zwei Themata in grösseren Sachen\nkämpfen zu lassen. Seine letzte Arbeit war ein grosses\nOrgel-Concert, in welcher Composition ihm Melanch-\nthon und Luther vorgeschwebt hatten. Sein erstes bedeu-\ntendes Werk hinsichtlich der Kirchenmusik war eine Vor-\nschule zu Bach, in welcher die schwierigsten Formen\ndem Gemüthe zugänglich gemacht werden, dann die Kunst\ndes Vorspiels, worin das Princip seiner Theorie zur Gel-\ntung kommt. In den meisten seiner Werke spricht sich\nsein Talent zur dramatischen Musik aus, wie es denn eine\nZeit lang sein grosser Wunsch war, es noch einmal mit\neiner Oper zu versuchen. Einmal aber, vielleicht durch\nSchuld des verkehrten Textes, nicht reussirend und da-\ndurch wählerisch geworden, verwarf er mehrere für ihn\nbearbeitete Stoffe und äusserte einmal, er würde zehn Jahre\nvon seinem Leben für einen guten Opern-Text geben,\ndessen Ideal er in der Seele trüge. Für die Composition\neiner Oper wäre ihm auch der Aufenthalt in einer kleinen\nStadt, in zum Theil drückenden Verhältnissen, wo er bei-\nnahe niemals etwas Gutes hörte, nicht günstig gewesen.\nSich ewig aus diesen Verhältnissen und dieser Stadt\nhinwegsehnend, vermochte er für eine bessere Lebens-\nstellung theils aus Künstlerstolz, theils aus Mangel an\nWeltklugheit weder selbst energisch zu wirken, noch An-\ndere zu veranlassen, für ihn sich zu verwenden. Einen\nlluf nach Paris an das Conservatorium musste er aus Man-\ngel an Sprachkenntniss ausschlagen, ein anderer Plan für\nHeidelberg in derselben Stellung scheiterte an einer Partei,\ndie ihm entgegen trat. Zwei Jahre nach dem Tode seiner\nBraut machte er eine andere Bekanntschaft in dem Hause\nseiner einzigen Gönnerin, der Freifrau von Bechtolsheim.\nDie geistreiche Dichterin wusste seine Genialität und sei-\nnen dem Höchsten und Tiefsten zustrebenden Geist z:"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "75", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580306-01.1.3", "texte": "erkennen und werth zu schätzen. Er verlobte sich bei ihr\nmit einem einfachen, aber gemüthlichen Mädchen,, das ei-\nerst nach acht Jahren heirathen konnte, und das sich wäh-\nrend ihres Brautstandes und ihrer zehnjährigen Ehe der\naufmerksamsten, stets sich gleich bleibenden Zärtlichkeit\nzu erfreuen hatte, die sie die oft sehr beschränkten Ver-\nhältnisse vergessen machte.\nSeit mehreren Jahren hatte er einige der dienstlichen\nGeschäfte, die ihm am widerwärtigsten waren und ihn\nam meisten störten und abspannten, aufgegeben und dage-\ngen auswärtige Schüler angenommen, welche er in der\nhöheren Theorie der Musik- und Compositionslehre unter-\nrichtete. Diese sind nicht nur von dem Unterricht des Mei-\nsters mit der seltensten Begeisterung erfüllt, sondern auch\nvon seinem persönlichen Umgange. Wirklich war es auch\netwas Erquickliches, das ideale Verhältniss zwischen dem\nLehrer und seinen Schülern zu beobachten. Beinahe un-\nzertrennlich in den Erholungsstunden mit ihm sowohl auf\nSpazirgängen als im häuslichen Kreise vereinigt, schien\nihnen jede Stunde verloren, die sie nicht an seiner Seite\nzubrachten. Ein Bild aus dem alten Griechenlande, ein So-\nkrates oder Plato unter seinen Zöglingen der Weltweis-\nheit, schien auf deutscher Erde in unserem materiellen\nZeitalter sich zu wiederholen. So schroff und zurückhaltend\nKühmstedt den Entfernterstehenden erschien, so liebens-\nwürdig war er bei näherem Umgange. Deutsche Herz-\nlichkeit und Biederkeit fand man in seinem Hause, und\nder Hauch seines Genius wusste dem Gewöhnlichsten eine\nWeihe zu geben. Eine Stunde bei ihm war geistig in ho-\nhem Grade anregend und zugleich gemüthlich befriedigend.\nAber sein nach Anerkennung und Liebe strebendes Herz\nkonnte es nicht überwinden, dass dieses immer nur ein\nkleiner Kreis war; und doch hinderten ihn auch hinsichtlich\neiner weiteren Geselligkeit sein Mangel an praktischer Le-\nbenskenntniss und sein edler Künstlerstolz.\nUnser alles Grosse und Schöne anerkennender Gross-\nherzog zeichnete ihn öfters aus, so wie auch die Grossher-\nzogin, eine mit dem tiefsten Verständniss für Musik be-\ngabte Dame, welche selbst vortrefflich spielt, ihn von Her-\nzen werthschätzte. Es war einmal die Bede von einem\nConservatorium, das Kühmstedt mit Liszt begründen sollte.\nIn unserem kleinen Lande mochte diese Idee an dem Ko-\nstenpunkte scheitern.\nSich mit Besignation zuletzt in seine einfache, gedrückte\nLebensstellung findend, hatte der Verstorbene nur noch\nEinen Wunsch: durch die Verwirklichung eines grossen\nschriftstellerischen Werkes, „Die Theorie der Musik\",\nwohltätig und zum Theil reformirend für den oft in unse-\nrer Zeit misshandelten Geist der Musik zu wirken und zu-\ngleich alle seine Erfahrungen in einer besseren Unterrichts-\nweise der Composition niederzulegen. Er hatte zehn Jahre\nlang die umfassendsten und tiefsten Studien dazu gemacht,\nan mehreren Orten Vorträge darüber gehalten. Einen\ngrossen Theil der Arbeit als ungenügend wieder vernich-\ntend, wollte er nun in diesem Winter das Werk vollenden.\nDa begann im Herbste eine sehr schmerzhafte Krankheit\nihn zu jeder Beschäftigung unfähig zu machen. „Beten Sie\nfür mich, dass ich gesund werde und nur mein Werk erst\nschreiben kann, ehe ich sterbe\", sagte er zu einer Freun-\ndin. Auch dieser Wunsch sollte ihm nicht erfüllt werden.\nNach unsäglichen Schmerzen schlief er, in den letzten Ta-\ngen davon befreit, sanft ein, mit einem Blicke der Liebe\nauf seine trostlose Gattin. Der einzige Trost war ihm der\nGedanke der Unsterblichkeit, an welcher er unter allen\nanderen religiösen Zweifeln, die er indess in den letzten\nJahren überwunden, festgehalten hatte. Seine Schüler\nwerden seine Unterrichtsweise vielleicht jetzt in weiteren\nKreisen verbreiten, wozu einer derselben, Scheffer, durch\ndie Verwendung des edlen Spohr am münchener Conser-\nvatorium die beste Gelegenheit hat. Ein anderer, Namens\nO 7\nMüller, wird es vielleicht unternehmen, die Theorie der\nMusik zu schreiben, da er am klarsten und begeistertsten\nin seine Ideen eingedrungen ist und dem Meister im Leben\ngleich einem theuren Sohne nahe stand. So möge denn\nnicht verloren sein, was sein Geist geschaffen, geschaffen\nunter den ungünstigen Verhältnissen, die einen anderen,\nweniger reichen Genius vielleicht an allem Bedeutenden\ngehindert haben würden.\n\nL. M.\n\nNachtrag.\nWir fügen hier noch eine Erinnerung an die Ton-\nkünstler-Versammlung zu Leipzig am 26. Juli 1849 zu\n(s. Neue Zeitschrift für Musik, Band XXXI., Nr. 24). Was\nKühmstedt dort in Bezug auf die Laufbahn eines jungen\nMusikers bemerkte, sprach er wohl zunächst und allermeist\naus eigener trauriger Erfahrung heraus, und es mag dess-\nhalb hier noch eine Stelle finden.\nNach Beendigung des Vortrags von Brendel über die\nFrag0, wer vorzugsweise sich bei der Kritik betheiligen\nsolle, über das Verhältniss des Kritikers und des Künstlers,\nsprach Kühmstedt u. A.: Kritisiren, recensiren heisse nichts\nweiter, als den Werth eines Kunstwerkes bestimmen. Es\nsei nicht zu zweifeln, dass sowohl der Künstler als der Kri-\ntiker als solcher zur Kritik berechtigt sei. Die Frage, wie\nsich Beide zu einander verhalten sollen, werde sich erge-\nben, sobald man die bisher gemachten Erfahrungen in Be-\nzug auf die Laufbahn Beider gegen einander stelle. Der\nKünstler, in seiner Jugend durch irgend einen Meister an-\ngeregt, fühle den Drang in sich, in dessen Weise etwas\nzu schaffen: der Beiz, den ein Werk auf ihn ausübe, er-\nrege ihn zu ähnlichen Schöpfungen. Was er erzeuge, gehe"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "76", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580306-01.1.4", "texte": "aber nicht aus Bewusstsein über die Sache, sondern aus\nblossem Naturtriebe hervor. Dann komme er zu einem\nMeister, lerne eine Masse Regeln, die er nicht brauchen\nkönne, die entweder nur halb wahr oder gar nicht wahr\nseien; er werde von fremden Gedanken gemästet, ohne gei-\nstig selbstthätig zu sein. Nun schreibe er nach dem, was\nin ihn hineingepfropft worden; eingedenk des guten Ra-\nthes, er müsse fort und fort die alten Meister studiren, be-\nlleissige er sich, sie nachzuahmen, und gebe so fremde Ge-\ndanken wieder. Da komme die Kritik und mache dem\nKünstler den Kopf verdreht; sie fordere ihn auf, etwas\nAnderes, etwas Neues zu geben. Jetzt frage er sich, wie\ner dies anfangen solle. Doch stehe er verlassen da; denn\nkeinen Wink habe ihm die Kritik gegeben, um aus sich\nselbst etwas zu schaffen. Ueberzeugt nun, dass er das nicht\nmachen solle, was die Meister vor ihm gemacht, studire\ner Hegel, Schelling, Vischer, Rüge, und wie die Geister\nalle heissen. Da erfahre er, die Kunst solle das Wesent-\nliche darstellen, oder das Göttliche in einer bestimmten\nForm, oder die Wahrheit; jeder der Philosophen antworte\nihm anders über das Wesen der Schönheit. Aber er er-\nfahre nicht, wie er diese Sentenzen auf die besondere\nKunst anzuwenden habe, und bleibe hinsichtlich seines\nSchaffens so klug, wie vorher! Wie stehe es mit dem\nKritiker? Der denke: wenn du nur Phrasen machen kannst\nund allenfalls etwas Hegel studirst, so bist du ein gemach-\nter Mann ; von der Sache, von dem Organismus eines Kunst-\nwerkes verstehe er nichts. Da sehe es sehr schlimm aus;\nlauter Phrasen begegne man, der Kritiker wisse nichts,\nweil er die Technik nicht kenne. Jetzt, da wir zu die-\nsem Bewusstsein über die Sache gekommen, müsse der\nvom Vorsitzenden angegebene Weg eingeschlagen werden,\nder Kritiker müsse Hand in Hand mit dem Künstler und\nin die Sache seihst eingehen.\nDörffel fragte, wo die Kritiker seien, von denen man\nso bestimmt behaupten könne, dass sie dächten, mit blos-\nsen Phrasen sei Alles abgethan. Wolle man, dass der\nKünstlet mit dem Kritiker Hand in Hand gehe, wolle man\nein gemeinschaftliches Wirken Beider, so müsse man vor\nAllem dergleichen Vorurtheile, als sei der Kritiker jeder\nBestrebung, das Höchste zu erfassen, verlustig, beseitigen\nlernen, und diesem nicht so ohne Weiteres eine Einbildung\nund Beschränktheit unterschieben, die gleich von vorn\nherein-jede Einigung unmöglich mache - Kühm-\nstedt: Sie haben mich missverstanden Dörffel:\nNein, nein! ich halte mich an Ihre Worte! Kehm-\nstedt: Ich gebe zu, dass die jetzige Kritik ein neues und\nschönes Streben offenbart; doch verschmähen es die Kri-\ntiker, in die Technik, in den Organismus des Kunstwerkes\neinzugehen, und lassen es bei philosophisch-ästhetischen\nRaisonnements bewenden *Das ist grösstentheils bis jetzt\nnoch der Fall. W ir sehen desshalb, dass sich die Künstler\nvon der Kritik abwenden. Und wahr ist's, die meisten Kri-\ntiker, mit wenigen achtbaren Ausnahmen, haben nicht die\nStudien gemacht, die der Künstler gemacht hat. —Bren-\ndel: Man kann das in gewissem Sinne zugeben; da aber\nnoch Keiner existirt hat, der beide Seiten, Tondichtung\nund Philosophie, in gleicher Weise vollständig umfasste,\nso folgt eben daraus, dass Künstler und Kritiker sich eini-\ngen, einander in die Hände arbeiten müssen. Kühm-\nstedt: Diesen Standpunkt der Kritik erreichen wir nicht\neher, als bis wir so weit sind, dass der praktische Künst-\nler auch Philosoph, und der Kritiker nicht bloss Philosoph,\nsondern auch praktischer Künstler ist. [?] Später äus-\nsert Kiihmstedt, er habe nur andeuten wollen, dass die\ngrosse Zahl der Künstler zu keinem klaren Bewusstsein\nkomme, wonach der Werth des Kunstwerkes bestimmt\nwerden könne, nur sagen wollen, dass die grosse Zahl der\nKritiker sich nicht um das Technische bekümmert habe\nu. s. w.\n\nZur Geschichte der Hoftheater in Wien\n**).\nDie Liebe zur Tonkunst ging von Kaiser Maximi-\nlian I. auf seine Nachfolger über; eine ganze Reihe von\nKaisern zeichnete sich dadurch aus und machte Wien zum\nMittelpunkte der prachtvollsten Opern-Aufführungen.\nKaiser Leopold war nicht nur ein Freund und Be-\nförderer der Tonkunst, er war selbst ein tüchtiger Musi-\nker. Er hatte den P. Kirchner eigens von Rom verschrie-\nben, um bei ihm den Contrapunkt zu studiren. Der Kaiser\ncomponirte Oratorien, Opern, Komödien und viele einzelne\nMusikstücke. In der Hof-Bibliothek befinden sich die Ma-\nnuscripte von acht Oratorien, Hymnen, Motetten, Opern,\nKomödien und zahlreiche Einlagen zu den Opern Anderer.\nEs wurde eine ansehnliche Capelle unterhalten; sie zählte\n1 Capellmeister, 1 Vice-Capellmeister, 3 Compositores,\n5 Organisten, 34 Sänger, 41 Instrumentalisten.\nBei der Aufnahme eines Mitgliedes prüfte der Kaiser\nselbst, eben so auch die Opern, welche zur Aufführung\nvorgeschlagen wurden. Während der Vorstellung hatte der\nKaiser stets die Partitur vor sich. Es durften nur italiäni-\n\n*) Es ist jedenfalls auffallend, dass Kiihmstedt auf obige Weise\nüber die Kritiker abspricht, da er doch nach seinem eigenen\nGeständnisse in Eisenach nicht einmal eine musicalische Zei-\ntung halten konnte. AVahrscheinlich hatten jene Aeusserungen\neine Beziehung. Die Redaction.\n**) Aus einem grösseren Werke unter diesem Titel bringt die\nWiener Monatschrift für Theater und Musik einen Ab-\nschnitt über „das erste Theater am Kärnthnerthor\", dem wir\nObiges auszugsweise entnehmen. Die Redaction."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "77", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580306-01.1.5", "texte": "sehe Opern gegeben werden, und dieser Vorliebe ist es\nwohl zuzuschreiben, dass die deutsche Oper auch an allen\nanderen deutschen Höfen erst fast ein Jahrhundert später\nEingang gefunden hat, während sie schon zu Ende des\nsiebenzehnten Jahrhunderts durch ihren Gründer Rein-\nhard Keys er in Hamburg mit „Basilius\" 1694 und „Is-\nmene\" 1698 zu erblühen begann. Diese Vorliebe war\nbei den Kenntnissen und dem feinen Geschmacke des Kai-\nsers sehr begreiflich, da die deutschen Sänger den italiäni-\nschen sehr nachstanden.\nDie Kaiserin Margarita Teresa liebte die Musik\nnicht; sie liess sich oft ihren „Neh-Rehm\" in die Loge\nbringen, ohne einen Blick auf die Bühne zu werfen. Da-\ngegen liebte die Kaiserin Claudia Felicitas, in den Opern\nAnspielungen auf die Schwächen des Hofes anbringen zu\nlassen; sie verschonte selbst den Kaiser nicht, besonders in\nder im Carneval 1674 am Hofe auf geheimer Schaubühne\ngegebenen Oper „La lanterna di Diogene\" DT. p. mus.\nin drei Acten, Text von Minato, Musik von Draghi, Ballet\nvon Ventura, Decorationen nach Angabe von Burnacini. Im\ndritten Acte ist eine Arie von Kaiser Leopold eingelegt.\nWir wollen hier besonders des Capellmeisters Antonio\nDrashi wegen seiner fast unerreichten Fruchtbarkeit er-\nO O «\nwähnen, indem dieser Componist in dem von uns zusam-\nmengestellten, zwei Jahrhunderte umfassenden Repertoire\nder Hof-Oper mit 156 dramatischen Werken erscheint,\nwelche für Wien geschrieben und auch da aufgeführt wor-\nden sind. Sic beginnen 1663 mit „L'Oronisba\", zu wel-\ncher Draghi auch das Textbuch verfasst hat, und schlies-\nsen am 8. November 1699 mit Text von\nCupeda, Ralletmusik von HofFer, welche Oper am Geburts-\ntage der Erzherzogin Maria, Tochter des Königs, nach-\nmaligen Kaisers Joseph 1., auf Befehl des Kaisers darge-\nstellt worden ist.\nDieser Componist hatte an Minato, k. Holpoe-\nten, einen eben so unerschöpflichen Textdichter gefunden.\nDenn von der „ Atalante\" bis zum „Muzio Scevola\" hat\nderselbe 110 Textbücher für Wien geschrieben.\nKaiser Joseph I. war dem Kaiser Leopold gefolgt.\nAuch dieser Fürst besass gründliche Kenntnisse in allen\nZweigen der Kunst. Er spielte Ciavier, blies die Flöte, ver-\nmehrte und vervollkommnete die Capelle. Auch in der\nTanzkunst hatte er es zu einem hohen Grade der Ausbil-\ndung gebracht. Sein Tanzmeister war Brunian, ein Schwede.\nEs wurde viel auf das Ballet verwandt, und der Kaisei\nproducirte sich darin, selbst schon Regent, in den Vor-\nstellungen am Hofe.\nIm Jahre 1706 liess der Kaiser auf der anderen Seite\ndes jetzigen Josephsplatzes, dort, wo gegenwärtig die Re-\ndoutensäle stehen, zwei Theater durch die Gebrüder Bi-\nbiena erbauen, ein kleines, bestimmt für die t estlichkeiten\nbei Hofe, für die italiänischen Komödien im Carneval und\nfür die Edelknaben-Komödien, und ein grosses Holtheater,\nzur Aufführung ernsthafter, italiänischer Opern, welches\ndas grösste und schönste seiner Zeit war, und das an\nPracht der Ausschmückung, der Decorationen,- der Co-\nstume und der Maschinerieen alle gleichzeitigen übertraf.\nDie Malerei des Amphitheaters allein kostete bei 100,000\nFl. Der Marchese Santa Croce, ein grosser Musikkenner,\nward zum Oberleiter desselben ernannt.\nDer im Jahre 1 / 08 begonnene Kau des Theaters am\nlvarnthnerthor, den der Stadtrath ausführte, war im darauf-\nfolgenden beendet. Es ist ursprünglich von der Stadt der\nitaliänischen Burlesca gewidmet worden. Conte l'ecori war\nder erste Pachter, Calderoni, Sebastien, Scio und 1/I*2\nRistori folgten einander daselbst mit ihren Truppen.\nJedoch im Februar 1713 wanderte Stranitzky aus\nseiner Bude auf dem Neumarkt, vereint mit den Deutschen\naus der Teinfaltstrasse, in das Kärnthnerthor-Thcater hin-\nüber. Stranitzky zahlte in den ersten drei Jahren an Pacht\nin den sieben Sommermonaten monatlich 50 Fl., in den\nfünf Wintermonaten monatlich 60 Fl., und war gehalten,\nauf Grund der Verordnung vom 14. Juli 1671, nach wel-\ncher Komödien, Glückshäfen und dergleichen zur Erhal-\ntung des Zuchthauses in der Leopoldstadt beizutragen hat-\nten, ein Fünftel seiner Einnahme dorthin abzuführen. Das\nKärnthnerthor-Theater hat also von je her zur Yerbesse-\nrung der Sitten beigetragen.\nDer Hof liess dieses Theater unbeachtet. Erst Prehau-\nser, ein Sohn des Hausmeisters bei den drei Laufern, der\nStranitzkv's Rollenfach übernommen hatte, lockte ihn an.\nIm Jahre 1737, in demselben Jahre, in welchem der Hans-\nwurst von Gottsched und der Neuberin zu Leipzig verbrannt\nwurde, hatten die deutschen Schauspieler zum ersten Male\ndie Ehre, vor dem Hole in Mannersdorf zu spielen. In\nSchönbrunn spielten sie zum ersten Male am 1/. Septem-\nber 1767 den „Geburtstag\" von Heufeld und „Die Wirt-\nschafterin\"; in Laxen bürg im Jahre 1/71 „Den Postzug\nund „Den dankbaren Sohn'- von Engel.\nUm desto begünstigter war die Oper. Nach dem am\n17. April 1711 so früh dahingeschiedenen Kaiser Joseph\nI. hatte Kaiser Karl VI. den Thron bestiegen. Auch dieser\nFürst war ein grosser Musikfreund und Musikkenner. Fuchs,\nder Autor des Gradus ad Parnassum, war sein Lehrer im\nContrapunkt, Caldara, der vom Jahre 1716 bis zum Jahre\n1736 zweiundfünfzig Opern im Hoftheater aufführen liess,\nwar es in der modernen Composition.\nDas musicalische Gehör des Kaisers war berühmt. Ls\nentging ihm kein Fehler in der Ausführung. Bei der drit-\nten Vorstellung der Oper „Elisa\", Text von Pariati, Musik"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "78", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580306-01.1.6", "texte": "von Fuchs, welche zum ersten Male am 28. August 1719\nzum Geburtsfeste der Kaiserin Elisabeth in der Favorita\ngegeben wurde, war der Kaiser so sehr von der Musik ent-\nzückt, dass er sich an das Ciavier setzte und die ganze Oper\ndurch accompagnirte. Fuchs, der hinter dem Kaiser stand\nund ihm umblätterte, war von der Geschicklichkeit des Kai-\nsers so hingerissen, dass er laut ausrief: „Bravissimo! Ew.\nMajestät könnten meine Stelle ganz gut einnehmen!\" „Ich\ndanke, mein lieber Capellmeister, für die gute Meinung,\"\nerwiderte der Kaiser, „ich bin schon mit der meinigen\nzufrieden.\"\n*\nBekannt ist, welchen günstigen Einfluss die Rathschläge\ndes Kaisers auf Farinelli ausgeübt haben. Dieser berühmte\nSänger kam dreimal nach Wien, 1724 mit Porpora, 1728\nund 1731. Als der Kaiser ihm einst accompagnirte, be-\nmerkte er ihm, wie sehr der Gesang noch gewinnen würde,\nwenn er ihn weniger mit langathmigen Verzierungen über-\nladen wollte. Diesen Rath beherzigte Farinelli, und von\njener Zeit rührten die ergreifenden Eindrücke her, die die-\nser Künstler mit seinem getragenen Gesänge hervorbrachte.\nDiese Pflege der Musik erstreckte sich auch auf die\nanderen Mitglieder der kaiserlichen Familie. Die Erzher-\nzoginnen erhielten Ciavier- und Gesang-Unterricht von\nWagenseil und Nancini.\nAlljährlich am 4. November, am Namenstage des Kai-\nsers, kam auf Befehl der Kaiserin im grossen Theater, und\nan jedem 28. August, dem Geburtstage der Kaiserin, kam\naul Befehl des Kaisers im Theater der Favorita eine neue\neigens componirte Oper mit der prachtvollsten Ausstattung\nzur Aufführung. Diese Opern wurden nur 2—3 Mal ge-\ngeben. Der Hof wohnte stets den letzten Proben bei.\nDie mise en sceneeiner solchen Oper kostete 50-\n00,000 Fl. Die Costume waren aus Sammt, Seide und\nreich mit Gold und Silber gestickt; selbst das Orchester-\nPersonal erschien in glänzenden Anzügen, und weder die\nOpern-Vorstellungen in Paris, noch jene in London konn-\nten damals hinsichtlich der Vocal-und lustrumental-Musik,\nder Costume und Decorationen einen Vergleich mit jenen\nder kaiserlichen Hoftheater aushalten.\nDer jährliche Etat der Oper betrug beiläufig 200,000\nFl., darunter für die Capelle 43,000 Fl. Diese zählte 1\nHof-Capellmeister, Fuchs; 1 Vice-Capellmeister, Caldara;\n3 Compositores, Badia, Francesco Conti, Porsile, und für\ndie Balletmusik Matheis und Holzbauer; 3 italiänischc Hof-\nPoeten, Stampiglia, Zeno, Pariati, später Pasquini und Me-\ntastasio, und einen Deutschen, ProkofF; 34 Sänger und 8\nSängerinnen, 1 Concertmeister nebst einem Adjuncten, 32\nSaiten-Instrumentalisten nebst 2 Theorbisten, 1 Gambisten,\n1 Lautenisten, 5 Hautboisten, 5 Fagottisten, 4 Posaunisten,\n1 Hornisten, 13 musicalische Trompeter, 1 Heerpauker.\nBalletmeister waren Levassori della Motta und Philibois,\nDirector der Oper war Fürst Pio. Das Ganze unterstand\ndem Obersthofmeister-Amte. Dem Hofküchen-Departement\nwaren ein eigener Musicanten-Tafeldeeker nebst zwei Ge-\nhülfen zugetheilt. Eines edleren, von wahrer Kunst-Vereh-\nrung zeugenden, rührenden Brauches müssen wir noch\ndankbar gedenken. Von allen Hofbediensteten waren es\ndie Musici allein, die, selbst schon in den Ruhestand getre-\nten, fortwährend und bis zu ihrem Ableben im Hofstatus\nnamentlich fortgeführt wurden. (Schluss folgt.)\n\nAus Frankfurt am Main.\n\nWas das Auditorium der Museums-Concerte schon\nseit einigen Jahren gewünscht, ist in der letzten Sitzung\nam 19. Februar in Erfüllung gegangen. Herr Concert-\nmeister Joachim folgte der Einladung des Vorstandes und\ntrug das Beethoven'sche Violin-Concert nebst der so ge-\nnannten Teufels-Sonate von Tartini vor. Es war in der\nThat ein erhebender Moment, die zahlreiche Versammlung\neinstimmig ausrufen zu hören: „Diesmal hat der Ruf nicht\nübertrieben oder gar gelogen!\" Das nur konnte der Sinn\ndes sich kundgebenden enthusiastischen Beifalls sein, un-\ngewohnt in jenem Räume. Für Ihren Correspondenten spe-\nciel war dieser Moment jedoch weit mehr, als bloss erhe-\nbend, enthusiasmirend; er fand nämlich Veranlassung, die\nListe der oft gehörten Fürsten der Violine aufzurollen, auf\nwelcher die Namen Polledro, Rode, Lipinsky, May-\nseder, Baillot, Lafont, Spohr, Paganini und Be-\nriot verzeichnet stehen, um dieselbe um einen Namen zu\nvermehren: Joachim. Poesie im engsten Wortsinne er-\nklang aber nur aus der Violine Spohr's und Paganini's.\nMöge Herr Joachim einstens der Dritte im Bunde genannt\nwerden können!\nDer Charakter seines Spiels ist in Bezug auf reinen\nStil, natürlichen Gefühls-Ausdruck und die Eigenschaften\ndes Tones und Bogens so vielfach beschrieben worden,\ndass es keiner Worte weiter bedarf. Dass sein Bogen ins-\nbesondere von den aus der belgischen Schule herkommen-\nden Unarten des Spiccato und Getänzels am Frosch absieht,\noder sie vielleicht nur dort anwendet, wo sie zur Sache\npassen, gereicht dem Künstler zu nicht geringem Lobe.\nDie Eigenschaften mithin, welche den Künstler aus-\nmachen und Bedingung eines gediegenen Vortrags sind,\nkönnen hier im Falle die Kritik nicht beschäftigen, und hat\nsie sich lediglich zu den Bestandteilen der Vorträge zu\nwenden. Da darf nicht bloss nach Einsicht des Unterzeich-\nneten, sondern auch nach der vieler sachkundigen Zuhörer,\ndas Bedauern ausgesprochen werden, dass Herr Joachim\nnicht anstatt der Tartini'schen Sonate, dieses höchst mo-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "79", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580306-01.1.7", "texte": "notonen, darum langweiligen, und eine mehr als erträg-\nliche Ar zahl altväterischer Cadenzen ä und Zeit-\ngenossen enthaltenden Tonstücks, eine andere Wahl ge-\ntroffen, mit der sein eminentes Talent auf gleicher Höhe\nsteht. In der That war diese Teufels-Sonate geeignet, den\nfrüher erregten Enthusiasmus mit kaltem Wasser zu däm-\npfen. Was soll diese Perrücke aus der Mitte des vorigen\nJahrhunderts heute in Gesellschaft mit Haveln, Beethoven\nund Mendelssohn im Concertsaale? Es gehört leider zu\nden Thorheiten unserer Musik-Epoche, nicht nur entge-\ngengesetzte Stilarten, sondern auch Componisten aus ent-\nfernten Epochen neben einander zu stellen, um schroffe\nContraste zu bieten.\nHerr Joachim vorzugsweise würde sich Verdienste um\nVermehrung des Repertoires, zugleich auch den Dank sehr\nvieler Musikfreunde erwerben, wollte er die unverdient\nzurückgestellten kleineren Compositionen von Spohr, z. B.\nseine so genannten Potpourri's, oder Werke anderer Mei-\nster der älteren Schule, denen dasselbe Loos zu Thcil ge-\nworden, wieder in den Concertsaal einführen, wobei\nauch das Orchester eine würdige Beschäftigung fände.\nErstgenannte zählen zu den geistvollsten, aber auch brillan-\ntesten Stücken in der Gesammt-Literatur für Violine und\nsind dem jungen Künstlergeschlechte völlig unbekannt.\nJoachim ist der Mann, um sie wieder zur Geltung zu brin-\ngen, so wie ihm der Ruhm gebührt, das Beethoven'sche\n\\ iolin-Concert wieder zu Geltung und Ehren gebracht zu\nhaben, nachdem es, von allen Violinspielern als undankbar,\nsogar als unausführbar verschrieen, seit der ersten Pro-\nduktion 1807 durch den genialen Franz Clement in\nWien, auf dessen Eigenthümlichkeiten (kurzer Bogen, Be-\nherrschung der höchsten Applicatur u. s. w.) der Meister\nRücksicht genommen, niemals wieder zum Vorschein ge-\nkommen ist.\nEine andere Bemerkung mag die Cadenzen in dem\nBeethoven'schen Concerte von Joachim's Erfindung betref-\nJen. Ich anerkenne mit Vergnügen ihren musicalischen Ge-\nhalt, aber was namentlich die zum ersten Satze betrifft,\nso ist Manches dagegen einzuwenden. Die Anklänge an\nden betreffenden Satz geben der Cader.z noch keinen\nWerth; die ganze Gestaltung dieser Improvisation\ndas soll nämlich cie Cac'er.z £ein mues zunächst im be-\nsten Einklänge mit dem Stilgepräge des Werkes stehen\nund den möglichsten Glanz entfalten. Die fragliche Ca-\ndenz entspricht diesen Anforderungen keinesfalls, ist noch\ndazu viel zu lang ausgesponnen. Wohl darf gefragt wer-\nden: Wie passt dieses gesuchte, düstere Accord-Geflechte\nmit dem erhabenen, zum Theil auch heiteren, gefälligen\nCharakter des Satzes zusammen? Bei jeder Seb. Bach'-\nschen Composition wäre es am rechten Platze.\nGerechte Bedenken wären noch zu erheben gegen das\nTempo des dritten Satzes. Der Componist schreibt bloss\n„Rondo\", ohne irgend einen Beisatz, der im Jahre 1807\nwahrscheinlich überflüssig gewesen. Die Bewegung wird,\nohne Verletzung des Charakters, ein gemässigtes Allegro\n(im Verstände der Classiker nämlich) nicht überschreiten\ndürfen. Das Tempo aber des Herrn Joachim ist ein ent-\nschiedenes Presto. Damit wird eine grossartige, der Ge-\nsammt-Charakteristik entsprechende Darstellung unmög-\nlich, der Satz läuft vielmehr in leichtfertiger Weise an uns\nvorüber, wie eine Composition aus' den jüngsten Tagen.\nDie Gesang-Novize Fräul. Ottilie Hauer hatte ne-\nben diesem \\ iolin-Heros einen gefährlichen Stand, doch\nhaben sich die neulich an ihr gerühmten Stimmmittel nun\nauch im grossen Räume trefflich bewährt. Bei weiterer\nBildung auf dem zu Wien eingeschlagenen Wege dürfte\nsie bald eine schätzenswerthe Acquisition für den Concert-\nsaal werden. Das Publicum spendete ihren Vorträgen recht\naufmunternden Beifall. Sie sang mit Herrn Bau mann\nvon der Oper ein Duett von Jos. Haydn von alter Fafon,\ndann noch Mendelssohn's schönes Lied „Suleika\". Herr\nBaumann traf an der zürnenden Diana von Franz Schu-\nbert keine passende Wahl, sang übrigens noch dieses dem\nhöheren Gesangstile angehörende Tonstück mit vielen un-\nrichtigen Accentuationen.\nDem Orchester unter Herrn Messer's Leitung war\neine würdige Aufgabe gestellt durch den Vortrag einer\nder am seltensten gehörten Sinfonieen von Haydn in\nmit dem obligaten Violoncell im Z>wr-Satze des Menuets.\nWelch wunderbarer Bau! welch reizvolles Werk über-\nhaupt! Leider nur zu kurz im ersten und besonders im\nvierten Satze. Herr Joachim dürfte auch Grund gehabt ha-\nben, mit dem Orchester ganz zufrieden zu sein, dessen\nLeistung im Viofin-Concert in jedem Betrachte des gross-\nten Lobes werth ist.\n\nA. Schindler.\n\nZur Nachricht.\n\nNr. 6, vom Jahre 1858, der bei Körner in Erfurt\nerscheinenden „Urania\" enthält folgende Mittheilung:\n„In Soest starb kürzlich der Königliche Musik-Direc-\ntor und Seminar-Musiklehrer Herr Engelhardt. Für den\nKörner'schen Orgel-Verlag scheint er sehr wenig in seiner\nAnstalt gewirkt zu haben.\"\nDas ist alles, was jene Zeitschrift über Engelhardt\nmitzutheilen für gut findet. Die Bemerkung, den Verlag\nbetreffend, dürfte die Leser wenig interessiren und hat\nnur in so fern Bedeutung, als sie den Erklärungsgrund dazu\nahnen lässt, warum in dieser Zeitschrift zuweilen bittere\nPillen über Musiker aufgetischt werden; die werden wohl"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "80", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580306-01.1.8", "texte": "nicht für den Körner'sehen Orgel-Verlag wirken und also\nPüffe verdienen!! Was nun Engelhardt betrifft, der aus-\ngezeichnete Lehrgabe besass und sich bei der musicalischen\nAusbildung vieler Hundert Lehrer grosse Verdienste er-\nworben hat, so wollen wir nicht unterlassen, an dieser\nStelle hervorzuheben', dass Er für ewige Zeiten sich den\nDank vieler Menschen verdient hat durch die Bestimmung\nseines Testamentes, nach welcher die Hälfte seines erspar-\nten Vermögens, nämlich 4000 Thaler, dem märkischen\nLehrer-Gesangfeste zufällt, um aus den jährlichen Zinsen\ndie Kosten des Festes zu bestreiten. Wahrlich, das ver-\ndient zur Nachahmung empfohlen zu werden!\n\nH. K.\n\nAus Karlsruhe.\nDas zweite Concert unseres Cäcilien-Vereins fiel noch in\nden letzten Monat des vorigen Jahres. Von grösseren Sachen, wobei\nder ganze Chor beschäftigt war, wurde der erste Theil des Mes-\nsias von Händel aufgeführt und das Neujahrslied von J. P.\nHebel, von F. Mendelssohn-Bartholdy für Chor componirt.\nDie Sopran- und Alt-Soli im Messias wurden von Fräul. Brenken\nund Frau Haus er gesungen. Erstere trug ausserdem noch zwei\nLieder von F. Schubert, letztere „Gretchens Gebet\" aus Faust\nvon M. Hauptmann vor. Von Kammermusik hörten wir Beetho-\nven's Violin-Quartett Op. 18, Nr. 2 (G-dur), durch die Herren Pe-\nchatscheck, Blumenstengel, Pfeiffer und Segisser, und Mozart's\nliebliches Quintett für Ciavier, Oboe, Clarinette, Horn und Fa-\ngott, durch die Herren Fuhr, Jaucken, Schwarz, Dorn und Hunkler\ntrefflich vorgetragen.\nIn dem dritten Concert wurde das Oratorium Samson von\nHändel aufgeführt. Bekanntlich enthält die in Deutschland gewöhn-\nlich gebrauchte Ausgabe nicht alle Nummern der Original-Partitur.\nVon den nicht aufgenommenen wurde bei der hiesigen Aufführung\nzwischen Nr. 1 und 2 ein Becitativ und Arie des Samson ein-\ngeschaltet; sie hat ebenfalls den Charakter wehmüthiger Betrach-\ntung: ~Warum hat einst ein Eugel mich meinem Vater verkündet\nwenn ich in Schmach vergehe? Schwermuth dringt bis in\nder Seele Tiefen\" u. s w.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nI&olfll« In dem VI. Gesellschafts-Concert wurden der\nerste und zweite Theil der Jahreszeiten von Haydn (Solisten\nFräul. Deutz, Herr Göbbels und Herr Schiffer) und Beetho-\nven's Sinfonie Nr. VII. in A-dur aufgeführt.\nAuf dem Stadttheater hat Fräul. Marie Seebach aus Hanno-\nver zwei schöne Gastdarstellungen gegeben: Griseldis und Adrienne\nLecouvreur. Gegenwärtig hat Fräul. Fanny Janauscheck aus\nFrankfurt ihr Gastspiel begonnen und als „Deborah\" und „Königin\nElisabeth\" in Laube's Essex bereits grosse Erfolge errungen.\nIm nächsten Concert, Dinstag den 9. d. Mts., werden wir den\nberühmten Pianisten Alexander Dreyschock hören.\n** Hamburg. Fräul. Nina Hartmann, welche als drama-\ntische Sängerin so schnell eine so hohe Stufe erreicht hat, werden\nwir zu unserem grossen Bedauern verlieren. Sie tritt im April ein\nEngagement in Prag an, das sie unter mehreren ehrenvollen An-\nträgen vorgezogen hat.\nTOTien* Die Gesellschaft der Musikfreunde veröffent-\nlicht ihren Jahresbericht für das Verwaltungsjahr 1857. Danach wa-\nren die Einnahmen 19,790 Fl., die Ausgaben 18,287 FL; es verblieb\nsonach ein Cassarest von 156 L Fl. — Die Einnahmen des Conserva-\ntoriums waren 13,680 Fl., die Ausgaben 13 679 Fl. Die Verlänge-\nrung des früher von Sr. Majestät dem Kaiser bewilligten Staats-Bei-\ntrages jährlicher 3000 Fl. und des Jahres-Beitrages der Gemeinde\nmit 2000 Fl., beide auf weitere drei Jahre, wurde genehmigt. Die\ndurch den verstorbeneu Tonkünstler Karl Czerny der Gesellschaft\nzugewandte Erbschaft beläuft sich auf 14,000 Fl. in Bank-Actien\nund Staats-Obligationen.\nJLISIe. Die Societe de Sainte Cecile hat das dritte Jahr ihres\nBestehens durch eine musicalische Production gefeiert, die Zeugniss\nihrer ernsten Fortschritte gab. Dieselbe bestand aus Fragmenten\naus Neukomm's „Hymne an die Nacht\", Weber's „Euryanthe\", Men-\n„Elias\", Meyerbeer's „Prophet\", Händel's „Messias\", einem\n„O salutaris\" von Cherubini, der „Charite\" von Rossini, dem Kyrie\nder Beethoven'schen Messe in C, zwei kleinen Chören von Mendels-\nsohn und zwei von Steinkühler, Musik-Director der Gesellschaft.\nVieuxtemps concertirt in Philadelphia. Er hat in weniger als\nzwei Monaten 25 Concerte in America mit dem ausserordentlichsten\nErfolge gegeben.\nII e u t § e Ii e Tonhalle.\nVon den auf das dreizehnte Preis-Ausschreiben des Vereins ein-\ngekommenen dreizehn vierhändigen Orgel-Sonaten hat die des Herrn\nGustav Merkel in Dresden den Preis zuerkannt erhalten. Beson-\nders belobt wurde voraus die Sonate, deren Verfasser nicht genannt\nsein will, sodann die eines Ungenannten und die Werke der Herren\nEduard Guth hier, A. Helfer in Gera und Dr. Wilh. Volck-\nmar in Homberg; belobt wurde das Werk des Herrn Friedrich\nLux in Mainz.\nDie erwählten drei Herren Preisrichter, welche die Beurtheilung\nder sämmtlichen dreizehn Sonaten gefälligst übernommen hatten,\nwaren Herr Professor Dr. F a i s t in Stuttgart, Herr General-Musik-\nDirector F. Lachner in München und Herr Hof-Capellmeister V.\nLachner hier.\nDie Bewerbungen können nur auf unmittelbares und postfreies\nVerlangen an den Schriftführer der Tonhalle ihren Verfassern zu-\nrückgesandt werden.\nMannheim, Februar 1858. Der Vorstand."}]}