{"numero_id": "bm-bmtnabi-1858-04-10-01", "volume": "bmtnabi_1858-04-10_01", "ocr_sha256": "ee67319c391183df7ef6cd6de4538aaaac9d9888c3c1fc5e38d87df8717a8cfc", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1858/04/10_01/bmtnabi_1858-04-10_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580410-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1858-04-10-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-04-10_01#c001", "volume": "bmtnabi_1858-04-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "113", "page_fin": "113", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580410-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580410-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 499, "texte": "Inhalt.\nDie heilige Tonkunst. V. (Schluss.) - Rangliste der grössten jetzt lebenden Violin-'Virtuosen und Compomsten für die\nVioline, mit Angabe ihrer besonderen Vorzüge und Eigentümlichkeiten nebst biographischen und kritischen Notizen. Von J. Schübe! tl,.\n- Aus Elberfeld (Musikleben). Von Servus. Tages- und Un ter h altun gsbl att (Köln, Frau Viardot-Garcia, Fnlul.Agn y,\nFräul. Johanna Wagner - Braunschweig - Dresden - Frankfurt a. M„ - Feri Kletzer - Paris, Ritter v. Neukomm f, C. Sivori). _"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-04-10-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-04-10_01#c002", "volume": "bmtnabi_1858-04-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "113", "page_fin": "115", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580410-01.2.2", "titre_corps": "Die heilige Tonkunst.", "titre_sommaire": "Die heilige Tonkunst.", "signature_source": "DIXI", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580410-01.1.1", "debut_caractere": 501, "fin_caractere_exclue": 4347, "texte": "Die heilige Tonkunst.\n\nV.\n(Schluss. I. s. Nr. 11, 11. u. 111. Nr. 13, IV. Nr. 14.)\nJener milde Unterschied von Motett und Madrigal, da\neigentlich eines dem anderen untergeordnet war, verschärfte\nsich jetzt in den Gegensatz des strengen und galanten\nStils, welche mit Absicht und Bewusstsein aus einander\ntraten. Dem strengen Stil sollte fortan das Kirchliche aus-\nschliesslich zugehören; die Weltlichkeit in feiner und gro-\nber, edler und niedriger Form ergeht sich auf galante,\nd. h. cavaliere, höfische Weise bei fürstlichen Festen und\nin bürgerlicher Geselligkeit. Die nächst vorangehende Zeit\n1650 1700) war gewohnt, alles Volksthümliche, Völ-\nkische herabzusetzen, daher die lustigen Musicanten mit\nihrem fröhlichen Volksliede in Verachtung standen. Klop-\nstock lehrte das Vaterländische ehren, Herder weckte den\nverschollenen Klang volksthümlicher Dichtung, die Sturm-\nund Drangzeit Göthe'scher Jugendgenossenschaft predigte\nFreiheit von den Satzungen der Väter; die Weisheit des\nZeitverstandes führte solche Errungenschaften auf den\nGipfel der Selbstständigkeit, wo jedes Gebiet Staat,\nKirche, Kunst, Wissenschaft—seinen eigenen Kreis bauen\nund füllen sollte.\nAn dieser Losreissung und spröden Verselbstständigung\nnimmt nun die Tonkunst 1 heil, indem sie nicht allein\nKirchlich und Weltlich als gleichberechtigt gegenüber-\nstellt, sondern sogar innerhalb dieser Gegensätze neue Thei-\nlungen erzeugt, So ergibt sich die Spaltung der heiligen\nKunst in kirchliche und geistliche. Jene die im Typi-\nschen verweilende, das Erbe der Väter hütend, aber nicht\nschützend gegen den Andrang des beliebteren Sentimental-\ngeistlichen, das aus rhetorischem Pathos und rührender\nBürgerlichkeit die neue Form des Concert-Motettes, Con-\ncert-Oratoriums gestaltete, wie sie von Graun bis Emanuel\nBach zahlreich versucht sind. Und eben so geht auch die\nweltliche Kunst fort in Kammer-, Concert-, Opern-, Mili-\ntär- und Tanzmusik, jedes in seiner Art nicht mehr ver-\nachtet, sondern selbstständig genug, um sogar in eigenen\nLehr-Systemen abgehandelt zu werden (Mattheson, Scheibe,\nSulzer).\" Dem neu weltlichen Tone gehört es zu, nach\nShakespeare's Muster in losgebundenem llumor über die\nWelt herzufahren, das Zauberisch-Dämonische darzustel-\nlen, neben dem Leidenschaftlichen auch das Triviale nicht\nzu verschmähen, sofern es dem Bilde der nackten Natür-\nlichkeit entsprechend sich zugesellt. Bei all dieser revo-\nlutionären Wildheit klingt jedoch hindurch eine schwärme-\nrische Stimme der Sehnsucht, die in den Liebes- und\nFreundschafts-Idealen Erfüllung suchte und in verwandten\nKunstschöpfungen auch gestaltete.\nAber die leitenden Geister jener Drangzeit waren noch\nin der eisernen Zucht der Väter erwachsen und trugen die\nSpuren wahrer Zucht in ihre Werke hinein, die bei allem\nSturme der Leidenschaft den Gesetzen der Vernunft und\nSchönheit gehorchten. Auch die weltliche Tonkunst, vor-\nzüglich durch die katholischen Meister Haydn und Mo-\nzart fortgestaltet zu neuen Gebilden unvergänglicher Schön-\nheit, ging bis zu Ende des Jahrhunderts in dem Bande\nheiliger Zucht. Haydn's Verdienst ist, die gesellige Loncert-\nmusik aus der Gemeinheil in eine duftige Höhe zu heben.\nMozart's Gabe ist die edelste Gestaltung weltlichen Gesan-\nges; die Tiefe der heiligen Kunst blieb Beiden versagt.\nDenn Haydn's Messen sind selbst in katholischen Landen\nschon jetzt veraltet und vergessen, seine Oratorien haben\nwohl geistlichen Anklang, aber nicht heiligen und kirch-\nlichen Ton; und Mozart's Requiem ist voll lieblich rühren-\nder Bilder, oft bühnenhaft gewaltig, an wenigen Stellen\ngeistlich, nur in der einleitenden Füge, die am Schlüsse\nwiederholt wird, an das ferne Heiligthum gleichsam erin-\nnernd. Immer werden wir den wunderbar Begabten, den\nHöchsten aller weltlichen Tondichter, bewundern und ehren\nauch dafür, dass er in seiner Zeit das bedeutendste geist-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580410-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5633, "texte": "liehe Werk ausgeführt hat. Wenn wir aber ihm, wie dem\nedelsinnigen, kraft- und bildreichen Cherubini den Eh-\nrenplatz in der Kirche dennoch weigern, so geschieht das\nnicht einer vorgefassten Lehre oder eines typischen Ideals\nwillen, sondern nach Maassgabe einer inneren Erfahrung,\ndie jeder macht, der die modernen Unterschiede an der\nursprünglichen Einheit hat messen und kennen gelernt.\nDas heutige Jahrhundert ist in der Tonkunst zu dem\nZiele gelangt, dass sich das Verhältniss von Welt und\nKirche umgekehrt hat. Im Zeitalter Palestrina's, Las-\nso's und Eccard's ist die weltliche Kunst vom Kreise der\ngeistlichen umschlossen, gleichsam von ihr überschattet;\nBach's und Mozart's Zeit bringt die weltliche in eine eben-\nbürtige Stellung; von nun an aber geht die ältere Schwe-\nster bei der jüngeren zu Lehen; die weltliche Art ist die\nlehrhaft gelehrte geworden durch Beethoven. Seine\nkühne titanische Leidenschaft, die zwar aus dem Mark der\nfrüheren Meister ihre Regel und Schule *) genommen, aber\nbald, im rein Instrumentalen begnügt, der freien Phantasie\nneue unerhörte Bahnen fand, zeigt das Reich dieser Welt\nin Glanz, Hoheit, Lieblichkeit, Wehmuth und Trotz, aber\nnirgend hat er einen Ton der Heiligkeit über dieser\nWelt. Sowohl die Messe als das Oratorium versuchte er,\ndoch weder die alte noch die neue Kirche kann sie als hei-\nlige anerkennen, da der ausgelassene Jubel wie die stille\nKlage immerfort mit weltschmerzlichen Septimen durch-\nzogen sind und nirgends der Ton des demüthigen Selbst-\nvergessens oder Selbstopferns zu Tage kommt. So ist die\nberühmte D-dur-Messezwar ein wunderbares, künstlerisch\nreiches Tongebilde, aber wer es in den Gottesdienst ein-\ngefugt vernimmt, merkt die Fremdheit, ja, die Heimat-\nlosigkeit des überkühnen Werkes, das wohl Titanenkämpfe\nabmalt, aber nicht den Frieden eines versöhnten Herzens,\nund deren Gegenstück, die sechs Gellert'schen Lieder, zei-\ngen sentimentale Züge gleich Graun und Homilius, nicht\ntiefe Erfahrung aus dem Heiligthume.\nDas letztverflossene Menschenalter hat fast durchaus\nauf Beethoven'schen Grundlagen fortgebaut, Herz und\nGlaube ist dem Weltlichen ergeben, die instrumentale und\norchestrale Virtuosität hat den Menschengesang beeinträch-\ntigt, heilige Tonkunst besteht nur als Ueberlieferung. Denn\nwas neben Beethoven C. M. v. Weber Lebenskräftiges\nund Volkstümliches schuf, war eine Seitenbewegung von\nMozart zu Beethoven; seine im Zauberischen und Märchen-\nhaften erfinderische Phantasie gab der sinkenden Yocalität\nneuen fruchtbaren Stoff, doch blieb es im Weltlichen be-\nharrend. Franz Schubert übersetzte Beethoren'sche\nIdeen ins \\ocale und schien zu bringen, was dem Meister\nfehlte: plastischen Gesang der Menschenstimme. Schu-\nmann ging wie Chopin im Instrumentalen zu den äus-\nsersten Consecjuenzen des Beethoven'schen Titanismus fort,\ndoch ohne des Meisters Gründlichkeit und Klarheit; seine\nVocalien sind durchweg ungeheuerlich; an das Heiligthum\nwagte er sich spät (Adventlied), als die ihm verliehene dä-\nmonische Kraft bereits erschöpft und erschüttert war.\nWenn in früheren Jahrhunderten zuweilen ein jähes\nVergessen der Vorzeit schmerzlich überrascht, wie denn\nz. B. Wolfram, Walter und Nibelungen zu Luther's Zeit,\nEccard und Shakespeare im achtzehnten Jahrhundert so-\ngar den Gelehrten meist unbekannt waren, so hat sich\nunsere Zeit dagegen, in logischen Gegensätzen athemlos\nrennend, in die Parteiung der Historischen und der Zu-\nkünftigen zerspalten, deren eifrigste Herolde einander glau-\nben so fern zu stehen, wie die Bewohner zweier Planeten.\nIn Wirklichkeit stehen sie alle beide auf dem Boden der\nEpigonen, das heisst auf dem Boden der Errungenschaf-\nten, die am Erbe der Väter zehren und nur Empfängniss\nhaben ohne Zeugung. Dass es so ist in allem, was Kunst\nund Schönheit angeht, wird zwar von manchen Leuten,\nvorab jugendlichen Poeten, gar sehr in Abrede gestellt.\nWir ruhigen Zuschauer aber sehen und wissen aus den\nErfahrungen der Vorzeit und aus dem Erlebniss des heu-\ntigen Tages, dass ein wahrhaft Neues, Lebenskräftiges,\nein Werk, das augenblicklich einschlägt und im Herzen\nkracht wie Gottes Wetter, und das die Seele befruchtet\nund hebt, und bei jeder neuen Darstellung tiefer wirkt,\nweil es ewigen Klanges ist, dass solches Werk seit\nBeethoven's Abscheiden, in der Tonkunst wenigstens, noch\nnicht erschienen ist. Sind wir so weise, wie wir vorgeben,\nzu sein, so beweisen wir es durch Selbsterkenntniss, die\nspricht: Es ist ja keine Schande, wenn Einer nicht Alles\nhat; haben wir heute den Tag des Urtheils, der Samm-\nlung, der Forschung im Buche der Geschichte und Natur,\nden lag der weltwaltenden Thatkraft im Maschinenbau,\nund was sonst diese Zeit wirklich Grosses erringt : nun, so\nist's kein Wunder, sondern höchst begreiflich, wenn ein-\nmal nach mehreren Menschenaltern tief ringender Geistes-\narbeit voll poetischer, mystischer und philosophischer Werk-\nthätigkeit auf diesem Gebiete ein ruhendes Geniessen ein-\ntritt; hat doch ein Zeitalter wie der einzelne Mensch nur\nEine Leidenschaft, die das Herz erfüllt; mehrere Dinge\nzugleich treiben können nur Götter und Engel. Und in-\ndem wir jenes Geständnis« thun, bekennen wir doch nicht,\n\n*) Nur den strengen Kontrapunkt hat er nie völlig bewältigt.\nAn seine Stelle ist zum Ersatz getreten die phantastische Aus-\ngelassenheit, die allerdings in des Meisters Seele wunderbar glän-\nzende Gebilde erweckte, z. B. die überkühnen Scherzi, wo\nmit Himmel und Erde Ball gespielt wird. Was aber bei Beet-\nhoven aus Geistesblitz, das ward bei seinen Nachhinkern aus\nKolophoniumfeuer mühsam zusammengehext: denn was ist Hu-\nmor ohne ernsten Hintergrund? Chinesisch Schattenspiel!"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580410-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5250, "texte": "todt zu sein, sondern lebendig im Anschauen böheien Le-\nbens. Wird Gott einen wahrhaftigen Dichter wieder er-\nwecken, wann die Stunde kommt, ei wird schon erkannt\nwerden auch in dieser Welt. Mit den falschen Dichtern\naber ist's wie mit den falschen Propheten, fragte jüngst-\nhin Einer: Ja, aber meint sich nicht Jeder in seiner Art\nein vollkommenes Wesen zu sein? Gibt s nicht mancheilei\nDichter und Propheten, die sich alle Gotteskinder heissen?\nWie soll ich den wahren oder falschen erkennen? Ant-\nwort: Mit wem Gott wirklich geredet, dei weiss es,\nmit wem Gott nicht geredet, und er lügt davon, der\nweiss es auch; den Lügner wird Gott richten. Woran\nich gemeiner Mensch den Propheten, Seher und Dichter\nivates) erkenne? Daran, ob er mir die Seele hebt, das\nHerz demüthigt, den Geist befreit, dass er sich aufschwingt\nzum Leben, zu urkräftiger Anschauung wahrhaftiger Ge-\nstalten der Ewigkeit.\nUrtheilt nun selber, wie weit heutige Künstler, in\nschulhaftiger Kritik erwachsen, in journalistischer Eitelkeit\ngross gefüttert, im Amüsement der Majorität reich gewor-\nden, jener heiligen Aulgabe gerecht werden. Es ist nicht\nwahr, dass alle Zeitalter der Menschheit einander gleich\nund einerlei sind; sie sind es nur dem rechnenden Ver- I\nstände, der überall nur die rationale Polarität von\nGut und Böse erblickt, oder von Geburt und Grab,\nund Moll, Satt und Hungrig (wie H. Heine einmal so\nvermeintlich geistreich alle Menschen classiticirte), Herr\nund Knecht; er schaut nicht die tausend Lebensfäden, mit\ndenen jenes zweiseitige Gut und Böse umkleidet ist und\ndurch die Weltalter wandelt, um der Gottheit lebendiges\nKleid umsäumend wirken zu helfen. Sind nun die Zöglinge\ndes parisischen Hegelthums, die da immerfort krähen und\nposaunen: -IJ(ti'cnir est h nous/*' sind sie wirklich Pro-\npheten eines lebenskräftigen Neuen, so ist zu bedauern,\ndass diese Neuheit selbst in diesem rasch wandelnden Zeit-\nalter so schwer ins Volk herabsteigt, in dasselbe Volk, das\nsie zum Zeugen rufen, und das doch einst seinen Mozart\nund Beethoven so gar bald verstehen lernte. Und wenn\ndaneben die besonnene Kritik, sonst das Panier und Sclii-\nboleth unserer Zeit, sich ebenfalls erlaubt, an ihnen zu\nzweifeln, indem sie den Richard Wagner nur als Re-\nproducenten der grundprosaischen schlesischen Schule, des\nVersmachers Opitz, oder höchstens als Nachahmer des\nritterlichen Gluck erkennt, Liszt und Berlioz aber selbst\ndieser Vorzüge bar und ledig heisst, weil sie bis jetzt nichts\nals mechanisch-materielle Kunststücke erfunden und in der\nKunstschöpfung keine individuelle Begabung zeigen, als in\nder Vorliebe zum Hässlichen, Carikirten, worin von jeher\npoesielose Zeiten sich bervorgethan: so meint dieselbe be-\nsonnene Kritik, sich nicht prophetisch auf die Nachwelt\nberufen zu müssen, um diese Sätze zu beweisen, sondern\nsie beruft sich aul das Gottlob nicht überall untei gegan-\ngene Gefühl der Wahrheit, wo es noch nicht durch Lite-\nraten-Coterie verdorben ist; ja, sie wagt es, sich auf die\ninnere Wahrheit im Herzen jener Propheten selbst zu be-\nrufen ; und dieses Gefühl schweigt nicht immei . das Ge-\nwissen wacht auch einmal auf zu Gericht und Strale.\nVon den liebenswürdigen Vermittlern zwischen All\nund Neu oder Historisch und Zukünftig sei vor Allen M en-\ndelssohn genannt, der achtbar an Gesinnung, künstlerisch\ngewandt in vielen Stilgattungen, den alten Bach zu Einen\ngebracht und eine gesunde Richtung in vielen Kreisen be-\ngründet hat, während er im tiefen Grunde nicht schöpfe-\nrisch, sondern weiblich empfangenden Geistes war. Nur\nim kleinsten Räume, dem einfach sinnigen Liede, ist ihm\neinzelnes Neues als Miniatur-Malerei gelungen; im grossen\nInstrumentale verharrt er bei der Nachahmung Beethovens\nund Mozart's, die hier oft sonderbar gemischt erscheinen;\nim Oratorium gelingen ihm wiederum nur die zärtlich\nschmelzenden Situationen, die rührende Süssigkeit und das\nsinnige pathetische Recitativ. Die tief gegründete posi-\ntive Macht fehlt ihm; die Kraft des grossen Chors ist\nihm versagt, es sei denn, dass massenhafte Instrumente,\ndunstige Accorde, unklare Vielstimmigkeit und hinkender\nRhythmus für Kraft gelten. Wesentlich neu möchte wohl\nauch einzelnes Harmonische erscheinen, wobei jedoch der\nnichtssagende Quint-Sext-Accord eine grosse Rolle\nspielt, als wolle er die stolzen Quart-Sexten Beethoven's\nüberbieten! der Sonderling, der uns von dem jugendlichen\nHochzeitsmarsch bis zur letzten Sinfonie unvermeidlich\nverfolgt,— Und selbst Mendelssohn hat seinen Nachahmer\ngefunden in Reinthaler, dessen kürzlich erschienener\n„Jephta\" mehr die Schwächen seines Vorbildes als dessen\nVorzüge wiederholt. (—Beim Anhören Mendelssohn'scher\nOratorien frage dich selbst, ob du erneut, beseelt, aufge-\nschwungen dich fühlest, wie bei Händel s Hallcluja und\nAmen; deine Seele wird's ja wissen!—)\nDie kürzlich aufgekommenen historischen Con-\ncerte sind als schulmässige Arbeit lobenswerth, als künst-\nlerischer Genuss eine Unwahrheit. Denn die wahre Lust\ndes Herzens bedarf nicht des gelehrten Studiums, die\nWonne der Seelen fragt nicht nach Alt und Neu, sondern\nnach dem, was ewig ist. Ein echter Künstler voll Wahr-\nheitsliebe wird diesem Ewigen die Ehre geben und so\nbis andere Zeichen andere Dichter bewähren, das\n| D '\nBewährte festhalten.\n\nDIXI."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-04-10-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-04-10_01#c003", "volume": "bmtnabi_1858-04-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "116", "page_fin": "117", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580410-01.2.3", "titre_corps": "Rangliste der grössten jetzt lebenden Violin-Virtuosen und Componisten für die Violine, mit Angabe ihrer besonderen Vorzüge und Eigentümlichkeiten nebst biographischen und kritischen Notizen.", "titre_sommaire": "Rangliste der grössten jetzt lebenden Violin-Virtuosen und Componisten für die Violine, mit Angabe ihrer besonderen Vorzüge und Eigentümlichkeiten nebst biographischen und kritischen Notizen.", "signature_source": "Julius Schuberth", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580410-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3969, "texte": "Rangliste der grössten jetzt lebenden Violin-Virtuosen\nund Componisten für die Violine, mit Angabe ihrer\nbesonderen Vorzüge und Eigentümlichkeiten nebst\nbiographischen und kritischen Notizen.\n\nVirtuosen erster Classe A:\nHeinrich Vieuxtemps, geb. 1820 in Verviers(Belgien),\nansässig in Dreieichenhayn bei Frankfurt am Main.\nViel auf Reisen.\nHeinrich Wieniawski, geb. 1832 in Lublin (Polen).\nStets auf Reisen.\nCamillo Sivori, geb. 1817 in Genua (Italien). Wenn\nnicht auf Reisen, Aufenthalt in Paris.\nHeinrich W. Ernst, geb. 1814 in Brünn, lebt seit\n1854 in London.\nJ. Joachim, geb. 1831 in Pressburg, seit 1856 könig-\nlicher Concertmeister in Hannover.\nAntonio Bazzini, geb. 1818 inßrescia.Stets aufßeisen.\nAppollinar v. Kontski, geb. 1826 in Warschau, Solist\nder kaiserlichen Capelle in Petersburg.\nEd. Mollenhauer, geb. 1827 in Erfurt. Lebt seit 1854\nin New-Vork.\nVirtuosen erster Classe B:\nJean Bott, geb. 1826 in Kassel, seit Sommer 1857 her-\nzoglicher Hof-Capellmeister in Meiningen.\nBernh. Molique, geb. 1803, seit 1849 in London, frü-\nher königlicher Musik-Director in Stuttgart.\nTherese Milanollo, geb. 1833 in Mailand, seitAnfang\n1857 verheirathet mit dem französischen Linien-Ca-\npitän Parmentier. Lebt in Paris.\n- Heinrich Leonard, geb. 1819 in Brüssel, Lehrer am\nConservatorium daselbst.\n1). Alard, geb. 1822 in Bavonne, Lehrer am Conserva-\ntorium in Paris.\nMichael Hauser, geb. 1820 in Pesth. Auf Reisen.\nProsper Sainton, geb. 1813 in Belgien. Seit 1850 in\nLondon.\nTh. Haumann, geb. 1813 in Brüssel und ansässig daselbst.\nF. Laub, geb. 1830 in Böhmen, seit 1856 Concertmei-\nster der königlichen Oper in Berlin.\nEduard Singer, geb. 1830 in Tottir in Ungarn, seit\n1856 grossherzoglicher Concertmeister in Weimar.\nPaul Jullien, geb. 1841 in Brest (Frankreich). Seit\n1853 auf Reisen in America.\nFerd. David, geb. 1810 in Hamburg, seit zwölf Jahren\nLehrer am Conservatorium in Leipzig.\nJoseph Hellmesberger jun., geb. 1828 in Wien,\nLehrer am Conservatorium daselbst.\nKarl Müller, geb. 1797 in Braunschweig, Concertmei-\nster der herzoglichen Capelle daselbst.\nOle B. Bull, geb. 1810 inßergen. Viel auf Reisen;\" war\nvon 1843 bis Sommer 1857 in den Vereinigten Staa-\nten von Nordamerica.\nEduard Remenyi, geb. 1830 in Pesth. Seit 1854 in\nLondon, Hof-Concertmeister der Königin von England.\nAug. Pott, geb. 1805 in Nordheim. Seit zwanzig Jahren\nHof-Capellmeister in Oldenburg.\nKarl Dancia, geb. 1815 in Paris, Professor am Con-\nservatorium daselbst.\nFranz Schubert, geb. 1808 in Dresden, Concertmeister\nder königlichen Oper daselbst.\nVollendete Technik und grosse Bravour\nbesitzen:\nH. Vieuxtemps, H. Wieniawski, C. Sivori, Eduard\nMollenhauer.\nClassische Spieler sind vorzugsweise:\nH. Vieuxtemps, B. Molique, J. Joachim, Jean Bolt,\nFerd. David, Karl Müller, Aug. Pott.\nNeueste Schule und Genialität:\nH. Wieniawski, H. Vieuxtemps, A. Kontski, A. Bazzini.\nOhne Schule, aber genial:\nOle B. Bull.\nRepräsentanten der älteren Schule:\nJ. Joachim, B. Molique, K. Müller, F. David, A. Pott.\nVollkommene Reinheit und Correctheit:\n11. Vieuxtemps, B. Molique, E. Mollenhauer, K. Müller.\nVom Blatte lesen:\nH. Vieuxtemps, E. Mollenhauer. K. Müller, J. Bott.\nEinzeine Vorzüge:\nOle B. Bull das beste Staccato, ferner unübertrefflich im\nAusdruck von Gesangstellen, zuweilen hinreissend\nwenn er nicht falsch spielt.\nW ieniawski und Kontski stark in Flageolett- undPiz-\nzicato-Passagen, auch in rapiden Sprüngen ohne\nKunstbereicherung.\nErnst und Sivori kämpfen um die Palme in der Exe-\ncution des Paganini'schen Carnevals zum grossen Ver-\ndruss des gebildeten Musikers.\nH. Vieuxtemps grosser Ton und unerreicht in Octaven,\nDecimen-Gängen, Doppelgriff-Passagen.\nVirtuosen-Componisten. Erste Classe:\n11. Vieuxtemps. B. Molique.\nZweite Classe. A:\nJ. Joachim, D. Alard, H. W. Ernst, F. David, C.\nDancia, A. Bazzini, S. Leonard, Jean Bott.\nZweite Classe B (so genannte Solo-Componisten):\nM. Hauser, E. Mollenhauer, A. Kontski, 11. Wie-\nniawski, Th. Haumann, C. Sivori, P. Sainton, Ole B. Bull."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580410-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3206, "texte": "Veteranen erster Classe\nwelche nicht mehr öffentlich auftreten, gleich ausgezeich-\nnet als Virtuosen und Componisten):\n1.. Spohr, Dr., geb. 1784 in Braunschweig, Hof-Capell-\nmeister in Kassel.\nCh. Lipinski, geb. 1790 in Rasci in Polen, seit 1838\nConcertmeister der königlichen Oper in Dresden.\nJoseph Mayseder, geb. 1789 in Wien und Director\ndes Conservatoriums daselbst.\nKarl de Beriot, geb. 1802 in Löwen in Belgien, an-\nsässig in Brüssel.\nLouis Maurer, geb. 1789 in Paris, seit 1832 Orchester-\nchef in Petersburg.\n.). W. Kalliwoda, geb. 1800 in Prag, seit 1822 Ca-\npellmeister der fürstlichen Capelle in Donaueschingen.\nDie drei grössten jetzt lebenden Violin-\nVirtuosen sind:\n11. Vieuxtemps, der alle Virtuosen-Vorzüge in sich\nvereinigt;\nH. Wieniawski, der in brillantem Vortrag von techni-\nschen Schwierigkeiten excellirt, ohne Vieuxtemps' Si-\ncherheit und Tonfülle zu erreichen;\nC. Sivori, der vollkommen nach allen Richtungen im\nkleinen Genre.\nPostscriptum, speciel für Geiger und Freunde\ndes Violinspiels.\nDie vorstehend gegebene kritische Nomenclatur grün-\ndet sich nicht etwa auf so genanntes Hörensagen\nnein, sie ist das Ergebniss persönlicher Bekanntschaft mit\nden Künstlern selbst, mit denen ich während eines Zeit-\nraumes von innerhalb dreissig Jahren mehr oder weniger\nUmgang gepflogen habe. Es darf hier wohl nicht unerwähnt\nbleiben, dass ich sämmtliche Künstler zu wiederholten Ma-\nlen und in verschiedenen Zeiträumen hörte, dass ich als\nMusik-Verleger mit den meisten derselben in geschäftlicher\noder freundschaftlicher Beziehung stehe und fast mit allen\nselbst öfters musicirt habe. Es hat sich mir demnach mehr-\nfache Gelegenheit geboten, den Virtuosen nach allen Rich-\ntungen mit seinen besonderen Eigenthümlichkeiten und\nVorzügen kennen zu lernen. Begreiflicher Weise konnte\nhier nur von solchen Virtuosen die Rede sein, welche sich\ndurch öffentliches Auftreten einen bedeutenden Namen er-\nworben, und sind daher auch nur solche berechtigt, Auf-\nnahme in obige Ehren-Denktafel gefunden zu haben.\nDemnach mussten in stiller Zurückgezogenheit lebende\nKünstler, welche nur noch wenig öffentlich concertirten\noder vielleicht nie über das Weichbild ihrer Vaterstadt\nherausgetreten sind, von obiger Rangliste ausgeschlossen\nbleiben; eben so wenig können solche Geiger Anspruch\nauf Aufnahme machen, welche ein de Beriot'sches Air\noder einige selbst fabricirte Solo's vielleicht recht sauber\nauszuführen im Stande sind.\nSchliesslich erlaube ich mir nun noch hier zu bemer-\nken, dass ich bei Beurtheilung eines Künstlers allein von\ndem Grundsatze ausgegangen bin, denselben nach seinen\nGesammt-Vorzügen, über welche er summarisch und in\nausgezeichneter Weise zu gebieten im Stande ist, zu wür-\ndigen, ohne besonderes Gewicht auf eine einzelne tech-\nnische Kunstfertigkeit zu legen, die sich der Eine über\nden Anderen durch besonderen Fleiss erworben haben\nsollte.\nIch schliesse nun mit der Behauptung, dass zu einem\nKünstler ersten Ranges folgende Qualitäten in entspre-\nchender Vereinigung gehören, nämlich: Vollendete Tech-\nnik und Bravour, seelenvolles Spiel und Genialität, richti-\nges Verständniss (Auffassung) classischer Compositionen.\nNew-Vork, den 16. Februar 1858.\n\nJulius Schuberth."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-04-10-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-04-10_01#c004", "volume": "bmtnabi_1858-04-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "117", "page_fin": "118", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580410-01.2.4", "titre_corps": "Aus Elberfeld.", "titre_sommaire": "Aus Elberfeld.", "signature_source": "Servus", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580410-01.1.5", "debut_caractere": 3208, "fin_caractere_exclue": 4778, "texte": "Aus Elberfeld.\n\nDie Niederrheinische Musik-Zeitung hat lange nichts\nvon dem Musikleben in unserer Stadt berichtet. Dieses\nschicke ich nur voraus, um mir selbst, ihrem vereideten\nCorrespondenten, Mitglied des Geschworenengerichtes für\nmusicalische Sunden, den Text zu lesen und ihn als Fuge\nin Noten zu setzen auf das Thema: „Vergib, dass ich so\nträge bin\" u. s. w. Wollten Sie nun daraus schliessen,\ndass unsere Musik an derselben Krankheit wie ich litte,\nso thäten Sie sehr unrecht. Allein freilich, was wäre Achill\nohne einen Homer gewesen? Das sagt schon der alte Ho-\nraz oder irgend ein College von ihm, und so gehen auch\nunsere musicalischen Helden „dem unberühmten Tode\nentgegen, weil sie des heiligen Dichters ermangeln (ca-\nrent quia vate sacro.)\\uOhne nun ein solcher zu sein, will\nich wenigstens ihren Thaten ein Andenken stiften, das\ndiese auf die Nachwelt bringen soll d. h. bis auf künf-\ntigen Winter.\nWer könnte über das musicalische Elberfeld berich-\nten, ohne der unheilvollen Zerstörung des schönen und so\nakustischen Concertsaales im Casino mit Trauer zu geden-\nken, der in der Nacht vom 1. zum 2. Januar ein Raub\nder Flammen wurde? Allen Kunstfreunden zum Tröste\nkann ich aber aus guter Quelle (d. h. von Leuten, die Geld\nhaben) hinzufügen, dass man bei dem Neubau die Anlage\neiner grossen Tonhalle beabsichtigt. Da könnte Elber-\nfeld sogar die Hoffnung hegen, das niederrheinische Mu-\nsikfest, das vcn ihm ausgegangen, einmal wieder in seine»\nMauern zu feiern! Nun, wir wünschen von Herzen, dass\ndie Beabsichtigung Wirklichkeit werde, und dass in die"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580410-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4245, "texte": "Ausführung eines neuen Tempels der Kunst keine bekla-\ngenswerten Trübungen kommen mögen, wie sie die\nWupper manchmal mit sich führt\nerat quod tollere vellesj!\nVor dem Brande hatten wir schon zwei Abonne-\nments-Concerte und das Concert unseres Musik-Direc-\ntors, des Herrn Hermann Schornstein, gehabt. Das\nerste Abonnements-Concert eröffnete den Musik-Winter\nauf grossartige Weise mit einem der gewaltigsten Oratorien\nvon Händel: „Israel in Aegypten\". Im zweiten hörten\nwir die Sinfonie in F-durNr. 8 von Beethoven, das\nVorspiel zu der Oper „Hans Heiling\" von Marschner\nund eine Arie aus derselben Oper, die Ouvertüre zur\n„Olympia\" von Spontini, das Concertstück für Piano-\nforte von C. M. von Web'er, „Zigeunerleben\" von Rob.\nSchumann mit C. G. P. Grädener's Instrumentirung.\nFräul. Thelen aus Düsseldorf sang in beiden Concerten\ndie Solo-Partieen. Das Concertstück von Weber spielte\nHerr Lack, ein hiesiger Ciavierlehrer, recht brav.\nHerr Musik-Director Schornstein gab in seinem\nConcerte J. Haydn's „Jahreszeiten\". Wo man einen so\nvorzüglichen Chor hat, wie Elberfeld ihn besitzt, da ist es\n-immer am besten, in den grösseren Concerten solche Werke\naufzuführen, in denen dieser Chor die Hauptrolle spielt.\nDiese schöne Eigentümlichkeit der rheinischen Städte\nmuss vor Allem gehegt und gepflegt werden, und die Er-\nhaltung und Festigung des Chors muss durchaus die Haupt-\nsache der Bestrebungen der Musik-Directoren im Rhein-\nlande sein. Die Solo-Partieen wurden von zwei ausgezeich-\nneten Dilettanten aus Düsseldorf, Herrn und Frau P., und\nvon Herrn Göbbels (Tenor) gesungen, so dass die Auf-\nführung eine sehr gelungene war und den Zuhörern sicht-\nbarlich einen hohen Genuss gewährte.\nDie Zerstörung des Casinogebäudes brachte darauf\nallerdings eine Bestürzung und einen Stillstand hervor; al-\nlein si fr actus illabatur orbis,ferient\nSo dachte auch Herr van Eyken und gab eine Soiree\nfür Kammermusik im Saale der Harmonie, unter Mitwir-\nkungdesFräul. Ida Dannemann und der Herren Posse\nund Jäger. Wir lernten den berühmten Organisten hier\nauch als vortrefflichen Ciavierspieler kennen. W'ir hörten\nvon ihm die Cfe-«w#-Sonate von L. van Beethoven, eine\nkürzlich erschienene Sonate für Piano und Violine, Op. 18,\nvon ihm selbst, Mend elssohn's i?-(fer-Sonate mit Violon-\ncello und Schubert's B-dur-Trio, Op. 99. Fräul. Dan-\nnemann sang die grosse Arie der Gräfin aus „Figaro\"\nund zwei Lieder vom Concertgeber, und errang nament-\nlich mit letzteren einen grossen Erfolg. Herr van Eyken\nerwarb auch als Componist grossen Beifall; die Lieder\nwurden da capo gerufen, und von der Sonate, einem gedie-\nGenen Musikstücke ernster Richtung, wurde jeder Satz mit\nrauschendem Applaus aufgenommen.\nZwei andere Aufführungen fanden in dem Saale auf\ndem Johannisberg Statt. Herr W einbrenner führte un-\nter Mitwirkung der Damen Dannemann und Hammer\nmit seiner Liedertafel Rossini's Barbier von Sevilla auf.\nAls eine Dilettanten-Vorstellung befriedigte die Aufführung\nin vollem Maasse, und der Beifall des zahlreichen Pubii-\ncums war mit Recht sehr lebhaft.\nHerr Musik-Director H. Langenbach gab sein Be-\nnefiz-Concert nach folgendem Programm : Ouvertüre „Die\nVehmrichter\" von H. Berlioz; Violin-Concert Nr. 7 von\nL. Spohr; Ouvertüre zum Trauerspiel „Lucifer\" von J. A.\nvan Eyken (unter Direction des Componisten);\nMilitaire für Violine von Leonard; Sinfonie von Fr. Schu-\nbert. Die Orchesterwerke wurden alle sehr schön ausce-\nr o\nführt und erhielten sämmtlich viel Beifall, namentlich auch\ndie Ouvertüre zum „Lucifer\". Vor diesem Lucifer braucht\nman nicht bange zu sein, dass er die Leute durch teufli-\nschen Lärm erschrecke; es ist nicht derjenige, von dem es\nheisst: Mi contra Fa est diabol sondern\nseine Ouvertüre ist ein frisches, gesundes Musikstück mit\nkräftigen Motiven, wirkungsvoll instrumentirt. Herr Lan-\ngenbach bewährte sich wie immer als ein ganz vortreff-\nlicher Geiger und würdiger Schüler Spohr's. Sie sehen\nhoffentlich hieraus, dass wir auf unserer Hut sind, um nicht\nzu den Städte-Leichen zu werden, womit der Ritter Sul-\npicius den Ex-Bürgermeister Cicero tröstete (adspice ur-\nUum cadavera!).Denn das bleibt auch in der Musik wahr,\nwo sie nicht eifrig bewahrt und fleissig geübt wird, da\ngeht sie unter occidit, qui non servat.\n\nServus."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-04-10-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-04-10_01#c005", "volume": "bmtnabi_1858-04-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "118", "page_fin": "120", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580410-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580410-01.1.6", "debut_caractere": 4247, "fin_caractere_exclue": 5581, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nHCSBBÄ. Frau Viar d o t-G ar ci a hat am 29. März ein sehr\nbesuchtes Concert im kleinen Saale des Gürzenich gegeben und ist\nan den beiden folgenden Tagen als Rosine im Barbier und als\nDonna Anna im Don Juan aufgetreten. Wir haben das Urtheil,\nwelches unser Herr Correspondent aus Berlin in diesen Blättern (Nr.\n8 vom 20. Februar 1858) über die vorzüglichen Eigenschaften dieser\nSängerin ausspricht, durch ihre Leistungen vollkommen bestätigt ge-\nfunden. Ihre Meisterschaft in der Technik muss von allen Kennern\nüber alles gestellt werden, was man je gehört hat, das Wort Tech-\nnik im weitesten Sinne genommen, in welchem es alle Erforder-\nnisse der Gesangkunst umfasst, wozu denn auch vorzüglich die Kunst\nder Behandlung des Athems und die Aussprache des Textes gehören.\nIn beiden Beziehungen ist Frau Viardot nicht bloss Meisterin, son-\ndern sie übertrifft hierin jede Erwartung auch der anspruchsvollsten\nKritik; denn was die Gesanglehre als Höchstes, als Ideal in diesem\nPunkte aufstellen kann, das ist bei ihr zur erstaunenswerthen Wirk-\nlichkeit geworden. Dass die Aussprache in den verschiedensten Spra-\nchen dieselbe Deutlichkeit hat, ist bei einem so vielseitigen Talente\nkaum zu verwundern; dass Frau Viardot aber das Deutsche so\nvollkommen deutlich und schön ausspricht, wie wir es von keiner"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580410-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7584, "texte": "einzigen deutschen Sängerin, geschweige denn von Sangern, ge-\nhört haben, das ist allerdings bewundernswerth und zeigt uns, wie\nsehr dieser Theil der Gesangkunst bei uns vernachlässigt wird. Die\nDarstellung der Rosine legte alle Vorzüge der Künstlerin verei-\nnigt dar, ja, wir möchten sagen, der Vortrag der bekannten ersten\nArie allein that schon dasselbe; wir haben nie geglaubt, dass die\nAusführung dieser Cavatine, welche die Sängerinnen in der Regel\nnur als ein Paradestück behandeln, ein so vollendetes Charakter-\nbild geben könnte.\nFassung der Rolle ebenfalls vortrefflich, und alle Momente, in denen\ndie Stimme der Künstlerin ausreichte, waren sehr schön. Die Partie\nist aber von denen, welche durchaus eine grosse, mächtige Stimme\nverlangen, wenn ihre Auffassung vollkommen zur Geltung kommen\nsoll.\nKunst der Coloratur (besonders in der fabelhaft brillanten Bravour\nder Arie aus Graun's Britannicus) und des genialen Vortrags von\nLiedern, namentlich spanischen. Wir hätten gewünscht, auch ein\ndeutsches Lied von ihr zu hören, wie denn überhaupt der Zuschnitt\ndes Programms etwas zu parisisch war. Herr Capellmeister Hil-\nler, der die Sängerin am Piano begleitete, gab uns als Zwischen-\nspiel eine kurze, sehr edel gehaltene freie Phantasie, wozu er Mo-\ntive aus dem Gebete Samson's von Händel, das Frau Viardot in\nenglischer Sprache vorgetragen hatte, benutzte. Herr von Königs-\nlöw hatte den schweren Stand, auf der Violine mit einer so vollen-\ndet ausgebildeten menschlichen Stimme zu wetteifern. Er trug aber\ndie Romanze von Beethoven und „ungarische Lieder\" mit so vollem\nschönem Tone und meisterhafter Technik vor, dass ihm ebenfalls der\nlebhafteste Beifall zu Theil wurde.\nFräulein Agnes Bury ist als Martha den 6. d. Mts. aufge-\ntreten und singt heute (den 9. d. Mts.) die Lucia, während gestern\nFräulein Johanna Wagner ihr Gastspiel mit dem Romeo be-\ngann. Fräulein Bury bewährte ihren wohlerworbenen Ruf als feine,\nsehr gebildete Coloratursängerin; die Stimme hat nur wenig abge-\nnommen, dagegen ist die Technik in Figuren jeder Art, Verzierun-\ngen, Trillern u. s. w. noch vollkommener geworden. Die eingelegte\nArie von Balfe, an sich eine unbedeutende Composition, gab der\nKünstlerin besonders reichliche Gelegenheit, ihre Kunst glänzen zu\nlassen. Sie wurde gerufen und erfüllte den lauten Wunsch des Pu-\nblicums, die Arie zu wiederholen.\nFräulein Wagner übte als Romeo auf das vollbesetzte Haus\nden Zauber aus, den ihre Darstellung dieser Rolle durch die wun-\nderschöne Vereinigung des Heroischen mit dem Schmelzenden der\nLiebe und Trauer nie verfehlen kann.\nUeber die Soiree des Kammersängers Herrn E. Koch, das\ndritte Concert des Männergesang-Vereins (Chöre zum\nOedipus von Mendelssohn), das Prüfungs-Concert der Rhei-\nnischen Musikschule zu berichten, fehlt es uns heute an Raum.\n** HiUltt&n&eSiLweig* Freitag den 2. April wurde uns • ein\nseltener musicalischer Genuss au Theil. Es wurde von der Sing-\nAkademie Rossini's „Stabcit mater\" und „Christus am Oelberge\"\nvon Beethoven aufgeführt. Die Aufführung halten wir für ausge-\nzeichnet. Die Soli wurden von den ersten Kräften der Hof-Oper ge-\nsungen. Herr Jean Thelen besitzt eine der schönsten Bassstimmen\nder Gegenwart; sein Gesang war schön und edel, besonders die Arie\nim Stabat mater sang Herr Thelen künstlerisch vollendet. Herr Sie-\ngel war ebenfalls gut disponirt und brachte die Tenor-Partie zur\nvollsten Geltung. Fräul. Prause sang die Sopran-Soli. Es versteht\nsich von selbst, dass dieselbe mit ihrer wunderbar schönen Stimme\nund ihrem herrlichen Gesänge einen mächtigen Eindruck nicht ver-\nfehlen konnte. Fräul. Müller war im Besitze der Alt-Partie und\nzeigte ihre kräftige Stimme in vollem Glänze. Chor und Orchester\nunter Leitung des Capellmeisters Franz Abt gingen sehr gut zu-\nsammen. Wir halten uns verpflichtet, unseren wärmsten Dank lii\nden herrlichen Genuss auszusprechen.\n#\n]h*e§den* Der talentreiche Componist Johannes Wolf von\nEhren stein ist neuerdings wieder ausserordentlich productiv ge-\nwesen Nachdem er die Herausgabe seines zwölf Nummern umfas-\nsenden Lieder-Cyklus „Leid und Lust\" kaum beendet hat, der Dich-\ntungen von H. Heine, J. Schanz, J. N. Vogl, F. Rückert, W. Wulff,\nTh. Storm und N. Lenau musicalisch wiedergibt, so liegt uns be-\nreits wieder ein neuer Lieder-Cyklus vor mit dem Titel „Zu Volkswei-\nsen\"; er enthält die sechs Lieder, die in GeibeFs „Junius-Liedern\"\nunter gleichem Titel zusammengestellt sind, deutsche, französische,\nschottische, russische und neapolitanische Volkslieder.\nFrailkfüS*t S&BM Main. Wie schwierig es ist, hier nach\nbester Einsicht und der Wahrheit getreu Kritik zu üben, besonders\nwenn diese gegen die Meinung jenes Bruclitheils im Dilettanten-\nKreise verstösst, der für die Zukunftsmusik Partei nimmt, dies be-\nzeugen nachstehende Zeilen, welche die Redaction des Conversations-\nBlattes unterm J. April zu veröffentlichen sich veranlasst gesehen :\n„Seitdem Karl Mangold's Frithiof durch den Rühl'schen Verein\nhier zur Aufführung gekommen, besteht über den Werth dieses so\ngenannten musicalischen Drama's ein bis heute noch nicht ausge-\nglichener Widerstreit der Meinungen. Die Einen finden das Tadelns-\nwerthe allzu überwiegend, als dass sie sich durch einige Vorzüge\ndes Werkes für entschädigt halten könnten; die Anderen wollen um\nder Ursprünglichkeit der Conception und um vieler musicalischen\nSchönheiten willen gern zugestandene Fehler und Mängel verziehen\nwissen; noch Andere, die der Aufführung durch den Rühl'schen Ver-\nein beigewohnt, hat der Frithiof weder kalt noch warm gemacht.\nAn diesem Stande der Dinge hat unsere, einer competenten und vm-\nparteiischen Feder entstammende Besprechung des Werkes nur in\nso fern etwas geändert, als sie den Streit noch mehr entflammte; der\nRedaction warf seitdem jeder Tag eine vermeintliche Berichtigung,\neine Antikritik und dergleichen ins Bureau. Eine Polemik soll in-\ndessen um des Princips und um des vorliegenden Werkes willen\nvermieden werden; eine Klärung der Meinungen aber thut noth. Gern\nsei zugegeben, dass es selbst für den Kundigsten und Geübtesten\nschwer ist, nach einmaligem Hören einer solchen Composition und\nohne Einsicht der Partitur, denn selbige liegt noch nicht gedruckt\nvor, ein concises und darum unantastbares Urtheil abzugeben. Wir\nschliessen uns darum mit grosser Bereitwilligkeit dem schon ander-\nwärts ausgesprochenen Wunsche an, dass der Frithiof durch den\nRühl'schen Verein möglichst bald zu einer zweiten Aufführung ge-\nlange. Was dann an unserer ersten Besprechung etwa zu ergänzen\noder zu berichtigen sein würde es soll an uns nicht fehlen; denn\nder Wahrheit die Ehre und dem Verdienste sein Lohn!\"\nAls bemerkenswerther Fall darf verzeichnet werden, dass die super-\nkluge, Wind und Wetter am schärfsten beobachtende Matrone D idas-\nkalia über Mangold's Frithiof bis nun schweigend sich ver-\nhält, sie, die niemals verfehlt, zuerst zu sprechen, wenn an der Sache\nnur etwas zu loben ist. Dieses ominöse Schweigen gilt einstweilen\nstatt einer beredten Kritik über das fragliche Werk Kommt dieses\nin seiner Integrität zu einer zweiten Aufführung (neulich soll\nfür eine gute halbe Stunde Zeit Musik gestrichen worden sein), so\nwird Didaskalia sicherlich mit in die Schranken treten.\nDer durch seine Kunstreisen in Deutschland rühmlichst bekannt\ngewordene ausgezeichnete Violoncellist Feri Kletzer aus Ungarn,\nder die letzten sechs Monate mit Formes, Vieuxtemps, Thalberg und\nder Lagrange in America Concerte gab und seinen Künstlernamen\ndort hochgeehrt machte, ist vor Kurzem von New-York abgereist,\num nach Europa, zunächst nach London und Paris, und später nach"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580410-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5237, "texte": "Deutschland, zurückzukehren. Es liegen uns Zeitungen aus Boston,\nNew-Orleans, New-York und anderen americanischen Städten vor,\ndie sich über die Leistungen dieses Künstlers mit wahrer Begeiste-\nrung auslassen.\nRitter v. Neu komm, der durch tüchtige und ver-\ndienstliche Tonwerke verschiedener Gattung rühmlichst bekannte\ndeutsche Componist, ist am 3. April hier in einem Alter von 81 Jah-\nren gestorben und am 5. Nachmittags beerdigt worden. Der Freund\nund Liebling Talleyrand's, welcher ganz Europa (und bekanntlich\nauch Brasilien) im musicalischen Interesse bereiset hatte, der wackere\nSchüler Michael und Joseph Haydn's hatte bis zum letzten Augen-\nblicke nichts von der Rüstigkeit seines Geistes verloren und noch\nkurz vor seinem Tode die Durchsicht eines neuen Opus selbst be-\nsorgt. Ritter v. Neukomm war in London wie in Paris in musicali-\nschen Kreisen beliebt, und ich war daher sehr überrascht, ausser\nStockhausen keine einzige musicalische und überhaupt keine litera-\nrische Notabilitcit unter den in der Kirche Anwesenden gesehen zu\nhaben. Der deutsche Componist wurde auf dem Friedhofe von Mont-\nmartre beigesetzt.\nCamillo Sivori ist nach einer Reihe von glänzenden Concer-\nten im mittäglichen und westlichen Frankreich in voriger Woche\nhier in Paris wieder aufgetreten und hat das zahlreiche Audito-\nrium in Bewunderung versetzt. Es ist hier nur Eine Stimme über\ndas Unnachahmliche seines Spiels, das besonders auch an Grossartig-\nkeit noch mehr gewonnen hat. Der ungeheure Erfolg hat ihn bewo-\ngen, am 9. d. Mts. ein zweites Concert zu geben eine im jetzi-\ngen 1 aris, und namentlich von Seiten eines Violinisten, fast uner-\nhörte Thatsache.\nNoch ein „Zur Nachricht\" (vgl. Nr. 10 d. Ztg.). Dass die\nG. W. Körner' sehe „Urania\" rücksichtslos über jeden herfährt,\nder nicht auf ihrem Horn bläs't, d h. der nicht aus Leibeskräften\nK. sehe Verlags-Artikel ins Publicum bringt, ist bekannt genug und\ndient sicherlich nicht zu ihrer Empfehlung, eben so wenig wie die\nmaasslosen Anpreisungen gewisser K.'scher Verlags-Artikel.\nMan begnügt sich aber damit noch nicht, sondern sucht auch\nMänner im Amte zu verdächtigen, wie im Jahrgang 1857. Nr.\n3, S. 16 der Urania, wo es wörtlich heisst: „Ritter's berühmtes\nWerk, „„Die Kunst des Orgelspiels\"\", welches bekanntlich in sehr\nvielen Seminarien mit dem besten Erfolge eingeführt wurde, fand\nbis jetzt am meisten Absatz an das Seminar zu Freiberg in Sach-\nsen. Der dortige sehr geehrte Seminar-Director Herr Bräss bezog\nnämlich von Bd. I. 45 Exempl, Band 11. 60 Exempl. und Bd. 111.\n45 Exempl. In Bayern, Oesterreich, im Baden'schen und Braun-\nschweigischen, ferner in der Rheinprovinz, so wie in der Provinz\nBrandenburg und Preussen dagegen scheint man im Ganzen wenig\nfür ein gediegenes Orgelspiel wirken zu wollen, wenig-\nstens sprechen unsere Erfahrungen dafür. Ein Wink für Semi-\nnar -Musiklehrer!\" (Auch für den sei. Engelhardt!) Das heisst\ndenn doch die Unverschämtheit weit treiben. -j-j-j-\nDas berliner „Echo\" enthält folgende „Warnung. Musik-Ver-\nleger des In- und Auslandes haben angekündigt, dass Lithographen\nin Provincialstädten sich dazu herbeilassen, für den Gebrauch der\nGesang-Vereine Chöre im Steindruck zu vervielfältigen. Da hiedurch\ndie Original-Verleger solcher Chöre in ihrem Eigenthumsrecht beein-\nträchtigt werden und ihnen im Verkaufe ein wesentlicher Schaden\nzugefügt wird, so wird hiermit vor solchen Vorgängen mit der Bei-\nfügung gewarnt, dass wo immer derart vervielfältigte Chorstimmen\nvorgefunden werden sollten, die Verleger nicht unterlassen werden,\njedes Mal gerichtliche Schritte einzuleiten. Die löblichen Ver-\neine wollen zur Kenntniss nehmen, dass ohnedies jeder Verleger bei\ngrösserem Bedarf von einzelnen Stimmen einen so billigen Preis\nmacht, dass jeder Verein seinen Bedarf weit unter den CopiaKejs-\nkosten beziehen kann.\" „Das Co mite/4\nB) e u t § e Ii e T o 11 Ii a I 1 e.\nFür die Composition des durch den Verein im vorigen Jahre\npreisgekrönten einactigen Operetten-Textes „Der Liebesring\" setzen\nwir hiermit den Preis von 200 Gulden aus und laden deutsche Ton-\ndichter zur Bewerbung um denselben ein.\nDie Bewerbungen selbst sind in Partitur und geheftet läng-\nstens im Monat October d. J. trei an den Verein hieher einzusen-\nden und mit einem versiegelten Briefe zu begleiten, in welchem der\nVerfasser sich nennt. Der Partitur ist ein deutscher Spruch beizu-\nsetzen, den auch der Brief aussen zu führen hat, auf dem zugleich\ndeijenige rondichter zu benennen ist, welchen der Verfasser des\nWerkes als Preisrichter wählt.\nDie Heuen Bewerber haben ausserdem das hieher Bezügliche der\nVereinssatzungen zu beachten, die auch für uns bindend sind. Er-\nwdhntei Text (Eigenthum der .Tonhalle) ist aut Handelswegen und\nauf freie Briete gegen 18 Kr. bei uns zu beziehen, Niemand aber\nberechtigt, daher hier ausdrücklich gewarnt wird, einen anderen Ge-\nbrauch davon zu machen, als ihn für diese Preisbewerbung zu com-\nponiren und in oben bestimmter Zeit uns zuzusenden.\nSä mm t Ii che hierauf einkommende Werke bleiben Eigenthum\nder Verfasser, und werden wir demjenigen, welcher den Preis zuer-\nkannt erhält, s. Z. das Werk nebst dem Preise, nach seiner einge-\nholten Bestimmung, zuzusenden nicht ermangeln.\nMannheim, Osterm. 1858.\nDer Vorstand. '"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580410-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie heilige Tonkunst. V. (Schluss.) - Rangliste der grössten jetzt lebenden Violin-'Virtuosen und Compomsten für die\nVioline, mit Angabe ihrer besonderen Vorzüge und Eigentümlichkeiten nebst biographischen und kritischen Notizen. Von J. Schübe! tl,.\n- Aus Elberfeld (Musikleben). Von Servus. Tages- und Un ter h altun gsbl att (Köln, Frau Viardot-Garcia, Fnlul.Agn y,\nFräul. Johanna Wagner - Braunschweig - Dresden - Frankfurt a. M„ - Feri Kletzer - Paris, Ritter v. Neukomm f, C. Sivori). _\n\nDie heilige Tonkunst.\n\nV.\n(Schluss. I. s. Nr. 11, 11. u. 111. Nr. 13, IV. Nr. 14.)\nJener milde Unterschied von Motett und Madrigal, da\neigentlich eines dem anderen untergeordnet war, verschärfte\nsich jetzt in den Gegensatz des strengen und galanten\nStils, welche mit Absicht und Bewusstsein aus einander\ntraten. Dem strengen Stil sollte fortan das Kirchliche aus-\nschliesslich zugehören; die Weltlichkeit in feiner und gro-\nber, edler und niedriger Form ergeht sich auf galante,\nd. h. cavaliere, höfische Weise bei fürstlichen Festen und\nin bürgerlicher Geselligkeit. Die nächst vorangehende Zeit\n1650 1700) war gewohnt, alles Volksthümliche, Völ-\nkische herabzusetzen, daher die lustigen Musicanten mit\nihrem fröhlichen Volksliede in Verachtung standen. Klop-\nstock lehrte das Vaterländische ehren, Herder weckte den\nverschollenen Klang volksthümlicher Dichtung, die Sturm-\nund Drangzeit Göthe'scher Jugendgenossenschaft predigte\nFreiheit von den Satzungen der Väter; die Weisheit des\nZeitverstandes führte solche Errungenschaften auf den\nGipfel der Selbstständigkeit, wo jedes Gebiet Staat,\nKirche, Kunst, Wissenschaft—seinen eigenen Kreis bauen\nund füllen sollte.\nAn dieser Losreissung und spröden Verselbstständigung\nnimmt nun die Tonkunst 1 heil, indem sie nicht allein\nKirchlich und Weltlich als gleichberechtigt gegenüber-\nstellt, sondern sogar innerhalb dieser Gegensätze neue Thei-\nlungen erzeugt, So ergibt sich die Spaltung der heiligen\nKunst in kirchliche und geistliche. Jene die im Typi-\nschen verweilende, das Erbe der Väter hütend, aber nicht\nschützend gegen den Andrang des beliebteren Sentimental-\ngeistlichen, das aus rhetorischem Pathos und rührender\nBürgerlichkeit die neue Form des Concert-Motettes, Con-\ncert-Oratoriums gestaltete, wie sie von Graun bis Emanuel\nBach zahlreich versucht sind. Und eben so geht auch die\nweltliche Kunst fort in Kammer-, Concert-, Opern-, Mili-\ntär- und Tanzmusik, jedes in seiner Art nicht mehr ver-\nachtet, sondern selbstständig genug, um sogar in eigenen\nLehr-Systemen abgehandelt zu werden (Mattheson, Scheibe,\nSulzer).\" Dem neu weltlichen Tone gehört es zu, nach\nShakespeare's Muster in losgebundenem llumor über die\nWelt herzufahren, das Zauberisch-Dämonische darzustel-\nlen, neben dem Leidenschaftlichen auch das Triviale nicht\nzu verschmähen, sofern es dem Bilde der nackten Natür-\nlichkeit entsprechend sich zugesellt. Bei all dieser revo-\nlutionären Wildheit klingt jedoch hindurch eine schwärme-\nrische Stimme der Sehnsucht, die in den Liebes- und\nFreundschafts-Idealen Erfüllung suchte und in verwandten\nKunstschöpfungen auch gestaltete.\nAber die leitenden Geister jener Drangzeit waren noch\nin der eisernen Zucht der Väter erwachsen und trugen die\nSpuren wahrer Zucht in ihre Werke hinein, die bei allem\nSturme der Leidenschaft den Gesetzen der Vernunft und\nSchönheit gehorchten. Auch die weltliche Tonkunst, vor-\nzüglich durch die katholischen Meister Haydn und Mo-\nzart fortgestaltet zu neuen Gebilden unvergänglicher Schön-\nheit, ging bis zu Ende des Jahrhunderts in dem Bande\nheiliger Zucht. Haydn's Verdienst ist, die gesellige Loncert-\nmusik aus der Gemeinheil in eine duftige Höhe zu heben.\nMozart's Gabe ist die edelste Gestaltung weltlichen Gesan-\nges; die Tiefe der heiligen Kunst blieb Beiden versagt.\nDenn Haydn's Messen sind selbst in katholischen Landen\nschon jetzt veraltet und vergessen, seine Oratorien haben\nwohl geistlichen Anklang, aber nicht heiligen und kirch-\nlichen Ton; und Mozart's Requiem ist voll lieblich rühren-\nder Bilder, oft bühnenhaft gewaltig, an wenigen Stellen\ngeistlich, nur in der einleitenden Füge, die am Schlüsse\nwiederholt wird, an das ferne Heiligthum gleichsam erin-\nnernd. Immer werden wir den wunderbar Begabten, den\nHöchsten aller weltlichen Tondichter, bewundern und ehren\nauch dafür, dass er in seiner Zeit das bedeutendste geist-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580410-01.1.2", "texte": "liehe Werk ausgeführt hat. Wenn wir aber ihm, wie dem\nedelsinnigen, kraft- und bildreichen Cherubini den Eh-\nrenplatz in der Kirche dennoch weigern, so geschieht das\nnicht einer vorgefassten Lehre oder eines typischen Ideals\nwillen, sondern nach Maassgabe einer inneren Erfahrung,\ndie jeder macht, der die modernen Unterschiede an der\nursprünglichen Einheit hat messen und kennen gelernt.\nDas heutige Jahrhundert ist in der Tonkunst zu dem\nZiele gelangt, dass sich das Verhältniss von Welt und\nKirche umgekehrt hat. Im Zeitalter Palestrina's, Las-\nso's und Eccard's ist die weltliche Kunst vom Kreise der\ngeistlichen umschlossen, gleichsam von ihr überschattet;\nBach's und Mozart's Zeit bringt die weltliche in eine eben-\nbürtige Stellung; von nun an aber geht die ältere Schwe-\nster bei der jüngeren zu Lehen; die weltliche Art ist die\nlehrhaft gelehrte geworden durch Beethoven. Seine\nkühne titanische Leidenschaft, die zwar aus dem Mark der\nfrüheren Meister ihre Regel und Schule *) genommen, aber\nbald, im rein Instrumentalen begnügt, der freien Phantasie\nneue unerhörte Bahnen fand, zeigt das Reich dieser Welt\nin Glanz, Hoheit, Lieblichkeit, Wehmuth und Trotz, aber\nnirgend hat er einen Ton der Heiligkeit über dieser\nWelt. Sowohl die Messe als das Oratorium versuchte er,\ndoch weder die alte noch die neue Kirche kann sie als hei-\nlige anerkennen, da der ausgelassene Jubel wie die stille\nKlage immerfort mit weltschmerzlichen Septimen durch-\nzogen sind und nirgends der Ton des demüthigen Selbst-\nvergessens oder Selbstopferns zu Tage kommt. So ist die\nberühmte D-dur-Messezwar ein wunderbares, künstlerisch\nreiches Tongebilde, aber wer es in den Gottesdienst ein-\ngefugt vernimmt, merkt die Fremdheit, ja, die Heimat-\nlosigkeit des überkühnen Werkes, das wohl Titanenkämpfe\nabmalt, aber nicht den Frieden eines versöhnten Herzens,\nund deren Gegenstück, die sechs Gellert'schen Lieder, zei-\ngen sentimentale Züge gleich Graun und Homilius, nicht\ntiefe Erfahrung aus dem Heiligthume.\nDas letztverflossene Menschenalter hat fast durchaus\nauf Beethoven'schen Grundlagen fortgebaut, Herz und\nGlaube ist dem Weltlichen ergeben, die instrumentale und\norchestrale Virtuosität hat den Menschengesang beeinträch-\ntigt, heilige Tonkunst besteht nur als Ueberlieferung. Denn\nwas neben Beethoven C. M. v. Weber Lebenskräftiges\nund Volkstümliches schuf, war eine Seitenbewegung von\nMozart zu Beethoven; seine im Zauberischen und Märchen-\nhaften erfinderische Phantasie gab der sinkenden Yocalität\nneuen fruchtbaren Stoff, doch blieb es im Weltlichen be-\nharrend. Franz Schubert übersetzte Beethoren'sche\nIdeen ins \\ocale und schien zu bringen, was dem Meister\nfehlte: plastischen Gesang der Menschenstimme. Schu-\nmann ging wie Chopin im Instrumentalen zu den äus-\nsersten Consecjuenzen des Beethoven'schen Titanismus fort,\ndoch ohne des Meisters Gründlichkeit und Klarheit; seine\nVocalien sind durchweg ungeheuerlich; an das Heiligthum\nwagte er sich spät (Adventlied), als die ihm verliehene dä-\nmonische Kraft bereits erschöpft und erschüttert war.\nWenn in früheren Jahrhunderten zuweilen ein jähes\nVergessen der Vorzeit schmerzlich überrascht, wie denn\nz. B. Wolfram, Walter und Nibelungen zu Luther's Zeit,\nEccard und Shakespeare im achtzehnten Jahrhundert so-\ngar den Gelehrten meist unbekannt waren, so hat sich\nunsere Zeit dagegen, in logischen Gegensätzen athemlos\nrennend, in die Parteiung der Historischen und der Zu-\nkünftigen zerspalten, deren eifrigste Herolde einander glau-\nben so fern zu stehen, wie die Bewohner zweier Planeten.\nIn Wirklichkeit stehen sie alle beide auf dem Boden der\nEpigonen, das heisst auf dem Boden der Errungenschaf-\nten, die am Erbe der Väter zehren und nur Empfängniss\nhaben ohne Zeugung. Dass es so ist in allem, was Kunst\nund Schönheit angeht, wird zwar von manchen Leuten,\nvorab jugendlichen Poeten, gar sehr in Abrede gestellt.\nWir ruhigen Zuschauer aber sehen und wissen aus den\nErfahrungen der Vorzeit und aus dem Erlebniss des heu-\ntigen Tages, dass ein wahrhaft Neues, Lebenskräftiges,\nein Werk, das augenblicklich einschlägt und im Herzen\nkracht wie Gottes Wetter, und das die Seele befruchtet\nund hebt, und bei jeder neuen Darstellung tiefer wirkt,\nweil es ewigen Klanges ist, dass solches Werk seit\nBeethoven's Abscheiden, in der Tonkunst wenigstens, noch\nnicht erschienen ist. Sind wir so weise, wie wir vorgeben,\nzu sein, so beweisen wir es durch Selbsterkenntniss, die\nspricht: Es ist ja keine Schande, wenn Einer nicht Alles\nhat; haben wir heute den Tag des Urtheils, der Samm-\nlung, der Forschung im Buche der Geschichte und Natur,\nden lag der weltwaltenden Thatkraft im Maschinenbau,\nund was sonst diese Zeit wirklich Grosses erringt : nun, so\nist's kein Wunder, sondern höchst begreiflich, wenn ein-\nmal nach mehreren Menschenaltern tief ringender Geistes-\narbeit voll poetischer, mystischer und philosophischer Werk-\nthätigkeit auf diesem Gebiete ein ruhendes Geniessen ein-\ntritt; hat doch ein Zeitalter wie der einzelne Mensch nur\nEine Leidenschaft, die das Herz erfüllt; mehrere Dinge\nzugleich treiben können nur Götter und Engel. Und in-\ndem wir jenes Geständnis« thun, bekennen wir doch nicht,\n\n*) Nur den strengen Kontrapunkt hat er nie völlig bewältigt.\nAn seine Stelle ist zum Ersatz getreten die phantastische Aus-\ngelassenheit, die allerdings in des Meisters Seele wunderbar glän-\nzende Gebilde erweckte, z. B. die überkühnen Scherzi, wo\nmit Himmel und Erde Ball gespielt wird. Was aber bei Beet-\nhoven aus Geistesblitz, das ward bei seinen Nachhinkern aus\nKolophoniumfeuer mühsam zusammengehext: denn was ist Hu-\nmor ohne ernsten Hintergrund? Chinesisch Schattenspiel!"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580410-01.1.3", "texte": "todt zu sein, sondern lebendig im Anschauen böheien Le-\nbens. Wird Gott einen wahrhaftigen Dichter wieder er-\nwecken, wann die Stunde kommt, ei wird schon erkannt\nwerden auch in dieser Welt. Mit den falschen Dichtern\naber ist's wie mit den falschen Propheten, fragte jüngst-\nhin Einer: Ja, aber meint sich nicht Jeder in seiner Art\nein vollkommenes Wesen zu sein? Gibt s nicht mancheilei\nDichter und Propheten, die sich alle Gotteskinder heissen?\nWie soll ich den wahren oder falschen erkennen? Ant-\nwort: Mit wem Gott wirklich geredet, dei weiss es,\nmit wem Gott nicht geredet, und er lügt davon, der\nweiss es auch; den Lügner wird Gott richten. Woran\nich gemeiner Mensch den Propheten, Seher und Dichter\nivates) erkenne? Daran, ob er mir die Seele hebt, das\nHerz demüthigt, den Geist befreit, dass er sich aufschwingt\nzum Leben, zu urkräftiger Anschauung wahrhaftiger Ge-\nstalten der Ewigkeit.\nUrtheilt nun selber, wie weit heutige Künstler, in\nschulhaftiger Kritik erwachsen, in journalistischer Eitelkeit\ngross gefüttert, im Amüsement der Majorität reich gewor-\nden, jener heiligen Aulgabe gerecht werden. Es ist nicht\nwahr, dass alle Zeitalter der Menschheit einander gleich\nund einerlei sind; sie sind es nur dem rechnenden Ver- I\nstände, der überall nur die rationale Polarität von\nGut und Böse erblickt, oder von Geburt und Grab,\nund Moll, Satt und Hungrig (wie H. Heine einmal so\nvermeintlich geistreich alle Menschen classiticirte), Herr\nund Knecht; er schaut nicht die tausend Lebensfäden, mit\ndenen jenes zweiseitige Gut und Böse umkleidet ist und\ndurch die Weltalter wandelt, um der Gottheit lebendiges\nKleid umsäumend wirken zu helfen. Sind nun die Zöglinge\ndes parisischen Hegelthums, die da immerfort krähen und\nposaunen: -IJ(ti'cnir est h nous/*' sind sie wirklich Pro-\npheten eines lebenskräftigen Neuen, so ist zu bedauern,\ndass diese Neuheit selbst in diesem rasch wandelnden Zeit-\nalter so schwer ins Volk herabsteigt, in dasselbe Volk, das\nsie zum Zeugen rufen, und das doch einst seinen Mozart\nund Beethoven so gar bald verstehen lernte. Und wenn\ndaneben die besonnene Kritik, sonst das Panier und Sclii-\nboleth unserer Zeit, sich ebenfalls erlaubt, an ihnen zu\nzweifeln, indem sie den Richard Wagner nur als Re-\nproducenten der grundprosaischen schlesischen Schule, des\nVersmachers Opitz, oder höchstens als Nachahmer des\nritterlichen Gluck erkennt, Liszt und Berlioz aber selbst\ndieser Vorzüge bar und ledig heisst, weil sie bis jetzt nichts\nals mechanisch-materielle Kunststücke erfunden und in der\nKunstschöpfung keine individuelle Begabung zeigen, als in\nder Vorliebe zum Hässlichen, Carikirten, worin von jeher\npoesielose Zeiten sich bervorgethan: so meint dieselbe be-\nsonnene Kritik, sich nicht prophetisch auf die Nachwelt\nberufen zu müssen, um diese Sätze zu beweisen, sondern\nsie beruft sich aul das Gottlob nicht überall untei gegan-\ngene Gefühl der Wahrheit, wo es noch nicht durch Lite-\nraten-Coterie verdorben ist; ja, sie wagt es, sich auf die\ninnere Wahrheit im Herzen jener Propheten selbst zu be-\nrufen ; und dieses Gefühl schweigt nicht immei . das Ge-\nwissen wacht auch einmal auf zu Gericht und Strale.\nVon den liebenswürdigen Vermittlern zwischen All\nund Neu oder Historisch und Zukünftig sei vor Allen M en-\ndelssohn genannt, der achtbar an Gesinnung, künstlerisch\ngewandt in vielen Stilgattungen, den alten Bach zu Einen\ngebracht und eine gesunde Richtung in vielen Kreisen be-\ngründet hat, während er im tiefen Grunde nicht schöpfe-\nrisch, sondern weiblich empfangenden Geistes war. Nur\nim kleinsten Räume, dem einfach sinnigen Liede, ist ihm\neinzelnes Neues als Miniatur-Malerei gelungen; im grossen\nInstrumentale verharrt er bei der Nachahmung Beethovens\nund Mozart's, die hier oft sonderbar gemischt erscheinen;\nim Oratorium gelingen ihm wiederum nur die zärtlich\nschmelzenden Situationen, die rührende Süssigkeit und das\nsinnige pathetische Recitativ. Die tief gegründete posi-\ntive Macht fehlt ihm; die Kraft des grossen Chors ist\nihm versagt, es sei denn, dass massenhafte Instrumente,\ndunstige Accorde, unklare Vielstimmigkeit und hinkender\nRhythmus für Kraft gelten. Wesentlich neu möchte wohl\nauch einzelnes Harmonische erscheinen, wobei jedoch der\nnichtssagende Quint-Sext-Accord eine grosse Rolle\nspielt, als wolle er die stolzen Quart-Sexten Beethoven's\nüberbieten! der Sonderling, der uns von dem jugendlichen\nHochzeitsmarsch bis zur letzten Sinfonie unvermeidlich\nverfolgt,— Und selbst Mendelssohn hat seinen Nachahmer\ngefunden in Reinthaler, dessen kürzlich erschienener\n„Jephta\" mehr die Schwächen seines Vorbildes als dessen\nVorzüge wiederholt. (—Beim Anhören Mendelssohn'scher\nOratorien frage dich selbst, ob du erneut, beseelt, aufge-\nschwungen dich fühlest, wie bei Händel s Hallcluja und\nAmen; deine Seele wird's ja wissen!—)\nDie kürzlich aufgekommenen historischen Con-\ncerte sind als schulmässige Arbeit lobenswerth, als künst-\nlerischer Genuss eine Unwahrheit. Denn die wahre Lust\ndes Herzens bedarf nicht des gelehrten Studiums, die\nWonne der Seelen fragt nicht nach Alt und Neu, sondern\nnach dem, was ewig ist. Ein echter Künstler voll Wahr-\nheitsliebe wird diesem Ewigen die Ehre geben und so\nbis andere Zeichen andere Dichter bewähren, das\n| D '\nBewährte festhalten.\n\nDIXI."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580410-01.1.4", "texte": "Rangliste der grössten jetzt lebenden Violin-Virtuosen\nund Componisten für die Violine, mit Angabe ihrer\nbesonderen Vorzüge und Eigentümlichkeiten nebst\nbiographischen und kritischen Notizen.\n\nVirtuosen erster Classe A:\nHeinrich Vieuxtemps, geb. 1820 in Verviers(Belgien),\nansässig in Dreieichenhayn bei Frankfurt am Main.\nViel auf Reisen.\nHeinrich Wieniawski, geb. 1832 in Lublin (Polen).\nStets auf Reisen.\nCamillo Sivori, geb. 1817 in Genua (Italien). Wenn\nnicht auf Reisen, Aufenthalt in Paris.\nHeinrich W. Ernst, geb. 1814 in Brünn, lebt seit\n1854 in London.\nJ. Joachim, geb. 1831 in Pressburg, seit 1856 könig-\nlicher Concertmeister in Hannover.\nAntonio Bazzini, geb. 1818 inßrescia.Stets aufßeisen.\nAppollinar v. Kontski, geb. 1826 in Warschau, Solist\nder kaiserlichen Capelle in Petersburg.\nEd. Mollenhauer, geb. 1827 in Erfurt. Lebt seit 1854\nin New-Vork.\nVirtuosen erster Classe B:\nJean Bott, geb. 1826 in Kassel, seit Sommer 1857 her-\nzoglicher Hof-Capellmeister in Meiningen.\nBernh. Molique, geb. 1803, seit 1849 in London, frü-\nher königlicher Musik-Director in Stuttgart.\nTherese Milanollo, geb. 1833 in Mailand, seitAnfang\n1857 verheirathet mit dem französischen Linien-Ca-\npitän Parmentier. Lebt in Paris.\n- Heinrich Leonard, geb. 1819 in Brüssel, Lehrer am\nConservatorium daselbst.\n1). Alard, geb. 1822 in Bavonne, Lehrer am Conserva-\ntorium in Paris.\nMichael Hauser, geb. 1820 in Pesth. Auf Reisen.\nProsper Sainton, geb. 1813 in Belgien. Seit 1850 in\nLondon.\nTh. Haumann, geb. 1813 in Brüssel und ansässig daselbst.\nF. Laub, geb. 1830 in Böhmen, seit 1856 Concertmei-\nster der königlichen Oper in Berlin.\nEduard Singer, geb. 1830 in Tottir in Ungarn, seit\n1856 grossherzoglicher Concertmeister in Weimar.\nPaul Jullien, geb. 1841 in Brest (Frankreich). Seit\n1853 auf Reisen in America.\nFerd. David, geb. 1810 in Hamburg, seit zwölf Jahren\nLehrer am Conservatorium in Leipzig.\nJoseph Hellmesberger jun., geb. 1828 in Wien,\nLehrer am Conservatorium daselbst.\nKarl Müller, geb. 1797 in Braunschweig, Concertmei-\nster der herzoglichen Capelle daselbst.\nOle B. Bull, geb. 1810 inßergen. Viel auf Reisen;\" war\nvon 1843 bis Sommer 1857 in den Vereinigten Staa-\nten von Nordamerica.\nEduard Remenyi, geb. 1830 in Pesth. Seit 1854 in\nLondon, Hof-Concertmeister der Königin von England.\nAug. Pott, geb. 1805 in Nordheim. Seit zwanzig Jahren\nHof-Capellmeister in Oldenburg.\nKarl Dancia, geb. 1815 in Paris, Professor am Con-\nservatorium daselbst.\nFranz Schubert, geb. 1808 in Dresden, Concertmeister\nder königlichen Oper daselbst.\nVollendete Technik und grosse Bravour\nbesitzen:\nH. Vieuxtemps, H. Wieniawski, C. Sivori, Eduard\nMollenhauer.\nClassische Spieler sind vorzugsweise:\nH. Vieuxtemps, B. Molique, J. Joachim, Jean Bolt,\nFerd. David, Karl Müller, Aug. Pott.\nNeueste Schule und Genialität:\nH. Wieniawski, H. Vieuxtemps, A. Kontski, A. Bazzini.\nOhne Schule, aber genial:\nOle B. Bull.\nRepräsentanten der älteren Schule:\nJ. Joachim, B. Molique, K. Müller, F. David, A. Pott.\nVollkommene Reinheit und Correctheit:\n11. Vieuxtemps, B. Molique, E. Mollenhauer, K. Müller.\nVom Blatte lesen:\nH. Vieuxtemps, E. Mollenhauer. K. Müller, J. Bott.\nEinzeine Vorzüge:\nOle B. Bull das beste Staccato, ferner unübertrefflich im\nAusdruck von Gesangstellen, zuweilen hinreissend\nwenn er nicht falsch spielt.\nW ieniawski und Kontski stark in Flageolett- undPiz-\nzicato-Passagen, auch in rapiden Sprüngen ohne\nKunstbereicherung.\nErnst und Sivori kämpfen um die Palme in der Exe-\ncution des Paganini'schen Carnevals zum grossen Ver-\ndruss des gebildeten Musikers.\nH. Vieuxtemps grosser Ton und unerreicht in Octaven,\nDecimen-Gängen, Doppelgriff-Passagen.\nVirtuosen-Componisten. Erste Classe:\n11. Vieuxtemps. B. Molique.\nZweite Classe. A:\nJ. Joachim, D. Alard, H. W. Ernst, F. David, C.\nDancia, A. Bazzini, S. Leonard, Jean Bott.\nZweite Classe B (so genannte Solo-Componisten):\nM. Hauser, E. Mollenhauer, A. Kontski, 11. Wie-\nniawski, Th. Haumann, C. Sivori, P. Sainton, Ole B. Bull."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580410-01.1.5", "texte": "Veteranen erster Classe\nwelche nicht mehr öffentlich auftreten, gleich ausgezeich-\nnet als Virtuosen und Componisten):\n1.. Spohr, Dr., geb. 1784 in Braunschweig, Hof-Capell-\nmeister in Kassel.\nCh. Lipinski, geb. 1790 in Rasci in Polen, seit 1838\nConcertmeister der königlichen Oper in Dresden.\nJoseph Mayseder, geb. 1789 in Wien und Director\ndes Conservatoriums daselbst.\nKarl de Beriot, geb. 1802 in Löwen in Belgien, an-\nsässig in Brüssel.\nLouis Maurer, geb. 1789 in Paris, seit 1832 Orchester-\nchef in Petersburg.\n.). W. Kalliwoda, geb. 1800 in Prag, seit 1822 Ca-\npellmeister der fürstlichen Capelle in Donaueschingen.\nDie drei grössten jetzt lebenden Violin-\nVirtuosen sind:\n11. Vieuxtemps, der alle Virtuosen-Vorzüge in sich\nvereinigt;\nH. Wieniawski, der in brillantem Vortrag von techni-\nschen Schwierigkeiten excellirt, ohne Vieuxtemps' Si-\ncherheit und Tonfülle zu erreichen;\nC. Sivori, der vollkommen nach allen Richtungen im\nkleinen Genre.\nPostscriptum, speciel für Geiger und Freunde\ndes Violinspiels.\nDie vorstehend gegebene kritische Nomenclatur grün-\ndet sich nicht etwa auf so genanntes Hörensagen\nnein, sie ist das Ergebniss persönlicher Bekanntschaft mit\nden Künstlern selbst, mit denen ich während eines Zeit-\nraumes von innerhalb dreissig Jahren mehr oder weniger\nUmgang gepflogen habe. Es darf hier wohl nicht unerwähnt\nbleiben, dass ich sämmtliche Künstler zu wiederholten Ma-\nlen und in verschiedenen Zeiträumen hörte, dass ich als\nMusik-Verleger mit den meisten derselben in geschäftlicher\noder freundschaftlicher Beziehung stehe und fast mit allen\nselbst öfters musicirt habe. Es hat sich mir demnach mehr-\nfache Gelegenheit geboten, den Virtuosen nach allen Rich-\ntungen mit seinen besonderen Eigenthümlichkeiten und\nVorzügen kennen zu lernen. Begreiflicher Weise konnte\nhier nur von solchen Virtuosen die Rede sein, welche sich\ndurch öffentliches Auftreten einen bedeutenden Namen er-\nworben, und sind daher auch nur solche berechtigt, Auf-\nnahme in obige Ehren-Denktafel gefunden zu haben.\nDemnach mussten in stiller Zurückgezogenheit lebende\nKünstler, welche nur noch wenig öffentlich concertirten\noder vielleicht nie über das Weichbild ihrer Vaterstadt\nherausgetreten sind, von obiger Rangliste ausgeschlossen\nbleiben; eben so wenig können solche Geiger Anspruch\nauf Aufnahme machen, welche ein de Beriot'sches Air\noder einige selbst fabricirte Solo's vielleicht recht sauber\nauszuführen im Stande sind.\nSchliesslich erlaube ich mir nun noch hier zu bemer-\nken, dass ich bei Beurtheilung eines Künstlers allein von\ndem Grundsatze ausgegangen bin, denselben nach seinen\nGesammt-Vorzügen, über welche er summarisch und in\nausgezeichneter Weise zu gebieten im Stande ist, zu wür-\ndigen, ohne besonderes Gewicht auf eine einzelne tech-\nnische Kunstfertigkeit zu legen, die sich der Eine über\nden Anderen durch besonderen Fleiss erworben haben\nsollte.\nIch schliesse nun mit der Behauptung, dass zu einem\nKünstler ersten Ranges folgende Qualitäten in entspre-\nchender Vereinigung gehören, nämlich: Vollendete Tech-\nnik und Bravour, seelenvolles Spiel und Genialität, richti-\nges Verständniss (Auffassung) classischer Compositionen.\nNew-Vork, den 16. Februar 1858.\n\nJulius Schuberth.\n\nAus Elberfeld.\n\nDie Niederrheinische Musik-Zeitung hat lange nichts\nvon dem Musikleben in unserer Stadt berichtet. Dieses\nschicke ich nur voraus, um mir selbst, ihrem vereideten\nCorrespondenten, Mitglied des Geschworenengerichtes für\nmusicalische Sunden, den Text zu lesen und ihn als Fuge\nin Noten zu setzen auf das Thema: „Vergib, dass ich so\nträge bin\" u. s. w. Wollten Sie nun daraus schliessen,\ndass unsere Musik an derselben Krankheit wie ich litte,\nso thäten Sie sehr unrecht. Allein freilich, was wäre Achill\nohne einen Homer gewesen? Das sagt schon der alte Ho-\nraz oder irgend ein College von ihm, und so gehen auch\nunsere musicalischen Helden „dem unberühmten Tode\nentgegen, weil sie des heiligen Dichters ermangeln (ca-\nrent quia vate sacro.)\\uOhne nun ein solcher zu sein, will\nich wenigstens ihren Thaten ein Andenken stiften, das\ndiese auf die Nachwelt bringen soll d. h. bis auf künf-\ntigen Winter.\nWer könnte über das musicalische Elberfeld berich-\nten, ohne der unheilvollen Zerstörung des schönen und so\nakustischen Concertsaales im Casino mit Trauer zu geden-\nken, der in der Nacht vom 1. zum 2. Januar ein Raub\nder Flammen wurde? Allen Kunstfreunden zum Tröste\nkann ich aber aus guter Quelle (d. h. von Leuten, die Geld\nhaben) hinzufügen, dass man bei dem Neubau die Anlage\neiner grossen Tonhalle beabsichtigt. Da könnte Elber-\nfeld sogar die Hoffnung hegen, das niederrheinische Mu-\nsikfest, das vcn ihm ausgegangen, einmal wieder in seine»\nMauern zu feiern! Nun, wir wünschen von Herzen, dass\ndie Beabsichtigung Wirklichkeit werde, und dass in die"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580410-01.1.6", "texte": "Ausführung eines neuen Tempels der Kunst keine bekla-\ngenswerten Trübungen kommen mögen, wie sie die\nWupper manchmal mit sich führt\nerat quod tollere vellesj!\nVor dem Brande hatten wir schon zwei Abonne-\nments-Concerte und das Concert unseres Musik-Direc-\ntors, des Herrn Hermann Schornstein, gehabt. Das\nerste Abonnements-Concert eröffnete den Musik-Winter\nauf grossartige Weise mit einem der gewaltigsten Oratorien\nvon Händel: „Israel in Aegypten\". Im zweiten hörten\nwir die Sinfonie in F-durNr. 8 von Beethoven, das\nVorspiel zu der Oper „Hans Heiling\" von Marschner\nund eine Arie aus derselben Oper, die Ouvertüre zur\n„Olympia\" von Spontini, das Concertstück für Piano-\nforte von C. M. von Web'er, „Zigeunerleben\" von Rob.\nSchumann mit C. G. P. Grädener's Instrumentirung.\nFräul. Thelen aus Düsseldorf sang in beiden Concerten\ndie Solo-Partieen. Das Concertstück von Weber spielte\nHerr Lack, ein hiesiger Ciavierlehrer, recht brav.\nHerr Musik-Director Schornstein gab in seinem\nConcerte J. Haydn's „Jahreszeiten\". Wo man einen so\nvorzüglichen Chor hat, wie Elberfeld ihn besitzt, da ist es\n-immer am besten, in den grösseren Concerten solche Werke\naufzuführen, in denen dieser Chor die Hauptrolle spielt.\nDiese schöne Eigentümlichkeit der rheinischen Städte\nmuss vor Allem gehegt und gepflegt werden, und die Er-\nhaltung und Festigung des Chors muss durchaus die Haupt-\nsache der Bestrebungen der Musik-Directoren im Rhein-\nlande sein. Die Solo-Partieen wurden von zwei ausgezeich-\nneten Dilettanten aus Düsseldorf, Herrn und Frau P., und\nvon Herrn Göbbels (Tenor) gesungen, so dass die Auf-\nführung eine sehr gelungene war und den Zuhörern sicht-\nbarlich einen hohen Genuss gewährte.\nDie Zerstörung des Casinogebäudes brachte darauf\nallerdings eine Bestürzung und einen Stillstand hervor; al-\nlein si fr actus illabatur orbis,ferient\nSo dachte auch Herr van Eyken und gab eine Soiree\nfür Kammermusik im Saale der Harmonie, unter Mitwir-\nkungdesFräul. Ida Dannemann und der Herren Posse\nund Jäger. Wir lernten den berühmten Organisten hier\nauch als vortrefflichen Ciavierspieler kennen. W'ir hörten\nvon ihm die Cfe-«w#-Sonate von L. van Beethoven, eine\nkürzlich erschienene Sonate für Piano und Violine, Op. 18,\nvon ihm selbst, Mend elssohn's i?-(fer-Sonate mit Violon-\ncello und Schubert's B-dur-Trio, Op. 99. Fräul. Dan-\nnemann sang die grosse Arie der Gräfin aus „Figaro\"\nund zwei Lieder vom Concertgeber, und errang nament-\nlich mit letzteren einen grossen Erfolg. Herr van Eyken\nerwarb auch als Componist grossen Beifall; die Lieder\nwurden da capo gerufen, und von der Sonate, einem gedie-\nGenen Musikstücke ernster Richtung, wurde jeder Satz mit\nrauschendem Applaus aufgenommen.\nZwei andere Aufführungen fanden in dem Saale auf\ndem Johannisberg Statt. Herr W einbrenner führte un-\nter Mitwirkung der Damen Dannemann und Hammer\nmit seiner Liedertafel Rossini's Barbier von Sevilla auf.\nAls eine Dilettanten-Vorstellung befriedigte die Aufführung\nin vollem Maasse, und der Beifall des zahlreichen Pubii-\ncums war mit Recht sehr lebhaft.\nHerr Musik-Director H. Langenbach gab sein Be-\nnefiz-Concert nach folgendem Programm : Ouvertüre „Die\nVehmrichter\" von H. Berlioz; Violin-Concert Nr. 7 von\nL. Spohr; Ouvertüre zum Trauerspiel „Lucifer\" von J. A.\nvan Eyken (unter Direction des Componisten);\nMilitaire für Violine von Leonard; Sinfonie von Fr. Schu-\nbert. Die Orchesterwerke wurden alle sehr schön ausce-\nr o\nführt und erhielten sämmtlich viel Beifall, namentlich auch\ndie Ouvertüre zum „Lucifer\". Vor diesem Lucifer braucht\nman nicht bange zu sein, dass er die Leute durch teufli-\nschen Lärm erschrecke; es ist nicht derjenige, von dem es\nheisst: Mi contra Fa est diabol sondern\nseine Ouvertüre ist ein frisches, gesundes Musikstück mit\nkräftigen Motiven, wirkungsvoll instrumentirt. Herr Lan-\ngenbach bewährte sich wie immer als ein ganz vortreff-\nlicher Geiger und würdiger Schüler Spohr's. Sie sehen\nhoffentlich hieraus, dass wir auf unserer Hut sind, um nicht\nzu den Städte-Leichen zu werden, womit der Ritter Sul-\npicius den Ex-Bürgermeister Cicero tröstete (adspice ur-\nUum cadavera!).Denn das bleibt auch in der Musik wahr,\nwo sie nicht eifrig bewahrt und fleissig geübt wird, da\ngeht sie unter occidit, qui non servat.\n\nServus.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nHCSBBÄ. Frau Viar d o t-G ar ci a hat am 29. März ein sehr\nbesuchtes Concert im kleinen Saale des Gürzenich gegeben und ist\nan den beiden folgenden Tagen als Rosine im Barbier und als\nDonna Anna im Don Juan aufgetreten. Wir haben das Urtheil,\nwelches unser Herr Correspondent aus Berlin in diesen Blättern (Nr.\n8 vom 20. Februar 1858) über die vorzüglichen Eigenschaften dieser\nSängerin ausspricht, durch ihre Leistungen vollkommen bestätigt ge-\nfunden. Ihre Meisterschaft in der Technik muss von allen Kennern\nüber alles gestellt werden, was man je gehört hat, das Wort Tech-\nnik im weitesten Sinne genommen, in welchem es alle Erforder-\nnisse der Gesangkunst umfasst, wozu denn auch vorzüglich die Kunst\nder Behandlung des Athems und die Aussprache des Textes gehören.\nIn beiden Beziehungen ist Frau Viardot nicht bloss Meisterin, son-\ndern sie übertrifft hierin jede Erwartung auch der anspruchsvollsten\nKritik; denn was die Gesanglehre als Höchstes, als Ideal in diesem\nPunkte aufstellen kann, das ist bei ihr zur erstaunenswerthen Wirk-\nlichkeit geworden. Dass die Aussprache in den verschiedensten Spra-\nchen dieselbe Deutlichkeit hat, ist bei einem so vielseitigen Talente\nkaum zu verwundern; dass Frau Viardot aber das Deutsche so\nvollkommen deutlich und schön ausspricht, wie wir es von keiner"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580410-01.1.7", "texte": "einzigen deutschen Sängerin, geschweige denn von Sangern, ge-\nhört haben, das ist allerdings bewundernswerth und zeigt uns, wie\nsehr dieser Theil der Gesangkunst bei uns vernachlässigt wird. Die\nDarstellung der Rosine legte alle Vorzüge der Künstlerin verei-\nnigt dar, ja, wir möchten sagen, der Vortrag der bekannten ersten\nArie allein that schon dasselbe; wir haben nie geglaubt, dass die\nAusführung dieser Cavatine, welche die Sängerinnen in der Regel\nnur als ein Paradestück behandeln, ein so vollendetes Charakter-\nbild geben könnte.\nFassung der Rolle ebenfalls vortrefflich, und alle Momente, in denen\ndie Stimme der Künstlerin ausreichte, waren sehr schön. Die Partie\nist aber von denen, welche durchaus eine grosse, mächtige Stimme\nverlangen, wenn ihre Auffassung vollkommen zur Geltung kommen\nsoll.\nKunst der Coloratur (besonders in der fabelhaft brillanten Bravour\nder Arie aus Graun's Britannicus) und des genialen Vortrags von\nLiedern, namentlich spanischen. Wir hätten gewünscht, auch ein\ndeutsches Lied von ihr zu hören, wie denn überhaupt der Zuschnitt\ndes Programms etwas zu parisisch war. Herr Capellmeister Hil-\nler, der die Sängerin am Piano begleitete, gab uns als Zwischen-\nspiel eine kurze, sehr edel gehaltene freie Phantasie, wozu er Mo-\ntive aus dem Gebete Samson's von Händel, das Frau Viardot in\nenglischer Sprache vorgetragen hatte, benutzte. Herr von Königs-\nlöw hatte den schweren Stand, auf der Violine mit einer so vollen-\ndet ausgebildeten menschlichen Stimme zu wetteifern. Er trug aber\ndie Romanze von Beethoven und „ungarische Lieder\" mit so vollem\nschönem Tone und meisterhafter Technik vor, dass ihm ebenfalls der\nlebhafteste Beifall zu Theil wurde.\nFräulein Agnes Bury ist als Martha den 6. d. Mts. aufge-\ntreten und singt heute (den 9. d. Mts.) die Lucia, während gestern\nFräulein Johanna Wagner ihr Gastspiel mit dem Romeo be-\ngann. Fräulein Bury bewährte ihren wohlerworbenen Ruf als feine,\nsehr gebildete Coloratursängerin; die Stimme hat nur wenig abge-\nnommen, dagegen ist die Technik in Figuren jeder Art, Verzierun-\ngen, Trillern u. s. w. noch vollkommener geworden. Die eingelegte\nArie von Balfe, an sich eine unbedeutende Composition, gab der\nKünstlerin besonders reichliche Gelegenheit, ihre Kunst glänzen zu\nlassen. Sie wurde gerufen und erfüllte den lauten Wunsch des Pu-\nblicums, die Arie zu wiederholen.\nFräulein Wagner übte als Romeo auf das vollbesetzte Haus\nden Zauber aus, den ihre Darstellung dieser Rolle durch die wun-\nderschöne Vereinigung des Heroischen mit dem Schmelzenden der\nLiebe und Trauer nie verfehlen kann.\nUeber die Soiree des Kammersängers Herrn E. Koch, das\ndritte Concert des Männergesang-Vereins (Chöre zum\nOedipus von Mendelssohn), das Prüfungs-Concert der Rhei-\nnischen Musikschule zu berichten, fehlt es uns heute an Raum.\n** HiUltt&n&eSiLweig* Freitag den 2. April wurde uns • ein\nseltener musicalischer Genuss au Theil. Es wurde von der Sing-\nAkademie Rossini's „Stabcit mater\" und „Christus am Oelberge\"\nvon Beethoven aufgeführt. Die Aufführung halten wir für ausge-\nzeichnet. Die Soli wurden von den ersten Kräften der Hof-Oper ge-\nsungen. Herr Jean Thelen besitzt eine der schönsten Bassstimmen\nder Gegenwart; sein Gesang war schön und edel, besonders die Arie\nim Stabat mater sang Herr Thelen künstlerisch vollendet. Herr Sie-\ngel war ebenfalls gut disponirt und brachte die Tenor-Partie zur\nvollsten Geltung. Fräul. Prause sang die Sopran-Soli. Es versteht\nsich von selbst, dass dieselbe mit ihrer wunderbar schönen Stimme\nund ihrem herrlichen Gesänge einen mächtigen Eindruck nicht ver-\nfehlen konnte. Fräul. Müller war im Besitze der Alt-Partie und\nzeigte ihre kräftige Stimme in vollem Glänze. Chor und Orchester\nunter Leitung des Capellmeisters Franz Abt gingen sehr gut zu-\nsammen. Wir halten uns verpflichtet, unseren wärmsten Dank lii\nden herrlichen Genuss auszusprechen.\n#\n]h*e§den* Der talentreiche Componist Johannes Wolf von\nEhren stein ist neuerdings wieder ausserordentlich productiv ge-\nwesen Nachdem er die Herausgabe seines zwölf Nummern umfas-\nsenden Lieder-Cyklus „Leid und Lust\" kaum beendet hat, der Dich-\ntungen von H. Heine, J. Schanz, J. N. Vogl, F. Rückert, W. Wulff,\nTh. Storm und N. Lenau musicalisch wiedergibt, so liegt uns be-\nreits wieder ein neuer Lieder-Cyklus vor mit dem Titel „Zu Volkswei-\nsen\"; er enthält die sechs Lieder, die in GeibeFs „Junius-Liedern\"\nunter gleichem Titel zusammengestellt sind, deutsche, französische,\nschottische, russische und neapolitanische Volkslieder.\nFrailkfüS*t S&BM Main. Wie schwierig es ist, hier nach\nbester Einsicht und der Wahrheit getreu Kritik zu üben, besonders\nwenn diese gegen die Meinung jenes Bruclitheils im Dilettanten-\nKreise verstösst, der für die Zukunftsmusik Partei nimmt, dies be-\nzeugen nachstehende Zeilen, welche die Redaction des Conversations-\nBlattes unterm J. April zu veröffentlichen sich veranlasst gesehen :\n„Seitdem Karl Mangold's Frithiof durch den Rühl'schen Verein\nhier zur Aufführung gekommen, besteht über den Werth dieses so\ngenannten musicalischen Drama's ein bis heute noch nicht ausge-\nglichener Widerstreit der Meinungen. Die Einen finden das Tadelns-\nwerthe allzu überwiegend, als dass sie sich durch einige Vorzüge\ndes Werkes für entschädigt halten könnten; die Anderen wollen um\nder Ursprünglichkeit der Conception und um vieler musicalischen\nSchönheiten willen gern zugestandene Fehler und Mängel verziehen\nwissen; noch Andere, die der Aufführung durch den Rühl'schen Ver-\nein beigewohnt, hat der Frithiof weder kalt noch warm gemacht.\nAn diesem Stande der Dinge hat unsere, einer competenten und vm-\nparteiischen Feder entstammende Besprechung des Werkes nur in\nso fern etwas geändert, als sie den Streit noch mehr entflammte; der\nRedaction warf seitdem jeder Tag eine vermeintliche Berichtigung,\neine Antikritik und dergleichen ins Bureau. Eine Polemik soll in-\ndessen um des Princips und um des vorliegenden Werkes willen\nvermieden werden; eine Klärung der Meinungen aber thut noth. Gern\nsei zugegeben, dass es selbst für den Kundigsten und Geübtesten\nschwer ist, nach einmaligem Hören einer solchen Composition und\nohne Einsicht der Partitur, denn selbige liegt noch nicht gedruckt\nvor, ein concises und darum unantastbares Urtheil abzugeben. Wir\nschliessen uns darum mit grosser Bereitwilligkeit dem schon ander-\nwärts ausgesprochenen Wunsche an, dass der Frithiof durch den\nRühl'schen Verein möglichst bald zu einer zweiten Aufführung ge-\nlange. Was dann an unserer ersten Besprechung etwa zu ergänzen\noder zu berichtigen sein würde es soll an uns nicht fehlen; denn\nder Wahrheit die Ehre und dem Verdienste sein Lohn!\"\nAls bemerkenswerther Fall darf verzeichnet werden, dass die super-\nkluge, Wind und Wetter am schärfsten beobachtende Matrone D idas-\nkalia über Mangold's Frithiof bis nun schweigend sich ver-\nhält, sie, die niemals verfehlt, zuerst zu sprechen, wenn an der Sache\nnur etwas zu loben ist. Dieses ominöse Schweigen gilt einstweilen\nstatt einer beredten Kritik über das fragliche Werk Kommt dieses\nin seiner Integrität zu einer zweiten Aufführung (neulich soll\nfür eine gute halbe Stunde Zeit Musik gestrichen worden sein), so\nwird Didaskalia sicherlich mit in die Schranken treten.\nDer durch seine Kunstreisen in Deutschland rühmlichst bekannt\ngewordene ausgezeichnete Violoncellist Feri Kletzer aus Ungarn,\nder die letzten sechs Monate mit Formes, Vieuxtemps, Thalberg und\nder Lagrange in America Concerte gab und seinen Künstlernamen\ndort hochgeehrt machte, ist vor Kurzem von New-York abgereist,\num nach Europa, zunächst nach London und Paris, und später nach"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580410-01.1.8", "texte": "Deutschland, zurückzukehren. Es liegen uns Zeitungen aus Boston,\nNew-Orleans, New-York und anderen americanischen Städten vor,\ndie sich über die Leistungen dieses Künstlers mit wahrer Begeiste-\nrung auslassen.\nRitter v. Neu komm, der durch tüchtige und ver-\ndienstliche Tonwerke verschiedener Gattung rühmlichst bekannte\ndeutsche Componist, ist am 3. April hier in einem Alter von 81 Jah-\nren gestorben und am 5. Nachmittags beerdigt worden. Der Freund\nund Liebling Talleyrand's, welcher ganz Europa (und bekanntlich\nauch Brasilien) im musicalischen Interesse bereiset hatte, der wackere\nSchüler Michael und Joseph Haydn's hatte bis zum letzten Augen-\nblicke nichts von der Rüstigkeit seines Geistes verloren und noch\nkurz vor seinem Tode die Durchsicht eines neuen Opus selbst be-\nsorgt. Ritter v. Neukomm war in London wie in Paris in musicali-\nschen Kreisen beliebt, und ich war daher sehr überrascht, ausser\nStockhausen keine einzige musicalische und überhaupt keine litera-\nrische Notabilitcit unter den in der Kirche Anwesenden gesehen zu\nhaben. Der deutsche Componist wurde auf dem Friedhofe von Mont-\nmartre beigesetzt.\nCamillo Sivori ist nach einer Reihe von glänzenden Concer-\nten im mittäglichen und westlichen Frankreich in voriger Woche\nhier in Paris wieder aufgetreten und hat das zahlreiche Audito-\nrium in Bewunderung versetzt. Es ist hier nur Eine Stimme über\ndas Unnachahmliche seines Spiels, das besonders auch an Grossartig-\nkeit noch mehr gewonnen hat. Der ungeheure Erfolg hat ihn bewo-\ngen, am 9. d. Mts. ein zweites Concert zu geben eine im jetzi-\ngen 1 aris, und namentlich von Seiten eines Violinisten, fast uner-\nhörte Thatsache.\nNoch ein „Zur Nachricht\" (vgl. Nr. 10 d. Ztg.). Dass die\nG. W. Körner' sehe „Urania\" rücksichtslos über jeden herfährt,\nder nicht auf ihrem Horn bläs't, d h. der nicht aus Leibeskräften\nK. sehe Verlags-Artikel ins Publicum bringt, ist bekannt genug und\ndient sicherlich nicht zu ihrer Empfehlung, eben so wenig wie die\nmaasslosen Anpreisungen gewisser K.'scher Verlags-Artikel.\nMan begnügt sich aber damit noch nicht, sondern sucht auch\nMänner im Amte zu verdächtigen, wie im Jahrgang 1857. Nr.\n3, S. 16 der Urania, wo es wörtlich heisst: „Ritter's berühmtes\nWerk, „„Die Kunst des Orgelspiels\"\", welches bekanntlich in sehr\nvielen Seminarien mit dem besten Erfolge eingeführt wurde, fand\nbis jetzt am meisten Absatz an das Seminar zu Freiberg in Sach-\nsen. Der dortige sehr geehrte Seminar-Director Herr Bräss bezog\nnämlich von Bd. I. 45 Exempl, Band 11. 60 Exempl. und Bd. 111.\n45 Exempl. In Bayern, Oesterreich, im Baden'schen und Braun-\nschweigischen, ferner in der Rheinprovinz, so wie in der Provinz\nBrandenburg und Preussen dagegen scheint man im Ganzen wenig\nfür ein gediegenes Orgelspiel wirken zu wollen, wenig-\nstens sprechen unsere Erfahrungen dafür. Ein Wink für Semi-\nnar -Musiklehrer!\" (Auch für den sei. Engelhardt!) Das heisst\ndenn doch die Unverschämtheit weit treiben. -j-j-j-\nDas berliner „Echo\" enthält folgende „Warnung. Musik-Ver-\nleger des In- und Auslandes haben angekündigt, dass Lithographen\nin Provincialstädten sich dazu herbeilassen, für den Gebrauch der\nGesang-Vereine Chöre im Steindruck zu vervielfältigen. Da hiedurch\ndie Original-Verleger solcher Chöre in ihrem Eigenthumsrecht beein-\nträchtigt werden und ihnen im Verkaufe ein wesentlicher Schaden\nzugefügt wird, so wird hiermit vor solchen Vorgängen mit der Bei-\nfügung gewarnt, dass wo immer derart vervielfältigte Chorstimmen\nvorgefunden werden sollten, die Verleger nicht unterlassen werden,\njedes Mal gerichtliche Schritte einzuleiten. Die löblichen Ver-\neine wollen zur Kenntniss nehmen, dass ohnedies jeder Verleger bei\ngrösserem Bedarf von einzelnen Stimmen einen so billigen Preis\nmacht, dass jeder Verein seinen Bedarf weit unter den CopiaKejs-\nkosten beziehen kann.\" „Das Co mite/4\nB) e u t § e Ii e T o 11 Ii a I 1 e.\nFür die Composition des durch den Verein im vorigen Jahre\npreisgekrönten einactigen Operetten-Textes „Der Liebesring\" setzen\nwir hiermit den Preis von 200 Gulden aus und laden deutsche Ton-\ndichter zur Bewerbung um denselben ein.\nDie Bewerbungen selbst sind in Partitur und geheftet läng-\nstens im Monat October d. J. trei an den Verein hieher einzusen-\nden und mit einem versiegelten Briefe zu begleiten, in welchem der\nVerfasser sich nennt. Der Partitur ist ein deutscher Spruch beizu-\nsetzen, den auch der Brief aussen zu führen hat, auf dem zugleich\ndeijenige rondichter zu benennen ist, welchen der Verfasser des\nWerkes als Preisrichter wählt.\nDie Heuen Bewerber haben ausserdem das hieher Bezügliche der\nVereinssatzungen zu beachten, die auch für uns bindend sind. Er-\nwdhntei Text (Eigenthum der .Tonhalle) ist aut Handelswegen und\nauf freie Briete gegen 18 Kr. bei uns zu beziehen, Niemand aber\nberechtigt, daher hier ausdrücklich gewarnt wird, einen anderen Ge-\nbrauch davon zu machen, als ihn für diese Preisbewerbung zu com-\nponiren und in oben bestimmter Zeit uns zuzusenden.\nSä mm t Ii che hierauf einkommende Werke bleiben Eigenthum\nder Verfasser, und werden wir demjenigen, welcher den Preis zuer-\nkannt erhält, s. Z. das Werk nebst dem Preise, nach seiner einge-\nholten Bestimmung, zuzusenden nicht ermangeln.\nMannheim, Osterm. 1858.\nDer Vorstand. '"}]}