{"numero_id": "bm-bmtnabi-1858-05-01-01", "volume": "bmtnabi_1858-05-01_01", "ocr_sha256": "d8e3da59096133368d5a9adc7f0a1d489c225de517480681afa4fde03ee06227", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1858/05/01_01/bmtnabi_1858-05-01_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580501-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1858-05-01-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-05-01_01#c001", "volume": "bmtnabi_1858-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "137", "page_fin": "137", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580501-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "137", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580501-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 452, "texte": "Inhalt.\nDeutscher Text zu Belsazer, Oratorium von Händel. Spohr's Faust auf der frankfurter Bühne. Stoppellese\n(Liszt's graner Festmesse). Aus Paris (Heinrich Wieniawski Concerte). Von B. P. Tages- und Unterhaltungsblatt\n(Köln, Viertes Winter-Abonnements-Concert des Männergesang-Vereins, 16. Stiftungsfest desselben Vereins, Sechste Soiree für Kammermu-\nsik) Denkstein für Gathy. Offenes Schreiben an die Redaction der Niederrheinischen Musik-Zeitung."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-05-01-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-05-01_01#c002", "volume": "bmtnabi_1858-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "137", "page_fin": "139", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580501-01.2.2", "titre_corps": "Deutscher Text zu Belsazer, Oratorium von Händel.", "titre_sommaire": "Deutscher Text zu Belsazer, Oratorium von Händel.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "137", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580501-01.1.1", "debut_caractere": 454, "fin_caractere_exclue": 3836, "texte": "Deutscher Text zu Belsazer,\nOratorium von Händel.\n(S. Nr. 11 und 12.)\nErster Theil.\nCyrus und das persische Heer vor Babylon.\nChor der Bctbylonier (die Belagerer verhöhnend):\nSeht hin! wie Persia's junger Held u. s. w. *)\nGobrias (Recit.) Sie höhnen uns vor Mangel wohl bewahrt\ndurch volle Speicher wohl für zwanzig Jahr,\nvor Ueberfall gedeckt durch Eisenthor'\nund hohe Wälle, durch des Euphrat Flut\n. noch mehr geschützt.\nCyrus. Doch diese Sicherheit\nhilft mir, sie zu verderben! Ich sag1 dir, Gobrias,\nich räche deinen Gram mit blutigem Schlag\nauf dieses Königs Haupt.\nGobrias. O, wecke mir\nnicht diesen bittren Schmerz. Mir dünkt, ich seh1\nihn noch, den Sohn, den liebsten der Söhne,\ndess Kindespflicht und Liebe mich über Maass,\nmich weit vor allen Vätern glücklich machte:\nich seh1 ihn leblos zu des Wüthrichs Füssen,\ndas Opfer seines Neides.\n(Arie.) Gebeugt von unheilbarem Schmerz,\nerkrankt mein müdes, sieches Herz;\nberaubt um alle Lebenslust,\nbewegt nur Rache mir die Brust.\nCyrus. Auf, fasse dich! So sicher der Tyrann\nsich immer wähnt, gab eine Kriegslist mir\nder Himmel ein (der oft durch Träume redet),\nzu täuschen seine Macht. Tief trägt mein Geist\nden Eindruck noch; er kann nicht eitel sein.\nMir schien, dass am Gestad1 des grossen Euphrat u. s. w.\nNun sage, Gobrias, strömet dieser Euphrat\nnicht mitten hin durch Babylon?\nGobrias. So is^s.\nCyrus. Und sagtest du nicht auch, dass gegen West\nein grosser See, der sich allseitig ausdehnt\nbis zu zehn Meilen, einst beim Uferbau\naufnahm des Stroms Gewässer?\nGobrias. Ja, fürwahr!\nCyrus. Und könnten wir nicht so auch jetzt abziehen\ndes Flusses Lauf und eingeht in die Stadt hin trock-\nnen Fusses?\nGobrias. Sei dies gethan, so hemmen Eisenthore,\ndie von der Stadt aus leiten zu dem Strom,\ndir dort den Durchgang, fest verwahrt bei Nacht,\nwenn du den Angriff wagst. Wär1 ungesperrt\nder Zugang dort, so wär1« es leichtes Spiel,\ndie stolze Stadt zu beugen.\nCyrus. Sagst du nicht,\ndies sei das Fest, das sie dem Sesach weih'n?\nund dass die Babylonier diese Nacht\nim Rausche feiern und in Schwelgereien?\nGobrias. So ist's, und die Berauschung gilt für Pflicht\nbei diesem Feste.\nCyrus. Befremdet dich es dann,\nwenn weinberauscht die von dem Gott Geschlagenen\nweichen von dem Pfad der eignen Wohlfahrt?\n(Arie.) Du, Gott! der, mir nur fern bekannt,\nso hoch erhobest meine Hand,\nhilf, dass ich beug1 in blut'ger Schlacht\nruchlos stolze Macht!\nDann soll ersteht Dir Dein Altar,\nDein Lob erschallen immerdar,\nund all Dein Wille, wenn bekannt,\ngescheht durch Deines Dieners Hand,\n(Recit.) Denkt nun auch ihr,\ndass ihr bei euren Thaten nie vergesset\ndes Höchsten Schutz ; was immer ihr beginnet,\nbeginnt ihr stets mit Gott, um Hülfe werbend\ndurch Opfer und Gebet.\nChor d. Perser. Die Reiche steh'n in Gottes Hand u. s. w.\nDaniel's Haus.\nDaniel (mit den prophetischen Büchern beschäftigt).\n(Arie.) 0 heiFges Buch, der Wahrheit Quell und Grund,\nder reinsten Weisheit reicher Schacht,\nbei Tag sei stets in meinem Mund,\nall mein Gedanke sei bei Nacht.\nWer auf dein Wort nicht achtsam hört,\nversäumt sein Heil, von Wahn bethört.\n(Recit.) Sei freudig, o mein Volk! es kommt die Zeit,\ndie langersehnte Zeit, die Gott verhiess!\nSo sucht nun Gott den Herrn von Herzensgrund,\nihr sollt Ihn sicher finden! Und Er bricht\ndie alten Fesseln euch! Er versammelt euch\n\n*) Ueberall, wo u. s. w. steht, wird der Text der Moserschen\nAusgabe beibehalten."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "138", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580501-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5330, "texte": "aus allen Völkern, wo zerstreut ihr weilet,\nund führt zur Heimat euch in Frieden wieder.\nDenn lang' zuvor,\nin Zeiten, ehe Cyrus noch der Welt\nbekannt war, hat Jehova durch den Seher\nmit Trostesworten dem gefang'nen Volk ihn\nverkündet und genannt den Wundermann !\nSo sprach der Herr zu Cyrus, dem Gesalbten: u. s. w.\nDie Königsburg.\nBeisitzer (Arie). Ein freudig Fest lasst uns begeh'n!\nLasst froh das Herz im Glanz des frohen Auges seh'n!\nFrei ströme Wein, der Quell der Lust,\nentfleuch, o nagender Gram der Brust!\nKlingt an des Glockenspieles Klang,\nstimmt ein in Sesach's Preisgesang.\nO süss Behagen, wo die Freude lacht!\nZaumlose Fröhlichkeit krön' diese Nacht!\n(Rccit.) Dies ist die Ordnung dieses heil'gen Tags,\nnach altem Recht und Brauch.\nJSitocris (Belsazer's Mutter). Ich kenn' die Ordnung,\ndie mir ein Gräuel ist. Wer weis1 und gut,\nder billigt kein Gesetz, das gegen Sitte, Schaam\nund Tugend streitet.\nBelsazer. Thue du,\nwie dir gefällt, dieweil wir schwelgen hier!\nDie Judenschar schmollt da bei unsrer Lust\nund neidet Freuden uns, die sie entbehrt.\nDoch nun soll dies verkehrte finstre Volk uns\ndie Feier hier verschönen ! Bringt jene Schalen,\ndie goldnen Schalen, die mein Ahn1 als Sieger\ngeraubt im Heiligthum Jerusalems\nund in Baal's grossem Tempel aufgestellt,\ndoch nicht gebraucht! Wohlan, wir brauchen sie!\nEs dien' ihr Gott, dess Macht zu nichtig war,\nsein Volk zu retten, unsrer Heldenschar,\ndie ihn besiegt, aus seinen Schalen trinkt!\nEs soll ihr reicher Glanz und ihr Formenschmuck\ndie Pracht erhöh'n, zur Feier dieses Tags.\nUnd wenn ihr trinkt, so preis't des Landes Gott,\nder diesen Ruhm verlieh.\nJSitocris. O Tempelraub!\no unerhörter Freve^!\nChor der Babylonier. Zurück, o Fürst, nimm dies Gebot! u. s. w.\nJSitocris. Sie reden wahr; und glauben müsst ihr wohl\n(obschon von Lust und Schwelgen ganz erfüllt),\nwas alle Welt geseh'n. Ich spreche nicht\nvom feuervollen Ofen, den der Gott,\ndem kühn ihr trotzt, für seine treuen Diener\nzu kühler Labung machte; nicht vom König,\nden er vom stolzen Thron herabgestürzt,\nund ihn, der sich gewähnt den Göttern gleich,\nverwandelt hat zum Stier; all dies und mehr\nweisst du sowohl, wie ich: o, lass' dich's warnen!\nBelsazer. Hinweg! bekehrte meine Mutter sich\nzu jüdischem Aberglauben? Abtrünn'ge Mutter!\nDies Märchenwerk steht an dem kind'schen Wahn\ndes greisen Weibes, doch einer Fürstin nicht,\nnoch jung wie du, als weise hochberühmt.\nAuf zu dem Fest! Ich frevle an der Zeit,\nmit eitlem Wortgezänk, statt sie zu weih'n\nden Göttern und der Lust.\nPsitocris (Duett). O meines Lebens Lust, lass ab! u. s. w.\nNitocris. Weh' mir! So seh' ich meinen Sohn\nim Flug sich dem Verderben nah n!\nBelsazer. Nicht zum Verderben, nein, zur Lust\neil' ich; und Alle, Alle lad' ich ein,\nmit mir zu schwelgen diese Nacht\nin Freud' und Lust, all' diese Nacht!\nChor der Israeliten. Allmählich steigt Jehova's Zorn u. s. w«\nZweiter Theil.\nDie Perser vor dem abgeleite ten Euph rat.\nChor der Perser. Seht, wie so schnell der Euphrat weicht u. s. w.\nCyrus. Ihr Freunde seht, bald ist der Pfad uns offen\nzur Veste; furchtlos lasst uns einzieh'n, wissend,\ndass die, mit welchen wir zu kämpfen geh'n,\nschon früher wir besiegten, als sie, noch\nverstärkt durch Scharen mächtiger Freunde,\nwachend und nüchtern standen schlachtgereihtr;\nnun all im Schlaf, im Rausch und in Verwirrung\nund wehrlos ganz: vollends erblicken sie\nin ihren Mauern uns.\n(Arie.) Erstarrt, den Feind so nah' zu schau'n,\nDa Schlaf und Wein betäubt ihr Haupt,\nbebt jedes Herz in Todesgrau'n,\nsinkt jeder Arm, der Kraft beraubt.\nMachtlos versagt des Helden That,\nmachtlos verstummt des Weisen Rath.\nChor. Ans Werk, ans Werk! nicht zaudert mehr!\nGott und Cyrus führen euch.\nDie Königsburg.\n(Festgelag dem Gott des Weines zu Ehren.)\nChor d. Babyl. Ihr schützenden Götter des Landes, blickt her\nund schaut, welche Beute den Sieg euch verschönt!\nWas ihr gnädig uns gabt, steig' mit Dank euch empor.\nGold, Wein, frohen Sang nehmt als Lob auf und Preis!\nSesach! Die Nacht ist dir geweiht, ,\nder freundlich gab den goldnen Wein!\nBelsazer (Arie). Kränzet die Becher rings im Kreis,\nEs gilt des edlen Weines Preis!\nVon allen Gaben, die uns freu'n,\nist's diese, die mein Herz erkor!\nNoch Einen Kelch! schenkt wieder ein!\n's ist Götterwein,\ner hebt zum Himmel uns empor!\n(Recit.) Wo ist der Gott, dess Allmacht Juda rühmt? u. s. w,\n(Eine schreibende Hand erscheint an der Wand.)\nChor. Helft, helft dem König! Er sinkt, er stirbt! u. s. w.\nBelsazer. Ruft meine Weisen, Zauberer, Chaldäer u. s. w.\nChor d.Weisen. O Herr! unmöglich ist, was du begehrst:\nDen Sinn der Zeichenschrift versteh'n wir nicht!\nChor der Babylonier. O Bangigkeit, o Schauder, trostlos Weh u. s. w.\nJSitocris. O Herr! nicht verzage!\nLass nicht dein Herz entsagen seinem Muth,\nnoch sei dein Angesicht von Sorge bleich,\nda deine Weisen schweigen. Vor dem Thore\nverweilt ein Mann im Kreis der jüdischen Sclaven,\nden seines Gottes heilte? Geist erfüllt-\nund in den Tagen Nebukadnezar's einst\nward Weisheit wie von Gott in ihm erprobt,\ndurch die er löst' des Traums verborg'nen Sinn,\nden dunklen Zauberspruch, der Zweifel Qual.\nDaniel heisst er im Volk, doch vor dem König\nBelteschazzar. Führt ein diesen Mann!\nEr lies't die Schrift dir, und er deutet sie.\nBelsazer. Bist du der Daniel aus den jüd'schen Sclaven ?\nIch vernahm, dass du\nzu lösen Weisst geheimer Zeichen Sinn"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "139", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580501-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4202, "texte": "und zerstreuet Zweifelsqual. Wenn du mir lies't\nund deutest diese Schrift, soll Purpur dir\nden Leib umkleiden, goldner Schmuck den Hals,\nund als den Dritten ehret dich das Reich.\nDaniel (Arie). Nein, halte Prunk und Pracht an dir,\ngib Lohn an den, der sein sich freut;\nso eitler Taad gefällt nicht mir,\nder ganz sich Gottes Dienst geweiht.\n(iiccit.) Doch beug' ich mich dem Machtgebot\ndess, der nun rächt erlittnen Hohn.\nIch les' den Urtheilspruch ;\ndu sollst zu deinem Schrecken ihn versteh'n.\nMENE. Der Gott, den du so frech gelästert,\nhat deines Reiches Tage gezählt und endet sie.\nTEKEL. DU wardst, gewogen auf der Wage,\nzu leicht befunden.\nPERES. ES wird dein Reich getheilet,\nUnd Medern nun und Persern eigen.\nIMtocris. O allzu strenger Spruch, der dich zermalmt,\nwenn nicht die Reue hemmet den Vollzug!\n(Arie.) O, blick' auf deiner Mutter Gram,\nneig' ihrem Fleh'n dein Ohr,\nund blick' in dich in Reu' und Scham,\nund blick' zu Gott empor!\nDer Reue fliesst sein Gnadenborn,\nden Starrsinn schlägt sein Rachezorn.\nDie Stadt.\n(Das persische Heer innerhalb der Mauern.)\nCyrus. (Arie.) O Gott des Heils, du treuer Hort,\nwohl hieltest Du Dein Wort!\nDer Strom hemmt vor mir seinen Lauf,\n/\nweit offen springt die Eisenpfort',\nfroh meines Einzugs, auf!\nDer Feinde Scharen floh'n zerstreut,\nwo sie gewagt, zu nah'n;\nwohin ich schritt, war mir der Sieg bereit;\ndenn Gott, Er war mir stets zur Seit'\nund brach vor mir die Bahn.\n(Recit.) Du, Gobrias, leite gradeswegs zur Burg hin,\n, dir ist der Weg bekannt. Dies trunkene Volk\nversperrt uns nicht den Eingang. es wagt,\nfällt unsrem Schwerte oder flieht in Hast,\nnimmt uns auch wohl für Freund' und jauchzt im\nFreudenrausch.\nAls Freunde stimmt in ihren Ruf.\nFeind sei uns Keiner hier, als dieser König;\nsank Er dahin, ist unser Ziel erreicht.\nO tapfre Schar, beflecket nicht das Schwert\nmit wüstem Morde! Wie die eigne Herde\ndünkt mir bereits dies Volk, ich selbst ihr Hirte,\ndess Pflicht ist ihre Hut und ihre Weide,\nnicht ihr Verderb.\nChor d. Perser. 0 tapfrer Fürst! Dreimal beglückt,\nwer einst dein künftig Reich erblickt.\nWar' jeder Thron dem deinen gleich,\ndann wär' die Erd' ein Himmelreich.\nGehorsam frei, bereit und blind,\ndie Knechtschaft wär' der Liebe Kind,\nder Streit der Völker wär' versöhnt,\nFreiheit und Fried' und Seligkeit\ntrügen ihr Reich von Land zu Land,\nund Kampf und Leiden wär' verbannt.\nDritter Theil.\nDie Königsburg.\nNitocris (Arie). Vorahnend hofft und bangt mein zweifelnd Herz,\ndie müde Seele zagt in Schmerz.\nEin freundlich tröstend Bild erfreut\nmir nun den Geist; mein Sohn bereut,\nund Gott verzeiht, versöhnt.\nDann seh' ich, wie er mutherfüllt\nempor sich rafft und ruchlos wild\ndem Frevelfeste fröhnt.\nDann schallt's von Waffen rings und Wehr,\ndann wallt ein Strom von Blut umher\nvorahnend hofft und bangt mein zweifelnd Herz,\ndie müde Seele zagt in Schmerz.\nDaniel. Entflieh ! Erfüllt ist Babylons Geschick!\n% Cyrus ist hier! mitten im Palaste!\nJSitocris. Cyrus ? Unmöglich ist's !\nDaniel. Es ist zu wahr !\nAus der Stadt scholl Getös das Thor, geöffnet,\nentrollt ein schrecklich Bild. Die Wach'\nerliegend raschem Ueberfalle, ward entwaffnet\nnach schwacher Abwehr. Und der Siegesheld,\nda er das Thor geöffnet vor sich sah,\nstürzt er heran und nahm die offne Burg.\nChor der Israeliten. Baal sank dahin, Nebo stürzte u. s. w.\nBelsazer (Arie). Ich danke, Sesach, deiner Macht,\ndurch die aufs Neu' mein Muth erwacht.\nDein herzerlabend edles Nass\nerfüllt mit Kraft mich und mit Hass!\nO Scham, dass ich vor Schatten wich!\nCyrus, heran ! nun trefF ich dich!\n(Kriegsmarsch.)\nGobrias (Arie). Den ew'gen Mächten sei der erste Dank,\nes sei der nächste dir, o Held, geweiht,\nvor dessen Arm der Frevler sank,\nder bittre Quell von allem Leid.\nGram, ach ! verzehrt mich lebenslang !\nIch wein' auch jetzt doch wein' aus Dank.\nCyrus. Suchet in Eile die Königin, wo sie weilt\numher, und den Propheten, von dem du sagtest.\nLeite sie sicher zu mir! Trifft sie ein Unfall,\nkehrt sich der Sieg in Schmach und Reue mir.\n(Arie.) O Kampf und Schlacht, hier ist dein Ziel!\nO mächt'ger Tod, dein Reich zerfiel!\nNur den Tyrannen bin ich Feind,\ndem Recht und seinen Freunden Freund!\nNitocris (Duett). Sieh mich im Staube vor dir knie'n u. s. w, bis zu Ende,"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-05-01-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-05-01_01#c003", "volume": "bmtnabi_1858-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "139", "page_fin": "142", "image_debut": 3, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580501-01.2.3", "titre_corps": "Spohr’s Faust auf der frankfurter Bühne.", "titre_sommaire": "Spohr’s Faust auf der frankfurter Bühne.", "signature_source": "r-ch", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "139", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580501-01.1.3", "debut_caractere": 4204, "fin_caractere_exclue": 4755, "texte": "Spohr’s Faust auf der frankfurter Bühne.\n\nIm März wurde die Oper „Faust44 zum zweiten Male\nseit der Restauration des Theaters in Frankfurt (Novem-\nber 1855) aufgeführt. Von unseren Ideen fanden wir in\nder Darstellung nur wenige wieder, und da die Ansichten\nder Darsteller nicht bloss augenblickliche Auffassung, son-\ndern festgewordene Ueberzeugung zu sein scheinen, so\nhalten wir es im Interesse des Werkes für nöthig, näher\nauf jene einzugehen.\nDer Faust-Charakter ist so echt deutsch und durch\nGöthe so bestimmt dargestellt, dass, wer diesen kennt,"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "140", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580501-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5512, "texte": "keinen Commentar dazu braucht. Aber gerade diese Vor-\naussetzung macht die Oper dem unverständlich, der ohne\njenes Faust-Bewusstsein sie auffasst. Der Componist hatte\ndieses Bewusstsein, und indem er es voraussetzte, gab er\ndie Idee nicht mit der Klarheit, die ein vollkommenes Ver-\nständniss bewirkt. Wollen wir das erlangen, so müssen\nwir aus den Ideen jener Zeit den Schlüssel suchen, und\ndas sind die in den gewaltigen Kämpfen der geistigen und\npolitischen Revolution ausgesprochenen, die Ideen, welche\ndas wahre Glück der Menschheit bezweckten, das sind die\nIdeen, welche in der Kunst am herrlichsten Schiller durch\nseinen Don Carlos und Göthe durch seinen Faust ausse-\no\nsprochen hat. Marquis Posa ringt noch, die Wahrheit der\nIdee festzustellen, an Realität denkt er noch nicht; Göthe's\njüngerer Faust (der ältere fällt in die spätere Zeit und bil-\ndet den Abschluss) beginnt mit der Ausführung und sucht\nerst das Glück in der eigenen Brust; Spohr's Faust, nach\nrealer Gestaltung ringend, geht über das Ich hinaus, allen\nMenschen das Glück zu schaffen. Des philosophirenden\nPosa Ideal ist die Freiheit des Denkens; Göthe's Faust hat\ndiese Freiheit errungen, strebt nach dem Umfassen alles\nWissens, alles Fühlens; Spohr's Faust erkennt in der phy-\nsischen Noth der Menschen das Hinderniss alles Glückes,\nihm scheint die Umwandlung in sinnliches Wohlsein der\nBeruf des Weltenglück-Schöpfers zu sein. Posa, hoch von\nseinem Gedanken getragen, im Ideale lebend, steht über\nder Sinnlichkeit; der jüngere Faust, von dem blossen Ge-\ndanken unbefriedigt, kehrt zur Sinnenlust zurück und\ndurchringt den Kampf zwischen Vernunft und Leiden-\nschaft; Spohr's Faust glaubt, diesen Kampf überwunden\nzu haben und, von richtigen Vorstellungen, von geläuter-\nten Gefühlen erfüllt, berufen zu sein, den Kampf, den er\nin der eigenen Brust gekämpft, zwischen den einzelnen\nMenschen auszugleichen. Posa kämpft für Abstractes mit\nAbstractem, mit Kirche und Staat, er fällt für seine Idee\nund bestätigt damit ihre hohe Wahrheit; Göthe's Faust,\nmit sich selber kämpfend und die Sinnenlust bezwingend,\nüberwindet die Aussenwelt, die ihm nur Gegenstand der\nLust und Unlust war; Spohr's Faust fasst umgestaltend\ndie Dinge, will sie nach vorgezeichneten Idealen ordnen,\naber in Widerstreit mit der Wirklichkeit gerathend, muss\ner als das Opfer seines Ungeschicks, seiner verkehrten\nWeltanschauung fallen. Posa bringt der Hoheit seiner Idee\nAlles zum Opfer, er will Menschen opfern, die Menschheit\nzu retten; aber grösser als seine Idee, himmelhoch über\naller Leidenschaft, steht seine Tugend da. Spohr's Faust,\nvon der Grösse seiner Idee erfüllt, mit allen Mitteln zur\nAusführung ausgerüstet, spielt die Vorsehung, überspringt\nden gewöhnlichen Lauf der Dinge, opfert Alles der Idee,\nwird aber von der Leidenschaft, die er überwunden zu\nhaben glaubt, fortgerissen; seine Allgewalt, die der Tu-\ngend den Sieg verschaffen soll, stürzt ihn jählings ins Ver-\nderben. Er hält die Mittel, die er gebraucht, nicht dem\ngewöhnlichen Menschen, aber dem Welt-Umgestalter er-\nlaubt; um aber die Moral zu sühnen, gibt er sich zum\nOpfer. „Der Hölle selbst will ich Segen erringen, nur\nmich treffe einst ihr Fluch.\" Göthe's Faust sucht den Ge-\nnuss, weil ihn das Wissen nicht befriedigt , er stürzt ins\nfrische Leben und reisst sich wieder los, von höherem\nDrang getrieben. Spohr's Faust tritt ins Treiben der Men-\nschen, nicht zu geniessen, sondern zu schaffen; das Leben\nbietet ihm ungesucht den Genuss; er glaubt, Gutes ge-\nschaffen und als Belohnung den Genuss verdient zu haben.\n„Will mir die Liebe süsse Freuden geben,\nso ist das Ziel erreicht vom Erdenleben.\"\nVon Posa hat Spohr's Faust die allumfassende, welt-\nbeglückende Liebe, vom Göthe'schen Faust den gewalti-\ngen Lebenstrieb; beide Eigenschaften vereint hätten einen\nmächtigen Charakter bilden müssen; es kam aber eine\ndritte hinzu, die scheinbar dem Faust-Charakter gehört\nder Leichtsinn, und der zerstörte alles Edle und Mäch-\ntige in ihm. Wenn Faust Gretchen verlässt, reisst ihn sein\nungestilltes Drängen nach höherem Genüsse fort; wenn\naber Röschen verlassen wird, ist's Ueberdruss am Genüsse\nund neuer Sinnenreiz, der Faust fesselt. Wenn Faust dem\nhöheren Geistigen das höchste Sinnliche opfert, ist er ent-\nschuldigt ; wenn er nur die Genüsse vertauscht, gefallen.\nDiese Seite hat häufig eine Vergleichung des Göthe'-\nschen Faust mit Don Juan veranlasst. Ob der Compcnist\nsie hervorzuheben beabsichtigt, wollen wir nicht behaup-\nten ; aber das müssen wir sagen, dass die Form des Kunst-\nwerkes, die Oper, ihm unvermerkt Züge des vorausgegan-\ngenen Ideals der Oper gegeben. Was Don Juan zu einem\nso herrlichen Bilde macht, das gewaltige Verlangen und\nder Uebermuth im Genüsse, das schwächt den Faust, der,\nnach Edlem strebend, von der Sinnlichkeit abgelenkt wird\nund zu ehrlich ist, über der Sinnenlust das Höhere zu ver-\ngessen. Obgleich wir aber hier den Mangel an Energie\nbedauern, so erkennen wir doch den echt deutschen Cha-\nrakter darin; geben wir dem Faust für diese Schwäche\nThatkraft und Ausdauer, so schaffen wir einen Ro-\nbespierre.\nDie Vielseitigkeit des Charakters macht die Darstel-\nlung höchst schwierig, zumal da der Componist die einzel-\nnen sich durchkreuzenden Züge nicht immer mit gehöriger\nSchärfe ausgedrückt hat. Man darf desshalb die einzelnen\nMomente nicht als den allgemeinen Ausdruck eines be-\nstimmten Seelenlebens auffassen, man muss sie vielmehr\nmit der Grundstimmung des ganzen Stückes empfinden,\nmuss manchmal zwischen den Zeilen lesen. Man darf sie"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "141", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580501-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5217, "texte": "weder nach dem blossen Texte, noch nach der blossen\nMusik beurtheilen, sondern nach dem Gesammtbilde, das\nder Componist geben wollte. Wenn Faust seine weltbe-\nglückenden Absichten ausspricht:\n„Den Mangel will ich reich begaben.\nMit Lust der Menschheit Elend laben,\nSie lösen aus der Leiden Acht\"\nhat er sich so gefreut an dem Vorgefühle des Beglückens,\ndass er bei der Wiederholung des Gedankens: „Sie lösen\"\nu. s. w., gerührt wird und ganz in Wonne zerfliesst. Für\njeden anderen Menschen wäre dies ein Triumph seiner\nedlen Natur, für den Weltengestalter passt diese Weich-\nheit nicht: wir sehen darin eine Schwäche, einen Mangel\nan Ausdauer. Selbst Mephistopheles ruft sein: „Gebeut,\nund Alles ist vollbracht!\" mit solcher Ueberschwänglich-\nkeit, als wenn er die Freude der schaffenden Gottheit em-\npfände. Wenn der Darsteller des Faust jene Worte mit\nWürde und Hoheit, der Darsteller des Mephistopheles\ndiese mit einer Beimischung von Ironie singt, dann bekom-\nmen wir die richtige Vorstellung von den diesen gehörigen\nEmpfindungen. Herr Dettmer (Mephistopheles) hatte das\nRichtige mehr getroffen, als Herr Pichler (Faust).\nIst Faust schon in dieser Scene, wo er von hohen Ge-\ndanken erfüllt war, weich gestimmt, wie viel mehr muss\ner's werden, wenn er jene Gedanken verdrängt und an\ndas bescheidene Glück der Liebe denkt! Der Darsteller\nhatte sich hier mehr an die äussere Form der Melodie ge-\no\nhalten und eine allgemein menschliche Empfindung aus-\ngedrückt. Faust muss auch solchen Empfindungen einen\nhöheren Ausdruck geben. Der Darsteller hätte nur mehr\nan den Contrast:\n„Der Hölle selbst will ich Segen erringen\"\nund:\n„Will mir die Liebe süsse Freuden geben\"\ndenken sollen, mehr den Schmerz der Entsagung, der\nWehmuth sollen durchleuchten lassen, die der Componist\nbei den letzten Worten durch die Dissonanzen und den\nSchluss in A-mollandeutete. Er hätte dann auch in der\nArie die Hoheit der Empfindung herausgefunden, die\nSpohr bei den Worten „Die mit süssem Zauberduft\" so\nprächtig durch den Eintritt des A-dur-Accords nach der\nGrund-Tonart F-dur im siebenten Tacte und durch den\npathetischen Schwung der Melodie im eilften und zwölften\nTacte ausdrückte.\nDasselbe gilt von der folgenden Scene zwischen Faust\nund Röschen. Faust muss die Manneswürde geltend ma-\nchen, dann gewinnt Röschen Vertrauen zu ihm, dann wird\nes hingerissen, dann wird es mit Entzücken ausrufen:\n„Fort von hier, auf stille Auen\nWerd' ich gern, Geliebter, ziehn;\nFroh bewegt es mir die Brust,\nDort mit dir vereint zu leben.\"\nWenn Faust Kunigunde befreien will und dem Ritter\nHugo seinen Beistand leiht, dann ist es nicht gewöhnliche\nmenschliche Hülfe, die er ihm anbietet; er kommt als\nRichter und entscheidet den Streit; er hilft dem Hugo,\nweil er hier das Recht sieht. Steigt Faust auf den Blocks-\nberg, so thut er's aus Ekel an dem menschlichen Treiben,\naus Widerwillen gegen die Menschen, die sich seinen\nwohlgemeinten Planen nicht fügen wollen. Dort saugt er\ndie frische Lebenskraft aus der mächtig auf ihn einwirken-\nden Natur, er gewinnt das verlorene Vertrauen auf seine\nKraft wieder das ist es, was den Mann unwiderstehlich\nmacht. Als dieser hohe, kühne Mann tritt er nun vor Ku-\nnigunde; seine geistige und körperliche Ueberlegenheit\nlässt ihn das fordern, was ihm ein Anderer vorweggenom-\nmen. „So hoher Schönheit Fülle!\" ruft er mit dem Voll-\ngefühl der eigenen Schönheits-Fülle. Das treibt ihn, der\nMenschheit den Hohn ins Gesicht zu schleudern, ihre hei-\nligsten Gesetze vor ihren Augen mit Füssen zu treten.\nWir wollen nicht noch weiter ausmalen. Dies genügt,\nden Charakter des Faust zu erkennen. Was wir von der\nDarstellung einzelner Scenen gesagt, das gilt von der gan-\nzen Darstellung des Herrn Pichler. Die einzelnen Arien,\nherausgerissen und im Concert gesungen, wären vortreff-\nlich gewesen; ihre Zusammenstellung aber war nur ein\nVersuch der Charakter-Darstellung. Die ganze Oper hängt\nan der Darstellung dieser Rolle. Wird diese nicht mit\nSchärfe gegeben, dann sinken auch die übrigen Charak-\ntere, das Hohe, Edle wird gewöhnlich. Das Urtheil, über\nHerrn Pichler gegeben, können wir fast auf sämmtliche\nDarsteller ausdehnen. Herr Dettmer hätte, wenn er seine\nIronie feiner und nicht immer mit so vollem Tone gege-\nben, das Richtige getroffen. Röschen's Charakter wird ganz\ndurch Faust bestimmt; trotzdem hätte Fräulein Veith mehr\nInnigkeit und Gemüthstiefe zeigen können. Die Rolle der\nKunigunde wurde von Frau Anschütz-Capitän nur halb\ngegeben. Die Scene im zweiten Acte, wo Kunigunde allein\nin ihrem Zimmer ihr innerstes Gefühl ausspricht, gibt uns\ndas ganze Verständniss des Charakters. Sie liebt Hugo,\naber ein anderes Gefühl trübt diese Liebe, ihr noch un-\nklar; wie sie Faust wiedersieht, wird's ihr klar: „Wie in\neinem Zauberkreise bannt es mich in seine Nähe!\" [Soll\nuns Kunigunde nicht leichtsinnig erscheinen, so muss jene\nScene dargestellt werden. Herr Eppich sang und spielte\ndie Rolle des Hugo mit viel Feuer und Kraft. Die Rolle\ndes Herrn Stern (Gulf) wurde durch das Weglassen der\nScene mit Kunigunde, wo er ihre Liebe begehrt und droht,\nsie vom Felsen hinabzustürzen, unverständlich. Sehr ge-\nlungen war die Darstellung des Franz von Herrn Bau-\nmann. Auch die kleineren Partieen wurden gut gegeben:"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "142", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580501-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1312, "texte": "%\nWohlhaldt (Herr Zimmermann), Wagner (Herr Leser),\nKaylinger (Herr Krug) und Moor (Herr Jacobi).\nDie Orchester-Partie war vortrefflich. Sie ersetzte oft\ndie Mängel der Darstellung. Die Ouvertüre und die Intro-\nduction zum zweiten Acte malten in grossartigen Zügen\nden inneren Kampf des Faust.\nDie Oper wurde, obgleich Spohr schon lange die Aen-\nderung in drei Acte gemacht, noch in zwei Acten gege-\nben, was einen unangenehmen Eindruck hervorbringt.\nWenn Faust den letzten Schritt gethan, der ihn zur Ein-\nsicht seiner verkehrten Plane bringt, kann er nicht im\nnächsten Augenblicke wiederkommen, ein neues Leben\nanzufangen. Wenn ihn Mephistopheles aber zum letzten\nSchritte verleitet und betrügt, kann er nicht, zur Thür\nhinausgegangen, gleich die Rechnung über ein ganzes Le-\nben ziehen. Und Kunigunde, die eben so plötzlich, so tief\ngefallen, wird nicht im nächsten Augenblicke über ihr Le-\nben reflectiren und von ihrem Hugo Verzeihung erbitten\nwollen. Durch die Dreitheilung werden übrigens auch die\nHauptzüge der Geschichte klarer: im ersten Acte ist Faust\nnoch der Weltbeglücker, selbst sein Verbrechen geht von\nder grossen Idee aus; im zweiten vergisst er sein Ziel,\nwird von Leidenschaft hingerissen, wird Egoist; im dritten\nkommt er zur Einsicht seines verkehrten Handelns, es folgt\ndie Sühne.\n\n-r-ch-."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-05-01-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-05-01_01#c004", "volume": "bmtnabi_1858-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "142", "page_fin": "142", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580501-01.2.4", "titre_corps": "Stoppellese.", "titre_sommaire": "Stoppellese.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "142", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580501-01.1.6", "debut_caractere": 1314, "fin_caractere_exclue": 4717, "texte": "Stoppellese.\nZur Vorbereitung auf die Anhörung von Liszt's gra-\nner Festmesse in Wien erschien daselbst bei Manz & Comp,\nein Büchlein (5 Bogen gr. 8.): „Ueber Franz Liszt's\ngraner Festmesse und ihre Stellung zur geschichtlichen\nEntwicklung der Kirchenmusik\" als „Beitrag zum we-\nsenhaften Verständnisse des Werkes.\" Wir geben daraus\neinige Blüthen der neuesten Kunst-Philosophie:\n„Die Idee des allerhöchsten Wesens wird durch Drei-\nklänge mit Auslassung der Terz versinnlicht. Auch\nträgt die in dieser Disposition von Grundton und Quinte\nenthaltene musicalische Symbolik des Anfanges und Endes\ndurch ihren geistigen Parallclismus mit der Satzung der\nGlaubenslehre: Dens est initiu\nwesentlich zur Erweckung der vom Tondichter angestreb-\nten Vorstellung bei.\"\n„Dieses Motiv u. s. w. Versinnlicht die Idee der gött-\nlichen Vermittlung durch den Heiland. Diese zarte Sen-\nkung des Christe von d auf a, ist sie nicht der vollendete\nAusdruck kindlichen Zutrauens, mit dem wir den Sohn\nGottes im Herzen anrufen?\"\nFerner ist gesagt: „dass, wenn man auch annehmen\ndarf, Liszt werde das Credo einer zweiten, dritten Messe\nnicht minder charakteristisch auffassen und wirksam wie-\ndergeben, es ihm nichts desto weniger doch kaum gelin-\ngen möchte, Stellen wie dieses und\nfixm ein zweites Mal in solcher Erhabenheit zu bilden. Das\nsind Unica; nicht Menschengedanken, sondern directe\nOflenbarungen der Göttlichkeit, die jeden Versuch einer\nWiederholung ähnlicher Schöpfungen ab weisen. Ueberhaupt\nkann man sich des Gedankens schwer entschlagen, ob die-\nses Werk vermöge seiner durchdringenden Charakteristik\nin vielen Punkten nicht ein Hemmniss für jeden Versuch\nähnlicher Schöpfungen auf lange hinaus, in manchem viel-\nleicht selbst auf immer abgeben dürfte. Halten wir uns in\nletzterer Beziehung nur die unmittelbar aus ritualem\nSchoosse emporgesprossene Gestaltung des Fugen-The-\nma's im vGloria\"und des Haupt-Motivs vom ge-\ngenwärtig. Könnten wohl solche Gestaltungen,\nohne Plagiat oder wenigstens Nachbildung zu\nwerden, ein zweites Mal entstehen? Der Ritus\nwenigstens besitzt für das Gloria und Credo\nkein zweites Motiv.\"\n„Das Gloria beginnt mit einem wie überirdisch leisen\nSchwirren der Geigen in der höchsten Lage. Dieses con-\nstante Säuseln des U-dur-Acxords ist nichts Anderes als das\nSinnbild der Emanation eines zur Erde herab-\ndringenden Lichtstrahls des geöffneten Himmels.\"\n[Die allbekannten Vorbilder dieses Sinnbildes sind ja\nheidnischer Gräuel und ketzerischer Betrug, bei Mendels-\nsohn im Sommernachtstraum, bei Wagner im Venusberge\nund bei Meyerbeer im Propheten; und auf einmal werden\ndie Elfen, die Liebesgötter und der Magnetiseur von\nLeyden heilig gesprochen!)\n„So muss es getönt haben, als der grosse Vorhang im\nTempel zu Jerusalem inmitten entzwei riss ; diese Accorde,\nund die W orte jenes Astrologen, der bei dem Anblick der\nHimmelszeichen, die den Tod des Heilandes bezeichneten,\nausrief: Entweder leidet der Schöpfer der Welten, oder die\nWelten gehen zu Grunde stehen auf gleicher tragi-\nscher Höhe.\"\nWenn dann ferner von dem „geheimnissvollen Aether\nder Instrumentirung\", von dem „heiligen Glänze, den die\nTonart Fis-durstrahlt\", und von hundert anderen Wundern\nin diesem Werke, „das der Componist mehr gebetet als\ngedichtet hat\" —■ die Rede ist, so weiss man nicht, ob\nder Schreiber die Musik verhöhnen will, oder ob er sein\nManuscript aus dem Tollhause in die Druckerei geschickt hat."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-05-01-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-05-01_01#c005", "volume": "bmtnabi_1858-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "143", "page_fin": "143", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580501-01.2.5", "titre_corps": "Aus Paris.", "titre_sommaire": "Aus Paris.", "signature_source": "B. P", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "143", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580501-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5212, "texte": "Aus Paris.\nB. P.\nDen 27. April 1858.\nHeinrich Wieniawski hat am 18. d. Mts. sein zweites Con-\ncert im Saale Herz gegeben. Er hat darin das Concert von Beet-\nhoven eine Merkwürdigkeit für Paris! —, eine Phantasie von\nPaganini, seine bekannte Bravour-Polonaise und mit Rubinstein\nBeethoven's Sonate in A-moll, Kreutzer gewidmet, gespielt. Wieni-\nawski riss durch die eminenten Eigenschaften seines Violinspiels?\nSicherheit, Schwung und fabelhafte Technik hin. Rubinstein trug\nausser der genannten Sonate noch das Concertstück von C. M. von\nWeber vor, liess aber das Publicum dieses Mal kalt. Rieh. Lin-\ndau sang eine Arie aus Mendelssohn1 s Paulus und zwei Lieder\nvon Schubert und Schumann. Für ein Virtuosen-Concert war\nmithin das Programm weit classischer, als man es sonst hier ge-\nwohnt ist.\nWar aber die Ausführung ebenfalls classisch? Das kann man\ndurchaus nicht behaupten; vielmehr muss man über eine solche Vir-\ntuoserei noch weit derber herfallen als sonst, sobald classische\nWerke dadurch verhunzt werden. Die grossen deutschen Meister\nhaben wahrlich ihre Werke nicht geschrieben, auf dass Polen und\nRussen sie als Rennbahnen benutzen sollen zu einer Hetzjagd. Es\nist eine wahre Entwürdigung der Kunst, eine Verhöhnung der Aesthe-\ntik, eine Sünde gegen den Geist der Composition und eine Lästerung\nauf den Namen des Componisten, wenn man das Concertstück We-\nber's so herunterreisst, wie Rubinstein es thut. Von Musik ist dabei\nnicht mehr die Rede, sondern nur von dem Versuche, die Schnellig-\nkeit der Locomotive und ihr monotones Gerassel auf die Tastatur\ndes Pianoforte zu Nicht besser erging es der Sonate von\nBeethoven; Wieniawski wollte auch nicht zurückbleiben, und so be-\ngann denn im ersten und letzten Satze ein Wettrennen, bei dem\nman nur die beiden Jockey's auf ihren Pferden daher brausen sah,\nhinter sich den undurchdringlichen Staub von Tönen aufwirbelnd,\nin dessen dunkler Wolke kein Fünkchen von Melodie und Harmonie\nmehr zu entdecken war. Man kann denken, wie sehr alles Maass\nim Tempo überschritten wurde, da selbst das pariser Publicum, dem\nman als vozugsweisen Bewunderern der Technik quand meine schon\netwas bieten kann, diesen Hetzereien keinen Beifall schenkte. Dass\nunter diesen Umständen auch bei dem Violinspieler von Ton und\nWürde nicht die Rede sein konnte, ist einleuchtend. Anstatt sich in\ndie Tiefen des Beethoven'schen Geistes zu versenken, flatterte und\nschwindelte er luftig über die Oberfläche hin. Von dem Coneerte\ndesselben Meisters spielte er nur den erstenSatz; hier waren Tempo\nund VTortrag allerdings besser, indess fehlte es etwas an Kraft, Fülle\nund Rundung des Tones. Die Cadenz war derart mit Schwierigkeiten\nüberhäuft und so lang, dass es leider aussah, als wenn das Concert\nnur der Cadenz wegen gespielt worden wäre.\nIm Circus gab der Orpheon ebenfalls am 18. d. Mts. sein jähr-\nliches Concert, das bekanntlich ein reines Vocal-Concert ist, in wel-\nchem der allgemeine Chor aus den Schülern der Gesang-Anstalt\n(Sopran und Alt von Kindern, Knaben und Mädchen, besetzt) und\ndem damit verbundenen Männergesang-Vereine besteht. Es wurden\nsechs allgemeine Chöre und vier Männerchöre gesungen. Das Publi-\ncum fand an den letzteren grosses Gefallen, was für Paris ein Fort-\nschritt zu nennen ist; drei von den Gesängen des Männerchors wur-\nden da capo verlangt, unter ihnen auch Kücken's Le jenne Con-\nsent (der junge Recrut).\nFlotow' s Martha hat bis zu der gegenwärtigen Schlusswoche\nder Saison der italiänischen Oper ihre Anziehungskraft bewährt Eine\nMasse von Ciavierstücken haben sich beeilt, ihre Melodieen, diese\nins Deutsche übersetzte französische Musik, ins Französische zurück\nzu übersetzen, und auf allen Pulten der dilettantischen Salonwelt\nliegen Illustrationen, Erinnerungen, Phantasieen, Bouquets, Mosaiken,\nDuo's, Quadrillen, Polka's u. s. w. von Ascher, Goria, Ch. Voss,\nund wie die Jäger alle heissen, welche das frische Wildpret hier\nauszuweiden pflegen.\nHerr Poggenpohl, Director des Journals Le Nordy hat sein grosses\nEtablissement auf dem Boulevard de la Madeleine, das den Zweck\nhat, eine „national-russisch-französische Agentur\" zu begründen\ndurch eine glänzende artistische Soiree eröffnet, zu welcher eine\nMenge von Künstlern und Schriftstellern geladen war. Die Tonkunst\nwar durch Tamberlik (der auch auf der Bühne durch seinen\nimmer noch mächtigen Brust-Tenor imponirt), Rubinstein und\nWieniawski vertreten.\nLitolff ist wieder hier und gibt am 2. Mai ein grosses Concert\nim Saale des Conservatoires. H. Berlioz wird das Orchester diri-\ngiren; es werden nur Compositionen von Litolff und Berlioz ge-\nmacht, unter Anderem einige Sätze aus dem dritten und vierten\nSinfonie-Concert, eine Ouvertüre und eine Scene für Chor, Soli und\nOrchester aus „Faust\" von Litolff. Von Berlioz kommt nichts\nNeues vor.\nDem Bericht des Vereins der dramatischen Dichter und Compo-\nnisten zufolge haben sich die Tantiemen derselben von den Bühnen-\nEinnahmen seit 1814 vervierfacht, und seit 1830 sind sie um 150\nProcent gestiegen. Die pariser Theater haben in den vergangenen\neilf Monaten 10,800,000 Fr. eingenommen, davon ist an die Verfasser\nder Stücke und Opern gezahlt 1,001,800 Fr.; die Tantiemen aus\nder Provinz hinzugerechnet, im Ganzen 1,250,350 Fr."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-05-01-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-05-01_01#c006", "volume": "bmtnabi_1858-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "143", "page_fin": "143", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580501-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Untehaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Untehaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "143", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580501-01.1.7", "debut_caractere": 5214, "fin_caractere_exclue": 7139, "texte": "Tages- und Untehaltungs-Blatt.\nMolil. Sonntag den 25. April gab der kölner Männerge-\nsang-Yerein sein viertes Winter- Abonnements-Concert. Das\nProgramm brachte eine mannigfaltige und interessante Auswahl von\nGesängen, welche alle unter F. Web er1 s Leitung mit gewohnter\nPräcision und ausdrucksvollem Vortrag ausgeführt wurden, Herrn\nDuMont-Fier's Solo-Vorträge waren eine glänzende Zierde des\nConcerts. Schuberts „Wanderer\" namentlich wurde von ihm so ge-\nsungen, wie man ihn, seitdem StaudigFs Gesang verstummt ist, wohl\nschwerlich besser hören kann. Die Herren Breunung und von\nKönigslöw spielten die kleinere G-dur-Sonate von Beethoven für\nPiano und Violine, und die Pensees fugitwes von Heller und Ernst\nmit bekannter Meisterschaft.\nAm 27. April feierte derselbe Verein sein sechszehntes Stif-\ntungsfest durch eine fröhliche Liedertafel im Hotel Disch, bei\nwelcher die Lieder und die Tafel ganz gut vertreten waren. Eine\nernste Stimmung riefen die ergreifenden Worte hervor, mit welchen\nder Präsident des Vereins, Herr Prof. Vack, den Toast auf Seine\nMajestät den König einleitete.\nAm Donnerstag den 29. April fand die sechste Soiree für Kam-\nmermusik im Hotel Disch Statt. Beethoven's Quartett Op. 132\nin A-moll eröffnete die Sitzung; das Studium der vier ausübenden\nKünstler ist dankbar anzuerkennen, allein diese Musik ist nicht für\nden Kreis eines Dilettanten-Publicums geeignet. F. Hill er spielte\nmit Herrn Concertmeister Grunwald die herrliche Sonate in A-dur\nfür Piano und Violine von Mozart so klar, rund und geistig, dass\nes eine wahre Freude war, diese gediegene Virtuosität, diese\nTonleitern und mit unnachahmlichem Anschlag hingehauchten Fiori-\nturen zu hören. Am Schlüsse trug er noch einige von seinen reizen-\nden „Vermischten Ciavierstücken, Op# 66\" vor. Dazwischen führten\ndie Quartettisten ein gar schönes Quartett von J. Haydn in G-dur\nmit vortrefflichem Tone und sehr lobenswerthem Zusammenspiel aus."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-05-01-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-05-01_01#c007", "volume": "bmtnabi_1858-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "144", "page_fin": "144", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580501-01.2.7", "titre_corps": "Denkstein für Gathy.", "titre_sommaire": "Denkstein für Gathy.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "144", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580501-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1549, "texte": "Denkstein für Gathy.\nOffenes Schreiben an die Redaction der Niederrhei-\nnischen Musik-Zeitung.\nWir haben in Deutschland mit tiefem Schmerz vernommen, dass\nAugust Gathy zu Paris (rue Labruyere Nr. IS) entschlummert.\nSie gedachten des Dahingeschiedenen in Nr. 16 dieser Zeitung mit\nwarmen Worten. Weitere Nachrichten sandte Stephen Heller durch\nNr. 111 der Kölnischen Zeitung, so wie Dr. Bamberg durch Nr. 191\nder National-Zeitung. Schöne Blumen, von edlen Frauen gesandt,\nfielen zugleich mit den Erdschollen auf den Sarg, der am 10. d. M.\nauf dem Kirchhofe Montmartre eingesenkt wurde. Lebt auch das Ge-\ndächtniss an Gathy in seinen Verehrern und Freunden fort, so ist\ndennoch zu wünschen, dass sein Grabhügel durch ein Zeichen ge-\nschmückt wird, das dem Wanderer sagt, welch edler Mann dort\ngebettet. Was wir hier wünschend aussprechen, wird von sorgsamen\nFreunden in Paris vielleicht schon vorbereitet. Vielleicht ist auch\nFe'tis in Brüssel schon thätig. In unserem Vaterlande weilt wohl\nmancher Freund des Entschlafenen, welcher gern zu solchem Zei-\nchen in Liebe beitragen möchte, jedoch es fehlt ihm dazu ein An-\nhaltspunkt. Die Redaction dieser Zeitung wird daher gebeten, als\nfreundliche Vermittlerin aufzutreten, sich zur Annahme solcher Lie-\nbesspenden bereit zu erklären uad dieselben in geeigneter Weise\ndann nach Paris zu übermitteln. Achtungsvoll\nMinden, den 26. April 1858. Carl Bansi.\nDie Redaction der Niederrheinischen Musik-Zeitung wird gern\ndem oben ausgesprochenen Wunsche entsprechen.\nKöln, den 30. April 1858. Prof* L. Bischoff."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "137", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580501-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDeutscher Text zu Belsazer, Oratorium von Händel. Spohr's Faust auf der frankfurter Bühne. Stoppellese\n(Liszt's graner Festmesse). Aus Paris (Heinrich Wieniawski Concerte). Von B. P. Tages- und Unterhaltungsblatt\n(Köln, Viertes Winter-Abonnements-Concert des Männergesang-Vereins, 16. Stiftungsfest desselben Vereins, Sechste Soiree für Kammermu-\nsik) Denkstein für Gathy. Offenes Schreiben an die Redaction der Niederrheinischen Musik-Zeitung.\n\nDeutscher Text zu Belsazer,\nOratorium von Händel.\n(S. Nr. 11 und 12.)\nErster Theil.\nCyrus und das persische Heer vor Babylon.\nChor der Bctbylonier (die Belagerer verhöhnend):\nSeht hin! wie Persia's junger Held u. s. w. *)\nGobrias (Recit.) Sie höhnen uns vor Mangel wohl bewahrt\ndurch volle Speicher wohl für zwanzig Jahr,\nvor Ueberfall gedeckt durch Eisenthor'\nund hohe Wälle, durch des Euphrat Flut\n. noch mehr geschützt.\nCyrus. Doch diese Sicherheit\nhilft mir, sie zu verderben! Ich sag1 dir, Gobrias,\nich räche deinen Gram mit blutigem Schlag\nauf dieses Königs Haupt.\nGobrias. O, wecke mir\nnicht diesen bittren Schmerz. Mir dünkt, ich seh1\nihn noch, den Sohn, den liebsten der Söhne,\ndess Kindespflicht und Liebe mich über Maass,\nmich weit vor allen Vätern glücklich machte:\nich seh1 ihn leblos zu des Wüthrichs Füssen,\ndas Opfer seines Neides.\n(Arie.) Gebeugt von unheilbarem Schmerz,\nerkrankt mein müdes, sieches Herz;\nberaubt um alle Lebenslust,\nbewegt nur Rache mir die Brust.\nCyrus. Auf, fasse dich! So sicher der Tyrann\nsich immer wähnt, gab eine Kriegslist mir\nder Himmel ein (der oft durch Träume redet),\nzu täuschen seine Macht. Tief trägt mein Geist\nden Eindruck noch; er kann nicht eitel sein.\nMir schien, dass am Gestad1 des grossen Euphrat u. s. w.\nNun sage, Gobrias, strömet dieser Euphrat\nnicht mitten hin durch Babylon?\nGobrias. So is^s.\nCyrus. Und sagtest du nicht auch, dass gegen West\nein grosser See, der sich allseitig ausdehnt\nbis zu zehn Meilen, einst beim Uferbau\naufnahm des Stroms Gewässer?\nGobrias. Ja, fürwahr!\nCyrus. Und könnten wir nicht so auch jetzt abziehen\ndes Flusses Lauf und eingeht in die Stadt hin trock-\nnen Fusses?\nGobrias. Sei dies gethan, so hemmen Eisenthore,\ndie von der Stadt aus leiten zu dem Strom,\ndir dort den Durchgang, fest verwahrt bei Nacht,\nwenn du den Angriff wagst. Wär1 ungesperrt\nder Zugang dort, so wär1« es leichtes Spiel,\ndie stolze Stadt zu beugen.\nCyrus. Sagst du nicht,\ndies sei das Fest, das sie dem Sesach weih'n?\nund dass die Babylonier diese Nacht\nim Rausche feiern und in Schwelgereien?\nGobrias. So ist's, und die Berauschung gilt für Pflicht\nbei diesem Feste.\nCyrus. Befremdet dich es dann,\nwenn weinberauscht die von dem Gott Geschlagenen\nweichen von dem Pfad der eignen Wohlfahrt?\n(Arie.) Du, Gott! der, mir nur fern bekannt,\nso hoch erhobest meine Hand,\nhilf, dass ich beug1 in blut'ger Schlacht\nruchlos stolze Macht!\nDann soll ersteht Dir Dein Altar,\nDein Lob erschallen immerdar,\nund all Dein Wille, wenn bekannt,\ngescheht durch Deines Dieners Hand,\n(Recit.) Denkt nun auch ihr,\ndass ihr bei euren Thaten nie vergesset\ndes Höchsten Schutz ; was immer ihr beginnet,\nbeginnt ihr stets mit Gott, um Hülfe werbend\ndurch Opfer und Gebet.\nChor d. Perser. Die Reiche steh'n in Gottes Hand u. s. w.\nDaniel's Haus.\nDaniel (mit den prophetischen Büchern beschäftigt).\n(Arie.) 0 heiFges Buch, der Wahrheit Quell und Grund,\nder reinsten Weisheit reicher Schacht,\nbei Tag sei stets in meinem Mund,\nall mein Gedanke sei bei Nacht.\nWer auf dein Wort nicht achtsam hört,\nversäumt sein Heil, von Wahn bethört.\n(Recit.) Sei freudig, o mein Volk! es kommt die Zeit,\ndie langersehnte Zeit, die Gott verhiess!\nSo sucht nun Gott den Herrn von Herzensgrund,\nihr sollt Ihn sicher finden! Und Er bricht\ndie alten Fesseln euch! Er versammelt euch\n\n*) Ueberall, wo u. s. w. steht, wird der Text der Moserschen\nAusgabe beibehalten."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "138", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580501-01.1.2", "texte": "aus allen Völkern, wo zerstreut ihr weilet,\nund führt zur Heimat euch in Frieden wieder.\nDenn lang' zuvor,\nin Zeiten, ehe Cyrus noch der Welt\nbekannt war, hat Jehova durch den Seher\nmit Trostesworten dem gefang'nen Volk ihn\nverkündet und genannt den Wundermann !\nSo sprach der Herr zu Cyrus, dem Gesalbten: u. s. w.\nDie Königsburg.\nBeisitzer (Arie). Ein freudig Fest lasst uns begeh'n!\nLasst froh das Herz im Glanz des frohen Auges seh'n!\nFrei ströme Wein, der Quell der Lust,\nentfleuch, o nagender Gram der Brust!\nKlingt an des Glockenspieles Klang,\nstimmt ein in Sesach's Preisgesang.\nO süss Behagen, wo die Freude lacht!\nZaumlose Fröhlichkeit krön' diese Nacht!\n(Rccit.) Dies ist die Ordnung dieses heil'gen Tags,\nnach altem Recht und Brauch.\nJSitocris (Belsazer's Mutter). Ich kenn' die Ordnung,\ndie mir ein Gräuel ist. Wer weis1 und gut,\nder billigt kein Gesetz, das gegen Sitte, Schaam\nund Tugend streitet.\nBelsazer. Thue du,\nwie dir gefällt, dieweil wir schwelgen hier!\nDie Judenschar schmollt da bei unsrer Lust\nund neidet Freuden uns, die sie entbehrt.\nDoch nun soll dies verkehrte finstre Volk uns\ndie Feier hier verschönen ! Bringt jene Schalen,\ndie goldnen Schalen, die mein Ahn1 als Sieger\ngeraubt im Heiligthum Jerusalems\nund in Baal's grossem Tempel aufgestellt,\ndoch nicht gebraucht! Wohlan, wir brauchen sie!\nEs dien' ihr Gott, dess Macht zu nichtig war,\nsein Volk zu retten, unsrer Heldenschar,\ndie ihn besiegt, aus seinen Schalen trinkt!\nEs soll ihr reicher Glanz und ihr Formenschmuck\ndie Pracht erhöh'n, zur Feier dieses Tags.\nUnd wenn ihr trinkt, so preis't des Landes Gott,\nder diesen Ruhm verlieh.\nJSitocris. O Tempelraub!\no unerhörter Freve^!\nChor der Babylonier. Zurück, o Fürst, nimm dies Gebot! u. s. w.\nJSitocris. Sie reden wahr; und glauben müsst ihr wohl\n(obschon von Lust und Schwelgen ganz erfüllt),\nwas alle Welt geseh'n. Ich spreche nicht\nvom feuervollen Ofen, den der Gott,\ndem kühn ihr trotzt, für seine treuen Diener\nzu kühler Labung machte; nicht vom König,\nden er vom stolzen Thron herabgestürzt,\nund ihn, der sich gewähnt den Göttern gleich,\nverwandelt hat zum Stier; all dies und mehr\nweisst du sowohl, wie ich: o, lass' dich's warnen!\nBelsazer. Hinweg! bekehrte meine Mutter sich\nzu jüdischem Aberglauben? Abtrünn'ge Mutter!\nDies Märchenwerk steht an dem kind'schen Wahn\ndes greisen Weibes, doch einer Fürstin nicht,\nnoch jung wie du, als weise hochberühmt.\nAuf zu dem Fest! Ich frevle an der Zeit,\nmit eitlem Wortgezänk, statt sie zu weih'n\nden Göttern und der Lust.\nPsitocris (Duett). O meines Lebens Lust, lass ab! u. s. w.\nNitocris. Weh' mir! So seh' ich meinen Sohn\nim Flug sich dem Verderben nah n!\nBelsazer. Nicht zum Verderben, nein, zur Lust\neil' ich; und Alle, Alle lad' ich ein,\nmit mir zu schwelgen diese Nacht\nin Freud' und Lust, all' diese Nacht!\nChor der Israeliten. Allmählich steigt Jehova's Zorn u. s. w«\nZweiter Theil.\nDie Perser vor dem abgeleite ten Euph rat.\nChor der Perser. Seht, wie so schnell der Euphrat weicht u. s. w.\nCyrus. Ihr Freunde seht, bald ist der Pfad uns offen\nzur Veste; furchtlos lasst uns einzieh'n, wissend,\ndass die, mit welchen wir zu kämpfen geh'n,\nschon früher wir besiegten, als sie, noch\nverstärkt durch Scharen mächtiger Freunde,\nwachend und nüchtern standen schlachtgereihtr;\nnun all im Schlaf, im Rausch und in Verwirrung\nund wehrlos ganz: vollends erblicken sie\nin ihren Mauern uns.\n(Arie.) Erstarrt, den Feind so nah' zu schau'n,\nDa Schlaf und Wein betäubt ihr Haupt,\nbebt jedes Herz in Todesgrau'n,\nsinkt jeder Arm, der Kraft beraubt.\nMachtlos versagt des Helden That,\nmachtlos verstummt des Weisen Rath.\nChor. Ans Werk, ans Werk! nicht zaudert mehr!\nGott und Cyrus führen euch.\nDie Königsburg.\n(Festgelag dem Gott des Weines zu Ehren.)\nChor d. Babyl. Ihr schützenden Götter des Landes, blickt her\nund schaut, welche Beute den Sieg euch verschönt!\nWas ihr gnädig uns gabt, steig' mit Dank euch empor.\nGold, Wein, frohen Sang nehmt als Lob auf und Preis!\nSesach! Die Nacht ist dir geweiht, ,\nder freundlich gab den goldnen Wein!\nBelsazer (Arie). Kränzet die Becher rings im Kreis,\nEs gilt des edlen Weines Preis!\nVon allen Gaben, die uns freu'n,\nist's diese, die mein Herz erkor!\nNoch Einen Kelch! schenkt wieder ein!\n's ist Götterwein,\ner hebt zum Himmel uns empor!\n(Recit.) Wo ist der Gott, dess Allmacht Juda rühmt? u. s. w,\n(Eine schreibende Hand erscheint an der Wand.)\nChor. Helft, helft dem König! Er sinkt, er stirbt! u. s. w.\nBelsazer. Ruft meine Weisen, Zauberer, Chaldäer u. s. w.\nChor d.Weisen. O Herr! unmöglich ist, was du begehrst:\nDen Sinn der Zeichenschrift versteh'n wir nicht!\nChor der Babylonier. O Bangigkeit, o Schauder, trostlos Weh u. s. w.\nJSitocris. O Herr! nicht verzage!\nLass nicht dein Herz entsagen seinem Muth,\nnoch sei dein Angesicht von Sorge bleich,\nda deine Weisen schweigen. Vor dem Thore\nverweilt ein Mann im Kreis der jüdischen Sclaven,\nden seines Gottes heilte? Geist erfüllt-\nund in den Tagen Nebukadnezar's einst\nward Weisheit wie von Gott in ihm erprobt,\ndurch die er löst' des Traums verborg'nen Sinn,\nden dunklen Zauberspruch, der Zweifel Qual.\nDaniel heisst er im Volk, doch vor dem König\nBelteschazzar. Führt ein diesen Mann!\nEr lies't die Schrift dir, und er deutet sie.\nBelsazer. Bist du der Daniel aus den jüd'schen Sclaven ?\nIch vernahm, dass du\nzu lösen Weisst geheimer Zeichen Sinn"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "139", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580501-01.1.3", "texte": "und zerstreuet Zweifelsqual. Wenn du mir lies't\nund deutest diese Schrift, soll Purpur dir\nden Leib umkleiden, goldner Schmuck den Hals,\nund als den Dritten ehret dich das Reich.\nDaniel (Arie). Nein, halte Prunk und Pracht an dir,\ngib Lohn an den, der sein sich freut;\nso eitler Taad gefällt nicht mir,\nder ganz sich Gottes Dienst geweiht.\n(iiccit.) Doch beug' ich mich dem Machtgebot\ndess, der nun rächt erlittnen Hohn.\nIch les' den Urtheilspruch ;\ndu sollst zu deinem Schrecken ihn versteh'n.\nMENE. Der Gott, den du so frech gelästert,\nhat deines Reiches Tage gezählt und endet sie.\nTEKEL. DU wardst, gewogen auf der Wage,\nzu leicht befunden.\nPERES. ES wird dein Reich getheilet,\nUnd Medern nun und Persern eigen.\nIMtocris. O allzu strenger Spruch, der dich zermalmt,\nwenn nicht die Reue hemmet den Vollzug!\n(Arie.) O, blick' auf deiner Mutter Gram,\nneig' ihrem Fleh'n dein Ohr,\nund blick' in dich in Reu' und Scham,\nund blick' zu Gott empor!\nDer Reue fliesst sein Gnadenborn,\nden Starrsinn schlägt sein Rachezorn.\nDie Stadt.\n(Das persische Heer innerhalb der Mauern.)\nCyrus. (Arie.) O Gott des Heils, du treuer Hort,\nwohl hieltest Du Dein Wort!\nDer Strom hemmt vor mir seinen Lauf,\n/\nweit offen springt die Eisenpfort',\nfroh meines Einzugs, auf!\nDer Feinde Scharen floh'n zerstreut,\nwo sie gewagt, zu nah'n;\nwohin ich schritt, war mir der Sieg bereit;\ndenn Gott, Er war mir stets zur Seit'\nund brach vor mir die Bahn.\n(Recit.) Du, Gobrias, leite gradeswegs zur Burg hin,\n, dir ist der Weg bekannt. Dies trunkene Volk\nversperrt uns nicht den Eingang. es wagt,\nfällt unsrem Schwerte oder flieht in Hast,\nnimmt uns auch wohl für Freund' und jauchzt im\nFreudenrausch.\nAls Freunde stimmt in ihren Ruf.\nFeind sei uns Keiner hier, als dieser König;\nsank Er dahin, ist unser Ziel erreicht.\nO tapfre Schar, beflecket nicht das Schwert\nmit wüstem Morde! Wie die eigne Herde\ndünkt mir bereits dies Volk, ich selbst ihr Hirte,\ndess Pflicht ist ihre Hut und ihre Weide,\nnicht ihr Verderb.\nChor d. Perser. 0 tapfrer Fürst! Dreimal beglückt,\nwer einst dein künftig Reich erblickt.\nWar' jeder Thron dem deinen gleich,\ndann wär' die Erd' ein Himmelreich.\nGehorsam frei, bereit und blind,\ndie Knechtschaft wär' der Liebe Kind,\nder Streit der Völker wär' versöhnt,\nFreiheit und Fried' und Seligkeit\ntrügen ihr Reich von Land zu Land,\nund Kampf und Leiden wär' verbannt.\nDritter Theil.\nDie Königsburg.\nNitocris (Arie). Vorahnend hofft und bangt mein zweifelnd Herz,\ndie müde Seele zagt in Schmerz.\nEin freundlich tröstend Bild erfreut\nmir nun den Geist; mein Sohn bereut,\nund Gott verzeiht, versöhnt.\nDann seh' ich, wie er mutherfüllt\nempor sich rafft und ruchlos wild\ndem Frevelfeste fröhnt.\nDann schallt's von Waffen rings und Wehr,\ndann wallt ein Strom von Blut umher\nvorahnend hofft und bangt mein zweifelnd Herz,\ndie müde Seele zagt in Schmerz.\nDaniel. Entflieh ! Erfüllt ist Babylons Geschick!\n% Cyrus ist hier! mitten im Palaste!\nJSitocris. Cyrus ? Unmöglich ist's !\nDaniel. Es ist zu wahr !\nAus der Stadt scholl Getös das Thor, geöffnet,\nentrollt ein schrecklich Bild. Die Wach'\nerliegend raschem Ueberfalle, ward entwaffnet\nnach schwacher Abwehr. Und der Siegesheld,\nda er das Thor geöffnet vor sich sah,\nstürzt er heran und nahm die offne Burg.\nChor der Israeliten. Baal sank dahin, Nebo stürzte u. s. w.\nBelsazer (Arie). Ich danke, Sesach, deiner Macht,\ndurch die aufs Neu' mein Muth erwacht.\nDein herzerlabend edles Nass\nerfüllt mit Kraft mich und mit Hass!\nO Scham, dass ich vor Schatten wich!\nCyrus, heran ! nun trefF ich dich!\n(Kriegsmarsch.)\nGobrias (Arie). Den ew'gen Mächten sei der erste Dank,\nes sei der nächste dir, o Held, geweiht,\nvor dessen Arm der Frevler sank,\nder bittre Quell von allem Leid.\nGram, ach ! verzehrt mich lebenslang !\nIch wein' auch jetzt doch wein' aus Dank.\nCyrus. Suchet in Eile die Königin, wo sie weilt\numher, und den Propheten, von dem du sagtest.\nLeite sie sicher zu mir! Trifft sie ein Unfall,\nkehrt sich der Sieg in Schmach und Reue mir.\n(Arie.) O Kampf und Schlacht, hier ist dein Ziel!\nO mächt'ger Tod, dein Reich zerfiel!\nNur den Tyrannen bin ich Feind,\ndem Recht und seinen Freunden Freund!\nNitocris (Duett). Sieh mich im Staube vor dir knie'n u. s. w, bis zu Ende,\n\nSpohr’s Faust auf der frankfurter Bühne.\n\nIm März wurde die Oper „Faust44 zum zweiten Male\nseit der Restauration des Theaters in Frankfurt (Novem-\nber 1855) aufgeführt. Von unseren Ideen fanden wir in\nder Darstellung nur wenige wieder, und da die Ansichten\nder Darsteller nicht bloss augenblickliche Auffassung, son-\ndern festgewordene Ueberzeugung zu sein scheinen, so\nhalten wir es im Interesse des Werkes für nöthig, näher\nauf jene einzugehen.\nDer Faust-Charakter ist so echt deutsch und durch\nGöthe so bestimmt dargestellt, dass, wer diesen kennt,"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "140", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580501-01.1.4", "texte": "keinen Commentar dazu braucht. Aber gerade diese Vor-\naussetzung macht die Oper dem unverständlich, der ohne\njenes Faust-Bewusstsein sie auffasst. Der Componist hatte\ndieses Bewusstsein, und indem er es voraussetzte, gab er\ndie Idee nicht mit der Klarheit, die ein vollkommenes Ver-\nständniss bewirkt. Wollen wir das erlangen, so müssen\nwir aus den Ideen jener Zeit den Schlüssel suchen, und\ndas sind die in den gewaltigen Kämpfen der geistigen und\npolitischen Revolution ausgesprochenen, die Ideen, welche\ndas wahre Glück der Menschheit bezweckten, das sind die\nIdeen, welche in der Kunst am herrlichsten Schiller durch\nseinen Don Carlos und Göthe durch seinen Faust ausse-\no\nsprochen hat. Marquis Posa ringt noch, die Wahrheit der\nIdee festzustellen, an Realität denkt er noch nicht; Göthe's\njüngerer Faust (der ältere fällt in die spätere Zeit und bil-\ndet den Abschluss) beginnt mit der Ausführung und sucht\nerst das Glück in der eigenen Brust; Spohr's Faust, nach\nrealer Gestaltung ringend, geht über das Ich hinaus, allen\nMenschen das Glück zu schaffen. Des philosophirenden\nPosa Ideal ist die Freiheit des Denkens; Göthe's Faust hat\ndiese Freiheit errungen, strebt nach dem Umfassen alles\nWissens, alles Fühlens; Spohr's Faust erkennt in der phy-\nsischen Noth der Menschen das Hinderniss alles Glückes,\nihm scheint die Umwandlung in sinnliches Wohlsein der\nBeruf des Weltenglück-Schöpfers zu sein. Posa, hoch von\nseinem Gedanken getragen, im Ideale lebend, steht über\nder Sinnlichkeit; der jüngere Faust, von dem blossen Ge-\ndanken unbefriedigt, kehrt zur Sinnenlust zurück und\ndurchringt den Kampf zwischen Vernunft und Leiden-\nschaft; Spohr's Faust glaubt, diesen Kampf überwunden\nzu haben und, von richtigen Vorstellungen, von geläuter-\nten Gefühlen erfüllt, berufen zu sein, den Kampf, den er\nin der eigenen Brust gekämpft, zwischen den einzelnen\nMenschen auszugleichen. Posa kämpft für Abstractes mit\nAbstractem, mit Kirche und Staat, er fällt für seine Idee\nund bestätigt damit ihre hohe Wahrheit; Göthe's Faust,\nmit sich selber kämpfend und die Sinnenlust bezwingend,\nüberwindet die Aussenwelt, die ihm nur Gegenstand der\nLust und Unlust war; Spohr's Faust fasst umgestaltend\ndie Dinge, will sie nach vorgezeichneten Idealen ordnen,\naber in Widerstreit mit der Wirklichkeit gerathend, muss\ner als das Opfer seines Ungeschicks, seiner verkehrten\nWeltanschauung fallen. Posa bringt der Hoheit seiner Idee\nAlles zum Opfer, er will Menschen opfern, die Menschheit\nzu retten; aber grösser als seine Idee, himmelhoch über\naller Leidenschaft, steht seine Tugend da. Spohr's Faust,\nvon der Grösse seiner Idee erfüllt, mit allen Mitteln zur\nAusführung ausgerüstet, spielt die Vorsehung, überspringt\nden gewöhnlichen Lauf der Dinge, opfert Alles der Idee,\nwird aber von der Leidenschaft, die er überwunden zu\nhaben glaubt, fortgerissen; seine Allgewalt, die der Tu-\ngend den Sieg verschaffen soll, stürzt ihn jählings ins Ver-\nderben. Er hält die Mittel, die er gebraucht, nicht dem\ngewöhnlichen Menschen, aber dem Welt-Umgestalter er-\nlaubt; um aber die Moral zu sühnen, gibt er sich zum\nOpfer. „Der Hölle selbst will ich Segen erringen, nur\nmich treffe einst ihr Fluch.\" Göthe's Faust sucht den Ge-\nnuss, weil ihn das Wissen nicht befriedigt , er stürzt ins\nfrische Leben und reisst sich wieder los, von höherem\nDrang getrieben. Spohr's Faust tritt ins Treiben der Men-\nschen, nicht zu geniessen, sondern zu schaffen; das Leben\nbietet ihm ungesucht den Genuss; er glaubt, Gutes ge-\nschaffen und als Belohnung den Genuss verdient zu haben.\n„Will mir die Liebe süsse Freuden geben,\nso ist das Ziel erreicht vom Erdenleben.\"\nVon Posa hat Spohr's Faust die allumfassende, welt-\nbeglückende Liebe, vom Göthe'schen Faust den gewalti-\ngen Lebenstrieb; beide Eigenschaften vereint hätten einen\nmächtigen Charakter bilden müssen; es kam aber eine\ndritte hinzu, die scheinbar dem Faust-Charakter gehört\nder Leichtsinn, und der zerstörte alles Edle und Mäch-\ntige in ihm. Wenn Faust Gretchen verlässt, reisst ihn sein\nungestilltes Drängen nach höherem Genüsse fort; wenn\naber Röschen verlassen wird, ist's Ueberdruss am Genüsse\nund neuer Sinnenreiz, der Faust fesselt. Wenn Faust dem\nhöheren Geistigen das höchste Sinnliche opfert, ist er ent-\nschuldigt ; wenn er nur die Genüsse vertauscht, gefallen.\nDiese Seite hat häufig eine Vergleichung des Göthe'-\nschen Faust mit Don Juan veranlasst. Ob der Compcnist\nsie hervorzuheben beabsichtigt, wollen wir nicht behaup-\nten ; aber das müssen wir sagen, dass die Form des Kunst-\nwerkes, die Oper, ihm unvermerkt Züge des vorausgegan-\ngenen Ideals der Oper gegeben. Was Don Juan zu einem\nso herrlichen Bilde macht, das gewaltige Verlangen und\nder Uebermuth im Genüsse, das schwächt den Faust, der,\nnach Edlem strebend, von der Sinnlichkeit abgelenkt wird\nund zu ehrlich ist, über der Sinnenlust das Höhere zu ver-\ngessen. Obgleich wir aber hier den Mangel an Energie\nbedauern, so erkennen wir doch den echt deutschen Cha-\nrakter darin; geben wir dem Faust für diese Schwäche\nThatkraft und Ausdauer, so schaffen wir einen Ro-\nbespierre.\nDie Vielseitigkeit des Charakters macht die Darstel-\nlung höchst schwierig, zumal da der Componist die einzel-\nnen sich durchkreuzenden Züge nicht immer mit gehöriger\nSchärfe ausgedrückt hat. Man darf desshalb die einzelnen\nMomente nicht als den allgemeinen Ausdruck eines be-\nstimmten Seelenlebens auffassen, man muss sie vielmehr\nmit der Grundstimmung des ganzen Stückes empfinden,\nmuss manchmal zwischen den Zeilen lesen. Man darf sie"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "141", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580501-01.1.5", "texte": "weder nach dem blossen Texte, noch nach der blossen\nMusik beurtheilen, sondern nach dem Gesammtbilde, das\nder Componist geben wollte. Wenn Faust seine weltbe-\nglückenden Absichten ausspricht:\n„Den Mangel will ich reich begaben.\nMit Lust der Menschheit Elend laben,\nSie lösen aus der Leiden Acht\"\nhat er sich so gefreut an dem Vorgefühle des Beglückens,\ndass er bei der Wiederholung des Gedankens: „Sie lösen\"\nu. s. w., gerührt wird und ganz in Wonne zerfliesst. Für\njeden anderen Menschen wäre dies ein Triumph seiner\nedlen Natur, für den Weltengestalter passt diese Weich-\nheit nicht: wir sehen darin eine Schwäche, einen Mangel\nan Ausdauer. Selbst Mephistopheles ruft sein: „Gebeut,\nund Alles ist vollbracht!\" mit solcher Ueberschwänglich-\nkeit, als wenn er die Freude der schaffenden Gottheit em-\npfände. Wenn der Darsteller des Faust jene Worte mit\nWürde und Hoheit, der Darsteller des Mephistopheles\ndiese mit einer Beimischung von Ironie singt, dann bekom-\nmen wir die richtige Vorstellung von den diesen gehörigen\nEmpfindungen. Herr Dettmer (Mephistopheles) hatte das\nRichtige mehr getroffen, als Herr Pichler (Faust).\nIst Faust schon in dieser Scene, wo er von hohen Ge-\ndanken erfüllt war, weich gestimmt, wie viel mehr muss\ner's werden, wenn er jene Gedanken verdrängt und an\ndas bescheidene Glück der Liebe denkt! Der Darsteller\nhatte sich hier mehr an die äussere Form der Melodie ge-\no\nhalten und eine allgemein menschliche Empfindung aus-\ngedrückt. Faust muss auch solchen Empfindungen einen\nhöheren Ausdruck geben. Der Darsteller hätte nur mehr\nan den Contrast:\n„Der Hölle selbst will ich Segen erringen\"\nund:\n„Will mir die Liebe süsse Freuden geben\"\ndenken sollen, mehr den Schmerz der Entsagung, der\nWehmuth sollen durchleuchten lassen, die der Componist\nbei den letzten Worten durch die Dissonanzen und den\nSchluss in A-mollandeutete. Er hätte dann auch in der\nArie die Hoheit der Empfindung herausgefunden, die\nSpohr bei den Worten „Die mit süssem Zauberduft\" so\nprächtig durch den Eintritt des A-dur-Accords nach der\nGrund-Tonart F-dur im siebenten Tacte und durch den\npathetischen Schwung der Melodie im eilften und zwölften\nTacte ausdrückte.\nDasselbe gilt von der folgenden Scene zwischen Faust\nund Röschen. Faust muss die Manneswürde geltend ma-\nchen, dann gewinnt Röschen Vertrauen zu ihm, dann wird\nes hingerissen, dann wird es mit Entzücken ausrufen:\n„Fort von hier, auf stille Auen\nWerd' ich gern, Geliebter, ziehn;\nFroh bewegt es mir die Brust,\nDort mit dir vereint zu leben.\"\nWenn Faust Kunigunde befreien will und dem Ritter\nHugo seinen Beistand leiht, dann ist es nicht gewöhnliche\nmenschliche Hülfe, die er ihm anbietet; er kommt als\nRichter und entscheidet den Streit; er hilft dem Hugo,\nweil er hier das Recht sieht. Steigt Faust auf den Blocks-\nberg, so thut er's aus Ekel an dem menschlichen Treiben,\naus Widerwillen gegen die Menschen, die sich seinen\nwohlgemeinten Planen nicht fügen wollen. Dort saugt er\ndie frische Lebenskraft aus der mächtig auf ihn einwirken-\nden Natur, er gewinnt das verlorene Vertrauen auf seine\nKraft wieder das ist es, was den Mann unwiderstehlich\nmacht. Als dieser hohe, kühne Mann tritt er nun vor Ku-\nnigunde; seine geistige und körperliche Ueberlegenheit\nlässt ihn das fordern, was ihm ein Anderer vorweggenom-\nmen. „So hoher Schönheit Fülle!\" ruft er mit dem Voll-\ngefühl der eigenen Schönheits-Fülle. Das treibt ihn, der\nMenschheit den Hohn ins Gesicht zu schleudern, ihre hei-\nligsten Gesetze vor ihren Augen mit Füssen zu treten.\nWir wollen nicht noch weiter ausmalen. Dies genügt,\nden Charakter des Faust zu erkennen. Was wir von der\nDarstellung einzelner Scenen gesagt, das gilt von der gan-\nzen Darstellung des Herrn Pichler. Die einzelnen Arien,\nherausgerissen und im Concert gesungen, wären vortreff-\nlich gewesen; ihre Zusammenstellung aber war nur ein\nVersuch der Charakter-Darstellung. Die ganze Oper hängt\nan der Darstellung dieser Rolle. Wird diese nicht mit\nSchärfe gegeben, dann sinken auch die übrigen Charak-\ntere, das Hohe, Edle wird gewöhnlich. Das Urtheil, über\nHerrn Pichler gegeben, können wir fast auf sämmtliche\nDarsteller ausdehnen. Herr Dettmer hätte, wenn er seine\nIronie feiner und nicht immer mit so vollem Tone gege-\nben, das Richtige getroffen. Röschen's Charakter wird ganz\ndurch Faust bestimmt; trotzdem hätte Fräulein Veith mehr\nInnigkeit und Gemüthstiefe zeigen können. Die Rolle der\nKunigunde wurde von Frau Anschütz-Capitän nur halb\ngegeben. Die Scene im zweiten Acte, wo Kunigunde allein\nin ihrem Zimmer ihr innerstes Gefühl ausspricht, gibt uns\ndas ganze Verständniss des Charakters. Sie liebt Hugo,\naber ein anderes Gefühl trübt diese Liebe, ihr noch un-\nklar; wie sie Faust wiedersieht, wird's ihr klar: „Wie in\neinem Zauberkreise bannt es mich in seine Nähe!\" [Soll\nuns Kunigunde nicht leichtsinnig erscheinen, so muss jene\nScene dargestellt werden. Herr Eppich sang und spielte\ndie Rolle des Hugo mit viel Feuer und Kraft. Die Rolle\ndes Herrn Stern (Gulf) wurde durch das Weglassen der\nScene mit Kunigunde, wo er ihre Liebe begehrt und droht,\nsie vom Felsen hinabzustürzen, unverständlich. Sehr ge-\nlungen war die Darstellung des Franz von Herrn Bau-\nmann. Auch die kleineren Partieen wurden gut gegeben:"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "142", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580501-01.1.6", "texte": "%\nWohlhaldt (Herr Zimmermann), Wagner (Herr Leser),\nKaylinger (Herr Krug) und Moor (Herr Jacobi).\nDie Orchester-Partie war vortrefflich. Sie ersetzte oft\ndie Mängel der Darstellung. Die Ouvertüre und die Intro-\nduction zum zweiten Acte malten in grossartigen Zügen\nden inneren Kampf des Faust.\nDie Oper wurde, obgleich Spohr schon lange die Aen-\nderung in drei Acte gemacht, noch in zwei Acten gege-\nben, was einen unangenehmen Eindruck hervorbringt.\nWenn Faust den letzten Schritt gethan, der ihn zur Ein-\nsicht seiner verkehrten Plane bringt, kann er nicht im\nnächsten Augenblicke wiederkommen, ein neues Leben\nanzufangen. Wenn ihn Mephistopheles aber zum letzten\nSchritte verleitet und betrügt, kann er nicht, zur Thür\nhinausgegangen, gleich die Rechnung über ein ganzes Le-\nben ziehen. Und Kunigunde, die eben so plötzlich, so tief\ngefallen, wird nicht im nächsten Augenblicke über ihr Le-\nben reflectiren und von ihrem Hugo Verzeihung erbitten\nwollen. Durch die Dreitheilung werden übrigens auch die\nHauptzüge der Geschichte klarer: im ersten Acte ist Faust\nnoch der Weltbeglücker, selbst sein Verbrechen geht von\nder grossen Idee aus; im zweiten vergisst er sein Ziel,\nwird von Leidenschaft hingerissen, wird Egoist; im dritten\nkommt er zur Einsicht seines verkehrten Handelns, es folgt\ndie Sühne.\n\n-r-ch-.\n\nStoppellese.\nZur Vorbereitung auf die Anhörung von Liszt's gra-\nner Festmesse in Wien erschien daselbst bei Manz & Comp,\nein Büchlein (5 Bogen gr. 8.): „Ueber Franz Liszt's\ngraner Festmesse und ihre Stellung zur geschichtlichen\nEntwicklung der Kirchenmusik\" als „Beitrag zum we-\nsenhaften Verständnisse des Werkes.\" Wir geben daraus\neinige Blüthen der neuesten Kunst-Philosophie:\n„Die Idee des allerhöchsten Wesens wird durch Drei-\nklänge mit Auslassung der Terz versinnlicht. Auch\nträgt die in dieser Disposition von Grundton und Quinte\nenthaltene musicalische Symbolik des Anfanges und Endes\ndurch ihren geistigen Parallclismus mit der Satzung der\nGlaubenslehre: Dens est initiu\nwesentlich zur Erweckung der vom Tondichter angestreb-\nten Vorstellung bei.\"\n„Dieses Motiv u. s. w. Versinnlicht die Idee der gött-\nlichen Vermittlung durch den Heiland. Diese zarte Sen-\nkung des Christe von d auf a, ist sie nicht der vollendete\nAusdruck kindlichen Zutrauens, mit dem wir den Sohn\nGottes im Herzen anrufen?\"\nFerner ist gesagt: „dass, wenn man auch annehmen\ndarf, Liszt werde das Credo einer zweiten, dritten Messe\nnicht minder charakteristisch auffassen und wirksam wie-\ndergeben, es ihm nichts desto weniger doch kaum gelin-\ngen möchte, Stellen wie dieses und\nfixm ein zweites Mal in solcher Erhabenheit zu bilden. Das\nsind Unica; nicht Menschengedanken, sondern directe\nOflenbarungen der Göttlichkeit, die jeden Versuch einer\nWiederholung ähnlicher Schöpfungen ab weisen. Ueberhaupt\nkann man sich des Gedankens schwer entschlagen, ob die-\nses Werk vermöge seiner durchdringenden Charakteristik\nin vielen Punkten nicht ein Hemmniss für jeden Versuch\nähnlicher Schöpfungen auf lange hinaus, in manchem viel-\nleicht selbst auf immer abgeben dürfte. Halten wir uns in\nletzterer Beziehung nur die unmittelbar aus ritualem\nSchoosse emporgesprossene Gestaltung des Fugen-The-\nma's im vGloria\"und des Haupt-Motivs vom ge-\ngenwärtig. Könnten wohl solche Gestaltungen,\nohne Plagiat oder wenigstens Nachbildung zu\nwerden, ein zweites Mal entstehen? Der Ritus\nwenigstens besitzt für das Gloria und Credo\nkein zweites Motiv.\"\n„Das Gloria beginnt mit einem wie überirdisch leisen\nSchwirren der Geigen in der höchsten Lage. Dieses con-\nstante Säuseln des U-dur-Acxords ist nichts Anderes als das\nSinnbild der Emanation eines zur Erde herab-\ndringenden Lichtstrahls des geöffneten Himmels.\"\n[Die allbekannten Vorbilder dieses Sinnbildes sind ja\nheidnischer Gräuel und ketzerischer Betrug, bei Mendels-\nsohn im Sommernachtstraum, bei Wagner im Venusberge\nund bei Meyerbeer im Propheten; und auf einmal werden\ndie Elfen, die Liebesgötter und der Magnetiseur von\nLeyden heilig gesprochen!)\n„So muss es getönt haben, als der grosse Vorhang im\nTempel zu Jerusalem inmitten entzwei riss ; diese Accorde,\nund die W orte jenes Astrologen, der bei dem Anblick der\nHimmelszeichen, die den Tod des Heilandes bezeichneten,\nausrief: Entweder leidet der Schöpfer der Welten, oder die\nWelten gehen zu Grunde stehen auf gleicher tragi-\nscher Höhe.\"\nWenn dann ferner von dem „geheimnissvollen Aether\nder Instrumentirung\", von dem „heiligen Glänze, den die\nTonart Fis-durstrahlt\", und von hundert anderen Wundern\nin diesem Werke, „das der Componist mehr gebetet als\ngedichtet hat\" —■ die Rede ist, so weiss man nicht, ob\nder Schreiber die Musik verhöhnen will, oder ob er sein\nManuscript aus dem Tollhause in die Druckerei geschickt hat."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "143", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580501-01.1.7", "texte": "Aus Paris.\nB. P.\nDen 27. April 1858.\nHeinrich Wieniawski hat am 18. d. Mts. sein zweites Con-\ncert im Saale Herz gegeben. Er hat darin das Concert von Beet-\nhoven eine Merkwürdigkeit für Paris! —, eine Phantasie von\nPaganini, seine bekannte Bravour-Polonaise und mit Rubinstein\nBeethoven's Sonate in A-moll, Kreutzer gewidmet, gespielt. Wieni-\nawski riss durch die eminenten Eigenschaften seines Violinspiels?\nSicherheit, Schwung und fabelhafte Technik hin. Rubinstein trug\nausser der genannten Sonate noch das Concertstück von C. M. von\nWeber vor, liess aber das Publicum dieses Mal kalt. Rieh. Lin-\ndau sang eine Arie aus Mendelssohn1 s Paulus und zwei Lieder\nvon Schubert und Schumann. Für ein Virtuosen-Concert war\nmithin das Programm weit classischer, als man es sonst hier ge-\nwohnt ist.\nWar aber die Ausführung ebenfalls classisch? Das kann man\ndurchaus nicht behaupten; vielmehr muss man über eine solche Vir-\ntuoserei noch weit derber herfallen als sonst, sobald classische\nWerke dadurch verhunzt werden. Die grossen deutschen Meister\nhaben wahrlich ihre Werke nicht geschrieben, auf dass Polen und\nRussen sie als Rennbahnen benutzen sollen zu einer Hetzjagd. Es\nist eine wahre Entwürdigung der Kunst, eine Verhöhnung der Aesthe-\ntik, eine Sünde gegen den Geist der Composition und eine Lästerung\nauf den Namen des Componisten, wenn man das Concertstück We-\nber's so herunterreisst, wie Rubinstein es thut. Von Musik ist dabei\nnicht mehr die Rede, sondern nur von dem Versuche, die Schnellig-\nkeit der Locomotive und ihr monotones Gerassel auf die Tastatur\ndes Pianoforte zu Nicht besser erging es der Sonate von\nBeethoven; Wieniawski wollte auch nicht zurückbleiben, und so be-\ngann denn im ersten und letzten Satze ein Wettrennen, bei dem\nman nur die beiden Jockey's auf ihren Pferden daher brausen sah,\nhinter sich den undurchdringlichen Staub von Tönen aufwirbelnd,\nin dessen dunkler Wolke kein Fünkchen von Melodie und Harmonie\nmehr zu entdecken war. Man kann denken, wie sehr alles Maass\nim Tempo überschritten wurde, da selbst das pariser Publicum, dem\nman als vozugsweisen Bewunderern der Technik quand meine schon\netwas bieten kann, diesen Hetzereien keinen Beifall schenkte. Dass\nunter diesen Umständen auch bei dem Violinspieler von Ton und\nWürde nicht die Rede sein konnte, ist einleuchtend. Anstatt sich in\ndie Tiefen des Beethoven'schen Geistes zu versenken, flatterte und\nschwindelte er luftig über die Oberfläche hin. Von dem Coneerte\ndesselben Meisters spielte er nur den erstenSatz; hier waren Tempo\nund VTortrag allerdings besser, indess fehlte es etwas an Kraft, Fülle\nund Rundung des Tones. Die Cadenz war derart mit Schwierigkeiten\nüberhäuft und so lang, dass es leider aussah, als wenn das Concert\nnur der Cadenz wegen gespielt worden wäre.\nIm Circus gab der Orpheon ebenfalls am 18. d. Mts. sein jähr-\nliches Concert, das bekanntlich ein reines Vocal-Concert ist, in wel-\nchem der allgemeine Chor aus den Schülern der Gesang-Anstalt\n(Sopran und Alt von Kindern, Knaben und Mädchen, besetzt) und\ndem damit verbundenen Männergesang-Vereine besteht. Es wurden\nsechs allgemeine Chöre und vier Männerchöre gesungen. Das Publi-\ncum fand an den letzteren grosses Gefallen, was für Paris ein Fort-\nschritt zu nennen ist; drei von den Gesängen des Männerchors wur-\nden da capo verlangt, unter ihnen auch Kücken's Le jenne Con-\nsent (der junge Recrut).\nFlotow' s Martha hat bis zu der gegenwärtigen Schlusswoche\nder Saison der italiänischen Oper ihre Anziehungskraft bewährt Eine\nMasse von Ciavierstücken haben sich beeilt, ihre Melodieen, diese\nins Deutsche übersetzte französische Musik, ins Französische zurück\nzu übersetzen, und auf allen Pulten der dilettantischen Salonwelt\nliegen Illustrationen, Erinnerungen, Phantasieen, Bouquets, Mosaiken,\nDuo's, Quadrillen, Polka's u. s. w. von Ascher, Goria, Ch. Voss,\nund wie die Jäger alle heissen, welche das frische Wildpret hier\nauszuweiden pflegen.\nHerr Poggenpohl, Director des Journals Le Nordy hat sein grosses\nEtablissement auf dem Boulevard de la Madeleine, das den Zweck\nhat, eine „national-russisch-französische Agentur\" zu begründen\ndurch eine glänzende artistische Soiree eröffnet, zu welcher eine\nMenge von Künstlern und Schriftstellern geladen war. Die Tonkunst\nwar durch Tamberlik (der auch auf der Bühne durch seinen\nimmer noch mächtigen Brust-Tenor imponirt), Rubinstein und\nWieniawski vertreten.\nLitolff ist wieder hier und gibt am 2. Mai ein grosses Concert\nim Saale des Conservatoires. H. Berlioz wird das Orchester diri-\ngiren; es werden nur Compositionen von Litolff und Berlioz ge-\nmacht, unter Anderem einige Sätze aus dem dritten und vierten\nSinfonie-Concert, eine Ouvertüre und eine Scene für Chor, Soli und\nOrchester aus „Faust\" von Litolff. Von Berlioz kommt nichts\nNeues vor.\nDem Bericht des Vereins der dramatischen Dichter und Compo-\nnisten zufolge haben sich die Tantiemen derselben von den Bühnen-\nEinnahmen seit 1814 vervierfacht, und seit 1830 sind sie um 150\nProcent gestiegen. Die pariser Theater haben in den vergangenen\neilf Monaten 10,800,000 Fr. eingenommen, davon ist an die Verfasser\nder Stücke und Opern gezahlt 1,001,800 Fr.; die Tantiemen aus\nder Provinz hinzugerechnet, im Ganzen 1,250,350 Fr.\n\nTages- und Untehaltungs-Blatt.\nMolil. Sonntag den 25. April gab der kölner Männerge-\nsang-Yerein sein viertes Winter- Abonnements-Concert. Das\nProgramm brachte eine mannigfaltige und interessante Auswahl von\nGesängen, welche alle unter F. Web er1 s Leitung mit gewohnter\nPräcision und ausdrucksvollem Vortrag ausgeführt wurden, Herrn\nDuMont-Fier's Solo-Vorträge waren eine glänzende Zierde des\nConcerts. Schuberts „Wanderer\" namentlich wurde von ihm so ge-\nsungen, wie man ihn, seitdem StaudigFs Gesang verstummt ist, wohl\nschwerlich besser hören kann. Die Herren Breunung und von\nKönigslöw spielten die kleinere G-dur-Sonate von Beethoven für\nPiano und Violine, und die Pensees fugitwes von Heller und Ernst\nmit bekannter Meisterschaft.\nAm 27. April feierte derselbe Verein sein sechszehntes Stif-\ntungsfest durch eine fröhliche Liedertafel im Hotel Disch, bei\nwelcher die Lieder und die Tafel ganz gut vertreten waren. Eine\nernste Stimmung riefen die ergreifenden Worte hervor, mit welchen\nder Präsident des Vereins, Herr Prof. Vack, den Toast auf Seine\nMajestät den König einleitete.\nAm Donnerstag den 29. April fand die sechste Soiree für Kam-\nmermusik im Hotel Disch Statt. Beethoven's Quartett Op. 132\nin A-moll eröffnete die Sitzung; das Studium der vier ausübenden\nKünstler ist dankbar anzuerkennen, allein diese Musik ist nicht für\nden Kreis eines Dilettanten-Publicums geeignet. F. Hill er spielte\nmit Herrn Concertmeister Grunwald die herrliche Sonate in A-dur\nfür Piano und Violine von Mozart so klar, rund und geistig, dass\nes eine wahre Freude war, diese gediegene Virtuosität, diese\nTonleitern und mit unnachahmlichem Anschlag hingehauchten Fiori-\nturen zu hören. Am Schlüsse trug er noch einige von seinen reizen-\nden „Vermischten Ciavierstücken, Op# 66\" vor. Dazwischen führten\ndie Quartettisten ein gar schönes Quartett von J. Haydn in G-dur\nmit vortrefflichem Tone und sehr lobenswerthem Zusammenspiel aus."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "144", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580501-01.1.8", "texte": "Denkstein für Gathy.\nOffenes Schreiben an die Redaction der Niederrhei-\nnischen Musik-Zeitung.\nWir haben in Deutschland mit tiefem Schmerz vernommen, dass\nAugust Gathy zu Paris (rue Labruyere Nr. IS) entschlummert.\nSie gedachten des Dahingeschiedenen in Nr. 16 dieser Zeitung mit\nwarmen Worten. Weitere Nachrichten sandte Stephen Heller durch\nNr. 111 der Kölnischen Zeitung, so wie Dr. Bamberg durch Nr. 191\nder National-Zeitung. Schöne Blumen, von edlen Frauen gesandt,\nfielen zugleich mit den Erdschollen auf den Sarg, der am 10. d. M.\nauf dem Kirchhofe Montmartre eingesenkt wurde. Lebt auch das Ge-\ndächtniss an Gathy in seinen Verehrern und Freunden fort, so ist\ndennoch zu wünschen, dass sein Grabhügel durch ein Zeichen ge-\nschmückt wird, das dem Wanderer sagt, welch edler Mann dort\ngebettet. Was wir hier wünschend aussprechen, wird von sorgsamen\nFreunden in Paris vielleicht schon vorbereitet. Vielleicht ist auch\nFe'tis in Brüssel schon thätig. In unserem Vaterlande weilt wohl\nmancher Freund des Entschlafenen, welcher gern zu solchem Zei-\nchen in Liebe beitragen möchte, jedoch es fehlt ihm dazu ein An-\nhaltspunkt. Die Redaction dieser Zeitung wird daher gebeten, als\nfreundliche Vermittlerin aufzutreten, sich zur Annahme solcher Lie-\nbesspenden bereit zu erklären uad dieselben in geeigneter Weise\ndann nach Paris zu übermitteln. Achtungsvoll\nMinden, den 26. April 1858. Carl Bansi.\nDie Redaction der Niederrheinischen Musik-Zeitung wird gern\ndem oben ausgesprochenen Wunsche entsprechen.\nKöln, den 30. April 1858. Prof* L. Bischoff."}]}