{"numero_id": "bm-bmtnabi-1858-05-15-01", "volume": "bmtnabi_1858-05-15_01", "ocr_sha256": "9e7875a367129311fee11d96b57007cf32cdd55c20b435afe455f4717e357302", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1858/05/15_01/bmtnabi_1858-05-15_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580515-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1858-05-15-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-05-15_01#c001", "volume": "bmtnabi_1858-05-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "153", "page_fin": "153", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580515-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "153", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580515-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 455, "texte": "Inhalt.\nBerliner Briefe (Violin-Concert von K. Würst Trio-Soireen von Bülow u. s. w. Aufführungen der Akademie\ndes Dom-Chors, des Stern'schen Vereins Die Italiäner bei Kroll Oper: Gastspiele Matineen Delin's Tod). Von G. E. Aus'\n'P'6 Jubelfeier des Conserratoriums - Die drei Concerte desselben in der Fastenzeit). Aus Düsseldorf (Ueberblick der acht\nWmter-Concerte- Die Musik-Zustände ,im Allgemeinen). Von —6—. Für Gathy's Denkstein in Paris (Beiträge)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-05-15-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-05-15_01#c002", "volume": "bmtnabi_1858-05-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "153", "page_fin": "155", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580515-01.2.2", "titre_corps": "Berliner Briefe.", "titre_sommaire": "Berliner Briefe.", "signature_source": "G. 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Unter den neuen Compositionen, die\nzur Aufführung kamen, war am hervortretendsten ein\nViolin-Concert von Richard Würst, das von Herrn\nLaub in einer der Liebig'schen Symphonie-Soireen treff-\nlich vorgetragen wurde. Es gibt wenig Violin-Concerte, die\neinen musicalischen Werth besitzen. Die sehr zahlreichen\nArbeiten dieser Art von Spohr haben zwar meist einen\nedlen Schwung und verrathen es in Anlage und Durch-\nführung, dass sie von jemand geschrieben wurden, der\nzugleich ein ausgezeichneter Violin-Virtuose und ein be-\ndeutender Componist war; aber der musicalische Inhalt\nist nicht so bedeutend, dass sie dadurch, wie die Violin-\nConcerte von Beethoven und Mendelssohn, einen für alle\nZeiten bleibenden Werth erhielten; und die concertmässige\nAusschmückung gehört einer älteren Zeit an. Das Würst'-\nsche Concert schliesst sich in Form und Inhalt an das Men-\ndelssohn'sche an. Die einzelnen Sätze haben jeder einen\nmusicalischen Kern; und wenn sich auch in den Grund-\ngedanken selbst keine besondere Erfindungsgabe verräth,\nso zeugt doch die Ausführung und Instrumentation nicht\nnur von Fleiss und von der klaren Gestaltungskraft, die\nWürst nie verläugnet, sondern es finden sich hier auch\nmanche feine Züge, originelle Wendungen, die den Mangel\nursprünglicher schöpferischer Kraft einiger Maassen er-\nsetzen. Das für den Musiker jedenfalls interessante Werk\ngibt auch dem Virtuosen Gelegenheit, seine Technik nach\nallen Richtungen hin zur vollsten Geltung zu bringen.\nEinige neue Compositionen kamen ferner in den Trio-\nSoireen der Herren von Biilow, Laub und Wohlers\nzur Aufführung. Erwähnungswerth ist unter ihnen nament-\nlich ein Trio (.H-moll) von Cesar Frank, einem bel«i-\nsehen Componisten, von dem schon vor Jahr und Tag hier\nverlautete, dass er in Paris gestorben sei, während uns\njetzt wieder eine andere Nachricht zukommt. Wie sehr\ndiesem Werke auch künstlerische Vollendung fehlen ma°\nes ist doch Phantasie und ein angeborener Sinn für das\nEdle dann. Wir finden Melodieen, die aus tiefer Empfin-\ndung entsprungen sind, harmonische und rhythmische\nWendungen, die von eigentümlicher Kraft der Phantasie\nzeugen; aber das Ganze ist freilich verworren, neben\ndem Edlen steht Triviales, leicht Hingeworfenes und wie-\nder Barockes; die Composition regt uns an, aber sie be-\nfriedigt nicht.\nDie Concerte des Dom-Chors, der Sing-Akade-\nmie und des Stern'schen Vereins sind zu Ende ee-\n©\ngangen; die Sing-Akademie brachte recht befriedigende\nAufführungen des Radziwill'schen Faust, des Elias und der\nMatthäus-Passion; der Stern'sehe Verein begnügte sich mit\nEiner, aber sehr glänzenden Aufführung des Israel in\nAegypten; der Dom-Chor trug in seiner letzten Soiree nur\ndeutsche Compositionen vor (Choräle von Eccard und Mel-\nchior Frank, die Motette von J. S. Bach „Der Geist hilft\nunsrer Schwachheit auf, die Motette von J, C. Bach „Ich\nlasse Dich nicht\" und Stücke von Mendelssohn und Schu-\nbert), ausgenommen ein Stück von Scandellus, .Lasset die\nKindlein zu mir kommen\" , der zwar in so fern zu Deutsch-\nland zu rechnen ist, als er in Dresden Capellmeister war\nund sogar lutherisch wurde, doch aber ein geborener Ita-\nliäner und, in diesem Musikstücke wenigstens, ein Ange-\nhöriger der römischen Schule ist. Von Schumann kam\nunter Leitung des Herrn Radecke „Der Rose Pilger-\nfahrt\" zur Aufführung; die Solosänger bemühten sich, die\nSentimentalität, an der schon Dichtung und Composition"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "154", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580515-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5519, "texte": "leiden, durch einen noch sentimentaleren Vortrag wo mög-\nlich zu überbieten, und so konnte denn die Wirkung des\nGanzen nicht sehr erquicklich sein.\nBei Kroll trat die italiänische Opern-Gesellschaft, die\nin mehreren süddeutschen Städten gastirte, ebenfalls auf.\nDas berliner Publicum nahm wenig Notiz davon; wenn\nindess die Gesellschaft auch mangelhaft war, so verschaffte\nsie uns doch den Reiz der italiänischen Stimmen; nament-\nlich zeichnete sich der Tenor durch ein mächtiges, klang-\nvolles Organ aus. Wenn wir in der wiener Presse die\nseist- und geschmackvollen Berichte Hanslick's über die\nO O\ndortigen italiänischen Sänger, die doch einen berühmten\nNamen haben, lesen, so wird unsere Sehnsucht, derartiger\nGenüsse, wie in früheren Zeiten, so auch in Zukunft uns\nin Berlin erfreuen zu können, zwar etwas gedämpft, den-\nnoch kann sie nicht ganz unterdrückt werden. Je mehr wir\nim Norden von abstracter Musik zu leben genölhigt sind,\ndesto mehr sehnen wir uns, zu der natürlichen Quelle der-\nselben, zum Gesänge, zurückzukehren; die Freude am\nMenschen selbst, an seiner Empfindung, wie sie sich tönend\näussert, ist doch die reelle Wurzel der Musik, wenn auch\nihr ideeller Ursprung in der geistigen Bedeutung arithme-\ntischer Verhältnisse liegen mag. Hanslick kann nach dem\nStandpunkte, auf den er sich in seiner bekannten Schrift\nvom musicalisch Schönen gestellt hat, wenig Werth aul\ndie specifische Bedeutung der Menschenstimme legen; uns\nist sie der natürliche Boden der Musik. Darum sind uns\nItaliens Sänger, selbst in ihrer Entartung, doch immer\netwas werth; denn sie haben über dem Künstlichen nicht\ndas Natürliche verloren.\nAn der königlichen Oper fanden mehrere Gastspiele\nStatt. Von dem Gastspiel der Viardot-Garcia berichtete ich\nIhnen schon in meinem vorigen Briefe. Ich habe dem nur\nhinzuzufügen, dass sie in der letzten Zeit ihres Hierseins\nleidend war und sich nicht auf der Höhe ihrer früheren\nErfolge zu behaupten vermochte. Unsere Bewunderung\nfür die ausserordentliche Grösse ihrer Technik, für ihre\nhohe geistige Begabung wird dadurch nicht geschwächt.\nDie Schönheit ihrer Gestaltungen würde freilich gewin-\nnen, wenn sie in der Technik sich engere Gränzen stellte,\nwenn sie nicht ihrem Organ dritthalb Octaven starker\nTöne abgerungen hätte (vom kleinen /bis zum dreigestri-\nchenen c),wenn sie hinsichts des Ausdruckes ebenfalls\nmaassvoller wäre, das einfach Lyrische mehr zur Geltung\nbrächte. Dass man auch des Guten zu viel thun kann, da-\nvon gibt sie den deutlichsten Beweis. Das Wesen der\nSchönheit verträgt sich nicht mit dem Streben, die äusser-\nsten Gränzen des Möglichen zu erreichen; das Schöne hat\nseine eigenen Schranken. Aber nichts desto weniger ist sie\neine bewundernswerthe Erscheinung; ihr ist die Kraft ver-\nliehen, in jedem, der nicht bloss rm sinnlichen Genüsse\nhängt, eine Bereicherung seines geistigen Lebens-Inhaltes\nhervorzubringen. Referent hatte Gelegenheit, in einem ge-\nsellschaftlichen Kreise Beethoven'sche Trios von ihr spie-\nlen zu hören. Sie spielte sie vom Blatt, nicht nur fehlerlos,\nsondern mit ausgeprägtester Deutlichkeit und eben so fei-\nner als natürlicher Auffassung. Nach der Viardot kam\nFrau Bürde-Ney. Obschon sie unserer Ansicht nach\nFortschritte gemacht hat, namentlich in der Wärme der\nAuffassung, so brachte sie doch beim Publicum keinen\ngrossen Enthusiasmus hervor. Den meisten Beifall fand sie\nals Frau Fluth in den lustigen Weibern und in dem Vor-\ntrage einer Arie aus Ernani von Verdi. Als dramatische\nSängerin ist sie der Wagner und selbst der Köster nicht\ngleich; doch hat sie auf der anderen Seite einen so viel\nfrischeren und der Herrschaft ihres Willens unterworfenen\nStimmfonds, dass sie, im Ganzen betrachtet, doch wohl\njetzt die bedeutendste deutsche Sängerin sein möchte. Von\nFräul. Tietjens weiss ich freilich nicht, ob sie sich seit den\nzwei Jahren, dass ich sie nicht gehört habe, bedeutend\nentwickelt hat; damals aber war sie weder in der Schön-\nheit der Stimme noch in der Technik und Auffassung der\nNey ebenbürtig.—Zwei Mitglieder des Josephstädter Thea-\nters in Wien, die Herren Kaminski und Eghardt, die\nals Tannhäuser und Wolfram gastirten, machten gänzlich\nFiasco. Fräul. Günther aus Prag, eine geborene Berli-\nnerin, ist zwar noch Anfängerin, aber recht talentbegabt;\nsie hat gefallen und wird wahrscheinlich engagirt werden,\ndamit das Rollenfach der Johanna Wagner zwiefach be-\nsetzt werde.—Joseph in Aegypten von Mehul, seit vie-\nlen Jahren nicht gegeben, ging wieder in Scene, aber je-\ndesmal, trotz der interessanten Musik, vor leerem Hause.\n—Zwei Matineen, die von den Mitgliedern der königlichen\nBühne zu wohlthätigen Zwecken im Schauspielhause gege-\nben wurden, haben zwar in der berliner Gesellschaft viel\nvon sich reden gemacht, doch haben sie eine mehr locale\nBedeutung. Künstlerisch ist daran nur erwähnungswerth,\ndass Fräul. Seebach „Schön Hedwig\" declamirte, und\ndass Frau Clara Schumann dieSchumann'sche Clavier-\nBegleitung dazu spielte; ferner dass Frau v. Bock (Schrö-\nder-Devrient) wiederum einige Lieder von Schumann und\nSchubert mit tiefer Empfindung und sicherer Herrschalt\nüber ihre Stimme vortrug. Auch unter den anderen Lei-\nstungen war natürlich sehr viel Treffliches, aber nichts,\ndessen Erwähnung auswärts interessiren könnte.\nDer plötzliche Tod Dehn's hat überall einen sehr\nschmerzlichen Eindruck gemacht. Dehn war ein ausge-\nzeichneter Bibliothecar, wie er so leicht nicht wieder ge-\nfunden werden wird. Ausserdem suchte er in der Kennt-\nniss aller Künste des Contrapunktes, in historischer Gelehr-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "155", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580515-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 775, "texte": "samkeit und in der Fähigkeit, die älteste Notenschrift zu\nentziffern, seines Gleichen. Von der zweiten Auflage seiner\nHarmonielehre hat schon der Druck begonnen; wie man\nhört, wird derselbe unter der Leitung seines früheren Schü-\nlers Bernhard Scholz (in Zürich) zu Ende geführt wer-\nden. Ein in italiänischer Sprache geschriebenes Werk über\nden Contrapunkt befindet sich, wie man vernimmt, eben-\nfalls unter seinem Nachlass. Der Organist Haupt, ein\nSchüler Dehn's, soll die Absicht haben, es herauszugeben.\nOb sich auch Materialien zu der Biographie Orlando di\nLasso's, an der Dehn seit vielen Jahren unablässig arbei-\ntete, gefunden haben, weiss ich nicht. Als wahrscheinlicher\nNachfolger Dehn's an der königlichen Bibliothek wird viel-\nfach Franz Commer bezeichnet.\n\nG. E."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-05-15-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-05-15_01#c003", "volume": "bmtnabi_1858-05-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "155", "page_fin": "157", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580515-01.2.3", "titre_corps": "Aus Prag.", "titre_sommaire": "Aus Prag.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "155", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580515-01.1.3", "debut_caractere": 777, "fin_caractere_exclue": 5365, "texte": "Aus Prag.\n[Die Jubelfeier des Conservaloriums Die drei Concerte\ndesselben in der Fastenzeit F. L i s z t' s Tasso und Clavier-Con-\ncert Der Pianist Pflugliaupt u. s. w.]\nEnde April 1858.\nDie Vertreter der Kunst-Interessen unserer Hauptstadt\nund mit ihr Böhmens, insbesondere der musicalischen, ha-\nben in diesem Jahre eine hohe, aber auch schwierige Auf-\ngabe zu lösen. Es war gerade vor fünfzig Jahren, als die\nkunstsinnige Aristokratie des Landes den hochherzigen\nEntschluss ins Leben brachte, der nationalen Kunst des\nmusicalischen Königreiches ein Asyl zu schenken, in wel-\nchem es nicht sowohl etwas ganz Neues oder Fremdes auf-\nzubauen gab, sondern welches dazu dienen sollte, das vor-\nhandene Gute zu erhalten, die Keime zu befruchten und\nschlummernde Kräfte zu wecken. Die Gründung des Con-\nservatoriums der Musik durch mehrere Repräsentanten der\nedelsten historischen Geschlechter fällt in das Jahr 1808,\nund das seitdem weit und breit berühmt gewordene Insti-\ntut feiert heuer somit sein fünfzigjähriges Jubiläum. Dass\nkein anderes Institut, welches Namens immer, so im Stande\nist, das musicalische Böhmen zu repräsentiren, begreift sich\nbei der Bedeutung des Conservatoriums von selbst, und es\nfragt sich nun: Ist die erste Hochschule der Musik ihrer\nGründung nach gehörig vorbereitet, um eine so seltene\nund in ihrer Art bedeutungsvollste Feier würdig zu bege-\nhen? Was den äusseren Glanz betrifft, so ist an der distin-\nguirtesten Begehung des Festes nicht zu zweifeln. Stehen\nan der Spitze der Vorbereitungs-Anstalten ja doch jene\nMänner, denen das Conservatorium sein jetziges materielles\nBlühen zu verdanken hat, welchen es gelungen, die Stürme\nzu bannen, welche eine anarchische Zeit heraufbeschwo-\nren, und auch jene, welche das aus ihren möglich gewor-\ndenen Resultaten mit gewohnter absoluter Hast construirte\nneue politische Princip scheinbar berechtigten, und die\nnoch mehr geeignet waren, jede Selbstständigkeit natio-\nnalen Seins und Handelns auf immer zu unterdrücken. Wenn\nunsere Kunst-Anstalt nun die Hoffnung hat, in der Zukunft\neine von bureaukratischen Einflussnahmen ausser des Lan-\ndes, wenigstens in Rücksicht ihrer inneren Verfassung und\nihrer Existenz, unabhängige Stellung einnehmen zu können,\nnicht der beliebten, weil so bequemen Nivellirungs-Scheere\nmoderner Administration zu verfallen, so gebührt der Dank\ndafür zunächst dem Präsidenten des Vereins zur Beförde-\nrung der Tonkunst, dem edlen energischen Grafen Albert\nNostiz, der die Gefahren, von denen das prager Conser-\nvatorium von gewissen Seiten her bedroht war, glücklich\nabzuwenden wusste, und dem es sicher noch gelingen wird,\ndas Provisorium, welches dem Institute als einem noch im-\nmer grösstentheils privatlichen anklebt, in ein Definitivum\nzu verwandeln. Erst wenn das Conservatorium den Cha-\nrakter einer öffentlichen Landes-Anstalt angenommen ha-\nben wird, wird es ihm möglich werden, allen Rivalitäten\ndieser und jener Art kühn die Stirn bieten zu können\nund in das Stadium einer grossartigen Entwicklung und\nReorganisirung zu treten. Bis dahin bleiben alle Wünsche\nin dieser Beziehunng nach dem Maassstabe der Einrich-\ntungen an der Seine fromme. Dass sich aber die so zu sa-\ngen staatlichen Verhältnisse der Anstalt wohl einmal so\ngestalten werden, dafür bürgen uns, wie gesagt, die That-\nsachen, mit denen der Veveins-Präsident bisher so Grosses\nund Bedeutendes zuwege gebracht.\nWas die eigentlich künstlerische Begehung der Feier\nund die ihr zu Gruude liegenden musicalischen Kräfte des\nConservatoriums betrifft, so beantworten diesen zweiten\nTheil der Frage wohl zunächst und am bündigsten die Re-\nsultate der heurigen Productionen des Conservatoriums,\nwesshalb es auch vergönnt sein möge, derselben in diesem\ngeschätzten Blatte zu erwähnen. Die öffentlichen Produc-\ntionen, in welchen die Zöglinge des Instituts Gelegenheit\nhaben, Proben ihres Talentes und dessen Ausbildung zu\nzeigen, hauptsächlich aber vereint in grossen Orchestral-\nwerken zu wirken, beschränken sich freilich nur auf die\ndrei Concerte, welche während der Fastenzeit gegeben\nwerden; aber die Qualität der Leistungen gibt wohl einen\nziemlich annähernden Maassstab der Leistungsfähigkeit des\nInstituts überhaupt, und nach dem, was heuer zu Gehör\nkam, lässt sich wohl ohne Zagen behaupten, dass unser\nConservatorium wohlgerüstet der Begehung seines Jubel-\njahres entgegengehe, und von der musicalischen Ausstat-\ntung desselben nur Gutes und Vorzügliches zu erwarten\nsei. Um nun von diesen Concerten selbst zu reden und die\nhier gehegte Hoffnung einiger Maassen zu begründen, sei\nEiniges über selbe angeführt."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "156", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580515-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5561, "texte": "Von Orchestralwerken kamen im ersten Concerte\nBeethoven's vierte Sinfonie und Reinecke's Ouvertüre zur\nDame Kobold zur Aufführung. Dass des grössten Epikers\ninstrumentale Wunderwerke hier sich eines mehr als bloss\noberflächlichen Verständnisses und dem zufolge einer Theil-\nnahme erfreuen, die als eine nachhaltig begeisterte be-\nzeichnet werden muss, ist kein kleines Verdienst des in sei-\nner Art einzigen Conservatoriums-Orchesters und seines\nDirectors Herrn J. F. Kittl. Unter seiner Leitung wurden\nbereits alle Sinfonieen des grossen Meisters gegeben, und\nzwar in Aufführungen, welche in ihrer musterhaften Ta-\ndellosigkeit einzig und allein geeignet sind, die merkwür-\ndigen Offenbarungen des grossen Dichters auch der Menge\nzugänglich zu machen, auch weitere Kreise für sie zu en-\nthusiasmiren. Auch die Aufführung der sechsten Sinfonie\nkann als eine im vollsten Sinne des Wortes propagandisti-\nsche bezeichnet werden. Die Energie, der Schwung, mit\nwelchen das in rein musicalischem Sinne wahrhaft geniale\nFinale, die treffliche poetische Nuancirung, mit welcher\ndas eigentümliche Andante executirt wurde, lassen sich\nwohl nicht besser zu Gehör gebracht denken. Dasselbe\ngilt von der Aufführung der Reinecke'schen Ouvertüre,\neines zwar nicht Himmel und Erde in Bewegung setzen-\nden, die Nerven aufregenden Werkes, aber voll edler, so\nzu sagen künstlerisch-sittiger Conception, anmuthiger For-\nmenschönheit und mehr als bloss routinirt-gewandter Fac-\ntur. Von Solo-Productionen, die dem pädagogischen Cha-\nrakter des Instituts zufolge einen nothwendigen Bestand-\nteil seiner Concerte ausmachen, machte sich diesmal ins-\nbesondere ein Schüler des ausgezeichneten Goltermann,\nder Zögling Fr. Klorinek bemerkbar, der ein Violoncell-\nConcert mit allen Anzeichen jener künftigen Eigenschaften\nspielte, die seinen Lehrer so rühmlich auszeichnen. Ihm\nzunächst stand die Schülerin der Opernschule, Fräulein\nJacobsohn, eine Tochter Skandinaviens, mit hübscher\nStimme und hübschen Anlagen, Die schwächste Leistung\ndes Concertes war der Vortrag von Variationen für die\nFlöte, welcher unter dem Einflüsse zufälliger und anderer\nUmstände nicht so wie sonst geeignet war, die stets be-\nwährte Vorzüglichkeit dieser Instrumental-Classe zu be-\nwähren.\nEinen eigentümlichen, ausnahmsweisen Charakter\nschon dem Programme nach hatte das zweite Concert.\nLiszt befand sich zufälliger Weise in Prag, indem er die\nLeitung einer grossen Wohlthätigkeits-Production, bei wel-\ncher seine symphonischen Dichtungen „Die Ideale\" und\n„Dante1; aufgeführt wurden, übernommen hatte. Diese\ngünstige Gelegenheit benutzte Graf Albert Nostiz, um den\nKünstler einzuladen, dem zweiten Concerte des Instituts\nseine Mitwirkung zuzuwenden. Herr Director Kittl hatte\nnämlich für das Programm desselben die Aufführung der\nTasso-Sinfonie bestimmt, und der Componist willigte freund-\nlichst ein, sein Werk selbst zu dirigiren. Das Interesse der\nNeuheit, den berühmten Mann selbst an der Spitze des ju-\ngendlichen Orchesters zu sehen, war gross, obwohl das\nConcert bereits vortrefflich und bis auf die feinste Nuance\nvon Herrn Director Kittl einstudirt war, als Liszt der er-\nsten Hauptprobe beiwohnte. Diesen Antecedentien zufolge\nwar auch die Aufführung eine ganz vorzügliche, und, da\ndie Composition selbst bei Weitem weniger Widerspruch\nvon Seiten der Gegner der neuen Schule fand, als die oben\nerwähnten symphonischen Dichtungen, der Erfolg auch ein\nungemein glänzender. Herr Dr. Liszt musste das Finale\nwiederholen lassen und fand stürmische Beifalls-Bezeugun-\ngen. In der That enthält die Sinfonie überraschende Mo-\nmente geistvoller Conception und effectvoller Factur. Muss\nman auch zugeben, dass hier mehr das geistreiche Combi-\nnations-Vermögen thätig war, als ursprüngliche Produc-\ntionskraft, so zeigt es sich doch wieder, dass die Beschul-\ndigungen einer totalen Verwilderung und Regellosigkeit\ndennoch zu weit gehen. Gerade die thematische Arbeit als\nmusicalischer Kern und die feste Consequenz, mit welcher\nsie von Anfang an bis zu Ende im Einklänge mit den poeti-\nschen Intentionen verfolgt wird, sind es, welche hier die\nungewohnte Form leichter vergessen, die so genannten har-\nmonischen Freiheiten des Satzes weniger auffallen lassen.\nEine Seltenheit dieser Conservatoriums-Production war es\nauch, dass es Herrn Pflughaupt gestattet war, unter der\nDirection desselben das i&-Concert seines Meisters für\nPiano und Orchester zu spielen. Die Composition ist, wenn\nauch nicht im grossen Concert-Stile früherer Componisten,\ndoch sehr reich an pikanten und frappirenden Effecten,\naber so sehr auf die nur Liszt eigenthümliche Spiel-\nart berechnet, dass die Persönlichkeit des berühmten Pia-\nnisten selbst dazu gehört, um sie zur vollen Geltung gelan-\ngen zu lassen. Herrn Pflughaupt fehlt bei aller Anerken-\nnung seiner technischen Virtuosität die Energie und das\ndämonische Feuer, um all die bizarren Klang-Effecte und\nrhythmischen Excentricitäten mit der riesigen Kraft und\nunnachahmlichen Grazie seines Lehrers reproduciren zu\nkönnen. Seine correcte Leistung glich einer blonden deut-\nschen Uebersetzung des magyarisch-französischen Originals.\nDie andere Orchestral-Production betraf die an grosser\nTragik Alles überbietende einzige Coriolan-Ouverture. Wie\nLiszt nach der Tasso-Sinfonie, so wurde auch der Dirigent\ndieser grandios zu Gehör gebrachten Piece, Herr Kittl,\nstürmisch gerufen. Von den an diesem Tage Statt gehab-\nten Solo-Productionen, das von zwei Opern-Schülerinnen\ngesungene Duett aus Paer's „Sargines\" gern mit Still-\nschweigen übergehend, können wir mit besonderer Aner-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "157", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580515-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2962, "texte": "kennung die Leistung eines Geigers erwähnen. A. Proksch,\nder Sohn des rühmlichst bekannten Organisten in Reichen-\nberg, spielte das Vieuxtemps'sche mit einer die\nprager Violinschule auszeichnenden Accuratesse und Prä-\ncision in Ueberwindung der technischen Schwierigkeiten\nund liess auch in der Cantilcne das hoffnungsvolle Talent\neines geborenen Musikers deutlich erkennen. Gleiches gilt\nvon dem Fagottisten Chalupecky, der ein Concertstück von\nJacoby blies.\nIm dritten Concerte fiel die Wahl auf zwei Orchestral-\nwerke von Mendelssohn und von Jul. Rietz. Die vierte Sin-\nfonie des ersteren Meisters, welche merkwürdiger Weise\nerst nach seinem Tode däs Licht der Publicität erblickte,\nist seitdem zu sehr das Eigenthum der Nation geworden,\nals dass es nöthig wäre, auf die liebenswürdigen Schönhei-\nten dieses Meisterwerkes abermals einzugehen. Bei einer\nso schwungvoll begeisterten Aufführung, wie sie ihm zu\nTheil wurde, ist es natürlich, dass nicht nur alle Sätze mit\nEnthusiasmus aufgenommen, sondern auch das unvergleich-\nlich schön gespielte Andante zum Repetiren begehrt wurde.\nDie Lustspiel-Ouverture von Rietz war eine Novität. Das\nWerk ist ein sehr interessantes und verräth in der Wahl\nglücklich erfundener Motive, in dem schönen Bau, in der\nmakellosen Form und in der künstlerischen Instrumentation\nden fein gebildeten und mit Geschmack routinirten Compo-\nnisten. Da es Gebrauch ist, das letzte der alljährlichen Con-\nservatoriums-Concerte im Theater am Abende eines so ge-\nnannten Normal-Tages zu geben, so finden in selbem auch\nmehr Solisten als gewöhnlich Raum oder vielmehr Zeit,\num sich- hören zu lassen. Abermals war es ein Geiger, Fr.\nBausch, der die Palme des Abends davon trug. Eine äus-\nserst dankbare Partie nicht ganz und gar gewöhnlicher\nVariationen über ein Original-Thema von Wieniawski gab\ndem jungen Zögling erwünschte Gelegenheit zu dieser Aus-\nzeichnung. Eine erfreuliche, weil bei der Opernschule des\nConservatoriums seltene Erscheinung bot die Leistung der\nAltistin oder vielmehr Mezzo-Sopranistin Fräul. Medall,\nwelche die grosse Arie des Sextus mit obligater Clarinette\nin Brecht anerkennungswerth und mit Beifall vortrug. Der\nClarinettist Twrdek machte im Vortrage von Reissiger'-\nschen Variationen seinem trefflichen Lehrer Pisarowitz alle\nEhre. Auch das Blech war dieses Mal vertreten. Acht Zög-\nlinge der Waldhorn-Schule zeichneten sich in einem\neigens componirten Octett durch vollen, schönen Ton, si-\nchere Intonation und feinen Vortrag aus. Auch ein Flügel-\nhorn, ein Instrument, gegen dessen Concertfähigkeit im\nhöheren Sinne freilich Manches einzuwenden wäre, errang\nverdienten Beifall.—Wenn Referent kühn behaupten kann,\nmit diesen Bemerkungen nicht mehr als den heurigen Lei-\nstungen des Conservatoriums nothwendig Gebührendes ge-\nsagt zu haben, so darf er auch noch schliesslich die Wahr-\nheit des oben geinachten Ausspruches, das Institut gehe\ngut vorbereitet der Begehung seines Jubelfestes entgegen,\nbestätigen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-05-15-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-05-15_01#c004", "volume": "bmtnabi_1858-05-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "157", "page_fin": "157", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580515-01.2.4", "titre_corps": "Ueber Gathy’s letzte Tage.", "titre_sommaire": "Ueber Gathy’s letzte Tage.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "157", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580515-01.1.5", "debut_caractere": 2964, "fin_caractere_exclue": 4858, "texte": "Ueber Gathy’s letzte Tage.\nAn Herrn C. Bansi in Minden.\nParis, 10. Mai 1858.\nGeehrter Herr und Freund!\nZn Ihrer und aller Freunde Gathy's Tröstung\nwill ich Ihnen sagen, dass der gute Mann treue und sorg-\nfältige Pflege erhalten hat. Nichts, was menschliche Hülfe\nbringen konnte, hat er vermisst. Von seiner treuen Wär-\nterin Josephine Charpentier hat Stephen Heller in der\nKölnischen Zeitung bereits gesprochen. Gathy hatte aber\neine treue, ganz ergebene Freundin, Mad. Mayrin aus\nHamburg, die sich mit ihrer Tochter im Vorzimmer oder,\nrichtiger gesagt: auf dem ilausllur des Kranken Tag und\nNacht aufhielt und nicht einen Augenblick wich, so lange\ndie Krankheit dauerte. Sie schlief mehr als acht Tage lang\nnur auf einem Lehnstuhl, sie sorgte für Alles, ging jeden\nAugenblick zu Gathy's Bett, ging wieder fort, wenn sie\ndachte, ihre Gegenwart könnte den armen Mann stören,\nempfing alle Freunde, die kamen, um Nachricht zu holen,\nund diese Frau, deren Ergebung für Gathy der eines\nWeibes, einer Mutter, einer Schwester gleich kam, be-\nsorgte alles zur Beerdigung und liess den edlen Hinge-\nschiedenen, der am 14. Mai 1800 zu Lüttich geboren\nwar, in ihr Familien-Begräbniss auf dem Friedhofe Mont-\nmartre beisetzen. Viele Freunde, besonders Künstler, gin-\ngen mit dem Leichenzuge, und Elwart, Professor am hie-\nsigen Conservatorium, hat eine kleine Rede gehalten. Un-\nter den Anwesenden bemerkte ich Heller, Berlioz, Lindau,\nLittolf, Gernsheim, Gouvy u. s. w. Ich blieb der Letzte\nund allein, um zu sehen, wie die Arbeiter ihr trauriges\nGeschäft vollendeten.\nWas aus seinem Nachlass wird, habe ich noch nicht\nerfahren; ich weiss nur, dass wenige Tage vor seinem\nTode Mad. Mayrin mit ihm über diese Angelegenheit\nsprach. Gathy richtete sich vom Bette auf, schloss die Thür\nzu und schrieb lange an seinem Tische. Man hätte eine\nsolche Anstrengung in seinem Zustande kaum möglich\ngeglaubt. Ihr — —."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-05-15-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-05-15_01#c005", "volume": "bmtnabi_1858-05-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "158", "page_fin": "160", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580515-01.2.5", "titre_corps": "Aus Düsseldorf.", "titre_sommaire": "Aus Düsseldorf.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580515-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7808, "texte": "Aus Düsseldorf.\nIm Mai 1858.\nWir konnten nicht früher einen Ueberblick unserer acht\nWinter-Concerte geben, weil das letzte erst am 6. d. Mts. Statt\nfand. Wir hörten an Werken für Soli, Chor und Orchester:\nVorspiel aus der Oper Hans Heiling von Marschner; „Verleih'\nuns Frieden !\" Gebet von Mendelssohn; ~Des Staubes eitle Sorgen\",\nMotette von Haydn; Chöre aus ~Christus Oratorium von Mendels-\nsohn; „Frühlingsnahen\", Phantasie für Männerstimmen und Orchester\n¥on Gade; „Des Sängers Fluch\", Ballade von Schumann ; „Lorelei\"\nvon Hiller; „Zigeunerleben\" von Schumann; Die Musik zu Pretiosa\nvon Weber; „Die Jahreszeiten\", Oratorium von Haydn.\nAn Werken für Orchester allein: Ouvertüre zu Olympia von\nSpontini; Achte Sinfonie von Beethoven; Ouvertüre zu Lodoiska von\nCherubini; „Die Jahreszeiten\", Sinfonie von Spohr; Ouvertüre zu\nLeonore, C-dur, von Beethoven; Sinfonie Nr. 3 von Rietz; Sinfonie\nEs-dur von Mozart; Ouvertüre zu Oberon von Weber; Sinfonie C-\nmoll von Beethoven; Ouvertüre zu den Hebriden von Mendelssohn;\nOuvertüre zu Faniska von Cherubini.\nAn Solo-Compositionen: Militär-Concert für Violine von Lipinski\nund Romanze von Beethoven Herr Concertmeister Grunwald\naus Köln; Arie der Susanne aus Figaro Fräulein Deutz aus\nKöln; Bass-Arie aus Paulus und Lieder von Schubert\nHerr Remmertz; Concert für Pianoforte von Mendelssohn, C-\nmoll Herr Tausch; Septett, Op. 74, von Hummel; Elegie für\nClarinette von Pape Herr Kochner; Concert für Pianoforte,\nD-moll, von Mozart Frau Dr. B . . . .\nWir können uns die Mühe einer detaillirten Kritik sparen, da\nwir über unsere Concerte ungefähr dasselbe wiederholen mtissten,\nwas wir seit einer Reihe von Jahren gesagt und nachgewiesen. Die\nAufführungen, namentlich was Chor und Orchester betrifft, wurden\ndurch alle früher gerügten technischen Fehler und Gebrechen, durch\nden völligen Mangel an bestimmter, durchgeführter Auffassung und\ngeistigem Leben charakterisirt, wie es eben nicht anders möglich\nist, wenn ein Chor den Begriff von gewissenhaftem Studium völlig\nverloren zu haben scheint, wenn ein Orchester von Sorgfalt und Ge-\nnauigkeit der Concert-Proben entwöhnt und bei Weitem der grösste\nTheil seiner Mitglieder darauf angewiesen ist, während der sieben-\nmonatlichen Theater-Saison eine Menge von Opern übers Knie zu\nbrechen und sich im Uebrigen mit Tanz- und Gartenmusik zu be-\nfassen.\nEs ist natürlich, dass solchen Leistungen gegenüber das Concert-\nPublicum immer theilnahmloser wird, dass es immer mehr zusammen\ngeschmolzen ist. Die Concert-Direction selbst musste in Nr. 72 der\nDüsseldorfer Zeitung vom 14. März d. J. bestätigen, dass die Zahl\nder Abonnenten jetzt kaum mehr als die Hälfte der vorhergegange-\nnen Periode beträgt; sie glaubte sich auf die geringen ihr zu Gebote\nstehenden financiellen Kräfte, die im Zuschnitt der Concerte immer\nfühlbarer werden, berufen zu dürfen, und musste dadurch indirect\ndas traurige Geständniss ablegen, dass sie und Herr Tausch das\nPublicum nicht zu fesseln, die noch yor wenigen Jahren blühenden\nFinanz-Zustände nicht zu erhalten vermochten! Bedarf es für den\nUnbefangenen stärkerer Beweise, um einzusehen, dass trotz der Ge-\nwährung städtischer Mittel unsere musicalische Zukunft je mehr in\nFrage gestellt wird, je länger die jetzigen Zustände erhalten bleiben?\nObgleich wir überzeugt sind, dass von dem grössten Theile un-\nseres Publicums die Tendenz unserer seit einer Reihe von Jahren\ndurch die vorliegenden Blätter veröffentlichten Berichte nicht ver-\nkannt wird, so fühlen wir uns doch bewogen, ein kurzes Resume\nderselben anzureihen, da man fortwährend bemüht ist, sie, statt durch\neingehende Widerlegung, durch Verdächtigung zu entkräften, indem\nman uns namentlich das Motiv feindseliger Gesinnung gegen Herrn\nTausch und gekränkte Eitelkeit unterzuschieben sucht.\nDer erste unserer Berichte erschien im Mai 1853, als sich durch\nSchümanns ungünstigen Einfluss auf unsere musicalischen Zustände\nein entschiedener Rückschritt manifestirte. Im November desselben\nJahres folgte ein zweiter, worin wir hierüber unsere Ansichten, die\nselbst ron nahen Freunden des grossen Meisters getheilt wurden,\num so offener aussprachen, als man sich weder von officieller noch\nvon befreundeter Seite zu rechter Zeit entschloss, Schumann auf das\nWünschenswerthe eines freiwilligen Rücktrittes aufmerksam zu ma-\nchen und ihn dazu zu bewegen, wie es Pflicht und Freundschaft\ngeboten.\nIn den beiden angedeuteten Artikeln hoben wir die Verdienste\ndes Herrn Tausch als Pianisten hervor und suchten die Aufmerksam-\nkeit auf sein Directions-Talent zu lenken, welches wir bei den häu-\nfigen Veranlassungen zur Vertretung Schümanns wahrzunehmen\nglaubten. Als wir im folgenden Monate Schumann's Rücktritt und\ndie provisorische Uebernahme der Direction von Seiten des Herrn\nTausch meldeten, äusserten wir uns mit Freude und Zuversicht über\ndie Hoffnungen für unsere Zustände, welche wir an diesen Moment\nknüpften, weil wir den neuen Dirigenten nicht nur als Pianisten\nvon seltener technischer Sicherheit, sondern auch als gewandten\n1 rimavista- und Partiturspieler schätzten, weil wir sein gründliches\ntheoretisches Wissen, seine glücklichen Compositions-Versuche kann-\nten und ihn mit allen hiesigen Verhältnissen vertraut wussten. Wir\ngaben ihm desshalb wiederholte Beweise von Theilnahme und\nInteresse, da wir voraussetzten, er werde sich mit Aufwand der vol-\nlen Kraft als Nachfolger seiner grossen Vorgänger zu behaupten\nsuchen. Als wir indess sehr bald den Mangel ernsten künstlerischen\nStrebens zu entdecken glaubten, konnten wir uns einer erklärlichen\nVerstimmung nicht erwehren. In dein nächstfolgenden Artikel vom\nFebruar 1855 entwickelten wir unsere Ansichten über das Mangel-\nhafte der Aufführungen und die Ursachen desselben, warnten vor der\nWahl zu schwieriger Musikstücke und gaben in wohlgemeinter Weise\nAndeutungen über die Mittel, wodurch Herr Tausch die Lösung der\nhöchst schwierigen Aufgabe der Ausbildung unserer musicalischen\nKräfte versuchen müsse.\nLeider bemerkten wir, dass Herr Tausch sich dem Verkehr mit\njungen talentvollen Tonkünstlern, die, durch Schumann angezogen,\nhier noch lebten, und mit Kunstfreunden ernster Richtung immer\nmehr entzog, ja, dass er die Gelegenheit, im Umgange mit bewähr-\nten Meistern seine Ansichten zu bereichern, versäumte, sich dagegen\nenthusiastischen Freunden und Verehrern zuwandte, deren Einfluss\nuns als ein höchst gefährlicher erscheinen musste, weil sie Herrn\n1 ausch als Künstler und namentlich als Dirigenten völlig über-\nschätzten. Wir unterliessen es nicht, zu warneu; indess je enger sich\nihr Kreis schloss, um so auffallender liess Herr Tausch sich gehen,\num so mehr verkannte er in unseren Artikeln die warnende Freun-\ndesstimme, bis er zuletzt jede unserer in bester Absicht gegebenen\nAndeutungen, jeden begründeten Tadel persönlicher Feindseligkeit\nzuzuschreiben sich bewegen liess.\nIn der folgenden Periode offenbarte sich der Mangel an Energie,\nan künstlerischem Streben und ästhetischem Sinne in so auffallendem\nGrade, dass wir uns im Mai 1855 rückhaltlos darüber äussern und\nbekennen mussten, Herr Tausch habe alle unsere Erwartungen un-\nbefriedigt gelassen und keine der zu erfolgreichem Wirken in seiner\nStellung nöthigen Eigenschaften erworben, so sehr wir auch wünsch-\nten, das Gegentheil sagen zu können. Er »öthigte uns daher, im In-\nteresse für das Gedeihen wahrer Kunst weil es in unseren\nAugen unverantwortlich und charakterlos ist, dasselbe persönlichen\nBeziehungen und Neigungen zu opfern —, seiner Wahl entgegen zu\ntreten und seine musicalische Anschauungsweise, den Dilettantismus,\nwelcher das unverkennbare Gepräge unserer Aufführungen und Zu-\nstände bildet, zu bekämpfen. Wir benutzten dafür unsere einzige\nWaffe, die der Oeffentlichkeit, und mussten dem Feinde entgegen-\ntreten, wo er sich zeigte: in dem Kreise des Herrn Tauseh und sei-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580515-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7986, "texte": "ncr Freunde, in unseren musicalischen Vereinen, in den Beschlüssen\ndes Gemeinderathes oder im Publicum.\nWer die Aufgabe, die wir uns stellten, richtig beurtheilt, wird\nes begreifen, dass es sich nicht vermeiden licss, ja, dass wir nicht\nfürchten durften, zuweilen persönlich angreifend und verletzend zu\nerscheinen.\nDie früheren Artikel der Niederrheinischen Musik-Zeitung, auf\nwelche wir in Vorstehendem hindeuteten, wurden dem grössten Theile\nunseres Publicums nur vom Hörensagen bekannt; man hatte darüber\nso entstellte Gerüchte verbreitet, dass wir uns bewogen fanden, die\nspäteren durch ein hiesiges Blatt nachträglich zu veröffentlichen. Der\nerste der neuen Keihe war unser Bericht über die Concerte von\n1855 —SG, in welchem wir zu einer schärferen Sprache übergehen\nzu müssen glaubten, da unsere bisherigen Warnungen und Andeu-\ntungen ohne Erfolg geblieben waren. Wir erklärten in ihm die Wahl\ndes Herrn Tausch als den Sieg der Partei, welche durch den Beruf\neiner bedeutenden Persönlichkeit aus der grossen Zahl von Bewer-\nbern um die hiesige Musik-Director-Stelle ihren Einfluss einzubüssen\nbefürchte. Die Zeit hat bewiesen, dass wir uns in unserer damaligen\nUeberzeugung nicht getäuscht, und der Einfluss dieser Partei ist in\nfortwährendem Steigen geblieben, was am auffallendsten seit der\nGründung des Instrumental-Vereins hervortritt. Die Freunde des\nHerrn Tausch der überwiegenden Mehrzahl nach verfolgen offenbar\nkein anderes Ziel als das, sich einige Stunden Nmit Musik zu unter-\nhalten, und Herr Tausch selbst scheint ihren Wünschen bereitwillig\nentgegen zu kommen. Er lässt sie so, wie es ihnen gefällt, musici-\nren, er gewährt ihnen das Vergnügen, sich mit ihren Talenten und\nLeistungen zu produciren, und hat sich dadurch die Sympathieen\nsowohl unserer Dilettanten als unserer Musiker in reichem Maasse\nerworben, die in ihm den Dirigenten lieben und verehren, der von\nden Ausübenden nur das verlangt, was sie mit Bequemlichkeit zu\nleisten vermögen. Wenn man diese Sympathieen lür die Führung\ndes Beweises zu benutzen sucht, wie sehr die Persönlichkeit des\nHerrn Tausch für seinen Wirkungskreis passe, so muss die Keihe\nvon Anfeindungen, ja, offenen Auflehnungen, welche sogar Mendels-\nsohn hier erfahren musste, nicht wenig befremden. Aber gerade da-\ndurch, dass er den Wünschen der Ausführenden keine Zugeständ-\nnisse machte, dass er, zunächst nur auf eine kleine Zahl wahrer\nKunstfreunde gestützt, seinen Weg verfolgte, dass seine Anforderun-\ngen nur durch das Höchste, was jeder Mitwirkende zu leisten ver-\nmochte, begränzt wurden, rief er die Opposition hervor, bis Alle sich\nseinem Willen zu fügen gelernt, und zu seinem Wahlspruch erho-\nben: „Res secerci, verum gaudium!\" mit Hingebung und Begeisterung\ndem grossen Meister folgten. Der für Herrn Tausch versuchte Be-\nweis erscheint demnach in so zweifelhaftem Lichte, dass er sich so-\ngar als das Gegentheil betrachten lässt.\nEine Individualität wie die seinige bedarf offenbar zu günstiger\nEntwicklung eines anregenden musicalischen Umganges, unbefange-\nner, namentlich die ästhetische Seite der Aufgabe des Dirigenten\nhervorhebender Besprechungen, einer wohlwollenden, ungeschminkten\nund unparteiischen Kritik, eines gegenseitig belehrenden und bilden-\nden Meinungs-Austausches mit Kunstgenossen und wahrer, auf-\nrichtiger Freunde, die bei jeder Sorglosigkeit oder\nNachlässigkeit der Stimme der Warnung Gehör zu\nverschaffen wissen.\nDiese Wahrheit scheint leider völlig unerkannt geblieben zu sein,\nund desshalb verschulden es die Freunde zunächst, wenn Herr Tausch\nden richtigen MaassstaWfür sich und seine Leistungen völlig verlor.\nWie ist es auch anders möglich, wenn Mittelmässiges stets als Voll-\nendetes, wenn Sorglosigkeit und Flüchtigkeit als Züge von Geniali-\ntät gepriesen werden! Sogar wenn das Maass der Nachlässigkeit\neinzelnen Verehrern bedenklich erscheint, erhebt sich auch ihre Stimme\numsonst. Wir erinnern, um ein Beispiel anzuführen, an die Auffüh-\nrung der Schumann'schen Ballade „Des Sängers Fluch\". In der am\nvorletzten Abend vor dem Concert Statt findenden Hauptprobe waren\ndie Unsicherheit von Chor und Orchester, die Befürchtungen für die\nSoli, die zum Theil unmittelbar vor jener Probe, zum Theil\nerst nach derselben besetzt wurden, so gross, dass einige der\ntreuesten Anhänger des Herrn Tausch einen Aufschub der Auffüh-\nrung wünschten. Trotzdem fand sie im nächsten Concerte Statt, und\nwer die enormen Schwierigkeiten ähnlicher Schumann'scher Compo-\nsitionen zu würdigen weiss, die das gewissenhafteste Studium erfor-\ndern und nur bei der sorgfältigsten und feinsten Aufführung ver-\nständlich und wirkungsvoll für den Hörer werden können, der mag\nsich selbst vom Verlauf der unsrigen eine Vorstellung machen.\nNicht weniger charakteristisch für unsere Verhältnisse, als das Er-\nwähnte, ist das Curiosum. Dass die hiesige Kritik gerade diese Auf-\nführung mit grosser Emphase als besonders gelungen hervorhebt und\nihr mit einigen naiven Bemerkungen über die Composition unter die\nArme zu greifen sucht.\nWie weit die Freunde des Herrn Tausch ihre Ueberschätzung\ntreiben, sogar wenn sie es einräumen müssen, dass ihm manche dem\nDirigenten wünschenswerthe Eigenschaft abgehe, beweis't vor Allem\ndie Behauptung, „es sei nun einmal kein besserer Dirigent für uns\nzu gewinnen gewesen\"; und in der That haben sie es sich so lange\nvorgesagt, bis sie es selbst zu glauben schienen. Mit dieser Behaup-\ntung rückten sie vor der Wahl des Herrn Tausch ins Feld, als sich\nanerkannt tüchtige und bewährte Dirigenten aus allen Theilen\nDeutschlands, unter ihnen bedeutende Componisten der Gegenwart,\num die Stelle bewarben, die ehemals von den grössten Meistern der\nTonkunst bekleidet wurde ; mit ihr traten sie von Neuem hervor, als\nsie vor kurzer Zeit die Kündigung des noch drei Jahre laufenden\nVertrags befürchteten. Wer über Personen und musicalische Zu-\nstände nur in etwa au courant ist, kann bei einer solchen Be-\nhauptung und einem Blicke auf die Liste der Bewerber in der That\nnur lächeln Die einflussreichen Freunde und Gönner des Herrn\nTausch vermochten zwar nicht, die Kündigung zu verhindern, indess\ngelang es ihnen, den Gemeinderath zu einem neuen contractlichen\nVerhältnisse auf ein Jahr abermals zu bewegen und sich dadurch\nHerrn Tausch und mit ihm die lieb gewordenen musicalischen Le-\nbens-Gewohnheiten einstweilen zu sichern. Wir wünschen es sowohl\nim Interesse für unsere Zustände, als für Herrn Tausch selbst, dass\ner die Gefahr, die ihm als Künstler durch den Einfluss\nseiner Freunde hier droht, erkennen, dass er das Bedürfniss\nempfinden lerne, sich in anderen Berührungen und Verhältnissen zu\nerfrischen, die Unbefangenheit des Urtheils und den sicheren Maass-\nstab für sich und seine Leistungen wieder zu gewinnen. Wir haben\nes redlich mit der Kunst und mit Herrn Tausch gemeint und wei-\nsen jeden Vorwurf von seiner Seite oder von der seiner Freunde\nentschieden zurück, denn die letzteren sind es offenbar, welche die\nFol ge n ihres Einflusses auf Herrn Tausch und seine\nCarriere zu verantworten haben.\nWir fühlen uns von dem Vorwurf von Feindseligkeit der Ge-\nsinnung eben so wenig getroffen, als von dem gekränkter Eitelkeit;\ndenn nur unserem freien Willen sind wir gefolgt, als wir jede Mit-\nwirkung und Betheiligung an leitender Stelle wiederholt in der\nUeberzeugung ablehnen mussten, wir würden unter den gegebenen\nVerhältnissen, selbst bei angestrengtester Thätigkeit, nichts für das\nGedeihen wahrer Kunst erreichen können.\nWill man es uns als Eitelkeit deuten, wenn wir uns zu gut hal-\nten, unbefriedigende und wahrhaft betrübende Zustände stützen und\nfristen zu helfen, so müssen wir es uns ruhig gefallen lassen.\nProfessor Bischoff sagt im Feuilleton von Nr. 86 der Kölnischen\nZeitung vom 27. März dieses Jahres:\n„Es ist eine eigene Sache um die Gewohnheit, um diese „ „an-\ndere Natur\"\" des Menschen. Nicht bloss ein Publicum, das Jahr\naus, Jahr ein nur Mittelmässiges oder Stümperhaftes hört, gewöhnt\nsich nach und nach daran, und das erst Verurtheilte wird am Ende"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "160", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580515-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1492, "texte": "gepriesen, das erst Gfehasste am Ende geliebt. Dieselbe Wirkung\näussert die leidige Gewohnheit nicht nur auf die Zuhörenden, son-\ndern auch auf die Ausübenden; ein Orchester, das z. B. in acht\nMonaten nur acht Mai in Concert-Aufführungen mit ordentlichen\nProben spielt, während derselben Zeit aber sechszig bis achtzig\nOpern im Theater mit Einer, sehr oft mit gar keiner Probe hand-\nwerksmässig abgeigt und abdudelt, verliert am Ende auch unter\nguter Leitung die Elasticität einer Körperschaft von Künstlern. Und\nnicht nur diese höhere Eigenschaft büsst es ein, sondern es verliert\nauch geradezu an technischer Fertigkeit, an Beachtung der einfach-\nsten Elemente, an Beobachtung der notwendigsten Gesetze des\nVortrages, an gespannter Aufmerksamkeit auf den Dirigenten, über-\nhaupt an künstlerischem Bewusstsein und künstlerischer Gewissen-\nhaftigkeit. Wer es mit der Kunst redlich meint, muss auf diese Ge-\nfahren hinzeigen und davor warnen. Zugleich ergibt sich daraus,\nwie reiflich es zu überlegen, ob nicht bei der projectirten Besserung\nder Theater-Zustände in Köln zunächst an die endliche Gründung\neines ständigen wirklich städtischen Orchesters zu denken sei.\"\nWir empfehlen diese Wahrheiten namentlich dem Theile unseres\nmusicalischen Publicums, welcher sich an unsere jetzigen Auffüh-\nrungen allmählich gewöhnt hat, zu warmer Beherzigung, und über-\nlassen es demselben, alle Consequenzen für unsere Zustände sich\nselbst zu ziehen und sich deren Tragweite anschaulich au rtiachen.\n-6-"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-05-15-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-05-15_01#c006", "volume": "bmtnabi_1858-05-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "160", "page_fin": "160", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580515-01.2.6", "titre_corps": "Für Gathy’s Denkstein in Paris.", "titre_sommaire": "Für Gathy’s Denkstein in Paris.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "160", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580515-01.1.8", "debut_caractere": 1494, "fin_caractere_exclue": 1694, "texte": "Für Gathy’s Denkstein in Paris.\nVon Karl Bansi in Minden gezeichnet . . , . 20 Francs.\n„ J. H. PlatzhofF in Düsseldorf baar ... 19 ~\n„ der Redaction der Wiener Monatsschrift baar 60 ~\nDie Bedac. tion."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "153", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580515-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nBerliner Briefe (Violin-Concert von K. Würst Trio-Soireen von Bülow u. s. w. Aufführungen der Akademie\ndes Dom-Chors, des Stern'schen Vereins Die Italiäner bei Kroll Oper: Gastspiele Matineen Delin's Tod). Von G. E. Aus'\n'P'6 Jubelfeier des Conserratoriums - Die drei Concerte desselben in der Fastenzeit). Aus Düsseldorf (Ueberblick der acht\nWmter-Concerte- Die Musik-Zustände ,im Allgemeinen). Von —6—. Für Gathy's Denkstein in Paris (Beiträge).\n\nBerliner Briefe.\n\n[Violin-Concert von Eich. Würst Trio-Soireen von Bülow\nu. s. tv. Aufführungen der Akademie, des Dom-Chors, des Stern'-\nschen Vereins „Der Eose Pilgerfahrt\" von Schumann Die Ita-\nliener bei Kroll —Oper; Gastspiele: Frau Viardot, Bürde-Ney,\nFräul. Günther u. s. w. Matineen Dehn's Tod.j\nDen 2. Mai 1858.\nDie musicalische Saison ist in den letzten Monaten,\nwenigstens was die Instrumental-Musik betrifft, so ziemlich\nzu Ende gegangen. Unter den neuen Compositionen, die\nzur Aufführung kamen, war am hervortretendsten ein\nViolin-Concert von Richard Würst, das von Herrn\nLaub in einer der Liebig'schen Symphonie-Soireen treff-\nlich vorgetragen wurde. Es gibt wenig Violin-Concerte, die\neinen musicalischen Werth besitzen. Die sehr zahlreichen\nArbeiten dieser Art von Spohr haben zwar meist einen\nedlen Schwung und verrathen es in Anlage und Durch-\nführung, dass sie von jemand geschrieben wurden, der\nzugleich ein ausgezeichneter Violin-Virtuose und ein be-\ndeutender Componist war; aber der musicalische Inhalt\nist nicht so bedeutend, dass sie dadurch, wie die Violin-\nConcerte von Beethoven und Mendelssohn, einen für alle\nZeiten bleibenden Werth erhielten; und die concertmässige\nAusschmückung gehört einer älteren Zeit an. Das Würst'-\nsche Concert schliesst sich in Form und Inhalt an das Men-\ndelssohn'sche an. Die einzelnen Sätze haben jeder einen\nmusicalischen Kern; und wenn sich auch in den Grund-\ngedanken selbst keine besondere Erfindungsgabe verräth,\nso zeugt doch die Ausführung und Instrumentation nicht\nnur von Fleiss und von der klaren Gestaltungskraft, die\nWürst nie verläugnet, sondern es finden sich hier auch\nmanche feine Züge, originelle Wendungen, die den Mangel\nursprünglicher schöpferischer Kraft einiger Maassen er-\nsetzen. Das für den Musiker jedenfalls interessante Werk\ngibt auch dem Virtuosen Gelegenheit, seine Technik nach\nallen Richtungen hin zur vollsten Geltung zu bringen.\nEinige neue Compositionen kamen ferner in den Trio-\nSoireen der Herren von Biilow, Laub und Wohlers\nzur Aufführung. Erwähnungswerth ist unter ihnen nament-\nlich ein Trio (.H-moll) von Cesar Frank, einem bel«i-\nsehen Componisten, von dem schon vor Jahr und Tag hier\nverlautete, dass er in Paris gestorben sei, während uns\njetzt wieder eine andere Nachricht zukommt. Wie sehr\ndiesem Werke auch künstlerische Vollendung fehlen ma°\nes ist doch Phantasie und ein angeborener Sinn für das\nEdle dann. Wir finden Melodieen, die aus tiefer Empfin-\ndung entsprungen sind, harmonische und rhythmische\nWendungen, die von eigentümlicher Kraft der Phantasie\nzeugen; aber das Ganze ist freilich verworren, neben\ndem Edlen steht Triviales, leicht Hingeworfenes und wie-\nder Barockes; die Composition regt uns an, aber sie be-\nfriedigt nicht.\nDie Concerte des Dom-Chors, der Sing-Akade-\nmie und des Stern'schen Vereins sind zu Ende ee-\n©\ngangen; die Sing-Akademie brachte recht befriedigende\nAufführungen des Radziwill'schen Faust, des Elias und der\nMatthäus-Passion; der Stern'sehe Verein begnügte sich mit\nEiner, aber sehr glänzenden Aufführung des Israel in\nAegypten; der Dom-Chor trug in seiner letzten Soiree nur\ndeutsche Compositionen vor (Choräle von Eccard und Mel-\nchior Frank, die Motette von J. S. Bach „Der Geist hilft\nunsrer Schwachheit auf, die Motette von J, C. Bach „Ich\nlasse Dich nicht\" und Stücke von Mendelssohn und Schu-\nbert), ausgenommen ein Stück von Scandellus, .Lasset die\nKindlein zu mir kommen\" , der zwar in so fern zu Deutsch-\nland zu rechnen ist, als er in Dresden Capellmeister war\nund sogar lutherisch wurde, doch aber ein geborener Ita-\nliäner und, in diesem Musikstücke wenigstens, ein Ange-\nhöriger der römischen Schule ist. Von Schumann kam\nunter Leitung des Herrn Radecke „Der Rose Pilger-\nfahrt\" zur Aufführung; die Solosänger bemühten sich, die\nSentimentalität, an der schon Dichtung und Composition"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "154", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580515-01.1.2", "texte": "leiden, durch einen noch sentimentaleren Vortrag wo mög-\nlich zu überbieten, und so konnte denn die Wirkung des\nGanzen nicht sehr erquicklich sein.\nBei Kroll trat die italiänische Opern-Gesellschaft, die\nin mehreren süddeutschen Städten gastirte, ebenfalls auf.\nDas berliner Publicum nahm wenig Notiz davon; wenn\nindess die Gesellschaft auch mangelhaft war, so verschaffte\nsie uns doch den Reiz der italiänischen Stimmen; nament-\nlich zeichnete sich der Tenor durch ein mächtiges, klang-\nvolles Organ aus. Wenn wir in der wiener Presse die\nseist- und geschmackvollen Berichte Hanslick's über die\nO O\ndortigen italiänischen Sänger, die doch einen berühmten\nNamen haben, lesen, so wird unsere Sehnsucht, derartiger\nGenüsse, wie in früheren Zeiten, so auch in Zukunft uns\nin Berlin erfreuen zu können, zwar etwas gedämpft, den-\nnoch kann sie nicht ganz unterdrückt werden. Je mehr wir\nim Norden von abstracter Musik zu leben genölhigt sind,\ndesto mehr sehnen wir uns, zu der natürlichen Quelle der-\nselben, zum Gesänge, zurückzukehren; die Freude am\nMenschen selbst, an seiner Empfindung, wie sie sich tönend\näussert, ist doch die reelle Wurzel der Musik, wenn auch\nihr ideeller Ursprung in der geistigen Bedeutung arithme-\ntischer Verhältnisse liegen mag. Hanslick kann nach dem\nStandpunkte, auf den er sich in seiner bekannten Schrift\nvom musicalisch Schönen gestellt hat, wenig Werth aul\ndie specifische Bedeutung der Menschenstimme legen; uns\nist sie der natürliche Boden der Musik. Darum sind uns\nItaliens Sänger, selbst in ihrer Entartung, doch immer\netwas werth; denn sie haben über dem Künstlichen nicht\ndas Natürliche verloren.\nAn der königlichen Oper fanden mehrere Gastspiele\nStatt. Von dem Gastspiel der Viardot-Garcia berichtete ich\nIhnen schon in meinem vorigen Briefe. Ich habe dem nur\nhinzuzufügen, dass sie in der letzten Zeit ihres Hierseins\nleidend war und sich nicht auf der Höhe ihrer früheren\nErfolge zu behaupten vermochte. Unsere Bewunderung\nfür die ausserordentliche Grösse ihrer Technik, für ihre\nhohe geistige Begabung wird dadurch nicht geschwächt.\nDie Schönheit ihrer Gestaltungen würde freilich gewin-\nnen, wenn sie in der Technik sich engere Gränzen stellte,\nwenn sie nicht ihrem Organ dritthalb Octaven starker\nTöne abgerungen hätte (vom kleinen /bis zum dreigestri-\nchenen c),wenn sie hinsichts des Ausdruckes ebenfalls\nmaassvoller wäre, das einfach Lyrische mehr zur Geltung\nbrächte. Dass man auch des Guten zu viel thun kann, da-\nvon gibt sie den deutlichsten Beweis. Das Wesen der\nSchönheit verträgt sich nicht mit dem Streben, die äusser-\nsten Gränzen des Möglichen zu erreichen; das Schöne hat\nseine eigenen Schranken. Aber nichts desto weniger ist sie\neine bewundernswerthe Erscheinung; ihr ist die Kraft ver-\nliehen, in jedem, der nicht bloss rm sinnlichen Genüsse\nhängt, eine Bereicherung seines geistigen Lebens-Inhaltes\nhervorzubringen. Referent hatte Gelegenheit, in einem ge-\nsellschaftlichen Kreise Beethoven'sche Trios von ihr spie-\nlen zu hören. Sie spielte sie vom Blatt, nicht nur fehlerlos,\nsondern mit ausgeprägtester Deutlichkeit und eben so fei-\nner als natürlicher Auffassung. Nach der Viardot kam\nFrau Bürde-Ney. Obschon sie unserer Ansicht nach\nFortschritte gemacht hat, namentlich in der Wärme der\nAuffassung, so brachte sie doch beim Publicum keinen\ngrossen Enthusiasmus hervor. Den meisten Beifall fand sie\nals Frau Fluth in den lustigen Weibern und in dem Vor-\ntrage einer Arie aus Ernani von Verdi. Als dramatische\nSängerin ist sie der Wagner und selbst der Köster nicht\ngleich; doch hat sie auf der anderen Seite einen so viel\nfrischeren und der Herrschaft ihres Willens unterworfenen\nStimmfonds, dass sie, im Ganzen betrachtet, doch wohl\njetzt die bedeutendste deutsche Sängerin sein möchte. Von\nFräul. Tietjens weiss ich freilich nicht, ob sie sich seit den\nzwei Jahren, dass ich sie nicht gehört habe, bedeutend\nentwickelt hat; damals aber war sie weder in der Schön-\nheit der Stimme noch in der Technik und Auffassung der\nNey ebenbürtig.—Zwei Mitglieder des Josephstädter Thea-\nters in Wien, die Herren Kaminski und Eghardt, die\nals Tannhäuser und Wolfram gastirten, machten gänzlich\nFiasco. Fräul. Günther aus Prag, eine geborene Berli-\nnerin, ist zwar noch Anfängerin, aber recht talentbegabt;\nsie hat gefallen und wird wahrscheinlich engagirt werden,\ndamit das Rollenfach der Johanna Wagner zwiefach be-\nsetzt werde.—Joseph in Aegypten von Mehul, seit vie-\nlen Jahren nicht gegeben, ging wieder in Scene, aber je-\ndesmal, trotz der interessanten Musik, vor leerem Hause.\n—Zwei Matineen, die von den Mitgliedern der königlichen\nBühne zu wohlthätigen Zwecken im Schauspielhause gege-\nben wurden, haben zwar in der berliner Gesellschaft viel\nvon sich reden gemacht, doch haben sie eine mehr locale\nBedeutung. Künstlerisch ist daran nur erwähnungswerth,\ndass Fräul. Seebach „Schön Hedwig\" declamirte, und\ndass Frau Clara Schumann dieSchumann'sche Clavier-\nBegleitung dazu spielte; ferner dass Frau v. Bock (Schrö-\nder-Devrient) wiederum einige Lieder von Schumann und\nSchubert mit tiefer Empfindung und sicherer Herrschalt\nüber ihre Stimme vortrug. Auch unter den anderen Lei-\nstungen war natürlich sehr viel Treffliches, aber nichts,\ndessen Erwähnung auswärts interessiren könnte.\nDer plötzliche Tod Dehn's hat überall einen sehr\nschmerzlichen Eindruck gemacht. Dehn war ein ausge-\nzeichneter Bibliothecar, wie er so leicht nicht wieder ge-\nfunden werden wird. Ausserdem suchte er in der Kennt-\nniss aller Künste des Contrapunktes, in historischer Gelehr-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "155", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580515-01.1.3", "texte": "samkeit und in der Fähigkeit, die älteste Notenschrift zu\nentziffern, seines Gleichen. Von der zweiten Auflage seiner\nHarmonielehre hat schon der Druck begonnen; wie man\nhört, wird derselbe unter der Leitung seines früheren Schü-\nlers Bernhard Scholz (in Zürich) zu Ende geführt wer-\nden. Ein in italiänischer Sprache geschriebenes Werk über\nden Contrapunkt befindet sich, wie man vernimmt, eben-\nfalls unter seinem Nachlass. Der Organist Haupt, ein\nSchüler Dehn's, soll die Absicht haben, es herauszugeben.\nOb sich auch Materialien zu der Biographie Orlando di\nLasso's, an der Dehn seit vielen Jahren unablässig arbei-\ntete, gefunden haben, weiss ich nicht. Als wahrscheinlicher\nNachfolger Dehn's an der königlichen Bibliothek wird viel-\nfach Franz Commer bezeichnet.\n\nG. E.\n\nAus Prag.\n[Die Jubelfeier des Conservaloriums Die drei Concerte\ndesselben in der Fastenzeit F. L i s z t' s Tasso und Clavier-Con-\ncert Der Pianist Pflugliaupt u. s. w.]\nEnde April 1858.\nDie Vertreter der Kunst-Interessen unserer Hauptstadt\nund mit ihr Böhmens, insbesondere der musicalischen, ha-\nben in diesem Jahre eine hohe, aber auch schwierige Auf-\ngabe zu lösen. Es war gerade vor fünfzig Jahren, als die\nkunstsinnige Aristokratie des Landes den hochherzigen\nEntschluss ins Leben brachte, der nationalen Kunst des\nmusicalischen Königreiches ein Asyl zu schenken, in wel-\nchem es nicht sowohl etwas ganz Neues oder Fremdes auf-\nzubauen gab, sondern welches dazu dienen sollte, das vor-\nhandene Gute zu erhalten, die Keime zu befruchten und\nschlummernde Kräfte zu wecken. Die Gründung des Con-\nservatoriums der Musik durch mehrere Repräsentanten der\nedelsten historischen Geschlechter fällt in das Jahr 1808,\nund das seitdem weit und breit berühmt gewordene Insti-\ntut feiert heuer somit sein fünfzigjähriges Jubiläum. Dass\nkein anderes Institut, welches Namens immer, so im Stande\nist, das musicalische Böhmen zu repräsentiren, begreift sich\nbei der Bedeutung des Conservatoriums von selbst, und es\nfragt sich nun: Ist die erste Hochschule der Musik ihrer\nGründung nach gehörig vorbereitet, um eine so seltene\nund in ihrer Art bedeutungsvollste Feier würdig zu bege-\nhen? Was den äusseren Glanz betrifft, so ist an der distin-\nguirtesten Begehung des Festes nicht zu zweifeln. Stehen\nan der Spitze der Vorbereitungs-Anstalten ja doch jene\nMänner, denen das Conservatorium sein jetziges materielles\nBlühen zu verdanken hat, welchen es gelungen, die Stürme\nzu bannen, welche eine anarchische Zeit heraufbeschwo-\nren, und auch jene, welche das aus ihren möglich gewor-\ndenen Resultaten mit gewohnter absoluter Hast construirte\nneue politische Princip scheinbar berechtigten, und die\nnoch mehr geeignet waren, jede Selbstständigkeit natio-\nnalen Seins und Handelns auf immer zu unterdrücken. Wenn\nunsere Kunst-Anstalt nun die Hoffnung hat, in der Zukunft\neine von bureaukratischen Einflussnahmen ausser des Lan-\ndes, wenigstens in Rücksicht ihrer inneren Verfassung und\nihrer Existenz, unabhängige Stellung einnehmen zu können,\nnicht der beliebten, weil so bequemen Nivellirungs-Scheere\nmoderner Administration zu verfallen, so gebührt der Dank\ndafür zunächst dem Präsidenten des Vereins zur Beförde-\nrung der Tonkunst, dem edlen energischen Grafen Albert\nNostiz, der die Gefahren, von denen das prager Conser-\nvatorium von gewissen Seiten her bedroht war, glücklich\nabzuwenden wusste, und dem es sicher noch gelingen wird,\ndas Provisorium, welches dem Institute als einem noch im-\nmer grösstentheils privatlichen anklebt, in ein Definitivum\nzu verwandeln. Erst wenn das Conservatorium den Cha-\nrakter einer öffentlichen Landes-Anstalt angenommen ha-\nben wird, wird es ihm möglich werden, allen Rivalitäten\ndieser und jener Art kühn die Stirn bieten zu können\nund in das Stadium einer grossartigen Entwicklung und\nReorganisirung zu treten. Bis dahin bleiben alle Wünsche\nin dieser Beziehunng nach dem Maassstabe der Einrich-\ntungen an der Seine fromme. Dass sich aber die so zu sa-\ngen staatlichen Verhältnisse der Anstalt wohl einmal so\ngestalten werden, dafür bürgen uns, wie gesagt, die That-\nsachen, mit denen der Veveins-Präsident bisher so Grosses\nund Bedeutendes zuwege gebracht.\nWas die eigentlich künstlerische Begehung der Feier\nund die ihr zu Gruude liegenden musicalischen Kräfte des\nConservatoriums betrifft, so beantworten diesen zweiten\nTheil der Frage wohl zunächst und am bündigsten die Re-\nsultate der heurigen Productionen des Conservatoriums,\nwesshalb es auch vergönnt sein möge, derselben in diesem\ngeschätzten Blatte zu erwähnen. Die öffentlichen Produc-\ntionen, in welchen die Zöglinge des Instituts Gelegenheit\nhaben, Proben ihres Talentes und dessen Ausbildung zu\nzeigen, hauptsächlich aber vereint in grossen Orchestral-\nwerken zu wirken, beschränken sich freilich nur auf die\ndrei Concerte, welche während der Fastenzeit gegeben\nwerden; aber die Qualität der Leistungen gibt wohl einen\nziemlich annähernden Maassstab der Leistungsfähigkeit des\nInstituts überhaupt, und nach dem, was heuer zu Gehör\nkam, lässt sich wohl ohne Zagen behaupten, dass unser\nConservatorium wohlgerüstet der Begehung seines Jubel-\njahres entgegengehe, und von der musicalischen Ausstat-\ntung desselben nur Gutes und Vorzügliches zu erwarten\nsei. Um nun von diesen Concerten selbst zu reden und die\nhier gehegte Hoffnung einiger Maassen zu begründen, sei\nEiniges über selbe angeführt."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "156", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580515-01.1.4", "texte": "Von Orchestralwerken kamen im ersten Concerte\nBeethoven's vierte Sinfonie und Reinecke's Ouvertüre zur\nDame Kobold zur Aufführung. Dass des grössten Epikers\ninstrumentale Wunderwerke hier sich eines mehr als bloss\noberflächlichen Verständnisses und dem zufolge einer Theil-\nnahme erfreuen, die als eine nachhaltig begeisterte be-\nzeichnet werden muss, ist kein kleines Verdienst des in sei-\nner Art einzigen Conservatoriums-Orchesters und seines\nDirectors Herrn J. F. Kittl. Unter seiner Leitung wurden\nbereits alle Sinfonieen des grossen Meisters gegeben, und\nzwar in Aufführungen, welche in ihrer musterhaften Ta-\ndellosigkeit einzig und allein geeignet sind, die merkwür-\ndigen Offenbarungen des grossen Dichters auch der Menge\nzugänglich zu machen, auch weitere Kreise für sie zu en-\nthusiasmiren. Auch die Aufführung der sechsten Sinfonie\nkann als eine im vollsten Sinne des Wortes propagandisti-\nsche bezeichnet werden. Die Energie, der Schwung, mit\nwelchen das in rein musicalischem Sinne wahrhaft geniale\nFinale, die treffliche poetische Nuancirung, mit welcher\ndas eigentümliche Andante executirt wurde, lassen sich\nwohl nicht besser zu Gehör gebracht denken. Dasselbe\ngilt von der Aufführung der Reinecke'schen Ouvertüre,\neines zwar nicht Himmel und Erde in Bewegung setzen-\nden, die Nerven aufregenden Werkes, aber voll edler, so\nzu sagen künstlerisch-sittiger Conception, anmuthiger For-\nmenschönheit und mehr als bloss routinirt-gewandter Fac-\ntur. Von Solo-Productionen, die dem pädagogischen Cha-\nrakter des Instituts zufolge einen nothwendigen Bestand-\nteil seiner Concerte ausmachen, machte sich diesmal ins-\nbesondere ein Schüler des ausgezeichneten Goltermann,\nder Zögling Fr. Klorinek bemerkbar, der ein Violoncell-\nConcert mit allen Anzeichen jener künftigen Eigenschaften\nspielte, die seinen Lehrer so rühmlich auszeichnen. Ihm\nzunächst stand die Schülerin der Opernschule, Fräulein\nJacobsohn, eine Tochter Skandinaviens, mit hübscher\nStimme und hübschen Anlagen, Die schwächste Leistung\ndes Concertes war der Vortrag von Variationen für die\nFlöte, welcher unter dem Einflüsse zufälliger und anderer\nUmstände nicht so wie sonst geeignet war, die stets be-\nwährte Vorzüglichkeit dieser Instrumental-Classe zu be-\nwähren.\nEinen eigentümlichen, ausnahmsweisen Charakter\nschon dem Programme nach hatte das zweite Concert.\nLiszt befand sich zufälliger Weise in Prag, indem er die\nLeitung einer grossen Wohlthätigkeits-Production, bei wel-\ncher seine symphonischen Dichtungen „Die Ideale\" und\n„Dante1; aufgeführt wurden, übernommen hatte. Diese\ngünstige Gelegenheit benutzte Graf Albert Nostiz, um den\nKünstler einzuladen, dem zweiten Concerte des Instituts\nseine Mitwirkung zuzuwenden. Herr Director Kittl hatte\nnämlich für das Programm desselben die Aufführung der\nTasso-Sinfonie bestimmt, und der Componist willigte freund-\nlichst ein, sein Werk selbst zu dirigiren. Das Interesse der\nNeuheit, den berühmten Mann selbst an der Spitze des ju-\ngendlichen Orchesters zu sehen, war gross, obwohl das\nConcert bereits vortrefflich und bis auf die feinste Nuance\nvon Herrn Director Kittl einstudirt war, als Liszt der er-\nsten Hauptprobe beiwohnte. Diesen Antecedentien zufolge\nwar auch die Aufführung eine ganz vorzügliche, und, da\ndie Composition selbst bei Weitem weniger Widerspruch\nvon Seiten der Gegner der neuen Schule fand, als die oben\nerwähnten symphonischen Dichtungen, der Erfolg auch ein\nungemein glänzender. Herr Dr. Liszt musste das Finale\nwiederholen lassen und fand stürmische Beifalls-Bezeugun-\ngen. In der That enthält die Sinfonie überraschende Mo-\nmente geistvoller Conception und effectvoller Factur. Muss\nman auch zugeben, dass hier mehr das geistreiche Combi-\nnations-Vermögen thätig war, als ursprüngliche Produc-\ntionskraft, so zeigt es sich doch wieder, dass die Beschul-\ndigungen einer totalen Verwilderung und Regellosigkeit\ndennoch zu weit gehen. Gerade die thematische Arbeit als\nmusicalischer Kern und die feste Consequenz, mit welcher\nsie von Anfang an bis zu Ende im Einklänge mit den poeti-\nschen Intentionen verfolgt wird, sind es, welche hier die\nungewohnte Form leichter vergessen, die so genannten har-\nmonischen Freiheiten des Satzes weniger auffallen lassen.\nEine Seltenheit dieser Conservatoriums-Production war es\nauch, dass es Herrn Pflughaupt gestattet war, unter der\nDirection desselben das i&-Concert seines Meisters für\nPiano und Orchester zu spielen. Die Composition ist, wenn\nauch nicht im grossen Concert-Stile früherer Componisten,\ndoch sehr reich an pikanten und frappirenden Effecten,\naber so sehr auf die nur Liszt eigenthümliche Spiel-\nart berechnet, dass die Persönlichkeit des berühmten Pia-\nnisten selbst dazu gehört, um sie zur vollen Geltung gelan-\ngen zu lassen. Herrn Pflughaupt fehlt bei aller Anerken-\nnung seiner technischen Virtuosität die Energie und das\ndämonische Feuer, um all die bizarren Klang-Effecte und\nrhythmischen Excentricitäten mit der riesigen Kraft und\nunnachahmlichen Grazie seines Lehrers reproduciren zu\nkönnen. Seine correcte Leistung glich einer blonden deut-\nschen Uebersetzung des magyarisch-französischen Originals.\nDie andere Orchestral-Production betraf die an grosser\nTragik Alles überbietende einzige Coriolan-Ouverture. Wie\nLiszt nach der Tasso-Sinfonie, so wurde auch der Dirigent\ndieser grandios zu Gehör gebrachten Piece, Herr Kittl,\nstürmisch gerufen. Von den an diesem Tage Statt gehab-\nten Solo-Productionen, das von zwei Opern-Schülerinnen\ngesungene Duett aus Paer's „Sargines\" gern mit Still-\nschweigen übergehend, können wir mit besonderer Aner-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "157", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580515-01.1.5", "texte": "kennung die Leistung eines Geigers erwähnen. A. Proksch,\nder Sohn des rühmlichst bekannten Organisten in Reichen-\nberg, spielte das Vieuxtemps'sche mit einer die\nprager Violinschule auszeichnenden Accuratesse und Prä-\ncision in Ueberwindung der technischen Schwierigkeiten\nund liess auch in der Cantilcne das hoffnungsvolle Talent\neines geborenen Musikers deutlich erkennen. Gleiches gilt\nvon dem Fagottisten Chalupecky, der ein Concertstück von\nJacoby blies.\nIm dritten Concerte fiel die Wahl auf zwei Orchestral-\nwerke von Mendelssohn und von Jul. Rietz. Die vierte Sin-\nfonie des ersteren Meisters, welche merkwürdiger Weise\nerst nach seinem Tode däs Licht der Publicität erblickte,\nist seitdem zu sehr das Eigenthum der Nation geworden,\nals dass es nöthig wäre, auf die liebenswürdigen Schönhei-\nten dieses Meisterwerkes abermals einzugehen. Bei einer\nso schwungvoll begeisterten Aufführung, wie sie ihm zu\nTheil wurde, ist es natürlich, dass nicht nur alle Sätze mit\nEnthusiasmus aufgenommen, sondern auch das unvergleich-\nlich schön gespielte Andante zum Repetiren begehrt wurde.\nDie Lustspiel-Ouverture von Rietz war eine Novität. Das\nWerk ist ein sehr interessantes und verräth in der Wahl\nglücklich erfundener Motive, in dem schönen Bau, in der\nmakellosen Form und in der künstlerischen Instrumentation\nden fein gebildeten und mit Geschmack routinirten Compo-\nnisten. Da es Gebrauch ist, das letzte der alljährlichen Con-\nservatoriums-Concerte im Theater am Abende eines so ge-\nnannten Normal-Tages zu geben, so finden in selbem auch\nmehr Solisten als gewöhnlich Raum oder vielmehr Zeit,\num sich- hören zu lassen. Abermals war es ein Geiger, Fr.\nBausch, der die Palme des Abends davon trug. Eine äus-\nserst dankbare Partie nicht ganz und gar gewöhnlicher\nVariationen über ein Original-Thema von Wieniawski gab\ndem jungen Zögling erwünschte Gelegenheit zu dieser Aus-\nzeichnung. Eine erfreuliche, weil bei der Opernschule des\nConservatoriums seltene Erscheinung bot die Leistung der\nAltistin oder vielmehr Mezzo-Sopranistin Fräul. Medall,\nwelche die grosse Arie des Sextus mit obligater Clarinette\nin Brecht anerkennungswerth und mit Beifall vortrug. Der\nClarinettist Twrdek machte im Vortrage von Reissiger'-\nschen Variationen seinem trefflichen Lehrer Pisarowitz alle\nEhre. Auch das Blech war dieses Mal vertreten. Acht Zög-\nlinge der Waldhorn-Schule zeichneten sich in einem\neigens componirten Octett durch vollen, schönen Ton, si-\nchere Intonation und feinen Vortrag aus. Auch ein Flügel-\nhorn, ein Instrument, gegen dessen Concertfähigkeit im\nhöheren Sinne freilich Manches einzuwenden wäre, errang\nverdienten Beifall.—Wenn Referent kühn behaupten kann,\nmit diesen Bemerkungen nicht mehr als den heurigen Lei-\nstungen des Conservatoriums nothwendig Gebührendes ge-\nsagt zu haben, so darf er auch noch schliesslich die Wahr-\nheit des oben geinachten Ausspruches, das Institut gehe\ngut vorbereitet der Begehung seines Jubelfestes entgegen,\nbestätigen.\n\nUeber Gathy’s letzte Tage.\nAn Herrn C. Bansi in Minden.\nParis, 10. Mai 1858.\nGeehrter Herr und Freund!\nZn Ihrer und aller Freunde Gathy's Tröstung\nwill ich Ihnen sagen, dass der gute Mann treue und sorg-\nfältige Pflege erhalten hat. Nichts, was menschliche Hülfe\nbringen konnte, hat er vermisst. Von seiner treuen Wär-\nterin Josephine Charpentier hat Stephen Heller in der\nKölnischen Zeitung bereits gesprochen. Gathy hatte aber\neine treue, ganz ergebene Freundin, Mad. Mayrin aus\nHamburg, die sich mit ihrer Tochter im Vorzimmer oder,\nrichtiger gesagt: auf dem ilausllur des Kranken Tag und\nNacht aufhielt und nicht einen Augenblick wich, so lange\ndie Krankheit dauerte. Sie schlief mehr als acht Tage lang\nnur auf einem Lehnstuhl, sie sorgte für Alles, ging jeden\nAugenblick zu Gathy's Bett, ging wieder fort, wenn sie\ndachte, ihre Gegenwart könnte den armen Mann stören,\nempfing alle Freunde, die kamen, um Nachricht zu holen,\nund diese Frau, deren Ergebung für Gathy der eines\nWeibes, einer Mutter, einer Schwester gleich kam, be-\nsorgte alles zur Beerdigung und liess den edlen Hinge-\nschiedenen, der am 14. Mai 1800 zu Lüttich geboren\nwar, in ihr Familien-Begräbniss auf dem Friedhofe Mont-\nmartre beisetzen. Viele Freunde, besonders Künstler, gin-\ngen mit dem Leichenzuge, und Elwart, Professor am hie-\nsigen Conservatorium, hat eine kleine Rede gehalten. Un-\nter den Anwesenden bemerkte ich Heller, Berlioz, Lindau,\nLittolf, Gernsheim, Gouvy u. s. w. Ich blieb der Letzte\nund allein, um zu sehen, wie die Arbeiter ihr trauriges\nGeschäft vollendeten.\nWas aus seinem Nachlass wird, habe ich noch nicht\nerfahren; ich weiss nur, dass wenige Tage vor seinem\nTode Mad. Mayrin mit ihm über diese Angelegenheit\nsprach. Gathy richtete sich vom Bette auf, schloss die Thür\nzu und schrieb lange an seinem Tische. Man hätte eine\nsolche Anstrengung in seinem Zustande kaum möglich\ngeglaubt. Ihr — —."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580515-01.1.6", "texte": "Aus Düsseldorf.\nIm Mai 1858.\nWir konnten nicht früher einen Ueberblick unserer acht\nWinter-Concerte geben, weil das letzte erst am 6. d. Mts. Statt\nfand. Wir hörten an Werken für Soli, Chor und Orchester:\nVorspiel aus der Oper Hans Heiling von Marschner; „Verleih'\nuns Frieden !\" Gebet von Mendelssohn; ~Des Staubes eitle Sorgen\",\nMotette von Haydn; Chöre aus ~Christus Oratorium von Mendels-\nsohn; „Frühlingsnahen\", Phantasie für Männerstimmen und Orchester\n¥on Gade; „Des Sängers Fluch\", Ballade von Schumann ; „Lorelei\"\nvon Hiller; „Zigeunerleben\" von Schumann; Die Musik zu Pretiosa\nvon Weber; „Die Jahreszeiten\", Oratorium von Haydn.\nAn Werken für Orchester allein: Ouvertüre zu Olympia von\nSpontini; Achte Sinfonie von Beethoven; Ouvertüre zu Lodoiska von\nCherubini; „Die Jahreszeiten\", Sinfonie von Spohr; Ouvertüre zu\nLeonore, C-dur, von Beethoven; Sinfonie Nr. 3 von Rietz; Sinfonie\nEs-dur von Mozart; Ouvertüre zu Oberon von Weber; Sinfonie C-\nmoll von Beethoven; Ouvertüre zu den Hebriden von Mendelssohn;\nOuvertüre zu Faniska von Cherubini.\nAn Solo-Compositionen: Militär-Concert für Violine von Lipinski\nund Romanze von Beethoven Herr Concertmeister Grunwald\naus Köln; Arie der Susanne aus Figaro Fräulein Deutz aus\nKöln; Bass-Arie aus Paulus und Lieder von Schubert\nHerr Remmertz; Concert für Pianoforte von Mendelssohn, C-\nmoll Herr Tausch; Septett, Op. 74, von Hummel; Elegie für\nClarinette von Pape Herr Kochner; Concert für Pianoforte,\nD-moll, von Mozart Frau Dr. B . . . .\nWir können uns die Mühe einer detaillirten Kritik sparen, da\nwir über unsere Concerte ungefähr dasselbe wiederholen mtissten,\nwas wir seit einer Reihe von Jahren gesagt und nachgewiesen. Die\nAufführungen, namentlich was Chor und Orchester betrifft, wurden\ndurch alle früher gerügten technischen Fehler und Gebrechen, durch\nden völligen Mangel an bestimmter, durchgeführter Auffassung und\ngeistigem Leben charakterisirt, wie es eben nicht anders möglich\nist, wenn ein Chor den Begriff von gewissenhaftem Studium völlig\nverloren zu haben scheint, wenn ein Orchester von Sorgfalt und Ge-\nnauigkeit der Concert-Proben entwöhnt und bei Weitem der grösste\nTheil seiner Mitglieder darauf angewiesen ist, während der sieben-\nmonatlichen Theater-Saison eine Menge von Opern übers Knie zu\nbrechen und sich im Uebrigen mit Tanz- und Gartenmusik zu be-\nfassen.\nEs ist natürlich, dass solchen Leistungen gegenüber das Concert-\nPublicum immer theilnahmloser wird, dass es immer mehr zusammen\ngeschmolzen ist. Die Concert-Direction selbst musste in Nr. 72 der\nDüsseldorfer Zeitung vom 14. März d. J. bestätigen, dass die Zahl\nder Abonnenten jetzt kaum mehr als die Hälfte der vorhergegange-\nnen Periode beträgt; sie glaubte sich auf die geringen ihr zu Gebote\nstehenden financiellen Kräfte, die im Zuschnitt der Concerte immer\nfühlbarer werden, berufen zu dürfen, und musste dadurch indirect\ndas traurige Geständniss ablegen, dass sie und Herr Tausch das\nPublicum nicht zu fesseln, die noch yor wenigen Jahren blühenden\nFinanz-Zustände nicht zu erhalten vermochten! Bedarf es für den\nUnbefangenen stärkerer Beweise, um einzusehen, dass trotz der Ge-\nwährung städtischer Mittel unsere musicalische Zukunft je mehr in\nFrage gestellt wird, je länger die jetzigen Zustände erhalten bleiben?\nObgleich wir überzeugt sind, dass von dem grössten Theile un-\nseres Publicums die Tendenz unserer seit einer Reihe von Jahren\ndurch die vorliegenden Blätter veröffentlichten Berichte nicht ver-\nkannt wird, so fühlen wir uns doch bewogen, ein kurzes Resume\nderselben anzureihen, da man fortwährend bemüht ist, sie, statt durch\neingehende Widerlegung, durch Verdächtigung zu entkräften, indem\nman uns namentlich das Motiv feindseliger Gesinnung gegen Herrn\nTausch und gekränkte Eitelkeit unterzuschieben sucht.\nDer erste unserer Berichte erschien im Mai 1853, als sich durch\nSchümanns ungünstigen Einfluss auf unsere musicalischen Zustände\nein entschiedener Rückschritt manifestirte. Im November desselben\nJahres folgte ein zweiter, worin wir hierüber unsere Ansichten, die\nselbst ron nahen Freunden des grossen Meisters getheilt wurden,\num so offener aussprachen, als man sich weder von officieller noch\nvon befreundeter Seite zu rechter Zeit entschloss, Schumann auf das\nWünschenswerthe eines freiwilligen Rücktrittes aufmerksam zu ma-\nchen und ihn dazu zu bewegen, wie es Pflicht und Freundschaft\ngeboten.\nIn den beiden angedeuteten Artikeln hoben wir die Verdienste\ndes Herrn Tausch als Pianisten hervor und suchten die Aufmerksam-\nkeit auf sein Directions-Talent zu lenken, welches wir bei den häu-\nfigen Veranlassungen zur Vertretung Schümanns wahrzunehmen\nglaubten. Als wir im folgenden Monate Schumann's Rücktritt und\ndie provisorische Uebernahme der Direction von Seiten des Herrn\nTausch meldeten, äusserten wir uns mit Freude und Zuversicht über\ndie Hoffnungen für unsere Zustände, welche wir an diesen Moment\nknüpften, weil wir den neuen Dirigenten nicht nur als Pianisten\nvon seltener technischer Sicherheit, sondern auch als gewandten\n1 rimavista- und Partiturspieler schätzten, weil wir sein gründliches\ntheoretisches Wissen, seine glücklichen Compositions-Versuche kann-\nten und ihn mit allen hiesigen Verhältnissen vertraut wussten. Wir\ngaben ihm desshalb wiederholte Beweise von Theilnahme und\nInteresse, da wir voraussetzten, er werde sich mit Aufwand der vol-\nlen Kraft als Nachfolger seiner grossen Vorgänger zu behaupten\nsuchen. Als wir indess sehr bald den Mangel ernsten künstlerischen\nStrebens zu entdecken glaubten, konnten wir uns einer erklärlichen\nVerstimmung nicht erwehren. In dein nächstfolgenden Artikel vom\nFebruar 1855 entwickelten wir unsere Ansichten über das Mangel-\nhafte der Aufführungen und die Ursachen desselben, warnten vor der\nWahl zu schwieriger Musikstücke und gaben in wohlgemeinter Weise\nAndeutungen über die Mittel, wodurch Herr Tausch die Lösung der\nhöchst schwierigen Aufgabe der Ausbildung unserer musicalischen\nKräfte versuchen müsse.\nLeider bemerkten wir, dass Herr Tausch sich dem Verkehr mit\njungen talentvollen Tonkünstlern, die, durch Schumann angezogen,\nhier noch lebten, und mit Kunstfreunden ernster Richtung immer\nmehr entzog, ja, dass er die Gelegenheit, im Umgange mit bewähr-\nten Meistern seine Ansichten zu bereichern, versäumte, sich dagegen\nenthusiastischen Freunden und Verehrern zuwandte, deren Einfluss\nuns als ein höchst gefährlicher erscheinen musste, weil sie Herrn\n1 ausch als Künstler und namentlich als Dirigenten völlig über-\nschätzten. Wir unterliessen es nicht, zu warneu; indess je enger sich\nihr Kreis schloss, um so auffallender liess Herr Tausch sich gehen,\num so mehr verkannte er in unseren Artikeln die warnende Freun-\ndesstimme, bis er zuletzt jede unserer in bester Absicht gegebenen\nAndeutungen, jeden begründeten Tadel persönlicher Feindseligkeit\nzuzuschreiben sich bewegen liess.\nIn der folgenden Periode offenbarte sich der Mangel an Energie,\nan künstlerischem Streben und ästhetischem Sinne in so auffallendem\nGrade, dass wir uns im Mai 1855 rückhaltlos darüber äussern und\nbekennen mussten, Herr Tausch habe alle unsere Erwartungen un-\nbefriedigt gelassen und keine der zu erfolgreichem Wirken in seiner\nStellung nöthigen Eigenschaften erworben, so sehr wir auch wünsch-\nten, das Gegentheil sagen zu können. Er »öthigte uns daher, im In-\nteresse für das Gedeihen wahrer Kunst weil es in unseren\nAugen unverantwortlich und charakterlos ist, dasselbe persönlichen\nBeziehungen und Neigungen zu opfern —, seiner Wahl entgegen zu\ntreten und seine musicalische Anschauungsweise, den Dilettantismus,\nwelcher das unverkennbare Gepräge unserer Aufführungen und Zu-\nstände bildet, zu bekämpfen. Wir benutzten dafür unsere einzige\nWaffe, die der Oeffentlichkeit, und mussten dem Feinde entgegen-\ntreten, wo er sich zeigte: in dem Kreise des Herrn Tauseh und sei-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580515-01.1.7", "texte": "ncr Freunde, in unseren musicalischen Vereinen, in den Beschlüssen\ndes Gemeinderathes oder im Publicum.\nWer die Aufgabe, die wir uns stellten, richtig beurtheilt, wird\nes begreifen, dass es sich nicht vermeiden licss, ja, dass wir nicht\nfürchten durften, zuweilen persönlich angreifend und verletzend zu\nerscheinen.\nDie früheren Artikel der Niederrheinischen Musik-Zeitung, auf\nwelche wir in Vorstehendem hindeuteten, wurden dem grössten Theile\nunseres Publicums nur vom Hörensagen bekannt; man hatte darüber\nso entstellte Gerüchte verbreitet, dass wir uns bewogen fanden, die\nspäteren durch ein hiesiges Blatt nachträglich zu veröffentlichen. Der\nerste der neuen Keihe war unser Bericht über die Concerte von\n1855 —SG, in welchem wir zu einer schärferen Sprache übergehen\nzu müssen glaubten, da unsere bisherigen Warnungen und Andeu-\ntungen ohne Erfolg geblieben waren. Wir erklärten in ihm die Wahl\ndes Herrn Tausch als den Sieg der Partei, welche durch den Beruf\neiner bedeutenden Persönlichkeit aus der grossen Zahl von Bewer-\nbern um die hiesige Musik-Director-Stelle ihren Einfluss einzubüssen\nbefürchte. Die Zeit hat bewiesen, dass wir uns in unserer damaligen\nUeberzeugung nicht getäuscht, und der Einfluss dieser Partei ist in\nfortwährendem Steigen geblieben, was am auffallendsten seit der\nGründung des Instrumental-Vereins hervortritt. Die Freunde des\nHerrn Tausch der überwiegenden Mehrzahl nach verfolgen offenbar\nkein anderes Ziel als das, sich einige Stunden Nmit Musik zu unter-\nhalten, und Herr Tausch selbst scheint ihren Wünschen bereitwillig\nentgegen zu kommen. Er lässt sie so, wie es ihnen gefällt, musici-\nren, er gewährt ihnen das Vergnügen, sich mit ihren Talenten und\nLeistungen zu produciren, und hat sich dadurch die Sympathieen\nsowohl unserer Dilettanten als unserer Musiker in reichem Maasse\nerworben, die in ihm den Dirigenten lieben und verehren, der von\nden Ausübenden nur das verlangt, was sie mit Bequemlichkeit zu\nleisten vermögen. Wenn man diese Sympathieen lür die Führung\ndes Beweises zu benutzen sucht, wie sehr die Persönlichkeit des\nHerrn Tausch für seinen Wirkungskreis passe, so muss die Keihe\nvon Anfeindungen, ja, offenen Auflehnungen, welche sogar Mendels-\nsohn hier erfahren musste, nicht wenig befremden. Aber gerade da-\ndurch, dass er den Wünschen der Ausführenden keine Zugeständ-\nnisse machte, dass er, zunächst nur auf eine kleine Zahl wahrer\nKunstfreunde gestützt, seinen Weg verfolgte, dass seine Anforderun-\ngen nur durch das Höchste, was jeder Mitwirkende zu leisten ver-\nmochte, begränzt wurden, rief er die Opposition hervor, bis Alle sich\nseinem Willen zu fügen gelernt, und zu seinem Wahlspruch erho-\nben: „Res secerci, verum gaudium!\" mit Hingebung und Begeisterung\ndem grossen Meister folgten. Der für Herrn Tausch versuchte Be-\nweis erscheint demnach in so zweifelhaftem Lichte, dass er sich so-\ngar als das Gegentheil betrachten lässt.\nEine Individualität wie die seinige bedarf offenbar zu günstiger\nEntwicklung eines anregenden musicalischen Umganges, unbefange-\nner, namentlich die ästhetische Seite der Aufgabe des Dirigenten\nhervorhebender Besprechungen, einer wohlwollenden, ungeschminkten\nund unparteiischen Kritik, eines gegenseitig belehrenden und bilden-\nden Meinungs-Austausches mit Kunstgenossen und wahrer, auf-\nrichtiger Freunde, die bei jeder Sorglosigkeit oder\nNachlässigkeit der Stimme der Warnung Gehör zu\nverschaffen wissen.\nDiese Wahrheit scheint leider völlig unerkannt geblieben zu sein,\nund desshalb verschulden es die Freunde zunächst, wenn Herr Tausch\nden richtigen MaassstaWfür sich und seine Leistungen völlig verlor.\nWie ist es auch anders möglich, wenn Mittelmässiges stets als Voll-\nendetes, wenn Sorglosigkeit und Flüchtigkeit als Züge von Geniali-\ntät gepriesen werden! Sogar wenn das Maass der Nachlässigkeit\neinzelnen Verehrern bedenklich erscheint, erhebt sich auch ihre Stimme\numsonst. Wir erinnern, um ein Beispiel anzuführen, an die Auffüh-\nrung der Schumann'schen Ballade „Des Sängers Fluch\". In der am\nvorletzten Abend vor dem Concert Statt findenden Hauptprobe waren\ndie Unsicherheit von Chor und Orchester, die Befürchtungen für die\nSoli, die zum Theil unmittelbar vor jener Probe, zum Theil\nerst nach derselben besetzt wurden, so gross, dass einige der\ntreuesten Anhänger des Herrn Tausch einen Aufschub der Auffüh-\nrung wünschten. Trotzdem fand sie im nächsten Concerte Statt, und\nwer die enormen Schwierigkeiten ähnlicher Schumann'scher Compo-\nsitionen zu würdigen weiss, die das gewissenhafteste Studium erfor-\ndern und nur bei der sorgfältigsten und feinsten Aufführung ver-\nständlich und wirkungsvoll für den Hörer werden können, der mag\nsich selbst vom Verlauf der unsrigen eine Vorstellung machen.\nNicht weniger charakteristisch für unsere Verhältnisse, als das Er-\nwähnte, ist das Curiosum. Dass die hiesige Kritik gerade diese Auf-\nführung mit grosser Emphase als besonders gelungen hervorhebt und\nihr mit einigen naiven Bemerkungen über die Composition unter die\nArme zu greifen sucht.\nWie weit die Freunde des Herrn Tausch ihre Ueberschätzung\ntreiben, sogar wenn sie es einräumen müssen, dass ihm manche dem\nDirigenten wünschenswerthe Eigenschaft abgehe, beweis't vor Allem\ndie Behauptung, „es sei nun einmal kein besserer Dirigent für uns\nzu gewinnen gewesen\"; und in der That haben sie es sich so lange\nvorgesagt, bis sie es selbst zu glauben schienen. Mit dieser Behaup-\ntung rückten sie vor der Wahl des Herrn Tausch ins Feld, als sich\nanerkannt tüchtige und bewährte Dirigenten aus allen Theilen\nDeutschlands, unter ihnen bedeutende Componisten der Gegenwart,\num die Stelle bewarben, die ehemals von den grössten Meistern der\nTonkunst bekleidet wurde ; mit ihr traten sie von Neuem hervor, als\nsie vor kurzer Zeit die Kündigung des noch drei Jahre laufenden\nVertrags befürchteten. Wer über Personen und musicalische Zu-\nstände nur in etwa au courant ist, kann bei einer solchen Be-\nhauptung und einem Blicke auf die Liste der Bewerber in der That\nnur lächeln Die einflussreichen Freunde und Gönner des Herrn\nTausch vermochten zwar nicht, die Kündigung zu verhindern, indess\ngelang es ihnen, den Gemeinderath zu einem neuen contractlichen\nVerhältnisse auf ein Jahr abermals zu bewegen und sich dadurch\nHerrn Tausch und mit ihm die lieb gewordenen musicalischen Le-\nbens-Gewohnheiten einstweilen zu sichern. Wir wünschen es sowohl\nim Interesse für unsere Zustände, als für Herrn Tausch selbst, dass\ner die Gefahr, die ihm als Künstler durch den Einfluss\nseiner Freunde hier droht, erkennen, dass er das Bedürfniss\nempfinden lerne, sich in anderen Berührungen und Verhältnissen zu\nerfrischen, die Unbefangenheit des Urtheils und den sicheren Maass-\nstab für sich und seine Leistungen wieder zu gewinnen. Wir haben\nes redlich mit der Kunst und mit Herrn Tausch gemeint und wei-\nsen jeden Vorwurf von seiner Seite oder von der seiner Freunde\nentschieden zurück, denn die letzteren sind es offenbar, welche die\nFol ge n ihres Einflusses auf Herrn Tausch und seine\nCarriere zu verantworten haben.\nWir fühlen uns von dem Vorwurf von Feindseligkeit der Ge-\nsinnung eben so wenig getroffen, als von dem gekränkter Eitelkeit;\ndenn nur unserem freien Willen sind wir gefolgt, als wir jede Mit-\nwirkung und Betheiligung an leitender Stelle wiederholt in der\nUeberzeugung ablehnen mussten, wir würden unter den gegebenen\nVerhältnissen, selbst bei angestrengtester Thätigkeit, nichts für das\nGedeihen wahrer Kunst erreichen können.\nWill man es uns als Eitelkeit deuten, wenn wir uns zu gut hal-\nten, unbefriedigende und wahrhaft betrübende Zustände stützen und\nfristen zu helfen, so müssen wir es uns ruhig gefallen lassen.\nProfessor Bischoff sagt im Feuilleton von Nr. 86 der Kölnischen\nZeitung vom 27. März dieses Jahres:\n„Es ist eine eigene Sache um die Gewohnheit, um diese „ „an-\ndere Natur\"\" des Menschen. Nicht bloss ein Publicum, das Jahr\naus, Jahr ein nur Mittelmässiges oder Stümperhaftes hört, gewöhnt\nsich nach und nach daran, und das erst Verurtheilte wird am Ende"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "160", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580515-01.1.8", "texte": "gepriesen, das erst Gfehasste am Ende geliebt. Dieselbe Wirkung\näussert die leidige Gewohnheit nicht nur auf die Zuhörenden, son-\ndern auch auf die Ausübenden; ein Orchester, das z. B. in acht\nMonaten nur acht Mai in Concert-Aufführungen mit ordentlichen\nProben spielt, während derselben Zeit aber sechszig bis achtzig\nOpern im Theater mit Einer, sehr oft mit gar keiner Probe hand-\nwerksmässig abgeigt und abdudelt, verliert am Ende auch unter\nguter Leitung die Elasticität einer Körperschaft von Künstlern. Und\nnicht nur diese höhere Eigenschaft büsst es ein, sondern es verliert\nauch geradezu an technischer Fertigkeit, an Beachtung der einfach-\nsten Elemente, an Beobachtung der notwendigsten Gesetze des\nVortrages, an gespannter Aufmerksamkeit auf den Dirigenten, über-\nhaupt an künstlerischem Bewusstsein und künstlerischer Gewissen-\nhaftigkeit. Wer es mit der Kunst redlich meint, muss auf diese Ge-\nfahren hinzeigen und davor warnen. Zugleich ergibt sich daraus,\nwie reiflich es zu überlegen, ob nicht bei der projectirten Besserung\nder Theater-Zustände in Köln zunächst an die endliche Gründung\neines ständigen wirklich städtischen Orchesters zu denken sei.\"\nWir empfehlen diese Wahrheiten namentlich dem Theile unseres\nmusicalischen Publicums, welcher sich an unsere jetzigen Auffüh-\nrungen allmählich gewöhnt hat, zu warmer Beherzigung, und über-\nlassen es demselben, alle Consequenzen für unsere Zustände sich\nselbst zu ziehen und sich deren Tragweite anschaulich au rtiachen.\n-6-\n\nFür Gathy’s Denkstein in Paris.\nVon Karl Bansi in Minden gezeichnet . . , . 20 Francs.\n„ J. H. PlatzhofF in Düsseldorf baar ... 19 ~\n„ der Redaction der Wiener Monatsschrift baar 60 ~\nDie Bedac. tion."}]}