{"numero_id": "bm-bmtnabi-1858-06-05-01", "volume": "bmtnabi_1858-06-05_01", "ocr_sha256": "9e73ad047dd67508a137ca93bf52b82d4884da870c6ba03d75fc4bfe570ca777", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1858/06/05_01/bmtnabi_1858-06-05_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580605-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1858-06-05-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-06-05_01#c001", "volume": "bmtnabi_1858-06-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "177", "page_fin": "177", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580605-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "177", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580605-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 478, "texte": "Inhalt.\nDas 36. niederrheinische Musikfest. I. Von L. Bischoff. - Friedrich Kühmstedt als Componist. Anton Dia-\nbelli (Nekrolog).—Holland (Schluss der Saison) Benrtheilungen. Für kirchlichen Gesang. Karl Mettner, Op. 5 Karl Heinrich\nSaemann, Op. 23. \\on V. D. Tages- und Unterhaltungsblatt (Zu dem Berichte über den Cäcilien-Verein in Frankfürt a. M,\n¥ i ankfurt a. M., Pianoforte-Soireen von August Buhl Halle, J. F. Naue *j* Prag, Programm zur Jubelfeier des Conservatoriums)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-06-05-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-06-05_01#c002", "volume": "bmtnabi_1858-06-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "177", "page_fin": "179", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580605-01.2.2", "titre_corps": "Das 36. niederrheinischo Musikfest.", "titre_sommaire": "Das 36. niederrheinischo Musikfest.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "177", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580605-01.1.1", "debut_caractere": 480, "fin_caractere_exclue": 4234, "texte": "Das 36. niederrheinischo Musikfest.\nI.\nDas diesjährige Musikfest ist an den drei Pfingsttagen\nzu Köln durch eine vorzüglich tüchtige Vereinigung von\nmusicalischen Kräften und einen sehr zahlreichen Besuch\nvon auswärtigen und einheimischen Zuhörern gefeiert wor-\nden. Ueber den Erfolg des Ganzen herrscht nur Eine\nStimme, wie wir in der vorigen Nummer bereits berichtet\nhaben; er war in künstlerischer Hinsicht grossartig anre-\ngend und erhebend, und auch in Beziehung auf die Ein-\nnahme sehr günstig. Das Ergebniss in letzterer Hinsicht\nist keineswegs gleichgültig, da es die Fortdauer der Mu-\nsikfeste und namentlich deren Wiederholung in Köln si-\nchert, wo die grossen räumlichen Verhältnisse und andere\nnicht zu beseitigende Umstände den Kosten-Aufwand bis\nzu 6000 Thalern steigern, auf welche Summe er zum\nBeispiel dieses Mal wirklich gestiegen ist. Dennoch hat der\nBesuch in den Concerten, in den Proben und auf dem\nBalle die Kosten vollständig gedeckt und noch einen Ueber-\nschuss gegeben. Die hier am Orte vorhandenen und in den\nzehn Jahren, in welchen hier das Musikfest nicht Statt ge-\nfunden, sehr vermehrten und gehobenen musicalischen\nKräfte bildeten allerdings einen Hauptfactor des Gelingens,\neinen anderen ebenfalls sehr bedeutenden aber auch die\nneuen Räume des Gürzenich, welche durch ihre Grösse\nund treffliche Akustik das künstlerische und durch ihre\nAnziehungskraft in architektonischer Hinsicht das mate-\nrielle Resultat des Festes förderten.\nZu der Masse der Ausführenden hatte Köln aus sei-\nnen Vocal- und Instrumental-Vereinen und den hier le-\nbenden Künstlern und künstlerisch tüchtigen Dilettanten\nvon 168 Sopranistinnen 112, von 118 Altistinnen 75,\nvon 86 Tenören 57, von 147 Bässen 92, von 60 Violi-\nnisten 30, einschliesslich der beiden Concertmeister Herren\nGrunwald und von Königslöw, von den übrigen 93\nInstrumentisten 48, und den Dirigenten des Ganzen in der\nPerson des städtischen Capellmeisters Herrn Ferdinand\nHill er gestellt mithin einen Chor von 336 und ein\nOrchester von 78 Personen,—ein erfreuliches Zeichen der\nhiesigen musicalischen Zustände. Dieser tüchtige Kern\nwurde durch vorzügliche Kräfte aus den verbündeten\nStädten bis auf 519 Choristen und 153 Instrumentisten,\nalso auf die Gesammtzahl von 672 Ausführenden, den\nDirigenten und die Solisten ungerechnet, vergrössert.\nDa der Zuhörerraum 1251 Sitzplätze im Saale ohne\ndie Galerie enthielt, so waren mit den Ausübenden auf\ndem stufenweise aufsteigenden Orchesterbau von 72 Fuss\nBreite und 60 Fuss Tiefe jeden Abend an 2000 Menschen\nim Saale, welche die Macht der Töne, die hier in der Thal\nzur Wahrheit wurde, zu einer erhöhten Stimmung und zu\nfestlichem Genüsse erhob.\nUnter den Männern von Fach, Musikern und Kritikern,\nwelche dem Feste beiwohnten, bemerkte man die Herren:\nFetis, Capellmeister des Königs der Belgier und Director\ndes Conservatoriums in Brüssel, nebst seinem Sohne Edu-\nard, Ch orley aus London, Prof. Breidenstein, Diet-\nrich aus Bonn (wir wissen nicht, ob Prof. 0. Jahn hier\nwar), Flügel aus Neuwied, St. Heller aus Paris, Al-\nfredJaell, Hofpianist des Königs von Hannover, Kücken,\nHof-Capellmeister in Stuttgart, J. H. Kufferath aus Ut-\nrecht, F. Kufferath aus Brüssel, Köhler aus Lausanne\nund Langert aus Morges am Genfersee, Lenz aus Co-\nblenz, Mangold und Schlosser, Hof-Capellmeister aus\nDarmstadt, Marpurg aus Mainz, Müller aus Münster,\nC. Reinecke aus Barmen, Schornstein aus Elberfeld,\nJul. Stern aus Berlin, Stocks aus Schwerin, B. Scholz\naus Zürich, Tausch aus Düsseldorf, Baron Per fall und\nWüllner aus München.\nUeber das neue Oratorium „Saul\" von Ferdi-\nnand Hill er haben wir in diesen Blättern bereits bei\nGelegenheit der ersten Aufführung desselben am 22. De-\ncember v. J. ausführlich gesprochen (s. Nr. 2 u. ff. des ge-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "178", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580605-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5360, "texte": "genwärtigen Jahrgangs). Es bleibt uns nur noch übrig, zu\nberichten, dass die Aufführung desselben am ersten\nPfingsttage im Allgemeinen eine gelungene und zündende,\nin den Chören eine vollendete und Alles ergreifende und\nbegeisternde war. Wenn die Solostücke in der Ausführung\nnur zum Theil auf der Höhe der Chöre standen, so wur-\nden sie doch im Allgemeinen so vorgetragen, dass sie das\nGanze nicht störten und die innere Schönheit der Melo-\ndieen nicht vernichteten, sondern in einzelnen Gesängen zu\nvoller Geltung brachten.\nDie grossen Schönheiten des Werkes, namentlich der\nmelodische Schwung und die polyphone Arbeit in den\nChören, traten in voller Deutlichkeit und durch den präch-\ntig frischen Klang der rheinischen Stimmen in einem Glänze\nhervor, der eine ausserordentliche, bei vielen Nummern\nüberwältigende Wirkung auf das Publicum machte. Fast\nalle Chöre wurden lebhaft und zu wiederholten Malen ap-\nplaudirt; den Gipfel erreichten der Applaus, die Fanfaren\nund die Zurufe von der Zuhörerschaft und dem Sänger-\nund Orchester-Personale bei dem grossen Chor: „Jeho-\nvah! Mache uns stark ! Schlage sie nieder! Dein\nName sei gebenedeit!\" welcher den zweiten Theil schliesst.\nAm Ende des Oratoriums wiederholten sich die enthu-\nsiastischen Beifallsbezeigungen. Hiller's Werk hatte nicht\nnur einen vollständigen, sondern einen höchst glänzenden\nErfolg.\nAllein nicht nur die Vox sondern auch die\nStimmen der Kenner und Musiker von Fach waren über\ndie Schönheiten des Werkes einig, viele sprachen sich mit\nwahrer Begeisterung darüber aus, einige erkannten den\nWerth der Composition zwar ebenfalls an, konnten aber\nden Stil derselben nicht mit dem Begriffe vom Oratorium,\nden sie überkommen oder sich gebildet hatten, vereinigen.\nWir müssen aufrichtig gestehen, dass uns diese Art\nder Kritik, die bekanntlich auch beim ersten Erscheinen\nvon Mendelssohn's Paulus eine Rolle spielte, genau betrach-\ntet alles Grundes zu entbehren scheint. Wir möchten gern,\ndass uns die Sprecher derselben, deren man auch unter\nden gebildeten Dilettanten und musicalischen Altgläubigen\nfindet, doch einmal eine Definition von dem, was sie „ora-\ntorischen Stil\" nennen, geben wollten. Wenn F. Chrysan-\nder in seinem Schriftchen .lieber die und\ndas Oratorium\" sagt, dass uns das rechte Bewusstsein über\ndas Oratorium fehle, dass wir nicht genau wissen, ob und\nwelche Gültigkeit diese Form noch für unser heutiges\nSchaffen habe, und dass wir nicht einmal mit Bestimmtheit\nsasen können, welche musicalische Form welcher\nc* 7\nStil dem Oratorium ausschliesslich, d. h. begrifflich,\neigne, so muss ihm jeder, der die Geschichte der Musik\nund die Oratorien-Literatur kennt, beistimmen.\nDie ursprünglich Mysterien genannten geistlichen Ko-\nmödien des Mittelalters und die ersten Oratorien der Ita-\nliäner sind für die Ansichten jener Kritiker nicht maass-\ngebend; sie kennen kaum die Existenz derselben. Ihre\noratorische Aesthetik beginnt mit Händel, und was sie\noratorischen Stil nennen, ist nichts Anderes als Händel'-\nscher Stil.\nNun vergessen sie aber, dass weder die alten Italiener\nnoch Händel eine aus kleinen Anfängen erwachsene Form\ndes Oratoriums, welche die Fähigkeit, sich zu entwickeln,\nlebendig fortzuwachsen und sich zu vollenden, besessen\nhätte, vorfanden, noch erfunden haben. Alle Oratorien-\nComponisten hatten die Darstellung auf der Scene\nals das Yollkommnere im Auge; sie gaben diese durch\nVeranlassungen, die ausserhalb der Kunst lagen, auf, z. B.\ndurch den Wunsch, die Schau- und Hörlust auf ernstere,\nnamentlich religiöse, Gegenstände zu lenken, oder aus\nökonomischen und financiellen Rücksichten. Dadurch be-\nwogen, gingen sie zu dem Oratorium über oder zogen sich\nvielmehr in die oratorische Form als Ersatzmittel für die\nscenische Darstellung zurück.\nDesshalb hat das Oratorium wohl einzelne Musik-\nformen, z. B. den Chor und diesen hauptsächlich, auch das\nInstrumentale in Orgel und Orchester bis zu seiner Höhe\nentwickeln und vervollkommnen können; aber zu einer fe-\nsten Gattungsform für das Ganze ist es nie gelangt.\nSeine Gattungs-Einheit ist immer nur eine negative geblie-\nben. Es hat sich ein bestimmter oratorischer Stil nicht ge-\nbildet und konnte sich auf dem eingeschlagenen Wege gar\nnicht bilden. Alles Grosse, was die Tonkunst im Oratorium\ngeschaffen, hat seinen Grund nicht in der Form, sondern\nim Geiste. Der rechte Stil ist derjenige, der den erhabe-\nnen und von religiösem Gefühle durchdrungenen Inhalt so\noffenbart, dass er mit der ihm inwohnenden Macht wirken\nkann. Das schliesst denn natürlich alle Frivolität aus, kei-\nneswegs aber die freie musicalische Schreibart, während\nallerdings die gebundene, wie bei dem Gedichte die ge-\nbundene Rede, in der Musik also die polyphone und con-\ntrapunktische Form, in so fern nicht bloss berechtigt, son-\ndern erforderlich ist, als der Inhalt eines Kunstwerkes\nauch hauptsächlich nur in der für dasselbe typisch gewor-\ndenen Form wahr ausgedrückt werden kann.\nWir wollen diesen theoretischen Sätzen Beispiele aus\nder Praxis desjenigen Oratorien-Componisten, der für jene\nKritiker und Dilettanten maassgebend ist, hinzufügen. Aus\nHändel selbst sind die Händelsüchtigen (absit am\nbesten zu widerlegen. So sehr dieser grosse Meister den\nChor entwickelt und auf den Höhepunkt gebracht hat, so\nwenig dachte er daran, einen besonderen Oratorienstil zu\nschaffen, weder durch Rückkehr zu der Schreibart der"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "179", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580605-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2382, "texte": "Niederländer und alten Italiäner, noch durch Festsetzung\neiner gänzlich vom Gesangstile seiner Zeit abweichenden\nBehandlung der Vocalmusik. Auch er betrachtete das Ora-\ntorium nur als Ersatzmittel für die Oper, mit der er kein\nGlück mehr machte und die ihm durch allerlei äussere\nUmstände verleidet wurde. Allein er schwur desswegen\nweder in den Chören die freie Schreibart ab, noch wählte\ner für die Solo-Gesangstücke eine andere Form, als den\nOpernstil seiner Zeit. Die Coloraturen seiner Arien sind\nreine Opern-Coloraturen nach dem damaligen Geschmack,\nund kein Oratorien-Comporiist unserer Zeit, weder Spohr,\nnoch Schneider, noch Mendelssohn, noch Hiller, hat die-\nsen Verzierungs-Luxus jemals so weit getrieben, wie\nHändel.\nUnd wie sieht es mit dem so genannten oratorischen\nStil in seinen Chören aus? Sind etwa bloss die fugirten\noratorisch? Ei, dann müssen wir eine Menge der herrlich-\nsten Chöre verdammen, beinahe den ganzen Samson, we-\nnigstens die Philister-Chöre, den Gesang der Dalila und\nihrer Gespielinnen, den Doppelchor, den dramatischen Chor\nbeim Einsturz des Tempels u. s. w. Wie schade wird es\ndann sein um die Malereien der Landplagen im Israel in\nAegypten, die sich im Orchester sogar bis auf ein (orato-\nrisches?) Gesumse der Fliegen und Mücken erstrecken, na-\nmentlich um die wunderbar schöne der „dicken Finster-\nniss\", um den trompetenschmetternden Chor in D-dur im\nJudas Maccabäus: „Uns weckt der schrecklich süsse\nSchall!\" und vor Allem um den jubelnden Siegeschor\nin G-dur im Judas und im Josua: „Seht, er kommt mit\nPreisgekrönt!\" wobei man einen ganzen Triumphzug mit\ntheatralischem Pomp vorüber ziehen sieht. Und so eine\nMenge anderer Chöre, deren Stil die Situation und der In-\nhalt des Textes geschaffen haben, nicht die Gattungsform\ndes Oratoriums.\nDas sind Argumenta ad\nMit Becht sagt daher Chrysander a. a. 0.: „In die\nHand des Componisten ist Alles gegeben; von ihm\nhängt der Werth eines Oratoriums, die Möglichkeit, es als\nGanzes erfassenzu können, in einer Weise ab, wie bei kei-\nnem anderen poetisch - musicalischen Kunst-\nwerke. Hieraus erklärt sich die besondere Hochachtung,\nderen wir den Componisten eines bedeutenden Oratoriums\nfür würdig achten; ist ihm gelungen, einen erhabenen In-\nhalt zu bewältigen, so ist dies das beste Zeugniss der Kraft\nund Tiefe seines Innern, und mit Ehrfurcht nahen wir uns\ndem Denkmale eines hohen Geistes.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-06-05-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-06-05_01#c003", "volume": "bmtnabi_1858-06-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "179", "page_fin": "181", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580605-01.2.3", "titre_corps": "Friedrich Kühmstedt als Componist", "titre_sommaire": "Friedrich Kühmstedt als Componist", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "179", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580605-01.1.3", "debut_caractere": 2384, "fin_caractere_exclue": 5135, "texte": "Friedrich Kühmstedt als Componist\n).\nWas des Frühverklärten Standpunkt als Componist\nanbelangt, so ist es längst anerkannt, dass er unter den\njetzt lebenden Tonsetzern eine der vorzüglichsten Stellen\neinnahm; ja, in Bezug auf sein Wissen und Können\nauf dem Gebiete des Contrapunktes konnte er füglich\num die Palme mit jedem seiner Zeitgenossen ringen. Ein-\nzelne seiner Fugen, wie die in seinen beiden letzten Orgel-\nSonaten (Op. 40 und Op. 41), sind wahrhafte Meister-\nLeistungen, die der Componist selbst den besten derarti-\ngen Erscheinungen der Vergangenheit an die Seite setzte.\nStets suchte er bei seinen zahlreichen thematischen Arbei-\nten originelle und inhaltsvolle Gedanken; nichtssagende\nPhrasen, glänzende Passagen ohne tiefere Begründung\nwaren ihm verhasst.\nAusser seiner ersten Oper, „Die Schlangenköni-\ngin\" **), componirte der Frühgeschiedene, wie er uns selbst\nmittheilte, noch zwei andere, die aber kein besseras Schick-\nsal hatten, als die erste. Kein Wunder, dass er diese Gat-\ntung der Musik fallen liess und sich mehr der ernsten,\nkirchlichen Musik zuwandte. Nach unserer Meinung war\nauch dieser Zweig der Tonkunst seinem innersten Wesen\nam angemessensten, Hier ist auch der Höhepunkt seiner\nkünstlerischen Leistungen zu suchen. Sein grosses Orato-\nrium „Die Verklärung des Herrn\" (nach Kummer\nvon Dr. Ludwig) enthält trotz des wenig fruchtbaren Tex-\ntes dennoch vieles wirklich Bedeutende. Der Schluss-Dop-\npelchor des ersten Theiles, der erste Chor des zweiten\nTheiles und der vorzugsweise fünfstimmige Chor: „0, wenn\nder Herr die Gefangenen Zions wird erlösen\" u. s. w., so\nwie das wunderschöne Septett: „Ich will euch wiederseh'n\"\nu. s. w., sind Tonstücke, die mit den besten Leistungen\nunserer Classiker rivalisiren können. Der Chor der Jünger:\n„Vater, den der Engel Chöre preisen\" u. s. w. (Nr. 11\ndes 2. Theils), ist eines der wirksamsten kirchlichen Ton-\nstücke für Männerchor. Wie schön sind auch die beiden\n%\nChöre in Op. 46 (Besponsorium u. s. w. zur Einweihung\nder Wartburg-Capelle), wie erhebend ist der Choral: „ Wer\nnur den lieben Gott lässt walten\" (im ersten Theile der\n\n*) Wir geben diesen Abschnitt aus einem uns mitgetheilten Auf-\nsatze von A. W. Grottschalg in G. W. Körner's „Urania4',\n1858, Nr. 8, als werthvollen Nachtrag zu den Briefen und bio-\ngraphischen Nachrichten in den Nummern 7, 8, 9 und 10 des\ndiesjährigen Jahrgangs der Niederrheinischen Musik-Zeitung.\nDie Redaction,\n**) Kühmstedt selbst erwähnt diese Oper in seinem Briefe vom 3.\nSeptember 1849 (s. Nr. 7 vom 13. Februar 1858) unter dem\nTitel „Die Geisterfürstin\" von L. Storch, grosse drei-\nactige Oper. Vergleiche indess die Biographie von L. M. in Nr.\n9, S. 67, wo dieselbe ebenfalls „Die Schlangenkönigin\" ge-\n, nannt wird. Die Redaction."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "180", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580605-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5450, "texte": "Verklärung, Nr. 17)! Wie ergreifend war der Gesang:\n„lieber allen Tiefen schweiget, über Freud' und Weh' die\nNacht\" u. s. w., den der Meister im Jahre 1850, als der\ndeutsche Gustav-Adolf-Verein in Eisenach tagte, auf der\nWartburg componirte! Wie uns der heimgegangene\nFreund mittheilte, war jenes Oratorium nicht das einzige,\ndas aus seiner Feder gellossen war; eine frühere derar-\ntige Arbeit führte der Componist einmal in seinem Ge-\nburtsorte auf. Auch in den letzten Jahren seines Lebens\nbeschäftigte ihn eine neue ähnliche Schöpfung.\nEben so bedeutsam, fast noch bedeutender, möchten\nwir Kühmstedt's Wirksamkeit auf dem Gebiete des Or-\ngelton-Satzes nennen; von den kleinsten bis zu den\ngrössten Formen hat seine Muse zahlreiche und treffliche\nWerke geliefert. Welche kirchliche Poesie athmen nicht\nseine „Augenblicke tieferen Gemüthslebens\" (Op. 31,0 p.\n37, 3 Hefte) und „Das kleine wohltemperirteClavier\" (Op.\n33)! Es ist jammerschade, dass diese beiden Wrerke, so\nwie die „Polyhymnia\", welche ausgezeichnete Bearbeitun-\ngen der besten und gebräuchlichsten Kirchenweisen dar-\nbot, unvollendet geblieben sind. Jedenfalls hat die Schuld\nnicht an dem Componisten oder an dem Verleger gelegen,\nsondern es ist dieser Verlust nur aus der Theilnahmlosig-\nkeit des Publicums, namentlich der protestantischen Kir-\nchenbehörden, herzuleiten. Die leichtesten Orgelsätze hat\nder ileissige Künstler in Op. 43 niedergelegt. Beachtung\nverdienen ferner die 25 leichten Orgelstücke des Op. 5\n(Erfurt, Körner). Von Kühmstedt's grösseren Orgel-Com-\npositionen sind hervorzuheben die grossartige\nermca~ in F-moll (Op. 29), seine Doppelfuge in H-mott\n(Op. 28). Vor Allem legte der Meister grossen Werth auf\ndas Concertstück (S. \"i 4 in seinem Meisterwerke\ndus adparnassum, Op. 4, Mainz, Schott) in E-äur, mit\nder grandiosen Fuge über die erste Zeile des Chorals:\n„Mache dich, mein Geist, bereit\" u.s.w. Recht wirkungs-\nvoll sind auch seine Variationen über den Priester-\nin arsch aus der Zauber flöte (Op. 8, Mainz, Schott).\nFin wundervolles Adagio findet sich in der ersten seiner\nOrgel-Sonaten (C-dur), Op. 38 (Mainz, Schott)*). Durch\ndie Lähmung seiner Hände musste Kühmstedt auf das Prä-\ndicat eines virtuosen Orgelspielers verzichten. Auch war\ner nicht so glücklich, je über ein tüchtiges Orgelwerk zu\ndisponiren. Was würde er erst geleistet haben, wenn er\ndurch eine treffliche Orgel immer neue Impulse für seine\nSchöpfungen erhalten hätte! Einer solchen äusseren Anre-\ngung, ohne welche die Meister der Tonkunst vieles Herr-\nliche nicht geschaffen hätten, verdanken wir die schöne\nPhantasie (ein Concertstück) in welche er nach der\nReise zur Einweihung der grossen Orgel in Lübeck (in\nder Marienkirche) von J. Fr. Schulze**; niedergeschrie-\nben hat. Rühmliche Erwähnung verdienen ebenfalls die\n„54 Präludien\" (Op. 45), welche er zum Nachtrage des\nberühmten Fischer'schen Choralbuches geschrieben hat.\nBeiläufig bemerken wir, dass Kühmstedt den ebenfalls früh\nvollendeten und schwer geprüften M. G. Fischer sehr\nhoch stellte.\nVon seinen zahlreichen Pianoforte-ComPositio-\nnen, von denen der Componist indess nur wenige veröf-\nfentlicht hat, erwähnen wir nur die grosse, seinem genia-\nlen Freunde Dr. Franz Liszt gewidmete Concertfuge\n(Op. 24) und eine grosse Clavier-Sonate (Op. 36 ,\nworin der verewigte Künstler sein eigenes, an herben\nSchicksalen reiches Leben gezeichnet hat. Es verdient diese\ndurchweg etwas düster und ernst gehaltene grossartige\nComposition einen Ehrenplatz in der neueren Sonaten-Li-\nteratur. Dass Kühmstedt auch in den kleineren freien For-\nmen des Ciaviersatzes glücklich war, beweisen seine beiden\nLebensbilder, „Die Coquette\" und „EinTraum\". Nament-\nlich letzteres Stück ist ein sehr poetischer Ciaviersatz.\nVon den grösseren Orchesterwerken des Meisters ist\nuns bloss eine grosse Symphonie bekannt, in welcher\nnamentlich die contrapunktischen Formen meisterhaft ge-\nhandhabt sind. Im letzten Jahre seines Lebens versuchte\nKühmstedt den Symphonie-Stil auch auf die Orgel zu über-\ntragen. Wenn wir nicht irren, so hat unser verklärter\nFreund im Jahre 1857 eine grosse Orgel-Symphonie ge-\nschrieben. Wenigstens theilte er uns an den erinnerungs-\nreichen Weimarer September-Tagen die Themen seiner\nneuen Schöpfung mit. Ausserdem vertraute er uns, dass\ner in dieser grossartig angelegten Composition die Cha-\nraktere Luther's und Melanchthon's künstlerisch dar-\nzustellen versucht habe. Er wollte dieses Opus seinem\nLieblingsschüler Müller aus Sulza widmen.\nFrüher schon hatte Kühmstedt für seine Schüler eine\nkleine Compositionslehre geschrieben, auf die er je-\ndoch später wenig Werth legte, als ihn schon die Ideen\nseiner neuen Musik-Theorie „der Kunst, in Tönen\nzu denken\", beschäftigten. Wir wollen hierbei gleich be-\nmerken, dass Kühmstedt gegen die Producte seiner Muse\nziemlich streng war. So wollte er z. B. durchaus nicht die\nAufführung der Fuge „Ein Tag sagt es dem anderen\"\n(S. 146 des Clavier-Auszuges zur Verklärung des Herrn\nbei dem Concerte der allgemeinen weimarischen Lehrer-\n\n*) Siehe Ritter's Orgelschuie, Bd. 3, Nr. 76.\n*) Dieser berühmte Meister hat kurz vor dem Ableben Kühm-\nstedt's ebenfalls das Zeitliche gesegnet; er starb am 9. Januar\n1858. [Die Firma Joh. Fried r. Schulze & Söhne wird\nvon den Gebrüdern Schulze fortgeführt. Herr 0. Schulze hat\nsich durch die Erfindung des „akustischen Wellen-Ap-\nparates\" rühmlichst bekannt gemacht. S. Poggend. Annaleu\nd Phvsik u. Chemie. Bd. 100? St. 4. Die Redaction.]"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "181", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580605-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2255, "texte": "Versammlung in Berka a. W. Gutheissen, weil sie seiner\nnicht würdig wäre. Erst nach mehrfachen Bitten fügte\nsich unser verehrter Dirigent Sein genanntes Werk über\ndie musicalische Theorie hat ihn schon lange beschäftigt;\nob er es vollständig hinterlassen hat, können wir nicht mit\nBestimmtheit angeben. So viel können wir indess bemer-\nken, dass er noch auf seinem letzten Leidenslager daran\ngearbeitet und seinen Schülern davon dictirt hat. Früher\nschon hatte der Verewigte ein sehr brauchbares Werk-\nchen geschrieben, nämlich: Die Kunst des Vorspiels\noder die Kunst der Entwicklung eines musica-\nlischen Motivs.— Was uns der edle Heimgegangene\nvon seinem Werke mittheilte, war sehr geistreich, gründ-\nlich und von mathematischer Evidenz. Dieser feste und\n• *\nklare Standpunkt, welchen der Meister in dieser Bezie-\nhung einnahm, war es auch, dass er zur musiealischen\nUnterweisung begabter musicalischer Talente sehr ge-\neignet war. Der geistreiche, oft ziemlich philosophisch\ngehaltene Vortrag, die Klarheit seiner Ideen, der sitt-\nliche Adel und die wahre Humanität, die in des treff-\nlichen Künstlers Charakter aufs schönste vereinigt wa-\nren, fesselten seine zahlreichen Schüler fürs ganze Le-\nben. Gegen die neueren Bestrebungen in der Musik\nzeigte sich Kühmstedt sehr empfänglich, und gern er-\nkannte er an, was namentlich Wagner Herrliches ge-\nschaffen habe. So schrieb er uns in einem früheren\nBriefe: „Und haben Sie nur Courage! Bedenken Sie,\nmit welcher Courage Wagner, dessen Talente ich übri-\ngens alle Gerechtigkeit widerfahren lasse, ja, welchem\nich die höchste Achtung zolle, auftritt. Er ist ein merk-\nwürdiges, wunderbares Talent, nur sein Princip und\nseine Kritik ist oft verkehrt, was er durch seine eige-\nnen Compositionen beweis't; ja, zum Theil, wo sie wirk-\nlich herrlich, himmlisch sind, da eben stehen sie mit\nseinem eigenen Princip in diametralem Widerspruch und\nstehen mit den ewigen alten Bedingungen alles Wahren\nund Schönen in Einklang.\"\nDurch mancherlei trübe Lebens-Schicksale hatte das\nWesen des Meisters etwas Ernstes und anscheinend Ver-\nschlossenes bekommen. Fand er sich jedoch im Kreise\nachtungswerther Freunde und Genossen, so entfaltete\nsich sein edler Charakter und seine reiche Bildung aufs\n/ ö\nliebenswürdigste."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-06-05-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-06-05_01#c004", "volume": "bmtnabi_1858-06-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "181", "page_fin": "182", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580605-01.2.4", "titre_corps": "Anton Diabelli.", "titre_sommaire": "Anton Diabelli.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "181", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580605-01.1.5", "debut_caractere": 2257, "fin_caractere_exclue": 5005, "texte": "Anton Diabelli.\n(Nekrolog.)\nAnton Diabelli ist am 8. April dieses Jahres\nalso gerade an demselben Monatstage auch, an welchem\nvor sechszehn Jahren der Musik-Verleger, Compositeur\nund musicalische Schriftsteller Anton Andre zu Offen-\nbach der irdischen Laufbahn entrissen wurde, zu einem\nbesseren Leben entschlafen.\nEr hatte am 6. September 1781 zu Mattsee im Salz-\nburgischen das Licht der Welt erblickt. Sein Vater, der\ndort als Stifts-Musicus und Messner fungirte, war sein Leh-\nrer im Gesänge, so wie im Ciavier- und Violinspiel.\nSieben Jahre alt, wurde er als Chorknabe im Kloster\nMichaelbeuern aufgenommen. Späterhin kam er in das\nCapellhaus zu Salzburg. Die höheren lateinischen Schulen\nabsolvirte er zu München; fortwährend jedoch cultivirte er\ndie theoretisch-praktischen Musik-Studien.\nIm neunzehnten Jahre trat er als Theologe in das\nCistercienserstift Daitenhasslach. Nunmehr beschäftigte er\nsich auch mit mannigfaltigen Compositionen, welche er je-\nderzeit an Michael Haydn, den er schon von Jugend auf\nals väterlichen Freund und Rathgeber verehrte, und mit\ndem er bis zu dessen am 10. August 1806 erfolgtem Hin-\nscheiden in ununterbrochenem Briefwechsel stand, zur\nDurchsicht und Prüfung sandte.\nNach drei Jahren erfolgte die Säcularisation der baieri-\nschen Klöster. Dadurch wurden auch Diabelli's Aussichten\nfür die Zukunft zerstört, und er beschloss daher, nach\nWien zu gehen. An Joseph Haydn empfohlen und durch\nseine gründlichen Kenntnisse sich selbst empfehlend, ge-\nlang es ihm bald, seine Existenz als Pianoforte- und Gui-\ntarre-Meister zu sichern. Von den vielen angesehenen Fa-\nmilien, in denen er sich Eingang verschaffte und stets will-\nkommen geheissen wurde, sei hier beispielshalber nur das\nfürstlich Brezenheim'sche Haus namentlich angeführt.\nAm 13. November 1818 associirte er sich mit dem\nMusik-Verleger Peter Cappi und wurde am 3. Decem-\nber desselben Jahres als öffentlicher Gesellschafter vom\nk. k. Wechselgerichte protocollirt. Am 24. März 1824\naber wurde, ihm vom wiener Magistrate die Kunst- und\nMusicalienhandlung selbstständig verliehen.\nSeine unterm 3. Juni 1824 protocollirte Firma „An-\nton Diabelli & Comp.\" währte über 27 Jahre, nämlich bis\nzum 24. Dec. 1851, fort, an welchem Tage sie über Zu-\nrücklegung seines Befugnisses gelöscht wurde. Von diesem\nZeitpunkte an übernahm Herr Karl Spinadas Geschäft\nauf eigene Rechnung.\nWie sehr Diabelli durch unermüdete Thätigkeit und\nindustriöse Speculation seine Handlung zu heben und zu\nerweitern wusste, ist allbekannt. Der Verlags-Katalog,\ndurch den Ankauf sämmtlicher Artikel der nach und nach\nerloschenen Firmen: Matthias Artaria (früher M. Sprenger,\nLudw. Maisch und L. Kozeluch), Berka, J. M. Leidesdorf\n(früher Sauer & Leidesdorf), A. Pennauer, J. Träg und"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "182", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580605-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1365, "texte": "Th. Weig] noch vermehrt, reichte (Ende 1851) an 9000\nNummern.\nDass er aber auch, von reinem Kunstsinne geleitet,\no 7\ndas Gute kräftig*zu fördern bestrebt war, beweisen nebst\nvielen anderen die preiswürdige Sammlung einzelner Kir-\nchenstücke von Mozart, Cherubini, Joseph und Michael\nHaydn&c. „Ecclesiasticon\" betitelt; Reicha's allumfassen-\ndes Harmoniewerk, von Karl Czerny trefflich übersetzt\nund mit schätzbaren Anmerkungen bereichert;—die kost-\nspieligen Ankäufe eines grossen Theiles des Franz Schu-\nbert'schen Nachlasses u. s. w.\nNicht unerwähnt darf gelassen werden, dass er bei\nder Gewerbs-Producten-Ausstellung im Jahre 1835 mit\neiner Bronze-Medaille ausgezeichnet wurde.\nAls Tonsetzer muss Diabelli unter seinen Kunstgenos-\nsen den allerfruchtbarsten zugezählt werden. Ein grosses\nVerdienst erwarb er sich vorzüglich durch seine, durch\ndie Ueberschrift „Landmessen14 ihre specielle Bestimmung\naussprechenden Kirchenstücke. Dieselben sind wirklich also\nleicht und harmonisch fliessend angelegt und durchgeführt,\ndass sie selbst bei den beschränktesten Mitteln keine unbe-\nIriedigende Wirkung hervorbringen können.\nDas Viele, was er für den Unterricht geleistet, soll die\nNachwelt in dankbarer Erinnerung bewahren. Als rationel-\nempirischer Lehrer verstand er selbst am besten, wie der\nAnfänger allmählich dem Ziele näher gerückt werden\nmüsse. (N. W. M.-Z.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-06-05-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-06-05_01#c005", "volume": "bmtnabi_1858-06-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "182", "page_fin": "182", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580605-01.2.5", "titre_corps": "Holland.", "titre_sommaire": "Holland.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "182", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580605-01.1.6", "debut_caractere": 1367, "fin_caractere_exclue": 4407, "texte": "Holland.\n[Schluss der Saison.]\nDie Reihe unserer diesjährigen Musik-Aulführungen\nwurde später als gewöhnlich geschlossen, daher wir un-\nsere Mittheilung diesmal einige Wochen zu verschieben\ngezwungen waren.\nIn Amsterdam fand das 36. Cäcilien-Concert am\n12. März Statt und brachte Folgendes zu Gehör: 1) Ou-\nvertüre zum Märchen „Die schöne Melusine\" von Men-\ndelssohn; 2) Sinfonie Nr. 4, von Gade; 3) Ouver-\ntüre zu Jessonda von Spohr; 4) Sinfonie Eroica von Beet-\nheven und 5) Ouvertüre zu Iphigenie in Aulis von Gluck\nmit Schluss von Richard Wagner. Das Orchester bewährte\nauch in dieser Aufführung seinen Ruf. Herr Concertmei-\nster Bunte ist jetzt definitiv zum Director ernannt. Die\namsterdam'sche Abtheilung der Gesellschaft zur Beförde-\nrung der Tonkunst gab ihre letzte Aufführung am 12.\nMai. Programm: 1) Ouvertüre, Chöre und Entreact-Mu-\nsik zu VondeFs Trauerspiel „Lucifer\" von J. A. van\nEyken, mit verbindenden Worten von Schimmel; 2) Mir-\njam's Siegsgesang von Franz Schubert, instrumentirt\nvon J. A. van Eyken; 3) Loreley von Hiller. Sämmtliche\nWerke wurden zum ersten Male gehört, fanden sehr gün-\nstige Aufnahme. Leider war der Chor zu schwach besetzt,\nwelches vornehmlich bei Herrn van Evken's Werke zu\nJ\nbedauern war.\nIm Haag brachte die Sing-Akademie der Gesellschaft\nzur Beförderung der Tonkunst im' März Haydn's Orato-\nrium „Die Schöpfung\" zu Gehör. Ebendaselbst gab das\nPensionsfonds-Institut „Die Zukunft\" am 28. April noch\nein Concert, worin zur Aufführung kamen: 1) Sinfonie\nvon Nicolai (Mitglied des Instituts); 2) Ouvertüre zu Iphi-\ngenie in Aulis von Gluck; 3) dramatische Sin-\nfonie für Soli, Chor und Orchester von Felicien David.\nDie zwei erstgenannten Compositionen waren bekannt; das\nDavid'sche Werk hinterliess keinen entschieden günstigen\nEindruck.\nRotterdam. Die dritte Aufführung der hiesigen Ab-\ntheilung der Gesellschaft zur Beförderung der Tonkunst\nam 21. April schloss sich den vorigen Aufführungen in\nwürdiger Weise an und hatte ein sehr günstiges Resultat.\nEin zahlreiches Auditorium hatte sich eingefunden, Hän-\nders „Israel in Aegypten\" anzuhören, und trotzte in stil-\nler Andacht der beinahe tropischen Hitze, welche im Saale\nherrschte.\nEs war uns nicht möglich, die Musik-Zustände der\nProvincialstädte en detail zu behandeln. Im Allgemeinen\nkönnen wir Folgendes berichten. Am lebhaftesten wurde\nMusik getrieben in Utrecht*), Dordrecht, Leiden,\nArnheim, Deventer und Leeu warden; weniger Mu-\nsikleben herrschte in Herzogenbosch, Haarlem, Delft, Gro-\nningen und Zwolle.\nDie zeeländischen Städte Middelburg, Goes, Zie-\nrikzee und Vlissingen, welche schon seit mehreren\nJahren einen Verein für Musikfeste bildeten, werden\nauch in diesem Jahre in Zierikzee ein solches Fest am\n10. und 11. Juni veranstalten. Das Programm enthält\nFolgendes: Am ersten Festtage: 1) Geistliche Ouvertüre\nfür Chor und Orchester, Op. 31, von 0. Nicolai; 2) Sam-\nson, Oratorium von Händel. Am zweiten Festtage: 1) Sin-\nfonie Nr. 4 (C-dur)von Mozart; 2) Messe in (drei\nHymnen) von Beethoven; 3) Psalm 42 von Mendelssohn.\ni '"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-06-05-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-06-05_01#c006", "volume": "bmtnabi_1858-06-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "182", "page_fin": "183", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580605-01.2.6", "titre_corps": "Beurtheilungen.", "titre_sommaire": "Beurtheilungen.", "signature_source": "V. 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DieRedaction."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "183", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580605-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2333, "texte": "Positionen zu Bibelsprüchen und anderen geist-\nlichen Texten für Männerstimmen zum Ge-\nhrauche bei liturgischen Andachten so wie ande-\nren gottesdienstlichen Feierlichkeiten in der Kirche,\nin Seminarien und anderen höheren Unterrichts-\nAnstalten überhaupt. Erfurt und Leipzig. G. W.\nKörner. Preis 1 Thlr. Partiepreis von zwölf und\nmehr Exemplaren 20 Sgr. baar.\nDiese Sammlung, deren Zweck der altmodisch lange\nTitel genügend erklärt, enthält ausser denen des Heraus-\ngebers Compositionen von A. Bergt, Bortniansky, G.\nFlügel, Gümpelshainer (geb. 1560j, Hillmer, Kelz,\nB. Klein, Nägeli, Schnabel, Sering und Straube\nin einer Auswahl von 76 meist kürzeren Sätzen (im Stile\nder alten Italiäner und im Ganzen leicht ausführbar), für\nalle vorkommenden Feierlichkeiten im Kirchenjahre; aus-\nserdem einen Anhang von 26 ganz kurzen Sprüchen. Ohne\nauf den Werth der einzelnen kurzen Sätzchen näher ein-\nzugehen, können wir diese schöne und billige Ausgabe\nauch wegen der leichten Ausführbarkeit ihres Inhalts be-\nstens empfehlen. Findet der Verleger den erwarteten Ab-\nsatz, so verspricht er eine ähnliche Sammlung für gemisch-\nten Chor.\nKarl Heinrich Saemann, Op. 23, Motette „Ein'\nfeste Burg ist unser Gott\" für vier Singstim-\nmen und Orgel oder Pianoforte. Erfurt, G. W.\nKörner. Clavier-Auszug 1 Thlr. 5 Sgr. Die Sing-\nstimmen ä 2% Sgr.\nDiese höchst lobenswerthe Arbeit enthält sieben Num-\nmern, nämlich: 1) Des Chorals Vers 1; 2) Recitativ für\nSopran; 3) Choral Vers 2, unisono, mit lebhafter Figuri-\nrung in der Orgelstimme; 4) Quartetto, ein sehr dankba-\nres, wohlklingendes und abgerundetes Stück; 5) Die Worte\ndes 3. Verses in einem lebhaften Chor, 3/4-Tact in A-moll;\n6) Recitativ für Alt- oder Bassstimme; 7) Schlusschor:\nChoral, Vers 4; während der Sopran den\nsingt, bewegen sich die anderen Stimmen in freier Figuri-\nrung. Wir können die Arbeit im Ganzen nur loben, ob-\ngleich wir fürchten, dass im letzten Chor der Sopran (der\nChoral steht in C-dur)wegen der tiefen Lage nicht durch-\ndringen werde, es sei denn, dass der bei\ndiesem Chor durch Knabenstimmen verstärkt wird. Wo\nnur Knaben- und Männerstimmen das Werk ausführen,\nist dieser Umstand nicht zu befürchten, weil in der Regel\nbei derartigen Seminaristen-Chören die Männerstimmen\nschwach besetzt sind. Wir empfehlen dieses Werk allen\nKirchenchören angelegentlichst.\n\nV. D."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-06-05-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-06-05_01#c007", "volume": "bmtnabi_1858-06-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "183", "page_fin": "184", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580605-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "183", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580605-01.1.7", "debut_caractere": 2335, "fin_caractere_exclue": 6247, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nZu dem Berichte über den Cäcilien -Verein in Frankfurt\na. M in der vorigen Nummer 22, wo die plötzliche Uebernahme der\nSopransolo-Partie in HändeFs Jephta durch Frau Nissen-Salo-\nman rühmlichst erwähnt wiri, fügen wir folgendes interessantes Fac-\ntum hinzu :\nDie tüchtige, vielseitige musicalische Bildung, die diese ausge-\nzeichnete Sängerin schon früh genossen, ist ihr schon oftmals in\nihrer Carriere sehr nützlich geworden Als sie ganz zu Anfange der-\nselben. während sie ihre Studien bei Garcia noch fortsetzte, bei der\nitaliänischen Oper in Paris engagirt war, erwartete sie eines Nach-\nmittags eine Dame, die sie auf einen Ball bei einer befreundeten Fa-\nmilie führen wollte, als plötzlich der damalige Director der italiäni-\nschen Oper, Herr Vatel, zu ihr ins Zimmer stürzte und sie flehent-\nlichst bat, ihn aus einer grossen Verlegenheit zu retten. Der Barbier\nvon Sevilla war annoncirt für denselben Abend, das Publicum fing\nschon an, ins Theater zu gehen, und Madame Persiani, welche die\nRosine singen sollte, war plötzlich .erkrankt; Madame Grisi war\ngleichfalls unwohl. Henriette Nissen hatte zwar die Haupt-Musik-\nstücke bei ihrem Lehrer studirt, aber die Rolle niemals auf der\nBühne gesungen; sie entschloss sich endlich zu dem Wagniss. Auch\nhier war weder Zeit zu einer Probe, noch zu einer Annonce, die\ndas Publicum von der vorgefallenen Veränderung hätte unterrichten\nkönnen. Unmittelbar vor der ersten Scene der Rosine, welche mit\nder grossen Arie in E-dur anfängt, erinnerte sie sich noch glück-\nlicher Weise, dass Madame Persiani diese Arie um eine Terz höher\ntransponirt, also in G-dur sang; einer jeden anderen Sängerin wäre\nes nnmöglich gewesen, diese Arie in dieser hohen Lage zu singen,\nund so schätzte sie sich glücklich, nach langen inständigen Bitten Je-\nmanden zu finden, der es unternehmen wollte, ins Orchester zu ge-\nhen und den Capellmeister davon zu benachrichtigen, da er eben so\nwenig wie das ganze Orchester, bevor Fräulein Nissen aufgetreten\nwar, begreifen konnte, wesshalb an diesem Abende die Rückän-\nderung verlangt wurde. Hinsichtlich der Recitative standen ihr die\nübrigen Mitspielenden : Lablache (Bartolo), Mario (Almaviva), Ron-\nconi (Figaro) überaus freundlich soufflirend zur Seite. Es ist be-\nkannt, dass die Persiani, welche einen Sopran der höchsten Lage,\ndahingegen wenig Mitteltöne und keine tiefen Töne hatte, nach Be-\nlieben Musikstücke nach ihrer Bequemlichkeit höher transponiren\nliess. Dieses Debüt war so überaus glänzend, dass Fräulein Nissen\ndie Rolle der Rosine für die Folge behielt, und dieser Abend wurde\nvon der ganzen pariser Presse einstimmig als eine Heldenthat ge-\npriesen.\nFrflßl2kfiii*t »• M* Ueber die drei Soireen für Pianoforte,\ndie unser verdienstvoller Pianist Herr August Buhl in der zwei-\nten Hälfte der abgelaufenen Musik-Saison veranstaltete, drängt es\nmich, Ihnen Bericht zu erstatten. Kunst ist nichts Anderes, als\nder schöne Sieg des Geistes über den Zwang der Regel, sie ist die\nschöne, verklärte Freiheit der künstlerischen Bewegung innerhalb der\nSchranken des Schönheitsgesetzes, und Schönheit ist Anfang, Mittel-\npunkt und Ende aller Kunst. Das widrig Gemeine ohne alles Mo-\ntiv ist kein Gegenstand für schöne Kunst, und wer sich nicht\nmit Abscheu von dem Gemeinen abwendet, wer es in seinen Kunst-\nleistungen nicht zu adeln versteht, der hat keinen Theil an der\nKunst, sie erkennt ihn nicht für den Ihrigen an. Und gerade weil\nHerr Buhl seine Soireen in dieser stets gleichen Reinheit gehalten,\nverdienen sie auch vor so vielen hervorgehoben zu werden, in wel-\nchen das Unkraut seichter Occasional-Producte leider täglich mehr\nüberhand nimmt. Zuvörderst nenne ich Ihnen die bedeutende Anzahl\nvorzüglicher Werke, welche Herr Buhl aus freiem Gedächtnisse aus-\nwendig vortrug. Didone abandonnata, Sonate von Clementi, Nocturne\nin F von Field, und Serenade von Thalberg, grosses Rondo in A-moll"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "184", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580605-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5941, "texte": "von Mozart, Phantasie-Sonate, Op. 28, von Mendelssohn, Sonate in\nAs von Weber, Kindermärchen von Moscheies und Erlkönig von\nLiszt, F-moll-Sonate, Op. 57, von Beethoven, Sonate in Fis-molt von\nHummel, Nocturne von Field wiederholt, Präludium und Allegro in\nD von Scarlatti und Railade in G-moll von Chopin. Sonach gab der\nsinnige Veranstalter dieser Concerte gleichsam eine Geschichte des\nCiavierspiels der letzten hundert Jahre und erregte mit dieser neuen\nglücklichen Idee ein ganz besonderes Interesse. Denn indem der\nFachkünstler sich in dem alten Arkadien der Tonkunst wieder zu-\nrecht und heimisch fand, fühlte sich das grössere Publicum in eine\nneue Welt versetzt und sich darin gleichsam unbewusst zu einem\nlogischen Bewusstsein des Schönen und Edlen geleitet. Herr Buhl\nhat diesen Clavier-Akademieen (wenn ich mich so ausdrücken darf),\nwelche übrigens das Maass von einer und einer halben Stunde nicht\nüberschritten und folglich nicht ermüden oder Monotonie erzeugen\nkonnten, eine gute Auswahl von Gesängen verschiedener Componisten\nbeigefügt, worunter namentlich die ,,Sehnsucht\" und zwei Duette für\nhopran und Bass von Ihrem Ferdinand Hiller besonders an-\nsprachen, und letztere gewiss grosse Verbreitung finden werden.\nUeber Anschlag, Vortrag und Stil-Auffassung so verschiedenartiger\nTonstücke, aus so heterogenen Schulen hervorgegangen, kann ich\nIhnen um so mehr ein gutes Zeugniss geben, als sich der junge\nMaöstro immer am liebsten mit dem Solo-Vortrage beschäftigt und\ndenselben zu seinem eigentlichen Elemente gemacht hat. Namentlich\nfiel eine weise Benutzung des Pedals in die Augen, welche Mässi-\ngung allein schon von einer Solidität der Idee und von der Entfer-\nnung von jeder EfFecthascherei Zeugniss ablegen würde. So hat Herr\nBuhl (wenn ich nicht irre) Mozart, Hummel, Bach, Haydn und Scar-\nlatti ohne Pedal vorgetragen und trotzdem die schönsten Effecte da-\nmit hervorgebracht. Alles brav und ehrenvoll ; nur möchte es uns\ndünken, dass neben dieser Sorgfalt auf Solidität dem freien Fluge\nund der Energie des Genius hier und da mehr Rechte hätten einge-\nräumt werden können. Indessen hoffen wir, dass bei dem ernsten\nbtreben nach Fortschritt, welches sich in diesen Soireen so sichtbar\nbekundet, auch die Aufgabe der Vereinigung des geistigen und\ngrammaticalen Princips gelös't werde, und somit sehen wir einer\nFortsetzung dieser nächstwinterlichen Soireen mit dem besten Ver-\ntrauen entgegen. — Herr Buhl spielte auf einem Mo-\nzartflügel. §M§\nHalle« Am 19. Mai starb hierselbst Joh. Friedr. Naue, Dr.\nphil. und Universitäts-Musik-Director, geboren am 17. November\n1787 allhier. Fallen auch Naue's Verdienste, die er sich in theoreti-\nscher und praktischer Beziehung um die Kunst erworben, bereits in\neine frühere Zeit, so wird doch sein Andenken fortleben in der Ge-\nschichte der preussischen Agende und der sächsich-thüringischen\nMusikfeste. Die pecuniären Verluste, die Naue durch Organisation\ndieser Musikfeste in Halle und Erfurt erlitt, brachten ihn in die be-\nklagenswerteste Lage, die den geistig regsamen Mann bis an sein\ntrübes Ende darniederbeugte.\nIn Bezug auf den Bericht aus Crefeld in Nr. 21 d. 81. ist\nuns von dem Vorstande der Liedertafel daselbst das Programm\ndes Conccrtes derselben vom 29. April, dessen jener Bericht erwähnt,\nmitgetheilt. Die Gerechtigkeit erfordert, dass wir es abdrucken. 1.\nFreiscliütz-Ouverture; Nachtgesang im Walde von F.Schubert; Lie-\nder für Tenor von Mendelssohn; Sextett für Pianoforte und Streich-\ninstrumente von AI. Schmitt; 67. Psalm von F. Schneider für Dop-\npelchor und Orchester. 11. Männergesänge von Mendelssohn, Schärt-\nlich, F. Schubert; zwei Lieder für S. T. A. und B. von Mendels-\nsohn und von Wilhelm; Quintett für Pianoforte und Blasinstrumente\nvon Mozart; \\ olkslied von Wilhelm ; Gebet der Erde von Zöllner.\n—; Die Auswahl scheint uns Abwechslung genug darzubieten.\nDie Redaction.\nProgramm zu der Feier der fünfzigjährigen Gründung\ndes prager Conservatoriums. Am 7 Juli: Früh um 10 Uhr\nHochamt und Te Deum in der St.-Jakobs-Kirche. Abends 6 Uhr\ngrosses Goncert des Conservatoriums im stand. Theater. Die En-\nsemblestücke ausschliessen 1 von den im Institute befindlichen Zög-\nlingen und die Solo-Vorträge durchgehends von Künstlern, die ihre\nAusbildung im Institute erhalten haben, ausgeführt.\nAm 8. Juli: Früh von 8— 12 Uhr und Nachmittags von 2 5\nUhr Proben für das Concert spirituel. Abends 7 Uhr Fest-Vorstellung\nim stand. Theater.\nAm 9. Juli: Abends 7 Uhr: Grosses Concert spirituel im ständ.\nTheater, a) Der 100. Psalm von Händel, b) Die neunte Sinfonie\nmit Chor von L. van Beethoven.\nAm 10. Juli: Festmahl im ständ. Baumgarten, den Herren Gä-\nsten und Festtheilnehmem gegeben durch den Verein zur Beförde-\nrung der Tonkunst.\nTheilnehmer an dem Feste sind: a) die durch eigene Schreiben\nbereits eingeladenen Gäste, Conservatorien der Musik und absolvir-\nten ehemaligen Schüler des prager Conservatoriums; b) alle beitra-\ngenden und wirkenden Mitglieder des Vereins zur Beförderung der\nTonkunst in Böhmen; c) die Professoren und angestellten Lehrer am\nprager Conservatorium ; d) alle Freunde der Tonkunst, welche durch\nden Erlag einer Anmeldangsgebühr von zehn Gulden Conv -Münze\nden Wunsch, an dem Feste Theil nehmen zu wollen, zu erkennen\ngeben.\nDie Herren Gäste und Festtheilnehmer werden dringend ersucht,\nlängstens bis zum 20. Juni ihre Absicht, an dem Feste durch ihr\nErscheinen Theil nehmen zu wollen, durch eine kurze schriftliche\nAnzeige unter der Adresse: ~An das Fest-Comite für die Jubelfeier\ndes Conservatoriums in Prag Nr. C. 600—1.\", auszusprechen und\nhiermit zugleich die alienfälligen Wohnungs-Bestellungen zu ver-\nbinden.\nDas Empfangs-Bureau ist vom 1. Juli bis inclusive 6. Juli in der\nDirections-Kanzlei des Conservatoriums Nr. C. 234 - I. 2. Stock, am\n7. und 8. Juli aber im Bahnhofe.\nPrag, im Monat Mai 1858. Das Comite.\nRom« Der seit 24 Jahren hier lebende deutsche Tonkünstler\nLouis Landsbergerist am 6. v. Mts. gestorben."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "177", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580605-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDas 36. niederrheinische Musikfest. I. Von L. Bischoff. - Friedrich Kühmstedt als Componist. Anton Dia-\nbelli (Nekrolog).—Holland (Schluss der Saison) Benrtheilungen. Für kirchlichen Gesang. Karl Mettner, Op. 5 Karl Heinrich\nSaemann, Op. 23. \\on V. D. Tages- und Unterhaltungsblatt (Zu dem Berichte über den Cäcilien-Verein in Frankfürt a. M,\n¥ i ankfurt a. M., Pianoforte-Soireen von August Buhl Halle, J. F. Naue *j* Prag, Programm zur Jubelfeier des Conservatoriums).\n\nDas 36. niederrheinischo Musikfest.\nI.\nDas diesjährige Musikfest ist an den drei Pfingsttagen\nzu Köln durch eine vorzüglich tüchtige Vereinigung von\nmusicalischen Kräften und einen sehr zahlreichen Besuch\nvon auswärtigen und einheimischen Zuhörern gefeiert wor-\nden. Ueber den Erfolg des Ganzen herrscht nur Eine\nStimme, wie wir in der vorigen Nummer bereits berichtet\nhaben; er war in künstlerischer Hinsicht grossartig anre-\ngend und erhebend, und auch in Beziehung auf die Ein-\nnahme sehr günstig. Das Ergebniss in letzterer Hinsicht\nist keineswegs gleichgültig, da es die Fortdauer der Mu-\nsikfeste und namentlich deren Wiederholung in Köln si-\nchert, wo die grossen räumlichen Verhältnisse und andere\nnicht zu beseitigende Umstände den Kosten-Aufwand bis\nzu 6000 Thalern steigern, auf welche Summe er zum\nBeispiel dieses Mal wirklich gestiegen ist. Dennoch hat der\nBesuch in den Concerten, in den Proben und auf dem\nBalle die Kosten vollständig gedeckt und noch einen Ueber-\nschuss gegeben. Die hier am Orte vorhandenen und in den\nzehn Jahren, in welchen hier das Musikfest nicht Statt ge-\nfunden, sehr vermehrten und gehobenen musicalischen\nKräfte bildeten allerdings einen Hauptfactor des Gelingens,\neinen anderen ebenfalls sehr bedeutenden aber auch die\nneuen Räume des Gürzenich, welche durch ihre Grösse\nund treffliche Akustik das künstlerische und durch ihre\nAnziehungskraft in architektonischer Hinsicht das mate-\nrielle Resultat des Festes förderten.\nZu der Masse der Ausführenden hatte Köln aus sei-\nnen Vocal- und Instrumental-Vereinen und den hier le-\nbenden Künstlern und künstlerisch tüchtigen Dilettanten\nvon 168 Sopranistinnen 112, von 118 Altistinnen 75,\nvon 86 Tenören 57, von 147 Bässen 92, von 60 Violi-\nnisten 30, einschliesslich der beiden Concertmeister Herren\nGrunwald und von Königslöw, von den übrigen 93\nInstrumentisten 48, und den Dirigenten des Ganzen in der\nPerson des städtischen Capellmeisters Herrn Ferdinand\nHill er gestellt mithin einen Chor von 336 und ein\nOrchester von 78 Personen,—ein erfreuliches Zeichen der\nhiesigen musicalischen Zustände. Dieser tüchtige Kern\nwurde durch vorzügliche Kräfte aus den verbündeten\nStädten bis auf 519 Choristen und 153 Instrumentisten,\nalso auf die Gesammtzahl von 672 Ausführenden, den\nDirigenten und die Solisten ungerechnet, vergrössert.\nDa der Zuhörerraum 1251 Sitzplätze im Saale ohne\ndie Galerie enthielt, so waren mit den Ausübenden auf\ndem stufenweise aufsteigenden Orchesterbau von 72 Fuss\nBreite und 60 Fuss Tiefe jeden Abend an 2000 Menschen\nim Saale, welche die Macht der Töne, die hier in der Thal\nzur Wahrheit wurde, zu einer erhöhten Stimmung und zu\nfestlichem Genüsse erhob.\nUnter den Männern von Fach, Musikern und Kritikern,\nwelche dem Feste beiwohnten, bemerkte man die Herren:\nFetis, Capellmeister des Königs der Belgier und Director\ndes Conservatoriums in Brüssel, nebst seinem Sohne Edu-\nard, Ch orley aus London, Prof. Breidenstein, Diet-\nrich aus Bonn (wir wissen nicht, ob Prof. 0. Jahn hier\nwar), Flügel aus Neuwied, St. Heller aus Paris, Al-\nfredJaell, Hofpianist des Königs von Hannover, Kücken,\nHof-Capellmeister in Stuttgart, J. H. Kufferath aus Ut-\nrecht, F. Kufferath aus Brüssel, Köhler aus Lausanne\nund Langert aus Morges am Genfersee, Lenz aus Co-\nblenz, Mangold und Schlosser, Hof-Capellmeister aus\nDarmstadt, Marpurg aus Mainz, Müller aus Münster,\nC. Reinecke aus Barmen, Schornstein aus Elberfeld,\nJul. Stern aus Berlin, Stocks aus Schwerin, B. Scholz\naus Zürich, Tausch aus Düsseldorf, Baron Per fall und\nWüllner aus München.\nUeber das neue Oratorium „Saul\" von Ferdi-\nnand Hill er haben wir in diesen Blättern bereits bei\nGelegenheit der ersten Aufführung desselben am 22. De-\ncember v. J. ausführlich gesprochen (s. Nr. 2 u. ff. des ge-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "178", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580605-01.1.2", "texte": "genwärtigen Jahrgangs). Es bleibt uns nur noch übrig, zu\nberichten, dass die Aufführung desselben am ersten\nPfingsttage im Allgemeinen eine gelungene und zündende,\nin den Chören eine vollendete und Alles ergreifende und\nbegeisternde war. Wenn die Solostücke in der Ausführung\nnur zum Theil auf der Höhe der Chöre standen, so wur-\nden sie doch im Allgemeinen so vorgetragen, dass sie das\nGanze nicht störten und die innere Schönheit der Melo-\ndieen nicht vernichteten, sondern in einzelnen Gesängen zu\nvoller Geltung brachten.\nDie grossen Schönheiten des Werkes, namentlich der\nmelodische Schwung und die polyphone Arbeit in den\nChören, traten in voller Deutlichkeit und durch den präch-\ntig frischen Klang der rheinischen Stimmen in einem Glänze\nhervor, der eine ausserordentliche, bei vielen Nummern\nüberwältigende Wirkung auf das Publicum machte. Fast\nalle Chöre wurden lebhaft und zu wiederholten Malen ap-\nplaudirt; den Gipfel erreichten der Applaus, die Fanfaren\nund die Zurufe von der Zuhörerschaft und dem Sänger-\nund Orchester-Personale bei dem grossen Chor: „Jeho-\nvah! Mache uns stark ! Schlage sie nieder! Dein\nName sei gebenedeit!\" welcher den zweiten Theil schliesst.\nAm Ende des Oratoriums wiederholten sich die enthu-\nsiastischen Beifallsbezeigungen. Hiller's Werk hatte nicht\nnur einen vollständigen, sondern einen höchst glänzenden\nErfolg.\nAllein nicht nur die Vox sondern auch die\nStimmen der Kenner und Musiker von Fach waren über\ndie Schönheiten des Werkes einig, viele sprachen sich mit\nwahrer Begeisterung darüber aus, einige erkannten den\nWerth der Composition zwar ebenfalls an, konnten aber\nden Stil derselben nicht mit dem Begriffe vom Oratorium,\nden sie überkommen oder sich gebildet hatten, vereinigen.\nWir müssen aufrichtig gestehen, dass uns diese Art\nder Kritik, die bekanntlich auch beim ersten Erscheinen\nvon Mendelssohn's Paulus eine Rolle spielte, genau betrach-\ntet alles Grundes zu entbehren scheint. Wir möchten gern,\ndass uns die Sprecher derselben, deren man auch unter\nden gebildeten Dilettanten und musicalischen Altgläubigen\nfindet, doch einmal eine Definition von dem, was sie „ora-\ntorischen Stil\" nennen, geben wollten. Wenn F. Chrysan-\nder in seinem Schriftchen .lieber die und\ndas Oratorium\" sagt, dass uns das rechte Bewusstsein über\ndas Oratorium fehle, dass wir nicht genau wissen, ob und\nwelche Gültigkeit diese Form noch für unser heutiges\nSchaffen habe, und dass wir nicht einmal mit Bestimmtheit\nsasen können, welche musicalische Form welcher\nc* 7\nStil dem Oratorium ausschliesslich, d. h. begrifflich,\neigne, so muss ihm jeder, der die Geschichte der Musik\nund die Oratorien-Literatur kennt, beistimmen.\nDie ursprünglich Mysterien genannten geistlichen Ko-\nmödien des Mittelalters und die ersten Oratorien der Ita-\nliäner sind für die Ansichten jener Kritiker nicht maass-\ngebend; sie kennen kaum die Existenz derselben. Ihre\noratorische Aesthetik beginnt mit Händel, und was sie\noratorischen Stil nennen, ist nichts Anderes als Händel'-\nscher Stil.\nNun vergessen sie aber, dass weder die alten Italiener\nnoch Händel eine aus kleinen Anfängen erwachsene Form\ndes Oratoriums, welche die Fähigkeit, sich zu entwickeln,\nlebendig fortzuwachsen und sich zu vollenden, besessen\nhätte, vorfanden, noch erfunden haben. Alle Oratorien-\nComponisten hatten die Darstellung auf der Scene\nals das Yollkommnere im Auge; sie gaben diese durch\nVeranlassungen, die ausserhalb der Kunst lagen, auf, z. B.\ndurch den Wunsch, die Schau- und Hörlust auf ernstere,\nnamentlich religiöse, Gegenstände zu lenken, oder aus\nökonomischen und financiellen Rücksichten. Dadurch be-\nwogen, gingen sie zu dem Oratorium über oder zogen sich\nvielmehr in die oratorische Form als Ersatzmittel für die\nscenische Darstellung zurück.\nDesshalb hat das Oratorium wohl einzelne Musik-\nformen, z. B. den Chor und diesen hauptsächlich, auch das\nInstrumentale in Orgel und Orchester bis zu seiner Höhe\nentwickeln und vervollkommnen können; aber zu einer fe-\nsten Gattungsform für das Ganze ist es nie gelangt.\nSeine Gattungs-Einheit ist immer nur eine negative geblie-\nben. Es hat sich ein bestimmter oratorischer Stil nicht ge-\nbildet und konnte sich auf dem eingeschlagenen Wege gar\nnicht bilden. Alles Grosse, was die Tonkunst im Oratorium\ngeschaffen, hat seinen Grund nicht in der Form, sondern\nim Geiste. Der rechte Stil ist derjenige, der den erhabe-\nnen und von religiösem Gefühle durchdrungenen Inhalt so\noffenbart, dass er mit der ihm inwohnenden Macht wirken\nkann. Das schliesst denn natürlich alle Frivolität aus, kei-\nneswegs aber die freie musicalische Schreibart, während\nallerdings die gebundene, wie bei dem Gedichte die ge-\nbundene Rede, in der Musik also die polyphone und con-\ntrapunktische Form, in so fern nicht bloss berechtigt, son-\ndern erforderlich ist, als der Inhalt eines Kunstwerkes\nauch hauptsächlich nur in der für dasselbe typisch gewor-\ndenen Form wahr ausgedrückt werden kann.\nWir wollen diesen theoretischen Sätzen Beispiele aus\nder Praxis desjenigen Oratorien-Componisten, der für jene\nKritiker und Dilettanten maassgebend ist, hinzufügen. Aus\nHändel selbst sind die Händelsüchtigen (absit am\nbesten zu widerlegen. So sehr dieser grosse Meister den\nChor entwickelt und auf den Höhepunkt gebracht hat, so\nwenig dachte er daran, einen besonderen Oratorienstil zu\nschaffen, weder durch Rückkehr zu der Schreibart der"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "179", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580605-01.1.3", "texte": "Niederländer und alten Italiäner, noch durch Festsetzung\neiner gänzlich vom Gesangstile seiner Zeit abweichenden\nBehandlung der Vocalmusik. Auch er betrachtete das Ora-\ntorium nur als Ersatzmittel für die Oper, mit der er kein\nGlück mehr machte und die ihm durch allerlei äussere\nUmstände verleidet wurde. Allein er schwur desswegen\nweder in den Chören die freie Schreibart ab, noch wählte\ner für die Solo-Gesangstücke eine andere Form, als den\nOpernstil seiner Zeit. Die Coloraturen seiner Arien sind\nreine Opern-Coloraturen nach dem damaligen Geschmack,\nund kein Oratorien-Comporiist unserer Zeit, weder Spohr,\nnoch Schneider, noch Mendelssohn, noch Hiller, hat die-\nsen Verzierungs-Luxus jemals so weit getrieben, wie\nHändel.\nUnd wie sieht es mit dem so genannten oratorischen\nStil in seinen Chören aus? Sind etwa bloss die fugirten\noratorisch? Ei, dann müssen wir eine Menge der herrlich-\nsten Chöre verdammen, beinahe den ganzen Samson, we-\nnigstens die Philister-Chöre, den Gesang der Dalila und\nihrer Gespielinnen, den Doppelchor, den dramatischen Chor\nbeim Einsturz des Tempels u. s. w. Wie schade wird es\ndann sein um die Malereien der Landplagen im Israel in\nAegypten, die sich im Orchester sogar bis auf ein (orato-\nrisches?) Gesumse der Fliegen und Mücken erstrecken, na-\nmentlich um die wunderbar schöne der „dicken Finster-\nniss\", um den trompetenschmetternden Chor in D-dur im\nJudas Maccabäus: „Uns weckt der schrecklich süsse\nSchall!\" und vor Allem um den jubelnden Siegeschor\nin G-dur im Judas und im Josua: „Seht, er kommt mit\nPreisgekrönt!\" wobei man einen ganzen Triumphzug mit\ntheatralischem Pomp vorüber ziehen sieht. Und so eine\nMenge anderer Chöre, deren Stil die Situation und der In-\nhalt des Textes geschaffen haben, nicht die Gattungsform\ndes Oratoriums.\nDas sind Argumenta ad\nMit Becht sagt daher Chrysander a. a. 0.: „In die\nHand des Componisten ist Alles gegeben; von ihm\nhängt der Werth eines Oratoriums, die Möglichkeit, es als\nGanzes erfassenzu können, in einer Weise ab, wie bei kei-\nnem anderen poetisch - musicalischen Kunst-\nwerke. Hieraus erklärt sich die besondere Hochachtung,\nderen wir den Componisten eines bedeutenden Oratoriums\nfür würdig achten; ist ihm gelungen, einen erhabenen In-\nhalt zu bewältigen, so ist dies das beste Zeugniss der Kraft\nund Tiefe seines Innern, und mit Ehrfurcht nahen wir uns\ndem Denkmale eines hohen Geistes.\"\n\nFriedrich Kühmstedt als Componist\n).\nWas des Frühverklärten Standpunkt als Componist\nanbelangt, so ist es längst anerkannt, dass er unter den\njetzt lebenden Tonsetzern eine der vorzüglichsten Stellen\neinnahm; ja, in Bezug auf sein Wissen und Können\nauf dem Gebiete des Contrapunktes konnte er füglich\num die Palme mit jedem seiner Zeitgenossen ringen. Ein-\nzelne seiner Fugen, wie die in seinen beiden letzten Orgel-\nSonaten (Op. 40 und Op. 41), sind wahrhafte Meister-\nLeistungen, die der Componist selbst den besten derarti-\ngen Erscheinungen der Vergangenheit an die Seite setzte.\nStets suchte er bei seinen zahlreichen thematischen Arbei-\nten originelle und inhaltsvolle Gedanken; nichtssagende\nPhrasen, glänzende Passagen ohne tiefere Begründung\nwaren ihm verhasst.\nAusser seiner ersten Oper, „Die Schlangenköni-\ngin\" **), componirte der Frühgeschiedene, wie er uns selbst\nmittheilte, noch zwei andere, die aber kein besseras Schick-\nsal hatten, als die erste. Kein Wunder, dass er diese Gat-\ntung der Musik fallen liess und sich mehr der ernsten,\nkirchlichen Musik zuwandte. Nach unserer Meinung war\nauch dieser Zweig der Tonkunst seinem innersten Wesen\nam angemessensten, Hier ist auch der Höhepunkt seiner\nkünstlerischen Leistungen zu suchen. Sein grosses Orato-\nrium „Die Verklärung des Herrn\" (nach Kummer\nvon Dr. Ludwig) enthält trotz des wenig fruchtbaren Tex-\ntes dennoch vieles wirklich Bedeutende. Der Schluss-Dop-\npelchor des ersten Theiles, der erste Chor des zweiten\nTheiles und der vorzugsweise fünfstimmige Chor: „0, wenn\nder Herr die Gefangenen Zions wird erlösen\" u. s. w., so\nwie das wunderschöne Septett: „Ich will euch wiederseh'n\"\nu. s. w., sind Tonstücke, die mit den besten Leistungen\nunserer Classiker rivalisiren können. Der Chor der Jünger:\n„Vater, den der Engel Chöre preisen\" u. s. w. (Nr. 11\ndes 2. Theils), ist eines der wirksamsten kirchlichen Ton-\nstücke für Männerchor. Wie schön sind auch die beiden\n%\nChöre in Op. 46 (Besponsorium u. s. w. zur Einweihung\nder Wartburg-Capelle), wie erhebend ist der Choral: „ Wer\nnur den lieben Gott lässt walten\" (im ersten Theile der\n\n*) Wir geben diesen Abschnitt aus einem uns mitgetheilten Auf-\nsatze von A. W. Grottschalg in G. W. Körner's „Urania4',\n1858, Nr. 8, als werthvollen Nachtrag zu den Briefen und bio-\ngraphischen Nachrichten in den Nummern 7, 8, 9 und 10 des\ndiesjährigen Jahrgangs der Niederrheinischen Musik-Zeitung.\nDie Redaction,\n**) Kühmstedt selbst erwähnt diese Oper in seinem Briefe vom 3.\nSeptember 1849 (s. Nr. 7 vom 13. Februar 1858) unter dem\nTitel „Die Geisterfürstin\" von L. Storch, grosse drei-\nactige Oper. Vergleiche indess die Biographie von L. M. in Nr.\n9, S. 67, wo dieselbe ebenfalls „Die Schlangenkönigin\" ge-\n, nannt wird. Die Redaction."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "180", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580605-01.1.4", "texte": "Verklärung, Nr. 17)! Wie ergreifend war der Gesang:\n„lieber allen Tiefen schweiget, über Freud' und Weh' die\nNacht\" u. s. w., den der Meister im Jahre 1850, als der\ndeutsche Gustav-Adolf-Verein in Eisenach tagte, auf der\nWartburg componirte! Wie uns der heimgegangene\nFreund mittheilte, war jenes Oratorium nicht das einzige,\ndas aus seiner Feder gellossen war; eine frühere derar-\ntige Arbeit führte der Componist einmal in seinem Ge-\nburtsorte auf. Auch in den letzten Jahren seines Lebens\nbeschäftigte ihn eine neue ähnliche Schöpfung.\nEben so bedeutsam, fast noch bedeutender, möchten\nwir Kühmstedt's Wirksamkeit auf dem Gebiete des Or-\ngelton-Satzes nennen; von den kleinsten bis zu den\ngrössten Formen hat seine Muse zahlreiche und treffliche\nWerke geliefert. Welche kirchliche Poesie athmen nicht\nseine „Augenblicke tieferen Gemüthslebens\" (Op. 31,0 p.\n37, 3 Hefte) und „Das kleine wohltemperirteClavier\" (Op.\n33)! Es ist jammerschade, dass diese beiden Wrerke, so\nwie die „Polyhymnia\", welche ausgezeichnete Bearbeitun-\ngen der besten und gebräuchlichsten Kirchenweisen dar-\nbot, unvollendet geblieben sind. Jedenfalls hat die Schuld\nnicht an dem Componisten oder an dem Verleger gelegen,\nsondern es ist dieser Verlust nur aus der Theilnahmlosig-\nkeit des Publicums, namentlich der protestantischen Kir-\nchenbehörden, herzuleiten. Die leichtesten Orgelsätze hat\nder ileissige Künstler in Op. 43 niedergelegt. Beachtung\nverdienen ferner die 25 leichten Orgelstücke des Op. 5\n(Erfurt, Körner). Von Kühmstedt's grösseren Orgel-Com-\npositionen sind hervorzuheben die grossartige\nermca~ in F-moll (Op. 29), seine Doppelfuge in H-mott\n(Op. 28). Vor Allem legte der Meister grossen Werth auf\ndas Concertstück (S. \"i 4 in seinem Meisterwerke\ndus adparnassum, Op. 4, Mainz, Schott) in E-äur, mit\nder grandiosen Fuge über die erste Zeile des Chorals:\n„Mache dich, mein Geist, bereit\" u.s.w. Recht wirkungs-\nvoll sind auch seine Variationen über den Priester-\nin arsch aus der Zauber flöte (Op. 8, Mainz, Schott).\nFin wundervolles Adagio findet sich in der ersten seiner\nOrgel-Sonaten (C-dur), Op. 38 (Mainz, Schott)*). Durch\ndie Lähmung seiner Hände musste Kühmstedt auf das Prä-\ndicat eines virtuosen Orgelspielers verzichten. Auch war\ner nicht so glücklich, je über ein tüchtiges Orgelwerk zu\ndisponiren. Was würde er erst geleistet haben, wenn er\ndurch eine treffliche Orgel immer neue Impulse für seine\nSchöpfungen erhalten hätte! Einer solchen äusseren Anre-\ngung, ohne welche die Meister der Tonkunst vieles Herr-\nliche nicht geschaffen hätten, verdanken wir die schöne\nPhantasie (ein Concertstück) in welche er nach der\nReise zur Einweihung der grossen Orgel in Lübeck (in\nder Marienkirche) von J. Fr. Schulze**; niedergeschrie-\nben hat. Rühmliche Erwähnung verdienen ebenfalls die\n„54 Präludien\" (Op. 45), welche er zum Nachtrage des\nberühmten Fischer'schen Choralbuches geschrieben hat.\nBeiläufig bemerken wir, dass Kühmstedt den ebenfalls früh\nvollendeten und schwer geprüften M. G. Fischer sehr\nhoch stellte.\nVon seinen zahlreichen Pianoforte-ComPositio-\nnen, von denen der Componist indess nur wenige veröf-\nfentlicht hat, erwähnen wir nur die grosse, seinem genia-\nlen Freunde Dr. Franz Liszt gewidmete Concertfuge\n(Op. 24) und eine grosse Clavier-Sonate (Op. 36 ,\nworin der verewigte Künstler sein eigenes, an herben\nSchicksalen reiches Leben gezeichnet hat. Es verdient diese\ndurchweg etwas düster und ernst gehaltene grossartige\nComposition einen Ehrenplatz in der neueren Sonaten-Li-\nteratur. Dass Kühmstedt auch in den kleineren freien For-\nmen des Ciaviersatzes glücklich war, beweisen seine beiden\nLebensbilder, „Die Coquette\" und „EinTraum\". Nament-\nlich letzteres Stück ist ein sehr poetischer Ciaviersatz.\nVon den grösseren Orchesterwerken des Meisters ist\nuns bloss eine grosse Symphonie bekannt, in welcher\nnamentlich die contrapunktischen Formen meisterhaft ge-\nhandhabt sind. Im letzten Jahre seines Lebens versuchte\nKühmstedt den Symphonie-Stil auch auf die Orgel zu über-\ntragen. Wenn wir nicht irren, so hat unser verklärter\nFreund im Jahre 1857 eine grosse Orgel-Symphonie ge-\nschrieben. Wenigstens theilte er uns an den erinnerungs-\nreichen Weimarer September-Tagen die Themen seiner\nneuen Schöpfung mit. Ausserdem vertraute er uns, dass\ner in dieser grossartig angelegten Composition die Cha-\nraktere Luther's und Melanchthon's künstlerisch dar-\nzustellen versucht habe. Er wollte dieses Opus seinem\nLieblingsschüler Müller aus Sulza widmen.\nFrüher schon hatte Kühmstedt für seine Schüler eine\nkleine Compositionslehre geschrieben, auf die er je-\ndoch später wenig Werth legte, als ihn schon die Ideen\nseiner neuen Musik-Theorie „der Kunst, in Tönen\nzu denken\", beschäftigten. Wir wollen hierbei gleich be-\nmerken, dass Kühmstedt gegen die Producte seiner Muse\nziemlich streng war. So wollte er z. B. durchaus nicht die\nAufführung der Fuge „Ein Tag sagt es dem anderen\"\n(S. 146 des Clavier-Auszuges zur Verklärung des Herrn\nbei dem Concerte der allgemeinen weimarischen Lehrer-\n\n*) Siehe Ritter's Orgelschuie, Bd. 3, Nr. 76.\n*) Dieser berühmte Meister hat kurz vor dem Ableben Kühm-\nstedt's ebenfalls das Zeitliche gesegnet; er starb am 9. Januar\n1858. [Die Firma Joh. Fried r. Schulze & Söhne wird\nvon den Gebrüdern Schulze fortgeführt. Herr 0. Schulze hat\nsich durch die Erfindung des „akustischen Wellen-Ap-\nparates\" rühmlichst bekannt gemacht. S. Poggend. Annaleu\nd Phvsik u. Chemie. Bd. 100? St. 4. Die Redaction.]"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "181", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580605-01.1.5", "texte": "Versammlung in Berka a. W. Gutheissen, weil sie seiner\nnicht würdig wäre. Erst nach mehrfachen Bitten fügte\nsich unser verehrter Dirigent Sein genanntes Werk über\ndie musicalische Theorie hat ihn schon lange beschäftigt;\nob er es vollständig hinterlassen hat, können wir nicht mit\nBestimmtheit angeben. So viel können wir indess bemer-\nken, dass er noch auf seinem letzten Leidenslager daran\ngearbeitet und seinen Schülern davon dictirt hat. Früher\nschon hatte der Verewigte ein sehr brauchbares Werk-\nchen geschrieben, nämlich: Die Kunst des Vorspiels\noder die Kunst der Entwicklung eines musica-\nlischen Motivs.— Was uns der edle Heimgegangene\nvon seinem Werke mittheilte, war sehr geistreich, gründ-\nlich und von mathematischer Evidenz. Dieser feste und\n• *\nklare Standpunkt, welchen der Meister in dieser Bezie-\nhung einnahm, war es auch, dass er zur musiealischen\nUnterweisung begabter musicalischer Talente sehr ge-\neignet war. Der geistreiche, oft ziemlich philosophisch\ngehaltene Vortrag, die Klarheit seiner Ideen, der sitt-\nliche Adel und die wahre Humanität, die in des treff-\nlichen Künstlers Charakter aufs schönste vereinigt wa-\nren, fesselten seine zahlreichen Schüler fürs ganze Le-\nben. Gegen die neueren Bestrebungen in der Musik\nzeigte sich Kühmstedt sehr empfänglich, und gern er-\nkannte er an, was namentlich Wagner Herrliches ge-\nschaffen habe. So schrieb er uns in einem früheren\nBriefe: „Und haben Sie nur Courage! Bedenken Sie,\nmit welcher Courage Wagner, dessen Talente ich übri-\ngens alle Gerechtigkeit widerfahren lasse, ja, welchem\nich die höchste Achtung zolle, auftritt. Er ist ein merk-\nwürdiges, wunderbares Talent, nur sein Princip und\nseine Kritik ist oft verkehrt, was er durch seine eige-\nnen Compositionen beweis't; ja, zum Theil, wo sie wirk-\nlich herrlich, himmlisch sind, da eben stehen sie mit\nseinem eigenen Princip in diametralem Widerspruch und\nstehen mit den ewigen alten Bedingungen alles Wahren\nund Schönen in Einklang.\"\nDurch mancherlei trübe Lebens-Schicksale hatte das\nWesen des Meisters etwas Ernstes und anscheinend Ver-\nschlossenes bekommen. Fand er sich jedoch im Kreise\nachtungswerther Freunde und Genossen, so entfaltete\nsich sein edler Charakter und seine reiche Bildung aufs\n/ ö\nliebenswürdigste.\n\nAnton Diabelli.\n(Nekrolog.)\nAnton Diabelli ist am 8. April dieses Jahres\nalso gerade an demselben Monatstage auch, an welchem\nvor sechszehn Jahren der Musik-Verleger, Compositeur\nund musicalische Schriftsteller Anton Andre zu Offen-\nbach der irdischen Laufbahn entrissen wurde, zu einem\nbesseren Leben entschlafen.\nEr hatte am 6. September 1781 zu Mattsee im Salz-\nburgischen das Licht der Welt erblickt. Sein Vater, der\ndort als Stifts-Musicus und Messner fungirte, war sein Leh-\nrer im Gesänge, so wie im Ciavier- und Violinspiel.\nSieben Jahre alt, wurde er als Chorknabe im Kloster\nMichaelbeuern aufgenommen. Späterhin kam er in das\nCapellhaus zu Salzburg. Die höheren lateinischen Schulen\nabsolvirte er zu München; fortwährend jedoch cultivirte er\ndie theoretisch-praktischen Musik-Studien.\nIm neunzehnten Jahre trat er als Theologe in das\nCistercienserstift Daitenhasslach. Nunmehr beschäftigte er\nsich auch mit mannigfaltigen Compositionen, welche er je-\nderzeit an Michael Haydn, den er schon von Jugend auf\nals väterlichen Freund und Rathgeber verehrte, und mit\ndem er bis zu dessen am 10. August 1806 erfolgtem Hin-\nscheiden in ununterbrochenem Briefwechsel stand, zur\nDurchsicht und Prüfung sandte.\nNach drei Jahren erfolgte die Säcularisation der baieri-\nschen Klöster. Dadurch wurden auch Diabelli's Aussichten\nfür die Zukunft zerstört, und er beschloss daher, nach\nWien zu gehen. An Joseph Haydn empfohlen und durch\nseine gründlichen Kenntnisse sich selbst empfehlend, ge-\nlang es ihm bald, seine Existenz als Pianoforte- und Gui-\ntarre-Meister zu sichern. Von den vielen angesehenen Fa-\nmilien, in denen er sich Eingang verschaffte und stets will-\nkommen geheissen wurde, sei hier beispielshalber nur das\nfürstlich Brezenheim'sche Haus namentlich angeführt.\nAm 13. November 1818 associirte er sich mit dem\nMusik-Verleger Peter Cappi und wurde am 3. Decem-\nber desselben Jahres als öffentlicher Gesellschafter vom\nk. k. Wechselgerichte protocollirt. Am 24. März 1824\naber wurde, ihm vom wiener Magistrate die Kunst- und\nMusicalienhandlung selbstständig verliehen.\nSeine unterm 3. Juni 1824 protocollirte Firma „An-\nton Diabelli & Comp.\" währte über 27 Jahre, nämlich bis\nzum 24. Dec. 1851, fort, an welchem Tage sie über Zu-\nrücklegung seines Befugnisses gelöscht wurde. Von diesem\nZeitpunkte an übernahm Herr Karl Spinadas Geschäft\nauf eigene Rechnung.\nWie sehr Diabelli durch unermüdete Thätigkeit und\nindustriöse Speculation seine Handlung zu heben und zu\nerweitern wusste, ist allbekannt. Der Verlags-Katalog,\ndurch den Ankauf sämmtlicher Artikel der nach und nach\nerloschenen Firmen: Matthias Artaria (früher M. Sprenger,\nLudw. Maisch und L. Kozeluch), Berka, J. M. Leidesdorf\n(früher Sauer & Leidesdorf), A. Pennauer, J. Träg und"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "182", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580605-01.1.6", "texte": "Th. Weig] noch vermehrt, reichte (Ende 1851) an 9000\nNummern.\nDass er aber auch, von reinem Kunstsinne geleitet,\no 7\ndas Gute kräftig*zu fördern bestrebt war, beweisen nebst\nvielen anderen die preiswürdige Sammlung einzelner Kir-\nchenstücke von Mozart, Cherubini, Joseph und Michael\nHaydn&c. „Ecclesiasticon\" betitelt; Reicha's allumfassen-\ndes Harmoniewerk, von Karl Czerny trefflich übersetzt\nund mit schätzbaren Anmerkungen bereichert;—die kost-\nspieligen Ankäufe eines grossen Theiles des Franz Schu-\nbert'schen Nachlasses u. s. w.\nNicht unerwähnt darf gelassen werden, dass er bei\nder Gewerbs-Producten-Ausstellung im Jahre 1835 mit\neiner Bronze-Medaille ausgezeichnet wurde.\nAls Tonsetzer muss Diabelli unter seinen Kunstgenos-\nsen den allerfruchtbarsten zugezählt werden. Ein grosses\nVerdienst erwarb er sich vorzüglich durch seine, durch\ndie Ueberschrift „Landmessen14 ihre specielle Bestimmung\naussprechenden Kirchenstücke. Dieselben sind wirklich also\nleicht und harmonisch fliessend angelegt und durchgeführt,\ndass sie selbst bei den beschränktesten Mitteln keine unbe-\nIriedigende Wirkung hervorbringen können.\nDas Viele, was er für den Unterricht geleistet, soll die\nNachwelt in dankbarer Erinnerung bewahren. Als rationel-\nempirischer Lehrer verstand er selbst am besten, wie der\nAnfänger allmählich dem Ziele näher gerückt werden\nmüsse. (N. W. M.-Z.)\n\nHolland.\n[Schluss der Saison.]\nDie Reihe unserer diesjährigen Musik-Aulführungen\nwurde später als gewöhnlich geschlossen, daher wir un-\nsere Mittheilung diesmal einige Wochen zu verschieben\ngezwungen waren.\nIn Amsterdam fand das 36. Cäcilien-Concert am\n12. März Statt und brachte Folgendes zu Gehör: 1) Ou-\nvertüre zum Märchen „Die schöne Melusine\" von Men-\ndelssohn; 2) Sinfonie Nr. 4, von Gade; 3) Ouver-\ntüre zu Jessonda von Spohr; 4) Sinfonie Eroica von Beet-\nheven und 5) Ouvertüre zu Iphigenie in Aulis von Gluck\nmit Schluss von Richard Wagner. Das Orchester bewährte\nauch in dieser Aufführung seinen Ruf. Herr Concertmei-\nster Bunte ist jetzt definitiv zum Director ernannt. Die\namsterdam'sche Abtheilung der Gesellschaft zur Beförde-\nrung der Tonkunst gab ihre letzte Aufführung am 12.\nMai. Programm: 1) Ouvertüre, Chöre und Entreact-Mu-\nsik zu VondeFs Trauerspiel „Lucifer\" von J. A. van\nEyken, mit verbindenden Worten von Schimmel; 2) Mir-\njam's Siegsgesang von Franz Schubert, instrumentirt\nvon J. A. van Eyken; 3) Loreley von Hiller. Sämmtliche\nWerke wurden zum ersten Male gehört, fanden sehr gün-\nstige Aufnahme. Leider war der Chor zu schwach besetzt,\nwelches vornehmlich bei Herrn van Evken's Werke zu\nJ\nbedauern war.\nIm Haag brachte die Sing-Akademie der Gesellschaft\nzur Beförderung der Tonkunst im' März Haydn's Orato-\nrium „Die Schöpfung\" zu Gehör. Ebendaselbst gab das\nPensionsfonds-Institut „Die Zukunft\" am 28. April noch\nein Concert, worin zur Aufführung kamen: 1) Sinfonie\nvon Nicolai (Mitglied des Instituts); 2) Ouvertüre zu Iphi-\ngenie in Aulis von Gluck; 3) dramatische Sin-\nfonie für Soli, Chor und Orchester von Felicien David.\nDie zwei erstgenannten Compositionen waren bekannt; das\nDavid'sche Werk hinterliess keinen entschieden günstigen\nEindruck.\nRotterdam. Die dritte Aufführung der hiesigen Ab-\ntheilung der Gesellschaft zur Beförderung der Tonkunst\nam 21. April schloss sich den vorigen Aufführungen in\nwürdiger Weise an und hatte ein sehr günstiges Resultat.\nEin zahlreiches Auditorium hatte sich eingefunden, Hän-\nders „Israel in Aegypten\" anzuhören, und trotzte in stil-\nler Andacht der beinahe tropischen Hitze, welche im Saale\nherrschte.\nEs war uns nicht möglich, die Musik-Zustände der\nProvincialstädte en detail zu behandeln. Im Allgemeinen\nkönnen wir Folgendes berichten. Am lebhaftesten wurde\nMusik getrieben in Utrecht*), Dordrecht, Leiden,\nArnheim, Deventer und Leeu warden; weniger Mu-\nsikleben herrschte in Herzogenbosch, Haarlem, Delft, Gro-\nningen und Zwolle.\nDie zeeländischen Städte Middelburg, Goes, Zie-\nrikzee und Vlissingen, welche schon seit mehreren\nJahren einen Verein für Musikfeste bildeten, werden\nauch in diesem Jahre in Zierikzee ein solches Fest am\n10. und 11. Juni veranstalten. Das Programm enthält\nFolgendes: Am ersten Festtage: 1) Geistliche Ouvertüre\nfür Chor und Orchester, Op. 31, von 0. Nicolai; 2) Sam-\nson, Oratorium von Händel. Am zweiten Festtage: 1) Sin-\nfonie Nr. 4 (C-dur)von Mozart; 2) Messe in (drei\nHymnen) von Beethoven; 3) Psalm 42 von Mendelssohn.\ni '\n\nBeurtheilungen.\nFür kirchlichen Gesang.\n\nKarl Mettner, königlicher Seminar-Musiklehrer. Li-\nturgische Chöre. Op. 5. Sammlung von Com-\n\n*) Ueber Utrecht werden wir einen besonderen Bericht mit-\ntheiJen. DieRedaction."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "183", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580605-01.1.7", "texte": "Positionen zu Bibelsprüchen und anderen geist-\nlichen Texten für Männerstimmen zum Ge-\nhrauche bei liturgischen Andachten so wie ande-\nren gottesdienstlichen Feierlichkeiten in der Kirche,\nin Seminarien und anderen höheren Unterrichts-\nAnstalten überhaupt. Erfurt und Leipzig. G. W.\nKörner. Preis 1 Thlr. Partiepreis von zwölf und\nmehr Exemplaren 20 Sgr. baar.\nDiese Sammlung, deren Zweck der altmodisch lange\nTitel genügend erklärt, enthält ausser denen des Heraus-\ngebers Compositionen von A. Bergt, Bortniansky, G.\nFlügel, Gümpelshainer (geb. 1560j, Hillmer, Kelz,\nB. Klein, Nägeli, Schnabel, Sering und Straube\nin einer Auswahl von 76 meist kürzeren Sätzen (im Stile\nder alten Italiäner und im Ganzen leicht ausführbar), für\nalle vorkommenden Feierlichkeiten im Kirchenjahre; aus-\nserdem einen Anhang von 26 ganz kurzen Sprüchen. Ohne\nauf den Werth der einzelnen kurzen Sätzchen näher ein-\nzugehen, können wir diese schöne und billige Ausgabe\nauch wegen der leichten Ausführbarkeit ihres Inhalts be-\nstens empfehlen. Findet der Verleger den erwarteten Ab-\nsatz, so verspricht er eine ähnliche Sammlung für gemisch-\nten Chor.\nKarl Heinrich Saemann, Op. 23, Motette „Ein'\nfeste Burg ist unser Gott\" für vier Singstim-\nmen und Orgel oder Pianoforte. Erfurt, G. W.\nKörner. Clavier-Auszug 1 Thlr. 5 Sgr. Die Sing-\nstimmen ä 2% Sgr.\nDiese höchst lobenswerthe Arbeit enthält sieben Num-\nmern, nämlich: 1) Des Chorals Vers 1; 2) Recitativ für\nSopran; 3) Choral Vers 2, unisono, mit lebhafter Figuri-\nrung in der Orgelstimme; 4) Quartetto, ein sehr dankba-\nres, wohlklingendes und abgerundetes Stück; 5) Die Worte\ndes 3. Verses in einem lebhaften Chor, 3/4-Tact in A-moll;\n6) Recitativ für Alt- oder Bassstimme; 7) Schlusschor:\nChoral, Vers 4; während der Sopran den\nsingt, bewegen sich die anderen Stimmen in freier Figuri-\nrung. Wir können die Arbeit im Ganzen nur loben, ob-\ngleich wir fürchten, dass im letzten Chor der Sopran (der\nChoral steht in C-dur)wegen der tiefen Lage nicht durch-\ndringen werde, es sei denn, dass der bei\ndiesem Chor durch Knabenstimmen verstärkt wird. Wo\nnur Knaben- und Männerstimmen das Werk ausführen,\nist dieser Umstand nicht zu befürchten, weil in der Regel\nbei derartigen Seminaristen-Chören die Männerstimmen\nschwach besetzt sind. Wir empfehlen dieses Werk allen\nKirchenchören angelegentlichst.\n\nV. D.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nZu dem Berichte über den Cäcilien -Verein in Frankfurt\na. M in der vorigen Nummer 22, wo die plötzliche Uebernahme der\nSopransolo-Partie in HändeFs Jephta durch Frau Nissen-Salo-\nman rühmlichst erwähnt wiri, fügen wir folgendes interessantes Fac-\ntum hinzu :\nDie tüchtige, vielseitige musicalische Bildung, die diese ausge-\nzeichnete Sängerin schon früh genossen, ist ihr schon oftmals in\nihrer Carriere sehr nützlich geworden Als sie ganz zu Anfange der-\nselben. während sie ihre Studien bei Garcia noch fortsetzte, bei der\nitaliänischen Oper in Paris engagirt war, erwartete sie eines Nach-\nmittags eine Dame, die sie auf einen Ball bei einer befreundeten Fa-\nmilie führen wollte, als plötzlich der damalige Director der italiäni-\nschen Oper, Herr Vatel, zu ihr ins Zimmer stürzte und sie flehent-\nlichst bat, ihn aus einer grossen Verlegenheit zu retten. Der Barbier\nvon Sevilla war annoncirt für denselben Abend, das Publicum fing\nschon an, ins Theater zu gehen, und Madame Persiani, welche die\nRosine singen sollte, war plötzlich .erkrankt; Madame Grisi war\ngleichfalls unwohl. Henriette Nissen hatte zwar die Haupt-Musik-\nstücke bei ihrem Lehrer studirt, aber die Rolle niemals auf der\nBühne gesungen; sie entschloss sich endlich zu dem Wagniss. Auch\nhier war weder Zeit zu einer Probe, noch zu einer Annonce, die\ndas Publicum von der vorgefallenen Veränderung hätte unterrichten\nkönnen. Unmittelbar vor der ersten Scene der Rosine, welche mit\nder grossen Arie in E-dur anfängt, erinnerte sie sich noch glück-\nlicher Weise, dass Madame Persiani diese Arie um eine Terz höher\ntransponirt, also in G-dur sang; einer jeden anderen Sängerin wäre\nes nnmöglich gewesen, diese Arie in dieser hohen Lage zu singen,\nund so schätzte sie sich glücklich, nach langen inständigen Bitten Je-\nmanden zu finden, der es unternehmen wollte, ins Orchester zu ge-\nhen und den Capellmeister davon zu benachrichtigen, da er eben so\nwenig wie das ganze Orchester, bevor Fräulein Nissen aufgetreten\nwar, begreifen konnte, wesshalb an diesem Abende die Rückän-\nderung verlangt wurde. Hinsichtlich der Recitative standen ihr die\nübrigen Mitspielenden : Lablache (Bartolo), Mario (Almaviva), Ron-\nconi (Figaro) überaus freundlich soufflirend zur Seite. Es ist be-\nkannt, dass die Persiani, welche einen Sopran der höchsten Lage,\ndahingegen wenig Mitteltöne und keine tiefen Töne hatte, nach Be-\nlieben Musikstücke nach ihrer Bequemlichkeit höher transponiren\nliess. Dieses Debüt war so überaus glänzend, dass Fräulein Nissen\ndie Rolle der Rosine für die Folge behielt, und dieser Abend wurde\nvon der ganzen pariser Presse einstimmig als eine Heldenthat ge-\npriesen.\nFrflßl2kfiii*t »• M* Ueber die drei Soireen für Pianoforte,\ndie unser verdienstvoller Pianist Herr August Buhl in der zwei-\nten Hälfte der abgelaufenen Musik-Saison veranstaltete, drängt es\nmich, Ihnen Bericht zu erstatten. Kunst ist nichts Anderes, als\nder schöne Sieg des Geistes über den Zwang der Regel, sie ist die\nschöne, verklärte Freiheit der künstlerischen Bewegung innerhalb der\nSchranken des Schönheitsgesetzes, und Schönheit ist Anfang, Mittel-\npunkt und Ende aller Kunst. Das widrig Gemeine ohne alles Mo-\ntiv ist kein Gegenstand für schöne Kunst, und wer sich nicht\nmit Abscheu von dem Gemeinen abwendet, wer es in seinen Kunst-\nleistungen nicht zu adeln versteht, der hat keinen Theil an der\nKunst, sie erkennt ihn nicht für den Ihrigen an. Und gerade weil\nHerr Buhl seine Soireen in dieser stets gleichen Reinheit gehalten,\nverdienen sie auch vor so vielen hervorgehoben zu werden, in wel-\nchen das Unkraut seichter Occasional-Producte leider täglich mehr\nüberhand nimmt. Zuvörderst nenne ich Ihnen die bedeutende Anzahl\nvorzüglicher Werke, welche Herr Buhl aus freiem Gedächtnisse aus-\nwendig vortrug. Didone abandonnata, Sonate von Clementi, Nocturne\nin F von Field, und Serenade von Thalberg, grosses Rondo in A-moll"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "184", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580605-01.1.8", "texte": "von Mozart, Phantasie-Sonate, Op. 28, von Mendelssohn, Sonate in\nAs von Weber, Kindermärchen von Moscheies und Erlkönig von\nLiszt, F-moll-Sonate, Op. 57, von Beethoven, Sonate in Fis-molt von\nHummel, Nocturne von Field wiederholt, Präludium und Allegro in\nD von Scarlatti und Railade in G-moll von Chopin. Sonach gab der\nsinnige Veranstalter dieser Concerte gleichsam eine Geschichte des\nCiavierspiels der letzten hundert Jahre und erregte mit dieser neuen\nglücklichen Idee ein ganz besonderes Interesse. Denn indem der\nFachkünstler sich in dem alten Arkadien der Tonkunst wieder zu-\nrecht und heimisch fand, fühlte sich das grössere Publicum in eine\nneue Welt versetzt und sich darin gleichsam unbewusst zu einem\nlogischen Bewusstsein des Schönen und Edlen geleitet. Herr Buhl\nhat diesen Clavier-Akademieen (wenn ich mich so ausdrücken darf),\nwelche übrigens das Maass von einer und einer halben Stunde nicht\nüberschritten und folglich nicht ermüden oder Monotonie erzeugen\nkonnten, eine gute Auswahl von Gesängen verschiedener Componisten\nbeigefügt, worunter namentlich die ,,Sehnsucht\" und zwei Duette für\nhopran und Bass von Ihrem Ferdinand Hiller besonders an-\nsprachen, und letztere gewiss grosse Verbreitung finden werden.\nUeber Anschlag, Vortrag und Stil-Auffassung so verschiedenartiger\nTonstücke, aus so heterogenen Schulen hervorgegangen, kann ich\nIhnen um so mehr ein gutes Zeugniss geben, als sich der junge\nMaöstro immer am liebsten mit dem Solo-Vortrage beschäftigt und\ndenselben zu seinem eigentlichen Elemente gemacht hat. Namentlich\nfiel eine weise Benutzung des Pedals in die Augen, welche Mässi-\ngung allein schon von einer Solidität der Idee und von der Entfer-\nnung von jeder EfFecthascherei Zeugniss ablegen würde. So hat Herr\nBuhl (wenn ich nicht irre) Mozart, Hummel, Bach, Haydn und Scar-\nlatti ohne Pedal vorgetragen und trotzdem die schönsten Effecte da-\nmit hervorgebracht. Alles brav und ehrenvoll ; nur möchte es uns\ndünken, dass neben dieser Sorgfalt auf Solidität dem freien Fluge\nund der Energie des Genius hier und da mehr Rechte hätten einge-\nräumt werden können. Indessen hoffen wir, dass bei dem ernsten\nbtreben nach Fortschritt, welches sich in diesen Soireen so sichtbar\nbekundet, auch die Aufgabe der Vereinigung des geistigen und\ngrammaticalen Princips gelös't werde, und somit sehen wir einer\nFortsetzung dieser nächstwinterlichen Soireen mit dem besten Ver-\ntrauen entgegen. — Herr Buhl spielte auf einem Mo-\nzartflügel. §M§\nHalle« Am 19. Mai starb hierselbst Joh. Friedr. Naue, Dr.\nphil. und Universitäts-Musik-Director, geboren am 17. November\n1787 allhier. Fallen auch Naue's Verdienste, die er sich in theoreti-\nscher und praktischer Beziehung um die Kunst erworben, bereits in\neine frühere Zeit, so wird doch sein Andenken fortleben in der Ge-\nschichte der preussischen Agende und der sächsich-thüringischen\nMusikfeste. Die pecuniären Verluste, die Naue durch Organisation\ndieser Musikfeste in Halle und Erfurt erlitt, brachten ihn in die be-\nklagenswerteste Lage, die den geistig regsamen Mann bis an sein\ntrübes Ende darniederbeugte.\nIn Bezug auf den Bericht aus Crefeld in Nr. 21 d. 81. ist\nuns von dem Vorstande der Liedertafel daselbst das Programm\ndes Conccrtes derselben vom 29. April, dessen jener Bericht erwähnt,\nmitgetheilt. Die Gerechtigkeit erfordert, dass wir es abdrucken. 1.\nFreiscliütz-Ouverture; Nachtgesang im Walde von F.Schubert; Lie-\nder für Tenor von Mendelssohn; Sextett für Pianoforte und Streich-\ninstrumente von AI. Schmitt; 67. Psalm von F. Schneider für Dop-\npelchor und Orchester. 11. Männergesänge von Mendelssohn, Schärt-\nlich, F. Schubert; zwei Lieder für S. T. A. und B. von Mendels-\nsohn und von Wilhelm; Quintett für Pianoforte und Blasinstrumente\nvon Mozart; \\ olkslied von Wilhelm ; Gebet der Erde von Zöllner.\n—; Die Auswahl scheint uns Abwechslung genug darzubieten.\nDie Redaction.\nProgramm zu der Feier der fünfzigjährigen Gründung\ndes prager Conservatoriums. Am 7 Juli: Früh um 10 Uhr\nHochamt und Te Deum in der St.-Jakobs-Kirche. Abends 6 Uhr\ngrosses Goncert des Conservatoriums im stand. Theater. Die En-\nsemblestücke ausschliessen 1 von den im Institute befindlichen Zög-\nlingen und die Solo-Vorträge durchgehends von Künstlern, die ihre\nAusbildung im Institute erhalten haben, ausgeführt.\nAm 8. Juli: Früh von 8— 12 Uhr und Nachmittags von 2 5\nUhr Proben für das Concert spirituel. Abends 7 Uhr Fest-Vorstellung\nim stand. Theater.\nAm 9. Juli: Abends 7 Uhr: Grosses Concert spirituel im ständ.\nTheater, a) Der 100. Psalm von Händel, b) Die neunte Sinfonie\nmit Chor von L. van Beethoven.\nAm 10. Juli: Festmahl im ständ. Baumgarten, den Herren Gä-\nsten und Festtheilnehmem gegeben durch den Verein zur Beförde-\nrung der Tonkunst.\nTheilnehmer an dem Feste sind: a) die durch eigene Schreiben\nbereits eingeladenen Gäste, Conservatorien der Musik und absolvir-\nten ehemaligen Schüler des prager Conservatoriums; b) alle beitra-\ngenden und wirkenden Mitglieder des Vereins zur Beförderung der\nTonkunst in Böhmen; c) die Professoren und angestellten Lehrer am\nprager Conservatorium ; d) alle Freunde der Tonkunst, welche durch\nden Erlag einer Anmeldangsgebühr von zehn Gulden Conv -Münze\nden Wunsch, an dem Feste Theil nehmen zu wollen, zu erkennen\ngeben.\nDie Herren Gäste und Festtheilnehmer werden dringend ersucht,\nlängstens bis zum 20. Juni ihre Absicht, an dem Feste durch ihr\nErscheinen Theil nehmen zu wollen, durch eine kurze schriftliche\nAnzeige unter der Adresse: ~An das Fest-Comite für die Jubelfeier\ndes Conservatoriums in Prag Nr. C. 600—1.\", auszusprechen und\nhiermit zugleich die alienfälligen Wohnungs-Bestellungen zu ver-\nbinden.\nDas Empfangs-Bureau ist vom 1. Juli bis inclusive 6. Juli in der\nDirections-Kanzlei des Conservatoriums Nr. C. 234 - I. 2. Stock, am\n7. und 8. Juli aber im Bahnhofe.\nPrag, im Monat Mai 1858. Das Comite.\nRom« Der seit 24 Jahren hier lebende deutsche Tonkünstler\nLouis Landsbergerist am 6. v. Mts. gestorben."}]}