{"numero_id": "bm-bmtnabi-1858-06-12-01", "volume": "bmtnabi_1858-06-12_01", "ocr_sha256": "5c6fac63526db3fd922268f5b4e4c93cf221e13518d1e6ef9ca061645e3dca2e", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1858/06/12_01/bmtnabi_1858-06-12_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580612-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1858-06-12-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-06-12_01#c001", "volume": "bmtnabi_1858-06-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "185", "page_fin": "185", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580612-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "185", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580612-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 439, "texte": "Inhalt.\nDas 36. niederrheinische Musikfest. IL Von L. Bischoff. - Aus Wiesbaden (Oper Gastspiele: Fräul. Lehmann\nFräul. Zirndorfer Herr Hahnemann Herr Humbser Concert Quartett). Von W. W. Die mainzer Liedertafel (Jahresbe-\nricht). Tages- und Unterhaltungsblatt (Aachen, Geschenk an Fr. Liszt Bückeburg, Concert Mergentheini, Liederfest\nDer Tenorist Albert Niemann Dresden, Frau Bürde-Ney, Frau Jenny Lind-Goldschmidt Wien Einsiedl London)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-06-12-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-06-12_01#c002", "volume": "bmtnabi_1858-06-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "185", "page_fin": "189", "image_debut": 1, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580612-01.2.2", "titre_corps": "Das 36. niederrheinische Musikfest.", "titre_sommaire": "Das 36. niederrheinische Musikfest.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "185", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580612-01.1.1", "debut_caractere": 441, "fin_caractere_exclue": 4237, "texte": "Das 36. niederrheinische Musikfest.\nII.\n(I. s. Nr. 23.)\nIn Bezug auf die Solisten war es dieses Mal glück-\nlicher Weise nicht auf europäische Berühmtheiten und\ngoldschwere Namen abgesehen. Eine Unsitte, die der Mu-\nsikfeste unwürdig ist, hat leider in den letzten Jahren auch\ndie Veranstalter des niederrheinischen Musikfestes dermaas-\nsen angesteckt, dass nicht bloss die Wahl der Sängerinnen\nund Sänger, sondern sogar des Dirigenten der Speculation\nauf die Anziehungskraft oder auf die augenblickliche Mode\neines Namens anheimfiel. Durch solche Jagden auf renom-\nmirte, wahre oder gemachte Künstlergrössen stellen sich\ndie Comite's auf die »Stufe speculirender Theater-Unter-\nnehmer herab, die an dem Kunstwerthe ihres In-\nstituts verzweifeln und ihrer Wirthschaft durch den\naugenblicklichen Meteorschimmer eines auf Virtuosenschaft\nreisenden Schauspielers oder Sängers aufhelfen wollen.\nDiesem verwerflichen Treiben, bei welchem es gar nicht\nauf die möglichst vollkommene Darstellung eines Kunst-\nwerkes im Ganzen, sondern allein auf das auffallende Her-\nvortreten einer einzelnen Persönlichkeit ankommt, das nur\nallzu oft ein Heraustreten aus dem Kunstwerke wird,\nsollten Concert- und vollends Musikfest-Institute grundsätz-\nlich entgegentreten und ihre höchste und ehrenvollste Auf-\ngabe gerade darein setzen, der gebildeten Welt die Macht\neiner echt künstlerischen Gesammtleistung zu zeigen. So\nwie das jetzt mehr als je überhand nehmende Herum-\nziehen der gastspielenden Theater-Virtuosen nicht etwa\ndie Blüthe, sondern die Fäulniss der dramatischen Kunst\nbekundet, und das ewige Gastiren nicht die Förderung,\nsondern der Ruin der deutschen Bühne im Drama und in\nder Oper ist, so muss auch das Herabziehen der Kometen\ndes Gesanges von ihrer Allerweltsbahn auf die Sphäre der\nMusikfeste das eigentliche Wesen dieser Feste alteriren.\nEin ernstes Kunst-Institut sollte im Interesse der Kunst\nund des Geschmacks, den es bilden soll, alle seine Kräfte\nauf das Kunstwerk, d. h. auf die künstlerische Gesammt-\nDarstellung desselben concentriren und alles fern halten,\nwas gewohnt ist, für sich allein zu stehen und irgendwie aus\ndem Rahmen herauszutreten, der das Gesammtbild um-\nfasst. Bei den Solisten eines Musikfestes darf es keineswegs\nauf irgend eine hervorstechende Eigenschaft ankommen,\nz. B. auf das Material der Stimme, oder auf Virtuosität\nder Technik, sondern auf diejenige musicalische und ästhe-\ntische Bildung, welche, neben den bis zu einem gewissen\nGrade nothwendigen Mitteln zur Ausführung, die Befähi-\ngung gibt, sich in das Ganze des Kunstwerkes zu versen-\nken, aus der Idee und dem Charakter desselben die Solo-\nPartie richtig aufzufassen und im Geiste desselben vorzu-\ntragen, sich selbst und all sein Können in den Dienst des\nKunstwerkes zu geben, nicht aber das Kunstwerk nur als\nFussgestell für die einzelne persönliche Statue zu betrach-\nten. Sind jene Eigenschaften bei einer Celebrität vorhan-\nden, wie z. B. bei Jenny Lind, nun, desto besser, wenn\nman dann eine solche Grösse ohne Nachtheil für die Ver-\neinigung der Gesarnmtkräfte, was stets die Hauptsache\nbleiben muss, haben kann, mithin ohne übertriebenes Ho-\nnorar. Dass aber auch dann noch immer das Ganze die\nHauptbedingung des Erfolgs und der künstlerischen Wir-\nkung bleibt, hahen wir bei dem Feste in Düsseldorf ge-\nsehen, wo die berühmteste Sängerin unserer Zeit zwar\nHaydns Schöpfung noch verherrlichen, aber die Schwä-\nchen von Schumann's Paradies und Peri doch nicht ver-\ndecken konnte.\nEinen neuen Beleg dazu hat bei dem gegenwärtigen\nFeste der Erfolg von Hiller's Saul gegeben. Der glänzende\nVortrag der Soli hat daran wahrhaftig keinen Theil ge-\nhabt; er hat den Erfolg nicht einmal begünstigt, ge-\nschweige denn bewirkt. Wenn man es nur einiger Maas-\nsen genau nehmen will, so war nur Herr Schneider"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "186", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580612-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5322, "texte": "(Tenor) vom Stadttheater in Frankfurt am Main im Stande,\ndie Composition vollständig zur Geltung zu bringen, wobei\nihm ausser seiner musicalischen und allgemeinen Bildung\nals Sänger und Künstler auch der Umstand zu Statten\nkam, dass die Partie des „David\" in Hillers Oratorium\nrein lyrisch gehalten und vortrefflich der Stimme und Vor-\ntragsweise des Herrn Schneider angemessen ist. Auch ge-\nhören die Nummern dieser Partie zu den melodiösesten\nSolostücken des Werkes. Fräul. Krall vom Hoftheater\nzu Dresden schien nicht gut aufgelegt. Ihre Stimme hatten\nwir uns bedeutender gedacht; für eine Charakteristik der\n„Michal\" im Saul und der „ Armide\" von Gluck reicht die\nStimme nicht aus, zumal da sie nicht von einer diesen Par-\ntieen angemessenen Vortragsweise unterstützt wurde. Die\nHöhe wird besonders im Recitativ leicht scharf, dagegen\nist das Mezza voce recht lieblich. Geistige Auffassung ha-\nben wir aber überall vermisst, wesshalb es uns denn auch\nschwer fällt, an das dramatische Leben ihres Gesanges und\nihrer Darstellung auf dem Theater zu glauben, wofern\nsie nämlich heroische Partieen in Dresden singt, was wir\nnicht wissen.\ni st * * * t f * r • M\nNoch weniger konnte Herr Stepan vom mannheimer\nTheater in der Partie des Saul genügen. Das Material sei-\nner Stimme ist mächtig, aber nicht edel und wohllautend\ngenug; auffallend fehlerhafte Aussprache und Mangel an\nAusdruck hindern, wenigstens im Concert- und Oratorien-\nVortrag, die künstlerische Wirkung. Seine Wahl war ein\nMissgriff der Direction. Der Saulist keine Effect-Par-\ntie; ihr Vortrag und die Charakter-Darstellung fordern\neinen sehr tüchtigen Sänger, der eben so sehr das Weiche\nund Milde, als das Kräftige und Schroffe des Ausdrucks\nin seiner Gewalt hat. Der Wohllaut der Stimme und\ndie Kunst der Messa di voce und des Portamento sind\nbei den schönsten Stellen dieser Partie unentbehrlich,\nwelche Herr DuMont-Fier bei der ersten Aufführung\ndes Oratoriums im December v. J. ganz vortrefflich ge-\nsungen hat. Für die gegenwärtige Besetzung derselben\nscheint der Grundsatz Variatio delectat maassgebend\ngewesen zu sein ein Princip, dessen Uebertragung auf\nein Kunst-Institut, wenn es herrschend werden sollte,\nwir gar sehr bedauern müssten.\nHerr Abiger vom hiesigen Winter-Theater sang\ndie Partie des Samuel so, wie er Alles singt, d. h. mit\nwohlklingender Baritonstimme (deren Tiefe jedoch hier\nnicht ausreichte), aber ohne geistige Durchdringung und\nohne wahren dramatischen Ausdruck.\nFräul. Jenny Meyer, ein Mezzo-Sopran von sehr\nschönem Klang und trefflicher Schule, war zu wenig\nim Saul beschäftigt, um auf den Erfolg des Ganzen von\nFlinwirkung zu sein. Die Hexe von Endor, welche der\n* ! Ü S 4fc M ' «- SS & \"S i Ss i » rfk m ■\nf.f 4'* S-] » % j§ '\nDichter vielleicht nur auf den Wunsch des Componisten\nin der dritten Abtheilung in die Handlung eingeführt\nhat, um eine zu schaffen, hat ausser einem\nrecitauvischen Dialog' mit Saul nur ein kurzes Arioso,\nwelches Fräul. Meyer übrigens recht gut und mit gros-\nsem Applaus vortrug.\nIm Ganzen genommen, waren also die aus weiter\nFerne gewonnenen Solisten (weil dies denn einmal der\nKunst-Ausdruck ist) kein eigentlicher Gewinn für das\nFest; denn in Bezug auf das künstlerische Eingreifen\nin das Ganze hätten die in der Nähe vorhandenen Kräfte\ntheilweise mehr, theilweise wenigstens dasselbe geleistet,\nund in Bezug auf die Einnahme ist durch die Namen der\nBerufenen und die gespannte Erwartung kein Thaler mehr\nin die Gasse geflossen. Das wird hier keineswegs mit dür-\nren Worten gesagt, um den diesmaligen Solosängern wehe\nzu thun oder sie herabzusetzen, sondern einzig und allein,\num die Comite's jedes und besonders des niederrheinischen\nMusikfestes darauf aufmerksam zu machen, dass ein gros-\nser und herrlicher Kunstgenuss und eine reiche Cassen-\nEinnahme zur Bestreitung der Kosten auch ohne Celebri-\ntäten ersten Ranges zu erreichen sind. Denn das wird Nie-\nmand bestreiten wollen, dass der Erfolg des diesjährigen\nFestes zu den grössten und schönsten gehört, die wir in\nder Reihe der sechsunddreissig Feste erlebt haben.\nDen Erfolg eines Musikfestes sichert das Programm,\ndie Masse und die künstlerische Tüchtigkeit des ChorS tliid\ndes Orchesters, die Einsicht zugleich mit der praktisch ge-\nwandten und sicheren Leitung des Dirigenten und die\nmöglichste Vollkommenheit der Gesammt-Ausfüh-\nrung. Es ist'ganz erfreulich, wenn man bei solchen Ge-\nlegenheiten auch einmal eine oder die andere virtuose Be-\nrühmtheit hört, allein das muss Zugabe, nicht Hauptsache\nsein und passt am besten für den dritten Festtag, wo der\nVirtuosität des Einzelnen, die allerdings auch eine berech-\ntigte Seite der Tonkunst ist, Rechnung getragen werden\nkann.\nWir kommen zum Programm des zweiten Fest-\ntages und entnehmen dem Textbuche, das nur in die\nHände der Festgenossen gekommen ist, einige Stellen der\ndort von uns gegebenen Einleitung in die aufzuführenden\nWerke:\nMit Recht bezeichnet man die musicalischen Schöpfun-\ngen der grossen Meister der Vergangenheit als monumen-\ntale; denn sie sind eben so gut Denkmale des menschli-\nchen Geistes, der Weltanschauung ihrer Zeit und der\nKunst-Epoche, in welcher sie entstanden oder die sie be-\ngründet haben, wie die Monumente der plastischen Künste.\nAber sie reden nicht durch sich selbst, wie diese, zu den\nMenschen der Gegenwart; sie erheben oder überwältigen"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "187", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580612-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5351, "texte": "nicht durch ihren blossen Anblick; denn ihr Stoff ist nicht\nirdisch, ihr Element ist Hauch und Luft. Der promethei-\nsche Funken, der sie ins Leben ruft, ist der Ton, und\nerst wenn dieser tausendstimmig durch die Luft schwingt,\nerscheint ihr Wunderbau vor dem Menschen, aber dann\nauch um so eigenthümlicher und herrlicher, weil er wahr-\nnehmbar sich jedes Mal von Neuem vor uns aufbaut, weil\ner durch den belebenden Hauch zu einem Dasein voll wirk-\nlichen Lebens empor wächst und nicht nur Einen Sinn,\nsondern die ganze Organisation des Menschen und ihre\nräthselhafte Verbindung mit dem Gefete und der Seele so\nsympathisch ergreift* durchbebt und durchschwingt, wie es\nden Erzeugnissen keiner anderen Kunst gegeben ist.\nEs ist daher eine heilige Pflicht der Gegenwart, bei\nMusikfesten, wo allein wirklich tausendstimmig an dem\nWiederaufbau jener ewigen Monumente, deren Schönheit\ntypisch geworden ist, gearbeitet werden kann, sie vorzugs-\nweise zu berücksichtigen und zu möglichst grossartiger und\nkünstlerisch vollendeter Erscheinung zu bringen.\nSo sind denn auch dieses Mal als Vertreter monumen-\ntaler Werke Johann Sebastian Bach, Christoph\nWillibald Gluck, Ludwig van Beethoven gewählt\nund die Werke: Credo aus der e, Scenen aus\nArmide und die Sinfonia eroica, von ihnen zur Auf-\nführung bestimmt worden.\nJ. S. Bach gehört zu denjenigen grossen Geistern in\nder Literatur und Kunst,\nr , « , • '\nderen Namen Jeder nennt,\nund die dennoch Niemand kennt.\nWenn dieser Spruch in Bezug auf ihn über ein halbes\nJahrhundert lang nach seinem Tode buchstäblich zu neh-\nmen war, so hat auch die gegenwärtige Zeit ihn noch kei-\nneswegs ganz und gar Lügen gestraft. Nicht nur das Volk,\nsondern auch die bei weitem grösste Zahl der Musiker\ngeht noch immer an seinen Werken, im besten Faile mit\neiner heiligen Scheu, vorüber und nährt dadurch bei der\nMenge das Vorurtheil, als sei Bach nur für die Musikge-\nlehrten. Baclfs Zeitgenossen, die steten und durch seine\nKirchenmusiken an Sonn- und Feiertagen freudig, nicht\npietistisch, erbauten Hörer, waren nicht gelehrter als wir;\naber sie hörten mit Einfalt und Hingebung zu und öffne-\nten dem Eindruck seiner Cantaten Geist und Gemüth mit\nstiller Liebe und gläubigem Herzen, wodurch sie den ge-\nnialen Schöpfer auch in den strengsten Durchführungen\nlebendiger in sich aufnahmen, als die Gelehrten, welche\nihr trockener Verstand zu nichts weiter befähigte, als in\nden contrapunktischen Verwicklungen nur den Schulmeister,\nnicht den Meister aller Schulen, zu erkennen.\nAllerdings ist es mit der Würdigung Bach's in den\nletzten fünfundzwanzig Jahren besser geworden, seitdem\nMänner wieMosewius in Breslau (seit 1825), Mendelssohn\nin Berlin und Leipzig (seit 1829), Ed. Krüger in Hanno-\nver, Hiller während seines Aufenthaltes in Düsseldorf und\nsonst, u. A. m., durch Aufführung oder Erläuterungen\nBach'scher Compositionen, namentlich der beiden Passio-\nnen, die kolossalen Schöpfungen des Heros aus dem vo-\nrigen Jahrhundert dem Auge des gegenwärtigen Geschlechts\nnäher gerückt haben. Aber die Liebe zu ihm ist noch\nnieht zum Durchbruch gekommen, und kann am wenig-\nsten dadurch dazu kommen, dass sich die Clavier-Virtuo-\nsen herablassen, eine Bach'sche Fuge in ihren Concerten\nzu spielen, wie es jetzt z. B. in Paris Mode ist. So lange\nBach's Gesangmusik nicht häufiger und wiederholter zu\nGehör gebracht wird, als bis jetzt geschieht, so lange wird\ndie musicalische Welt, wird das deutsche Volk der gegen-\nwärtigen Zeit Volk in dem Sinne genommen, wie es\nsich Mozart's Don Juan und Beethoven's Sinfonieen ange-\neignet hat Bach nicht erkennen und zu seinem Genie\nmit aufrichtiger Begeisterung und allgemeinem Stolze em-\nporblicken. Denn nur diese, die Gesangmusik Bach's, ist\nim Stande, auch dem Volke die Macht der Poly-\nphonie zu offenbaren, welche der Eingeweihte allerdings\nauch in den Instrumental-Werken des Meisters bewundert.\nFreilich sind Bach's Melodieen nicht von der Aller-\nwelts-Schönheit, die sich, durch Toilettenkünste erhöht*\nauf Promenaden und in den Salons zeigt. Ihre Schönheit\nwill aufgesucht, verfolgt, gefunden und erkannt sein; durch\nihre Wahrheit fesselt sie alsdann und übt eine unwider-\nstehliche Anziehungskraft. Das eigene Ich des Componisten,\nder Abgott der neuesten Schule unserer Zeit, verschwindet\nbei Bach: seine Musik ist die höchste Objectivität in\neiner Kunst, die doch, wie das Christenthum selbst, dem\nsie ihre Entstehung verdankt, in der Subjectivität wurzelt.\nDiese Objectivität, die hervorstechende Eigenthümlichkeit\nBach's, bricht mit der Kraft der Wahrheit durch, sobald\nsie durch die Aufführung von Bach'sehen Werken in die\nErscheinung tritt, wo sie dann aus den brausenden Tiefen\nder Tonwandlungen und den in einander strömenden Wo-\ngen der Vielstimmigkeit wie eine Göttin emportaucht.\nDer Reichthum der Kunst des alten Sebastian, der\nüberall frei, selbstständig und in allen Regionen des Ton-\nlebens heimisch ist, ist denn vorzüglich auch in dem\nder 11-moll-Messezu bewundern. Die beiden ersten Sätze\nderselben, das Kyrie und Gloriasind nach einem Schrei-\nben Bach's, mit welchem er sie an Friedrich August, Kur-\nfürsten von Sachsen, gesandt, im Jahre 1733 (der Briel\nist vom 27. Juli) componirt, die übrigen Sätze in den nächst\nfolgenden Jahren, wiewohl Bach im\nund Agnus Deifrühere Compositionen zum Theil benutzt\nhaben soll. (Vergl. J. Rietz' Vorwort zum VI. Bande von"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "188", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580612-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5364, "texte": "Bach's in Werken der neuen Ausgabe durch die.Bach-\nGesellschaft in Leipzig.)\nDas Credo besteht aus neun Sätzen. Der erste, fünf-\nstimmig, ist auf den Choralgesang des Rituals ge-\nbaut, welchen der Tenor anstimmt, der Bass, der Alt, der\nerste Sopran, der zweite, und dann die erste und endlich\ndie zweite Violine nach und nach aufnehmen—ein Kunst-\nwerk, über dessen Ausdruck und Innigkeit man die unend-\nlich feine contrapunktische Combination vergisst. Da es\nmit dem Einsatz des Tenors allein beginnt und bei der ge-\ngenwärtigen Aufführung die Eröffnung des zweiten Con-\ncerts bildete, so hatte Herr Capellmeister Hiller ein kurzes\nVorspiel für Blech-Instrumente auf das Haupt-Motiv ge-\nsetzt, wodurch in etwa dem entsprochen würde, was in der\nKirche durch die Intonation des Priesters vorhergeht.\nAehnliches hatte schon Ph. Emanuel Bach bei einer Auf-\nführung desselben Credo in Hamburg im Jahre 1786 für\nnothwendig gehalten; seine Instrumental-Einleitung ist\nhandschriftlich auf der k. Bibliothek zu Berlin vorhanden.\nWir wollen auch noch auf die Anwendung einer zwei-\nten Choral-Melodie aufmerksam machen, welche im\nConfiteor gegen Ende erst im Bass und Alt als Canon\nin der Quinte, und dann im Tenor allein, aber in der\nVergrösserung intonirt wird, während die übrigen Stim-\nmen die anderen Motive des Satzes durchführen.\nWas soll man nun dem Haupt-Motiv des und\ndiesen Stellen im Confiteor gegenüber sagen, wenn man in\nL. A. Zellner's Analyse von F. Liszt's Graner Messe lies't,\ndass dieselbe „Unica, nicht Menschengedanken, sondern\ndirecte Offenbarungen der Göttlichkeit enthält,\ndie jeden Versuch einer Wiederholung ähnlicher Schöpfun-\ngen abweisen. Halten wir uns nur in letzterer Beziehung\ndie unmittelbar aus ritualem Schoosse emporge-\nsprossene Gestaltung des Fugen-Thema's im Gloria und\ndes Haupt-Motivs vom Credo gegenwärtig. Könnten\nwohl solche Gestaltungen, ohne Plagiat oder wenig-\nstens Nachbildung zu werden, ein zweites Mal entste-\nhen? Der Ritus wenigstens besitzt für das und\nkein zweites Motiv.\" —Die Welt kehrt sich also um: das\n„aus ritualem Schoosse Emporgesprossene\", die „directe\nOffenbarung0 u. s. w. war bereits vor hundert und fünf-\nundzwanzig Jahren als Plagiat aus der Graner Messe\nda! Was soll noch aus der musicalischen Kritik werden ?!\nDem ersten Satze folgt bei den Worten Patrem omni-\npotentem eine vierstimmige Fuge, dann ein Duett für So-\npran und Alt; nach dem tiefen und herrlichen Et inear-\nnatus (fünfstimmig) und dem eben so ergreifenden Cruci-\nfixus (vierstimmig) tritt ein prachtvolles fünfstimmiges Et\nresurrexit ein, in welchem wir besonders auf die originelle\nW eise aufmerksam machen, mit welcher Bach die Textes-\nstelle: „Et Herum venturus est— judicaturus vivos et\nmortuos\", die bei späteren Componisten so häufig einer\nunangemessenen Wortmalerei anheim fällt, dem Chorbass-\nSolo in einer höchst energischen Melodie von zwölf Tacten\nzutheilt, die an die gewaltigen Pedal-Solostellen in seinen\nOrgel-Compositionen erinnert. Sie schliesst in\nworauf das Haupt-Motiv des Resurrexit auf „Cujus regni\nnon erit finisuin dem Glänze des wieder einfällt.\nNach einer Bass-Arie „Et in Spiritum\" &c. tritt das be-\nreits erwähnte Confiteor fünfstimmig ein und geht in unbe-\nschreiblich schönen Combinationen und Modulationen zu\neinem lebhaften Schlusssatz Et exspecto resurrectionem über.\nDie niederrheinischen Musikfeste haben erst zwei Mal\nMusikstücke von Bach auf ihrem Programm gehabt, die\n„Himmelfahrts-Cantate\" im Jahre 1838 zu Köln und die\nCantate: „Christ, unser Herr, zum Jordan kam\", nebst\ndem Schluss-Chor aus der Cantate Nr. 21: „Würdig ist\ndas Lamm\", im vorigen Jahre zu Aachen. Das aus\nder hohen Messe ist demnach sowohl dem Umfange (an 90\nSeiten, wobei viele Doppelseiten, der Partitur der neuen\nleipziger Ausgabe), als dem Inhalte nach das Bedeutendste,\nwas von Bach auf unseren Festen bis jetzt zu Gehör ge-\nkommen.\nDie Ausführung hat auf das erfreulichste bewiesen,\ndass Bach's Gesangmusik auch auf die Masse der Zuhörer\ngewaltig wirkt,—eine Meinung, welche Mosewius in Bres-\nlau, der bekanntlich mit seiner Akademie vorzugsweise\nBach studirt und aufführt, schon längst ausgesprochen hat,\nund die wir auf der Stelle theilten, als wir die ersten voll-\nchörigen Proben am Flügel gehört hatten. Allen Chor-\nsätzen folgte der lebhafteste Beifall, und nach dem präch-\ntigen Schluss-Chor brach ein allgemeiner Applaus im gan-\nzen Saale aus und wiederholte sich drei Mal. Wir müs-\nsen aber auch gestehen, dass der zahlreiche diesjährige\nChor von frischen, klangvollen rheinischen Stimmen, im\nVerein mit den trefflich akustischen Verhältnissen des\nneuen Saales, schwerlich seines Gleichen irgendwo finden\ndürfte und den Triumph, den er besonders in dem Bach'-\nschen Credo feierte, vollkommen verdiente.\nDie Einleitungs-Tacte, die Hiller zu dem Credo ge-\nschrieben, welches ohne alle Instrumente mit der Choral-\nMelodie im Tenor einsetzt, machten nicht die von uns ge-\nhöre Wirkung; sie enthielten zwar dasselbe Choral-Mo-\ntiv, allein es trat nicht genug als Intonation hervor und\nschien uns durch die Harmonie zu sehr verdeckt. Etwas\nmusste freilich die Eröffnung bilden, zumal da das Credo\nden Anfang des ganzen Concerts machte; allein dass das\ngewählte Auskunftsmittel dem pomphaften Eintritt des\nCantus firmus im Tenor Eintrag that, wird sich nicht läug-\nnen lassen. Ein einzelner gehaltener Accord mit einer fol-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "189", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580612-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1162, "texte": "genden Pause hätte vielleicht genügt. In Bezug auf den\ndynamischen Ausdruck, überhaupt auf den Vortrag dieser\nund ähnlicher Compositionen älterer Meister, die denselben\ngar nicht bezeichneten (in der H-mott-Messe z. B. ist höch-\nstens in den Solostücken beim Eintritt der Singstimme ein\nPiano im Grundbass oder auch in den Violinen angezeigt),\ndürfte man unserer Ansicht nach, ohne sich ein Gewissen\ndaraus zu machen, einige Abwechslung und Schattirung\ndurch piano und forte (hier z. B. im Et incarnatus est,\nim Crucifixusund im Confiteor)anbringen. Wenn wir da-\nmit auch keineswegs den übertriebenen, bis ins kleinlichste\nDetail gehenden Ausdrucks-Bezeichnungen, welche neuere\nHerausgeber der Kirchenmusiken alter Niederländer und\nItaliäner mit Zeichen und Worten angegeben haben, das\nWort reden wollen, so scheint uns doch die durchweg\ngleiche Tonfärbung zu pedantisch nach der anderen Seite\nhin. Bei einer Musik aus dem vorigen Jahrhundert, welche\ndoch immer den Verstand vorzugsweise beschäftigt, sollte\nman, wenn sie jetzt gesungen wird, dem Gefühl durch\nden Ausdruck mehr Rechnung tragen, als dies gewöhnlich\nbei den betreffenden Aufführungen der Fall ist."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-06-12-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-06-12_01#c003", "volume": "bmtnabi_1858-06-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "189", "page_fin": "190", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580612-01.2.3", "titre_corps": "Aus Wiesbaden.", "titre_sommaire": "Aus Wiesbaden.", "signature_source": "w. w", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "189", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580612-01.1.5", "debut_caractere": 1164, "fin_caractere_exclue": 5159, "texte": "Aus Wiesbaden.\n\n[Oper Gastspiele: Fräul. Lehmann Fräul. Zirndorfer\nHerr Hahnemann Herr Hnmbser Concert Quartett.]\nDen 25. Mai 1858.\nSeit dem Wiederanfange der Vorstellungen nach den\nkurzen Osterferien war schon ein rechtes Leben und Re-\ngen auf den Brettern zu bemerken, welche die Welt be-\ndeuten. Nächst dem Raimund'schen „Verschwender\" kam\nzunächst „Tannhäuser\" mit der Besetzung unseres eigenen\nPersonals (Tannhäuser: Herr Peretti, der wieder für eine\nReihe von Jahren für die hiesige Bühne gewonnen ist;\nElisabeth: Fräul. Uhrlaub; Landgraf: Herr Eichberger)\ndaran. Fräul. Lehmann, eine Dänin von Geburt, als erste\nSängerin der deutschen Oper in Amsterdam auf dem Zet-\ntel bezeichnet, gastirte in Norma in der Titelrolle mit gros-\nsem Beifalle. Die Stimme der Sängerin ist ein Mezzo-So-\npran. Ihre Coloratur ist anerkennenswert!), doch nicht im-\nmer rein und von forcirtem Wesen frei; ihr Triller ist\nauch kein rechter Triller. Von Spiel und Mimik war nicht\nviel Rede. Herr Peretti wusste sich alle Geltung zu ver-\nschaffen, die ihm seine Stimme nur gestattet. Das vorzüg-\nliche Spiel sichert ihm noch immer durchdringenden Er-\nfolg. Fräul. Herbold (Adalgisa) ist die einzige Sängerin am\nWiesbadener Theater, die rein singt, ohne Uebertreibung,\nmit Schule und Geschmack. Ihr Spiel ist natürlich und ge-\nwinnend.\nIn der Zauber flöte gastirten als Sarastro Herr Hah-\nnemann vom olmützer Theater, als Pamina Fräul. Zirn-\ndorfer vom grossherzoglichen Hoftheater in Darmstadt,\nals Sprecher ein Herr R. Müller, der besser gar nicht\ngesprochen, resp. gesungen hätte.\nFräul. Zirndorfer war die erquicklichste Erscheinung\ndes Abends. Ihre Stimme hat eine ausgiebige Kraft,\nSchmelz und jenes Seelische, was sich nur empfinden, nicht\nbeschreiben lässt. Dabei ist ihre Erscheinung immer so\nideal, so anziehend, dass man ganz Ohr und Seele für ihre\nLeistungen ist. Für den grossen Haufen ist sie freilich keine\nSängerin, auch keine Schreierin aber eine rechte Prie-\nsterin der reinen Tonkunst. Herr Hahnemann war ein ge-\nmüthlicher Sarastro ohne Priester- und Königswürde; er\nist Anfänger in Gesang und Spiel und muss noch gründ-\nliche, anhaltende Studien machen, ehe er auf den Namen\n„Sänger\" Anspruch machen kann. Wie sehr bedauert\nman beim Anblicke solcher Sänger, die nicht sprechen,\nnicht gehen können, die Hände nicht zu lassen wissen,\nkeine passende Mimik oder gar keine haben, eine wohl-\norganisirte Theaterschule in Deutschland! Das Aushalten\neines der Stimme natürlich eigenen tiefen Tones macht ja\nnoch lange keinen Sänger; das grosse Publicum verwun-\nderte sich darüber, allein solche Anerkennungen sind für\neinen Anfänger sehr gefährlich. Was ihm heute Abends\nunaussprechlich blieb, versuchte er an einem der nächsten\nAbende in einem Concerte auf der chromatischen Stahl-\nzitter heraus zu zittern!\nFräul. Lehmann und Fräul. Zirndorfer gastirten ferner\nals Donna Anna und Donna Elvira im Don Juan. Es lässt\nsich über beider Sängerinnen Leistungen nur das vorher\nGesagte wiederholen. Herr Eichbergerist ein echter\nLeporello; er ist der theoretisch und praktisch meistgebil-\ndete Sänger unserer Bühne und sein demnächstiger Ab-\ngang nach Dresden sehr zu bedauern.\nGästen zu Liebe hörten wir dann die Hugenotten.\nFräul. Lehmann (Valentine), Herr Hahnemann (Marcellj,\nHerr Meffert vom mainzer Theater (Raoul) waren solche,\nneben denen von unserem heimischen Personale Fräul.\nHartmann (Margarethe von Valois), Fräul. Herbold (Ur-\nbain), Herr Simon als Graf von Nevers zu erwähnen sind.\nFräul. Lehmann steht unseres Erachtens den Leistungen\ndes Fräul. Stork, jetzt in Braunschweig, in dieser Rolle\nbedeutend nach. Es fehlt ihrer Stimme, ihrem Spiel, na-\nmentlich ihrer Mimik die rechte Innerlichkeit. Herr Hah-\nnemann konnte nicht genügen für diese Partie. Er sollte\nsich erst in kleineren Partieen alles dasjenige vollkommen\naneignen, was ihm jetzt noch fehlt. Herrn Meffert's Stimme\nhat immer noch schöne Töne, obwohl sie auch schon an-\ngegriffen ist. Sein Spiel ist ganz vorzüglich. Fräul. Hart-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "190", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580612-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4181, "texte": "mann von hier rnuss sich grösseren Maasses befleissigen:\ndurch Ueberstürzuiig und Mangel an innerer wie äusserer\nRuhe wird sie sonst noch manche Passage verderben.\nSonst ist es ihr sichtlich Ernst mit ihren Rollen; nur zün-\ndende Funken, nicht einmal erwärmende, sprühen nicht\nin das Herz des Hörers. Die Dame ist übrigens eine durch-\naus schöne Persönlichkeit.\nMit besprochener Vorstellung kamen die Gastdarstel-\nlungen des Fräul. Lehmann zu Ende, nicht die des Herrn\nHahnemann, welcher mit dem Tenor Herrn J. M. Humb-\nser vom hamburger Stadttheater seinen Gastrollen-Cyklus\nfortsetzte. Herr Humbser trat hier jüngst als. Eleazar in\nder Jüdin auf, Herr Hahnemann mit ihm als Cardinal\nBrogny. Die Stimme Herrn Ilumbser's ist sehr schön,\nweich, wo und wann sie es sein soll, durchdringend und\ndas Orchester übertönend, wenn es die Situation erheischt.\nSein Spiel ist gross und ergreifend; einen Vergleich mit\nTichatschek hält er freilich nicht aus. Trotz der Kraft fehlt\nseiner Stimme eine gewisse Frische, Helle und Klarheit;\nsie ist wie von einem Flor umfangen. Diese Erscheinung\nist wohl keine Folge der Reise, sondern scheint stereotyp;\ndie neuen Schrei-Opern sind die alleinige Ursache solcher\nVorboten eines langsam vorschreitenden, sicheren Ruins\nder Stimme. Aber das Publicum will Schreier Prima-Sorte,\ndazu Spiel, das unsere ersten Tragöden beschämen soll.\nDas ist auch etwas Unsinniges. Ein schöner Gesang steckt\ndem begleitenden, resp. dem unterstützenden Spiel seine\nGränzen; werden diese überschritten, so muss ganz gewiss\nder wahre, keusche Gesang leiden. Herr Hahnemann war\nwieder an Würde und Priesterhoheit kein Cardinal. In\ndieser Rolle war unser Herr Thelen ein ganz anderer Sän-\nger und Darsteller, trotzdem, dass er damals im Beginne\nseiner Theater-Laufbahn stand.\nFräul. Uhrlaub ist eine brave Sängerin und unter-\nstützt ihren Gesang sehr wirksam durch ein richtiges, den\nZuhörer erwärmendes Spiel. Sie war sehr gut als Recha.\nWir warnen sie nur vor dem Zuviel in Gesang und Spiel.\nHerrn Humbser's zweite Gastdarstellung war Ernani\nin der gleichnamigen Oper. Wir waren verhindert, dieser\nAufführung beizuwohnen. Herr Humbser trat nun auch\nals Tannhäuser auf,— eine Oper, die wir seit Beginn der\nVorstellungen schon einmal hatten mit Herrn Peretti als\nTannhäuser. Die Leistungen des Herrn Peretti sind immer\nnoch befriedigend, wenngleich man hin und wieder sehr\nbedauern muss, dass seine Stimme solchen Rollen nicht\nlange mehr gewachsen bleiben kann. Sie werden sagen,\nbei uns sei ja ein rechter Wagner-Cultüs, wenn ich noch\nnachtrage, dass wir innerhalb dreier Wochen zweimal auch\nden Fliegenden Holländer hier hörten. Ich darf aber\nnicht verhehlen, dass der zweite Act dieser Oper sehr viele\nSchönheiten hat in Bezug auf getragenen Gesang und rich-\ntige Schätzung der Situationen. Die hohle, nichtssagende\nDeclamation, resp. Malerei, tritt dort vor dem reinen Ge-\nsänge zurück.\nHerrn llumbser's Gesammtleistung als Tannhäuser\nreiht sich würdig und ebenbürtig denen hervorragender\nSänger in dieser Bolle an. Allein Heiserkeit machte den\nErfolg unmöglich.\nSeit einem Jahre haben wir auch hier ein kleines\nBallet unter Direction des Balletmeisters Opfer mann.\nHerrri Opfermann's (Sohn) und Fräul. Opfermanns Lei-\nstungen sind ausserordentlich, und dürften sie ein Stolz\ngrösserer Bühnen sein jedenfalls aber werden.\nDie Quartett-Soireen der Herren Bäldenecker,\nGrimm, Scholle und \\\\ eyner, welche einen Cyklus\nvon Quartetten der drei bekannten Heroen brachten, fan-\nden auch diesen Winter wieder Statt. Ausserdem veran-\nstaltete der Cäcilien-Verein in Verbindung mit unserem\nvorzüglichen Theater-Orchester, unter Leitung seines Chefs,\ndes Herrn Capellmeisters Hagen, drei Concerte, in wel-\nchen zum grössten Theile classische Sachen zur exacten\nAufführung kamen. ;\nAm 28. Mai wird hier ein Ereigniss Statt finden, nicht\netwa die Sprengung der Bank, sondern die Aufführung\nder neunten Sinfonie von Beethoven und als Zugabe\nwerden wir Händ ei s Alexanderfest zu Gehör bekommen.\nIch werde Ihnen darüber, so wie über die musicalischen Er-\neignisse während der Saison und über das hier im Sep-\ntember Statt findende grossartige Musikfest rechtzeitig\nberichten.\n\nw. w."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-06-12-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-06-12_01#c004", "volume": "bmtnabi_1858-06-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "190", "page_fin": "191", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580612-01.2.4", "titre_corps": "Die mainzer Liedertafel.", "titre_sommaire": "Die mainzer Liedertafel.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "190", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580612-01.1.6", "debut_caractere": 4183, "fin_caractere_exclue": 5062, "texte": "Die mainzer Liedertafel.\nDieser Verein besteht jetzt im zwölften Jahre. Er war\nursprünglich nur für Männergesang gegründet, und ist dies\nauch noch seine Hauptbestimmung. Seit einem Jahre hat\ner sich aber auch zur Aufführung von Winter-Concer-\nten mit dem »Damengesang-Verein\" in Mainz verbunden\nund dadurch allerdings eine grössere Bedeutung für die\nmusicalischen Zustände dieser Stadt gewonnen.\nDie Liedertafel zählte (am Ende des v. J.) 173 active\nund 237 nicht active Mitglieder. Präsident des Vorstandes\nist Herr Franz Schott, Musik-Director Herr Marpurg.\nDer Damcngesang-Verein hat 98 active Theilnehmerinnen.\nDie Jahres-Einnahme von beiden Vereinen durch die lau-\nfenden Beiträge, Eintrittsgelder und Concerte betrug im\nJahre 1857 3741 Fl. 3 Kr., die Ausgaben, einschliess-\nlich 100 Gulden an das Hülfs-Comite der durch die Pul-\nver-Explosion Verunglückten, 3636 Fl. 15 Kr."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "191", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580612-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3857, "texte": "Auffallend ist dabei, dass die Winter-Concerte und\nFestlichkeiten 1428 FL 55 Kr. gekostet, erstere aber nur\n479 Fl. 36 Kr. von dem ausser den Vereinen stehenden\nPublicum aufgebracht haben. Der Jahresbericht des Vor-\nstandes spricht sich darüber folgender Maassen aus :\nrDie Theilnahme des ausser dem Vereine stehenden\nPublieums war zwar nicht so lebhaft, wie wir solche im\nInteresse der Sache wünschen müssen, es mögen hier\ndie ungünstigen Zeitverhältnisse, besonders die traurige\nKatastrophe, störend eingewirkt haben; aber als wichtigste\nErrungenschaft heben wir hervor, dass die Kräfte unserer\nVereine sowohl als jene des hiesigen Orchesters hierbei\nGelegenheit hatten, sich in den anerkannt schwierigsten\nTonwerken zu versuchen, und wir freuen uns, es ausspre-\nchen zu können, dass die günstigen Erfolge bereits theil-\nweise unsere an dieses Unternehmen geknüpften Hoffnun-\ngen verwirklicht haben.\n„Unser Musik-Director, Herr Marpurg, hat den von\nuns gehegten und bei Beginn dieses Jahres ausgesproche-\nnen Erwartungen vollständig entsprochen; desshalb lassen\nSie uns dahin streben, dass auch er seine Wünsche nach\nlocaler Möglichkeit erfüllt sehen und unserem Vereine\nrecht lange erhalten bleiben möge, und seien Sie unserer\ndringenden Bitte eingedenk, ihn in seinem eifrigen Wir-\nken durch zahlreiche und regelmässige Theilnahme zu un-\nterstützen. \" ,\nBei einer Stadt von nahezu 40,000 Einwohnern mit\neiner starken Garnison reichen die angeführten Ursachen\nkaum hin, den auffallenden Mangel an Theilnahme zu er-\nklären. Wenn der Fremde sieht, wie stark zu Mainz im\nSommer die Orte besucht werden, an welchen man die\nallerdings recht gute Regiments-Musik der österreichischen\nund der preussischen Truppen hören kann, so wird man\nes ihm kaum verargen können, wenn er den Schluss zieht,\ndas mainzer Publicum huldige einer musicalischen Ge-\nschmacksrichtung, welche weniger im Concertsaale als\nausser demselben ihre Nahrung findet. Und doch werden\nnur fünf Abonnements-Concerte während der Saison ge-\ngeben.\nDie Programme derselben verdienen alle Beachtung,\nda in ihnen die Aufführung guter und meist classischer\nMusik vorherrscht, ohne die neueren Componisten zu be-\neinträchtigen. Von Werken letzterer finden wir F. Ilil-\nler's 125. Psalm für Solo-Tenor, Chor und Orchester;\nJoach. Raff's dramatische Ouvertüre zum Schauspiel\n„Bernhard von AVeimar\" (über den Choral: »Ein feste\nBurg\" u. s. w.); F. Liszt's Les Preludes, symphonische\nDichtung; R. Scliumann's Paradies und Pcri; Bernh.\nScholz, David's Klage oder Saul und Jonathan (2. Sa-\nmuel 1, 19—27) für Tenor-Solo, Chor und Orchester,\nund das Reiterlied von F. Liszt. Von älteren Gesang-\nwerken finden wir: Lotti's achtstimmiges Crucifixus,\nMozart's Ave verum corpus,Mendelssohn's erste Wal-\npurgisnacht, Hymne für Sopran-Solo mit Chor; Scene aus\nGluck's Iphigenie in Tauris (Frau Werner); J. Haydn's\nSchöpfung (Extra-Concert für die Armen); Mendels-\nsohn's Sinfonie-Cantate „Lobgesang\"; „Elias\" (Extra-\nConcert für die Verunglückten); Beethoven's Meeres-\nstille und glückliche Fahrt. Einige Männerchöre.\nVon Orchester werken wurden gegeben: Sinfonie in\nEs von J. Haydn; Ouvertüre zu Coriolan und die neunte\nSinfonie von Beethoven; Meeresstille u.s.w., Ouvertüre\nvon Mendelssohn; Ouvertüre zu Oberon und vollstän-\ndige Musik zu Preciosa von C. M. von Weber; Sinfonie\nin C von F. Schubert. —Ferner trug Herr Concertmei-\nster Becker aus Mannheim Spohr's Violin-Concert Nr.\nVIII. und B eethoven's Violin-Concert vor; auch wurde\ndas schöne, selten gehörte Concert für zwei Flügel in Es,\nOp. 83, von Mozart von einer Dilettantin und Herrn\nMarpurg gespielt.\nDiese Programme sprechen jedenfalls vortheilhaft für\ndas Streben des jungen Concert-Instituts, und verdienen\ngewiss die ganze Theilnahme des Publicums, selbst dann,\nwenn man sich die Aufgabe auch hier und da vielleicht\netwas zn hoch gestellt hätte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-06-12-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-06-12_01#c005", "volume": "bmtnabi_1858-06-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "191", "page_fin": "192", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580612-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "191", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580612-01.1.7", "debut_caractere": 3859, "fin_caractere_exclue": 5508, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nDas Pfingstfest-Comite der Stadt Aachen hat jüngst dem Dr.\nFranz Liszt sein in Silber ausgeführtes Portrait-Medaillon über»\nsandt als eine Erinnerungsgabe an seine Leitung des vorigjährigen\nPfingst-Concertes. Der Künstler, aus dessen Hand das Portrait her-\nvorging, ist der Bildhauer Mohr in Köln, welcher in diesem Bild-\nnisse, was charakteristische Aehnlichkeit, lebendig sprechenden Aus-\ndruck und Feinheit der Modellirung angeht, eine wahre Meister-\narbeit geliefert hat.\n* Hiiel&elHßrg« Unter Leitung des Hof-Capellmeisters Jos.\nSchmidt kamen am 7. d. Mts. zwei Theile des „Messias\" zu Ge-\nhör. Die fürstliche Familie beehrte die Aufführung durch ihre Ge>-\ngenwart. Der Ertrag ist für das Händel-Denkmal in Halle bestimmt.\nZu Mergentheim wurde am 24* Mai ein Liederfest des\ni\nschwäbischen Sängerbundes gefeiert, zu welchem sich auch\nviele Gäste aus Baden und Baiern eingefunden hatten, unter Ande-\nren die Liedertafel von Würzburg mit 73 Sängern (Dir. Brandt).\nDie Gesammtchöre leitete Herr Musik-Director Maschek aus Ileil-\nbronn, da Herr Prof. Faisst in Stuttgart plötzlich verhindert wor-\nden war. So viel darf gesagt werden: So gut wie in Ravensburg\n.1855 und hier in Mergentheim ist kaum anderswo in Schwaben im\nMännerchor gesungen worden. Bei den Klängen des ~Grosser Gott,\nwir loben dich\" u. s. w. Entblössten sich in feierlicher Stille plötz-\nlich, von dem gewaltigen Eindruck überwältigt, alle Häupter, und\nals Vater Arndt's „Was ist des Deutschen Vaterland\", nach län-\ngerer Pause einmal hier wieder in sein Recht eingesetzt, die Reihe\nder Gesänge schloss, da brach die allgemeine Begeisterung im Hoch-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "192", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580612-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4875, "texte": "rufe auf das deutsche Vaterland sich Bahn. Der unläugbar vorhan-\ndene Schwung der Sänger, 900 an der Zahl aus über 40 Vereinen,\ndie günstige Localität und Maschek's treffliche Direction wirkten zu-\nsammen, um der Haupt-Aufführung den Glanz einer in jeder Be-\nziehung gelungenen zu verleihen. Als ein wahres Muster eines schö-\nnen, durch Stimmbildung, Nuancirung und Belebtheit ausgezeichne-\nten Gesanges ist der Vortrag der auch durch ihre Zahl (73) hervor-\nragenden Würzburger Liedertafel zu bezeichnen. Sie erhielt eine\nprachtvolle, das mergentheimer Stadtwappen darstellende, von mer-\ngentheimer Damen gestickte Fahne.\nDas Hand-Lexikon der Tonkunst, zusammengestellt von\nC. Göllmick, verlegt von J. Andre, 1857, gibt in zwei Abtheilun-\ngen in der ersten die kurze, mitunter freilich sehr kurze Erklärung\nder musicalischen Terminologie, in der zweiten biographische Noti-\nzen über Musiker, musicalische Schriftsteller u. s. w. Es erfüllt die\nbescheidenen Ansprüche, die es macht, in Bezug auf den augen-\nblicklichen Bedarf ganz gut.\nDer Tenorist Albert Niemann in Hannover, mit welchem\nsich Fräulein Marie Seebach verlobt hat, ist zu Erxleben bei\nMagdeburg um das Jahr 1831 geboren. Er ist aus dem Chor (des\nTheaters zu Dessau) hervorgegangen, wie so viele berühmte Sänger.\nNachdem er in Darmstadt und Worms aufgetreten, entwickelte sich\nin Halle seine herrliche Stimme und zugleich ein ausserordentliches\nSchauspieler-Talent sehr schnell, so dass er jetzt als Helden-Tenor\ntür die Bühne keinen Nebenbuhler haben dürfte.\nDresden. Frau Bürde-Ney widmete einen Theil der Er-\nträge ihrer diesjährigen Kunstreise wohlthätigen Zwecken, und zwar\n50 Friedrichsd'or und 40 Louisd'or zur Errichtung des Weber-\nDenkmals, 40 Louisd'or dem Pensionsfonds des hamburger Stadt-\ntheaters u s. w.\nJenny Lind-Goldschmidt hatte bekanntlich, nachdem sie\ndie projectirte Reise nach Russland aufgegeben, seit längerer Zeit\ndie Absicht, ihren bisherigen Wohnort Dresden zu verlassen und\nnach England überzusiedeln. Dieses Vorhaben hat sie nunmehr zur\nAusführung gebracht. Nachdem in Dresden fast sämmtliche Mobi-\nlen verkauft sind, wurde eine nicht unbedeutende Anzahl von Collis\nmit Werthsachen u. s. w. in voriger Woche über Hamburg nach\nEngland spedirt, wo Jenny Lind in Zurückgezogenheit auf einer\nVilla in der Nähe von London auf ihren Lorbern ausruhen will.\nWien, 3. Juni. Am verflossenen Sonntage feierte der Sing-\nVerein der Gesellschaft der Musikfreunde sein Gründungsfest durch\nein Hochamt in der Hofburg-Pfarrkirche zu St. Augustin und führte\ndabei unter Leitung des Professors Herb eck die Messe He Con-\nfiteor von Palästrina, ein Benediclus von Hauptmann, Graduelle von\nHerbeck, Offertorium von Pertina auf.\nFür unsere kirchlich-musicalischen Zustände war die Aufführung\nder L i sz t' sehen Graner Messe ein Ereigniss von ungeheuren Folgen.\nStatt uns, trotz Broschüren und anderweitigen geistreichen Aufsätzen,\nzu überzeugen, dass dieses die einzig denkbare und richtige Kirchen-\nmusik sei, wurde die entgegengesetzte Wirkung erreicht, und die\nMasse des Publicums bekannte unverhohlen: So kann und darf die\nKirchenmusik nicht sein! Indem man nach einem Muster wahrer\nKirchenmusik suchte, fand man, dass man weit zurück und an\ngeistvollen, aber unkirchlichen, den Namen Messe führenden Ton-\nwerken grosser Meister vorüber gehen müsse bis zu dem noch un-\nübertroffenen Palestrina. Ist man schon in Deutschland vor mehre-\nren Jahren zu besserer Einsicht gelangt, so ist es doch erfreulich,\nauch in Wien in letzterer Zeit ein Regen und Streben nach Besse-\nrem zu bemerken, und namentlich haben die gewöhnlich mit vor-\nnehmer Geringschätzung behandelten Vorstadt-Kirchcnchöre den clas-\nsischen Weg eingeschlagen. An der Aufführung des Sing-Vercine\nhaben wir vor Allem die buntscheckige Zusammenstellung der Ton-\nwerke zu tadeln. Was die Wiedergabe der Messe anbelangt, so war\ndieselbe bis auf verzeihliche Schwankungen technisch gut, aber mit\nAusnahme des wirklich erhebend gesungenen Et incarnatus ohne\nWeiche und Schwung. So darf Palestrina nicht gesungen werden, soll\ndessen Werken nicht mehr geschadet als genützt werden.\nIn Einsiedl starb, 65 Jahre alt, der Bassist Siebert. Bartolo\nim Barbier von Sevilla und Sarastro gehörten zu seinen Haupt-\nrollen. Er war im Besitze einer sehr sympathischen Bassstimme und\nein durchgebildeter Sänger.\nliOiftdon« Im königlichen Theater wurde ~Don Giovanni\" mit\nFräul. Tietjens als Donna Anna wiederholt. Dann folgten „II Tro-\nvatore\" und „Die Hugenotten\". Das erste Wiederauftreten der\nSignora Alboni fand als Rosine im „Barbiere\" Statt und hatte den\nglänzendsten Erfolg.\nDas dritte Concert der neuen philharmonischen Gesellschaft be-\nstand in der ersten Abtheilung nur aus Mendelssohn'schen Ton-\nwerken. Frau Szarvady (Wilhelmine Clauss) spielte das Mendels-\nsohn'sche G-moll-Concert und zwei Stücke von Chopin mit ausser-\nordentlichem Beifalle."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "185", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580612-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDas 36. niederrheinische Musikfest. IL Von L. Bischoff. - Aus Wiesbaden (Oper Gastspiele: Fräul. Lehmann\nFräul. Zirndorfer Herr Hahnemann Herr Humbser Concert Quartett). Von W. W. Die mainzer Liedertafel (Jahresbe-\nricht). Tages- und Unterhaltungsblatt (Aachen, Geschenk an Fr. Liszt Bückeburg, Concert Mergentheini, Liederfest\nDer Tenorist Albert Niemann Dresden, Frau Bürde-Ney, Frau Jenny Lind-Goldschmidt Wien Einsiedl London).\n\nDas 36. niederrheinische Musikfest.\nII.\n(I. s. Nr. 23.)\nIn Bezug auf die Solisten war es dieses Mal glück-\nlicher Weise nicht auf europäische Berühmtheiten und\ngoldschwere Namen abgesehen. Eine Unsitte, die der Mu-\nsikfeste unwürdig ist, hat leider in den letzten Jahren auch\ndie Veranstalter des niederrheinischen Musikfestes dermaas-\nsen angesteckt, dass nicht bloss die Wahl der Sängerinnen\nund Sänger, sondern sogar des Dirigenten der Speculation\nauf die Anziehungskraft oder auf die augenblickliche Mode\neines Namens anheimfiel. Durch solche Jagden auf renom-\nmirte, wahre oder gemachte Künstlergrössen stellen sich\ndie Comite's auf die »Stufe speculirender Theater-Unter-\nnehmer herab, die an dem Kunstwerthe ihres In-\nstituts verzweifeln und ihrer Wirthschaft durch den\naugenblicklichen Meteorschimmer eines auf Virtuosenschaft\nreisenden Schauspielers oder Sängers aufhelfen wollen.\nDiesem verwerflichen Treiben, bei welchem es gar nicht\nauf die möglichst vollkommene Darstellung eines Kunst-\nwerkes im Ganzen, sondern allein auf das auffallende Her-\nvortreten einer einzelnen Persönlichkeit ankommt, das nur\nallzu oft ein Heraustreten aus dem Kunstwerke wird,\nsollten Concert- und vollends Musikfest-Institute grundsätz-\nlich entgegentreten und ihre höchste und ehrenvollste Auf-\ngabe gerade darein setzen, der gebildeten Welt die Macht\neiner echt künstlerischen Gesammtleistung zu zeigen. So\nwie das jetzt mehr als je überhand nehmende Herum-\nziehen der gastspielenden Theater-Virtuosen nicht etwa\ndie Blüthe, sondern die Fäulniss der dramatischen Kunst\nbekundet, und das ewige Gastiren nicht die Förderung,\nsondern der Ruin der deutschen Bühne im Drama und in\nder Oper ist, so muss auch das Herabziehen der Kometen\ndes Gesanges von ihrer Allerweltsbahn auf die Sphäre der\nMusikfeste das eigentliche Wesen dieser Feste alteriren.\nEin ernstes Kunst-Institut sollte im Interesse der Kunst\nund des Geschmacks, den es bilden soll, alle seine Kräfte\nauf das Kunstwerk, d. h. auf die künstlerische Gesammt-\nDarstellung desselben concentriren und alles fern halten,\nwas gewohnt ist, für sich allein zu stehen und irgendwie aus\ndem Rahmen herauszutreten, der das Gesammtbild um-\nfasst. Bei den Solisten eines Musikfestes darf es keineswegs\nauf irgend eine hervorstechende Eigenschaft ankommen,\nz. B. auf das Material der Stimme, oder auf Virtuosität\nder Technik, sondern auf diejenige musicalische und ästhe-\ntische Bildung, welche, neben den bis zu einem gewissen\nGrade nothwendigen Mitteln zur Ausführung, die Befähi-\ngung gibt, sich in das Ganze des Kunstwerkes zu versen-\nken, aus der Idee und dem Charakter desselben die Solo-\nPartie richtig aufzufassen und im Geiste desselben vorzu-\ntragen, sich selbst und all sein Können in den Dienst des\nKunstwerkes zu geben, nicht aber das Kunstwerk nur als\nFussgestell für die einzelne persönliche Statue zu betrach-\nten. Sind jene Eigenschaften bei einer Celebrität vorhan-\nden, wie z. B. bei Jenny Lind, nun, desto besser, wenn\nman dann eine solche Grösse ohne Nachtheil für die Ver-\neinigung der Gesarnmtkräfte, was stets die Hauptsache\nbleiben muss, haben kann, mithin ohne übertriebenes Ho-\nnorar. Dass aber auch dann noch immer das Ganze die\nHauptbedingung des Erfolgs und der künstlerischen Wir-\nkung bleibt, hahen wir bei dem Feste in Düsseldorf ge-\nsehen, wo die berühmteste Sängerin unserer Zeit zwar\nHaydns Schöpfung noch verherrlichen, aber die Schwä-\nchen von Schumann's Paradies und Peri doch nicht ver-\ndecken konnte.\nEinen neuen Beleg dazu hat bei dem gegenwärtigen\nFeste der Erfolg von Hiller's Saul gegeben. Der glänzende\nVortrag der Soli hat daran wahrhaftig keinen Theil ge-\nhabt; er hat den Erfolg nicht einmal begünstigt, ge-\nschweige denn bewirkt. Wenn man es nur einiger Maas-\nsen genau nehmen will, so war nur Herr Schneider"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "186", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580612-01.1.2", "texte": "(Tenor) vom Stadttheater in Frankfurt am Main im Stande,\ndie Composition vollständig zur Geltung zu bringen, wobei\nihm ausser seiner musicalischen und allgemeinen Bildung\nals Sänger und Künstler auch der Umstand zu Statten\nkam, dass die Partie des „David\" in Hillers Oratorium\nrein lyrisch gehalten und vortrefflich der Stimme und Vor-\ntragsweise des Herrn Schneider angemessen ist. Auch ge-\nhören die Nummern dieser Partie zu den melodiösesten\nSolostücken des Werkes. Fräul. Krall vom Hoftheater\nzu Dresden schien nicht gut aufgelegt. Ihre Stimme hatten\nwir uns bedeutender gedacht; für eine Charakteristik der\n„Michal\" im Saul und der „ Armide\" von Gluck reicht die\nStimme nicht aus, zumal da sie nicht von einer diesen Par-\ntieen angemessenen Vortragsweise unterstützt wurde. Die\nHöhe wird besonders im Recitativ leicht scharf, dagegen\nist das Mezza voce recht lieblich. Geistige Auffassung ha-\nben wir aber überall vermisst, wesshalb es uns denn auch\nschwer fällt, an das dramatische Leben ihres Gesanges und\nihrer Darstellung auf dem Theater zu glauben, wofern\nsie nämlich heroische Partieen in Dresden singt, was wir\nnicht wissen.\ni st * * * t f * r • M\nNoch weniger konnte Herr Stepan vom mannheimer\nTheater in der Partie des Saul genügen. Das Material sei-\nner Stimme ist mächtig, aber nicht edel und wohllautend\ngenug; auffallend fehlerhafte Aussprache und Mangel an\nAusdruck hindern, wenigstens im Concert- und Oratorien-\nVortrag, die künstlerische Wirkung. Seine Wahl war ein\nMissgriff der Direction. Der Saulist keine Effect-Par-\ntie; ihr Vortrag und die Charakter-Darstellung fordern\neinen sehr tüchtigen Sänger, der eben so sehr das Weiche\nund Milde, als das Kräftige und Schroffe des Ausdrucks\nin seiner Gewalt hat. Der Wohllaut der Stimme und\ndie Kunst der Messa di voce und des Portamento sind\nbei den schönsten Stellen dieser Partie unentbehrlich,\nwelche Herr DuMont-Fier bei der ersten Aufführung\ndes Oratoriums im December v. J. ganz vortrefflich ge-\nsungen hat. Für die gegenwärtige Besetzung derselben\nscheint der Grundsatz Variatio delectat maassgebend\ngewesen zu sein ein Princip, dessen Uebertragung auf\nein Kunst-Institut, wenn es herrschend werden sollte,\nwir gar sehr bedauern müssten.\nHerr Abiger vom hiesigen Winter-Theater sang\ndie Partie des Samuel so, wie er Alles singt, d. h. mit\nwohlklingender Baritonstimme (deren Tiefe jedoch hier\nnicht ausreichte), aber ohne geistige Durchdringung und\nohne wahren dramatischen Ausdruck.\nFräul. Jenny Meyer, ein Mezzo-Sopran von sehr\nschönem Klang und trefflicher Schule, war zu wenig\nim Saul beschäftigt, um auf den Erfolg des Ganzen von\nFlinwirkung zu sein. Die Hexe von Endor, welche der\n* ! Ü S 4fc M ' «- SS & \"S i Ss i » rfk m ■\nf.f 4'* S-] » % j§ '\nDichter vielleicht nur auf den Wunsch des Componisten\nin der dritten Abtheilung in die Handlung eingeführt\nhat, um eine zu schaffen, hat ausser einem\nrecitauvischen Dialog' mit Saul nur ein kurzes Arioso,\nwelches Fräul. Meyer übrigens recht gut und mit gros-\nsem Applaus vortrug.\nIm Ganzen genommen, waren also die aus weiter\nFerne gewonnenen Solisten (weil dies denn einmal der\nKunst-Ausdruck ist) kein eigentlicher Gewinn für das\nFest; denn in Bezug auf das künstlerische Eingreifen\nin das Ganze hätten die in der Nähe vorhandenen Kräfte\ntheilweise mehr, theilweise wenigstens dasselbe geleistet,\nund in Bezug auf die Einnahme ist durch die Namen der\nBerufenen und die gespannte Erwartung kein Thaler mehr\nin die Gasse geflossen. Das wird hier keineswegs mit dür-\nren Worten gesagt, um den diesmaligen Solosängern wehe\nzu thun oder sie herabzusetzen, sondern einzig und allein,\num die Comite's jedes und besonders des niederrheinischen\nMusikfestes darauf aufmerksam zu machen, dass ein gros-\nser und herrlicher Kunstgenuss und eine reiche Cassen-\nEinnahme zur Bestreitung der Kosten auch ohne Celebri-\ntäten ersten Ranges zu erreichen sind. Denn das wird Nie-\nmand bestreiten wollen, dass der Erfolg des diesjährigen\nFestes zu den grössten und schönsten gehört, die wir in\nder Reihe der sechsunddreissig Feste erlebt haben.\nDen Erfolg eines Musikfestes sichert das Programm,\ndie Masse und die künstlerische Tüchtigkeit des ChorS tliid\ndes Orchesters, die Einsicht zugleich mit der praktisch ge-\nwandten und sicheren Leitung des Dirigenten und die\nmöglichste Vollkommenheit der Gesammt-Ausfüh-\nrung. Es ist'ganz erfreulich, wenn man bei solchen Ge-\nlegenheiten auch einmal eine oder die andere virtuose Be-\nrühmtheit hört, allein das muss Zugabe, nicht Hauptsache\nsein und passt am besten für den dritten Festtag, wo der\nVirtuosität des Einzelnen, die allerdings auch eine berech-\ntigte Seite der Tonkunst ist, Rechnung getragen werden\nkann.\nWir kommen zum Programm des zweiten Fest-\ntages und entnehmen dem Textbuche, das nur in die\nHände der Festgenossen gekommen ist, einige Stellen der\ndort von uns gegebenen Einleitung in die aufzuführenden\nWerke:\nMit Recht bezeichnet man die musicalischen Schöpfun-\ngen der grossen Meister der Vergangenheit als monumen-\ntale; denn sie sind eben so gut Denkmale des menschli-\nchen Geistes, der Weltanschauung ihrer Zeit und der\nKunst-Epoche, in welcher sie entstanden oder die sie be-\ngründet haben, wie die Monumente der plastischen Künste.\nAber sie reden nicht durch sich selbst, wie diese, zu den\nMenschen der Gegenwart; sie erheben oder überwältigen"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "187", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580612-01.1.3", "texte": "nicht durch ihren blossen Anblick; denn ihr Stoff ist nicht\nirdisch, ihr Element ist Hauch und Luft. Der promethei-\nsche Funken, der sie ins Leben ruft, ist der Ton, und\nerst wenn dieser tausendstimmig durch die Luft schwingt,\nerscheint ihr Wunderbau vor dem Menschen, aber dann\nauch um so eigenthümlicher und herrlicher, weil er wahr-\nnehmbar sich jedes Mal von Neuem vor uns aufbaut, weil\ner durch den belebenden Hauch zu einem Dasein voll wirk-\nlichen Lebens empor wächst und nicht nur Einen Sinn,\nsondern die ganze Organisation des Menschen und ihre\nräthselhafte Verbindung mit dem Gefete und der Seele so\nsympathisch ergreift* durchbebt und durchschwingt, wie es\nden Erzeugnissen keiner anderen Kunst gegeben ist.\nEs ist daher eine heilige Pflicht der Gegenwart, bei\nMusikfesten, wo allein wirklich tausendstimmig an dem\nWiederaufbau jener ewigen Monumente, deren Schönheit\ntypisch geworden ist, gearbeitet werden kann, sie vorzugs-\nweise zu berücksichtigen und zu möglichst grossartiger und\nkünstlerisch vollendeter Erscheinung zu bringen.\nSo sind denn auch dieses Mal als Vertreter monumen-\ntaler Werke Johann Sebastian Bach, Christoph\nWillibald Gluck, Ludwig van Beethoven gewählt\nund die Werke: Credo aus der e, Scenen aus\nArmide und die Sinfonia eroica, von ihnen zur Auf-\nführung bestimmt worden.\nJ. S. Bach gehört zu denjenigen grossen Geistern in\nder Literatur und Kunst,\nr , « , • '\nderen Namen Jeder nennt,\nund die dennoch Niemand kennt.\nWenn dieser Spruch in Bezug auf ihn über ein halbes\nJahrhundert lang nach seinem Tode buchstäblich zu neh-\nmen war, so hat auch die gegenwärtige Zeit ihn noch kei-\nneswegs ganz und gar Lügen gestraft. Nicht nur das Volk,\nsondern auch die bei weitem grösste Zahl der Musiker\ngeht noch immer an seinen Werken, im besten Faile mit\neiner heiligen Scheu, vorüber und nährt dadurch bei der\nMenge das Vorurtheil, als sei Bach nur für die Musikge-\nlehrten. Baclfs Zeitgenossen, die steten und durch seine\nKirchenmusiken an Sonn- und Feiertagen freudig, nicht\npietistisch, erbauten Hörer, waren nicht gelehrter als wir;\naber sie hörten mit Einfalt und Hingebung zu und öffne-\nten dem Eindruck seiner Cantaten Geist und Gemüth mit\nstiller Liebe und gläubigem Herzen, wodurch sie den ge-\nnialen Schöpfer auch in den strengsten Durchführungen\nlebendiger in sich aufnahmen, als die Gelehrten, welche\nihr trockener Verstand zu nichts weiter befähigte, als in\nden contrapunktischen Verwicklungen nur den Schulmeister,\nnicht den Meister aller Schulen, zu erkennen.\nAllerdings ist es mit der Würdigung Bach's in den\nletzten fünfundzwanzig Jahren besser geworden, seitdem\nMänner wieMosewius in Breslau (seit 1825), Mendelssohn\nin Berlin und Leipzig (seit 1829), Ed. Krüger in Hanno-\nver, Hiller während seines Aufenthaltes in Düsseldorf und\nsonst, u. A. m., durch Aufführung oder Erläuterungen\nBach'scher Compositionen, namentlich der beiden Passio-\nnen, die kolossalen Schöpfungen des Heros aus dem vo-\nrigen Jahrhundert dem Auge des gegenwärtigen Geschlechts\nnäher gerückt haben. Aber die Liebe zu ihm ist noch\nnieht zum Durchbruch gekommen, und kann am wenig-\nsten dadurch dazu kommen, dass sich die Clavier-Virtuo-\nsen herablassen, eine Bach'sche Fuge in ihren Concerten\nzu spielen, wie es jetzt z. B. in Paris Mode ist. So lange\nBach's Gesangmusik nicht häufiger und wiederholter zu\nGehör gebracht wird, als bis jetzt geschieht, so lange wird\ndie musicalische Welt, wird das deutsche Volk der gegen-\nwärtigen Zeit Volk in dem Sinne genommen, wie es\nsich Mozart's Don Juan und Beethoven's Sinfonieen ange-\neignet hat Bach nicht erkennen und zu seinem Genie\nmit aufrichtiger Begeisterung und allgemeinem Stolze em-\nporblicken. Denn nur diese, die Gesangmusik Bach's, ist\nim Stande, auch dem Volke die Macht der Poly-\nphonie zu offenbaren, welche der Eingeweihte allerdings\nauch in den Instrumental-Werken des Meisters bewundert.\nFreilich sind Bach's Melodieen nicht von der Aller-\nwelts-Schönheit, die sich, durch Toilettenkünste erhöht*\nauf Promenaden und in den Salons zeigt. Ihre Schönheit\nwill aufgesucht, verfolgt, gefunden und erkannt sein; durch\nihre Wahrheit fesselt sie alsdann und übt eine unwider-\nstehliche Anziehungskraft. Das eigene Ich des Componisten,\nder Abgott der neuesten Schule unserer Zeit, verschwindet\nbei Bach: seine Musik ist die höchste Objectivität in\neiner Kunst, die doch, wie das Christenthum selbst, dem\nsie ihre Entstehung verdankt, in der Subjectivität wurzelt.\nDiese Objectivität, die hervorstechende Eigenthümlichkeit\nBach's, bricht mit der Kraft der Wahrheit durch, sobald\nsie durch die Aufführung von Bach'sehen Werken in die\nErscheinung tritt, wo sie dann aus den brausenden Tiefen\nder Tonwandlungen und den in einander strömenden Wo-\ngen der Vielstimmigkeit wie eine Göttin emportaucht.\nDer Reichthum der Kunst des alten Sebastian, der\nüberall frei, selbstständig und in allen Regionen des Ton-\nlebens heimisch ist, ist denn vorzüglich auch in dem\nder 11-moll-Messezu bewundern. Die beiden ersten Sätze\nderselben, das Kyrie und Gloriasind nach einem Schrei-\nben Bach's, mit welchem er sie an Friedrich August, Kur-\nfürsten von Sachsen, gesandt, im Jahre 1733 (der Briel\nist vom 27. Juli) componirt, die übrigen Sätze in den nächst\nfolgenden Jahren, wiewohl Bach im\nund Agnus Deifrühere Compositionen zum Theil benutzt\nhaben soll. (Vergl. J. Rietz' Vorwort zum VI. Bande von"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "188", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580612-01.1.4", "texte": "Bach's in Werken der neuen Ausgabe durch die.Bach-\nGesellschaft in Leipzig.)\nDas Credo besteht aus neun Sätzen. Der erste, fünf-\nstimmig, ist auf den Choralgesang des Rituals ge-\nbaut, welchen der Tenor anstimmt, der Bass, der Alt, der\nerste Sopran, der zweite, und dann die erste und endlich\ndie zweite Violine nach und nach aufnehmen—ein Kunst-\nwerk, über dessen Ausdruck und Innigkeit man die unend-\nlich feine contrapunktische Combination vergisst. Da es\nmit dem Einsatz des Tenors allein beginnt und bei der ge-\ngenwärtigen Aufführung die Eröffnung des zweiten Con-\ncerts bildete, so hatte Herr Capellmeister Hiller ein kurzes\nVorspiel für Blech-Instrumente auf das Haupt-Motiv ge-\nsetzt, wodurch in etwa dem entsprochen würde, was in der\nKirche durch die Intonation des Priesters vorhergeht.\nAehnliches hatte schon Ph. Emanuel Bach bei einer Auf-\nführung desselben Credo in Hamburg im Jahre 1786 für\nnothwendig gehalten; seine Instrumental-Einleitung ist\nhandschriftlich auf der k. Bibliothek zu Berlin vorhanden.\nWir wollen auch noch auf die Anwendung einer zwei-\nten Choral-Melodie aufmerksam machen, welche im\nConfiteor gegen Ende erst im Bass und Alt als Canon\nin der Quinte, und dann im Tenor allein, aber in der\nVergrösserung intonirt wird, während die übrigen Stim-\nmen die anderen Motive des Satzes durchführen.\nWas soll man nun dem Haupt-Motiv des und\ndiesen Stellen im Confiteor gegenüber sagen, wenn man in\nL. A. Zellner's Analyse von F. Liszt's Graner Messe lies't,\ndass dieselbe „Unica, nicht Menschengedanken, sondern\ndirecte Offenbarungen der Göttlichkeit enthält,\ndie jeden Versuch einer Wiederholung ähnlicher Schöpfun-\ngen abweisen. Halten wir uns nur in letzterer Beziehung\ndie unmittelbar aus ritualem Schoosse emporge-\nsprossene Gestaltung des Fugen-Thema's im Gloria und\ndes Haupt-Motivs vom Credo gegenwärtig. Könnten\nwohl solche Gestaltungen, ohne Plagiat oder wenig-\nstens Nachbildung zu werden, ein zweites Mal entste-\nhen? Der Ritus wenigstens besitzt für das und\nkein zweites Motiv.\" —Die Welt kehrt sich also um: das\n„aus ritualem Schoosse Emporgesprossene\", die „directe\nOffenbarung0 u. s. w. war bereits vor hundert und fünf-\nundzwanzig Jahren als Plagiat aus der Graner Messe\nda! Was soll noch aus der musicalischen Kritik werden ?!\nDem ersten Satze folgt bei den Worten Patrem omni-\npotentem eine vierstimmige Fuge, dann ein Duett für So-\npran und Alt; nach dem tiefen und herrlichen Et inear-\nnatus (fünfstimmig) und dem eben so ergreifenden Cruci-\nfixus (vierstimmig) tritt ein prachtvolles fünfstimmiges Et\nresurrexit ein, in welchem wir besonders auf die originelle\nW eise aufmerksam machen, mit welcher Bach die Textes-\nstelle: „Et Herum venturus est— judicaturus vivos et\nmortuos\", die bei späteren Componisten so häufig einer\nunangemessenen Wortmalerei anheim fällt, dem Chorbass-\nSolo in einer höchst energischen Melodie von zwölf Tacten\nzutheilt, die an die gewaltigen Pedal-Solostellen in seinen\nOrgel-Compositionen erinnert. Sie schliesst in\nworauf das Haupt-Motiv des Resurrexit auf „Cujus regni\nnon erit finisuin dem Glänze des wieder einfällt.\nNach einer Bass-Arie „Et in Spiritum\" &c. tritt das be-\nreits erwähnte Confiteor fünfstimmig ein und geht in unbe-\nschreiblich schönen Combinationen und Modulationen zu\neinem lebhaften Schlusssatz Et exspecto resurrectionem über.\nDie niederrheinischen Musikfeste haben erst zwei Mal\nMusikstücke von Bach auf ihrem Programm gehabt, die\n„Himmelfahrts-Cantate\" im Jahre 1838 zu Köln und die\nCantate: „Christ, unser Herr, zum Jordan kam\", nebst\ndem Schluss-Chor aus der Cantate Nr. 21: „Würdig ist\ndas Lamm\", im vorigen Jahre zu Aachen. Das aus\nder hohen Messe ist demnach sowohl dem Umfange (an 90\nSeiten, wobei viele Doppelseiten, der Partitur der neuen\nleipziger Ausgabe), als dem Inhalte nach das Bedeutendste,\nwas von Bach auf unseren Festen bis jetzt zu Gehör ge-\nkommen.\nDie Ausführung hat auf das erfreulichste bewiesen,\ndass Bach's Gesangmusik auch auf die Masse der Zuhörer\ngewaltig wirkt,—eine Meinung, welche Mosewius in Bres-\nlau, der bekanntlich mit seiner Akademie vorzugsweise\nBach studirt und aufführt, schon längst ausgesprochen hat,\nund die wir auf der Stelle theilten, als wir die ersten voll-\nchörigen Proben am Flügel gehört hatten. Allen Chor-\nsätzen folgte der lebhafteste Beifall, und nach dem präch-\ntigen Schluss-Chor brach ein allgemeiner Applaus im gan-\nzen Saale aus und wiederholte sich drei Mal. Wir müs-\nsen aber auch gestehen, dass der zahlreiche diesjährige\nChor von frischen, klangvollen rheinischen Stimmen, im\nVerein mit den trefflich akustischen Verhältnissen des\nneuen Saales, schwerlich seines Gleichen irgendwo finden\ndürfte und den Triumph, den er besonders in dem Bach'-\nschen Credo feierte, vollkommen verdiente.\nDie Einleitungs-Tacte, die Hiller zu dem Credo ge-\nschrieben, welches ohne alle Instrumente mit der Choral-\nMelodie im Tenor einsetzt, machten nicht die von uns ge-\nhöre Wirkung; sie enthielten zwar dasselbe Choral-Mo-\ntiv, allein es trat nicht genug als Intonation hervor und\nschien uns durch die Harmonie zu sehr verdeckt. Etwas\nmusste freilich die Eröffnung bilden, zumal da das Credo\nden Anfang des ganzen Concerts machte; allein dass das\ngewählte Auskunftsmittel dem pomphaften Eintritt des\nCantus firmus im Tenor Eintrag that, wird sich nicht läug-\nnen lassen. Ein einzelner gehaltener Accord mit einer fol-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "189", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580612-01.1.5", "texte": "genden Pause hätte vielleicht genügt. In Bezug auf den\ndynamischen Ausdruck, überhaupt auf den Vortrag dieser\nund ähnlicher Compositionen älterer Meister, die denselben\ngar nicht bezeichneten (in der H-mott-Messe z. B. ist höch-\nstens in den Solostücken beim Eintritt der Singstimme ein\nPiano im Grundbass oder auch in den Violinen angezeigt),\ndürfte man unserer Ansicht nach, ohne sich ein Gewissen\ndaraus zu machen, einige Abwechslung und Schattirung\ndurch piano und forte (hier z. B. im Et incarnatus est,\nim Crucifixusund im Confiteor)anbringen. Wenn wir da-\nmit auch keineswegs den übertriebenen, bis ins kleinlichste\nDetail gehenden Ausdrucks-Bezeichnungen, welche neuere\nHerausgeber der Kirchenmusiken alter Niederländer und\nItaliäner mit Zeichen und Worten angegeben haben, das\nWort reden wollen, so scheint uns doch die durchweg\ngleiche Tonfärbung zu pedantisch nach der anderen Seite\nhin. Bei einer Musik aus dem vorigen Jahrhundert, welche\ndoch immer den Verstand vorzugsweise beschäftigt, sollte\nman, wenn sie jetzt gesungen wird, dem Gefühl durch\nden Ausdruck mehr Rechnung tragen, als dies gewöhnlich\nbei den betreffenden Aufführungen der Fall ist.\n\nAus Wiesbaden.\n\n[Oper Gastspiele: Fräul. Lehmann Fräul. Zirndorfer\nHerr Hahnemann Herr Hnmbser Concert Quartett.]\nDen 25. Mai 1858.\nSeit dem Wiederanfange der Vorstellungen nach den\nkurzen Osterferien war schon ein rechtes Leben und Re-\ngen auf den Brettern zu bemerken, welche die Welt be-\ndeuten. Nächst dem Raimund'schen „Verschwender\" kam\nzunächst „Tannhäuser\" mit der Besetzung unseres eigenen\nPersonals (Tannhäuser: Herr Peretti, der wieder für eine\nReihe von Jahren für die hiesige Bühne gewonnen ist;\nElisabeth: Fräul. Uhrlaub; Landgraf: Herr Eichberger)\ndaran. Fräul. Lehmann, eine Dänin von Geburt, als erste\nSängerin der deutschen Oper in Amsterdam auf dem Zet-\ntel bezeichnet, gastirte in Norma in der Titelrolle mit gros-\nsem Beifalle. Die Stimme der Sängerin ist ein Mezzo-So-\npran. Ihre Coloratur ist anerkennenswert!), doch nicht im-\nmer rein und von forcirtem Wesen frei; ihr Triller ist\nauch kein rechter Triller. Von Spiel und Mimik war nicht\nviel Rede. Herr Peretti wusste sich alle Geltung zu ver-\nschaffen, die ihm seine Stimme nur gestattet. Das vorzüg-\nliche Spiel sichert ihm noch immer durchdringenden Er-\nfolg. Fräul. Herbold (Adalgisa) ist die einzige Sängerin am\nWiesbadener Theater, die rein singt, ohne Uebertreibung,\nmit Schule und Geschmack. Ihr Spiel ist natürlich und ge-\nwinnend.\nIn der Zauber flöte gastirten als Sarastro Herr Hah-\nnemann vom olmützer Theater, als Pamina Fräul. Zirn-\ndorfer vom grossherzoglichen Hoftheater in Darmstadt,\nals Sprecher ein Herr R. Müller, der besser gar nicht\ngesprochen, resp. gesungen hätte.\nFräul. Zirndorfer war die erquicklichste Erscheinung\ndes Abends. Ihre Stimme hat eine ausgiebige Kraft,\nSchmelz und jenes Seelische, was sich nur empfinden, nicht\nbeschreiben lässt. Dabei ist ihre Erscheinung immer so\nideal, so anziehend, dass man ganz Ohr und Seele für ihre\nLeistungen ist. Für den grossen Haufen ist sie freilich keine\nSängerin, auch keine Schreierin aber eine rechte Prie-\nsterin der reinen Tonkunst. Herr Hahnemann war ein ge-\nmüthlicher Sarastro ohne Priester- und Königswürde; er\nist Anfänger in Gesang und Spiel und muss noch gründ-\nliche, anhaltende Studien machen, ehe er auf den Namen\n„Sänger\" Anspruch machen kann. Wie sehr bedauert\nman beim Anblicke solcher Sänger, die nicht sprechen,\nnicht gehen können, die Hände nicht zu lassen wissen,\nkeine passende Mimik oder gar keine haben, eine wohl-\norganisirte Theaterschule in Deutschland! Das Aushalten\neines der Stimme natürlich eigenen tiefen Tones macht ja\nnoch lange keinen Sänger; das grosse Publicum verwun-\nderte sich darüber, allein solche Anerkennungen sind für\neinen Anfänger sehr gefährlich. Was ihm heute Abends\nunaussprechlich blieb, versuchte er an einem der nächsten\nAbende in einem Concerte auf der chromatischen Stahl-\nzitter heraus zu zittern!\nFräul. Lehmann und Fräul. Zirndorfer gastirten ferner\nals Donna Anna und Donna Elvira im Don Juan. Es lässt\nsich über beider Sängerinnen Leistungen nur das vorher\nGesagte wiederholen. Herr Eichbergerist ein echter\nLeporello; er ist der theoretisch und praktisch meistgebil-\ndete Sänger unserer Bühne und sein demnächstiger Ab-\ngang nach Dresden sehr zu bedauern.\nGästen zu Liebe hörten wir dann die Hugenotten.\nFräul. Lehmann (Valentine), Herr Hahnemann (Marcellj,\nHerr Meffert vom mainzer Theater (Raoul) waren solche,\nneben denen von unserem heimischen Personale Fräul.\nHartmann (Margarethe von Valois), Fräul. Herbold (Ur-\nbain), Herr Simon als Graf von Nevers zu erwähnen sind.\nFräul. Lehmann steht unseres Erachtens den Leistungen\ndes Fräul. Stork, jetzt in Braunschweig, in dieser Rolle\nbedeutend nach. Es fehlt ihrer Stimme, ihrem Spiel, na-\nmentlich ihrer Mimik die rechte Innerlichkeit. Herr Hah-\nnemann konnte nicht genügen für diese Partie. Er sollte\nsich erst in kleineren Partieen alles dasjenige vollkommen\naneignen, was ihm jetzt noch fehlt. Herrn Meffert's Stimme\nhat immer noch schöne Töne, obwohl sie auch schon an-\ngegriffen ist. Sein Spiel ist ganz vorzüglich. Fräul. Hart-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "190", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580612-01.1.6", "texte": "mann von hier rnuss sich grösseren Maasses befleissigen:\ndurch Ueberstürzuiig und Mangel an innerer wie äusserer\nRuhe wird sie sonst noch manche Passage verderben.\nSonst ist es ihr sichtlich Ernst mit ihren Rollen; nur zün-\ndende Funken, nicht einmal erwärmende, sprühen nicht\nin das Herz des Hörers. Die Dame ist übrigens eine durch-\naus schöne Persönlichkeit.\nMit besprochener Vorstellung kamen die Gastdarstel-\nlungen des Fräul. Lehmann zu Ende, nicht die des Herrn\nHahnemann, welcher mit dem Tenor Herrn J. M. Humb-\nser vom hamburger Stadttheater seinen Gastrollen-Cyklus\nfortsetzte. Herr Humbser trat hier jüngst als. Eleazar in\nder Jüdin auf, Herr Hahnemann mit ihm als Cardinal\nBrogny. Die Stimme Herrn Ilumbser's ist sehr schön,\nweich, wo und wann sie es sein soll, durchdringend und\ndas Orchester übertönend, wenn es die Situation erheischt.\nSein Spiel ist gross und ergreifend; einen Vergleich mit\nTichatschek hält er freilich nicht aus. Trotz der Kraft fehlt\nseiner Stimme eine gewisse Frische, Helle und Klarheit;\nsie ist wie von einem Flor umfangen. Diese Erscheinung\nist wohl keine Folge der Reise, sondern scheint stereotyp;\ndie neuen Schrei-Opern sind die alleinige Ursache solcher\nVorboten eines langsam vorschreitenden, sicheren Ruins\nder Stimme. Aber das Publicum will Schreier Prima-Sorte,\ndazu Spiel, das unsere ersten Tragöden beschämen soll.\nDas ist auch etwas Unsinniges. Ein schöner Gesang steckt\ndem begleitenden, resp. dem unterstützenden Spiel seine\nGränzen; werden diese überschritten, so muss ganz gewiss\nder wahre, keusche Gesang leiden. Herr Hahnemann war\nwieder an Würde und Priesterhoheit kein Cardinal. In\ndieser Rolle war unser Herr Thelen ein ganz anderer Sän-\nger und Darsteller, trotzdem, dass er damals im Beginne\nseiner Theater-Laufbahn stand.\nFräul. Uhrlaub ist eine brave Sängerin und unter-\nstützt ihren Gesang sehr wirksam durch ein richtiges, den\nZuhörer erwärmendes Spiel. Sie war sehr gut als Recha.\nWir warnen sie nur vor dem Zuviel in Gesang und Spiel.\nHerrn Humbser's zweite Gastdarstellung war Ernani\nin der gleichnamigen Oper. Wir waren verhindert, dieser\nAufführung beizuwohnen. Herr Humbser trat nun auch\nals Tannhäuser auf,— eine Oper, die wir seit Beginn der\nVorstellungen schon einmal hatten mit Herrn Peretti als\nTannhäuser. Die Leistungen des Herrn Peretti sind immer\nnoch befriedigend, wenngleich man hin und wieder sehr\nbedauern muss, dass seine Stimme solchen Rollen nicht\nlange mehr gewachsen bleiben kann. Sie werden sagen,\nbei uns sei ja ein rechter Wagner-Cultüs, wenn ich noch\nnachtrage, dass wir innerhalb dreier Wochen zweimal auch\nden Fliegenden Holländer hier hörten. Ich darf aber\nnicht verhehlen, dass der zweite Act dieser Oper sehr viele\nSchönheiten hat in Bezug auf getragenen Gesang und rich-\ntige Schätzung der Situationen. Die hohle, nichtssagende\nDeclamation, resp. Malerei, tritt dort vor dem reinen Ge-\nsänge zurück.\nHerrn llumbser's Gesammtleistung als Tannhäuser\nreiht sich würdig und ebenbürtig denen hervorragender\nSänger in dieser Bolle an. Allein Heiserkeit machte den\nErfolg unmöglich.\nSeit einem Jahre haben wir auch hier ein kleines\nBallet unter Direction des Balletmeisters Opfer mann.\nHerrri Opfermann's (Sohn) und Fräul. Opfermanns Lei-\nstungen sind ausserordentlich, und dürften sie ein Stolz\ngrösserer Bühnen sein jedenfalls aber werden.\nDie Quartett-Soireen der Herren Bäldenecker,\nGrimm, Scholle und \\\\ eyner, welche einen Cyklus\nvon Quartetten der drei bekannten Heroen brachten, fan-\nden auch diesen Winter wieder Statt. Ausserdem veran-\nstaltete der Cäcilien-Verein in Verbindung mit unserem\nvorzüglichen Theater-Orchester, unter Leitung seines Chefs,\ndes Herrn Capellmeisters Hagen, drei Concerte, in wel-\nchen zum grössten Theile classische Sachen zur exacten\nAufführung kamen. ;\nAm 28. Mai wird hier ein Ereigniss Statt finden, nicht\netwa die Sprengung der Bank, sondern die Aufführung\nder neunten Sinfonie von Beethoven und als Zugabe\nwerden wir Händ ei s Alexanderfest zu Gehör bekommen.\nIch werde Ihnen darüber, so wie über die musicalischen Er-\neignisse während der Saison und über das hier im Sep-\ntember Statt findende grossartige Musikfest rechtzeitig\nberichten.\n\nw. w.\n\nDie mainzer Liedertafel.\nDieser Verein besteht jetzt im zwölften Jahre. Er war\nursprünglich nur für Männergesang gegründet, und ist dies\nauch noch seine Hauptbestimmung. Seit einem Jahre hat\ner sich aber auch zur Aufführung von Winter-Concer-\nten mit dem »Damengesang-Verein\" in Mainz verbunden\nund dadurch allerdings eine grössere Bedeutung für die\nmusicalischen Zustände dieser Stadt gewonnen.\nDie Liedertafel zählte (am Ende des v. J.) 173 active\nund 237 nicht active Mitglieder. Präsident des Vorstandes\nist Herr Franz Schott, Musik-Director Herr Marpurg.\nDer Damcngesang-Verein hat 98 active Theilnehmerinnen.\nDie Jahres-Einnahme von beiden Vereinen durch die lau-\nfenden Beiträge, Eintrittsgelder und Concerte betrug im\nJahre 1857 3741 Fl. 3 Kr., die Ausgaben, einschliess-\nlich 100 Gulden an das Hülfs-Comite der durch die Pul-\nver-Explosion Verunglückten, 3636 Fl. 15 Kr."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "191", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580612-01.1.7", "texte": "Auffallend ist dabei, dass die Winter-Concerte und\nFestlichkeiten 1428 FL 55 Kr. gekostet, erstere aber nur\n479 Fl. 36 Kr. von dem ausser den Vereinen stehenden\nPublicum aufgebracht haben. Der Jahresbericht des Vor-\nstandes spricht sich darüber folgender Maassen aus :\nrDie Theilnahme des ausser dem Vereine stehenden\nPublieums war zwar nicht so lebhaft, wie wir solche im\nInteresse der Sache wünschen müssen, es mögen hier\ndie ungünstigen Zeitverhältnisse, besonders die traurige\nKatastrophe, störend eingewirkt haben; aber als wichtigste\nErrungenschaft heben wir hervor, dass die Kräfte unserer\nVereine sowohl als jene des hiesigen Orchesters hierbei\nGelegenheit hatten, sich in den anerkannt schwierigsten\nTonwerken zu versuchen, und wir freuen uns, es ausspre-\nchen zu können, dass die günstigen Erfolge bereits theil-\nweise unsere an dieses Unternehmen geknüpften Hoffnun-\ngen verwirklicht haben.\n„Unser Musik-Director, Herr Marpurg, hat den von\nuns gehegten und bei Beginn dieses Jahres ausgesproche-\nnen Erwartungen vollständig entsprochen; desshalb lassen\nSie uns dahin streben, dass auch er seine Wünsche nach\nlocaler Möglichkeit erfüllt sehen und unserem Vereine\nrecht lange erhalten bleiben möge, und seien Sie unserer\ndringenden Bitte eingedenk, ihn in seinem eifrigen Wir-\nken durch zahlreiche und regelmässige Theilnahme zu un-\nterstützen. \" ,\nBei einer Stadt von nahezu 40,000 Einwohnern mit\neiner starken Garnison reichen die angeführten Ursachen\nkaum hin, den auffallenden Mangel an Theilnahme zu er-\nklären. Wenn der Fremde sieht, wie stark zu Mainz im\nSommer die Orte besucht werden, an welchen man die\nallerdings recht gute Regiments-Musik der österreichischen\nund der preussischen Truppen hören kann, so wird man\nes ihm kaum verargen können, wenn er den Schluss zieht,\ndas mainzer Publicum huldige einer musicalischen Ge-\nschmacksrichtung, welche weniger im Concertsaale als\nausser demselben ihre Nahrung findet. Und doch werden\nnur fünf Abonnements-Concerte während der Saison ge-\ngeben.\nDie Programme derselben verdienen alle Beachtung,\nda in ihnen die Aufführung guter und meist classischer\nMusik vorherrscht, ohne die neueren Componisten zu be-\neinträchtigen. Von Werken letzterer finden wir F. Ilil-\nler's 125. Psalm für Solo-Tenor, Chor und Orchester;\nJoach. Raff's dramatische Ouvertüre zum Schauspiel\n„Bernhard von AVeimar\" (über den Choral: »Ein feste\nBurg\" u. s. w.); F. Liszt's Les Preludes, symphonische\nDichtung; R. Scliumann's Paradies und Pcri; Bernh.\nScholz, David's Klage oder Saul und Jonathan (2. Sa-\nmuel 1, 19—27) für Tenor-Solo, Chor und Orchester,\nund das Reiterlied von F. Liszt. Von älteren Gesang-\nwerken finden wir: Lotti's achtstimmiges Crucifixus,\nMozart's Ave verum corpus,Mendelssohn's erste Wal-\npurgisnacht, Hymne für Sopran-Solo mit Chor; Scene aus\nGluck's Iphigenie in Tauris (Frau Werner); J. Haydn's\nSchöpfung (Extra-Concert für die Armen); Mendels-\nsohn's Sinfonie-Cantate „Lobgesang\"; „Elias\" (Extra-\nConcert für die Verunglückten); Beethoven's Meeres-\nstille und glückliche Fahrt. Einige Männerchöre.\nVon Orchester werken wurden gegeben: Sinfonie in\nEs von J. Haydn; Ouvertüre zu Coriolan und die neunte\nSinfonie von Beethoven; Meeresstille u.s.w., Ouvertüre\nvon Mendelssohn; Ouvertüre zu Oberon und vollstän-\ndige Musik zu Preciosa von C. M. von Weber; Sinfonie\nin C von F. Schubert. —Ferner trug Herr Concertmei-\nster Becker aus Mannheim Spohr's Violin-Concert Nr.\nVIII. und B eethoven's Violin-Concert vor; auch wurde\ndas schöne, selten gehörte Concert für zwei Flügel in Es,\nOp. 83, von Mozart von einer Dilettantin und Herrn\nMarpurg gespielt.\nDiese Programme sprechen jedenfalls vortheilhaft für\ndas Streben des jungen Concert-Instituts, und verdienen\ngewiss die ganze Theilnahme des Publicums, selbst dann,\nwenn man sich die Aufgabe auch hier und da vielleicht\netwas zn hoch gestellt hätte.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nDas Pfingstfest-Comite der Stadt Aachen hat jüngst dem Dr.\nFranz Liszt sein in Silber ausgeführtes Portrait-Medaillon über»\nsandt als eine Erinnerungsgabe an seine Leitung des vorigjährigen\nPfingst-Concertes. Der Künstler, aus dessen Hand das Portrait her-\nvorging, ist der Bildhauer Mohr in Köln, welcher in diesem Bild-\nnisse, was charakteristische Aehnlichkeit, lebendig sprechenden Aus-\ndruck und Feinheit der Modellirung angeht, eine wahre Meister-\narbeit geliefert hat.\n* Hiiel&elHßrg« Unter Leitung des Hof-Capellmeisters Jos.\nSchmidt kamen am 7. d. Mts. zwei Theile des „Messias\" zu Ge-\nhör. Die fürstliche Familie beehrte die Aufführung durch ihre Ge>-\ngenwart. Der Ertrag ist für das Händel-Denkmal in Halle bestimmt.\nZu Mergentheim wurde am 24* Mai ein Liederfest des\ni\nschwäbischen Sängerbundes gefeiert, zu welchem sich auch\nviele Gäste aus Baden und Baiern eingefunden hatten, unter Ande-\nren die Liedertafel von Würzburg mit 73 Sängern (Dir. Brandt).\nDie Gesammtchöre leitete Herr Musik-Director Maschek aus Ileil-\nbronn, da Herr Prof. Faisst in Stuttgart plötzlich verhindert wor-\nden war. So viel darf gesagt werden: So gut wie in Ravensburg\n.1855 und hier in Mergentheim ist kaum anderswo in Schwaben im\nMännerchor gesungen worden. Bei den Klängen des ~Grosser Gott,\nwir loben dich\" u. s. w. Entblössten sich in feierlicher Stille plötz-\nlich, von dem gewaltigen Eindruck überwältigt, alle Häupter, und\nals Vater Arndt's „Was ist des Deutschen Vaterland\", nach län-\ngerer Pause einmal hier wieder in sein Recht eingesetzt, die Reihe\nder Gesänge schloss, da brach die allgemeine Begeisterung im Hoch-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "192", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580612-01.1.8", "texte": "rufe auf das deutsche Vaterland sich Bahn. Der unläugbar vorhan-\ndene Schwung der Sänger, 900 an der Zahl aus über 40 Vereinen,\ndie günstige Localität und Maschek's treffliche Direction wirkten zu-\nsammen, um der Haupt-Aufführung den Glanz einer in jeder Be-\nziehung gelungenen zu verleihen. Als ein wahres Muster eines schö-\nnen, durch Stimmbildung, Nuancirung und Belebtheit ausgezeichne-\nten Gesanges ist der Vortrag der auch durch ihre Zahl (73) hervor-\nragenden Würzburger Liedertafel zu bezeichnen. Sie erhielt eine\nprachtvolle, das mergentheimer Stadtwappen darstellende, von mer-\ngentheimer Damen gestickte Fahne.\nDas Hand-Lexikon der Tonkunst, zusammengestellt von\nC. Göllmick, verlegt von J. Andre, 1857, gibt in zwei Abtheilun-\ngen in der ersten die kurze, mitunter freilich sehr kurze Erklärung\nder musicalischen Terminologie, in der zweiten biographische Noti-\nzen über Musiker, musicalische Schriftsteller u. s. w. Es erfüllt die\nbescheidenen Ansprüche, die es macht, in Bezug auf den augen-\nblicklichen Bedarf ganz gut.\nDer Tenorist Albert Niemann in Hannover, mit welchem\nsich Fräulein Marie Seebach verlobt hat, ist zu Erxleben bei\nMagdeburg um das Jahr 1831 geboren. Er ist aus dem Chor (des\nTheaters zu Dessau) hervorgegangen, wie so viele berühmte Sänger.\nNachdem er in Darmstadt und Worms aufgetreten, entwickelte sich\nin Halle seine herrliche Stimme und zugleich ein ausserordentliches\nSchauspieler-Talent sehr schnell, so dass er jetzt als Helden-Tenor\ntür die Bühne keinen Nebenbuhler haben dürfte.\nDresden. Frau Bürde-Ney widmete einen Theil der Er-\nträge ihrer diesjährigen Kunstreise wohlthätigen Zwecken, und zwar\n50 Friedrichsd'or und 40 Louisd'or zur Errichtung des Weber-\nDenkmals, 40 Louisd'or dem Pensionsfonds des hamburger Stadt-\ntheaters u s. w.\nJenny Lind-Goldschmidt hatte bekanntlich, nachdem sie\ndie projectirte Reise nach Russland aufgegeben, seit längerer Zeit\ndie Absicht, ihren bisherigen Wohnort Dresden zu verlassen und\nnach England überzusiedeln. Dieses Vorhaben hat sie nunmehr zur\nAusführung gebracht. Nachdem in Dresden fast sämmtliche Mobi-\nlen verkauft sind, wurde eine nicht unbedeutende Anzahl von Collis\nmit Werthsachen u. s. w. in voriger Woche über Hamburg nach\nEngland spedirt, wo Jenny Lind in Zurückgezogenheit auf einer\nVilla in der Nähe von London auf ihren Lorbern ausruhen will.\nWien, 3. Juni. Am verflossenen Sonntage feierte der Sing-\nVerein der Gesellschaft der Musikfreunde sein Gründungsfest durch\nein Hochamt in der Hofburg-Pfarrkirche zu St. Augustin und führte\ndabei unter Leitung des Professors Herb eck die Messe He Con-\nfiteor von Palästrina, ein Benediclus von Hauptmann, Graduelle von\nHerbeck, Offertorium von Pertina auf.\nFür unsere kirchlich-musicalischen Zustände war die Aufführung\nder L i sz t' sehen Graner Messe ein Ereigniss von ungeheuren Folgen.\nStatt uns, trotz Broschüren und anderweitigen geistreichen Aufsätzen,\nzu überzeugen, dass dieses die einzig denkbare und richtige Kirchen-\nmusik sei, wurde die entgegengesetzte Wirkung erreicht, und die\nMasse des Publicums bekannte unverhohlen: So kann und darf die\nKirchenmusik nicht sein! Indem man nach einem Muster wahrer\nKirchenmusik suchte, fand man, dass man weit zurück und an\ngeistvollen, aber unkirchlichen, den Namen Messe führenden Ton-\nwerken grosser Meister vorüber gehen müsse bis zu dem noch un-\nübertroffenen Palestrina. Ist man schon in Deutschland vor mehre-\nren Jahren zu besserer Einsicht gelangt, so ist es doch erfreulich,\nauch in Wien in letzterer Zeit ein Regen und Streben nach Besse-\nrem zu bemerken, und namentlich haben die gewöhnlich mit vor-\nnehmer Geringschätzung behandelten Vorstadt-Kirchcnchöre den clas-\nsischen Weg eingeschlagen. An der Aufführung des Sing-Vercine\nhaben wir vor Allem die buntscheckige Zusammenstellung der Ton-\nwerke zu tadeln. Was die Wiedergabe der Messe anbelangt, so war\ndieselbe bis auf verzeihliche Schwankungen technisch gut, aber mit\nAusnahme des wirklich erhebend gesungenen Et incarnatus ohne\nWeiche und Schwung. So darf Palestrina nicht gesungen werden, soll\ndessen Werken nicht mehr geschadet als genützt werden.\nIn Einsiedl starb, 65 Jahre alt, der Bassist Siebert. Bartolo\nim Barbier von Sevilla und Sarastro gehörten zu seinen Haupt-\nrollen. Er war im Besitze einer sehr sympathischen Bassstimme und\nein durchgebildeter Sänger.\nliOiftdon« Im königlichen Theater wurde ~Don Giovanni\" mit\nFräul. Tietjens als Donna Anna wiederholt. Dann folgten „II Tro-\nvatore\" und „Die Hugenotten\". Das erste Wiederauftreten der\nSignora Alboni fand als Rosine im „Barbiere\" Statt und hatte den\nglänzendsten Erfolg.\nDas dritte Concert der neuen philharmonischen Gesellschaft be-\nstand in der ersten Abtheilung nur aus Mendelssohn'schen Ton-\nwerken. Frau Szarvady (Wilhelmine Clauss) spielte das Mendels-\nsohn'sche G-moll-Concert und zwei Stücke von Chopin mit ausser-\nordentlichem Beifalle."}]}