{"numero_id": "bm-bmtnabi-1858-06-19-01", "volume": "bmtnabi_1858-06-19_01", "ocr_sha256": "750d0ae2266b506a81ba8099ad99aea53c003b71c017c5f9ba3ab4dde2e79366", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1858/06/19_01/bmtnabi_1858-06-19_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580619-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1858-06-19-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-06-19_01#c001", "volume": "bmtnabi_1858-06-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "193", "page_fin": "193", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580619-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "193", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580619-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 427, "texte": "Inhalt.\nPariser Briefe (La Magicienne von Halevy Quenlin Durwkomische Oper von Gevaert Preciosa Figaro\nLe Medecin malgre lui, komische Oper von Gounod). Von B. P. Sonst und Jetzt. Nachricht von der churfürstlich-cöllnischen Hof-\ncapelle zu Bonn und andern Tonkünstlem daselbst. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Dr. Marschner, Alfred Jaell\nStuttgart, Kücken Wien, Neue Opern Prag Zürich, Sängerfest - Paris London Warschau)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-06-19-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-06-19_01#c002", "volume": "bmtnabi_1858-06-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "193", "page_fin": "196", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580619-01.2.2", "titre_corps": "Pariser Briefe.", "titre_sommaire": "Pariser Briefe.", "signature_source": "B. P", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "193", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580619-01.1.1", "debut_caractere": 429, "fin_caractere_exclue": 4220, "texte": "Pariser Briefe.\n\n[Vgl. Nr. 19. La Magicienne von Halevy Quenlin Durward,\nkomische Oper von Gevaert Preciosa Figaro Le Medecin\nmalgre lui, komische Oper von Gounod]\nIch sagte in meinem letzten Briefe: Halevy's Musik\nzur Magicienne verdirbt nichts an der Oper im Sinne\njenes Schauspiel-Directors, dem die Musik bei der Oper\nNebensache war. Man kommt aber dieses Mal doch in\neinige Verlegenheit, wenn man sagen soll, woran sie nichts\nverdirbt; denn an der Hauptsache, dem Libretto, ist nichts\nzu verderben, es ist so schlecht, dass selbst schlechte Mu-\nsik es nothwendig verbessert, geschweige denn die ge-\nwandte Feder eines Componisten, den sein Genie noch\nnicht ganz verlassen hat, und der bei vollständigem Be-\nwusstsein der Bedürfnisse seines Fublicums und des Thea-\nterchefs die passende Musik gerade so „commandirt\", wie\nGöthe's Theater-Director es von der Poesie verlangt. Es\nist also nur die Scenirung, die Maschinerie, die Decora-\ntionspracht, an welcher Halevy's Musik nichts verdirbt;\ndenn das alles ist allerdings fabelhaft und feenhaft plastisch,\noptisch und mechanisch, und der Componist hatte nur lür\ndas Akustische, das noch daran fehlte, zu sorgen.\nHerr de St. Georges, der Verfasser des „Gedichtes\",\nwie die Franzosen immer noch aus Pietät gegen frühere\nZeiten das Wortgerüst zu dem neueren Opern-Spectakel\nnennen, erzählt in einem Vorworte die Geschichte von der\nschönen Melusine und fügt dann hinzu:\n„Diese Fabel, die in ihrer ursprünglichen Rohheit auf\ndem Theater unmöglich ist, hat, wie man leicht denken\nkann, nur den Vorwand (pretexte) zu der neuen Oper ge-\nliefert. in welcher Melusine ihre höllische Macht auf Erden\nAir\num den Preis der künftigen Seligkeit und um die Bedin-\ngung errungen hat, im Leben bei Tage schön und bei\nNacht hässlich zu sein.\" Das ist freilich viel pikanter\nund wischt den Duft so gründlich von der Frucht der Volks-\nPoesie ab, dass nichts als die vertrocknete Pflaume übrig\nbleibt.\nAusserdem ist das Buch vollständig nach dem Becept\nder jetzigen Effect-Oper gemacht. Samiel, der schon so\nviele Sünden zu verantworten hat, erscheint auch hier wie-\nder in der Person des Ritters Stello, der, halb Schwarz-\nkünstler, halb Teufel, zu den sentimentalen Teufeln ä la\nBertram gehört, die voll von Liebe und Eifersucht sind.\nMelusine ist eine Hexe sündhaftester Art, aber glücklicher\nWeise so pfiffig, dass sie kurz vor Thorschluss einen Ro-\nsenkranz ergreift, das Christenthum und den Glauben an\nGott bekennt, zum grossen Verdruss des Samiel-Stello, der\nnicht mit seinem Caspar oder seiner Casparina abfährt,\nsondern vollständig geprellt in die Erde sinkt. Die bekehrte\nHexe versöhnt das liebende Paar, das sie erst durch Spie-\ngelfechterei der Höh'e, heutzutage Phantasmagorie genannt,\nentzweit hat sie stirbt Schluss-Decoration, Hochzeit.\nEs ist die abgeschmackteste Zusammenstoppelung von Un-\nsinn und Widersinn, welche je auf der Bühne gewesen!\nAber die Tableaux! Es ist schon charakteristisch genug\nfür die Natur der jetzigen pariser Oper, dass sie officiel\nnicht bloss in Acte, sondern ausserdem noch in Tableaux\neingetheilt wird.\nDiese Tableaux sind es denn auch, welche die Oper\nhalten. Die Schaulust findet ihre volle Befriedigung durch\nMalerei, Licht-Effecte, duftige und luftige Erscheinungen,\nGaukeleien, raffinirte Contraste u. s. w., und zu allem dem\nwird rauschende Musik gemacht was will man mehr?\nIch will Dir nur den Schluss schildern. Wüste Felsen-\nschlucht, im Hintergrunde Trümmer einer Burg, einzelne\nFelsstücke, zerbrochene Altäre, Reste von zerschlagenen\nKreuzen; links hinter der Scene Gesang (Terzett: Gebet\nfür reuige Sünder). Auf der Scene Melusine, Stello und\naus der Erde hervor die Höllenbrut. Chor. Melusine: „Je\ncrois en Dieu! je le proclame\" (!!) die Trümmer\nund Felsen stürzen ein und versinken unter Flammen mit-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "194", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580619-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5475, "texte": "sammt allen I'euleln, die offene Scene verwandelt sich im\nNu in eine reizende, vom glänzendsten Sonnenlichte be-\nstrahlte Landschalt, eine Procession von Landleuten steigt\nim Hintergrunde von den Hügeln herab, auf der anderen\nSeite naht der llochzeitszug der Grafen und Ritter, im\n\\ ordergrunde links die Nonnen des nahen Klosters mit\nihrer Aebtissin, sie umstehen die sterbende Sünderin, ein\nleuchtendes Kreuz erscheint am Himmel. Nun weisst Du\nungefähr, was man hier ein Tableau nennt. Und derglei-\nchen gibt es sieben an dem Abend der Han-\ndelte es sich nicht um eine Oper, wobei unser Einer alt-\nväterisch genug doch noch immer an ein musicalisches\nWerk denkt, nicht an ein parisisch-wagnerisches Schau-\nspiel der Allkunst; handelte es sich um ein Diorama, so\ngestehe ich offen, dass eines allein von jenen Tableaux,\nz. B. der Zauberwald mit dem See bei Mondschein im\nzweiten Acte, das Eintrittsgeld werth wäre. Dass es so ist,\nist schlimm ; denn die Musik wird dadurch zur Nebensache,\nzur Begleiterin herabgedrückt.\nNimm zu diesen Gemälden 36 Feen und 6 Genien,\n15 Wahrsagerinnen, 26 Bauern und Bäuerinnen nebst 24\nBauernkindern, 10 Najaden, 8 Sirenen, 14 Waldfeen, 4\nUndinen, 4 Schmetterlinge, 4 Gnomen, 4 Salamander, 26\nNymphen u. s. w., und Du wirst nicht über Mangel an\nStaffage klagen können. Der Balletmeister aber hat sich\nselbst übertroffen; Fanny Eisler, die Göthe tanzte, ist\nnichts mehr das pariser Ballet tanzt in der Magicienne\neine Partie Schach! Das ist noch nicht da gewesen, das\nmachtvon sich reden, das zieht; die Schlittschuhläufer des\nPropheten sind von den Läufern, Springern, Thürmen,\nKönigen und Bauern der Melusine, die wie die Puppen\nauf einem Leierkasten herum hüpfen, besiegt.\nZu solchen Hanswurstereien auf der Scene, die einst\ndie erste Bühne der Welt war, auf der Scene, die einst\nGluck verherrlichte, muss jetzt ein Componist Musik setzen,\nwenn er durchdringen will! Ist es da zu verwundern, dass\ndie wirklichen Freunde und Verehrer der Tonkunst nach\ndem Theätre lyriquegehen, wo sie Weber und Mozart\nhören, in deren göttlichen Melodieen trotz aller Umwöl-\nkung der Kern des ewigen Lichtes leuchtet ?\nDass in einer fünfactigen oder fünfbändigen Partitur\nvon Halevy auch hier und da eine hübsche Melodie, ein\nergreifendes Ensemble, ein wirklich musicalisch-dramati-\nscher Effect, eine frappante Klangwirkung im Orchester\nsei, war zu erwarten; dass aber eben auch nicht mehr\ndarin ist, als solche Einzelheiten, ist zu bedauern. Dass eine\nMelusinen-Melodie gleich von vorn herein ins Ohr tritt und\ndann alle Augenblicke wiederkehrt, ist nachgerade ein\ngar zu verbrauchtes Hausmittel, um das eheliche Zerwürf-\nniss zwischen Poesie und Musik recht handgreiflich wieder\nherzustellen. Wie man so etwas, das seit Robert dem Teu-\nfel in allen französischen Opern spukt, in Deutschland bei\nWagner für etwas Neues halten konnte, ist mir unbegreif-\nlich. Der zweite und besonders der ganze dritte Act hat\neine sehr monotone, zu Deutsch langweilige Musik, trotz\nGewitter und Sturm, die Melusine herbeihext. Am gelun-\ngensten in musicalischer Hinsicht ist der letzte Act, in wel-\nchem man bei einigen wirkungsvollen Contrasten von hei-\nliger und teuflischer Musik freilich auch schon ziemlich\nverbraucht und einigen Melodieen voll Wahrheit und\nEmpfindung zuweilen aus der Betäubung und Abspannung\naufgeweckt wird und vergisst, dass man schon entsetzlich\nviel Musik hat ausstehen müssen. Hervorragende musica-\nlische Schönheiten habe ich nirgends gefunden. Anderen\nist es eben so gegangen, wie mir; man hatte von dem\nComponisten der Jüdin nach seinen letzten Opern zwar\nnicht viel, aber doch bedeutend mehr erwartet, als er ge-\nleistet. Dennoch wagt die öffentliche, d. h. die gedruckte\nKritik nur sehr behutsame Rügen, während Hector Ber-\nlioz in den Debats dermaassen ins Horn stösst, dass man\nfür ihn erröthet. Dieser Reformator der combinirten Vo-\ncal- und Instrumental-Musik findet sogar die kunstreiteri-\nschen Rouladen in der grossen Arie der Melusine auf die\nWorte: „0 man Rene, tu n'asplus de rivalf' ganz an\nder Stelle in dem rein dramatischen Monolog; denn „das\ngleicht dem Ausbruche eines herben Lachens, welches die\nwilde Freude der Zauberin charakterisirt.\" (!)\nAul dem kaiserlichen Theater der komischen Oper\nhat G evaert's „Quentin Durward\" Glück gemacht, und\nnicht unverdienter W eise. Der Stoff ist aus Walter Scott\ngenommen, dessen Romane eine Fundgrube für Opern-\ntexte sind. Das Buch ist nicht schlecht, im ersten Acte so-\ngar sehr dramatisch wirksam; der zweite bringt gar zu\nviel Politik und Diplomatie Ludwig's XI. auf die Scene,\nwas indessen den Parisern nicht so langweilig vorkommt,\nwie uns Deutschen; der dritte zieht aber wieder durch ein-\nzelne treffliche Musikstücke und durch die scenische Pracht\nam Schlüsse an. Also auch in der komischen Oper nichts\nmehr ohne Tableau! Die Musik ist den ganzen ersten Act\nhindurch frisch und anmuthig; die Tafelscene, bei welcher\nder König ein Trinklied anstimmt, das stets wiederholt\nwerden muss, ist lebendig, das Finale, gross angelegt und\nbreit entwickelt, enthält sehr wirksame Stellen. Der Stil\nist klar und'einfach. Im zweiten Acte verlässt die heitere\nMuse den Componisten länger, als gut ist. Die Audienz\ndes Gesandten von Burgund gehört in das Genre, welches\nVoltaire das schlimmste von allen nannte, ins Genre en-\nnuyeux; mir fiel die salbungsvolle Thronrede des Land-\ngrafen im Tannhäuser bei dem Vortrage des Gesandten\nein, den Gevaert auch unglücklicher Weise als Recitativ"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "195", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580619-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5256, "texte": "im Tact behandelt hat. Wenigstens hat er dadurch seine\nBekanntschaft mit den deutschen Erneuerern der altfran-\nzösischen Psalmodie, Schumann, Gade, Wagner, bewiesen,\nwenn er-nicht vielleicht an der Quelle selbst geschöpft hat,\ndie in der Bibliothek des Conservatoires in den Partitu-\nren Lully's und Bameau's reichlich lliesst.\nDer dritte Act hat einen hübschen Soldatenchor, der\nmehr durch die Form, als durch die Motive an Weber er-\ninnert. Ein Quintett ist sehr gut angelegt und enthält man-\nches Frappante im Orchester, welches dabei mehr als ge-\nwöhnlich bedacht ist. Die gehaltvollste Nummer dürfte das\ngrosse Duett für Tenor (Quentin Durward) und Bass (der\nGesandte) sein, das zuletzt zum Terzett für Männerstimmen\nwird; es würde noch mehr Lob verdienen, wenn der Com-\nponist dem Stile der Gattung mehr treu geblieben wäre\nund die Rücksicht auf Effect durch grössere Mittel, als hier\neigentlich an der Stelle sind, aus den Augen gesetzt hätte.\nJedenfalls offenbart es den talentvollen und tüchtigen Mu-\nsiker in Gevaert, wie denn überhaupt die ganze Oper ge-\ngen die Composition der Lavan einen\nerfreulichen Fortschritt in den Leistungen dieses belgischen\nComponisten bekundet.\nDas waren die Neuigkeiten des März. Der April\nbrachte Weber's „Preciosa, opera\nund dazu „Almanzor\", eben so, componirt von Benaud\nde Wilback.\nDie Concert-Gesellschaft der Ste. Ceeile hatte vor ein\npaar Jahren zuerst Weber's Musik zur Preciosa mit einem\nverbindenden Texte in ihren Winter-Concerten gegeben;\nüber den Erfolg beim Publicum habe ich damals berich-\ntet. Jene Gesellschaft ist eingegangen, und das\nlyrique, das mit Weber's Opern neuerdings so schöne Ge-\nschäfte gemacht hat, bemächtigte sich der Erbschaft, liess\naus Wolf's Preciosa ein einactiges Stück fabriciren und\nbrachte dieses mit Weber's Musik auf die Bühne. Das\nStück ist lächerlich dumm. Die Zigeuner und ihre Königin\nPreciosa werden von dem Gouverneur von Andalusien im\nGebirge umstellt; sein Sohn liebt Preciosa, und ihre Ro-\nmanze lockt ihn ins Lager der Bande. Er wird gepackt,\nund man lässt dem Gouverneur sagen, sein Sohn sei ver-\nloren, wenn er nicht von der Verfolgung ablasse. „Meinet-\nwegen!\" erwiderter; „der Junge ist ein Findelkind, wahr-\nscheinlich von eurem Gesindel stammend.\"\nheure!\" sagt Preciosa: „so heirathe ich ihn.\" Darauf lässt\nsie einen grossen Stein aufheben; ein Schacht öffnet sich,\nAlles steigt hinein, verschwindet, um, Gott weiss, wo, wie-\nder ans Licht zu kommen, und der Gouverneur ist geprellt.\nTrotz allem dem hat die liebliche Musik Wunder ge-\nthan. Alle Nummern aus der Preciosa sind darin; die Zu-\nthat von drei anderen, die auch von Weber sein sollen\n(ich weiss nicht, ob a*us Abu Hassan oder sonst woher ,\nhätte unterbleiben können.\n„Almanzor\", das einactige Werk junger Dichter und\neines jungen Componisten, Wilback, dessen Name sehr\ndeutsch klingt, will nichts bedeuten. Text und Musik sind\nschwach; allein es wird gut gespielt und gesungen, und so\nlebt es denn doch einige Wochen.\nDasselbe Theater hat denn auch im Mai den blühen-\nden Melodieen-Frühling vonMozart's „Figaro's Hoch-\nzeit\" einmal wieder zu Paris auf die Bühne verpflanzt,\nund mit grossem Glück; denn Tausende eilen herbei, um\nseinen Duft einzuathmen, und bringen der Casse gar schöne\nSummen ein.\nFrüher ist dieses Meisterwerk Mozart's nur von den\nItaliänern gegeben worden; aber auch diese haben es seit\nzwanzig Jahren liegen lassen. Zuletzt hat man es, wie ich\nmir habe erzählen lassen, im Jahre 1838 mit trefflicher\nBesetzung gehört: Figaro—Lablache, der Graf—Tambu-\nrini, die Gräfin die Persiani, Susanna Giulia Grisi,\nCherubino—? Der jetzige Bearbeiter, der sich nicht ge-\nnannt, hat den italiänischen Text von Casti (der Beaumar-\nchais' Lustspiel als Opernbuch für Mozart sehr glücklich\nbearbeitete) ins Französische übersetzt; auch der Zwische-\nn bei den Italiänern • ursprünglich Recitativ, ist in\nfranzösische Verse gebracht denn Beaumarchais' Prosa\nda, wo sie passte, zu gebrauchen, verwehrte ein Interdict\nder Direction des Theätre frangais. Das Ganze ist gut ge-\nrathen; es ist auch nichts neu zugeschnitten oder zurecht-\ngemacht, mit Ausnahme einer einzigen Aenderung, die\naber wieder so echt parisisch und sängerisch-willkürlich\nist, dass man in Deutschland sie für unbegreiflich halten\nwird. Madame Carvalho-Miolan nämlich singt den Pagen\nCherubin, Madame Ugalde die Susanna, Madame van den\nIleuvel-Duprez die Gräfin. Trefflich besetzt; aber Madame\nCarvalho, Gemahlin des Directors des lyrique,\nfindet das Schreib-Duett so wunderschön, dass sie, offen-\nbar aus Liebe zu Mozart, trotz ihrer Pagenrolle darin sin-\ngen will! Was ist zu thun? Der Herr Director beschwich-\ntigt und besänftigt die arme Susanne, lässt seinen Poeten\nrufen: „Ah ga, mon ami, arrangez-rnoi le duo de la\nlettre, vons savez, pour le Page et la Comtesse.\" —■\n„ „Mais, Monsieur... .La Situation.... enfin Mozart...\"\n„Mais, Monsieur, c'est Mada \"\nAdieu Situation, Mozart u. s. w. Das Schreib-Duett\nwird zu einer faden elegischen Einlage, welche die Gräfin\nund der Page zu ihrem persönlichen Vergnügen singen.\nJubel des Publicums, tausendstimmiges bis, Uebri-\nGens hätten wir der Madame Carvalho das hohe am\nSchlüsse der Arie Non sopiii gern erlassen, wie\nsie denn auch durch das ganz übereilte Tempo des lieb-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "196", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580619-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3858, "texte": "lichen Voi che sapeie sehr deutlich verrieth, dass Mozart\nihr Genre nicht ist. Meillet sang und spielte den Figaro\nrecht gut, aber Balanque's Bariton ist für die Partie des\nGrafen zu dumpf und klanglos, wodurch besonders die\nherrlichen Ensembles verloren. Madame Ugalde singt schon\nlange, ist aber trotzdem, besonders für den, der sich an\ndie Schärfe ihrer Stimme gewöhnt hat, in Gesang und\nSpiel eine vortreffliche Susanne, wie sie schwerlich in\nDeutschland zu finden sein dürfte, während der Graf, die\nGräfin und Cherubin besser von deutschen Künstlern ge-\nsungen werden.\nFigaro macht volle Häuser. Man darf das aber nicht\nso hoch anschlagen, wie es von deutschen Blättern, wie\nich gesehen habe, geschieht. An einen Umschwung des\nGeschmacks durch die Wiederbelebung Mozart's in Paris\nist nicht zu denken. Man darf nur wahrnehmen, wie bei\nder jedesmaligen Aufführung des Don Juan, welcher\nSchanden halber jedes Jahr doch Ein Mal bei den Italiänern\nan die Reihe kommt, die ersten Plätze sich erst nach 4er\nIntroduction, meist erst beim Auftreten der Bauern-Hoch-\nzeit und Zerlinchens, füllen und regelmässig beim Anbruch\ndes letzten Finale sich leeren. Eben so kommt die höhere\nGesellschaft im Theäire lyrique, wenn sie überhaupt\nkommt, erst im zweiten Acte des Figaro an und geht je-\ndenfalls vor dem Finale des vierten, wo nicht schon am\nEnde des dritten, wieder weg. Das genügt ja auch voll-\nkommen für den Zweck, davon mit sprechen zu können.\nIn dieser Saison aber sind alle pariser Theater stets voll\nund übervoll gewesen, und sind es noch jetzt, auch bis zu\nEnde der Vorstellung; aber nicht durch die Pariser, son-\ndern durch die Fremden. Die Eisenbahnen bringen tag-\ntäglich acht bis zehn Tausend Menschen nach Paris, die\nsich amusiren wollen, und selbst der Geschäftsmann aus\nder Provinz weiss seinen Abend nach gethaner Arbeit\nnirgends besser zuzubringen, als im Theater. Wenn Paris\njetzt fünfzig Theater hätte, statt fünfundzwanzig, sie wür-\nden alle voll. Nichts ist jetzt gewöhnlicher, als dass der\npariser Einwohner, der nicht gern zu früh sein Geschäft\nverlässt, an der Casse jedes beliebigen Theaters, kein Billet\nmehr für einen anständigen Platz findet.\nIch erwähnte vorher das Interdict des Theäire fran-\ncaisgegen den Text des Figaro auf dem\nDie Veranlassung dazu gab schon im Januar dieses Jahres\ndie erste Aufführung einer komischen Oper, welche den\nschlichten Titel führte: Le medecin malgre lui de Moliere.\nMis en musique par M. Gounod. Gounod hatte Molifere's\nWorte im Dialog beibehalten, selbst ihre Sprache nicht\nmodernisirt, übrigens das Stück mit versificirten Texten\nzu Arien, Duetten, Chören u. s. w. versehen öder versehen\nlassen. Dagegen glaubte das sein Privi-\nlegium wahren zu müssen—eine merkwürdige Zopfwirth-\nschaft, die aber bei dem herrschenden System der Nach-\nahmung ehemals stabiler Hofformen von oben begünstigt\nwird.\nDer Medecin malgre lui hat übrigens Glück gemacht.\nGounod, der durch seine „Sappho\" und zwei Sinfonieen,\nmehr als durch die Nonne ssich als tüchtigen\nMusiker ernster Richtung bewährt und sich sogar den\nVorwurf oder die Ehre zugezogen hat, in der Musik mehr\nDeutscher als Franzose zu sein, mag diese Moliere-Musik\nwohl schon vor mehreren Jahren geschrieben haben. Die\nIdee, den musicalischen Stil der Zeit Molifere's, also haupt-\nsächlich Lully, nachzuahmen, ist keine glückliche, wiewohl\nsie einige hübsche, einfache Stücke erzeugt hat. Ob die\nkomische Gattung überhaupt seinem Talente zusagt, würde\nsich erst bei der Composition eines wirklichen Opern-Tex-\ntes zeigen. Immer ist jedoch auch diese Musik ein erfreu-\nlicher Beweis seiner Begabung, die sich besonders auch in\nder geschickten Behandlung des Orchesters an und für sich\nzeigt, wenngleich dasselbe manchmal in Bezug auf die Sing-\nstimme, namentlich für eine komische Oper, zu breit und\nreich gehalten ist.\nParis, den 1. Juni 1858.\n\nB. P."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-06-19-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-06-19_01#c003", "volume": "bmtnabi_1858-06-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "196", "page_fin": "200", "image_debut": 4, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580619-01.2.3", "titre_corps": "Sonst und Jetzt", "titre_sommaire": "Sonst und Jetzt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "196", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580619-01.1.4", "debut_caractere": 3860, "fin_caractere_exclue": 5293, "texte": "Sonst und Jetzt\nNachricht von der churfürstlich-cöllnischen Hofcapelle\nzu Bonn und andern Tonkünstlern daselbst.\n*).\nHeu März i 3 3.\nCapelldirector: Herr Hofkammerrath Caj eta n o Mat-\ntioli, gebohren zu Venedig den Tten August 1750. Er\nhat in Parma bey dem ersten Geiger, Herrn Angelo Mo-\nriggi, einem tartinischen Schüler, studirt, und schon in\nParma, Mantua und Bologna grosse Opern: Alceste, Or-\n\n*} Unter dieser Rubrik werden wir von Zeit zu Zeit Mittheilun-\ngen aus dem vorigen Jahrhundert bringen, die zu interessan-\nten und belehrenden Parallelen zwischen den früheren und\njetzigen Musik-Zuständen Veranlassung geben dürften. Obige\nNachricht über die Tonkunst in unserer Nachbarstadt Bonn\nist Auszug einer Correspondenz für das März-Heft vom Jahre\n1783 des hamburger Magazins der Musik von C. F. Cramer.\nBesonders wird die liebenswürdige Freiheit auffallen, mit der\ndarin auch die Dilettanten besprochen werden. Der Artikel,\nder nicht unterzeichnet ist, hat wahrscheinlich den Organisten\nund Musik-Director C. G. Neefe zum Verfasser, den Lehrer\nBeethoven's. Man sieht, dass auch schon damals Musik-Direc-\ntoren über sich selbst schrieben, nur etwas bescheidener, als\ndies heutzutage hier und da geschieht. Neefe zählt bloss seine\nCompositionen (ausführlicher, als wir es abdrucken) auf, er-\nlaubt sich aber kein Urtheil darüber, und ist bei der Schilde-\nrung seiner Collegen von aller Verkleinerurgssucht fern.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "197", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580619-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5467, "texte": "}>heus und Euridice &c. vom Bitter Gluck, mit Beyfalle\ndirigiret. Dem Beyspiel des Bitters Gluck hat er viel in\nAbsicht auf die Direction zu verdanken. Man muss gestehen,\ndass er ein Mann voll Feuer und geschwinden, lebhaften\nund- feinen Gefühls ist. Er dringt schnell in die Gedanken\nund Empfindungen eines Tonsetzers ein, und weiss diesel-\nben dem ganzen Orchester bald und bestimmt mitzutheilen.\nEr hat zuerst die Accentuation oder Declamation auf In-\nstrumenten, die genaueste Beobachtung des Forte und\nPiano, oder des musicalischen Lichts und Schattens in allen\nAb- und Aufstufungen im hiesigen Orchester eingeführt.\nSein Bogen ist sehr mannigfaltig. In allen Eigenschaften\neines Directors steht er dem berühmten Cannabich zu\nMannheim gar nicht nach. Im musicalischen Enthusiasmus\nÜbertrift er ihn, und übrigens hält er, eben wie jener, auf\nmusicalische Zucht und Ordnung. Durch seine Bemühung\nhat das Musicrepertorium des hiesigen Hofes einen ansehn-\nlichen Yorrath guter und vortreflicher Compositionen, so-\nwohl an Symphonien, als an Messen und anderen Sachen\nerhalten, die er täglich fortsetzt, so wie er immer auf die\nVerbesserung der Capelle bedacht ist. Jetzt ist er mit dem\nProject zur Erbauung einer neuen Orgel in der Hofcapelle\nbeschäftigt. Die vorige Orgel, ein herrliches Werk, ist bei\ndem grossen Schlossbrande 1777 auch ein Baub der\nFlamme geworden. Sein Gehalt ist 1000 Gulden.\nCapellmeister: Herr Andrea Lucchesi, gebohren den\n28sten Mai 1741 zu Motta im Friaul, zum venetianischen\nGebiet gehörig. Seine Lehrer in der Composition sind ge-\nwesen: im Theaterstil: Herr Cochi von Neapel; im Kir-\nchenstil: der Vater Paolucci, ein Schüler des Vater Mar-\ntini zu Bologna, und nachher Herr Seratelli, Capellmeister\nbey dem Herzog von Venedig. Er ist ein guter Orgelspieler,\nhat auch sonst in Italien sich vorzüglich mit diesem Instru-\nmente beschäftigt. Im Jahre 1771 kam er, nebst Herrn-\nMattioli., mit einer italienischen Operngesellschaft als Ca-\npellmeister hieher. Ueberhaupt genommen, ist er ein leich-\nter, gefälliger und munterer Componist, und reiner im Satze,\nals viele seiner Landsleute. In seinen Kirchenarbeiten hält\ner sich nicht immer an die strenge gebundene Schreibart,\nworzu mehrere Componisten zuweilen durch Gefälligkeit\nfür Liebhaber determinirt werden. Seine Arbeiten sind\nfolgende: A. Fürs Theater in Venedig fünf Opern und eine\nCantate bei Gelegenheit eines grossen Festes, welches die\nBepublik Venedig auf dem Theater S. Benedict 1767 dem\nanwesenden regierenden Herzog von W ürtemberg zu Eh-\nren anstellte.—II Natal di Giove und L'inganno scoperto\nsind beyde zu Bonn componirt. Verschiedene Intermezzen,\nCantaten und andere Stücken zu verschiedenen Gelegenhei-\nten hiesigen Orts. B. Für die Kirche ein lateinisches\nOratorium, ein Te Deum, eine Todtenmesse und mehrere\nMessen, Antiphonen, Assertorien und Motetten für die Ca-\npelle Sr. churfürstl. Gnaden zu Köln. C. Fürs Ciavier\nsechs Sonaten fürs Ciavier mit einer begleitenden Violine;\nein Trio fürs Ciavier (sind gestochen); Concerte und vier\nQuatuors fürs Ciavier im Manuscript. Er hat ein Ge-\nhalt von 1000 Gulden.\nCapell- und Hoforganist: Herr Christian Gottloh\nNeefe, welcher zugleich Musicdirector beym hiesigen deut-\nschen Theater ist, gebohren zu Chemnitz im Erzgebürge des\nChurfürstenthum Sachsens den 5. Febr. 1748, hat unter\nHillern zu Leipzig die Music studirt. Seine im Druck er-\nschienenen Arbeiten sind zahlreich für Ciavier und Ge-\nsang. Seine Manuscripte bestehen in Partituren von den\nOperetten, die im Ciavierauszug gedruckt erschienen sind,\nund in Partituren der Opern Zcmire und Azor und\nAdelheit von Veltheim u. s.w. Vorm Jahre führte er\nhier in einem Liebhaberconcert bei dem Herrn von Ma-\nstiaux eine Ode von Klopstock, Dem Unendlichen, für\n4 Singstimmen, als Chor und mit starker Orchesterbeglei-\ntung componirt, auf, welche nachher auch in der Char-\nwoche in einer hiesigen Fräuleinstiftskirche von ihm auf-\ngeführt ward. Als Musicdirector hat er einen Gehalt von\n700 Fl. und als Organist 400 Fl.\nSängerinnen. Sopran: Madame Drewer, eine brave,\nangenehme Sängerin; Madame Eichhof und Demoiselle\nNeuer. Alt: Madame Delombre, welche sehr gut\nvom Blatte lies't und sonst musicfest ist; Demoiselle Grau\nund Demoiselle Averdong\". Die bevden letzteren haben\no J\nschöne Stimmen und singen mit viel Geschmack.—Sänger.\nTenor: Herr Heller, ein guter Sänger, welcher auch\nzuweilen componirt; Herr van Bethoven und Herr De-\nlombre. Bass: Herr Noisten und Herr Paraquin,\nwelcher letztere den Contrabass meisterhaft spielt, wozu\nihm seine nicht gemeinen Einsichten in das innere Wesen\nder Music treflieh nützen; spielt auch Violoncell.\nViolinisten: Herr Ries, muss wegen einer Kopfkrank-\nheit, die ihm geheimer Gram und übertriebenes Studiren\nin der Composition verursacht haben, seine unglücklichen\nTage im Hospital zu Cölln verleben. Verschiedene seiner\nCompositionen verrathen gute Einsichten in die musicali-\nsche Setzkunst. Herr Biedel. Herr Drewer,Director der\nersten Geige im deutschen Schauspiele und Director der\nzwoten Geige in der Capelle. Er dringt mit seinem Instru-\nmente durch und ist seines Platzes werth. Herr Brand,\nein guter Sologeiger, auch erster Tenorist bey der hiesigen\ndeutschen Oper. Herr Bies, des obigen Sohn, spielt fer-\ntig und angenehm, und hat sich in Wien mit Beyfall pro-\nducirt. Herr Wagen er. Herr Töpfer. Herr Pfau und\nHerr Esch. Accessisten: Herr Goldberg, ein .junger\nviel versprechender Violinspieler, und Herr Philippard."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "198", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580619-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5299, "texte": "—Flautisten: Herr Pfau, welcher einen angenehmen, Ton\nund Fertigkeit besitzt. Herr Küchler. Oboisten und\nClarinettisten: Herr Meiser und Herr Baum. Auf der\nClarinette ist ersterer besonders gut. Waldhornisten:\nHerrßiedel. Herr Brand. Herr Bamberger und Herr\nSimrock. Beyde letztere sind sehr brav. Herr Simrock\nist auch Commissionair von dem Verlage des Herrn Götz\nin Mannheim, des Herrn Artaria in Wien, des Herrn Kel-\nlers in Cassel u. a. Fagottisten: Herr Mauris. Herr\nZilsken und Herr Küchler. Der letztere bläst sehr gut,\ncomponirt auch. In Paris sind einige Sinfonien von ihm in\nKupfer gestochen worden.—Braccisten: Herr Haveck und\nHerr Walt her.—Violoncellisten: Herr Heller, der Bru-\nder des obigen, aus München, und Herr Paraguin.\nContrabassisten: Herr Passavanti, sonst am Würtem-\nbergischen Hofe, und Herr Paraguin.—Trompeter: Herr\nBaumgarten. Herr löpler und Herr Prisner, spielt\nauch den Contrabass gut.—Paucker: Herr Weckhoven.\nHof-Saitenmacher: Herr Niesen. Calkant: Herr\nFunk.\nDie jährlichen Gehalte dieser sämmtlichen Personen\nsteigen von 100 bis 600 Gulden. Die Personen, deren\nNamen ich nichts beigefügt, sind doch mehrentheils gute\nRipienisten.\nSe. Excellenz, der dirigirende Herr Minister, Graf von\nBelderbusch haben eine sehr gute Hauscapelle von blasen-\nden Instrumentalisten, welche aus folgenden Personen be-\nsteht: Ister Clarinettist: Herr Bachmeier. 2ter Clari-\nnettist: Herr Moock. Ister Waldhornist: Herr Ziegler.\n2ter Waldhornist: Herr Taper. Fagottist: Herr Eifer.\nCorrepetitor beym hiesigen deutschen Theater ist;\nHerr Jakobi, ein braver Geiger, dessen Vater Concertmei-\nster zu Mainz war.\nDilettanten: Frau Gräfin von Belderbusch, spielt\nsehr fertig auf dem Ciavier.\nFrau Gräfin von Hatzfeld, ist von den besten Mei-\nstern im Singen und Clavierspielen zu Wien unterrichtet\nworden, denen sie in der That viel Ehre macht. Das Re-\ncitativ declamirl sie vortreflich; auch parlante Arien hört\nman von ihr mit Vergnügen. Auf dem Fortepiano spielt\nsie sehr brillant, und überlässt sich dabei völlig ihrem Ge-\nfühl. Deswegen hört man oft das von ihr,\nohne dass sie tactschwankend ist. Für Tonkunst und Ton-\nkünstler ist sie enthusiastisch eingenommen.\nHerr Kammerherr und Hauptmann von Schall spielt\nCiavier und Geige. Ob er schon auf beyden Instrumenten\nnicht stark ist, so hat er doch ein sehr richtiges musicali-\nsches Gefühl. Er weiss die wahren Schönheiten einer Com-\nposition zu empfinden und zu beurtheilen, und hat viel\nhistorisch-litterarische Kenntnisse in der Music.\nFrau Ilofräthinn von Beizer, spielt Ciavier und singt,\nSie hat eine starke, männliche Contra-Altstimme von gros-\nsem Umfange, besonders in Absicht auf die Tiefe.\nHerr Hofkammerrath von Mastiaux, ein Mann, der\nkein Vergnügen kennt und wünscht, als das Vergnügen\nder Music; sie ist seine liebste, seine tägliche Gesellschaf-\nterinn. Er besitzt Talente und Einsichten in diese Kunst;\ndie erstem hat er auch auf seine Kinder, deren er fünfe,\n4 Söhne und eine Tochter, besitzt, fortgepflanzt, und um\nihnen die letztern zu gewähren, spart er keine Kosten. Sie\nspielen alle Ciavier, zum Theil Geige, Bratsche und Violon-\ncell besonders haben seine Demoisell Tochter von I2Jah-\nv\nren, und zvveen seiner Söhne, etwas älter, grosse Fort-\nschritte im Clavierspielen gemacht. Es ist in der That für\neinen fühlenden Mann kein geringes Vergnügen, einen Va-\nter mitten unter seinen Kindern sitzen zu sehen, und ihn\nmit selbigen ein Quintett ausführen zu hören. Er ist der\nEinzige, der schon seit geraumer Zeit den Winter hindurch\nwöchentlich ein Concert bei sich giebt, woran jeder Mu-\nsicliebhaber, er sey fremd oder einheimisch, Antheil neh-\nmen kann. Er besitzt einen grossen Vorrath an guten Mu-\nsicalien, und so viel Instrumente, dass er fast ein vollstän-\ndiges Orchester damit etabliren kann. Jeder Musiker ist\nsein Freund, ist ihm willkommen. Von Joseph Haiden ist\ner ein Anbeter und wechselt mit ihm Briefe. Er verdient\nschon, dass ich eins und das andre aus seinem Leben hier\nanführe, was ich mir aus seinen Gesprächen gemerket\nhabe. Er ist den Ilten Junius gebohren, in der\nGrafschaft Blankenheim, auf dem Schlosse Junkerrath, wo-\nvon sein Grossvater Commandant oder Gouverneur war.\nIm fünften Jahre ward er in Mühlheim am Rheine einem\nGeistlichen zur Erziehung übergeben. Im sechsten bekam\ner einen Anfall vom Augenweh dergestalt, dass er in fünf\nJahren das Tageslicht nicht sehen konnte, und so gut als\nblind war. Ein andrer Knabe ward an dem Tische, unter\nwelchen der arme Augenkranke lag, in allem unterwiesen,\nwelchen Unterricht er so gut für sich nützte, als es sein\nZustand erlaubte. Sein einziger Zeitvertreib war ein Clavi-\nchord. In des Nachbars Hause hörte er fast täglich zwey\nWaldhörner blasen. Von dem gehörten Stückchen suchte\ner sich die erste und zwote Stimme auf seinem Ciavier\nAbends im dunkeln zusammen, wo es ihm vergönnet war,\nunter seinem Tische hervorzukriechen. In kurzem spielte\ner auch dem Organisten einige Stücke nach, die er auf\nder Orgel spielen hören konnte, weil die Kirche dicht an\nseiner Wohnung gelegen war. Dabey gefiel ihm ein tiefer\ngravitätischer Bass immer am Besten. Endlich kam er ohne\ndie mindeste Unterweisung so weit, dass er alles fertig und\nrichtig nachspielte, was er nur hörte. Im zwölften Jahre,\nals das Augenweh ihn in etwas verliess, kam er zu den"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "199", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580619-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5359, "texte": "iesuiten in Cölln, um zu studiren. Daselbst ficng er aus\nden Musiken in Kirchen, und aus den Arien der Studen-\ntenschauspiele jedesmal etwas auf, womit er nach Haus\neilte, und woraus er sich Ciavierstücke künstelte. Zu die-\nser Uebung feuerte ihn das Lob andrer, welches sie seinen\nStücken ertheiltcn, immer mehr und mehr an. Inzwischen\nkam in das nämliche Kosthaus, wo er speiste, ein Student,\nder die Flöte blies, und deren zwey hatte. Er machte sich\nsogleich mit daran, lernte dadurch zuerst Noten und Pau-\no 7\nsen kennen, und bald bliesen sie Duetten zusammen. Ein\nCanonicus, der in Spanien sehr gut auf dem Ciavier und\nder Theorbe Generalbass spielen gelernt hatte, machte viel\nWesens aus seinem Clavierspielen, und theilte ihm 1740\nim Vertrauen die Regel mit, den Bass durch eine ganze\nOctave im Auf- und Absteigen zu accompagniren und zu\nbeziffern, welches damals noch ein Geheimniss sein sollte.\nHierauf ward er eines Manuscripts habhaft, welches Da-\nvid Kellners treulicher Unterricht im General-\nbass war. Mit diesem, so wie auch einige Zeit hernach\nmit Matthesons Schriften und Tartinis Lehrsätzen von der\nComposition, beschäftigte er sich so oft, als es ihm seine\nübrigen Studien zuliessen. Da sollte es nun auch ans Schrei-\nben gehen: er hatte auch wirklich schon ein paar Trio,\nQuartetten, Simphonien und Lieder zusammengesetzt, als\ner zu Geschäften berufen und über 15 Jahr lang verhin-\ndert ward, an Music zu denken. Durch einen Scherz und\nZufall kam er wieder daran, und der Hang und die Lei-\ndenschaft zu dieser seiner Lieblingskunst vermehrte sich\nnun täglich. Sie ergötzt ihn um so mehr, da er alles ohne\nMeister und Lehrgeld aus sich selbst erworben hat. Die\nVerbesserung des Fingersatzes auf dem Ciavier sah er dem\nitaliänischen Capellmeister Francesco Zoppis, den Strich\nauf der Geige einem tartinischen Schüler, und auf dem\nVioloncell dem Herrn Abaco ab, welche zu belauschen er\nkeine Gelegenheit versäumte. Er blies auch noch etwas we-\nniges auf der Clarinette und dem Horn, die er aber sammt\nder Flöte zu verdammen genöthigt ward, als ihn dasßlut-\nspeyen überfiel.\nUnter der Menge seiner gesammelten Musicalien*liält\ner folgende für die beträchtlichsten: 80 Sinfonien von Jo-\nseph Haiden, 30 Quatuor und 40 Trio von ebendemsel-\nben, und über 50 Clavierconcerte von den besten Autoren.\nUnter der zahlreichen Sammlung seiner Instrumente zeich-\nnen sich aus: Ein Flügel von Andreas Rückers, dem älte-\nren, de A 0.1646. Ein grosser Flügel von Joh. Rückers,\nde Ao. 1659. Ein Flügel von Johann Couchet, de Ao.\n1659. Ein Flügel von eben diesem Meister, de Ao. 1661.\nEin grosser Flügel von Joh. Peter Couchet, 1664.\nEin Clavichord von Friderici. Ein grosses piramidenförmi-\nges Hammerciavier von Mechanicus Riedeln, woran noch\nein Pedal, ein Glocken- und Pfeilenzug kommen sollen.\nEin Contrabass von Paul Aletsche 1726. Ein Yiolonceil\nvon eben diesem Meister 17*29. Eine ächte Altviola von\nden Gebrüdern Anton Hieron. Amali, Cremona 1662.\nEine ächte Geige von Anton Amati, Crcmona 1673. Eine\nächte Geige von Nicol. Amati, Sohne des Hieron. Amati,\nCremona 1682. Eine ächte Geige von Anton Stradivari,\nCremona 1670. Eine von Andr. Gvarnieri, Cremona 1693.\nEine von Nicola **, Roma 1670. Unter mehrern eine von\nJacob Stainer, die, wenn sie auch nicht ächt sein sollte,\nden wenig ächten, die Stainer gemacht, doch nichts nach-\ngiebt.\nIn dem Hause des Herrn Hofkammerrath Altstädten\nkann man zuweilen ein recht gutes Quartett hören.\nHerr II auptmann Dantoinc, ein leidenschaftlicher\nVerehrer und Renner der Tonkunst, spielt Geige und etwas\nCiavier. Die, Kunst des Satzes hat er aus Marpurg, Kirn-\nberger und Riepel erlernt. Seinen Geschmack in Italien ge-\nbildet. In beyden hat ihm auch das Lesen der Partituren\nvon classischen Componisten trellich genützt. Componirt\nhat er 3 komische Opern, verschiedene Sinfonien und ei-\nnige Quartetten in haidnischer Manier und Laune. Näch-\nstens wird ihn das musicalische Publicum durch einen\nCiavierauszug von Clavigo näher kennen lernen.\nDie drey Herren Facius, Söhne des hiesigen russi-\nschen Agenten, sind gut musicalisch. Die zwei älteren bla-\nsen Flöte, und der jüngere spielt Violoncell.\nLouis van Betthoven, Sohn des obenangeführten\nTenoristen, ein Knabe von 11 Jahren, und von vielver-\nsprechendem Talent. Er spielt sehr fertig und mit Kraft\ndas Ciavier, liest sehr gut vom Blatt, und um alles in Ei-\nnem zu sagen: Er spielt grösstentheils das wohltemperirte\nCiavier von Sebastian Bach, welches ihm Herr Neefe un-\nter die Hände gegeben. Wer diese Sammlung von Prälu-\ndien und Fugen durch alle Töne kennt (welche man fast\ndas non plus ultra nennen könnte), wird wissen, was das\nbedeute. Herr Neefe hat ihm auch, sofern es seine übrige\nGeschäfte erlaubten, einige Anleitung zum Generalbass ge-\ngeben. Jetzt übt er ihn in der Composition, und zu seiner\nErmunterung hat er 9 Variationen von ihm fürs Ciavier\nüber einen Marsch in Mannheim stechen lassen. Dieses\njunge Genie verdiente Unterstützung, dass er\nreisen könnte. Er würde gewiss ein zweyter\nWolfgang Amadeus Mozart werden, wenn er so\nfortschritte, wie er angefangen.\nEs giebt noch mehrere Musicliebhaber hier, die aber\ngrösstentheils mit ihren musicalischen Beschäftigungen zu\nsehr privatisiren, als dass ich sie hier anführen könnte.\nGnug, dass man hieraus schon abnehmen kann, dass ein\nFremder, der die Music liebt, nie ohne musicalische Nah-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "200", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580619-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 273, "texte": "rung von Bonn wieder abreisen wird. Zu wünschen wäre\nnur noch, dass unter dem Schutze Sr. Churfürstl. Gnaden\nein grosses öffentliches Concert hier errichtet würde. Da-\ndurch würde diese Residenz eine Zierde mehr bekommen,\nund die gute Sache der Music mehr befördert werden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-06-19-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-06-19_01#c004", "volume": "bmtnabi_1858-06-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "200", "page_fin": "200", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580619-01.2.4", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "200", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580619-01.1.8", "debut_caractere": 275, "fin_caractere_exclue": 3374, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nHerr Hof-Capellmeister Dr. Marschner ist zum Be-\nsuche seit acht Tagen hier anwesend.\nHerr Hofpianist Alfred Jaell hat einige Wochen hier verweilt\nund begibt sich heute nach Bad Ems.\nStuttgart« Hof-Capellmeister Kücken hat von des Königs\nvon Preussen Majestät die grosse goldene Verdienst-Medaille für\nKunst erhalten.\nWien. „Tutli in maschera\" (Alles verlarvt) ist der Titel einer\ndreiactigen komischen Oper von einem anonymen Verfasser, welche\nam Schlüsse der italienischen Saison zur Aufführung gelangen soll.\nMöge sie besser sein, als ihre bei gleichen Gelegenheiten gehörten\nV orgängerinnen.\nHeinrich Marschner hat seine eben vollendete vieractige ro-\nmantische Oper ~Sangeskönig Hiarne\" oder „Das Tyrsingsschwert*'\nder Direction der hiesigen Hofoper eingesandt, und nach dem gün-\nstigen Eindruck, welchen der erste Durchblick der Partitur hervor-\ngebracht haben soll, ist die Aufführung dieser Novität im Laufe der\ndeutschen Saison, deren erste Novität Wagner's „Lohengrin\" sein\nwird, zu gewärtigen, welcher Gluck's ~Armide\" folgt.\nPrag. Fräul. Hartmann, die im Besitze einer schönen\nStimme ist, zeigte als Elisabeth im Tannhäuser und als Donna Anna,\ndass sie noch ganz eine Anfängerin ist. Im Troubadour von Verdi\nsang Fräul. Mik die Azucena etwas outrirt, aber mit Ausdruck,\nFräul. Tipka die Leonore mit ausserordentlichem Erfolg.\nZiiricia. Das eidgenössische Sängerfest wird vom 17. bis 19.\nJuli gefeiert; es haben sich 23 Vereine für den Wettgesang gemeldet.\nParis. In voriger Woche fand in der grossen Oper die 397.\nVorstellung von Robert der Teufel Statt. Halevy's Magi-\ncienne hat die 27. Vorstellung erlebt.\nJ. Offenbach hat mit seinen Bouffes Parisiens in Marseille\nVorstellungen gegeben. Er ist im Begriffe, mit seiner Gesellschaft\nnach Deutschland, namentlich nach Berlin, zu gehen.\n/\nJLiOiltlöii. Rubinstein hat in dem Concerte der philharmo-\nnischen Gesellschaft ein Clavier-Concert von Mozart (!) und eine\nFuge von seiner eigenen Composition gespielt. Halles Mati-\nneen für classische Musik sind sehr besucht. Im Coventgarden-\nTheater wird Flotow's Martha studirt.\nIm zweiten Concerte des Pianisten Pauer bildete der berühmte\nGeiger Joachim wieder die Haupt-Anziehungskraft. Er entzückte\ndas Publicum durch seinen Vortrag des 11. Violin-Quartetts (F-moll)\nvon Beethoven (mit den Herren Ries, Pollitzer und Piatti), und setzte\nes in Staunen durch jenen einer Paganini'schen „Caprice\". Das\nPiano forte-Trio von Schubert wurde von den Herren Pauer, Joachim\nund Piatti meisterhaft ausgeführt. Nebstbei spielte der Concertgeber\neigene Compositionen und Liszt's „Carneoal de Pest\".\narscltaii. Von der hier mit grossem Beifalle aufgeführten\nOper in vier Acten „Halka\", Musik von Stanislaus Moniuszko, hat\ndie Buchhandlung G. Gebethner & Comp, das Verlags- und Auffüh-\nrungsrecht für alle Länder erworben. Im Stich erschienen ist bereits\nder Clavier-Auszug mit polnischem und italiänischem Texte, so wie\nder Clavier-Auszug für Pianoforte allein, denen alle Gesangs-Piecen\nin einzelnen Nummern und die übrigen sonst üblichen Arrangements\nbald folgen werden."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "193", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580619-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nPariser Briefe (La Magicienne von Halevy Quenlin Durwkomische Oper von Gevaert Preciosa Figaro\nLe Medecin malgre lui, komische Oper von Gounod). Von B. P. Sonst und Jetzt. Nachricht von der churfürstlich-cöllnischen Hof-\ncapelle zu Bonn und andern Tonkünstlem daselbst. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Dr. Marschner, Alfred Jaell\nStuttgart, Kücken Wien, Neue Opern Prag Zürich, Sängerfest - Paris London Warschau).\n\nPariser Briefe.\n\n[Vgl. Nr. 19. La Magicienne von Halevy Quenlin Durward,\nkomische Oper von Gevaert Preciosa Figaro Le Medecin\nmalgre lui, komische Oper von Gounod]\nIch sagte in meinem letzten Briefe: Halevy's Musik\nzur Magicienne verdirbt nichts an der Oper im Sinne\njenes Schauspiel-Directors, dem die Musik bei der Oper\nNebensache war. Man kommt aber dieses Mal doch in\neinige Verlegenheit, wenn man sagen soll, woran sie nichts\nverdirbt; denn an der Hauptsache, dem Libretto, ist nichts\nzu verderben, es ist so schlecht, dass selbst schlechte Mu-\nsik es nothwendig verbessert, geschweige denn die ge-\nwandte Feder eines Componisten, den sein Genie noch\nnicht ganz verlassen hat, und der bei vollständigem Be-\nwusstsein der Bedürfnisse seines Fublicums und des Thea-\nterchefs die passende Musik gerade so „commandirt\", wie\nGöthe's Theater-Director es von der Poesie verlangt. Es\nist also nur die Scenirung, die Maschinerie, die Decora-\ntionspracht, an welcher Halevy's Musik nichts verdirbt;\ndenn das alles ist allerdings fabelhaft und feenhaft plastisch,\noptisch und mechanisch, und der Componist hatte nur lür\ndas Akustische, das noch daran fehlte, zu sorgen.\nHerr de St. Georges, der Verfasser des „Gedichtes\",\nwie die Franzosen immer noch aus Pietät gegen frühere\nZeiten das Wortgerüst zu dem neueren Opern-Spectakel\nnennen, erzählt in einem Vorworte die Geschichte von der\nschönen Melusine und fügt dann hinzu:\n„Diese Fabel, die in ihrer ursprünglichen Rohheit auf\ndem Theater unmöglich ist, hat, wie man leicht denken\nkann, nur den Vorwand (pretexte) zu der neuen Oper ge-\nliefert. in welcher Melusine ihre höllische Macht auf Erden\nAir\num den Preis der künftigen Seligkeit und um die Bedin-\ngung errungen hat, im Leben bei Tage schön und bei\nNacht hässlich zu sein.\" Das ist freilich viel pikanter\nund wischt den Duft so gründlich von der Frucht der Volks-\nPoesie ab, dass nichts als die vertrocknete Pflaume übrig\nbleibt.\nAusserdem ist das Buch vollständig nach dem Becept\nder jetzigen Effect-Oper gemacht. Samiel, der schon so\nviele Sünden zu verantworten hat, erscheint auch hier wie-\nder in der Person des Ritters Stello, der, halb Schwarz-\nkünstler, halb Teufel, zu den sentimentalen Teufeln ä la\nBertram gehört, die voll von Liebe und Eifersucht sind.\nMelusine ist eine Hexe sündhaftester Art, aber glücklicher\nWeise so pfiffig, dass sie kurz vor Thorschluss einen Ro-\nsenkranz ergreift, das Christenthum und den Glauben an\nGott bekennt, zum grossen Verdruss des Samiel-Stello, der\nnicht mit seinem Caspar oder seiner Casparina abfährt,\nsondern vollständig geprellt in die Erde sinkt. Die bekehrte\nHexe versöhnt das liebende Paar, das sie erst durch Spie-\ngelfechterei der Höh'e, heutzutage Phantasmagorie genannt,\nentzweit hat sie stirbt Schluss-Decoration, Hochzeit.\nEs ist die abgeschmackteste Zusammenstoppelung von Un-\nsinn und Widersinn, welche je auf der Bühne gewesen!\nAber die Tableaux! Es ist schon charakteristisch genug\nfür die Natur der jetzigen pariser Oper, dass sie officiel\nnicht bloss in Acte, sondern ausserdem noch in Tableaux\neingetheilt wird.\nDiese Tableaux sind es denn auch, welche die Oper\nhalten. Die Schaulust findet ihre volle Befriedigung durch\nMalerei, Licht-Effecte, duftige und luftige Erscheinungen,\nGaukeleien, raffinirte Contraste u. s. w., und zu allem dem\nwird rauschende Musik gemacht was will man mehr?\nIch will Dir nur den Schluss schildern. Wüste Felsen-\nschlucht, im Hintergrunde Trümmer einer Burg, einzelne\nFelsstücke, zerbrochene Altäre, Reste von zerschlagenen\nKreuzen; links hinter der Scene Gesang (Terzett: Gebet\nfür reuige Sünder). Auf der Scene Melusine, Stello und\naus der Erde hervor die Höllenbrut. Chor. Melusine: „Je\ncrois en Dieu! je le proclame\" (!!) die Trümmer\nund Felsen stürzen ein und versinken unter Flammen mit-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "194", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580619-01.1.2", "texte": "sammt allen I'euleln, die offene Scene verwandelt sich im\nNu in eine reizende, vom glänzendsten Sonnenlichte be-\nstrahlte Landschalt, eine Procession von Landleuten steigt\nim Hintergrunde von den Hügeln herab, auf der anderen\nSeite naht der llochzeitszug der Grafen und Ritter, im\n\\ ordergrunde links die Nonnen des nahen Klosters mit\nihrer Aebtissin, sie umstehen die sterbende Sünderin, ein\nleuchtendes Kreuz erscheint am Himmel. Nun weisst Du\nungefähr, was man hier ein Tableau nennt. Und derglei-\nchen gibt es sieben an dem Abend der Han-\ndelte es sich nicht um eine Oper, wobei unser Einer alt-\nväterisch genug doch noch immer an ein musicalisches\nWerk denkt, nicht an ein parisisch-wagnerisches Schau-\nspiel der Allkunst; handelte es sich um ein Diorama, so\ngestehe ich offen, dass eines allein von jenen Tableaux,\nz. B. der Zauberwald mit dem See bei Mondschein im\nzweiten Acte, das Eintrittsgeld werth wäre. Dass es so ist,\nist schlimm ; denn die Musik wird dadurch zur Nebensache,\nzur Begleiterin herabgedrückt.\nNimm zu diesen Gemälden 36 Feen und 6 Genien,\n15 Wahrsagerinnen, 26 Bauern und Bäuerinnen nebst 24\nBauernkindern, 10 Najaden, 8 Sirenen, 14 Waldfeen, 4\nUndinen, 4 Schmetterlinge, 4 Gnomen, 4 Salamander, 26\nNymphen u. s. w., und Du wirst nicht über Mangel an\nStaffage klagen können. Der Balletmeister aber hat sich\nselbst übertroffen; Fanny Eisler, die Göthe tanzte, ist\nnichts mehr das pariser Ballet tanzt in der Magicienne\neine Partie Schach! Das ist noch nicht da gewesen, das\nmachtvon sich reden, das zieht; die Schlittschuhläufer des\nPropheten sind von den Läufern, Springern, Thürmen,\nKönigen und Bauern der Melusine, die wie die Puppen\nauf einem Leierkasten herum hüpfen, besiegt.\nZu solchen Hanswurstereien auf der Scene, die einst\ndie erste Bühne der Welt war, auf der Scene, die einst\nGluck verherrlichte, muss jetzt ein Componist Musik setzen,\nwenn er durchdringen will! Ist es da zu verwundern, dass\ndie wirklichen Freunde und Verehrer der Tonkunst nach\ndem Theätre lyriquegehen, wo sie Weber und Mozart\nhören, in deren göttlichen Melodieen trotz aller Umwöl-\nkung der Kern des ewigen Lichtes leuchtet ?\nDass in einer fünfactigen oder fünfbändigen Partitur\nvon Halevy auch hier und da eine hübsche Melodie, ein\nergreifendes Ensemble, ein wirklich musicalisch-dramati-\nscher Effect, eine frappante Klangwirkung im Orchester\nsei, war zu erwarten; dass aber eben auch nicht mehr\ndarin ist, als solche Einzelheiten, ist zu bedauern. Dass eine\nMelusinen-Melodie gleich von vorn herein ins Ohr tritt und\ndann alle Augenblicke wiederkehrt, ist nachgerade ein\ngar zu verbrauchtes Hausmittel, um das eheliche Zerwürf-\nniss zwischen Poesie und Musik recht handgreiflich wieder\nherzustellen. Wie man so etwas, das seit Robert dem Teu-\nfel in allen französischen Opern spukt, in Deutschland bei\nWagner für etwas Neues halten konnte, ist mir unbegreif-\nlich. Der zweite und besonders der ganze dritte Act hat\neine sehr monotone, zu Deutsch langweilige Musik, trotz\nGewitter und Sturm, die Melusine herbeihext. Am gelun-\ngensten in musicalischer Hinsicht ist der letzte Act, in wel-\nchem man bei einigen wirkungsvollen Contrasten von hei-\nliger und teuflischer Musik freilich auch schon ziemlich\nverbraucht und einigen Melodieen voll Wahrheit und\nEmpfindung zuweilen aus der Betäubung und Abspannung\naufgeweckt wird und vergisst, dass man schon entsetzlich\nviel Musik hat ausstehen müssen. Hervorragende musica-\nlische Schönheiten habe ich nirgends gefunden. Anderen\nist es eben so gegangen, wie mir; man hatte von dem\nComponisten der Jüdin nach seinen letzten Opern zwar\nnicht viel, aber doch bedeutend mehr erwartet, als er ge-\nleistet. Dennoch wagt die öffentliche, d. h. die gedruckte\nKritik nur sehr behutsame Rügen, während Hector Ber-\nlioz in den Debats dermaassen ins Horn stösst, dass man\nfür ihn erröthet. Dieser Reformator der combinirten Vo-\ncal- und Instrumental-Musik findet sogar die kunstreiteri-\nschen Rouladen in der grossen Arie der Melusine auf die\nWorte: „0 man Rene, tu n'asplus de rivalf' ganz an\nder Stelle in dem rein dramatischen Monolog; denn „das\ngleicht dem Ausbruche eines herben Lachens, welches die\nwilde Freude der Zauberin charakterisirt.\" (!)\nAul dem kaiserlichen Theater der komischen Oper\nhat G evaert's „Quentin Durward\" Glück gemacht, und\nnicht unverdienter W eise. Der Stoff ist aus Walter Scott\ngenommen, dessen Romane eine Fundgrube für Opern-\ntexte sind. Das Buch ist nicht schlecht, im ersten Acte so-\ngar sehr dramatisch wirksam; der zweite bringt gar zu\nviel Politik und Diplomatie Ludwig's XI. auf die Scene,\nwas indessen den Parisern nicht so langweilig vorkommt,\nwie uns Deutschen; der dritte zieht aber wieder durch ein-\nzelne treffliche Musikstücke und durch die scenische Pracht\nam Schlüsse an. Also auch in der komischen Oper nichts\nmehr ohne Tableau! Die Musik ist den ganzen ersten Act\nhindurch frisch und anmuthig; die Tafelscene, bei welcher\nder König ein Trinklied anstimmt, das stets wiederholt\nwerden muss, ist lebendig, das Finale, gross angelegt und\nbreit entwickelt, enthält sehr wirksame Stellen. Der Stil\nist klar und'einfach. Im zweiten Acte verlässt die heitere\nMuse den Componisten länger, als gut ist. Die Audienz\ndes Gesandten von Burgund gehört in das Genre, welches\nVoltaire das schlimmste von allen nannte, ins Genre en-\nnuyeux; mir fiel die salbungsvolle Thronrede des Land-\ngrafen im Tannhäuser bei dem Vortrage des Gesandten\nein, den Gevaert auch unglücklicher Weise als Recitativ"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "195", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580619-01.1.3", "texte": "im Tact behandelt hat. Wenigstens hat er dadurch seine\nBekanntschaft mit den deutschen Erneuerern der altfran-\nzösischen Psalmodie, Schumann, Gade, Wagner, bewiesen,\nwenn er-nicht vielleicht an der Quelle selbst geschöpft hat,\ndie in der Bibliothek des Conservatoires in den Partitu-\nren Lully's und Bameau's reichlich lliesst.\nDer dritte Act hat einen hübschen Soldatenchor, der\nmehr durch die Form, als durch die Motive an Weber er-\ninnert. Ein Quintett ist sehr gut angelegt und enthält man-\nches Frappante im Orchester, welches dabei mehr als ge-\nwöhnlich bedacht ist. Die gehaltvollste Nummer dürfte das\ngrosse Duett für Tenor (Quentin Durward) und Bass (der\nGesandte) sein, das zuletzt zum Terzett für Männerstimmen\nwird; es würde noch mehr Lob verdienen, wenn der Com-\nponist dem Stile der Gattung mehr treu geblieben wäre\nund die Rücksicht auf Effect durch grössere Mittel, als hier\neigentlich an der Stelle sind, aus den Augen gesetzt hätte.\nJedenfalls offenbart es den talentvollen und tüchtigen Mu-\nsiker in Gevaert, wie denn überhaupt die ganze Oper ge-\ngen die Composition der Lavan einen\nerfreulichen Fortschritt in den Leistungen dieses belgischen\nComponisten bekundet.\nDas waren die Neuigkeiten des März. Der April\nbrachte Weber's „Preciosa, opera\nund dazu „Almanzor\", eben so, componirt von Benaud\nde Wilback.\nDie Concert-Gesellschaft der Ste. Ceeile hatte vor ein\npaar Jahren zuerst Weber's Musik zur Preciosa mit einem\nverbindenden Texte in ihren Winter-Concerten gegeben;\nüber den Erfolg beim Publicum habe ich damals berich-\ntet. Jene Gesellschaft ist eingegangen, und das\nlyrique, das mit Weber's Opern neuerdings so schöne Ge-\nschäfte gemacht hat, bemächtigte sich der Erbschaft, liess\naus Wolf's Preciosa ein einactiges Stück fabriciren und\nbrachte dieses mit Weber's Musik auf die Bühne. Das\nStück ist lächerlich dumm. Die Zigeuner und ihre Königin\nPreciosa werden von dem Gouverneur von Andalusien im\nGebirge umstellt; sein Sohn liebt Preciosa, und ihre Ro-\nmanze lockt ihn ins Lager der Bande. Er wird gepackt,\nund man lässt dem Gouverneur sagen, sein Sohn sei ver-\nloren, wenn er nicht von der Verfolgung ablasse. „Meinet-\nwegen!\" erwiderter; „der Junge ist ein Findelkind, wahr-\nscheinlich von eurem Gesindel stammend.\"\nheure!\" sagt Preciosa: „so heirathe ich ihn.\" Darauf lässt\nsie einen grossen Stein aufheben; ein Schacht öffnet sich,\nAlles steigt hinein, verschwindet, um, Gott weiss, wo, wie-\nder ans Licht zu kommen, und der Gouverneur ist geprellt.\nTrotz allem dem hat die liebliche Musik Wunder ge-\nthan. Alle Nummern aus der Preciosa sind darin; die Zu-\nthat von drei anderen, die auch von Weber sein sollen\n(ich weiss nicht, ob a*us Abu Hassan oder sonst woher ,\nhätte unterbleiben können.\n„Almanzor\", das einactige Werk junger Dichter und\neines jungen Componisten, Wilback, dessen Name sehr\ndeutsch klingt, will nichts bedeuten. Text und Musik sind\nschwach; allein es wird gut gespielt und gesungen, und so\nlebt es denn doch einige Wochen.\nDasselbe Theater hat denn auch im Mai den blühen-\nden Melodieen-Frühling vonMozart's „Figaro's Hoch-\nzeit\" einmal wieder zu Paris auf die Bühne verpflanzt,\nund mit grossem Glück; denn Tausende eilen herbei, um\nseinen Duft einzuathmen, und bringen der Casse gar schöne\nSummen ein.\nFrüher ist dieses Meisterwerk Mozart's nur von den\nItaliänern gegeben worden; aber auch diese haben es seit\nzwanzig Jahren liegen lassen. Zuletzt hat man es, wie ich\nmir habe erzählen lassen, im Jahre 1838 mit trefflicher\nBesetzung gehört: Figaro—Lablache, der Graf—Tambu-\nrini, die Gräfin die Persiani, Susanna Giulia Grisi,\nCherubino—? Der jetzige Bearbeiter, der sich nicht ge-\nnannt, hat den italiänischen Text von Casti (der Beaumar-\nchais' Lustspiel als Opernbuch für Mozart sehr glücklich\nbearbeitete) ins Französische übersetzt; auch der Zwische-\nn bei den Italiänern • ursprünglich Recitativ, ist in\nfranzösische Verse gebracht denn Beaumarchais' Prosa\nda, wo sie passte, zu gebrauchen, verwehrte ein Interdict\nder Direction des Theätre frangais. Das Ganze ist gut ge-\nrathen; es ist auch nichts neu zugeschnitten oder zurecht-\ngemacht, mit Ausnahme einer einzigen Aenderung, die\naber wieder so echt parisisch und sängerisch-willkürlich\nist, dass man in Deutschland sie für unbegreiflich halten\nwird. Madame Carvalho-Miolan nämlich singt den Pagen\nCherubin, Madame Ugalde die Susanna, Madame van den\nIleuvel-Duprez die Gräfin. Trefflich besetzt; aber Madame\nCarvalho, Gemahlin des Directors des lyrique,\nfindet das Schreib-Duett so wunderschön, dass sie, offen-\nbar aus Liebe zu Mozart, trotz ihrer Pagenrolle darin sin-\ngen will! Was ist zu thun? Der Herr Director beschwich-\ntigt und besänftigt die arme Susanne, lässt seinen Poeten\nrufen: „Ah ga, mon ami, arrangez-rnoi le duo de la\nlettre, vons savez, pour le Page et la Comtesse.\" —■\n„ „Mais, Monsieur... .La Situation.... enfin Mozart...\"\n„Mais, Monsieur, c'est Mada \"\nAdieu Situation, Mozart u. s. w. Das Schreib-Duett\nwird zu einer faden elegischen Einlage, welche die Gräfin\nund der Page zu ihrem persönlichen Vergnügen singen.\nJubel des Publicums, tausendstimmiges bis, Uebri-\nGens hätten wir der Madame Carvalho das hohe am\nSchlüsse der Arie Non sopiii gern erlassen, wie\nsie denn auch durch das ganz übereilte Tempo des lieb-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "196", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580619-01.1.4", "texte": "lichen Voi che sapeie sehr deutlich verrieth, dass Mozart\nihr Genre nicht ist. Meillet sang und spielte den Figaro\nrecht gut, aber Balanque's Bariton ist für die Partie des\nGrafen zu dumpf und klanglos, wodurch besonders die\nherrlichen Ensembles verloren. Madame Ugalde singt schon\nlange, ist aber trotzdem, besonders für den, der sich an\ndie Schärfe ihrer Stimme gewöhnt hat, in Gesang und\nSpiel eine vortreffliche Susanne, wie sie schwerlich in\nDeutschland zu finden sein dürfte, während der Graf, die\nGräfin und Cherubin besser von deutschen Künstlern ge-\nsungen werden.\nFigaro macht volle Häuser. Man darf das aber nicht\nso hoch anschlagen, wie es von deutschen Blättern, wie\nich gesehen habe, geschieht. An einen Umschwung des\nGeschmacks durch die Wiederbelebung Mozart's in Paris\nist nicht zu denken. Man darf nur wahrnehmen, wie bei\nder jedesmaligen Aufführung des Don Juan, welcher\nSchanden halber jedes Jahr doch Ein Mal bei den Italiänern\nan die Reihe kommt, die ersten Plätze sich erst nach 4er\nIntroduction, meist erst beim Auftreten der Bauern-Hoch-\nzeit und Zerlinchens, füllen und regelmässig beim Anbruch\ndes letzten Finale sich leeren. Eben so kommt die höhere\nGesellschaft im Theäire lyrique, wenn sie überhaupt\nkommt, erst im zweiten Acte des Figaro an und geht je-\ndenfalls vor dem Finale des vierten, wo nicht schon am\nEnde des dritten, wieder weg. Das genügt ja auch voll-\nkommen für den Zweck, davon mit sprechen zu können.\nIn dieser Saison aber sind alle pariser Theater stets voll\nund übervoll gewesen, und sind es noch jetzt, auch bis zu\nEnde der Vorstellung; aber nicht durch die Pariser, son-\ndern durch die Fremden. Die Eisenbahnen bringen tag-\ntäglich acht bis zehn Tausend Menschen nach Paris, die\nsich amusiren wollen, und selbst der Geschäftsmann aus\nder Provinz weiss seinen Abend nach gethaner Arbeit\nnirgends besser zuzubringen, als im Theater. Wenn Paris\njetzt fünfzig Theater hätte, statt fünfundzwanzig, sie wür-\nden alle voll. Nichts ist jetzt gewöhnlicher, als dass der\npariser Einwohner, der nicht gern zu früh sein Geschäft\nverlässt, an der Casse jedes beliebigen Theaters, kein Billet\nmehr für einen anständigen Platz findet.\nIch erwähnte vorher das Interdict des Theäire fran-\ncaisgegen den Text des Figaro auf dem\nDie Veranlassung dazu gab schon im Januar dieses Jahres\ndie erste Aufführung einer komischen Oper, welche den\nschlichten Titel führte: Le medecin malgre lui de Moliere.\nMis en musique par M. Gounod. Gounod hatte Molifere's\nWorte im Dialog beibehalten, selbst ihre Sprache nicht\nmodernisirt, übrigens das Stück mit versificirten Texten\nzu Arien, Duetten, Chören u. s. w. versehen öder versehen\nlassen. Dagegen glaubte das sein Privi-\nlegium wahren zu müssen—eine merkwürdige Zopfwirth-\nschaft, die aber bei dem herrschenden System der Nach-\nahmung ehemals stabiler Hofformen von oben begünstigt\nwird.\nDer Medecin malgre lui hat übrigens Glück gemacht.\nGounod, der durch seine „Sappho\" und zwei Sinfonieen,\nmehr als durch die Nonne ssich als tüchtigen\nMusiker ernster Richtung bewährt und sich sogar den\nVorwurf oder die Ehre zugezogen hat, in der Musik mehr\nDeutscher als Franzose zu sein, mag diese Moliere-Musik\nwohl schon vor mehreren Jahren geschrieben haben. Die\nIdee, den musicalischen Stil der Zeit Molifere's, also haupt-\nsächlich Lully, nachzuahmen, ist keine glückliche, wiewohl\nsie einige hübsche, einfache Stücke erzeugt hat. Ob die\nkomische Gattung überhaupt seinem Talente zusagt, würde\nsich erst bei der Composition eines wirklichen Opern-Tex-\ntes zeigen. Immer ist jedoch auch diese Musik ein erfreu-\nlicher Beweis seiner Begabung, die sich besonders auch in\nder geschickten Behandlung des Orchesters an und für sich\nzeigt, wenngleich dasselbe manchmal in Bezug auf die Sing-\nstimme, namentlich für eine komische Oper, zu breit und\nreich gehalten ist.\nParis, den 1. Juni 1858.\n\nB. P.\n\nSonst und Jetzt\nNachricht von der churfürstlich-cöllnischen Hofcapelle\nzu Bonn und andern Tonkünstlern daselbst.\n*).\nHeu März i 3 3.\nCapelldirector: Herr Hofkammerrath Caj eta n o Mat-\ntioli, gebohren zu Venedig den Tten August 1750. Er\nhat in Parma bey dem ersten Geiger, Herrn Angelo Mo-\nriggi, einem tartinischen Schüler, studirt, und schon in\nParma, Mantua und Bologna grosse Opern: Alceste, Or-\n\n*} Unter dieser Rubrik werden wir von Zeit zu Zeit Mittheilun-\ngen aus dem vorigen Jahrhundert bringen, die zu interessan-\nten und belehrenden Parallelen zwischen den früheren und\njetzigen Musik-Zuständen Veranlassung geben dürften. Obige\nNachricht über die Tonkunst in unserer Nachbarstadt Bonn\nist Auszug einer Correspondenz für das März-Heft vom Jahre\n1783 des hamburger Magazins der Musik von C. F. Cramer.\nBesonders wird die liebenswürdige Freiheit auffallen, mit der\ndarin auch die Dilettanten besprochen werden. Der Artikel,\nder nicht unterzeichnet ist, hat wahrscheinlich den Organisten\nund Musik-Director C. G. Neefe zum Verfasser, den Lehrer\nBeethoven's. Man sieht, dass auch schon damals Musik-Direc-\ntoren über sich selbst schrieben, nur etwas bescheidener, als\ndies heutzutage hier und da geschieht. Neefe zählt bloss seine\nCompositionen (ausführlicher, als wir es abdrucken) auf, er-\nlaubt sich aber kein Urtheil darüber, und ist bei der Schilde-\nrung seiner Collegen von aller Verkleinerurgssucht fern.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "197", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580619-01.1.5", "texte": "}>heus und Euridice &c. vom Bitter Gluck, mit Beyfalle\ndirigiret. Dem Beyspiel des Bitters Gluck hat er viel in\nAbsicht auf die Direction zu verdanken. Man muss gestehen,\ndass er ein Mann voll Feuer und geschwinden, lebhaften\nund- feinen Gefühls ist. Er dringt schnell in die Gedanken\nund Empfindungen eines Tonsetzers ein, und weiss diesel-\nben dem ganzen Orchester bald und bestimmt mitzutheilen.\nEr hat zuerst die Accentuation oder Declamation auf In-\nstrumenten, die genaueste Beobachtung des Forte und\nPiano, oder des musicalischen Lichts und Schattens in allen\nAb- und Aufstufungen im hiesigen Orchester eingeführt.\nSein Bogen ist sehr mannigfaltig. In allen Eigenschaften\neines Directors steht er dem berühmten Cannabich zu\nMannheim gar nicht nach. Im musicalischen Enthusiasmus\nÜbertrift er ihn, und übrigens hält er, eben wie jener, auf\nmusicalische Zucht und Ordnung. Durch seine Bemühung\nhat das Musicrepertorium des hiesigen Hofes einen ansehn-\nlichen Yorrath guter und vortreflicher Compositionen, so-\nwohl an Symphonien, als an Messen und anderen Sachen\nerhalten, die er täglich fortsetzt, so wie er immer auf die\nVerbesserung der Capelle bedacht ist. Jetzt ist er mit dem\nProject zur Erbauung einer neuen Orgel in der Hofcapelle\nbeschäftigt. Die vorige Orgel, ein herrliches Werk, ist bei\ndem grossen Schlossbrande 1777 auch ein Baub der\nFlamme geworden. Sein Gehalt ist 1000 Gulden.\nCapellmeister: Herr Andrea Lucchesi, gebohren den\n28sten Mai 1741 zu Motta im Friaul, zum venetianischen\nGebiet gehörig. Seine Lehrer in der Composition sind ge-\nwesen: im Theaterstil: Herr Cochi von Neapel; im Kir-\nchenstil: der Vater Paolucci, ein Schüler des Vater Mar-\ntini zu Bologna, und nachher Herr Seratelli, Capellmeister\nbey dem Herzog von Venedig. Er ist ein guter Orgelspieler,\nhat auch sonst in Italien sich vorzüglich mit diesem Instru-\nmente beschäftigt. Im Jahre 1771 kam er, nebst Herrn-\nMattioli., mit einer italienischen Operngesellschaft als Ca-\npellmeister hieher. Ueberhaupt genommen, ist er ein leich-\nter, gefälliger und munterer Componist, und reiner im Satze,\nals viele seiner Landsleute. In seinen Kirchenarbeiten hält\ner sich nicht immer an die strenge gebundene Schreibart,\nworzu mehrere Componisten zuweilen durch Gefälligkeit\nfür Liebhaber determinirt werden. Seine Arbeiten sind\nfolgende: A. Fürs Theater in Venedig fünf Opern und eine\nCantate bei Gelegenheit eines grossen Festes, welches die\nBepublik Venedig auf dem Theater S. Benedict 1767 dem\nanwesenden regierenden Herzog von W ürtemberg zu Eh-\nren anstellte.—II Natal di Giove und L'inganno scoperto\nsind beyde zu Bonn componirt. Verschiedene Intermezzen,\nCantaten und andere Stücken zu verschiedenen Gelegenhei-\nten hiesigen Orts. B. Für die Kirche ein lateinisches\nOratorium, ein Te Deum, eine Todtenmesse und mehrere\nMessen, Antiphonen, Assertorien und Motetten für die Ca-\npelle Sr. churfürstl. Gnaden zu Köln. C. Fürs Ciavier\nsechs Sonaten fürs Ciavier mit einer begleitenden Violine;\nein Trio fürs Ciavier (sind gestochen); Concerte und vier\nQuatuors fürs Ciavier im Manuscript. Er hat ein Ge-\nhalt von 1000 Gulden.\nCapell- und Hoforganist: Herr Christian Gottloh\nNeefe, welcher zugleich Musicdirector beym hiesigen deut-\nschen Theater ist, gebohren zu Chemnitz im Erzgebürge des\nChurfürstenthum Sachsens den 5. Febr. 1748, hat unter\nHillern zu Leipzig die Music studirt. Seine im Druck er-\nschienenen Arbeiten sind zahlreich für Ciavier und Ge-\nsang. Seine Manuscripte bestehen in Partituren von den\nOperetten, die im Ciavierauszug gedruckt erschienen sind,\nund in Partituren der Opern Zcmire und Azor und\nAdelheit von Veltheim u. s.w. Vorm Jahre führte er\nhier in einem Liebhaberconcert bei dem Herrn von Ma-\nstiaux eine Ode von Klopstock, Dem Unendlichen, für\n4 Singstimmen, als Chor und mit starker Orchesterbeglei-\ntung componirt, auf, welche nachher auch in der Char-\nwoche in einer hiesigen Fräuleinstiftskirche von ihm auf-\ngeführt ward. Als Musicdirector hat er einen Gehalt von\n700 Fl. und als Organist 400 Fl.\nSängerinnen. Sopran: Madame Drewer, eine brave,\nangenehme Sängerin; Madame Eichhof und Demoiselle\nNeuer. Alt: Madame Delombre, welche sehr gut\nvom Blatte lies't und sonst musicfest ist; Demoiselle Grau\nund Demoiselle Averdong\". Die bevden letzteren haben\no J\nschöne Stimmen und singen mit viel Geschmack.—Sänger.\nTenor: Herr Heller, ein guter Sänger, welcher auch\nzuweilen componirt; Herr van Bethoven und Herr De-\nlombre. Bass: Herr Noisten und Herr Paraquin,\nwelcher letztere den Contrabass meisterhaft spielt, wozu\nihm seine nicht gemeinen Einsichten in das innere Wesen\nder Music treflieh nützen; spielt auch Violoncell.\nViolinisten: Herr Ries, muss wegen einer Kopfkrank-\nheit, die ihm geheimer Gram und übertriebenes Studiren\nin der Composition verursacht haben, seine unglücklichen\nTage im Hospital zu Cölln verleben. Verschiedene seiner\nCompositionen verrathen gute Einsichten in die musicali-\nsche Setzkunst. Herr Biedel. Herr Drewer,Director der\nersten Geige im deutschen Schauspiele und Director der\nzwoten Geige in der Capelle. Er dringt mit seinem Instru-\nmente durch und ist seines Platzes werth. Herr Brand,\nein guter Sologeiger, auch erster Tenorist bey der hiesigen\ndeutschen Oper. Herr Bies, des obigen Sohn, spielt fer-\ntig und angenehm, und hat sich in Wien mit Beyfall pro-\nducirt. Herr Wagen er. Herr Töpfer. Herr Pfau und\nHerr Esch. Accessisten: Herr Goldberg, ein .junger\nviel versprechender Violinspieler, und Herr Philippard."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "198", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580619-01.1.6", "texte": "—Flautisten: Herr Pfau, welcher einen angenehmen, Ton\nund Fertigkeit besitzt. Herr Küchler. Oboisten und\nClarinettisten: Herr Meiser und Herr Baum. Auf der\nClarinette ist ersterer besonders gut. Waldhornisten:\nHerrßiedel. Herr Brand. Herr Bamberger und Herr\nSimrock. Beyde letztere sind sehr brav. Herr Simrock\nist auch Commissionair von dem Verlage des Herrn Götz\nin Mannheim, des Herrn Artaria in Wien, des Herrn Kel-\nlers in Cassel u. a. Fagottisten: Herr Mauris. Herr\nZilsken und Herr Küchler. Der letztere bläst sehr gut,\ncomponirt auch. In Paris sind einige Sinfonien von ihm in\nKupfer gestochen worden.—Braccisten: Herr Haveck und\nHerr Walt her.—Violoncellisten: Herr Heller, der Bru-\nder des obigen, aus München, und Herr Paraguin.\nContrabassisten: Herr Passavanti, sonst am Würtem-\nbergischen Hofe, und Herr Paraguin.—Trompeter: Herr\nBaumgarten. Herr löpler und Herr Prisner, spielt\nauch den Contrabass gut.—Paucker: Herr Weckhoven.\nHof-Saitenmacher: Herr Niesen. Calkant: Herr\nFunk.\nDie jährlichen Gehalte dieser sämmtlichen Personen\nsteigen von 100 bis 600 Gulden. Die Personen, deren\nNamen ich nichts beigefügt, sind doch mehrentheils gute\nRipienisten.\nSe. Excellenz, der dirigirende Herr Minister, Graf von\nBelderbusch haben eine sehr gute Hauscapelle von blasen-\nden Instrumentalisten, welche aus folgenden Personen be-\nsteht: Ister Clarinettist: Herr Bachmeier. 2ter Clari-\nnettist: Herr Moock. Ister Waldhornist: Herr Ziegler.\n2ter Waldhornist: Herr Taper. Fagottist: Herr Eifer.\nCorrepetitor beym hiesigen deutschen Theater ist;\nHerr Jakobi, ein braver Geiger, dessen Vater Concertmei-\nster zu Mainz war.\nDilettanten: Frau Gräfin von Belderbusch, spielt\nsehr fertig auf dem Ciavier.\nFrau Gräfin von Hatzfeld, ist von den besten Mei-\nstern im Singen und Clavierspielen zu Wien unterrichtet\nworden, denen sie in der That viel Ehre macht. Das Re-\ncitativ declamirl sie vortreflich; auch parlante Arien hört\nman von ihr mit Vergnügen. Auf dem Fortepiano spielt\nsie sehr brillant, und überlässt sich dabei völlig ihrem Ge-\nfühl. Deswegen hört man oft das von ihr,\nohne dass sie tactschwankend ist. Für Tonkunst und Ton-\nkünstler ist sie enthusiastisch eingenommen.\nHerr Kammerherr und Hauptmann von Schall spielt\nCiavier und Geige. Ob er schon auf beyden Instrumenten\nnicht stark ist, so hat er doch ein sehr richtiges musicali-\nsches Gefühl. Er weiss die wahren Schönheiten einer Com-\nposition zu empfinden und zu beurtheilen, und hat viel\nhistorisch-litterarische Kenntnisse in der Music.\nFrau Ilofräthinn von Beizer, spielt Ciavier und singt,\nSie hat eine starke, männliche Contra-Altstimme von gros-\nsem Umfange, besonders in Absicht auf die Tiefe.\nHerr Hofkammerrath von Mastiaux, ein Mann, der\nkein Vergnügen kennt und wünscht, als das Vergnügen\nder Music; sie ist seine liebste, seine tägliche Gesellschaf-\nterinn. Er besitzt Talente und Einsichten in diese Kunst;\ndie erstem hat er auch auf seine Kinder, deren er fünfe,\n4 Söhne und eine Tochter, besitzt, fortgepflanzt, und um\nihnen die letztern zu gewähren, spart er keine Kosten. Sie\nspielen alle Ciavier, zum Theil Geige, Bratsche und Violon-\ncell besonders haben seine Demoisell Tochter von I2Jah-\nv\nren, und zvveen seiner Söhne, etwas älter, grosse Fort-\nschritte im Clavierspielen gemacht. Es ist in der That für\neinen fühlenden Mann kein geringes Vergnügen, einen Va-\nter mitten unter seinen Kindern sitzen zu sehen, und ihn\nmit selbigen ein Quintett ausführen zu hören. Er ist der\nEinzige, der schon seit geraumer Zeit den Winter hindurch\nwöchentlich ein Concert bei sich giebt, woran jeder Mu-\nsicliebhaber, er sey fremd oder einheimisch, Antheil neh-\nmen kann. Er besitzt einen grossen Vorrath an guten Mu-\nsicalien, und so viel Instrumente, dass er fast ein vollstän-\ndiges Orchester damit etabliren kann. Jeder Musiker ist\nsein Freund, ist ihm willkommen. Von Joseph Haiden ist\ner ein Anbeter und wechselt mit ihm Briefe. Er verdient\nschon, dass ich eins und das andre aus seinem Leben hier\nanführe, was ich mir aus seinen Gesprächen gemerket\nhabe. Er ist den Ilten Junius gebohren, in der\nGrafschaft Blankenheim, auf dem Schlosse Junkerrath, wo-\nvon sein Grossvater Commandant oder Gouverneur war.\nIm fünften Jahre ward er in Mühlheim am Rheine einem\nGeistlichen zur Erziehung übergeben. Im sechsten bekam\ner einen Anfall vom Augenweh dergestalt, dass er in fünf\nJahren das Tageslicht nicht sehen konnte, und so gut als\nblind war. Ein andrer Knabe ward an dem Tische, unter\nwelchen der arme Augenkranke lag, in allem unterwiesen,\nwelchen Unterricht er so gut für sich nützte, als es sein\nZustand erlaubte. Sein einziger Zeitvertreib war ein Clavi-\nchord. In des Nachbars Hause hörte er fast täglich zwey\nWaldhörner blasen. Von dem gehörten Stückchen suchte\ner sich die erste und zwote Stimme auf seinem Ciavier\nAbends im dunkeln zusammen, wo es ihm vergönnet war,\nunter seinem Tische hervorzukriechen. In kurzem spielte\ner auch dem Organisten einige Stücke nach, die er auf\nder Orgel spielen hören konnte, weil die Kirche dicht an\nseiner Wohnung gelegen war. Dabey gefiel ihm ein tiefer\ngravitätischer Bass immer am Besten. Endlich kam er ohne\ndie mindeste Unterweisung so weit, dass er alles fertig und\nrichtig nachspielte, was er nur hörte. Im zwölften Jahre,\nals das Augenweh ihn in etwas verliess, kam er zu den"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "199", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580619-01.1.7", "texte": "iesuiten in Cölln, um zu studiren. Daselbst ficng er aus\nden Musiken in Kirchen, und aus den Arien der Studen-\ntenschauspiele jedesmal etwas auf, womit er nach Haus\neilte, und woraus er sich Ciavierstücke künstelte. Zu die-\nser Uebung feuerte ihn das Lob andrer, welches sie seinen\nStücken ertheiltcn, immer mehr und mehr an. Inzwischen\nkam in das nämliche Kosthaus, wo er speiste, ein Student,\nder die Flöte blies, und deren zwey hatte. Er machte sich\nsogleich mit daran, lernte dadurch zuerst Noten und Pau-\no 7\nsen kennen, und bald bliesen sie Duetten zusammen. Ein\nCanonicus, der in Spanien sehr gut auf dem Ciavier und\nder Theorbe Generalbass spielen gelernt hatte, machte viel\nWesens aus seinem Clavierspielen, und theilte ihm 1740\nim Vertrauen die Regel mit, den Bass durch eine ganze\nOctave im Auf- und Absteigen zu accompagniren und zu\nbeziffern, welches damals noch ein Geheimniss sein sollte.\nHierauf ward er eines Manuscripts habhaft, welches Da-\nvid Kellners treulicher Unterricht im General-\nbass war. Mit diesem, so wie auch einige Zeit hernach\nmit Matthesons Schriften und Tartinis Lehrsätzen von der\nComposition, beschäftigte er sich so oft, als es ihm seine\nübrigen Studien zuliessen. Da sollte es nun auch ans Schrei-\nben gehen: er hatte auch wirklich schon ein paar Trio,\nQuartetten, Simphonien und Lieder zusammengesetzt, als\ner zu Geschäften berufen und über 15 Jahr lang verhin-\ndert ward, an Music zu denken. Durch einen Scherz und\nZufall kam er wieder daran, und der Hang und die Lei-\ndenschaft zu dieser seiner Lieblingskunst vermehrte sich\nnun täglich. Sie ergötzt ihn um so mehr, da er alles ohne\nMeister und Lehrgeld aus sich selbst erworben hat. Die\nVerbesserung des Fingersatzes auf dem Ciavier sah er dem\nitaliänischen Capellmeister Francesco Zoppis, den Strich\nauf der Geige einem tartinischen Schüler, und auf dem\nVioloncell dem Herrn Abaco ab, welche zu belauschen er\nkeine Gelegenheit versäumte. Er blies auch noch etwas we-\nniges auf der Clarinette und dem Horn, die er aber sammt\nder Flöte zu verdammen genöthigt ward, als ihn dasßlut-\nspeyen überfiel.\nUnter der Menge seiner gesammelten Musicalien*liält\ner folgende für die beträchtlichsten: 80 Sinfonien von Jo-\nseph Haiden, 30 Quatuor und 40 Trio von ebendemsel-\nben, und über 50 Clavierconcerte von den besten Autoren.\nUnter der zahlreichen Sammlung seiner Instrumente zeich-\nnen sich aus: Ein Flügel von Andreas Rückers, dem älte-\nren, de A 0.1646. Ein grosser Flügel von Joh. Rückers,\nde Ao. 1659. Ein Flügel von Johann Couchet, de Ao.\n1659. Ein Flügel von eben diesem Meister, de Ao. 1661.\nEin grosser Flügel von Joh. Peter Couchet, 1664.\nEin Clavichord von Friderici. Ein grosses piramidenförmi-\nges Hammerciavier von Mechanicus Riedeln, woran noch\nein Pedal, ein Glocken- und Pfeilenzug kommen sollen.\nEin Contrabass von Paul Aletsche 1726. Ein Yiolonceil\nvon eben diesem Meister 17*29. Eine ächte Altviola von\nden Gebrüdern Anton Hieron. Amali, Cremona 1662.\nEine ächte Geige von Anton Amati, Crcmona 1673. Eine\nächte Geige von Nicol. Amati, Sohne des Hieron. Amati,\nCremona 1682. Eine ächte Geige von Anton Stradivari,\nCremona 1670. Eine von Andr. Gvarnieri, Cremona 1693.\nEine von Nicola **, Roma 1670. Unter mehrern eine von\nJacob Stainer, die, wenn sie auch nicht ächt sein sollte,\nden wenig ächten, die Stainer gemacht, doch nichts nach-\ngiebt.\nIn dem Hause des Herrn Hofkammerrath Altstädten\nkann man zuweilen ein recht gutes Quartett hören.\nHerr II auptmann Dantoinc, ein leidenschaftlicher\nVerehrer und Renner der Tonkunst, spielt Geige und etwas\nCiavier. Die, Kunst des Satzes hat er aus Marpurg, Kirn-\nberger und Riepel erlernt. Seinen Geschmack in Italien ge-\nbildet. In beyden hat ihm auch das Lesen der Partituren\nvon classischen Componisten trellich genützt. Componirt\nhat er 3 komische Opern, verschiedene Sinfonien und ei-\nnige Quartetten in haidnischer Manier und Laune. Näch-\nstens wird ihn das musicalische Publicum durch einen\nCiavierauszug von Clavigo näher kennen lernen.\nDie drey Herren Facius, Söhne des hiesigen russi-\nschen Agenten, sind gut musicalisch. Die zwei älteren bla-\nsen Flöte, und der jüngere spielt Violoncell.\nLouis van Betthoven, Sohn des obenangeführten\nTenoristen, ein Knabe von 11 Jahren, und von vielver-\nsprechendem Talent. Er spielt sehr fertig und mit Kraft\ndas Ciavier, liest sehr gut vom Blatt, und um alles in Ei-\nnem zu sagen: Er spielt grösstentheils das wohltemperirte\nCiavier von Sebastian Bach, welches ihm Herr Neefe un-\nter die Hände gegeben. Wer diese Sammlung von Prälu-\ndien und Fugen durch alle Töne kennt (welche man fast\ndas non plus ultra nennen könnte), wird wissen, was das\nbedeute. Herr Neefe hat ihm auch, sofern es seine übrige\nGeschäfte erlaubten, einige Anleitung zum Generalbass ge-\ngeben. Jetzt übt er ihn in der Composition, und zu seiner\nErmunterung hat er 9 Variationen von ihm fürs Ciavier\nüber einen Marsch in Mannheim stechen lassen. Dieses\njunge Genie verdiente Unterstützung, dass er\nreisen könnte. Er würde gewiss ein zweyter\nWolfgang Amadeus Mozart werden, wenn er so\nfortschritte, wie er angefangen.\nEs giebt noch mehrere Musicliebhaber hier, die aber\ngrösstentheils mit ihren musicalischen Beschäftigungen zu\nsehr privatisiren, als dass ich sie hier anführen könnte.\nGnug, dass man hieraus schon abnehmen kann, dass ein\nFremder, der die Music liebt, nie ohne musicalische Nah-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "200", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580619-01.1.8", "texte": "rung von Bonn wieder abreisen wird. Zu wünschen wäre\nnur noch, dass unter dem Schutze Sr. Churfürstl. Gnaden\nein grosses öffentliches Concert hier errichtet würde. Da-\ndurch würde diese Residenz eine Zierde mehr bekommen,\nund die gute Sache der Music mehr befördert werden.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nHerr Hof-Capellmeister Dr. Marschner ist zum Be-\nsuche seit acht Tagen hier anwesend.\nHerr Hofpianist Alfred Jaell hat einige Wochen hier verweilt\nund begibt sich heute nach Bad Ems.\nStuttgart« Hof-Capellmeister Kücken hat von des Königs\nvon Preussen Majestät die grosse goldene Verdienst-Medaille für\nKunst erhalten.\nWien. „Tutli in maschera\" (Alles verlarvt) ist der Titel einer\ndreiactigen komischen Oper von einem anonymen Verfasser, welche\nam Schlüsse der italienischen Saison zur Aufführung gelangen soll.\nMöge sie besser sein, als ihre bei gleichen Gelegenheiten gehörten\nV orgängerinnen.\nHeinrich Marschner hat seine eben vollendete vieractige ro-\nmantische Oper ~Sangeskönig Hiarne\" oder „Das Tyrsingsschwert*'\nder Direction der hiesigen Hofoper eingesandt, und nach dem gün-\nstigen Eindruck, welchen der erste Durchblick der Partitur hervor-\ngebracht haben soll, ist die Aufführung dieser Novität im Laufe der\ndeutschen Saison, deren erste Novität Wagner's „Lohengrin\" sein\nwird, zu gewärtigen, welcher Gluck's ~Armide\" folgt.\nPrag. Fräul. Hartmann, die im Besitze einer schönen\nStimme ist, zeigte als Elisabeth im Tannhäuser und als Donna Anna,\ndass sie noch ganz eine Anfängerin ist. Im Troubadour von Verdi\nsang Fräul. Mik die Azucena etwas outrirt, aber mit Ausdruck,\nFräul. Tipka die Leonore mit ausserordentlichem Erfolg.\nZiiricia. Das eidgenössische Sängerfest wird vom 17. bis 19.\nJuli gefeiert; es haben sich 23 Vereine für den Wettgesang gemeldet.\nParis. In voriger Woche fand in der grossen Oper die 397.\nVorstellung von Robert der Teufel Statt. Halevy's Magi-\ncienne hat die 27. Vorstellung erlebt.\nJ. Offenbach hat mit seinen Bouffes Parisiens in Marseille\nVorstellungen gegeben. Er ist im Begriffe, mit seiner Gesellschaft\nnach Deutschland, namentlich nach Berlin, zu gehen.\n/\nJLiOiltlöii. Rubinstein hat in dem Concerte der philharmo-\nnischen Gesellschaft ein Clavier-Concert von Mozart (!) und eine\nFuge von seiner eigenen Composition gespielt. Halles Mati-\nneen für classische Musik sind sehr besucht. Im Coventgarden-\nTheater wird Flotow's Martha studirt.\nIm zweiten Concerte des Pianisten Pauer bildete der berühmte\nGeiger Joachim wieder die Haupt-Anziehungskraft. Er entzückte\ndas Publicum durch seinen Vortrag des 11. Violin-Quartetts (F-moll)\nvon Beethoven (mit den Herren Ries, Pollitzer und Piatti), und setzte\nes in Staunen durch jenen einer Paganini'schen „Caprice\". Das\nPiano forte-Trio von Schubert wurde von den Herren Pauer, Joachim\nund Piatti meisterhaft ausgeführt. Nebstbei spielte der Concertgeber\neigene Compositionen und Liszt's „Carneoal de Pest\".\narscltaii. Von der hier mit grossem Beifalle aufgeführten\nOper in vier Acten „Halka\", Musik von Stanislaus Moniuszko, hat\ndie Buchhandlung G. Gebethner & Comp, das Verlags- und Auffüh-\nrungsrecht für alle Länder erworben. Im Stich erschienen ist bereits\nder Clavier-Auszug mit polnischem und italiänischem Texte, so wie\nder Clavier-Auszug für Pianoforte allein, denen alle Gesangs-Piecen\nin einzelnen Nummern und die übrigen sonst üblichen Arrangements\nbald folgen werden."}]}