{"numero_id": "bm-bmtnabi-1858-07-24-01", "volume": "bmtnabi_1858-07-24_01", "ocr_sha256": "4ec1936721b47b47bdf2cd0035cf330723419f01c47a2b73bfeac373786d6c0b", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1858/07/24_01/bmtnabi_1858-07-24_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580724-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1858-07-24-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-07-24_01#c001", "volume": "bmtnabi_1858-07-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "233", "page_fin": "233", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580724-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "233", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580724-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 430, "texte": "Inhalt.\nDie Jabelfeier des Conservatoriums zu Prag. Die musicalischen Zustände in Böhmen vor Gründung des Conservato-\nriums. Gründung, Wachsthum und gegenwärtiger Bestand desselben. Karl Franz Pitsch, Director der Orgelmeisterschule zu Prag.\nEin Nachruf. Tages- und Unterhaltungsblatt (Dresden, Wiederaufnahme des Tannhäuser Siegfried Dehn, Neue Auflage Yen\ndessen Harmonielehre Deutsche Musik-Zeitung für die Vereinigten Staaten^"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-07-24-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-07-24_01#c002", "volume": "bmtnabi_1858-07-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "233", "page_fin": "238", "image_debut": 1, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580724-01.2.2", "titre_corps": "Die Jubelfeier des Conservatoriums zu Prag.", "titre_sommaire": "Die Jubelfeier des Conservatoriums zu Prag.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "233", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580724-01.1.1", "debut_caractere": 432, "fin_caractere_exclue": 4323, "texte": "Die Jubelfeier des Conservatoriums zu Prag.\n, Prag, den 15. Juli 1858.\nEine so glänzende Gesellschaft von Tonkünstlern, wie\nwährend der vorigen Woche unsere Stadt mit ihrer Ge-\ngenwart beehrte, hat Prag wohl noch nie versammelt ge-\nsehen. Ein berühmter Name glänzte neben dem anderen,\nund nicht sowohl die Anzahl als die Qualität der Theil-\nnehmer am Jubelfeste des Conservatoriums ist als eine in\nihrer Art einzige zu bezeichnen. Die einstigen Zöglinge der\nAnstalt mit Stillschweigen übergehend, sei hier nur der\nAbgesandten anderer Musikschulen und der eigens gelade-\nnen Gäste erwähnt. Die Herren Fetis und Sohn aus Brüs-\nsel, Chevalier Florino aus Neapel, Lauro Rossi aus Mai-\nland, Moscheies, F. David, A. Dreyschock, F. Brendel,\nCapellmeister D. Rietz aus Leipzig, Tröstler aus Dresden,\nGrunwald aus Köln, Hellmesberger, Proch aus Wien,\nHesse aus Breslau, L. Ricci aus Triest, Taux, Director des\nMozarteums in Salzburg, Altmeister Spohr und Andere er-\nschienen theils als Repräsentanten der betreffenden Schwe-\nster-Anstalten, theils als Festgäste. Wenn etwas für den\nRuf und die Achtung, die das hiesige Conservatorium ge-\nniesst, sprechen kann, so ist es dieser freiwillige Künstler-\nCongress, dessen Abhaltung sich so zu sagen von selbst\ngefügt. Das Programm der Jubelfeier ist auch jenen be-\nkannt, welche ihr nicht beigewohnt, und sollte nicht so-\nwohl ein Musikfest im Sinne derselben in Deutschland, als\neines im localen, gelegenheitlichen des Conservatoriums,\nals der ältesten musicalischen Pflanzschule, darstellen. Die-\nser eigenthümliche Charakter der musicalischen Feier an\nsich benimmt jenen Einwendungen, die man von vorn her-\nein gegen die Wahl der aufgeführten Tonstücke, gegen\ndie Aufwendung der mitwirkenden Kräfte, welche selbst\nim Concert spirituel die Zahl von 300 kaum überschritten,\nund gegen die Eintheilung der Productionen überhaupt\ngemacht, ihre Geltung. Nicht eben so leicht zu desavoui-\nren, ja, kaum zu entschuldigen dürften so manche äussere\nförmliche Fehler sein, welche auffallender Weise von dem\nFest-Comite begangen wurden. Die Klagen über die Art,\nwie die fremden Gäste empfangen und dann ihrem eigenen\nGeschicke überlassen wurden, über die zu Missstimmung\nmancher Art Veranlassung gebende Hast, mit welcher die\nDenkschrift verfasst und dem zufolge in selber gar vieles\nUnwesentliche aufgenommen, aber relativ Bedeutendes über-\ngangen wurde, über den kaum erklärbaren Fehler, dass\nbei der ganzen Feier der um das prager Conservatorium\nverdienstvollste Mann, so zu sagen der Schöpfer desselben,\ngänzlich übergangen wurde, sind leider nur zu gerecht\nund drücken der ganzen Festlichkeit einen Makel auf, der\nnicht abzuläugnen ist. Das Bestreben, demselben einen\nganz und gar exclusiven Charakter zu verleihen, hat sich\nbitter gerächt. Man ignorirte die Schwesterkünste, die Li-\nteratur und alles, was nicht zum engen Rayon der Ton-\nkunst gehört. Die Commune, als Vertreterin der Haupt-\nstadt, welcher die Zufriedenheit so vieler fremden Celebri-\ntäten, so vieler achtbaren Söhne des Vaterlandes doch nicht\ngleichgültig sein sollte, nahm gar keinen activen Antheil,\nund so kam es, dass, anderer Inconvenienzen nicht zu ge-\ndenken, nicht einmal ein bestimmtes Versammlungs-Local\nvorhanden war, in dem der Einzelne sicher sein konnte, die\nNotabilitäten des Congresses kennen lernen oder als Bekannte\nwiederfinden zu können. In der Kirche und im Theater,\nwo die von sämmtlichen Theilnehmern des Festes besuch-\nten Productionen Statt fanden, fehlte es an Gelegenheit\nzur allgemeinen, hin und her flutenden, Alles belebenden\nund in Rapport setzenden Conversation, und diese bot sich\ndaher erst bei dem Abschiedsmahle, welches der Verein\nzur Beförderung der Tonkunst seinen Gästen am letzten\nTage gab, jedenfalls zu spät. Nachdem wir den keineswegs\nunverdienten Rügen über die äussere, mehr als mangel-\nhafte Gestaltung des Festes Rechnung getragen, gehen wir"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "234", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580724-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5524, "texte": "gleich zu dem eigentlich künstlerischen Theile desselben\nüber.\nDer 7. Juli, als erster Festtag, brachte zuvörderst die\nreligiöse Feier, zu deren Abhaltung man die Jakobs-Kirche,\ndie einen Chor für grössere Massen besitzt, als die geeignetste\ngewählt hatte. Man gab W. Tomaschek's „Krönungsmesse\"\nin C-dur. Der vielgeschmähte, zu Tode ignorirte, von sei-\nnen Schülern, aber auch von anderen vielbelobten Compo-\nnisten vielbenutzte Tomaschek gehörte trotz seiner in fast\ngroteskem Selbstbewusstsein nicht ungerechtfertigten Ver-\nbitterung nicht nur zu den Tongelehrten, sondern auch zu\nden Talenten ersten Ranges. Die in Rede stehende grosse\nComposition enthält des poetisch Gedachten und tief Com-\nbinirten so viel, dass man sc manches bloss Formale, die\nZeit des Componisten und seine Anlehnung an den tradi-\ntionellen Stil Kennzeichnende, gar leicht vergessen kann.\nAusser einem Gr aduale, von J. Haydn und einer als con-\ntrapunktische Arbeit wahrhaft genialen Composition W. A.\nMozart's bildete noch ein Te Deum von Wittasek die im\nkatholischen Ritus begründete Einlage der Messe. Die prä-\ncise, in den betreffenden Momenten imposante Aufführung\nunter der Leitung des Directors Kittl verdient um so\ngrössere Anerkennung, als das stark besetzte Orchester\nnur aus noch im Institute befindlichen Zöglingen bestand.\nAuch der massenhaft besetzte Vocalkörper leistete durch-\naus Gelungenes.\nAm Abend bot bei Gelegenheit des ersten eigentlichen\nConservatoriums-Concertes das königliche ständische Thea-\nter einen ganz und gar eigentümlichen Anblick. Die durch\ndie Anwesenheit so vieler Celebritäten offenbar in eine\nhohe Stimmung versetzte, den Zuschauerraum überfüllende\nMenge hatte schon vor Beginn der Production genug zu\nthun, um sich zu orientiren. Da erblickte man in einer\nLoge den alten Fetis mit Graf Caurencin und dem Feuille-\nonisten Ambros ; in einer anderen die edle Gestalt Spohr's\nmit seiner Gattin; in einer dritten den liebenswürdigen Ad.\nHesse; in einer vierten beim Präsidenten, dem trefflichen,\nkunstfreundlichen Grafen Nostitz, den eben so bescheidenen\nals bedeutenden Kalliwoda, neben an den glücklichsten\nunter den musicirenden Welt-Touristen, Moscheies, das\nfreundliche Gesicht Veit's, wohl des bedeutendsten der le-\nbenden böhmischen Componisten, und das geistvoll ge-\nschnittene J. Rietz's; weiter David, den berühmten Geiger\naus der Lindenstadt, das Brüderpaar Dreyschock u. s. w.\nAber auch das Parquet war von Notabilitäten ersten Ran-\nges reich besetzt. Einem solchen Publicum gegenüber stand\nnun das nur aus den noch im Cursus stehenden Schülern\nzusammengesetzte, im Sinneßerlioz' reich dotirte Orchester\nauf der Bühne, welche mit den Büsten Mozart's, Beelho-\nven's, C. M. v. Weber's (Dionys Weber war vergessen)\nund mit Blumen geschmückt war und eine Estrade für die\nInstrumentalisten bildete. Das Programm war ein über-\nmannigfaltiges und umfangreiches, aber durch den Zweck\ndes Concertes nothwendig bedingtes. Zehn Nummern, und\nzudem meist grosse, bildeten dasselbe; die Orchestral-Num-\nmern, bestehend aus Compositionen von dem jetzigen Di-\nrector und Kunst-Notabilitäten, die ihre erste Bildung im\nConservatorium erlangt haben, die Solo-Nummern vorge-\ntragen von Virtuosen aus derselben Schule. Kittl's Sinfo-\nnie in C-dur machte den Anfang in einer Aufführung, die\nmit ihrer Präcision, bis ins kleinste Detail feinen Nuanci-\nrung vollkommen geeignet war, die hervorragenden, schö-\nnen Momente des an solchen reichen Werkes ins glänzend-\nste Licht zu setzen. In dieser und in allen anderen Orche-\nsterwerken wurde das Orchester von Herrn Moriz Mild-\nner, dem ausgezeichneten Lehrer Laub's, des verstorbenen\nTheodor Pixis und des gegenwärtig an dessen Stelle ge-\ntretenen Jul. Grunwald, vortrefflich angeführt. Ausser\neiner Jubelfest-Ouverture von dem königlich dänischen\nHof-Capellmeister F. Glaser, der den ersten Cursus des\nprager Conservatoriums im Jahre 1816 absolvirte, kamen\nnoch eine Fest-Ouverturc von dem königlich würtember-\ngischen Hof- und Kammermusiker J. Abert und eine in\nE-dur von dem fürstlich Fürstenberg'schen Hof-Capell-\nmeister J. W. Kalliwoda zur Aufführung. Abert (der im\nJahre 1852 absolvirte) ist unstreitig der bedeutendste un-\nter den produetiven Künstlern aus der prager Schule in\nder Neuzeit. Auch sein neues Werk wurde mit grossem\nEnthusiasmus aufgenommen. Kalliwoda ist wohl der be-\ndeutendste unter den produetiven Künstlern aus der prager\nSchule überhaupt; nimmt er ja doch eine hervorragende\nStelle am deutschen Parnass selbst ein. Seine Ouvertüre\nkennzeichnet in der ganzen Haltung und Factur den aus-\nserordentlich begabten und meisterhaft routinirten Künst-\nler. Die mannigfachen Solo-Vorträge bestanden aus Ada-\ngio und Variationen für die Flöte von A. Hodik, fürstlich\nLobkowitz'schem Kammer-Virtuosen (absolvirte 1840);\nArie aus „Paulus\", gesungen von G. Schüttky, Hof-Opern-\nsänger in Stuttgart (abs. 1840); Phantasie für Fagott,\ncomponirt und vorgetragen von W. Neukirchner, königlich\nwürtembergischem Hof- und Kammermusiker (abs. 1825);\nConcert für die Violine von F. David, vorgetragen von Rai-\nmund Drevschock, Concertmeister und Professor am Con-\nj 7\nservatorium in Leipzig; Concert für die Clarinette, compo-\nnirt und vorgetragen von J. Sobek, königlich hannover-\nschem Hof- und Kammermusiker (abs. 1849), und endlich\nBeethoven's Geigen-Conccrt, gespielt von F. Laub, könig-\nlich preussischem Kammer-Virtuosen (abs. 1846). Es ist\nwahr, das ist viel auf einmal; aber es wird gewiss nicht\nunbescheiden sein, wenn wir fragen, ob es, ausser vielleicht"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "235", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580724-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5263, "texte": "das pariser, noch ein Conservatorium gibt, welches im\nStande ist, mit seinen Eleven so schwierige Ensemble-Pie-\ncen, wie die oben genannten, in gleicher Vollkommenheit\naufzuführen und für die Solo-Piecen solche Repräsentan-\nten, wie die angeführten, ins Treffen zu stellen. Ueber die\nLeistungen der Solisten unterlassen wir es um so mehr,\nNäheres zu sagen, als diese zumeist allgemein bekannte\nKünstler ersten Hanges sind.\nDie am 8. Juli zu Ehren der Jubiläums-Gäste von der\nhiesigen Oper veranstaltete Fest-Vorstellung von Spohr's\n„Jessonda\" bildete einen wahren Triumph für den Alt-\nmeister deutscher Kunst und ehrte zugleich das Publicum,\nwelches alle nur möglichen Zeichen der Hochachtung,\nPietät und des Enthusiasmus aufwandte, um den edlen\nTondichter zu ehren. Der erlauchte Componist und Diri-\ngent erfreut sich in Prag trotz neuer Erscheinungen in\nHülle und Fülle der grössten Sympathie, und das Publicum\nergriff jede unter den jetzigen Umständen der hiesigen Oper\nmögliche Gelegenheit, um den grossen Künstler zu feiern.\nDer Applaus, mit welchem Spohr empfangen, nach jedem\nActe gerufen und mit welchem seine durch den jetzigen\nTheater-Director Statt gehabte Krönung mit einem Lorber-\nkranze begleitet wurde, glich einem Donnern und Jauch-\nzen in der That enthusiasmirter Menschenkinder aus ver-\ngangener romantischer Zeit.\nBei dem am dritten Festabende gegebenen Concert\nspirituel wirkten ausser den Instrumentalisten des ersten\nConcertes noch die Professoren und Andere (unter denen\nbei der Violine F. David, R. Dreyschock, Dom-Capellmei-\nster Zappe aus Linz u. s. w.) mit. Die Blas-Instrumente\nwaren doppelt besetzt, und der Dirigent Herr Kittl stand\nan der Spitze einer imposanten Masse von 100 Instrumen-\ntalisten und etwa 200 Sängerinnen, Vocalisten und Sän-\ngern. Das Programm bestand nur aus drei, aber gewich-\ntigen Nummern. Gluck's herrlicher Iphigenien-Ouver-\nture folgte des gewaltigen Händel gewaltiger 100. Psalm,\ndiesem Beethoven's „Neunte\". Den Glanzpunkt der Pro-\nduetion bildete der orchestrale Theil, dessen präcise und\nschwungvolle Ausführung nur einiger Maassen durch die\nabscheuliche Akustik des Hauses und deren Consequcnzen\ngedämpft wurde. Das Wagniss, den Solopart des Soprans\nin beiden Vocal-Piecen von einer eben nicht bedeutenden\nSchülerin des Instituts singen zu lassen, gelang nicht, ja,\nführte zu Störungen, welche dem Glänze des letzten Abends\nund mithin auch des ganzen Musik festes (wenigstens in den\nAugen des grossen Publicums und gewisser befangener\nKunstkenner) grossen Abbruch thaten. Obwohl dieses für\nden Eindruck der Productionen, wenn auch nicht maass-\ngebend, doch auch nicht unwesentlich bleibt, so kann das\nrein musicalische Resultat derselben doch im Ganzen und\nAllgemeinen als ein glänzendes, den alten Ruf bewähren-\ndes bezeichnet werden, und kann das Conservatorium und\ndessen Leiter mit voller Beruhigung der ruhigen, nicht\nparteigefärbten Beurtheilung unbefangener Musikkenner\nentgegensehen.\nAm 10. Juli versammelte als Schlussfeier ein von dem\nVereine zur Beförderung der Tonkunst in Böhmen gege-\nbenes splendides Diner im Baumgarten die Gäste. Der um\ndas Conservatorium hochverdiente Präsident Graf Albert\nNostitz und der ihm eifrig zur Seite stehende Geschäftsleiter\nFreiherr v. Bohusch machten die Honneurs. Unter den\nToasten wurden nicht nur jene auf Se. Majestät, auf die\nGründer des Vereins, auf den Grafen Nostitz und den Frei-\nherrn v. Bohusch, sondern auch der auf den ersten Direc-\ntor des Conservatoriums F. D. Weber insbesondere, auf\ndie anwesenden Gäste, auf Director Kittl, die Professoren\nu. s. w. mit Enthusiasmus aufgenommen. Während der\nTafel spielte die treffliche Capelle des Regiments Allemann\nunter der Leitung ihres Capellmeisters Herrn Cermak ein\nreiches und sinnig zusammengesetztes Programm. Ausser\nden Ouvertüren zu Don Juan und Tannhäuser kamen\nPiecen von den anwesenden Componisten Spohr, Veit, Da-\nvid, Ricci, Rossi, Ambros, Kittl u. s. w. zu gelungener Auf-\nführung. Trotz der bereits veröffentlichten Vorboten eines\nSturmes in der localen und auswärtigen Presse, welchen\ntheils die im Eingange dieses Berichtes angedeutete Miss-\nstimmung, theils andere, am besten nicht näher zu bezeich-\nnende, aber kaum verkennbare, nachbarstädtliche Ursa-\nchen heraufbeschworen, herrschte die unbefangenste Fröh-\nlichkeit und begleitete den Festzug auf der Nordbahn zu-\nrück nach Prag.\nAls Festschrift hat der Verein zur Beförderung der\nTonkunst in Böhmen herausgegeben: „Das Conserva-\ntorium in Prag. Eine Denkschrift u. s. w. von Dr. Aug.\nWilh. Ambros, Directions-Mitglied.\"\nDer „Ueberblick der musicalischen Zustände in Böh-\nmen vor Gründung des Conservatoriums\" (S. 3 —l6) ent-\nhält interessante Angaben. Der glänzende Hof des Königs\nRudolph 11. (St. 1611) rief in Prag zuerst ein Musikleben\nhervor, das für die Entwicklung der Kunst in Böhmen,\ndessen Bewohner von jeher mit musicalischen Anlagen be-\ngabt waren, von Bedeutung war. Wie hoch dieser Fürst\ndie Musik achtete, geht unter Anderem daraus hervor,\ndass er seinen Hof-Organisten Georg Hässler in den Adcl-\nstand erhob und dem berühmten „Posauner\" Andreas\nGruber im Jahre 1593 ein Wappen, im blauen Felde ein\naufrechter „weisser Lew (Leu) auf einer güldenen Posaun\nblasendt\", verlieh. Auch gab es damals schon einen Musik-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "236", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580724-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5363, "texte": "oder Gesang-Verein zu St. Heinrich in der Neustadt, der\naus „clarissimis in nobilitate\ncenatibus meritissimis\"bestand.\nDer dreissigjährige Krieg zerstörte diese schönen An-\nfange; doch hatte Böhmen auch in dieser bedrängten Zeit\nnoch immer tüchtige Musiker, auch unter den höheren\nStänden. Der Kammer-Präsident Christoph Harant von\nPolcic, der als Anhänger Friedrich'« von der Pfalz den *2O.\nJuni 1621 enthauptet wurde, war auch Musiker und\nComponist.\n„Mit dem westphälischen Frieden\" heisst es weiter\n„kamenruhigero Zeiten; in den Klöstern, so wie in den\nSeminarien der Jesuiten fand die Musik eifrige Förderung.\nZu Anfang des vorigen Jahrhunderts zählte z. B. das Cister-\ncienser-Stift Osseg unter den Ordensbrüdern eine grosse\nZahl wohlgeschultcr Orchesterspieler, unter denen mehr\nals zwanzig den Namen wahrer Virtuosen verdient haben\nsollen; der Prämonstratenser Johann Chrysostomus Neruda,\nLeiter des Musikchors in der Kirche des Klosters Strahow\nzu Prag, war ein vorzüglicher Violinspieler; der Minorit\nBohuslav Czernohorsky von Nimburg wurde in Italien Ma-\ngister der Musik (man weiss, was es damals galt) und schrieb\nzahlreiche Compositionen, in denen alle Geheimnisse des\ndoppelten Contrapunktes in kühner und geistvoller Weise\nbehandelt sind. Die mächtige Fuge\nstus wird noch jetzt zuweilen zu Gehör gebracht. Auch\nvornehme Gönner und Freunde der Musik erwarben sich\nVerdienste um ihre Förderung; der kunstliebende Graf\nFranz Anton von Spork brachte aus Paris die ersten\nWaldhörner nach Böhmen mit; später war es ein Böhme\n(Punto, eigentlich Stich), der sich als der erste eigentliche\nVirtuose auf diesem Instrumente hervorthat. Auch die Jagd-\nmusik führte Graf Spork in Böhmen ein, und später war\nes wieder ein Böhme (Maresch), der das Curiosum der\nrussischen Jagdmusik erfand, wo bekanntlich jeder Spieler\nnur über einen einzigen Ton zu verfügen hat. Prag erhielt\nschon nach 1730 eine von den vornehmen Ständen be-\ngünstigte und unterstützte treffliche italiänische Oper, de-\nren Aufführungen erst in einem Hause auf dem Porik,\ndann in dem so genannten Kotzengebäude in der Altstadt,\nendlich in dem jetzigen Theatergebäude Statt fanden, und\ndie sich unter den Impresarios Locatelli, Bustelli, Londini\nund Guardasoni bis zum Jahre 1807 erhielt, wo sie an\nder Ungunst der Zeiten zu Grunde ging. Für die Bondini'-\nsche Gesellschaft (Luigi Bassi, Ponziani, Teresa Saporiti\nu. s. w.) schrieb Mozart 1787 seinen Don Giovanni, und\ndie noch jetzt in Dresden lebende Gcsanglehrerin Sandrini\nwar als Signora Caravoglia die Prima Donna der Guarda-\nsoni'schen Operisten. Unter so günstigen Umständen musste\ndie Musik bei einem talentbegabten Volkerasch ihre Blüthe-\nzeit erreichen. Fürst-Abt Gerbert von St. Blasien, Verfasser\ndes berühmten Werkes De canta et musica sacra und also\ngewiss ein competenter Bichter, schreibt darüber:\nrurnjam diximus musicam nostri aevi ritusque, tarn voca-\nlem quam instrumentalem nullibi gentium magis quam in\nBohemia, et iam in oppidis et vicis, florere.\" Im Jahre 1723\nfand zu Prag bei Gelegenheit der Krönung Karl's VI. eine\nMusik-Aufführung Statt, welche für die damaligen Ver-\nhältnisse kolossal zu nennen ist, da 100 Sänger und 200\nInstrumentalisten dabei beschäftigt waren. Es war eine Art\nFest-Oper für den Geburtstag der Kaiserin Elisabeth, ge-\ndichtet von dem kaiserlichen Hofpoeten Pietro Pariati, in\nMusik gesetzt von dem Hof-Capellmeister Joh. Joseph Fux,\ndem Verfasser des einst hochberühmten musicalischen Gra-\ndus ad Pamassum,unter dem Titel:\nfesta teatrale per musica, da\nstelb di Praga per il felicissimo giorno natalizio u. s. w.\nDie Freude an dem glänzenden Schauspiele soll wesentlich\ndazu beigetragen haben, dass nicht lange danach die ita-\nliänische Oper nach Prag berufen wurde. Ueberhaupt war\nes für Böhmen gedeihlich, dass es zwischen Wien, wo am\nHofe Karl's VI. unter Caldara u. A. die glänzende italiäni-\nsche Musik mit Vorliebe gepflegt wurde, und zwischen\nNorddeutschland, wo insbesondere der grösste Vertreter\ndeutscher tiefsinniger Kunst, Sebastian Bach, in dem nicht\nfernen Leipzig wirkte, mitten inne lag, und sich bei dem\nsteigenden Verkehr der Länder diese Elemente dort be-\nbegneten, kreuzten und zu einem anziehenden Dritten\nmischten, wie man in den zum Theil höchst bedeutenden\nWerken der böhmischen Componisten der nächstfolgenden\nZeit deutlich wahrnehmen kann.\n„Als noch später der Künstler kam, in dem sich jene\nzwei Elemente in der freiesten und schönsten Weise ein-\nten, als Mozart auftrat, konnte es gar nicht anders sein,\nals dass er in Böhmen sogleich Verständniss und enthu-\nsiastischen Antheil fand.\n„Die zweite Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts ist\nfür die specifisch-böhmische Musikschule die classische Zeit.\n„Franz Tuma aus Kostelec, Capellmeister der Kaiserin\n/Witwe Elisabeth, verdient durch seine wahrhaft grosse\nD-moll-Messe allein schon eine Ehrenstelle unter den Mei-\nstern; der geniale, leichtschaffende Franz Brixi ist mit sei-\nnem Feuer, seinem Sinne für Wohlklang und seiner sich\nin den Banden eines studirt kunstreichen Satzes leicht und\nanmuthig bewegenden Melodie in gewissem Sinne ein Vor-\nläufer Mozart's; Georg Benda aus Benatek machte mit\nseinen Monodramen „Ariadne auf Naxos\" und „Medeafc\nin Deutschland so viel Aufsehen, als Joseph Misliwecek,\ngenannt il Boemo, mit seiner Oper „Bellerofonte\" zu Ve-\nnedig und Neapel. Johann Stamitz von Deutschbrod erwarb"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "237", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580724-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5409, "texte": "sicli als Violinspieler und Componist grosse Verdienste um\ndie Ausbildung der Instrumentalmusik, welcher dann sehr\nbald Joseph Haydn die Genius-Flügel zum höchsten Fluge\nlösen konnte. Johann Zach zeichnete sich neben Joseph\nSegert als Organist aus; Florian Leopold Gassmann aus\nBrüx, der in Italien seine Bildung vollendete, wurde selbst\nvon Mozart hochgeachtet und zählte Salieri zu seinen Schü-\nlern. Und der treffliche, zu wenig gekannte Sojka ist auch\nals unmittelbarer Zögling des grossen Sebastian Bach\ninteressant.\n„Prags musicalischer Ruf stand schon um 1732 so\nhoch, dass der nachmalige grosse Reformator der drama-\ntischen Musik Christoph Gluck eigens dahin kam, um seine\nStudien bei dem Minoriten Czernohorsky zu machen. Auch\nTuma, Segert und Zach waren Czernohorsky's Schüler, eben\nso der Violinist.Giuseppe Tartini. Czernohorsky war nämlich\nmehrere Jahre Regens Chori bei St. Anna in Padua. Zahl-\nreiche Namen, die wir hier übergehen müssen, nennt das\nKünstler-Lexikon von Dlabacz. Endlich überstrahlte Mo-\nzart's Erscheinung alle früheren Meister und nahm alles\nInteresse für sich in Anspruch. Welchen Eindruck die\nEntführung aus dem Serail bei ihrer ersten Aufführung\nmachte, schildert Nemezek (oder, wie ihn Otto Jahn nennt,\nNiemtschek) in seiner anziehenden biographischen Skizze\ndes unsterblichen Meisters. Im Jahre 1786 kam Mozart\nselbst nach Prag, gerade da sein mit Entzücken aufgenom-\nmener Figaro aufgeführt wurde. Von da an war er ein\noft gesehener, stets mit enthusiastischer Verehrung begrüss-\nter Gast in der böhmischen Hauptstadt; als er vollends das\n(oft mit Stolz wiederholte) Wort gesprochen: „Die Böhmen\nverstehen mich!\" und für Prag den Don Juan und Titus\ngeschrieben, liessen es sich die Böhmen gar nicht nehmen,\nihn als einen der Ihrigen anzusehen.\n„Sein Ansehen und sein Einfluss war in Böhmen noch\nlange Jahre nach seinem Tode ganz unbegränzt; es war\nso ziemlich dieselbe Vorliebe, wie sie sich in dem bekann-\nten Werke Ulibischeff's ausspricht. Die folgenden Erschei-\nnungen, zum Theil von höchster Bedeutung, hatten nur\ndesswegen einige Mühe, durchzudringen und zur Geltung\nzu kommen. Man hätte nichts dagegen gehabt, mit Mozart\nabzuschliessen.\n„Ein so lebhafter, zum Theil leidenschaftlicher Antheil\nan der Tonkunst rief, wie natürlich, auch ein lebhaftes\nBedürfniss nach ausübenden Kräften hervor. Eine eigent-\nliche Musikschule oder allgemeine Musik-Lehranstalt be-\nsass Prag damals nicht. Der Contingent an ausübenden\nMusikern wurde aus Meisterschulen gestellt. Der einzelne\nMusik-Director dieser oder jener Kirche (Chorregens,\ngens Chori, wie er hiess) erzog sich seinen Bedarf an Sän-\ngern, Violinisten u. s. w. selbst, wie er sich auch seine\nMessen und Vespern selbst componirte. Ein anschauliches\nBild dieser Pflanzschulen gibt ein jetzt nur noch in einzel-\nnen Exemplaren als Rarität vorkommendes, 1796 im Schön-\nfeld'schen Verlage erschienenes „ „Jahrbuch der Tonkunst\nfür Wien und Prag\"\", das in seiner allerdings geschmack-\nlosen, aber dafür naiven und gewissenhaft treuen Darstel-\nlung ein sehr überschauliches Bild gewährt.\"\nVon namhaften Künstlern, die damals in Prag lebten,\nwird darin hauptsächlich Dussek genannt, dann Kozeluch,\nGelinek u. s. w. Von dem jungen Tomaschek heisst es:\n„Spielt das Fortepiano ganz angenehm.\" An Betthofer\n(Beethoven) rühmt der Verfasser „eine besondere Geschwin-\ndigkeit\", nennt ihn aber doch auch „ein hohes Genie\".\nIn der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts veran-\nlassten die Aufhebung von Klöstern, die Verminderung\noder schlechtere Besoldung der Organisten- und Chor-\nregenten-Stellen einen Rückschritt in der Musikpflege in\nPrag. Auch die Hauscapellen der Grossen gingen allmäh-\nlich ein; doch fand die Tonkunst bei den bedeutendsten\nFamilien stets Sinn und Geschmack wach, so dass der\nböhmische Ade! immer eine Hauptstütze der Kunst und\nder Künstler blieb.\nGleichwohl waren schon 1796 die grossen, zu öffent-\nlichen Productionen bestimmten Orchester in Prag nur\nsehr schwach besetzt, vielleicht gerade desswegen, weil die\nHauscapellen (so lange sie bestanden), die neunzehn Klo-\nster- und Kirchenchöre eine Menge von Talenten absorbir-\nten. Das Opern-Orchester des ständ. Theaters bestand aus\n3 Prim-Violinen, 4 Second-Viol.'nen, 2 Violen, 1 Violon-\ncell und 2 Contrabässen, 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Clarinet-\nten, 2 Fagotten, 2 Waldhörnern, Trompeten und Pauken.\nPosaunen waren nicht engagirt, sondern wurden nach Be-\ndürfnis für die einzelnen Aufführungen requirirt. Diese\nnumerisch sehr bescheidenen Kräfte waren aber wohlge-\nschult und wohlgeübt; sie vermochten es, bei der ersten\nAufführung des Don Juan die Ouvertüre, deren letzte\nAuflagstimmen, dick mit Streusand bestreut, um V4B Uhr\nins Orchester gebracht wurden, a prima vista so zu spie-\nlen, dass Mozart meinte: „Einige Noten sind wohl unter\ndie Pulte gefallen, aber gut gegangen ist sie doch.\" Noch\nweniger zahlreich war das Orchester beim „deutschen Na-\ntionaltheater\" , es besass nur zwei Prim-Violinen, drei Se-\ncond-Violinen; unter den Bläsern fehlten die Fagotte.\nVollends kläglich war das Orchester bei dem so genann-\nten „vaterländischen Theater auf dem Capucinerplatz\" be-\nstellt. Es war zusammengesetzt aus einer Prim-Violine,\nzwei Second-Violinen, zwei Bratschen, einem Violoncell,\neinem Contrabass, den Holzbläsern, Hörnern, Trompeten\nund Pauken. Zu Tafel- und Tanzmusik fing man an nach\nder Entlassung der Hauscapellen Militärcapellen in An-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "238", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580724-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4031, "texte": "Spruch zu nehmen. Besonders war die Feldmusik der Ar-\ntillerie beliebt.\nUeberblickt man den Zustand der damaligen Musik-\npllege in Böhmen, so sieht man leicht, dass sich die wirk-\nlich vorhandenen Kräfte vielfach zersplitterten und dann\nwieder zu kleinen musicalischen Körperschaften concentrir-\nten, von denen ein Kunstleben in grösserem Maassstabe\nnicht zu erreichen war; ferner dass die Bildung und Iler-\nbeiholung frischer Kräfte halb und halb dem Zufalle an-\nheimgestellt war. Gestalteten sich die äusseren Umstände\neiniger Maassen ungünstig, so musste ein rascher Verfall\ndie unmittelbare Folge sein.\nDas neue Jahrhundert fand ganz Europa unter Waf-\nfen und in Kriegsllammen. Zwar hatte sich 1804 in Prag\neine Tonkünstler-Societät organisirt, die ihre Wirksamkeit\nmit Haydn's wenige Jahre vorher veröffentlichter, alige-\nmein bewunderter „Schöpfung\" eröffnete; dennoch verfiel\ndie Musikpllege so rasch und so sehr, dass es sogar in der\nHauptstadt Prag schwer fiel, ein gutes Orchester vollstän-\ndig zusammen zu bringen, und selbst bei einem vollstän-\ndigen Orchester einzelne Instrumente nur ungenügend be-\nsetzt werden konnten.\nDa erliessen am 25. April 1808 die Grafen Wrtby,\nSternberg, Johann und Friedrich von Nostitz, Clam-Gallas,\nFirmian, Pachta und Klebeisberg einen Aufruf zur Grün-\ndung einer Musik-Anstalt in Prag wahrlich eine schöne\nThat, zumal wenn man bedenkt, wie der ganze österrei-\nchische Staat damals von ganz anderen Dingen bedrängt\nund aufgeregt war! Sie selbst zeichneten jährlich 2700\nGulden. Bei der ersten Sitzung am 31. März 1810 belief\nsich die Unterzeichnung auf 6600 Gulden jährlich, und\nnun nahm die Gesellschaft den Namen „Vereinigung\nzur Beförderung der Tonkunst in Böhmen\" an.\nDie erste General-Versammlung fand den 28. April 1810\nStatt. Als Hauptzweck wurde die Errichtung einer Mu-\nsikschule anerkannt. Diese trat mit dem 1. Mai 1811 ins\nLeben, während schon im Mai 1810 der erste Director\nderselben, Friedrich Dionys Weber, ernannt worden\nwar. Es konnten trotz der erschütternden Ereignisse\nseit 1809 bereits 14,770 Gulden auf den Ausgabe-\nstand gesetzt werden.\nDas Lehrer-Personal zählte 1 Director mit 1200 Fl.,\n1 Adjunct mit 600 Fl. nebst Wohnung und Heizung, 1\nLehrer der Violine mit 900 Fl. und 3 St. täglich (Fried-\nrich Pixis, Vater von Theodor Pixis), 7 Lehrer mit je\n600 Fl. und 2 täglichen Stunden für Cello, Bass, Oboe,\nFlöte, Clarinette, Fagott, Waldhorn, einen für Trompete\nmit 300 Fl., einen wissenschaftlichen Lehrer mit 600 FL,\neinen Katecheten, einen Famulus. Die erste Aufnahme zählte\n34 Schüler.\nAm 2. April 1828 war das Vermögen der Anstalt\nauf 47,349 Fl. 8 Kr. angewachsen; es waren im Jahre\n1827 20,028 Fl. 37 Kr. eingenommen, 15,113 Fl. 49\nKr. ausgegeben. Im Jahre 1833 war das Vermögen auf\n49,160 Fl. gestiegen, und einige Gehälter wurden verbes-\nsert (der Director 1500 Fl.; der Gesanglehrer Schnepf\n1200 Fl. mit 30 Stunden wöchentlich; zwei wissenschaft-\nliche und ein Lehrer der italiänischen Sprache u. s. w.);\nim Jahre 1834 auf 52,000 Fl.—Seit 1850 hat das In-\nstitut auch eine Pensions- und Witwcncasse für die Leh-\nrer und ihre Frauen.\nDas Jahr 1857 schliesst mit einer Einnahme von\n34,989 Fl., einer Ausgabe von 11,391 Fl. und einem\nverbleibenden Vermögensstande von 23,598 Fl. ab. Wohl\nzu merken ist, dass unter der Einnahme bloss 30 Fl.\nan Schulgeld vorkommen, also der ganze Unterricht so\ngut wie unentgeltlich ertheilt wird; dagegen 4000 Fl. aus\ndem böhmisch-ständischen Fonds und 5255 Fl. an Beiträ-\ngen der Mitglieder des Vereins (gegenwärtig 76, Se. Ma-\njestät Kaiser Ferdinand an der Spitze; ferner die Stadt-\ngemein den von Prag und von Karlsbad). Das jetzige\nLehrer-Personal besteht aus dem Director Joh. Friedr.\nKitt! und 13 Musiklehrern, einer Lehrerin der Declamation\nund Mimik, zwei wissenschaftlichen und zwei Sprachleh-\nrern, einem Religionslehrer und einem Tanzlehrer.\nDen Unterricht der Anstalt haben von 1811 —1855\n847 Instrumentalschüler (dabei 268 Violinspieler) und\nvon 1817 —1855 147 Sängerinnen und Sänger (dabei\n114 Damen) genossen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-07-24-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-07-24_01#c003", "volume": "bmtnabi_1858-07-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "238", "page_fin": "240", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580724-01.2.3", "titre_corps": "Karl Franz Pitsch.", "titre_sommaire": "Karl Franz Pitsch.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "238", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580724-01.1.6", "debut_caractere": 4033, "fin_caractere_exclue": 4977, "texte": "Karl Franz Pitsch.\nEin Nachruf\n(Geb. 1789. Gest. 13. Juni 1858.)\nKarl Franz Pitsch war 1789 zu Badsdorf in Böh-\nmen geboren und der Sohn eines Land-Sehu!lehrers. Der\nkleine Karl wurde von seinem Vater, welcher ihm erst vor\nwenig Jahren hochbetagt in das kühle Grab voran-\ngegangen, schon als vierjähriger Knabe, zuerst auf der\nGeige, bald nachher auf dem Ciavier und auf der Orgel\nunterrichtet. Kaum sieben Lebensjahre zählend, hatte die\nLehre des vielerfahrenen Pädagogen bei dem keimenden\nmusicalischen und wissenschaftlichen Erziehergeiste Karl's\nschon so überraschend reife Früchte getragen, dass er be-\nreits zu Reichenbach in Schlesien den Organistendienst ver-\nsehen konnte. Zu derselben Zeit machte er an eben ge-\nnanntem Orte schon tief eingehende Studien im Tonsatze\nunter der Leitung des dortigen Stadt-Organisten Konstan-\ntin B ach, eines Abkömmlings aus der erlauchten alten\nTondichter-Familie. Pitsch zeigte schon damals eine rege"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "239", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580724-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5692, "texte": "Empfänglichkeit für contrapunktische Sätze. Ein leichtes\nSpiel war es daher seinem Lehrer, ihn mit den in diese\nRichtung einschlagenden Tonwerken vertraut zu machen.\nWo es in der Umgegend ein Kirchenfest gab, gewahrte\nman den so genannten kleinen Hexenmeister Pitsch auf der\nOrgelbank. Mit wahrer Bewunderung sah man, wie ge-\nwandt sich der Knabe schon damals auf dem oberpriester-\nliehen Instrumente, seiner nachherigen zweiten Seele, zu\nergehen wusste. Nach zwei für Pitsch' künstlerische Zukunft\nfolgenreichen musicalischen Lehrjahren nahmen seine wis-\nsenschaftlichen ihren Anfang. Dem engen Vereine dieser bei-\nden Potenzen dankt Pitsch seine innig-harmonische Durch-\nbildung. Er machte seine Studien am prager Gymnasium,\nwie an der durch Wissenschafts-Charaktere, gleich jenen\neines Meissner, Bolzano, Widma u. s. w. hochberühmten\nUniversität der böhmischen Metropole. Den Anregungen\ndieser Kernmänner verdankt Pitsch nach seiner oft gemach-\nten Versicherung eben so viel, wie dem Umgange mit den\nPartituren der musicalischen Classiker und dem persönlichen\nGedanken-Austausche mit so manchen bedeutenden Den-\nkern im Reiche der Töne und ihrer Wissenschaft, deren\nzeitweilige oder immerwährende Heimat Prag in jener Epo-\nche gewesen. Nach absolvirten Facultäts-Studien bekleidete\nPitsch zwei Erzieher-Stellen zu Prag, Brünn und Wien.\nDer Aufenthalt in letztgenannter Stadt brachte unseren\nPitsch in engen Verkehr mit vielen hochbedeutenden Ver-\ntretern des Tonlebens, worunter wohl sein öfteres Zusam-\nmentreffen mit Beethoven einen unberechenbar mächtigen\nEinfluss auf Pitsch' dem wahren Geistes-Fortschritte immer\noffene Seele geübt haben mag. Diese beiden Erzieher-Stel-\nlen brachten dem Ehrenmanne eine äusserlich gesicherte\nLage, geistig erfasst aber die innigste Liebe und Hingabe\nseiner Zöglinge zu. Dank seiner, wie gesagt, echt harmo-\nnisch durchbildeten Persönlichkeit, ist es Pitsch auch in aller\nFolge seines segensreichen Wirkens gelungen, sich jene zu\nkindlich anhangenden Verehrern, ja, zu unwandelbaren\nFreunden zu machen, denen er wie immer geartete Winke\nin Sachen der Kunst, Wissenschaft oder Lebens-Praxis ge-\ngeben. Den Kernpunkt von Pitsch' musicalischer Thätigkeit\nbildete seit jeher die Theorie des Tonsatzes in allen ihren\nZweigen. Man darf entschieden behaupten, es gebe kein\nWerk dieser Art, das er nicht durchforscht und zu einem\nselbstständig fortwirkenden Momente seines Lehrgeistes ge-\nmacht hätte. Namentlich war es Abt Vogler's Ton-Sy-\nstem, das dem tief-logischen Denker Pitsch als das erschö-\npfendste seiner Art erschienen ist, und das er seinem Un-\nterrichte mit sichtendem Geiste immer zum Grunde gelegt\nhat. Um das Jahr 1832 wurde Pitsch zum Organisten an\nder Nicolai-Kirche Prags, im Jahre 1840 zum provisori-\nschen Professor der Tonlehre am dortigen Conservatorium,\nendlich im Jahre 1841 zum Director und Lehrer an der\nprager Organistenschule ernannt. Dieses letzterwähnte In-\nstitut hat sich, kraft seiner Energie und theoretisch-prakti-\nschen hohen Meisterschaft, zu einer der ersten Pllanzschu-\nlen der Kunst des Orgelspiels entfaltet. Wer je Zeuge der\nLeistungen unseres Pitsch als Organist gewesen, wird zu\ndem offenen Bekenntnisse gedrängt werden, dass dieser Mei-\nster unter seinen süddeutschen Bundesgenossen keinen Ne-\nbenbuhler zu scheuen hatte. Es bezieht sich dieser Ausspruch\nsowohl auf die Pitsch eigenthümlich gewesene Behandlung\ndes Riesen-Instrumentes, wie auf die geistsprühende Art\nseiner stets thematischen und namentlich fugirten Impro-\nvisation. In erstgenannter Hinsicht musste Pitsch'gewandte\nund markige Behandlung des Pedals und die wahrhaft dra-\nstische Art seiner Registermischung auf Jeden überraschend\nund erhebend wirken, dem jenes unselbstständige Gebahren\nunserer Organisten bisher als ausnahmslose Norm der wah-\nren Behandlung dieses Instrumentes erschienen. Vom zwei-\nten Gesichtspunkte ausgehend, konnte man in Pitsch' freier\nPhantasie, ungeachtet ihres tiefen Ernstes und ihrer wahr-\nhaft eisernen thematischen Folgerichtigkeit, in der That\nschwelgen, so üppige, blühende Tongestalten wusste sie am\näusseren Sinne vorüber zu führen und in den Seelenmen-\nschen einzusenken. Ueber Pitsch' Lehrer-Genius, über die\neben so musterhaft klare, wissenschaftlich begründete, als\noft sogar begeisterte Art seines mündlichen Vortrages, wie\nüber sein gewinnendes, einnehmendes Wesen sind alle jene\neinig, denen das Glück geworden, Pitsch' Schüler sich nen-\nnen zu dürfen. Als Tonsetzef hat Pitsch zwar quantitativ\nspärlich, wesentlich aber segensreich gewirkt. An eigenen\nCompositionen hat er mehrere Präludienhefte für die Or-\ngel, eine Fuge über den Alleluja-Choral und über das öster-\nreichische Volkslied, ferner eine Reihe geistvoller contra-\npunktischer Veränderungen über denselben Hymnus, end-\nlich eine herrliche Festmesse im Drucke erscheinen lasset.\nHandschriftlich verwahrte das Pult des Altmeisters mehrere\nMessen und kleinere Kirchenstücke, worunter namentlich\nein Offertorium mit Doppelfuge und ein in jeder Richtung\ngrossartiges Te Deum hervorragen. Möchte doch jetzt auch\nPitsch' im Manuscripte fertig da liegende Tonsatzlehre bald\nin die Oeffentlichkeit treten! Sie erfüllt alle Forderungen,\ndie an ein Werk dieser Art gestellt werden können. Ver-\ndienstlich ist auch Pitsch' vorJahren herausgegebenes Sam-\nmelwerk, welches den Titel: „Museum lür Orgelspieler\",\nführt und die Vor- und Nachspiele des berühmten altböh-\nmischen Organisten Sengert enthält. Unter die merkwür-\ndigsten Künstler-Charaktcrzüge des kürzlich Verewigten\ngehört schliesslich noch jene Elasticität seines Geistes, jene\nbis zum letzten Hauche treu bewahrte rege Empfänglich-\nkeit für alles Grosse und Schöne in der Kunst, gleichviel"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "240", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580724-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1649, "texte": "welcher Zeit es angehören mochte. Pitsch vvusste an allen\nSchulen der musicalischen wie dichterischen Literatur stets\ndie grossen Züge herauszufinden und sowohl seinen Schü-\nlern als jenen nahe zu legen, denen die Freude seines per-\nsönlichen Umganges geworden. Merkwürdig, ja, rührend\nwar in dieser Rücksicht des im Geiste der musicalischen\nAntike grossgezogenen Künstlers sinnige und jugendlich\nwarme Auffassung der Thaten eines Beethoven, Weber\nund Schubert, ja, sogar jener eines Chopin, Schu-\nmann und Wagner. Wie sehr er für Mendelssohn\ngeglüht, weiss jeder, der unserem Pitsch näher gekommen.\nAllen Erscheinungen der tönenden Kunst, selbst den wider-\nhaarigsten, wusste er wenigstens irgend eine bedeutende\nSeite zu entlocken. Nur das offenbar Frivole brachte ihn\nin Harnisch. So war denn Pitsch auch kein Verächter Ros-\nsini's. Eben so wusste er den Schöpfungen der neufranzö-\nsischen Oper rühmenswerthe Seiten abzugewinnen. Nur\ndie zeitweise Liederlichkeit des von ihm als Genius und\nGelehrter so hochgestellten Meverbeer und die Nach-\nO «j\näfferei jeder Art von Manier versetzte Pitsch in erbitterte\nStimmungen, die er oft in ein äusserst humoristisches Ge-\nwand zu kleiden wusste. Endlich dürfte Pitsch' tiefgründ-\nliche Kenntniss der beiden altclassischen, so wie fast aller\nromanischen Sprachen, seine Belesenheit in aller Art Lite-\nratur und Philosophie, einem Psychologen neuesten Geprä-\nges so manchen Anlass zu folgenschweren Bemerkungen\nüber die Dringlichkeit einer allseitigen Bildung für jeden\nkünstlerischen Fachmann bieten. Schliesslich erlag seine\nvielgeprüfte Kraft einer dreitägigen Krankheit.\n(W. Monatschrift f. Th. u. 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Juni erfolgte Wiederauf-\nnahme des j,Tannhäuser\" nur theilweise Günstiges berichtet. Dass\nendlich die richtigen Kunstanschauungen über politische Bedenklich-\nkeiten den Sieg davon getragen und die Aufführung ermöglicht ha-\nben, darüber ist man so ziemlich allgemein befriedigt. Das gedrängt\nvolle Haus war in sichtlicher Erregung und spendete Beifall, wo es\nnur immer möglich war. Die Aufführung war jedoch offenbar über-\nstürzt worden, das Ensemble keineswegs reif zur öffentlichen Vor-\nführung, namentlich die Chöre oft schwankend im Tacte und in der\nIntonation, die Ausstattung unansehnlich und abgenützt, die Partie\nder Venus ganz ungenügend besetzt. Am besten hat Herr Mitter-\nwurzer den Charakter seiner Rolle in dramatischer wie in gesang-\nlicher Hinsicht erfasst und wiedergegeben. Herr Tichatschek verwen-\ndet auf die Titelrolle vielen Fleiss und vermag ein an seine Eigen-\nheiten gewöhntes Publicum gewiss zufrieden zu stellen. In gesang-\nlicher Beziehung bringt er die zarten Stellen sehr schön zur Geltung,\nund seine Stimme klingt überhaupt merkwürdig frisch und ange-\nnehm. Fräul. J. Wagner, deren Stimme namentlich in Sopran-\nPartieen nicht mehr ausreicht, entzückt Viele durch ihr reiflich\ndurchdachtes Spiel, während Manche darin ein Uebermaass von Be-\nrechnung erblicken und eine freiere, unmittelbar schwungvollere\nDarstellung vorziehen würden. Fräul. Wagner gastlrte ausserdem als\nFides, Orpheus, Lucrezia und Romeo.\n\\\nProf. Dr. Siegfried Dehn, dessen Verdienste um die Theorie,\ndie Literatur und die Lehre der Tonkunst allgemein anerkannt sind,\ndem Tausende ihre ganze wissenschaftliche Bildung in der Musik\nverdanken, hat noch vor seinem leider zu früh erfolgten Tode sein\nmit Recht berühmtes Werk ,Harmonie 1 e h r e\" zu einer zweiten\nAusgabe bearbeitet und zum Druck vollendet. Da die erste Auflage\nganz vergriffen ist, so wird Lehrern wie Schülern die Nachricht\nhöchst willkommen sein, dass die zweite Auflage jetzt unter der\nPresse ist und einer seiner bedeutendsten Schüler die Correctur\nübernommen hat.\nDie ~Deutsche Musik-Zeitung für die Vereinigten Staaten\"\nwünscht für den mit dem 1. September beginnenden dritten Jahr-\ngang noch einige tüchtige Mitarbeiter, so wie Correspondenten in\nallen bedeutenderen Städten Europa's zu gewinnen. Darauf Reflecti-\nrende belieben gefälligst ihre Honorar-Ansprüche u. s. w. höchstens\nbis Mitte August portofrei hieher gelangen zu lassen.\nGerman Musical Journal.\nCare of Mr. L. A. Alfred Schmidt,\n1026 Chesnut st., Philadelphia, U. St.\nFür New-York: Theodor Hagen, Redacteur."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "233", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580724-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie Jabelfeier des Conservatoriums zu Prag. Die musicalischen Zustände in Böhmen vor Gründung des Conservato-\nriums. Gründung, Wachsthum und gegenwärtiger Bestand desselben. Karl Franz Pitsch, Director der Orgelmeisterschule zu Prag.\nEin Nachruf. Tages- und Unterhaltungsblatt (Dresden, Wiederaufnahme des Tannhäuser Siegfried Dehn, Neue Auflage Yen\ndessen Harmonielehre Deutsche Musik-Zeitung für die Vereinigten Staaten^\n\nDie Jubelfeier des Conservatoriums zu Prag.\n, Prag, den 15. Juli 1858.\nEine so glänzende Gesellschaft von Tonkünstlern, wie\nwährend der vorigen Woche unsere Stadt mit ihrer Ge-\ngenwart beehrte, hat Prag wohl noch nie versammelt ge-\nsehen. Ein berühmter Name glänzte neben dem anderen,\nund nicht sowohl die Anzahl als die Qualität der Theil-\nnehmer am Jubelfeste des Conservatoriums ist als eine in\nihrer Art einzige zu bezeichnen. Die einstigen Zöglinge der\nAnstalt mit Stillschweigen übergehend, sei hier nur der\nAbgesandten anderer Musikschulen und der eigens gelade-\nnen Gäste erwähnt. Die Herren Fetis und Sohn aus Brüs-\nsel, Chevalier Florino aus Neapel, Lauro Rossi aus Mai-\nland, Moscheies, F. David, A. Dreyschock, F. Brendel,\nCapellmeister D. Rietz aus Leipzig, Tröstler aus Dresden,\nGrunwald aus Köln, Hellmesberger, Proch aus Wien,\nHesse aus Breslau, L. Ricci aus Triest, Taux, Director des\nMozarteums in Salzburg, Altmeister Spohr und Andere er-\nschienen theils als Repräsentanten der betreffenden Schwe-\nster-Anstalten, theils als Festgäste. Wenn etwas für den\nRuf und die Achtung, die das hiesige Conservatorium ge-\nniesst, sprechen kann, so ist es dieser freiwillige Künstler-\nCongress, dessen Abhaltung sich so zu sagen von selbst\ngefügt. Das Programm der Jubelfeier ist auch jenen be-\nkannt, welche ihr nicht beigewohnt, und sollte nicht so-\nwohl ein Musikfest im Sinne derselben in Deutschland, als\neines im localen, gelegenheitlichen des Conservatoriums,\nals der ältesten musicalischen Pflanzschule, darstellen. Die-\nser eigenthümliche Charakter der musicalischen Feier an\nsich benimmt jenen Einwendungen, die man von vorn her-\nein gegen die Wahl der aufgeführten Tonstücke, gegen\ndie Aufwendung der mitwirkenden Kräfte, welche selbst\nim Concert spirituel die Zahl von 300 kaum überschritten,\nund gegen die Eintheilung der Productionen überhaupt\ngemacht, ihre Geltung. Nicht eben so leicht zu desavoui-\nren, ja, kaum zu entschuldigen dürften so manche äussere\nförmliche Fehler sein, welche auffallender Weise von dem\nFest-Comite begangen wurden. Die Klagen über die Art,\nwie die fremden Gäste empfangen und dann ihrem eigenen\nGeschicke überlassen wurden, über die zu Missstimmung\nmancher Art Veranlassung gebende Hast, mit welcher die\nDenkschrift verfasst und dem zufolge in selber gar vieles\nUnwesentliche aufgenommen, aber relativ Bedeutendes über-\ngangen wurde, über den kaum erklärbaren Fehler, dass\nbei der ganzen Feier der um das prager Conservatorium\nverdienstvollste Mann, so zu sagen der Schöpfer desselben,\ngänzlich übergangen wurde, sind leider nur zu gerecht\nund drücken der ganzen Festlichkeit einen Makel auf, der\nnicht abzuläugnen ist. Das Bestreben, demselben einen\nganz und gar exclusiven Charakter zu verleihen, hat sich\nbitter gerächt. Man ignorirte die Schwesterkünste, die Li-\nteratur und alles, was nicht zum engen Rayon der Ton-\nkunst gehört. Die Commune, als Vertreterin der Haupt-\nstadt, welcher die Zufriedenheit so vieler fremden Celebri-\ntäten, so vieler achtbaren Söhne des Vaterlandes doch nicht\ngleichgültig sein sollte, nahm gar keinen activen Antheil,\nund so kam es, dass, anderer Inconvenienzen nicht zu ge-\ndenken, nicht einmal ein bestimmtes Versammlungs-Local\nvorhanden war, in dem der Einzelne sicher sein konnte, die\nNotabilitäten des Congresses kennen lernen oder als Bekannte\nwiederfinden zu können. In der Kirche und im Theater,\nwo die von sämmtlichen Theilnehmern des Festes besuch-\nten Productionen Statt fanden, fehlte es an Gelegenheit\nzur allgemeinen, hin und her flutenden, Alles belebenden\nund in Rapport setzenden Conversation, und diese bot sich\ndaher erst bei dem Abschiedsmahle, welches der Verein\nzur Beförderung der Tonkunst seinen Gästen am letzten\nTage gab, jedenfalls zu spät. Nachdem wir den keineswegs\nunverdienten Rügen über die äussere, mehr als mangel-\nhafte Gestaltung des Festes Rechnung getragen, gehen wir"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "234", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580724-01.1.2", "texte": "gleich zu dem eigentlich künstlerischen Theile desselben\nüber.\nDer 7. Juli, als erster Festtag, brachte zuvörderst die\nreligiöse Feier, zu deren Abhaltung man die Jakobs-Kirche,\ndie einen Chor für grössere Massen besitzt, als die geeignetste\ngewählt hatte. Man gab W. Tomaschek's „Krönungsmesse\"\nin C-dur. Der vielgeschmähte, zu Tode ignorirte, von sei-\nnen Schülern, aber auch von anderen vielbelobten Compo-\nnisten vielbenutzte Tomaschek gehörte trotz seiner in fast\ngroteskem Selbstbewusstsein nicht ungerechtfertigten Ver-\nbitterung nicht nur zu den Tongelehrten, sondern auch zu\nden Talenten ersten Ranges. Die in Rede stehende grosse\nComposition enthält des poetisch Gedachten und tief Com-\nbinirten so viel, dass man sc manches bloss Formale, die\nZeit des Componisten und seine Anlehnung an den tradi-\ntionellen Stil Kennzeichnende, gar leicht vergessen kann.\nAusser einem Gr aduale, von J. Haydn und einer als con-\ntrapunktische Arbeit wahrhaft genialen Composition W. A.\nMozart's bildete noch ein Te Deum von Wittasek die im\nkatholischen Ritus begründete Einlage der Messe. Die prä-\ncise, in den betreffenden Momenten imposante Aufführung\nunter der Leitung des Directors Kittl verdient um so\ngrössere Anerkennung, als das stark besetzte Orchester\nnur aus noch im Institute befindlichen Zöglingen bestand.\nAuch der massenhaft besetzte Vocalkörper leistete durch-\naus Gelungenes.\nAm Abend bot bei Gelegenheit des ersten eigentlichen\nConservatoriums-Concertes das königliche ständische Thea-\nter einen ganz und gar eigentümlichen Anblick. Die durch\ndie Anwesenheit so vieler Celebritäten offenbar in eine\nhohe Stimmung versetzte, den Zuschauerraum überfüllende\nMenge hatte schon vor Beginn der Production genug zu\nthun, um sich zu orientiren. Da erblickte man in einer\nLoge den alten Fetis mit Graf Caurencin und dem Feuille-\nonisten Ambros ; in einer anderen die edle Gestalt Spohr's\nmit seiner Gattin; in einer dritten den liebenswürdigen Ad.\nHesse; in einer vierten beim Präsidenten, dem trefflichen,\nkunstfreundlichen Grafen Nostitz, den eben so bescheidenen\nals bedeutenden Kalliwoda, neben an den glücklichsten\nunter den musicirenden Welt-Touristen, Moscheies, das\nfreundliche Gesicht Veit's, wohl des bedeutendsten der le-\nbenden böhmischen Componisten, und das geistvoll ge-\nschnittene J. Rietz's; weiter David, den berühmten Geiger\naus der Lindenstadt, das Brüderpaar Dreyschock u. s. w.\nAber auch das Parquet war von Notabilitäten ersten Ran-\nges reich besetzt. Einem solchen Publicum gegenüber stand\nnun das nur aus den noch im Cursus stehenden Schülern\nzusammengesetzte, im Sinneßerlioz' reich dotirte Orchester\nauf der Bühne, welche mit den Büsten Mozart's, Beelho-\nven's, C. M. v. Weber's (Dionys Weber war vergessen)\nund mit Blumen geschmückt war und eine Estrade für die\nInstrumentalisten bildete. Das Programm war ein über-\nmannigfaltiges und umfangreiches, aber durch den Zweck\ndes Concertes nothwendig bedingtes. Zehn Nummern, und\nzudem meist grosse, bildeten dasselbe; die Orchestral-Num-\nmern, bestehend aus Compositionen von dem jetzigen Di-\nrector und Kunst-Notabilitäten, die ihre erste Bildung im\nConservatorium erlangt haben, die Solo-Nummern vorge-\ntragen von Virtuosen aus derselben Schule. Kittl's Sinfo-\nnie in C-dur machte den Anfang in einer Aufführung, die\nmit ihrer Präcision, bis ins kleinste Detail feinen Nuanci-\nrung vollkommen geeignet war, die hervorragenden, schö-\nnen Momente des an solchen reichen Werkes ins glänzend-\nste Licht zu setzen. In dieser und in allen anderen Orche-\nsterwerken wurde das Orchester von Herrn Moriz Mild-\nner, dem ausgezeichneten Lehrer Laub's, des verstorbenen\nTheodor Pixis und des gegenwärtig an dessen Stelle ge-\ntretenen Jul. Grunwald, vortrefflich angeführt. Ausser\neiner Jubelfest-Ouverture von dem königlich dänischen\nHof-Capellmeister F. Glaser, der den ersten Cursus des\nprager Conservatoriums im Jahre 1816 absolvirte, kamen\nnoch eine Fest-Ouverturc von dem königlich würtember-\ngischen Hof- und Kammermusiker J. Abert und eine in\nE-dur von dem fürstlich Fürstenberg'schen Hof-Capell-\nmeister J. W. Kalliwoda zur Aufführung. Abert (der im\nJahre 1852 absolvirte) ist unstreitig der bedeutendste un-\nter den produetiven Künstlern aus der prager Schule in\nder Neuzeit. Auch sein neues Werk wurde mit grossem\nEnthusiasmus aufgenommen. Kalliwoda ist wohl der be-\ndeutendste unter den produetiven Künstlern aus der prager\nSchule überhaupt; nimmt er ja doch eine hervorragende\nStelle am deutschen Parnass selbst ein. Seine Ouvertüre\nkennzeichnet in der ganzen Haltung und Factur den aus-\nserordentlich begabten und meisterhaft routinirten Künst-\nler. Die mannigfachen Solo-Vorträge bestanden aus Ada-\ngio und Variationen für die Flöte von A. Hodik, fürstlich\nLobkowitz'schem Kammer-Virtuosen (absolvirte 1840);\nArie aus „Paulus\", gesungen von G. Schüttky, Hof-Opern-\nsänger in Stuttgart (abs. 1840); Phantasie für Fagott,\ncomponirt und vorgetragen von W. Neukirchner, königlich\nwürtembergischem Hof- und Kammermusiker (abs. 1825);\nConcert für die Violine von F. David, vorgetragen von Rai-\nmund Drevschock, Concertmeister und Professor am Con-\nj 7\nservatorium in Leipzig; Concert für die Clarinette, compo-\nnirt und vorgetragen von J. Sobek, königlich hannover-\nschem Hof- und Kammermusiker (abs. 1849), und endlich\nBeethoven's Geigen-Conccrt, gespielt von F. Laub, könig-\nlich preussischem Kammer-Virtuosen (abs. 1846). Es ist\nwahr, das ist viel auf einmal; aber es wird gewiss nicht\nunbescheiden sein, wenn wir fragen, ob es, ausser vielleicht"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "235", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580724-01.1.3", "texte": "das pariser, noch ein Conservatorium gibt, welches im\nStande ist, mit seinen Eleven so schwierige Ensemble-Pie-\ncen, wie die oben genannten, in gleicher Vollkommenheit\naufzuführen und für die Solo-Piecen solche Repräsentan-\nten, wie die angeführten, ins Treffen zu stellen. Ueber die\nLeistungen der Solisten unterlassen wir es um so mehr,\nNäheres zu sagen, als diese zumeist allgemein bekannte\nKünstler ersten Hanges sind.\nDie am 8. Juli zu Ehren der Jubiläums-Gäste von der\nhiesigen Oper veranstaltete Fest-Vorstellung von Spohr's\n„Jessonda\" bildete einen wahren Triumph für den Alt-\nmeister deutscher Kunst und ehrte zugleich das Publicum,\nwelches alle nur möglichen Zeichen der Hochachtung,\nPietät und des Enthusiasmus aufwandte, um den edlen\nTondichter zu ehren. Der erlauchte Componist und Diri-\ngent erfreut sich in Prag trotz neuer Erscheinungen in\nHülle und Fülle der grössten Sympathie, und das Publicum\nergriff jede unter den jetzigen Umständen der hiesigen Oper\nmögliche Gelegenheit, um den grossen Künstler zu feiern.\nDer Applaus, mit welchem Spohr empfangen, nach jedem\nActe gerufen und mit welchem seine durch den jetzigen\nTheater-Director Statt gehabte Krönung mit einem Lorber-\nkranze begleitet wurde, glich einem Donnern und Jauch-\nzen in der That enthusiasmirter Menschenkinder aus ver-\ngangener romantischer Zeit.\nBei dem am dritten Festabende gegebenen Concert\nspirituel wirkten ausser den Instrumentalisten des ersten\nConcertes noch die Professoren und Andere (unter denen\nbei der Violine F. David, R. Dreyschock, Dom-Capellmei-\nster Zappe aus Linz u. s. w.) mit. Die Blas-Instrumente\nwaren doppelt besetzt, und der Dirigent Herr Kittl stand\nan der Spitze einer imposanten Masse von 100 Instrumen-\ntalisten und etwa 200 Sängerinnen, Vocalisten und Sän-\ngern. Das Programm bestand nur aus drei, aber gewich-\ntigen Nummern. Gluck's herrlicher Iphigenien-Ouver-\nture folgte des gewaltigen Händel gewaltiger 100. Psalm,\ndiesem Beethoven's „Neunte\". Den Glanzpunkt der Pro-\nduetion bildete der orchestrale Theil, dessen präcise und\nschwungvolle Ausführung nur einiger Maassen durch die\nabscheuliche Akustik des Hauses und deren Consequcnzen\ngedämpft wurde. Das Wagniss, den Solopart des Soprans\nin beiden Vocal-Piecen von einer eben nicht bedeutenden\nSchülerin des Instituts singen zu lassen, gelang nicht, ja,\nführte zu Störungen, welche dem Glänze des letzten Abends\nund mithin auch des ganzen Musik festes (wenigstens in den\nAugen des grossen Publicums und gewisser befangener\nKunstkenner) grossen Abbruch thaten. Obwohl dieses für\nden Eindruck der Productionen, wenn auch nicht maass-\ngebend, doch auch nicht unwesentlich bleibt, so kann das\nrein musicalische Resultat derselben doch im Ganzen und\nAllgemeinen als ein glänzendes, den alten Ruf bewähren-\ndes bezeichnet werden, und kann das Conservatorium und\ndessen Leiter mit voller Beruhigung der ruhigen, nicht\nparteigefärbten Beurtheilung unbefangener Musikkenner\nentgegensehen.\nAm 10. Juli versammelte als Schlussfeier ein von dem\nVereine zur Beförderung der Tonkunst in Böhmen gege-\nbenes splendides Diner im Baumgarten die Gäste. Der um\ndas Conservatorium hochverdiente Präsident Graf Albert\nNostitz und der ihm eifrig zur Seite stehende Geschäftsleiter\nFreiherr v. Bohusch machten die Honneurs. Unter den\nToasten wurden nicht nur jene auf Se. Majestät, auf die\nGründer des Vereins, auf den Grafen Nostitz und den Frei-\nherrn v. Bohusch, sondern auch der auf den ersten Direc-\ntor des Conservatoriums F. D. Weber insbesondere, auf\ndie anwesenden Gäste, auf Director Kittl, die Professoren\nu. s. w. mit Enthusiasmus aufgenommen. Während der\nTafel spielte die treffliche Capelle des Regiments Allemann\nunter der Leitung ihres Capellmeisters Herrn Cermak ein\nreiches und sinnig zusammengesetztes Programm. Ausser\nden Ouvertüren zu Don Juan und Tannhäuser kamen\nPiecen von den anwesenden Componisten Spohr, Veit, Da-\nvid, Ricci, Rossi, Ambros, Kittl u. s. w. zu gelungener Auf-\nführung. Trotz der bereits veröffentlichten Vorboten eines\nSturmes in der localen und auswärtigen Presse, welchen\ntheils die im Eingange dieses Berichtes angedeutete Miss-\nstimmung, theils andere, am besten nicht näher zu bezeich-\nnende, aber kaum verkennbare, nachbarstädtliche Ursa-\nchen heraufbeschworen, herrschte die unbefangenste Fröh-\nlichkeit und begleitete den Festzug auf der Nordbahn zu-\nrück nach Prag.\nAls Festschrift hat der Verein zur Beförderung der\nTonkunst in Böhmen herausgegeben: „Das Conserva-\ntorium in Prag. Eine Denkschrift u. s. w. von Dr. Aug.\nWilh. Ambros, Directions-Mitglied.\"\nDer „Ueberblick der musicalischen Zustände in Böh-\nmen vor Gründung des Conservatoriums\" (S. 3 —l6) ent-\nhält interessante Angaben. Der glänzende Hof des Königs\nRudolph 11. (St. 1611) rief in Prag zuerst ein Musikleben\nhervor, das für die Entwicklung der Kunst in Böhmen,\ndessen Bewohner von jeher mit musicalischen Anlagen be-\ngabt waren, von Bedeutung war. Wie hoch dieser Fürst\ndie Musik achtete, geht unter Anderem daraus hervor,\ndass er seinen Hof-Organisten Georg Hässler in den Adcl-\nstand erhob und dem berühmten „Posauner\" Andreas\nGruber im Jahre 1593 ein Wappen, im blauen Felde ein\naufrechter „weisser Lew (Leu) auf einer güldenen Posaun\nblasendt\", verlieh. Auch gab es damals schon einen Musik-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "236", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580724-01.1.4", "texte": "oder Gesang-Verein zu St. Heinrich in der Neustadt, der\naus „clarissimis in nobilitate\ncenatibus meritissimis\"bestand.\nDer dreissigjährige Krieg zerstörte diese schönen An-\nfange; doch hatte Böhmen auch in dieser bedrängten Zeit\nnoch immer tüchtige Musiker, auch unter den höheren\nStänden. Der Kammer-Präsident Christoph Harant von\nPolcic, der als Anhänger Friedrich'« von der Pfalz den *2O.\nJuni 1621 enthauptet wurde, war auch Musiker und\nComponist.\n„Mit dem westphälischen Frieden\" heisst es weiter\n„kamenruhigero Zeiten; in den Klöstern, so wie in den\nSeminarien der Jesuiten fand die Musik eifrige Förderung.\nZu Anfang des vorigen Jahrhunderts zählte z. B. das Cister-\ncienser-Stift Osseg unter den Ordensbrüdern eine grosse\nZahl wohlgeschultcr Orchesterspieler, unter denen mehr\nals zwanzig den Namen wahrer Virtuosen verdient haben\nsollen; der Prämonstratenser Johann Chrysostomus Neruda,\nLeiter des Musikchors in der Kirche des Klosters Strahow\nzu Prag, war ein vorzüglicher Violinspieler; der Minorit\nBohuslav Czernohorsky von Nimburg wurde in Italien Ma-\ngister der Musik (man weiss, was es damals galt) und schrieb\nzahlreiche Compositionen, in denen alle Geheimnisse des\ndoppelten Contrapunktes in kühner und geistvoller Weise\nbehandelt sind. Die mächtige Fuge\nstus wird noch jetzt zuweilen zu Gehör gebracht. Auch\nvornehme Gönner und Freunde der Musik erwarben sich\nVerdienste um ihre Förderung; der kunstliebende Graf\nFranz Anton von Spork brachte aus Paris die ersten\nWaldhörner nach Böhmen mit; später war es ein Böhme\n(Punto, eigentlich Stich), der sich als der erste eigentliche\nVirtuose auf diesem Instrumente hervorthat. Auch die Jagd-\nmusik führte Graf Spork in Böhmen ein, und später war\nes wieder ein Böhme (Maresch), der das Curiosum der\nrussischen Jagdmusik erfand, wo bekanntlich jeder Spieler\nnur über einen einzigen Ton zu verfügen hat. Prag erhielt\nschon nach 1730 eine von den vornehmen Ständen be-\ngünstigte und unterstützte treffliche italiänische Oper, de-\nren Aufführungen erst in einem Hause auf dem Porik,\ndann in dem so genannten Kotzengebäude in der Altstadt,\nendlich in dem jetzigen Theatergebäude Statt fanden, und\ndie sich unter den Impresarios Locatelli, Bustelli, Londini\nund Guardasoni bis zum Jahre 1807 erhielt, wo sie an\nder Ungunst der Zeiten zu Grunde ging. Für die Bondini'-\nsche Gesellschaft (Luigi Bassi, Ponziani, Teresa Saporiti\nu. s. w.) schrieb Mozart 1787 seinen Don Giovanni, und\ndie noch jetzt in Dresden lebende Gcsanglehrerin Sandrini\nwar als Signora Caravoglia die Prima Donna der Guarda-\nsoni'schen Operisten. Unter so günstigen Umständen musste\ndie Musik bei einem talentbegabten Volkerasch ihre Blüthe-\nzeit erreichen. Fürst-Abt Gerbert von St. Blasien, Verfasser\ndes berühmten Werkes De canta et musica sacra und also\ngewiss ein competenter Bichter, schreibt darüber:\nrurnjam diximus musicam nostri aevi ritusque, tarn voca-\nlem quam instrumentalem nullibi gentium magis quam in\nBohemia, et iam in oppidis et vicis, florere.\" Im Jahre 1723\nfand zu Prag bei Gelegenheit der Krönung Karl's VI. eine\nMusik-Aufführung Statt, welche für die damaligen Ver-\nhältnisse kolossal zu nennen ist, da 100 Sänger und 200\nInstrumentalisten dabei beschäftigt waren. Es war eine Art\nFest-Oper für den Geburtstag der Kaiserin Elisabeth, ge-\ndichtet von dem kaiserlichen Hofpoeten Pietro Pariati, in\nMusik gesetzt von dem Hof-Capellmeister Joh. Joseph Fux,\ndem Verfasser des einst hochberühmten musicalischen Gra-\ndus ad Pamassum,unter dem Titel:\nfesta teatrale per musica, da\nstelb di Praga per il felicissimo giorno natalizio u. s. w.\nDie Freude an dem glänzenden Schauspiele soll wesentlich\ndazu beigetragen haben, dass nicht lange danach die ita-\nliänische Oper nach Prag berufen wurde. Ueberhaupt war\nes für Böhmen gedeihlich, dass es zwischen Wien, wo am\nHofe Karl's VI. unter Caldara u. A. die glänzende italiäni-\nsche Musik mit Vorliebe gepflegt wurde, und zwischen\nNorddeutschland, wo insbesondere der grösste Vertreter\ndeutscher tiefsinniger Kunst, Sebastian Bach, in dem nicht\nfernen Leipzig wirkte, mitten inne lag, und sich bei dem\nsteigenden Verkehr der Länder diese Elemente dort be-\nbegneten, kreuzten und zu einem anziehenden Dritten\nmischten, wie man in den zum Theil höchst bedeutenden\nWerken der böhmischen Componisten der nächstfolgenden\nZeit deutlich wahrnehmen kann.\n„Als noch später der Künstler kam, in dem sich jene\nzwei Elemente in der freiesten und schönsten Weise ein-\nten, als Mozart auftrat, konnte es gar nicht anders sein,\nals dass er in Böhmen sogleich Verständniss und enthu-\nsiastischen Antheil fand.\n„Die zweite Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts ist\nfür die specifisch-böhmische Musikschule die classische Zeit.\n„Franz Tuma aus Kostelec, Capellmeister der Kaiserin\n/Witwe Elisabeth, verdient durch seine wahrhaft grosse\nD-moll-Messe allein schon eine Ehrenstelle unter den Mei-\nstern; der geniale, leichtschaffende Franz Brixi ist mit sei-\nnem Feuer, seinem Sinne für Wohlklang und seiner sich\nin den Banden eines studirt kunstreichen Satzes leicht und\nanmuthig bewegenden Melodie in gewissem Sinne ein Vor-\nläufer Mozart's; Georg Benda aus Benatek machte mit\nseinen Monodramen „Ariadne auf Naxos\" und „Medeafc\nin Deutschland so viel Aufsehen, als Joseph Misliwecek,\ngenannt il Boemo, mit seiner Oper „Bellerofonte\" zu Ve-\nnedig und Neapel. Johann Stamitz von Deutschbrod erwarb"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "237", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580724-01.1.5", "texte": "sicli als Violinspieler und Componist grosse Verdienste um\ndie Ausbildung der Instrumentalmusik, welcher dann sehr\nbald Joseph Haydn die Genius-Flügel zum höchsten Fluge\nlösen konnte. Johann Zach zeichnete sich neben Joseph\nSegert als Organist aus; Florian Leopold Gassmann aus\nBrüx, der in Italien seine Bildung vollendete, wurde selbst\nvon Mozart hochgeachtet und zählte Salieri zu seinen Schü-\nlern. Und der treffliche, zu wenig gekannte Sojka ist auch\nals unmittelbarer Zögling des grossen Sebastian Bach\ninteressant.\n„Prags musicalischer Ruf stand schon um 1732 so\nhoch, dass der nachmalige grosse Reformator der drama-\ntischen Musik Christoph Gluck eigens dahin kam, um seine\nStudien bei dem Minoriten Czernohorsky zu machen. Auch\nTuma, Segert und Zach waren Czernohorsky's Schüler, eben\nso der Violinist.Giuseppe Tartini. Czernohorsky war nämlich\nmehrere Jahre Regens Chori bei St. Anna in Padua. Zahl-\nreiche Namen, die wir hier übergehen müssen, nennt das\nKünstler-Lexikon von Dlabacz. Endlich überstrahlte Mo-\nzart's Erscheinung alle früheren Meister und nahm alles\nInteresse für sich in Anspruch. Welchen Eindruck die\nEntführung aus dem Serail bei ihrer ersten Aufführung\nmachte, schildert Nemezek (oder, wie ihn Otto Jahn nennt,\nNiemtschek) in seiner anziehenden biographischen Skizze\ndes unsterblichen Meisters. Im Jahre 1786 kam Mozart\nselbst nach Prag, gerade da sein mit Entzücken aufgenom-\nmener Figaro aufgeführt wurde. Von da an war er ein\noft gesehener, stets mit enthusiastischer Verehrung begrüss-\nter Gast in der böhmischen Hauptstadt; als er vollends das\n(oft mit Stolz wiederholte) Wort gesprochen: „Die Böhmen\nverstehen mich!\" und für Prag den Don Juan und Titus\ngeschrieben, liessen es sich die Böhmen gar nicht nehmen,\nihn als einen der Ihrigen anzusehen.\n„Sein Ansehen und sein Einfluss war in Böhmen noch\nlange Jahre nach seinem Tode ganz unbegränzt; es war\nso ziemlich dieselbe Vorliebe, wie sie sich in dem bekann-\nten Werke Ulibischeff's ausspricht. Die folgenden Erschei-\nnungen, zum Theil von höchster Bedeutung, hatten nur\ndesswegen einige Mühe, durchzudringen und zur Geltung\nzu kommen. Man hätte nichts dagegen gehabt, mit Mozart\nabzuschliessen.\n„Ein so lebhafter, zum Theil leidenschaftlicher Antheil\nan der Tonkunst rief, wie natürlich, auch ein lebhaftes\nBedürfniss nach ausübenden Kräften hervor. Eine eigent-\nliche Musikschule oder allgemeine Musik-Lehranstalt be-\nsass Prag damals nicht. Der Contingent an ausübenden\nMusikern wurde aus Meisterschulen gestellt. Der einzelne\nMusik-Director dieser oder jener Kirche (Chorregens,\ngens Chori, wie er hiess) erzog sich seinen Bedarf an Sän-\ngern, Violinisten u. s. w. selbst, wie er sich auch seine\nMessen und Vespern selbst componirte. Ein anschauliches\nBild dieser Pflanzschulen gibt ein jetzt nur noch in einzel-\nnen Exemplaren als Rarität vorkommendes, 1796 im Schön-\nfeld'schen Verlage erschienenes „ „Jahrbuch der Tonkunst\nfür Wien und Prag\"\", das in seiner allerdings geschmack-\nlosen, aber dafür naiven und gewissenhaft treuen Darstel-\nlung ein sehr überschauliches Bild gewährt.\"\nVon namhaften Künstlern, die damals in Prag lebten,\nwird darin hauptsächlich Dussek genannt, dann Kozeluch,\nGelinek u. s. w. Von dem jungen Tomaschek heisst es:\n„Spielt das Fortepiano ganz angenehm.\" An Betthofer\n(Beethoven) rühmt der Verfasser „eine besondere Geschwin-\ndigkeit\", nennt ihn aber doch auch „ein hohes Genie\".\nIn der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts veran-\nlassten die Aufhebung von Klöstern, die Verminderung\noder schlechtere Besoldung der Organisten- und Chor-\nregenten-Stellen einen Rückschritt in der Musikpflege in\nPrag. Auch die Hauscapellen der Grossen gingen allmäh-\nlich ein; doch fand die Tonkunst bei den bedeutendsten\nFamilien stets Sinn und Geschmack wach, so dass der\nböhmische Ade! immer eine Hauptstütze der Kunst und\nder Künstler blieb.\nGleichwohl waren schon 1796 die grossen, zu öffent-\nlichen Productionen bestimmten Orchester in Prag nur\nsehr schwach besetzt, vielleicht gerade desswegen, weil die\nHauscapellen (so lange sie bestanden), die neunzehn Klo-\nster- und Kirchenchöre eine Menge von Talenten absorbir-\nten. Das Opern-Orchester des ständ. Theaters bestand aus\n3 Prim-Violinen, 4 Second-Viol.'nen, 2 Violen, 1 Violon-\ncell und 2 Contrabässen, 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Clarinet-\nten, 2 Fagotten, 2 Waldhörnern, Trompeten und Pauken.\nPosaunen waren nicht engagirt, sondern wurden nach Be-\ndürfnis für die einzelnen Aufführungen requirirt. Diese\nnumerisch sehr bescheidenen Kräfte waren aber wohlge-\nschult und wohlgeübt; sie vermochten es, bei der ersten\nAufführung des Don Juan die Ouvertüre, deren letzte\nAuflagstimmen, dick mit Streusand bestreut, um V4B Uhr\nins Orchester gebracht wurden, a prima vista so zu spie-\nlen, dass Mozart meinte: „Einige Noten sind wohl unter\ndie Pulte gefallen, aber gut gegangen ist sie doch.\" Noch\nweniger zahlreich war das Orchester beim „deutschen Na-\ntionaltheater\" , es besass nur zwei Prim-Violinen, drei Se-\ncond-Violinen; unter den Bläsern fehlten die Fagotte.\nVollends kläglich war das Orchester bei dem so genann-\nten „vaterländischen Theater auf dem Capucinerplatz\" be-\nstellt. Es war zusammengesetzt aus einer Prim-Violine,\nzwei Second-Violinen, zwei Bratschen, einem Violoncell,\neinem Contrabass, den Holzbläsern, Hörnern, Trompeten\nund Pauken. Zu Tafel- und Tanzmusik fing man an nach\nder Entlassung der Hauscapellen Militärcapellen in An-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "238", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580724-01.1.6", "texte": "Spruch zu nehmen. Besonders war die Feldmusik der Ar-\ntillerie beliebt.\nUeberblickt man den Zustand der damaligen Musik-\npllege in Böhmen, so sieht man leicht, dass sich die wirk-\nlich vorhandenen Kräfte vielfach zersplitterten und dann\nwieder zu kleinen musicalischen Körperschaften concentrir-\nten, von denen ein Kunstleben in grösserem Maassstabe\nnicht zu erreichen war; ferner dass die Bildung und Iler-\nbeiholung frischer Kräfte halb und halb dem Zufalle an-\nheimgestellt war. Gestalteten sich die äusseren Umstände\neiniger Maassen ungünstig, so musste ein rascher Verfall\ndie unmittelbare Folge sein.\nDas neue Jahrhundert fand ganz Europa unter Waf-\nfen und in Kriegsllammen. Zwar hatte sich 1804 in Prag\neine Tonkünstler-Societät organisirt, die ihre Wirksamkeit\nmit Haydn's wenige Jahre vorher veröffentlichter, alige-\nmein bewunderter „Schöpfung\" eröffnete; dennoch verfiel\ndie Musikpllege so rasch und so sehr, dass es sogar in der\nHauptstadt Prag schwer fiel, ein gutes Orchester vollstän-\ndig zusammen zu bringen, und selbst bei einem vollstän-\ndigen Orchester einzelne Instrumente nur ungenügend be-\nsetzt werden konnten.\nDa erliessen am 25. April 1808 die Grafen Wrtby,\nSternberg, Johann und Friedrich von Nostitz, Clam-Gallas,\nFirmian, Pachta und Klebeisberg einen Aufruf zur Grün-\ndung einer Musik-Anstalt in Prag wahrlich eine schöne\nThat, zumal wenn man bedenkt, wie der ganze österrei-\nchische Staat damals von ganz anderen Dingen bedrängt\nund aufgeregt war! Sie selbst zeichneten jährlich 2700\nGulden. Bei der ersten Sitzung am 31. März 1810 belief\nsich die Unterzeichnung auf 6600 Gulden jährlich, und\nnun nahm die Gesellschaft den Namen „Vereinigung\nzur Beförderung der Tonkunst in Böhmen\" an.\nDie erste General-Versammlung fand den 28. April 1810\nStatt. Als Hauptzweck wurde die Errichtung einer Mu-\nsikschule anerkannt. Diese trat mit dem 1. Mai 1811 ins\nLeben, während schon im Mai 1810 der erste Director\nderselben, Friedrich Dionys Weber, ernannt worden\nwar. Es konnten trotz der erschütternden Ereignisse\nseit 1809 bereits 14,770 Gulden auf den Ausgabe-\nstand gesetzt werden.\nDas Lehrer-Personal zählte 1 Director mit 1200 Fl.,\n1 Adjunct mit 600 Fl. nebst Wohnung und Heizung, 1\nLehrer der Violine mit 900 Fl. und 3 St. täglich (Fried-\nrich Pixis, Vater von Theodor Pixis), 7 Lehrer mit je\n600 Fl. und 2 täglichen Stunden für Cello, Bass, Oboe,\nFlöte, Clarinette, Fagott, Waldhorn, einen für Trompete\nmit 300 Fl., einen wissenschaftlichen Lehrer mit 600 FL,\neinen Katecheten, einen Famulus. Die erste Aufnahme zählte\n34 Schüler.\nAm 2. April 1828 war das Vermögen der Anstalt\nauf 47,349 Fl. 8 Kr. angewachsen; es waren im Jahre\n1827 20,028 Fl. 37 Kr. eingenommen, 15,113 Fl. 49\nKr. ausgegeben. Im Jahre 1833 war das Vermögen auf\n49,160 Fl. gestiegen, und einige Gehälter wurden verbes-\nsert (der Director 1500 Fl.; der Gesanglehrer Schnepf\n1200 Fl. mit 30 Stunden wöchentlich; zwei wissenschaft-\nliche und ein Lehrer der italiänischen Sprache u. s. w.);\nim Jahre 1834 auf 52,000 Fl.—Seit 1850 hat das In-\nstitut auch eine Pensions- und Witwcncasse für die Leh-\nrer und ihre Frauen.\nDas Jahr 1857 schliesst mit einer Einnahme von\n34,989 Fl., einer Ausgabe von 11,391 Fl. und einem\nverbleibenden Vermögensstande von 23,598 Fl. ab. Wohl\nzu merken ist, dass unter der Einnahme bloss 30 Fl.\nan Schulgeld vorkommen, also der ganze Unterricht so\ngut wie unentgeltlich ertheilt wird; dagegen 4000 Fl. aus\ndem böhmisch-ständischen Fonds und 5255 Fl. an Beiträ-\ngen der Mitglieder des Vereins (gegenwärtig 76, Se. Ma-\njestät Kaiser Ferdinand an der Spitze; ferner die Stadt-\ngemein den von Prag und von Karlsbad). Das jetzige\nLehrer-Personal besteht aus dem Director Joh. Friedr.\nKitt! und 13 Musiklehrern, einer Lehrerin der Declamation\nund Mimik, zwei wissenschaftlichen und zwei Sprachleh-\nrern, einem Religionslehrer und einem Tanzlehrer.\nDen Unterricht der Anstalt haben von 1811 —1855\n847 Instrumentalschüler (dabei 268 Violinspieler) und\nvon 1817 —1855 147 Sängerinnen und Sänger (dabei\n114 Damen) genossen.\n\nKarl Franz Pitsch.\nEin Nachruf\n(Geb. 1789. Gest. 13. Juni 1858.)\nKarl Franz Pitsch war 1789 zu Badsdorf in Böh-\nmen geboren und der Sohn eines Land-Sehu!lehrers. Der\nkleine Karl wurde von seinem Vater, welcher ihm erst vor\nwenig Jahren hochbetagt in das kühle Grab voran-\ngegangen, schon als vierjähriger Knabe, zuerst auf der\nGeige, bald nachher auf dem Ciavier und auf der Orgel\nunterrichtet. Kaum sieben Lebensjahre zählend, hatte die\nLehre des vielerfahrenen Pädagogen bei dem keimenden\nmusicalischen und wissenschaftlichen Erziehergeiste Karl's\nschon so überraschend reife Früchte getragen, dass er be-\nreits zu Reichenbach in Schlesien den Organistendienst ver-\nsehen konnte. Zu derselben Zeit machte er an eben ge-\nnanntem Orte schon tief eingehende Studien im Tonsatze\nunter der Leitung des dortigen Stadt-Organisten Konstan-\ntin B ach, eines Abkömmlings aus der erlauchten alten\nTondichter-Familie. Pitsch zeigte schon damals eine rege"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "239", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580724-01.1.7", "texte": "Empfänglichkeit für contrapunktische Sätze. Ein leichtes\nSpiel war es daher seinem Lehrer, ihn mit den in diese\nRichtung einschlagenden Tonwerken vertraut zu machen.\nWo es in der Umgegend ein Kirchenfest gab, gewahrte\nman den so genannten kleinen Hexenmeister Pitsch auf der\nOrgelbank. Mit wahrer Bewunderung sah man, wie ge-\nwandt sich der Knabe schon damals auf dem oberpriester-\nliehen Instrumente, seiner nachherigen zweiten Seele, zu\nergehen wusste. Nach zwei für Pitsch' künstlerische Zukunft\nfolgenreichen musicalischen Lehrjahren nahmen seine wis-\nsenschaftlichen ihren Anfang. Dem engen Vereine dieser bei-\nden Potenzen dankt Pitsch seine innig-harmonische Durch-\nbildung. Er machte seine Studien am prager Gymnasium,\nwie an der durch Wissenschafts-Charaktere, gleich jenen\neines Meissner, Bolzano, Widma u. s. w. hochberühmten\nUniversität der böhmischen Metropole. Den Anregungen\ndieser Kernmänner verdankt Pitsch nach seiner oft gemach-\nten Versicherung eben so viel, wie dem Umgange mit den\nPartituren der musicalischen Classiker und dem persönlichen\nGedanken-Austausche mit so manchen bedeutenden Den-\nkern im Reiche der Töne und ihrer Wissenschaft, deren\nzeitweilige oder immerwährende Heimat Prag in jener Epo-\nche gewesen. Nach absolvirten Facultäts-Studien bekleidete\nPitsch zwei Erzieher-Stellen zu Prag, Brünn und Wien.\nDer Aufenthalt in letztgenannter Stadt brachte unseren\nPitsch in engen Verkehr mit vielen hochbedeutenden Ver-\ntretern des Tonlebens, worunter wohl sein öfteres Zusam-\nmentreffen mit Beethoven einen unberechenbar mächtigen\nEinfluss auf Pitsch' dem wahren Geistes-Fortschritte immer\noffene Seele geübt haben mag. Diese beiden Erzieher-Stel-\nlen brachten dem Ehrenmanne eine äusserlich gesicherte\nLage, geistig erfasst aber die innigste Liebe und Hingabe\nseiner Zöglinge zu. Dank seiner, wie gesagt, echt harmo-\nnisch durchbildeten Persönlichkeit, ist es Pitsch auch in aller\nFolge seines segensreichen Wirkens gelungen, sich jene zu\nkindlich anhangenden Verehrern, ja, zu unwandelbaren\nFreunden zu machen, denen er wie immer geartete Winke\nin Sachen der Kunst, Wissenschaft oder Lebens-Praxis ge-\ngeben. Den Kernpunkt von Pitsch' musicalischer Thätigkeit\nbildete seit jeher die Theorie des Tonsatzes in allen ihren\nZweigen. Man darf entschieden behaupten, es gebe kein\nWerk dieser Art, das er nicht durchforscht und zu einem\nselbstständig fortwirkenden Momente seines Lehrgeistes ge-\nmacht hätte. Namentlich war es Abt Vogler's Ton-Sy-\nstem, das dem tief-logischen Denker Pitsch als das erschö-\npfendste seiner Art erschienen ist, und das er seinem Un-\nterrichte mit sichtendem Geiste immer zum Grunde gelegt\nhat. Um das Jahr 1832 wurde Pitsch zum Organisten an\nder Nicolai-Kirche Prags, im Jahre 1840 zum provisori-\nschen Professor der Tonlehre am dortigen Conservatorium,\nendlich im Jahre 1841 zum Director und Lehrer an der\nprager Organistenschule ernannt. Dieses letzterwähnte In-\nstitut hat sich, kraft seiner Energie und theoretisch-prakti-\nschen hohen Meisterschaft, zu einer der ersten Pllanzschu-\nlen der Kunst des Orgelspiels entfaltet. Wer je Zeuge der\nLeistungen unseres Pitsch als Organist gewesen, wird zu\ndem offenen Bekenntnisse gedrängt werden, dass dieser Mei-\nster unter seinen süddeutschen Bundesgenossen keinen Ne-\nbenbuhler zu scheuen hatte. Es bezieht sich dieser Ausspruch\nsowohl auf die Pitsch eigenthümlich gewesene Behandlung\ndes Riesen-Instrumentes, wie auf die geistsprühende Art\nseiner stets thematischen und namentlich fugirten Impro-\nvisation. In erstgenannter Hinsicht musste Pitsch'gewandte\nund markige Behandlung des Pedals und die wahrhaft dra-\nstische Art seiner Registermischung auf Jeden überraschend\nund erhebend wirken, dem jenes unselbstständige Gebahren\nunserer Organisten bisher als ausnahmslose Norm der wah-\nren Behandlung dieses Instrumentes erschienen. Vom zwei-\nten Gesichtspunkte ausgehend, konnte man in Pitsch' freier\nPhantasie, ungeachtet ihres tiefen Ernstes und ihrer wahr-\nhaft eisernen thematischen Folgerichtigkeit, in der That\nschwelgen, so üppige, blühende Tongestalten wusste sie am\näusseren Sinne vorüber zu führen und in den Seelenmen-\nschen einzusenken. Ueber Pitsch' Lehrer-Genius, über die\neben so musterhaft klare, wissenschaftlich begründete, als\noft sogar begeisterte Art seines mündlichen Vortrages, wie\nüber sein gewinnendes, einnehmendes Wesen sind alle jene\neinig, denen das Glück geworden, Pitsch' Schüler sich nen-\nnen zu dürfen. Als Tonsetzef hat Pitsch zwar quantitativ\nspärlich, wesentlich aber segensreich gewirkt. An eigenen\nCompositionen hat er mehrere Präludienhefte für die Or-\ngel, eine Fuge über den Alleluja-Choral und über das öster-\nreichische Volkslied, ferner eine Reihe geistvoller contra-\npunktischer Veränderungen über denselben Hymnus, end-\nlich eine herrliche Festmesse im Drucke erscheinen lasset.\nHandschriftlich verwahrte das Pult des Altmeisters mehrere\nMessen und kleinere Kirchenstücke, worunter namentlich\nein Offertorium mit Doppelfuge und ein in jeder Richtung\ngrossartiges Te Deum hervorragen. Möchte doch jetzt auch\nPitsch' im Manuscripte fertig da liegende Tonsatzlehre bald\nin die Oeffentlichkeit treten! Sie erfüllt alle Forderungen,\ndie an ein Werk dieser Art gestellt werden können. Ver-\ndienstlich ist auch Pitsch' vorJahren herausgegebenes Sam-\nmelwerk, welches den Titel: „Museum lür Orgelspieler\",\nführt und die Vor- und Nachspiele des berühmten altböh-\nmischen Organisten Sengert enthält. Unter die merkwür-\ndigsten Künstler-Charaktcrzüge des kürzlich Verewigten\ngehört schliesslich noch jene Elasticität seines Geistes, jene\nbis zum letzten Hauche treu bewahrte rege Empfänglich-\nkeit für alles Grosse und Schöne in der Kunst, gleichviel"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "240", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580724-01.1.8", "texte": "welcher Zeit es angehören mochte. Pitsch vvusste an allen\nSchulen der musicalischen wie dichterischen Literatur stets\ndie grossen Züge herauszufinden und sowohl seinen Schü-\nlern als jenen nahe zu legen, denen die Freude seines per-\nsönlichen Umganges geworden. Merkwürdig, ja, rührend\nwar in dieser Rücksicht des im Geiste der musicalischen\nAntike grossgezogenen Künstlers sinnige und jugendlich\nwarme Auffassung der Thaten eines Beethoven, Weber\nund Schubert, ja, sogar jener eines Chopin, Schu-\nmann und Wagner. Wie sehr er für Mendelssohn\ngeglüht, weiss jeder, der unserem Pitsch näher gekommen.\nAllen Erscheinungen der tönenden Kunst, selbst den wider-\nhaarigsten, wusste er wenigstens irgend eine bedeutende\nSeite zu entlocken. Nur das offenbar Frivole brachte ihn\nin Harnisch. So war denn Pitsch auch kein Verächter Ros-\nsini's. Eben so wusste er den Schöpfungen der neufranzö-\nsischen Oper rühmenswerthe Seiten abzugewinnen. Nur\ndie zeitweise Liederlichkeit des von ihm als Genius und\nGelehrter so hochgestellten Meverbeer und die Nach-\nO «j\näfferei jeder Art von Manier versetzte Pitsch in erbitterte\nStimmungen, die er oft in ein äusserst humoristisches Ge-\nwand zu kleiden wusste. Endlich dürfte Pitsch' tiefgründ-\nliche Kenntniss der beiden altclassischen, so wie fast aller\nromanischen Sprachen, seine Belesenheit in aller Art Lite-\nratur und Philosophie, einem Psychologen neuesten Geprä-\nges so manchen Anlass zu folgenschweren Bemerkungen\nüber die Dringlichkeit einer allseitigen Bildung für jeden\nkünstlerischen Fachmann bieten. Schliesslich erlag seine\nvielgeprüfte Kraft einer dreitägigen Krankheit.\n(W. Monatschrift f. Th. u. M.)\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nAus Dresden wird über die am 20. Juni erfolgte Wiederauf-\nnahme des j,Tannhäuser\" nur theilweise Günstiges berichtet. Dass\nendlich die richtigen Kunstanschauungen über politische Bedenklich-\nkeiten den Sieg davon getragen und die Aufführung ermöglicht ha-\nben, darüber ist man so ziemlich allgemein befriedigt. Das gedrängt\nvolle Haus war in sichtlicher Erregung und spendete Beifall, wo es\nnur immer möglich war. Die Aufführung war jedoch offenbar über-\nstürzt worden, das Ensemble keineswegs reif zur öffentlichen Vor-\nführung, namentlich die Chöre oft schwankend im Tacte und in der\nIntonation, die Ausstattung unansehnlich und abgenützt, die Partie\nder Venus ganz ungenügend besetzt. Am besten hat Herr Mitter-\nwurzer den Charakter seiner Rolle in dramatischer wie in gesang-\nlicher Hinsicht erfasst und wiedergegeben. Herr Tichatschek verwen-\ndet auf die Titelrolle vielen Fleiss und vermag ein an seine Eigen-\nheiten gewöhntes Publicum gewiss zufrieden zu stellen. In gesang-\nlicher Beziehung bringt er die zarten Stellen sehr schön zur Geltung,\nund seine Stimme klingt überhaupt merkwürdig frisch und ange-\nnehm. Fräul. J. Wagner, deren Stimme namentlich in Sopran-\nPartieen nicht mehr ausreicht, entzückt Viele durch ihr reiflich\ndurchdachtes Spiel, während Manche darin ein Uebermaass von Be-\nrechnung erblicken und eine freiere, unmittelbar schwungvollere\nDarstellung vorziehen würden. Fräul. Wagner gastlrte ausserdem als\nFides, Orpheus, Lucrezia und Romeo.\n\\\nProf. Dr. Siegfried Dehn, dessen Verdienste um die Theorie,\ndie Literatur und die Lehre der Tonkunst allgemein anerkannt sind,\ndem Tausende ihre ganze wissenschaftliche Bildung in der Musik\nverdanken, hat noch vor seinem leider zu früh erfolgten Tode sein\nmit Recht berühmtes Werk ,Harmonie 1 e h r e\" zu einer zweiten\nAusgabe bearbeitet und zum Druck vollendet. Da die erste Auflage\nganz vergriffen ist, so wird Lehrern wie Schülern die Nachricht\nhöchst willkommen sein, dass die zweite Auflage jetzt unter der\nPresse ist und einer seiner bedeutendsten Schüler die Correctur\nübernommen hat.\nDie ~Deutsche Musik-Zeitung für die Vereinigten Staaten\"\nwünscht für den mit dem 1. September beginnenden dritten Jahr-\ngang noch einige tüchtige Mitarbeiter, so wie Correspondenten in\nallen bedeutenderen Städten Europa's zu gewinnen. Darauf Reflecti-\nrende belieben gefälligst ihre Honorar-Ansprüche u. s. w. höchstens\nbis Mitte August portofrei hieher gelangen zu lassen.\nGerman Musical Journal.\nCare of Mr. L. A. Alfred Schmidt,\n1026 Chesnut st., Philadelphia, U. St.\nFür New-York: Theodor Hagen, Redacteur."}]}