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Anregung zu einem allgemeinen deutschen Sänger-Concurs. Von X. An die\nRedaction der Niederrlieinischen Musik-Zeitung. Aus Polen. Karl Franz Pitsch. Nachtrag zum Artikel in der vorigen Nummer.\nEine Anekdote aus L. van Beethoven's Leben. Tages- und Unterhaltungsblatt (Berlin, Hof-lnstrumentenmacher L. Künzel\nDresden, R. Wagner Henriette Sontag Baden-Baden, Concert-Programm Wildbad, Herr Formes Wien Rubinstein)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-07-31-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-07-31_01#c002", "volume": "bmtnabi_1858-07-31_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "241", "page_fin": "243", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580731-01.2.2", "titre_corps": "Die Regelung der Orchesterstimmung.", "titre_sommaire": "Die Regelung der Orchesterstimmung.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "241", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580731-01.1.1", "debut_caractere": 458, "fin_caractere_exclue": 3696, "texte": "Die Regelung der Orchesterstimmung.\nDie Thatsache der fortschreitenden Erhöhung der Or-\nchesterstimmung ist bekannt. Mit Erörterung der Ursachen\nderselben und Darlegung ihrer Nachtheile haben sich die\nmusicalischen Zeitschriften in den letzten Jahren gründlich\nbeschäftigt; namentlich erwähnen wir in dieser Beziehung\nden Aufsatz von A. Schindler in diesen Blättern (111.\nJahrgang, 1855, Nr. 8 und 9 vom 24. Februar und 3.\nMärz), die Denkschrift von Lissajous, Paris, 1855, bei\nGelegenheit der Industrie-Ausstellung, den Artikel der\nGazette musicale darüber (1855, vom 15. Juli) und die\nAufsätze von Adrien de la Fage in sechs Nummern\nderselben Zeitung, beginnend den 29. Juni 1856.\nIn diesen Tagen hat nun das betreffende Ministerium\nin Paris folgende Verfügung erlassen, welche nicht nur in\nFrankreich, sondern in der ganzen musicalischen Welt als\nsehr zeitgemäss und höchst nöthig begrüsst werden wird:\n„In Betracht, dass die stets steigende Erhöhung der\nStimmung Nachtheile mit sich führt, unter denen die Ton-\nkunst, die Componisten, die Künstler und die Instrumen-\ntenmacher zu leiden haben;\n„in Betracht, dass die Ungleichheit, die in der Stim-\nmung verschiedener Länder, verschiedener musicalischer\nInstitute und verschiedener Fabriken herrscht, eine fort-\nwährende Quelle von Verlegenheiten für die Gesammt-\nmusik und von Schwierigkeiten in mercantilischer Be-\nziehung ist;\n„beschliesst der Minister u. s. w. auf den Bericht des\nGeneral-Secretärs:\n„Art. 1. Es wird eine Commission im Ministerium ein-\ngesetzt, um die Mittel aufzusuchen, in Frankreich eine\ngleichmässige Stimmung einzuführen, ein Normal-Ton-\nmaass als unveränderlichen Typus festzusetzen und Maass-\nregeln anzugeben, um dessen Annahme und das Festhalten\ndaran sicher zu stellen.\n„Art. 2. Diese Commission wird aus folgenden Mit-\ngliedern bestehen :\n„Herrn Pelletier, General-Secretär des Ministeriums,\nVorsitzendem;\n„Herrn Auber, Director des k. Conservatoriums, Mit-\nglied des Instituts;\n„Herrn Berlioz, Mitglied des Instituts;\n„Herrn Despretz, Mitglied der Akademie der Wissen-\nschaften, Professor der Physik bei der Facultät\nder Wissenschaften;\n„Herrn Doucet (Camille), Director der Abtheilung\nfür die Theater;\n„Herrn Halevy, Mitglied des Instituts, beständigem Se-\ncretär der Akademie der schönen Künste;\n„Herrn Lissajous, Professor der Physik am Lyceum\nSt. Louis, Mitglied des Vereins für Aufmunterung\nder National-Industrie;\n„Herrn Melinet, Divisions-General, beauftragt mit der\nOrganisation der Militär-Musikcorps;\n„Herrn Meyerbeer, Mitglied des Instituts;\n„Herrn Monnais (Ed.), kaiserlichem Commissarius bei\nden Opernbühnen und dem Conservatorium;\n„Herrn Rossini, Mitglied des Instituts;\n„Herrn Thomas (Ambroise), Mitglied des Instituts.\n„Art. 3. Herr Ed. Monnais wird zum Schriftführer\nder Commission ernannt.\n„Art. 4. Der General-Secretär wird mit der Ausfüh-\nrung dieser Verfügung beauftragt.\n„Paris, den 17. Juli 1858.\"\nSo weit das Decret. Es ist sehr erfreulich, wenn eine\nStaats-Regierung Vorschläge der Presse auf dem Gebiete\nder Kunst und Wissenschaft ihrer Aufmerksamkeit nicht\nentgehen lässt und ihnen amtliche Folge gibt. Im Jahre\nder Ausstellung (1855) veröffentlichte ein junger Mann,\nLissajous, Lehrer der Physik, eine Schrift über die Nach-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "242", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580731-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4513, "texte": "thcile der gegenwärtigen hohen Stimmung; jetzt nimmt\ndie Regierung sich der Sache an, ignorirt aber keineswegs\ndenjenigen, der sie durch die Presse angeregt hat, wie\ndies wohl in anderen Ländern der Fall ist, sondern er-\nnennt den jungen Lehrer neben höheren Staatsbeamten\nund den berühmtesten Componisten zum Mitgliede ihrer\nCommission.\nAus Lissajous' Denkschrift geht hervor, dass die pari-\nser Stimmung durchaus nicht so niedrig geblieben ist, wie\nman in Deutschland zuweilen meint, und wie auch Schind-\nler noch in dem oben angezogenen Aufsatze zu glauben\nscheint. Lissajous fand, dass das jetzige a der grosssn Oper\n898 Schwingungen in der Secunde macht. In den letzten\nJahren der Regierung Ludwig's XIV., also im Anfange\ndes achtzehnten Jahrhunderts, hatte der Physiker Sauveur\ndas a der pariser Orchester auf 810 Schwingungen in der\nSecunde festgesetzt. In anderthalb Jahrhundert ist also die\nStimmung in Paris um mehr als einen ganzen Ton ge-\nstiegen.\n„Die Erhöhung der Stimmung\" heisst es in der\ngedachten Schrift „hat sich hauptsächlich in dem ge-\ngenwärtigen Jahrhundert gesteigert, und zwar in den letz-\nten fünfundzwanzig Jahren viel schneller, als in dem frü-\nheren Zeiträume. Unter Ludwig XVI. entsprach das a der\nköniglichen Capelle nach Pfeiffer 818 Schwingungen; im\nJahre 1808 fand Delezenne das einer Flöte von Holz-\napfel von 853 Schwingungen; andere Stimmgabeln aus\nderselben Zeit ergaben 857 bis 860 Schwingungen, z. B.\nim Theater Feydeau 855, in der grossen Oper 863. Im\nJahre 1834 zählte das a der grossen Oper nach Schcibler\n867,5 Schwingungen, im Conservatorium 870; in dem-\nselben Jahre stieg es nach Delezenne schon auf 882; im\nJahre 1855 auf 898.\nDer Musikgelehrte Adrien de la Fage berichtet in den\nEingangs angegebenen Aufsätzen am genauesten über die\nSchwankungen und Steigungen der pariser Stimmung.\nIm achtzehnten Jahrhundert war die Stimmung in\nFrankreich niedriger, als in den übrigen Ländern. Im An-\nfange des jetzigen, bald nach der Gründung des Conserva-\ntoriums, wurde sie wahrscheinlich durch Beschluss der\nProfessoren an demselben um eine kleine Secunde er-\nhöht. Diese Stimmung nannte man nun den Orchester-\nton, während der Opernton noch lange auf seinem al-\nten Stande blieb.\nUnter den Bläsern gab die Erhöhung natürlich eine\nRevolution, und manches schöne und vom Besitzer hoch\ngehaltene Instrument verlor durch die Operation der Ver-\nkürzung an Tonfülle oder Lieblichkeit. Indessen konnte\ndie Isolirung der Oper doch nicht lange dauern, der Or-\nchesterton trug den Sieg davon und drang auch dort ein.\n„Aber wenig bekannt und fast unglaublich ist die Thal-\nsache, dass man um das Jahr 1821 auf den seltsamen\nGedanken kam, die Stimmung in der Oper plötzlich wie-\nder zu erniedrigen, und zwar beinahe um einen ganzen\nTon. Man schrieb nämlich den schlechten Erfolg der Sän-\nger in Rollen des alten Repertoires der hohen Stimmung\nzu. Als diese wieder tiefer geworden, sangen sie aber auch\nnicht besser.\"\n„Rossini erstaunte bei seiner Ankunft in Paris über\ndiese merkwürdig tiefe Stimmung und sprach sich sehr\nlaut dagegen aus, und so wurde denn die Stimmung wie-\nder so erhöht, wie sie Fischer im Jahre 1823 fand, näm-\nlich das amit 862,68 Schwingungen.\"\nDe la Fage stellt dann folgende Uebersicht der Ver-\nschiedenheiten der Stimmung nach verschiedenen Städten\nund Jahren auf:\nStidte. Jahre. Beobachter. Schwingungeu.\nBerlin. 1752 Marpurg. 843,75\n]823 Fischer. 874,64\n1834 Scheibler. 883,25\n1839 Bindseil. 874\nFlorenz. 1845 Marloye. 879,88\nLille. Musikfest. 1851 Delezenne. 893,51\n1 heater. 1848—54 Delezenne. 901\nMailand. 1845 Marloye. 893,14\nParis. 1715 Sauveur. 810\n18. Jahrh. Lissajous. 820\n1783 Lissajous. 818\n1800—05 Delezenne. 853\n1800—05 Lissajous. 860\nOper. 1811 Scheibler. 853,47\n1823 Fischer. 862,68\n1834 Scheibler. 867,47\n1834 Pleyel. 880,94\n1836—37 Delezenne. 882,05\nStimmgabel. 1854 Delezenne. 874,8\n- Eine andere. 1854 Delezenne. 896,50\n1855 Lissajous. 898\nOpera Comique. 1823 Fischer. 855,22(1)\nStimmgabel. 1854 Delezenne. 896\nTheatre Italien. 1823 Fischer. 848,34\n1834 Scheibler. 881,40\nStimmgabel. 1834 Delezenne. 884,94\nConservatoire. 1834 Scheibler. 869,85\nOrch. du Cons. 1834 Scheibler. 881,40\nPetersburg. 1796 Sarti. 872\nStuttgart. 1834 De'c. du Congrfes. 880\nTurin. 1845 Marloye. 879,58\nWien. 1834 Scheibler. 881,40\n1834 Streicher. 886\nConservatorium. 1834 Scheibler. 890,88\n. /.1834j 867,33\n118341 872,67\nIi 8341 878,30\n6 Stimmgabeln. 11834j Scheibler. 880 20\n118341 880,67\n- UB34J 880,74\nMinimum. 1834 Scheibler. 866\nMaximum. 1834 Scheibler. 890"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "243", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580731-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3572, "texte": "Das aeiner sehr alten Kirchen-Stimmgabel zeigte bei\nDelezenne nur 768,54 Schwingungen, einer etwa hundert\nJahre alten Stimmgabel 845,*29. Die Flügel von Wülfel\nfand Scheibler im Jahre 18-34 = 886,50, die von Pleyel\n«J\n892. Auch jetzt stehen die Erard'schen Flügel etwas tie-\nfer, als die Plevel'schen.\n' J\n„Man bedient sich jetzt kleiner Instrumente, in denen\neine freie Zunge durch Anblasen schwingt. Vermittels der-\nselben hat man im Jahre 1854 die Stimmung in der ita-\niiänischen Oper, in der komischen und der grossen Oper\nin Uebereinstimmung gebracht, und zwar zu 896,50. Die\nStimmgabeln aber, die man als den pariser Opernton an-\ngebend verkauft, stehen nur auf 874,8! Hiernach\nherrscht also die höchste Stimmung merkwürdiger Weise\nin der Provincialstadt Lille im nördlichen Frankreich;\ndann in Paris und Mailand, gegen die Wien und Berlin\ntiefer stimmen.\"\nDie meisten Musiker haben die Ursache der fortschrei-\ntenden Erhöhung hauptsächlich in den Blas-Instrumenten\ngesucht, und das auch wohl gewiss mit Recht (vgl. Schind-\nler a. a. 0.). De la Fage ist der Ansicht, dass die Saiten-\nInstrumente die grösste Schuld tragen, indem die Spieler\nsie gern etwas hoch stimmen, um dem Tone mehr Glanz\nzu geben. Dasselbe findet bei den Ciavieren Statt. So\nkönnte allerdings die Leichtigkeit, mit welcher die Streich-\nInstrumente gestimmt werden, im Verein mit dem Wun-\nsche, dem Tone durch höhere Stimmung mehr Glanz zu\ngeben, Einfluss auf die Steigung gehabt haben.\nDass die Sänger einen Theil der Schuld tragen, ist\nnur in so fern wahr, als sie sich nicht der Erhöhung wi-\ndersetzt und auf Festhalten an der früheren Stimmung ge-\ndrungen haben. Thöricht sei es aber, meint de la Fage,\nder hohen Stimmung die Entartung des Gesanges, den\nRuin der Stimmen zuzuschreiben. Die Sucht, jede Tenor-\nstimme zu der Höhe hinauf zu schrauben, welche bei ein-\nzelnen bevorzugten Organen einmal leicht anspricht, die\nlächerliche und naturwidrige Forcirung des hohen mit\nder Brust, die schlechte Methode beim Gesang-Unterricht,\nder Mangel an Schule, an ernstem Studium und aushar-\nrendem Fleisse, und endlich die Componisten: das alles\nzusammengenommen führt den Ruin der Stimmen herbei,\nmögen sie auch von Natur noch so schön sein.\nZwingt etwa die steigende Stimmung die Componisten,\ndie Gesang-Partieen hoch und immer höher zu schreiben?\nWas geht sie die Höhe der Stimmung an? Steht es nicht\nin ihrer Macht, tiefer, d. h. der Natur der menschlichen\nStimme gemäss, zuschreiben? Wer zwingt sie, den Haupt-\nEffect der Phrase in die höchste Höhe zu legen? im Or-\nchester den gräulichsten Lärm zu machen, der jede Men-\nschenstimme erdrückt? ein Duett nicht anders als durch\nUnisono-Geheul in derOctave zu schliessen? Wo stellt ge-\nschrieben, dass in einem Finale die Solostimmen nicht\nmehr durch sangbare Stimmführung und feine Combina-\ntion des Ganzen aus dem Chor hervortreten, sondern allein\ndurch die Kraft der Lunge Chor und Orchester über-\nschreien sollen?\nUnd warum werden denn die eigentlichen Bassstim-\nmen noch viel seltener, als die Tenöre? Für sie wäre ja\ndie erhöhte Stimmung eine Erleichterung, ein treibendes\nWasser auf ihr Mühlrad im kühlen Grunde!\nNein, die hohe Stimmung ist nicht schuld an dem\nMangel an schönen Stimmen und an ihrem Ruin, wenn\nsie noch hier und da auftauchen; aber die schlechten Sing-\nmeister und die schlechten Componisten sind es. Wir wol-\nlen nicht von Frankreich sprechen, wo im Allgemeinen\nimmer mehr oder weniger schlecht gesungen worden ist;\naber wer hätte noch vor 25 Jahren geglaubt, dass Italien\nund seine herrliche Schule so tief sinken würde?"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-07-31-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-07-31_01#c003", "volume": "bmtnabi_1858-07-31_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "243", "page_fin": "245", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580731-01.2.3", "titre_corps": "Anregung zu einem allgemeinen deutschen Sänger- Concurs.", "titre_sommaire": "Anregung zu einem allgemeinen deutschen Sänger- Concurs.", "signature_source": "X", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "243", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580731-01.1.3", "debut_caractere": 3574, "fin_caractere_exclue": 5013, "texte": "Anregung zu einem allgemeinen deutschen Sänger-\nConcurs.\n\nEs ist eine anerkannte Thatsache, dass wir in musi-\ncalisch-theatralischer Beziehung in einer trostlosen Zerfah-\nrenheit uns befinden. Die journalistischen Weheschreie\nwahrer Kritik, der Ungeschmack des Publicums und der\nSänger, grossgezogen durch Stimm-Matadore deutschen\nund italiänischen Ursprungs, die Ungebühr des Verdi'schen\nOpernstils, der immer maassgebender zu werden droht,\nder Mangel an echter Kunstanschauung, die Unmündigkeit\ngar manches Residenz-, geschweige Provinz-Publicums in\nSachen des Gesanges, mit Einem Worte: die Kunst-Zu-\nstände, die alle eben aufgeführten Momente erzeugt haben,\ndrängen dahin, irgend ein praktisch ausführbares Mittel\naufzufinden zu Nutz und Frommen der dramatischen Ge-\nsangskunst.\nDie Gesangskunst hat von ihrer poetischen Idealität\nviel verloren; sie ist praktisch geworden. Wir leben ja im\nZeitalter der Industrie, der Speculation; die Kunst bezieht\nalso auch schon lange die Messen und Märkte von Paris\nund London, um Renommee zu erwerben und vor Allem\nGeld zu machen. Wie der Industrielle in Tuch oder\nStahl, so wird der Sänger bald auch eine Preis-Me-\ndaille aufweisen müssen von irgendeiner Welt-Ausstellung.\nBei diesen Ausstellungen von Producten und Fabrica-\nten aber sitzt doch eine Commission von Sachverstän-\ndigen zu Gericht. Welche tröstliche Aussicht wäre es\nfür die Künstler, auch von Sachverständigen gerichtet\nzu werden!"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "244", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580731-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4876, "texte": "Müssen wir nicht erleben, wie die urtheilslose, be-\nfangene, musicalisch ungebildete, bestechliche, oft schon in\nvorhinein durch Reclamenwesen bestochene Masse in er-\nster Reihe sich breit macht, fast allein zu Gerichte sitzt, ihr\nVotum abgibt und verurtheilt; wie eine wohlorganisirte\nClaque, Ovationen bereitend, Kränze spendend, den Ton\nangibt, und dieser oft eine Kritik nachhinkt, herabgesun-\nken zu urtheilslosen Referaten!\nEs gibt der Sänger zu wenige, die, wie z. B. Roger,\neine höhere Mission erfüllen, die: besseren Geschmack zu\nverbreiten; mancher Sänger dankt dem reinen Zufall sein\nGlück, oder dem jeweiligen Bedarf einer maassgebenden\nHofbühne, die sein Licht leuchten lässt, während so man-\ncher ebenbürtige, aber namenlose, nichts haben soll als\nZurücksetzung, Entbehrung, Hunger und Kummer.\nWer nun soll Künstler und Publicum leiten, ihnen\nrathen und helfen?\nWie wäre es denn mit einem allgemeinen deut-\nschen Sänger-Concurs, auszuschreiben in irgend einer\nStadt Deutschlands, wie Wien, Berlin, Leipzig, Hamburg\nu. s. w.? Ich sage: Deutschlands; denn um einen deut-\nschen Sänger beurtheilen zu können, braucht man nicht\nerst nach Creditiven von London oder Paris zu fragen, da\nhätte man's näher und billiger, und competente Männer\nin Sachen deutschen Gesanges brauchen wir nicht erst\nauswärts zu suchen.\nDie respectiven Theater-Directionen und Intendanzen\nhätten den Concurs zu bestimmen, und zwar für jedes\nGenre des Gesanges, woran jeder Sänger Theil\nnehmen dürfte, der sich der Aufgabe gewach-\nsen fühlt.\nDie Jury bestände aus competenten, fach verständigen\nMännern, Professoren des Gesanges, der Musik, derAesthe-\ntik, Componisten, Capellmeistern (die auch was vom Sin-\ngen verstehen wollen), Sanges-Veteranen, Regisseuren u.\ns. w. nicht aber aus Agenten-Souflleuren, Souffleur-\nAgenten, Notizlern, Inseratenjägern, Janhagel-Galerie und\nPepita-Enthusiasten u. s. w. Diese Preisrichter müssten den\ncoricurrirenden Künstlern wie dem Publicum gleich unbe-\nkannt bleiben, bis das Ergebniss der Prüfung kund gethan\nwäre, um jeden Gedanken an Parteilichkeit zu bannen.-\nDas Publicum hätte dabei keine Stimme, das heisst keine\nentscheidende für die Jury, und jede Kritik müsste\nschweigen*).\nAuf diese Weise liesse sich leicht der Beweis herstel-\nlen, ob wirklich vox populi vo wäre, oder oh nicht\ngerade schreiende Gegensätze sich geltend machen würden.\nDer Titel „Preisgekrönt\" wäre ein Prädicat, mehr\nwerth als mancher Hof- und Kammersänger-Titel.\nWer das erste Mal im Wettkampfe unterlegen, dem\nwären die Schranken ein zweites, ja, ein drittes Mal geöff-\nnet. Der nicht preiswürdige Sänger hätte von einer moti-\nvirten, rationellen, ehrlichen, gediegenen, wohlmeinenden\nKritik den Vortheil für sich, dass ihm hei Zeiten der Staar\ngestochen würde, dass er erführe, was ihm vor Allem\nnoth thut. was er zu erringen, was zu meiden habe, um\nsich weiter zu bilden, während er nach jetzigem Gebahren\num Geld und wieder Geld in gewissen Blättern sich\nselbst als Künstler ausposaunen und dies so lange fort-\nsetzen kann, bis er es selber glaubt und mit ihm die ganze\nWelt.\nMan könnte einwenden, dieses Problem sei schwer\ndurchzuführen, das Resultat ein ewig schwankendes; wie\noft könne nicht ein Sänger, mit derZeit ohne Stimme, die\nalten Ansprüche machen auf Grundlage nicht erlangter\nPreiswürdigkeit!\nIch antworte: Die Basis eines guten Sängers wird\neine ewig gleiche sein, auch wenn er nur das Minimum\nvon Stimme hätte; denn Stimme ist viel, aber oft auch\nsehr wenig.\nIch will versuchen, die Vortheile aufzuzählen, die sich\nan eine solche Institution knüpfen würden.\n1. Grössere Reputation dem Auslande gegenüber; He-\nbung des deutschen National-Bewusstseins.\n:2. Gerechtigkeit jedem Kunst-Individuum durch freie\nConcurrenz und Vorbeugen gegen Arroganz und Ueber-\nschätzung Einzelner.\n3. Hebung des gesammten Künstlerstandes in socialer\nBeziehung.\n4. Förderung echten Kunstsinnes und Geschmacks im\nPublicum.\n5. Vernichtung der leidigen Afterkritik, Brandmar-\nkung hohler Scheingrössen, Verbarricadirung der krum-\nmen Schleichwege in den Tempel des Nachruhms, Zerfal-\nlen der Claque, Untergang endlich der stolzen Theater-\nAgenturen, dieser Schlingpflanzen am gesunden Stamme\nder Kunst, die mit gewichtiger Protector- und Kenner-\nMiene ihre Creaturen ä ioiitprix den Directionen und\ndem Publicum aufzudringen wissen. Von den Agenturen\nkommen zumeist alle die Schäden, die eine so dringende\nAbhülfe erheischen; sie sind die Borkenkäfer, die diese\nVerwüstungen anrichten im Reviere der dramatischen\nKunst. Die Initiative zu dem eben ausgesprochenen Con-\n\n*) In so absoluter Weise liesse sich dem immerhin berechtigten\nAusspruche eines zahlenden Publicums und einer unabhängi-\ngen Presse nicht wohl vorgreifen. Auch müsste man entschei-\ndende Garantieen haben, dass jene Jury wirklich aus „unab-\nhängigen und sachverständigen Männern'* besteht.\nAnmerkung der Redaction."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "245", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580731-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1029, "texte": "curs dürfte darum freilich nicht von einem Agenten oder\ngewesenen Souffleur ausgehen.\nWir haben in den Muster-Vorstellungen in München\nein schwaches Vorbild zu unserem Vorschlage; hatten diese\neinen künstlerischen Werth, so fehlte ihnen doch der prak-\ntische Zweck; höchstens konnte man sich überzeugen, wie\nmanche gefeierte Grösse unter ihren Werth herabsank,\nund nur eine damals minder bekannte Grösse, die See-\nbach, datirt von da ihre Carriere. Es regen sich in neuerer\nZeit derlei Unternehmungen auch in der Oper; sie laufen\naber doch nur auf den Geldbeutel des Impresario hinaus.\nIch läugne nicht, dass mein Vorschlag auch auf das\nSchauspiel Anwendung finden könnte, allein ein schreien-\ndes Bedürfnissist er im Felde der edlen Gesangskunst,\num der überhand nehmenden Geschmacks-Verwirrung\neinen Damm entgegen zu setzen.\nDie weiteren Details hierzu würden sich von selbst\nergeben; mir bleibt nur der Wunsch, ihn recht bald in\nFleisch und Leben übergehen zu sehen zum Segen der\nKunst und zum Gedeihen wahren Kunstsinnes.\n\nX."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-07-31-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-07-31_01#c004", "volume": "bmtnabi_1858-07-31_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "245", "page_fin": "246", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580731-01.2.4", "titre_corps": "An die Redaction der Niederrheinischen Musik-Zeitung", "titre_sommaire": "An die Redaction der Niederrheinischen Musik-Zeitung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "245", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580731-01.1.5", "debut_caractere": 1031, "fin_caractere_exclue": 5297, "texte": "An die Redaction der Niederrheinischen Musik-Zeitung\n*).\nAus Polen, im Juni 1858.\nMit Vergnügen habe ich zum ersten Male in Ihrem\ngeschätzten Blatte eine Nachricht über die Oper „Halka\"\nvon St. Muniuszko gelesen. Endlich hat sich doch Jemand\ngefunden, der sich die Mühe gab, einen Artikel aus einem\nhiesigen Blatte zu übersetzen und so das Verdienst des\nHerrn Moniuszko um polnische Kunst auch im Auslande\nbekannt zu machen. Einem Laien, wie ich, kommt es frei-\nlich nicht zu, über Musik zu urtheilen, doch nehme ich mir\ndie Freiheit, Ihnen das, was Sachkundige in irgend einer\nhier erscheinenden Zeitung aussprechen, mitzutheilen. Zwar\nnicht in Warschau wohnhaft, ziehen mich doch Geschäfte\nund Liebe zur Musik oft dahin, wo ich etwas Gutes, mit-\nunter aber auch Mittelmässiges und Schlechtes hören kann\nund muss. Letzteres bezieht sich hauptsächlich auf Kirchen-\nmusik. Als Katholik von Jugend auf gewohnt, wenn auch\nnicht alle Tage, so doch wenigstens Sonntags die Messe zu\nhören, habe ich alle Kirchen Warschau's durchwandert,\nleider aber keine gefunden, wo ich ungestört mein Gebet\nverrichten konnte. Die meisten Orgeln sind in dem erbärm-\nlichsten Zustande, einige neue, nicht unbedeutende Werke\nwerden nicht in Ordnung und Stimmung erhalten und ge-\nben daher den alten wenig nach. Doch das Unerträglichste\nist das wahrhaft schaurige Spiel der Organisten. In Deutsch-\nland hat man davon keinen Begriff. Man hört Gassenhauer,\nOpernsachen u. s. w.; doch schrecklich ist das eigene Di-\ndeldumdei solcher Menschen anzuhören, welchen das Wort\nHarmonie gar nicht bekannt ist. Wer daher noch einiges\ngesunde Musikgefühl besitzt, geht gewöhnlich in die Kir-\nche der Piaren, wo Dilettanten einen Chor gebildet haben,\nvon dem mitunter gute Sachen, leider aber auch viel Un-\nkirchliches, überhaupt in den Solostücken, welche die\nMehrzahl bilden, ausgeführt werden. Aber auch hier stört\ndie verstimmte Orgel, welche zur Begleitung benutzt wird.\nIn der Kathedrale präsentirt sich eine grosse, vor unge-\nfähr zwanzig Jahren erbaute Orgel; sie soll jedoch so wohl\ngerathen sein, dass sie seit langer Zeit gar nicht gespielt\nwerden kann. Bei Aufführung der Messe hört man viel\nPauken- und Trompetenlärm, aber vom Chor, welcher\nmitunter aus nur 4 6 Personen besteht, wenig oder\nnichts. Die Protestanten haben eine der schönsten Kirchen,\neine gute, reingestimmte Orgel und einen der ersten Künst-\nler Warschau's, den auch in Deutschland bekannten Or-\nganisten Freyer, welcher, obgleich Virtuose auf der Orgel,\ndoch beim Gottesdienste nur streng Kirchliches zu Gehör\nbringt. Dieses kleine Bild reicht hin, Ihnen einen Begriff\nvon dem Zustande der Kirchenmusik in der Hauptstadt\nzu geben. Es lässt sich daraus leicht schliessen, wie es da-\nmit in kleinen Städten und auf dem Lande aussieht. Dass\ndarüber hiesige Blätter nicht schweigen, können Sie aus\neinem Artikel der Warschauer Zeitung, Nr. 315 vom vo-\nrigen Jahrgang, ersehen. Nachdem Schreiber desselben die\nFortschritte in der Malerei, Photographie u. s. w. erwähnt,\ngeht er auf die Musik und hauptsächlich Kirchenmusik\nüber und äussert Folgendes: „Wer von uns kennt nicht\ndie stillen Landkirchen, deren höchste Zierde die fromme\nAndacht der versammelten Gemeindeglieder bildet? Wes-\nsen Herz wird nicht lebendiger ergriffen bei der Erinne-\nrung der von hier aus zum Himmel gesandten Bitten, der\nvielen dargebrachten Dankgebete? Wenn nun irgend\netwas die reine Harmonie solcher Erinnerungen an feier-\nliche Augenblicke, in denen man mit Hingabe an Gott,\nFamilie und Menschheit dachte, stören könnte, so ist es\ngewiss der Gedanke an die traurige Orgel, deren krei-\nschender Ton auch das am wenigsten zarte Ohr verletzte\nund selbst die Andächtigsten vom Gebete ableitete. —~ In\ndieser Hinsicht herrscht aber eine unerklärliche Gleichgül-\ntigkeit der Herren Gutsbesitzer und Pfarrer im Allgemei-\nnen. Obgleich sich Alle gegen die unerträgliche Ohrenqual\nbeklagen, so fällt es doch Keinem von ihnen ein, sie zu\nentfernen und mit einer der Heiligkeit des Ortes und der\nErhabenheit des Zweckes entsprechenden Harmonie zu\nvertauschen. Der Gewohnheit huldigend, vermacht der\nDorf-Maestro seine wenigen Kenntnisse von Kirchenmusik,\nmit denen er jahrelang die Ohren der Gemeinde zerlleischt\n\n*)' Durch Zufall verspätet.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "246", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580731-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2374, "texte": "und seine eigene Stimme, so wie die Anderer verstümmelt\nhatte, seinem Sohne oder Schüler. Viele Organisten hier\nzu Lande kennen gar keine Noten. Viel Schuld trägt der\nMangel an passenden Orgel-Compositioncn, ihre hohen\nPreise und deren Schwierigkeiten. Welcher Organist ist\nwohl im Stande, bei einem Gehalt von 10 bis *2O Thaler\njährlich noch Noten anzuschaffen, und woher Zeit nehmen,\nwenn er, wie die meisten hier, Stiefelputzer, Kutscher,\nKnecht des Geistlichen sein muss? Die neuen Publicatio-\nnen des Herrn Sennewald sind daher sehr willkommen,\nindem sie dem wesentlichen Uebelstande abzuhelfen ver-\nsprechen. In seinem Verlage erschienen vor Kurzem zwei\nMessen mit polnischem Text, für Quartett eingerichtet und\ncomponirt von Zientarski und Müller, so wie auch eine\nMesse für eine Stimme von dem in Warschau rühmlichst\nbekannten Organisten Freyer. Dieses letztgenannte Werk,\ndas mit tiefer Kenntniss der Musik und des Orgelspiels ge-\nschrieben ist, zeichnet sich ausserdem durch grosse Klar-\nheit und Einfachheit aus und imponirt durch Ernst des\nStils und Zusammenhang der Thema's. Im Falle es nöthig\nsein sollte, kann die vierstimmige Begleitung auf vier Stim-\nmen ausgeschrieben und dadurch ein nicht schweres Quar-\ntett hergestellt werden. Herr Freyer hat sich ausgespro-\nchen, dass er bereit sei, mehrere ähnliche populäre Com-\npositionen erscheinen zu lassen, wenn dieses erste Werk\nin dieser Art sich einer günstigen Aufnahme erfreuen\nsollte. Wir zweifeln nicht im Mindesten, dass diejenigen,\ndenen es um Hebung der Feierlichkeit des Gottesdienstes\nzu thun und denen die bisherige Disharmonie in unse-\nren Kirchen zur Last gefallen ist, nach Kräften beitragen\nwerden zur Verbreitung des genannten Freyer'schen Wer-\nkes, welches neben künstlerischem Werthe auch noch den\nVorzug besitzt, dass es nur 45 Kopeken (V 2 Thlr.) kostet\nund somit für die ärmste Landpfarre zugänglich ist.\"\nAusser diesem Artikel hat auch die hiesige Musik-Zei-\ntung, welche seit einem Jahre erscheint, mehrmals auf\ndiese Uebelstände in der Kirchenmusik hingewiesen; bis\njetzt aber ist noch keine Besserung zu spüren. Der Haupt-\ngrund von allem diesem scheint mir etwas tief zu liegen, und\nKünstler von Fach- und Sachkenntniss sollten im Verein\nmit Geistlichen erst die Ursachen des Schadens genau un-\ntersuchen, worauf sich dann auch wohl die Mittel zur Hei-\nlung desselben finden würden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-07-31-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-07-31_01#c005", "volume": "bmtnabi_1858-07-31_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "246", "page_fin": "246", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580731-01.2.5", "titre_corps": "Karl Franz Pitsch.", "titre_sommaire": "Karl Franz Pitsch.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "246", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580731-01.1.6", "debut_caractere": 2376, "fin_caractere_exclue": 5226, "texte": "Karl Franz Pitsch.\nWir fügen dem Nekrolog von K. F. Pitsch in der vorigen Num-\nmer noch folgende Stelle aus dem Berichte über die Kirchenmusik\nan den Pfingstagen zu Wien aus derselben Quelle bei:\nK. F. Pitsch genoss in seinem Vaterlande Böhmen den tief be-\ngründeten Ruf als geistvoller musicalischer Pädagoge, so wie den\nnicht minder grundhaltlgen als einen der tiefsten Orgelkenner und\nsinnreichsten Improvisatoren auf seinem Instrumente. In unserer Re-\nsidenz war Pitsch bis jetzt mehr genannt als gekannt. Erst seine\nam Pfingstsonntage in der Hofcapelle aufgeführte Festmesse in Ü-\ndur hat unserem musicalischen Publicum den thatkräftigen Kämpen\nfür die Sache der Theorie auch heimisch im Blüthcngarten künstle-\nrischen Schaffens gezeigt. Im Allgemeinen hält das schöne Werk\ndie glückliche Mitte zwischen dem plastischen Kirchenstile der alt-\ndeutschen Schule und zwischen jenem in neuesten Tagen herausge-\nbil leten symbolisch-dramatischen Kirchenstile. Männliche, echt deut-\nsche Kraft des I on-xVusdruckes ist es, was abgerechnet eine ein-\nzige süsständelnde, melodische Zwischenstelle im Kyrie das Gei-\nstesauge des Musikers für Pitsch' Messe alsogleich gewinnt und ihr\nbis zum Schlüsse gewogen erhält. Auch steht Pitsch' Messe, stili-\nstisch aufgefasst, ganz selbstständig da. Nur in allgemeinster Farbe\nlassen sich Lach sehe, ja, selbst Mendelssohn'sche Einflüsse gewah-\nren. Von der Schablone Haydn's und Mozart's tragen Gottlob Pitsch'\ngeistesfrische londichtungen nur wenige Spuren. Die Behandlung\ndes Orchesters bekundet den mit seinem Stoffe tiefvertrauten Meister.\nMit Einem Worte : Pitsch' Messe darf freudig als ein Kunstwerk\nbegriisst werden. Nur wäre eine minder aphoristische Behandlung\nmancher Einzelstelle und eine im Ganzen stimm- und chorgemässere\nSetzart des vocalen Theiles wünschenswerth gewesen Manches in\ndieser Messe singt sich schwer und ist lediglich Augenmusik, wäh-\nrend dem Ilörer öfter bange um die Sänger wird, ob sie denn mit\nso schwierigen Ton-Einsätzen zurecht kommen werden. Bei dieser\nGelegenheit wolle uns noch ein kurzer Hinweis auf Pitsch' neuestes\nOpus, eine Reihe contrapunktischer Veränderungen der österreichi-\nschen National-Hymne, vergönnt sein. Die Literatur unserer Orgel-\nmusik ist durch die so geistvolle Schöpfung um einen gewichtigen\nBeitrag reicher geworden. Jedem, der dieses herrliche Werk kennen\ngelernt, dürfte der W unscli nahe liegen, es bei Gelegenheit irgend\neines Hoffestes von geweihter Stelle aus zu hören. Allerdings fordert\ndie in Rede stehende Composition auch ein Orgelwerk, das mit\neinem halbtönig gegliederten Pedale im Umfange von wenigtsens\nzwei Octaven versehen ist. Ein derartiges Instrument wurde bisher\nleider nur immer gewünscht, ohne dass sich dieses Verlangen je\nnoch erfüllt hätte. Erst in neuesten Tagen ist uns der dauernde Be-\nsitz einer solchen Orgel verbürgt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-07-31-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-07-31_01#c006", "volume": "bmtnabi_1858-07-31_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "246", "page_fin": "247", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580731-01.2.6", "titre_corps": "Eine Anekdote aus L. van Beethoven’s Leben.", "titre_sommaire": "Eine Anekdote aus L. van Beethoven’s Leben.", "signature_source": "Louis van Beethoven", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "246", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580731-01.1.6", "debut_caractere": 5228, "fin_caractere_exclue": 6533, "texte": "Eine Anekdote aus L. van Beethoven’s Leben.\n\nIm Jahre 1825 gab ein bekannter Künstler, auch Dilettant im\nCompositionöfache der Musik, ein Heft Walzer heraus. Jeder dersel-\nben war von einem anderen der damals beliebtesten und renommir-\ntesten Tonsetzer eigens dazu componirt worden; denn Keiner ver-\nsagte dem Herausgeber, welchem der Ertrag zu einer karlsbader\nCur dienen sollte, diese musicalische Beisteuer. Das Heft fand\nbekanntlich ungewöhnlichen Anklang und Abgang. Da kam es dem\nHerausgeber in den Sinn, den grossen Louis van Beethoven, mit\ndem er schon durch seinen Grossvater und Vater in früherer Zeit\nbekannt war, auch um einen Beitrag anzugehen. Mit der edelsten\nund liebevollsten Bereitwilligkeit versprach der grosse Tonsetzer, die\nWünsche des Bittenden zu erfüllen, und lieferte nicht bloss einen\nWalzer, sondern (er, der Einzige) auch ein Trio dazu. Er ersuchte\nden Herausgeber, in circa vier Wochen um die fertige Arbeit zu\nschicken. Da dieser inzwischen erkrankte, so vermochte er nicht,\ndas Werk persönlich abzuholen, sondern musste auf eine so interes-\nsante Visite verzichten Er ersuchte daher seine Mutter, den Walzer\nabzuholen und seinen Dank auszudrücken.\nDoch die Haushälterin, der sie ihren Namen und Stand bekannt\ngab, liess sie nicht vor, indem, wie sie sagte, es bei dem Herrn"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "247", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580731-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 934, "texte": "heute wieder arg rappele. Da in diesem Augenblicke Beethoven den\nKopf zur Thür heraussteckte, so schob sie die Frau mit den Worten:\n„Verstecken Sie Sich, denn heute ist mit ihm gar nicht zu spre-\nchen/4 in eine dunkle Kammer, von wo sich dieselbe dann unver-\nrichteter Sache entfernte.\nEin paar Tage danach sandte Beethoven den Walzer in die Woh-\nnung des fraglichen Tonsetzers mit folgendem Briefe, dessen Authen-\nticität bewiesen ist, da das fragliche Original vor uns liegt:\nEuer Wohlgeboren !\nIhre Mutter ist unlängst durch die Dummheit meiner Haushäl-\nterin abgewiesen worden, ohne dass man mir ein Wort von ihrem\nDasein gemeldet hat.\nIch habe dieses unanständige Betragen, indem sie selbe noch dazu\nnicht in mein Zimmer geführt, gerügt; die Ungesclllachtheit\nund Rohheit dieser Menschen, die ich so unglücklich bin, um\nmich zu haben, ist Jedem bekannt; ich bitte daher um Verzeihung.\nIhr ergebenster Diener\n\nLouis van Beethoven."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-07-31-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-07-31_01#c007", "volume": "bmtnabi_1858-07-31_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "247", "page_fin": "248", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580731-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "247", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580731-01.1.7", "debut_caractere": 936, "fin_caractere_exclue": 6935, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\n* V Ci \\ v-t Wi. £ v\nHerliflft. Das von dem berliner k. Hof-Instrumentenmacher L o-\nrenz Künzel gebaute Quintett, welches am 18. April durch den\nk. Concertmeister Ganz, die k. Kammermusiker Richter, Ganz und\nTuczek den berliner Kunstrichtern vorgeführt wurde, hat allgemeine\nAufmerksamkeit erregt. Aus einem Berichte Franz Mücke's über die-\nsen ausgezeichneten Violinbauer erfahren wir, dass er, im Jahre 1789\nzu Hof in Baiern geboren, zuerst das Tischlerhandwerk erlernte,\ndann bei dem Pianoforte-Fabricanten Rosenkranz in Dresden arbei-\ntete, und weiterhin bei Zesserini in Florenz, Stirnard in Prag und\nbei Fichel in Breslau den Vio'inbau lernte. Im Jahre 1819 gründete\ner in Breslau seinen eigenen Heerd. Im Jahre 1829 besuchte I'aga-\nnini Breslau, übergab ihm sein prächtiges Instrument zur Reparatur\nund drückte ihm in einem eigenen Schreiben seine Anerkennung aus.\nAehnliche Zeugnisse der Anerkennung besitzt er von Ole Bull und\nvon Ernst. Im Jahre 1820 übersandte Künzel an den Kronprinzen\nvon Preussen eine Violine eigener Arbeit zur Ansicht und erhielt\ndafür anstatt des geforderten Kaufpreises von 14 Frd'or 40 Frd'or.\nGleich darauf wurde er zum k. Hof-Instrumentenmacher ernannt.\nNach 28jährigem Aufenthalte in Breslau verlegte Künzel sein Do-\nmicil nach Berlin. Im Jahre 1857 wurde das oben berührte lnstru-\nmenten-Quintett zur Ausstellung nach Breslau gesandt. Dasselbe\nwird den besten italiänischen Instrumenten dieser Gattung an die\nSeite gestellt.\nEr hat iui Ganzen 104 Violinen, 5 Bratschen und 4 Cello's ge-\nbaut. Unter diesen sind besonders zwei Violinen hervorzuheben, wel-\nche nach dem Muster der berühmten von Straduarius 1727 oder\n1728 gebauten Violine, die der kunstiiebende Kaufmann Möller in\nBremen für einen enormen Preis erworben, gefertigt sind.\nisres«leia. Richard Wagner bildet in diesen Tagen den\nGegenstand des Gespräches fast in allen dresdener Kreisen. Man er-\nzählt, dass nicht allein zwei thüringische Fürsten sich für die Be-\ngnadigung des begabten Mannes verwandt hätten, sondern dass\nselbst von höchster Stelle in Wien aus derartige Schritte geschehen\nseien, dass aber, in Uebereinstimmung mit den im Mai-Process fest-\ngehaltenen Principien, bisher eine andere Erklärung Seitens der säch-\nsischen Regierung nicht zu erlangen gewesen sei, als : Wagner solle\nsich dem zuständigen Untersuchungs-Gerichte stellen und den Rechts-\nweg über sich ergehen lassen, wonach erst von einer Begnadigung\ndie Rede sein könne.\n(Frankf. Journal.)\nIn der Mittelloge des Gewandhaus-Saales zu Leipzig sass vor\nmehreren Jahren neben vielen anderen Leuten auch der Professor\n***, ein grosser Musik-Enthusiast; unten spielte Clara Schumann\nmit allem Zauber ihres Talentes Stücke von Chopin, Mendelssohn\nund Schumann. Der Beifall des Publicums ist ausserordentlich, so\ndass die Künstlerin noch ein Lied ohne Worte von Mendelssohn als\nZugabe spielt. Neben dem enthusiasmirten Professor hat eine stille\nPerson Platz genommen und rührt keine Hand bei all dem Jubel;\ndas ist dem Professor zu arg, er wendet sich musicalisch entrüstet\nan seinen Nachbar: ~Nun, gefällt Ihnen denn das Spiel der Künst-\nlerin nicht?\" „Hm, o ja\" warum klatschen Sie denn\nnicht?44 nMI bin ihr Mann!'4\nHenriette Sontag, Gräfin von Rossi, die unvergesslichc\nKünstlerin, die weit von der Heimat, in Mexico, gestorben, wurde\nam 4. Mai 1855 in der Kreuz-Capelle des Klosters Marienthal in\nSachsen zur Gruft bestattet. Sie hatte dort ihre letzte Ruhestätte zu\nfinden gewünscht, weil ihre Schwester Nina Sontag, einst Mitglied\ndes alten königsstädter, dann des berliner Hoftheaters, am 4. Mai\n1846 in jenes Kloster als Nonne eintrat. Am 17. Juni d. J. kam\nGraf Rossi, der Gemahl der Verewigten, mit seinen Kindern und der\nhochbejahrten Mutter Henriettens von Dresden nach dem Kloster\nund liess den einfachen Sarg, der die Ueberreste der Künstlerin\numschliesst, in einen zinnernen Sarkophag einsetzen. An der Fuss-\nseite desselben steht der Spruch : „Wenn ich mit Menschen- und En-\ngelzungen redete und hätte die Liebe nicht, wäre ich ein tönend\nErz. Die Liebe hört nimmer auf. 1. Corinther 13, 1—3.\" Auf dem\nDeckel des Sarkophages lies't man folgende Worte: ~Hier ruhet in\nGott Henriette Sontag, vermählte Gräfin Rossi, geboren in Coblenz\nden 3. Januar 1806, gestorben in Mexico den 17 Juni 1854,\nDir war das reinste Erdenglück beschieden,\nKunst, Anmuth, Liebe wanden Dir den Kranz;\nNun ruhest Du in Gottes heil'gem Frieden,\nUmstrahlet von des Paradieses Glanz.\nFür Deine Lieben hast Du Dich dem Tod geweiht,\nDes Lebens Krön' ist Dein, Dein ew'ge Seligkeit.\"\nZwischen dieser Schrift und dem sie überragenden Crucifix befindet\nsich ein goldener Lorberkranz, auf dessen Blätter die Worte einge-\ngraben : Der besten Gattin und Mutter, der treuesten Freundin, der\nschönsten und liebenswürdigsten Frau, der grössten Sängerin geweiht\nvon Georg, Grossherzog von Mecklenburg-Strelitz, 17. Juni 1856.\"\nESaden-liadesi. Das Programm des am 28. August Statt\nfindenden grossen Concertes, welches Berlioz dirigiren wird, ist nun\nfestgestellt. Es wird zur Aufführung kommen: 1) Ouvertüre zur\nEuryanthe von Weber; 2) Arie von Händel, gesungen von Roger;\n3) Die vier ersten Theile von der Sinfonie Romeo und Julie von\nBerlioz mit Chören, die Soli gesungen von Roger und Frau Charton-\nDemeur; 4) Religiöser Chor ohne Begleitung von Vittoria; 5) Duo\ndes vierten Actes aus Wilhelm Teil, gesungen von Frau Charton-\nDemeur und Roger: 6) Allegro, Adagio, Scherzo des vierten Sinfo-\nnie-Conccrtes von Litolf, vorgetragen vom Componisten; 7) Arie des\nvierten Actes aus Figaro's Hochzeit, gesungen von Frau Charton-De-\nmeur; 8) Sara la baigneuse, dreiehörige Ballade von Berlioz; 9) Ou-\nvertüre zu Leonore von Beethoven.\nBei einer der ersten Aufführungen von Gluck's Alceste rief ein\nKritiker dein gelehrten d'Alembert zu : ~Mein Gott, welch scheuss-\nliehe Musik! Wie zerfleischt sie meine Ohren!'4 ~Nun,\" erwiderte\nd'Alembert, „wenn Sie dafür ein Paar andere bekommen, so können\nSie sehr damit zufrieden sein!\""}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "248", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580731-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3530, "texte": "Im Wi 1 db a d gab der Prinz Peter von Oldenburg kürzlich eine\nSoiree, worin auch der k. Sänger Herr Form es aus Berlin sich\nhören Hess. Der Künstler hatte seit Ende April das Bad Soden zur\nKräftigung seiner Gesundheit mit bestem Erfolge gebraucht und war\ndann seiner Gattin, der k. Schauspielerin Frau Formes, nach Wild-\nbad gefolgt, wo er in jener fürstlichen Soiree Gelegenheit fand, das\nGerücht von dem angeblichen Verluste seiner Stimme glänzend zu\nwiderlegen. Denn in frischer Volltönigkeit und Anmuth erklang die-\nselbe so mächtig und eindrucksvoll, das ein lang anhaltender Bei-\nfall dem Gesänge des Herrn Formes folgte. Der Künstler wird von\nWildbad aus nach Pesth gehen, um auf dem dortigen deutschen\nTheater jetzt das schon früher von ihm beabsichtigte Gastspiel zu\ngeben.\nM ieil« Das Mozart-Zimmer am Kahlenberge. Am 27.\nJuni d. J. wurde das auf dem Kahlenberge befindliche, durch län-\ngere Zeit geschlossen gewesene Casino, worin das bekannte Mozart-\nZimmer sich befindet, wieder eröffnet. Dieses Mozart-Zimmer das\nfrüher im vernachlässigtsten Zustande sich befand, ist jetzt ganz\nneu hergerichtet. Der Eingang ist durch die Aufschrift „Mozart-\nZimmer 1783\" bemerkbar. Im Innern desselben erblickt man drei\nPortraits: Mozart, Kaiser Joseph und Kaiserin Maria Theresia, dann\nviele Statuetten, als: Mozart, Gluck, Händel, Weber, Beethoven, Do-\nnizetti, Kubens, M. Angelo, van Dyck, Raphael, Tizian, Göthe, Pil-\ngram u. A. Die Möbel sind rococo, wahrscheinlich dem Zeitalter\nvon 1783 gemäss, darunter ein Tischchen, das Mozart selbst benutzt\nhaben soll. Auf diesem Tischchen liegt ein Fremdenbuch.\nRubin stein hat bei Hebbel im Anfange dieses Jahres einen\nOperntext für 800 Fl. bestellt. „Der Text ist nun fertig,\" so\nschreibt die Bohemia —, „aber zu verwenden ist er nicht. Die Sprache\nsoll von einer unglaublichen Härte und Ungefügigkeit sein. Es war\nauch nicht sehr klug, bei einem Poeten von bedeutender Begabung\neinen Operntext zu bestellen. Operntexte gut machen, ist sehr schwie-\nrig; allein es ist dies eine von den Schwierigkeiten, welche kleine\nTalente, die sich leichter bewegen, auch leichter lösen, als grössere\nTalente, die an ihrer Individualität gleichwie an schwerem Geschütz\nzu ziehen und zu schleppen haben. Erstens hält es der Besserbe-\ngabte für seiner unwürdig, und thut es höchstens des Geldes wegen\nnebenbei ab; zweitens ist bewegliches Form-Talent erforderlich, wel-\nches sich bei kleineren Poeten weit öfter findet. In Hebbel's Dich-\ntungen, sowohl in den lyrischen als in den dramatischen, ist gewiss\nManches von vollendet schöner Form; aber das ist nicht die reiz-\nvolle Linie, welche jede Bewegung der reinen Schönheit von selbst,\naus innerer Grazie, ohne Zutliun der Berechnung umschliesst. Heb-\nbel ringt mit dem Stoffe, er handhabt Bimstein und Feile mit grosser\nGewandtheit, und so kommt es wohl bis zur Glätte, nur zur Weich-\nheit kommt es selten oder gar nicht. Hebbel's Verse glänzen oft,\naber sie sind immer hart. Hebbel ist einer der unmusicalischsten\nMenschen, die es gibt; damit hängt der Mangel des lyrischen Bei-\nsatzes in seinen Dramen und das Absein echter Lyrik in der Mehr-\nheit seiner Gedichte innerlich zusammen. Göthe war doch Lyriker,\nund was für Operntexte schrieb er trotzdem? Und nun erst Heb-\nbel! Rubinstein ist trostlos. Er sagt in einem Briefe: „„Wenn die\nErsten so schreiben, was soll man erst von den Letzten erwarten ?\"\"\nDas ist nicht richtig. Prechtler, Mosenthal, Wilhelm Friedrich ha-\nben bereits gute Operntexte geschrieben, ohne unter den Ersten zu\nsein.\""}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "241", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580731-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie Regelung der Orehesterstimmung. Anregung zu einem allgemeinen deutschen Sänger-Concurs. Von X. An die\nRedaction der Niederrlieinischen Musik-Zeitung. Aus Polen. Karl Franz Pitsch. Nachtrag zum Artikel in der vorigen Nummer.\nEine Anekdote aus L. van Beethoven's Leben. Tages- und Unterhaltungsblatt (Berlin, Hof-lnstrumentenmacher L. Künzel\nDresden, R. Wagner Henriette Sontag Baden-Baden, Concert-Programm Wildbad, Herr Formes Wien Rubinstein).\n\nDie Regelung der Orchesterstimmung.\nDie Thatsache der fortschreitenden Erhöhung der Or-\nchesterstimmung ist bekannt. Mit Erörterung der Ursachen\nderselben und Darlegung ihrer Nachtheile haben sich die\nmusicalischen Zeitschriften in den letzten Jahren gründlich\nbeschäftigt; namentlich erwähnen wir in dieser Beziehung\nden Aufsatz von A. Schindler in diesen Blättern (111.\nJahrgang, 1855, Nr. 8 und 9 vom 24. Februar und 3.\nMärz), die Denkschrift von Lissajous, Paris, 1855, bei\nGelegenheit der Industrie-Ausstellung, den Artikel der\nGazette musicale darüber (1855, vom 15. Juli) und die\nAufsätze von Adrien de la Fage in sechs Nummern\nderselben Zeitung, beginnend den 29. Juni 1856.\nIn diesen Tagen hat nun das betreffende Ministerium\nin Paris folgende Verfügung erlassen, welche nicht nur in\nFrankreich, sondern in der ganzen musicalischen Welt als\nsehr zeitgemäss und höchst nöthig begrüsst werden wird:\n„In Betracht, dass die stets steigende Erhöhung der\nStimmung Nachtheile mit sich führt, unter denen die Ton-\nkunst, die Componisten, die Künstler und die Instrumen-\ntenmacher zu leiden haben;\n„in Betracht, dass die Ungleichheit, die in der Stim-\nmung verschiedener Länder, verschiedener musicalischer\nInstitute und verschiedener Fabriken herrscht, eine fort-\nwährende Quelle von Verlegenheiten für die Gesammt-\nmusik und von Schwierigkeiten in mercantilischer Be-\nziehung ist;\n„beschliesst der Minister u. s. w. auf den Bericht des\nGeneral-Secretärs:\n„Art. 1. Es wird eine Commission im Ministerium ein-\ngesetzt, um die Mittel aufzusuchen, in Frankreich eine\ngleichmässige Stimmung einzuführen, ein Normal-Ton-\nmaass als unveränderlichen Typus festzusetzen und Maass-\nregeln anzugeben, um dessen Annahme und das Festhalten\ndaran sicher zu stellen.\n„Art. 2. Diese Commission wird aus folgenden Mit-\ngliedern bestehen :\n„Herrn Pelletier, General-Secretär des Ministeriums,\nVorsitzendem;\n„Herrn Auber, Director des k. Conservatoriums, Mit-\nglied des Instituts;\n„Herrn Berlioz, Mitglied des Instituts;\n„Herrn Despretz, Mitglied der Akademie der Wissen-\nschaften, Professor der Physik bei der Facultät\nder Wissenschaften;\n„Herrn Doucet (Camille), Director der Abtheilung\nfür die Theater;\n„Herrn Halevy, Mitglied des Instituts, beständigem Se-\ncretär der Akademie der schönen Künste;\n„Herrn Lissajous, Professor der Physik am Lyceum\nSt. Louis, Mitglied des Vereins für Aufmunterung\nder National-Industrie;\n„Herrn Melinet, Divisions-General, beauftragt mit der\nOrganisation der Militär-Musikcorps;\n„Herrn Meyerbeer, Mitglied des Instituts;\n„Herrn Monnais (Ed.), kaiserlichem Commissarius bei\nden Opernbühnen und dem Conservatorium;\n„Herrn Rossini, Mitglied des Instituts;\n„Herrn Thomas (Ambroise), Mitglied des Instituts.\n„Art. 3. Herr Ed. Monnais wird zum Schriftführer\nder Commission ernannt.\n„Art. 4. Der General-Secretär wird mit der Ausfüh-\nrung dieser Verfügung beauftragt.\n„Paris, den 17. Juli 1858.\"\nSo weit das Decret. Es ist sehr erfreulich, wenn eine\nStaats-Regierung Vorschläge der Presse auf dem Gebiete\nder Kunst und Wissenschaft ihrer Aufmerksamkeit nicht\nentgehen lässt und ihnen amtliche Folge gibt. Im Jahre\nder Ausstellung (1855) veröffentlichte ein junger Mann,\nLissajous, Lehrer der Physik, eine Schrift über die Nach-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "242", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580731-01.1.2", "texte": "thcile der gegenwärtigen hohen Stimmung; jetzt nimmt\ndie Regierung sich der Sache an, ignorirt aber keineswegs\ndenjenigen, der sie durch die Presse angeregt hat, wie\ndies wohl in anderen Ländern der Fall ist, sondern er-\nnennt den jungen Lehrer neben höheren Staatsbeamten\nund den berühmtesten Componisten zum Mitgliede ihrer\nCommission.\nAus Lissajous' Denkschrift geht hervor, dass die pari-\nser Stimmung durchaus nicht so niedrig geblieben ist, wie\nman in Deutschland zuweilen meint, und wie auch Schind-\nler noch in dem oben angezogenen Aufsatze zu glauben\nscheint. Lissajous fand, dass das jetzige a der grosssn Oper\n898 Schwingungen in der Secunde macht. In den letzten\nJahren der Regierung Ludwig's XIV., also im Anfange\ndes achtzehnten Jahrhunderts, hatte der Physiker Sauveur\ndas a der pariser Orchester auf 810 Schwingungen in der\nSecunde festgesetzt. In anderthalb Jahrhundert ist also die\nStimmung in Paris um mehr als einen ganzen Ton ge-\nstiegen.\n„Die Erhöhung der Stimmung\" heisst es in der\ngedachten Schrift „hat sich hauptsächlich in dem ge-\ngenwärtigen Jahrhundert gesteigert, und zwar in den letz-\nten fünfundzwanzig Jahren viel schneller, als in dem frü-\nheren Zeiträume. Unter Ludwig XVI. entsprach das a der\nköniglichen Capelle nach Pfeiffer 818 Schwingungen; im\nJahre 1808 fand Delezenne das einer Flöte von Holz-\napfel von 853 Schwingungen; andere Stimmgabeln aus\nderselben Zeit ergaben 857 bis 860 Schwingungen, z. B.\nim Theater Feydeau 855, in der grossen Oper 863. Im\nJahre 1834 zählte das a der grossen Oper nach Schcibler\n867,5 Schwingungen, im Conservatorium 870; in dem-\nselben Jahre stieg es nach Delezenne schon auf 882; im\nJahre 1855 auf 898.\nDer Musikgelehrte Adrien de la Fage berichtet in den\nEingangs angegebenen Aufsätzen am genauesten über die\nSchwankungen und Steigungen der pariser Stimmung.\nIm achtzehnten Jahrhundert war die Stimmung in\nFrankreich niedriger, als in den übrigen Ländern. Im An-\nfange des jetzigen, bald nach der Gründung des Conserva-\ntoriums, wurde sie wahrscheinlich durch Beschluss der\nProfessoren an demselben um eine kleine Secunde er-\nhöht. Diese Stimmung nannte man nun den Orchester-\nton, während der Opernton noch lange auf seinem al-\nten Stande blieb.\nUnter den Bläsern gab die Erhöhung natürlich eine\nRevolution, und manches schöne und vom Besitzer hoch\ngehaltene Instrument verlor durch die Operation der Ver-\nkürzung an Tonfülle oder Lieblichkeit. Indessen konnte\ndie Isolirung der Oper doch nicht lange dauern, der Or-\nchesterton trug den Sieg davon und drang auch dort ein.\n„Aber wenig bekannt und fast unglaublich ist die Thal-\nsache, dass man um das Jahr 1821 auf den seltsamen\nGedanken kam, die Stimmung in der Oper plötzlich wie-\nder zu erniedrigen, und zwar beinahe um einen ganzen\nTon. Man schrieb nämlich den schlechten Erfolg der Sän-\nger in Rollen des alten Repertoires der hohen Stimmung\nzu. Als diese wieder tiefer geworden, sangen sie aber auch\nnicht besser.\"\n„Rossini erstaunte bei seiner Ankunft in Paris über\ndiese merkwürdig tiefe Stimmung und sprach sich sehr\nlaut dagegen aus, und so wurde denn die Stimmung wie-\nder so erhöht, wie sie Fischer im Jahre 1823 fand, näm-\nlich das amit 862,68 Schwingungen.\"\nDe la Fage stellt dann folgende Uebersicht der Ver-\nschiedenheiten der Stimmung nach verschiedenen Städten\nund Jahren auf:\nStidte. Jahre. Beobachter. Schwingungeu.\nBerlin. 1752 Marpurg. 843,75\n]823 Fischer. 874,64\n1834 Scheibler. 883,25\n1839 Bindseil. 874\nFlorenz. 1845 Marloye. 879,88\nLille. Musikfest. 1851 Delezenne. 893,51\n1 heater. 1848—54 Delezenne. 901\nMailand. 1845 Marloye. 893,14\nParis. 1715 Sauveur. 810\n18. Jahrh. Lissajous. 820\n1783 Lissajous. 818\n1800—05 Delezenne. 853\n1800—05 Lissajous. 860\nOper. 1811 Scheibler. 853,47\n1823 Fischer. 862,68\n1834 Scheibler. 867,47\n1834 Pleyel. 880,94\n1836—37 Delezenne. 882,05\nStimmgabel. 1854 Delezenne. 874,8\n- Eine andere. 1854 Delezenne. 896,50\n1855 Lissajous. 898\nOpera Comique. 1823 Fischer. 855,22(1)\nStimmgabel. 1854 Delezenne. 896\nTheatre Italien. 1823 Fischer. 848,34\n1834 Scheibler. 881,40\nStimmgabel. 1834 Delezenne. 884,94\nConservatoire. 1834 Scheibler. 869,85\nOrch. du Cons. 1834 Scheibler. 881,40\nPetersburg. 1796 Sarti. 872\nStuttgart. 1834 De'c. du Congrfes. 880\nTurin. 1845 Marloye. 879,58\nWien. 1834 Scheibler. 881,40\n1834 Streicher. 886\nConservatorium. 1834 Scheibler. 890,88\n. /.1834j 867,33\n118341 872,67\nIi 8341 878,30\n6 Stimmgabeln. 11834j Scheibler. 880 20\n118341 880,67\n- UB34J 880,74\nMinimum. 1834 Scheibler. 866\nMaximum. 1834 Scheibler. 890"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "243", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580731-01.1.3", "texte": "Das aeiner sehr alten Kirchen-Stimmgabel zeigte bei\nDelezenne nur 768,54 Schwingungen, einer etwa hundert\nJahre alten Stimmgabel 845,*29. Die Flügel von Wülfel\nfand Scheibler im Jahre 18-34 = 886,50, die von Pleyel\n«J\n892. Auch jetzt stehen die Erard'schen Flügel etwas tie-\nfer, als die Plevel'schen.\n' J\n„Man bedient sich jetzt kleiner Instrumente, in denen\neine freie Zunge durch Anblasen schwingt. Vermittels der-\nselben hat man im Jahre 1854 die Stimmung in der ita-\niiänischen Oper, in der komischen und der grossen Oper\nin Uebereinstimmung gebracht, und zwar zu 896,50. Die\nStimmgabeln aber, die man als den pariser Opernton an-\ngebend verkauft, stehen nur auf 874,8! Hiernach\nherrscht also die höchste Stimmung merkwürdiger Weise\nin der Provincialstadt Lille im nördlichen Frankreich;\ndann in Paris und Mailand, gegen die Wien und Berlin\ntiefer stimmen.\"\nDie meisten Musiker haben die Ursache der fortschrei-\ntenden Erhöhung hauptsächlich in den Blas-Instrumenten\ngesucht, und das auch wohl gewiss mit Recht (vgl. Schind-\nler a. a. 0.). De la Fage ist der Ansicht, dass die Saiten-\nInstrumente die grösste Schuld tragen, indem die Spieler\nsie gern etwas hoch stimmen, um dem Tone mehr Glanz\nzu geben. Dasselbe findet bei den Ciavieren Statt. So\nkönnte allerdings die Leichtigkeit, mit welcher die Streich-\nInstrumente gestimmt werden, im Verein mit dem Wun-\nsche, dem Tone durch höhere Stimmung mehr Glanz zu\ngeben, Einfluss auf die Steigung gehabt haben.\nDass die Sänger einen Theil der Schuld tragen, ist\nnur in so fern wahr, als sie sich nicht der Erhöhung wi-\ndersetzt und auf Festhalten an der früheren Stimmung ge-\ndrungen haben. Thöricht sei es aber, meint de la Fage,\nder hohen Stimmung die Entartung des Gesanges, den\nRuin der Stimmen zuzuschreiben. Die Sucht, jede Tenor-\nstimme zu der Höhe hinauf zu schrauben, welche bei ein-\nzelnen bevorzugten Organen einmal leicht anspricht, die\nlächerliche und naturwidrige Forcirung des hohen mit\nder Brust, die schlechte Methode beim Gesang-Unterricht,\nder Mangel an Schule, an ernstem Studium und aushar-\nrendem Fleisse, und endlich die Componisten: das alles\nzusammengenommen führt den Ruin der Stimmen herbei,\nmögen sie auch von Natur noch so schön sein.\nZwingt etwa die steigende Stimmung die Componisten,\ndie Gesang-Partieen hoch und immer höher zu schreiben?\nWas geht sie die Höhe der Stimmung an? Steht es nicht\nin ihrer Macht, tiefer, d. h. der Natur der menschlichen\nStimme gemäss, zuschreiben? Wer zwingt sie, den Haupt-\nEffect der Phrase in die höchste Höhe zu legen? im Or-\nchester den gräulichsten Lärm zu machen, der jede Men-\nschenstimme erdrückt? ein Duett nicht anders als durch\nUnisono-Geheul in derOctave zu schliessen? Wo stellt ge-\nschrieben, dass in einem Finale die Solostimmen nicht\nmehr durch sangbare Stimmführung und feine Combina-\ntion des Ganzen aus dem Chor hervortreten, sondern allein\ndurch die Kraft der Lunge Chor und Orchester über-\nschreien sollen?\nUnd warum werden denn die eigentlichen Bassstim-\nmen noch viel seltener, als die Tenöre? Für sie wäre ja\ndie erhöhte Stimmung eine Erleichterung, ein treibendes\nWasser auf ihr Mühlrad im kühlen Grunde!\nNein, die hohe Stimmung ist nicht schuld an dem\nMangel an schönen Stimmen und an ihrem Ruin, wenn\nsie noch hier und da auftauchen; aber die schlechten Sing-\nmeister und die schlechten Componisten sind es. Wir wol-\nlen nicht von Frankreich sprechen, wo im Allgemeinen\nimmer mehr oder weniger schlecht gesungen worden ist;\naber wer hätte noch vor 25 Jahren geglaubt, dass Italien\nund seine herrliche Schule so tief sinken würde?\n\nAnregung zu einem allgemeinen deutschen Sänger-\nConcurs.\n\nEs ist eine anerkannte Thatsache, dass wir in musi-\ncalisch-theatralischer Beziehung in einer trostlosen Zerfah-\nrenheit uns befinden. Die journalistischen Weheschreie\nwahrer Kritik, der Ungeschmack des Publicums und der\nSänger, grossgezogen durch Stimm-Matadore deutschen\nund italiänischen Ursprungs, die Ungebühr des Verdi'schen\nOpernstils, der immer maassgebender zu werden droht,\nder Mangel an echter Kunstanschauung, die Unmündigkeit\ngar manches Residenz-, geschweige Provinz-Publicums in\nSachen des Gesanges, mit Einem Worte: die Kunst-Zu-\nstände, die alle eben aufgeführten Momente erzeugt haben,\ndrängen dahin, irgend ein praktisch ausführbares Mittel\naufzufinden zu Nutz und Frommen der dramatischen Ge-\nsangskunst.\nDie Gesangskunst hat von ihrer poetischen Idealität\nviel verloren; sie ist praktisch geworden. Wir leben ja im\nZeitalter der Industrie, der Speculation; die Kunst bezieht\nalso auch schon lange die Messen und Märkte von Paris\nund London, um Renommee zu erwerben und vor Allem\nGeld zu machen. Wie der Industrielle in Tuch oder\nStahl, so wird der Sänger bald auch eine Preis-Me-\ndaille aufweisen müssen von irgendeiner Welt-Ausstellung.\nBei diesen Ausstellungen von Producten und Fabrica-\nten aber sitzt doch eine Commission von Sachverstän-\ndigen zu Gericht. Welche tröstliche Aussicht wäre es\nfür die Künstler, auch von Sachverständigen gerichtet\nzu werden!"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "244", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580731-01.1.4", "texte": "Müssen wir nicht erleben, wie die urtheilslose, be-\nfangene, musicalisch ungebildete, bestechliche, oft schon in\nvorhinein durch Reclamenwesen bestochene Masse in er-\nster Reihe sich breit macht, fast allein zu Gerichte sitzt, ihr\nVotum abgibt und verurtheilt; wie eine wohlorganisirte\nClaque, Ovationen bereitend, Kränze spendend, den Ton\nangibt, und dieser oft eine Kritik nachhinkt, herabgesun-\nken zu urtheilslosen Referaten!\nEs gibt der Sänger zu wenige, die, wie z. B. Roger,\neine höhere Mission erfüllen, die: besseren Geschmack zu\nverbreiten; mancher Sänger dankt dem reinen Zufall sein\nGlück, oder dem jeweiligen Bedarf einer maassgebenden\nHofbühne, die sein Licht leuchten lässt, während so man-\ncher ebenbürtige, aber namenlose, nichts haben soll als\nZurücksetzung, Entbehrung, Hunger und Kummer.\nWer nun soll Künstler und Publicum leiten, ihnen\nrathen und helfen?\nWie wäre es denn mit einem allgemeinen deut-\nschen Sänger-Concurs, auszuschreiben in irgend einer\nStadt Deutschlands, wie Wien, Berlin, Leipzig, Hamburg\nu. s. w.? Ich sage: Deutschlands; denn um einen deut-\nschen Sänger beurtheilen zu können, braucht man nicht\nerst nach Creditiven von London oder Paris zu fragen, da\nhätte man's näher und billiger, und competente Männer\nin Sachen deutschen Gesanges brauchen wir nicht erst\nauswärts zu suchen.\nDie respectiven Theater-Directionen und Intendanzen\nhätten den Concurs zu bestimmen, und zwar für jedes\nGenre des Gesanges, woran jeder Sänger Theil\nnehmen dürfte, der sich der Aufgabe gewach-\nsen fühlt.\nDie Jury bestände aus competenten, fach verständigen\nMännern, Professoren des Gesanges, der Musik, derAesthe-\ntik, Componisten, Capellmeistern (die auch was vom Sin-\ngen verstehen wollen), Sanges-Veteranen, Regisseuren u.\ns. w. nicht aber aus Agenten-Souflleuren, Souffleur-\nAgenten, Notizlern, Inseratenjägern, Janhagel-Galerie und\nPepita-Enthusiasten u. s. w. Diese Preisrichter müssten den\ncoricurrirenden Künstlern wie dem Publicum gleich unbe-\nkannt bleiben, bis das Ergebniss der Prüfung kund gethan\nwäre, um jeden Gedanken an Parteilichkeit zu bannen.-\nDas Publicum hätte dabei keine Stimme, das heisst keine\nentscheidende für die Jury, und jede Kritik müsste\nschweigen*).\nAuf diese Weise liesse sich leicht der Beweis herstel-\nlen, ob wirklich vox populi vo wäre, oder oh nicht\ngerade schreiende Gegensätze sich geltend machen würden.\nDer Titel „Preisgekrönt\" wäre ein Prädicat, mehr\nwerth als mancher Hof- und Kammersänger-Titel.\nWer das erste Mal im Wettkampfe unterlegen, dem\nwären die Schranken ein zweites, ja, ein drittes Mal geöff-\nnet. Der nicht preiswürdige Sänger hätte von einer moti-\nvirten, rationellen, ehrlichen, gediegenen, wohlmeinenden\nKritik den Vortheil für sich, dass ihm hei Zeiten der Staar\ngestochen würde, dass er erführe, was ihm vor Allem\nnoth thut. was er zu erringen, was zu meiden habe, um\nsich weiter zu bilden, während er nach jetzigem Gebahren\num Geld und wieder Geld in gewissen Blättern sich\nselbst als Künstler ausposaunen und dies so lange fort-\nsetzen kann, bis er es selber glaubt und mit ihm die ganze\nWelt.\nMan könnte einwenden, dieses Problem sei schwer\ndurchzuführen, das Resultat ein ewig schwankendes; wie\noft könne nicht ein Sänger, mit derZeit ohne Stimme, die\nalten Ansprüche machen auf Grundlage nicht erlangter\nPreiswürdigkeit!\nIch antworte: Die Basis eines guten Sängers wird\neine ewig gleiche sein, auch wenn er nur das Minimum\nvon Stimme hätte; denn Stimme ist viel, aber oft auch\nsehr wenig.\nIch will versuchen, die Vortheile aufzuzählen, die sich\nan eine solche Institution knüpfen würden.\n1. Grössere Reputation dem Auslande gegenüber; He-\nbung des deutschen National-Bewusstseins.\n:2. Gerechtigkeit jedem Kunst-Individuum durch freie\nConcurrenz und Vorbeugen gegen Arroganz und Ueber-\nschätzung Einzelner.\n3. Hebung des gesammten Künstlerstandes in socialer\nBeziehung.\n4. Förderung echten Kunstsinnes und Geschmacks im\nPublicum.\n5. Vernichtung der leidigen Afterkritik, Brandmar-\nkung hohler Scheingrössen, Verbarricadirung der krum-\nmen Schleichwege in den Tempel des Nachruhms, Zerfal-\nlen der Claque, Untergang endlich der stolzen Theater-\nAgenturen, dieser Schlingpflanzen am gesunden Stamme\nder Kunst, die mit gewichtiger Protector- und Kenner-\nMiene ihre Creaturen ä ioiitprix den Directionen und\ndem Publicum aufzudringen wissen. Von den Agenturen\nkommen zumeist alle die Schäden, die eine so dringende\nAbhülfe erheischen; sie sind die Borkenkäfer, die diese\nVerwüstungen anrichten im Reviere der dramatischen\nKunst. Die Initiative zu dem eben ausgesprochenen Con-\n\n*) In so absoluter Weise liesse sich dem immerhin berechtigten\nAusspruche eines zahlenden Publicums und einer unabhängi-\ngen Presse nicht wohl vorgreifen. Auch müsste man entschei-\ndende Garantieen haben, dass jene Jury wirklich aus „unab-\nhängigen und sachverständigen Männern'* besteht.\nAnmerkung der Redaction."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "245", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580731-01.1.5", "texte": "curs dürfte darum freilich nicht von einem Agenten oder\ngewesenen Souffleur ausgehen.\nWir haben in den Muster-Vorstellungen in München\nein schwaches Vorbild zu unserem Vorschlage; hatten diese\neinen künstlerischen Werth, so fehlte ihnen doch der prak-\ntische Zweck; höchstens konnte man sich überzeugen, wie\nmanche gefeierte Grösse unter ihren Werth herabsank,\nund nur eine damals minder bekannte Grösse, die See-\nbach, datirt von da ihre Carriere. Es regen sich in neuerer\nZeit derlei Unternehmungen auch in der Oper; sie laufen\naber doch nur auf den Geldbeutel des Impresario hinaus.\nIch läugne nicht, dass mein Vorschlag auch auf das\nSchauspiel Anwendung finden könnte, allein ein schreien-\ndes Bedürfnissist er im Felde der edlen Gesangskunst,\num der überhand nehmenden Geschmacks-Verwirrung\neinen Damm entgegen zu setzen.\nDie weiteren Details hierzu würden sich von selbst\nergeben; mir bleibt nur der Wunsch, ihn recht bald in\nFleisch und Leben übergehen zu sehen zum Segen der\nKunst und zum Gedeihen wahren Kunstsinnes.\n\nX.\n\nAn die Redaction der Niederrheinischen Musik-Zeitung\n*).\nAus Polen, im Juni 1858.\nMit Vergnügen habe ich zum ersten Male in Ihrem\ngeschätzten Blatte eine Nachricht über die Oper „Halka\"\nvon St. Muniuszko gelesen. Endlich hat sich doch Jemand\ngefunden, der sich die Mühe gab, einen Artikel aus einem\nhiesigen Blatte zu übersetzen und so das Verdienst des\nHerrn Moniuszko um polnische Kunst auch im Auslande\nbekannt zu machen. Einem Laien, wie ich, kommt es frei-\nlich nicht zu, über Musik zu urtheilen, doch nehme ich mir\ndie Freiheit, Ihnen das, was Sachkundige in irgend einer\nhier erscheinenden Zeitung aussprechen, mitzutheilen. Zwar\nnicht in Warschau wohnhaft, ziehen mich doch Geschäfte\nund Liebe zur Musik oft dahin, wo ich etwas Gutes, mit-\nunter aber auch Mittelmässiges und Schlechtes hören kann\nund muss. Letzteres bezieht sich hauptsächlich auf Kirchen-\nmusik. Als Katholik von Jugend auf gewohnt, wenn auch\nnicht alle Tage, so doch wenigstens Sonntags die Messe zu\nhören, habe ich alle Kirchen Warschau's durchwandert,\nleider aber keine gefunden, wo ich ungestört mein Gebet\nverrichten konnte. Die meisten Orgeln sind in dem erbärm-\nlichsten Zustande, einige neue, nicht unbedeutende Werke\nwerden nicht in Ordnung und Stimmung erhalten und ge-\nben daher den alten wenig nach. Doch das Unerträglichste\nist das wahrhaft schaurige Spiel der Organisten. In Deutsch-\nland hat man davon keinen Begriff. Man hört Gassenhauer,\nOpernsachen u. s. w.; doch schrecklich ist das eigene Di-\ndeldumdei solcher Menschen anzuhören, welchen das Wort\nHarmonie gar nicht bekannt ist. Wer daher noch einiges\ngesunde Musikgefühl besitzt, geht gewöhnlich in die Kir-\nche der Piaren, wo Dilettanten einen Chor gebildet haben,\nvon dem mitunter gute Sachen, leider aber auch viel Un-\nkirchliches, überhaupt in den Solostücken, welche die\nMehrzahl bilden, ausgeführt werden. Aber auch hier stört\ndie verstimmte Orgel, welche zur Begleitung benutzt wird.\nIn der Kathedrale präsentirt sich eine grosse, vor unge-\nfähr zwanzig Jahren erbaute Orgel; sie soll jedoch so wohl\ngerathen sein, dass sie seit langer Zeit gar nicht gespielt\nwerden kann. Bei Aufführung der Messe hört man viel\nPauken- und Trompetenlärm, aber vom Chor, welcher\nmitunter aus nur 4 6 Personen besteht, wenig oder\nnichts. Die Protestanten haben eine der schönsten Kirchen,\neine gute, reingestimmte Orgel und einen der ersten Künst-\nler Warschau's, den auch in Deutschland bekannten Or-\nganisten Freyer, welcher, obgleich Virtuose auf der Orgel,\ndoch beim Gottesdienste nur streng Kirchliches zu Gehör\nbringt. Dieses kleine Bild reicht hin, Ihnen einen Begriff\nvon dem Zustande der Kirchenmusik in der Hauptstadt\nzu geben. Es lässt sich daraus leicht schliessen, wie es da-\nmit in kleinen Städten und auf dem Lande aussieht. Dass\ndarüber hiesige Blätter nicht schweigen, können Sie aus\neinem Artikel der Warschauer Zeitung, Nr. 315 vom vo-\nrigen Jahrgang, ersehen. Nachdem Schreiber desselben die\nFortschritte in der Malerei, Photographie u. s. w. erwähnt,\ngeht er auf die Musik und hauptsächlich Kirchenmusik\nüber und äussert Folgendes: „Wer von uns kennt nicht\ndie stillen Landkirchen, deren höchste Zierde die fromme\nAndacht der versammelten Gemeindeglieder bildet? Wes-\nsen Herz wird nicht lebendiger ergriffen bei der Erinne-\nrung der von hier aus zum Himmel gesandten Bitten, der\nvielen dargebrachten Dankgebete? Wenn nun irgend\netwas die reine Harmonie solcher Erinnerungen an feier-\nliche Augenblicke, in denen man mit Hingabe an Gott,\nFamilie und Menschheit dachte, stören könnte, so ist es\ngewiss der Gedanke an die traurige Orgel, deren krei-\nschender Ton auch das am wenigsten zarte Ohr verletzte\nund selbst die Andächtigsten vom Gebete ableitete. —~ In\ndieser Hinsicht herrscht aber eine unerklärliche Gleichgül-\ntigkeit der Herren Gutsbesitzer und Pfarrer im Allgemei-\nnen. Obgleich sich Alle gegen die unerträgliche Ohrenqual\nbeklagen, so fällt es doch Keinem von ihnen ein, sie zu\nentfernen und mit einer der Heiligkeit des Ortes und der\nErhabenheit des Zweckes entsprechenden Harmonie zu\nvertauschen. Der Gewohnheit huldigend, vermacht der\nDorf-Maestro seine wenigen Kenntnisse von Kirchenmusik,\nmit denen er jahrelang die Ohren der Gemeinde zerlleischt\n\n*)' Durch Zufall verspätet.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "246", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580731-01.1.6", "texte": "und seine eigene Stimme, so wie die Anderer verstümmelt\nhatte, seinem Sohne oder Schüler. Viele Organisten hier\nzu Lande kennen gar keine Noten. Viel Schuld trägt der\nMangel an passenden Orgel-Compositioncn, ihre hohen\nPreise und deren Schwierigkeiten. Welcher Organist ist\nwohl im Stande, bei einem Gehalt von 10 bis *2O Thaler\njährlich noch Noten anzuschaffen, und woher Zeit nehmen,\nwenn er, wie die meisten hier, Stiefelputzer, Kutscher,\nKnecht des Geistlichen sein muss? Die neuen Publicatio-\nnen des Herrn Sennewald sind daher sehr willkommen,\nindem sie dem wesentlichen Uebelstande abzuhelfen ver-\nsprechen. In seinem Verlage erschienen vor Kurzem zwei\nMessen mit polnischem Text, für Quartett eingerichtet und\ncomponirt von Zientarski und Müller, so wie auch eine\nMesse für eine Stimme von dem in Warschau rühmlichst\nbekannten Organisten Freyer. Dieses letztgenannte Werk,\ndas mit tiefer Kenntniss der Musik und des Orgelspiels ge-\nschrieben ist, zeichnet sich ausserdem durch grosse Klar-\nheit und Einfachheit aus und imponirt durch Ernst des\nStils und Zusammenhang der Thema's. Im Falle es nöthig\nsein sollte, kann die vierstimmige Begleitung auf vier Stim-\nmen ausgeschrieben und dadurch ein nicht schweres Quar-\ntett hergestellt werden. Herr Freyer hat sich ausgespro-\nchen, dass er bereit sei, mehrere ähnliche populäre Com-\npositionen erscheinen zu lassen, wenn dieses erste Werk\nin dieser Art sich einer günstigen Aufnahme erfreuen\nsollte. Wir zweifeln nicht im Mindesten, dass diejenigen,\ndenen es um Hebung der Feierlichkeit des Gottesdienstes\nzu thun und denen die bisherige Disharmonie in unse-\nren Kirchen zur Last gefallen ist, nach Kräften beitragen\nwerden zur Verbreitung des genannten Freyer'schen Wer-\nkes, welches neben künstlerischem Werthe auch noch den\nVorzug besitzt, dass es nur 45 Kopeken (V 2 Thlr.) kostet\nund somit für die ärmste Landpfarre zugänglich ist.\"\nAusser diesem Artikel hat auch die hiesige Musik-Zei-\ntung, welche seit einem Jahre erscheint, mehrmals auf\ndiese Uebelstände in der Kirchenmusik hingewiesen; bis\njetzt aber ist noch keine Besserung zu spüren. Der Haupt-\ngrund von allem diesem scheint mir etwas tief zu liegen, und\nKünstler von Fach- und Sachkenntniss sollten im Verein\nmit Geistlichen erst die Ursachen des Schadens genau un-\ntersuchen, worauf sich dann auch wohl die Mittel zur Hei-\nlung desselben finden würden.\n\nKarl Franz Pitsch.\nWir fügen dem Nekrolog von K. F. Pitsch in der vorigen Num-\nmer noch folgende Stelle aus dem Berichte über die Kirchenmusik\nan den Pfingstagen zu Wien aus derselben Quelle bei:\nK. F. Pitsch genoss in seinem Vaterlande Böhmen den tief be-\ngründeten Ruf als geistvoller musicalischer Pädagoge, so wie den\nnicht minder grundhaltlgen als einen der tiefsten Orgelkenner und\nsinnreichsten Improvisatoren auf seinem Instrumente. In unserer Re-\nsidenz war Pitsch bis jetzt mehr genannt als gekannt. Erst seine\nam Pfingstsonntage in der Hofcapelle aufgeführte Festmesse in Ü-\ndur hat unserem musicalischen Publicum den thatkräftigen Kämpen\nfür die Sache der Theorie auch heimisch im Blüthcngarten künstle-\nrischen Schaffens gezeigt. Im Allgemeinen hält das schöne Werk\ndie glückliche Mitte zwischen dem plastischen Kirchenstile der alt-\ndeutschen Schule und zwischen jenem in neuesten Tagen herausge-\nbil leten symbolisch-dramatischen Kirchenstile. Männliche, echt deut-\nsche Kraft des I on-xVusdruckes ist es, was abgerechnet eine ein-\nzige süsständelnde, melodische Zwischenstelle im Kyrie das Gei-\nstesauge des Musikers für Pitsch' Messe alsogleich gewinnt und ihr\nbis zum Schlüsse gewogen erhält. Auch steht Pitsch' Messe, stili-\nstisch aufgefasst, ganz selbstständig da. Nur in allgemeinster Farbe\nlassen sich Lach sehe, ja, selbst Mendelssohn'sche Einflüsse gewah-\nren. Von der Schablone Haydn's und Mozart's tragen Gottlob Pitsch'\ngeistesfrische londichtungen nur wenige Spuren. Die Behandlung\ndes Orchesters bekundet den mit seinem Stoffe tiefvertrauten Meister.\nMit Einem Worte : Pitsch' Messe darf freudig als ein Kunstwerk\nbegriisst werden. Nur wäre eine minder aphoristische Behandlung\nmancher Einzelstelle und eine im Ganzen stimm- und chorgemässere\nSetzart des vocalen Theiles wünschenswerth gewesen Manches in\ndieser Messe singt sich schwer und ist lediglich Augenmusik, wäh-\nrend dem Ilörer öfter bange um die Sänger wird, ob sie denn mit\nso schwierigen Ton-Einsätzen zurecht kommen werden. Bei dieser\nGelegenheit wolle uns noch ein kurzer Hinweis auf Pitsch' neuestes\nOpus, eine Reihe contrapunktischer Veränderungen der österreichi-\nschen National-Hymne, vergönnt sein. Die Literatur unserer Orgel-\nmusik ist durch die so geistvolle Schöpfung um einen gewichtigen\nBeitrag reicher geworden. Jedem, der dieses herrliche Werk kennen\ngelernt, dürfte der W unscli nahe liegen, es bei Gelegenheit irgend\neines Hoffestes von geweihter Stelle aus zu hören. Allerdings fordert\ndie in Rede stehende Composition auch ein Orgelwerk, das mit\neinem halbtönig gegliederten Pedale im Umfange von wenigtsens\nzwei Octaven versehen ist. Ein derartiges Instrument wurde bisher\nleider nur immer gewünscht, ohne dass sich dieses Verlangen je\nnoch erfüllt hätte. Erst in neuesten Tagen ist uns der dauernde Be-\nsitz einer solchen Orgel verbürgt.\n\nEine Anekdote aus L. van Beethoven’s Leben.\n\nIm Jahre 1825 gab ein bekannter Künstler, auch Dilettant im\nCompositionöfache der Musik, ein Heft Walzer heraus. Jeder dersel-\nben war von einem anderen der damals beliebtesten und renommir-\ntesten Tonsetzer eigens dazu componirt worden; denn Keiner ver-\nsagte dem Herausgeber, welchem der Ertrag zu einer karlsbader\nCur dienen sollte, diese musicalische Beisteuer. Das Heft fand\nbekanntlich ungewöhnlichen Anklang und Abgang. Da kam es dem\nHerausgeber in den Sinn, den grossen Louis van Beethoven, mit\ndem er schon durch seinen Grossvater und Vater in früherer Zeit\nbekannt war, auch um einen Beitrag anzugehen. Mit der edelsten\nund liebevollsten Bereitwilligkeit versprach der grosse Tonsetzer, die\nWünsche des Bittenden zu erfüllen, und lieferte nicht bloss einen\nWalzer, sondern (er, der Einzige) auch ein Trio dazu. Er ersuchte\nden Herausgeber, in circa vier Wochen um die fertige Arbeit zu\nschicken. Da dieser inzwischen erkrankte, so vermochte er nicht,\ndas Werk persönlich abzuholen, sondern musste auf eine so interes-\nsante Visite verzichten Er ersuchte daher seine Mutter, den Walzer\nabzuholen und seinen Dank auszudrücken.\nDoch die Haushälterin, der sie ihren Namen und Stand bekannt\ngab, liess sie nicht vor, indem, wie sie sagte, es bei dem Herrn"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "247", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580731-01.1.7", "texte": "heute wieder arg rappele. Da in diesem Augenblicke Beethoven den\nKopf zur Thür heraussteckte, so schob sie die Frau mit den Worten:\n„Verstecken Sie Sich, denn heute ist mit ihm gar nicht zu spre-\nchen/4 in eine dunkle Kammer, von wo sich dieselbe dann unver-\nrichteter Sache entfernte.\nEin paar Tage danach sandte Beethoven den Walzer in die Woh-\nnung des fraglichen Tonsetzers mit folgendem Briefe, dessen Authen-\nticität bewiesen ist, da das fragliche Original vor uns liegt:\nEuer Wohlgeboren !\nIhre Mutter ist unlängst durch die Dummheit meiner Haushäl-\nterin abgewiesen worden, ohne dass man mir ein Wort von ihrem\nDasein gemeldet hat.\nIch habe dieses unanständige Betragen, indem sie selbe noch dazu\nnicht in mein Zimmer geführt, gerügt; die Ungesclllachtheit\nund Rohheit dieser Menschen, die ich so unglücklich bin, um\nmich zu haben, ist Jedem bekannt; ich bitte daher um Verzeihung.\nIhr ergebenster Diener\n\nLouis van Beethoven.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\n* V Ci \\ v-t Wi. £ v\nHerliflft. Das von dem berliner k. Hof-Instrumentenmacher L o-\nrenz Künzel gebaute Quintett, welches am 18. April durch den\nk. Concertmeister Ganz, die k. Kammermusiker Richter, Ganz und\nTuczek den berliner Kunstrichtern vorgeführt wurde, hat allgemeine\nAufmerksamkeit erregt. Aus einem Berichte Franz Mücke's über die-\nsen ausgezeichneten Violinbauer erfahren wir, dass er, im Jahre 1789\nzu Hof in Baiern geboren, zuerst das Tischlerhandwerk erlernte,\ndann bei dem Pianoforte-Fabricanten Rosenkranz in Dresden arbei-\ntete, und weiterhin bei Zesserini in Florenz, Stirnard in Prag und\nbei Fichel in Breslau den Vio'inbau lernte. Im Jahre 1819 gründete\ner in Breslau seinen eigenen Heerd. Im Jahre 1829 besuchte I'aga-\nnini Breslau, übergab ihm sein prächtiges Instrument zur Reparatur\nund drückte ihm in einem eigenen Schreiben seine Anerkennung aus.\nAehnliche Zeugnisse der Anerkennung besitzt er von Ole Bull und\nvon Ernst. Im Jahre 1820 übersandte Künzel an den Kronprinzen\nvon Preussen eine Violine eigener Arbeit zur Ansicht und erhielt\ndafür anstatt des geforderten Kaufpreises von 14 Frd'or 40 Frd'or.\nGleich darauf wurde er zum k. Hof-Instrumentenmacher ernannt.\nNach 28jährigem Aufenthalte in Breslau verlegte Künzel sein Do-\nmicil nach Berlin. Im Jahre 1857 wurde das oben berührte lnstru-\nmenten-Quintett zur Ausstellung nach Breslau gesandt. Dasselbe\nwird den besten italiänischen Instrumenten dieser Gattung an die\nSeite gestellt.\nEr hat iui Ganzen 104 Violinen, 5 Bratschen und 4 Cello's ge-\nbaut. Unter diesen sind besonders zwei Violinen hervorzuheben, wel-\nche nach dem Muster der berühmten von Straduarius 1727 oder\n1728 gebauten Violine, die der kunstiiebende Kaufmann Möller in\nBremen für einen enormen Preis erworben, gefertigt sind.\nisres«leia. Richard Wagner bildet in diesen Tagen den\nGegenstand des Gespräches fast in allen dresdener Kreisen. Man er-\nzählt, dass nicht allein zwei thüringische Fürsten sich für die Be-\ngnadigung des begabten Mannes verwandt hätten, sondern dass\nselbst von höchster Stelle in Wien aus derartige Schritte geschehen\nseien, dass aber, in Uebereinstimmung mit den im Mai-Process fest-\ngehaltenen Principien, bisher eine andere Erklärung Seitens der säch-\nsischen Regierung nicht zu erlangen gewesen sei, als : Wagner solle\nsich dem zuständigen Untersuchungs-Gerichte stellen und den Rechts-\nweg über sich ergehen lassen, wonach erst von einer Begnadigung\ndie Rede sein könne.\n(Frankf. Journal.)\nIn der Mittelloge des Gewandhaus-Saales zu Leipzig sass vor\nmehreren Jahren neben vielen anderen Leuten auch der Professor\n***, ein grosser Musik-Enthusiast; unten spielte Clara Schumann\nmit allem Zauber ihres Talentes Stücke von Chopin, Mendelssohn\nund Schumann. Der Beifall des Publicums ist ausserordentlich, so\ndass die Künstlerin noch ein Lied ohne Worte von Mendelssohn als\nZugabe spielt. Neben dem enthusiasmirten Professor hat eine stille\nPerson Platz genommen und rührt keine Hand bei all dem Jubel;\ndas ist dem Professor zu arg, er wendet sich musicalisch entrüstet\nan seinen Nachbar: ~Nun, gefällt Ihnen denn das Spiel der Künst-\nlerin nicht?\" „Hm, o ja\" warum klatschen Sie denn\nnicht?44 nMI bin ihr Mann!'4\nHenriette Sontag, Gräfin von Rossi, die unvergesslichc\nKünstlerin, die weit von der Heimat, in Mexico, gestorben, wurde\nam 4. Mai 1855 in der Kreuz-Capelle des Klosters Marienthal in\nSachsen zur Gruft bestattet. Sie hatte dort ihre letzte Ruhestätte zu\nfinden gewünscht, weil ihre Schwester Nina Sontag, einst Mitglied\ndes alten königsstädter, dann des berliner Hoftheaters, am 4. Mai\n1846 in jenes Kloster als Nonne eintrat. Am 17. Juni d. J. kam\nGraf Rossi, der Gemahl der Verewigten, mit seinen Kindern und der\nhochbejahrten Mutter Henriettens von Dresden nach dem Kloster\nund liess den einfachen Sarg, der die Ueberreste der Künstlerin\numschliesst, in einen zinnernen Sarkophag einsetzen. An der Fuss-\nseite desselben steht der Spruch : „Wenn ich mit Menschen- und En-\ngelzungen redete und hätte die Liebe nicht, wäre ich ein tönend\nErz. Die Liebe hört nimmer auf. 1. Corinther 13, 1—3.\" Auf dem\nDeckel des Sarkophages lies't man folgende Worte: ~Hier ruhet in\nGott Henriette Sontag, vermählte Gräfin Rossi, geboren in Coblenz\nden 3. Januar 1806, gestorben in Mexico den 17 Juni 1854,\nDir war das reinste Erdenglück beschieden,\nKunst, Anmuth, Liebe wanden Dir den Kranz;\nNun ruhest Du in Gottes heil'gem Frieden,\nUmstrahlet von des Paradieses Glanz.\nFür Deine Lieben hast Du Dich dem Tod geweiht,\nDes Lebens Krön' ist Dein, Dein ew'ge Seligkeit.\"\nZwischen dieser Schrift und dem sie überragenden Crucifix befindet\nsich ein goldener Lorberkranz, auf dessen Blätter die Worte einge-\ngraben : Der besten Gattin und Mutter, der treuesten Freundin, der\nschönsten und liebenswürdigsten Frau, der grössten Sängerin geweiht\nvon Georg, Grossherzog von Mecklenburg-Strelitz, 17. Juni 1856.\"\nESaden-liadesi. Das Programm des am 28. August Statt\nfindenden grossen Concertes, welches Berlioz dirigiren wird, ist nun\nfestgestellt. Es wird zur Aufführung kommen: 1) Ouvertüre zur\nEuryanthe von Weber; 2) Arie von Händel, gesungen von Roger;\n3) Die vier ersten Theile von der Sinfonie Romeo und Julie von\nBerlioz mit Chören, die Soli gesungen von Roger und Frau Charton-\nDemeur; 4) Religiöser Chor ohne Begleitung von Vittoria; 5) Duo\ndes vierten Actes aus Wilhelm Teil, gesungen von Frau Charton-\nDemeur und Roger: 6) Allegro, Adagio, Scherzo des vierten Sinfo-\nnie-Conccrtes von Litolf, vorgetragen vom Componisten; 7) Arie des\nvierten Actes aus Figaro's Hochzeit, gesungen von Frau Charton-De-\nmeur; 8) Sara la baigneuse, dreiehörige Ballade von Berlioz; 9) Ou-\nvertüre zu Leonore von Beethoven.\nBei einer der ersten Aufführungen von Gluck's Alceste rief ein\nKritiker dein gelehrten d'Alembert zu : ~Mein Gott, welch scheuss-\nliehe Musik! Wie zerfleischt sie meine Ohren!'4 ~Nun,\" erwiderte\nd'Alembert, „wenn Sie dafür ein Paar andere bekommen, so können\nSie sehr damit zufrieden sein!\""}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "248", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580731-01.1.8", "texte": "Im Wi 1 db a d gab der Prinz Peter von Oldenburg kürzlich eine\nSoiree, worin auch der k. Sänger Herr Form es aus Berlin sich\nhören Hess. Der Künstler hatte seit Ende April das Bad Soden zur\nKräftigung seiner Gesundheit mit bestem Erfolge gebraucht und war\ndann seiner Gattin, der k. Schauspielerin Frau Formes, nach Wild-\nbad gefolgt, wo er in jener fürstlichen Soiree Gelegenheit fand, das\nGerücht von dem angeblichen Verluste seiner Stimme glänzend zu\nwiderlegen. Denn in frischer Volltönigkeit und Anmuth erklang die-\nselbe so mächtig und eindrucksvoll, das ein lang anhaltender Bei-\nfall dem Gesänge des Herrn Formes folgte. Der Künstler wird von\nWildbad aus nach Pesth gehen, um auf dem dortigen deutschen\nTheater jetzt das schon früher von ihm beabsichtigte Gastspiel zu\ngeben.\nM ieil« Das Mozart-Zimmer am Kahlenberge. Am 27.\nJuni d. J. wurde das auf dem Kahlenberge befindliche, durch län-\ngere Zeit geschlossen gewesene Casino, worin das bekannte Mozart-\nZimmer sich befindet, wieder eröffnet. Dieses Mozart-Zimmer das\nfrüher im vernachlässigtsten Zustande sich befand, ist jetzt ganz\nneu hergerichtet. Der Eingang ist durch die Aufschrift „Mozart-\nZimmer 1783\" bemerkbar. Im Innern desselben erblickt man drei\nPortraits: Mozart, Kaiser Joseph und Kaiserin Maria Theresia, dann\nviele Statuetten, als: Mozart, Gluck, Händel, Weber, Beethoven, Do-\nnizetti, Kubens, M. Angelo, van Dyck, Raphael, Tizian, Göthe, Pil-\ngram u. A. Die Möbel sind rococo, wahrscheinlich dem Zeitalter\nvon 1783 gemäss, darunter ein Tischchen, das Mozart selbst benutzt\nhaben soll. Auf diesem Tischchen liegt ein Fremdenbuch.\nRubin stein hat bei Hebbel im Anfange dieses Jahres einen\nOperntext für 800 Fl. bestellt. „Der Text ist nun fertig,\" so\nschreibt die Bohemia —, „aber zu verwenden ist er nicht. Die Sprache\nsoll von einer unglaublichen Härte und Ungefügigkeit sein. Es war\nauch nicht sehr klug, bei einem Poeten von bedeutender Begabung\neinen Operntext zu bestellen. Operntexte gut machen, ist sehr schwie-\nrig; allein es ist dies eine von den Schwierigkeiten, welche kleine\nTalente, die sich leichter bewegen, auch leichter lösen, als grössere\nTalente, die an ihrer Individualität gleichwie an schwerem Geschütz\nzu ziehen und zu schleppen haben. Erstens hält es der Besserbe-\ngabte für seiner unwürdig, und thut es höchstens des Geldes wegen\nnebenbei ab; zweitens ist bewegliches Form-Talent erforderlich, wel-\nches sich bei kleineren Poeten weit öfter findet. In Hebbel's Dich-\ntungen, sowohl in den lyrischen als in den dramatischen, ist gewiss\nManches von vollendet schöner Form; aber das ist nicht die reiz-\nvolle Linie, welche jede Bewegung der reinen Schönheit von selbst,\naus innerer Grazie, ohne Zutliun der Berechnung umschliesst. Heb-\nbel ringt mit dem Stoffe, er handhabt Bimstein und Feile mit grosser\nGewandtheit, und so kommt es wohl bis zur Glätte, nur zur Weich-\nheit kommt es selten oder gar nicht. Hebbel's Verse glänzen oft,\naber sie sind immer hart. Hebbel ist einer der unmusicalischsten\nMenschen, die es gibt; damit hängt der Mangel des lyrischen Bei-\nsatzes in seinen Dramen und das Absein echter Lyrik in der Mehr-\nheit seiner Gedichte innerlich zusammen. Göthe war doch Lyriker,\nund was für Operntexte schrieb er trotzdem? Und nun erst Heb-\nbel! Rubinstein ist trostlos. Er sagt in einem Briefe: „„Wenn die\nErsten so schreiben, was soll man erst von den Letzten erwarten ?\"\"\nDas ist nicht richtig. Prechtler, Mosenthal, Wilhelm Friedrich ha-\nben bereits gute Operntexte geschrieben, ohne unter den Ersten zu\nsein.\""}]}