{"numero_id": "bm-bmtnabi-1858-08-14-01", "volume": "bmtnabi_1858-08-14_01", "ocr_sha256": "acfb7de6705545b3cf39dee3e64543da5208859c9ada4dead11b7adb35f777ef", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1858/08/14_01/bmtnabi_1858-08-14_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580814-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1858-08-14-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-08-14_01#c001", "volume": "bmtnabi_1858-08-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "257", "page_fin": "257", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580814-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "257", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580814-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 479, "texte": "Inhalt.\nCla vierschule Grosse theoretisch-praktische Ciavierschule von Sigmund Lebert und Ludwig Stark. Von L. B. Auf-\nFührungen der breslauischen Sing-Akademie im B'2sten Jahre ihres Bestehens. Von Z Gotthilf Wilhelm Körner (Lebensskizze . Aus\nWien (Italienische Oper Hoffnungen für die deutsche Oper Prüfungs-Concert für die Zöglinge des Conseryatoriums - Sing-Verein\nSing-Akademie). Tages- und Unterhaltungsblatt (Fünftes niederrheinisches Sängerfest in Neuss Fräul. Günther)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-08-14-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-08-14_01#c002", "volume": "bmtnabi_1858-08-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "257", "page_fin": "260", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580814-01.2.2", "titre_corps": "Clavierschule.", "titre_sommaire": "Clavierschule.", "signature_source": "L. 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Um so erfreulicher\nist es, wenn dieser Zweig der Literatur durch ein metho-\ndisches Werk bereichert wird, das man mit Fug und Recht\njedem Lehrer, dem es mit dem Unterrichte Ernst ist, em-\npfehlen kann. Ein solches Werk ist die\nGrosse theoretisch-praktische Ciavierschule\nfür den systematischen Unterricht nach allen Rich-\ntungen des Clavierspiels vom ersten Anfange bis\nzur höchsten Ausbildung, von Sigmund Lebert\n& (sie) Ludwig Stark, Lehrer(n) an der Stutt-\ngarter Musikschule. Mit Beiträgen von Benedikt,\nFaisst, Herzog, Hiller, Krüger, F. Lachner, J.\nLachner, Moscheies und Speidel. I. Theil. X und\n106 S. Fol. Pi ■eis 2 Thlr. 20 Ngr. netto. Dazu\nSupplement (vier- und zweihändige Uebungsstückc)\n72 S. Fol. Preis 2 Thlr. 11. Theil. Uebungen\nund Etüden zu weiterer Vervollkommnung u. s. w.\n2125. Fol. Preis 2 Thlr. 20 Ngr. 111. Theil.\n1. Etüden für die moderne Spielweise. 2. Etüden\nvon den oben genannten Componisten. 116 S.\nFol. Preis 2 Thlr. 20 Ngr. Stuttgart, J. G.\nCotta'scher Verlag. 1858. (Da ein Gesammtpreis\ndes ganzen Werkes nicht angegeben ist, so würde\ner 10 Thlr. netto betragen per Bogen zu\n2a—3i Ngr.)\nDie Herren Verfasser haben ihr Werk vor dem Drucke\nfolgenden deutschen Meistern zur Prüfung vorgelegt: J.\nBenedikt, Dr. J. Faisst, Prof. J. G. Herzog, F. Hiller, F.\nLachner, Ign. Lachner, Vinc. Lachner, C. G. Reissiger, P.\nv. Lindpaintner, Dr. H. Marschner, J. Moscheies, J. 11.\nStuntz, Willi. Taubert und haben die mehr oder we-\nniger ins Einzelne gehenden Antworten dieser Meister, die\nihnen in dem Zeiträume vom Juli 1855 bis Ende 1857\nzugekommen sind und sich zu anerkennenden und ehren-\nvollen Zeugnissen gestalten, abdrucken lassen, um sich da-\ndurch in die musicalische Welt einzuführen. Ihre „Hoff-\nnung, wenigstens als redlich Strebende gastfreundliche\nAufnahme zu finden,\" würde sich bei Kennern durch\ngründliche Durchsicht des Werkes auch ohne diese ge-\nwichtigen Stimmen mehr als erfüllt haben, da nicht nur\nihr Streben, sondern auch das Resultat desselben höchst\nanerkennungswerth ist.\nDas Hauptverdienst dieser neuen Ciavierschule ist\nnicht in dem theoretischen, sondern in dem praktischen\nTheile derselben zu suchen. Jener hat allerdings auch den\nVorzug, dass cc in kurzem, meist bündigem und klarem\nAusdruck sich rein an die Sache hält, und von rhetorischem\nSchwulst eben so fern ist als von kunstphilosophischem\nGeschwätz. Mitunter dürfte jedoch eine etwas ausführli-\nchere Darstellung zu wünschen sein, namentlich für den\nangehenden Lehrer; manche Abschnitte, z. B. Formen-\nlehre, Theorie der Technik erscheinen etwas dürftig\nund überlassen gar Vieles der mündlichen Ergänzung des\nLehrers.\nAllein der methodische Gang in dem praktischen\nTheile, die Beispiele undUebungen von Anfang b!s zu Ende"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "258", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580814-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5392, "texte": "enthaltend, ist höchst zweckmässig, durchdacht und über-\nlegt und mit Verstand und Geschmack ausgeführt. Er\ngibt eine vortreff liche Anleitung zum wahren und gedie-\ngenen Ciavierspiel dadurch, dass der Gesichtspunkt der\nAusbildung zum Vortrag der Compositionen der classi-\nschen Schule consequent festgehalten ist, und das mo-\nderne Pianoforte- oder Pedalspiel, wie man es eigentlich\nnennen sollte, nur dann erst berücksichtigt wird, wenn die\nMeisterschaft in jener Schule als Grundlage alles Ciavier-\nspiels bereits errungen ist. Dieser praktische Theil ist, um\nmit F. Hiller zu reden, „von einer ungemeinen Gründ-\nlichkeit, Vollständigkeit und Folgerichtigkeit\", und eben\nso unterschreiben wir Taubert's Urtheil, wenn er sagt:\n..Dieser Studiengang sichert die gründliche und solide Aus-\nbildung im Clavierspiel, die zur Lösung classischer Aufga-\nben unumgänglich nothwendig ist, und führt auf dieser\nGrundlage zugleich in die moderne Virtuosität ein.\"\nW ir erhalten in diesem Werke eine Schule, die, aus\neiner würdigen Kunst-Anschauung hervorgegangen, die\necht musicalische Heranbildung des Clavierspielers zum\nVirtuosen im edelsten Sinne beabsichtigt und in den Hän-\nden eines gewissenhaften Lehrers auch sicher bewirken\nwird.\nDie Einleitung enthält richtige Ansichten über den\nUnterricht von den ersten Anfängen an, namentlich in Be-\nzug aul die Wahl der vorzulegenden Stücke, bei welcher\nvon Hause aus alles Triviale und Gemeine auszuschliessen\nist. Es werden empfohlen: Bertini Op. 100, Clementi Op.\n38, Diabelii Op. 50, Dussek Op. 20, Hummel 6\nfaciles, Mozart's und Beethoven's Sonatinen und leichtere\nVariationen, j. Lachner 6 Sonatinen, Kuhlau leichte So-\nnaten, Haydn u. s. w.\nWenn die Verfasser bei dem Studium der Sonate den\nhistorischen Weg als den einzig richtigen bezeichnen, so\nkönnen wir ihnen nur im Princip, im Allgemeinen beistim-\nmen, wie sie denn auch selbst in der Anmerkung in so\nweit dem Text widersprechen oder ihn wenigstens modifi-\nciren, als sie sogleich mit Clementi, Havdn und Mozart\nbeginnen. Ausserdem würde ein streng historisches Stu-\ndium, bei dem z. B. Scarlatti, J. S. und K. Ph. E. Bach\ndem Clementi und Haydn u. s. w, vorausgehen würden,\nmethodisch ungehörig sein. Dass zunächst und vor Allem\nbeim Spiel auf das Legate und auf Stärke des Tones ge-\nhalten werden solle, ist sehr richtig; jenes ist die Grund-\nlage des runden, reinlichen Spiels, dieses die nothwendige\nBedingung zum vollen Klang und zu allen Schattirungen\ndes Ausdrucks. Wegen dieser gleich von vorn herein zu\nerzielenden Stärke des Tones ist auch für den Anfänger\ngleich ein gutes Instrument nothwendig, das den Fingern,\nohne sich gerade schwer zu spielen, doch einen gewissen\nWiderstand bietet und einen guten Ton hergibt. Auf\nschlechten Clavicren gewöhnt sich der junge Schüler leicht\nan ein tonloses Hinfahren über die Tasten und an eine\nHudelei, die nachher schwer zu beseitigen ist. Unterricht\nauf stummen Ciavieren oder Ciaviertischen ist vollends\nder Tod aller echt musicalischen Bildung.\nDass die Verfasser zwischen dem Unterricht des Di-\nlettanten und des Clavierspielers von Fach einen Unter-\nschied statuiren, will uns nicht recht gefallen. Was dabei\nin der Natur der Sache liegt, das ergibt sich schon \\on\nselbst; allein wirklich darauf hinzuweisen, dass der Dilet-\ntant nicht so ernster und andauernder Studien bedürfe,\nals der Musiker von Fach, kann zu schädlichen Missver-\nständnissen bei den Lehrern führen, von denen so schon\ngar zu viele es mit dem Unterricht von Dilettanten sehr\nwenig genau nehmen. Unserer Meinung nach muss jeder\nUnterricht in der Kunst von Anfang an das höchste Ziel\nim Auge haben, sonst wird er zur Dressur, die sich für\ndas Thier, nicht für den Menschen passt. Wenn der Di-\nlettant, wie es S. 6 heisst, „auf der Stufe, die er erreicht,\nkunstgerecht ausgebildet sein soll\", so kommt es ja dabei\neben auf den kunstgerechten Unterricht im Anfange an;\ndas Ziel desselben, das heisst hier die Stufe, bis zu wel-\ncher er fortgesetzt werden kann, steckt die Natur, die mu-\nsicalische Anlage von selbst; mit dieser kann der Dilettant\ndurch die Schule ein Künstler, ohne diese der Musiker\naus Vorsatz niemals ein Künstler werden, und wenn er\ntausend Mal anstrengendere mechanische Studien macht,\nals jener.\nBei Anführung der vorzüglichsten Hülfsmittel zur Er-\nlangung einer tüchtigen Technik (S. 6) hätten die Etüden\nvon Aloys Schmitt eine Erwähnung verdient, da sie\nauch von melodischer Seite interessant sind. Eben so ver-\nmissen wir F. Hiiier's rhythmische Studien, die in jeder\nHinsicht zu empfehlen und auch auf verschiedenen Con-\nservatorien, in Paris und in Italien, eingeführt sind.\nDie Ansichten, welche die Verfasser über gemein-\nschaftlichen Unterricht aussprechen, theilen wir ganz\nund gar. Bei dem Zusammenspielen von zehn bis zwölf\nSchülern ist an eine künstlerische Ausbildung der Technik\nnicht zu denken. Aber auch der Gebrauch an manchen\nMusik-Instituten, mehrere Schüler in Einer Stunde zusam-\nmen zu nehmen und jedem derselben eine Viertelstunde\noder gar nur zehn Minuten zu widmen, während deren\ndie anderen zuhören und zusehen, ist eben so unpädago-\ngisch als zweckwidrig zu künstlerischer Vervollkommnung.\nMit Recht heisst es S. 7: „Gemeinschaftlicher Unterricht\nist nur dann erspriesslich, wenn man höchstens drei ziem-\nlich gleich befähigte, auf gleichem Standpunkte des Wis-\nsens und Könnens stehende Zöglinge in Eine Lection von"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "259", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580814-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5267, "texte": "einer Stünde zusammen nimmt. Die Schüler müssen aber\nden gleichen Stoff verarbeiten, d. h. die gleichen tech-\nnischen Uebungen, Etüden oder Musikstücke studiren. Dass\nein solcher Unterricht den unverkennbaren Nutzen alles\ngemeinschaftlichen Unterrichts in sich schliesst, wissen wir\naus eigener Erfahrung u. s. w.\"\nNach einer kurzen Elementarlehre über Noten, Rhvth-\nV\nmus, Tact u. s. w. folgen im I. Theile die Uebungen für\ndie fünf Finger, dann zweistimmige Stücke. Wir wollen\ngleich bemerken, dass alle Uebungen und Stücke Original-\nBeispiele sind, in denen das bisher Gelehrte zu vereinter\nAnwendung kommt; auch ist bei den grösseren Beispielen\nabsichtlich stets der Stil eingehalten, durch welchen sich\ndie betreffende Kunstform charakterisirt.\nHier ist nun das Supplement zum I. Theile einzu-\nschalten, eine ganz vortreffliche Sammlung zunächst von\noriginalen vier- und zweihändigen Uebungs-\nstiieken zur Bildung der Hand, um dieselbe fortschrei-\ntend an den Umfang und die Spannung von fünf, sechs,\nsieben und acht Tönen zu gewöhnen. Discant und Bass\nstehen unter einander. Sie beziehen sich stets auf die\nzweihändigen Beispiele in §. 26 des I. Theiles zurück.\nDer zweite Abschnitt enthält vorbereitende Finger-Uebun-\ngen für den Umfang von sechs Tönen, dann von sieben\nund acht Tönen, worauf wiederum 26 vier händige\nUebungsstücke von nach und nach grösserem Umfange\nfolgen. Ein Anhang enthält vierzig Stücke für zwei\nHände, ebenfalls von dem Umfange von fünf Tönen bis zu\nacht fortschreitend.\nKehren wir hierauf zum I. Theile der Schule zurück,\nso finden wir in §. 27 Uebungen für das Ueber- und Un-\ntersetzen der Finger und in §. 28 die 24 Tonleitern.\nDiese sind vollständig im Discant und Bass durch zwei\nOctaven in weit aus einander stehenden Systemen klar\nund deutlich gedruckt (wie denn überhaupt die Ausstat-\ntung des ganzen Werkes nicht nur schön, sondern glän-\nzend ist); jeder Tonleiter folgt eine Art Präludium, wel-\nches die praktische Anwendung derselben zeigt und ihre\nEinübung interessanter macht.\nDie folgenden Paragraphen enthalten die Regeln und\nBeispiele über das Staccato, Verzierungen (einschliesslich\nvorbereitender Triller-Uebungen), gebrochene Sexten (für\nderen Einschaltung an dieser Stelle wir keinen bestim-\nmenden Grund finden}, zweistimmige Nachahmungen zur\nVorübung für den Vortrag polyphoner Sätze nebst einigen\nzweistimmigen Canons. Den Schluss macht die erste\nv Uebung für das Handgelenk, nämlich in Sexten, Terzen\nund dreistimmigen Accorden, mit Ausnahme der Octaven,\ndie dem späteren Cursus vorbehalten bleiben.\nWir glauben durch diese Uebersicht dem Leser eine\nziemlich deutliche Vorstellung von dem methodischen\nGange dieser neuen Clavierschule gegeben zu haben, und\nkönnen uns nun in dem Folgenden kürzer fassen.\nDie Durchsicht des li. Theiles steigert die Ueberzeu-\ngung von der ungemein sorgfältigen, umfassenden und ge-\nschickten Anordnung der Reihenfolge und Mannigfaltigkeit\nder Studien-Beispiele und von der Trefflichkeit der kurzen\ntheoretischen Anweisungen zur richtigen Ausführung der-\nselben. Er umfasst zunächst die weiteren Uebungen im\nTonleiternspiel (Gegenbewegung im Auf- und Absteigen,\nTerzen und Sexten mit zwei Händen, chromatische Läufe).\nDann Studien von gebrochenen Accorden in allen mögli-\nchen Formen, gebundene Terzen nebst drei Etüden in ge-\nbrochenen Accorden. Hierauf folgt die Lehre und Uebung\nvom Fingersatz und Vortrag polyphoner Sätze, ein vor-\nzüglich gelungener Abschnitt des Werkes, mit dreistimmi-\ngen und zuletzt vierstimmigen Stücken, erst in freier, dann\nin strenger Form, einschliesslich der eigentlichen Fuge, in\nderen Verständniss der Schüler zugleich auf praktische\nWeise eingeführt wird, mit Chorälen und Choral-Variatio-\nnen u. s. w. Der ganze Abschnitt ist auch für den Un-\nterricht im Orgelspiel sehr brauchbar. Eingeschaltet sind\nausführliche Triller-Uebungen. Den Beschluss machen die\nUebungen im scharfen Staccato und wiederholten schnel-\nlen Anschlag, die Octavengänge, gebundene Sext-Accorde\nu. s. w. nebst drei Etüden von Harpeggien.\nDer 111. Theil enthält 37 Etüden, von der Uebung\ndes einfachen Mordents bis zu den schwierigsten Aufgaben\ndes modernen Ciavierspiels, schliessend mit einer Intro-\nduetion, Fuge und Choral im modernen Stil. Diese Etüden\nrepräsentiren theils eine der üblichen Hauptformen, theils\nverfolgen sie einen bestimmten technischen Zweck, oft\nmehrere zugleich, z. B. die beiden ersten, die ausser der\nUebung im einfachen und doppelten (ausgeschriebenen)\nMordent zugleich auf die Egalisirung der Finger berechnet\nsind. Ueberhaupt aber sollen sie auf die moderne Spiel-\nweise vorbereiten, bei welcher natürlich auch die Anwen-\ndung des Pedals in Betracht kommt. Wir finden auch\ndiese Stücke wiederum sehr zwe6kmässig und zugleich\ngrösstenteils interessant componirt; wer sie vollkommen\neingeübt hat, wird sicher mit allem fertig werden, was\nihm unter die Finger kommt.\nAm Schlüsse des Vorworts zu diesem dritten Theile\nwarnen die Verfasser nochmals vor dem zu frühen Ueber-\ngang zur modernen Schule. „Erst wenn C lern enti's Gra-\ndus ad Parnassum, dieses unübertreffliche Univcrsai-\nwerk für das Clavierspiel, nach allen seinen Richtungen\nvöllig durchgearbeitet und zum technischen wie geistigen\nEigenthum geworden ist, wage man diesen Schritt, und"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "260", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580814-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3331, "texte": "möchten wir als vortreffliche Einführung in die moderne\nSchule die charakteristischen Etüden von J. Mo-\nsch el es bezeichnen. Hat der Schüler diese beiden Werke\nhinter sich, erst dann gehe er zu den in unserem Werke\nfolgenden Etüden über; er kann dann allen .ferneren\nSchwierigkeiten bei Henselt, Chopin, Taubert u. s. w.\nruhig entgegentreten.\"\nSo haben wir denn in dieser Clavierschule ein treff-\nliches methodisches Werk, welches eben so sehr der tän-\ndelnden Oberflächlichkeit wie dem geistlosen Mechanismus\ndes Unterrichts entgegentritt, und allen Musikschulen und\nCiavierlehrern aufs beste empfohlen sei. Nur auf diesem\n\"Wege kann der verderblichen Manege-Dressur entgegen\ngearbeitet werden, aus welcher Clavier-Husaren hervor-\ngehen, nicht aber Clavierspieler, die sich zu Jüngern der\nkeuschen Muse der Tonkunst bekennen dürfen. Haben wir\ndoch schon erlebt, dass die Clavierspieler nach Specialitä-\nten taxirt werden, wie Fabricanten von Spitzen oder ähn-\nlichen Luxus-Artikeln; man geht ins Concert von X., um\nseinen Triller, von Y., um seine Octaven, von Z., um seine\nHarpeggien zu bewundern; Musik zu hören, ei, wer wird\ndergleichen veraltete Ansprüche an die Clavier-Virtuosen\nmachen? Und dabei wagen diese Spiel-Maschinen in\nMenschengestalt wohl gar noch Franz Liszt als ihren Vor-\ngänger und Patron aufzustellen! Liszt kann freilich das\nalles auch ausführen, nur ein Bisschen geistvoller und ge-\nnialer; aber er schlägt durch den Vortrag einer einfachen\nBeethoven'schen Sonate, z. B. der in As-dar oder der Pa-\nthetique, alle neueren Hexereien zu Boden. Warum? Weil\ner Musiker, weil er Künstler ist, weil er die Seele der Mu-\nsik, die Melodie, auf unerreichbare Weise aus der Cla-\nviatur herauszaubert, wenn er will und wenn ihn die Stim-\nmung dazu treibt. Und was seine Bravourstücke betrifft,\nso sind wir immer noch der Meinung: Quod licet Jovi,\nnon licet aliis.\n\\\nEin Anhang zum 111. Theile enthält von J. Benedikt\neine Studie für die linke Hand allein, in welcher beson-\nders der melodische Mittelsatz interessant ist; von Imm.\nFaisst eine grosse, klar und tüchtig gearbeitete vierstim-\nmige Doppelfuge in C-moll, 4/4, sechs Seiten Fol.; von J.\nG. Herzog eine einfache Fuge in B-dur; von F. Hiller\nein reizendes Andantino in B-dur mit gebundenem Vor-\ntrag (S. 92 ist auf dem letzten System der 6r-Schlüssel\nvergessen); von Wilh. Krüger ein\nin F-d ur, %, eine Art Triller-Etude mit untergelegter\nMelodie in derselben Hand; von Franz Lachner ein\nbrillantes Präludium; von Ign. Lachner einen Canon;\nvon J. Moscheies eine grosse und schöne Concert-Etude,\nals Op. 126 bezeichnet, in Es-dur, s/$ Taet, deren Haupt-\nEffect in den gebundenen Terzen-Passagen (Allegretto\nquasi Allegro)liegt; endlich von Wilh. Spei del drei\nEtüden (Op. 18); die erste in 3/4,\nrato in Henselt's Manier; die zweite in %,\ndante sostenuto, im Mittelsatz piü mosso, originel und we-\ngen des gebundenen Vortrags der Sexten-Triolen (theils zu\nnicht punktirten Sechszehnteln im Bass) schwierig; die\ndritte eine gewaltige, glänzende und schwungvolle Octa-\nven-Etude in D-moll, 4/4, Allegro con fuoco.\nWir scheiden von dem ganzen Werke mit hoher Ach-\ntung für die Leistungen, der Herren Verfasser. Doch das\nScheiden soll sich nur auf diesen Augenblick beziehen ;\nwir wollen es oft wieder in die Hände nehmen und recht\nVielen in die Hände geben.\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-08-14-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-08-14_01#c003", "volume": "bmtnabi_1858-08-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "260", "page_fin": "262", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580814-01.2.3", "titre_corps": "Aufführungen der breslauischen Sing-Akademie im 32sten Jahre ihres Bestehens.", "titre_sommaire": "Aufführungen der breslauischen Sing-Akademie im 32sten Jahre ihres Bestehens.", "signature_source": "Z", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "260", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580814-01.1.4", "debut_caractere": 3333, "fin_caractere_exclue": 4866, "texte": "Aufführungen der breslauischen Sing-Akademie im\n32sten Jahre ihres Bestehens.\n\n1. Den 29. September 1857, zu Ehren der Phi-\nlologen-Versammlung:\na. Ave regina von Legrenzi. b. Uebers Gebirg Maria\ngeht, und Maria wallt zum Heiligthum von Joh. Eccard.\nc. Bleibe bei uns, Cantate von S. Bach. d. Fürchte dich\nnicht, Motette von S. Bach. e. Scene der Witwe und des\nEli as nebst Chor: „Wohl dem, der den Herrn fürchtet\",\naus Elias von F. Mendelssohn.\n2. Den 22. November 1857 in der Aula Leopoldina\nmit Orchester:\na. Liebster Gott, wann werd' ich sterben, von S. Bach.\nb. Requiem von Cherubini.\n3. Den 19. December 1857, Weihnachts-Auf-\nführung:\na.Choräle: Gelobet seist Du, Jesus Christ! drei Be-\narbeitungen von Fl. L. Hassler, Eccard und S. Bach. Es\nist ein llos' entsprungen, (alter) Choral. Festgesänge von\nEccard. Ave reginavon Legrenzi. b. Messias von Händel,\nTheil I. mit Orchester, nach dem Original mit Orgel.\n4. Den 13. Januar 1858, Trauerfeier:\na.Choräle: Gib dich zufrieden und sei stille (alt);\nIch lag in tiefster Todesnacht, Eccard; Mein Jesu, schmücke\nmich, S. Bach. b. Mich. Bach: Motette: Unser Leben ist ein\nSchalten, c. Cantate: Gottes Zeit, Seb. Bach.\n5. Den 20. März 1858, in der Aula Leopoldina,\nDie sieben Schläfer von C. Löwe.\n6. Den 2. April 1858, am Charfreitage:\na. Oratio Jeremiae Prophetaevon Francesco Durante,\nb. Messias, Theil 11. nach dem Original mit Orgel.\n7. Den 3. Juli 1858, zum Stiftungsfeste:\na. Suite für Orchester von S. Bach; b. der\nMesse von S. Bach zweiter Theil Credo, Sanclus, Agnus,\nDei)."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "261", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580814-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5025, "texte": "Die Sing-Akademie zählt 220 Mitglieder; an den\nUebungen nehmen ausser den wirklichen Mitgliedern noch\n0 Expectanten und 24 Zöglinge des Schullehrer-Seminars\nTheil.\nSoireen der den musicalischen Cirkel für Kammer-\nmusik bildenden Abtheilung der Sing-Akademie.\n1. Am 29. Januar 1858:\na. Vierstimmige Gesänge (gesungen von einem Chor\nvon 45 Sängern): Willkommene lluh', Im Walde von\nVierling; Gute Nacht, Morgen als Lerche von Ferd. Hiller.\nb. Einstimmige Lieder von Kaufmann, Niedermeier, Fesca.\nc. Aus der Oper „Zai'de\" von Mozart: Arie: Trostlos\nschmachtet Philomele; Terzett: 0 selige Wonne; Quar-\ntett: Freundin, stille deine Thränen. d. Joconde, Oper von\nN. Jsouard, Act 1, und Quartett: Wenn uns die Gunst\nder Schönen.\n2. Am 26. Februar 1858:\na. Vierstimmige Gesänge von Mendelssohn: Mailied,\nRuhethal, Herbstlied, Waldvöglein. Einstimmige von\nSchubert, Fesca, Vierling, C. Eckert, Reissiger. c. Chor\nund Scene (Duett) aus Oedipus auf Kolonos von Sacchini.\nd. Scene und Cavatine aus Romeo und Giulietta von Zin-\ngarelli. E.Arie (Non so dir)und Duett ausGe-\nrusalemme Liberata von Righini. f. Quintett (.Empio) aus\nTigranes von Righini. G.Arie aus von Mo-\nzart: Un aura amorosa. Ji.Mignon's von Roh.\nSchumann.\n3. Den 23. April 1858:\na. Vierstimmige Gesänge von Mendelssohn : Morgen-\ngebet, Der erste Frühlingstag (drei Lieder), Jagdlied.\nEinstimmige Lieder von C. Ranck, Dürrner, Hauser, Mer-\nkel. c. Preludes von Chopin, Andante mit Variationen\nvon Schubert für Pianoforte. Arie aus Re\nstore von Mozart (Barbaro, o Dio). c. Erlkönigs Tochter\nvon Niels W. Gade.\nRreslau, den 7. August 1858.\nWenn ich mir erlaube, der geehrten Redaction das\nbeiliegende Verzeichniss der Aufführungen unserer Sing-\nAkademie zur Aufnahme zu überschicken, so geschieht\ndies aus folgendem Grunde. Die Thätigkeit dieses Vereins\nbeschränkt sich grösstentheils auf solche Werke, die we-\nder einem Publicum, das sich bloss mit Musik unterhalten\nwill, gefallen können, noch geeignet sind, von Jedermann\nbesprochen zu werden. Da Mosevius selbst die' Mita-\nrbeitung an musicalischen Zeitschriften, wie es scheint, ganz\naufgegeben hat [das müssten wir sehr bedauern; in jetzi-\nger Zeit, wo die musicalische Schriftstellerei immer mehr\nin unreine Hände geräth und in eben so unwissende als\nanmaassende Rerichtmacherei ausartet, dürfen die nur\nnoch sparsam vorhandenen Veteranen von Kenntniss und\nGesinnung nicht feiern!], und Kahlert sehr schwer, viel-\nleicht unrettbar, erkrankt ist, andere Federn aber sich nur\nfür specielle Zwecke in Bewegung setzen, so fehlt es für\nauswärtige Kreise an jeder Mittheilung, an jedem Zeichen\nvon dem rüstigen Leben und Fortschreiten der einfluss-\nreichen Wirksamkeit der hiesigen Sing-Akademie. Wie\nüberall, so sind auch hier die Kaffee-, Volks- und anderen\nGärten mit Unterhaltungs-Musik überschwemmt; ihre Ver-\ntreter, wie auch das Theater, sorgen dann auch, um Zu-\nlauf zu veranlassen, für Reclamen in Blättern, die sich\ndazu hergeben. Desswegen hielt ich es für eine Pflicht\ngegen die Kunst und deren würdige Pflege, durch einfache\nZusammenstellung der Aufführungen der Sing-Akademie\nvon einem Stiftungsfeste bis zum anderen in einem geach-\nteten Blatte Nachricht von ihrem Leben und Streben zu\ngeben.\nDie „Zukunft\" hat einige Herolde auch hieher postirt\nund macht Propaganda, so viel sie vermag, was ihr, wie\njeder anderen Richtung, gestattet werden muss. Unsere\nStadt mit ihren etwa 130,000 Einwohnern hat Elemente\ngenug zur Pflege der Tonkunst nach allen Richtungen hin\nin sich, und jede findet ihre angemessene Theilnahme. Es\nwäre ja auch seltsam, wenn alle Welt nur für Bach, Hän-\ndel u. s. w. Sinn haben sollte. Allein es sind auch Insti-\ntute erforderlich, deren Zweck ist, diesen Sinn nicht er-\nsterben zu lassen, ihn aufrecht zu halten, fortgesetzt zu\nbeleben, und den Kunstfreunden wie dem werdenden Ge-\nschlechte durch die That zu beweisen, dass die monumen-\ntalen Werke jener Meister einen Kern in sich tragen, der\nsie nie zu blosser Unterhaltungs-Musik geeignet macht,\nwohl aber ihr Verständniss und ihre Darstellung zu einem\nganz anderen Genuss erhebt, als jene gewähren kann. So\nwie jede mit Hingebung gepflegte geistige Thätigkeit ihren\nSegen in sich trägt, so ist auch das erworbene Verständ-\nniss nur eines einzigen bedeutenden Kunstwerkes ein Ge-\ngengift von nie zu vertilgender Kraft wider das ansteckende\nMiasma roher, sinnlicher Genusssucht.\nDurchleben nun solche Kreise auch noch, was frühere\nZeiten für Kammer- und Hausmusik geboten, lernen sie\nim Zusammenhange den Stil verschiedener Gattungen und\nNationen kennen, wird ihnen dabei nicht vorenthalten,\nwas die Gegenwart bringt, so bildet sich dadurch bei ih-\nren Theilnehmern und Zuhörern immer eine Grundlage\neigenen Geschmacks und Urtheils, und die Lüge und die\nso schädliche Nachbeterei wird ihnen fast unmöglich; sie\nwissen dann wenigstens, was sie wollen. Das Gedeihen\neines solchen Kreises inmitten der mannigfachen musicalN\nsehen Bestrebungen vielleicht auch Verirrungen un-»\nsercr Zeit scheint mir desshalb gar sehr erwähnenswerth."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "262", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580814-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 317, "texte": "Vielleicht wird auch Mancher dadurch angeregt, den auf\nIndustrie, Eitelkeit oder Unterhaltung der Menge gestell-\nten Erfolg seines oder eines von ihm technisch geleiteten\nUnternehmens in den Hintergrund zu stellen und dagegen\ndurch Festhaltung der Idee eines Institutes dessen\nerfolgreiche Wirksamkeit zu sichern.\n\nZ."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-08-14-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-08-14_01#c004", "volume": "bmtnabi_1858-08-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "262", "page_fin": "262", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580814-01.2.4", "titre_corps": "Gotthilf Wilhelm Körner.", "titre_sommaire": "Gotthilf Wilhelm Körner.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "262", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580814-01.1.6", "debut_caractere": 319, "fin_caractere_exclue": 5272, "texte": "Gotthilf Wilhelm Körner.\nDieser überaus thätige, als Buch- und Musicalienhänd-\nler, so wie als tüchtiger Organist und Kunstkenner rühm-\nlichst bekannte Mann in Erfurt, wurde geboren am 3. Juni\n1809 zu Teicha, einein Dorfe bei Halle im Saalkreise.\nDen ersten Unterricht im Ciavierspiel empfing er von sei-\nnem würdigen Vater, der als Lehrer und Organist in dem\ngenannten Dorfe lange Zeit thätig war. Den Grund zu sei-\nner höheren Bildung legte er in der Bürgerschule zu\nTreuenbriezen und später in der berühmten Schule des\nvon A. 11. Franke gegründeten Waisenhauses zu Halle.\nUm die Studien eines Volkslehrers zu frequentiren, wandte\ner sich auf das Seminar nach Erfurt. Hier blieb er von\n1831 —1834 und cultivirte namentlich die theoretische\nund praktische Musik, worin die Herren Bach und der be-\nrühmte J. J. Müller seine Lehrer waren. Auch der ver-\ndienstvolle Gebhardi, königlicher Musik-Director und Or-\nganist, zählte ihn unter seine befähigteren Schüler. Als er\nmit den rühmlichsten Zeugnissen aus dem Seminar entlas-\nsen war, wurde er Mitarbeiter an der trefflichen Grüne-\nberg'schen Lehr- und Erziehungs-Anstalt in Merzien bei\nKothen. Bald darauf ernannte ihn der Magistrat zu Hett-\nstädt nach öffentlich abgelegter Probe zum Adjuncten des\ndortigen Organisten und dritten Knabenlehrers Leopold.\nWie es aber nicht selten geht, durch Cabalen verdrängt,\nzog er es vor, einen anderen Lebensweg zu suchen, den\ner auch bald in einer Hauslehrer-Stelle fand. Hier verlebte\ner sehr angenehme und glückliche Tage und hatte auch\nM usse und Gelegenheit genug, seine musicalischen Kennt-\nnisse und Fertigkeiten weiter auszubilden; namentlich ver-\nschaffte ,er sich eine Menge classischer Orgelsachen, deren\nStudium ihn zum gediegenen Organisten ausbildete. Nach\neinem Zeiträume von zwei Jahren verliess Körner diese\nStellung, um sich in Halle einen grösseren Wirkungskreis\nals Musiklehrer zu verschaffen. Seine umfassenden musica-\nlischen Kenntnisse und Fertigkeiten, so wie sein einneh-\nmendes Betragen erwarben ihm schnell eine tüchtige Praxis\nund Eingang in vielen angesehenen Familien. Namentlich\nwar er ein sehr gern gesehener Gast in der Familie des\nBarons de la Motte Fouque. In dieser Stadt suchte sich\nKörner auch tüchtige Kenntnisse im praktischen Instru-\nmenten*Bau und im Buchhandel zu Verschaffen, Im Jahre\n1837 errichtete er eine gleich Anfangs bedeutende musi*\ncalische Leihanstalt, che jetüt die bedeutendste in ganz\nThüringen ist (sie umfasst gegen 20,000 Nummern), Jo*\nhannis 1838 wandte er sich nach Erfurt und gründete\neine eigene Verlags- und Sortiments-Buchhandlung, die\nsich ba!d in nicht geringem Grade zu gedeihlicher Blüthe\nerhob. In Bezug auf das erfurter Musikleben erwarb sich\nKörner viele Verdienste, indem er reisende Künstler mit\ngrosser Liberalität und Sachkenntniss unterstützte. Weil\nseine eigenen Vcrlags-Unternehmungen ihn in nicht gerin-\ngem Grade beschäftigten, so verkaufte er die Sortiments-\nund Antiquariats-Buchhandlung 1854.\nFassen wir nun die Resultate seines bisherigen Wir-\nkens zusammen, abgesehen von seinen Arbeiten als gründ-\nlicher Componist und musicalischer Schriftsteller, so hat\nKörner unstreitig das bedeutende Verdienst, die Orgel-Li-\nteratur, die bisher nur ein Appendix des deutschen Buch-\nhandels war, zu einer selbstständigen Stufe der Entwick-\nlung geführt zu haben. Denn es sind seit einer Reihe von\nJahren bei ihm eine grosse Menge alter und neuer Orgel-\nMusicalien in allen Formen erschienen, die sich in allen\nGegenden, wo die edle Kunst des Orgelspiels gepflegt wird,\nBahn gebrochen haben. Sein erstes grösseres Unternehmen,\ndas einen ungewöhnlichen Anklang fand, war der Orgel-\nfreund in 12 Bänden, ä 1 Thlr. Es ist dies ein Werk,\nin welchem viele unbekannte Arbeiten alter und neuer\nMeister, die vielleicht unbenutzt in den Pulten begraben\ngeblieben wären, ans Licht gezogen wurden.\nZu den vorzüglichsten Unternehmungen seines Verlags\ngehören: Choralbuch von Fischer (Op. 14, in 2 Theilen,\nh 3 Thlr.), herausgegeben von Ritter und Körner.\nTöpfer: Allgem. vierst. Choralbuch nach Rempt, Fischer\nund Hiller, mit kurzen doppelten, vierstimmigen Zwischen-\nspielen. Preis 31/? Thlr.— Dr. Volckmar, Choralbuch zu\ndem neuen deutsch-evangelischen Kirchengesangbuche (mit\nVor- und Zwischenspielen und Schlüssen; die Choräle in\nalter und neuer Form). Preis 1 !/3 Thlr.— Ritter's Kunst\ndes Orgelspiels in 3 Theilen, das in den meisten preussi-\nschen Seminarien eingeführt ist. (1. Kunst des Orgelspiels\n(Theorie); 2. Praktischer Lehrcursus [beide ä 2 Thlr.J;\n3. Lesestücke (enthält classischen Stoff bis zur höchsten\nVollendung). Auch die neuen Gesammt-Ausgaben eines\nBach, Fischer, Krebs, Bachelbel, Buxtehude, Zachau, Hän-\ndel u. s. w. verdienen allseitige Beachtung. Neuerdings hat\ndie Choralbuch-Literatur eine entschiedene Bereicherung\nin den beiden trefflichen Choralwerken von A. G. Ritter\ngefunden (das magdeburger, Op. 28, Preis 2 2/3 Thlr., und\ndas für die Rheinprovinz, Op. 32, 2 Thlr.)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-08-14-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-08-14_01#c005", "volume": "bmtnabi_1858-08-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "263", "page_fin": "264", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580814-01.2.5", "titre_corps": "Aus Wien.", "titre_sommaire": "Aus Wien.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "263", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580814-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7935, "texte": "Aus Wien.\n[ltalienische Oper Hoffnungen für die deutsche Oper Prüfung—\nConcert der Zöglinge des Conservatoriums Sing-Verein\nSing-Akademie.]\nEnde Juli 1858.\nDie geschlossene Stagione der Ttaliäner hat wiederum be-\nwiesen, dass die italienische Oper sich überlebt hat Don Giovanni,\nFigaro's Hochzeit, Cosi fan lulle bildeten mit den besseren Werken\nRossini's den Kern und einzigen Lebensnerv der dreimonatlichen\nOpern-Versuche. Trovatore und Uigoletlo mussten freilich auch noch\nherhalten und befriedigten auch den ungebildeten und verbildeten\nTheil des Publicums; allein etwas Neues der Art konnte nicht auf-\ngetrieben werden. Verdi's Aroldo, Perelli's Cltirissa Hcirlöwe waren\nzwei arge Durchfälle, während Cosi fan tutte die Saison neu und\nfrisch belebte. Wo bleibt also das Walten des italiänischen Elements,\ndas mit so grossen Konten vergeblich heraufbeschworen wird?\nVon den 75 Opern-Abenden fielen 22 auf Verdi (Trovatore 11,\nRigoletto 6, Ernani 3, Aroldo 2); 20 auf Rossini (Barbier 10, Ce-\nnerentola 4, Moses 4, Italienerin in Algier 2); 16 auf Mozart\n(Cosi fan tutte 6, Figaro 5, Don Juan 5); 10 auf Bellini (Nacht-\nwandlerin 5, Norraa 3, Romeo 2); 5 auf Donizetti (Lucrezia 4,\nDon Pasquale 1); 2 auf Perelli (Clarissa 2). Die Herren Ca-\npellmeister Proch, Esser und de Barbieri dirigirten abwech-\nselnd. Im Ganzen wurden 17 Opern von 6 verschiedenen Compo-\nnisten gegeben.\nDer deutschen Opern-Saison sieht man mit grossen Hoffnungen\nentgegen. Eckert's Wirksamkeit kann man, obwohl sie bereits im\nvorigen Winter begann, erst vom Juli 1858 an datiren. Es knüpfen\nsich viele gutgemeinte Wünsche daran; die Zeit muss lehren, was\ndavon erfüllt werden wird und wTerden kann. An der Fähigkeit und\ndem guten Willen des neuen artistischen Leiters des Operntheaters\nist nicht zu zweife'n. Dass Wagner's Lohengrin den Reigen eröffnet,\nist nur in so fern löblich, als es eine Oper eines deutschen Compo-\nnisten ist Hoffentlich wird Marschner's „Hiarne4' ihm wenigstens\nfolgen, wiewohl man noch nicht viel darüber hört. Ob wir Idome-\nneo und Titus, die Vestalin, Templer und Jüdin, Hans Heiling, Che-\nrubini's Medea, Gluck's Armide, die Iphigenien, Orpheus hören wer-\nden, die alle fast so gut wie neu für uns sind, müssen wir abwar-\nten. Alles auf einmal ist freilich nicht möglich zu machen.\nAm 29. Juli fand in dem Saale der Gesellschaft der Musik-\nfreunde die Preis-Vertheilung an die Zöglinge des Conservatoriums\nStatt. Ein Concert ging derselben voraus. Rob. Schumann's Sinfonie\nin D eröffnete es. Sie wurde unter Leitung des Directors Joseph\nHellmesberger mit so viel Präcision und Kraft ausgeführt, als\nman von dem jugendlichen Orchester erwarten konnte. Von den\nSololeistungen der Zöglinge zeichneten sich aus der Vortrag des\nViolin-Concerts von Mendelssohn durch Herrn Leopold Auer und\nder grossen Arie der Nonna durch Fräulein Gabriele Kraasa.\nAuch Fräul. Katharina Bauer zeigte in der Arie aus Fidelio eine\nbesonders in der Höhe recht schöne Stimme; dass aber eine Schü-\nlerin des Conservatoriums die Unart des breiten Herauspressens der\ntieferen Töne schon angenommen hat, spricht eben nicht für die\nRichtigkeit oder Strenge der Methode der Anstalt.\nSehr erfreulich ist es, dass sich in diesem Sommer in Wien end-\nlich wieder Gesang-Vereine für vollständigen Chor gebildet haben,\nder Singverein unter Leitung von Herb eck und die Sing- Ak a-\ndemie unter der Direction von Stegmaier. Beide haben der Ver-\nsuchung nicht widerstehen können, schon einige Wochen nach ihrer\nGründung in die Oefientlichkeit zu treten, was wir aus zwei Grün-\nden für verfrüht halten : erstens wegen Mangels an bereits erlangter\nSicherheit obwohl tüchtiger Kräfte; zweitens weil ein so überstürz-\ntes Auftreten die Eitelkeit mehr befriedigt, als dem Zwecke solcher\nVereine angemessen ist, und nur zu leicht dahin führt, dass man\nmehr für äusseren Prunk als für die Wiedergeburt eines regen Sin-\nnes für die Tonkunst und deren edelste Erzeugnisse arbeitet. Ueber\nbeide Aufführungen spricht sich der kenntnissreiche und tüchtige\nReferent über Kirchenmusik in der wiener Monatschrift folgender\nMaassen aus:\n„Der Singverein unserer „Gesellschaft der Musikfreunde\" hat\nden ersten Schritt in die Oeffentliehkeit mit Palestrina's um .1590\ncomponirter Messe „iste confessor\" gethan. Diese Wahl ist mit nach-\ndrücklichem Lobe zu begrüssen. Die eben genannte Messe war für\nWien eine vollständige Neuheit und ist vom Standpunkte ascetiscben\nKirchenstils eine echte Perle. Im Et incarnatus arbeitet sich das\neinfach hehre Dreiklangs-Gewebe sogar zur Geisteshöhe einer gewis-\nsen Art dramatischen Aufschwungs empor. Dank dem regen Eifer\nund der künstlerischen Intelligenz des Herrn Prof Herbeck, griff\nauch die Darstellung, obgleich Angesichts der kurzen Lebenszeit\ndieses Singvereins etwas verfrüht, namentlich in Bezug auf weihe-\nvolle Betonung der reinen Gefühls- und dramatischen Momente des\nPalestrina'schen Werkes lebendig und ziemlich fest in das Zeug ihier\nschönen Aufgabe ein. Nur im Gloria und ersten Theile des Credo\nverfiel der seinen äussersten Stimmen nach markig und voll, in den\nMittelgegenden jedoch nicht intensiv genug wirkende und selbst der\nAnzahl nach nicht ausreichend besetzte Singchor in den hier leider\ngangläufigen Fehler eines blossen Abthuns jeder Lapidar-Noten, in\nderen Hintergrunde doch meist ein inniges, oft sogar ein g'ühendes\nHerz schlummert. Die Einlagen von Herbeck, Pertinax und Haupt-\nmann, obgleich durchgängig vom Geiste unserer Zeit befruchtet, da-\nher zum Hauptwerke nicht ganz passend, traten theils durch kraft-\nvollen Ausdruck, theils durch feinen Tonfarbenduft in vorteilhaf-\ntem Sinne heraus. Erstgenannte, jedenfalls riihmenswerthe Eigen-\nschaften kommen den Tondichtungen Herbeck's und Pertinax', die\nletztgenannte, nicht minder anregende Seite aber dem wunderinnigen\nBenedictas Hauptmanns vollgültig zu. Nur bedauern wir die äusserst\nverschwommene, von Fehlgriffen aller Art wimmelnde Darstellungs-\nweise dieser Hauptmann'schen Einlage. Möchte bald an dieses Mei-\nsters herrliche Vocalmesse gedacht werden! Bibljw«. that sich als\nmoderner Orgelspieler im Sinne Mendelssohn's bei dieser Gelegenheit\neben so hervor, wie immer. Allein seine fast durchaus chromatisch-\nenharmonischen Accordfolgen waren das grellste Widerspiel zu Pa-\nlestrina's streng diatonisch gehaltener Messe.\n~Die Sing-Akademie hat ebenfalls an die Spitze ihrer Wirk-\nsamkeit den Satz : „Omnia ad majorem Dei gloriam\" gestellt, indem\nauch sie das erste Zeichen ihres öffentlichen Lebens durch die Auf-\nführung einer Messe kund gegeben. Sie ist behutsamer mit ihrem\nProgramm verfahren, als die Herbeck'sche. Ob künstlerischer, wolle\ndahingestellt bleiben. Unsere Ueberzeugung kann diese Frage, wenn\nnicht ganz verneinend, doch nur bedingungsweise zustimmend lösen.\nDenn Friedrich Schneidens Vocalmesse gehört, wie fast alles, was\ndieser in mancher Richtung verdiente Componist geschrieben, jener\nEpoche zwischen Haydn, Mozart und Beethoven an, die mit Recht\nals eine trostlose, vom Götterfunken verlassene, bloss auf die Stützen\ndes handwerksmässig gebahrenden musicalischen Verstandes, oder\nhöchstens auf jene des s. g. Filigrangeschmackes gestellte Periode\nbezeichnet wird. Rechnet man das stimmungswahre Kyrie und den\neinzigen ini Crueifixus durchleuchtenden Geistesblitz eines dramati-\nschen Tonlebens hinweg, so bietet Schneidens Messe nichts als\nlängst eingebürgerten Meistern süddeutschen Kirchenstils geschickt\nabgelauschte, dürre Tonreihen, die nicht einmal klug genug jene\nKlippe zu umschiffen wissen, welche ihnen die allezeit herrschende\nReminiscenzen-Jagdlust entgegenthürmt. Man trifft in diesem Werke\nzu viele alte Bekannte aus Ilaydn-Mozart'scher Zeit, deren Gesichts-\nzügen die erborgte Larve oft gar zu deutlich anzumerken. Schnei-\ndens Werk singt sich übrigens gut und leicht, wie alle Schöpfun-\ngen seiner beiden in ihrer Art grossen Vorbilder. Die für eine ge-\nwisse Hörerschicht klappende Wirkung solcher Musik ist hier wie"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "264", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580814-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 640, "texte": "dort unfehlbar. Die Klänge des dessauer Meisters sind wie jene\ndes erlauchten rohrauer und salzburger Sängerpaares ganz durch-\nweht vom Genius ungeschminktester Natürlichkeit. Die in Rede\nstehende Messe war übrigens bis in den feinsten Zug sorgfältig stu-\ndirt. Es ging wenige Verstösse abgerechnet Alles, wie am\nSchnürchen, im grösstenteils gut getroffenen Zeitmaasse, mit gebüh-\nrendem Wechsel von Licht und Schatten. Man hörte durchaas fri-\nsche, kernige Organe, deren Gesang durch wahre Lust veredelt war.\nRecht wirksam stellten sich Rotter1 s zu diesem Anlasse eigens com-\nponirtc Beigaben, Asperges, Graduale und Offert orium, heraus."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-08-14-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-08-14_01#c006", "volume": "bmtnabi_1858-08-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "264", "page_fin": "264", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580814-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "264", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580814-01.1.8", "debut_caractere": 642, "fin_caractere_exclue": 5164, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nDas fünfte nieder rheinische Sängerfest fand zu\nNeuss am 8. und 9. d. Mts. Statt. Alles, was äussere Einrichtung\nund Anordnung betrifft, war vortrefflich, nicht nur in Betracht der\nVerhältnisse einer Stadt von etwa 11 —1*2,000 Einwohnern, sondern\nganz abgesehen davon. Der Bau und die zweckmässige und ge-\nschmackvolle Einrichtung der neu erbauten Tonhalle, die Lage der-\nselben in den städtischen Garten-Anlagen, die in der nächsten Um-\ngebung des neuen Gebäudes erquickenden Schatten, breite Wege\nund Rasenplätze darboten, auf denen an verschiedenen Punkten Re-\nstaurationen, Wein- und Bierhallen errichtet waren, so dass die\nganze Sorge für das leibliche Wohl ausserhalb des Concertsaales\nbefriedigt werden konnte: das alles macht dem Fest-Comite und\nden städtischen Behörden grosse Ehre.\nDagegen war der Kern des Festes, der musicalische Theil, bei\nWeitem nicht so vorzüglich, als die Hülle. Im Ganzen zeigte der\ngrösste Theil der versammelten Sänger, die übrigens kaum die Hälfte\nder angemeldeten tausend erreichten, eine beklagenswerthe Gleich-\ngültigkeit gegen die künstlerische Bedeutung des Festes. Die Probe\nam Sonntag-Morgen war nur sehr schwach besucht, die Probe am\nMontag konnte mit etwa 20 bis 30 Theilnehmern so gut wie gar\nnicht gehalten werden ! Und dennoch war das Festlocal, d. h. der\nGarten, stets angefüllt mit Sängern, die sich an Wein und Bier und\nan rohen Gesellschafts-Gesängen ergötzten - ja, Einige von ihnen\n«etzten Uorribile dictu! solcherlei Gesänge sogar während der\neigentlichen Concert-Aufführung im Saale auf ihre Weise in der\nfreien Natur vor dem Saale fort! Bei so bewandten Umständen kann\nder niederrheinische Sängerbund nur bestehen, wenn er sich reinigt\nvon so grob unkünstlerischen Elementen.\nDie Herren Dirigenten F. Hartman n aus Neuss und C. Rei-\nneeke aus Barinen waren in Verzweiflung, uud wahrlich es gehörte\nviel Resignation dazu, den Dirigentenstab in Händen zu behalten\nund noch so viel Ausdauer und Hingabe an die Sache zu zeigen,\nwie sie getlian, wodurch denn auch für die Orchestersachen recht\ngute, für die Gesammt-Gesangstücke wenigstens erträgliche Ausfüh-\nrung erzielt wurde. Die letzteren blieben aber weit von präcisem,\nvollends ausdrucksvollem Vortrage fern und wurden im Ganzen\nrauh und roh gesungen, was besonders bei zarten Stücken, wie Mo-\nssart's Ave verum und Kreutzens ~Dir möcht' ich diese Lieder wei-\nhen\", auffiel. Das einzige Gesamrntstück, das einen schönen Eindruck\nmachte, war ein wundervolles Yere languores nostros ipse tulit von\nA. Lotti. Auch bei den Gesängen mit Orchester zeigte es sich, dass\ndie mitwirkenden Vereine die Sachen nicht gewissenhaft studirt hat-\nten ; die Einsätze der Stimmen waren oft ungenau, oft sogar verein-\nzelt, und fast immer matt, wenigstens im Verhältniss zu der Zahl\nder Mitwirkenden. Es mag sein, dass diese Umstände auch die neue\nComposition von Karl Reinecke: Schlachtlied von Klopstock\n(„Mit unserm Arm ist nichts gethan\") für zwei Männerchörc mit\nvollem Orchester nicht ganz zur Geltung kommen Hessen. Sie\nist sehr fleissig und geschickt gearbeitet, Anfangs streng canonisch ;\nob aber diese strenge Form zu einem Schlaehtliede passt, möchten\nwir verneinen. Das Stück hat einzelne Glanzpunkte, lässt aber im\nGanzen den Schwung vermissen, den der geistige Inhalt des Textes\nverlangt.\nDas Orchester, dessen Haupt-Bestandtheil die Laudenbach1-\nsche Regiments-Capelle aus Köln bildete, war hinlänglich besetzt\n(nur freilich wären mehr Violinen zu wünschen gewesen) und be-\nwährte sich ganz gut. Die Ouvertüre von Jul Rietz (in A-dur), von\nHartmann dirigirt, ging vortrefflich, auch die zu den Abenceragen\nvon Cherubini, von Reinecke dirigirt, sehr gut. Dagegen war das\nTempo des Allegro in Rössings Tell-Ouverture zu langsam.\nVon den Gesangstücken hatten die Einzel-Vorträge der Lieder-\ntafel von Neuss (Hart mann), von Crefeld (W ilhe 1 m, dessen Lied\nWaldlust\" eine allerliebste Composition ist) und von Aachen (F r.\nWenig mann) künstlerischen Werth und entschädigten für man-\nches sonst Mangelhafte. Sie erhielten mit Recht, besonders die\nAachener, enthusiastischen Beifall. Der Fürst von Hohenzollern be-\nehrte mit mehreren Mitgliedern des Hofes das Concert mit seiner\nhohen Gegenwart.\n/ . '\nFräulein Günther hat an der königlichen Oper zu Berlin als\nRosine in Rossini's Barbier gastirt und grossen Erfolg gehabt, der\nsich in den entschiedensten Beifallsspenden des Publicums durch\nBlumen und Hervorruf bekundete.\niKUßßsrnmummmmmmammmmmmmmmmmmmmmmmmmmammmmammmmmmaommmmmmmmmmmmmm"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "257", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580814-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nCla vierschule Grosse theoretisch-praktische Ciavierschule von Sigmund Lebert und Ludwig Stark. Von L. B. Auf-\nFührungen der breslauischen Sing-Akademie im B'2sten Jahre ihres Bestehens. Von Z Gotthilf Wilhelm Körner (Lebensskizze . Aus\nWien (Italienische Oper Hoffnungen für die deutsche Oper Prüfungs-Concert für die Zöglinge des Conseryatoriums - Sing-Verein\nSing-Akademie). Tages- und Unterhaltungsblatt (Fünftes niederrheinisches Sängerfest in Neuss Fräul. Günther).\n\nClavierschule.\n\nDer Unterricht im Clavierspiel kann der methodischen\nund praktischen Hülfsmittel kaum zu viel haben, und der\naufmerksame Lehrer findet immerhin in der Flut von An-\nleitungen und Uebungen, welche die musicalische Literatur\njedes Jahr bringt, manches Zweckmässige, zumal wenn\nman bedenkt, dass alle pädagogische Kunst sich hauptsäch-\nlich darauf concentrirt, Eines und dasselbe immer wieder\nin verschiedenen Formen und Wendungen vorzubringen.\nFreilich hat sich bei der ungeheuren Verbreitung des Cla-\nvierspiels die Speculation und die handwerksmässige Fa-\nbrication auch dieses „Artikels\" bemächtigt, der Lieferung\nvon Hülfsmitteln für den Clavier-Unterrieht, und es kommt\ndadurch auch schlechte Waare in den Verkauf, die bei\nden halbgebildeten Clavierlehrern, deren Zahl leider gar\ngross ist, prüfungslose Abnahme findet. Um so erfreulicher\nist es, wenn dieser Zweig der Literatur durch ein metho-\ndisches Werk bereichert wird, das man mit Fug und Recht\njedem Lehrer, dem es mit dem Unterrichte Ernst ist, em-\npfehlen kann. Ein solches Werk ist die\nGrosse theoretisch-praktische Ciavierschule\nfür den systematischen Unterricht nach allen Rich-\ntungen des Clavierspiels vom ersten Anfange bis\nzur höchsten Ausbildung, von Sigmund Lebert\n& (sie) Ludwig Stark, Lehrer(n) an der Stutt-\ngarter Musikschule. Mit Beiträgen von Benedikt,\nFaisst, Herzog, Hiller, Krüger, F. Lachner, J.\nLachner, Moscheies und Speidel. I. Theil. X und\n106 S. Fol. Pi ■eis 2 Thlr. 20 Ngr. netto. Dazu\nSupplement (vier- und zweihändige Uebungsstückc)\n72 S. Fol. Preis 2 Thlr. 11. Theil. Uebungen\nund Etüden zu weiterer Vervollkommnung u. s. w.\n2125. Fol. Preis 2 Thlr. 20 Ngr. 111. Theil.\n1. Etüden für die moderne Spielweise. 2. Etüden\nvon den oben genannten Componisten. 116 S.\nFol. Preis 2 Thlr. 20 Ngr. Stuttgart, J. G.\nCotta'scher Verlag. 1858. (Da ein Gesammtpreis\ndes ganzen Werkes nicht angegeben ist, so würde\ner 10 Thlr. netto betragen per Bogen zu\n2a—3i Ngr.)\nDie Herren Verfasser haben ihr Werk vor dem Drucke\nfolgenden deutschen Meistern zur Prüfung vorgelegt: J.\nBenedikt, Dr. J. Faisst, Prof. J. G. Herzog, F. Hiller, F.\nLachner, Ign. Lachner, Vinc. Lachner, C. G. Reissiger, P.\nv. Lindpaintner, Dr. H. Marschner, J. Moscheies, J. 11.\nStuntz, Willi. Taubert und haben die mehr oder we-\nniger ins Einzelne gehenden Antworten dieser Meister, die\nihnen in dem Zeiträume vom Juli 1855 bis Ende 1857\nzugekommen sind und sich zu anerkennenden und ehren-\nvollen Zeugnissen gestalten, abdrucken lassen, um sich da-\ndurch in die musicalische Welt einzuführen. Ihre „Hoff-\nnung, wenigstens als redlich Strebende gastfreundliche\nAufnahme zu finden,\" würde sich bei Kennern durch\ngründliche Durchsicht des Werkes auch ohne diese ge-\nwichtigen Stimmen mehr als erfüllt haben, da nicht nur\nihr Streben, sondern auch das Resultat desselben höchst\nanerkennungswerth ist.\nDas Hauptverdienst dieser neuen Ciavierschule ist\nnicht in dem theoretischen, sondern in dem praktischen\nTheile derselben zu suchen. Jener hat allerdings auch den\nVorzug, dass cc in kurzem, meist bündigem und klarem\nAusdruck sich rein an die Sache hält, und von rhetorischem\nSchwulst eben so fern ist als von kunstphilosophischem\nGeschwätz. Mitunter dürfte jedoch eine etwas ausführli-\nchere Darstellung zu wünschen sein, namentlich für den\nangehenden Lehrer; manche Abschnitte, z. B. Formen-\nlehre, Theorie der Technik erscheinen etwas dürftig\nund überlassen gar Vieles der mündlichen Ergänzung des\nLehrers.\nAllein der methodische Gang in dem praktischen\nTheile, die Beispiele undUebungen von Anfang b!s zu Ende"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "258", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580814-01.1.2", "texte": "enthaltend, ist höchst zweckmässig, durchdacht und über-\nlegt und mit Verstand und Geschmack ausgeführt. Er\ngibt eine vortreff liche Anleitung zum wahren und gedie-\ngenen Ciavierspiel dadurch, dass der Gesichtspunkt der\nAusbildung zum Vortrag der Compositionen der classi-\nschen Schule consequent festgehalten ist, und das mo-\nderne Pianoforte- oder Pedalspiel, wie man es eigentlich\nnennen sollte, nur dann erst berücksichtigt wird, wenn die\nMeisterschaft in jener Schule als Grundlage alles Ciavier-\nspiels bereits errungen ist. Dieser praktische Theil ist, um\nmit F. Hiller zu reden, „von einer ungemeinen Gründ-\nlichkeit, Vollständigkeit und Folgerichtigkeit\", und eben\nso unterschreiben wir Taubert's Urtheil, wenn er sagt:\n..Dieser Studiengang sichert die gründliche und solide Aus-\nbildung im Clavierspiel, die zur Lösung classischer Aufga-\nben unumgänglich nothwendig ist, und führt auf dieser\nGrundlage zugleich in die moderne Virtuosität ein.\"\nW ir erhalten in diesem Werke eine Schule, die, aus\neiner würdigen Kunst-Anschauung hervorgegangen, die\necht musicalische Heranbildung des Clavierspielers zum\nVirtuosen im edelsten Sinne beabsichtigt und in den Hän-\nden eines gewissenhaften Lehrers auch sicher bewirken\nwird.\nDie Einleitung enthält richtige Ansichten über den\nUnterricht von den ersten Anfängen an, namentlich in Be-\nzug aul die Wahl der vorzulegenden Stücke, bei welcher\nvon Hause aus alles Triviale und Gemeine auszuschliessen\nist. Es werden empfohlen: Bertini Op. 100, Clementi Op.\n38, Diabelii Op. 50, Dussek Op. 20, Hummel 6\nfaciles, Mozart's und Beethoven's Sonatinen und leichtere\nVariationen, j. Lachner 6 Sonatinen, Kuhlau leichte So-\nnaten, Haydn u. s. w.\nWenn die Verfasser bei dem Studium der Sonate den\nhistorischen Weg als den einzig richtigen bezeichnen, so\nkönnen wir ihnen nur im Princip, im Allgemeinen beistim-\nmen, wie sie denn auch selbst in der Anmerkung in so\nweit dem Text widersprechen oder ihn wenigstens modifi-\nciren, als sie sogleich mit Clementi, Havdn und Mozart\nbeginnen. Ausserdem würde ein streng historisches Stu-\ndium, bei dem z. B. Scarlatti, J. S. und K. Ph. E. Bach\ndem Clementi und Haydn u. s. w, vorausgehen würden,\nmethodisch ungehörig sein. Dass zunächst und vor Allem\nbeim Spiel auf das Legate und auf Stärke des Tones ge-\nhalten werden solle, ist sehr richtig; jenes ist die Grund-\nlage des runden, reinlichen Spiels, dieses die nothwendige\nBedingung zum vollen Klang und zu allen Schattirungen\ndes Ausdrucks. Wegen dieser gleich von vorn herein zu\nerzielenden Stärke des Tones ist auch für den Anfänger\ngleich ein gutes Instrument nothwendig, das den Fingern,\nohne sich gerade schwer zu spielen, doch einen gewissen\nWiderstand bietet und einen guten Ton hergibt. Auf\nschlechten Clavicren gewöhnt sich der junge Schüler leicht\nan ein tonloses Hinfahren über die Tasten und an eine\nHudelei, die nachher schwer zu beseitigen ist. Unterricht\nauf stummen Ciavieren oder Ciaviertischen ist vollends\nder Tod aller echt musicalischen Bildung.\nDass die Verfasser zwischen dem Unterricht des Di-\nlettanten und des Clavierspielers von Fach einen Unter-\nschied statuiren, will uns nicht recht gefallen. Was dabei\nin der Natur der Sache liegt, das ergibt sich schon \\on\nselbst; allein wirklich darauf hinzuweisen, dass der Dilet-\ntant nicht so ernster und andauernder Studien bedürfe,\nals der Musiker von Fach, kann zu schädlichen Missver-\nständnissen bei den Lehrern führen, von denen so schon\ngar zu viele es mit dem Unterricht von Dilettanten sehr\nwenig genau nehmen. Unserer Meinung nach muss jeder\nUnterricht in der Kunst von Anfang an das höchste Ziel\nim Auge haben, sonst wird er zur Dressur, die sich für\ndas Thier, nicht für den Menschen passt. Wenn der Di-\nlettant, wie es S. 6 heisst, „auf der Stufe, die er erreicht,\nkunstgerecht ausgebildet sein soll\", so kommt es ja dabei\neben auf den kunstgerechten Unterricht im Anfange an;\ndas Ziel desselben, das heisst hier die Stufe, bis zu wel-\ncher er fortgesetzt werden kann, steckt die Natur, die mu-\nsicalische Anlage von selbst; mit dieser kann der Dilettant\ndurch die Schule ein Künstler, ohne diese der Musiker\naus Vorsatz niemals ein Künstler werden, und wenn er\ntausend Mal anstrengendere mechanische Studien macht,\nals jener.\nBei Anführung der vorzüglichsten Hülfsmittel zur Er-\nlangung einer tüchtigen Technik (S. 6) hätten die Etüden\nvon Aloys Schmitt eine Erwähnung verdient, da sie\nauch von melodischer Seite interessant sind. Eben so ver-\nmissen wir F. Hiiier's rhythmische Studien, die in jeder\nHinsicht zu empfehlen und auch auf verschiedenen Con-\nservatorien, in Paris und in Italien, eingeführt sind.\nDie Ansichten, welche die Verfasser über gemein-\nschaftlichen Unterricht aussprechen, theilen wir ganz\nund gar. Bei dem Zusammenspielen von zehn bis zwölf\nSchülern ist an eine künstlerische Ausbildung der Technik\nnicht zu denken. Aber auch der Gebrauch an manchen\nMusik-Instituten, mehrere Schüler in Einer Stunde zusam-\nmen zu nehmen und jedem derselben eine Viertelstunde\noder gar nur zehn Minuten zu widmen, während deren\ndie anderen zuhören und zusehen, ist eben so unpädago-\ngisch als zweckwidrig zu künstlerischer Vervollkommnung.\nMit Recht heisst es S. 7: „Gemeinschaftlicher Unterricht\nist nur dann erspriesslich, wenn man höchstens drei ziem-\nlich gleich befähigte, auf gleichem Standpunkte des Wis-\nsens und Könnens stehende Zöglinge in Eine Lection von"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "259", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580814-01.1.3", "texte": "einer Stünde zusammen nimmt. Die Schüler müssen aber\nden gleichen Stoff verarbeiten, d. h. die gleichen tech-\nnischen Uebungen, Etüden oder Musikstücke studiren. Dass\nein solcher Unterricht den unverkennbaren Nutzen alles\ngemeinschaftlichen Unterrichts in sich schliesst, wissen wir\naus eigener Erfahrung u. s. w.\"\nNach einer kurzen Elementarlehre über Noten, Rhvth-\nV\nmus, Tact u. s. w. folgen im I. Theile die Uebungen für\ndie fünf Finger, dann zweistimmige Stücke. Wir wollen\ngleich bemerken, dass alle Uebungen und Stücke Original-\nBeispiele sind, in denen das bisher Gelehrte zu vereinter\nAnwendung kommt; auch ist bei den grösseren Beispielen\nabsichtlich stets der Stil eingehalten, durch welchen sich\ndie betreffende Kunstform charakterisirt.\nHier ist nun das Supplement zum I. Theile einzu-\nschalten, eine ganz vortreffliche Sammlung zunächst von\noriginalen vier- und zweihändigen Uebungs-\nstiieken zur Bildung der Hand, um dieselbe fortschrei-\ntend an den Umfang und die Spannung von fünf, sechs,\nsieben und acht Tönen zu gewöhnen. Discant und Bass\nstehen unter einander. Sie beziehen sich stets auf die\nzweihändigen Beispiele in §. 26 des I. Theiles zurück.\nDer zweite Abschnitt enthält vorbereitende Finger-Uebun-\ngen für den Umfang von sechs Tönen, dann von sieben\nund acht Tönen, worauf wiederum 26 vier händige\nUebungsstücke von nach und nach grösserem Umfange\nfolgen. Ein Anhang enthält vierzig Stücke für zwei\nHände, ebenfalls von dem Umfange von fünf Tönen bis zu\nacht fortschreitend.\nKehren wir hierauf zum I. Theile der Schule zurück,\nso finden wir in §. 27 Uebungen für das Ueber- und Un-\ntersetzen der Finger und in §. 28 die 24 Tonleitern.\nDiese sind vollständig im Discant und Bass durch zwei\nOctaven in weit aus einander stehenden Systemen klar\nund deutlich gedruckt (wie denn überhaupt die Ausstat-\ntung des ganzen Werkes nicht nur schön, sondern glän-\nzend ist); jeder Tonleiter folgt eine Art Präludium, wel-\nches die praktische Anwendung derselben zeigt und ihre\nEinübung interessanter macht.\nDie folgenden Paragraphen enthalten die Regeln und\nBeispiele über das Staccato, Verzierungen (einschliesslich\nvorbereitender Triller-Uebungen), gebrochene Sexten (für\nderen Einschaltung an dieser Stelle wir keinen bestim-\nmenden Grund finden}, zweistimmige Nachahmungen zur\nVorübung für den Vortrag polyphoner Sätze nebst einigen\nzweistimmigen Canons. Den Schluss macht die erste\nv Uebung für das Handgelenk, nämlich in Sexten, Terzen\nund dreistimmigen Accorden, mit Ausnahme der Octaven,\ndie dem späteren Cursus vorbehalten bleiben.\nWir glauben durch diese Uebersicht dem Leser eine\nziemlich deutliche Vorstellung von dem methodischen\nGange dieser neuen Clavierschule gegeben zu haben, und\nkönnen uns nun in dem Folgenden kürzer fassen.\nDie Durchsicht des li. Theiles steigert die Ueberzeu-\ngung von der ungemein sorgfältigen, umfassenden und ge-\nschickten Anordnung der Reihenfolge und Mannigfaltigkeit\nder Studien-Beispiele und von der Trefflichkeit der kurzen\ntheoretischen Anweisungen zur richtigen Ausführung der-\nselben. Er umfasst zunächst die weiteren Uebungen im\nTonleiternspiel (Gegenbewegung im Auf- und Absteigen,\nTerzen und Sexten mit zwei Händen, chromatische Läufe).\nDann Studien von gebrochenen Accorden in allen mögli-\nchen Formen, gebundene Terzen nebst drei Etüden in ge-\nbrochenen Accorden. Hierauf folgt die Lehre und Uebung\nvom Fingersatz und Vortrag polyphoner Sätze, ein vor-\nzüglich gelungener Abschnitt des Werkes, mit dreistimmi-\ngen und zuletzt vierstimmigen Stücken, erst in freier, dann\nin strenger Form, einschliesslich der eigentlichen Fuge, in\nderen Verständniss der Schüler zugleich auf praktische\nWeise eingeführt wird, mit Chorälen und Choral-Variatio-\nnen u. s. w. Der ganze Abschnitt ist auch für den Un-\nterricht im Orgelspiel sehr brauchbar. Eingeschaltet sind\nausführliche Triller-Uebungen. Den Beschluss machen die\nUebungen im scharfen Staccato und wiederholten schnel-\nlen Anschlag, die Octavengänge, gebundene Sext-Accorde\nu. s. w. nebst drei Etüden von Harpeggien.\nDer 111. Theil enthält 37 Etüden, von der Uebung\ndes einfachen Mordents bis zu den schwierigsten Aufgaben\ndes modernen Ciavierspiels, schliessend mit einer Intro-\nduetion, Fuge und Choral im modernen Stil. Diese Etüden\nrepräsentiren theils eine der üblichen Hauptformen, theils\nverfolgen sie einen bestimmten technischen Zweck, oft\nmehrere zugleich, z. B. die beiden ersten, die ausser der\nUebung im einfachen und doppelten (ausgeschriebenen)\nMordent zugleich auf die Egalisirung der Finger berechnet\nsind. Ueberhaupt aber sollen sie auf die moderne Spiel-\nweise vorbereiten, bei welcher natürlich auch die Anwen-\ndung des Pedals in Betracht kommt. Wir finden auch\ndiese Stücke wiederum sehr zwe6kmässig und zugleich\ngrösstenteils interessant componirt; wer sie vollkommen\neingeübt hat, wird sicher mit allem fertig werden, was\nihm unter die Finger kommt.\nAm Schlüsse des Vorworts zu diesem dritten Theile\nwarnen die Verfasser nochmals vor dem zu frühen Ueber-\ngang zur modernen Schule. „Erst wenn C lern enti's Gra-\ndus ad Parnassum, dieses unübertreffliche Univcrsai-\nwerk für das Clavierspiel, nach allen seinen Richtungen\nvöllig durchgearbeitet und zum technischen wie geistigen\nEigenthum geworden ist, wage man diesen Schritt, und"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "260", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580814-01.1.4", "texte": "möchten wir als vortreffliche Einführung in die moderne\nSchule die charakteristischen Etüden von J. Mo-\nsch el es bezeichnen. Hat der Schüler diese beiden Werke\nhinter sich, erst dann gehe er zu den in unserem Werke\nfolgenden Etüden über; er kann dann allen .ferneren\nSchwierigkeiten bei Henselt, Chopin, Taubert u. s. w.\nruhig entgegentreten.\"\nSo haben wir denn in dieser Clavierschule ein treff-\nliches methodisches Werk, welches eben so sehr der tän-\ndelnden Oberflächlichkeit wie dem geistlosen Mechanismus\ndes Unterrichts entgegentritt, und allen Musikschulen und\nCiavierlehrern aufs beste empfohlen sei. Nur auf diesem\n\"Wege kann der verderblichen Manege-Dressur entgegen\ngearbeitet werden, aus welcher Clavier-Husaren hervor-\ngehen, nicht aber Clavierspieler, die sich zu Jüngern der\nkeuschen Muse der Tonkunst bekennen dürfen. Haben wir\ndoch schon erlebt, dass die Clavierspieler nach Specialitä-\nten taxirt werden, wie Fabricanten von Spitzen oder ähn-\nlichen Luxus-Artikeln; man geht ins Concert von X., um\nseinen Triller, von Y., um seine Octaven, von Z., um seine\nHarpeggien zu bewundern; Musik zu hören, ei, wer wird\ndergleichen veraltete Ansprüche an die Clavier-Virtuosen\nmachen? Und dabei wagen diese Spiel-Maschinen in\nMenschengestalt wohl gar noch Franz Liszt als ihren Vor-\ngänger und Patron aufzustellen! Liszt kann freilich das\nalles auch ausführen, nur ein Bisschen geistvoller und ge-\nnialer; aber er schlägt durch den Vortrag einer einfachen\nBeethoven'schen Sonate, z. B. der in As-dar oder der Pa-\nthetique, alle neueren Hexereien zu Boden. Warum? Weil\ner Musiker, weil er Künstler ist, weil er die Seele der Mu-\nsik, die Melodie, auf unerreichbare Weise aus der Cla-\nviatur herauszaubert, wenn er will und wenn ihn die Stim-\nmung dazu treibt. Und was seine Bravourstücke betrifft,\nso sind wir immer noch der Meinung: Quod licet Jovi,\nnon licet aliis.\n\\\nEin Anhang zum 111. Theile enthält von J. Benedikt\neine Studie für die linke Hand allein, in welcher beson-\nders der melodische Mittelsatz interessant ist; von Imm.\nFaisst eine grosse, klar und tüchtig gearbeitete vierstim-\nmige Doppelfuge in C-moll, 4/4, sechs Seiten Fol.; von J.\nG. Herzog eine einfache Fuge in B-dur; von F. Hiller\nein reizendes Andantino in B-dur mit gebundenem Vor-\ntrag (S. 92 ist auf dem letzten System der 6r-Schlüssel\nvergessen); von Wilh. Krüger ein\nin F-d ur, %, eine Art Triller-Etude mit untergelegter\nMelodie in derselben Hand; von Franz Lachner ein\nbrillantes Präludium; von Ign. Lachner einen Canon;\nvon J. Moscheies eine grosse und schöne Concert-Etude,\nals Op. 126 bezeichnet, in Es-dur, s/$ Taet, deren Haupt-\nEffect in den gebundenen Terzen-Passagen (Allegretto\nquasi Allegro)liegt; endlich von Wilh. Spei del drei\nEtüden (Op. 18); die erste in 3/4,\nrato in Henselt's Manier; die zweite in %,\ndante sostenuto, im Mittelsatz piü mosso, originel und we-\ngen des gebundenen Vortrags der Sexten-Triolen (theils zu\nnicht punktirten Sechszehnteln im Bass) schwierig; die\ndritte eine gewaltige, glänzende und schwungvolle Octa-\nven-Etude in D-moll, 4/4, Allegro con fuoco.\nWir scheiden von dem ganzen Werke mit hoher Ach-\ntung für die Leistungen, der Herren Verfasser. Doch das\nScheiden soll sich nur auf diesen Augenblick beziehen ;\nwir wollen es oft wieder in die Hände nehmen und recht\nVielen in die Hände geben.\n\nL. B.\n\nAufführungen der breslauischen Sing-Akademie im\n32sten Jahre ihres Bestehens.\n\n1. Den 29. September 1857, zu Ehren der Phi-\nlologen-Versammlung:\na. Ave regina von Legrenzi. b. Uebers Gebirg Maria\ngeht, und Maria wallt zum Heiligthum von Joh. Eccard.\nc. Bleibe bei uns, Cantate von S. Bach. d. Fürchte dich\nnicht, Motette von S. Bach. e. Scene der Witwe und des\nEli as nebst Chor: „Wohl dem, der den Herrn fürchtet\",\naus Elias von F. Mendelssohn.\n2. Den 22. November 1857 in der Aula Leopoldina\nmit Orchester:\na. Liebster Gott, wann werd' ich sterben, von S. Bach.\nb. Requiem von Cherubini.\n3. Den 19. December 1857, Weihnachts-Auf-\nführung:\na.Choräle: Gelobet seist Du, Jesus Christ! drei Be-\narbeitungen von Fl. L. Hassler, Eccard und S. Bach. Es\nist ein llos' entsprungen, (alter) Choral. Festgesänge von\nEccard. Ave reginavon Legrenzi. b. Messias von Händel,\nTheil I. mit Orchester, nach dem Original mit Orgel.\n4. Den 13. Januar 1858, Trauerfeier:\na.Choräle: Gib dich zufrieden und sei stille (alt);\nIch lag in tiefster Todesnacht, Eccard; Mein Jesu, schmücke\nmich, S. Bach. b. Mich. Bach: Motette: Unser Leben ist ein\nSchalten, c. Cantate: Gottes Zeit, Seb. Bach.\n5. Den 20. März 1858, in der Aula Leopoldina,\nDie sieben Schläfer von C. Löwe.\n6. Den 2. April 1858, am Charfreitage:\na. Oratio Jeremiae Prophetaevon Francesco Durante,\nb. Messias, Theil 11. nach dem Original mit Orgel.\n7. Den 3. Juli 1858, zum Stiftungsfeste:\na. Suite für Orchester von S. Bach; b. der\nMesse von S. Bach zweiter Theil Credo, Sanclus, Agnus,\nDei)."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "261", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580814-01.1.5", "texte": "Die Sing-Akademie zählt 220 Mitglieder; an den\nUebungen nehmen ausser den wirklichen Mitgliedern noch\n0 Expectanten und 24 Zöglinge des Schullehrer-Seminars\nTheil.\nSoireen der den musicalischen Cirkel für Kammer-\nmusik bildenden Abtheilung der Sing-Akademie.\n1. Am 29. Januar 1858:\na. Vierstimmige Gesänge (gesungen von einem Chor\nvon 45 Sängern): Willkommene lluh', Im Walde von\nVierling; Gute Nacht, Morgen als Lerche von Ferd. Hiller.\nb. Einstimmige Lieder von Kaufmann, Niedermeier, Fesca.\nc. Aus der Oper „Zai'de\" von Mozart: Arie: Trostlos\nschmachtet Philomele; Terzett: 0 selige Wonne; Quar-\ntett: Freundin, stille deine Thränen. d. Joconde, Oper von\nN. Jsouard, Act 1, und Quartett: Wenn uns die Gunst\nder Schönen.\n2. Am 26. Februar 1858:\na. Vierstimmige Gesänge von Mendelssohn: Mailied,\nRuhethal, Herbstlied, Waldvöglein. Einstimmige von\nSchubert, Fesca, Vierling, C. Eckert, Reissiger. c. Chor\nund Scene (Duett) aus Oedipus auf Kolonos von Sacchini.\nd. Scene und Cavatine aus Romeo und Giulietta von Zin-\ngarelli. E.Arie (Non so dir)und Duett ausGe-\nrusalemme Liberata von Righini. f. Quintett (.Empio) aus\nTigranes von Righini. G.Arie aus von Mo-\nzart: Un aura amorosa. Ji.Mignon's von Roh.\nSchumann.\n3. Den 23. April 1858:\na. Vierstimmige Gesänge von Mendelssohn : Morgen-\ngebet, Der erste Frühlingstag (drei Lieder), Jagdlied.\nEinstimmige Lieder von C. Ranck, Dürrner, Hauser, Mer-\nkel. c. Preludes von Chopin, Andante mit Variationen\nvon Schubert für Pianoforte. Arie aus Re\nstore von Mozart (Barbaro, o Dio). c. Erlkönigs Tochter\nvon Niels W. Gade.\nRreslau, den 7. August 1858.\nWenn ich mir erlaube, der geehrten Redaction das\nbeiliegende Verzeichniss der Aufführungen unserer Sing-\nAkademie zur Aufnahme zu überschicken, so geschieht\ndies aus folgendem Grunde. Die Thätigkeit dieses Vereins\nbeschränkt sich grösstentheils auf solche Werke, die we-\nder einem Publicum, das sich bloss mit Musik unterhalten\nwill, gefallen können, noch geeignet sind, von Jedermann\nbesprochen zu werden. Da Mosevius selbst die' Mita-\nrbeitung an musicalischen Zeitschriften, wie es scheint, ganz\naufgegeben hat [das müssten wir sehr bedauern; in jetzi-\nger Zeit, wo die musicalische Schriftstellerei immer mehr\nin unreine Hände geräth und in eben so unwissende als\nanmaassende Rerichtmacherei ausartet, dürfen die nur\nnoch sparsam vorhandenen Veteranen von Kenntniss und\nGesinnung nicht feiern!], und Kahlert sehr schwer, viel-\nleicht unrettbar, erkrankt ist, andere Federn aber sich nur\nfür specielle Zwecke in Bewegung setzen, so fehlt es für\nauswärtige Kreise an jeder Mittheilung, an jedem Zeichen\nvon dem rüstigen Leben und Fortschreiten der einfluss-\nreichen Wirksamkeit der hiesigen Sing-Akademie. Wie\nüberall, so sind auch hier die Kaffee-, Volks- und anderen\nGärten mit Unterhaltungs-Musik überschwemmt; ihre Ver-\ntreter, wie auch das Theater, sorgen dann auch, um Zu-\nlauf zu veranlassen, für Reclamen in Blättern, die sich\ndazu hergeben. Desswegen hielt ich es für eine Pflicht\ngegen die Kunst und deren würdige Pflege, durch einfache\nZusammenstellung der Aufführungen der Sing-Akademie\nvon einem Stiftungsfeste bis zum anderen in einem geach-\nteten Blatte Nachricht von ihrem Leben und Streben zu\ngeben.\nDie „Zukunft\" hat einige Herolde auch hieher postirt\nund macht Propaganda, so viel sie vermag, was ihr, wie\njeder anderen Richtung, gestattet werden muss. Unsere\nStadt mit ihren etwa 130,000 Einwohnern hat Elemente\ngenug zur Pflege der Tonkunst nach allen Richtungen hin\nin sich, und jede findet ihre angemessene Theilnahme. Es\nwäre ja auch seltsam, wenn alle Welt nur für Bach, Hän-\ndel u. s. w. Sinn haben sollte. Allein es sind auch Insti-\ntute erforderlich, deren Zweck ist, diesen Sinn nicht er-\nsterben zu lassen, ihn aufrecht zu halten, fortgesetzt zu\nbeleben, und den Kunstfreunden wie dem werdenden Ge-\nschlechte durch die That zu beweisen, dass die monumen-\ntalen Werke jener Meister einen Kern in sich tragen, der\nsie nie zu blosser Unterhaltungs-Musik geeignet macht,\nwohl aber ihr Verständniss und ihre Darstellung zu einem\nganz anderen Genuss erhebt, als jene gewähren kann. So\nwie jede mit Hingebung gepflegte geistige Thätigkeit ihren\nSegen in sich trägt, so ist auch das erworbene Verständ-\nniss nur eines einzigen bedeutenden Kunstwerkes ein Ge-\ngengift von nie zu vertilgender Kraft wider das ansteckende\nMiasma roher, sinnlicher Genusssucht.\nDurchleben nun solche Kreise auch noch, was frühere\nZeiten für Kammer- und Hausmusik geboten, lernen sie\nim Zusammenhange den Stil verschiedener Gattungen und\nNationen kennen, wird ihnen dabei nicht vorenthalten,\nwas die Gegenwart bringt, so bildet sich dadurch bei ih-\nren Theilnehmern und Zuhörern immer eine Grundlage\neigenen Geschmacks und Urtheils, und die Lüge und die\nso schädliche Nachbeterei wird ihnen fast unmöglich; sie\nwissen dann wenigstens, was sie wollen. Das Gedeihen\neines solchen Kreises inmitten der mannigfachen musicalN\nsehen Bestrebungen vielleicht auch Verirrungen un-»\nsercr Zeit scheint mir desshalb gar sehr erwähnenswerth."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "262", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580814-01.1.6", "texte": "Vielleicht wird auch Mancher dadurch angeregt, den auf\nIndustrie, Eitelkeit oder Unterhaltung der Menge gestell-\nten Erfolg seines oder eines von ihm technisch geleiteten\nUnternehmens in den Hintergrund zu stellen und dagegen\ndurch Festhaltung der Idee eines Institutes dessen\nerfolgreiche Wirksamkeit zu sichern.\n\nZ.\n\nGotthilf Wilhelm Körner.\nDieser überaus thätige, als Buch- und Musicalienhänd-\nler, so wie als tüchtiger Organist und Kunstkenner rühm-\nlichst bekannte Mann in Erfurt, wurde geboren am 3. Juni\n1809 zu Teicha, einein Dorfe bei Halle im Saalkreise.\nDen ersten Unterricht im Ciavierspiel empfing er von sei-\nnem würdigen Vater, der als Lehrer und Organist in dem\ngenannten Dorfe lange Zeit thätig war. Den Grund zu sei-\nner höheren Bildung legte er in der Bürgerschule zu\nTreuenbriezen und später in der berühmten Schule des\nvon A. 11. Franke gegründeten Waisenhauses zu Halle.\nUm die Studien eines Volkslehrers zu frequentiren, wandte\ner sich auf das Seminar nach Erfurt. Hier blieb er von\n1831 —1834 und cultivirte namentlich die theoretische\nund praktische Musik, worin die Herren Bach und der be-\nrühmte J. J. Müller seine Lehrer waren. Auch der ver-\ndienstvolle Gebhardi, königlicher Musik-Director und Or-\nganist, zählte ihn unter seine befähigteren Schüler. Als er\nmit den rühmlichsten Zeugnissen aus dem Seminar entlas-\nsen war, wurde er Mitarbeiter an der trefflichen Grüne-\nberg'schen Lehr- und Erziehungs-Anstalt in Merzien bei\nKothen. Bald darauf ernannte ihn der Magistrat zu Hett-\nstädt nach öffentlich abgelegter Probe zum Adjuncten des\ndortigen Organisten und dritten Knabenlehrers Leopold.\nWie es aber nicht selten geht, durch Cabalen verdrängt,\nzog er es vor, einen anderen Lebensweg zu suchen, den\ner auch bald in einer Hauslehrer-Stelle fand. Hier verlebte\ner sehr angenehme und glückliche Tage und hatte auch\nM usse und Gelegenheit genug, seine musicalischen Kennt-\nnisse und Fertigkeiten weiter auszubilden; namentlich ver-\nschaffte ,er sich eine Menge classischer Orgelsachen, deren\nStudium ihn zum gediegenen Organisten ausbildete. Nach\neinem Zeiträume von zwei Jahren verliess Körner diese\nStellung, um sich in Halle einen grösseren Wirkungskreis\nals Musiklehrer zu verschaffen. Seine umfassenden musica-\nlischen Kenntnisse und Fertigkeiten, so wie sein einneh-\nmendes Betragen erwarben ihm schnell eine tüchtige Praxis\nund Eingang in vielen angesehenen Familien. Namentlich\nwar er ein sehr gern gesehener Gast in der Familie des\nBarons de la Motte Fouque. In dieser Stadt suchte sich\nKörner auch tüchtige Kenntnisse im praktischen Instru-\nmenten*Bau und im Buchhandel zu Verschaffen, Im Jahre\n1837 errichtete er eine gleich Anfangs bedeutende musi*\ncalische Leihanstalt, che jetüt die bedeutendste in ganz\nThüringen ist (sie umfasst gegen 20,000 Nummern), Jo*\nhannis 1838 wandte er sich nach Erfurt und gründete\neine eigene Verlags- und Sortiments-Buchhandlung, die\nsich ba!d in nicht geringem Grade zu gedeihlicher Blüthe\nerhob. In Bezug auf das erfurter Musikleben erwarb sich\nKörner viele Verdienste, indem er reisende Künstler mit\ngrosser Liberalität und Sachkenntniss unterstützte. Weil\nseine eigenen Vcrlags-Unternehmungen ihn in nicht gerin-\ngem Grade beschäftigten, so verkaufte er die Sortiments-\nund Antiquariats-Buchhandlung 1854.\nFassen wir nun die Resultate seines bisherigen Wir-\nkens zusammen, abgesehen von seinen Arbeiten als gründ-\nlicher Componist und musicalischer Schriftsteller, so hat\nKörner unstreitig das bedeutende Verdienst, die Orgel-Li-\nteratur, die bisher nur ein Appendix des deutschen Buch-\nhandels war, zu einer selbstständigen Stufe der Entwick-\nlung geführt zu haben. Denn es sind seit einer Reihe von\nJahren bei ihm eine grosse Menge alter und neuer Orgel-\nMusicalien in allen Formen erschienen, die sich in allen\nGegenden, wo die edle Kunst des Orgelspiels gepflegt wird,\nBahn gebrochen haben. Sein erstes grösseres Unternehmen,\ndas einen ungewöhnlichen Anklang fand, war der Orgel-\nfreund in 12 Bänden, ä 1 Thlr. Es ist dies ein Werk,\nin welchem viele unbekannte Arbeiten alter und neuer\nMeister, die vielleicht unbenutzt in den Pulten begraben\ngeblieben wären, ans Licht gezogen wurden.\nZu den vorzüglichsten Unternehmungen seines Verlags\ngehören: Choralbuch von Fischer (Op. 14, in 2 Theilen,\nh 3 Thlr.), herausgegeben von Ritter und Körner.\nTöpfer: Allgem. vierst. Choralbuch nach Rempt, Fischer\nund Hiller, mit kurzen doppelten, vierstimmigen Zwischen-\nspielen. Preis 31/? Thlr.— Dr. Volckmar, Choralbuch zu\ndem neuen deutsch-evangelischen Kirchengesangbuche (mit\nVor- und Zwischenspielen und Schlüssen; die Choräle in\nalter und neuer Form). Preis 1 !/3 Thlr.— Ritter's Kunst\ndes Orgelspiels in 3 Theilen, das in den meisten preussi-\nschen Seminarien eingeführt ist. (1. Kunst des Orgelspiels\n(Theorie); 2. Praktischer Lehrcursus [beide ä 2 Thlr.J;\n3. Lesestücke (enthält classischen Stoff bis zur höchsten\nVollendung). Auch die neuen Gesammt-Ausgaben eines\nBach, Fischer, Krebs, Bachelbel, Buxtehude, Zachau, Hän-\ndel u. s. w. verdienen allseitige Beachtung. Neuerdings hat\ndie Choralbuch-Literatur eine entschiedene Bereicherung\nin den beiden trefflichen Choralwerken von A. G. Ritter\ngefunden (das magdeburger, Op. 28, Preis 2 2/3 Thlr., und\ndas für die Rheinprovinz, Op. 32, 2 Thlr.)."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "263", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580814-01.1.7", "texte": "Aus Wien.\n[ltalienische Oper Hoffnungen für die deutsche Oper Prüfung—\nConcert der Zöglinge des Conservatoriums Sing-Verein\nSing-Akademie.]\nEnde Juli 1858.\nDie geschlossene Stagione der Ttaliäner hat wiederum be-\nwiesen, dass die italienische Oper sich überlebt hat Don Giovanni,\nFigaro's Hochzeit, Cosi fan lulle bildeten mit den besseren Werken\nRossini's den Kern und einzigen Lebensnerv der dreimonatlichen\nOpern-Versuche. Trovatore und Uigoletlo mussten freilich auch noch\nherhalten und befriedigten auch den ungebildeten und verbildeten\nTheil des Publicums; allein etwas Neues der Art konnte nicht auf-\ngetrieben werden. Verdi's Aroldo, Perelli's Cltirissa Hcirlöwe waren\nzwei arge Durchfälle, während Cosi fan tutte die Saison neu und\nfrisch belebte. Wo bleibt also das Walten des italiänischen Elements,\ndas mit so grossen Konten vergeblich heraufbeschworen wird?\nVon den 75 Opern-Abenden fielen 22 auf Verdi (Trovatore 11,\nRigoletto 6, Ernani 3, Aroldo 2); 20 auf Rossini (Barbier 10, Ce-\nnerentola 4, Moses 4, Italienerin in Algier 2); 16 auf Mozart\n(Cosi fan tutte 6, Figaro 5, Don Juan 5); 10 auf Bellini (Nacht-\nwandlerin 5, Norraa 3, Romeo 2); 5 auf Donizetti (Lucrezia 4,\nDon Pasquale 1); 2 auf Perelli (Clarissa 2). Die Herren Ca-\npellmeister Proch, Esser und de Barbieri dirigirten abwech-\nselnd. Im Ganzen wurden 17 Opern von 6 verschiedenen Compo-\nnisten gegeben.\nDer deutschen Opern-Saison sieht man mit grossen Hoffnungen\nentgegen. Eckert's Wirksamkeit kann man, obwohl sie bereits im\nvorigen Winter begann, erst vom Juli 1858 an datiren. Es knüpfen\nsich viele gutgemeinte Wünsche daran; die Zeit muss lehren, was\ndavon erfüllt werden wird und wTerden kann. An der Fähigkeit und\ndem guten Willen des neuen artistischen Leiters des Operntheaters\nist nicht zu zweife'n. Dass Wagner's Lohengrin den Reigen eröffnet,\nist nur in so fern löblich, als es eine Oper eines deutschen Compo-\nnisten ist Hoffentlich wird Marschner's „Hiarne4' ihm wenigstens\nfolgen, wiewohl man noch nicht viel darüber hört. Ob wir Idome-\nneo und Titus, die Vestalin, Templer und Jüdin, Hans Heiling, Che-\nrubini's Medea, Gluck's Armide, die Iphigenien, Orpheus hören wer-\nden, die alle fast so gut wie neu für uns sind, müssen wir abwar-\nten. Alles auf einmal ist freilich nicht möglich zu machen.\nAm 29. Juli fand in dem Saale der Gesellschaft der Musik-\nfreunde die Preis-Vertheilung an die Zöglinge des Conservatoriums\nStatt. Ein Concert ging derselben voraus. Rob. Schumann's Sinfonie\nin D eröffnete es. Sie wurde unter Leitung des Directors Joseph\nHellmesberger mit so viel Präcision und Kraft ausgeführt, als\nman von dem jugendlichen Orchester erwarten konnte. Von den\nSololeistungen der Zöglinge zeichneten sich aus der Vortrag des\nViolin-Concerts von Mendelssohn durch Herrn Leopold Auer und\nder grossen Arie der Nonna durch Fräulein Gabriele Kraasa.\nAuch Fräul. Katharina Bauer zeigte in der Arie aus Fidelio eine\nbesonders in der Höhe recht schöne Stimme; dass aber eine Schü-\nlerin des Conservatoriums die Unart des breiten Herauspressens der\ntieferen Töne schon angenommen hat, spricht eben nicht für die\nRichtigkeit oder Strenge der Methode der Anstalt.\nSehr erfreulich ist es, dass sich in diesem Sommer in Wien end-\nlich wieder Gesang-Vereine für vollständigen Chor gebildet haben,\nder Singverein unter Leitung von Herb eck und die Sing- Ak a-\ndemie unter der Direction von Stegmaier. Beide haben der Ver-\nsuchung nicht widerstehen können, schon einige Wochen nach ihrer\nGründung in die Oefientlichkeit zu treten, was wir aus zwei Grün-\nden für verfrüht halten : erstens wegen Mangels an bereits erlangter\nSicherheit obwohl tüchtiger Kräfte; zweitens weil ein so überstürz-\ntes Auftreten die Eitelkeit mehr befriedigt, als dem Zwecke solcher\nVereine angemessen ist, und nur zu leicht dahin führt, dass man\nmehr für äusseren Prunk als für die Wiedergeburt eines regen Sin-\nnes für die Tonkunst und deren edelste Erzeugnisse arbeitet. Ueber\nbeide Aufführungen spricht sich der kenntnissreiche und tüchtige\nReferent über Kirchenmusik in der wiener Monatschrift folgender\nMaassen aus:\n„Der Singverein unserer „Gesellschaft der Musikfreunde\" hat\nden ersten Schritt in die Oeffentliehkeit mit Palestrina's um .1590\ncomponirter Messe „iste confessor\" gethan. Diese Wahl ist mit nach-\ndrücklichem Lobe zu begrüssen. Die eben genannte Messe war für\nWien eine vollständige Neuheit und ist vom Standpunkte ascetiscben\nKirchenstils eine echte Perle. Im Et incarnatus arbeitet sich das\neinfach hehre Dreiklangs-Gewebe sogar zur Geisteshöhe einer gewis-\nsen Art dramatischen Aufschwungs empor. Dank dem regen Eifer\nund der künstlerischen Intelligenz des Herrn Prof Herbeck, griff\nauch die Darstellung, obgleich Angesichts der kurzen Lebenszeit\ndieses Singvereins etwas verfrüht, namentlich in Bezug auf weihe-\nvolle Betonung der reinen Gefühls- und dramatischen Momente des\nPalestrina'schen Werkes lebendig und ziemlich fest in das Zeug ihier\nschönen Aufgabe ein. Nur im Gloria und ersten Theile des Credo\nverfiel der seinen äussersten Stimmen nach markig und voll, in den\nMittelgegenden jedoch nicht intensiv genug wirkende und selbst der\nAnzahl nach nicht ausreichend besetzte Singchor in den hier leider\ngangläufigen Fehler eines blossen Abthuns jeder Lapidar-Noten, in\nderen Hintergrunde doch meist ein inniges, oft sogar ein g'ühendes\nHerz schlummert. Die Einlagen von Herbeck, Pertinax und Haupt-\nmann, obgleich durchgängig vom Geiste unserer Zeit befruchtet, da-\nher zum Hauptwerke nicht ganz passend, traten theils durch kraft-\nvollen Ausdruck, theils durch feinen Tonfarbenduft in vorteilhaf-\ntem Sinne heraus. Erstgenannte, jedenfalls riihmenswerthe Eigen-\nschaften kommen den Tondichtungen Herbeck's und Pertinax', die\nletztgenannte, nicht minder anregende Seite aber dem wunderinnigen\nBenedictas Hauptmanns vollgültig zu. Nur bedauern wir die äusserst\nverschwommene, von Fehlgriffen aller Art wimmelnde Darstellungs-\nweise dieser Hauptmann'schen Einlage. Möchte bald an dieses Mei-\nsters herrliche Vocalmesse gedacht werden! Bibljw«. that sich als\nmoderner Orgelspieler im Sinne Mendelssohn's bei dieser Gelegenheit\neben so hervor, wie immer. Allein seine fast durchaus chromatisch-\nenharmonischen Accordfolgen waren das grellste Widerspiel zu Pa-\nlestrina's streng diatonisch gehaltener Messe.\n~Die Sing-Akademie hat ebenfalls an die Spitze ihrer Wirk-\nsamkeit den Satz : „Omnia ad majorem Dei gloriam\" gestellt, indem\nauch sie das erste Zeichen ihres öffentlichen Lebens durch die Auf-\nführung einer Messe kund gegeben. Sie ist behutsamer mit ihrem\nProgramm verfahren, als die Herbeck'sche. Ob künstlerischer, wolle\ndahingestellt bleiben. Unsere Ueberzeugung kann diese Frage, wenn\nnicht ganz verneinend, doch nur bedingungsweise zustimmend lösen.\nDenn Friedrich Schneidens Vocalmesse gehört, wie fast alles, was\ndieser in mancher Richtung verdiente Componist geschrieben, jener\nEpoche zwischen Haydn, Mozart und Beethoven an, die mit Recht\nals eine trostlose, vom Götterfunken verlassene, bloss auf die Stützen\ndes handwerksmässig gebahrenden musicalischen Verstandes, oder\nhöchstens auf jene des s. g. Filigrangeschmackes gestellte Periode\nbezeichnet wird. Rechnet man das stimmungswahre Kyrie und den\neinzigen ini Crueifixus durchleuchtenden Geistesblitz eines dramati-\nschen Tonlebens hinweg, so bietet Schneidens Messe nichts als\nlängst eingebürgerten Meistern süddeutschen Kirchenstils geschickt\nabgelauschte, dürre Tonreihen, die nicht einmal klug genug jene\nKlippe zu umschiffen wissen, welche ihnen die allezeit herrschende\nReminiscenzen-Jagdlust entgegenthürmt. Man trifft in diesem Werke\nzu viele alte Bekannte aus Ilaydn-Mozart'scher Zeit, deren Gesichts-\nzügen die erborgte Larve oft gar zu deutlich anzumerken. Schnei-\ndens Werk singt sich übrigens gut und leicht, wie alle Schöpfun-\ngen seiner beiden in ihrer Art grossen Vorbilder. Die für eine ge-\nwisse Hörerschicht klappende Wirkung solcher Musik ist hier wie"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "264", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580814-01.1.8", "texte": "dort unfehlbar. Die Klänge des dessauer Meisters sind wie jene\ndes erlauchten rohrauer und salzburger Sängerpaares ganz durch-\nweht vom Genius ungeschminktester Natürlichkeit. Die in Rede\nstehende Messe war übrigens bis in den feinsten Zug sorgfältig stu-\ndirt. Es ging wenige Verstösse abgerechnet Alles, wie am\nSchnürchen, im grösstenteils gut getroffenen Zeitmaasse, mit gebüh-\nrendem Wechsel von Licht und Schatten. Man hörte durchaas fri-\nsche, kernige Organe, deren Gesang durch wahre Lust veredelt war.\nRecht wirksam stellten sich Rotter1 s zu diesem Anlasse eigens com-\nponirtc Beigaben, Asperges, Graduale und Offert orium, heraus.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nDas fünfte nieder rheinische Sängerfest fand zu\nNeuss am 8. und 9. d. Mts. Statt. Alles, was äussere Einrichtung\nund Anordnung betrifft, war vortrefflich, nicht nur in Betracht der\nVerhältnisse einer Stadt von etwa 11 —1*2,000 Einwohnern, sondern\nganz abgesehen davon. Der Bau und die zweckmässige und ge-\nschmackvolle Einrichtung der neu erbauten Tonhalle, die Lage der-\nselben in den städtischen Garten-Anlagen, die in der nächsten Um-\ngebung des neuen Gebäudes erquickenden Schatten, breite Wege\nund Rasenplätze darboten, auf denen an verschiedenen Punkten Re-\nstaurationen, Wein- und Bierhallen errichtet waren, so dass die\nganze Sorge für das leibliche Wohl ausserhalb des Concertsaales\nbefriedigt werden konnte: das alles macht dem Fest-Comite und\nden städtischen Behörden grosse Ehre.\nDagegen war der Kern des Festes, der musicalische Theil, bei\nWeitem nicht so vorzüglich, als die Hülle. Im Ganzen zeigte der\ngrösste Theil der versammelten Sänger, die übrigens kaum die Hälfte\nder angemeldeten tausend erreichten, eine beklagenswerthe Gleich-\ngültigkeit gegen die künstlerische Bedeutung des Festes. Die Probe\nam Sonntag-Morgen war nur sehr schwach besucht, die Probe am\nMontag konnte mit etwa 20 bis 30 Theilnehmern so gut wie gar\nnicht gehalten werden ! Und dennoch war das Festlocal, d. h. der\nGarten, stets angefüllt mit Sängern, die sich an Wein und Bier und\nan rohen Gesellschafts-Gesängen ergötzten - ja, Einige von ihnen\n«etzten Uorribile dictu! solcherlei Gesänge sogar während der\neigentlichen Concert-Aufführung im Saale auf ihre Weise in der\nfreien Natur vor dem Saale fort! Bei so bewandten Umständen kann\nder niederrheinische Sängerbund nur bestehen, wenn er sich reinigt\nvon so grob unkünstlerischen Elementen.\nDie Herren Dirigenten F. Hartman n aus Neuss und C. Rei-\nneeke aus Barinen waren in Verzweiflung, uud wahrlich es gehörte\nviel Resignation dazu, den Dirigentenstab in Händen zu behalten\nund noch so viel Ausdauer und Hingabe an die Sache zu zeigen,\nwie sie getlian, wodurch denn auch für die Orchestersachen recht\ngute, für die Gesammt-Gesangstücke wenigstens erträgliche Ausfüh-\nrung erzielt wurde. Die letzteren blieben aber weit von präcisem,\nvollends ausdrucksvollem Vortrage fern und wurden im Ganzen\nrauh und roh gesungen, was besonders bei zarten Stücken, wie Mo-\nssart's Ave verum und Kreutzens ~Dir möcht' ich diese Lieder wei-\nhen\", auffiel. Das einzige Gesamrntstück, das einen schönen Eindruck\nmachte, war ein wundervolles Yere languores nostros ipse tulit von\nA. Lotti. Auch bei den Gesängen mit Orchester zeigte es sich, dass\ndie mitwirkenden Vereine die Sachen nicht gewissenhaft studirt hat-\nten ; die Einsätze der Stimmen waren oft ungenau, oft sogar verein-\nzelt, und fast immer matt, wenigstens im Verhältniss zu der Zahl\nder Mitwirkenden. Es mag sein, dass diese Umstände auch die neue\nComposition von Karl Reinecke: Schlachtlied von Klopstock\n(„Mit unserm Arm ist nichts gethan\") für zwei Männerchörc mit\nvollem Orchester nicht ganz zur Geltung kommen Hessen. Sie\nist sehr fleissig und geschickt gearbeitet, Anfangs streng canonisch ;\nob aber diese strenge Form zu einem Schlaehtliede passt, möchten\nwir verneinen. Das Stück hat einzelne Glanzpunkte, lässt aber im\nGanzen den Schwung vermissen, den der geistige Inhalt des Textes\nverlangt.\nDas Orchester, dessen Haupt-Bestandtheil die Laudenbach1-\nsche Regiments-Capelle aus Köln bildete, war hinlänglich besetzt\n(nur freilich wären mehr Violinen zu wünschen gewesen) und be-\nwährte sich ganz gut. Die Ouvertüre von Jul Rietz (in A-dur), von\nHartmann dirigirt, ging vortrefflich, auch die zu den Abenceragen\nvon Cherubini, von Reinecke dirigirt, sehr gut. Dagegen war das\nTempo des Allegro in Rössings Tell-Ouverture zu langsam.\nVon den Gesangstücken hatten die Einzel-Vorträge der Lieder-\ntafel von Neuss (Hart mann), von Crefeld (W ilhe 1 m, dessen Lied\nWaldlust\" eine allerliebste Composition ist) und von Aachen (F r.\nWenig mann) künstlerischen Werth und entschädigten für man-\nches sonst Mangelhafte. Sie erhielten mit Recht, besonders die\nAachener, enthusiastischen Beifall. Der Fürst von Hohenzollern be-\nehrte mit mehreren Mitgliedern des Hofes das Concert mit seiner\nhohen Gegenwart.\n/ . '\nFräulein Günther hat an der königlichen Oper zu Berlin als\nRosine in Rossini's Barbier gastirt und grossen Erfolg gehabt, der\nsich in den entschiedensten Beifallsspenden des Publicums durch\nBlumen und Hervorruf bekundete.\niKUßßsrnmummmmmmammmmmmmmmmmmmmmmmmmmammmmammmmmmaommmmmmmmmmmmmm"}]}