{"numero_id": "bm-bmtnabi-1858-08-21-01", "volume": "bmtnabi_1858-08-21_01", "ocr_sha256": "80b84b58419f7477b7abcf11d0d5966e82280221c72c2bf9521e9a3a606034d4", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1858/08/21_01/bmtnabi_1858-08-21_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580821-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1858-08-21-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-08-21_01#c001", "volume": "bmtnabi_1858-08-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "265", "page_fin": "265", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580821-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "265", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580821-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 446, "texte": "Inhalt.\nPariser Briefe (Oettinger's Rossini Kästners Sirenen und dramatische Symphonie Theater einactige Operet-\nGretry's Meprises Musikfest zu Rocheforte Herz' sechstes Concert für Pianoforte Th. Ritter). Von B. I. Stadttheatei\nin Frankfurt am Main (Opern-Aufführungen). Von Verus. Entgegnung (Selmar Bagge gegen Brendel. Tages- und Unterhal-\ntungsblatt (Köln, Dr. J. Th. Mosewius Crefeld, Musikfest Cleve, Karl Fettweis Unna London Birmingham)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-08-21-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-08-21_01#c002", "volume": "bmtnabi_1858-08-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "265", "page_fin": "269", "image_debut": 1, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580821-01.2.2", "titre_corps": "Pariser Briefe.", "titre_sommaire": "Pariser Briefe.", "signature_source": "B. 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An dem letzteren\nbewährt sich das alte Ilabent auf arge und\nfür den Verfasser, wenn er noch irgendwo existirt, kei-\nneswegs schmeichelhafte Weise.\nOettinger hat vor etwa vierzehn Jahren aus dem Füll-\nhorn seiner vielseitig zersplitterten literarischen Thätigkeit\nunter anderen auch eine Schrift über Rossini auf den\nBüchermarkt geschüttet. Sie ist in Deutschland wohl längst\nvergessen, und in Frankreich kannte sie kein Mensch.\nDa erscheint auf einmal:\nl'homms et l'artiste, traduit\nsation de l'auteur par P. Royer. BruxeUes et Leipsic, drei\nkleme Bändchcn.\nDas Buch beginnt mit folgendem Sendschreiben an\nJoachim Rossini, das ich in Ermangelung des Originals\naus dem Französischen zurück übersetze:\n„Erinnern Sie Sich, ruhmgekrönter Maestro, eines\njungen Deutschen, der Ihnen im April des Jahres 1830\nin Paris durch Herrn Castil-Blaze vorgestellt wurde und\nIhnen illustrissimo Diodella eine Welt voll\nliebevoller Grüsse, ein grünes Sammtkäppchen und einen\nEmpfehlungsbrief auf rosenfarbenem Papier von der\nSignora L. M...i aus München mitbrachte? Erinnern\nSie Sich dieses jungen Mannes, der Ihnen bald eine so\nfreundschaftliche Zuneigung einflösste, dass Sie ihm ein\nZimmer in Ihrem Hause, einen Platz in Ihrer Loge und,\nworauf er am meisten stolz ist, ein Plätzchen in Ihrem Her-\nzen einräumten? Zu jener Zeit hatte Schreiher dieser Zei-\n*\nlen das Glück, alle Tage neben Ihnen vor dem knistern-\nden Feuer Ihres Kamins zu sitzen\" u. s. w. Im Laufe des\nBriefes macht Oettinger dann auch Rossini begreillich, dass\ner nur dabei gewinnen könne, wenn dieses Buch ihn „so\nzeige, wie er sei, ohne Schminke und ohne Schleier\".\nRossini's Antwort auf Oettinger's Frage ist im Jahre\n1858 folgende: „Ich habe niemals weder dieses Send-\nschreiben, noch das fragliche deutsche Buch, noch dessen\nfranzösische Uebersetzung erhalten, und von Herrn Oettin-\nger habe ich bis vor wenigen Tagen niemals etwas ge-\nwusst.\"\nAber eine solche Frechheit wäre ja unerhört! Rossini\nhat bei seinem bewegten Leben und den Tausenden von\nBekanntschaften sicherlich den Namen Oettinger vergessen!\nSo sollte man fast glauben. Allein Rossini besitzt ein\naussergewöhnliches Gedächtniss, das seine Umgebungen\noft überrascht. Er kennt Leute auf der Stelle wieder, die\ner seit dreissig Jahren nicht gesehen, und erinnert sich der\n0 ertlichkeit, wo und unter welchen Umständen er sie ge-\nsehen. Aber abgesehen von dieser .bekannten Gabe des\nMaestro, wie soll ein Mann, der seine fünf Sinne noch bei-\nsammen hat, jede Erinnerung an einen Menschen ve liie-\nren, mit dem er vertraut umgegangen, der bei ihm im\nHause gewohnt, der ihm einen Brief und ein grünes\nSammtkäppchen von einer Dame gebracht, die dann auch\nmit in Vegessenheit gesunken wäre?\nApclla !\nWas nun das Buch selbst betrifft, so macht der Ver-\nfasser kein Hehl daraus, dass es Dichtung und Wahrheit\nenthält ein Geständniss, das freilich wieder mit dem Vor-\nhaben, Rossini „ohne Schminke und ohne Schleier\" der\nWelt zu zeigen, grell contrastirt. Er bringt ihn mit ganz\nordinären Abenteuern zusammen, lässt ihn Gespräche füh-\nren und Briefe schreiben, die ihm gewiss nie in den Sinn\ngekommen sind, und, was das Tollste ist, spricht von den\nbeiden Frauen Rossini's, der Sängerin Isabella Colbrand"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "266", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580821-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5288, "texte": "und seiner zweiten Gemahlin, deren Liebenswürdigkeit und\nAnhänglichkeit an ihren Gatten Jeder kennt, auf höchst\nungeziemende und beleidigende Weise: und das in\neinem Buche, das er dem Gatten selbst, als seinem Freunde\nund Wohlthäter, zusendet!\nUebrigens erklärt Adrien de la Fage, der in der\nRevue musicale(Nr. 21) den Betrug im Auftrage Rossini's\ndenuncirt, den ganzen Inhalt des Buches für eine sehr\nflüchtige und gewissenlose Compilation aus Carpani und\nBeyle (Stendhal)*), welche auch in musicalischen Dingen im\nAllgemeinen viele Irrthümer, und oft sehr lächerliche, ent-\nhält. Das wird man hoffentlich bei seinem ersten Erschei-\nnen auch in deutschen Blättern nachgewiesen haben. In-\ndes s soll die französische Uebersetzung in Rede nach der\ndritten Auflage des Buches gemacht sein!\nDas Buch von George Kastner, dem romantischen\nMusik-Gelehrten und Componisten, der es sich zur Auf-\ngabe gemacht hat, „dem nachzuforschen, was in der\nphantastischen Welt wirklich und in der wirklichen phan-\ntastisch sei, die geheimen Bande zwischen beiden und die\nQuellen nachzuweisen, welche aus ihnen für die Kunst\nlliessen,\" und in dieser Beziehung bereits mehrere Werke\ngeschrieben hat, wie Les Danses\nPai 'is, La Harpe d'Eole (über die Sphären-Harmonie!),\nist besonders durch seine Doppelnatur aufgefallen, denn es\nist halb Buch, halb Composition und führt den Titel:\nSirenes, essai sur les mythes relatifs ä l'incantation, les\nenchanteurs, la musique magique, le chant du cygne etc.,\nsidvi du Reve d' Oswald, gran\nstrumentale.\nNun, wenigstens kann man dem Verfasser nachrüh-\nmen, dass er Horazens Spruch : Vitanda est improba Sei-\nren, desidia redlich befolgt, denn er ist entsetzlich\nlleissig!\nAllein trotz seiner ursprünglich deutschen Abstam-\nmung hat sich Kastner's Fleiss doch gar sehr französisch\nnaturalisirt. Von eigentlicher Forschung ist bei allen sei-\nnen Schriften nicht die Rede; den Standpunkt, auf wel-\nchem die Sagen-Literatur und die Mythen-Deutung jetzt\nin Deutschland stellt, scheint er kaum zu kennen; aber er\nmacht diese Dinge so hübsch oberflächlich für die Fran-\nzosen zurecht, dass sie von den nordischen und germani-\nschen Nebelgestalten wofür sie unter Anderem auch\ndie Nibelungen halten in Gesellschaft mitsprechen kön-\nnen. Und weiter will man ja meistens hier nichts.\nEr beginnt natürlich mit den Sirenen in der Odyssee,\nsteigt aber dann zu den Aegyptern und Indern auf; unter\nden 35 Millionen Nymphen der Hindus findet er fünf\nschaumgeborene Capital-Sirenen; im Jesaias bleibt jedoch\nder Streit, ob das hebräische Wort „Sirenen\" oder „Cro-\ncodile\" bedeute, eine offene Frage, um mit Brendel zu\nreden.\nAus der classischen und orientalischen Welt gelangen\nwir dann zur nordischen und germanischen, und erfahren,\ndass der Nix und die Nixe verschiedene Wesen sind, sie\njung, blond und schön, er alt, mit langem Bart, grünen\nZähnen und einem grünen Schilfhut. Daran reihen sich\ndie Willis, die Undinen, die weissen Frauen, die grünen\nFrauen, die Seejungfern, die Walkyren (!), die Schwanen-\njungfern, die Elfen und „jene Lorelei, die berühmte Un-\ndine am Rheine, welche von den Felsenhöhen bei Caub\nherab eine ewige Klage in die murmelnden\nFluten singt.\"\nDas musicalische Resultat ist folgendes:\n„Die Sirene stellt sowohl in der classischen als in der\nnordischen Mythologie die Bezauberung durch Musik unter\nzwei verschiedenen Formen dar. Der Gesang der classi-\nschen Sirene hat die Kraft, anzuziehen, zu fesseln; er um-\nstrickt, bezaubert und betäubt wie der magnetische Schlaf.\nInstrumentalklänge von süssem und wollüstigem Tone be-\ngleiten ihn; er führt gewisser Maassen durch Einschläfern\nden Menschen zum Tode. Der Gesang der nordischen Si-\nrene hat einen ganz anderen Charakter. Er fordert zum\nTanz, zur Bewegung auf, wirft Zerstörung in die Seele\nund in die Sinne und wird von Instrumenten begleitet,\nderen Klangmacht unwiderstehlich ist. Durch Thätigkeit,\ndie bis zum Schwindel getrieben wird, stürzt er den hin-\nsterbenden Menschen in die Hölle.\"\nVon da kommt der romantische Philosoph-Musiker auf\ndie Seeschlangen, dann wieder auf Ovid's Rath an junge\nMädchen, gut singen und die Zither halten zu lernen, wo-\nbei Kastner statt der letzteren die Harfe oder das Piano\nempfiehlt und eine ausführliche Liste der dichterischen\nund musicalischen Bearbeiter des Sirenen-Mythus beifügt,\nvon Orpheus bis auf Mozart, Weber und Mendelssohn,\nvon Homer bis auf Shakespeare, Milton und Göthe. Hiller\nund Wolfgang Müller scheinen ihm noch unbekannt zu sein.\nDie magische Musik und die Zauber-Instrumente be-\nkommen auch ihr Theil, wobei denn natürlich Roland's\n\n*) La Fage nennt den Beyle-Stendhal ohne Weiteres „einen an-\nderen Betrüger'4. Stendhal trat nämlich durch ~Briefe über\nHaydn\" als Original-Schriftsteller auf, welche nichts als eine\nUebersetzung aus dem Italiänischen von Giuseppe Carpani\nwaren. In seinem Buche über Rossini erzählt er, dass er dem\nMaestro einmal einen Frack geliehen habe zu einem Besuche\nbei vornehmen Leuten. Als Rossini in London mit dem Manne\nder Pasta spaziren ging, grüsste ein Vorübergehender Beide.\n„Wie,\" sagte Rossinis Begleiter, ~Sie danken dem Herrn\nnicht, der Ihnen einmal in Italien mit einem Frack ausgehol-\nfen hat? es ist Herr Beyle.\" „„Wie! in Italien? Ich habe\nden Mann in meinem Leben nicht gesehen, geschweige ge-\nkannt !uu"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "267", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580821-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5278, "texte": "und Hüon'sHorn eine grosse Rolle spielt. Auch die Fabeln\nvon der Macht der Flöte über wilde Thiere und „Mör-\nder\" , von der Verführung der Violine zum rasenden Tanz\nu. s. w. werden besprochen.\nEine lange Abhandlung über den „Schwanengesang\"\nschliesst. Hier wird ohne Kritik alles Mögliche aus frühe-\nren, hauptsächlich deutschen Schriften durch einander auf-\ngestapelt, was nur je mit dem Worte Schwan- in Berüh-\nrung gekommen ist. Was aber Schwanenritter, Schwanen-\njungfrauen, Schwanhemden, Schwanringe u. s. w. mit der\nMusik zu thun haben, erfährt man eben so wenig, wie\nneue Belehrung über den Kern der Fabel.\nDiesen Aufsätzen, denen wir unmöglich das Prädicat\n„gelehrt\" geben können, wie die pariser Kritik es thut,\ngeht eine grosse dramatische Symphonie voraus,\nd'Oswald, Gedicht von F. Maillan. Oswald hat im Traume\neine Sirene gesehen hinc lacnjmae, d. h. daher\nalso das langweilige Buch über die Sirenen als unentbehr-\nlicher Commentar zum Verständniss der Symphonie! Ueber\ndiese Sirene vergisst der Behexte seine Braut Eva, seinen\nFreund Franz und die ganze Welt. Sehnsuchtsvoller Mo-\nnolog und Cavatine. Franz versucht alle Mittel; geistlicher\nGhor von Frauenstimmen ä „Christ ist erstanden\" in\nFaust, und als Contrast Studentenchor-—hilft Alles nichts.\nIm zweiten Theile sind wir mit Eva und Franz und\nmit Eva's Eltern in einem verrufenen Walde\numentalsatz und Vocal-Qüartett. Dann geht der Kampf um\nOswald los, den die Sirenen und Zauberer zu sich herüber\nzielten. Chor der Sirenen, Chor der Zauberer, Schwanen-\ngesang Oswald's. Er ist im Begriffe, sich dem Teufel zu\nergeben: da fällt seiner Eva ein, was jeder Leser längst\nerwartet hat, das fromme Jugendlied der Heimat zu sin-\ngen, und siehe! Oswald ist gerettet und stimmt in den\nSchlusschor wie jeder vernünftige Mensch mit ein.\nIm Orchester fehlt kein Instrument, das existirt, selbst\ndas Fortepiano nicht, nebst Harfen, Flöten und Violinen\nin getheilten und vereinten Gruppen, vom Saxophon und\netlichem Blech umschmettert. Ob wir diese Sirenen-Musik\neinmal hören werden? Ich zweifle. Ich enthalte mich\nauch nach der blossen Durchsicht jedes Urtheils über die\nvierzehn Sätze der Partitur, und gebe nur in der Absicht\nNachricht davon, um einen neuen Beweis zu liefern, welche\nAuswüchse der sonst so gesunde Stamm der Tonkunst\nheutzutage treibt, nachdem seine Wurzel nicht mehr vom\nGenie, befruchtet wird.\nAuf den beiden Opern-Theatern zweiten Ranges\n[Opera comique und Theatrewerden seit dem\nFrühjahr viele einactige Operetten gegeben, theils neue,\ntheils wieder hervorgesuchte. Etwas Lebensfähiges scheint\nnicht zum Vorschein gekommen zu sein, wohl aber manch\nläppisches Zeug, z. B. L'Agneau de Chloe. In diesem Schä-\nferspiel treten vier Personen auf, zwei Schäfer, eine Schä-\nferin und ein Hammel, denn der Teufel mag dieses wohl-\ngenährte und gut dressirte Schaf für ein Lamm halten.\nEs ist wegen der glänzenden Widerlegung des Vorurtheils\nder Menschen gegen sein Geschlecht zwei bis drei Mal un-\ngeheuer beklatscht worden; der Hund des Aubry ist ein\nüberwundener Standpunkt, das Schaf spielt vortrefflich\nund macht ein paar volle Häuser jede Woche.\nDoch was will das sagen! Im Cirque imperial wird\nbei starkem Zulauf ein grosses Seestück: „Die Polarmeere\",\ngegeben, in welchem die Eisberge und die Eisbären we-\nsentlich sind. Verfasser ist ein junger Dichter, der den\nPrinzen Napoleon auf seiner Reise nach dem Nordmeere\nbegleitet hat. Die Handlung zur Zeit John Franklin's, die\nDecorationen und ein Eskimo-Ballet ziehen an, zumal- bei\nder Hitze draussen, welche hier wenigstens die Phantasie\nmildert.\nErwähnenswerth ist die Wiederaufnahme einer alten\nOper von Gretry: Les Meprise-s par ressemblance, in drei\nActen, im Theater der Opera comique. Sie war kaum noch\ndem Namen nach bekannt, auch zählt sie Gretry selbst in\nseinen Essais sur la Musiquenicht eben zu seinen gelun-\ngensten Arbeiten, wiewohl ihre erste Aufführung bei Hofe\nzu Fontainebleau im Jahre 1786 in die Zeit der höchsten\nBli'ithe Gretry's fällt. Später hatte Patrat, der Verfasser\ndes Buches, ein Lustspiel: „Die beiden Grenadiere oder\ndi eQuiproquo's\",daraus gemacht, das, wenn ich nicht irre,\nauch deutsche Bearbeitungen erlebt hat. Im Jahre 1822\nkam sie wieder als Oper mit Gretry's Musik auf die Bühne.\nDie Verwicklungen der Handlung beruhen auf der spre-\nchenden Aehnlichkeit der beiden Grenadiere, die der Braut\ndes einen und der Schwester des anderen gegenüber zu\nkomiseben Verwechslungen führt.\nVom Standpunkte der Kunst aus muss man die Wie-\nderbelebung einer Gretry'sehen Oper immer willkommen\nheissen. Allein es würde vergeblich sein, dem grossen Pu-\nblicum einreden'zu wollen, dass diese kleinen, kurzen\nArietten, diese Finales, die fast nichts als in Musik gesetzte\ndialogisirte Scenen sind, hübsche Motive enthalten und als\neinfach schöne Musik ihren Werth haben. Das Publicum\nist zu sehr an eine ganz andere Art von sinnlichem Reiz\ngewohnt, und gar zu sehr kann man es ihm auch nicht\nverdenken, wenn es sich gerade durch diese Partitur Gre-\ntry's nicht gefesselt fühlt, denn die Einfachheit geht hier\noft bis zur Naivetät, und die Kürze macht oft den Eindruck,\nals würde der Katze der Schwanz abgehauen oder, etwas\nsentimentaler ausgedrückt, als würde eine keimende Blume\neben vor dem Aufbrechen geknickt. Dieser Mangel an"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "268", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580821-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5227, "texte": "Entwicklung der an sich hübschen Motive schadet dem\nEindrucke des Ganzen.\nWährend in Paris bekanntlich fast nie oder doch nur\nmit unendlicher Mühe und Aufopferung des Unternehmers\neine Oratorien-Aufführung zu Stande kommt die „Jah-\nreszeiten\" im Conservatorium machten im vorigen Jahre\neine seit mehr als dreissig Jahren unerhörte Ausnahme—,\nbestehen und gedeihen die Städte-Bündnisse in der Pro-\nvinz, die ihre musicalischen Kräfte zu Musikfesten nach\nArt der Feste in Deutschland vereinigen. Am hervorra-\ngendsten unter ihnen ist der grosse Musik-Verein des We-\nstens {Association musicale de l'Ouest), der schon 24 Jahre\nlang besteht und manche Werke von Händel, Haydn und\nMozart aufgeführt hat, die man in Paris nicht hört. Die\nStädte Niort, Poitiers, la Rochelle und Angouleme waren\ndie ursprünglich verbündeten; jetzt gehören auch Limoges\nund Rochefort dazu, und in letzterer Stadt fand die dies-\njährige Feier am 24. und 25. Juli Statt. •\nDiesmal kamen meist Werke von Zeitgenossen zur\nAufführung. Das erste Concert brachte eine grosse Com-\nposition, betitelt „Eden\" (Z'js#m),vonFelicien David.\nEs füllte die erste Abtheilung. Chöre von Engeln und\nhöllischen Geistern bilden den Hintergrund, aus welchem\ndie Solo-Partieen von Adam und Eva, vom Fürsten der\nHölle und vom Schöpfer hervortreten. Letzteres ist jeden-\nfalls eine kühne Neuheit oder richtiger eine ungehörige\nRückkehr zu der Unsitte der altfranzösisehen Mysterien\noder göttlichen Komödien. Ein musicalisch gebildeter Zu-\nhörer äusserte sich über das Werk mit den Worten: „Die-\nses Oratorium verhält sich mit seinem durch und durch\nromantischen Wesen zu Haydn's Schöpfung wie ein rea-\nlistisches Gemälde unserer Zeit zu den Meisterstücken der\nrömischen Schule.\" —Die Aufführung unter der Leitung\neines Herrn Hostie soll recht gut gewesen sein. In der\nzweiten Abtheilung kamen aus grösseren Sachen das\npeccatis aus Rossini's S'tabat mater und Händel's Halleluja\nvor, ausserdem Solo-Vorträge, auch von pariser Virtuosen,\nz. B. Dorus, Alard u. s. w.\nDas zweite Concert (d. 25.) eröffnete Mendelssohn's\nvierte Symphonie in A -dur;sie soll recht gut gegangen\nsein und ganz ausserordentlichen Applaus erhalten haben.\nDas bekundet doch einen offenbaren Fortschritt. Wer\nhätte es vor zehn Jahren für möglich gehalten, an der\nWestküste von Frankreich von einem Provincial-Orchester\neine Mendelssohn'sche Symphonie zu hören! Und noch\nEines! Der Berichterstatter in einem öffentlichen Blatte\nsagt: „Der Vortrag von Romanzen erschien dem Publi-\ncum indess doch etwas ungehörig bei einer Vereinigung,\nderen Zweck ist, den musicalischen Geschmack der Bevöl-\nkerung durch Vorführung grosser Werke alter und neuer\nMeister zu bilden.\" Klingt das nicht beinahe, als wäre\nman in Deutschland?\nEin pariser Brief und nichts von Clavierrnusik und\nvon Pianisten?—Doch! Eine junge Deutsche, Fräul. Na-\nnette Falk, die Paris jetzt wieder verlässt, hat zwar nur\nin Privat-Cirkeln gespielt, aber bei allen Kennern ihren\nRuf als gediegene Ciavierspielerin begründet. Man ist dar-\nüber einig, dass es nicht viele Pianisten in Paris gibt, die\nBeethoven's Op. 106, 110 und 111 so vortragen kön-\nnen, wie sie.\nDas ehemalige Wunderkind Theodor Ritter aus\nFrankfurt scheint sich rüstig und wirklich künstlerisch zu\nentwickeln. Wenn auch der Versuch, eine dramatische\nComposition, eine Operette mit schlechtem Text, im Con-\neertsaale am Ciavier zu produciren, ein nicht gar gelun-\ngener, jedenfalls ein verfrühter genannt werden muss, so\nbeweis't doch die Compcsition einer grossen Sonate in\nEs für zwei Pianos. Op. 16, eine lobenswerthe ernste\nRichtung. Als Spieler glänzt er insbesondere auch durch\neine rasende Fertigkeit im Vomblattspielen.\nVon unserem trefflichen Stephen Heller erscheint\neine ganze Reihe von Ciavierwerken in einer neuen Aus-\ngabe bei Brandus &Dufour; sie enthält Op. 24, 28, 29,\n30 [Pensees fugitives), 39 und dann von Op. 40 bis Op.\n73 die nur hier und da unterbrochene Folge, endlich die\nzwei Hefte Präludien in allen Tonarten, Op. 81.\nHenri Herz hat uns mit der Herausgabe seines letz-\nten Werkes beschenkt: 6. Concert (in A-moll) für Piano-\nforte, Orchester und Chor. Das erste Tutti\nmaestoso, curiose Bezeichnung!) verspricht etwas, es schrei-\ntet in hübscher Steigerung ziemlich frei und breit voran\nund bringt durch das Mittelmotiv artige Contraste; allein\nbald nach dem Eintritt des Claviers ergeht sich der Com-\nponist in Passagen und Modulationen, die keinen festen\nAnhalt für einen leitenden Gedanken bieten; der nach\ndem Charakter des Tutti erwartete breite, getragene,\nnoble Stil bleibt aus, und gewisse unharmonische Rucke\noder Stösse sind nichts weniger als angenehm.\nSetz1 dir Perücken auf von Millionen Locken,\nDu bleibst doch immer, was du bist.\nHerz bleibt Herz und so bildet denn auch der erste\ni\nSatz ein effectvolles Ciavierstück, aber nach tiefem musica-\nlischem Inhalt muss man nicht fragen.\nDas Andante hat zwei hübsche Melodieen, denen je-\ndoch eine formel befriedigende Verbindung fehlt und de-\nren Entwicklung nur das variirte Thema ist. Auch klingt\ndie eine etwas hugenottisch.\nDer letzte Satz ist offenbar der bedeutendste. Das\nCiavier tritt mit einem originellen, lebensvollen Solo auf.\nDer Chor unterbricht es, indem er ohne alle Begleitung"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "269", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580821-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1015, "texte": "einen arabischen Gesang zum Preise Mahomet's ertönen\nlässt. Das Ciavier fällt später mit Harpeggien u. s. w. ein\nund variirt mit der bekannten Anmuth Herz'scher Varia-\ntionskunst, die zu einem Gebete wird, in welchem die Me-\nlodie des Andante vom Chor aufgenommen wird. Sie wie-\nderholt sich zu oft. Den Schluss bildet ein glänzendes Al-\nlegro vivo mit sämmtlichen Kräften, Pedalflügel, Chor, Or-\nchester, dem man einen symphonistischen Charakter nicht\nabsprechen kann. Meiner Meinung nach ist es aber ein\nMissgriff, die Idee Beethovens in Op. 80 auf ein Concert\nin optima forma überzutragen. Bei Beethoven, in einer\nPhantasie, die ein einfaches Thema durch allerlei Klang-\nmittel verfolgt und endlich bis zum Gesänge steigert, hat\nder Chor seine Berechtigung; aber in einem Concerte von\ndrei Sätzen in der Sonatenform fällt der Chor wie vom\nHimmel darein, wie ein Phänomen, das bloss blendet, des-\nsen Erscheinung aber durch nichts vorbereitet ist, und das\nauch keine nachhaltige Wirkung hervorbringen kann.\n\nB. P."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-08-21-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-08-21_01#c003", "volume": "bmtnabi_1858-08-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "269", "page_fin": "270", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580821-01.2.3", "titre_corps": "Stadttheater in Frankfurt am Main.", "titre_sommaire": "Stadttheater in Frankfurt am Main.", "signature_source": "Verus", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "269", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580821-01.1.5", "debut_caractere": 1017, "fin_caractere_exclue": 4749, "texte": "Stadttheater in Frankfurt am Main.\n\nVom 1. November 1857 bis 31. Juli 1858 sind fol-\ngende Opern aufgeführt worden:\nBarbier von Sevilla . 3 Mal. Medea 5 Mal.\nBeiden Schützen . . 2 „ Nachtlager 2 „\nBrauer von Preston . 2 „ Nachtwandlerin . . 2 „\nConcert am Hofe 2 „ Norma 1 „\nCzaar u. Zimmermann 2 „ Oberon 1 „\nDon Juan 4 „ Othello 1 „\nEntführung a. d. Serail 1 „ Postillon von Lonj.. I „\nFavorite 3 „ Puritaner 2 „\nFreischütz 4 „ Prophet 1 „\nFra Diavolo .... 3 „ Regimentstochter . 3 „\nFaust 2 „ Romeo und Julie . 1 „\nFigaro's Hochzeit. . 1 „ Robert der Teufel . 2 „\nFidelio \"2 „ Stumme von Portici 2 „\nHugenotten 2 „ Trovatore .... 5 „\nJoseph 2 „ Titus 3 „\nLucrezia Borgia . . 1 „ Tannhäuser .... 1 „\nLinda von Chamouny 2 „ Vestalin 3 „\nLiebestrank 2 „ Unsichtbare. . . 1 „\nLorelei 2 „ Wasserträger ... 2 „\nMartha 1 „ Weibertreue . . 3 „\nMaurer und Schlosser 1 „ Weisse Frau ... 3 „\nNeu waren davon die Operetten: Auber's „Concert\nam Hofe\" „Der Unsichtbare\", „Medea\" von Cheru-\nbini, der „Trovatore\" von Verdi und „Weibertreue\"\n(Die Weiber von Weinsberg) von unserem Capellmeister\nGustav Schmidt, eine Oper, die hier und in Mannheim\nsehr gefallen hat.\nBetrachten wir dieses Repertoire von 42 verschiede-\nnen Opern binnen neun Monaten in 89 Vorstellungen,\nso müssen wir über die ausserordentliche Thätigkeit der\nTheater-Leitung und des Künstler-Personals erstaunen. So\nzahlreiche und angestrengte Leistungen kann man kaum\neinem Hoftheater, bei dem alle Fächer und Rollen doppelt\nbesetzt sind, zumuthen. An einem städtischen Theater sind\nsie nur durch die Liebe zur Sache und durch den guten\nWillen des Sänger-Personals zu Stande zu bringen, und\ngeben durch die That den besten Beweis, wie eifrig man\nden Anordnungen des Herrn Intendanten entgegenkommt,\nwas dann wiederum ein höchst ehrenvolles Zeugniss für\ndessen artistische Geschäftsführung ist, da sie auf der rich-\ntigen Art und Weise, mit Künstlern umzugehen, beruhen\nmuss, wenn sie solche Resultate erzielen will. Vergleichen\nwir z. B. das Repertoire des Opern-Theaters in Wien, so\nfinden wir in der Saison von 1857—1858 während acht\nMonate und drei Wochen in 190 Opern-Vorstellungen\nnur 3 neue und 34 ältere Opern; dabei allerdings noch\n58 Ballet-Vorstellungen, wogegen aber in Frankfurt die\nAbende des recitirenden Schauspiels jeder Art von 1857\n—lB5B 220 an der Zahl waren. Und dabei besitzt das\nOpern-Theater in Wien zehn Sängerinnen und zehn Sän-\nger für erste Partieen und ausserdem drei Damen und\nsieben Herren für kleine Partieen. (Vgl. wiener Monat-\nschrift, Aprilheft, 1858.)\nBetrachten wir nun aber den Inhalt des Repertoires,\nso werden wir durch die Auswahl eben so sehr mit Ach-\ntung vor der artistischen Leitung erfüllt, als mit tiefer\nVerachtung des Geschwätzes, das hier in Frankfurt selbst,\nwo die Theaterzettel es vor aller Welt Augen zur hämi-\nschen Lüge stempeln, von dem ewigen Einerlei der Postil-\nlons von Lonjumeau spricht. Dass die treffliche ältere fran-\nzösische Oper vertreten ist, ist gerade ein Vorzug des\nfrankfurter Repertoires; Wien z. B. hatßoieldieu's „Weisse\nFrau\" seit einer Reihe von Jahren nicht gesehen, eben so\nwenig Cherubini's „Wasserträger\" und vollends die ,Me-\ndea\" desselben grossen Componisten. Eben so gehören\n„Fra Diavolo\", „Maurer und Schlosser\" und das „Con-\ncert am Hofe\" in die beste Epoche Auber's. Und wo hört\nman denn jetzt sonst irgendwo Mehul's „Joseph in Aegyp-\nten\" und Spontini's „Vestalin\" ?\nDabei erscheint Mozart mit „Don Juan\", „Figaro's\nHochzeit\", sogar mit der „Entführung aus dem Serail\",\neiner heutzutage sehr seltenen Aufführung. Dass die\nnachmozartischen deutschen Componisten nicht vernach-\nlässigt sind, zeigen die Aufführungen von Spohr's „Faust\"\n(ebenfalls sonst wenig zu hören), Weber's „Freischütz\""}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "270", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580821-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1238, "texte": "und „Oberon\", Beelhoven's „Fidelio\", Lortzing's „Czaar\nund Zimmermann\" und „Die beiden Schützen\", Flotow's\n„Martha\" und Wagner's „Tannhäuser\".\nDass endlich die neuere italiänische Schule bis ein-\nschliesslich auf Verdi und die neuere französische grosse\nOper, also namentlich Meyerbeer, ebenfalls ihre Stelle ge-\nfunden, zeigt ein Blick in das obige Repertoire.\nWas wollen denn nun eigentlich die Frankfurter?\nOder wissen sie überhaupt, was sie wollen, wenn sie mit\neiner solchen Opernliste nicht zufrieden sind? Wenn\ndergleichen Ansichten etwa auch bei dem verwaltenden\nAusschüsse der Actionäre Fürsprache finden oder gar von\ndessen Mitgliedern getheilt werden, so wird freilich der\nEntschluss des Herrn Intendanten Benedix, seine Stelle\nbinnen sechs Monaten niederzulegen, sehr erklärlich. Sehr\ncharakteristisch ist es aber, dass an zwölf Mitglieder des\nhiesigen Theaters ebenfalls abgehen, zum Theil schon im\nbevorstehenden Herbste, und darunter die tüchtigsten\nKünstler, wie z. B. Friedrich Hase und dessen Gattin (geb.\nCapitaine), Fräul. Veith, Herr Schneider u. s. w.\nDas Zerstören des seit zwei Jahren mühsam aufge-\nführten Baues scheint demnach zu gelingen; wie-die Wie-\nderherstellung gelingen werde, müssen wir abwarten.\n\nVerus."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-08-21-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-08-21_01#c004", "volume": "bmtnabi_1858-08-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "270", "page_fin": "271", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580821-01.2.4", "titre_corps": "Entgegnung.", "titre_sommaire": "Entgegnung.", "signature_source": "Selmar Bagge", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "270", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580821-01.1.6", "debut_caractere": 1240, "fin_caractere_exclue": 5218, "texte": "Entgegnung.\n\nDas August-Heft der „Wiener Monatschrift\"\nbringt folgende Entgegnung:\n„Die Neue Zeitschrift für Musik in Leipzig enthält\nin ihrer Nummer vom 9. Juli eine Entgegnung des Herrn\nBrendel auf meinen im Juni-Hefte der „Monatschriff\nerschienenen Artikel: „ „Zur gegenwärtigen Parteistel-\nlung'\"' u. s. w. —Es freut mich, dass Herr Brendel\ndie im Ganzen gemässigte Haltung meines Artikels aner-\nkennt und ihm eine gewisse Beachtung nicht versagt.\nGleichwohl findet er in meinem Verfahren einen grossen\nIrrthum und meint, es habe sich, mir vielleicht unbe-\nwusst, etwas Gehässiges eingeschlichen. Das Letztere\nsollte mir leid thun; denn persönlich wünsche ich Herrn\nLiszt und allen Zukunfts-Musikern das Beste, und feind-\nselige Motive liegen mir ganz fern. lieber das Erstere je-\ndoch bin ich um so geneigter, die Polemik fortzusetzen,\nals Herr Brendel ein sehr ehrenwerther Gegner ist, mit\nwelchem es sich wohl lohnt, eine Lanze zu brechen.\n„Herr Brendel findet den grossen „Irrthum\" mei-\nnerseits in Folgendem: „ „Wo man vermitteln will,\"\"\nsagt er, „ „müssen zwei Parteien in schroffer Einseitigkeit\neinander gegenüberstehen und, was die Hauptsache ist,\nmit gleicher Berechtigung. Das aber ist hierauch\nnicht entfernt der Fall.\"\" Hierauf ist zu erwidern, dass\nerstens von einem Vermittlungs-Versuche gar nicht\ndie Bede sein kann; denn wie könnte es mir einfallen, die\nbeiden extremen Parteien, welche allerdings in schroffer\nEinseitigkeit einander gegenüberstehen, versöhnen oder\neinander näher bringen zu wollen? Das hiesse so viel, als\nNord- und Südpol verknüpfen, Antipoden unter Einen Hut\nbringen wollen. Wenn ich eine Mittel-Partei consta-\ntirte, so liegt hierin noch keine vermittelnde Absicht.\nWenn man aber den Gegnern der Zukunfts-Musik alle\nBerechtigung abläugnet, so kann ich hierin eben nichts\nAnderes als „schroffe Einseitigkeit\" entdecken, welche\ndurch die Argumente des Herrn Brendel keineswegs ab-\ndisputirt erscheint. Herr Brendel führt zum Beleg, dass\nseine Partei „ „im Wesentlichen und allein (!) Recht\nhabe\"\", an, die Principien der Zukunfts-Partei seien so\nallseitig, sie selbst so sehr auf der Hut, wirkliche Ueber-\ngriffe zu vermeiden (!), dass der Gegenpartei nichts übrig\nbleibe, als das erfreuliche Geschäft, die Schwächen und\nMängel, die jedem irdischen Thun, und also auch dem\nihrigen, anhaften, immer wieder breit zu treten. Hierauf\nist zu bemerken, dass eine Partei, die Mängel und Schwä-\nchen eingestandener Maassen aufzuweisen hat, schon da-\ndurch die Berechtigung einer Gegenpartei darlhut. Und\nhat denn die Zukunfts-Partei je die Mängel und Schwächen\nihrer Gegner geschont, nicht vielmehr dieselben fortwäh-\nrend und gehörig breitgetreten?! Wird nicht F. Hil-\nler oder jeder, der sich auf irgend eine Weise als nicht\nzu ihrer Fahne schwörend bekannt hat, immerfort ange-\nfeindet und wo möglich lächerlich gemacht?! „„Bei den\nGegnern ist Willkürliches und Gemachtes, bei uns Ueber-\nzeugung.\"\" So! Also alles, was z. B. gegen Liszt's Com-\npositionen vorgebracht wurde, beruht nicht auf Ueber-\nzeugung! Der Beweis hiefür ist nicht gegeben und dürfte\nHerrn Brendel schwer genug fallen. Nicht minder stark\nist die Frage: „ „wo denn die Leistungen der Gegenpartei\nseien, die ihnen erlaubten, sich wirklich als Partei hinzu-\nstellen.\" \" Abgesehen von der, gelinde gesagt, grossen\nKühnheit, alle Compositionen als null zu bezeichnen, wel-\nche von Nichtanhängern oder ausgesprochenen Gegnern\nder von Weimar und Leipzig aus dirigirten Partei geschaf-\nfen worden sind, muss hier eine arge Vermengung der\nurtheilenden mit der schaffenden Musikwelt constatirt wer-\nden. Man kann alle gegenwärtig schaffenden Musiker aus\ndem Spiele lassen, und die Parteiung über die Frage nach\ndem Werthe der neuesten Werke wird doch fortbestehen\nzwischen den ausübenden Musikern wie zwischen den\nKunstfreunden, den Gliedern des Publicums. Die musicali-\nsche Presse ist es, welche den verschiedenen Urtheilen für\nund wider öffentlichen Ausdruck leiht, und welche den"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "271", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580821-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3225, "texte": "Streit auszufechten hat. Das Hereinziehen obiger Frage\nhalte ich demnach für höchst „„unberechtigt\"\". Wenn\nfreilich Herr Brendel sagt: „ „Nicht mit Sophismen wol-\nlen wir streiten, sondern auf die Stimme der Wahrheit\nhören in unserem Innern, und diese sagt, dass nicht Ge-\nsetze, weder neue noch alte, jemals ein Kunst-Urtheil fest-\nstellen, überhaupt nicht die Form, sondern lediglich der\nInhalt, ob dieser die Herzen trifft, ob dafür Be-\ngeisterung sich entzündet in der Nation (!), und\nwenn dies geschieht, wie es thatsächlich der Fall bei den\nneuen Werken (?!), so wird später daraus auch die neue\nForm begriffen,\"\" so gebe ich ihm hierin vollkom-\nmen Recht und will mich gern der öffentlichen Stimme\nunterordnen. Bis jetzt ist jenes aber eben nicht der Fall,\nwie die hundert Stimmen beweisen, welche Herrn Bren-\ndel's Feder in Athem erhalten und gar nicht zur Ruhe\nkommen lassen. Diese Stimmen sind aber nichts als der\nAusdruck der Meinung der Nation, dass sich keine Be-\ngeisterung in ihr entzündet. Man schreit über Entstellung\nder Thatsachen und ereifert sich, dass „ „wirkliche Erfolge\nmit frechster Lügenhaftigkeit inNichterfolge verdreht wer-\nden\" \", vergisst aber, was Applaus von echtem Erfolge\nunterscheidet. Es ergeht diesen Herrn wie seinerZeit Herrn\nAuerbach, als er im Herbste des Jahres 1848 nach\nWien geschickt wurde, um sich über die herrschende\nStimmung der wiener Bevölkerung zu unterrichten. Er\nfand auf den Strassen die Revolution und die Prediger\nderselben, was aber in den Häusern und vor den Tho-\nren Wiens, was von dem intelligenten Theile der Bevöl-\nkerung gemeint und gesagt wurde, das hörte er nicht;\nsein Bericht fiel daher höchst verkehrt aus und stand im\nschnurgeraden Widerspruche mit der wirklichen Stimmung\nder vernünftigen Bewohnerschaft, wie sie einige Wochen\nnachher zum lauten und deutlichen Ausdruck kam.—Wir\nläugnen nicht, dass überall, auch in Wien, unter jungen,\nnicht genügend durchgebildeten Phantasten eine leiden-\nschaftliche Verehrung für die Liszt'sehen Werke zu fin-\nden ist, allein die eigentlich musicalische Bevölkerung, das\ngebildete Concert-Publicum, hat noch nirgend zu einer\nRichtung sich bekannt, wie sie Liszt, Wagner und Ber-\nlioz verfolgen, und noch weniger (wie Herr Brendel\nselbst) denselben ein Genie zuerkannt, welches gross genug\nist, um die Richtung, welche Beethoven seiner Musik\nireeeben hat, im besten Sinne fortzuführen. Um noch höher\no o 7\nzu steieen als Beethoven, muss man auch eine noch hö-\no 7\nhere Kraft zugetheilt erhalten haben, wenn nicht das Bild\ndes Ikarus sich vor unseren Augen in kläglicher Weise\nerneuern soll. Eine Vermengung des Liszt'sehen mit dem\nWragner'sehen Standpunkte, wie sie Herr Brendel zum\nBelege meiner angeblichen Unklarheit supponirt hat, wird\njeder ablehnen müssen, der, wie ich, im Gegensatze zu\nHerrn Brendel's Behauptung, Liszt nicht zu den spe-\ncifischen Musikern rechnet, da seine Compositionen vom\nrein musicalischen Gesichtspunkte aus gar nicht beurtheilt\nwerden dürfen, wenn man sich nicht den Hohn der wei-\nmar-leipziger Partei zuziehen will. Wo also die gerügte\nConfusion herrscht, ob in unserem oder im Lager der\nFortschritts-Partei, kann ich füglich dem gesunden Urtheil\nder Leser überlassen.\n\nSelmar Bagge."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-08-21-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-08-21_01#c005", "volume": "bmtnabi_1858-08-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "271", "page_fin": "272", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580821-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "271", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580821-01.1.7", "debut_caractere": 3227, "fin_caractere_exclue": 6087, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nfi&oln« Der k. Musik-Director Dr. Jo h. Theodor Mose-\nwius aus Breslau, Professor der Tonkunst an der dortigen Univer-\nsität und dem akademischen Institute für Kirchenmusik, Director der\nSing-Akademie, Ritter des Kothen Adler-Ordens vierter Classe, hat\nauf einer Reise nach der Schweiz mit seiner Gattin einige Tage hier\nverweilt.\nCrefeld. Am 12. und 13. September wird hier ein Musikfesi\nStatt finden, zu welchem die Sing-Vereine aus mehreren Nachbar-\nstädten ihre Mitwirkung zugesagt haben. Am ersten Tage werden\nJos. Haydn's „Jahreszeiten\" aufgeführt, am zweiten in einem\nMorgen-Concerte Beethoven's C-mo//-Sinfonie und mehrere Solo-\nstücke Die Solo-Partieen in den Jahreszeiten werden von Fräulein\nCatharina Deutz und Herrn M. DuMont-Fier aus Köln und\nHerrn Göbbels aus Aachen ausgeführt werden. Herr Musik-Direc-\ntor H. Wolf wird die Aufführungen leiten.\nCleve. Der Pianist Herr Karl Fettweis s, Zögling der Rhei-\nnischen Musikschule in Köln, hat sich seit einem Jahre als Musik-\nlehrer hier niedergelassen und sich bereits einen schönen Wirkungs-\nkreis geschaffen. Die von ihm im letzten Winter eingerichteten Soi-\nreen für Kammermusik fanden grossen Anklang, und das am Sonn-\ntag den 8. August von ihm im Hotel Maywald gegebene Concert\nzeigte durch den gefüllten Saal, dass diese Theilnahme im Steigen\nbegriffen. Herr Fettweiss bewies durch den Vortrag des Mozart'schen\nQuartetts in G-mu'l, der Campanella von Taubert, eines phantasti-\nschen Walzers von seiner Composition und der Moses-Phantasie von\nThalberg, durch reines, ausserordentlich fertiges und ausdrucksvolles\nSpiel, dass er, von einem schönen Talente unterstützt, die gediegene\nDurchbildung zu einem Clavie:Spieler ersten Ranges mit Glück er-\nstrebt. Der Beifall war nach jeder Nummer ein höchst ehrenvoller\nfür den jungen Künstler.\nAm 22. und 23. August findet zu Unna das m ärkisch-wes t-\nphälische Sängerfest unter der Direction des Musik-Directors\nA. Staab aus Hamm Statt, welcher im Jahre 1840 das Fest stif-\ntete. Es wurde zum ersten Male in Iserlohn gehalten und bis 1850\njährlich fortgesetzt, nach längerer Unterbrechung durch denselben\ntüchtigen Musiker im vorigen Jahre wieder ins Leben gerufen. Be-\ntheiligt dabei sind die Männergesang-Vereine von Camen, Dortmund,\nHagen, Hamm (zwei Vereine), Haspe, Hörde, Iserlohn, Königsborn,\nLippstadt, Schüren, Schwerte, Soest, Unna und Werl in einer Ge-\nsammtzahl von 40'.) singenden Stimmen. Wilde werden nicht ge-\nduldet. Auch hier wechseln Orchesterstücke mit Gesängen ab; Haupt-\nbestandteil des Orchesters bildet die Johannisberger Capelle (Dir.\nLangenbach) von Elberfeld. Das Programm bekundet eine edle Rich-\ntung: F. Schubert's Sinfonie, Beethoven's Leonoren-Ouverture, Wag-\nner's Tannhäuser-Ouverture, das Violin-Concert von Beethoven, Not-\nturno und Hochzeitsmarsch aus dem Sommernachtstraum von Men-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "272", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580821-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1406, "texte": "delssohn; ferner die Gesammt-Gesangstücke: J. Otto's Hymnus\nmit Orchester, Waldlied (mit Hörnern) von Schumann, Nachtgesang\nim Walde (eben so) von F. Schubert, Abt's Sängers Morgenfahrt\nund „Eine Nacht auf dem Meere'* von Tschirch bilden eine lobens-\nwerthe und gewiss wirkungsvolle Zusammenstellung. Mögen nur die\nEinzel-Vorträge dem Charakter des Ganzen angemessen sein, und\nman auch in künstlerischer Beziehung den Grundsatz wahren:\n~ Wilde werden nicht geduldet! 4\nHenri Vieuxtemps ist aus America zurückgekehrt.\nLondon. Fränl. Tietjens nahm als Leonore im ~Trovatoreu\nvon dem londoner Publicum Abschied. Am 7. August schloss die\ndiesjährige Saison von Her Majesty Theaire mit La Traviata. [Wir\nkommen ausführlicher auf diese Saison zurück.]\nMrittiiftgliam. Das grosse diesjährige Musikfest (das 27. in\nder Reihe) wird am 31. August beginnen, und zwar mit Mendels-\nElias jenem Oratorium, das der grosse Componist eigens\nfür Birmingham componirt und bei der ersten Aufführung im Jahre\n1846 selbst dirigirt hat. Am zweiten Tage wird Costa's Eli, am 3.\nMessias zur Aufführung kommen, und sodann ein neues,\nkürzeres Oratorium „Judith'4 von Henri Leslie, mit Beigabe von\nLauda Sion und Beethoven's C-Messe. Die vorzüglich-\nsten der in diesen geistlichen Tonwerken mitwirkenden Künstler\nsind die Damen Castellan, Clara Novello, Viardot, Miss Dolby, die\nHerren Sims Reeves, Montem Smith, Weiss und Belletti.\n\\"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "265", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580821-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nPariser Briefe (Oettinger's Rossini Kästners Sirenen und dramatische Symphonie Theater einactige Operet-\nGretry's Meprises Musikfest zu Rocheforte Herz' sechstes Concert für Pianoforte Th. Ritter). Von B. I. Stadttheatei\nin Frankfurt am Main (Opern-Aufführungen). Von Verus. Entgegnung (Selmar Bagge gegen Brendel. Tages- und Unterhal-\ntungsblatt (Köln, Dr. J. Th. Mosewius Crefeld, Musikfest Cleve, Karl Fettweis Unna London Birmingham).\n\nPariser Briefe.\n\n[Oettinger's Eossini Sirenen und dramatische Symphonie\nTheater einactige Operetten Gretry's Meprises Musik fest\nin Rochefort Herz' G. Concert für Pianoforte Th. Ritter.]\nDen 14. August 1858.\nVor Kurzem haben zwei Büchlein aus der Musik-Li-\nteratur die musicalischen Kreise hier einige Tage lang be-\nschäftigt, eines von dem unermüdlichen George Kastner\nund das andere von E. M. Oettinger. An dem letzteren\nbewährt sich das alte Ilabent auf arge und\nfür den Verfasser, wenn er noch irgendwo existirt, kei-\nneswegs schmeichelhafte Weise.\nOettinger hat vor etwa vierzehn Jahren aus dem Füll-\nhorn seiner vielseitig zersplitterten literarischen Thätigkeit\nunter anderen auch eine Schrift über Rossini auf den\nBüchermarkt geschüttet. Sie ist in Deutschland wohl längst\nvergessen, und in Frankreich kannte sie kein Mensch.\nDa erscheint auf einmal:\nl'homms et l'artiste, traduit\nsation de l'auteur par P. Royer. BruxeUes et Leipsic, drei\nkleme Bändchcn.\nDas Buch beginnt mit folgendem Sendschreiben an\nJoachim Rossini, das ich in Ermangelung des Originals\naus dem Französischen zurück übersetze:\n„Erinnern Sie Sich, ruhmgekrönter Maestro, eines\njungen Deutschen, der Ihnen im April des Jahres 1830\nin Paris durch Herrn Castil-Blaze vorgestellt wurde und\nIhnen illustrissimo Diodella eine Welt voll\nliebevoller Grüsse, ein grünes Sammtkäppchen und einen\nEmpfehlungsbrief auf rosenfarbenem Papier von der\nSignora L. M...i aus München mitbrachte? Erinnern\nSie Sich dieses jungen Mannes, der Ihnen bald eine so\nfreundschaftliche Zuneigung einflösste, dass Sie ihm ein\nZimmer in Ihrem Hause, einen Platz in Ihrer Loge und,\nworauf er am meisten stolz ist, ein Plätzchen in Ihrem Her-\nzen einräumten? Zu jener Zeit hatte Schreiher dieser Zei-\n*\nlen das Glück, alle Tage neben Ihnen vor dem knistern-\nden Feuer Ihres Kamins zu sitzen\" u. s. w. Im Laufe des\nBriefes macht Oettinger dann auch Rossini begreillich, dass\ner nur dabei gewinnen könne, wenn dieses Buch ihn „so\nzeige, wie er sei, ohne Schminke und ohne Schleier\".\nRossini's Antwort auf Oettinger's Frage ist im Jahre\n1858 folgende: „Ich habe niemals weder dieses Send-\nschreiben, noch das fragliche deutsche Buch, noch dessen\nfranzösische Uebersetzung erhalten, und von Herrn Oettin-\nger habe ich bis vor wenigen Tagen niemals etwas ge-\nwusst.\"\nAber eine solche Frechheit wäre ja unerhört! Rossini\nhat bei seinem bewegten Leben und den Tausenden von\nBekanntschaften sicherlich den Namen Oettinger vergessen!\nSo sollte man fast glauben. Allein Rossini besitzt ein\naussergewöhnliches Gedächtniss, das seine Umgebungen\noft überrascht. Er kennt Leute auf der Stelle wieder, die\ner seit dreissig Jahren nicht gesehen, und erinnert sich der\n0 ertlichkeit, wo und unter welchen Umständen er sie ge-\nsehen. Aber abgesehen von dieser .bekannten Gabe des\nMaestro, wie soll ein Mann, der seine fünf Sinne noch bei-\nsammen hat, jede Erinnerung an einen Menschen ve liie-\nren, mit dem er vertraut umgegangen, der bei ihm im\nHause gewohnt, der ihm einen Brief und ein grünes\nSammtkäppchen von einer Dame gebracht, die dann auch\nmit in Vegessenheit gesunken wäre?\nApclla !\nWas nun das Buch selbst betrifft, so macht der Ver-\nfasser kein Hehl daraus, dass es Dichtung und Wahrheit\nenthält ein Geständniss, das freilich wieder mit dem Vor-\nhaben, Rossini „ohne Schminke und ohne Schleier\" der\nWelt zu zeigen, grell contrastirt. Er bringt ihn mit ganz\nordinären Abenteuern zusammen, lässt ihn Gespräche füh-\nren und Briefe schreiben, die ihm gewiss nie in den Sinn\ngekommen sind, und, was das Tollste ist, spricht von den\nbeiden Frauen Rossini's, der Sängerin Isabella Colbrand"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "266", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580821-01.1.2", "texte": "und seiner zweiten Gemahlin, deren Liebenswürdigkeit und\nAnhänglichkeit an ihren Gatten Jeder kennt, auf höchst\nungeziemende und beleidigende Weise: und das in\neinem Buche, das er dem Gatten selbst, als seinem Freunde\nund Wohlthäter, zusendet!\nUebrigens erklärt Adrien de la Fage, der in der\nRevue musicale(Nr. 21) den Betrug im Auftrage Rossini's\ndenuncirt, den ganzen Inhalt des Buches für eine sehr\nflüchtige und gewissenlose Compilation aus Carpani und\nBeyle (Stendhal)*), welche auch in musicalischen Dingen im\nAllgemeinen viele Irrthümer, und oft sehr lächerliche, ent-\nhält. Das wird man hoffentlich bei seinem ersten Erschei-\nnen auch in deutschen Blättern nachgewiesen haben. In-\ndes s soll die französische Uebersetzung in Rede nach der\ndritten Auflage des Buches gemacht sein!\nDas Buch von George Kastner, dem romantischen\nMusik-Gelehrten und Componisten, der es sich zur Auf-\ngabe gemacht hat, „dem nachzuforschen, was in der\nphantastischen Welt wirklich und in der wirklichen phan-\ntastisch sei, die geheimen Bande zwischen beiden und die\nQuellen nachzuweisen, welche aus ihnen für die Kunst\nlliessen,\" und in dieser Beziehung bereits mehrere Werke\ngeschrieben hat, wie Les Danses\nPai 'is, La Harpe d'Eole (über die Sphären-Harmonie!),\nist besonders durch seine Doppelnatur aufgefallen, denn es\nist halb Buch, halb Composition und führt den Titel:\nSirenes, essai sur les mythes relatifs ä l'incantation, les\nenchanteurs, la musique magique, le chant du cygne etc.,\nsidvi du Reve d' Oswald, gran\nstrumentale.\nNun, wenigstens kann man dem Verfasser nachrüh-\nmen, dass er Horazens Spruch : Vitanda est improba Sei-\nren, desidia redlich befolgt, denn er ist entsetzlich\nlleissig!\nAllein trotz seiner ursprünglich deutschen Abstam-\nmung hat sich Kastner's Fleiss doch gar sehr französisch\nnaturalisirt. Von eigentlicher Forschung ist bei allen sei-\nnen Schriften nicht die Rede; den Standpunkt, auf wel-\nchem die Sagen-Literatur und die Mythen-Deutung jetzt\nin Deutschland stellt, scheint er kaum zu kennen; aber er\nmacht diese Dinge so hübsch oberflächlich für die Fran-\nzosen zurecht, dass sie von den nordischen und germani-\nschen Nebelgestalten wofür sie unter Anderem auch\ndie Nibelungen halten in Gesellschaft mitsprechen kön-\nnen. Und weiter will man ja meistens hier nichts.\nEr beginnt natürlich mit den Sirenen in der Odyssee,\nsteigt aber dann zu den Aegyptern und Indern auf; unter\nden 35 Millionen Nymphen der Hindus findet er fünf\nschaumgeborene Capital-Sirenen; im Jesaias bleibt jedoch\nder Streit, ob das hebräische Wort „Sirenen\" oder „Cro-\ncodile\" bedeute, eine offene Frage, um mit Brendel zu\nreden.\nAus der classischen und orientalischen Welt gelangen\nwir dann zur nordischen und germanischen, und erfahren,\ndass der Nix und die Nixe verschiedene Wesen sind, sie\njung, blond und schön, er alt, mit langem Bart, grünen\nZähnen und einem grünen Schilfhut. Daran reihen sich\ndie Willis, die Undinen, die weissen Frauen, die grünen\nFrauen, die Seejungfern, die Walkyren (!), die Schwanen-\njungfern, die Elfen und „jene Lorelei, die berühmte Un-\ndine am Rheine, welche von den Felsenhöhen bei Caub\nherab eine ewige Klage in die murmelnden\nFluten singt.\"\nDas musicalische Resultat ist folgendes:\n„Die Sirene stellt sowohl in der classischen als in der\nnordischen Mythologie die Bezauberung durch Musik unter\nzwei verschiedenen Formen dar. Der Gesang der classi-\nschen Sirene hat die Kraft, anzuziehen, zu fesseln; er um-\nstrickt, bezaubert und betäubt wie der magnetische Schlaf.\nInstrumentalklänge von süssem und wollüstigem Tone be-\ngleiten ihn; er führt gewisser Maassen durch Einschläfern\nden Menschen zum Tode. Der Gesang der nordischen Si-\nrene hat einen ganz anderen Charakter. Er fordert zum\nTanz, zur Bewegung auf, wirft Zerstörung in die Seele\nund in die Sinne und wird von Instrumenten begleitet,\nderen Klangmacht unwiderstehlich ist. Durch Thätigkeit,\ndie bis zum Schwindel getrieben wird, stürzt er den hin-\nsterbenden Menschen in die Hölle.\"\nVon da kommt der romantische Philosoph-Musiker auf\ndie Seeschlangen, dann wieder auf Ovid's Rath an junge\nMädchen, gut singen und die Zither halten zu lernen, wo-\nbei Kastner statt der letzteren die Harfe oder das Piano\nempfiehlt und eine ausführliche Liste der dichterischen\nund musicalischen Bearbeiter des Sirenen-Mythus beifügt,\nvon Orpheus bis auf Mozart, Weber und Mendelssohn,\nvon Homer bis auf Shakespeare, Milton und Göthe. Hiller\nund Wolfgang Müller scheinen ihm noch unbekannt zu sein.\nDie magische Musik und die Zauber-Instrumente be-\nkommen auch ihr Theil, wobei denn natürlich Roland's\n\n*) La Fage nennt den Beyle-Stendhal ohne Weiteres „einen an-\nderen Betrüger'4. Stendhal trat nämlich durch ~Briefe über\nHaydn\" als Original-Schriftsteller auf, welche nichts als eine\nUebersetzung aus dem Italiänischen von Giuseppe Carpani\nwaren. In seinem Buche über Rossini erzählt er, dass er dem\nMaestro einmal einen Frack geliehen habe zu einem Besuche\nbei vornehmen Leuten. Als Rossini in London mit dem Manne\nder Pasta spaziren ging, grüsste ein Vorübergehender Beide.\n„Wie,\" sagte Rossinis Begleiter, ~Sie danken dem Herrn\nnicht, der Ihnen einmal in Italien mit einem Frack ausgehol-\nfen hat? es ist Herr Beyle.\" „„Wie! in Italien? Ich habe\nden Mann in meinem Leben nicht gesehen, geschweige ge-\nkannt !uu"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "267", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580821-01.1.3", "texte": "und Hüon'sHorn eine grosse Rolle spielt. Auch die Fabeln\nvon der Macht der Flöte über wilde Thiere und „Mör-\nder\" , von der Verführung der Violine zum rasenden Tanz\nu. s. w. werden besprochen.\nEine lange Abhandlung über den „Schwanengesang\"\nschliesst. Hier wird ohne Kritik alles Mögliche aus frühe-\nren, hauptsächlich deutschen Schriften durch einander auf-\ngestapelt, was nur je mit dem Worte Schwan- in Berüh-\nrung gekommen ist. Was aber Schwanenritter, Schwanen-\njungfrauen, Schwanhemden, Schwanringe u. s. w. mit der\nMusik zu thun haben, erfährt man eben so wenig, wie\nneue Belehrung über den Kern der Fabel.\nDiesen Aufsätzen, denen wir unmöglich das Prädicat\n„gelehrt\" geben können, wie die pariser Kritik es thut,\ngeht eine grosse dramatische Symphonie voraus,\nd'Oswald, Gedicht von F. Maillan. Oswald hat im Traume\neine Sirene gesehen hinc lacnjmae, d. h. daher\nalso das langweilige Buch über die Sirenen als unentbehr-\nlicher Commentar zum Verständniss der Symphonie! Ueber\ndiese Sirene vergisst der Behexte seine Braut Eva, seinen\nFreund Franz und die ganze Welt. Sehnsuchtsvoller Mo-\nnolog und Cavatine. Franz versucht alle Mittel; geistlicher\nGhor von Frauenstimmen ä „Christ ist erstanden\" in\nFaust, und als Contrast Studentenchor-—hilft Alles nichts.\nIm zweiten Theile sind wir mit Eva und Franz und\nmit Eva's Eltern in einem verrufenen Walde\numentalsatz und Vocal-Qüartett. Dann geht der Kampf um\nOswald los, den die Sirenen und Zauberer zu sich herüber\nzielten. Chor der Sirenen, Chor der Zauberer, Schwanen-\ngesang Oswald's. Er ist im Begriffe, sich dem Teufel zu\nergeben: da fällt seiner Eva ein, was jeder Leser längst\nerwartet hat, das fromme Jugendlied der Heimat zu sin-\ngen, und siehe! Oswald ist gerettet und stimmt in den\nSchlusschor wie jeder vernünftige Mensch mit ein.\nIm Orchester fehlt kein Instrument, das existirt, selbst\ndas Fortepiano nicht, nebst Harfen, Flöten und Violinen\nin getheilten und vereinten Gruppen, vom Saxophon und\netlichem Blech umschmettert. Ob wir diese Sirenen-Musik\neinmal hören werden? Ich zweifle. Ich enthalte mich\nauch nach der blossen Durchsicht jedes Urtheils über die\nvierzehn Sätze der Partitur, und gebe nur in der Absicht\nNachricht davon, um einen neuen Beweis zu liefern, welche\nAuswüchse der sonst so gesunde Stamm der Tonkunst\nheutzutage treibt, nachdem seine Wurzel nicht mehr vom\nGenie, befruchtet wird.\nAuf den beiden Opern-Theatern zweiten Ranges\n[Opera comique und Theatrewerden seit dem\nFrühjahr viele einactige Operetten gegeben, theils neue,\ntheils wieder hervorgesuchte. Etwas Lebensfähiges scheint\nnicht zum Vorschein gekommen zu sein, wohl aber manch\nläppisches Zeug, z. B. L'Agneau de Chloe. In diesem Schä-\nferspiel treten vier Personen auf, zwei Schäfer, eine Schä-\nferin und ein Hammel, denn der Teufel mag dieses wohl-\ngenährte und gut dressirte Schaf für ein Lamm halten.\nEs ist wegen der glänzenden Widerlegung des Vorurtheils\nder Menschen gegen sein Geschlecht zwei bis drei Mal un-\ngeheuer beklatscht worden; der Hund des Aubry ist ein\nüberwundener Standpunkt, das Schaf spielt vortrefflich\nund macht ein paar volle Häuser jede Woche.\nDoch was will das sagen! Im Cirque imperial wird\nbei starkem Zulauf ein grosses Seestück: „Die Polarmeere\",\ngegeben, in welchem die Eisberge und die Eisbären we-\nsentlich sind. Verfasser ist ein junger Dichter, der den\nPrinzen Napoleon auf seiner Reise nach dem Nordmeere\nbegleitet hat. Die Handlung zur Zeit John Franklin's, die\nDecorationen und ein Eskimo-Ballet ziehen an, zumal- bei\nder Hitze draussen, welche hier wenigstens die Phantasie\nmildert.\nErwähnenswerth ist die Wiederaufnahme einer alten\nOper von Gretry: Les Meprise-s par ressemblance, in drei\nActen, im Theater der Opera comique. Sie war kaum noch\ndem Namen nach bekannt, auch zählt sie Gretry selbst in\nseinen Essais sur la Musiquenicht eben zu seinen gelun-\ngensten Arbeiten, wiewohl ihre erste Aufführung bei Hofe\nzu Fontainebleau im Jahre 1786 in die Zeit der höchsten\nBli'ithe Gretry's fällt. Später hatte Patrat, der Verfasser\ndes Buches, ein Lustspiel: „Die beiden Grenadiere oder\ndi eQuiproquo's\",daraus gemacht, das, wenn ich nicht irre,\nauch deutsche Bearbeitungen erlebt hat. Im Jahre 1822\nkam sie wieder als Oper mit Gretry's Musik auf die Bühne.\nDie Verwicklungen der Handlung beruhen auf der spre-\nchenden Aehnlichkeit der beiden Grenadiere, die der Braut\ndes einen und der Schwester des anderen gegenüber zu\nkomiseben Verwechslungen führt.\nVom Standpunkte der Kunst aus muss man die Wie-\nderbelebung einer Gretry'sehen Oper immer willkommen\nheissen. Allein es würde vergeblich sein, dem grossen Pu-\nblicum einreden'zu wollen, dass diese kleinen, kurzen\nArietten, diese Finales, die fast nichts als in Musik gesetzte\ndialogisirte Scenen sind, hübsche Motive enthalten und als\neinfach schöne Musik ihren Werth haben. Das Publicum\nist zu sehr an eine ganz andere Art von sinnlichem Reiz\ngewohnt, und gar zu sehr kann man es ihm auch nicht\nverdenken, wenn es sich gerade durch diese Partitur Gre-\ntry's nicht gefesselt fühlt, denn die Einfachheit geht hier\noft bis zur Naivetät, und die Kürze macht oft den Eindruck,\nals würde der Katze der Schwanz abgehauen oder, etwas\nsentimentaler ausgedrückt, als würde eine keimende Blume\neben vor dem Aufbrechen geknickt. Dieser Mangel an"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "268", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580821-01.1.4", "texte": "Entwicklung der an sich hübschen Motive schadet dem\nEindrucke des Ganzen.\nWährend in Paris bekanntlich fast nie oder doch nur\nmit unendlicher Mühe und Aufopferung des Unternehmers\neine Oratorien-Aufführung zu Stande kommt die „Jah-\nreszeiten\" im Conservatorium machten im vorigen Jahre\neine seit mehr als dreissig Jahren unerhörte Ausnahme—,\nbestehen und gedeihen die Städte-Bündnisse in der Pro-\nvinz, die ihre musicalischen Kräfte zu Musikfesten nach\nArt der Feste in Deutschland vereinigen. Am hervorra-\ngendsten unter ihnen ist der grosse Musik-Verein des We-\nstens {Association musicale de l'Ouest), der schon 24 Jahre\nlang besteht und manche Werke von Händel, Haydn und\nMozart aufgeführt hat, die man in Paris nicht hört. Die\nStädte Niort, Poitiers, la Rochelle und Angouleme waren\ndie ursprünglich verbündeten; jetzt gehören auch Limoges\nund Rochefort dazu, und in letzterer Stadt fand die dies-\njährige Feier am 24. und 25. Juli Statt. •\nDiesmal kamen meist Werke von Zeitgenossen zur\nAufführung. Das erste Concert brachte eine grosse Com-\nposition, betitelt „Eden\" (Z'js#m),vonFelicien David.\nEs füllte die erste Abtheilung. Chöre von Engeln und\nhöllischen Geistern bilden den Hintergrund, aus welchem\ndie Solo-Partieen von Adam und Eva, vom Fürsten der\nHölle und vom Schöpfer hervortreten. Letzteres ist jeden-\nfalls eine kühne Neuheit oder richtiger eine ungehörige\nRückkehr zu der Unsitte der altfranzösisehen Mysterien\noder göttlichen Komödien. Ein musicalisch gebildeter Zu-\nhörer äusserte sich über das Werk mit den Worten: „Die-\nses Oratorium verhält sich mit seinem durch und durch\nromantischen Wesen zu Haydn's Schöpfung wie ein rea-\nlistisches Gemälde unserer Zeit zu den Meisterstücken der\nrömischen Schule.\" —Die Aufführung unter der Leitung\neines Herrn Hostie soll recht gut gewesen sein. In der\nzweiten Abtheilung kamen aus grösseren Sachen das\npeccatis aus Rossini's S'tabat mater und Händel's Halleluja\nvor, ausserdem Solo-Vorträge, auch von pariser Virtuosen,\nz. B. Dorus, Alard u. s. w.\nDas zweite Concert (d. 25.) eröffnete Mendelssohn's\nvierte Symphonie in A -dur;sie soll recht gut gegangen\nsein und ganz ausserordentlichen Applaus erhalten haben.\nDas bekundet doch einen offenbaren Fortschritt. Wer\nhätte es vor zehn Jahren für möglich gehalten, an der\nWestküste von Frankreich von einem Provincial-Orchester\neine Mendelssohn'sche Symphonie zu hören! Und noch\nEines! Der Berichterstatter in einem öffentlichen Blatte\nsagt: „Der Vortrag von Romanzen erschien dem Publi-\ncum indess doch etwas ungehörig bei einer Vereinigung,\nderen Zweck ist, den musicalischen Geschmack der Bevöl-\nkerung durch Vorführung grosser Werke alter und neuer\nMeister zu bilden.\" Klingt das nicht beinahe, als wäre\nman in Deutschland?\nEin pariser Brief und nichts von Clavierrnusik und\nvon Pianisten?—Doch! Eine junge Deutsche, Fräul. Na-\nnette Falk, die Paris jetzt wieder verlässt, hat zwar nur\nin Privat-Cirkeln gespielt, aber bei allen Kennern ihren\nRuf als gediegene Ciavierspielerin begründet. Man ist dar-\nüber einig, dass es nicht viele Pianisten in Paris gibt, die\nBeethoven's Op. 106, 110 und 111 so vortragen kön-\nnen, wie sie.\nDas ehemalige Wunderkind Theodor Ritter aus\nFrankfurt scheint sich rüstig und wirklich künstlerisch zu\nentwickeln. Wenn auch der Versuch, eine dramatische\nComposition, eine Operette mit schlechtem Text, im Con-\neertsaale am Ciavier zu produciren, ein nicht gar gelun-\ngener, jedenfalls ein verfrühter genannt werden muss, so\nbeweis't doch die Compcsition einer grossen Sonate in\nEs für zwei Pianos. Op. 16, eine lobenswerthe ernste\nRichtung. Als Spieler glänzt er insbesondere auch durch\neine rasende Fertigkeit im Vomblattspielen.\nVon unserem trefflichen Stephen Heller erscheint\neine ganze Reihe von Ciavierwerken in einer neuen Aus-\ngabe bei Brandus &Dufour; sie enthält Op. 24, 28, 29,\n30 [Pensees fugitives), 39 und dann von Op. 40 bis Op.\n73 die nur hier und da unterbrochene Folge, endlich die\nzwei Hefte Präludien in allen Tonarten, Op. 81.\nHenri Herz hat uns mit der Herausgabe seines letz-\nten Werkes beschenkt: 6. Concert (in A-moll) für Piano-\nforte, Orchester und Chor. Das erste Tutti\nmaestoso, curiose Bezeichnung!) verspricht etwas, es schrei-\ntet in hübscher Steigerung ziemlich frei und breit voran\nund bringt durch das Mittelmotiv artige Contraste; allein\nbald nach dem Eintritt des Claviers ergeht sich der Com-\nponist in Passagen und Modulationen, die keinen festen\nAnhalt für einen leitenden Gedanken bieten; der nach\ndem Charakter des Tutti erwartete breite, getragene,\nnoble Stil bleibt aus, und gewisse unharmonische Rucke\noder Stösse sind nichts weniger als angenehm.\nSetz1 dir Perücken auf von Millionen Locken,\nDu bleibst doch immer, was du bist.\nHerz bleibt Herz und so bildet denn auch der erste\ni\nSatz ein effectvolles Ciavierstück, aber nach tiefem musica-\nlischem Inhalt muss man nicht fragen.\nDas Andante hat zwei hübsche Melodieen, denen je-\ndoch eine formel befriedigende Verbindung fehlt und de-\nren Entwicklung nur das variirte Thema ist. Auch klingt\ndie eine etwas hugenottisch.\nDer letzte Satz ist offenbar der bedeutendste. Das\nCiavier tritt mit einem originellen, lebensvollen Solo auf.\nDer Chor unterbricht es, indem er ohne alle Begleitung"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "269", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580821-01.1.5", "texte": "einen arabischen Gesang zum Preise Mahomet's ertönen\nlässt. Das Ciavier fällt später mit Harpeggien u. s. w. ein\nund variirt mit der bekannten Anmuth Herz'scher Varia-\ntionskunst, die zu einem Gebete wird, in welchem die Me-\nlodie des Andante vom Chor aufgenommen wird. Sie wie-\nderholt sich zu oft. Den Schluss bildet ein glänzendes Al-\nlegro vivo mit sämmtlichen Kräften, Pedalflügel, Chor, Or-\nchester, dem man einen symphonistischen Charakter nicht\nabsprechen kann. Meiner Meinung nach ist es aber ein\nMissgriff, die Idee Beethovens in Op. 80 auf ein Concert\nin optima forma überzutragen. Bei Beethoven, in einer\nPhantasie, die ein einfaches Thema durch allerlei Klang-\nmittel verfolgt und endlich bis zum Gesänge steigert, hat\nder Chor seine Berechtigung; aber in einem Concerte von\ndrei Sätzen in der Sonatenform fällt der Chor wie vom\nHimmel darein, wie ein Phänomen, das bloss blendet, des-\nsen Erscheinung aber durch nichts vorbereitet ist, und das\nauch keine nachhaltige Wirkung hervorbringen kann.\n\nB. P.\n\nStadttheater in Frankfurt am Main.\n\nVom 1. November 1857 bis 31. Juli 1858 sind fol-\ngende Opern aufgeführt worden:\nBarbier von Sevilla . 3 Mal. Medea 5 Mal.\nBeiden Schützen . . 2 „ Nachtlager 2 „\nBrauer von Preston . 2 „ Nachtwandlerin . . 2 „\nConcert am Hofe 2 „ Norma 1 „\nCzaar u. Zimmermann 2 „ Oberon 1 „\nDon Juan 4 „ Othello 1 „\nEntführung a. d. Serail 1 „ Postillon von Lonj.. I „\nFavorite 3 „ Puritaner 2 „\nFreischütz 4 „ Prophet 1 „\nFra Diavolo .... 3 „ Regimentstochter . 3 „\nFaust 2 „ Romeo und Julie . 1 „\nFigaro's Hochzeit. . 1 „ Robert der Teufel . 2 „\nFidelio \"2 „ Stumme von Portici 2 „\nHugenotten 2 „ Trovatore .... 5 „\nJoseph 2 „ Titus 3 „\nLucrezia Borgia . . 1 „ Tannhäuser .... 1 „\nLinda von Chamouny 2 „ Vestalin 3 „\nLiebestrank 2 „ Unsichtbare. . . 1 „\nLorelei 2 „ Wasserträger ... 2 „\nMartha 1 „ Weibertreue . . 3 „\nMaurer und Schlosser 1 „ Weisse Frau ... 3 „\nNeu waren davon die Operetten: Auber's „Concert\nam Hofe\" „Der Unsichtbare\", „Medea\" von Cheru-\nbini, der „Trovatore\" von Verdi und „Weibertreue\"\n(Die Weiber von Weinsberg) von unserem Capellmeister\nGustav Schmidt, eine Oper, die hier und in Mannheim\nsehr gefallen hat.\nBetrachten wir dieses Repertoire von 42 verschiede-\nnen Opern binnen neun Monaten in 89 Vorstellungen,\nso müssen wir über die ausserordentliche Thätigkeit der\nTheater-Leitung und des Künstler-Personals erstaunen. So\nzahlreiche und angestrengte Leistungen kann man kaum\neinem Hoftheater, bei dem alle Fächer und Rollen doppelt\nbesetzt sind, zumuthen. An einem städtischen Theater sind\nsie nur durch die Liebe zur Sache und durch den guten\nWillen des Sänger-Personals zu Stande zu bringen, und\ngeben durch die That den besten Beweis, wie eifrig man\nden Anordnungen des Herrn Intendanten entgegenkommt,\nwas dann wiederum ein höchst ehrenvolles Zeugniss für\ndessen artistische Geschäftsführung ist, da sie auf der rich-\ntigen Art und Weise, mit Künstlern umzugehen, beruhen\nmuss, wenn sie solche Resultate erzielen will. Vergleichen\nwir z. B. das Repertoire des Opern-Theaters in Wien, so\nfinden wir in der Saison von 1857—1858 während acht\nMonate und drei Wochen in 190 Opern-Vorstellungen\nnur 3 neue und 34 ältere Opern; dabei allerdings noch\n58 Ballet-Vorstellungen, wogegen aber in Frankfurt die\nAbende des recitirenden Schauspiels jeder Art von 1857\n—lB5B 220 an der Zahl waren. Und dabei besitzt das\nOpern-Theater in Wien zehn Sängerinnen und zehn Sän-\nger für erste Partieen und ausserdem drei Damen und\nsieben Herren für kleine Partieen. (Vgl. wiener Monat-\nschrift, Aprilheft, 1858.)\nBetrachten wir nun aber den Inhalt des Repertoires,\nso werden wir durch die Auswahl eben so sehr mit Ach-\ntung vor der artistischen Leitung erfüllt, als mit tiefer\nVerachtung des Geschwätzes, das hier in Frankfurt selbst,\nwo die Theaterzettel es vor aller Welt Augen zur hämi-\nschen Lüge stempeln, von dem ewigen Einerlei der Postil-\nlons von Lonjumeau spricht. Dass die treffliche ältere fran-\nzösische Oper vertreten ist, ist gerade ein Vorzug des\nfrankfurter Repertoires; Wien z. B. hatßoieldieu's „Weisse\nFrau\" seit einer Reihe von Jahren nicht gesehen, eben so\nwenig Cherubini's „Wasserträger\" und vollends die ,Me-\ndea\" desselben grossen Componisten. Eben so gehören\n„Fra Diavolo\", „Maurer und Schlosser\" und das „Con-\ncert am Hofe\" in die beste Epoche Auber's. Und wo hört\nman denn jetzt sonst irgendwo Mehul's „Joseph in Aegyp-\nten\" und Spontini's „Vestalin\" ?\nDabei erscheint Mozart mit „Don Juan\", „Figaro's\nHochzeit\", sogar mit der „Entführung aus dem Serail\",\neiner heutzutage sehr seltenen Aufführung. Dass die\nnachmozartischen deutschen Componisten nicht vernach-\nlässigt sind, zeigen die Aufführungen von Spohr's „Faust\"\n(ebenfalls sonst wenig zu hören), Weber's „Freischütz\""}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "270", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580821-01.1.6", "texte": "und „Oberon\", Beelhoven's „Fidelio\", Lortzing's „Czaar\nund Zimmermann\" und „Die beiden Schützen\", Flotow's\n„Martha\" und Wagner's „Tannhäuser\".\nDass endlich die neuere italiänische Schule bis ein-\nschliesslich auf Verdi und die neuere französische grosse\nOper, also namentlich Meyerbeer, ebenfalls ihre Stelle ge-\nfunden, zeigt ein Blick in das obige Repertoire.\nWas wollen denn nun eigentlich die Frankfurter?\nOder wissen sie überhaupt, was sie wollen, wenn sie mit\neiner solchen Opernliste nicht zufrieden sind? Wenn\ndergleichen Ansichten etwa auch bei dem verwaltenden\nAusschüsse der Actionäre Fürsprache finden oder gar von\ndessen Mitgliedern getheilt werden, so wird freilich der\nEntschluss des Herrn Intendanten Benedix, seine Stelle\nbinnen sechs Monaten niederzulegen, sehr erklärlich. Sehr\ncharakteristisch ist es aber, dass an zwölf Mitglieder des\nhiesigen Theaters ebenfalls abgehen, zum Theil schon im\nbevorstehenden Herbste, und darunter die tüchtigsten\nKünstler, wie z. B. Friedrich Hase und dessen Gattin (geb.\nCapitaine), Fräul. Veith, Herr Schneider u. s. w.\nDas Zerstören des seit zwei Jahren mühsam aufge-\nführten Baues scheint demnach zu gelingen; wie-die Wie-\nderherstellung gelingen werde, müssen wir abwarten.\n\nVerus.\n\nEntgegnung.\n\nDas August-Heft der „Wiener Monatschrift\"\nbringt folgende Entgegnung:\n„Die Neue Zeitschrift für Musik in Leipzig enthält\nin ihrer Nummer vom 9. Juli eine Entgegnung des Herrn\nBrendel auf meinen im Juni-Hefte der „Monatschriff\nerschienenen Artikel: „ „Zur gegenwärtigen Parteistel-\nlung'\"' u. s. w. —Es freut mich, dass Herr Brendel\ndie im Ganzen gemässigte Haltung meines Artikels aner-\nkennt und ihm eine gewisse Beachtung nicht versagt.\nGleichwohl findet er in meinem Verfahren einen grossen\nIrrthum und meint, es habe sich, mir vielleicht unbe-\nwusst, etwas Gehässiges eingeschlichen. Das Letztere\nsollte mir leid thun; denn persönlich wünsche ich Herrn\nLiszt und allen Zukunfts-Musikern das Beste, und feind-\nselige Motive liegen mir ganz fern. lieber das Erstere je-\ndoch bin ich um so geneigter, die Polemik fortzusetzen,\nals Herr Brendel ein sehr ehrenwerther Gegner ist, mit\nwelchem es sich wohl lohnt, eine Lanze zu brechen.\n„Herr Brendel findet den grossen „Irrthum\" mei-\nnerseits in Folgendem: „ „Wo man vermitteln will,\"\"\nsagt er, „ „müssen zwei Parteien in schroffer Einseitigkeit\neinander gegenüberstehen und, was die Hauptsache ist,\nmit gleicher Berechtigung. Das aber ist hierauch\nnicht entfernt der Fall.\"\" Hierauf ist zu erwidern, dass\nerstens von einem Vermittlungs-Versuche gar nicht\ndie Bede sein kann; denn wie könnte es mir einfallen, die\nbeiden extremen Parteien, welche allerdings in schroffer\nEinseitigkeit einander gegenüberstehen, versöhnen oder\neinander näher bringen zu wollen? Das hiesse so viel, als\nNord- und Südpol verknüpfen, Antipoden unter Einen Hut\nbringen wollen. Wenn ich eine Mittel-Partei consta-\ntirte, so liegt hierin noch keine vermittelnde Absicht.\nWenn man aber den Gegnern der Zukunfts-Musik alle\nBerechtigung abläugnet, so kann ich hierin eben nichts\nAnderes als „schroffe Einseitigkeit\" entdecken, welche\ndurch die Argumente des Herrn Brendel keineswegs ab-\ndisputirt erscheint. Herr Brendel führt zum Beleg, dass\nseine Partei „ „im Wesentlichen und allein (!) Recht\nhabe\"\", an, die Principien der Zukunfts-Partei seien so\nallseitig, sie selbst so sehr auf der Hut, wirkliche Ueber-\ngriffe zu vermeiden (!), dass der Gegenpartei nichts übrig\nbleibe, als das erfreuliche Geschäft, die Schwächen und\nMängel, die jedem irdischen Thun, und also auch dem\nihrigen, anhaften, immer wieder breit zu treten. Hierauf\nist zu bemerken, dass eine Partei, die Mängel und Schwä-\nchen eingestandener Maassen aufzuweisen hat, schon da-\ndurch die Berechtigung einer Gegenpartei darlhut. Und\nhat denn die Zukunfts-Partei je die Mängel und Schwächen\nihrer Gegner geschont, nicht vielmehr dieselben fortwäh-\nrend und gehörig breitgetreten?! Wird nicht F. Hil-\nler oder jeder, der sich auf irgend eine Weise als nicht\nzu ihrer Fahne schwörend bekannt hat, immerfort ange-\nfeindet und wo möglich lächerlich gemacht?! „„Bei den\nGegnern ist Willkürliches und Gemachtes, bei uns Ueber-\nzeugung.\"\" So! Also alles, was z. B. gegen Liszt's Com-\npositionen vorgebracht wurde, beruht nicht auf Ueber-\nzeugung! Der Beweis hiefür ist nicht gegeben und dürfte\nHerrn Brendel schwer genug fallen. Nicht minder stark\nist die Frage: „ „wo denn die Leistungen der Gegenpartei\nseien, die ihnen erlaubten, sich wirklich als Partei hinzu-\nstellen.\" \" Abgesehen von der, gelinde gesagt, grossen\nKühnheit, alle Compositionen als null zu bezeichnen, wel-\nche von Nichtanhängern oder ausgesprochenen Gegnern\nder von Weimar und Leipzig aus dirigirten Partei geschaf-\nfen worden sind, muss hier eine arge Vermengung der\nurtheilenden mit der schaffenden Musikwelt constatirt wer-\nden. Man kann alle gegenwärtig schaffenden Musiker aus\ndem Spiele lassen, und die Parteiung über die Frage nach\ndem Werthe der neuesten Werke wird doch fortbestehen\nzwischen den ausübenden Musikern wie zwischen den\nKunstfreunden, den Gliedern des Publicums. Die musicali-\nsche Presse ist es, welche den verschiedenen Urtheilen für\nund wider öffentlichen Ausdruck leiht, und welche den"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "271", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580821-01.1.7", "texte": "Streit auszufechten hat. Das Hereinziehen obiger Frage\nhalte ich demnach für höchst „„unberechtigt\"\". Wenn\nfreilich Herr Brendel sagt: „ „Nicht mit Sophismen wol-\nlen wir streiten, sondern auf die Stimme der Wahrheit\nhören in unserem Innern, und diese sagt, dass nicht Ge-\nsetze, weder neue noch alte, jemals ein Kunst-Urtheil fest-\nstellen, überhaupt nicht die Form, sondern lediglich der\nInhalt, ob dieser die Herzen trifft, ob dafür Be-\ngeisterung sich entzündet in der Nation (!), und\nwenn dies geschieht, wie es thatsächlich der Fall bei den\nneuen Werken (?!), so wird später daraus auch die neue\nForm begriffen,\"\" so gebe ich ihm hierin vollkom-\nmen Recht und will mich gern der öffentlichen Stimme\nunterordnen. Bis jetzt ist jenes aber eben nicht der Fall,\nwie die hundert Stimmen beweisen, welche Herrn Bren-\ndel's Feder in Athem erhalten und gar nicht zur Ruhe\nkommen lassen. Diese Stimmen sind aber nichts als der\nAusdruck der Meinung der Nation, dass sich keine Be-\ngeisterung in ihr entzündet. Man schreit über Entstellung\nder Thatsachen und ereifert sich, dass „ „wirkliche Erfolge\nmit frechster Lügenhaftigkeit inNichterfolge verdreht wer-\nden\" \", vergisst aber, was Applaus von echtem Erfolge\nunterscheidet. Es ergeht diesen Herrn wie seinerZeit Herrn\nAuerbach, als er im Herbste des Jahres 1848 nach\nWien geschickt wurde, um sich über die herrschende\nStimmung der wiener Bevölkerung zu unterrichten. Er\nfand auf den Strassen die Revolution und die Prediger\nderselben, was aber in den Häusern und vor den Tho-\nren Wiens, was von dem intelligenten Theile der Bevöl-\nkerung gemeint und gesagt wurde, das hörte er nicht;\nsein Bericht fiel daher höchst verkehrt aus und stand im\nschnurgeraden Widerspruche mit der wirklichen Stimmung\nder vernünftigen Bewohnerschaft, wie sie einige Wochen\nnachher zum lauten und deutlichen Ausdruck kam.—Wir\nläugnen nicht, dass überall, auch in Wien, unter jungen,\nnicht genügend durchgebildeten Phantasten eine leiden-\nschaftliche Verehrung für die Liszt'sehen Werke zu fin-\nden ist, allein die eigentlich musicalische Bevölkerung, das\ngebildete Concert-Publicum, hat noch nirgend zu einer\nRichtung sich bekannt, wie sie Liszt, Wagner und Ber-\nlioz verfolgen, und noch weniger (wie Herr Brendel\nselbst) denselben ein Genie zuerkannt, welches gross genug\nist, um die Richtung, welche Beethoven seiner Musik\nireeeben hat, im besten Sinne fortzuführen. Um noch höher\no o 7\nzu steieen als Beethoven, muss man auch eine noch hö-\no 7\nhere Kraft zugetheilt erhalten haben, wenn nicht das Bild\ndes Ikarus sich vor unseren Augen in kläglicher Weise\nerneuern soll. Eine Vermengung des Liszt'sehen mit dem\nWragner'sehen Standpunkte, wie sie Herr Brendel zum\nBelege meiner angeblichen Unklarheit supponirt hat, wird\njeder ablehnen müssen, der, wie ich, im Gegensatze zu\nHerrn Brendel's Behauptung, Liszt nicht zu den spe-\ncifischen Musikern rechnet, da seine Compositionen vom\nrein musicalischen Gesichtspunkte aus gar nicht beurtheilt\nwerden dürfen, wenn man sich nicht den Hohn der wei-\nmar-leipziger Partei zuziehen will. Wo also die gerügte\nConfusion herrscht, ob in unserem oder im Lager der\nFortschritts-Partei, kann ich füglich dem gesunden Urtheil\nder Leser überlassen.\n\nSelmar Bagge.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nfi&oln« Der k. Musik-Director Dr. Jo h. Theodor Mose-\nwius aus Breslau, Professor der Tonkunst an der dortigen Univer-\nsität und dem akademischen Institute für Kirchenmusik, Director der\nSing-Akademie, Ritter des Kothen Adler-Ordens vierter Classe, hat\nauf einer Reise nach der Schweiz mit seiner Gattin einige Tage hier\nverweilt.\nCrefeld. Am 12. und 13. September wird hier ein Musikfesi\nStatt finden, zu welchem die Sing-Vereine aus mehreren Nachbar-\nstädten ihre Mitwirkung zugesagt haben. Am ersten Tage werden\nJos. Haydn's „Jahreszeiten\" aufgeführt, am zweiten in einem\nMorgen-Concerte Beethoven's C-mo//-Sinfonie und mehrere Solo-\nstücke Die Solo-Partieen in den Jahreszeiten werden von Fräulein\nCatharina Deutz und Herrn M. DuMont-Fier aus Köln und\nHerrn Göbbels aus Aachen ausgeführt werden. Herr Musik-Direc-\ntor H. Wolf wird die Aufführungen leiten.\nCleve. Der Pianist Herr Karl Fettweis s, Zögling der Rhei-\nnischen Musikschule in Köln, hat sich seit einem Jahre als Musik-\nlehrer hier niedergelassen und sich bereits einen schönen Wirkungs-\nkreis geschaffen. Die von ihm im letzten Winter eingerichteten Soi-\nreen für Kammermusik fanden grossen Anklang, und das am Sonn-\ntag den 8. August von ihm im Hotel Maywald gegebene Concert\nzeigte durch den gefüllten Saal, dass diese Theilnahme im Steigen\nbegriffen. Herr Fettweiss bewies durch den Vortrag des Mozart'schen\nQuartetts in G-mu'l, der Campanella von Taubert, eines phantasti-\nschen Walzers von seiner Composition und der Moses-Phantasie von\nThalberg, durch reines, ausserordentlich fertiges und ausdrucksvolles\nSpiel, dass er, von einem schönen Talente unterstützt, die gediegene\nDurchbildung zu einem Clavie:Spieler ersten Ranges mit Glück er-\nstrebt. Der Beifall war nach jeder Nummer ein höchst ehrenvoller\nfür den jungen Künstler.\nAm 22. und 23. August findet zu Unna das m ärkisch-wes t-\nphälische Sängerfest unter der Direction des Musik-Directors\nA. Staab aus Hamm Statt, welcher im Jahre 1840 das Fest stif-\ntete. Es wurde zum ersten Male in Iserlohn gehalten und bis 1850\njährlich fortgesetzt, nach längerer Unterbrechung durch denselben\ntüchtigen Musiker im vorigen Jahre wieder ins Leben gerufen. Be-\ntheiligt dabei sind die Männergesang-Vereine von Camen, Dortmund,\nHagen, Hamm (zwei Vereine), Haspe, Hörde, Iserlohn, Königsborn,\nLippstadt, Schüren, Schwerte, Soest, Unna und Werl in einer Ge-\nsammtzahl von 40'.) singenden Stimmen. Wilde werden nicht ge-\nduldet. Auch hier wechseln Orchesterstücke mit Gesängen ab; Haupt-\nbestandteil des Orchesters bildet die Johannisberger Capelle (Dir.\nLangenbach) von Elberfeld. Das Programm bekundet eine edle Rich-\ntung: F. Schubert's Sinfonie, Beethoven's Leonoren-Ouverture, Wag-\nner's Tannhäuser-Ouverture, das Violin-Concert von Beethoven, Not-\nturno und Hochzeitsmarsch aus dem Sommernachtstraum von Men-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "272", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580821-01.1.8", "texte": "delssohn; ferner die Gesammt-Gesangstücke: J. Otto's Hymnus\nmit Orchester, Waldlied (mit Hörnern) von Schumann, Nachtgesang\nim Walde (eben so) von F. Schubert, Abt's Sängers Morgenfahrt\nund „Eine Nacht auf dem Meere'* von Tschirch bilden eine lobens-\nwerthe und gewiss wirkungsvolle Zusammenstellung. Mögen nur die\nEinzel-Vorträge dem Charakter des Ganzen angemessen sein, und\nman auch in künstlerischer Beziehung den Grundsatz wahren:\n~ Wilde werden nicht geduldet! 4\nHenri Vieuxtemps ist aus America zurückgekehrt.\nLondon. Fränl. Tietjens nahm als Leonore im ~Trovatoreu\nvon dem londoner Publicum Abschied. Am 7. August schloss die\ndiesjährige Saison von Her Majesty Theaire mit La Traviata. [Wir\nkommen ausführlicher auf diese Saison zurück.]\nMrittiiftgliam. Das grosse diesjährige Musikfest (das 27. in\nder Reihe) wird am 31. August beginnen, und zwar mit Mendels-\nElias jenem Oratorium, das der grosse Componist eigens\nfür Birmingham componirt und bei der ersten Aufführung im Jahre\n1846 selbst dirigirt hat. Am zweiten Tage wird Costa's Eli, am 3.\nMessias zur Aufführung kommen, und sodann ein neues,\nkürzeres Oratorium „Judith'4 von Henri Leslie, mit Beigabe von\nLauda Sion und Beethoven's C-Messe. Die vorzüglich-\nsten der in diesen geistlichen Tonwerken mitwirkenden Künstler\nsind die Damen Castellan, Clara Novello, Viardot, Miss Dolby, die\nHerren Sims Reeves, Montem Smith, Weiss und Belletti.\n\\"}]}