{"numero_id": "bm-bmtnabi-1858-09-04-01", "volume": "bmtnabi_1858-09-04_01", "ocr_sha256": "33925d76e2b4ea34ae6be2592bd638184f41af1446afbd11128a8f506ab81792", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1858/09/04_01/bmtnabi_1858-09-04_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580904-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1858-09-04-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-09-04_01#c001", "volume": "bmtnabi_1858-09-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "281", "page_fin": "281", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580904-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "281", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580904-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 468, "texte": "Inhalt.\nDie diesjährige Musikzeit in London. 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Schneider Hamburg Wien, Conservatorium, Hoftheater)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-09-04-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-09-04_01#c002", "volume": "bmtnabi_1858-09-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "281", "page_fin": "284", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580904-01.2.2", "titre_corps": "Die diesjährige Musikzeit in London.", "titre_sommaire": "Die diesjährige Musikzeit in London.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "281", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580904-01.1.1", "debut_caractere": 470, "fin_caractere_exclue": 4085, "texte": "Die diesjährige Musikzeit in London.\n(Fortsetzung, statt Schluss. S. Nr. 35)\nAn Instrumental-Musik, sowohl Orchester- als Quar-\ntett- und Kammermusik, war die diesjährige Musikzeit\nebenfalls sehr reich, fast reicher als sonst, jedenfalls ge-\nhaltvoller.\nDie ältere philharmonische Gesellschaft hat von\nMitte April bis Mitte Juni unter der Direction von Pro-\nfessor Sterndale-Bennett, der auch in diesem Jahre\nzum ersten Male ein Musikfest (in Leeds) geleitet hat,\nsechs sehr gute Concerte gegeben. Das Orchester hatte\ndurch die freundschaftliche Vereinigung der Herren Sain-\nton und Blagrove wahrscheinlich in Folge der politi-\nschen Entente cordiale zwischen Frankreich und England\nzwei vortreffliche Yorgeiger gewonnen, und bewährte\nsich im Ganzen als ein sehr tüchtiges, trotz der verhält-\nnissmässig nur geringen Zeit, die hier den Proben gewid-\nmet wird.\nIm ersten Concerte wurde Mozart's Sinfonie in\nNr. 4, und Beethoven's in A,Nr. 7, und die Ouvertüren\nzu Athalia und zum Freischütz gemacht. Sainton spielte\ndas Concert Nr. 4 in E-durvon David; ein junger Cla-\nvierspieler, W. G. Cusius, trat zum ersten Male in der\nPhilharmonie mit Bennett's Concert in F-moll auf und\nhatte Erfolg. Noch fehlt indess seinem Vortrage das Gross-\nartige und einfach Edle; der Ausdruck klingt noch zu stu-\ndirt und erscheint desshalb als Manier, die nicht ohne Af-\nfectation hervortritt. Die Composition von Bennett ist un-\nter den vier Concerten, die er geschrieben, wohl die beste;\nsie erhebt sich etwas mehr über das Gewöhnliche und\nüber dasjenige, was man Mendelssohn'sche Studien nennen\nkönnte.\nEin Ereigniss war Joachim's Auftreten im zweiten\nConcerte. Man hatte ihn seit sechs Jahren nicht gehört,\nund so hatte sein erstes Wiedererscheinen einen grossen\nEinfluss auf den Besuch des Concertes, was der gedrängt\nvolle Saal und die Zahl der verkauften Extra-Billets be-\nwies. Er spielte am Schlüsse des ersten Theiles das Con-\ncert von Beethoven und feierte damit einen Triumph, wie\nman ihn bei dem Auditorium dieser Concerte wohl noch\nnicht erlebt hat. Nachher spielte er noch die Teufelstriüer-\nSonatc von Tartini. Die gesammte Presse wetteiferte, den\ngrossen deutschen Künstler zu verherrlichen. Von Sinfo-\nnieen wurde Mendelssohn's Nr. 4 in A-dur und Beetho-\nven's Pastorale gemacht; zum Schlüsse Spohr's Ouvertüre\nzum Alchvmist, die ich hier zum ersten Male hörte. Da-\n-1\nzwischen Gesang von Italiänern, Stücke von Meyerbeer\nund Rossini!\nDas dritte Concert brachte im ersten Theile die zwei\nkolossalen Werke Beethoven's, die und das C'avier-\nConcert in Es-dur,beide vom Orchester trefi'licli ausge-\nführt, und die Clavier-Partie in dem letzteren von Herrn\nHalle mit vollendeter Meisterschaft vorgetragen. Danach\nhatten Vater Haydn mit seiner Sinfonie Nr. 11 und Herr\nBott aus Meiningen mit Spohr's Concert Nr. 11 einen\nschweren Stand. Herr Bott fand jedoch trotzdem verdiente\nAnerkennung für sein reines und gediegenes Spiel.\nIm vierten war Joachim wieder der Held des Abends.\nEr spielte Mendelssohn's Concert und eine Sonate von\nBach mit der Fuge in G-moll. Nach dem Concert wurde\ner gerufen und mit ganz aussergewöhnlichen Cheers be-\ngrüsst. Der Saal war wiederum überfüllt. Von Sinfonieen\nhörten wir Mozart's G-moll-und Beethoven's\nfonie Nr. 8, dazu Spohr's Jessonda- und Cherubini's Fa-\nniska-Ouverture. Einige Tage darauf spielte Joachim\nin der neuen Concert-Halle in den ersten\nSatz von Lipinski's Concert müUaire und ein Capriccio von\nPaganini. Dieses Concert war zu einem wohlthätigen\nZwecke veranstaltet.\nRubinstein konnte im folgenden Concerte der Phil-\nharmonie keinen einstimmigen Erfolg erringen; ein Theil"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "282", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580904-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5407, "texte": "tler Zuhörer, offenbar die kleinere Hälfte, applaudirte und\nrief ihn heraus, während der andere, namentlich die Mu-\nsiker und gebildeteren Kunstfreunde, nicht nur nicht ein-\nstimmte, sondern sein Auftreten und sein Spiel fast zorn-\nentbrannt verdammte. Es ist wahr, dass sein Vortrag\nWreber's Concertstück zu einer Caricatur machte; eine\nso geschmacklose, geradezu absurde Hetze, eine so win-\ndige, inhalts- und ausdrucksleere Notenfegerei ist mir noch\nnicht vorgekommen. Einige kleinere Stücke spielte er bes-\nser, ein Notturno von Field sogar recht schön; allein in\nden Sachen von eigener Composition spukte wieder der\nVirtuosen-Teufel, und aus den präludirenden Zwischen-\nspielen konnte man auch für den russischen Künstler als\nImprovisator kein günstiges Urtheil herausnehmen. Eine\nSinfonie von Mozart in C (nicht mit der Fuge) und die C-\nwo//-Sinfonie von Beethoven wurden gemacht, dazu die\nOuvertüren von Cherubini zu Anakreon und Mendelssohn's\nzur Melusine, letztere keineswegs genügend ausgeführt.\nIm letzten Concerte versagte der Gas-Apparat seine\nDienste, so dass Joachim Spohr's Gesangscene im Zwie-\nlicht spielte, was den Eindruck gewisser Maassen noch\npoetischer machte. Der Erfolg war ein erneuter Triumph,\nein einstimmiger, begeisterter Hervorruf, Während der\nPause wurde die Beleuchtung in Ordnung gebracht\nman erwartete jeden Augenblick die Ankunft der Königin\n—; de J Geruch war abscheulich und verlor sich auch nicht\ntrotz des Aufsperrens von Fenstern und Thüren. Welch\nein Trost für alle kleineren Städte, dass so etwas in Lon-\ndon, in den aristokratischen Hanover Square Rooms, pas-\nsiren konnte! Eine Menge von Personen verliess den Saal,\nviele wurden nur durch den Wunsch, die Königin zu sehen,\nzurückgehalten. Die Direction war in Verzweiflung; ein\nMitglied es schien eben kein Parlamentsredner zu sein\nhielt einen Entschuldigungs-Speech, den kein Mensch\nverstehen konnte. Endlich wurde es Licht, kaum eine Mi-\nnute vor dem Erscheinen der Königin mit dem Prinzen-\nGeniahl, dem Könige Leopold von Belgien und Gefolge.\nNun begann der zweite Theil des Concertes, dessen Pro-\ngramm, wie Musical World nachher schrieb, „ganz und\ngar aus königlicher Fabrik\" war: Beethoven's Sinfonie\nNr. IV., ß-dur, Gebet und Barcarole aus Meyerbeer's\nNordstern, gesungen von Miss Louise Pyne, Mendelssohn's\nViolin-Concert, gespielt von Joachim, Tannhäuser-Ouver-\nture von Wagner. Alles ging gut; W'agner's Ouvertüre\nwurde, wie ein hiesiges Blatt sagte, mit solchem Aufwand\nvon Kraft ausgeführt, dass man befürchtete, das Gaslicht\nwerde sich noch einmal empfehlen aus Schrecken vor dem\nchaotischen Lärm.\nVon den vielen Triumphen, die Joachim, der offenbar\nder Held der diesjährigen Saison war, noch ausserdem\nfeierte, erwähne ich nur seine Mitwirkung in einem der\nConcerte von classischer Kammermusik, welche Miss Ara-\nbella Goddard gab. Er spielte mit dieser ausgezeichneten\nPianistin seine Variationen für Bratsche und Ciavier und\nBeethoven's grosse vl-mo//-Sonate für Violine und Ciavier.\nIn dem letzten Concerte der dirigirte er\nseine Ouvertüre zu Heinrich IV., die jedoch wegen Man-\ngels an Proben nicht zum Besten ausgeführt wurde.\nIn Benedikts jährlichem Monster-Concerte drei\nTheile von 24—30 Nummern—in\n(den 21. Juni), in welchem alles von Gesang- und Instru-\nmental-Künstlern, was Ruf hat, zu hören war, kamen un-\nter anderen Merkwürdigkeiten auch ein Sextett-Concert\nfür sechs Violinen von Maurer vor, gespielt von Joachim,\nMolique, Maurer, Deichmann, Blagrove und Collins; ferner\nJ. S. Bach's Concert für drei Claviere (mit Orchester-Ver-\nvollständigung von Moscheies), vorgetragen von Rubinstein,\nBenedikt und G. Aloys Schmitt, mit einer Cadenz von Ru-\nbinstein solo! Ausserdem hat Benedikt auch noch zwei\noder drei Festival Concerts im Krystali-Palaste veranstal-\ntet (das zweite den 31. Juli), bei denen die Einnahme\nund nicht die Kunst am meisten berücksichtigt wurde. Es\ngehört übrigens zu jenen unsinnigen musicalischen Exces-\nsen, die man nur in London antrifft, in diesem Riesen-\nLocale einzelne Arien und Lieder, Duo für zwei Piano-\nforte, Beethoven's Phantasie mit Chor u. s. w. aufzu-\nführen !\nDr. Wylde, Vorstand und Dirigent der neu-phil-\nharmonischen Concerte, hat klüglich den Saal der\nneuen St. James' Hall für seine musicalischen Aufführun-\ngen gewählt; hier konnte er höhere Preise nehmen und\nden Zuhörern bequemere Sitze geben. Er veranstaltete eine\nReihe von fünf Concerten auf Subscription, von Mitte April\nbis Mitte Juni, und das erste bot gleich eine sehr achtungs-\nwerthe und zahlreiche Gesellschaft dar. Die erste Abthei-\nlung füllte Beethoven allein: Egmont-Ouverture, Duett aus\nChristus am Oelberg, Es-dur-Concert (Miss Goddard), Arie\naus Fidelio (Mad. Castellan), (7-;wo//-Sinfonie; im zweiten\nTheile drei Arien (!) und die Ouvertüren zum Freischütz\nund zur Stummen von Portici. Dr. Wylde gibt nur eine\nSinfonie in jedem Concerte, was sehr vernünftig ist. Das\nOrchester war recht gut. Im zweiten Concerte lieferte\nMozart den Stoff zum ersten Theile: Gesang, Zauberllöten-\nOuverture, Concert für Ciavier in D-dur, Nr. 20, Sinfo-\nnie in Es.Ein italiänischer Pianist, Signor Andreoli, spielte\ndas Concert glatt, aber meist ohne allen Ausdruck. Sein\nVortrag des inhaltlosen Unsinns, denFumagalli Danse des\nSylphes betitelt hat, erwarb ihm von der Menge Applaus.\nIm dritten und vierten Concerte hielt Dr. Wylde sei-\nnen Vorsatz, den ersten Theil jedes Mal Einem und dem-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "283", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580904-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5338, "texte": "selben Componisten zu widmen, fest; daher denn in jenem\nsechs Nummern von Mendelssohn, in diesem eben so viel\nVon Mozart wahrlich nicht zum Vorth eil Mendelssohn's.\nMit der universalen Musik eines Genie's wie Mozart kann\nman allerdings ein ganzes Concert füllen, ohne zu lang-\nweilen, aber der sehr specielle Stil Mendelssohn's wird auf\ndie Länge gar zu eintönig. Dazu kam, dass ausser der Fin-\ngals-Höhle die unvermeidliche il-cfer-Sinfonie und das\neben so oft gehörte G-mott-Concer für Pianoforte hier\nwieder erschienen. Madame Szarvady-Clauss trug indess\ndas Concert und zwei Stücke von Chopin vortrefflich vor\nund wurde stürmisch gerufen. Allerdings thut dem gebil-\ndeten Hörer ein so musicalisches Spiel unendlich wohl,\nwährend die Art und Weise, wie Rubinstein im vierten\nConcerte mit Mozart's D-moll-Concert umging, einem ein\nStich ins Herz ist. Wenn doch nur diese durch und durch\nmodernen Virtuosen den Mozart in Ruhe lassen wollten,\nder bei solchem Hokuspokus, wie sie unter dem Vorwande\nvon Cadenzen dem Publicum vormachen, sich im Grabe\nherumdrehenmuss! DasOctett für Blas-Instrumente wurde\nrecht zart und wohlklingend ausgeführt. Eine Sinfonie gab\nes an demselben Abend gar nicht, desto mehr Solostücke\nfür Gesang, bei denen auch Pischek figurirte, der, wie der\nTenorist Reichardt, die conservative Geschmacksrichtung\nder Engländer ausbeutet, die sich nicht nur auf die Kunst-\nwerke, sondern auch auf die Künstler ausdehnt. In Lon-\ndon muss man das Wort der alten Zigeunermutter in Pre-\nciosa umkehren: „Einmal hier gut aufgenommen, darf\nman immer wiederkommen!\"\nDas fünfte (letzte) Concert war bei Weitem interessan-\nter und befriedigender, als das vierte. Die Orchestersachen,\ndie Ouvertüren zu Medea, zu Oberon, zu Ruy Blas und\ndie Ei *oica, wurden wirklich sehr gut ausgeführt, und\nausserdem verherrlichten die Namen der Miss Arabella\nGoddard und Joachim's das Programm. Beide hatten aus\nden verschütteten Schachten früherer Kunstperioden, an\nderen Aufgrabung freilich auch die Mode ihren Antheil\nhat es ist aber eine gute Mode, wenn sie nicht über-\ntrieben wird —, den Stoff zu ihren Leistungen ans Licht\ngezogen: Bach's Sonate Nr. 5 mit der prächtigen Fuge\nfür die Violine allein, und Dussek's Clavier-Concert Nr. 6\nin G-mollstiegen aus der Vergessenheit vor dem erstaun-\nten Publicum als glänzende Neuigkeiten auf. Joachim's\nwirklich bewundernswerthe Wiedergabe jenes contrapunk-\ntischen Meisterstückes des alten Bach riss zu aussergewöhn-\nlichen Beifallsbezeigungen hin, obwohl sich nicht läugnen\nlässt, dass selbst der grossartige Ton, den dieser Heros\nden Saiten abzwingt, die Einsamkeit einer einzigen Violine\nin dem grossen Saale nicht ganz vergessen machte. Im\nzweiten Theile spielte er noch die Romanze m mit Or-\nchester von Beethoven.\nDas Concert von Dussek war noch unbekannter als\nBacli's Violin-Sonate, auch den deutschen Künstlern und\nKunstfreunden; wir hörten es alle zum ersten Male, und\nwohl nur Wenige mögen es einmal gesehen oder durch-\ngespielt haben. Es ist ein echtes Clavier-Concert, dessen\nerster Satz breit angelegt und glänzend ausgeführt ist. Der\nlangsame Satz in Es ist melodiös, indess nicht von bedeu-\ntender Erfindung. Das Finale aber, ein Rondo in G-möll\nwie der erste Satz, ist ein prächtiges Stück in jenem cha-\nrakteristischen, man kann wohl sagen: genialen Stil, der\nDussek's Bravoursachen auszeichnet. Der Vortrag desCon-\ncertes ist nichts weniger als leicht; allein Miss Goddard\nkennt keine Schwierigkeiten mehr auf ihrem Instrumente.\nDabei ist sie eine Künstlerin im wahren Sinne, und der\nausserordentliche Erfolg, den sie in der neuesten Zeit in\nEngland hat, ist nicht auf Rechnung des Patriotismus der\nEngländer zu schreiben; denn auch die strengsten Kunst-\nrichter unter den hiesigen Deutschen erkennen ihr die\nPalme unter den jetzt lebenden Ciavierspielerinnen zu,\nFrau Schumann und Frau Szarvady-Clauss nicht ausge-\nnommen.\nEs ist unglaublich, was dieses noch junge Mädchen\nan Fleiss und Ausdauer, mit denen sich geistvolle Autfas-\nsung und technisches Genie verbinden, leistet.\nSie hatte in ihrem Salon eine erste Reihe von Soireen\nveranstaltet: für eine zweite wählte sie das elegante Local\nWillis' Rooms, welches jedes Mal von einer Zuhörerschaft\ngefüllt wurde, zu der alles gehörte, was auf Rang in dem\nReiche der Tonkunst Anspruch machen konnte. Mit dem\nvollsten Rechte heissen diese Abende classische Musik-\nSoireen; weder die Wünsche der grossen Damen, noch\ndie Huldigungen und Vergötterungen ihrer Anbeter brin-\ngen diese junge, in jeder Hinsicht reich begabte Dame von\nihrem künstlerischen Wege ab ; nie lässt sie sieh zum Vor-\ntrag von Amusemcnts-Musik herab. Betrachten Sie nur\nihre Programme, und Sie werden staunen, wenn ich Ihnen\nsage, dass ein Mädchen in der Blüthe der Jahre das alles\nbewältigt. Da finden Sie z. B. die grosse Sonate in D-dur,\nOp. 106, von Hummel, das letzte Werk für Pianoforte\nallein, das er componirte; von Beethoven die Sonaten in\nA-clur, Op. 101, und in B-duv, Op. 106; die Sonate\nNon plus ultra in Fvon Wölfl und die Sonate\nin As,Op. 71, von Dussek, beide an Einem Abend; die\nSonate in E-moll,Op. 70, von C. M. von Weber; von J.\nS. Bach die Fugascherzando, Fuge in Fuge in\nG-dur aus dem wohltemperirten Ciavier; die Fuge in G-\nmoll von Scarlatti; von Mozart die Sonate in mit Vio-\nline (Herr Sainton), von Mendelssohn die Quartette in F-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "284", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580904-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 930, "texte": "Moll und in B-moll,die Sonate in mit Violine, die Fuge\nin D-dur aus den sieben Charakterstücken für Pianoforte.\nNehmen Sie dazu mehrere Conccrt-Vorträge, das Es-dur-\nConcert von Beethoven, das oben erwähnte Concert von\nDussek u. s. w., und Sie können Sich eine Vorstellung von\nden Studien der Miss Goddard machen. Wenn man ihren\nVortrag des Op. 106 von Beethoven und der Sonate Plus\nultra von Dussek gehört hat, so kann man den Namen\n„Königin des Pianoforte\" nicht für eine Schmeichelei er-\nklären. Die furchtbar lange und fast unspielbare Sonate\nOp. 106 spielte sie zuerst im Jahre 1853, kaum sieben-\nzehn Jahre alt, öffentlich und erregte schon damals Be-\nwunderung. In den beiden letzten Saisons hat sie sie drei\nMal gespielt, und jetzt, in ihrem zweiundzwanzigsten Jahre,\nbeherrscht sie den Geist der Meister aller Schulen so, dass\nsie ihn aus ihren grössten und schwierigsten Werken uns\nwieder heraufzaubert.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-09-04-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-09-04_01#c003", "volume": "bmtnabi_1858-09-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "284", "page_fin": "285", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580904-01.2.3", "titre_corps": "Nachricht von dem Clavierspieler Clementi.", "titre_sommaire": "Nachricht von dem Clavierspieler Clementi.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "284", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580904-01.1.4", "debut_caractere": 932, "fin_caractere_exclue": 4946, "texte": "Nachricht von dem Clavierspieler Clementi.\nBern, im October 1784.\nDen 18. Heumonat war ein Ball auf dem Lande un-\nter einem Zelt, dem Ihro Königliche Hoheit der Prinz Hein-\nrich in Preussen auch beiwohnten. Jedermann drängte\nsich herbei, diesen Helden zu sehen; es kam auch ein\nFremder in einem Frack, der ihm bis auf die Schuhe ging,\nmit einem langen Bart und grauem, rundem Hut. Er ar-\nbeitete sich durch bis zum Zelt; die Wache trieb ihn zu-\nrück. In einer Stunde kam er wieder, rasirt, prächtig ge-\nkleidet. Macht Platz! schrie die Wache, diesem frem-\nden Herrn! Man führte ihn ins Zelt, gab ihm Thee zu\ntrinken und hiess ihn mit tanzen.\nDieser Fremde war der berühmte Musicus Clementi,\ndem Küffner ein Opus dedicirte, und ein Anderer seine\nLandkarten. Tottis, tantus, quantus Musicus, und noch\nmehr! usoixwrarogl —wie es Aristophanes nimmt,\neruditus et doctus.\nEr kam von Lyon, wo er wider die Meinung des hoch-\ndenkenden Herrn Imbert Colomes dessen achtzehnjährige\nTochter, die eine grosse Schönheit sein soll, so lange pla-\ntonisch liebte, bis sie mit einander einig wurden, davon zu\ngehen, um sich an einem erlaubten Orte trauen zu lassen.\nDer Vater setzte ihm nach, meldete sich beim Gouverneur\nzu Chamberi, der liess ihn aufhalten; als er aber aus den\nBriefen die wahre Beschaffenheit sähe, gab er ihm auch\nfür seine Postpferde einen Pass. Verständige Männer\nsagen, Herr Colomes hätte sich eines Mannes, der in die-\nsem Jahrhundert eine Epoche macht, nicht zu schämen,\nder wirklich von seinen Interessen reichlich leben kann;\nan anderen Oertern nehme man das nicht so genau. Schrö'\nter habe eine reiche Engländerin entführt und sich in\nSchottland copuliren lassen, dem ohngeachtet sey er jetzt\nbey der Königin Ciaviermeister.\nDieser Clementi wollte beym Ciaviermacher Howard\nein Fortepiano in Zins nehmen, dafür musste er ihm sei-\nnen Namen sagen, und dieser sagte es mir wieder. „Es\nkomme ein Fremder zu ihm, so simpel er auch gekleidet\nsey, merke man doch an ihm etwas Erhabenes: er heisse\n«I '\nKlemm oder Clemens und spiele wie einer mit drey\nHänden.\"\nIch dachte gleich: das ist Clementi! Nachher kam er\nwieder und verbot ihm, seinen Namen zu entdecken. Es\nwar zu spät; ich passte dem Kuttemann auf und bekam\nihn in meine Mausfalle. Wir kamen aber so finster zusam-\nmen, wie beim Milton jene drohende Wolke auf dem\ncaspischen Meere.\nEs war ihm recht ärgerlich,.... Dass er verrathen\nwar; recht wild und grimmig sah er mich an, bald mein\nabgeschnitztes Haar, bald meinen Schulmeisters-Kock. Ich\nbin es nicht gewohnt, mir trotzen zu lassen, und konnte\nmich nicht enthalten, ihn wie ein Samojede anzugreifen.\nNach und nach konnten wir uns einander leiden, und end-\nlich nahm er gar seine holdselige römische Miene hervor,\nkam mit mir, meine Bibliothek zu sehen. Weil wir nun\nviel, sehr viel einander zu sagen hatten, blieb er zum Mittag-\nessen, und weil wir mit Disputiren und Schreyen nicht\nfertig werden konnten, blieb er gar bey mir über Nacht.\nAn hiesiger Mittagsglocke nahm er wahr, dass sie an-\nstatt der Quinte immer die Quart zum Mitklang\nhatte. Ich wollte hier meinen eigenen Ohren nicht trauen\nund bat unseren Howard, auf das zu achten; er merkte\ndas Nämliche. Wann nun hier kein Schaden an der Glocke\nist, könnte das des Rameau's System verdächtig machen.\nWir sprachen viel von Bameau, Tartini und des Te-\nstori Musica ragionata.Aus diesen allen hat er sich ein\neigenes System erwählt, das er mit der Zeit nebst seinen\neigenen Entdeckungen bekannt machen will. Er lachte\nüber den Bemezrieder und des Ximenes Buch über die\nalte Music.\nIn seiner Composition, absonderlich im Langsamen,\nzeigte er mir, «ie die Mittelstimme den Gesang führe;\ndas habe er dem Bameau abgelernt. In den lateinischen\nAutoren habe er gefunden, seiner Composition die eigene\nWendung zu geben; aus der Geometrie die Consistenz der\nGedanken. Die Art, ihre Episoden an einem unbiegsamen\nOrte anzubringen, sey sehr merkwürdig für einen Com-\nponisten, und der Spruch des Quintilians: Si non dafür\nporta, per murum erumpendum."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "285", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580904-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4759, "texte": "Sieht man seine geschwinden Octavengänge für die\nnämliche Hand, so sollte man glauben, sie seyen nicht nett\nzu spielen; er macht aber sogar dergleichen Octaven-Tril-\nler immer weit mehr, als 'geschrieben stehen, und jede\nNote ist aufs deutlichste von der anderen abgelös't, mit\neiner solch unnachahmlichen Begeisterung, immer wach-\nsend und abnehmend, unvermerktem\nu. s. w., dass es unmöglich wäre, solches auf dem Papier\nauszudrucken.\nZu etlichen hat er seine eigene Fingersetzung, seine\nunmittelbar auf einander folgenden Triller macht er sehr\nwunderbar, auch mit ? i f. So wie ihn habe ich auch\nnoch Niemand gehört des Domenico Scarlatti seine Sona-\nten spielen. Vorher kannte ich sie nur halb. Vom Mecha-\nnischen und Physischen der Instrumente des Friderici,\nStein, Pascal, Mertin, Stodard und Broadwcod hat er eine\nvollständige Kenntniss. Gleich neben diese setzt er unseren\nHoward, wollte auch auf keinem anderen von den hiesigen\nspielen; seine Arbeit, sagt Clementi, sey sinnreich, einfach,\nnett und fleissig. Für sich selbst bestellte er bey ihm ein\nganz kleines, nach seinem eigenen Riss, zu 3 Vi französi-\nschen Schuhen in der Länge und einem breit. Es soll\nschier so stark werden, als ein grösseres; wann es aber\nein klein wenig länger wäre (welches wunderbar ist), würde\ndie Stärke wegfallen.\nClementi findet Fehler und ihre Ursachen, die hundert\nAnderen entgehen; der Bass muss ihm gedämpft sein, wie\nder Discant, die Dämpfung muss aber in der Mitte ein we-\nnig hohl aufliegen, damit der Ton nicht verdrückt werde,\nwie in der Fräulein Paradis ihrem.\nWegen des Hebels der Hämmer hat er seine eigene\nSpeculation; wegen der Tastatur, ihrer behörigen Balan-\ncen und Ausmessung, ist er sehr häklig, z. E. die sonst\nguten Portugesten zu Lyon des Donzelaque seyen gar nicht\nrecht, die halben Töne zu hoch u. s. w., alle flügelförmi-\ngen sollten drey Saiten haben; Broadwood in London mar\nchen jetzt auch kleine zu drey Saiten.\nFür sein schlechtestes Opus gibt er das dritte aus, er\nhabe sich hier mehr nach einem anderen, als nach seinem\neigenen Geschmack richten müssen,\nNun aber noch etwas von seiner Historie oder seinem\nCharakter. Ich könnte wohl noch Vieles von seiner Theorie\nsagen, aber die Leute hatten es von je her lieber, wenn\nman ihnen etwas erzählt.\nDrei Wochen lang lebte er ganz verborgen, weinte\nimmer, ging nirgends hin als in die öffentliche Bibliothek\nund arbeitete den ganzen Tag in der Mathematik immer\nauf einem Fleck, in sich selbst verschlungen, in Meinung,\nseine Sehnsucht damit aufzutrocknen; als aber das nichts\nhelfen konnte, machte .'er sich wieder reisefertig, schrieb\nauch seinem Vater, er solle ihn zu Rom erwarten.\nSein Vater, der ein eifriger Katholik ist, schickte ihm\nein geweihtes Zettelchen, ein Bollettino contra le Tribula-\nzioni (wider die Schwermuth). Direte, sagt er, cinque Pa-\nter noster e dieci Ave Maria per le anime di Purgatorio,\ntenendo giorno e notte questo sacrato Bollettino, che v'invio,\nsul core, e sarete infallibilmente guarito della vostra Me-\nlancolia.\nDer Sohn muss nicht so fromm sein, als der Vater;\ndenn er liess es bey mir liegen.\nDamals hatte man, um seine Geliebte ihm abspenstig\nzu machen, und damit man ihn von Bern wegbringen\nkönnte, einen alten Kunstgriff wieder aufgewärmt: „Er\nsey mit der Gemahlin eines Mylords davon gegangen, er\nhabe eine Frau in Neapolis und eine in Preussen.\"\nAuch hatte man ihm unter der Hand die Flucht ge-\nrathen; aus diesen Reden konnte er nicht klug werden\nund meinte gar, es könne eine Eifersucht darunter liegen.\nCe bruit, schrieb er mir, ne m'effraie pas; je voulois m'en\naller, mais ä present il faut que je reste; er habe nichts\ngethan, dessen er sich schämen müsste, seine Geliebte auch\nnicht. Objet charmantSf doux (sagte er aus der\nd'Orleans) vous aves bien peche malgre vous!\nEr entdeckte sich sogleich der Polizey, dass er nicht\nein Verwandter vom Componisten sey (wie die Leute bis-\nher glauben Hessen), sondern der nämliche, den man jetzt\nin Verdacht habe. Es wurde ihm erlaubt, welches nicht\nleicht geschieht, in hiesige französische Zeitung (die immer\ndurch die Censur eines Herrn vom grossen Rath gehen\nmuss) setzen zu lassen: „Dass er gegen obige Erdichtun-\ngen Zeugnisse von den Herren Ambassadeurs aufweisen\nwerde, die auch seinen Charakter genugsam rechtfertigen\nsollten. *\nDie Folge seiner Entdeckung war, dass er in vorneh-\nmer Gesellschaft wider seine Neigung aufgeführt wurde.\nDa zeigte er sich mit einem freimüthigen Anstand,\nsich immer selbst gleich, und brillirte nicht nur als Musi-\ncus, sondern in jedem Fach.\nAber einem Einsamen, der schlafen gehen möchte, ist\nes nicht gedient, wenn man ihm Lichter anzünden will.\nL' Intenzione di questo soggiorno (sagte er mir) 11011 fü che\nper ragion di riposo :ma vogliono und verreis'te."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-09-04-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-09-04_01#c004", "volume": "bmtnabi_1858-09-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "285", "page_fin": "287", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580904-01.2.4", "titre_corps": "Wagner’s Lohengrin in Wien.", "titre_sommaire": "Wagner’s Lohengrin in Wien.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "285", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580904-01.1.5", "debut_caractere": 4761, "fin_caractere_exclue": 5000, "texte": "Wagner’s Lohengrin in Wien.\nAm 19. August wurde Wagner's Lohengrin zum ersten Male in\nWien auf dem Hof-Operntheater gegeben. In der Neuen Wiener Mu-\nsik-Zeitung lässt sich lI—L, nachdem er den Inhalt der Handlung\ndargelegt; also vernehmen;"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "286", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580904-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 8329, "texte": "„Richard Wagner nimmt eine grosse Bedeutung für diese Lohen-\ngrin-Sage in Anspruch. Lohengrin ist ihm, wie er selbst sagt, der\nTypus der modernen Tragik und eigentlich ihr einziger Stoff, von\ngleicher Bedeutung für die Gegenwart, wie die Antigone für das\ngriechische Staatsleben es war.\n„Gewiss liegt ein höherer Sinn in der Loliengrin-Sage, an welche\nR. Wagner sich in seinem Textbuche ziemlich treu gehalten hat;\nallein wenn diese Bedeutung nicht vollkommen klar und eindringlich\naus dem Buche hervortritt, so liegt die Gefahr nahe, dass das mär-\nchenhafte Beiwerk des in einen Schwan verwandelten und durch die\nDazwischenkunft einer Taube entzauberten Herzogsknaben von Bra-\nbant uns als etwas Fremdartiges erscheint, das mit dem theils kraft-\nvollen, theils zart-innigen wirklichen Leben voll Puls und Empfin-\ndung, das vor uns entrollt wird, nicht in befriedigender Weise zu-\nsammenstimmt. Derlei symbolisches Wesen schadet im Dramatischen\nimmer der Wirkung, da seine Verwebung mit dem dargestellten Le-\nben und die Vergeistigung des letzteren durch das erstere selten\nmit jener Klarheit und Ueberzeugung vor unser inneres Auge tritt,\ndie nothwendig ist, um uns auf dem idealen Standpunkte festzuhal-\nten. R. Wagner besitzt als ein geistreicher Mann, der sich die\nOperntexte selbst liefert, allerdings die Gabe, sie thunlichst für sei-\nnen Zweck einzurichten, die Musik als beleuchtendes und die Kraft\ndes Wortes und der Situation (der inneren Seelenzustände sowohl\nals des Abdrucks derselben in den Begebenheiten) verstärkendes, ja,\nverklärendes Ausdrucksmittel über dem Texte walten zu lassen; al-\nlein bei den Glänzen, welche dem Dichter, der eine Handlung dra-\nmatisch zur musicalischen Behandlung gestalten soll, bei dem Spiel-\nraum, den die letztere für den Ausdruck des Gefühlslebens in An-\nspruch nimmt, notwendiger Weise gezogen sind, ist es immer miss-\nlich, die höhere Bedeutung der vorgeführten Begebnisse und Zustände\nauf Symbolisches zu gründen. Die Musik kann hier wohl als mäch-\ntige Herrseherin über die Stimmung der Seele nachhelfen ; allein sie\nkann das, was das Wort zu thatsächlicher oder begrifflicher Aufklä-\nrung der Erscheinungen schuldig bleibt, mit der Unbestimmtheit\nihres Ausdrucks nicht ersetzen. Uebrigens hat der Gegensatz zwi-\nschen dem in Leidenschaft und Sucht nach den Gütern des Lebens\nbefangenen Ehepaare Friedrich und Ortrud und dem Gral-Ritter,\nder, von Sehnsucht nach der unbedingten Liebe getrieben, aus seiner\nwonnig öden Einsamkeit herabsteigt, und in Berührung mit der Ge-\nliebten, wie mit jedem anderen menschlichen Wesen alles Aeussere,\nsogar seine Herkunft und seinen Namen, verläugnen will und muss,\num seiner hohen Sendung treu zu bleiben, zwischen welchen beiden\nGegensätzen die edle sanfte Elsa mit der liebenden Hingebung an\nLohengrin, als das durch eine Vision verklärte Ideal ihrer Seele, und\nder irdischen Schwachheit des Zweifels an dem Ideale im Herzen\nsteht etwas sehr poetisch Anziehendes, das von der Grundlage- des\nkraft- und glaubensvollen ritterlichen Volkslebens sich blendend abhebt.\n~Ueber die Musik Wagner's ist schon so viel gesagt und geschrie-\nben worden, und er hat durch seine Theorie der Oper den Stand-\npunkt, von dem aus man seine Werke beurtheilen muss, so entschie-\nden festgestellt, dass man nur zu sagen braucht, ob man sich zu\nden Anhängern seines Systems bekenne oder nicht, um dann sein\nUrtheil füglich darauf beschränken zu können, ob und in wie fern\nder Tondichter in der Art und Weise, die er für die einzig wahre\nund rechte hält, Talent, Geist, Geschick und Geschmack gezeigt\nhabe. Wir bekennen uns unumwunden nicht zu der Theorie Wag-\nner's; nach unserer Meinung kann nur die Frage bestehen; Hat die\nOper, das musicalische Drama, eine Berechtigung künstlerischer Exi-\nstenz oder nicht? Wer ihr diese abspricht, der kann auch in Wag-\nner's Bestrebungen kein Heil erblicken; wer aber ein musicalisches\nDrama gelten lässt und wer vermöchte bei den wundervollen\nLeistungen auf diesem Gebiete und ihrer welterobernden Wirksam-\nkeit gesunden Sinnes das Gegentheil zu behaupten? —, der muss in\nder Musik und kann nur in ihr allein den künstlerischen Schwer-\nPunkt, die Kraft und die Bedeutung für diese Kunstgattung suchen.\nWer die Musik in der Oper tiur als Dienerin der Poesie, als Ver-\nstärkung des Ausdrucks der Worte in Anwendung bringen zu kön-\nnen glaubt, und darin allein sein Heil sucht, der betrügt sich selbst;\ndenn im musicalischen Drama wird und muss der Tondichter mag\nthun, was er will die Musik herrschen und den Text in den Hin-\ntergrund drängen; ja, die Dichtung kann, wenn sie der musicali-\nschen Behandlung fähig sein soll, nie ein Kunstwerk sein, sie kann\nnur die Elemente zum musicalisch-dramatisehen Kunstwerke liefern;\nwie im Liede, so können in einzelnen lyrischen Stellen, in Momenten\nreinen Gefühls-Ausdrucks, die Worte zu dichterischer Schönheit sich\nerheben und eine wahre Kunst-Ehe mit den Tönen feiern; allein die\ndramatisch-künstlerische Entwicklung der Situationen und Charaktere\nund ihrer innersten Bedeutung, das eigentlich dramatische Kunst-\ngebilde der Oper, wird stets allein von der Musik geschaffen wer*\nden, und sie allein vermag es zu schaffen durch die ihr inwohnende\nselbstständige Kraft der Gestaltung und des Ausdrucks, durch die\nihr eigentümliche Schönheit.\n„Wagner's Lohengrin steht unseres Erachtens höher als sein\nTannhäuser, weil eine grössere Stil-Einheit in demselben herrscht,\nund der Tondichter seiner Richtung mit grösserer Strenge und Selbst-\nverläugnung treu geblieben ist. Dem rein sinnlichen Elemente, dem\nReize, ist kein Eingang in diese Musik gestattet worden, der Gesang\nhält durchaus die reine charakteristische Einfachheit des Ausdrucks\nfest, und nur die Instrumentation umspielt und umbraus't ihn mit\nreichen, blendenden Mitteln zur Verstärkung, Individualisirung und\nEntfaltung des Ausdrucks. Die Mängel und Vorzüge des Werkes\nsind im Wesentlichen schon öfter von der Kritik von verschie-\ndenen Seiten gründlich besprochen worden; die melodische Dürf-\ntigkeit, der Abgang musicalischer Motive und die dithyrambische\nBehandlung des Gesanges, der ohne rhythmische Ruhepunkte und\nAbschlüsse, daher ohne die jedem Kunstgebilde nöthigen Contouren,\nsich abspinnt und kein anderes Gesetz kennt, als sich den darge-\nstellten Seelen-Zuständen mit möglichst treuer Charakteristik anzu-\nschmiegen, dann das Uebergewicht des instrumentalen Theiles.\n„Wenn übrigens dieser Instrumentation mit ihren allerdings blen-\ndenden Klangwirkungen und ihren das dargestellte Leben reich be-\nleuchtenden und cliarakterisirenden Ausdrucksmitteln ein so ausser-\nordentlicher Zauber, eine so überwältigende Macht der Beglaubigung\nbeigelegt wird, wie z. B. in einem Schreiben aus Weimar ge-\nschieht, welches darin etwas Unbegreifliches, Wunderbares erblickt,\nso können wir dem Verfasser nicht beistimmen. Allerdings sind die\ndargestellten Zustände, innere und äussere, wahr und scharf betont,\nso dass sie nicht in einer wesenlosen Allgemeinheit des Ausdrucks\nzerfliessen, sondern in charakteristischer Geschiedenheit sich von ein-\nander abheben; allein da die Klangfarbe einen sehr grossen Antheil\nan dieser Charakterisirung hat, und daher namentlich die Instrumen-\ntirung auf diesen Erfolg hinarbeitet, und zwar in der Art, dass selbst\ndurch die vorwiegende Anwendung der einen oder der anderen Gat-\ntung Instrumente (der Streich-, Holzblas- und Blech-Instrumente) bei\nder Darstellung der Seelenzustände dieser und jener handelnden Per-\nsonen die Individualisirung derselben angestrebt wird, so ist es klar,\ndass der musicalische Ausdruck doch mehr auf Aeusserlichem, auf\nCombinationen, als auf wahrer Innerlichkeit beruht, welche nur dann\nvorhanden ist, wenn die Seele ihre Empfindungen melodisch im Ge-\nsänge ausprägt und selbst den wildesten Leidenschaften in einer\nconcreten, echt musicalischen Schönheitsform den verklärenden Kunst-\nzauber verleiht. Man halte sich die Scene in Mozart's Zauberflöte ge-\ngenwärtig, als Pamina in ihrer Verzweiflung den Dolch gegen ihre\nBrust zücken will, und die drei Genien sie zurückhalten, und man\nwird den Unterschied begreifen lernen, welcher zwischen der musi-\ncalischen Darstellung eines Seelenbildes von innen heraus aus genial\nschaffender Phantasie und jener eines geistvollen Componisten wie\nR. Wagner ist, der die Ausdrucksmittel der Musik fleissig studirt"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "287", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580904-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3192, "texte": "hat und sie mit Geschick und feinem Sinne zur recitativischen Cha-\nrakterisirung der durch die Dichtung gegebenen Seelenzustände an-\nzuwenden versteht.\n„Hier und da erhebt Wagner sich im Lohengrin so wie im Tann-\nhäuser allerdings zu höherem, mrt der Weihe innerster Empfängniss\nausgestattetem Ausdrucke, und namentlich ist es wieder der auf der\nidealen Höhe echter Weiblichkeit stehende Charakter der Elsa, der,\nwie jener der Elisabeth im Tannhäuser, Seiten wahrhaft ergreifender\nWahrheit und Schönheit darbietet. Ihrem Gelange vom Söller der\nKemenate herab in der zweiten Scene des zweiten Actes:\n„Euch Lüften, die mein Klagen\nso traurig oft erfüllt,\nkann man wohl nicht widerstehen. Das Erscheinen Lohengrin's im\nersten Acte ist ebenfall» von seltener Schönheit; sowohl der über\ndas Wander staunende Chor der Männer und Frauen als das Ab-\nschiedslied Lohengrin's an den Schwan haben ein äusserst warmes\nund magisches Colorit.\n„Wir könnten noch mehrere einzelne Schönheiten gleicher Art\nanführen, wollen uns aber darauf beschränken, auch der grössten-\nteils sehr wirksamen, mit charakteristischer Kraft behandelten\nChöre zu gedenken.\n„Die Ausführung der Oper war eine in jeder Beziehung vorzüg-\nliche. Orchester und Chor leisteten unter der Leitung des trefflichen\nCapellmeisters Heinrich Esser Unglaubliches, wenn man die Schwie-\nrigkeit der Aufgabe ins Auge fasst. Ein so gewaltiges, aus dem In-\nnersten strömendes Wirken des Chores haben wir kaum je noch er-\nlebt, die Massen traten mit der ganzen Kraft der Persönlichkeit auf.\n„Unter den Trägern der Hauptrollen müssen wir vor allen Frau\nDust mann-Meyer nennen, die ihre schöne ausdrucksvolle Partie\nmit einer Wahrheit, Schönheit und Innigkeit sang, wie man seit der\nLind Aehnliches nicht wieder gehört hat.\n„Diese Partie ist aber auch ganz für ihr zartes, weniger sinnlich\nreizendes als innig beseeltes Organ, für ihre dem lirisch-elegischen\nAusdrucke vorzugsweise zugebildete Gesangskunst geschaffen. Be-\nkanntlich wurde ihre Darstellung der Elisabeth im Tannhäuser in\nPrag als eine ihrer vorzüglichsten Leistungen bewundert. Wer ihre\nElsa gehört, begreift es, und der lebhafteste Wunsch muss in ihm\nrege werden, sie auch als Elisabeth zu hören.\n„Frau Czillag sang die Ortrud, bekannte Unarten im Vortrage\nder tieferen Stellen abgerechnet, mit entsprechendem Ausdrucke und\ndas charakteristische Colorit war im Ganzen glücklich getroffen.\nHr. And e r wusste das edle Gepräge des Lohengrin treu wieder-\nzugeben; seine Leistung war vom Anfang bis zu Ende gleich wahr\nals warm, und die wenigen dankbareren Momente, namentlich bei sei-\nnem ersten Auftritte und am Schlüsse der Oper (die Erzählung über\nseine Herkunft) wusste er zu schöner Wirkung zu bringen. Hr.\nBeck entfaltete als Friedrich Telramund seine schöne Stimme mit\nkräftigem Ausdrucke und gewandtem Vortrage; allein dem Cha-\nrakteristischen wusste er nicht mit voller Sicherheit gerecht zu wer-\nden. Hr. Schmid als König und Hr. Hrabanek als Heerrufer\nwaren ganz auf ihrem Platze. Die Ausstattung ist glänzend, die\nInscenesetzung meisterhaft. Der Beifall bei der ersten Vorstellung\nwar stürmisch, bei der zweiten mässig. Das Haus war am ersten\nAbend überfüllt, am zweiten voll."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-09-04-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-09-04_01#c005", "volume": "bmtnabi_1858-09-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "287", "page_fin": "288", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580904-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Untehaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Untehaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "287", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580904-01.1.7", "debut_caractere": 3194, "fin_caractere_exclue": 7238, "texte": "Tages- und Untehaltungs-Blatt.\nli. Olli« Bei der Anwesenheit Ihrer Majestät der Königin von\nEngland und des Prinzen-Gemahls Königl. Hoheit hatte der Köl-\nner Männergesang- Ve rein, der sich bekanntlich der besonde-\nren Huld Ihrer Majestät erfreut, die hohe Ehre, in dem grossen\nSaale des Gürzenich Sonntag den 29. August gegen 2 Uhr einige\nGesänge vorzutragen. Die Vorträge begannen mit einem Festgruss,\ngedichtet von Hrn. Prof. Vack, Präsidenten des Vereins, componirt\nfür Chor und Tenorsolo (welches Hr. A. Pütz sehr ausdrucksvoll\nsang), vom k. Musik-Director F. Weber. Dann folgten Kreutzens\n„Das ist der Tag des Herrn\" und „Abendfeier\", Silcher's Volks-\nlied: „Wohin mit der Freud\" und Mendelssohn's „Froher Wanders-\nmann\". Dazwischen sang Hr. DuMont-Ficr Reichard's ~Spanische\nCanzonetta\" auf besonders gelungene, echt künstlerische Weise, was\ndenn auch seinen Eindruck nicht verfehlte, indem Ihre Majestät Ihr\nWohlgefallen durch sichtbare Beifallsbezeigungen zu erkennen ga-\nben. Ueberhaupt wurde vortrefflich gesungen. Nach dem Schlüsse\nder Vorträge geruhte die Königin, Sich gegen den Hrn. Dirigenten\nF. Weber in den gnädigsten Ausdrücken über das Vergnügen aus-\nzusprechen, „was es Ihr gemacht habe, die schönen deutschen Lie-\nder des Vereins, die sie immer so gern höre, nun auch einmal hier\nin dem klangvollen Saal gehört zu haben.\nDie Chorproben für die Winter-Concerte unter F. Hiller's\nLeitung haben bereits wieder begonnen.\nFräulein Katharina Deutz wird einer Einladung der Direc-\ntion der Gewandhaus-Concerte in Leipzig zufolge in den beiden\nersten Concerten am 3. und 10. October daselbst singen.\nCl'effeltSj 2. September. Die Vorbereitungen und Proben zu\ndem hiesigen Musikfeste am 12. und 13. d. Mts. sind im besten\nGange. Der Chor bildet einen zahlreichen Verein von Sängern und\nSängerinnen, und wenn man weiss, mit welcher Freude jeder rhei-\nnische Gesang-Verein die herrlichen Chöre aus Haydn's Jahreszeiten\nsingt, so kann man einem erhebenden Genüsse mit vollem, llechte\nentgegensehen.\nAnfangs August. Die Vorbereitungen zu dem\ndritten mittel rheinischen Musikfeste, welches Mitte Septem-\nber hier Statt findet, werden jetzt sehr eifrig betrieben. Der Herzog\nhat zu den erwachsenden Kosten vorläufig einen Beitrag von 3001)\nFl. bewilligt; an freiwilligen Beiträgen der hiesigen Einwohnerschaft\ngingen bis jetzt über 2000 Fl. ein, die Stadtcasse hat einen even-\ntuellen Zuschuss von 1500 Fl. bewilligt; es sind also genügende\nMittel vorhanden, das Fest würdig zu begehen. Die Tonhalle wird\nnach einem Plane des Baumeisters Fach auf dem Louisenplatze\nerbaut. In die Direction der musicalischen Productionen werden sich\nHerr Hof-Capellmeister Vincenz Lachner in Mannheim und Herr\nHof Capellmeister Hagen in Wiesbaden tlieilen. Das aufgestellte\nProgramm des ersten Festtages enthält Jos. Haydn's „Schöpfung\",\ndas Concert des zweiten Festtages folgende Nummern: 1) Ouvertüre\nzu Iphigenie in Aulis von Gluck; 2) Fest-Choral von Joh. Eccard,\n19. Psalm von H. Schütz und Motette „Ich lasse Dich nicht\" von\nJoh. Chr. Bach; 3) Clavier-Concert in Es-dur von Beethoven; 4)\n114. Psalm von Mendelssohn; 5) Sinfonie in C-dur von Sjhubert;\nG) Priesterchor aus der Zauberflöte von Mozart; 7) Sopran-Solo; 8)\nHalleluja von Händel.\nUnser Hoftheater wird nach den Mitte August\nzu Ende gegangenen Sommerferien am 5. September wieder eröffnet\nwerden. Was die Geschmacksrichtung der Oper betrifft, so lassen\nwir nachstehend eine Uebersicht der Werke folgen, welche in der\nzurückgelegten Saison zur Aufführung kamen. An 72 Abenden er-\nhielt Verdi 19 Vorstellungen: Sicilianische Vesper G, Ernani 4, Ne-\nbukadnezar 3, Rigoletto 3, Troubadour 3; Meyerbeer 9, Robert\n3, Hugenotten 2, Prophet 2, Nordstern 2; Bellini 7, Nonna 3,\nPuritaner 3, Romeo und Julie 1; Donizetti G, Lucia 2, Beiisar\n2, Favoritin 1, Luerezia Borgia 1; Auber 3, Stumme 2, Masken-\nball 1; Kreutzens Nachtlager 2, MehuVs Joseph 2, Jü-\ndin 2, Balfe's Zigeunerin 2, Cherubini's Wasserträger, Weber's Frei-\nschütz, WeigeFs Schweizerfamilie und Wagner's Tannhäuser je 1\nVorstellung."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "288", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580904-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3607, "texte": "Eine sein* anerkennenswerthe Thätigkeit zur Förderung des Ge-\nschmacks an classischer Musik entwickelte unsere wackere Hofca-\npelle auch im vorigen Winter wieder durch das AufFühren von acht\nphilharmonischen Concerten, welche bei dem kunstsinnigeren Theile\ndes hiesigen Publicums eine lebhafte Theilnahme finden.\nFraill* f'isrt Fräulein Fräncis c a Veit Ii verlässt\nzum Winter das hiesige Theater und hat ein Engagement beim Hof-\ntheater zu Kassel angenommen. Herr Theodor Schneider\ntritt schon im September sein neues Engagement bei der königlichen\nOper zu Berlin an.\nSo lange Director Sachse am Ruder des Stadt-\ntheaters war, haben beinahe alle Tagesblätter und Journale Ham-\nburgs zu der tollen Gastspiel-, Opern- und Ballet-Wirthschaft ge-\nschwiegen, mit welcher das Institut verfahren und ruinirt worden\nist. Fast kein einziges hat die „Jahreszeiten1' in dem Bekämpfen\ndieses kopflosen Treibens unterstützt. Seitdem aber der Bankerott\neingetreten und in Folge dessen Director Sachse vom Schauplatz\n-verschwunden, kommen nun die meisten mit überraschender Sach-\nkenntniss und Einsicht, alle diejenigen Grundsätze zu predigen, die\nwir seit länger denn Jahr und Tag zu predigen nicht aufgehört\nhaben. (Jahreszeiten.)\nIm Conservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde\nsind im Laufe des Juli, wie alljährlich, die Prüfungen abgehalten\nworden, untl hat am 29. Juli die so genannte „feierliche Prämien-\nVertheilung\" sammt Zöglings-Production Statt gefunden. Sollten sich\neinige unserer Leser wundern, dass wir Productionen und Prüfungen\nunbesprochen Hessen, so möge Folgendes uns zur Entschuldigung\ndienen. Der Verein, als Ganzes betrachtet, befindet sich in einem\nZustande, welcher derlei vereinzelte Besprechungen zwecklos erschei-\nnen lässt. Was nützt es auch, einzelne Vorzüge und Fehler der\nProfessoren und ihrer Schüler zu erwähnen, wo es sich zunächst\num die Leitung und das Gedeihen des Ganzen handelt? Was hat es\ngenützt, dass wir die im vorigen Winter bei Veranstaltung der Ver-\neins-Concerte begangenen Fehler gerügt haben? Bietet etwa die ge-\ngenwärtige Sachlage die geringste Bürgschaft einer baldigen Besse-\nrung ? Denkt man heuer bei Zeiten daran, sich über die aufzufüh-\nrenden Werke zu einigen und dieselben kennen zu lernen, bevor\nman sie Anderen einstudirt? Wird das Conservatorium so geleitet\nund beaufsichtigt, wie es unter der Herrschaft normaler Zustände\nder Fall sein sollte ? Dringen nicht Gerüchte von fortwährenden\nSpaltungen im Schoosse der Direction bis in die öffentlichen Blätter ?\nHerrscht denn nicht selbst unter den zunächst Betheiligten, wenig-\nstens unter denjenigen, welche noch einen Funken künstlerischen\nEhrgefühls besitzen, die Ueberzeugung vor: So, wie es jetzt ist, kann\nes nicht bleiben? (W. Monatschrift.)\nDas Hof-Operntheater hätte am Tage seiner Wiedereröffnung, den\n18. August, Richard Wagner's Oper Lohengrin bringen sollen. We-\ngen Unpässlichkeit der 1 rau Dustmann-Meyer musste diese interes-\nsante Aufführung \\ orläufig vertagt werden. Am sechsten und\nsiebenten Abende wuide zum ersten JVlale aufgeführt: ~Alpeiihütte\"*\n(Le Chdlet), einactige Operette von A. Adam, und „Der Schauspiel-\nDirector\" von Mozart. In der „Alpenhütte\" sind beschäftigt Fräul.\nHofmann und die Herren Walter und Mayerhofen im „Schauspiel-\nDirector\" singt Fräul. Wildauer die Madame Lang, Fräul. Liebhart\ndie Mamselle Uhlig, Herr Erl den Mozart und Herr Hölzl den Schi-\nkaneder. Nach diesen Neuigkeiten wird in Angriff genommen „Die\nKönigin 1 opaze\" (La reine Topaze), komische Oper in drei Aufzü-\ngen von Victor Masse, und irgend eine Oper, man weiss noch nicht,\nwelche, von Gluck."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "281", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580904-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie diesjährige Musikzeit in London. Fortsetzung, statt Schluss. Nachricht von dem Ciavierspieler Clementi. Bern, im\nOctober 1784. Wagner's Lohengrin in Wien. Erste Aufführung. Tages- und Unter Ii altungsblatt (Köln, Männergesang-Vere'n,\nWinter-Concerte, Fräul. Katharina Deutz Crefeld, Musikfest Wiesbaden, Mittelrheinisches Musikfest Darmstadt, Hoftheater\nFrankfurt a. M., Fräul. Francisca Veith, Herr Th. Schneider Hamburg Wien, Conservatorium, Hoftheater).\n\nDie diesjährige Musikzeit in London.\n(Fortsetzung, statt Schluss. S. Nr. 35)\nAn Instrumental-Musik, sowohl Orchester- als Quar-\ntett- und Kammermusik, war die diesjährige Musikzeit\nebenfalls sehr reich, fast reicher als sonst, jedenfalls ge-\nhaltvoller.\nDie ältere philharmonische Gesellschaft hat von\nMitte April bis Mitte Juni unter der Direction von Pro-\nfessor Sterndale-Bennett, der auch in diesem Jahre\nzum ersten Male ein Musikfest (in Leeds) geleitet hat,\nsechs sehr gute Concerte gegeben. Das Orchester hatte\ndurch die freundschaftliche Vereinigung der Herren Sain-\nton und Blagrove wahrscheinlich in Folge der politi-\nschen Entente cordiale zwischen Frankreich und England\nzwei vortreffliche Yorgeiger gewonnen, und bewährte\nsich im Ganzen als ein sehr tüchtiges, trotz der verhält-\nnissmässig nur geringen Zeit, die hier den Proben gewid-\nmet wird.\nIm ersten Concerte wurde Mozart's Sinfonie in\nNr. 4, und Beethoven's in A,Nr. 7, und die Ouvertüren\nzu Athalia und zum Freischütz gemacht. Sainton spielte\ndas Concert Nr. 4 in E-durvon David; ein junger Cla-\nvierspieler, W. G. Cusius, trat zum ersten Male in der\nPhilharmonie mit Bennett's Concert in F-moll auf und\nhatte Erfolg. Noch fehlt indess seinem Vortrage das Gross-\nartige und einfach Edle; der Ausdruck klingt noch zu stu-\ndirt und erscheint desshalb als Manier, die nicht ohne Af-\nfectation hervortritt. Die Composition von Bennett ist un-\nter den vier Concerten, die er geschrieben, wohl die beste;\nsie erhebt sich etwas mehr über das Gewöhnliche und\nüber dasjenige, was man Mendelssohn'sche Studien nennen\nkönnte.\nEin Ereigniss war Joachim's Auftreten im zweiten\nConcerte. Man hatte ihn seit sechs Jahren nicht gehört,\nund so hatte sein erstes Wiedererscheinen einen grossen\nEinfluss auf den Besuch des Concertes, was der gedrängt\nvolle Saal und die Zahl der verkauften Extra-Billets be-\nwies. Er spielte am Schlüsse des ersten Theiles das Con-\ncert von Beethoven und feierte damit einen Triumph, wie\nman ihn bei dem Auditorium dieser Concerte wohl noch\nnicht erlebt hat. Nachher spielte er noch die Teufelstriüer-\nSonatc von Tartini. Die gesammte Presse wetteiferte, den\ngrossen deutschen Künstler zu verherrlichen. Von Sinfo-\nnieen wurde Mendelssohn's Nr. 4 in A-dur und Beetho-\nven's Pastorale gemacht; zum Schlüsse Spohr's Ouvertüre\nzum Alchvmist, die ich hier zum ersten Male hörte. Da-\n-1\nzwischen Gesang von Italiänern, Stücke von Meyerbeer\nund Rossini!\nDas dritte Concert brachte im ersten Theile die zwei\nkolossalen Werke Beethoven's, die und das C'avier-\nConcert in Es-dur,beide vom Orchester trefi'licli ausge-\nführt, und die Clavier-Partie in dem letzteren von Herrn\nHalle mit vollendeter Meisterschaft vorgetragen. Danach\nhatten Vater Haydn mit seiner Sinfonie Nr. 11 und Herr\nBott aus Meiningen mit Spohr's Concert Nr. 11 einen\nschweren Stand. Herr Bott fand jedoch trotzdem verdiente\nAnerkennung für sein reines und gediegenes Spiel.\nIm vierten war Joachim wieder der Held des Abends.\nEr spielte Mendelssohn's Concert und eine Sonate von\nBach mit der Fuge in G-moll. Nach dem Concert wurde\ner gerufen und mit ganz aussergewöhnlichen Cheers be-\ngrüsst. Der Saal war wiederum überfüllt. Von Sinfonieen\nhörten wir Mozart's G-moll-und Beethoven's\nfonie Nr. 8, dazu Spohr's Jessonda- und Cherubini's Fa-\nniska-Ouverture. Einige Tage darauf spielte Joachim\nin der neuen Concert-Halle in den ersten\nSatz von Lipinski's Concert müUaire und ein Capriccio von\nPaganini. Dieses Concert war zu einem wohlthätigen\nZwecke veranstaltet.\nRubinstein konnte im folgenden Concerte der Phil-\nharmonie keinen einstimmigen Erfolg erringen; ein Theil"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "282", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580904-01.1.2", "texte": "tler Zuhörer, offenbar die kleinere Hälfte, applaudirte und\nrief ihn heraus, während der andere, namentlich die Mu-\nsiker und gebildeteren Kunstfreunde, nicht nur nicht ein-\nstimmte, sondern sein Auftreten und sein Spiel fast zorn-\nentbrannt verdammte. Es ist wahr, dass sein Vortrag\nWreber's Concertstück zu einer Caricatur machte; eine\nso geschmacklose, geradezu absurde Hetze, eine so win-\ndige, inhalts- und ausdrucksleere Notenfegerei ist mir noch\nnicht vorgekommen. Einige kleinere Stücke spielte er bes-\nser, ein Notturno von Field sogar recht schön; allein in\nden Sachen von eigener Composition spukte wieder der\nVirtuosen-Teufel, und aus den präludirenden Zwischen-\nspielen konnte man auch für den russischen Künstler als\nImprovisator kein günstiges Urtheil herausnehmen. Eine\nSinfonie von Mozart in C (nicht mit der Fuge) und die C-\nwo//-Sinfonie von Beethoven wurden gemacht, dazu die\nOuvertüren von Cherubini zu Anakreon und Mendelssohn's\nzur Melusine, letztere keineswegs genügend ausgeführt.\nIm letzten Concerte versagte der Gas-Apparat seine\nDienste, so dass Joachim Spohr's Gesangscene im Zwie-\nlicht spielte, was den Eindruck gewisser Maassen noch\npoetischer machte. Der Erfolg war ein erneuter Triumph,\nein einstimmiger, begeisterter Hervorruf, Während der\nPause wurde die Beleuchtung in Ordnung gebracht\nman erwartete jeden Augenblick die Ankunft der Königin\n—; de J Geruch war abscheulich und verlor sich auch nicht\ntrotz des Aufsperrens von Fenstern und Thüren. Welch\nein Trost für alle kleineren Städte, dass so etwas in Lon-\ndon, in den aristokratischen Hanover Square Rooms, pas-\nsiren konnte! Eine Menge von Personen verliess den Saal,\nviele wurden nur durch den Wunsch, die Königin zu sehen,\nzurückgehalten. Die Direction war in Verzweiflung; ein\nMitglied es schien eben kein Parlamentsredner zu sein\nhielt einen Entschuldigungs-Speech, den kein Mensch\nverstehen konnte. Endlich wurde es Licht, kaum eine Mi-\nnute vor dem Erscheinen der Königin mit dem Prinzen-\nGeniahl, dem Könige Leopold von Belgien und Gefolge.\nNun begann der zweite Theil des Concertes, dessen Pro-\ngramm, wie Musical World nachher schrieb, „ganz und\ngar aus königlicher Fabrik\" war: Beethoven's Sinfonie\nNr. IV., ß-dur, Gebet und Barcarole aus Meyerbeer's\nNordstern, gesungen von Miss Louise Pyne, Mendelssohn's\nViolin-Concert, gespielt von Joachim, Tannhäuser-Ouver-\nture von Wagner. Alles ging gut; W'agner's Ouvertüre\nwurde, wie ein hiesiges Blatt sagte, mit solchem Aufwand\nvon Kraft ausgeführt, dass man befürchtete, das Gaslicht\nwerde sich noch einmal empfehlen aus Schrecken vor dem\nchaotischen Lärm.\nVon den vielen Triumphen, die Joachim, der offenbar\nder Held der diesjährigen Saison war, noch ausserdem\nfeierte, erwähne ich nur seine Mitwirkung in einem der\nConcerte von classischer Kammermusik, welche Miss Ara-\nbella Goddard gab. Er spielte mit dieser ausgezeichneten\nPianistin seine Variationen für Bratsche und Ciavier und\nBeethoven's grosse vl-mo//-Sonate für Violine und Ciavier.\nIn dem letzten Concerte der dirigirte er\nseine Ouvertüre zu Heinrich IV., die jedoch wegen Man-\ngels an Proben nicht zum Besten ausgeführt wurde.\nIn Benedikts jährlichem Monster-Concerte drei\nTheile von 24—30 Nummern—in\n(den 21. Juni), in welchem alles von Gesang- und Instru-\nmental-Künstlern, was Ruf hat, zu hören war, kamen un-\nter anderen Merkwürdigkeiten auch ein Sextett-Concert\nfür sechs Violinen von Maurer vor, gespielt von Joachim,\nMolique, Maurer, Deichmann, Blagrove und Collins; ferner\nJ. S. Bach's Concert für drei Claviere (mit Orchester-Ver-\nvollständigung von Moscheies), vorgetragen von Rubinstein,\nBenedikt und G. Aloys Schmitt, mit einer Cadenz von Ru-\nbinstein solo! Ausserdem hat Benedikt auch noch zwei\noder drei Festival Concerts im Krystali-Palaste veranstal-\ntet (das zweite den 31. Juli), bei denen die Einnahme\nund nicht die Kunst am meisten berücksichtigt wurde. Es\ngehört übrigens zu jenen unsinnigen musicalischen Exces-\nsen, die man nur in London antrifft, in diesem Riesen-\nLocale einzelne Arien und Lieder, Duo für zwei Piano-\nforte, Beethoven's Phantasie mit Chor u. s. w. aufzu-\nführen !\nDr. Wylde, Vorstand und Dirigent der neu-phil-\nharmonischen Concerte, hat klüglich den Saal der\nneuen St. James' Hall für seine musicalischen Aufführun-\ngen gewählt; hier konnte er höhere Preise nehmen und\nden Zuhörern bequemere Sitze geben. Er veranstaltete eine\nReihe von fünf Concerten auf Subscription, von Mitte April\nbis Mitte Juni, und das erste bot gleich eine sehr achtungs-\nwerthe und zahlreiche Gesellschaft dar. Die erste Abthei-\nlung füllte Beethoven allein: Egmont-Ouverture, Duett aus\nChristus am Oelberg, Es-dur-Concert (Miss Goddard), Arie\naus Fidelio (Mad. Castellan), (7-;wo//-Sinfonie; im zweiten\nTheile drei Arien (!) und die Ouvertüren zum Freischütz\nund zur Stummen von Portici. Dr. Wylde gibt nur eine\nSinfonie in jedem Concerte, was sehr vernünftig ist. Das\nOrchester war recht gut. Im zweiten Concerte lieferte\nMozart den Stoff zum ersten Theile: Gesang, Zauberllöten-\nOuverture, Concert für Ciavier in D-dur, Nr. 20, Sinfo-\nnie in Es.Ein italiänischer Pianist, Signor Andreoli, spielte\ndas Concert glatt, aber meist ohne allen Ausdruck. Sein\nVortrag des inhaltlosen Unsinns, denFumagalli Danse des\nSylphes betitelt hat, erwarb ihm von der Menge Applaus.\nIm dritten und vierten Concerte hielt Dr. Wylde sei-\nnen Vorsatz, den ersten Theil jedes Mal Einem und dem-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "283", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580904-01.1.3", "texte": "selben Componisten zu widmen, fest; daher denn in jenem\nsechs Nummern von Mendelssohn, in diesem eben so viel\nVon Mozart wahrlich nicht zum Vorth eil Mendelssohn's.\nMit der universalen Musik eines Genie's wie Mozart kann\nman allerdings ein ganzes Concert füllen, ohne zu lang-\nweilen, aber der sehr specielle Stil Mendelssohn's wird auf\ndie Länge gar zu eintönig. Dazu kam, dass ausser der Fin-\ngals-Höhle die unvermeidliche il-cfer-Sinfonie und das\neben so oft gehörte G-mott-Concer für Pianoforte hier\nwieder erschienen. Madame Szarvady-Clauss trug indess\ndas Concert und zwei Stücke von Chopin vortrefflich vor\nund wurde stürmisch gerufen. Allerdings thut dem gebil-\ndeten Hörer ein so musicalisches Spiel unendlich wohl,\nwährend die Art und Weise, wie Rubinstein im vierten\nConcerte mit Mozart's D-moll-Concert umging, einem ein\nStich ins Herz ist. Wenn doch nur diese durch und durch\nmodernen Virtuosen den Mozart in Ruhe lassen wollten,\nder bei solchem Hokuspokus, wie sie unter dem Vorwande\nvon Cadenzen dem Publicum vormachen, sich im Grabe\nherumdrehenmuss! DasOctett für Blas-Instrumente wurde\nrecht zart und wohlklingend ausgeführt. Eine Sinfonie gab\nes an demselben Abend gar nicht, desto mehr Solostücke\nfür Gesang, bei denen auch Pischek figurirte, der, wie der\nTenorist Reichardt, die conservative Geschmacksrichtung\nder Engländer ausbeutet, die sich nicht nur auf die Kunst-\nwerke, sondern auch auf die Künstler ausdehnt. In Lon-\ndon muss man das Wort der alten Zigeunermutter in Pre-\nciosa umkehren: „Einmal hier gut aufgenommen, darf\nman immer wiederkommen!\"\nDas fünfte (letzte) Concert war bei Weitem interessan-\nter und befriedigender, als das vierte. Die Orchestersachen,\ndie Ouvertüren zu Medea, zu Oberon, zu Ruy Blas und\ndie Ei *oica, wurden wirklich sehr gut ausgeführt, und\nausserdem verherrlichten die Namen der Miss Arabella\nGoddard und Joachim's das Programm. Beide hatten aus\nden verschütteten Schachten früherer Kunstperioden, an\nderen Aufgrabung freilich auch die Mode ihren Antheil\nhat es ist aber eine gute Mode, wenn sie nicht über-\ntrieben wird —, den Stoff zu ihren Leistungen ans Licht\ngezogen: Bach's Sonate Nr. 5 mit der prächtigen Fuge\nfür die Violine allein, und Dussek's Clavier-Concert Nr. 6\nin G-mollstiegen aus der Vergessenheit vor dem erstaun-\nten Publicum als glänzende Neuigkeiten auf. Joachim's\nwirklich bewundernswerthe Wiedergabe jenes contrapunk-\ntischen Meisterstückes des alten Bach riss zu aussergewöhn-\nlichen Beifallsbezeigungen hin, obwohl sich nicht läugnen\nlässt, dass selbst der grossartige Ton, den dieser Heros\nden Saiten abzwingt, die Einsamkeit einer einzigen Violine\nin dem grossen Saale nicht ganz vergessen machte. Im\nzweiten Theile spielte er noch die Romanze m mit Or-\nchester von Beethoven.\nDas Concert von Dussek war noch unbekannter als\nBacli's Violin-Sonate, auch den deutschen Künstlern und\nKunstfreunden; wir hörten es alle zum ersten Male, und\nwohl nur Wenige mögen es einmal gesehen oder durch-\ngespielt haben. Es ist ein echtes Clavier-Concert, dessen\nerster Satz breit angelegt und glänzend ausgeführt ist. Der\nlangsame Satz in Es ist melodiös, indess nicht von bedeu-\ntender Erfindung. Das Finale aber, ein Rondo in G-möll\nwie der erste Satz, ist ein prächtiges Stück in jenem cha-\nrakteristischen, man kann wohl sagen: genialen Stil, der\nDussek's Bravoursachen auszeichnet. Der Vortrag desCon-\ncertes ist nichts weniger als leicht; allein Miss Goddard\nkennt keine Schwierigkeiten mehr auf ihrem Instrumente.\nDabei ist sie eine Künstlerin im wahren Sinne, und der\nausserordentliche Erfolg, den sie in der neuesten Zeit in\nEngland hat, ist nicht auf Rechnung des Patriotismus der\nEngländer zu schreiben; denn auch die strengsten Kunst-\nrichter unter den hiesigen Deutschen erkennen ihr die\nPalme unter den jetzt lebenden Ciavierspielerinnen zu,\nFrau Schumann und Frau Szarvady-Clauss nicht ausge-\nnommen.\nEs ist unglaublich, was dieses noch junge Mädchen\nan Fleiss und Ausdauer, mit denen sich geistvolle Autfas-\nsung und technisches Genie verbinden, leistet.\nSie hatte in ihrem Salon eine erste Reihe von Soireen\nveranstaltet: für eine zweite wählte sie das elegante Local\nWillis' Rooms, welches jedes Mal von einer Zuhörerschaft\ngefüllt wurde, zu der alles gehörte, was auf Rang in dem\nReiche der Tonkunst Anspruch machen konnte. Mit dem\nvollsten Rechte heissen diese Abende classische Musik-\nSoireen; weder die Wünsche der grossen Damen, noch\ndie Huldigungen und Vergötterungen ihrer Anbeter brin-\ngen diese junge, in jeder Hinsicht reich begabte Dame von\nihrem künstlerischen Wege ab ; nie lässt sie sieh zum Vor-\ntrag von Amusemcnts-Musik herab. Betrachten Sie nur\nihre Programme, und Sie werden staunen, wenn ich Ihnen\nsage, dass ein Mädchen in der Blüthe der Jahre das alles\nbewältigt. Da finden Sie z. B. die grosse Sonate in D-dur,\nOp. 106, von Hummel, das letzte Werk für Pianoforte\nallein, das er componirte; von Beethoven die Sonaten in\nA-clur, Op. 101, und in B-duv, Op. 106; die Sonate\nNon plus ultra in Fvon Wölfl und die Sonate\nin As,Op. 71, von Dussek, beide an Einem Abend; die\nSonate in E-moll,Op. 70, von C. M. von Weber; von J.\nS. Bach die Fugascherzando, Fuge in Fuge in\nG-dur aus dem wohltemperirten Ciavier; die Fuge in G-\nmoll von Scarlatti; von Mozart die Sonate in mit Vio-\nline (Herr Sainton), von Mendelssohn die Quartette in F-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "284", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580904-01.1.4", "texte": "Moll und in B-moll,die Sonate in mit Violine, die Fuge\nin D-dur aus den sieben Charakterstücken für Pianoforte.\nNehmen Sie dazu mehrere Conccrt-Vorträge, das Es-dur-\nConcert von Beethoven, das oben erwähnte Concert von\nDussek u. s. w., und Sie können Sich eine Vorstellung von\nden Studien der Miss Goddard machen. Wenn man ihren\nVortrag des Op. 106 von Beethoven und der Sonate Plus\nultra von Dussek gehört hat, so kann man den Namen\n„Königin des Pianoforte\" nicht für eine Schmeichelei er-\nklären. Die furchtbar lange und fast unspielbare Sonate\nOp. 106 spielte sie zuerst im Jahre 1853, kaum sieben-\nzehn Jahre alt, öffentlich und erregte schon damals Be-\nwunderung. In den beiden letzten Saisons hat sie sie drei\nMal gespielt, und jetzt, in ihrem zweiundzwanzigsten Jahre,\nbeherrscht sie den Geist der Meister aller Schulen so, dass\nsie ihn aus ihren grössten und schwierigsten Werken uns\nwieder heraufzaubert.\n(Schluss folgt.)\n\nNachricht von dem Clavierspieler Clementi.\nBern, im October 1784.\nDen 18. Heumonat war ein Ball auf dem Lande un-\nter einem Zelt, dem Ihro Königliche Hoheit der Prinz Hein-\nrich in Preussen auch beiwohnten. Jedermann drängte\nsich herbei, diesen Helden zu sehen; es kam auch ein\nFremder in einem Frack, der ihm bis auf die Schuhe ging,\nmit einem langen Bart und grauem, rundem Hut. Er ar-\nbeitete sich durch bis zum Zelt; die Wache trieb ihn zu-\nrück. In einer Stunde kam er wieder, rasirt, prächtig ge-\nkleidet. Macht Platz! schrie die Wache, diesem frem-\nden Herrn! Man führte ihn ins Zelt, gab ihm Thee zu\ntrinken und hiess ihn mit tanzen.\nDieser Fremde war der berühmte Musicus Clementi,\ndem Küffner ein Opus dedicirte, und ein Anderer seine\nLandkarten. Tottis, tantus, quantus Musicus, und noch\nmehr! usoixwrarogl —wie es Aristophanes nimmt,\neruditus et doctus.\nEr kam von Lyon, wo er wider die Meinung des hoch-\ndenkenden Herrn Imbert Colomes dessen achtzehnjährige\nTochter, die eine grosse Schönheit sein soll, so lange pla-\ntonisch liebte, bis sie mit einander einig wurden, davon zu\ngehen, um sich an einem erlaubten Orte trauen zu lassen.\nDer Vater setzte ihm nach, meldete sich beim Gouverneur\nzu Chamberi, der liess ihn aufhalten; als er aber aus den\nBriefen die wahre Beschaffenheit sähe, gab er ihm auch\nfür seine Postpferde einen Pass. Verständige Männer\nsagen, Herr Colomes hätte sich eines Mannes, der in die-\nsem Jahrhundert eine Epoche macht, nicht zu schämen,\nder wirklich von seinen Interessen reichlich leben kann;\nan anderen Oertern nehme man das nicht so genau. Schrö'\nter habe eine reiche Engländerin entführt und sich in\nSchottland copuliren lassen, dem ohngeachtet sey er jetzt\nbey der Königin Ciaviermeister.\nDieser Clementi wollte beym Ciaviermacher Howard\nein Fortepiano in Zins nehmen, dafür musste er ihm sei-\nnen Namen sagen, und dieser sagte es mir wieder. „Es\nkomme ein Fremder zu ihm, so simpel er auch gekleidet\nsey, merke man doch an ihm etwas Erhabenes: er heisse\n«I '\nKlemm oder Clemens und spiele wie einer mit drey\nHänden.\"\nIch dachte gleich: das ist Clementi! Nachher kam er\nwieder und verbot ihm, seinen Namen zu entdecken. Es\nwar zu spät; ich passte dem Kuttemann auf und bekam\nihn in meine Mausfalle. Wir kamen aber so finster zusam-\nmen, wie beim Milton jene drohende Wolke auf dem\ncaspischen Meere.\nEs war ihm recht ärgerlich,.... Dass er verrathen\nwar; recht wild und grimmig sah er mich an, bald mein\nabgeschnitztes Haar, bald meinen Schulmeisters-Kock. Ich\nbin es nicht gewohnt, mir trotzen zu lassen, und konnte\nmich nicht enthalten, ihn wie ein Samojede anzugreifen.\nNach und nach konnten wir uns einander leiden, und end-\nlich nahm er gar seine holdselige römische Miene hervor,\nkam mit mir, meine Bibliothek zu sehen. Weil wir nun\nviel, sehr viel einander zu sagen hatten, blieb er zum Mittag-\nessen, und weil wir mit Disputiren und Schreyen nicht\nfertig werden konnten, blieb er gar bey mir über Nacht.\nAn hiesiger Mittagsglocke nahm er wahr, dass sie an-\nstatt der Quinte immer die Quart zum Mitklang\nhatte. Ich wollte hier meinen eigenen Ohren nicht trauen\nund bat unseren Howard, auf das zu achten; er merkte\ndas Nämliche. Wann nun hier kein Schaden an der Glocke\nist, könnte das des Rameau's System verdächtig machen.\nWir sprachen viel von Bameau, Tartini und des Te-\nstori Musica ragionata.Aus diesen allen hat er sich ein\neigenes System erwählt, das er mit der Zeit nebst seinen\neigenen Entdeckungen bekannt machen will. Er lachte\nüber den Bemezrieder und des Ximenes Buch über die\nalte Music.\nIn seiner Composition, absonderlich im Langsamen,\nzeigte er mir, «ie die Mittelstimme den Gesang führe;\ndas habe er dem Bameau abgelernt. In den lateinischen\nAutoren habe er gefunden, seiner Composition die eigene\nWendung zu geben; aus der Geometrie die Consistenz der\nGedanken. Die Art, ihre Episoden an einem unbiegsamen\nOrte anzubringen, sey sehr merkwürdig für einen Com-\nponisten, und der Spruch des Quintilians: Si non dafür\nporta, per murum erumpendum."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "285", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580904-01.1.5", "texte": "Sieht man seine geschwinden Octavengänge für die\nnämliche Hand, so sollte man glauben, sie seyen nicht nett\nzu spielen; er macht aber sogar dergleichen Octaven-Tril-\nler immer weit mehr, als 'geschrieben stehen, und jede\nNote ist aufs deutlichste von der anderen abgelös't, mit\neiner solch unnachahmlichen Begeisterung, immer wach-\nsend und abnehmend, unvermerktem\nu. s. w., dass es unmöglich wäre, solches auf dem Papier\nauszudrucken.\nZu etlichen hat er seine eigene Fingersetzung, seine\nunmittelbar auf einander folgenden Triller macht er sehr\nwunderbar, auch mit ? i f. So wie ihn habe ich auch\nnoch Niemand gehört des Domenico Scarlatti seine Sona-\nten spielen. Vorher kannte ich sie nur halb. Vom Mecha-\nnischen und Physischen der Instrumente des Friderici,\nStein, Pascal, Mertin, Stodard und Broadwcod hat er eine\nvollständige Kenntniss. Gleich neben diese setzt er unseren\nHoward, wollte auch auf keinem anderen von den hiesigen\nspielen; seine Arbeit, sagt Clementi, sey sinnreich, einfach,\nnett und fleissig. Für sich selbst bestellte er bey ihm ein\nganz kleines, nach seinem eigenen Riss, zu 3 Vi französi-\nschen Schuhen in der Länge und einem breit. Es soll\nschier so stark werden, als ein grösseres; wann es aber\nein klein wenig länger wäre (welches wunderbar ist), würde\ndie Stärke wegfallen.\nClementi findet Fehler und ihre Ursachen, die hundert\nAnderen entgehen; der Bass muss ihm gedämpft sein, wie\nder Discant, die Dämpfung muss aber in der Mitte ein we-\nnig hohl aufliegen, damit der Ton nicht verdrückt werde,\nwie in der Fräulein Paradis ihrem.\nWegen des Hebels der Hämmer hat er seine eigene\nSpeculation; wegen der Tastatur, ihrer behörigen Balan-\ncen und Ausmessung, ist er sehr häklig, z. E. die sonst\nguten Portugesten zu Lyon des Donzelaque seyen gar nicht\nrecht, die halben Töne zu hoch u. s. w., alle flügelförmi-\ngen sollten drey Saiten haben; Broadwood in London mar\nchen jetzt auch kleine zu drey Saiten.\nFür sein schlechtestes Opus gibt er das dritte aus, er\nhabe sich hier mehr nach einem anderen, als nach seinem\neigenen Geschmack richten müssen,\nNun aber noch etwas von seiner Historie oder seinem\nCharakter. Ich könnte wohl noch Vieles von seiner Theorie\nsagen, aber die Leute hatten es von je her lieber, wenn\nman ihnen etwas erzählt.\nDrei Wochen lang lebte er ganz verborgen, weinte\nimmer, ging nirgends hin als in die öffentliche Bibliothek\nund arbeitete den ganzen Tag in der Mathematik immer\nauf einem Fleck, in sich selbst verschlungen, in Meinung,\nseine Sehnsucht damit aufzutrocknen; als aber das nichts\nhelfen konnte, machte .'er sich wieder reisefertig, schrieb\nauch seinem Vater, er solle ihn zu Rom erwarten.\nSein Vater, der ein eifriger Katholik ist, schickte ihm\nein geweihtes Zettelchen, ein Bollettino contra le Tribula-\nzioni (wider die Schwermuth). Direte, sagt er, cinque Pa-\nter noster e dieci Ave Maria per le anime di Purgatorio,\ntenendo giorno e notte questo sacrato Bollettino, che v'invio,\nsul core, e sarete infallibilmente guarito della vostra Me-\nlancolia.\nDer Sohn muss nicht so fromm sein, als der Vater;\ndenn er liess es bey mir liegen.\nDamals hatte man, um seine Geliebte ihm abspenstig\nzu machen, und damit man ihn von Bern wegbringen\nkönnte, einen alten Kunstgriff wieder aufgewärmt: „Er\nsey mit der Gemahlin eines Mylords davon gegangen, er\nhabe eine Frau in Neapolis und eine in Preussen.\"\nAuch hatte man ihm unter der Hand die Flucht ge-\nrathen; aus diesen Reden konnte er nicht klug werden\nund meinte gar, es könne eine Eifersucht darunter liegen.\nCe bruit, schrieb er mir, ne m'effraie pas; je voulois m'en\naller, mais ä present il faut que je reste; er habe nichts\ngethan, dessen er sich schämen müsste, seine Geliebte auch\nnicht. Objet charmantSf doux (sagte er aus der\nd'Orleans) vous aves bien peche malgre vous!\nEr entdeckte sich sogleich der Polizey, dass er nicht\nein Verwandter vom Componisten sey (wie die Leute bis-\nher glauben Hessen), sondern der nämliche, den man jetzt\nin Verdacht habe. Es wurde ihm erlaubt, welches nicht\nleicht geschieht, in hiesige französische Zeitung (die immer\ndurch die Censur eines Herrn vom grossen Rath gehen\nmuss) setzen zu lassen: „Dass er gegen obige Erdichtun-\ngen Zeugnisse von den Herren Ambassadeurs aufweisen\nwerde, die auch seinen Charakter genugsam rechtfertigen\nsollten. *\nDie Folge seiner Entdeckung war, dass er in vorneh-\nmer Gesellschaft wider seine Neigung aufgeführt wurde.\nDa zeigte er sich mit einem freimüthigen Anstand,\nsich immer selbst gleich, und brillirte nicht nur als Musi-\ncus, sondern in jedem Fach.\nAber einem Einsamen, der schlafen gehen möchte, ist\nes nicht gedient, wenn man ihm Lichter anzünden will.\nL' Intenzione di questo soggiorno (sagte er mir) 11011 fü che\nper ragion di riposo :ma vogliono und verreis'te.\n\nWagner’s Lohengrin in Wien.\nAm 19. August wurde Wagner's Lohengrin zum ersten Male in\nWien auf dem Hof-Operntheater gegeben. In der Neuen Wiener Mu-\nsik-Zeitung lässt sich lI—L, nachdem er den Inhalt der Handlung\ndargelegt; also vernehmen;"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "286", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580904-01.1.6", "texte": "„Richard Wagner nimmt eine grosse Bedeutung für diese Lohen-\ngrin-Sage in Anspruch. Lohengrin ist ihm, wie er selbst sagt, der\nTypus der modernen Tragik und eigentlich ihr einziger Stoff, von\ngleicher Bedeutung für die Gegenwart, wie die Antigone für das\ngriechische Staatsleben es war.\n„Gewiss liegt ein höherer Sinn in der Loliengrin-Sage, an welche\nR. Wagner sich in seinem Textbuche ziemlich treu gehalten hat;\nallein wenn diese Bedeutung nicht vollkommen klar und eindringlich\naus dem Buche hervortritt, so liegt die Gefahr nahe, dass das mär-\nchenhafte Beiwerk des in einen Schwan verwandelten und durch die\nDazwischenkunft einer Taube entzauberten Herzogsknaben von Bra-\nbant uns als etwas Fremdartiges erscheint, das mit dem theils kraft-\nvollen, theils zart-innigen wirklichen Leben voll Puls und Empfin-\ndung, das vor uns entrollt wird, nicht in befriedigender Weise zu-\nsammenstimmt. Derlei symbolisches Wesen schadet im Dramatischen\nimmer der Wirkung, da seine Verwebung mit dem dargestellten Le-\nben und die Vergeistigung des letzteren durch das erstere selten\nmit jener Klarheit und Ueberzeugung vor unser inneres Auge tritt,\ndie nothwendig ist, um uns auf dem idealen Standpunkte festzuhal-\nten. R. Wagner besitzt als ein geistreicher Mann, der sich die\nOperntexte selbst liefert, allerdings die Gabe, sie thunlichst für sei-\nnen Zweck einzurichten, die Musik als beleuchtendes und die Kraft\ndes Wortes und der Situation (der inneren Seelenzustände sowohl\nals des Abdrucks derselben in den Begebenheiten) verstärkendes, ja,\nverklärendes Ausdrucksmittel über dem Texte walten zu lassen; al-\nlein bei den Glänzen, welche dem Dichter, der eine Handlung dra-\nmatisch zur musicalischen Behandlung gestalten soll, bei dem Spiel-\nraum, den die letztere für den Ausdruck des Gefühlslebens in An-\nspruch nimmt, notwendiger Weise gezogen sind, ist es immer miss-\nlich, die höhere Bedeutung der vorgeführten Begebnisse und Zustände\nauf Symbolisches zu gründen. Die Musik kann hier wohl als mäch-\ntige Herrseherin über die Stimmung der Seele nachhelfen ; allein sie\nkann das, was das Wort zu thatsächlicher oder begrifflicher Aufklä-\nrung der Erscheinungen schuldig bleibt, mit der Unbestimmtheit\nihres Ausdrucks nicht ersetzen. Uebrigens hat der Gegensatz zwi-\nschen dem in Leidenschaft und Sucht nach den Gütern des Lebens\nbefangenen Ehepaare Friedrich und Ortrud und dem Gral-Ritter,\nder, von Sehnsucht nach der unbedingten Liebe getrieben, aus seiner\nwonnig öden Einsamkeit herabsteigt, und in Berührung mit der Ge-\nliebten, wie mit jedem anderen menschlichen Wesen alles Aeussere,\nsogar seine Herkunft und seinen Namen, verläugnen will und muss,\num seiner hohen Sendung treu zu bleiben, zwischen welchen beiden\nGegensätzen die edle sanfte Elsa mit der liebenden Hingebung an\nLohengrin, als das durch eine Vision verklärte Ideal ihrer Seele, und\nder irdischen Schwachheit des Zweifels an dem Ideale im Herzen\nsteht etwas sehr poetisch Anziehendes, das von der Grundlage- des\nkraft- und glaubensvollen ritterlichen Volkslebens sich blendend abhebt.\n~Ueber die Musik Wagner's ist schon so viel gesagt und geschrie-\nben worden, und er hat durch seine Theorie der Oper den Stand-\npunkt, von dem aus man seine Werke beurtheilen muss, so entschie-\nden festgestellt, dass man nur zu sagen braucht, ob man sich zu\nden Anhängern seines Systems bekenne oder nicht, um dann sein\nUrtheil füglich darauf beschränken zu können, ob und in wie fern\nder Tondichter in der Art und Weise, die er für die einzig wahre\nund rechte hält, Talent, Geist, Geschick und Geschmack gezeigt\nhabe. Wir bekennen uns unumwunden nicht zu der Theorie Wag-\nner's; nach unserer Meinung kann nur die Frage bestehen; Hat die\nOper, das musicalische Drama, eine Berechtigung künstlerischer Exi-\nstenz oder nicht? Wer ihr diese abspricht, der kann auch in Wag-\nner's Bestrebungen kein Heil erblicken; wer aber ein musicalisches\nDrama gelten lässt und wer vermöchte bei den wundervollen\nLeistungen auf diesem Gebiete und ihrer welterobernden Wirksam-\nkeit gesunden Sinnes das Gegentheil zu behaupten? —, der muss in\nder Musik und kann nur in ihr allein den künstlerischen Schwer-\nPunkt, die Kraft und die Bedeutung für diese Kunstgattung suchen.\nWer die Musik in der Oper tiur als Dienerin der Poesie, als Ver-\nstärkung des Ausdrucks der Worte in Anwendung bringen zu kön-\nnen glaubt, und darin allein sein Heil sucht, der betrügt sich selbst;\ndenn im musicalischen Drama wird und muss der Tondichter mag\nthun, was er will die Musik herrschen und den Text in den Hin-\ntergrund drängen; ja, die Dichtung kann, wenn sie der musicali-\nschen Behandlung fähig sein soll, nie ein Kunstwerk sein, sie kann\nnur die Elemente zum musicalisch-dramatisehen Kunstwerke liefern;\nwie im Liede, so können in einzelnen lyrischen Stellen, in Momenten\nreinen Gefühls-Ausdrucks, die Worte zu dichterischer Schönheit sich\nerheben und eine wahre Kunst-Ehe mit den Tönen feiern; allein die\ndramatisch-künstlerische Entwicklung der Situationen und Charaktere\nund ihrer innersten Bedeutung, das eigentlich dramatische Kunst-\ngebilde der Oper, wird stets allein von der Musik geschaffen wer*\nden, und sie allein vermag es zu schaffen durch die ihr inwohnende\nselbstständige Kraft der Gestaltung und des Ausdrucks, durch die\nihr eigentümliche Schönheit.\n„Wagner's Lohengrin steht unseres Erachtens höher als sein\nTannhäuser, weil eine grössere Stil-Einheit in demselben herrscht,\nund der Tondichter seiner Richtung mit grösserer Strenge und Selbst-\nverläugnung treu geblieben ist. Dem rein sinnlichen Elemente, dem\nReize, ist kein Eingang in diese Musik gestattet worden, der Gesang\nhält durchaus die reine charakteristische Einfachheit des Ausdrucks\nfest, und nur die Instrumentation umspielt und umbraus't ihn mit\nreichen, blendenden Mitteln zur Verstärkung, Individualisirung und\nEntfaltung des Ausdrucks. Die Mängel und Vorzüge des Werkes\nsind im Wesentlichen schon öfter von der Kritik von verschie-\ndenen Seiten gründlich besprochen worden; die melodische Dürf-\ntigkeit, der Abgang musicalischer Motive und die dithyrambische\nBehandlung des Gesanges, der ohne rhythmische Ruhepunkte und\nAbschlüsse, daher ohne die jedem Kunstgebilde nöthigen Contouren,\nsich abspinnt und kein anderes Gesetz kennt, als sich den darge-\nstellten Seelen-Zuständen mit möglichst treuer Charakteristik anzu-\nschmiegen, dann das Uebergewicht des instrumentalen Theiles.\n„Wenn übrigens dieser Instrumentation mit ihren allerdings blen-\ndenden Klangwirkungen und ihren das dargestellte Leben reich be-\nleuchtenden und cliarakterisirenden Ausdrucksmitteln ein so ausser-\nordentlicher Zauber, eine so überwältigende Macht der Beglaubigung\nbeigelegt wird, wie z. B. in einem Schreiben aus Weimar ge-\nschieht, welches darin etwas Unbegreifliches, Wunderbares erblickt,\nso können wir dem Verfasser nicht beistimmen. Allerdings sind die\ndargestellten Zustände, innere und äussere, wahr und scharf betont,\nso dass sie nicht in einer wesenlosen Allgemeinheit des Ausdrucks\nzerfliessen, sondern in charakteristischer Geschiedenheit sich von ein-\nander abheben; allein da die Klangfarbe einen sehr grossen Antheil\nan dieser Charakterisirung hat, und daher namentlich die Instrumen-\ntirung auf diesen Erfolg hinarbeitet, und zwar in der Art, dass selbst\ndurch die vorwiegende Anwendung der einen oder der anderen Gat-\ntung Instrumente (der Streich-, Holzblas- und Blech-Instrumente) bei\nder Darstellung der Seelenzustände dieser und jener handelnden Per-\nsonen die Individualisirung derselben angestrebt wird, so ist es klar,\ndass der musicalische Ausdruck doch mehr auf Aeusserlichem, auf\nCombinationen, als auf wahrer Innerlichkeit beruht, welche nur dann\nvorhanden ist, wenn die Seele ihre Empfindungen melodisch im Ge-\nsänge ausprägt und selbst den wildesten Leidenschaften in einer\nconcreten, echt musicalischen Schönheitsform den verklärenden Kunst-\nzauber verleiht. Man halte sich die Scene in Mozart's Zauberflöte ge-\ngenwärtig, als Pamina in ihrer Verzweiflung den Dolch gegen ihre\nBrust zücken will, und die drei Genien sie zurückhalten, und man\nwird den Unterschied begreifen lernen, welcher zwischen der musi-\ncalischen Darstellung eines Seelenbildes von innen heraus aus genial\nschaffender Phantasie und jener eines geistvollen Componisten wie\nR. Wagner ist, der die Ausdrucksmittel der Musik fleissig studirt"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "287", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580904-01.1.7", "texte": "hat und sie mit Geschick und feinem Sinne zur recitativischen Cha-\nrakterisirung der durch die Dichtung gegebenen Seelenzustände an-\nzuwenden versteht.\n„Hier und da erhebt Wagner sich im Lohengrin so wie im Tann-\nhäuser allerdings zu höherem, mrt der Weihe innerster Empfängniss\nausgestattetem Ausdrucke, und namentlich ist es wieder der auf der\nidealen Höhe echter Weiblichkeit stehende Charakter der Elsa, der,\nwie jener der Elisabeth im Tannhäuser, Seiten wahrhaft ergreifender\nWahrheit und Schönheit darbietet. Ihrem Gelange vom Söller der\nKemenate herab in der zweiten Scene des zweiten Actes:\n„Euch Lüften, die mein Klagen\nso traurig oft erfüllt,\nkann man wohl nicht widerstehen. Das Erscheinen Lohengrin's im\nersten Acte ist ebenfall» von seltener Schönheit; sowohl der über\ndas Wander staunende Chor der Männer und Frauen als das Ab-\nschiedslied Lohengrin's an den Schwan haben ein äusserst warmes\nund magisches Colorit.\n„Wir könnten noch mehrere einzelne Schönheiten gleicher Art\nanführen, wollen uns aber darauf beschränken, auch der grössten-\nteils sehr wirksamen, mit charakteristischer Kraft behandelten\nChöre zu gedenken.\n„Die Ausführung der Oper war eine in jeder Beziehung vorzüg-\nliche. Orchester und Chor leisteten unter der Leitung des trefflichen\nCapellmeisters Heinrich Esser Unglaubliches, wenn man die Schwie-\nrigkeit der Aufgabe ins Auge fasst. Ein so gewaltiges, aus dem In-\nnersten strömendes Wirken des Chores haben wir kaum je noch er-\nlebt, die Massen traten mit der ganzen Kraft der Persönlichkeit auf.\n„Unter den Trägern der Hauptrollen müssen wir vor allen Frau\nDust mann-Meyer nennen, die ihre schöne ausdrucksvolle Partie\nmit einer Wahrheit, Schönheit und Innigkeit sang, wie man seit der\nLind Aehnliches nicht wieder gehört hat.\n„Diese Partie ist aber auch ganz für ihr zartes, weniger sinnlich\nreizendes als innig beseeltes Organ, für ihre dem lirisch-elegischen\nAusdrucke vorzugsweise zugebildete Gesangskunst geschaffen. Be-\nkanntlich wurde ihre Darstellung der Elisabeth im Tannhäuser in\nPrag als eine ihrer vorzüglichsten Leistungen bewundert. Wer ihre\nElsa gehört, begreift es, und der lebhafteste Wunsch muss in ihm\nrege werden, sie auch als Elisabeth zu hören.\n„Frau Czillag sang die Ortrud, bekannte Unarten im Vortrage\nder tieferen Stellen abgerechnet, mit entsprechendem Ausdrucke und\ndas charakteristische Colorit war im Ganzen glücklich getroffen.\nHr. And e r wusste das edle Gepräge des Lohengrin treu wieder-\nzugeben; seine Leistung war vom Anfang bis zu Ende gleich wahr\nals warm, und die wenigen dankbareren Momente, namentlich bei sei-\nnem ersten Auftritte und am Schlüsse der Oper (die Erzählung über\nseine Herkunft) wusste er zu schöner Wirkung zu bringen. Hr.\nBeck entfaltete als Friedrich Telramund seine schöne Stimme mit\nkräftigem Ausdrucke und gewandtem Vortrage; allein dem Cha-\nrakteristischen wusste er nicht mit voller Sicherheit gerecht zu wer-\nden. Hr. Schmid als König und Hr. Hrabanek als Heerrufer\nwaren ganz auf ihrem Platze. Die Ausstattung ist glänzend, die\nInscenesetzung meisterhaft. Der Beifall bei der ersten Vorstellung\nwar stürmisch, bei der zweiten mässig. Das Haus war am ersten\nAbend überfüllt, am zweiten voll.\n\nTages- und Untehaltungs-Blatt.\nli. Olli« Bei der Anwesenheit Ihrer Majestät der Königin von\nEngland und des Prinzen-Gemahls Königl. Hoheit hatte der Köl-\nner Männergesang- Ve rein, der sich bekanntlich der besonde-\nren Huld Ihrer Majestät erfreut, die hohe Ehre, in dem grossen\nSaale des Gürzenich Sonntag den 29. August gegen 2 Uhr einige\nGesänge vorzutragen. Die Vorträge begannen mit einem Festgruss,\ngedichtet von Hrn. Prof. Vack, Präsidenten des Vereins, componirt\nfür Chor und Tenorsolo (welches Hr. A. Pütz sehr ausdrucksvoll\nsang), vom k. Musik-Director F. Weber. Dann folgten Kreutzens\n„Das ist der Tag des Herrn\" und „Abendfeier\", Silcher's Volks-\nlied: „Wohin mit der Freud\" und Mendelssohn's „Froher Wanders-\nmann\". Dazwischen sang Hr. DuMont-Ficr Reichard's ~Spanische\nCanzonetta\" auf besonders gelungene, echt künstlerische Weise, was\ndenn auch seinen Eindruck nicht verfehlte, indem Ihre Majestät Ihr\nWohlgefallen durch sichtbare Beifallsbezeigungen zu erkennen ga-\nben. Ueberhaupt wurde vortrefflich gesungen. Nach dem Schlüsse\nder Vorträge geruhte die Königin, Sich gegen den Hrn. Dirigenten\nF. Weber in den gnädigsten Ausdrücken über das Vergnügen aus-\nzusprechen, „was es Ihr gemacht habe, die schönen deutschen Lie-\nder des Vereins, die sie immer so gern höre, nun auch einmal hier\nin dem klangvollen Saal gehört zu haben.\nDie Chorproben für die Winter-Concerte unter F. Hiller's\nLeitung haben bereits wieder begonnen.\nFräulein Katharina Deutz wird einer Einladung der Direc-\ntion der Gewandhaus-Concerte in Leipzig zufolge in den beiden\nersten Concerten am 3. und 10. October daselbst singen.\nCl'effeltSj 2. September. Die Vorbereitungen und Proben zu\ndem hiesigen Musikfeste am 12. und 13. d. Mts. sind im besten\nGange. Der Chor bildet einen zahlreichen Verein von Sängern und\nSängerinnen, und wenn man weiss, mit welcher Freude jeder rhei-\nnische Gesang-Verein die herrlichen Chöre aus Haydn's Jahreszeiten\nsingt, so kann man einem erhebenden Genüsse mit vollem, llechte\nentgegensehen.\nAnfangs August. Die Vorbereitungen zu dem\ndritten mittel rheinischen Musikfeste, welches Mitte Septem-\nber hier Statt findet, werden jetzt sehr eifrig betrieben. Der Herzog\nhat zu den erwachsenden Kosten vorläufig einen Beitrag von 3001)\nFl. bewilligt; an freiwilligen Beiträgen der hiesigen Einwohnerschaft\ngingen bis jetzt über 2000 Fl. ein, die Stadtcasse hat einen even-\ntuellen Zuschuss von 1500 Fl. bewilligt; es sind also genügende\nMittel vorhanden, das Fest würdig zu begehen. Die Tonhalle wird\nnach einem Plane des Baumeisters Fach auf dem Louisenplatze\nerbaut. In die Direction der musicalischen Productionen werden sich\nHerr Hof-Capellmeister Vincenz Lachner in Mannheim und Herr\nHof Capellmeister Hagen in Wiesbaden tlieilen. Das aufgestellte\nProgramm des ersten Festtages enthält Jos. Haydn's „Schöpfung\",\ndas Concert des zweiten Festtages folgende Nummern: 1) Ouvertüre\nzu Iphigenie in Aulis von Gluck; 2) Fest-Choral von Joh. Eccard,\n19. Psalm von H. Schütz und Motette „Ich lasse Dich nicht\" von\nJoh. Chr. Bach; 3) Clavier-Concert in Es-dur von Beethoven; 4)\n114. Psalm von Mendelssohn; 5) Sinfonie in C-dur von Sjhubert;\nG) Priesterchor aus der Zauberflöte von Mozart; 7) Sopran-Solo; 8)\nHalleluja von Händel.\nUnser Hoftheater wird nach den Mitte August\nzu Ende gegangenen Sommerferien am 5. September wieder eröffnet\nwerden. Was die Geschmacksrichtung der Oper betrifft, so lassen\nwir nachstehend eine Uebersicht der Werke folgen, welche in der\nzurückgelegten Saison zur Aufführung kamen. An 72 Abenden er-\nhielt Verdi 19 Vorstellungen: Sicilianische Vesper G, Ernani 4, Ne-\nbukadnezar 3, Rigoletto 3, Troubadour 3; Meyerbeer 9, Robert\n3, Hugenotten 2, Prophet 2, Nordstern 2; Bellini 7, Nonna 3,\nPuritaner 3, Romeo und Julie 1; Donizetti G, Lucia 2, Beiisar\n2, Favoritin 1, Luerezia Borgia 1; Auber 3, Stumme 2, Masken-\nball 1; Kreutzens Nachtlager 2, MehuVs Joseph 2, Jü-\ndin 2, Balfe's Zigeunerin 2, Cherubini's Wasserträger, Weber's Frei-\nschütz, WeigeFs Schweizerfamilie und Wagner's Tannhäuser je 1\nVorstellung."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "288", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580904-01.1.8", "texte": "Eine sein* anerkennenswerthe Thätigkeit zur Förderung des Ge-\nschmacks an classischer Musik entwickelte unsere wackere Hofca-\npelle auch im vorigen Winter wieder durch das AufFühren von acht\nphilharmonischen Concerten, welche bei dem kunstsinnigeren Theile\ndes hiesigen Publicums eine lebhafte Theilnahme finden.\nFraill* f'isrt Fräulein Fräncis c a Veit Ii verlässt\nzum Winter das hiesige Theater und hat ein Engagement beim Hof-\ntheater zu Kassel angenommen. Herr Theodor Schneider\ntritt schon im September sein neues Engagement bei der königlichen\nOper zu Berlin an.\nSo lange Director Sachse am Ruder des Stadt-\ntheaters war, haben beinahe alle Tagesblätter und Journale Ham-\nburgs zu der tollen Gastspiel-, Opern- und Ballet-Wirthschaft ge-\nschwiegen, mit welcher das Institut verfahren und ruinirt worden\nist. Fast kein einziges hat die „Jahreszeiten1' in dem Bekämpfen\ndieses kopflosen Treibens unterstützt. Seitdem aber der Bankerott\neingetreten und in Folge dessen Director Sachse vom Schauplatz\n-verschwunden, kommen nun die meisten mit überraschender Sach-\nkenntniss und Einsicht, alle diejenigen Grundsätze zu predigen, die\nwir seit länger denn Jahr und Tag zu predigen nicht aufgehört\nhaben. (Jahreszeiten.)\nIm Conservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde\nsind im Laufe des Juli, wie alljährlich, die Prüfungen abgehalten\nworden, untl hat am 29. Juli die so genannte „feierliche Prämien-\nVertheilung\" sammt Zöglings-Production Statt gefunden. Sollten sich\neinige unserer Leser wundern, dass wir Productionen und Prüfungen\nunbesprochen Hessen, so möge Folgendes uns zur Entschuldigung\ndienen. Der Verein, als Ganzes betrachtet, befindet sich in einem\nZustande, welcher derlei vereinzelte Besprechungen zwecklos erschei-\nnen lässt. Was nützt es auch, einzelne Vorzüge und Fehler der\nProfessoren und ihrer Schüler zu erwähnen, wo es sich zunächst\num die Leitung und das Gedeihen des Ganzen handelt? Was hat es\ngenützt, dass wir die im vorigen Winter bei Veranstaltung der Ver-\neins-Concerte begangenen Fehler gerügt haben? Bietet etwa die ge-\ngenwärtige Sachlage die geringste Bürgschaft einer baldigen Besse-\nrung ? Denkt man heuer bei Zeiten daran, sich über die aufzufüh-\nrenden Werke zu einigen und dieselben kennen zu lernen, bevor\nman sie Anderen einstudirt? Wird das Conservatorium so geleitet\nund beaufsichtigt, wie es unter der Herrschaft normaler Zustände\nder Fall sein sollte ? Dringen nicht Gerüchte von fortwährenden\nSpaltungen im Schoosse der Direction bis in die öffentlichen Blätter ?\nHerrscht denn nicht selbst unter den zunächst Betheiligten, wenig-\nstens unter denjenigen, welche noch einen Funken künstlerischen\nEhrgefühls besitzen, die Ueberzeugung vor: So, wie es jetzt ist, kann\nes nicht bleiben? (W. Monatschrift.)\nDas Hof-Operntheater hätte am Tage seiner Wiedereröffnung, den\n18. August, Richard Wagner's Oper Lohengrin bringen sollen. We-\ngen Unpässlichkeit der 1 rau Dustmann-Meyer musste diese interes-\nsante Aufführung \\ orläufig vertagt werden. Am sechsten und\nsiebenten Abende wuide zum ersten JVlale aufgeführt: ~Alpeiihütte\"*\n(Le Chdlet), einactige Operette von A. Adam, und „Der Schauspiel-\nDirector\" von Mozart. In der „Alpenhütte\" sind beschäftigt Fräul.\nHofmann und die Herren Walter und Mayerhofen im „Schauspiel-\nDirector\" singt Fräul. Wildauer die Madame Lang, Fräul. Liebhart\ndie Mamselle Uhlig, Herr Erl den Mozart und Herr Hölzl den Schi-\nkaneder. Nach diesen Neuigkeiten wird in Angriff genommen „Die\nKönigin 1 opaze\" (La reine Topaze), komische Oper in drei Aufzü-\ngen von Victor Masse, und irgend eine Oper, man weiss noch nicht,\nwelche, von Gluck."}]}