{"numero_id": "bm-bmtnabi-1858-09-11-01", "volume": "bmtnabi_1858-09-11_01", "ocr_sha256": "414ab348c5b6001fa76b9bde0db11e7b5ed5cba4fb2f619ed0f883b85820af53", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1858/09/11_01/bmtnabi_1858-09-11_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580911-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1858-09-11-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-09-11_01#c001", "volume": "bmtnabi_1858-09-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "289", "page_fin": "289", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580911-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "289", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580911-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 478, "texte": "Inhalt.\nDie diesjährige Musikzeit in London. Schluss. Johann Baptist Crainer (Nekrolog). Von A. Anna Capponi (Nekrolog).\nDer musicalische Theil der dritten Säcularfeier der Universität Jena. Von Dr. K. S. Aus Frankfurt am Main (Aufführung des 11.\nTheiles von Göthe's Faust. Tages- und Unterhaltungsblatt (Das märkisch-westfälische Sängerfest zu Unna Coblenz Gold-\nberg Giessen, Dr. Friedrich Zamminer f Stuttgart Leipzig, K. E. Conrad f Wien, Hof-Capellmeister Bott F. 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S. Nr. 35 und 36.)\nDie Soireen und Matineen für Kammermusik, welche\ndie seit Jahren hier acclimatisirten deutschen Künstler, die\nHerren Pauer und Halle, zu veranstalten pflegen, wa-\nren dieses Jahr sehr gut besucht und durch die Mitwir-\nkung Joachim's besonders anziehend und glänzend.\nErnst Pauer ist ein vortrefflicher Ciavierspieler, der\n:\nmit Geist auffasst und mit Geist wiedergibt, was er auf-\ngefasst hat. Seine drei Soireen gab er in Hanover Square\nRooms. Beethoven's Sonate mit der Violine (Joachim) in\nC-moll, eine Fuge von Bach, Haydn's Trio in (mit Joa-\nchim und Piatti), dessen Rondo wiederholt werden musste,\nSchumann's Trio in D-moll,bei dem man mehr die Aus-\nführung als die Composition bewunderte, daneben Tar-\ntini's Höllen-Triller; dann Beethoven's Sonate in mit\nVioloncell, Op. 5 (Piatti), F. Schubert's Trio in Op.\n99, Beethovens eilftes Violin-Quartett in (Joachim,\nRies, Pollitzer, Piatti —wundervoll ausgeführt!); endlich\nSchumann's Quartett für Pianoforte, Op. 47 (mit Joachim,\nSainton und Paque), 'Joachim's Hebräische Melodieen für\nBratsche und Ciavier, Beethoven's Quintett für Ciavier und\nBlas-Instrumente, Mendelssohn's Variationen-Duo, Spohr's\nScherzo für Violine (Sainton) und Piano bildeten die Haupt-\nnummern der drei Programme. Pauer gab in der Regel\nnoch eisiige kleinere Stücke von seiner Composition zu,\nspielte auch einmal Liszt's Carneval von Pesth virtuosi-\ntatis causa.Joachim's Einfluss mag wohl hauptsächlich\ndie Compositionen Schumann's aufs Programm gebracht\nhaben, und allerdings konnte es keine bessere Gelegenheit\ngeben, als der Verein von solchen Künstlern darbot, den\nschon früher missglückten Versuch, Schumann in England\npopulär zu machen, zu wiederholen. Trotzdem war das\nErgebniss dasselbe: das Publicum blieb kalt und zuweilen\nsichtbar verlegen, wie einer, der, in einen Wald geführt\nund dort allein gelassen, nicht weiss, wo aus und ein, so\ndass ihn selbst das dunkle Grün des Dickichts und die\nwunderbare Verzweigung über seinem Haupte ängstigen,\nweil nirgends ein Sonnenstrahl, d. h. eine Melodie, ihm\nLicht gibt und ihm den Weg zeigt.\nWenn Pauer mehrere Kräfte für seine Soireen in An-\nspruch nahm, auch Gesang hinzuzog Madame Pauer ist\neine recht brave Sängerin—so gab Halle zunächst drei\nMatineen in seinen Salons, in denen er allein spielte, so\ngenannte Recitals (Vorträge), wie man sie hier nennt, wie\nja auch z. B. Liszt seine Concerte meist allein gab. Von\nBeethoven trug er die Sonaten in D-dur, Op. 10, C-moll,\nOp. 111, A-dur, Op. 2, E-dur,Op. 109, Op.\n7, E-moll und dur, Op. 90, vor. Ferner J. Seb. Bach's\nchromatische Phantasie nebst Fuge und die Partita in G;\nzwei grosse Sonaten von Clementi (in G-moU und F-dur),\nwahre Prachtstücke, und einige kleinere Stücke von Mo-\nzart und Haydn. Von den Neueren kamen nur Chopin und\nStephen Heller vor.\nNach Ablauf dieser Soireen vereinigte sich Halle mit\nJoachim und Piatti zu drei Kammermusik-Concerten in\nWillis' Rooms, die eine ganz besonders glänzende und zahl-\nreiche Zuhörerschaft anzogen. Diese heiligen drei Könige\nder Musik trugen die Trio's in E-dur von Haydn, in D\nund in Es, Op. 70, von Beethoven, in C-moll, Op. 66,\nvon Mendelssohn (wobei Sainton an Joachim's Stelle trat,\nder London bereits verlassen hatte) vor, ferner Duette für\nPianoforte und Violine oder Cello, z. B. Beethoven's\nKreutzer-Sonate, Op. 47, Schumann's Stücke im Volks-\ntone und Beethoven's Op. 102 (!) für Ciavier und Violon-\ncell, auch einzelne Solostücke. Die Krone des letzten Con-\ncertes war Mozart's Doppel-Concert für zwei Claviere in\nEs-dur mit Orchester, gespielt von Miss Goddard und Hallt1,\nmit Hummel's, von Halle arrangirten Cadenzen. Ein ge-\nspannteres, andächtigeres und inniger befriedigtes Audito-\nrium hat man selten gesehen, als dasjenige, das am 8. Juli"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "290", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580911-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5328, "texte": "den lieblichen Tönen dieser einfachen und doch so schö-\nnen Composition lauschte. Ausserdem spielte Halle noch\nBeethoven's Sonate Op. 96, jenes durch und durch von\npoetischem Duft gewebte Tonstück, mit Sainton und Cle-\nmenti's grosse G-moll-Sonate noch einmal auf allgemeinen\nWunsch.\nAuch die Matineen der Frau Szarvady-Clauss in\nWillis' Rooms waren recht besucht. Dass auch diese deut-\nsche Künstlerin nur gute Musik spielt, ist bekannt, eben\nso, dass sie sie ganz vorzüglich spielt. Sie trug Sonaten\nvon Beethoven, Bach's chromatische Phantasie und Fuge,\nTrio und Quartett von Mendelssohn u. s. w. vor. Die\nPalme erkannte man ihr aber im Vortrage der Musik von\nChopin und Stephen Heller zu.\nUnter den Einzel-Concerten sind das von Molique\nund die Älatineen von Derffel zu erwähnen.\nMolique, der tüchtige Veteran der Violinisten, mit\ngrossem Ton und breitem Spiel auf wirklichen Saiten, nicht\nauf Spinnfäden, verdient es in hohem Grade, dass man sich\nin Deutschland erinnere, dass er zu denjenigen Künstlern\ngehört, die im Auslande den Stolz Deutschlands ausma-\nchen. Er gibt hier seit langer Zeit jährlich ein grosses Con-\ncert in Hanover Square Rooms, kommt aber nie mit leeren\nHänden und weicht in seinem Programm nie von der edel-\nsten Richtung der Tonkunst ab. Das Neue, das er dieses\nJahr brachte, war eine Concert-Ouverture, ein Concert\nfür Pianoforte und Orchester, für seine Tochter Anna\ncomponirt, und ein Concert für die Concertina.\nDie Ouvertüre ist ein vortreffliches Werk, in bestimm-\nter, klarer Form, voll Schwung, ohne Auswüchse irgend\neiner Art, die den natürlich aufgeschossenen Stamm ent-\nstellten. Sie wurde sehr warm aufgenommen und unter\nLeitung des Componisten vom Orchester des Krystallpala-\nstes recht gut aufgeführt. Herr Manns dirigirte die übri-\ngen Sachen. Das Pianoforte-Concert in F-moll hat drei\nSätze. Der erste ist von sehr ernstem, fast düsterem Cha-\nrakter, für den Solospieler ausserordentlich schwer und\nnicht immer dankbar, da sich Molique wenig um die Spiel-\nbarkeit bekümmert hat, auch wohl auf dem Ciavier nicht\nganz zu Hause sein mag. Der zweite Satz hat viel Melodie\nund Ausdruck; der letzte, ein sprühendes Rondo, bildet\neinen vortrefflichen Contrast zu den beiden ersten Sätzen\nund führt das Ganze zu einem glänzenden Schlüsse. Das\njunge Fräulein Anna, die im vorigen Jahre zum ersten\nMale aufgetreten ist, ärntete durch die Correctheit ihres\nSpiels in den schwierigsten Passagen grosse Anerkennung.\nEine höchst überraschende Leistung war die eines\nSignor Regondi auf der Concertina. Was soll dieses In-\nstrument im Concertsaale? Wie in aller Welt kommt der\nstrenge Molique dazu, eine solche Frivolität zuzulassen?—\nDas waren die Gedanken der ineisten Zuhörer, namentlich\nder Musikkenner und Musiker, die in grosser Anzahl vor-\nhanden waren. Aber siehe da! man hörte eine sehr geist-\nvolle und schöne Composition, ein vollständiges Concert\nmit Orchester in drei Sätzen, und einen Virtuosen-Vortrag,\nder das unbedeutende Instrument den lieblichsten Blas-\ninstrumenten ebenbürtig machte, indem es durch eigen-\nthümliche Klangfarbe und Ausdrucksfähigkeit alle Zuhö-\nrer für sich gewann.\nMolique selbst spielte Spohr's Concert Op. 38 und sei-\nnen Fandango mit bekannter Meisterschaft. Frau Ruders-\ndorf sang die grosse Scene aus Spohr's Faust.\nHerr Joseph Derffel aus Wien, der eine Professur\nder Mathematik an einem Gymnasium zu Wien aufgege-\nben hat, um sich ganz der Musik zu widmen, lebt seit vo-\nrigem Jahre hier und in Brighton. Seine Matinee (am 18.\nJuni), in welcher ihn Benedikt, Joachim und Piatti nebst\nden Sängern Signora Finoli, Signor Lucchesi und Mr.\nSantley unterstützten, gab er in Hanover Square Rooms\nvor einer zahlreichen Zuhörerschaft. Er spielte mit Joachim\nund Piatti das Trio Op. 70, Nr. 2 in Es, von Beethoven,\ndie Sonate in D-moll, Op. 29, von demselben, eine Bra-\nvour-Etude in F-durund ein Capriccio in von eigener\nComposition, und mit Joachim die Sonate Nr. 2 in A-dur\nvon J. S. Bach. Joachim spielte ausserdem noch eine Ro-\nmanze von eigener Composition und ein Capriccio von Pa-\nganini; Piatti das Ständchen von F. Schubert und seine\nBergamasca. Somit war allerdings Ausgezeichnetes zu hö-\nren.—Derffel ist eine sehr beachtenswerthe Erscheinung;\nsein Mechanismus ist bedeutend und in Hinsicht auf weite\nSpannung und Unabhängigkeit der Finger staunenswerth.\nDabei ist er durch und durch musicalisch und trägt mit\nGeist und Feuer vor. Die zwei Bravour-Compositionen, die\ner vorführte, unterscheiden sich sehr zu ihrem Vortheil\nvon den Paradestücken der modernen Virtuosen; sie ha-\nben Gehalt in den Motiven und sind bei grossen und effect-\nvollen Schwierigkeiten doch vortrefflich, thematisch und\nimitatorisch gearbeitet *).\nUeberschaut man nun die diesjährige musicalische\nAernte auf dem Felde der Vocal- und Instrumental-Musik\nausserhalb der Opernbühnen in London, so findet man,\ndass sie allerdings einen schönen Ertrag geliefert hat, des-\nsen Reichthum jedoch mehr in der Schwere des Korns\nals in der Menge desselben besteht. Wir gewahren, dass\nim Grunde nur wenige Componisten zu der Ehre gelan-\ngen, in London den Stoff zu den öffentlichen Musik-Auf-\nführungen zu liefern. Es sind dies allerdings mit Aus-\nnahme einiger Inländer berühmte oder, richtiger, classi-\n\n*) Ueber die Anwesenheit des Herrn Derffel in Köln yergl. Nr\n35 d. BL Dießedaction. '"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "291", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580911-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5263, "texte": "sehe Namen. Allein wenn man dazu nimmt, dass im Grunde\nauch von diesen wieder nur wenige Werke dermaassen\nen vogue sind, dass man sie wiederholt und oft in drei bis\nvier verschiedenen Concert-Cirkeln vorführt, so lässt sich\ndoch nicht läugnen, dass darin eine gewisse Eintönigkeit\nliegt, durch welche eine Geschmacksrichtung mit Hülfe\ndes Einflusses der Mode und des herrschenden Tones er-\nzeugt werden kann und zum Theil schon vorhanden ist, die\nsich eigensinnig beschränkt und nicht bloss das Verwerf-\nliche im Neuen von sich abhält, sondern sich auch gegen\ndas Gute und Vorzügliche, das die Epigonen und die Zeit-\ngenossen liefern, verhärtet.\nIn England hört wirklich die Musik mit Mendelssohn\nauf; denn die Rücksichtnahme auf Componisten der Zeit,\nwie Costa, Sterndale Bennet und einige Andere, ist im\nGrunde nur eine locale. Wie wenig Boden Robert Schu-\nmann sowohl durch seine Gattin als durch Joachim gewon-\nnen hat, habe ich schon erwähnt. Ferdinand Hiller ist weit\nmehr dem Namen nach bekannt, als durch seine Compo-\nsitionen; von seinen neueren Werken kennt man hier gar\nnichts, und ich weiss nicht, ob selbst seine „Zerstörung\nvon Jerusalem\" jemals hier aufgeführt worden ist— we-\nnigstens muss es sehr lange her sein, wenn es der Fall\ngewesen.\nAbgesehen von dieser Gefahr einer abgeschlossenen\nEinseitigkeit muss man gestehen, dass die Sache etwas sehr\nEhrenwerthes, ich möchte sagen: Kunstheroisches hat.\nAusser London, dürfte es in der ganzen Welt keine\nStadt geben, wo die Musikstücke, welche die obigen Pro-\ngramme angeben, eine so gewählte und zugleich zahlreiche\nZuhörerschaft fänden, wie hier. Und man darf keineswegs\nsagen, wie das von Solchen geschieht, die London nicht\nkennen, dass dieses ja in einer so ungeheuren Stadt kein\nWunder sei, da das Publicum alle Tage wechsele und sich\nstets erneue. Dies ist nicht der Fall, wenigstens durchaus\nnicht in dem Maasse, wie man es sich denkt. London ist\nin dieser Hinsicht gar nicht mit Paris zu vergleichen. Nach\nParis strömt es immerwährend von Fremden, die sich\namusiren wollen; es ist das Rendezvous von reichen und\ngenusssüchtigen Menschen aller Nationen, und selbst der\nFranzose, der in Geschäften nach Paris muss, würde es\nsich zur Schande anrechnen, nicht in der Oper gewesen\nzu sein. Das ist in London ganz anders; da haben die\nLeute, vom Parlaments-Mitgliede und Lordkanzler bis zum\nCity-Kaufmann, viel mehr zu thun, als nach der Musik zu\nlaufen; und so wie man hier einen anstaunt, der auf der\nStrasse herumbummelt oder, vornehmer gesagt, flanirt,\neben so begreift man nicht, wie ein Geschäftsmann oder\nBeamter es den Leuten, die nichts zu thun haben, nach-\nmachen kann und musicalische und theatralische Vorstel-\nlungen besuchen!\n3lan kann daher mit weit mehr Recht sagen, dass das\nConcert-Publicum in London immer dasselbe ist, als dass\nes sich stets erneue. Namentlich für die Soireen und Ma-\ntineen ist die aristokratische Zuhörerschaft fast immer die-\nselbe. Freilich ist auch die Aristokratie während der Sai-\nson sehr zahlreich in London; aber trotzdem ist es doch\nfabelhaft, was für Summen eine Menge von vornehmen\nFamilien für den Besuch von Concerten ausgeben; man\nfindet sie immer und immer wieder in Hanover Square\nund Willis' Rooms. Dass der Weltton eben so viel Theil\ndaran hat, als der musicalische Ton, ist freilich wahr\ndenn dasselbe Publicum, das von classischem Geschmack\nüberlliesst, sehen Sie Abends entzückt in der Traviata und\nim Trovatore! Das erinnert an eine ziemlich boshafte Stelle\nin UlibischefTs Buche über Beethoven: „Die wüthendsten\nAnti-Rossinisten in Petersburg, unablässige Zuhörer unse-\nrer Quartettmusik, fuhren nichts desto weniger jeden Abend\nin die italiänische Oper. Bezahlten sie ihre Logen, um sich\nin ihrem officiellen Hasse gegen den Maestro zu stärken,\noder um sich für das schlafbringende Vergnügen zu ent-\nschädigen, das ihnen Haydn, Mozart und Beethoven\nmachten?\"\nDer diesjährige Frühling hat, wie Sie aus den Zeitun-\ngen wissen werden, den Senior der Ciavierspieler, Johann\nCramer, dahingerafft den 16. April, im Alter von 88\nJahren. Bis vor etwa anderthalb Jahren war er noch bei\nkräftiger Gesundheit und im vollen Genüsse seiner geisti-\ngen Fähigkeiten.\nIch schalte hier einen Nekrolog aus Musical World ein.\n„Johann Baptist Cramer, der älteste Sohn von\nWilhelm Cramer, dem berühmten deutschen Violinisten,\nwurde 1771 zu Mannheim geboren. Er war ein noch sehr\njunger Knabe, als er seinen Vater nach England beglei-\ntete. Seine Anlagen zur Musik entfalteten sich früh und\nwurden sorgfältig gepflegt. Sein Vater lehrte ihn zuerst\nVioline und bestimmte ihn für dieses Instrument; aber der\njunge Jean zeigte eine entschiedene Neigung zum Ciavier.\nEr ergriff jede Gelegenheit, welche sich darbot, sich darin\nzu üben, und zeigte eine solche Beharrlichkeit, dass sein\nVater sich zuletzt entschloss, ihn seiner eigenen Neigung\nfolgen zu lassen, und ihn dem Unterrichte eines Clavicr-\nlehrers, Namens Benser, übergab.\nNachdem Cramer drei Jahre dessen Unterricht genos-\nsen hatte, kam er 1782 zu Schroeter und wurde endlich\nr\nim Herbste des folgenden Jahres Zögling von Clementi.\nEr hatte indess nur ein Jahr lang den Vortheil, den Un-\nterricht dieses berühmten Meisters zu gemessen, da Cle-\nmenti 1784 England verliess, um auf dem Continente zu"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "292", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580911-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4527, "texte": "reisen. Das folgende Jahr wandte Cramer dazu an, sich\nmit den Werken grosser Meister, besonders mit denen\nvon Händel und Joh. Seb. Bach, vertraut zu machen.\nEr hatte kaum das dreizehnte Jahr Erreicht, als er\nsich bereits durch sein merkwürdiges Talent als Piano-\nf'ortespieler hervorthat. Er erhielt mehrere Anträge, öffent-\nlich zu spielen, und setzte seine Zuhörer durch seinen rei-\nnen und brillanten Vortrag in Erstaunen. 1785 studirte\ner die Theorie der Musik unter Karl Friedrich Abel. Nach\nBeendigung seiner Studien machte er eine Beise auf dem\nContinent, im Alter von 17 Jahren; in jeder Stadt spielte\ner öffentlich und erregte Erstaunen und Bewunderung.\n1791 kehrte er nach England zurück und fing an, Piano-\nl'orte zu lehren. Durch verschiedene von ihm herausgege-\nbene Sonaten hatte er sich schon einigen Buf als Compo-\nnist erworben. Einige Jahre später verliess er England\nwieder und kehrte nach Wien zurück, wo er seine in Eng-\nland mit Haydn gemachte Bekanntschaft erneuerte. Von\nWien ging er nach Italien. Nach seiner Bückkehr nach\nEngland verheirathete er sich, und von der Zeit an wohnte\ner beständig in London, ausgenommen, wenn er kleine\nAusflüge nach Paris oder den Niederlanden machte. Nach\neinigen Jahren, als sein Talent und seine Vollkommenhei-\nten bekannt wurden, wurde er zum Professor an der\nRoyal Acadenvj of Music ernannt.\nUnter den zahlreichen und mannigfachen Compositio-\nnen, welche Johann Cramer für das Ciavier schrieb, ha-\nben seine Etüden den grössten Buf bekommen durch das\nInteressante der Motive und durch deren glückliche Be-\nhandlung. Sie sind in der That wahrhaft classisch. Die\nvollständige Sammlung seiner Compositionen umfasst 105\nSonaten für Ciavier, welche in 43 Werke getheilt sind,\nsieben Concerte mit Orchester-Begleitung, drei vierhändige\nDuette, zwei Duette für Violine und Harfe, grosses Quin-\ntett für Piano, Violine, Bratsche, Violoncell und Contrabass,\nQuartett für Piano, Violine, Violoncell und Contrabass,\nzwei Nocturnen, zwei Suites und eine Menge\nabgerissener Morceaux, Bondo's, Märsche, Walzer, Airs\nvaries, Phantasieen und Kleinigkeiten.\nCramer war ausgezeichnet in seiner Art, Adagio's zu\nspielen, und in der Nuancirung des Tones. Nichts konnte\ndie Zartheit seines Anschlages übertreffen. Seine Spielweise\nwar ganz seine eigene und glich keiner eines anderen\nPianisten.\"\nCramer, mehr ein Mann des achtzehnten als des neun-\nzehnten Jahrhunderts, da er schon in früher Jugend in\ngleichem Bang mit den berühmten Virtuosen Clementi,\nWölfl, Dussek, Field, Hummel, llies, Moscheies trat, war\nals Componist und Lehrer einer der thätigsten Menschen.\nDie Zahl seiner gedruckten Compositionen ist noch weit\nX\ngrösser, als oben angegeben. Allein im Grunde genominen\nsind sie alle vergessen, und nur das Werk der Etüden\nwird ihn überleben. Es ist aber auch dieses das einzige, in\nwelchem sich Genie neben der ausserordentlichen Brauch-\nbarkeit offenbart. In allen übrigen vermisst man eben den\nGenius, und der ist es allein, der dem schaffenden Künst-\nler die Unsterblichkeit sichert\nBald nach Cramer, im Juni, starb ein anderer Vete-\nran der hiesigen Musikkreise, Dr. Horsley; auch er hatte\ndas hohe Aller von 84 Jahren erreicht. Horsley war als\nProfessor der Musik und als Kritiker geschätzt; er hatte\nlange Zeit das Athenäum herausgegeben. Er war das\nHaupt der Ultra-Conservativen und ein hartnäckiger Wi-\ndersacher der Werke Beethoven's aus dessen letzter Pe-\nriode, die aber für den englischen Kritiker schon sehr früh\nbegann. Händel, Haydn und Mozart liess er allein gelten;\nBach kannte er eben so wenig, wie die anderen Englän-\nder ihn bis jetzt kannten. Weber und Mendelssohn waren\nihm gänzlich unberechtigte und verderbliche Neuerer. Er\nselbst leistete als Componist wenig: einige Glees von ihm\nsind populär geworden, einen Canon zu drechseln verstand\ner auch das war aber auch Alles.\nSo viele Seiten und nichts über die Oper? Soll ich\nIhnen über die „unsterblichen\" Grisi, Mario, Konconi u.\ns. w. das hundert Mal in allen Blättern Geschriebene noch\neinmal schreiben, oder meine Verwunderung über die\nebenfalls unsterbliche Bewunderung der Engländer wie-\nderholen? Vielleicht haben Sie bald selbst Gelegenheit,\nden Buhm dieser Grössen erhöhen oder—zu Grabe tra-\ngen zu helfen; denn man munkelt hier von einer Be-\nglückung der deutschen Bühnen durch eine Kunstreise:\n„in diesen kleinen Localen werde man noch immer mit\nder Stimme ausreichen, da ja auch die dortigen Publicums\nvon alten italiänischen und französischen Berühmtheiten\ngar keine Stimme verlangten !\"\n\nA."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-09-11-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-09-11_01#c003", "volume": "bmtnabi_1858-09-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "292", "page_fin": "294", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580911-01.2.3", "titre_corps": "Anna Capponi.", "titre_sommaire": "Anna Capponi.", "signature_source": "N. W. Z", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "292", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580911-01.1.4", "debut_caractere": 4529, "fin_caractere_exclue": 5017, "texte": "Anna Capponi.\n(Nekrolog.)\n\nWien, den 19. August 1858.\nWir haben unsere vorzüglichste Ciavier-Virtuosin und\nLehrerin verloren. Fräulein Anna Capponi (Watzger;\nwurde uns Mittwoch den 4. August dieses Jahres, Nachts\num halb 11 Uhr, durch den Tod entrissen. Sie starb in\nder Blüthe ihrer Jahre in ihrer Sommerwohnung zu Mauer\nnächst Wien. Sie selbst hatte in der letzteren Zeit alle\nHoffnung der Wiedergenesung aufgegeben und bemerkte\nmit sicherem Gefühle gleichsam jeden Schritt, der sie dem"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "293", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580911-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5420, "texte": "Ende ihrer mannigfaltigen, anhaltenden und tiefschmerzen-\nden Leiden näher brachte.\nDas Licht der Welt hatte sie am 24. März 1829 zu\nWeinhaus bei Wien erblickt. Noch nicht drei Jahre alt,\nverlor sie ihre Mutter und kaum siebenthalb Monate\nspäter auch ihren Vater. Den ersten Unterricht auf dem\nPianoforte erhielt sie in ihrem fünften Jahre von Wiss-\nmüllner, welchem dann Schuhecker folgte. Letzterer führte\nsie bei dem k. k. Hof-Glaviermacher Conrad Graf ein, wo-\nselbst sie dann häufig hinging, um auf dessen trefflichen\nInstrumenten sichzu üben. Dort traf sie eines Tages (1838)\nder junge pariser Virtuose Louis Lacombe, der sie eine\nPiece für zwei Claviere von Karl Czerny mit ihrem Meister\nspielen hörte. Er trug sich an, mit ihr dieses Stück selbst\nnoch einmal zu wiederholen. Angeeifert durch die erlangte\nAuszeichnung, spielte sie ihren Part noch mehr zu seiner\nZufriedenheit. Er spendete ihr das schmeichelhafteste Lob\nüber ihre Fähigkeiten, und von diesem Momente an ward\nbeschlossen, dass sie sich gänzlich der Kunst widme.\nE. Pirkhert wurde ihr Lehrer und blieb es bis zum\nAntritte seiner Kunstreise im März 1841. Nach ihm stu-\ndirte sie unter Riotte, Theodor Kullak (welcher in der Sai-\nson 1842 —1843 hier concertirte), unter J. E. Horzalka\nu. s. w. Uebrigcns gehörte sie zu jenen, die sich selbst von\ninnen heraus antreiben und ihre Kräfte zur Entfaltung\ndrängen. Was ihr von aussen kam, wusste sie geschickt zu\nverarbeiten; jeder Künstler, den sie in der Folgezeit hörte,\nwar gewisser Maassen ihr Lehrer, weil sie das Empfan-\ngene schnell selbst erzeugend zu ihrem eigenen Gute zu\nmachen wusste. So bildete sie sich nach und nach ganz\nfür sich allein aus, ohne irgend einem grösseren Meister\nentschieden zu folgen.\nIhre ersten öffentlichen Concerte gab sie im Jahre\n1844, also als fünfzehnjähriges Mädchen, in Pressburg\nund in Pesth mit sehr grossem Beifalle. Seitdem hat sie in\nWien, das sie dann nicht mehr verliess, viele eigene Con-\ncerte veranstaltet und in sehr vielen fremden, besonders zu\nwohlthätigen Zwecken, mit grösster Bereitwilligkeit mit-\ngewirkt.\nSeit ungefähr zehn, eilf Jahren widmete sie den gröss-\nten Theil ihrer Zeit dem Unterrichte, und zwar mit dem\nin jeder Hinsicht besten Erfolge, daher derselbe sehr ge-\nsucht und gut honorirt wurde. Es dürfte aber auch wenig\nMeister und Meisterinnen geben, welche ihre Pflicht mit\nso strenger Gewissenhaftigkeit übten. Sie ging von dem\nrichtigen Grundsatze aus, dass gleich beim Beginn des Un-\nterrichts auf Ausbildung des rhythmischen Gefühls, des\nmusicalischen Gehörs, des musicalischen Anschauungs- Ver-\nmögens hingewirkt und ein fester Grund für die später\neintretende Bildung zum höheren Vortrage gelegt werden\nmüsse. In Folge ihres vortheilhaften Rufes wurde sie auch\nam 24. Juni 1851 zur Professorin des Pianofortespiels an\nder damals neu gegründeten „Akademie der Tonkunst''\nernannt, auf welche Stelle sie jedoch am 26. Juli 1853\nschon besonders aus Gesundheits-Rücksichten verzichtete.\nVon ihren zahlreichen Privatschülerinnen, mit denen\nsie bis ungefähr 1855 von Zeit zu Zeit öffentliche Pro-\nductionen veranstaltete, sind bereits mehrere als selbststän-\ndige Künstlerinnen aufgetreten und fungiren hier und an\nanderen Orten als Lehrerinnen. Eine ihrer vorzüglichsten\nist die kleine Julie Swoboda, welche nicht nur viele\nMale in Wien, sondern vor Kurzem erst auch in Brünn,\nPrag u. s. w. durch ihre eminenten Leistungen ihren Na-\nmen verherrlichte.\nDie Richtung betreffend, welche ihre eigenen Studien\nvorzugsweise nahmen, so waren sie in früherer Jugend den\nCompositionen Liszt's und Thalberg's, seit 1844—45 aber\nbis an ihr Ende fast abschliessend der classischen Musik\nHummel's, Mozart's, Tomaschek's, Kalkbrennens, Mendels-\nsohn's, Bach's, Händel's, zuvörderst aber Beethoven's zu-\ngewandt, und nur so viel von den neuesten Tageswerken\nin ihren Kreis ziehend, als der innere natürliche Drang\nnach Allseitigkeit und ihr viel umfassender Geist, um den\nganzen Bereich der musicalischen Literatur in seinen Ver-\nhältnissen fortlaufend mit der Zeit stets überschauen zu\nkönnen, nothwendig erforderte. Besondere Vorliebe hatte\nsie. für Stephen Heller, dessen Etüden auch nebst denen\nvon Bertini, AI. Schmitt, Kalkbrenner und Gramer alle\nihre Schülerinnen studiren mussten.\nDie äusseren Vorzüge ihres Spiels waren ein höchst\nelastischer Anschlag, wahrhaft glänzende Fertigkeit und\nBravour. Der Haupt-Vorzug bestand aber darin, dass sie,\nfeind aller Gharlatanerie und allen Knall-Effecten, die wah-\nren Grund-Ideen des Tonstückes ergründete und durch-\ndrang, bis in seine verborgensten Geheimnisse ergriff, mit\nHerz und Gemüth sich aneignete, und die also studirle\nComposition mit solcher Begeisterung ans Licht und in die\nlauschenden Ohren und Seelen förderte, dass der Eindruck\nunwiderstehlich und mächtig war. So feurig und hinreis-\nsend ihr kühnes Allegro war, eben so seelenvoll und herz-\nergreifend war auch ihr ernstes Adagio.\nAusser der deutschen war sie der französischen und\nitaliänischen Sprache vollkommen mächtig und besass über-\nhaupt alle Kenntnisse und Fertigkeiten, durch welche eine\ngebildete Dame sich in der Gesellschaft und in ihrem Hause\nauszeichnet. Ihr ganzes Sein und Wesen war von einer\nhinreissenden Lieblichkeit und schönen weiblichen Grazie\numstrahlt. Was aber mehr als Alles, sie war im strengsten\nSinne der Bedeutung eine edle, biedere Deutsche, mit tie-\nfem Sinne und Gefühl für Recht und Wahrheit. Alle,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "294", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580911-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2047, "texte": "welche sie näher kennen zu lernen Gelegenheit hatten, wa-\nren ihr innigst zugeneigt.\nViele Componisten haben ihr durch Dedicationen öf-\nfentliche Beweise von Hochachtung zu geben sich beflissen.\nVon jenen Clavier-Piecen, die ihren geschätzten Namen an\nder Stirn tragen, führen wir hier nur einige an, welche\nuns gerade vorliegen:\n„Trauermarsch\" von J. N. Batka; —Phantasie über\nBeethoven's Sonate pathetique(Op. 60) und „Brillanter\nMarsch zu vier Händen\" von Joh. E. Horzaika; „Der\nTroubadour\" (Op. 52), „La fontaine\" (Op. 87);\n„Frühlingsahnung\", „Savoyardenlied\" und „Im Sternen-\nschein\" (Op. 107) von Albert Jungmann; „Octaven-\nCaprice„; „Deux Etudes de Salon\" (Op. 15), „Ca-\npriccio\" und „Pensee fugitive\" (Op. 17), „Fleur d'amitie\"\n(Op. 18) von Franz Weber;— (Op.\n7) und „Charit sans paroles\"(Op. 29) von G. A. Wollen-\nhaupt aus New-York u. s. w. Die persönliche Bekannt-\nschaft des letztgenannten genialen Tondichters hatte sie\nwährend dessen Anwesenheit in Wien, im September 1855,\ngemacht. Auch Karl Czerny, dessen Gunst die Verblichene\nüberhaupt in hohem Grade sich erfreute, hat eigens für\nsie und ihre obenerwähnte Schülerin Julie Swoboda bril-\nlante \\ ariationen für das Pianoforte zu vier Händen über\nein von ihr selbst gewähltes Westmoreland'sches Thema\ngeschrieben und Beiden gewidmet; sie werden in Kurzem\nbei Glöggl erscheinen.\nCapponi's sterbliche Ueberreste wurden Samstag den\n7. August, Nachmittags um 3 Uhr, in der Kirche zu Mauer\neingesegnet, sodann nach Wien geführt, wo um halb 6\nUhr Abends in der Pfarrkirche zu den heiligen Schutz-\nengeln bei den P.P. Paulanern das feierliche Leichenbe-\ngängniss Statt fand. Viele hochgestellte Personen, der k. k.\nerste Hof-Capellmeister Ignaz Assmavr, der Orchester-Di-\nrector des k. k. Hofburgtheaters Jos. Benesch, die Herren\nAlbert Jungmann, Ferdinand Waldmüller, Joh. E. Hor-\nzaika, Fr. Glöggl, Doppler, Mitternast, Karl Stein, Bösen-\ndorfer jun., Czapka, Weber, Kreipl, nebst mehreren an-\nderen lonsetzern, Musikern, Ciavier-Verfertigern u. s. w.\nwohnten demselben bei.\n\n(N. W. Z.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-09-11-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-09-11_01#c004", "volume": "bmtnabi_1858-09-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "294", "page_fin": "295", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580911-01.2.4", "titre_corps": "Der musicalische Theil der dritten Säcularfeier der Universität Jena.", "titre_sommaire": "Der musicalische Theil der dritten Säcularfeier der Universität Jena.", "signature_source": "K. 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Während sich der Festzug in der grossen Michaelis-\nund Hauptkirche verbreitete, erfreute hier Universitäts-\nMusik-Director Stade die Ohren und Herzen der Anwe-\nsenden durch den vollendeten Vortrag zweier der grössten\nund prachtvollsten Bach'schen Fugen, auf welche nach\nBeendigung des Gottesdienstes eine dritte folgte. Ausser-\ndem wurde noch vor der Fest-Predigt das weltberühmte\nHändel'scheHallelujah aufgeführt (dirigirt von Stade), wel-\nches einen um so mächtigeren Eindruck hervorbrachte, je\nsinniger es mit der Liturgie verbunden war.\nDas obgleich sehr stark besetzte Harmonie-Corps, wel-\nches sich gegen Abend in der mächtigen Festhalle hören\nliess, mochte bei dem ungeheuren Menschengewühl wohl\nnur von Wenigen vernommen worden sein.\nAm zweiten Tage fand in der Universitätskirche vor\nder Säcular-Rede die sehr gelungene Aufführung einer von\nHerrn Musik-Director Stade neu componirten Fest-Hymne\nStatt, nach Ps. LXV. gedichtet von Stipel\neinem der ersten Professoren der Universität. Dieselbe be-\nsteht aus einem lebhaft ergreifenden, sogleich von vorn\nherein festlich stimmenden, feurigen Chor, aus einem sehr\nansprechenden Solo-Quartett und aus einem wahrhaft gross-\nartig angelegten, breit durchgeführten und sich immer\nhöher aufschwingenden, ungemein reich und glänzend, doch\nnicht überfüllt instrumentirten Fugenchor von höchst im-\nposanter Wirkung.\nDer Herr Verfasser hat sich durch dieses Werk in der\nThat den vorzüglichsten Tondichtern an die Seite gestellt.\nUnter den Sängern befand sich Herr Capellmeister Fr.\nLiszt, der mit sichtbarer freudiger Theilnahme an dem\nWerke mitwirkte, wie sich denn diese Hymne überhaupt\nwohl eines ungetheiltcn Beifalls zu erfreuen hatte. Nur ein\nvieljähriges fleissiges Studium der gediegensten Meister-\nwerke konnte den Verfasser zu einer solchen Leistung be-\nfähigt haben.\nNach der Säcular-Rede folgte ein Gloria aus der Messe\nfür Männerstimmen von Herrn Fr. Liszt, von ihm selbst\ndirigirt. Dasselbe gehört zu den ansprechendsten Werken\ndes geehrten Herrn Verfassers, die uns bekannt sind, und\nist reich an feinen Zügen.\nDer dritte Tag des Festes brachte, abermals in der\nUniversitätskirche, vor den Promotions-Reden eine Can-\ntate: „Nun lob' meine Seel' den Herren\" u.s.w., gedich-\ntet von Poliander (1530) und componirt von J. S. Bach,\nund nach derselben den 100. Psalm (Jauchze dem Herren"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "295", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580911-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1131, "texte": "alle Welt u. s. w.) von Händel. Beide Werke brachten,\nmit gewohnter Sicherheit und Gewandtheit von Herrn Mu-\nsik-Director Stade dirigirt, einen grossen Eindruck hervor.\nAm vierten Tage gab die Liedertafel, durch viele ehe-\nmalige Mitglieder verstärkt, eine festliche Abend-Unterhal-\ntung, welche bei den zahlreich vorhandenen köstlichen\nStimmen den lebhaftesten Beifall fand.\nGewiss alle kunstliebenden Gäste des schönen Festes\nwerden mit dem wärmsten Danke gegen die geehrten mu-\nsicalischen Ordner desselben und die Mitwirkenden von\ndem reizend gelegenen Jena geschieden sein, dessen wackere\nBürger abermals ihre bekannte Gastfreiheit in rühmlicher\nWeise bewährt haben.\nSchliesslich bemerken wir noch, dass sich unter den\nfestbesuchenden Musikern neben anderen auch Herr Musik-\nDirector Bergner aus Riga und Herr Ergmann, Professor\nan der Rheinischen Musikschule, aus Köln befanden. Letz-\nterer erfreute einen Privatcirkel durch den Vortrag eines\nneuen, noch ungedruckten Concertstückes für das Piano-\nforte, das wohl zu den ausgezeichnetsten Werken die-\nser Art gehören dürfte, welche in neuerer Zeit entstanden\nsind.\n\nDr. K. S."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-09-11-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-09-11_01#c005", "volume": "bmtnabi_1858-09-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "295", "page_fin": "295", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580911-01.2.5", "titre_corps": "Aus Frankfurt am Main.", "titre_sommaire": "Aus Frankfurt am Main.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "295", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580911-01.1.7", "debut_caractere": 1133, "fin_caractere_exclue": 3629, "texte": "Aus Frankfurt am Main.\nAm 28. August wurde bei gedrängt vollem Hause zur\nFeier von Göthe's Geburtstage der zweite Theil des\nFaust, mit Musik von Hugo Pierson, nach Wollheim's vor-\ntrefflicher Bühnen-Einrichtung aufgeführt, und zwar mit\nglänzendem Erfolge, denn die Darsteller der Hauptrollen\nund der Ober-Regisseur Herr Vollmer wurden mehrmals\nstürmisch gerufen.\nKeinem theatralischen Werke ist wohl mit so vielem\nMisstrauen entgegen gesehen worden, wie dem zweiten\nTheile des Faust; selbst nach dem grossen Erfolge, den\nes in Hamburg errang, blieb man in anderen Orten bei\nder Meinung, es sei unverständlich; auch wollten hier und\nda die Leute, welche die Feder führen, den Erfolg des\nFaust nicht zugestehen, weil eben sie es nicht waren, die\nmit Glück eine Bühnen-Einrichtung gemacht hatten. Und\nwas die Musik dazu betrifft, so nannten sie zwar in Ham-\nburg Kritik und Publicum originel, schön, der Dichtung\nwürdig; allein Pierson ist ein Mann, der sich weder zur\nPartei der Zukunftsmusiker, noch überhaupt zu irgend einer\nPartei hält. Seit Jahren, seitdem er seine Stelle als Profes-\nsor der Musik an der Universität zu Edinburgh niederge-\nlegt hat, hält er sich ganz fern vom öffentlichen musicali-\nschen Treiben und beschäftigt sich nur mit Composition,\nwovon sein grossarliges Oratorium „Jerusalem\", seine Lie-\nder und andere Musikstücke, so wie seine eben vollendete\nOper ehrenvolles Zeugniss ablegen.\nDem sei nun also, wie ihm wolle, der zweite Theil des\nFaust, nach der Wollheim'schen Bühnen-Einrichtung, mit\nPierson's Musik, hat hier in Frankfurt den Sieg über Vor-\nurtheil und Neid davon getragen, das ist nicht mehr zu\nläugnen.\nDie Musik wurde unter Leitung des wackeren Capell-\nmeisters Herrn Georg Goltermann sehr gut executirt, das\nPublicum nahm jedes Musikstück mit grösstem Interesse\nauf, dasselbe mochte sich nun in andächtigem Schweigen,\nwie z. B. bei den prachtvollen Einleitungen zum vierten\nund fünften Acte, oder durch lauten Applaus, wie nach\nden Chören: „Heilige Poesie\", dem Schlusschor, dem Te\nDeum u. s. w.,' äussern.\nUeber das, was von der Musik wegblieb, weil der Zeit-\nraum eines Theater-Abends bei diesem ohnehin schon lan-\ngen Drama nicht überschritten werden durfte, gibt der bei\nSchott's Söhnen in Mainz erschienene Ciavier-Auszug Aus-\nkunft; übrigens hat der Capellmeister Goltermann bereits\nöffentlich erklärt, dass er die vollständige Musik bald in\neinem Concerte aufführen werde, was den vielen Vereh-\nrern der Pierson'schen Musik sehr willkommen sein wird."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-09-11-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-09-11_01#c006", "volume": "bmtnabi_1858-09-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "295", "page_fin": "296", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580911-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "295", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580911-01.1.7", "debut_caractere": 3631, "fin_caractere_exclue": 5520, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nUeber das märkisch-westfälische Sängerfest zu Unna\nam 22. und 23. August ist uns ein Aufsatz zugesandt worden, wel-\ncher über das deutsche Sängerwesen oder vielmehr Sänger-Unwesen\nmanche wohl zu beherzigende Bemerkungen enthält. Es heisst darin\nunter Anderem: ~Dass die Vereine verschiedener Orte zuweilen zu-\nsammenkommen, ist durchaus nothwendig. Es ist auch gar nichts\ndagegen zu sagen, wrenn sie eine solche Zusammenkunft unter sich\nfestlich begehen. Verkehrt aber ist es eben so gewiss, wenn sie den\nübrigen Leuten dergleichen ohne Weiteres als ein Musikfest ankün-\ndigen. Denn nicht die Personen, sondern die Leistungen geben einer\nZusammenkunft dem Publicum gegenüber den Charakter eines\nFestes. Wer die Ankündigung las, musste glauben, dass in Unna,\nbesonders bei Gelegenheit des Fest-Concertes, das Höchste ge-\nleistet werden solle, dessen die Sänger Westfalens zur Zeit fähig\nseien. Darum ist auch ein Berichterstatter in der Kölnischen Zeitung\nmit diesem Sängerfeste strenger ins Gericht gegangen, als die\nMitwirkenden erwartet zu haben scheinen. In der That war es bis\njetzt hier zu Lande üblich, dass sich die Kritik der Eeclame unter-\nordnete, und dass hinterher alles, was bei einem so genannten Feste\ngeschehen, in dem posaunenhaften Stile geschildert wurde, in wel-\nchem von der beglückenden Anwesenheit hoher und höchster Herr-\nschaften geredet zu wTerden pflegt. Einen Gewinn hat die Kunst da-\nvon noch nie gehabt; vielmehr verdanken die Musik-Vereine am\nEheine und deren Feste ihre hohe Vollendung wesentlich der Presse,\ndie dort unbarmherzig jede Mangelhaftigkeit und besonders jede\nNachlässigkeit rügt, welche vor einem eingeladenen Publicum\nvorfällt. Dahin muss es auch bei uns kommen. Dass gerade die\nwestfälischen Local-Virtuosen, die es nun einmal gewohnt sind, jede\nStümperei im nächsten Localblatte als eine unsterbliche Leistung"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "296", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580911-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5546, "texte": "preisen zu hören, durch eine weniger schmeichelhafte Auffassung\nnicht erbaut werden, liegt auf der Hand.\n~Es ist, gewisser Maassen um der Kritik Schonung zu empfehlen,\nhervorgehoben worden, dass die Gesangfeste eine sociale Bedeutung\nhätten und insbesondere dem Volke ein Bildungsmittel böten. Mit\nLetzterem sind wir ganz einverstanden. Darum wollen wir aber auch,\ndass sie nicht zu einem Tummelplatze unkünstlerischen Strebens\nwerden, auf welchem jeder schülerhafte Versuch ein auf Gegensei-\ntigkeit beruhendes Bravo erhält, und die geselligen Lustbarkeiten die\nGäste für den fehlenden geistigen Genuss schadlos halten sollen. Es\ngeht sonst den Gesangfesten wie den Schützenfesten, die, seitdem sie\nnicht mehr ein Ehrentag für den wirklich besten Schützen, in\nwüste Gelage ausgeartet sind. Pflicht der Presse ist es, die Gesang-\nfeste vor weiterem Verfalle zu wahren und ihre Schwächen scho-\nnungslos aufzudecken. Dass dabei einzelne Mitglieder, ja, vielleicht\nein ganzer Verein, der in anderer Umgebung seine Aufgabe tiefer\nund ernster erfassen würde, mit leiden muss, kann, wenn es sich\num ein grosses und wichtiges Ganzes handelt, nicht in Betracht\nkommen. Geradezu lächerlich, aber charakteristisch ist ein Vorwurf,\nden wir in der Elberfelder Zeitung lasen. Der Patriotismus dieses\nBlattes versteht es, aus Allem eine politische Waffe zu machen, und\nnur dadurch ist es begreiflich, wenn es in demselben heisst, die ta-\ntelnde Kritik der Kölnischen Zeitung beruhe auf „Feindschaft gegen\nalles, was norddeutsch oder westfälisch4' sei!!\n„Von den Gesammt-Vorträgen gelang „Eine Nacht auf dem Meere\"\nvon Tschirch am besten.4'\nNachdem die Leistungen der einzelnen Vereine durchgegangen,\nlautet der Schluss: ~Es ist eine Rücksichtslosigkeit gegen das Pu-\nblicum, wenn man es zu einem Fest-Concerte einladet und in\ndiesem jeden beliebigen Club, der sich meldet, Solo singen lässt.\nDenn dass irgend eine Sichtung der Vereine Statt gefunden hat,\nkönnen wir unmöglich glauben. Für diejenigen Liedertafeln, die einer\nhöheren Ausbildung fähig sind, ist es ein Unglück, in einer Gesell-\nschaft aufzutreten, in welcher sie jetzt schon ohne erhebliche An-\nstrengung die ersten sind, also keine Vorbilder und somit keinen\nEifer empfangen. Es ist uns sogar vorgekommen, als wenn Einige,\ndie wir vor Jahren gehört, seitdem Rückschritte gemacht hätten.\nLieb soll es uns sein, wenn künftiges Jahr das Sängerfest, welches\nin Soest gehalten werden soll, besser ausfällt. Zu wünschen wäre\ndann auch, wenn bei der Auswahl der Texte mehr als bisher darauf\ngedacht würde, dass sie von Männerchören gesungen werden sollen.\nDas Musik Institut zu Coblenz feiert Anfangs October sein fünf-\nzigjähriges Jubiläum. Zur Aufführung am ersten Tage ist HändeFs\nSamson, für den zweiten Tag Beethoven's C-moll-Sinfonie und eine\nReihe neuerer Werke von Weber, Mendelssohn und Schumann\nbestimmt.\nhaltene schlesische Gesangfest wurde leider durch heftigen\nund anhaltenden Regen sehr gestört; dennoch wurde der Festzug,\nan dem sich 32 Vereine mit ihren Fahnen betheiligten, ausgeführt.\nDie Aufführung am zweiten Festtage wurde von freundlicherem Wet-\nter begünstigt, und fand dabei die für dieses Fest besonders compo-\nnirte „Sängerfahrt ins Riesengebirge\" von Willi. Tschirch allgemei-\nnen Beifall. Das Fest schloss mit einer brillanten Illumination der\nStadt.\nGicssei®, IG. August. Gestern starb hier der ausserordentliche\nProfessor an unserer Universität, Dr. Friedrich Zamminer, erst\n41 Jahre alt, geschätzt als Docent und in weiteren Kreisen bekannt\ndurch seine Arbeiten über Probleme der höheren Mathematik, Physik\nund Akustik. Vergl. unsere Beurtheilung seines Werkes: „Die\nMusik und die musicalischen Instrumente in ihrer Beziehung zu den\nGesetzen der Akustik. bei Ricker, 1855. II Bände\" in\nNr. 29 und 32 des Jahrg. 1857, S. 225 und 249 der Niederrheini-\nschen Musik-Zeitung.\nVom Kammermusicus Abert in Stuttgart, dem als Componist\nhervorragenden ehemaligen Zögling des prager Conservatoriums,\nkommt Ende dieses Jahres eine Oper, ~Anna von Landskronu, Text\nvon Nehrlich, in Stuttgart zur Aufführung.\nIn Leipzig starb am 25. August K. E. Conrad, Actuar bei\ndem k. Gerichts-Amte und als Opern-Componist wohlbekannt, ob-\nwohl seine talentvollen und fleissigen Bestrebungen nicht jenes hö-\nhere Ziel erreichten, das er zu erringen suchte. In Leipzig fanden\nmehrere seiner Opern eine sehr warme Aufnahme, und seine Oper\n»D ie Weiber von Weinsberg\" (Text von Theodor ApelJ errang einen\nnachhaltigen Erfolg und wurde an vielen kleineren und grösseren\nBühnen gegeben. Conrad's Leben war sehr freudenlos und mühe-\nvoll ; er starb nach längeren schmerzhaften Leiden zur unglücklich-\nsten Zeit für seine arme Familie, die aus Frau und acht Kindern\nbestehend, gänzlich mittellos einer schweren, sorgenvollen Zukunft\nentgegensieht.\nDer Hof-Capellmeister Bo 11 aas Oldenburg befindet sich seit\neinigen Tagen in Wien. Man bedauert, dass sein Aufenthalt auf zu\nkurze Dauer beschränkt und die gegenwärtige Zeit überhaupt zu\neinem Concerte nicht geeignet ist, um diesen ausgezeichneten\nVirtuosen spielen oder eine seiner Sinfonieen aufführen zu hören.\nFeri Kletzer hat nach seiner Rückkehr aus America in Paris*\nHannover, Braunschweig, Ischl, Gmünden, überall mit der grössten\nAuszeichnung eoncertirt und beabsichtigt jetzt eine abermalige Kunst-\nreise in die Türkei anzutreten.\nFelix Dräseke, der in Dresden lebende Vertreter der Zukunfts-\nmusik, hat eine dreiactige Oper, „König Liguard\", nach GeibeFs\nEpos bearbeitet, deren erste Aufführung in Weimar unter Liszt's\nLeitung Statt finden soll."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "289", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580911-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie diesjährige Musikzeit in London. Schluss. Johann Baptist Crainer (Nekrolog). Von A. Anna Capponi (Nekrolog).\nDer musicalische Theil der dritten Säcularfeier der Universität Jena. Von Dr. K. S. Aus Frankfurt am Main (Aufführung des 11.\nTheiles von Göthe's Faust. Tages- und Unterhaltungsblatt (Das märkisch-westfälische Sängerfest zu Unna Coblenz Gold-\nberg Giessen, Dr. Friedrich Zamminer f Stuttgart Leipzig, K. E. Conrad f Wien, Hof-Capellmeister Bott F. Kletzer).\n\nDie diesjährige Musikzeit in London.\n\n(Schluss. S. Nr. 35 und 36.)\nDie Soireen und Matineen für Kammermusik, welche\ndie seit Jahren hier acclimatisirten deutschen Künstler, die\nHerren Pauer und Halle, zu veranstalten pflegen, wa-\nren dieses Jahr sehr gut besucht und durch die Mitwir-\nkung Joachim's besonders anziehend und glänzend.\nErnst Pauer ist ein vortrefflicher Ciavierspieler, der\n:\nmit Geist auffasst und mit Geist wiedergibt, was er auf-\ngefasst hat. Seine drei Soireen gab er in Hanover Square\nRooms. Beethoven's Sonate mit der Violine (Joachim) in\nC-moll, eine Fuge von Bach, Haydn's Trio in (mit Joa-\nchim und Piatti), dessen Rondo wiederholt werden musste,\nSchumann's Trio in D-moll,bei dem man mehr die Aus-\nführung als die Composition bewunderte, daneben Tar-\ntini's Höllen-Triller; dann Beethoven's Sonate in mit\nVioloncell, Op. 5 (Piatti), F. Schubert's Trio in Op.\n99, Beethovens eilftes Violin-Quartett in (Joachim,\nRies, Pollitzer, Piatti —wundervoll ausgeführt!); endlich\nSchumann's Quartett für Pianoforte, Op. 47 (mit Joachim,\nSainton und Paque), 'Joachim's Hebräische Melodieen für\nBratsche und Ciavier, Beethoven's Quintett für Ciavier und\nBlas-Instrumente, Mendelssohn's Variationen-Duo, Spohr's\nScherzo für Violine (Sainton) und Piano bildeten die Haupt-\nnummern der drei Programme. Pauer gab in der Regel\nnoch eisiige kleinere Stücke von seiner Composition zu,\nspielte auch einmal Liszt's Carneval von Pesth virtuosi-\ntatis causa.Joachim's Einfluss mag wohl hauptsächlich\ndie Compositionen Schumann's aufs Programm gebracht\nhaben, und allerdings konnte es keine bessere Gelegenheit\ngeben, als der Verein von solchen Künstlern darbot, den\nschon früher missglückten Versuch, Schumann in England\npopulär zu machen, zu wiederholen. Trotzdem war das\nErgebniss dasselbe: das Publicum blieb kalt und zuweilen\nsichtbar verlegen, wie einer, der, in einen Wald geführt\nund dort allein gelassen, nicht weiss, wo aus und ein, so\ndass ihn selbst das dunkle Grün des Dickichts und die\nwunderbare Verzweigung über seinem Haupte ängstigen,\nweil nirgends ein Sonnenstrahl, d. h. eine Melodie, ihm\nLicht gibt und ihm den Weg zeigt.\nWenn Pauer mehrere Kräfte für seine Soireen in An-\nspruch nahm, auch Gesang hinzuzog Madame Pauer ist\neine recht brave Sängerin—so gab Halle zunächst drei\nMatineen in seinen Salons, in denen er allein spielte, so\ngenannte Recitals (Vorträge), wie man sie hier nennt, wie\nja auch z. B. Liszt seine Concerte meist allein gab. Von\nBeethoven trug er die Sonaten in D-dur, Op. 10, C-moll,\nOp. 111, A-dur, Op. 2, E-dur,Op. 109, Op.\n7, E-moll und dur, Op. 90, vor. Ferner J. Seb. Bach's\nchromatische Phantasie nebst Fuge und die Partita in G;\nzwei grosse Sonaten von Clementi (in G-moU und F-dur),\nwahre Prachtstücke, und einige kleinere Stücke von Mo-\nzart und Haydn. Von den Neueren kamen nur Chopin und\nStephen Heller vor.\nNach Ablauf dieser Soireen vereinigte sich Halle mit\nJoachim und Piatti zu drei Kammermusik-Concerten in\nWillis' Rooms, die eine ganz besonders glänzende und zahl-\nreiche Zuhörerschaft anzogen. Diese heiligen drei Könige\nder Musik trugen die Trio's in E-dur von Haydn, in D\nund in Es, Op. 70, von Beethoven, in C-moll, Op. 66,\nvon Mendelssohn (wobei Sainton an Joachim's Stelle trat,\nder London bereits verlassen hatte) vor, ferner Duette für\nPianoforte und Violine oder Cello, z. B. Beethoven's\nKreutzer-Sonate, Op. 47, Schumann's Stücke im Volks-\ntone und Beethoven's Op. 102 (!) für Ciavier und Violon-\ncell, auch einzelne Solostücke. Die Krone des letzten Con-\ncertes war Mozart's Doppel-Concert für zwei Claviere in\nEs-dur mit Orchester, gespielt von Miss Goddard und Hallt1,\nmit Hummel's, von Halle arrangirten Cadenzen. Ein ge-\nspannteres, andächtigeres und inniger befriedigtes Audito-\nrium hat man selten gesehen, als dasjenige, das am 8. Juli"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "290", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580911-01.1.2", "texte": "den lieblichen Tönen dieser einfachen und doch so schö-\nnen Composition lauschte. Ausserdem spielte Halle noch\nBeethoven's Sonate Op. 96, jenes durch und durch von\npoetischem Duft gewebte Tonstück, mit Sainton und Cle-\nmenti's grosse G-moll-Sonate noch einmal auf allgemeinen\nWunsch.\nAuch die Matineen der Frau Szarvady-Clauss in\nWillis' Rooms waren recht besucht. Dass auch diese deut-\nsche Künstlerin nur gute Musik spielt, ist bekannt, eben\nso, dass sie sie ganz vorzüglich spielt. Sie trug Sonaten\nvon Beethoven, Bach's chromatische Phantasie und Fuge,\nTrio und Quartett von Mendelssohn u. s. w. vor. Die\nPalme erkannte man ihr aber im Vortrage der Musik von\nChopin und Stephen Heller zu.\nUnter den Einzel-Concerten sind das von Molique\nund die Älatineen von Derffel zu erwähnen.\nMolique, der tüchtige Veteran der Violinisten, mit\ngrossem Ton und breitem Spiel auf wirklichen Saiten, nicht\nauf Spinnfäden, verdient es in hohem Grade, dass man sich\nin Deutschland erinnere, dass er zu denjenigen Künstlern\ngehört, die im Auslande den Stolz Deutschlands ausma-\nchen. Er gibt hier seit langer Zeit jährlich ein grosses Con-\ncert in Hanover Square Rooms, kommt aber nie mit leeren\nHänden und weicht in seinem Programm nie von der edel-\nsten Richtung der Tonkunst ab. Das Neue, das er dieses\nJahr brachte, war eine Concert-Ouverture, ein Concert\nfür Pianoforte und Orchester, für seine Tochter Anna\ncomponirt, und ein Concert für die Concertina.\nDie Ouvertüre ist ein vortreffliches Werk, in bestimm-\nter, klarer Form, voll Schwung, ohne Auswüchse irgend\neiner Art, die den natürlich aufgeschossenen Stamm ent-\nstellten. Sie wurde sehr warm aufgenommen und unter\nLeitung des Componisten vom Orchester des Krystallpala-\nstes recht gut aufgeführt. Herr Manns dirigirte die übri-\ngen Sachen. Das Pianoforte-Concert in F-moll hat drei\nSätze. Der erste ist von sehr ernstem, fast düsterem Cha-\nrakter, für den Solospieler ausserordentlich schwer und\nnicht immer dankbar, da sich Molique wenig um die Spiel-\nbarkeit bekümmert hat, auch wohl auf dem Ciavier nicht\nganz zu Hause sein mag. Der zweite Satz hat viel Melodie\nund Ausdruck; der letzte, ein sprühendes Rondo, bildet\neinen vortrefflichen Contrast zu den beiden ersten Sätzen\nund führt das Ganze zu einem glänzenden Schlüsse. Das\njunge Fräulein Anna, die im vorigen Jahre zum ersten\nMale aufgetreten ist, ärntete durch die Correctheit ihres\nSpiels in den schwierigsten Passagen grosse Anerkennung.\nEine höchst überraschende Leistung war die eines\nSignor Regondi auf der Concertina. Was soll dieses In-\nstrument im Concertsaale? Wie in aller Welt kommt der\nstrenge Molique dazu, eine solche Frivolität zuzulassen?—\nDas waren die Gedanken der ineisten Zuhörer, namentlich\nder Musikkenner und Musiker, die in grosser Anzahl vor-\nhanden waren. Aber siehe da! man hörte eine sehr geist-\nvolle und schöne Composition, ein vollständiges Concert\nmit Orchester in drei Sätzen, und einen Virtuosen-Vortrag,\nder das unbedeutende Instrument den lieblichsten Blas-\ninstrumenten ebenbürtig machte, indem es durch eigen-\nthümliche Klangfarbe und Ausdrucksfähigkeit alle Zuhö-\nrer für sich gewann.\nMolique selbst spielte Spohr's Concert Op. 38 und sei-\nnen Fandango mit bekannter Meisterschaft. Frau Ruders-\ndorf sang die grosse Scene aus Spohr's Faust.\nHerr Joseph Derffel aus Wien, der eine Professur\nder Mathematik an einem Gymnasium zu Wien aufgege-\nben hat, um sich ganz der Musik zu widmen, lebt seit vo-\nrigem Jahre hier und in Brighton. Seine Matinee (am 18.\nJuni), in welcher ihn Benedikt, Joachim und Piatti nebst\nden Sängern Signora Finoli, Signor Lucchesi und Mr.\nSantley unterstützten, gab er in Hanover Square Rooms\nvor einer zahlreichen Zuhörerschaft. Er spielte mit Joachim\nund Piatti das Trio Op. 70, Nr. 2 in Es, von Beethoven,\ndie Sonate in D-moll, Op. 29, von demselben, eine Bra-\nvour-Etude in F-durund ein Capriccio in von eigener\nComposition, und mit Joachim die Sonate Nr. 2 in A-dur\nvon J. S. Bach. Joachim spielte ausserdem noch eine Ro-\nmanze von eigener Composition und ein Capriccio von Pa-\nganini; Piatti das Ständchen von F. Schubert und seine\nBergamasca. Somit war allerdings Ausgezeichnetes zu hö-\nren.—Derffel ist eine sehr beachtenswerthe Erscheinung;\nsein Mechanismus ist bedeutend und in Hinsicht auf weite\nSpannung und Unabhängigkeit der Finger staunenswerth.\nDabei ist er durch und durch musicalisch und trägt mit\nGeist und Feuer vor. Die zwei Bravour-Compositionen, die\ner vorführte, unterscheiden sich sehr zu ihrem Vortheil\nvon den Paradestücken der modernen Virtuosen; sie ha-\nben Gehalt in den Motiven und sind bei grossen und effect-\nvollen Schwierigkeiten doch vortrefflich, thematisch und\nimitatorisch gearbeitet *).\nUeberschaut man nun die diesjährige musicalische\nAernte auf dem Felde der Vocal- und Instrumental-Musik\nausserhalb der Opernbühnen in London, so findet man,\ndass sie allerdings einen schönen Ertrag geliefert hat, des-\nsen Reichthum jedoch mehr in der Schwere des Korns\nals in der Menge desselben besteht. Wir gewahren, dass\nim Grunde nur wenige Componisten zu der Ehre gelan-\ngen, in London den Stoff zu den öffentlichen Musik-Auf-\nführungen zu liefern. Es sind dies allerdings mit Aus-\nnahme einiger Inländer berühmte oder, richtiger, classi-\n\n*) Ueber die Anwesenheit des Herrn Derffel in Köln yergl. Nr\n35 d. BL Dießedaction. '"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "291", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580911-01.1.3", "texte": "sehe Namen. Allein wenn man dazu nimmt, dass im Grunde\nauch von diesen wieder nur wenige Werke dermaassen\nen vogue sind, dass man sie wiederholt und oft in drei bis\nvier verschiedenen Concert-Cirkeln vorführt, so lässt sich\ndoch nicht läugnen, dass darin eine gewisse Eintönigkeit\nliegt, durch welche eine Geschmacksrichtung mit Hülfe\ndes Einflusses der Mode und des herrschenden Tones er-\nzeugt werden kann und zum Theil schon vorhanden ist, die\nsich eigensinnig beschränkt und nicht bloss das Verwerf-\nliche im Neuen von sich abhält, sondern sich auch gegen\ndas Gute und Vorzügliche, das die Epigonen und die Zeit-\ngenossen liefern, verhärtet.\nIn England hört wirklich die Musik mit Mendelssohn\nauf; denn die Rücksichtnahme auf Componisten der Zeit,\nwie Costa, Sterndale Bennet und einige Andere, ist im\nGrunde nur eine locale. Wie wenig Boden Robert Schu-\nmann sowohl durch seine Gattin als durch Joachim gewon-\nnen hat, habe ich schon erwähnt. Ferdinand Hiller ist weit\nmehr dem Namen nach bekannt, als durch seine Compo-\nsitionen; von seinen neueren Werken kennt man hier gar\nnichts, und ich weiss nicht, ob selbst seine „Zerstörung\nvon Jerusalem\" jemals hier aufgeführt worden ist— we-\nnigstens muss es sehr lange her sein, wenn es der Fall\ngewesen.\nAbgesehen von dieser Gefahr einer abgeschlossenen\nEinseitigkeit muss man gestehen, dass die Sache etwas sehr\nEhrenwerthes, ich möchte sagen: Kunstheroisches hat.\nAusser London, dürfte es in der ganzen Welt keine\nStadt geben, wo die Musikstücke, welche die obigen Pro-\ngramme angeben, eine so gewählte und zugleich zahlreiche\nZuhörerschaft fänden, wie hier. Und man darf keineswegs\nsagen, wie das von Solchen geschieht, die London nicht\nkennen, dass dieses ja in einer so ungeheuren Stadt kein\nWunder sei, da das Publicum alle Tage wechsele und sich\nstets erneue. Dies ist nicht der Fall, wenigstens durchaus\nnicht in dem Maasse, wie man es sich denkt. London ist\nin dieser Hinsicht gar nicht mit Paris zu vergleichen. Nach\nParis strömt es immerwährend von Fremden, die sich\namusiren wollen; es ist das Rendezvous von reichen und\ngenusssüchtigen Menschen aller Nationen, und selbst der\nFranzose, der in Geschäften nach Paris muss, würde es\nsich zur Schande anrechnen, nicht in der Oper gewesen\nzu sein. Das ist in London ganz anders; da haben die\nLeute, vom Parlaments-Mitgliede und Lordkanzler bis zum\nCity-Kaufmann, viel mehr zu thun, als nach der Musik zu\nlaufen; und so wie man hier einen anstaunt, der auf der\nStrasse herumbummelt oder, vornehmer gesagt, flanirt,\neben so begreift man nicht, wie ein Geschäftsmann oder\nBeamter es den Leuten, die nichts zu thun haben, nach-\nmachen kann und musicalische und theatralische Vorstel-\nlungen besuchen!\n3lan kann daher mit weit mehr Recht sagen, dass das\nConcert-Publicum in London immer dasselbe ist, als dass\nes sich stets erneue. Namentlich für die Soireen und Ma-\ntineen ist die aristokratische Zuhörerschaft fast immer die-\nselbe. Freilich ist auch die Aristokratie während der Sai-\nson sehr zahlreich in London; aber trotzdem ist es doch\nfabelhaft, was für Summen eine Menge von vornehmen\nFamilien für den Besuch von Concerten ausgeben; man\nfindet sie immer und immer wieder in Hanover Square\nund Willis' Rooms. Dass der Weltton eben so viel Theil\ndaran hat, als der musicalische Ton, ist freilich wahr\ndenn dasselbe Publicum, das von classischem Geschmack\nüberlliesst, sehen Sie Abends entzückt in der Traviata und\nim Trovatore! Das erinnert an eine ziemlich boshafte Stelle\nin UlibischefTs Buche über Beethoven: „Die wüthendsten\nAnti-Rossinisten in Petersburg, unablässige Zuhörer unse-\nrer Quartettmusik, fuhren nichts desto weniger jeden Abend\nin die italiänische Oper. Bezahlten sie ihre Logen, um sich\nin ihrem officiellen Hasse gegen den Maestro zu stärken,\noder um sich für das schlafbringende Vergnügen zu ent-\nschädigen, das ihnen Haydn, Mozart und Beethoven\nmachten?\"\nDer diesjährige Frühling hat, wie Sie aus den Zeitun-\ngen wissen werden, den Senior der Ciavierspieler, Johann\nCramer, dahingerafft den 16. April, im Alter von 88\nJahren. Bis vor etwa anderthalb Jahren war er noch bei\nkräftiger Gesundheit und im vollen Genüsse seiner geisti-\ngen Fähigkeiten.\nIch schalte hier einen Nekrolog aus Musical World ein.\n„Johann Baptist Cramer, der älteste Sohn von\nWilhelm Cramer, dem berühmten deutschen Violinisten,\nwurde 1771 zu Mannheim geboren. Er war ein noch sehr\njunger Knabe, als er seinen Vater nach England beglei-\ntete. Seine Anlagen zur Musik entfalteten sich früh und\nwurden sorgfältig gepflegt. Sein Vater lehrte ihn zuerst\nVioline und bestimmte ihn für dieses Instrument; aber der\njunge Jean zeigte eine entschiedene Neigung zum Ciavier.\nEr ergriff jede Gelegenheit, welche sich darbot, sich darin\nzu üben, und zeigte eine solche Beharrlichkeit, dass sein\nVater sich zuletzt entschloss, ihn seiner eigenen Neigung\nfolgen zu lassen, und ihn dem Unterrichte eines Clavicr-\nlehrers, Namens Benser, übergab.\nNachdem Cramer drei Jahre dessen Unterricht genos-\nsen hatte, kam er 1782 zu Schroeter und wurde endlich\nr\nim Herbste des folgenden Jahres Zögling von Clementi.\nEr hatte indess nur ein Jahr lang den Vortheil, den Un-\nterricht dieses berühmten Meisters zu gemessen, da Cle-\nmenti 1784 England verliess, um auf dem Continente zu"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "292", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580911-01.1.4", "texte": "reisen. Das folgende Jahr wandte Cramer dazu an, sich\nmit den Werken grosser Meister, besonders mit denen\nvon Händel und Joh. Seb. Bach, vertraut zu machen.\nEr hatte kaum das dreizehnte Jahr Erreicht, als er\nsich bereits durch sein merkwürdiges Talent als Piano-\nf'ortespieler hervorthat. Er erhielt mehrere Anträge, öffent-\nlich zu spielen, und setzte seine Zuhörer durch seinen rei-\nnen und brillanten Vortrag in Erstaunen. 1785 studirte\ner die Theorie der Musik unter Karl Friedrich Abel. Nach\nBeendigung seiner Studien machte er eine Beise auf dem\nContinent, im Alter von 17 Jahren; in jeder Stadt spielte\ner öffentlich und erregte Erstaunen und Bewunderung.\n1791 kehrte er nach England zurück und fing an, Piano-\nl'orte zu lehren. Durch verschiedene von ihm herausgege-\nbene Sonaten hatte er sich schon einigen Buf als Compo-\nnist erworben. Einige Jahre später verliess er England\nwieder und kehrte nach Wien zurück, wo er seine in Eng-\nland mit Haydn gemachte Bekanntschaft erneuerte. Von\nWien ging er nach Italien. Nach seiner Bückkehr nach\nEngland verheirathete er sich, und von der Zeit an wohnte\ner beständig in London, ausgenommen, wenn er kleine\nAusflüge nach Paris oder den Niederlanden machte. Nach\neinigen Jahren, als sein Talent und seine Vollkommenhei-\nten bekannt wurden, wurde er zum Professor an der\nRoyal Acadenvj of Music ernannt.\nUnter den zahlreichen und mannigfachen Compositio-\nnen, welche Johann Cramer für das Ciavier schrieb, ha-\nben seine Etüden den grössten Buf bekommen durch das\nInteressante der Motive und durch deren glückliche Be-\nhandlung. Sie sind in der That wahrhaft classisch. Die\nvollständige Sammlung seiner Compositionen umfasst 105\nSonaten für Ciavier, welche in 43 Werke getheilt sind,\nsieben Concerte mit Orchester-Begleitung, drei vierhändige\nDuette, zwei Duette für Violine und Harfe, grosses Quin-\ntett für Piano, Violine, Bratsche, Violoncell und Contrabass,\nQuartett für Piano, Violine, Violoncell und Contrabass,\nzwei Nocturnen, zwei Suites und eine Menge\nabgerissener Morceaux, Bondo's, Märsche, Walzer, Airs\nvaries, Phantasieen und Kleinigkeiten.\nCramer war ausgezeichnet in seiner Art, Adagio's zu\nspielen, und in der Nuancirung des Tones. Nichts konnte\ndie Zartheit seines Anschlages übertreffen. Seine Spielweise\nwar ganz seine eigene und glich keiner eines anderen\nPianisten.\"\nCramer, mehr ein Mann des achtzehnten als des neun-\nzehnten Jahrhunderts, da er schon in früher Jugend in\ngleichem Bang mit den berühmten Virtuosen Clementi,\nWölfl, Dussek, Field, Hummel, llies, Moscheies trat, war\nals Componist und Lehrer einer der thätigsten Menschen.\nDie Zahl seiner gedruckten Compositionen ist noch weit\nX\ngrösser, als oben angegeben. Allein im Grunde genominen\nsind sie alle vergessen, und nur das Werk der Etüden\nwird ihn überleben. Es ist aber auch dieses das einzige, in\nwelchem sich Genie neben der ausserordentlichen Brauch-\nbarkeit offenbart. In allen übrigen vermisst man eben den\nGenius, und der ist es allein, der dem schaffenden Künst-\nler die Unsterblichkeit sichert\nBald nach Cramer, im Juni, starb ein anderer Vete-\nran der hiesigen Musikkreise, Dr. Horsley; auch er hatte\ndas hohe Aller von 84 Jahren erreicht. Horsley war als\nProfessor der Musik und als Kritiker geschätzt; er hatte\nlange Zeit das Athenäum herausgegeben. Er war das\nHaupt der Ultra-Conservativen und ein hartnäckiger Wi-\ndersacher der Werke Beethoven's aus dessen letzter Pe-\nriode, die aber für den englischen Kritiker schon sehr früh\nbegann. Händel, Haydn und Mozart liess er allein gelten;\nBach kannte er eben so wenig, wie die anderen Englän-\nder ihn bis jetzt kannten. Weber und Mendelssohn waren\nihm gänzlich unberechtigte und verderbliche Neuerer. Er\nselbst leistete als Componist wenig: einige Glees von ihm\nsind populär geworden, einen Canon zu drechseln verstand\ner auch das war aber auch Alles.\nSo viele Seiten und nichts über die Oper? Soll ich\nIhnen über die „unsterblichen\" Grisi, Mario, Konconi u.\ns. w. das hundert Mal in allen Blättern Geschriebene noch\neinmal schreiben, oder meine Verwunderung über die\nebenfalls unsterbliche Bewunderung der Engländer wie-\nderholen? Vielleicht haben Sie bald selbst Gelegenheit,\nden Buhm dieser Grössen erhöhen oder—zu Grabe tra-\ngen zu helfen; denn man munkelt hier von einer Be-\nglückung der deutschen Bühnen durch eine Kunstreise:\n„in diesen kleinen Localen werde man noch immer mit\nder Stimme ausreichen, da ja auch die dortigen Publicums\nvon alten italiänischen und französischen Berühmtheiten\ngar keine Stimme verlangten !\"\n\nA.\n\nAnna Capponi.\n(Nekrolog.)\n\nWien, den 19. August 1858.\nWir haben unsere vorzüglichste Ciavier-Virtuosin und\nLehrerin verloren. Fräulein Anna Capponi (Watzger;\nwurde uns Mittwoch den 4. August dieses Jahres, Nachts\num halb 11 Uhr, durch den Tod entrissen. Sie starb in\nder Blüthe ihrer Jahre in ihrer Sommerwohnung zu Mauer\nnächst Wien. Sie selbst hatte in der letzteren Zeit alle\nHoffnung der Wiedergenesung aufgegeben und bemerkte\nmit sicherem Gefühle gleichsam jeden Schritt, der sie dem"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "293", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580911-01.1.5", "texte": "Ende ihrer mannigfaltigen, anhaltenden und tiefschmerzen-\nden Leiden näher brachte.\nDas Licht der Welt hatte sie am 24. März 1829 zu\nWeinhaus bei Wien erblickt. Noch nicht drei Jahre alt,\nverlor sie ihre Mutter und kaum siebenthalb Monate\nspäter auch ihren Vater. Den ersten Unterricht auf dem\nPianoforte erhielt sie in ihrem fünften Jahre von Wiss-\nmüllner, welchem dann Schuhecker folgte. Letzterer führte\nsie bei dem k. k. Hof-Glaviermacher Conrad Graf ein, wo-\nselbst sie dann häufig hinging, um auf dessen trefflichen\nInstrumenten sichzu üben. Dort traf sie eines Tages (1838)\nder junge pariser Virtuose Louis Lacombe, der sie eine\nPiece für zwei Claviere von Karl Czerny mit ihrem Meister\nspielen hörte. Er trug sich an, mit ihr dieses Stück selbst\nnoch einmal zu wiederholen. Angeeifert durch die erlangte\nAuszeichnung, spielte sie ihren Part noch mehr zu seiner\nZufriedenheit. Er spendete ihr das schmeichelhafteste Lob\nüber ihre Fähigkeiten, und von diesem Momente an ward\nbeschlossen, dass sie sich gänzlich der Kunst widme.\nE. Pirkhert wurde ihr Lehrer und blieb es bis zum\nAntritte seiner Kunstreise im März 1841. Nach ihm stu-\ndirte sie unter Riotte, Theodor Kullak (welcher in der Sai-\nson 1842 —1843 hier concertirte), unter J. E. Horzalka\nu. s. w. Uebrigcns gehörte sie zu jenen, die sich selbst von\ninnen heraus antreiben und ihre Kräfte zur Entfaltung\ndrängen. Was ihr von aussen kam, wusste sie geschickt zu\nverarbeiten; jeder Künstler, den sie in der Folgezeit hörte,\nwar gewisser Maassen ihr Lehrer, weil sie das Empfan-\ngene schnell selbst erzeugend zu ihrem eigenen Gute zu\nmachen wusste. So bildete sie sich nach und nach ganz\nfür sich allein aus, ohne irgend einem grösseren Meister\nentschieden zu folgen.\nIhre ersten öffentlichen Concerte gab sie im Jahre\n1844, also als fünfzehnjähriges Mädchen, in Pressburg\nund in Pesth mit sehr grossem Beifalle. Seitdem hat sie in\nWien, das sie dann nicht mehr verliess, viele eigene Con-\ncerte veranstaltet und in sehr vielen fremden, besonders zu\nwohlthätigen Zwecken, mit grösster Bereitwilligkeit mit-\ngewirkt.\nSeit ungefähr zehn, eilf Jahren widmete sie den gröss-\nten Theil ihrer Zeit dem Unterrichte, und zwar mit dem\nin jeder Hinsicht besten Erfolge, daher derselbe sehr ge-\nsucht und gut honorirt wurde. Es dürfte aber auch wenig\nMeister und Meisterinnen geben, welche ihre Pflicht mit\nso strenger Gewissenhaftigkeit übten. Sie ging von dem\nrichtigen Grundsatze aus, dass gleich beim Beginn des Un-\nterrichts auf Ausbildung des rhythmischen Gefühls, des\nmusicalischen Gehörs, des musicalischen Anschauungs- Ver-\nmögens hingewirkt und ein fester Grund für die später\neintretende Bildung zum höheren Vortrage gelegt werden\nmüsse. In Folge ihres vortheilhaften Rufes wurde sie auch\nam 24. Juni 1851 zur Professorin des Pianofortespiels an\nder damals neu gegründeten „Akademie der Tonkunst''\nernannt, auf welche Stelle sie jedoch am 26. Juli 1853\nschon besonders aus Gesundheits-Rücksichten verzichtete.\nVon ihren zahlreichen Privatschülerinnen, mit denen\nsie bis ungefähr 1855 von Zeit zu Zeit öffentliche Pro-\nductionen veranstaltete, sind bereits mehrere als selbststän-\ndige Künstlerinnen aufgetreten und fungiren hier und an\nanderen Orten als Lehrerinnen. Eine ihrer vorzüglichsten\nist die kleine Julie Swoboda, welche nicht nur viele\nMale in Wien, sondern vor Kurzem erst auch in Brünn,\nPrag u. s. w. durch ihre eminenten Leistungen ihren Na-\nmen verherrlichte.\nDie Richtung betreffend, welche ihre eigenen Studien\nvorzugsweise nahmen, so waren sie in früherer Jugend den\nCompositionen Liszt's und Thalberg's, seit 1844—45 aber\nbis an ihr Ende fast abschliessend der classischen Musik\nHummel's, Mozart's, Tomaschek's, Kalkbrennens, Mendels-\nsohn's, Bach's, Händel's, zuvörderst aber Beethoven's zu-\ngewandt, und nur so viel von den neuesten Tageswerken\nin ihren Kreis ziehend, als der innere natürliche Drang\nnach Allseitigkeit und ihr viel umfassender Geist, um den\nganzen Bereich der musicalischen Literatur in seinen Ver-\nhältnissen fortlaufend mit der Zeit stets überschauen zu\nkönnen, nothwendig erforderte. Besondere Vorliebe hatte\nsie. für Stephen Heller, dessen Etüden auch nebst denen\nvon Bertini, AI. Schmitt, Kalkbrenner und Gramer alle\nihre Schülerinnen studiren mussten.\nDie äusseren Vorzüge ihres Spiels waren ein höchst\nelastischer Anschlag, wahrhaft glänzende Fertigkeit und\nBravour. Der Haupt-Vorzug bestand aber darin, dass sie,\nfeind aller Gharlatanerie und allen Knall-Effecten, die wah-\nren Grund-Ideen des Tonstückes ergründete und durch-\ndrang, bis in seine verborgensten Geheimnisse ergriff, mit\nHerz und Gemüth sich aneignete, und die also studirle\nComposition mit solcher Begeisterung ans Licht und in die\nlauschenden Ohren und Seelen förderte, dass der Eindruck\nunwiderstehlich und mächtig war. So feurig und hinreis-\nsend ihr kühnes Allegro war, eben so seelenvoll und herz-\nergreifend war auch ihr ernstes Adagio.\nAusser der deutschen war sie der französischen und\nitaliänischen Sprache vollkommen mächtig und besass über-\nhaupt alle Kenntnisse und Fertigkeiten, durch welche eine\ngebildete Dame sich in der Gesellschaft und in ihrem Hause\nauszeichnet. Ihr ganzes Sein und Wesen war von einer\nhinreissenden Lieblichkeit und schönen weiblichen Grazie\numstrahlt. Was aber mehr als Alles, sie war im strengsten\nSinne der Bedeutung eine edle, biedere Deutsche, mit tie-\nfem Sinne und Gefühl für Recht und Wahrheit. Alle,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "294", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580911-01.1.6", "texte": "welche sie näher kennen zu lernen Gelegenheit hatten, wa-\nren ihr innigst zugeneigt.\nViele Componisten haben ihr durch Dedicationen öf-\nfentliche Beweise von Hochachtung zu geben sich beflissen.\nVon jenen Clavier-Piecen, die ihren geschätzten Namen an\nder Stirn tragen, führen wir hier nur einige an, welche\nuns gerade vorliegen:\n„Trauermarsch\" von J. N. Batka; —Phantasie über\nBeethoven's Sonate pathetique(Op. 60) und „Brillanter\nMarsch zu vier Händen\" von Joh. E. Horzaika; „Der\nTroubadour\" (Op. 52), „La fontaine\" (Op. 87);\n„Frühlingsahnung\", „Savoyardenlied\" und „Im Sternen-\nschein\" (Op. 107) von Albert Jungmann; „Octaven-\nCaprice„; „Deux Etudes de Salon\" (Op. 15), „Ca-\npriccio\" und „Pensee fugitive\" (Op. 17), „Fleur d'amitie\"\n(Op. 18) von Franz Weber;— (Op.\n7) und „Charit sans paroles\"(Op. 29) von G. A. Wollen-\nhaupt aus New-York u. s. w. Die persönliche Bekannt-\nschaft des letztgenannten genialen Tondichters hatte sie\nwährend dessen Anwesenheit in Wien, im September 1855,\ngemacht. Auch Karl Czerny, dessen Gunst die Verblichene\nüberhaupt in hohem Grade sich erfreute, hat eigens für\nsie und ihre obenerwähnte Schülerin Julie Swoboda bril-\nlante \\ ariationen für das Pianoforte zu vier Händen über\nein von ihr selbst gewähltes Westmoreland'sches Thema\ngeschrieben und Beiden gewidmet; sie werden in Kurzem\nbei Glöggl erscheinen.\nCapponi's sterbliche Ueberreste wurden Samstag den\n7. August, Nachmittags um 3 Uhr, in der Kirche zu Mauer\neingesegnet, sodann nach Wien geführt, wo um halb 6\nUhr Abends in der Pfarrkirche zu den heiligen Schutz-\nengeln bei den P.P. Paulanern das feierliche Leichenbe-\ngängniss Statt fand. Viele hochgestellte Personen, der k. k.\nerste Hof-Capellmeister Ignaz Assmavr, der Orchester-Di-\nrector des k. k. Hofburgtheaters Jos. Benesch, die Herren\nAlbert Jungmann, Ferdinand Waldmüller, Joh. E. Hor-\nzaika, Fr. Glöggl, Doppler, Mitternast, Karl Stein, Bösen-\ndorfer jun., Czapka, Weber, Kreipl, nebst mehreren an-\nderen lonsetzern, Musikern, Ciavier-Verfertigern u. s. w.\nwohnten demselben bei.\n\n(N. W. Z.)\n\nDer musicalische Theil der dritten Säcularfeier der\nUniversität Jena.\nAm 15. bis 18. August.\n\nDas in Jena selbst vorhandene musicalische Personal\nwar durch fremde Kräfte, vorzüglich von Weimar her, be-\ndeutend verstärkt worden. Am ersten Tage des Festes, an\nwelchem die kirchliche Feier desselben und nach dieser\nsogleich die Enthüllung der kolossalen Bronze-Statue des\nKurfürsten Johann Friedrich, des Stifters der Universität,\nStatt fand, nahmen diese beiden Actionen, verbunden mit\nden gewaltigen Festzügen, zu viele Zeit hinweg, als dass\nder Musik ein grösserer Raum hätte vergönnt werden kön-\nnen. Während sich der Festzug in der grossen Michaelis-\nund Hauptkirche verbreitete, erfreute hier Universitäts-\nMusik-Director Stade die Ohren und Herzen der Anwe-\nsenden durch den vollendeten Vortrag zweier der grössten\nund prachtvollsten Bach'schen Fugen, auf welche nach\nBeendigung des Gottesdienstes eine dritte folgte. Ausser-\ndem wurde noch vor der Fest-Predigt das weltberühmte\nHändel'scheHallelujah aufgeführt (dirigirt von Stade), wel-\nches einen um so mächtigeren Eindruck hervorbrachte, je\nsinniger es mit der Liturgie verbunden war.\nDas obgleich sehr stark besetzte Harmonie-Corps, wel-\nches sich gegen Abend in der mächtigen Festhalle hören\nliess, mochte bei dem ungeheuren Menschengewühl wohl\nnur von Wenigen vernommen worden sein.\nAm zweiten Tage fand in der Universitätskirche vor\nder Säcular-Rede die sehr gelungene Aufführung einer von\nHerrn Musik-Director Stade neu componirten Fest-Hymne\nStatt, nach Ps. LXV. gedichtet von Stipel\neinem der ersten Professoren der Universität. Dieselbe be-\nsteht aus einem lebhaft ergreifenden, sogleich von vorn\nherein festlich stimmenden, feurigen Chor, aus einem sehr\nansprechenden Solo-Quartett und aus einem wahrhaft gross-\nartig angelegten, breit durchgeführten und sich immer\nhöher aufschwingenden, ungemein reich und glänzend, doch\nnicht überfüllt instrumentirten Fugenchor von höchst im-\nposanter Wirkung.\nDer Herr Verfasser hat sich durch dieses Werk in der\nThat den vorzüglichsten Tondichtern an die Seite gestellt.\nUnter den Sängern befand sich Herr Capellmeister Fr.\nLiszt, der mit sichtbarer freudiger Theilnahme an dem\nWerke mitwirkte, wie sich denn diese Hymne überhaupt\nwohl eines ungetheiltcn Beifalls zu erfreuen hatte. Nur ein\nvieljähriges fleissiges Studium der gediegensten Meister-\nwerke konnte den Verfasser zu einer solchen Leistung be-\nfähigt haben.\nNach der Säcular-Rede folgte ein Gloria aus der Messe\nfür Männerstimmen von Herrn Fr. Liszt, von ihm selbst\ndirigirt. Dasselbe gehört zu den ansprechendsten Werken\ndes geehrten Herrn Verfassers, die uns bekannt sind, und\nist reich an feinen Zügen.\nDer dritte Tag des Festes brachte, abermals in der\nUniversitätskirche, vor den Promotions-Reden eine Can-\ntate: „Nun lob' meine Seel' den Herren\" u.s.w., gedich-\ntet von Poliander (1530) und componirt von J. S. Bach,\nund nach derselben den 100. Psalm (Jauchze dem Herren"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "295", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580911-01.1.7", "texte": "alle Welt u. s. w.) von Händel. Beide Werke brachten,\nmit gewohnter Sicherheit und Gewandtheit von Herrn Mu-\nsik-Director Stade dirigirt, einen grossen Eindruck hervor.\nAm vierten Tage gab die Liedertafel, durch viele ehe-\nmalige Mitglieder verstärkt, eine festliche Abend-Unterhal-\ntung, welche bei den zahlreich vorhandenen köstlichen\nStimmen den lebhaftesten Beifall fand.\nGewiss alle kunstliebenden Gäste des schönen Festes\nwerden mit dem wärmsten Danke gegen die geehrten mu-\nsicalischen Ordner desselben und die Mitwirkenden von\ndem reizend gelegenen Jena geschieden sein, dessen wackere\nBürger abermals ihre bekannte Gastfreiheit in rühmlicher\nWeise bewährt haben.\nSchliesslich bemerken wir noch, dass sich unter den\nfestbesuchenden Musikern neben anderen auch Herr Musik-\nDirector Bergner aus Riga und Herr Ergmann, Professor\nan der Rheinischen Musikschule, aus Köln befanden. Letz-\nterer erfreute einen Privatcirkel durch den Vortrag eines\nneuen, noch ungedruckten Concertstückes für das Piano-\nforte, das wohl zu den ausgezeichnetsten Werken die-\nser Art gehören dürfte, welche in neuerer Zeit entstanden\nsind.\n\nDr. K. S.\n\nAus Frankfurt am Main.\nAm 28. August wurde bei gedrängt vollem Hause zur\nFeier von Göthe's Geburtstage der zweite Theil des\nFaust, mit Musik von Hugo Pierson, nach Wollheim's vor-\ntrefflicher Bühnen-Einrichtung aufgeführt, und zwar mit\nglänzendem Erfolge, denn die Darsteller der Hauptrollen\nund der Ober-Regisseur Herr Vollmer wurden mehrmals\nstürmisch gerufen.\nKeinem theatralischen Werke ist wohl mit so vielem\nMisstrauen entgegen gesehen worden, wie dem zweiten\nTheile des Faust; selbst nach dem grossen Erfolge, den\nes in Hamburg errang, blieb man in anderen Orten bei\nder Meinung, es sei unverständlich; auch wollten hier und\nda die Leute, welche die Feder führen, den Erfolg des\nFaust nicht zugestehen, weil eben sie es nicht waren, die\nmit Glück eine Bühnen-Einrichtung gemacht hatten. Und\nwas die Musik dazu betrifft, so nannten sie zwar in Ham-\nburg Kritik und Publicum originel, schön, der Dichtung\nwürdig; allein Pierson ist ein Mann, der sich weder zur\nPartei der Zukunftsmusiker, noch überhaupt zu irgend einer\nPartei hält. Seit Jahren, seitdem er seine Stelle als Profes-\nsor der Musik an der Universität zu Edinburgh niederge-\nlegt hat, hält er sich ganz fern vom öffentlichen musicali-\nschen Treiben und beschäftigt sich nur mit Composition,\nwovon sein grossarliges Oratorium „Jerusalem\", seine Lie-\nder und andere Musikstücke, so wie seine eben vollendete\nOper ehrenvolles Zeugniss ablegen.\nDem sei nun also, wie ihm wolle, der zweite Theil des\nFaust, nach der Wollheim'schen Bühnen-Einrichtung, mit\nPierson's Musik, hat hier in Frankfurt den Sieg über Vor-\nurtheil und Neid davon getragen, das ist nicht mehr zu\nläugnen.\nDie Musik wurde unter Leitung des wackeren Capell-\nmeisters Herrn Georg Goltermann sehr gut executirt, das\nPublicum nahm jedes Musikstück mit grösstem Interesse\nauf, dasselbe mochte sich nun in andächtigem Schweigen,\nwie z. B. bei den prachtvollen Einleitungen zum vierten\nund fünften Acte, oder durch lauten Applaus, wie nach\nden Chören: „Heilige Poesie\", dem Schlusschor, dem Te\nDeum u. s. w.,' äussern.\nUeber das, was von der Musik wegblieb, weil der Zeit-\nraum eines Theater-Abends bei diesem ohnehin schon lan-\ngen Drama nicht überschritten werden durfte, gibt der bei\nSchott's Söhnen in Mainz erschienene Ciavier-Auszug Aus-\nkunft; übrigens hat der Capellmeister Goltermann bereits\nöffentlich erklärt, dass er die vollständige Musik bald in\neinem Concerte aufführen werde, was den vielen Vereh-\nrern der Pierson'schen Musik sehr willkommen sein wird.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nUeber das märkisch-westfälische Sängerfest zu Unna\nam 22. und 23. August ist uns ein Aufsatz zugesandt worden, wel-\ncher über das deutsche Sängerwesen oder vielmehr Sänger-Unwesen\nmanche wohl zu beherzigende Bemerkungen enthält. Es heisst darin\nunter Anderem: ~Dass die Vereine verschiedener Orte zuweilen zu-\nsammenkommen, ist durchaus nothwendig. Es ist auch gar nichts\ndagegen zu sagen, wrenn sie eine solche Zusammenkunft unter sich\nfestlich begehen. Verkehrt aber ist es eben so gewiss, wenn sie den\nübrigen Leuten dergleichen ohne Weiteres als ein Musikfest ankün-\ndigen. Denn nicht die Personen, sondern die Leistungen geben einer\nZusammenkunft dem Publicum gegenüber den Charakter eines\nFestes. Wer die Ankündigung las, musste glauben, dass in Unna,\nbesonders bei Gelegenheit des Fest-Concertes, das Höchste ge-\nleistet werden solle, dessen die Sänger Westfalens zur Zeit fähig\nseien. Darum ist auch ein Berichterstatter in der Kölnischen Zeitung\nmit diesem Sängerfeste strenger ins Gericht gegangen, als die\nMitwirkenden erwartet zu haben scheinen. In der That war es bis\njetzt hier zu Lande üblich, dass sich die Kritik der Eeclame unter-\nordnete, und dass hinterher alles, was bei einem so genannten Feste\ngeschehen, in dem posaunenhaften Stile geschildert wurde, in wel-\nchem von der beglückenden Anwesenheit hoher und höchster Herr-\nschaften geredet zu wTerden pflegt. Einen Gewinn hat die Kunst da-\nvon noch nie gehabt; vielmehr verdanken die Musik-Vereine am\nEheine und deren Feste ihre hohe Vollendung wesentlich der Presse,\ndie dort unbarmherzig jede Mangelhaftigkeit und besonders jede\nNachlässigkeit rügt, welche vor einem eingeladenen Publicum\nvorfällt. Dahin muss es auch bei uns kommen. Dass gerade die\nwestfälischen Local-Virtuosen, die es nun einmal gewohnt sind, jede\nStümperei im nächsten Localblatte als eine unsterbliche Leistung"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "296", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580911-01.1.8", "texte": "preisen zu hören, durch eine weniger schmeichelhafte Auffassung\nnicht erbaut werden, liegt auf der Hand.\n~Es ist, gewisser Maassen um der Kritik Schonung zu empfehlen,\nhervorgehoben worden, dass die Gesangfeste eine sociale Bedeutung\nhätten und insbesondere dem Volke ein Bildungsmittel böten. Mit\nLetzterem sind wir ganz einverstanden. Darum wollen wir aber auch,\ndass sie nicht zu einem Tummelplatze unkünstlerischen Strebens\nwerden, auf welchem jeder schülerhafte Versuch ein auf Gegensei-\ntigkeit beruhendes Bravo erhält, und die geselligen Lustbarkeiten die\nGäste für den fehlenden geistigen Genuss schadlos halten sollen. Es\ngeht sonst den Gesangfesten wie den Schützenfesten, die, seitdem sie\nnicht mehr ein Ehrentag für den wirklich besten Schützen, in\nwüste Gelage ausgeartet sind. Pflicht der Presse ist es, die Gesang-\nfeste vor weiterem Verfalle zu wahren und ihre Schwächen scho-\nnungslos aufzudecken. Dass dabei einzelne Mitglieder, ja, vielleicht\nein ganzer Verein, der in anderer Umgebung seine Aufgabe tiefer\nund ernster erfassen würde, mit leiden muss, kann, wenn es sich\num ein grosses und wichtiges Ganzes handelt, nicht in Betracht\nkommen. Geradezu lächerlich, aber charakteristisch ist ein Vorwurf,\nden wir in der Elberfelder Zeitung lasen. Der Patriotismus dieses\nBlattes versteht es, aus Allem eine politische Waffe zu machen, und\nnur dadurch ist es begreiflich, wenn es in demselben heisst, die ta-\ntelnde Kritik der Kölnischen Zeitung beruhe auf „Feindschaft gegen\nalles, was norddeutsch oder westfälisch4' sei!!\n„Von den Gesammt-Vorträgen gelang „Eine Nacht auf dem Meere\"\nvon Tschirch am besten.4'\nNachdem die Leistungen der einzelnen Vereine durchgegangen,\nlautet der Schluss: ~Es ist eine Rücksichtslosigkeit gegen das Pu-\nblicum, wenn man es zu einem Fest-Concerte einladet und in\ndiesem jeden beliebigen Club, der sich meldet, Solo singen lässt.\nDenn dass irgend eine Sichtung der Vereine Statt gefunden hat,\nkönnen wir unmöglich glauben. Für diejenigen Liedertafeln, die einer\nhöheren Ausbildung fähig sind, ist es ein Unglück, in einer Gesell-\nschaft aufzutreten, in welcher sie jetzt schon ohne erhebliche An-\nstrengung die ersten sind, also keine Vorbilder und somit keinen\nEifer empfangen. Es ist uns sogar vorgekommen, als wenn Einige,\ndie wir vor Jahren gehört, seitdem Rückschritte gemacht hätten.\nLieb soll es uns sein, wenn künftiges Jahr das Sängerfest, welches\nin Soest gehalten werden soll, besser ausfällt. Zu wünschen wäre\ndann auch, wenn bei der Auswahl der Texte mehr als bisher darauf\ngedacht würde, dass sie von Männerchören gesungen werden sollen.\nDas Musik Institut zu Coblenz feiert Anfangs October sein fünf-\nzigjähriges Jubiläum. Zur Aufführung am ersten Tage ist HändeFs\nSamson, für den zweiten Tag Beethoven's C-moll-Sinfonie und eine\nReihe neuerer Werke von Weber, Mendelssohn und Schumann\nbestimmt.\nhaltene schlesische Gesangfest wurde leider durch heftigen\nund anhaltenden Regen sehr gestört; dennoch wurde der Festzug,\nan dem sich 32 Vereine mit ihren Fahnen betheiligten, ausgeführt.\nDie Aufführung am zweiten Festtage wurde von freundlicherem Wet-\nter begünstigt, und fand dabei die für dieses Fest besonders compo-\nnirte „Sängerfahrt ins Riesengebirge\" von Willi. Tschirch allgemei-\nnen Beifall. Das Fest schloss mit einer brillanten Illumination der\nStadt.\nGicssei®, IG. August. Gestern starb hier der ausserordentliche\nProfessor an unserer Universität, Dr. Friedrich Zamminer, erst\n41 Jahre alt, geschätzt als Docent und in weiteren Kreisen bekannt\ndurch seine Arbeiten über Probleme der höheren Mathematik, Physik\nund Akustik. Vergl. unsere Beurtheilung seines Werkes: „Die\nMusik und die musicalischen Instrumente in ihrer Beziehung zu den\nGesetzen der Akustik. bei Ricker, 1855. II Bände\" in\nNr. 29 und 32 des Jahrg. 1857, S. 225 und 249 der Niederrheini-\nschen Musik-Zeitung.\nVom Kammermusicus Abert in Stuttgart, dem als Componist\nhervorragenden ehemaligen Zögling des prager Conservatoriums,\nkommt Ende dieses Jahres eine Oper, ~Anna von Landskronu, Text\nvon Nehrlich, in Stuttgart zur Aufführung.\nIn Leipzig starb am 25. August K. E. Conrad, Actuar bei\ndem k. Gerichts-Amte und als Opern-Componist wohlbekannt, ob-\nwohl seine talentvollen und fleissigen Bestrebungen nicht jenes hö-\nhere Ziel erreichten, das er zu erringen suchte. In Leipzig fanden\nmehrere seiner Opern eine sehr warme Aufnahme, und seine Oper\n»D ie Weiber von Weinsberg\" (Text von Theodor ApelJ errang einen\nnachhaltigen Erfolg und wurde an vielen kleineren und grösseren\nBühnen gegeben. Conrad's Leben war sehr freudenlos und mühe-\nvoll ; er starb nach längeren schmerzhaften Leiden zur unglücklich-\nsten Zeit für seine arme Familie, die aus Frau und acht Kindern\nbestehend, gänzlich mittellos einer schweren, sorgenvollen Zukunft\nentgegensieht.\nDer Hof-Capellmeister Bo 11 aas Oldenburg befindet sich seit\neinigen Tagen in Wien. Man bedauert, dass sein Aufenthalt auf zu\nkurze Dauer beschränkt und die gegenwärtige Zeit überhaupt zu\neinem Concerte nicht geeignet ist, um diesen ausgezeichneten\nVirtuosen spielen oder eine seiner Sinfonieen aufführen zu hören.\nFeri Kletzer hat nach seiner Rückkehr aus America in Paris*\nHannover, Braunschweig, Ischl, Gmünden, überall mit der grössten\nAuszeichnung eoncertirt und beabsichtigt jetzt eine abermalige Kunst-\nreise in die Türkei anzutreten.\nFelix Dräseke, der in Dresden lebende Vertreter der Zukunfts-\nmusik, hat eine dreiactige Oper, „König Liguard\", nach GeibeFs\nEpos bearbeitet, deren erste Aufführung in Weimar unter Liszt's\nLeitung Statt finden soll."}]}