{"numero_id": "bm-bmtnabi-1858-09-25-01", "volume": "bmtnabi_1858-09-25_01", "ocr_sha256": "20c3058e308f0d0110acd8064561b53440a035ca48aeaef2ad0fdb4fb98a582b", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1858/09/25_01/bmtnabi_1858-09-25_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580925-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1858-09-25-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-09-25_01#c001", "volume": "bmtnabi_1858-09-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "305", "page_fin": "305", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580925-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "305", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580925-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 424, "texte": "Inhalt.\nDie Natur und die Musik. Von Fetis dem Aelteren. Johann Theodor Mosewius f. Von L. B. Aus\nWiesbaden (Die 9. Sinfonie Antigone Clara Schumann Henri Wieniavvski Bochkoltz-Falconi Ascher -r-\nConcerte Gastspiele in der Oper). Von W. W. Evangelisches Lehrer-Gesangfest zu St. Goar. Aus Paris. Tages- nnd Un-\nterhaltungsblatt (Hagen, Concert Doberan, F. L. F. v. Flotow f Frankfurt, Concert Hamburg Stockholm, G. 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Die theogonischen\nund kosmogonischen Systeme und die Sagen der alten\nVölker geben sogar der Tonkunst einen Entstehungsgrund,\nder den Einfluss des menschlichen Geistes darauf ganz aus-\nschliesst. So liefert z. B. bei den Chinesen die Gleichheit\nder Töne, welche die Wellen eines Flusses, ein fabelhafter\nVogel und Bambusrohre hervorbringen, die Grundlage der\nTonleiter. Bei den Hindus erzeugt Brama selbst aus sei-\nnem Wesen die oberen und unteren Gottheiten, welche\ndie Elemente der Musik schaffen und ordnen. Jeder Ton\nist eine unsterbliche Nymphe, sieben himmlische Geister\nleiten die Harmonie der Sphären, und die Töne dieser\nHarmonie entsprechen den Tönen der Tonleiter. Selbst\ndie Tonarten sind Göttinnen, so dass nach der Lehre der\nHindus der Mensch nicht frei ist, sein Ich durch die Kunst\nzu offenbaren.\nDie Idee, eine Harmonie der Sphären als Grund der\nMu: ;ik der Menschen anzunehmen, scheint bei den meisten\nalten Völkern verbreitet gewesen zu sein. Bei den Chal-\ndäern und Hebräern führen die Engel die himmlischen\nConcerte auf und leiten die Bewegung der Gestirne und\nderen harmonischen Klang. Der Mythus vom P a n, dem\nSymbol des Alls und der Natur, als dem Erfinder der Mu-\nsik durch die Rohrflöte, scheint von orientalischem Ur-\nsprünge zu sein.\nPythagoras soll bekanntlich versucht haben, jene Vor-\nstellung bei den Griechen wissenschaftlich zu gestalten.\nDie Welt- oder Sphären-Harmonie, deren Ausfluss die ir-\ndische Musik ist, beschäftigte viele ausgezeichnete Geister\ndes Alterthums. Nach der Meinung der Pythagoräer war\ndie Zahl der Urgrund aller Dinge und die Welt eine Har-\nmonie von Einheiten und nach verschiedenen Beziehungen\nzusammengesetzten Zahlen. Nach den Alten wurde diese\nHypothese in den letzten Jahrhunderten wieder aufgenom-\nmen, im siebenzehnten-durch Robert Flud mit allen Thor-\nheiten einer kranken Einbildungskraft, und später sogar\ndurch Keppler.\nWenn der Gedanke, den Ursprung der Musik aus der\nHarmonie der Welten herzuleiten, etwas Erhabenes hat,\nwenn er eine Menge grosser Geister alter und neuerer Zeit\nbeschäftigte, obwohl schon Aristoteles das Nichtige dessel-\nben eingesehen, so ist doch nicht weniger wahr, dass alle\nAnstrengungen, diesem Gedanken eine scheinbare Begrün-\ndung zu geben, die Nichtigkeit desselben offenbaren; denn\nes ist nichts darüber vorgebracht worden, was für eine\nBeweisführung gelten könnte.\nDas Mittelalter hat sich mit dieser Frage nicht be-\nschäftigt. Die Lehre von den Pythagorischen Proportionen,\nwelche Boethius im fünften Jahrhundert zusammenstellte,\nblieb die Grundlage aller musicalischen Theorie bis auf\nGuido von Arezzo; auch seine Werke enthalten nur prak-\ntische Anweisungen, keineswegs neue Theorieen.\nNachdem Baco dem menschlichen Geiste die Richtung\nauf das Experimental-Studium der Natur durch die Ver-\nöffentlichung seines neuen Organums gegeben hatte, er-\nkannte man allerlei Phänomene in der Resonanz der Kör-\nper; man glaubte verschiedene harmonische Verhältnisse\ndarin zu unterscheiden, und es entstanden Theorieen, wel-\nche musicalische Systeme unmittelbar aus der Natur abzu-\nleiten versuchten. Im Grunde waren alle diese Systeme\n*)\nnur Abarten und Entwicklungen des alten Systems von der\nWelt-Harmonie. Auch sie setzten die Existenz eines Welt-\nPrincips der Musik voraus, dem der Mensch unterworfen"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "306", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580925-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5429, "texte": "ist, und das folgerichtiger Weise gar nicht zur Kunst ge-\nhört, sondern ausser derselben steht. Dies ist aber ein Wi-\nderspruch; denn die Kunst ist nur als menschliche Schö-\npfung denkbar. Was ausserhalb dieser menschlichen Schö-\npfung liegt, gehört dem Erkenntniss-Vermögen an, nicht\ndem Gebiete der Kunst, und dieser Satz leidet auch voll-\nständige Anwendung auf die Lehre Newton's von der Ana-\nlogie der Verhältnisse der Farben des Prisma und der\nTöne der Tonleiter. Es bleibt immer höchst merkwürdig,\ndass so viele bedeutende Intelligenzen die absolute Ent-\nstehung einer so wesentlich idealen Kunst wie die Musik\nin den Geheimnissen der Natur gesucht haben. Es ist klar,\ndass die geheimen Gesetze einer Welt-llarmonie, wenn\nwir deren Existenz annehmen, ferner die Gesetze gewisser\nakustischer Erscheinungen, endlich der Zerlegung der Licht-\nstrahlen in ihren Verhältnissen zu den Tonreihen sich uns\nnicht unmittelbar offenbaren und also auf den Verstand\nund auf das ästhetische Gefühl nur eine geheimnissvolle\nund gleichsam kabbalistische Einwirkung haben können,\ndie am Ende derjenigen so ziemlich ähnlich sein dürfte,\nwelche die Astrologen den Stellungen der Gestirne auf das\nSchicksal der Menschen und der Geschichte zugeschrieben\nhaben. Der Grund der Tonkunst muss also anderswo ge-?\nsucht werden.\nEs gibt Schriftsteller über oie Musik, welche, ohne\nsich in philosophische Untersuchungen zu vertiefen, ohne\nWeiteres erklären, dass es eine natürliche Tonleiter gibt;\ndass diese Tonleiter, welche von der Natur gegeben ist,\ndiatonisch sei; dass sie zuerst von den Völkern des Alter-\nthums gebraucht worden, und dass sie der Urgrund aller\nMusik sei; daraus folge dann, dass die Natur und die Ton-\nkunst in innigster Beziehung zu einander stehen. Das ist\naber keine Theorie, das ist eine Behauptung ohne Beweis,\nund eine solche hat bekanntlich in der Wissenschaft keine\nGültigkeit. Historisch ist es leicht zu beweisen, dass sie\nfalsch ist, weil die orientalischen Völker, bekanntlich die\nältesten auf der Erde, in der frühesten Zeit und noch bis\nheute musicalische Tonleitern haben, die sich gar sehr von\nder diatonischen unterscheiden, die man uns als Erzeugniss\nder Natur aufdringen will, Wenn wir uns auf das Gebiet\nder Erfahrung und der akustischen Versuche begeben, so\nwerden wir sehen, dass die Natur uns nur den Klang lie-\nfert, wenn auch in einer Menge, von verschiedenen Into-\nnationen, und dass wir nur durch Aussonderung zu der\nBildung einer Tonleiter mit vernehmbaren und messbaren\nIntervallen gelangen,\nDer Mensch ist allein selbst die erste Ursache, der\nUrgrund seiner Musik, nach Verhältniss der Organisation\nseiner verschiedenen Racen, der verschiedenen Zeitalter\nund Himmelsstriche. Aber wenn wir nun der Natur kei-\nnen anderen Theil als die Erzeugung des Klanges an der\nEntstehung der Musik einräumen, wenn wir von der Be-\ngründung der Tonkunst alles fern halten, was der mensch-\nlichen Schöpfung fremd ist, wo müssen wir dann im Men-\nschen selbst den Urgrund der Kunst suchen? In seiner\nphysiologischen Organisation, oder in dem Bereiche seiner\nIntelligenz?\nDer Schöpfer hat uns mit Organen versehen, durch\nwelche wir die Eindrücke der Aussenwelt in uns aufneh-\nmen. Die Empfindungen, die sich in uns durch diese Ein-\ndrücke erzeugen, haben ihren Sitz in den Nerven, deren\nVerzweigungen in unserer physischen Organisation wir\nhier nicht weiter verfolgen wollen. Im Allgemeinen ist man\nder Ansicht, dass die Musik auf dieselbe Weise ein Reiz,\nein Vergnügen für das Ohr sei, wie der angenehme Duft\nfür den Geruch und ein feines Gericht für den Geschmack.\nAllein der Duft einer Rose reicht für den Reiz des\nGeruchssinnes vollkommen hin, eben so verschafft der\nGeschmack einer edeln Erucht unmittelbar einen vollstän-\ndigen Genuss; aber ein einzelner Ton hat noch niemals\ndem Ohr angenehme oder peinliche Empfindung verursacht,\nausser dem Eindruck der Art des Klanges oder der Wir-\nkung auf das Nerven-System. Die Empfindung des Tones\nan sich ist gewisser Maassen wirkungs- und erfolglos.\nWenn das Anhören der Töne einen Reiz haben oder\nFreude machen soll, so müssen sie eine Aufeinanderfolge\noder ein Zusammenklingen haben, Wenn aber in dem\nNacheinander und in dem Miteinander der Töne ein ge-\nfälliger Reiz liegt, so kann dieser nur aus den Verhältnis-\nsen und Beziehungen, welche die Töne zu einander haben,\nentstehen; denn wenn dieses nicht der Fall wäre, so wür-\nden zwei Töne nach einander für das Ohr zwei isolirte\n' » *\nEmpfindungen sein, ohne angenehmen oder peinlichen Er-\nfolg. Ohne das Gesetz der Verhältnisse würde der Reiz der\nAnhörung mehrerer Töne nach oder mit einander unbe-\ngreiflich sein, weil ein einzelner Ton diesen Reiz durchaus\nnicht hat. Eben so würde der Zusammenklang mehrerer\nTöne nichts Peinliches für das Ohr haben können • da\nja jeder dieser Töne, einzeln gehört, nichts Peinliches bat\n—, wenn die unangenehme Wirkung nicht von einer Ver-\nletzung der Gesetze der Ton-Verhältnisse herrührte.\nDa nun jegliche Beziehung und jegliches Verhältniss\nnur für den Verstand existirt, der es begreift und würdigt,\nso kann auch die Beziehung der auf einander folgenden\noder zusammenklingenden Töne nicht im Ohr liegen, son-\ndern in dem Erkenntniss- und Gefühls-Vermögen. Töne\nfolgen in einer gewissen Ordnung auf einander, die uns\nein angenehmes Gefühl, oder in einer anderen, die uns\nein unangenehmes Gefühl verursacht; andere Töne beha-\ngen uns durch ihren Zusammenklang, während wieder"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "307", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580925-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3573, "texte": "andere Accorde einen ganz entgegengesetzten Eindruck\nmachen. Ferner gewisse Accorde lassen, wenn man sie\nvereinzelt hört, das Gemüth in einer gewissen schwelen-\nden Spannung, und die Beruhigung erzeugt sich nur durch\ndie Folge eines anderen Accords auf den ersten. Was ist\ndas alles anders als eine Reihe von Folgen eines Gesetzes\nder Ton-Verhältnisse und ihrer Beziehungen auf einander,\nwelches in der menschlichen Natur liegt, und dessen wir\nuns aus Instinct bewusst werden?\nEs ist also einleuchtend, dass die Functionen des Ge-\nhörssinnes nicht den Functionen des Geruchs oder des Ge-\nschmacks gleich zu stellen sind; denn diese letzteren erzeu-\ngen bei jedem Eindruck eine einfache und vollständige\nThatsache, die von aller Beziehung unabhängig ist. Wenn\nder Verstand die Empfindung eines Geruchs mit einem\nanderen vergleicht, so ist diese Operation unabhängig von\ndem angenehmen oder unangenehmen Gefühle, das jeder\nvon diesen beiden Gerüchen an und für sich gibt. Eben\nso verhält es sich mit dem Geschmacke.\nWir wollen nun sehen, ob mehr Analogie zwischen\nden Functionen des Gehörs und denen des Gesichts und\ndes Gefühls besteht. Das Auge übergibt dem Gehirn Bil-\nder, die stets und nothwendig vollständig sind; es ist der\nMaler des Geistes. Jedes empfangene Bild hat durch sich\nselbst eine Bedeutung, die wir als gewiss und wirklich be-\ntrachten ; es bringt unmittelbar einen angenehmen oder\nunangenehmen Eindruck hervor, ohne dass Erkenntniss-\nund Gefühls-Vermögen etwas hinzuzufügen brauchen.\nDurch diese Bilder tritt allerdings die Phantasie in Wirk-\nsamkeit: sie kann sie wieder erzeugen, modificiren, ver-\nschönern, ja, componiren; aber schaffen kann sie sie nicht.\nDie Eindrücke des Gefühls nehmen nur dann die Thä-\ntigkeit des Verstandes in Anspruch, wenn das Gefühl die\nStelle des Gesichts vertritt, um Formen und Maass-Ver-\nhältnisse zu begreifen. Bei seinen eigentlichen Functionen\naber, z. B. durch die Empfindung von Kälte oder Wärme,\nvon Weichheit oder Härte, erzeugt es ebenfalls unmittel-\nbar angenehme oder unangenehme Eindrücke ohne alle\nVermittlung des Verstandes.\nHieraus ersieht man, dass zwischen den Functionen\ndes Gehörs und denen der übrigen Sinne keine Analogie\nbesteht, dass man den Eindruck der Empfindung des To-\nnes nicht mit demjenigen vergleichen kann, den Geruch,\nGeschmack, Gesicht und Gefühl machen. Diese geben, wie\ngesagt, unmittelbar angenehme oder unangenehme Ein-\ndrücke, die nur nach dem Grade der Intensität verschieden\nsind; und die Vorstellungen durch das Gesicht und das\nGefühl haben ausserdem noch eine äussere Wirklichkeit,\nwährend der Klang, der ins Ohr dringt, ein Factum ist,\nwelches bloss die Aufmerksamkeit erregt, ohne angeneh-\nmes oder unangenehmes Gefühl zu erzeugen. Aber sobald\nKlänge von verschiedener Tonhöhe, verschiedener Dauer\noder Kraft auf einander folgen, oder sobald mehrere Töne\nzugleich erklingen, so bemächtigt sich auf der Stelle der\nVerstand der Sache und fasst die Beziehungen jener Töne\nauf, und das Gefühl wird entweder durch die Schönheit\nderselben oder durch den Mangel ihrer Gesetzmässigkeit\naufgeregt. Nun erwacht die Thätigkeit der Phantasie, und\nsie schafft Tonbilder, zu denen kein äusserer sinnlicher\nEindruck ihr die Muster gibt und deren Typus sie nur im\nInnern der Seele findet. Daher rührt der ganz besondere\nCharakter der Kunst der Tonbilder, d. h. der Musik, daher\nihr erhöhter Rang über die anderen Künste als Offenba-\nrung der geistig schöpferischen Kraft des Menschen, daher\nendlich das Absolut-Ideale im Begriffe des Schönen in\nden Erzeugnissen dieser Kunst.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-09-25-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-09-25_01#c003", "volume": "bmtnabi_1858-09-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "307", "page_fin": "308", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580925-01.2.3", "titre_corps": "Johann Theodor Mosewius", "titre_sommaire": "Johann Theodor Mosewius", "signature_source": "L. 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Ein solcher Mann war Mose-\nwius, in Breslau, dem Hauptorte seiner langjährigen Wirk-\nsamkeit, der Mittelpunkt der Bestrebungen zur Fortpflan-\nzung des musicalischen Sinnes für die ernste Richtung der\nTonkunst, wie sie sich von den älteren italiänischen liir-\nchen-Componisten an durch die grossen deutschen Meister,\ndie mit J. S. Bach beginnen, entwickelt hat. Liebte er\ndoch Bach so sehr, dass man ihm diese Liebe sogar zum\nVorwurf gemacht hat, wie es mit so mancher Liebe ge-\nschieht, deren Ernst und Unwandelbarkeit den Menschen\nunbegreiflich ist. Es ist mit Mosewius eine von jenen kräf-\ntigen Einseitigkeiten zu Grabe gegangen, deren Erschei-\nnung und charakteristische Wirksamkeit die gepriesene\nLTniversalität unserer Bildung nicht mehr aufkommen lässt.\nDie Nachricht von seinem Tode traf uns hier um so\nunerwarteter und schmerzlicher, als wir noch vor kaum\ndrei Wochen den rüstigen, munteren, lebenskräftigen Sie-\nbenziger auf ein paar l äge bei uns hatten und mit ihm\neinen der schönsten Sommerabende im Garten von Belle-\nVue in Deutz in heiterem und interessantem Gespräche\nbis in die Nacht hinein zubrachten. Von hier ging er über\nBonn und Coblenz in Begleitung seiner Gattin nach der"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "308", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580925-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2320, "texte": "Schweiz, wie er denn jedes Jahr eine Erholungsreise\nmachte. Es sollte die letzte sein! Auf der Rückreise von\nZürich nach SchalThausen, die das Paar in einem Omni-\nbus machte, klagte er über heftigen Gliederschmerz. In\nSchaafhausen wurde sogleich ein Arzt herbeigerufen. Bevor\njedoch die verschriebene Arznei aus der Apotheke anlangte,\nwar Mosewius in den Armen seiner Gattin an den Folgen\neines Schlagflusses verschieden den 15. September,\nNachmittags 4 Uhr. Seine irdische Hülle ist in SchafThau-\nsen zur Erde bestattet worden.\nJohann Theodor Mosewius war den 25. September\nITBB zu Königsberg in Preussen geboren. Er hatte eine\nschöneStimme, widmete sich nach den Universitäts-Studien\nder Bühne und war bis 1825 Sänger und ausgezeichneter\nSchauspieler. In dem genannten Jahre verliess er die Bühne\nund gründete in Breslau die Sing-Akademie, die er seit-\ndem ununterbrochen geleitet und zu einem der berühm-\ntesten Gesang-Institute Deutschlands gemacht hat. Er war\nDoctor der Philosophie, Musik-Director und erster Lehrer\nder Tonkunst an der Universität (wozu er im Jahre 1829\nernannt wurde), wie auch an dem königlichen akademi-\nschen Institute für Kirchenmusik, Director der Sing-Aka-\ndemie, Ritter des Rothen Adler-Ordens IV. Classe, ausser-\nordentliches Mitglied der königlichen Akademie der Künste\nzu Berlin, Secretär der musicalischen Section der scldesir\nsehen Gesellschaft für vaterländische Cultur,\nAusser vielen Programmen und kleineren Erläute-\nrungsschriften zu musicalischen Werken ist besonders seine\n„musicalisch-ästhetische Darstellung der Mat-\nthäus-Passion von Joh. Seb. Bach—Berlin 1852,\ntoi.\"—ein werthvolles Denkmal seiner Studien über Bach.\nMosewius galt nicht nur bei seinen Schülern und\nFreunden, sondern bei allen älteren und jüngeren Anhän-\ngern der classischen Musik für eine Autorität. Er stand\nmit den ausgezeichnetsten Männern seines Berufes, sowohl\nComponisten und Dirigenten als Musikgelehrten und Mu-\nsikfreunden, von denen die meisten ihm schon voranee-\ngangen, in Briefwechsel und freundschaftlicher Verbin-\ndung; die Sammlung der an ihn gerichteten Briefe und\nseiner Antworten dürfte ein reiches Material zur Musik-\ngeschichte unseres Jahrhunderts und zur Kenntniss der\nUrtheile bedeutender Musiker über verschiedene Phasen\nihrer Entwicklung bis auf die neueste Zeit darbieten.\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-09-25-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-09-25_01#c004", "volume": "bmtnabi_1858-09-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "308", "page_fin": "310", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580925-01.2.4", "titre_corps": "Aus Wiesbaden.", "titre_sommaire": "Aus Wiesbaden.", "signature_source": "w. w", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "308", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580925-01.1.4", "debut_caractere": 2322, "fin_caractere_exclue": 4954, "texte": "Aus Wiesbaden.\n\n[Die neunte Sinfonie\nHenri Wieniawski Bochkoltz-Falconi Ascher Conoerte\nGastspiele in der Oper: Fräul Gebler, Frassini, Gross, Brenken;\nHer ren Schneider, Wachtel, Lipp, Abicli.]\nDen 15. September 1858.\nMein Ihnen versprochener Bericht hat lange auf sich\nwarten lassen. Die Aufführung der neunten Sinfonie,\nvon welcher ich Ihnen schon sagte, machte den hiesigen\nmusicalischen Kräften alle Ehre, insbesondere aber sind\ndie vorzüglichen Leistungen unseres Theater-Orchesters\nhervorzuheben, lieber eine Aufführung einer so grossarti-\ngen Composition muss man, fühle ich jetzt, sofort referi-\nren, eine spätere Beleuchtung derselben ist fast unmöglich;\nallein das kann ich noch bestätigen, dass der Eindruck ein\ntiefer, die Wirkung eine elektrische war. Wer möchte\nauch nicht mit einstimmen in den Jubel der Instrumente\nund der menschlichen Stimmen!\nDann sei zunächst des Concertes des Männergesang-\nVereins gedacht, welches die Chöre der Antigone von Men-\ndelssohn brachte. Ich kann das Werk, selbst mit dem ver-\nbindenden Texte dazu aufgeführt, nicht als ein grossartige\nWirkungen erzielendes anerkennen. Gespannter, als hierauf\ndas Publicum gewesen, war es ohne Zweifel auf das Spiel\nder Frau Clara Schumann. Ich habe das reizende Con-\ncert {G-rnoll von Mendelssohn) nie schöner, vollendeter,\nmit grösserem Schwung und grösserer Poesie vortragen\nhören. Als Zugabe spielte sie noch „ Traumeswirren\",\n,Des Abends\", Phantasiestücke von R. Schumann, und\neine Etüde von Chopin: Alles gleich reizend und vollendet.\nEs hiesse Eulen nach Athen tragen, noch etwas sagen zu\nwollen über diese geborene geniale Künstlerin. Ihr eigent-\nliches Concert gab sie später, und kamen darin zur Auf-\nlührung: das Quintett (Op. 44) für Piano und Streich-In-\nstrumente von R. Schumann, vorgetragen von Frau Schu-\nmann und den Herren Baldenecker, Scholle, Arnold und\nC. Grimm. Ein herrliches Werk voll Schwung und Kraft;\ndabei zählt es riesige Schwierigkeiten, die jedoch Frau\nSchumann spielend überwand. Eine grössere, leichtere Be-\nherrschung des Instrumentes ist nicht denkbar. Ein wun-\ndervolles Notturno und eine grossartige Polonaise beide\nvon Chopin—, genial gespielt, schlössen die erste Abthei-\nlung. Die zweite Abtheilung eröffnete Frau Schumann\nmit Beethoven's I)-?noll-Somxteund schloss das Concert mit\neiner meisterhaft gespielten Fuge in von Seb. Bach\nund dem Mendelssohifschen Rondo Capriccioso. Es waren\ndiese enormen Leistungen alle von dem reinsten Hauche\nglühendster Begeisterung durchweht und riefen in allen\ndenen, die Empfänglichkeit und Yerständniss für das wahr-\nhaft Schöne in sich tragen, die grösste Bewegung wach."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "309", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580925-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5152, "texte": "Gleichwohl war auch ein Theil lauer, blasirter Zuhörer\nanwesend, die nur sentimentales Geklimper auf der Zither\noder Gesäusel und Gelispel einer französischen oder italie-\nnischen Prima Donna zur Raserei vor Entzücken bringt.\nFräul. Pellet vom hiesigen Theater sprach zwei Balladen:\n„Schön Hedwig\" und „Der Haideknabe\", von F. Hebbel,\nzu welchen Frau Schumann eine Clavier-Begleitung von R.\nSchumann spielte. Es war dieses eine duftig-zarte Ver-\nschmelzung zweier so innigst verwandten Elemente, der\nPoesie und Musik. Fräul. Pellet hat ein prachtvolles, der\nausgiebigsten Modulation und der grössten Erregtheit fähi-\nges Organ, eine Aussprache und Declam&tion, die hohes\nTalent und lleissiges Studium bekunden: für unser Schau-\nspiel eine Zierde.\nAusser diesen Concerten verdienen die ehrendste Er-\nwähnung zwei von Henri Wieniawski gegebene Con-\ncerte. Er spielte im ersten Mendelssohn's Concert, ein\nTheme original et varieund ein Andante von Paganini,\nsodann einen Carnaval de Penise, welcher aus Variationen\nvon Paganini, Ernst und Wieniawski bestand. Se. Majestät\nder König von Holland, welcher nebst unserem Hofe zu-\ngegen war, soll den Künstler am selben Abende mit einem\nOrden decorirt haben. Die musicalische Welt kennt Wie-\nniawski's Spiel; Laub und Ernst überragen ihn bei Wei-\ntem. Mlle. Bochkoltz-Falconi sang eine Arie aus Titus,\nein Air dramatique (von F. Dessanger eigens für sie com-\nponirt) und Variations sur u von Hum-\nmel. Ja, diese Sängerin ist ein wahres Muster von aller\nReinheit des Tones, Bravour und Wahrheit, dem geläu-\ntertsten Geschmack und der denkbarsten Eleganz. Ihre\nStimmmittel sind kolossal, sie hat die Höhe eines Soprans\nund die Tiefe eines Contra-Alts. Das Theater-Orchester\nspielte die Ouvertüren zu „Figaro\" und zum „Sommer-\nnachtstraum\" in gewohnter exaeter Weise.\nIn Wieniawski's zweitem Concerte spielte derselbe ein\nAir varie von Vieuxtemps, ein Adagio des ersten von ihm\neomponirten Concertes und eine Polonaise de Concert, so-\ndann Paganini's Di tanti palpiti, Fräul.\nHartmann sang die grosse Arie aus Figaro's Hochzeit,\nund Herr Simon, unser beliebter Baritonist, sang eine\nArie aus Marschner's Templer. Beide Leistungen verdien-\nten den ihnen gewordenen Beifall. Das Theater-Orchester\ngab zwei herrliche Ouvertüren, die zum Wasserträger und\nzur schönen Melusine, deren schwungvolle Aufführung mir\ndas Beste vom Abende schien. Auch Herr J. Ascher,\nPianiste de Sa Majeste l'lmperatriee des Frangais, war\nhier und spielte in seinem Concerte eine von ihm compo-\nnirte Fantaisie sur la Traviata,einen\neine Mazurka, danse de Pay und wahr-\nscheinlich als „Echo\" zur cherbourg'schen Kindtaufe\nein Morceau,famos allein durch seinen langen Titel\n„A lliance-Chants nationauxanglo-franyais\". Ausser-\ndem spielte der fruchtbare Componist noch ein Andante\net Allegro martiale pour^eux bei\nwelchem die Pianisten Rummel, Ludwig und Pallat ihn\nunterstützten. Das klang „kriegerisch\" schön, besonders\nda die beiden Flügel so herrlich „stimmten\"! Viel Lär-\nmen um „nichts\"! Ein hiesiger Recensent sagt nicht übel\nvon Herrn Ascher's Spiel: „Heute Abends schien der\nCompositeur nicht bei guter Laune zu sein, wahrscheinlich\nEinwirkung der verstimmten Instrumente.\"\nEine Mad. Borghese natürlich von Paris sang\nmit verlorener Stimme ein Air de la Nina von Donizetti,\neine Romance dramatique,der nur das „Dramatische\"\nfehlte, aus Les filles de marbre, deren Compositeur das\nProgramm bescheiden verschwieg.\nMlle. Etterlin—diesmal aber von Wien—, Pianistin\nund Artiste en Cithare,trug auf dem „neuen\" Concert-\nInstrumente eine Fantaisieund -\ntrichiennes vor, welche indess noch dem Publicum besser\ngefielen, als alles Andere. Ascher hat hier ein Blatt aus\nseinem „Lorberkranze\"—verloren. Auch eine Mad. Leo-\nnow a, Ire Cantatrice de la Cour gab ein\nConcert, in welchem sie eine Menge russischer National-\nlieder sang. So hiess es auf dem Programm;\nMatouschka, goloubousehka (mein Mütterchen, mein Täub-\nchen) und wieder: Douschctschkadevitza\nvillage), musique de DargomischJcy, und Air de Margue-\nrite de Faust, musique de Glinkaund\nschou, ne hotschou(nicht Holzschuh, Holzschuh). Mad.\nLeonowa hat eine recht schöne Stimme; allein wir finden\nderen eine Menge unter unseren deutschen singenden\nFrauen. Jede Nation mag auch singen in ihrer Mutter-\nsprache ; allein das russische Idiom ist wahrlich kein ge-\neignetes für den gebildeten Gesang. Eine russische Sän-\ngerin, kommt sie zu uns, so mag sie Italiänisch oder in\nunserer Sprache singen, am Ende noch in französischer.\nNun, ihre Lieder waren wohl nur eine landsmännische\nBegrüssung, resp. Einladung an ihre Landsleute (nämlich\n2 Fl, für das Concert nicht anzusehen), welche denn die-\nser zarten Einladung bedeutend Folge gegeben hatten.\nDann concertirten noch in besonderen Concerten Mlle.\nMelanie Etterlin, Virtuose en Mlle. Jos. Comana,\nM. Greebe, Violinistehollandais, Nathalie Frassini (Esch-\nborn), Mad. Marcolini, Premier Sujet de l'Aeademie impe-\nriale de musique de France,Mlle. Caussemille, Pianistin,\nMr. Colossanti, Virtuose auf dem Ophikleid, Mr. Levassor,\nder grösste (?) Possenreisser von Frankreich, Mss. Lionnet\nfreres, Mlle. Emmi de Moscou, Mlle. Judith Lion,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "310", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580925-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3243, "texte": "niste, Ms. M. Giovanni di Dio, Violoncelliste de Sa Ma-\njeste le Roi de Prasse.\nUnser bisheriger, nach Dresden gegangener Bassist\nHerr Eichberger gab noch einConcert, in welchem Fräul.\nPellet, M. Etterlin, die Herren Arnold, Lipp und Clauss\nmitwirkten. Herr Eichberger trug eine Bass-Arie aus Pau-\nlus mit vielem Verständniss vor, Fräul. Frassini den Wal-\nzer von Venzano und eine Arie aus Torquato Tasso. Fräul.\nEtterlin spielte mit vieler Sicherheit das Mendelssohn'sche\nRondo Capriccioso.\nIm Theater konnte die junge und talentvolle Colora-\ntur-Sängerin Fräul. Gebler nach drei Rollen als Marga-\nretha de Yalois, Rosine und Martha keine Erfolge gewin-\nnen. Glockenreine Crdoratur, auch Schule und Geschmack,\nallein keine Figur und kein Spiel. Als Rosine gewann sie\nden meisten Beifall; dagegen sollte sie nicht als Königin\nin den Hugenotten auftreten, eher als Urbain in derselben\nOper, wozu sie eine passende Figur besitzt, während ihr\ndiese, königlicher Anstand und überhaupt degagirtes Spiel\nzu jener Rolle fehlen. Ein hiesiger Kritiker bezeichnete\nihre Stimme als Mezzo-Sopran! Sie hat das hohe e und /\nmit Leichtigkeit und einen vorzüglichen Triller.\nWir hörten, um zurück zu gehen, Frl. Frassini als\nRosine, Hrn. Schneider vom frankfurter Theater als Graf\nAlmaviva und als Tamino, und bekunden ihm, dass er\nherrliche Stimmmittel besitzt und die gute „deutsche\nSchule0 des Gesanges repräsentirt. Fräul. Gross trat mit\nihm als Pamina auf. Diese Dame hat ungewöhnlich schöne\nMittel, ist von Herrn Hof-Capellmeister Schindelmeisser\nin Darmstadt für die Bühne ausgebildet und ist eine an-\ngenehme Erscheinung; sie debutirte hier zuerst als Agathe,\nin welcher Rolle sie fast übergrosse Anerkennung fand.\nHerr Wachtel vom Hoftheater in Kassel sang den Ar-\nnold Melchthal, den Georg in der Weissen Dame (worin\nauch Fräul. Eichberger vom Hoftheater in Dresden als\nJenny auftrat) und Raoul. In letzterer Oper—Hugenotten\n—hörten wir noch Herrn Lipp vom Hoftheater in Stutt-\ngart als Marcel und Fräul. Eichberger als Urbain. Herr\nWachtel ist bei uns von früheren Gastspielen her in gutem\nAndenken. Herr Lippist für die hiesige Oper gewonnen,\nbesitzt sehr schöne Mittel und wird seinen Platz vollkom-\nmen ausfüllen, wenn er es an dem rechten Studium nicht\nfehlen lässt. Fräul. Auguste Brenken vom grossherzog-»\nliehen Hoftheater in Karlsruhe trat als Agathe auf und\nfand vielen Beifall. Eine gewisse Befangenheit vermochte\nsie noch nicht ganz zu bemeistern; sie hat schöne Stimm-\nmiltel und zeigte eine sinnige Auffassung der Partie. Herr\nAbich vom Josephstädter Theater in Wien trat als van\nBett, Basilio und „Waffenschmied\" auf. Er ist als zweiter\nBassist engagirt und soll ich weiss das nur vom Hören-\nsagen dem Publicum nicht minder gefallen, als Herr\nLipp. Letzterer wird auch auf dem bevorstehenden Musik-\nfeste mitwirken. Fräul. Caroline Lehmann, unsere neu\nengagirte Sängerin, trat als Norma wieder auf und geniesst\ndie Gunst des Publicums in hohem Maasse.\nEntschuldigen Sie die Flüchtigkeit meiner Skizzen aus\nder hiesigen Theaterwelt. Der Sommer war zu heiss, um\njeden schönen Abend im Theater oder im Concertsaale zu\n„verlieren\"; das Leben hat der Sommer nicht viele,\nwohl aber der Wiederholungen schlechter Opern\nund Concerte*).\n\nw. w."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-09-25-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-09-25_01#c005", "volume": "bmtnabi_1858-09-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "310", "page_fin": "311", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580925-01.2.5", "titre_corps": "Evangelisches Lehrer-Gesangfest zu St. Goar.", "titre_sommaire": "Evangelisches Lehrer-Gesangfest zu St. Goar.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "310", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580925-01.1.6", "debut_caractere": 3245, "fin_caractere_exclue": 5203, "texte": "Evangelisches Lehrer-Gesangfest zu St. Goar.\nDas erste mittelrheinische evangelische Lehrer-Gesang-\nfest, welches unter Leitung des königlichen Musik-Direc-\ntors und Seminarlehrers Herrn G. Flügel aus Neuwied\nam 17. September von über Einhundert Sängern hier ge-\nfeiert wurde, war von einem entschieden günstigen Er-\nfolge begleitet. Um 10 I hr Vormittags begann in der\nprächtigen Kirche die Aufführung der geistlichen Män-\nnerchöre, welche mit Orgel-Vorträgen, die hier und da\netwas kürzer hätten sein können, abwechselten. Herr Mu-\nsik-Director Flügel machte den Anfang mit dem variirten\nChoral-Vorspiele über „Christ ist erstanden\" und der fünf-\nstimmigen Cis-moll-Fuge von J. S.Bach und den Beschluss\nmit einem Choral-Vorspiel von J. L. Krebs über „Was\nGott thut, das ist wohlgethan\", wo der Cantus firmus im\nPedal liegt, und mit J. S. Bach's phantasiereichem Ton-\nstücke: Toccata und Fuge in D-moll. Ausserdem spielten\nnoch die Herren Lehrer Beisiege! jun. aus Coblenz,\nBungeroth aus Sobernheim, Debus aus Castellaun, Fetz\naus Dierdorf und C. Löcher aus Neuwied Compositionen\nvon M. G. Fischer, G. Flügel, B. Klein, Fried. Kühmstedt\nund W. A. Mozart. Die Compositionen für Männergesang\nwaren von Bortniansky (die grosse Doxologie), G. Flügel\n(Doppelchor, Fest-Cantate), B. Klein, Antonio Lotti (\nlanguores nostros)und E. Richter (Doppelchor: „Froh-\nlocket!\"). B. Klein war bei Weitem am stärksten vertre-\nten („Hoch thut euch auf\" „Wie lieblich\" „Der Herr\nist König\" „Der Herr ist mein Hirt\").\nDie Ausführung sämmtlicher Gesangstücke befriedigte\nnicht nur alle billigen Ansprüche, die man unter den ge-\n\n*) In dem Berichte „Aus Wiesbaden\" in Nr. 24 sind S. 189\ndie Zeilen 25—28 von oben: „Was ihm heute Abend unaus-\nsprechlich blieb\" bis „heraus zu zittern\" aus Versehen an\neine falsche Stelle gekommen. Sie beziehen sich nicht auf den\nSänger des ~Sarastrou, sondern auf den Darsteller des\n„Sprechers\" und sind nach Z. 5 v. o. einzufügen.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "311", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580925-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1921, "texte": "gebenen Verhältnissen machen konnte, sondern zeugte auch\nvon warmem Eifer für die gute Sache und vom besten\nWillen Seitens des sehr combinirten Sängerchors, der in\neiner General-Probe im Zusammensingen geeinigt werden\nmusste und trotz aller Hindernisse geeinigt worden war.\nDen Aufführungen in der Kirche folgte ein durch sin-\nnige Ansprachen gewürztes heiteres Festmahl im Casino-\nsaale.—Die Festgesänge am Nachmittage, auf dem freien\nPlatze neben dem Gasthause zum Rheinfcls, wurden vor\neinem zahlreich versammelten Publicum vorgetragen. Die\nZwischenpausen wurden von dem wackeren Musikcorps des\nHrn. Haupt ausCoblenz ausgefüllt. Es kamen Lieder und\nGesänge von C. Kreutzer, C. Malan, Mendelssohn, Mozart,\nNägeli, Reichardt, Jul. Stern und das schöne Volkslied:\n„Es waren einmal drei Reiter gefangen\", zur Aufführung.\nDie Auswahl war auch in Bezug auf die Gedichte eine\ndurchaus würdige.\nUnter den Ehrengästen befanden sich Herr R.-R. Dr.\nLandfermann aus Coblenz, die Herren Lehrer und Natur-\nforscher M. Bach und Pfarrer Bungeroth aus Boppard, Se-\nminar-Director Bühring aus Neuwied, Sup. Fabricius und\nWilh. Greef aus Meurs, Rector Götz aus Neuwied, Schul-\nInspector Pfarrer Müller aus Monzingen, Bürgermeister\nRottmann aus Simmern u. s. w.\nOhne irgend einen Missklang hat das erste mittel-\nrheinische evangelische Lehrer-Gesangfest im schönsten\nEinklänge geendigt, und als nächster Festort ist Trarbach\nan der Mosel festgestellt worden. Gott der Herr wolle zu\neinem recht gesegneten, frischen und fröhlichen Gedeihen\ndie Festfeiernden auch dorthin geleiten und in immer grös-\nserem und vollerem Chor wie zu Einem Manne brüderlich-\nharmonisch verbinden!\nSchliesslich muss der herzlichen, gastfreundlichen Auf-\nnahme der Sänger durch die Bewohner von St. Goar rühm-\nlichst gedacht werden; auch darf nicht unerwähnt bleiben,\ndass der Herr Besitzer des Gasthofes „Zum Rheinfels\" das\nHaupt'sche Musikcorps engagirt hatte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-09-25-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-09-25_01#c006", "volume": "bmtnabi_1858-09-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "311", "page_fin": "312", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580925-01.2.6", "titre_corps": "Aus Paris.", "titre_sommaire": "Aus Paris.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "311", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580925-01.1.7", "debut_caractere": 1923, "fin_caractere_exclue": 5011, "texte": "Aus Paris.\nDa die gegenwärtige Saison des Theätre lyrique wie-\nder mit Mozart's Nozze cli Figaro eröffnet worden, so thei-\nlen wir nachstehend den Brief mit, in welchem die „Com-\nmission der Verfasser und Compositeure dramatischer\nWerke in Paris\" dem in Mailand lebenden Sohne Mo-\nzart's, Herrn Karl Mozart, die Nachricht gibt, dass be-\nschlossen sei, ihm die Tantieme von den Aufführungen\nMozart'scher Opern auf dem zukommen\nzu lassen. Der Brief lautet:\n„Mein Herr!\n„Die Commission der Verfasser und Compositeure dra-\nmatischer Werke in Frankreich hat mich als ihren Präsi-\ndenten beauftragt, Sie in Kürze von dem so eben gefass-\nten Beschlüsse, die Aufführungen der Hochzeit des Figaro,\ndie man auf dem Theätre lyrique von Paris gibt, betreffend,\nin Kenntniss zu setzen.\n„Sie konnte mir keinen mir angenehmeren Auftrag\nzur Besorgung anvertrauen. Wie Sie aus dem Beschlüsse\nersehen, werden nach der französischen Gesetzgebung die\nUebersetzungen von Werken fremder Autoren als Gemein-\ngut betrachtet; wir haben dem zufolge in unserem Ver-\ntrage mit dem Theätre lyrique alle uns aus solchen Wer-\nken vorbehaltenen Rechte der Casse des Unterstützungs-\nFonds unserer Gesellschaft zugewiesen. Da wir jedoch in\nErfahrung gebracht haben, dass der grosse Name Mozart's\nnicht ausgestorben ist, und dass noch einer seiner Söhne,\nder einzige seine Brüder und Schwestern überlebende, am\nLeben sich befindet, so hat die dramatische Commission\naus Ehrfurcht und Bewunderung vor dem unsterblichen\nGenie Ihres Vaters einstimmig beschlossen, dass alle Rechte\n(so weit selbe die Musik betreffen), welche ihr aus den\nAufführungen der Hochzeit des Figaro am Theätre lyrique\nin Paris zukommen, auf Herrn Karl Mozart, den directen\nund legitimen Erben des berühmten Tondichters aus Salz-\nburg, übergehen sollen, und dass dieses der gleiche Fall\nbei allen anderen Werken Mozart's, die auf dem Theätre\nlyrique aufgeführt werden, sein soll. Ich schätze mich\nglücklich, Ihnen, mein Herr, diesen Beweis der aufrichti-\ngen Verehrung der französischen Schriftsteller und Com-\npositeure für das Andenken eines Mannes, wie es Ihr Va-\nter ist, mittheilen zu können; überdies t'neilt ganz Frank-\nreich diese Empfindung, und der Zudrang zu jeder Vor-\nstellung der Hochzeit des Figaro, so wie die sich jedes Mal\nvon Neuem äussernde begeisterte Aufnahme zeigen, dass\ndie Verehrung der Meisterwerke Mozart's bei uns eine\neben so allgemeine wie in Deutschland geworden ist.\n„Lassen Sic uns hoffen, mein Herr, dass das von der\nCommission gegebene Beispiel auch von den fremden Re-\ngierungen gewürdigt werden wird; dass man die Notwen-\ndigkeit einsehen wird, bei künftigen internationalen Ver-\nträgen über das geistige Eigenthumsrecht eine wechselsei-\ntige Geltung der liberalen Grundsätze, welche den Kindern\ndie Früchte der Werke ihrer Väter nur allzu oft die\nzwar glorreiche, aber einzige Erbschaft, welche das Genie\nzu hinterlassen im Stande ist sichern, eintreten zu lassen.\nGeben wir uns der Hoffnnng hin, dass dasjenige, was heut-\nzutage noch eine ehrenvolle Ausnahme ist, binnen Kurzem\ndie allgemeine Regel bilden werde."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "312", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580925-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 396, "texte": "„Empfangen Sic, mein Herr, den Ausdruck der Glück-\nwünsche von Seiten der Commission und die Versicherung\nmeiner persönlichen ganz besonderen Hochachtung.\n„Der Präsident der Commission der französischen\nSchriftsteller und Compositeure:\n„C. Melesville.\"\nDie Tantieme, welche der greise, einzige Sohn Mo-\nzart's in Folge dessen bereits vom Theatre lyrique in Paris\nbezogen hat, beträgt 8520 Francs."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-09-25-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-09-25_01#c007", "volume": "bmtnabi_1858-09-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "312", "page_fin": "312", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580925-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "312", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580925-01.1.8", "debut_caractere": 398, "fin_caractere_exclue": 4779, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nllagefil, im August. Vor Kurzem wurde uns die hohe Freude\nzu Theil, unseren gefeierten Landsmann, Herrn Karl Halle aus\nManchester, der sich einige Zeit bei seinen hiesigen Verwandten\naufhielt, in einem Concerte, zu dem er seine Mitwirkung freundlichst\nzugesagt hatte, zu hören und wie immer von Herzen zu bewundern.\nHerr Halle gab uns: Sonate für Piano, Op. 31 Nr. 3, von Beetho-\nven; Spazirgänge eines Einsamen, Nr. 4, Wanderstunden, Nr. 2,\nCaprice über Schuberts ~Forelle\" von Heller; Nocturne in Fis-dur,\nGrande valse in As-dur, Op. 34, von Chopin und brauchen wir\nwohl nicht zu sagen, dass er bei seinen Vorträgen seine anerkannte\nMeisterschaft auf das glänzendste bewährte. Möge Herr Halle des\ninnigsten Dankes aller, die er durch sein zum Herzen dringendes\nSpiel entzückte, versichert sein; möge er im fernen England noch\nlange seine ruhmvolle Laufbahn verfolgen und noch recht oft zu\nuns wiederkehren! Die Herren A. Ibach Söhne in Barmen hatten\nHerrn Halle für die Dauer seines hiesigen Aufenthaltes einen eben\nvollendeten Flügel zur Verfügung gestellt, dessen sich derselbe auch\nin obigem Concerte bediente. Der volle Ton und die durchweg edle\nKlangfarbe dieses Instrumentes fanden allseitigen Beifall. Gleich-\nzeitig erfreuten uns die Herren Gebr. Steinhaus aus Elberfeld\ndurch mehrere Gesang-Quartette, und wurde deren ausdrucksvoller\nVortrag mit vollem Beifall anerkanut.\nDoberan. Am 13. September starb hierselbst Friedr. Lud-\nwig Ferd. v. Flotow, grossherzoglicher Kammerherr und Kam-\nmer-Director a. D., früher auch Intendant des Hoftheaters. Der Ver-\nstorbene war am 5. August 1783 geboren.\nIn Frankfurt hatten sich am 19. September zum Besten der\nMozart-Stiftung nahezu sämmtliehe dortige Männergesang-Vereine\ndiesseit und jenseit des Mains, so wie die Capelle des frankfurter\nLinien-Bataillons zu einem grossen Concerte in der Arena der Woll-\nsehläger'schen Gesellschaft vereinigt. Das weite Amphitheater war\ntrotz des schönen Wetters auf allen Reihen dicht besetzt.\n19. September, Der braunschweiger Männergesang-\nVerein, von einigen Hundert Herren und Damen begleitet, ist gestern\nNachmittags gegen zwei Uhr hier angekommen und gab gestern\nAbends unter Mitwirkung der bedeutendsten Sänger am braunschwei-\nger Hoftheater in dem in allen seinen Theilen gefüllten grossen\nSaale der Tonhalle unter Leitung seines Directors, Herrn Abt, ein\nVocal-Concert, dessen Ertrag zur Bildung eines Fonds bestimmt ist,\num künftig die Lieder der Componisten zu honoriren, deren Gesänge\nin das Repertoire des Vereins aufgenommen werden.\nZu Stockholm starb am Abend des 8. September, im kräftig-\nsten Mannesalter, an einem heftigen Cholera-Aufall der Cajpellmeister\nbei der königlichen Hofcapelle Giacopo Foroni. Er war am 25.\nJuli 1825 in Italien geboren, lag zuerst juristischen Studien ob,\nwurde dann Ingenieur-Student und widmete sich zuletzt ganz der\nMusik. Seit neun Jahren war er Chef der Hofcapelle. Er war ein\nvielseitig gebildeter Mann, als Dirigent ausgezeichnet, aber auch als\nComponist vielversprechend. Erst vor Kurzem hat er eine Oper:\n„Der Advocat Patelin\", bis auf die Ouvertüre vollendet. Die Oper\nsoll demnächst in Stockholm zur Aufführung kommen. An die\nStelle des Verewigten soll Ignaz Lachner, Capellmeister am\nTheater zu Hamburg, berufen sein.\nEin Musikfreund hat die Lebensalter der berühmtesten Tondich-\nter zusammengestellt. Danach wurde F. Schubert 31, Bellini 32,\nPergolese 33, Herold 36, Mozart 36, Feska 37, O.Nicolai 38, Men-\ndelssohn 38, Weber 40, Donizetti 49, Adam 52, Beethoven 57, Lind-\npaintner 64, Kreutzer 64, Bach 65, Spontini 67, Piccini 70, Gretry\n72, Gluck und Händel 75, Haydn 76, Hasse 78, Weigl 80, Zinga-\nrelli 85, Burney 88, Carissimi 91 und Gemiani 96 Jahre alt.\nFür Violinspieler wird uns folgendes Recept mitgetheilt, dessen\nKraft wir jedoch nicht verbürgen. Zu machen, dass eine Violine\neinen ausnehmend viel schöneren und ganz reinen Ton erhält, schneide\nman aus einer natürlichen Federspule (von einem Gansflügel) zwei\nPlättehen von der Grösse der beiden Füsschen am Violinstege, weiche\ndieselben ein und presse sie beim Trocknen fest ein, dass sie gerade\nwerden, feile oder kratze sie auf einer Seite rauh und kitte sie auf\ndieser Seite mit recht gutem heissem Siegellack an die beiden Stege-\nfüsschen und stelle dann den Steg wie gewöhnlich auf. Der hiedurch\nverbesserte Ton ist rein und schön."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "305", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580925-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie Natur und die Musik. Von Fetis dem Aelteren. Johann Theodor Mosewius f. Von L. B. Aus\nWiesbaden (Die 9. Sinfonie Antigone Clara Schumann Henri Wieniavvski Bochkoltz-Falconi Ascher -r-\nConcerte Gastspiele in der Oper). Von W. W. Evangelisches Lehrer-Gesangfest zu St. Goar. Aus Paris. Tages- nnd Un-\nterhaltungsblatt (Hagen, Concert Doberan, F. L. F. v. Flotow f Frankfurt, Concert Hamburg Stockholm, G. Foroni+).\n\nDie Natur und die Musik.\nVon Fétis dem Aelteren.\nAls eine Hauptfrage der Philosophie der Musik stellt\nsich folgende dar: Liegt der Urgrund dieser Kunst\nursprünglich im Menschen, oder empfängt der\nM ensch ihn durch di e Wirkung der Aussenwelt\nauf seine Organisation?\nDie meisten Musikgelehrten haben die Frage im Sinne\nder zweiten Hypothese beantwortet. Die theogonischen\nund kosmogonischen Systeme und die Sagen der alten\nVölker geben sogar der Tonkunst einen Entstehungsgrund,\nder den Einfluss des menschlichen Geistes darauf ganz aus-\nschliesst. So liefert z. B. bei den Chinesen die Gleichheit\nder Töne, welche die Wellen eines Flusses, ein fabelhafter\nVogel und Bambusrohre hervorbringen, die Grundlage der\nTonleiter. Bei den Hindus erzeugt Brama selbst aus sei-\nnem Wesen die oberen und unteren Gottheiten, welche\ndie Elemente der Musik schaffen und ordnen. Jeder Ton\nist eine unsterbliche Nymphe, sieben himmlische Geister\nleiten die Harmonie der Sphären, und die Töne dieser\nHarmonie entsprechen den Tönen der Tonleiter. Selbst\ndie Tonarten sind Göttinnen, so dass nach der Lehre der\nHindus der Mensch nicht frei ist, sein Ich durch die Kunst\nzu offenbaren.\nDie Idee, eine Harmonie der Sphären als Grund der\nMu: ;ik der Menschen anzunehmen, scheint bei den meisten\nalten Völkern verbreitet gewesen zu sein. Bei den Chal-\ndäern und Hebräern führen die Engel die himmlischen\nConcerte auf und leiten die Bewegung der Gestirne und\nderen harmonischen Klang. Der Mythus vom P a n, dem\nSymbol des Alls und der Natur, als dem Erfinder der Mu-\nsik durch die Rohrflöte, scheint von orientalischem Ur-\nsprünge zu sein.\nPythagoras soll bekanntlich versucht haben, jene Vor-\nstellung bei den Griechen wissenschaftlich zu gestalten.\nDie Welt- oder Sphären-Harmonie, deren Ausfluss die ir-\ndische Musik ist, beschäftigte viele ausgezeichnete Geister\ndes Alterthums. Nach der Meinung der Pythagoräer war\ndie Zahl der Urgrund aller Dinge und die Welt eine Har-\nmonie von Einheiten und nach verschiedenen Beziehungen\nzusammengesetzten Zahlen. Nach den Alten wurde diese\nHypothese in den letzten Jahrhunderten wieder aufgenom-\nmen, im siebenzehnten-durch Robert Flud mit allen Thor-\nheiten einer kranken Einbildungskraft, und später sogar\ndurch Keppler.\nWenn der Gedanke, den Ursprung der Musik aus der\nHarmonie der Welten herzuleiten, etwas Erhabenes hat,\nwenn er eine Menge grosser Geister alter und neuerer Zeit\nbeschäftigte, obwohl schon Aristoteles das Nichtige dessel-\nben eingesehen, so ist doch nicht weniger wahr, dass alle\nAnstrengungen, diesem Gedanken eine scheinbare Begrün-\ndung zu geben, die Nichtigkeit desselben offenbaren; denn\nes ist nichts darüber vorgebracht worden, was für eine\nBeweisführung gelten könnte.\nDas Mittelalter hat sich mit dieser Frage nicht be-\nschäftigt. Die Lehre von den Pythagorischen Proportionen,\nwelche Boethius im fünften Jahrhundert zusammenstellte,\nblieb die Grundlage aller musicalischen Theorie bis auf\nGuido von Arezzo; auch seine Werke enthalten nur prak-\ntische Anweisungen, keineswegs neue Theorieen.\nNachdem Baco dem menschlichen Geiste die Richtung\nauf das Experimental-Studium der Natur durch die Ver-\nöffentlichung seines neuen Organums gegeben hatte, er-\nkannte man allerlei Phänomene in der Resonanz der Kör-\nper; man glaubte verschiedene harmonische Verhältnisse\ndarin zu unterscheiden, und es entstanden Theorieen, wel-\nche musicalische Systeme unmittelbar aus der Natur abzu-\nleiten versuchten. Im Grunde waren alle diese Systeme\n*)\nnur Abarten und Entwicklungen des alten Systems von der\nWelt-Harmonie. Auch sie setzten die Existenz eines Welt-\nPrincips der Musik voraus, dem der Mensch unterworfen"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "306", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580925-01.1.2", "texte": "ist, und das folgerichtiger Weise gar nicht zur Kunst ge-\nhört, sondern ausser derselben steht. Dies ist aber ein Wi-\nderspruch; denn die Kunst ist nur als menschliche Schö-\npfung denkbar. Was ausserhalb dieser menschlichen Schö-\npfung liegt, gehört dem Erkenntniss-Vermögen an, nicht\ndem Gebiete der Kunst, und dieser Satz leidet auch voll-\nständige Anwendung auf die Lehre Newton's von der Ana-\nlogie der Verhältnisse der Farben des Prisma und der\nTöne der Tonleiter. Es bleibt immer höchst merkwürdig,\ndass so viele bedeutende Intelligenzen die absolute Ent-\nstehung einer so wesentlich idealen Kunst wie die Musik\nin den Geheimnissen der Natur gesucht haben. Es ist klar,\ndass die geheimen Gesetze einer Welt-llarmonie, wenn\nwir deren Existenz annehmen, ferner die Gesetze gewisser\nakustischer Erscheinungen, endlich der Zerlegung der Licht-\nstrahlen in ihren Verhältnissen zu den Tonreihen sich uns\nnicht unmittelbar offenbaren und also auf den Verstand\nund auf das ästhetische Gefühl nur eine geheimnissvolle\nund gleichsam kabbalistische Einwirkung haben können,\ndie am Ende derjenigen so ziemlich ähnlich sein dürfte,\nwelche die Astrologen den Stellungen der Gestirne auf das\nSchicksal der Menschen und der Geschichte zugeschrieben\nhaben. Der Grund der Tonkunst muss also anderswo ge-?\nsucht werden.\nEs gibt Schriftsteller über oie Musik, welche, ohne\nsich in philosophische Untersuchungen zu vertiefen, ohne\nWeiteres erklären, dass es eine natürliche Tonleiter gibt;\ndass diese Tonleiter, welche von der Natur gegeben ist,\ndiatonisch sei; dass sie zuerst von den Völkern des Alter-\nthums gebraucht worden, und dass sie der Urgrund aller\nMusik sei; daraus folge dann, dass die Natur und die Ton-\nkunst in innigster Beziehung zu einander stehen. Das ist\naber keine Theorie, das ist eine Behauptung ohne Beweis,\nund eine solche hat bekanntlich in der Wissenschaft keine\nGültigkeit. Historisch ist es leicht zu beweisen, dass sie\nfalsch ist, weil die orientalischen Völker, bekanntlich die\nältesten auf der Erde, in der frühesten Zeit und noch bis\nheute musicalische Tonleitern haben, die sich gar sehr von\nder diatonischen unterscheiden, die man uns als Erzeugniss\nder Natur aufdringen will, Wenn wir uns auf das Gebiet\nder Erfahrung und der akustischen Versuche begeben, so\nwerden wir sehen, dass die Natur uns nur den Klang lie-\nfert, wenn auch in einer Menge, von verschiedenen Into-\nnationen, und dass wir nur durch Aussonderung zu der\nBildung einer Tonleiter mit vernehmbaren und messbaren\nIntervallen gelangen,\nDer Mensch ist allein selbst die erste Ursache, der\nUrgrund seiner Musik, nach Verhältniss der Organisation\nseiner verschiedenen Racen, der verschiedenen Zeitalter\nund Himmelsstriche. Aber wenn wir nun der Natur kei-\nnen anderen Theil als die Erzeugung des Klanges an der\nEntstehung der Musik einräumen, wenn wir von der Be-\ngründung der Tonkunst alles fern halten, was der mensch-\nlichen Schöpfung fremd ist, wo müssen wir dann im Men-\nschen selbst den Urgrund der Kunst suchen? In seiner\nphysiologischen Organisation, oder in dem Bereiche seiner\nIntelligenz?\nDer Schöpfer hat uns mit Organen versehen, durch\nwelche wir die Eindrücke der Aussenwelt in uns aufneh-\nmen. Die Empfindungen, die sich in uns durch diese Ein-\ndrücke erzeugen, haben ihren Sitz in den Nerven, deren\nVerzweigungen in unserer physischen Organisation wir\nhier nicht weiter verfolgen wollen. Im Allgemeinen ist man\nder Ansicht, dass die Musik auf dieselbe Weise ein Reiz,\nein Vergnügen für das Ohr sei, wie der angenehme Duft\nfür den Geruch und ein feines Gericht für den Geschmack.\nAllein der Duft einer Rose reicht für den Reiz des\nGeruchssinnes vollkommen hin, eben so verschafft der\nGeschmack einer edeln Erucht unmittelbar einen vollstän-\ndigen Genuss; aber ein einzelner Ton hat noch niemals\ndem Ohr angenehme oder peinliche Empfindung verursacht,\nausser dem Eindruck der Art des Klanges oder der Wir-\nkung auf das Nerven-System. Die Empfindung des Tones\nan sich ist gewisser Maassen wirkungs- und erfolglos.\nWenn das Anhören der Töne einen Reiz haben oder\nFreude machen soll, so müssen sie eine Aufeinanderfolge\noder ein Zusammenklingen haben, Wenn aber in dem\nNacheinander und in dem Miteinander der Töne ein ge-\nfälliger Reiz liegt, so kann dieser nur aus den Verhältnis-\nsen und Beziehungen, welche die Töne zu einander haben,\nentstehen; denn wenn dieses nicht der Fall wäre, so wür-\nden zwei Töne nach einander für das Ohr zwei isolirte\n' » *\nEmpfindungen sein, ohne angenehmen oder peinlichen Er-\nfolg. Ohne das Gesetz der Verhältnisse würde der Reiz der\nAnhörung mehrerer Töne nach oder mit einander unbe-\ngreiflich sein, weil ein einzelner Ton diesen Reiz durchaus\nnicht hat. Eben so würde der Zusammenklang mehrerer\nTöne nichts Peinliches für das Ohr haben können • da\nja jeder dieser Töne, einzeln gehört, nichts Peinliches bat\n—, wenn die unangenehme Wirkung nicht von einer Ver-\nletzung der Gesetze der Ton-Verhältnisse herrührte.\nDa nun jegliche Beziehung und jegliches Verhältniss\nnur für den Verstand existirt, der es begreift und würdigt,\nso kann auch die Beziehung der auf einander folgenden\noder zusammenklingenden Töne nicht im Ohr liegen, son-\ndern in dem Erkenntniss- und Gefühls-Vermögen. Töne\nfolgen in einer gewissen Ordnung auf einander, die uns\nein angenehmes Gefühl, oder in einer anderen, die uns\nein unangenehmes Gefühl verursacht; andere Töne beha-\ngen uns durch ihren Zusammenklang, während wieder"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "307", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580925-01.1.3", "texte": "andere Accorde einen ganz entgegengesetzten Eindruck\nmachen. Ferner gewisse Accorde lassen, wenn man sie\nvereinzelt hört, das Gemüth in einer gewissen schwelen-\nden Spannung, und die Beruhigung erzeugt sich nur durch\ndie Folge eines anderen Accords auf den ersten. Was ist\ndas alles anders als eine Reihe von Folgen eines Gesetzes\nder Ton-Verhältnisse und ihrer Beziehungen auf einander,\nwelches in der menschlichen Natur liegt, und dessen wir\nuns aus Instinct bewusst werden?\nEs ist also einleuchtend, dass die Functionen des Ge-\nhörssinnes nicht den Functionen des Geruchs oder des Ge-\nschmacks gleich zu stellen sind; denn diese letzteren erzeu-\ngen bei jedem Eindruck eine einfache und vollständige\nThatsache, die von aller Beziehung unabhängig ist. Wenn\nder Verstand die Empfindung eines Geruchs mit einem\nanderen vergleicht, so ist diese Operation unabhängig von\ndem angenehmen oder unangenehmen Gefühle, das jeder\nvon diesen beiden Gerüchen an und für sich gibt. Eben\nso verhält es sich mit dem Geschmacke.\nWir wollen nun sehen, ob mehr Analogie zwischen\nden Functionen des Gehörs und denen des Gesichts und\ndes Gefühls besteht. Das Auge übergibt dem Gehirn Bil-\nder, die stets und nothwendig vollständig sind; es ist der\nMaler des Geistes. Jedes empfangene Bild hat durch sich\nselbst eine Bedeutung, die wir als gewiss und wirklich be-\ntrachten ; es bringt unmittelbar einen angenehmen oder\nunangenehmen Eindruck hervor, ohne dass Erkenntniss-\nund Gefühls-Vermögen etwas hinzuzufügen brauchen.\nDurch diese Bilder tritt allerdings die Phantasie in Wirk-\nsamkeit: sie kann sie wieder erzeugen, modificiren, ver-\nschönern, ja, componiren; aber schaffen kann sie sie nicht.\nDie Eindrücke des Gefühls nehmen nur dann die Thä-\ntigkeit des Verstandes in Anspruch, wenn das Gefühl die\nStelle des Gesichts vertritt, um Formen und Maass-Ver-\nhältnisse zu begreifen. Bei seinen eigentlichen Functionen\naber, z. B. durch die Empfindung von Kälte oder Wärme,\nvon Weichheit oder Härte, erzeugt es ebenfalls unmittel-\nbar angenehme oder unangenehme Eindrücke ohne alle\nVermittlung des Verstandes.\nHieraus ersieht man, dass zwischen den Functionen\ndes Gehörs und denen der übrigen Sinne keine Analogie\nbesteht, dass man den Eindruck der Empfindung des To-\nnes nicht mit demjenigen vergleichen kann, den Geruch,\nGeschmack, Gesicht und Gefühl machen. Diese geben, wie\ngesagt, unmittelbar angenehme oder unangenehme Ein-\ndrücke, die nur nach dem Grade der Intensität verschieden\nsind; und die Vorstellungen durch das Gesicht und das\nGefühl haben ausserdem noch eine äussere Wirklichkeit,\nwährend der Klang, der ins Ohr dringt, ein Factum ist,\nwelches bloss die Aufmerksamkeit erregt, ohne angeneh-\nmes oder unangenehmes Gefühl zu erzeugen. Aber sobald\nKlänge von verschiedener Tonhöhe, verschiedener Dauer\noder Kraft auf einander folgen, oder sobald mehrere Töne\nzugleich erklingen, so bemächtigt sich auf der Stelle der\nVerstand der Sache und fasst die Beziehungen jener Töne\nauf, und das Gefühl wird entweder durch die Schönheit\nderselben oder durch den Mangel ihrer Gesetzmässigkeit\naufgeregt. Nun erwacht die Thätigkeit der Phantasie, und\nsie schafft Tonbilder, zu denen kein äusserer sinnlicher\nEindruck ihr die Muster gibt und deren Typus sie nur im\nInnern der Seele findet. Daher rührt der ganz besondere\nCharakter der Kunst der Tonbilder, d. h. der Musik, daher\nihr erhöhter Rang über die anderen Künste als Offenba-\nrung der geistig schöpferischen Kraft des Menschen, daher\nendlich das Absolut-Ideale im Begriffe des Schönen in\nden Erzeugnissen dieser Kunst.\n(Schluss folgt.)\n\nJohann Theodor Mosewius\n\nf.\n\nDie Tonkunst hat durch den unerwarteten Tod des\nDr. Mosewius einen grossen Verlust erlitten; denn nicht\nnur die schaffenden Meister sind die Stützen der Kunst,\nsondern auch diejenigen Männer, welche mit gründlichster\nSachkenntniss den Geist der Schöpfungen ganz durchdrin-\ngen, in sich aufnehmen, und durch eine Persönlichkeit voll\nCharakter und Geschick befähigt sind, diesen Geist stets\nwieder lebendig zu machen. Ein solcher Mann war Mose-\nwius, in Breslau, dem Hauptorte seiner langjährigen Wirk-\nsamkeit, der Mittelpunkt der Bestrebungen zur Fortpflan-\nzung des musicalischen Sinnes für die ernste Richtung der\nTonkunst, wie sie sich von den älteren italiänischen liir-\nchen-Componisten an durch die grossen deutschen Meister,\ndie mit J. S. Bach beginnen, entwickelt hat. Liebte er\ndoch Bach so sehr, dass man ihm diese Liebe sogar zum\nVorwurf gemacht hat, wie es mit so mancher Liebe ge-\nschieht, deren Ernst und Unwandelbarkeit den Menschen\nunbegreiflich ist. Es ist mit Mosewius eine von jenen kräf-\ntigen Einseitigkeiten zu Grabe gegangen, deren Erschei-\nnung und charakteristische Wirksamkeit die gepriesene\nLTniversalität unserer Bildung nicht mehr aufkommen lässt.\nDie Nachricht von seinem Tode traf uns hier um so\nunerwarteter und schmerzlicher, als wir noch vor kaum\ndrei Wochen den rüstigen, munteren, lebenskräftigen Sie-\nbenziger auf ein paar l äge bei uns hatten und mit ihm\neinen der schönsten Sommerabende im Garten von Belle-\nVue in Deutz in heiterem und interessantem Gespräche\nbis in die Nacht hinein zubrachten. Von hier ging er über\nBonn und Coblenz in Begleitung seiner Gattin nach der"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "308", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580925-01.1.4", "texte": "Schweiz, wie er denn jedes Jahr eine Erholungsreise\nmachte. Es sollte die letzte sein! Auf der Rückreise von\nZürich nach SchalThausen, die das Paar in einem Omni-\nbus machte, klagte er über heftigen Gliederschmerz. In\nSchaafhausen wurde sogleich ein Arzt herbeigerufen. Bevor\njedoch die verschriebene Arznei aus der Apotheke anlangte,\nwar Mosewius in den Armen seiner Gattin an den Folgen\neines Schlagflusses verschieden den 15. September,\nNachmittags 4 Uhr. Seine irdische Hülle ist in SchafThau-\nsen zur Erde bestattet worden.\nJohann Theodor Mosewius war den 25. September\nITBB zu Königsberg in Preussen geboren. Er hatte eine\nschöneStimme, widmete sich nach den Universitäts-Studien\nder Bühne und war bis 1825 Sänger und ausgezeichneter\nSchauspieler. In dem genannten Jahre verliess er die Bühne\nund gründete in Breslau die Sing-Akademie, die er seit-\ndem ununterbrochen geleitet und zu einem der berühm-\ntesten Gesang-Institute Deutschlands gemacht hat. Er war\nDoctor der Philosophie, Musik-Director und erster Lehrer\nder Tonkunst an der Universität (wozu er im Jahre 1829\nernannt wurde), wie auch an dem königlichen akademi-\nschen Institute für Kirchenmusik, Director der Sing-Aka-\ndemie, Ritter des Rothen Adler-Ordens IV. Classe, ausser-\nordentliches Mitglied der königlichen Akademie der Künste\nzu Berlin, Secretär der musicalischen Section der scldesir\nsehen Gesellschaft für vaterländische Cultur,\nAusser vielen Programmen und kleineren Erläute-\nrungsschriften zu musicalischen Werken ist besonders seine\n„musicalisch-ästhetische Darstellung der Mat-\nthäus-Passion von Joh. Seb. Bach—Berlin 1852,\ntoi.\"—ein werthvolles Denkmal seiner Studien über Bach.\nMosewius galt nicht nur bei seinen Schülern und\nFreunden, sondern bei allen älteren und jüngeren Anhän-\ngern der classischen Musik für eine Autorität. Er stand\nmit den ausgezeichnetsten Männern seines Berufes, sowohl\nComponisten und Dirigenten als Musikgelehrten und Mu-\nsikfreunden, von denen die meisten ihm schon voranee-\ngangen, in Briefwechsel und freundschaftlicher Verbin-\ndung; die Sammlung der an ihn gerichteten Briefe und\nseiner Antworten dürfte ein reiches Material zur Musik-\ngeschichte unseres Jahrhunderts und zur Kenntniss der\nUrtheile bedeutender Musiker über verschiedene Phasen\nihrer Entwicklung bis auf die neueste Zeit darbieten.\n\nL. B.\n\nAus Wiesbaden.\n\n[Die neunte Sinfonie\nHenri Wieniawski Bochkoltz-Falconi Ascher Conoerte\nGastspiele in der Oper: Fräul Gebler, Frassini, Gross, Brenken;\nHer ren Schneider, Wachtel, Lipp, Abicli.]\nDen 15. September 1858.\nMein Ihnen versprochener Bericht hat lange auf sich\nwarten lassen. Die Aufführung der neunten Sinfonie,\nvon welcher ich Ihnen schon sagte, machte den hiesigen\nmusicalischen Kräften alle Ehre, insbesondere aber sind\ndie vorzüglichen Leistungen unseres Theater-Orchesters\nhervorzuheben, lieber eine Aufführung einer so grossarti-\ngen Composition muss man, fühle ich jetzt, sofort referi-\nren, eine spätere Beleuchtung derselben ist fast unmöglich;\nallein das kann ich noch bestätigen, dass der Eindruck ein\ntiefer, die Wirkung eine elektrische war. Wer möchte\nauch nicht mit einstimmen in den Jubel der Instrumente\nund der menschlichen Stimmen!\nDann sei zunächst des Concertes des Männergesang-\nVereins gedacht, welches die Chöre der Antigone von Men-\ndelssohn brachte. Ich kann das Werk, selbst mit dem ver-\nbindenden Texte dazu aufgeführt, nicht als ein grossartige\nWirkungen erzielendes anerkennen. Gespannter, als hierauf\ndas Publicum gewesen, war es ohne Zweifel auf das Spiel\nder Frau Clara Schumann. Ich habe das reizende Con-\ncert {G-rnoll von Mendelssohn) nie schöner, vollendeter,\nmit grösserem Schwung und grösserer Poesie vortragen\nhören. Als Zugabe spielte sie noch „ Traumeswirren\",\n,Des Abends\", Phantasiestücke von R. Schumann, und\neine Etüde von Chopin: Alles gleich reizend und vollendet.\nEs hiesse Eulen nach Athen tragen, noch etwas sagen zu\nwollen über diese geborene geniale Künstlerin. Ihr eigent-\nliches Concert gab sie später, und kamen darin zur Auf-\nlührung: das Quintett (Op. 44) für Piano und Streich-In-\nstrumente von R. Schumann, vorgetragen von Frau Schu-\nmann und den Herren Baldenecker, Scholle, Arnold und\nC. Grimm. Ein herrliches Werk voll Schwung und Kraft;\ndabei zählt es riesige Schwierigkeiten, die jedoch Frau\nSchumann spielend überwand. Eine grössere, leichtere Be-\nherrschung des Instrumentes ist nicht denkbar. Ein wun-\ndervolles Notturno und eine grossartige Polonaise beide\nvon Chopin—, genial gespielt, schlössen die erste Abthei-\nlung. Die zweite Abtheilung eröffnete Frau Schumann\nmit Beethoven's I)-?noll-Somxteund schloss das Concert mit\neiner meisterhaft gespielten Fuge in von Seb. Bach\nund dem Mendelssohifschen Rondo Capriccioso. Es waren\ndiese enormen Leistungen alle von dem reinsten Hauche\nglühendster Begeisterung durchweht und riefen in allen\ndenen, die Empfänglichkeit und Yerständniss für das wahr-\nhaft Schöne in sich tragen, die grösste Bewegung wach."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "309", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580925-01.1.5", "texte": "Gleichwohl war auch ein Theil lauer, blasirter Zuhörer\nanwesend, die nur sentimentales Geklimper auf der Zither\noder Gesäusel und Gelispel einer französischen oder italie-\nnischen Prima Donna zur Raserei vor Entzücken bringt.\nFräul. Pellet vom hiesigen Theater sprach zwei Balladen:\n„Schön Hedwig\" und „Der Haideknabe\", von F. Hebbel,\nzu welchen Frau Schumann eine Clavier-Begleitung von R.\nSchumann spielte. Es war dieses eine duftig-zarte Ver-\nschmelzung zweier so innigst verwandten Elemente, der\nPoesie und Musik. Fräul. Pellet hat ein prachtvolles, der\nausgiebigsten Modulation und der grössten Erregtheit fähi-\nges Organ, eine Aussprache und Declam&tion, die hohes\nTalent und lleissiges Studium bekunden: für unser Schau-\nspiel eine Zierde.\nAusser diesen Concerten verdienen die ehrendste Er-\nwähnung zwei von Henri Wieniawski gegebene Con-\ncerte. Er spielte im ersten Mendelssohn's Concert, ein\nTheme original et varieund ein Andante von Paganini,\nsodann einen Carnaval de Penise, welcher aus Variationen\nvon Paganini, Ernst und Wieniawski bestand. Se. Majestät\nder König von Holland, welcher nebst unserem Hofe zu-\ngegen war, soll den Künstler am selben Abende mit einem\nOrden decorirt haben. Die musicalische Welt kennt Wie-\nniawski's Spiel; Laub und Ernst überragen ihn bei Wei-\ntem. Mlle. Bochkoltz-Falconi sang eine Arie aus Titus,\nein Air dramatique (von F. Dessanger eigens für sie com-\nponirt) und Variations sur u von Hum-\nmel. Ja, diese Sängerin ist ein wahres Muster von aller\nReinheit des Tones, Bravour und Wahrheit, dem geläu-\ntertsten Geschmack und der denkbarsten Eleganz. Ihre\nStimmmittel sind kolossal, sie hat die Höhe eines Soprans\nund die Tiefe eines Contra-Alts. Das Theater-Orchester\nspielte die Ouvertüren zu „Figaro\" und zum „Sommer-\nnachtstraum\" in gewohnter exaeter Weise.\nIn Wieniawski's zweitem Concerte spielte derselbe ein\nAir varie von Vieuxtemps, ein Adagio des ersten von ihm\neomponirten Concertes und eine Polonaise de Concert, so-\ndann Paganini's Di tanti palpiti, Fräul.\nHartmann sang die grosse Arie aus Figaro's Hochzeit,\nund Herr Simon, unser beliebter Baritonist, sang eine\nArie aus Marschner's Templer. Beide Leistungen verdien-\nten den ihnen gewordenen Beifall. Das Theater-Orchester\ngab zwei herrliche Ouvertüren, die zum Wasserträger und\nzur schönen Melusine, deren schwungvolle Aufführung mir\ndas Beste vom Abende schien. Auch Herr J. Ascher,\nPianiste de Sa Majeste l'lmperatriee des Frangais, war\nhier und spielte in seinem Concerte eine von ihm compo-\nnirte Fantaisie sur la Traviata,einen\neine Mazurka, danse de Pay und wahr-\nscheinlich als „Echo\" zur cherbourg'schen Kindtaufe\nein Morceau,famos allein durch seinen langen Titel\n„A lliance-Chants nationauxanglo-franyais\". Ausser-\ndem spielte der fruchtbare Componist noch ein Andante\net Allegro martiale pour^eux bei\nwelchem die Pianisten Rummel, Ludwig und Pallat ihn\nunterstützten. Das klang „kriegerisch\" schön, besonders\nda die beiden Flügel so herrlich „stimmten\"! Viel Lär-\nmen um „nichts\"! Ein hiesiger Recensent sagt nicht übel\nvon Herrn Ascher's Spiel: „Heute Abends schien der\nCompositeur nicht bei guter Laune zu sein, wahrscheinlich\nEinwirkung der verstimmten Instrumente.\"\nEine Mad. Borghese natürlich von Paris sang\nmit verlorener Stimme ein Air de la Nina von Donizetti,\neine Romance dramatique,der nur das „Dramatische\"\nfehlte, aus Les filles de marbre, deren Compositeur das\nProgramm bescheiden verschwieg.\nMlle. Etterlin—diesmal aber von Wien—, Pianistin\nund Artiste en Cithare,trug auf dem „neuen\" Concert-\nInstrumente eine Fantaisieund -\ntrichiennes vor, welche indess noch dem Publicum besser\ngefielen, als alles Andere. Ascher hat hier ein Blatt aus\nseinem „Lorberkranze\"—verloren. Auch eine Mad. Leo-\nnow a, Ire Cantatrice de la Cour gab ein\nConcert, in welchem sie eine Menge russischer National-\nlieder sang. So hiess es auf dem Programm;\nMatouschka, goloubousehka (mein Mütterchen, mein Täub-\nchen) und wieder: Douschctschkadevitza\nvillage), musique de DargomischJcy, und Air de Margue-\nrite de Faust, musique de Glinkaund\nschou, ne hotschou(nicht Holzschuh, Holzschuh). Mad.\nLeonowa hat eine recht schöne Stimme; allein wir finden\nderen eine Menge unter unseren deutschen singenden\nFrauen. Jede Nation mag auch singen in ihrer Mutter-\nsprache ; allein das russische Idiom ist wahrlich kein ge-\neignetes für den gebildeten Gesang. Eine russische Sän-\ngerin, kommt sie zu uns, so mag sie Italiänisch oder in\nunserer Sprache singen, am Ende noch in französischer.\nNun, ihre Lieder waren wohl nur eine landsmännische\nBegrüssung, resp. Einladung an ihre Landsleute (nämlich\n2 Fl, für das Concert nicht anzusehen), welche denn die-\nser zarten Einladung bedeutend Folge gegeben hatten.\nDann concertirten noch in besonderen Concerten Mlle.\nMelanie Etterlin, Virtuose en Mlle. Jos. Comana,\nM. Greebe, Violinistehollandais, Nathalie Frassini (Esch-\nborn), Mad. Marcolini, Premier Sujet de l'Aeademie impe-\nriale de musique de France,Mlle. Caussemille, Pianistin,\nMr. Colossanti, Virtuose auf dem Ophikleid, Mr. Levassor,\nder grösste (?) Possenreisser von Frankreich, Mss. Lionnet\nfreres, Mlle. Emmi de Moscou, Mlle. Judith Lion,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "310", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580925-01.1.6", "texte": "niste, Ms. M. Giovanni di Dio, Violoncelliste de Sa Ma-\njeste le Roi de Prasse.\nUnser bisheriger, nach Dresden gegangener Bassist\nHerr Eichberger gab noch einConcert, in welchem Fräul.\nPellet, M. Etterlin, die Herren Arnold, Lipp und Clauss\nmitwirkten. Herr Eichberger trug eine Bass-Arie aus Pau-\nlus mit vielem Verständniss vor, Fräul. Frassini den Wal-\nzer von Venzano und eine Arie aus Torquato Tasso. Fräul.\nEtterlin spielte mit vieler Sicherheit das Mendelssohn'sche\nRondo Capriccioso.\nIm Theater konnte die junge und talentvolle Colora-\ntur-Sängerin Fräul. Gebler nach drei Rollen als Marga-\nretha de Yalois, Rosine und Martha keine Erfolge gewin-\nnen. Glockenreine Crdoratur, auch Schule und Geschmack,\nallein keine Figur und kein Spiel. Als Rosine gewann sie\nden meisten Beifall; dagegen sollte sie nicht als Königin\nin den Hugenotten auftreten, eher als Urbain in derselben\nOper, wozu sie eine passende Figur besitzt, während ihr\ndiese, königlicher Anstand und überhaupt degagirtes Spiel\nzu jener Rolle fehlen. Ein hiesiger Kritiker bezeichnete\nihre Stimme als Mezzo-Sopran! Sie hat das hohe e und /\nmit Leichtigkeit und einen vorzüglichen Triller.\nWir hörten, um zurück zu gehen, Frl. Frassini als\nRosine, Hrn. Schneider vom frankfurter Theater als Graf\nAlmaviva und als Tamino, und bekunden ihm, dass er\nherrliche Stimmmittel besitzt und die gute „deutsche\nSchule0 des Gesanges repräsentirt. Fräul. Gross trat mit\nihm als Pamina auf. Diese Dame hat ungewöhnlich schöne\nMittel, ist von Herrn Hof-Capellmeister Schindelmeisser\nin Darmstadt für die Bühne ausgebildet und ist eine an-\ngenehme Erscheinung; sie debutirte hier zuerst als Agathe,\nin welcher Rolle sie fast übergrosse Anerkennung fand.\nHerr Wachtel vom Hoftheater in Kassel sang den Ar-\nnold Melchthal, den Georg in der Weissen Dame (worin\nauch Fräul. Eichberger vom Hoftheater in Dresden als\nJenny auftrat) und Raoul. In letzterer Oper—Hugenotten\n—hörten wir noch Herrn Lipp vom Hoftheater in Stutt-\ngart als Marcel und Fräul. Eichberger als Urbain. Herr\nWachtel ist bei uns von früheren Gastspielen her in gutem\nAndenken. Herr Lippist für die hiesige Oper gewonnen,\nbesitzt sehr schöne Mittel und wird seinen Platz vollkom-\nmen ausfüllen, wenn er es an dem rechten Studium nicht\nfehlen lässt. Fräul. Auguste Brenken vom grossherzog-»\nliehen Hoftheater in Karlsruhe trat als Agathe auf und\nfand vielen Beifall. Eine gewisse Befangenheit vermochte\nsie noch nicht ganz zu bemeistern; sie hat schöne Stimm-\nmiltel und zeigte eine sinnige Auffassung der Partie. Herr\nAbich vom Josephstädter Theater in Wien trat als van\nBett, Basilio und „Waffenschmied\" auf. Er ist als zweiter\nBassist engagirt und soll ich weiss das nur vom Hören-\nsagen dem Publicum nicht minder gefallen, als Herr\nLipp. Letzterer wird auch auf dem bevorstehenden Musik-\nfeste mitwirken. Fräul. Caroline Lehmann, unsere neu\nengagirte Sängerin, trat als Norma wieder auf und geniesst\ndie Gunst des Publicums in hohem Maasse.\nEntschuldigen Sie die Flüchtigkeit meiner Skizzen aus\nder hiesigen Theaterwelt. Der Sommer war zu heiss, um\njeden schönen Abend im Theater oder im Concertsaale zu\n„verlieren\"; das Leben hat der Sommer nicht viele,\nwohl aber der Wiederholungen schlechter Opern\nund Concerte*).\n\nw. w.\n\nEvangelisches Lehrer-Gesangfest zu St. Goar.\nDas erste mittelrheinische evangelische Lehrer-Gesang-\nfest, welches unter Leitung des königlichen Musik-Direc-\ntors und Seminarlehrers Herrn G. Flügel aus Neuwied\nam 17. September von über Einhundert Sängern hier ge-\nfeiert wurde, war von einem entschieden günstigen Er-\nfolge begleitet. Um 10 I hr Vormittags begann in der\nprächtigen Kirche die Aufführung der geistlichen Män-\nnerchöre, welche mit Orgel-Vorträgen, die hier und da\netwas kürzer hätten sein können, abwechselten. Herr Mu-\nsik-Director Flügel machte den Anfang mit dem variirten\nChoral-Vorspiele über „Christ ist erstanden\" und der fünf-\nstimmigen Cis-moll-Fuge von J. S.Bach und den Beschluss\nmit einem Choral-Vorspiel von J. L. Krebs über „Was\nGott thut, das ist wohlgethan\", wo der Cantus firmus im\nPedal liegt, und mit J. S. Bach's phantasiereichem Ton-\nstücke: Toccata und Fuge in D-moll. Ausserdem spielten\nnoch die Herren Lehrer Beisiege! jun. aus Coblenz,\nBungeroth aus Sobernheim, Debus aus Castellaun, Fetz\naus Dierdorf und C. Löcher aus Neuwied Compositionen\nvon M. G. Fischer, G. Flügel, B. Klein, Fried. Kühmstedt\nund W. A. Mozart. Die Compositionen für Männergesang\nwaren von Bortniansky (die grosse Doxologie), G. Flügel\n(Doppelchor, Fest-Cantate), B. Klein, Antonio Lotti (\nlanguores nostros)und E. Richter (Doppelchor: „Froh-\nlocket!\"). B. Klein war bei Weitem am stärksten vertre-\nten („Hoch thut euch auf\" „Wie lieblich\" „Der Herr\nist König\" „Der Herr ist mein Hirt\").\nDie Ausführung sämmtlicher Gesangstücke befriedigte\nnicht nur alle billigen Ansprüche, die man unter den ge-\n\n*) In dem Berichte „Aus Wiesbaden\" in Nr. 24 sind S. 189\ndie Zeilen 25—28 von oben: „Was ihm heute Abend unaus-\nsprechlich blieb\" bis „heraus zu zittern\" aus Versehen an\neine falsche Stelle gekommen. Sie beziehen sich nicht auf den\nSänger des ~Sarastrou, sondern auf den Darsteller des\n„Sprechers\" und sind nach Z. 5 v. o. einzufügen.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "311", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580925-01.1.7", "texte": "gebenen Verhältnissen machen konnte, sondern zeugte auch\nvon warmem Eifer für die gute Sache und vom besten\nWillen Seitens des sehr combinirten Sängerchors, der in\neiner General-Probe im Zusammensingen geeinigt werden\nmusste und trotz aller Hindernisse geeinigt worden war.\nDen Aufführungen in der Kirche folgte ein durch sin-\nnige Ansprachen gewürztes heiteres Festmahl im Casino-\nsaale.—Die Festgesänge am Nachmittage, auf dem freien\nPlatze neben dem Gasthause zum Rheinfcls, wurden vor\neinem zahlreich versammelten Publicum vorgetragen. Die\nZwischenpausen wurden von dem wackeren Musikcorps des\nHrn. Haupt ausCoblenz ausgefüllt. Es kamen Lieder und\nGesänge von C. Kreutzer, C. Malan, Mendelssohn, Mozart,\nNägeli, Reichardt, Jul. Stern und das schöne Volkslied:\n„Es waren einmal drei Reiter gefangen\", zur Aufführung.\nDie Auswahl war auch in Bezug auf die Gedichte eine\ndurchaus würdige.\nUnter den Ehrengästen befanden sich Herr R.-R. Dr.\nLandfermann aus Coblenz, die Herren Lehrer und Natur-\nforscher M. Bach und Pfarrer Bungeroth aus Boppard, Se-\nminar-Director Bühring aus Neuwied, Sup. Fabricius und\nWilh. Greef aus Meurs, Rector Götz aus Neuwied, Schul-\nInspector Pfarrer Müller aus Monzingen, Bürgermeister\nRottmann aus Simmern u. s. w.\nOhne irgend einen Missklang hat das erste mittel-\nrheinische evangelische Lehrer-Gesangfest im schönsten\nEinklänge geendigt, und als nächster Festort ist Trarbach\nan der Mosel festgestellt worden. Gott der Herr wolle zu\neinem recht gesegneten, frischen und fröhlichen Gedeihen\ndie Festfeiernden auch dorthin geleiten und in immer grös-\nserem und vollerem Chor wie zu Einem Manne brüderlich-\nharmonisch verbinden!\nSchliesslich muss der herzlichen, gastfreundlichen Auf-\nnahme der Sänger durch die Bewohner von St. Goar rühm-\nlichst gedacht werden; auch darf nicht unerwähnt bleiben,\ndass der Herr Besitzer des Gasthofes „Zum Rheinfels\" das\nHaupt'sche Musikcorps engagirt hatte.\n\nAus Paris.\nDa die gegenwärtige Saison des Theätre lyrique wie-\nder mit Mozart's Nozze cli Figaro eröffnet worden, so thei-\nlen wir nachstehend den Brief mit, in welchem die „Com-\nmission der Verfasser und Compositeure dramatischer\nWerke in Paris\" dem in Mailand lebenden Sohne Mo-\nzart's, Herrn Karl Mozart, die Nachricht gibt, dass be-\nschlossen sei, ihm die Tantieme von den Aufführungen\nMozart'scher Opern auf dem zukommen\nzu lassen. Der Brief lautet:\n„Mein Herr!\n„Die Commission der Verfasser und Compositeure dra-\nmatischer Werke in Frankreich hat mich als ihren Präsi-\ndenten beauftragt, Sie in Kürze von dem so eben gefass-\nten Beschlüsse, die Aufführungen der Hochzeit des Figaro,\ndie man auf dem Theätre lyrique von Paris gibt, betreffend,\nin Kenntniss zu setzen.\n„Sie konnte mir keinen mir angenehmeren Auftrag\nzur Besorgung anvertrauen. Wie Sie aus dem Beschlüsse\nersehen, werden nach der französischen Gesetzgebung die\nUebersetzungen von Werken fremder Autoren als Gemein-\ngut betrachtet; wir haben dem zufolge in unserem Ver-\ntrage mit dem Theätre lyrique alle uns aus solchen Wer-\nken vorbehaltenen Rechte der Casse des Unterstützungs-\nFonds unserer Gesellschaft zugewiesen. Da wir jedoch in\nErfahrung gebracht haben, dass der grosse Name Mozart's\nnicht ausgestorben ist, und dass noch einer seiner Söhne,\nder einzige seine Brüder und Schwestern überlebende, am\nLeben sich befindet, so hat die dramatische Commission\naus Ehrfurcht und Bewunderung vor dem unsterblichen\nGenie Ihres Vaters einstimmig beschlossen, dass alle Rechte\n(so weit selbe die Musik betreffen), welche ihr aus den\nAufführungen der Hochzeit des Figaro am Theätre lyrique\nin Paris zukommen, auf Herrn Karl Mozart, den directen\nund legitimen Erben des berühmten Tondichters aus Salz-\nburg, übergehen sollen, und dass dieses der gleiche Fall\nbei allen anderen Werken Mozart's, die auf dem Theätre\nlyrique aufgeführt werden, sein soll. Ich schätze mich\nglücklich, Ihnen, mein Herr, diesen Beweis der aufrichti-\ngen Verehrung der französischen Schriftsteller und Com-\npositeure für das Andenken eines Mannes, wie es Ihr Va-\nter ist, mittheilen zu können; überdies t'neilt ganz Frank-\nreich diese Empfindung, und der Zudrang zu jeder Vor-\nstellung der Hochzeit des Figaro, so wie die sich jedes Mal\nvon Neuem äussernde begeisterte Aufnahme zeigen, dass\ndie Verehrung der Meisterwerke Mozart's bei uns eine\neben so allgemeine wie in Deutschland geworden ist.\n„Lassen Sic uns hoffen, mein Herr, dass das von der\nCommission gegebene Beispiel auch von den fremden Re-\ngierungen gewürdigt werden wird; dass man die Notwen-\ndigkeit einsehen wird, bei künftigen internationalen Ver-\nträgen über das geistige Eigenthumsrecht eine wechselsei-\ntige Geltung der liberalen Grundsätze, welche den Kindern\ndie Früchte der Werke ihrer Väter nur allzu oft die\nzwar glorreiche, aber einzige Erbschaft, welche das Genie\nzu hinterlassen im Stande ist sichern, eintreten zu lassen.\nGeben wir uns der Hoffnnng hin, dass dasjenige, was heut-\nzutage noch eine ehrenvolle Ausnahme ist, binnen Kurzem\ndie allgemeine Regel bilden werde."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "312", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18580925-01.1.8", "texte": "„Empfangen Sic, mein Herr, den Ausdruck der Glück-\nwünsche von Seiten der Commission und die Versicherung\nmeiner persönlichen ganz besonderen Hochachtung.\n„Der Präsident der Commission der französischen\nSchriftsteller und Compositeure:\n„C. Melesville.\"\nDie Tantieme, welche der greise, einzige Sohn Mo-\nzart's in Folge dessen bereits vom Theatre lyrique in Paris\nbezogen hat, beträgt 8520 Francs.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nllagefil, im August. Vor Kurzem wurde uns die hohe Freude\nzu Theil, unseren gefeierten Landsmann, Herrn Karl Halle aus\nManchester, der sich einige Zeit bei seinen hiesigen Verwandten\naufhielt, in einem Concerte, zu dem er seine Mitwirkung freundlichst\nzugesagt hatte, zu hören und wie immer von Herzen zu bewundern.\nHerr Halle gab uns: Sonate für Piano, Op. 31 Nr. 3, von Beetho-\nven; Spazirgänge eines Einsamen, Nr. 4, Wanderstunden, Nr. 2,\nCaprice über Schuberts ~Forelle\" von Heller; Nocturne in Fis-dur,\nGrande valse in As-dur, Op. 34, von Chopin und brauchen wir\nwohl nicht zu sagen, dass er bei seinen Vorträgen seine anerkannte\nMeisterschaft auf das glänzendste bewährte. Möge Herr Halle des\ninnigsten Dankes aller, die er durch sein zum Herzen dringendes\nSpiel entzückte, versichert sein; möge er im fernen England noch\nlange seine ruhmvolle Laufbahn verfolgen und noch recht oft zu\nuns wiederkehren! Die Herren A. Ibach Söhne in Barmen hatten\nHerrn Halle für die Dauer seines hiesigen Aufenthaltes einen eben\nvollendeten Flügel zur Verfügung gestellt, dessen sich derselbe auch\nin obigem Concerte bediente. Der volle Ton und die durchweg edle\nKlangfarbe dieses Instrumentes fanden allseitigen Beifall. Gleich-\nzeitig erfreuten uns die Herren Gebr. Steinhaus aus Elberfeld\ndurch mehrere Gesang-Quartette, und wurde deren ausdrucksvoller\nVortrag mit vollem Beifall anerkanut.\nDoberan. Am 13. September starb hierselbst Friedr. Lud-\nwig Ferd. v. Flotow, grossherzoglicher Kammerherr und Kam-\nmer-Director a. D., früher auch Intendant des Hoftheaters. Der Ver-\nstorbene war am 5. August 1783 geboren.\nIn Frankfurt hatten sich am 19. September zum Besten der\nMozart-Stiftung nahezu sämmtliehe dortige Männergesang-Vereine\ndiesseit und jenseit des Mains, so wie die Capelle des frankfurter\nLinien-Bataillons zu einem grossen Concerte in der Arena der Woll-\nsehläger'schen Gesellschaft vereinigt. Das weite Amphitheater war\ntrotz des schönen Wetters auf allen Reihen dicht besetzt.\n19. September, Der braunschweiger Männergesang-\nVerein, von einigen Hundert Herren und Damen begleitet, ist gestern\nNachmittags gegen zwei Uhr hier angekommen und gab gestern\nAbends unter Mitwirkung der bedeutendsten Sänger am braunschwei-\nger Hoftheater in dem in allen seinen Theilen gefüllten grossen\nSaale der Tonhalle unter Leitung seines Directors, Herrn Abt, ein\nVocal-Concert, dessen Ertrag zur Bildung eines Fonds bestimmt ist,\num künftig die Lieder der Componisten zu honoriren, deren Gesänge\nin das Repertoire des Vereins aufgenommen werden.\nZu Stockholm starb am Abend des 8. September, im kräftig-\nsten Mannesalter, an einem heftigen Cholera-Aufall der Cajpellmeister\nbei der königlichen Hofcapelle Giacopo Foroni. Er war am 25.\nJuli 1825 in Italien geboren, lag zuerst juristischen Studien ob,\nwurde dann Ingenieur-Student und widmete sich zuletzt ganz der\nMusik. Seit neun Jahren war er Chef der Hofcapelle. Er war ein\nvielseitig gebildeter Mann, als Dirigent ausgezeichnet, aber auch als\nComponist vielversprechend. Erst vor Kurzem hat er eine Oper:\n„Der Advocat Patelin\", bis auf die Ouvertüre vollendet. Die Oper\nsoll demnächst in Stockholm zur Aufführung kommen. An die\nStelle des Verewigten soll Ignaz Lachner, Capellmeister am\nTheater zu Hamburg, berufen sein.\nEin Musikfreund hat die Lebensalter der berühmtesten Tondich-\nter zusammengestellt. Danach wurde F. Schubert 31, Bellini 32,\nPergolese 33, Herold 36, Mozart 36, Feska 37, O.Nicolai 38, Men-\ndelssohn 38, Weber 40, Donizetti 49, Adam 52, Beethoven 57, Lind-\npaintner 64, Kreutzer 64, Bach 65, Spontini 67, Piccini 70, Gretry\n72, Gluck und Händel 75, Haydn 76, Hasse 78, Weigl 80, Zinga-\nrelli 85, Burney 88, Carissimi 91 und Gemiani 96 Jahre alt.\nFür Violinspieler wird uns folgendes Recept mitgetheilt, dessen\nKraft wir jedoch nicht verbürgen. Zu machen, dass eine Violine\neinen ausnehmend viel schöneren und ganz reinen Ton erhält, schneide\nman aus einer natürlichen Federspule (von einem Gansflügel) zwei\nPlättehen von der Grösse der beiden Füsschen am Violinstege, weiche\ndieselben ein und presse sie beim Trocknen fest ein, dass sie gerade\nwerden, feile oder kratze sie auf einer Seite rauh und kitte sie auf\ndieser Seite mit recht gutem heissem Siegellack an die beiden Stege-\nfüsschen und stelle dann den Steg wie gewöhnlich auf. Der hiedurch\nverbesserte Ton ist rein und schön."}]}