{"numero_id": "bm-bmtnabi-1858-10-16-01", "volume": "bmtnabi_1858-10-16_01", "ocr_sha256": "244bf7f7525ac2c1400fd7fb51548d69a8fc6ed2f2378e815e6f19ef3a0a0f66", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1858/10/16_01/bmtnabi_1858-10-16_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581016-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1858-10-16-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-10-16_01#c001", "volume": "bmtnabi_1858-10-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "329", "page_fin": "329", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581016-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "329", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581016-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 420, "texte": "Inhalt.\nP . p Johann Gottfried Walther. Sein Leben und Wirken, seine Familie, sein musicalisches Lexikon. Mitgetheilt von\nrns (Sc\"««.) Nachschrift. Von L. B. Das dritte mittelrheinische Musikfest in Wiesbaden. (Schluss.) Literatur-\ni£T Betrachtungen über die Eigenschaften der Musik.« Von LB. - Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Gebrüder\nBrassin Alfred Jaell Das „Deutsche Theater-Archiv\" Stuttgart Kopenhagen Paris}."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-10-16-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-10-16_01#c002", "volume": "bmtnabi_1858-10-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "329", "page_fin": "331", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581016-01.2.2", "titre_corps": "Johann Gottfried Walther.", "titre_sommaire": "Johann Gottfried Walther.", "signature_source": "L. 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Alle damaligen\nkritischen Stimmen erkannten seinen Werth als Schrift-\nsteller und Componist an; Mattheson und Mitzier ga-\nben ihm (nach Gerber) das Zeugniss, „dass er ein vor-\ntrefflicher, reinlicher, gründlicher und künstlicher Compo-\nnist für die Kirche und die Orgel gewesen sei\", und Ade-\nlung setzt noch hinzu: „dass er em trefflich Ohr und\nAuge, die Fehler der Tonsetzer zu bemerken, gehabt habe.\"\nVon Walther's Hauptwerk, dem oft erwähnten Lexi-\nkon, erschien der Buchstabe vi 1728 unter dem Haupt-\nTitel: „Allgemeine Musicalische Bibliothek oder\nMusicalisches Lexikon\", im Selbstverlage des Verfas-\nsers und gedruckt zu Erfurt bei David Limprecht. Das\nWerk war in Quart und ohne Widmung und Vorrede 64\nSeiten stark. Es war unterm 15. November 1728 dem\nHerzog Ernst August gewidmet, gleichsam als Huldi-\ngung zu dessen „vor Kurzem völlig angetretener Regierung\".\n1732 erschien das ganze Werk unter dem etwas ver-\nänderten Haupt-Titel: „Musicalisches Lexikon oder\nMusicalische Bibliothek\", lind diesmal im Verlag des\nBuchhändlers Wolfgang De er zu Leipzig und in gross\nOctav. Das Ganze war ohne Vorrede und Widmung etwa\n42 Bogen oder 566 gespaltene und enggedruckte Seiten\nstark und enthielt ausser einem Titelkupfer (eine geistliche\nCapellmusik darstellend, bei welcher besonders die Trom-\npeten und Posaunen stark vertreten sind) noch 22 Kupfer-\ntafeln mit\nIn der ersten Widmung sagt Walther, dass der In-\nhalt „mit göttlichem Beistande\", unter des Fürsten „gnä-\n| digstem Landes-Schutze in der fürstlichen Residenz\" und\nbei der ihm „bisher gnädigst gegönnten Beruffs-Arbeit\"\ngesammelt wurde. Die zweite Widmung datirt vom 16.\nFebruar 1732 ebenfalls an den Herzog Ernst August,\n„der gegen die Gott und Menschen so gefällige Musik°und\nderen Ergebenen eine besonders gnädige Propension\"\nhegte meldet uns, dass es „inzwischen nicht ohne gött-\nliche Fügung geschehen, dass das gantze Werk durch\nVorschub eines anständigen Verlegers bevorstehende Oster-\n| messe auf einmal völlig ans Licht treten kann.\" Ferner\nbittet er in derselben den Herzog, die Dedication als ein\nZeichen der Dankbarkeit zu betrachten, weil er ihm ver-\ngönnt, unter seinem „Landes-väterlichen Schutze bis dato\nsicher und ruhig zu leben\", und ferner neben seiner „Be-\nruffs-Arbeit seinen „nothdürftigen Unterhalt\" geniesst.\nDas Exemplar, welches Walther dem Herzog über-\nreichte, und welches die herzogliche Hof-Bibliothek zu\nWeimar bewahrt, trägt noch von der Hand Walther's fol-\ngende schriftliche Widmung:\n„Augustus zeigt was Guts durch seine Littern an,\nUnd Ernst befördert es mehr, als man denken kann.\n<a„,. f meinem Hause 1 , ~\n7 ( diesen Blättern / ' Durch,au(*tigster Regent,\nSo hab' am Ernst was Guts ich unterster Client.\nJohann Gottfried Walther.\"\nIn den beiden Vorreden, die fast gleichlautend sind,\nerfahren wir, dass er auf Verlangen des Verlegers den\nTitel ändern musste (wie oben angeführt), sodann, dass der\nBuchstabe A bei „verschiedenen Personen von solcher\nWürkung gewesen\", dass sie ihn unaufgefordert unter-\nstützt hätten. Ferner lernen wir die Ursache kennen, wess-\nhalb er das Werk geschrieben, und die Quellen, aus de-\nnen er geschöpft. Als erstere gibt er an, dass von Anfang\ndes XVIII. Jahrhunderts an so viele Lexika über die ver-\nschiedensten Materieen erschienen, die zwar hier und da"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "330", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581016-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5243, "texte": "einige Kunstwörter gebracht, doch keines, das ausführ-\nlicher über Musik handelte. Zwar hatte Brossart in sei-\nnem Catalogue des Auteurs et Dictionnaire de Musique,\n1703, die Namen von etwa 900 Ahnentiteln gesammelt,\ndoch ohne weitere Angaben, und so lag das Feld, welches\nWalther angebaut zu sehen wünschte, brach und öde.\nDem wollte er abhelfen und begann seine Sammlungen\nund Arbeiten, so viel Zeit ihm seine „täglich insgemein\nmühsame Information\" dazu liess. Die fürstliche Bibliothek\nmit ihren damals schon reichen Sammlungen kam ihm dazu\ntrefflich zu Statten. Aus derselben benutzte er „Paul\nParsdorfer, Indice di tutte le opera di Musica\", Mün-\nchen, 1653; Boger's musicalische Kataloge, erschienen\nzu Amsterdam zu Anfang des Jahrhunderts; Prinz, „Hi-\nstorische Beschreibung der edlen Sing- und Kling-Kunst\",\nDresden, 1090, die erste Musik-Geschichte, die in Deutsch-\nland erschien. Dies sind die einzigen gedruckten Quellen,\ndie er anführt. Sonstige Mittheilungen erhielt er noch von\nden Hof-Capellmeistern Schmidt und Heinichen, den\nHof-Organisten Böhm und Richter zu Dresden und be-\nsonders von dem Musik-Director Murschhäuser zu Mün-\nchen, der etwa 1680 den oben gedachten Parsdorfer'-\nschen Verlag gekauft hatte und ihm 104 kurzgefasste\nNachrichten sandte.\nWie gering waren diese Quellen gegen die, welche\nGerber benutzen konnte! wie schwierig das Unternehmen\nüberhaupt, das, auf nichts Aehnlichem fussend, selbststän-\ndig auftrat! Und wie lös'te Walther seine Aufgabe! Nicht\nallein alle damals in der Musik üblichen Fremdwörter, Er-\nklärungen sämmtlicher theoretischer Ausdrücke, aller ge-\nbräuchlichen Instrumente enthält das Werk, auch die Bio-\ngraphieen (mehr oder minder ausführlich), Compositionen\nund Schriften von mehr als 700 Musikern, die den späte-\nren Schriftstellern (als Gerber und Forkelj sehr zu Statten\nkamen, und von denen gar viele ohne Walther's Werk\ngänzlich der Vergessenheit anheim gefallen wären. Allge-\nmein wurde der Werth des Walther'schen Buches aner-\nkannt, und bald nach seinem Erscheinen befand es sich in\nden Händen aller Musikgelehrten und Schriftsteller und\ngewiss auch der meisten ausübenden Musiker, denen es\nein nützliches und unentbehrliches Hülfsbuch wurde.\nSechszig Jahre lang behauptete es seinen Werth, in-\ndem es als das einzige Werk seiner Art fort und fort\nbenutzt wurde. Viele während jener sechszig Jahre thä-\ntige musicalische Schriftsteller, als Marpurg und Ililler,\nwollten Fortsetzungen zum längst verstorbenen Walther\nliefern, ihn in ganz erneuerter Form wiedergeben; doch\nes blieb nur beim Wollen, und der alte Walther war fort\nund fort das einzige musicalische Lexikon. Gerber, dessen\numfangreiches und tüchtiges Werk endlich 1790 erschien,\nwollte anfänglich nur eine Fortsetzung des alten Walther\nliefern, und zwar nur für den biographischen Theil; der\nVerleger des Gerber'schen Werkes hatte sich sogar ent-\nschlossen, den alten Walther als wichtigsten Bestandteil\ndes neuen Lexikons ganz neu drucken zu lassen. Noch\nmuss ich erwähnen, dass Gerber bei Bearbeitung seines\nersten Tonkünstler-Lexikons das eigene durchschossene\nExemplar Walther's, worin dieser unermüdlich lleissige\nMann bis an seinen Tod durch 25 Jahre Zusätze, Nach-\nträge und Berichtigungen eingetragen hatte, benutzen\nkonnte, und dass er durch den Hof-Fourier Martini zu\nWeimar, Enkel des alten Walther und Erbe seines Soh-\nnes (wie wir schon früher gesehen), erhielt.\nDer projectirte Wiederabdruck des alten Walther un-\nterblieb. Die Zeitläufte mögen solchen wohl nicht gestaltet\nhaben, und das Buch verschwand ganz aus dem Handel.\nDie alten Musiker, die es besassen, hielten es fest, und die\nneueren sahen sich vergebens danach um. Da fasste denn\nGerber den Entschluss, seinem neuen Tonkünstler-Lexikon\ndie sämmtlichen biographischen Artikel Walther's einzu-\nverleiben, und ein anderer Musiker aus Gerber's Wohn-\nV\norte, aus Sondershausen, gewiss von Ersterem dazu ange-\nregt, Heinrich Christoph Koch, überarbeitete den\nübrigen Inhalt des Werkes, vermehrte ihn zeitgemäss und\nlieferte so ein neues sachliches musicalisches Lexikon\n(Frankfurt, 1801).\nGerber halte nicht ganz Wort gehalten: nicht alle im\nWallher enthaltenen Künstler hatte er seinem neuen\nWerke einverleibt (von 30 älteren weimarischen Musikern,\ndie ich nach flüchtiger Durchsicht im Wallher fand, feh-\nlen im Gerber gerade 10), und so bleibt denn der „ Wal-\nther \" auch noch für unsere Tage ein nicht unwichtiges\nQuellenwerk, und noch ganz besonders für die Kenntniss\nder zur Zeit Walther's üblichen Instrumente.\nEinen wohl vorbereiteten Acker mit den zweckmässig-\nsten Gerätschaften zu bestellen und fruchttragend zu ma-\nchen, ist wohl keine schwere Arbeit; aber ein wild ver-\nwachsenes oder ödes Stück Land mit den notdürftigsten\nMitteln urbar zu machen, zu einem blühenden Felde zu\ngestalten, das ganzen Generationen seine Früchte darzu-\nreichen vermag, das ist ein schwieriges und verdienstvolles\nWerk, und ein solches hat unser alter Walther vollbracht.\nEhre dem würdigen Manne!\nMögen diese Zeilen den heuligen Musikern seinen Na-\nmen und sein Wirken wieder in etwa ins Gedächtniss zu-\nrückrufen und so einen kleinen Theil der Schuld tilgen,\ndie unsere Zeit sich gegen ihn aufgebürdet, da sie ihn der\nVergessenheit anheimfallen liess!"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "331", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581016-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5023, "texte": "Nach seh ri ff\nWie noch heute, so gab es auch im Anfange des vo-\nrigen Jahrhunderts literarische Freibeuter, die unter\nallerlei Vorwänden die Werke, welche Ergebnisse einer\nLebens-Aufgabe gelehrter Männer waren, ausschrieben\nund in Miniatur-Copieen auf den Markt brachten.\nKaum war im Jahre 1732 Johann Gottfried Wal-\nther's Lexikon erschienen, als bereits im Jahre 1737 in\nChemnitz bei Gebrüdern Stösseln ein „Kurzgefasstes\nMusicalisches Lexikon\" ohne Namen des Verfassers\nherauskam, „worinnen Eine nützliche Anleitung und gründ-\nlicher Begriff von der Music enthalten, die\nnici erkläret, die Instrumente erläutert und die vornehm-\nsten Musici beschrieben sind, nebst einer Historischen Be-\nschreibung von der Music Nahmen, Eintheilung, Ursprung,\nErfindung, Vennehrung und Verbesserung, biss sie zu\nitziger Vortrefflichkeit gelanget, auch wunderbaren Wür-\nckung und Gebrauch, ingleichen ihren vornehmsten Culto-\nribus, so von der Welt Anfang biss auf unsere Zeit gele-\nbet, Alles aus derer besten und berühmtesten Musicorum\nihren Schrifften mit Fleiss zusammen gesucht, in Alphabe-\ntische Ordnung gebracht, und denen Liebhabern musica-\nlischer Wissenschafften zu fernerm Nachdencken wohlmey-\nnend vorgestellet.\"\nDieses Buch, jetzt allerdings auch ein Curiosum, das\nuns durch Herrn F. Derckum in Köln mitgetheilt worden,\nist nichts Anderes als ein Auszug aus Walther, was übri-\ngens der Verfasser halb ehrlich gesteht, wenn er sagt:\n„Da das Walther'sche Buch wegen seiner Grösse und\nKupfertafeln nothvvendig auch theuerer bezahlt werden\nmüssen, so hat man denen ersten Anfängern in der Music,\ningleichen nicht allzuvielvermögenden Leuten, auch Schu-\nlen um einen geringen Preiss dergleichen Lexikon in die\nHände liefern wollen.\"\nDiesem „kurzgefassten Lexikon\" geht eine „histori-\nsche Nachricht von der Music\" vorher, welche aus der\nMusica Historicavon Prinz, die Herr Pasque oben an-\nführt, gezogen ist.\nPrinz vindicirt merkwürdig genug um 1690 nächst\nGott dem Menschen, seiner Vernunft und seinem inneren\nTriebe den Ursprung der Musik, wie Fetis in dem Artikel\n„Die Natur und die Musik\" vom Jahre 1858 in den\nNummern 39 und 40 dieser Blätter thut. Die Stelle lautet:\n„Es soll aber der Schöpffer Himmels und der Erden\nbillig der Urheber der Music genennet werden, nicht nur,\nweil er die wunderbare Zusammenstimmung Himmels und\nder Erden componiret, sondern auch, weil er die Lufft, den\nSchall zu empfangen und fortzupllantzen, und die Ohren,\ndenselben zu vernehmen und davon zu urtheilen, geschickt\nund bequem erschaffen; sonderlich aber auch, weil er de-\nnen Menschen unterschiedliche Anreitzungen, den Gesang\nzu erfinden, an die 1 fand gegeben hat, als da sind gewe-\nsen die Vernunfft, die in die Höhe und Tieffe veränder-\nliche menschliche Stimme, und dann ein sonderbarer\nTrieb der Natur. Denn es ist gewiss, dass ohne diese\ndrey Stücke die Music keineswegs hat können erfunden\nwerden.\"\nFolgerecht hält er dann „muthmaasslich\" Adam für\nden eigentlichen Erfinder und Jubal nur für den Vervoll-\nkommner der Musik vor der Sündllut, und beweis't, „dass\nein Musicus, sei es nun Noah selbst oder eines von seinen\nKindern gewesen, mit in die Arche eingegangen sein müsse.\nDenn wofern nicht zum wenigsten ein Musicant mit in\nder Arche gewesen, so wäre jedes Falls die Instrumental-\nMusic zugleich mit denen Menschen, so ersoffen, zu Grunde\ngegangen, und könnte also Jubal nicht von Moses lange\nnach der Sündllut ein Vater der Geiger und Pfeiffer ge-\nnannt werden.\"\nBei den „Wirkungen der Music\" wird berichtet, dass,\n„als Lutherus Zeit währendes Reichstags zu Augspurg auf\ndem Schlosse zu Coburg unter andern Satanischen Ver-\nsuchungen einmal zur Nacht drev brennende Fackeln in\nseiner Schlaf-Kammer liiegen sähe, er dem Teuffei zum\nVerdruss mit seinen Freunden das vierstimmige De pro-\nfundis gesungen habe.\"\nUnter den Feinden der Musik wird obenan Zwing Ii\ngenannt, der „zur Verachtung der Music dahin gedrungen,\ndie Gesänge in denen Kirchen gäntzlich abzuschaffen.\" Es\nwird ferner von ihm erzählt, dass er, „um die Sache\nnoch viel lächerlicher und verhasster zu machen\", einst vor\ndem Käthe zu Basel eine Vorstellung an denselben abge-\nsungen habe, und daran den Beweis geknüpft: „gleich-\nwie es seltsam sey, vor den Menschen sein Anliegen abzu-\nsingen, so sey es auch ungereimt, dass unser Anliegen und\nGebeth Gott singend vorgetragen werde. Ebenermassen\nwird von Carlstadten gemeldet, dass er keinen Figural-Ge-\nsang leiden wollen, unter dem Vorwand, dass, weil nur\nEin Gott sey, auch nur Eine Stimme, nicht aber Discant,\nAlt, Tenor und Bass vonnöthen sey.\"—Freilich belächeln\nwir jetzt dergleichen Dinge. Ob aber wohl diejenigen,\nwelche in unseren Tagen die Musik aus der katholischen\nKirche verbannen wollen, sich bewusst sein mögen, dass\nsie dadurch in Bezug auf die Kunst protestantische Grund-\nsätze annehmen, und zwar mit geringer Modification die\nultra-protestantischen eines Zwingli und Carlstadt? Ob\nwohl unsere Nachkommen über diese Bestrebungen des\nneunzehnten Jahrhunderts dereinst auch lächeln werden?\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-10-16-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-10-16_01#c003", "volume": "bmtnabi_1858-10-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "332", "page_fin": "334", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581016-01.2.3", "titre_corps": "Das dritte mittelrheinische Musikfest.", "titre_sommaire": "Das dritte mittelrheinische Musikfest.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "332", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581016-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5257, "texte": "Das dritte mittelrheinische Musikfest.\n(Schluss. S. Nr. 41.)\nDas Concert am zweiten Tage (den 27. September)\nfand um 2 Uhr Nachmittags unter derDirection des Herrn\nHa gen, Capellmeisters am Hoftheater zu Wiesbaden,\nStatt. Es wurde mit einer recht schönen Ausführung der\nOuvertüre zur Iphigenie in Aulis von Gluck eröffnet. Wir\nkönnen jedoch nicht billigen, dass der Schluss, den R.\nWagner angehängt hat, statt des Mozart'schen gewählt\nworden war, da letzterer für die Concert-Aufführung weit\nzweckmässiger ist. Das Orchester aber zeigte, was es bei\nrichtigem Tempo zu leisten vermochte.\nDie Gesänge a capetta,der Choral von Joh. Eccard:\n„Es ist das Heil uns kommen her\", mit verändertem Text,\nund Joh. Christoph Bach's Motette: „Ich lasse Dich\nnicht\", wurden zwar pi äcis und ohne Sinken ausgeführt,\nallein der Vortrag blieb weit hinter dem zurück, was bei\nsolchen Chören ohne Begleitung erfordert wird. Die Noten\nwurden mehr intonirt, als gesungen, und erhielten nicht\nihren vollen gehaltenen Werth, so dass ein Tragen des\nTones und An- und Abschwellen desselben nur selten ver-\nnommen wurde. Freilich ist ein gehöriger Ausdruck der\nArt und namentlich die Egalität desselben in allen Stim-\nmen sehr schwer durch eine Gesammtprobe verschiede-\nner Vereine zu erreichen, und wir halten aus diesem\nGrunde Chöre a capelladurchaus nicht für Musikfeste ge-\neignet. Sie können nur nach anhaltenden Studien von ein-\nzelnen Vereinen, welche dieser Gattung ausschliesslichen\nFleiss zuwenden, befriedigend gesungen werden, und auch\ndann wird der Eindruck, wie ihn z. B. der berliner Dom-\nChor macht, schwer zu erreichen sein.\nHerr Dionys Pruckner aus München spielte das\nConcert für Pianoforte von Beethoven als ein\ntechnisch vortrefflich ausgebildeter Ciavierspieler. Sehr zu\nbedauern war, dass der recht klangreiche Flügel nicht mit\ndem Orchester stimmte, was natürlich für den Musiker\nden Eindruck sehr schwächte. Das Orchester nahm auch\ndie Sache zu leicht und war nicht immer exact, die Pau-\nken vollends verdarben den Schluss des letzten Satzes ganz\nund gar, ein Eindruck, der durch die glänzende Ausfüh-\nrung der Schluss-Cadenz von Seiten des Solospielers nicht\nverwischt werden konnte. Ueberhaupt gelang der letzte\nSatz dem Herrn Pruckner am besten, während der Vor-\ntrag des Adagio etwas kalt liess, und dem grossartigen er-\nsten Allegro bei aller Reinheit und Sicherheit des Spiels\ndie erforderliche Breite und Würde des Ausdrucks nicht\nimmer zu Theil wurde. Wir haben über den Vortrag die-\nses Concerts freilich eine ganz andere Ansicht, als die mei-\nsten Clavier-Virtuosen neuerer Zeit, Franz Liszt ausge-\nnommen, der es mit einer classischen Ruhe spielt, die den\nheroischen Ausdruck keineswegs ausschliesst, sondern im\nGegentheil befördert. Gleich bei der Introduction des er-\nsten Satzes begegnen wir fast immer einer falschen Auf-\nfassung: die Passagen derselben sind keine Cadenzen im\ngewöhnlichen Sinne, es sind integrirende Bestandteile des\nganzen Satzes, wie ihre Wiederkehr im Tempo im zwei-\nten Theile hinlänglich zeigt; der Vortrag derselben ist\nvom Componisten allerdings dem Spieler überlassen, allein\nnur so weit, als er sie im Charakter und Geiste des gan-\nzen Satzes auffasst und wiedergibt, nicht aber als Virtuo-\nsitäts-Proben.\n/\nDer 114. Psalm von Mendelssohn schloss die\nerste Abtheilung des Concertes. Ihm wurde die beste Aus-\nführung von allen Musikstücken des Programms zu Theil;\nChor und Orchester wirkten schön zusammen, das Tempo\nwar überall richtig und gemessen, der Eindruck einzelner\nStellen, wie z. B.: „Was war dir, o Meer\", „Vor dem\nHerrn bebte die Erde\", der Wiedereintritt des ersten\nThema's: „Da Israel aus Aegypten zog\" war gross und\nprächtig. Dem „Halleluja\" am Schlüsse würde vielleicht\netwas mehr Feuer und Schwung im Ausdruck, nicht im\nTempo, gut gethan haben.\nFranz Schubert's grosse Sinfonie in C-clur eröff-\nnete die zweite Abtheilung. Wir können nicht anders, als\nsagen, dass die ganze Ausführung von Anfang bis zu Ende\neine verfehlte war. Eine solche Uebertreibung aller Tempi\nist uns noch nie vorgekommen. Eine Rechtfertigung der-\nselben, die wir von einem eifrigen Freunde und Theilneh-\nmer der Musikfeste, der in dortiger Gegend wohnhaft,\nhörten, ist zu curios, um unseren Lesern vorenthalten zu\nwerden. „Es sei keine Kunst\" meinte er —, „über die\nfalschen Tempi zu raisonniren; im vorliegenden Falle hät-\nten die Dirigenten ganz Recht gehabt; vor Künstlern und\nKunstverständigen möge man das Tempo wahren: wenn\nman aber die Kunst ins Volk tragen wolle, so müsse Alles\nschneller genommen werden.\" Wer kann gegen solche\nArgumente aufkommen?!\nMan weiss in der That nicht, was aus der Musik wer-\nden soll, wenn das Abjagen der Noten für künstlerische\nAusführung gelten soll! Die Clavier-Virtuosen der letzten\nJahrzehende haben eine grosse Schuld auf sich geladen;\nsie waren die ersten, welche die Tempi übereilten, um ihre\nFingerfertigkeit zu zeigen, und ich erinnere mich noch sehr\ngut, dass zu den Lieblingsphrasen der Bewunderung ge-\nhörte: „Und in welch einem rasenden Tempo!\" Ja, wohl\nrasend im wahren Sinne des WTortes auch in Bezug auf\ndas Ansteckende, das jede Narrheit mit sich führt. Die\nfranzösische Kritik erfand dafür das Wrort enlever und\nfreute sich, wenn der Pianist (auch eine pariser Erfindung)"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "333", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581016-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5342, "texte": "ein Stück so von den Tasten wegputzte, dass nichts davon\nweder im Ohr noch im Herzen übrig blieb. Nach und nach\nergriff' die Manie die Dirigenten der Orchester, und als\nvollends die Literaten und Demokraten anfingen, ohne mu-\nsicalische Kenntnisse das grosse Wort in der Tonkunst zu\nführen, da hörte man Redensarten, wie: „Unsere Zeit ist\ndie Zeit des raschen Fortschrittes —unser Blut rollt schnel-\nler als der träge Umlauf desselben in den Adern der frü-\nheren Menschen —, wir leben schneller!\" woraus denn\nals nothwendig gefolgert wurde, dass wir das Gehen\ndante) in Laufen, die Munterkeit (Allegro) in ausgelassenes\nToben und die Schnelligkeit in Wettrennen ver-\nvollkommnen müssten. Dazu kam die Verachtung alles Al-\nten und Ueberlieferten, die Verspottung jeglicher Tradition,\nfolglich auch der musicalischen, und endlich gar die Lehre\nvon dem Hechte der subjectiven Auffassung eines clas-\nsischen \\\\ erkes durch den Spieler oder den Dirigenten.\nSo sind wir denn allmählich zu Ungeheuerlichkeiten\ngekommen, wie die Ausführung der Sinfonie von Schubert\ndurch Herrn Hagen in Wiesbaden. W ir können nur wie-\nderholen, was wir bereits an einem anderen Orte darüber\ngesagt haben. Gleich beim ersten Allegro war die war-\nnende Inschrift: „31a non troppo\", umsonst in den Arm\ndes Wegweisers zum richtigen Tempo eingegraben: die\ntrotzige Kraft der punetirten Viertel, und somit der ganze\nCharakter des Satzes, ging dadurch verloren, indem das\nvorschlagende Achtel niemals mit gehöriger Stärke heraus-\nkommen konnte. Die Schnelligkeit aber vollends, mit der\ndas wundervolle Andante con in einen Hopser ver-\nwandelt wurde, war für jeden, der die himmlischen Me-\nlodieen dieses Stückes im Herzen trug, wahrhaft empörend.\nEben so wurde das Allegro viv des Scherzo zum\ndurch welches ein Staccato der Achtelfiguren fast unmög-\nlich wurde; am schlimmsten kam das Trio dabei weg, in\nwelchem noch obenein auf den Ausdruck sehr wenig ge-\nachtet und namentlich bei dem hier so oft vorgeschriebe- \\\nnen fp das p gewöhnlich ganz ignorirt wurde. Das Non\nplus ultra flachster Auffassung lieferte das Finale, Allegro\nvivace, d. h. nach der vom Dirigenten dieser Sinfonie\ndurchweg befolgten Theorie: „so fix wie möglich.\" Es\nscheint, als habe Herr Hagen beweisen wollen, Geschwin-\ndigkeit sei doch eine Hexerei. Für uns hört die Musik bei\nsolcher Peitscherei auf, Musik zu sein.\nNach der Sinfonie brachte uns der Priesterchor aus '\nder Zauberflöte glücklicher Weise wieder in eine musica-\nlische Stimmung, und Händel's grosses Halleluja aus dem\nMessias schloss auf imposante Weise, und merkwürdiger\nWeise im richtigen Zeitmaasse aufgeführt, das zweite\nFest-Concert.\nUeber den dritten Festtag schliessen wir hier den Be-\nricht unseres geehrten Correspondenten aus Wiesbaden an:\nDas Fest auf dem Neroberge, einem der reizendsten\nPunkte in der schönen Umgegend Wiesbadens, war ein\nhier noch nie gesehenes. Von *2 Uhr an strömten die Men-\nschen nach diesem Berge, auf dem auch ein köstlich „Nass\",\nder „Neroberger\", wächst. Eine Menge Wagen führte\ndie schöne Welt hinauf; der andere Theil der Welt be-\nwegte sich in verschiedener Weise dahin, zu Fuss, zu\nPferd und zu Esel. Eine Inschrift, in einer Art Triumph-\nbogen angebracht, rief den Sängern ein „Willkomm unter\nschattigem Dach\" entgegen. Es war ein Volksfest, daher\nauch ein Volkston es beherrschte. Alle Stände waren ver-\ntreten. Auch Altmeister Spohr kam; wohin er den Fuss\nsetzte, schallten ihm dreifache Hochs entgegen. Er wurde\nhier zu einem „Manne des Volkes\". Gegen 1 Uhr\nlangte der Zug der Festgäste, mit Musik an der Spitze,\nwieder in der Stadt an. Die Stadt war auf den Beinen \\\ndieser Tag war der glänzendste und stand in seiner allge-\nmeinen Bewegung den Bewegungen der früheren\nTage nicht nach; ein recht harmonisches Fest, bei dem\nsogar auch das Gesetz der Steigerung festgehalten wurde.\nUm 7 Uhr be gann die Vorstellung von Spontini's Ve-\nstalin im Theater. Herr Tichatschek (Licinius) war der\nEinzige, der die Vorstellung zu einer „festlichen\" machte.\nSeine Stimme ist noch frisch und kräftig und gleichmässig,\nsein Einsatz eben so kühn und sicher, wie sonst, sein Spiel,\nsein Feuer noch immer dasselbe, wie es seit und vor\nJahren das Publicum entzückt hat. Seine ihm eigenthüm-\nliche Declamation kennt man und übersieht das dem ge-\nnialen Sänger. Er hat sich zu fest darin verfahren, um die\nArt und Weise, Sylben zu trennen, Noten zu verkürzen,\nabzulegen und wie Bader, Mantius (auch der hier ge-\nwesene Schneider) und alle grossen Tenöre thaten ein\nwenig mehr zu binden. Er zerrt und rückt wohl einmal\nan den Noten und ist nicht gern dem Componisten unter-\nthan. [Subjective Auffassung!]\n1 rotz der feurigen Leistung dieses Sängers war das\nPublicum doch nicht sonderlich gehoben; ob daran die\nerhöhten Eintrittspreise oder „das festlich geschmückte Haus\nzur Feier des dritten mittelrheinischen Musikfestes\" (so\nsprach der Zettel nämlich) schuld waren, oder die Leistun-\ngen der übrigen Sänger das wissen die Götter.\nFräul. Lehmann, welche die Julia spielte und sang,\nFrl. Schönchen (erste Priesterin der Vesta) und Herr Si-\nmon (Cinna) gaben sich sichtlich Mühe, sich als „talentirt\"\nhinzustellen, allein das Publicum erkannte nur einigen\n„Seufzern und Hauchen der Julia\" einen schwachen Ap-\nplaus zu. Herr Lipp (Pontifex brachte seine\nRolle in musicalischer und declamatorischer Hinsicht zu"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "334", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581016-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1120, "texte": "voller Geltung. Das stete Tremoliren, die meckernden Tril-\nler und die hässlichen Töne in der hohen Lage der Stimme\ndes Fräul. Lehmann, ihr unschönes Schreien, ihr marmor-\nnes Gesicht, das sich ewig gleich bleibt, ihr Hin- und Her-\nlaufen auf der Bühne ohne Zweck, das sind Wahrheiten,\ndie wir Fräul. Lehmann gegenüber vertreten wollen und\nihr vorhalten müssen. Dass sie als Dänin kein besseres\nDeutsch spricht, könnte man ihr nicht zum Vorwurf ma-\nchen, wenn sie in Rendsburg, Flensburg oder Kiel sänge;\nallein nicht Jeder kennt sie als Ausländerin, wesshalb der\nUebelstand störend ist. Fräul. Schönchen singt nicht immer\nrein, setzt zu unsicher ein und spricht mehr mit Augen\nund Händen, als sie singt. Diese Rolle zu bewältigen, feh-\nlen ihr die Stimmmittel, die für anspruchslose Liedchen\nwohl ausreichen mögen, aber nicht für dramatischen Ge-\nsang. Herr Simon tremolirt mit Fräul. Lehmann um die\nWette; er besitzt schöne Stimmmittel, sollte sie aber auch\nwürdiger gebrauchen lernen, das brächte der Kunst und\nihm Gewinn und Ehre. Die eingelegten Tänze von Fräul.\nund Herrn Opfermann fanden, wie gewöhnlich, Beifall."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-10-16-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-10-16_01#c004", "volume": "bmtnabi_1858-10-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "334", "page_fin": "335", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581016-01.2.4", "titre_corps": "Literatur.", "titre_sommaire": "Literatur.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "334", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581016-01.1.6", "debut_caractere": 1122, "fin_caractere_exclue": 5112, "texte": "Literatur.\nDie kleine Schrift: „Ideen und Betrachtungen\nüber die Eigenschaften der Musik. Hannover, 1858,\nHelwing'sche Hofbuchhandlung\" ist in einem zweiten,\nunveränderten Abdruck wieder ausgegeben worden. Der\nWerth derselben ist hauptsächlich ein relativer, indem es\nfür jeden deutschen Tonkünstler ein erhebendes Gefühl\nist, hier zu lesen, wie durchdrungen ein deutscher Fürst\nvon der Herrlichkeit der Tonkunst ist, wie unendlich hoch\ner sie stellt, und wie warm er zu ihrem wahren Cultus\nauffordert. Wiewohl der erlauchte Verfasser sich nicht ge-\nnannt hat, so lassen doch viele Stellen erkennen, dass wir\ndie künstlerischen Ansichten und Ueberzeugungen der\nhöchsten Persönlichkeit im Königreiche Hannover hier dar-\ngelegt finden.\nAllein auch abgesehen davon, erregen die ausgespro-\nchenen Betrachtungen Interesse, wenn auch die Ansicht\nüber die Fähigkeit der Musik, selbst Gegenständliches aus-\nzudrücken, auf die Erregung von mehr oder weniger kla-\nren Analogieen der menschlichen Empfindung mit dem\nEindruck eines Gegenstandes oder eines Ereignisses be-\ngränzt werden zu müssen scheint. Mit grosser Theilnahme\nwird man folgende Stellen lesen:\n„Von allen Sinnen des Menschen sind das Gesicht und\ndas Gehör diejenigen, durchweiche die meiste Einwirkung\nauf Geist und Herz hervorgebracht wird, und die dadurch\nzu den mächtigsten Triebfedern für die sittlichen und ver-\nnunftgemässcn Empfindungen, Handlungen und Urtheile\ndes Menschen werden. Das Gehör aber erscheint des-\nfalls als das kraftvollste, wirkungsreichste beider Organe,\nweil durch unharmonische, missklingende Töne unser Ge~\nfühl bis in seine tiefsten Tiefen so erschüttert und schmerz-\nhaft verletzt werden kann, dass man darüber fast ausser\nsich geräth; welcher Eindruck durch ein schlechtes Ge-\nmälde, eine traurige Gegend oder ein sehr mangelhaftes\nGedicht in uns unmöglich hervorgebracht werden kann.\n„Hieraus geht aber zugleich hervor, dass unsere Ge-\nfühle in der engsten und innigsten Verwandtschaft zu dem\nReiche der Töne stehen, und nur hiedurch wird es mög-\nlich, dass die Zusammensetzung derselben in einer Compo-\nsition und ihre Beschaffenheit eine so bedeutende Wirkung\nauf unsere Empfindungen äussern.\n„Zu den besonderen Eigenschaften und Vorzügen der\nTonkunst darf noch gezählt werden, dass sie selbst in dem\nUngebildetsten tiefe, unerklärliche Empfindungen erregt,\nohne dass dieser mit dem Künstler fast auf derselben Stufe\nzu stehen braucht, was sonst bei anderen Künsten seltener\nder Fall ist.\n„Die Frage liesse sich wohl aufwerfen, ob die merk-\nwürdige Composition der Scene in der Wolfsschlucht in\nWeber's Freischütz irgendwo anders als im Theater,\nund ohne Worte und Decorationen, ohne die flatternden\nEulen und Fledermäuse, den wilden Jägerzug in der Luft,\nden spukenden Samiel u. s. w. aufgeführt, uns wohl nicht\nin dieselbe schauerlich grauenvolle Stimmung versetzen,\nund uns irgend eine teuflische Werkstelle mit allen ihren\nSchrecknissen und grässüchen gespenstigen Wesen ahnen\nlassen würde?\n„In der Introduction zur „Norma\" von Bellini findet\nman die höchst kunstvolle Darstellung einer Gegend. Mit\ntiefen Tönen beginnend, entfaltet sie sich in finsteren Har-\nmonieen und gibt den Eindruck, welchen das waldige Dun-\nkel eines ausgedehnten Haines auf das menschliche Gefühl\nhervorbringt, treu wieder. Einzelne gleitende und abgeris-\nsene Töne scheinen einige lichte Unterbrechungen des\ndunkeln Waldes zu bezeichnen; und somit wird die erste\nDecoration der Oper, der Opferhain, passend geschildert.\n„Gewiss wird dem Leser das Treffende dieses Ton-\ngemäldes noch mehr auffallen, wenn ich ihm die mir be-\nkannt gewordene Aeusserung eines Blinden hier anführe,\nwelcher bei dem ersten Anhören dieser introduction so-\ngleich die Darstellung einer Waldpartie auf der Scene\nerrieth.\n„Es versteht sich von selbst, dass ich keineswegs auch\nnur im Entferntesten die Ansicht habe aufstellen wollen,\nals sei ein Gedicht ohne musicalische Composition nicht\nfähig, das Gefühl anzusprechen und zu erregen: eine Be-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "335", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581016-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4916, "texte": "hauptung, welche der täglichen Erfahrung durchaus wider-\nspräche. Die grossartigen und meisterhaften Dichtungen in\nunserer geliebten Muttersprache, so wie die andcicr Na\ntionen beweisen gar zu sehr das Gegentlieil. Ausserdem\nmuss ja das Gedicht erst den Tondichter begeistern, die in\ndemselben durch Worte bezeichneten Gefühle in ihrer\nwahren liefe durcb sinnverwandte Töne auszudrücken.\n„Dennoch aber ist der ausgezeichnetste Vorleser, der\nberühmteste Declamator nicht im Stande, durch den \\ or-\ntra,T eines Dichterwerkes unsere Gelühle so tief zu ergrei-\nfen, als es durch Hinzuziehung der Musik möglich wird,\nweil die Musik die Bilder und Handlungen des Gedichtes\nnicht bloss verstärkt, sondern auch anschaulicher macht\nund viel nachhaltiger auf das Gefühl wirkt.\nDie Sprache ist nur fähig, einen Gegenstand zu be-\nnennen, ihm einen Namen zu geben, welcher von dem-\njenigen,' der diese Sprache kennt, verstanden wird, weil\nwir durch Gewohnheit unseres Gehör-Organes oder durch\nHülfe unseres Gedächtnisses es nicht anders lernten und\nkennen, als dass dieses oder jenes Wort die einmal ange-\nnommene Bedeutung habe. Es könnte aber eben so gm\nangenommen sein, dass das Wort „„lächeln umge-\nkehrt „„weinen\"\" bezeichnete; dass man statt „„schla-\nfen\" \", sagte: „ „wachen\"\", um das Schlafen zu bezeich-\nnen. Die Franzosen, Engländer u. A. werden in dem Worte\n.. .lächeln\"\" nichts „ „Lächelndes\"\" finden, wenn sie kein\nV 1 \\ 4 .\nDeutsch verstehen, sondern nur in dem Worte sounant\noder smiling, wodurch ihre Sprachen diese Gefühls-Aeus-\nserung bezeichnen. Sie werden bei dem mündlichen Vor-\ntrage eines deutschen Gedichtes durchaus nichts empfinden.\nWenn wir ein aus der Feder des besten Dichters ge-\nflossenes Gedicht über üie Liebe ) in uns bekannter Spra-\nche lesen oder declamiren hören, dessen Inhalt der Ver-\nfasser tief empfand, ja, welches vielleicht seine eigene Hei-\nzensempfindung schildert oder enthüllt, und woiin ei die\ntiefsten und innigsten Bewegungen, die sein Inneres durch-\nglühten, und so ihm die W orte der Dichtung entlockten,\nausspricht, so können wir durch den Sinn der Worte zwar\nauf das vollkommenste begreifen, was er empfand, aber\nnicht, wie er es fühlte, nicht die verschiedenen Nuancen\nund Abstufungen seines Gelühls; denn die Worte benen-\nnen dasselbe, aber sie sind nicht der Ausdruck des Ge-\nfühls selbst, sie bezeichnen nicht dessen Tiefe; der Ton\naber ist die einzig wahre Verkörperung des Gefühls.\n„Wem der Himmel das Talent, die glückliche, segen-\nbringende Fähigkeit zur Composition verliehen hat, der\nwird es ihm nie genug danken können; denn er besitzt\neines der reichsten Güter für Geist und Herz, eine Gabe,\ndie ihn fähig macht, sich dem Irdischen zu entreissen und\ndem Himmlischen zu nahen, die Reinheit und den Frieden\ndes Herzens sich zu bewahren, allein und mit dem Dichter\nvereint seinen Schöpfer zu verherrlichen, seinen Neben-\nmenschen wohlzuthun und sich die Liebe und Veiehrung\nder Mit- und Nachwelt zu erwerben!\n„Die Musik ist ein unmittelbares Werk der Natur, sie\nist mehr noch: ein unmittelbares Geschenk Gottes,\nnicht durch den Verstand des Menschen erfunden, sondern\nihm gegeben durch die milde Hand des grossen Gebers\nalles Guten, zur tröstenden und erquickenden Begleiterin,\nzur Beruhigung in trüben Stunden, zum deutlichsten Aus-\ndrucke seiner Freuden und Leiden, zur Stärkung seines\nMuthes, zur Erhebung seiner sittlichen Kraft, zui Föide-\nrung seines inneren Werthes, zur Befestigung seiner Hoff-\nnungen, vor Allem aber zum Lobe des Ewigen, Allmäch\ntigen, Allgütigen!\n..Es ist daher ein durchaus nicht zu entschuldigender\nFrevel an dieser hohen, göttlichen Kunst, wenn man sie\nbloss als Zeitvertreib für müssige Augenblicke oder als\nOhrenkitzel ansieht, sie bloss zu den Bewegungen des gc\ndankenlosen Tanzes bestimmt glaubt, oder nur ihre Vor-\nträge besucht und anhört, weil es Mode und Anstand for-\ndern, oder wenn man auch bloss dazu die Musik benutzt,\nsich für die Conversation ein oberflächliches Urtheil über\nKünstler und Kunstwerke zu bilden, und nicht viel-\nmehr sich bemüht, das Erhabene, Herrliche, Wahrheit-\nAthmende, Tief-Ergreifende jedes Tonwerkes vollständig\nund richtig aufzufassen, in die Producte begeisteitci Stun-\nden grosser Tondichter sich hinein zu denken, und so mit\nunbefangenem Sinne und weit offenem Herzen zu fühlen,\nwas sie fühlten, zu nehmen, zu gemessen, was zum Hoch-\nj genusse sich darbietet, und zu suchen und zu finden, was\nwahrlich zu finden ist in dem überschwänglichen Reich-\nthume alles Gediegenen in der Tonkunst: Veredlung un-\nseres Gefühls, Verfeinerung unserer Sittlichkeit, Stärkung\nunserer Kraft, unseres Muthes, Tröstung im Leiden, Kräf-\ntigung unseres Geistes, Hoffnung für uie Zukunft und tieucs\nAusharren und festhalten im Glauben und in der Litbc.\nL. I>.\n*) Ein Beispiel über den Ausdruck des Gefühls der Liebe ist\ndes falls hier gewählt, weil sie die heftigste und lebhafteste\nder Leidenschaften genannt wird."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-10-16-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-10-16_01#c005", "volume": "bmtnabi_1858-10-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "335", "page_fin": "336", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581016-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "335", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581016-01.1.7", "debut_caractere": 4918, "fin_caractere_exclue": 5408, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nS4_«tßi3» Die zwei jüngeren Gebrüder Brassin siiul seit einigen\nTagen hier und werden sich nächstens öffentlich hören lassen.\nAlfred Jaell hat in Süddeutschland, namentlich in Salz-\nburg, wo er drei sehr besuchte Concerte gegeben hat, neue Lor-\nbern geärntet. Gegenwärtig verweilt er wieder am Rheine in Ba-\nden-Baden, wo er am 2. d. Mts. mit dem Violinisten Hermann\nund dem Violoncellisten Franco-Mendes in einer Soiree im Con-\nversationshause gespielt hat."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "336", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581016-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5636, "texte": "f\nIn Salzburg hatte Herr Ja eil die Ehre, in den Appartements\nIhrer Majestät der Durchlauchtigsten Kaiserin Carolina Augusta\nvor den eben anwesenden Allerhöchsten Herrschaften, Ihrer Majestät\nder Königin Marie von Sachsen, Ihren Kaiserlichen Hoheiten dem\nHerrn Erzherzog Franz Karl und der Frau Erzherzogin Sophie,\nIhrer Kaiserlichen Hoheit der Frau Erzherzogin Clementine, Prin-\nzessin von Salerno, und Ihrer Königlichen Hoheit der Frau Herzogin\nvon Anmale mehrere Piecen von Chopin und von eigener Compo-\nsition vorzutragen.\n„Das Theater in Sanssouci\", Aufsatz des Herrn Hofrathes L.\nSchneider in Nr. 2 des neuen Deutschen Theater-Archivs, bringt\nzwei merkwürdige Cabinets-Ordres Friedriche des Grossen. Für den\nBesuch des russischen Grossfürsten, späteren Kaisers Paul, am preus-\nsischen Hofe im Juli 1776 waren nämlich Feste aller Art projectirt,\nmit denen sich der König bis in die kleinsten Details beschäftigte.\nSchon am 20. Juni musste der Capellmeister Keichardt nach Sans-\nsouci kommen und einen allegorischen Prolog zur Oper „Angelica e\nMedoro\" für Porporino und Tosoni componiren, eben so eine Arie\nfür die Mar a. Der Gatte der Letzteren, ein persönlicher Feind Rei-\nchardt's, wusste sie zu überreden, an den König zu schreiben:\n„solche Musik könne sie nicht singen!\" Die Folge davon war eine\nOrdre an den Baron v. Arnim, welche Einblick in die Weise ge-\nwährt, wie der grosse König das turbulante Völkchen seiner Oper\nvon Sanssouci aus regierte:\n„ \\ ous pourrez clire ä la chanteuse Mara en reponse ä la lettre,\nqu eile vient de M'adresser que Je la payois pour chanter et non pour\necrir, que les airs etaient tres-bien, tels qu'ils etaient et qu eile devoit\nsen aeeomuder, sans tant de verbiage et difjiculte. Sur ce etc, etc.\n„Frederic.\nPotsdam le 30 de Juin 1776.\"\nEigenhändig war darunter bemerkt:\nElle est payee pour chanler et non pour ecrire.\nGleichzeitig wurde der eben erwähnte Kammermusicus Mara\nnach Spandau gebracht, was den Baron v. Arnim, der nun Störung\nder Opern-\\ orstellungen überhaupt fürchtete, ausser sich brachte.\nAuf seine Eingabe desswegen an den König erfolgte jene merkwür-\ndige in Theater-Angelegenheiten ausnahmsweise deutsch ge-\nschriebene Ordre:\n„Bester, besonders lieber Getreuer! Ich werde aus Eurer Vor-\nstellung vom 4. d. gewahr, dass Ihr sehr sanftmüthig und ein sehr\ngrosser Freund seid von der Mara und ihrem Mann, weil Ihr Euch\nderselben so sehr annehmt und vor sie das Wort führt. Ich muss\nEuch aber nur sagen, dass Eure Sanftmuth hier schlecht angebracht\nist, und dass Ihr weit klüger handeln werdet, wenn Ihr dasjenige\ntliut, was ich Euch befehle, und Euch nicht angewöhnt, zu raison-\nniren; denn das leide ich durchaus nicht, und müsset Ihr Euch der-\ngleichen nicht in den Sinn kommen lassen. Die Mara soll die Arie\nsingen, wie ich es verlange, und nicht widerspenstig sein, wo sie\nnicht will, dass es ihr eben so wie ihrem Manne ergehen soll, und\ner soll sitzen, bis auf weitere Ordre, danach kann sie sich richten.\nIhr hingegen müsset Euch nicht einbilden, dass Ihr mein Geheimer\nRath seid. Dazu habe ich Euch nicht angenommen, sondern Ihr habt\nEuch besser zu befleissigen, meinen Ordres parition zu leisten, wenn\nIhr wollet, dass ich ferner sei Euer gnädiger König.\n„Friedrich.\n„Potsdam, den 5. Juli 1776.\"\nEnde dieses Jahres kommt die neue Oper „Anna\nvon Landskron\" des Kammermusicus Abert zur Aufführung.\nDie Vorstellungen der deutschen Oper haben\nnach unausgesetzten Widerwärtigkeiten ihr Ende erreicht.\nIParis. Der freudige Eindruck, welchen die durch alle Zeitun-\ngen gegangene Kunde der grossmüthigen Widmung und Einsendung\neiner Tantieme des Ertrags der mit so glänzendem Erfolge im\nThedtre hjrique in Paris aufgeführten Noces de Figaro an den einzi-\ngen noch lebenden Sohn Mozart's in Mailand allenthalben hervor-\ngebracht, wird durch folgende Notiz der Gazette des Theätres sehr\nherabgestimmt werden.\nHerr Carvalho, Director des Thedtre lyrique) hatte den vortreffli-\nchen Gedanken, die ISoces de Figaro in Scene zu setzen, und der\nEifolg, welcher diese Initiative krönte, hat die Empfindlichkeit der\nCommission der Autoren geweckt, und die Direction des genannten\nTheaters musste die Wechselfälle mehrerer gerichtlichen Reclamatio-\nnen bestehen. Mehrere Journale, und wir sind unter der Zahl, ha-\nben angekündigt, dass die Commission der dramatischen Schriftsteller\nden Nachkommen Web er's und Mozart's die aus den Vorstellun-\ngen Oberon s, der Preciosa und der ISoces de Figaro fliessenden Au-\ntoren-Gebühren habe zukommen lassen. Für dieses letztere Werk\nallein hat die dem Nachkommen Mozart's zugesandte oder wenig-\nstens zugedachte Summe am Schlüsse der Saison des Thedtre lyrique\n8000 Fr. betragen. Im Angesichte der Bedeutenheit dieser Ergeb-\nnisse haben mehrere Autoren sich die Frage gestellt, ob die Zuwen-\ndung so beträchtlicher Summen nicht alle Voraussicht übersteige,\nund sie wurden dadurch zu der Nachforschung angeregt, aus wel-\nchen Rechtstiteln diese Zahlungen hervorgingen. Unter dem Datum\ndes 22. Juli 1858 haben die Herren Siraudin und Cholör der Com-\nmission der Autoren einen aussergerichtlichen Act überreicht, in wel-\nchem sie verlangen, dass der Stand aller, der Gesellschaft fremden\nPersonen zugewandten Summen nachgewiesen werde, und dass unter\nder Verantwortlichkeit der Commissionsglieder, welche ähnliche Zah-\nlungen angeordnet haben, die Fonds, die hierzu geopfert oder be-\nstimmt sind, der Cassa wieder einverleibt oder in der Gesellschafts-\nCassa behalten werden. Demgemäss weigert der Director des Thedtre\nlyi ique sich, der Gesellschaft die Mozart'sehen Gebühren heruus-\nzuzahlen, und macht Anspruch, sie in seiner Cassa zu behalten."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "329", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581016-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nP . p Johann Gottfried Walther. Sein Leben und Wirken, seine Familie, sein musicalisches Lexikon. Mitgetheilt von\nrns (Sc\"««.) Nachschrift. Von L. B. Das dritte mittelrheinische Musikfest in Wiesbaden. (Schluss.) Literatur-\ni£T Betrachtungen über die Eigenschaften der Musik.« Von LB. - Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Gebrüder\nBrassin Alfred Jaell Das „Deutsche Theater-Archiv\" Stuttgart Kopenhagen Paris}.\n\nJohann Gottfried Walther.\nMitgetheilt von Ernst Pasque.\n\n(Schluss. S. Nr. 41.)\nWenden wir uns zum Vater, Johann Gottfried Wal-\nther, und dessen Lexikon zurück.\nDer alte Walther war, wie schon mitgetheilt, am 23.\nMärz 1748 gestorben, ohne die Fortsetzung seines Lexi-\nkons dem Druck übergeben zu haben. Alle damaligen\nkritischen Stimmen erkannten seinen Werth als Schrift-\nsteller und Componist an; Mattheson und Mitzier ga-\nben ihm (nach Gerber) das Zeugniss, „dass er ein vor-\ntrefflicher, reinlicher, gründlicher und künstlicher Compo-\nnist für die Kirche und die Orgel gewesen sei\", und Ade-\nlung setzt noch hinzu: „dass er em trefflich Ohr und\nAuge, die Fehler der Tonsetzer zu bemerken, gehabt habe.\"\nVon Walther's Hauptwerk, dem oft erwähnten Lexi-\nkon, erschien der Buchstabe vi 1728 unter dem Haupt-\nTitel: „Allgemeine Musicalische Bibliothek oder\nMusicalisches Lexikon\", im Selbstverlage des Verfas-\nsers und gedruckt zu Erfurt bei David Limprecht. Das\nWerk war in Quart und ohne Widmung und Vorrede 64\nSeiten stark. Es war unterm 15. November 1728 dem\nHerzog Ernst August gewidmet, gleichsam als Huldi-\ngung zu dessen „vor Kurzem völlig angetretener Regierung\".\n1732 erschien das ganze Werk unter dem etwas ver-\nänderten Haupt-Titel: „Musicalisches Lexikon oder\nMusicalische Bibliothek\", lind diesmal im Verlag des\nBuchhändlers Wolfgang De er zu Leipzig und in gross\nOctav. Das Ganze war ohne Vorrede und Widmung etwa\n42 Bogen oder 566 gespaltene und enggedruckte Seiten\nstark und enthielt ausser einem Titelkupfer (eine geistliche\nCapellmusik darstellend, bei welcher besonders die Trom-\npeten und Posaunen stark vertreten sind) noch 22 Kupfer-\ntafeln mit\nIn der ersten Widmung sagt Walther, dass der In-\nhalt „mit göttlichem Beistande\", unter des Fürsten „gnä-\n| digstem Landes-Schutze in der fürstlichen Residenz\" und\nbei der ihm „bisher gnädigst gegönnten Beruffs-Arbeit\"\ngesammelt wurde. Die zweite Widmung datirt vom 16.\nFebruar 1732 ebenfalls an den Herzog Ernst August,\n„der gegen die Gott und Menschen so gefällige Musik°und\nderen Ergebenen eine besonders gnädige Propension\"\nhegte meldet uns, dass es „inzwischen nicht ohne gött-\nliche Fügung geschehen, dass das gantze Werk durch\nVorschub eines anständigen Verlegers bevorstehende Oster-\n| messe auf einmal völlig ans Licht treten kann.\" Ferner\nbittet er in derselben den Herzog, die Dedication als ein\nZeichen der Dankbarkeit zu betrachten, weil er ihm ver-\ngönnt, unter seinem „Landes-väterlichen Schutze bis dato\nsicher und ruhig zu leben\", und ferner neben seiner „Be-\nruffs-Arbeit seinen „nothdürftigen Unterhalt\" geniesst.\nDas Exemplar, welches Walther dem Herzog über-\nreichte, und welches die herzogliche Hof-Bibliothek zu\nWeimar bewahrt, trägt noch von der Hand Walther's fol-\ngende schriftliche Widmung:\n„Augustus zeigt was Guts durch seine Littern an,\nUnd Ernst befördert es mehr, als man denken kann.\n<a„,. f meinem Hause 1 , ~\n7 ( diesen Blättern / ' Durch,au(*tigster Regent,\nSo hab' am Ernst was Guts ich unterster Client.\nJohann Gottfried Walther.\"\nIn den beiden Vorreden, die fast gleichlautend sind,\nerfahren wir, dass er auf Verlangen des Verlegers den\nTitel ändern musste (wie oben angeführt), sodann, dass der\nBuchstabe A bei „verschiedenen Personen von solcher\nWürkung gewesen\", dass sie ihn unaufgefordert unter-\nstützt hätten. Ferner lernen wir die Ursache kennen, wess-\nhalb er das Werk geschrieben, und die Quellen, aus de-\nnen er geschöpft. Als erstere gibt er an, dass von Anfang\ndes XVIII. Jahrhunderts an so viele Lexika über die ver-\nschiedensten Materieen erschienen, die zwar hier und da"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "330", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581016-01.1.2", "texte": "einige Kunstwörter gebracht, doch keines, das ausführ-\nlicher über Musik handelte. Zwar hatte Brossart in sei-\nnem Catalogue des Auteurs et Dictionnaire de Musique,\n1703, die Namen von etwa 900 Ahnentiteln gesammelt,\ndoch ohne weitere Angaben, und so lag das Feld, welches\nWalther angebaut zu sehen wünschte, brach und öde.\nDem wollte er abhelfen und begann seine Sammlungen\nund Arbeiten, so viel Zeit ihm seine „täglich insgemein\nmühsame Information\" dazu liess. Die fürstliche Bibliothek\nmit ihren damals schon reichen Sammlungen kam ihm dazu\ntrefflich zu Statten. Aus derselben benutzte er „Paul\nParsdorfer, Indice di tutte le opera di Musica\", Mün-\nchen, 1653; Boger's musicalische Kataloge, erschienen\nzu Amsterdam zu Anfang des Jahrhunderts; Prinz, „Hi-\nstorische Beschreibung der edlen Sing- und Kling-Kunst\",\nDresden, 1090, die erste Musik-Geschichte, die in Deutsch-\nland erschien. Dies sind die einzigen gedruckten Quellen,\ndie er anführt. Sonstige Mittheilungen erhielt er noch von\nden Hof-Capellmeistern Schmidt und Heinichen, den\nHof-Organisten Böhm und Richter zu Dresden und be-\nsonders von dem Musik-Director Murschhäuser zu Mün-\nchen, der etwa 1680 den oben gedachten Parsdorfer'-\nschen Verlag gekauft hatte und ihm 104 kurzgefasste\nNachrichten sandte.\nWie gering waren diese Quellen gegen die, welche\nGerber benutzen konnte! wie schwierig das Unternehmen\nüberhaupt, das, auf nichts Aehnlichem fussend, selbststän-\ndig auftrat! Und wie lös'te Walther seine Aufgabe! Nicht\nallein alle damals in der Musik üblichen Fremdwörter, Er-\nklärungen sämmtlicher theoretischer Ausdrücke, aller ge-\nbräuchlichen Instrumente enthält das Werk, auch die Bio-\ngraphieen (mehr oder minder ausführlich), Compositionen\nund Schriften von mehr als 700 Musikern, die den späte-\nren Schriftstellern (als Gerber und Forkelj sehr zu Statten\nkamen, und von denen gar viele ohne Walther's Werk\ngänzlich der Vergessenheit anheim gefallen wären. Allge-\nmein wurde der Werth des Walther'schen Buches aner-\nkannt, und bald nach seinem Erscheinen befand es sich in\nden Händen aller Musikgelehrten und Schriftsteller und\ngewiss auch der meisten ausübenden Musiker, denen es\nein nützliches und unentbehrliches Hülfsbuch wurde.\nSechszig Jahre lang behauptete es seinen Werth, in-\ndem es als das einzige Werk seiner Art fort und fort\nbenutzt wurde. Viele während jener sechszig Jahre thä-\ntige musicalische Schriftsteller, als Marpurg und Ililler,\nwollten Fortsetzungen zum längst verstorbenen Walther\nliefern, ihn in ganz erneuerter Form wiedergeben; doch\nes blieb nur beim Wollen, und der alte Walther war fort\nund fort das einzige musicalische Lexikon. Gerber, dessen\numfangreiches und tüchtiges Werk endlich 1790 erschien,\nwollte anfänglich nur eine Fortsetzung des alten Walther\nliefern, und zwar nur für den biographischen Theil; der\nVerleger des Gerber'schen Werkes hatte sich sogar ent-\nschlossen, den alten Walther als wichtigsten Bestandteil\ndes neuen Lexikons ganz neu drucken zu lassen. Noch\nmuss ich erwähnen, dass Gerber bei Bearbeitung seines\nersten Tonkünstler-Lexikons das eigene durchschossene\nExemplar Walther's, worin dieser unermüdlich lleissige\nMann bis an seinen Tod durch 25 Jahre Zusätze, Nach-\nträge und Berichtigungen eingetragen hatte, benutzen\nkonnte, und dass er durch den Hof-Fourier Martini zu\nWeimar, Enkel des alten Walther und Erbe seines Soh-\nnes (wie wir schon früher gesehen), erhielt.\nDer projectirte Wiederabdruck des alten Walther un-\nterblieb. Die Zeitläufte mögen solchen wohl nicht gestaltet\nhaben, und das Buch verschwand ganz aus dem Handel.\nDie alten Musiker, die es besassen, hielten es fest, und die\nneueren sahen sich vergebens danach um. Da fasste denn\nGerber den Entschluss, seinem neuen Tonkünstler-Lexikon\ndie sämmtlichen biographischen Artikel Walther's einzu-\nverleiben, und ein anderer Musiker aus Gerber's Wohn-\nV\norte, aus Sondershausen, gewiss von Ersterem dazu ange-\nregt, Heinrich Christoph Koch, überarbeitete den\nübrigen Inhalt des Werkes, vermehrte ihn zeitgemäss und\nlieferte so ein neues sachliches musicalisches Lexikon\n(Frankfurt, 1801).\nGerber halte nicht ganz Wort gehalten: nicht alle im\nWallher enthaltenen Künstler hatte er seinem neuen\nWerke einverleibt (von 30 älteren weimarischen Musikern,\ndie ich nach flüchtiger Durchsicht im Wallher fand, feh-\nlen im Gerber gerade 10), und so bleibt denn der „ Wal-\nther \" auch noch für unsere Tage ein nicht unwichtiges\nQuellenwerk, und noch ganz besonders für die Kenntniss\nder zur Zeit Walther's üblichen Instrumente.\nEinen wohl vorbereiteten Acker mit den zweckmässig-\nsten Gerätschaften zu bestellen und fruchttragend zu ma-\nchen, ist wohl keine schwere Arbeit; aber ein wild ver-\nwachsenes oder ödes Stück Land mit den notdürftigsten\nMitteln urbar zu machen, zu einem blühenden Felde zu\ngestalten, das ganzen Generationen seine Früchte darzu-\nreichen vermag, das ist ein schwieriges und verdienstvolles\nWerk, und ein solches hat unser alter Walther vollbracht.\nEhre dem würdigen Manne!\nMögen diese Zeilen den heuligen Musikern seinen Na-\nmen und sein Wirken wieder in etwa ins Gedächtniss zu-\nrückrufen und so einen kleinen Theil der Schuld tilgen,\ndie unsere Zeit sich gegen ihn aufgebürdet, da sie ihn der\nVergessenheit anheimfallen liess!"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "331", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581016-01.1.3", "texte": "Nach seh ri ff\nWie noch heute, so gab es auch im Anfange des vo-\nrigen Jahrhunderts literarische Freibeuter, die unter\nallerlei Vorwänden die Werke, welche Ergebnisse einer\nLebens-Aufgabe gelehrter Männer waren, ausschrieben\nund in Miniatur-Copieen auf den Markt brachten.\nKaum war im Jahre 1732 Johann Gottfried Wal-\nther's Lexikon erschienen, als bereits im Jahre 1737 in\nChemnitz bei Gebrüdern Stösseln ein „Kurzgefasstes\nMusicalisches Lexikon\" ohne Namen des Verfassers\nherauskam, „worinnen Eine nützliche Anleitung und gründ-\nlicher Begriff von der Music enthalten, die\nnici erkläret, die Instrumente erläutert und die vornehm-\nsten Musici beschrieben sind, nebst einer Historischen Be-\nschreibung von der Music Nahmen, Eintheilung, Ursprung,\nErfindung, Vennehrung und Verbesserung, biss sie zu\nitziger Vortrefflichkeit gelanget, auch wunderbaren Wür-\nckung und Gebrauch, ingleichen ihren vornehmsten Culto-\nribus, so von der Welt Anfang biss auf unsere Zeit gele-\nbet, Alles aus derer besten und berühmtesten Musicorum\nihren Schrifften mit Fleiss zusammen gesucht, in Alphabe-\ntische Ordnung gebracht, und denen Liebhabern musica-\nlischer Wissenschafften zu fernerm Nachdencken wohlmey-\nnend vorgestellet.\"\nDieses Buch, jetzt allerdings auch ein Curiosum, das\nuns durch Herrn F. Derckum in Köln mitgetheilt worden,\nist nichts Anderes als ein Auszug aus Walther, was übri-\ngens der Verfasser halb ehrlich gesteht, wenn er sagt:\n„Da das Walther'sche Buch wegen seiner Grösse und\nKupfertafeln nothvvendig auch theuerer bezahlt werden\nmüssen, so hat man denen ersten Anfängern in der Music,\ningleichen nicht allzuvielvermögenden Leuten, auch Schu-\nlen um einen geringen Preiss dergleichen Lexikon in die\nHände liefern wollen.\"\nDiesem „kurzgefassten Lexikon\" geht eine „histori-\nsche Nachricht von der Music\" vorher, welche aus der\nMusica Historicavon Prinz, die Herr Pasque oben an-\nführt, gezogen ist.\nPrinz vindicirt merkwürdig genug um 1690 nächst\nGott dem Menschen, seiner Vernunft und seinem inneren\nTriebe den Ursprung der Musik, wie Fetis in dem Artikel\n„Die Natur und die Musik\" vom Jahre 1858 in den\nNummern 39 und 40 dieser Blätter thut. Die Stelle lautet:\n„Es soll aber der Schöpffer Himmels und der Erden\nbillig der Urheber der Music genennet werden, nicht nur,\nweil er die wunderbare Zusammenstimmung Himmels und\nder Erden componiret, sondern auch, weil er die Lufft, den\nSchall zu empfangen und fortzupllantzen, und die Ohren,\ndenselben zu vernehmen und davon zu urtheilen, geschickt\nund bequem erschaffen; sonderlich aber auch, weil er de-\nnen Menschen unterschiedliche Anreitzungen, den Gesang\nzu erfinden, an die 1 fand gegeben hat, als da sind gewe-\nsen die Vernunfft, die in die Höhe und Tieffe veränder-\nliche menschliche Stimme, und dann ein sonderbarer\nTrieb der Natur. Denn es ist gewiss, dass ohne diese\ndrey Stücke die Music keineswegs hat können erfunden\nwerden.\"\nFolgerecht hält er dann „muthmaasslich\" Adam für\nden eigentlichen Erfinder und Jubal nur für den Vervoll-\nkommner der Musik vor der Sündllut, und beweis't, „dass\nein Musicus, sei es nun Noah selbst oder eines von seinen\nKindern gewesen, mit in die Arche eingegangen sein müsse.\nDenn wofern nicht zum wenigsten ein Musicant mit in\nder Arche gewesen, so wäre jedes Falls die Instrumental-\nMusic zugleich mit denen Menschen, so ersoffen, zu Grunde\ngegangen, und könnte also Jubal nicht von Moses lange\nnach der Sündllut ein Vater der Geiger und Pfeiffer ge-\nnannt werden.\"\nBei den „Wirkungen der Music\" wird berichtet, dass,\n„als Lutherus Zeit währendes Reichstags zu Augspurg auf\ndem Schlosse zu Coburg unter andern Satanischen Ver-\nsuchungen einmal zur Nacht drev brennende Fackeln in\nseiner Schlaf-Kammer liiegen sähe, er dem Teuffei zum\nVerdruss mit seinen Freunden das vierstimmige De pro-\nfundis gesungen habe.\"\nUnter den Feinden der Musik wird obenan Zwing Ii\ngenannt, der „zur Verachtung der Music dahin gedrungen,\ndie Gesänge in denen Kirchen gäntzlich abzuschaffen.\" Es\nwird ferner von ihm erzählt, dass er, „um die Sache\nnoch viel lächerlicher und verhasster zu machen\", einst vor\ndem Käthe zu Basel eine Vorstellung an denselben abge-\nsungen habe, und daran den Beweis geknüpft: „gleich-\nwie es seltsam sey, vor den Menschen sein Anliegen abzu-\nsingen, so sey es auch ungereimt, dass unser Anliegen und\nGebeth Gott singend vorgetragen werde. Ebenermassen\nwird von Carlstadten gemeldet, dass er keinen Figural-Ge-\nsang leiden wollen, unter dem Vorwand, dass, weil nur\nEin Gott sey, auch nur Eine Stimme, nicht aber Discant,\nAlt, Tenor und Bass vonnöthen sey.\"—Freilich belächeln\nwir jetzt dergleichen Dinge. Ob aber wohl diejenigen,\nwelche in unseren Tagen die Musik aus der katholischen\nKirche verbannen wollen, sich bewusst sein mögen, dass\nsie dadurch in Bezug auf die Kunst protestantische Grund-\nsätze annehmen, und zwar mit geringer Modification die\nultra-protestantischen eines Zwingli und Carlstadt? Ob\nwohl unsere Nachkommen über diese Bestrebungen des\nneunzehnten Jahrhunderts dereinst auch lächeln werden?\n\nL. B."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "332", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581016-01.1.4", "texte": "Das dritte mittelrheinische Musikfest.\n(Schluss. S. Nr. 41.)\nDas Concert am zweiten Tage (den 27. September)\nfand um 2 Uhr Nachmittags unter derDirection des Herrn\nHa gen, Capellmeisters am Hoftheater zu Wiesbaden,\nStatt. Es wurde mit einer recht schönen Ausführung der\nOuvertüre zur Iphigenie in Aulis von Gluck eröffnet. Wir\nkönnen jedoch nicht billigen, dass der Schluss, den R.\nWagner angehängt hat, statt des Mozart'schen gewählt\nworden war, da letzterer für die Concert-Aufführung weit\nzweckmässiger ist. Das Orchester aber zeigte, was es bei\nrichtigem Tempo zu leisten vermochte.\nDie Gesänge a capetta,der Choral von Joh. Eccard:\n„Es ist das Heil uns kommen her\", mit verändertem Text,\nund Joh. Christoph Bach's Motette: „Ich lasse Dich\nnicht\", wurden zwar pi äcis und ohne Sinken ausgeführt,\nallein der Vortrag blieb weit hinter dem zurück, was bei\nsolchen Chören ohne Begleitung erfordert wird. Die Noten\nwurden mehr intonirt, als gesungen, und erhielten nicht\nihren vollen gehaltenen Werth, so dass ein Tragen des\nTones und An- und Abschwellen desselben nur selten ver-\nnommen wurde. Freilich ist ein gehöriger Ausdruck der\nArt und namentlich die Egalität desselben in allen Stim-\nmen sehr schwer durch eine Gesammtprobe verschiede-\nner Vereine zu erreichen, und wir halten aus diesem\nGrunde Chöre a capelladurchaus nicht für Musikfeste ge-\neignet. Sie können nur nach anhaltenden Studien von ein-\nzelnen Vereinen, welche dieser Gattung ausschliesslichen\nFleiss zuwenden, befriedigend gesungen werden, und auch\ndann wird der Eindruck, wie ihn z. B. der berliner Dom-\nChor macht, schwer zu erreichen sein.\nHerr Dionys Pruckner aus München spielte das\nConcert für Pianoforte von Beethoven als ein\ntechnisch vortrefflich ausgebildeter Ciavierspieler. Sehr zu\nbedauern war, dass der recht klangreiche Flügel nicht mit\ndem Orchester stimmte, was natürlich für den Musiker\nden Eindruck sehr schwächte. Das Orchester nahm auch\ndie Sache zu leicht und war nicht immer exact, die Pau-\nken vollends verdarben den Schluss des letzten Satzes ganz\nund gar, ein Eindruck, der durch die glänzende Ausfüh-\nrung der Schluss-Cadenz von Seiten des Solospielers nicht\nverwischt werden konnte. Ueberhaupt gelang der letzte\nSatz dem Herrn Pruckner am besten, während der Vor-\ntrag des Adagio etwas kalt liess, und dem grossartigen er-\nsten Allegro bei aller Reinheit und Sicherheit des Spiels\ndie erforderliche Breite und Würde des Ausdrucks nicht\nimmer zu Theil wurde. Wir haben über den Vortrag die-\nses Concerts freilich eine ganz andere Ansicht, als die mei-\nsten Clavier-Virtuosen neuerer Zeit, Franz Liszt ausge-\nnommen, der es mit einer classischen Ruhe spielt, die den\nheroischen Ausdruck keineswegs ausschliesst, sondern im\nGegentheil befördert. Gleich bei der Introduction des er-\nsten Satzes begegnen wir fast immer einer falschen Auf-\nfassung: die Passagen derselben sind keine Cadenzen im\ngewöhnlichen Sinne, es sind integrirende Bestandteile des\nganzen Satzes, wie ihre Wiederkehr im Tempo im zwei-\nten Theile hinlänglich zeigt; der Vortrag derselben ist\nvom Componisten allerdings dem Spieler überlassen, allein\nnur so weit, als er sie im Charakter und Geiste des gan-\nzen Satzes auffasst und wiedergibt, nicht aber als Virtuo-\nsitäts-Proben.\n/\nDer 114. Psalm von Mendelssohn schloss die\nerste Abtheilung des Concertes. Ihm wurde die beste Aus-\nführung von allen Musikstücken des Programms zu Theil;\nChor und Orchester wirkten schön zusammen, das Tempo\nwar überall richtig und gemessen, der Eindruck einzelner\nStellen, wie z. B.: „Was war dir, o Meer\", „Vor dem\nHerrn bebte die Erde\", der Wiedereintritt des ersten\nThema's: „Da Israel aus Aegypten zog\" war gross und\nprächtig. Dem „Halleluja\" am Schlüsse würde vielleicht\netwas mehr Feuer und Schwung im Ausdruck, nicht im\nTempo, gut gethan haben.\nFranz Schubert's grosse Sinfonie in C-clur eröff-\nnete die zweite Abtheilung. Wir können nicht anders, als\nsagen, dass die ganze Ausführung von Anfang bis zu Ende\neine verfehlte war. Eine solche Uebertreibung aller Tempi\nist uns noch nie vorgekommen. Eine Rechtfertigung der-\nselben, die wir von einem eifrigen Freunde und Theilneh-\nmer der Musikfeste, der in dortiger Gegend wohnhaft,\nhörten, ist zu curios, um unseren Lesern vorenthalten zu\nwerden. „Es sei keine Kunst\" meinte er —, „über die\nfalschen Tempi zu raisonniren; im vorliegenden Falle hät-\nten die Dirigenten ganz Recht gehabt; vor Künstlern und\nKunstverständigen möge man das Tempo wahren: wenn\nman aber die Kunst ins Volk tragen wolle, so müsse Alles\nschneller genommen werden.\" Wer kann gegen solche\nArgumente aufkommen?!\nMan weiss in der That nicht, was aus der Musik wer-\nden soll, wenn das Abjagen der Noten für künstlerische\nAusführung gelten soll! Die Clavier-Virtuosen der letzten\nJahrzehende haben eine grosse Schuld auf sich geladen;\nsie waren die ersten, welche die Tempi übereilten, um ihre\nFingerfertigkeit zu zeigen, und ich erinnere mich noch sehr\ngut, dass zu den Lieblingsphrasen der Bewunderung ge-\nhörte: „Und in welch einem rasenden Tempo!\" Ja, wohl\nrasend im wahren Sinne des WTortes auch in Bezug auf\ndas Ansteckende, das jede Narrheit mit sich führt. Die\nfranzösische Kritik erfand dafür das Wrort enlever und\nfreute sich, wenn der Pianist (auch eine pariser Erfindung)"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "333", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581016-01.1.5", "texte": "ein Stück so von den Tasten wegputzte, dass nichts davon\nweder im Ohr noch im Herzen übrig blieb. Nach und nach\nergriff' die Manie die Dirigenten der Orchester, und als\nvollends die Literaten und Demokraten anfingen, ohne mu-\nsicalische Kenntnisse das grosse Wort in der Tonkunst zu\nführen, da hörte man Redensarten, wie: „Unsere Zeit ist\ndie Zeit des raschen Fortschrittes —unser Blut rollt schnel-\nler als der träge Umlauf desselben in den Adern der frü-\nheren Menschen —, wir leben schneller!\" woraus denn\nals nothwendig gefolgert wurde, dass wir das Gehen\ndante) in Laufen, die Munterkeit (Allegro) in ausgelassenes\nToben und die Schnelligkeit in Wettrennen ver-\nvollkommnen müssten. Dazu kam die Verachtung alles Al-\nten und Ueberlieferten, die Verspottung jeglicher Tradition,\nfolglich auch der musicalischen, und endlich gar die Lehre\nvon dem Hechte der subjectiven Auffassung eines clas-\nsischen \\\\ erkes durch den Spieler oder den Dirigenten.\nSo sind wir denn allmählich zu Ungeheuerlichkeiten\ngekommen, wie die Ausführung der Sinfonie von Schubert\ndurch Herrn Hagen in Wiesbaden. W ir können nur wie-\nderholen, was wir bereits an einem anderen Orte darüber\ngesagt haben. Gleich beim ersten Allegro war die war-\nnende Inschrift: „31a non troppo\", umsonst in den Arm\ndes Wegweisers zum richtigen Tempo eingegraben: die\ntrotzige Kraft der punetirten Viertel, und somit der ganze\nCharakter des Satzes, ging dadurch verloren, indem das\nvorschlagende Achtel niemals mit gehöriger Stärke heraus-\nkommen konnte. Die Schnelligkeit aber vollends, mit der\ndas wundervolle Andante con in einen Hopser ver-\nwandelt wurde, war für jeden, der die himmlischen Me-\nlodieen dieses Stückes im Herzen trug, wahrhaft empörend.\nEben so wurde das Allegro viv des Scherzo zum\ndurch welches ein Staccato der Achtelfiguren fast unmög-\nlich wurde; am schlimmsten kam das Trio dabei weg, in\nwelchem noch obenein auf den Ausdruck sehr wenig ge-\nachtet und namentlich bei dem hier so oft vorgeschriebe- \\\nnen fp das p gewöhnlich ganz ignorirt wurde. Das Non\nplus ultra flachster Auffassung lieferte das Finale, Allegro\nvivace, d. h. nach der vom Dirigenten dieser Sinfonie\ndurchweg befolgten Theorie: „so fix wie möglich.\" Es\nscheint, als habe Herr Hagen beweisen wollen, Geschwin-\ndigkeit sei doch eine Hexerei. Für uns hört die Musik bei\nsolcher Peitscherei auf, Musik zu sein.\nNach der Sinfonie brachte uns der Priesterchor aus '\nder Zauberflöte glücklicher Weise wieder in eine musica-\nlische Stimmung, und Händel's grosses Halleluja aus dem\nMessias schloss auf imposante Weise, und merkwürdiger\nWeise im richtigen Zeitmaasse aufgeführt, das zweite\nFest-Concert.\nUeber den dritten Festtag schliessen wir hier den Be-\nricht unseres geehrten Correspondenten aus Wiesbaden an:\nDas Fest auf dem Neroberge, einem der reizendsten\nPunkte in der schönen Umgegend Wiesbadens, war ein\nhier noch nie gesehenes. Von *2 Uhr an strömten die Men-\nschen nach diesem Berge, auf dem auch ein köstlich „Nass\",\nder „Neroberger\", wächst. Eine Menge Wagen führte\ndie schöne Welt hinauf; der andere Theil der Welt be-\nwegte sich in verschiedener Weise dahin, zu Fuss, zu\nPferd und zu Esel. Eine Inschrift, in einer Art Triumph-\nbogen angebracht, rief den Sängern ein „Willkomm unter\nschattigem Dach\" entgegen. Es war ein Volksfest, daher\nauch ein Volkston es beherrschte. Alle Stände waren ver-\ntreten. Auch Altmeister Spohr kam; wohin er den Fuss\nsetzte, schallten ihm dreifache Hochs entgegen. Er wurde\nhier zu einem „Manne des Volkes\". Gegen 1 Uhr\nlangte der Zug der Festgäste, mit Musik an der Spitze,\nwieder in der Stadt an. Die Stadt war auf den Beinen \\\ndieser Tag war der glänzendste und stand in seiner allge-\nmeinen Bewegung den Bewegungen der früheren\nTage nicht nach; ein recht harmonisches Fest, bei dem\nsogar auch das Gesetz der Steigerung festgehalten wurde.\nUm 7 Uhr be gann die Vorstellung von Spontini's Ve-\nstalin im Theater. Herr Tichatschek (Licinius) war der\nEinzige, der die Vorstellung zu einer „festlichen\" machte.\nSeine Stimme ist noch frisch und kräftig und gleichmässig,\nsein Einsatz eben so kühn und sicher, wie sonst, sein Spiel,\nsein Feuer noch immer dasselbe, wie es seit und vor\nJahren das Publicum entzückt hat. Seine ihm eigenthüm-\nliche Declamation kennt man und übersieht das dem ge-\nnialen Sänger. Er hat sich zu fest darin verfahren, um die\nArt und Weise, Sylben zu trennen, Noten zu verkürzen,\nabzulegen und wie Bader, Mantius (auch der hier ge-\nwesene Schneider) und alle grossen Tenöre thaten ein\nwenig mehr zu binden. Er zerrt und rückt wohl einmal\nan den Noten und ist nicht gern dem Componisten unter-\nthan. [Subjective Auffassung!]\n1 rotz der feurigen Leistung dieses Sängers war das\nPublicum doch nicht sonderlich gehoben; ob daran die\nerhöhten Eintrittspreise oder „das festlich geschmückte Haus\nzur Feier des dritten mittelrheinischen Musikfestes\" (so\nsprach der Zettel nämlich) schuld waren, oder die Leistun-\ngen der übrigen Sänger das wissen die Götter.\nFräul. Lehmann, welche die Julia spielte und sang,\nFrl. Schönchen (erste Priesterin der Vesta) und Herr Si-\nmon (Cinna) gaben sich sichtlich Mühe, sich als „talentirt\"\nhinzustellen, allein das Publicum erkannte nur einigen\n„Seufzern und Hauchen der Julia\" einen schwachen Ap-\nplaus zu. Herr Lipp (Pontifex brachte seine\nRolle in musicalischer und declamatorischer Hinsicht zu"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "334", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581016-01.1.6", "texte": "voller Geltung. Das stete Tremoliren, die meckernden Tril-\nler und die hässlichen Töne in der hohen Lage der Stimme\ndes Fräul. Lehmann, ihr unschönes Schreien, ihr marmor-\nnes Gesicht, das sich ewig gleich bleibt, ihr Hin- und Her-\nlaufen auf der Bühne ohne Zweck, das sind Wahrheiten,\ndie wir Fräul. Lehmann gegenüber vertreten wollen und\nihr vorhalten müssen. Dass sie als Dänin kein besseres\nDeutsch spricht, könnte man ihr nicht zum Vorwurf ma-\nchen, wenn sie in Rendsburg, Flensburg oder Kiel sänge;\nallein nicht Jeder kennt sie als Ausländerin, wesshalb der\nUebelstand störend ist. Fräul. Schönchen singt nicht immer\nrein, setzt zu unsicher ein und spricht mehr mit Augen\nund Händen, als sie singt. Diese Rolle zu bewältigen, feh-\nlen ihr die Stimmmittel, die für anspruchslose Liedchen\nwohl ausreichen mögen, aber nicht für dramatischen Ge-\nsang. Herr Simon tremolirt mit Fräul. Lehmann um die\nWette; er besitzt schöne Stimmmittel, sollte sie aber auch\nwürdiger gebrauchen lernen, das brächte der Kunst und\nihm Gewinn und Ehre. Die eingelegten Tänze von Fräul.\nund Herrn Opfermann fanden, wie gewöhnlich, Beifall.\n\nLiteratur.\nDie kleine Schrift: „Ideen und Betrachtungen\nüber die Eigenschaften der Musik. Hannover, 1858,\nHelwing'sche Hofbuchhandlung\" ist in einem zweiten,\nunveränderten Abdruck wieder ausgegeben worden. Der\nWerth derselben ist hauptsächlich ein relativer, indem es\nfür jeden deutschen Tonkünstler ein erhebendes Gefühl\nist, hier zu lesen, wie durchdrungen ein deutscher Fürst\nvon der Herrlichkeit der Tonkunst ist, wie unendlich hoch\ner sie stellt, und wie warm er zu ihrem wahren Cultus\nauffordert. Wiewohl der erlauchte Verfasser sich nicht ge-\nnannt hat, so lassen doch viele Stellen erkennen, dass wir\ndie künstlerischen Ansichten und Ueberzeugungen der\nhöchsten Persönlichkeit im Königreiche Hannover hier dar-\ngelegt finden.\nAllein auch abgesehen davon, erregen die ausgespro-\nchenen Betrachtungen Interesse, wenn auch die Ansicht\nüber die Fähigkeit der Musik, selbst Gegenständliches aus-\nzudrücken, auf die Erregung von mehr oder weniger kla-\nren Analogieen der menschlichen Empfindung mit dem\nEindruck eines Gegenstandes oder eines Ereignisses be-\ngränzt werden zu müssen scheint. Mit grosser Theilnahme\nwird man folgende Stellen lesen:\n„Von allen Sinnen des Menschen sind das Gesicht und\ndas Gehör diejenigen, durchweiche die meiste Einwirkung\nauf Geist und Herz hervorgebracht wird, und die dadurch\nzu den mächtigsten Triebfedern für die sittlichen und ver-\nnunftgemässcn Empfindungen, Handlungen und Urtheile\ndes Menschen werden. Das Gehör aber erscheint des-\nfalls als das kraftvollste, wirkungsreichste beider Organe,\nweil durch unharmonische, missklingende Töne unser Ge~\nfühl bis in seine tiefsten Tiefen so erschüttert und schmerz-\nhaft verletzt werden kann, dass man darüber fast ausser\nsich geräth; welcher Eindruck durch ein schlechtes Ge-\nmälde, eine traurige Gegend oder ein sehr mangelhaftes\nGedicht in uns unmöglich hervorgebracht werden kann.\n„Hieraus geht aber zugleich hervor, dass unsere Ge-\nfühle in der engsten und innigsten Verwandtschaft zu dem\nReiche der Töne stehen, und nur hiedurch wird es mög-\nlich, dass die Zusammensetzung derselben in einer Compo-\nsition und ihre Beschaffenheit eine so bedeutende Wirkung\nauf unsere Empfindungen äussern.\n„Zu den besonderen Eigenschaften und Vorzügen der\nTonkunst darf noch gezählt werden, dass sie selbst in dem\nUngebildetsten tiefe, unerklärliche Empfindungen erregt,\nohne dass dieser mit dem Künstler fast auf derselben Stufe\nzu stehen braucht, was sonst bei anderen Künsten seltener\nder Fall ist.\n„Die Frage liesse sich wohl aufwerfen, ob die merk-\nwürdige Composition der Scene in der Wolfsschlucht in\nWeber's Freischütz irgendwo anders als im Theater,\nund ohne Worte und Decorationen, ohne die flatternden\nEulen und Fledermäuse, den wilden Jägerzug in der Luft,\nden spukenden Samiel u. s. w. aufgeführt, uns wohl nicht\nin dieselbe schauerlich grauenvolle Stimmung versetzen,\nund uns irgend eine teuflische Werkstelle mit allen ihren\nSchrecknissen und grässüchen gespenstigen Wesen ahnen\nlassen würde?\n„In der Introduction zur „Norma\" von Bellini findet\nman die höchst kunstvolle Darstellung einer Gegend. Mit\ntiefen Tönen beginnend, entfaltet sie sich in finsteren Har-\nmonieen und gibt den Eindruck, welchen das waldige Dun-\nkel eines ausgedehnten Haines auf das menschliche Gefühl\nhervorbringt, treu wieder. Einzelne gleitende und abgeris-\nsene Töne scheinen einige lichte Unterbrechungen des\ndunkeln Waldes zu bezeichnen; und somit wird die erste\nDecoration der Oper, der Opferhain, passend geschildert.\n„Gewiss wird dem Leser das Treffende dieses Ton-\ngemäldes noch mehr auffallen, wenn ich ihm die mir be-\nkannt gewordene Aeusserung eines Blinden hier anführe,\nwelcher bei dem ersten Anhören dieser introduction so-\ngleich die Darstellung einer Waldpartie auf der Scene\nerrieth.\n„Es versteht sich von selbst, dass ich keineswegs auch\nnur im Entferntesten die Ansicht habe aufstellen wollen,\nals sei ein Gedicht ohne musicalische Composition nicht\nfähig, das Gefühl anzusprechen und zu erregen: eine Be-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "335", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581016-01.1.7", "texte": "hauptung, welche der täglichen Erfahrung durchaus wider-\nspräche. Die grossartigen und meisterhaften Dichtungen in\nunserer geliebten Muttersprache, so wie die andcicr Na\ntionen beweisen gar zu sehr das Gegentlieil. Ausserdem\nmuss ja das Gedicht erst den Tondichter begeistern, die in\ndemselben durch Worte bezeichneten Gefühle in ihrer\nwahren liefe durcb sinnverwandte Töne auszudrücken.\n„Dennoch aber ist der ausgezeichnetste Vorleser, der\nberühmteste Declamator nicht im Stande, durch den \\ or-\ntra,T eines Dichterwerkes unsere Gelühle so tief zu ergrei-\nfen, als es durch Hinzuziehung der Musik möglich wird,\nweil die Musik die Bilder und Handlungen des Gedichtes\nnicht bloss verstärkt, sondern auch anschaulicher macht\nund viel nachhaltiger auf das Gefühl wirkt.\nDie Sprache ist nur fähig, einen Gegenstand zu be-\nnennen, ihm einen Namen zu geben, welcher von dem-\njenigen,' der diese Sprache kennt, verstanden wird, weil\nwir durch Gewohnheit unseres Gehör-Organes oder durch\nHülfe unseres Gedächtnisses es nicht anders lernten und\nkennen, als dass dieses oder jenes Wort die einmal ange-\nnommene Bedeutung habe. Es könnte aber eben so gm\nangenommen sein, dass das Wort „„lächeln umge-\nkehrt „„weinen\"\" bezeichnete; dass man statt „„schla-\nfen\" \", sagte: „ „wachen\"\", um das Schlafen zu bezeich-\nnen. Die Franzosen, Engländer u. A. werden in dem Worte\n.. .lächeln\"\" nichts „ „Lächelndes\"\" finden, wenn sie kein\nV 1 \\ 4 .\nDeutsch verstehen, sondern nur in dem Worte sounant\noder smiling, wodurch ihre Sprachen diese Gefühls-Aeus-\nserung bezeichnen. Sie werden bei dem mündlichen Vor-\ntrage eines deutschen Gedichtes durchaus nichts empfinden.\nWenn wir ein aus der Feder des besten Dichters ge-\nflossenes Gedicht über üie Liebe ) in uns bekannter Spra-\nche lesen oder declamiren hören, dessen Inhalt der Ver-\nfasser tief empfand, ja, welches vielleicht seine eigene Hei-\nzensempfindung schildert oder enthüllt, und woiin ei die\ntiefsten und innigsten Bewegungen, die sein Inneres durch-\nglühten, und so ihm die W orte der Dichtung entlockten,\nausspricht, so können wir durch den Sinn der Worte zwar\nauf das vollkommenste begreifen, was er empfand, aber\nnicht, wie er es fühlte, nicht die verschiedenen Nuancen\nund Abstufungen seines Gelühls; denn die Worte benen-\nnen dasselbe, aber sie sind nicht der Ausdruck des Ge-\nfühls selbst, sie bezeichnen nicht dessen Tiefe; der Ton\naber ist die einzig wahre Verkörperung des Gefühls.\n„Wem der Himmel das Talent, die glückliche, segen-\nbringende Fähigkeit zur Composition verliehen hat, der\nwird es ihm nie genug danken können; denn er besitzt\neines der reichsten Güter für Geist und Herz, eine Gabe,\ndie ihn fähig macht, sich dem Irdischen zu entreissen und\ndem Himmlischen zu nahen, die Reinheit und den Frieden\ndes Herzens sich zu bewahren, allein und mit dem Dichter\nvereint seinen Schöpfer zu verherrlichen, seinen Neben-\nmenschen wohlzuthun und sich die Liebe und Veiehrung\nder Mit- und Nachwelt zu erwerben!\n„Die Musik ist ein unmittelbares Werk der Natur, sie\nist mehr noch: ein unmittelbares Geschenk Gottes,\nnicht durch den Verstand des Menschen erfunden, sondern\nihm gegeben durch die milde Hand des grossen Gebers\nalles Guten, zur tröstenden und erquickenden Begleiterin,\nzur Beruhigung in trüben Stunden, zum deutlichsten Aus-\ndrucke seiner Freuden und Leiden, zur Stärkung seines\nMuthes, zur Erhebung seiner sittlichen Kraft, zui Föide-\nrung seines inneren Werthes, zur Befestigung seiner Hoff-\nnungen, vor Allem aber zum Lobe des Ewigen, Allmäch\ntigen, Allgütigen!\n..Es ist daher ein durchaus nicht zu entschuldigender\nFrevel an dieser hohen, göttlichen Kunst, wenn man sie\nbloss als Zeitvertreib für müssige Augenblicke oder als\nOhrenkitzel ansieht, sie bloss zu den Bewegungen des gc\ndankenlosen Tanzes bestimmt glaubt, oder nur ihre Vor-\nträge besucht und anhört, weil es Mode und Anstand for-\ndern, oder wenn man auch bloss dazu die Musik benutzt,\nsich für die Conversation ein oberflächliches Urtheil über\nKünstler und Kunstwerke zu bilden, und nicht viel-\nmehr sich bemüht, das Erhabene, Herrliche, Wahrheit-\nAthmende, Tief-Ergreifende jedes Tonwerkes vollständig\nund richtig aufzufassen, in die Producte begeisteitci Stun-\nden grosser Tondichter sich hinein zu denken, und so mit\nunbefangenem Sinne und weit offenem Herzen zu fühlen,\nwas sie fühlten, zu nehmen, zu gemessen, was zum Hoch-\nj genusse sich darbietet, und zu suchen und zu finden, was\nwahrlich zu finden ist in dem überschwänglichen Reich-\nthume alles Gediegenen in der Tonkunst: Veredlung un-\nseres Gefühls, Verfeinerung unserer Sittlichkeit, Stärkung\nunserer Kraft, unseres Muthes, Tröstung im Leiden, Kräf-\ntigung unseres Geistes, Hoffnung für uie Zukunft und tieucs\nAusharren und festhalten im Glauben und in der Litbc.\nL. I>.\n*) Ein Beispiel über den Ausdruck des Gefühls der Liebe ist\ndes falls hier gewählt, weil sie die heftigste und lebhafteste\nder Leidenschaften genannt wird.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nS4_«tßi3» Die zwei jüngeren Gebrüder Brassin siiul seit einigen\nTagen hier und werden sich nächstens öffentlich hören lassen.\nAlfred Jaell hat in Süddeutschland, namentlich in Salz-\nburg, wo er drei sehr besuchte Concerte gegeben hat, neue Lor-\nbern geärntet. Gegenwärtig verweilt er wieder am Rheine in Ba-\nden-Baden, wo er am 2. d. Mts. mit dem Violinisten Hermann\nund dem Violoncellisten Franco-Mendes in einer Soiree im Con-\nversationshause gespielt hat."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "336", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581016-01.1.8", "texte": "f\nIn Salzburg hatte Herr Ja eil die Ehre, in den Appartements\nIhrer Majestät der Durchlauchtigsten Kaiserin Carolina Augusta\nvor den eben anwesenden Allerhöchsten Herrschaften, Ihrer Majestät\nder Königin Marie von Sachsen, Ihren Kaiserlichen Hoheiten dem\nHerrn Erzherzog Franz Karl und der Frau Erzherzogin Sophie,\nIhrer Kaiserlichen Hoheit der Frau Erzherzogin Clementine, Prin-\nzessin von Salerno, und Ihrer Königlichen Hoheit der Frau Herzogin\nvon Anmale mehrere Piecen von Chopin und von eigener Compo-\nsition vorzutragen.\n„Das Theater in Sanssouci\", Aufsatz des Herrn Hofrathes L.\nSchneider in Nr. 2 des neuen Deutschen Theater-Archivs, bringt\nzwei merkwürdige Cabinets-Ordres Friedriche des Grossen. Für den\nBesuch des russischen Grossfürsten, späteren Kaisers Paul, am preus-\nsischen Hofe im Juli 1776 waren nämlich Feste aller Art projectirt,\nmit denen sich der König bis in die kleinsten Details beschäftigte.\nSchon am 20. Juni musste der Capellmeister Keichardt nach Sans-\nsouci kommen und einen allegorischen Prolog zur Oper „Angelica e\nMedoro\" für Porporino und Tosoni componiren, eben so eine Arie\nfür die Mar a. Der Gatte der Letzteren, ein persönlicher Feind Rei-\nchardt's, wusste sie zu überreden, an den König zu schreiben:\n„solche Musik könne sie nicht singen!\" Die Folge davon war eine\nOrdre an den Baron v. Arnim, welche Einblick in die Weise ge-\nwährt, wie der grosse König das turbulante Völkchen seiner Oper\nvon Sanssouci aus regierte:\n„ \\ ous pourrez clire ä la chanteuse Mara en reponse ä la lettre,\nqu eile vient de M'adresser que Je la payois pour chanter et non pour\necrir, que les airs etaient tres-bien, tels qu'ils etaient et qu eile devoit\nsen aeeomuder, sans tant de verbiage et difjiculte. Sur ce etc, etc.\n„Frederic.\nPotsdam le 30 de Juin 1776.\"\nEigenhändig war darunter bemerkt:\nElle est payee pour chanler et non pour ecrire.\nGleichzeitig wurde der eben erwähnte Kammermusicus Mara\nnach Spandau gebracht, was den Baron v. Arnim, der nun Störung\nder Opern-\\ orstellungen überhaupt fürchtete, ausser sich brachte.\nAuf seine Eingabe desswegen an den König erfolgte jene merkwür-\ndige in Theater-Angelegenheiten ausnahmsweise deutsch ge-\nschriebene Ordre:\n„Bester, besonders lieber Getreuer! Ich werde aus Eurer Vor-\nstellung vom 4. d. gewahr, dass Ihr sehr sanftmüthig und ein sehr\ngrosser Freund seid von der Mara und ihrem Mann, weil Ihr Euch\nderselben so sehr annehmt und vor sie das Wort führt. Ich muss\nEuch aber nur sagen, dass Eure Sanftmuth hier schlecht angebracht\nist, und dass Ihr weit klüger handeln werdet, wenn Ihr dasjenige\ntliut, was ich Euch befehle, und Euch nicht angewöhnt, zu raison-\nniren; denn das leide ich durchaus nicht, und müsset Ihr Euch der-\ngleichen nicht in den Sinn kommen lassen. Die Mara soll die Arie\nsingen, wie ich es verlange, und nicht widerspenstig sein, wo sie\nnicht will, dass es ihr eben so wie ihrem Manne ergehen soll, und\ner soll sitzen, bis auf weitere Ordre, danach kann sie sich richten.\nIhr hingegen müsset Euch nicht einbilden, dass Ihr mein Geheimer\nRath seid. Dazu habe ich Euch nicht angenommen, sondern Ihr habt\nEuch besser zu befleissigen, meinen Ordres parition zu leisten, wenn\nIhr wollet, dass ich ferner sei Euer gnädiger König.\n„Friedrich.\n„Potsdam, den 5. Juli 1776.\"\nEnde dieses Jahres kommt die neue Oper „Anna\nvon Landskron\" des Kammermusicus Abert zur Aufführung.\nDie Vorstellungen der deutschen Oper haben\nnach unausgesetzten Widerwärtigkeiten ihr Ende erreicht.\nIParis. Der freudige Eindruck, welchen die durch alle Zeitun-\ngen gegangene Kunde der grossmüthigen Widmung und Einsendung\neiner Tantieme des Ertrags der mit so glänzendem Erfolge im\nThedtre hjrique in Paris aufgeführten Noces de Figaro an den einzi-\ngen noch lebenden Sohn Mozart's in Mailand allenthalben hervor-\ngebracht, wird durch folgende Notiz der Gazette des Theätres sehr\nherabgestimmt werden.\nHerr Carvalho, Director des Thedtre lyrique) hatte den vortreffli-\nchen Gedanken, die ISoces de Figaro in Scene zu setzen, und der\nEifolg, welcher diese Initiative krönte, hat die Empfindlichkeit der\nCommission der Autoren geweckt, und die Direction des genannten\nTheaters musste die Wechselfälle mehrerer gerichtlichen Reclamatio-\nnen bestehen. Mehrere Journale, und wir sind unter der Zahl, ha-\nben angekündigt, dass die Commission der dramatischen Schriftsteller\nden Nachkommen Web er's und Mozart's die aus den Vorstellun-\ngen Oberon s, der Preciosa und der ISoces de Figaro fliessenden Au-\ntoren-Gebühren habe zukommen lassen. Für dieses letztere Werk\nallein hat die dem Nachkommen Mozart's zugesandte oder wenig-\nstens zugedachte Summe am Schlüsse der Saison des Thedtre lyrique\n8000 Fr. betragen. Im Angesichte der Bedeutenheit dieser Ergeb-\nnisse haben mehrere Autoren sich die Frage gestellt, ob die Zuwen-\ndung so beträchtlicher Summen nicht alle Voraussicht übersteige,\nund sie wurden dadurch zu der Nachforschung angeregt, aus wel-\nchen Rechtstiteln diese Zahlungen hervorgingen. Unter dem Datum\ndes 22. Juli 1858 haben die Herren Siraudin und Cholör der Com-\nmission der Autoren einen aussergerichtlichen Act überreicht, in wel-\nchem sie verlangen, dass der Stand aller, der Gesellschaft fremden\nPersonen zugewandten Summen nachgewiesen werde, und dass unter\nder Verantwortlichkeit der Commissionsglieder, welche ähnliche Zah-\nlungen angeordnet haben, die Fonds, die hierzu geopfert oder be-\nstimmt sind, der Cassa wieder einverleibt oder in der Gesellschafts-\nCassa behalten werden. Demgemäss weigert der Director des Thedtre\nlyi ique sich, der Gesellschaft die Mozart'sehen Gebühren heruus-\nzuzahlen, und macht Anspruch, sie in seiner Cassa zu behalten."}]}