{"numero_id": "bm-bmtnabi-1858-10-23-01", "volume": "bmtnabi_1858-10-23_01", "ocr_sha256": "8e2272316527e26296fcb2ca2ad02edce18a6ded9e0b111c3fc59b5396c7d61a", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1858/10/23_01/bmtnabi_1858-10-23_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581023-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1858-10-23-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-10-23_01#c001", "volume": "bmtnabi_1858-10-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "337", "page_fin": "337", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581023-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "337", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581023-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 419, "texte": "Inhalt.\nErinnerung an Salieri und dessen Oper ~Die Danaiden\". Das Musikfest in Coblenz (Jubelfest des Musik-Instituts). Von\nL, B. Aus Düsseldorf (Concert von Frau Clara Schumann).—Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Erstes Gesellscliafts-\nConecrt im grossen Gürzenichsaale, Gebrüder Leopold und Gerhard Brassin, Gastspiel von Fräulein Auguste Brenken Kassel, Capell-\nmeister C. 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April 1784 Statt mit der Ankün-\ndigung: „Text von Herrn ***, Musik von dem Herrn Rit-\nter Gluck und Salieri.\"\nNach einem Vorworte des Textbuches lag der Bear-\nbeitung des Gedichtes ein italiänisches Manuscript von Cal-\nsabigi, dem Dichter des Orpheus und der Alceste, zum\nGrunde, einige Scenen waren einem Ballet von Noverre\nentnommen. Das ganze Libretto hatte der Parlaments-\nAdvocat P. L. Moline verfasst.\nGluck hatte die Composition abgelehnt; als die Di-\nrection der grossen Oper ihn bat, ihr einen Componisten\nvorzuschlagen, der im Stande wäre, die Danaidcn in sei-\nnem Geiste und in dem Charakter seiner Musik zu com-\nponiren, -empfahl er Salieri. Man erzählt, er habe damals\ngeäussert: „nur der Ausländer Salieri lerne ihm alle seine\nManieren ab, weil kein Deutscher von ihm lernen wolle.\"\nEs geschah auch mit Gluck's Bewilligung, dass man in\nParis das Gerücht über seine Mitarbeitung an der Oper\n„Die Danaiden\" verbreitete und sogar öffentlich durch\ngedruckte Anzeigen bestätigte.\nDie Abschiedsworte des alten, kränkelnden Meisters\nan Salieri, als dieser zur Vorbereitung der Aufführung\nnach Paris ging, waren folgende: „Ainsi, mon eher ami\nlei parte domani per Parigi\ncuore un hon voyage Sie gehen in eine Stadt, wo\nman die fremden Künstler schätzt e lei si farä onore\nich zweifle nicht. Ci seriva Mais bien souvent.\"\nMosel, über das Leben Salieri's.)\nAus gleichzeitigen Blättern, namentlich dem Mercure\nde France,dem Journal de P und dem zweiten Jahr-\ngang von C. F. Cramer's Magazin, stellen wir folgende Er-\ninnerungen zusammen.\nC. F. Cramer schreibt darüber: „Dass die Danaiden\nAnfangs in Paris unter Gluck's Namen durchgehen sollten,\num mancher schiefen Bemerkung vorzubauen, die so Viele,\nwelche nur nach dem Namen des Verfassers und nicht\nnach innerem Werthe Werke des Genie's beurtheilen,\ndarüber zu machen bereit seyn würden, und auch die Auf-\nführung davon zu erleichtern, wusste ich schon lange vor-\nher, ehe Salieri von Wien nach Paris abging, durch Briefe.\nAls er in Frankreich angelangt war, erhielt ich sehr bald\naus Wien folgende Nachrichten von seinem Erfolge. „ „Den\nDanaiden\"\", schrieb man, „„geht's bis jetzt so gut, als\nmöglich. Man glaubt von Neuem, die ganze Oper sey von\nGluck, und der Componist ist dadurch vor tausend Placke-\nreyen in Absicht der Aufführung gedeckt, welches sonst\ngewiss bey einem zum ersten Male erscheinenden neuen\nMeister anders sein würde. Die Königin hat ihn dreymal\nnach Versailles kommen lassen, die Oper zu probiren, und\nselbst immer mit dem Professori gesungen. Noch einmal\nsoll er sie dort in Gegenwart des Königs, des Grafen von\nArtois und einiger Vornehmen des Hofes von beyderlev\nGeschlecht produziren. Er wird Ursache haben, zufrieden\nzu seyn, wenn sie bey dem Publico in Paris eben densel-\nben Beifall findet, welchen sie bey Hofe genossen hat.\"\"\n„In einem anderen Briefe, den Salieri von Paris aus\nan den Secretär der Finanzkammer in Wien, den Herrn\nParadies, Vater der berühmten blinden Ciavierspielerin,\ngeschrieben, sagt er unter Anderem: „ „Der Ritter Gluck\nhatte wohl Recht, zu versichern, dass, wenn er eine Oper\nzu componiren zwanzig Livres verlange, er für die Mühe,\nsie aufführen zu lassen, zwanzig Tausend haben müsse.\"\"\n„Endlich schrieb mir Salieri nach seiner Zurückkunft\nvon Paris Folgendes über den Erfolg seiner Oper, mit aller\nder edlen Bescheidenheit und unbefangenen Offenherzigkeit,\ndurch die der Werth seiner Talente so sehr erhöhet wird:\n„„Wien, den 20sten Julius 1784 Ich bin also\nendlich wieder von Paris zurück. Was die Nachrichten"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "338", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581023-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5377, "texte": "von den Danäiden, die Sie von mir verlangen, betrifft, so\nwürde ich nichts weiter thun können, als das zu wieder-\nholen, was Sie schon im Journ und im\ncure de France werden gelesen haben. Sie haben in jenem\nwohl die Indecision des pariser Publieums über den Werth\noder ünwerth dieser Oper und das Lob nebst der Kritik\nin Detail (in Nr. 21) bemerkt; so wie in diesem die Er-\nklärung über den wahren Verfasser der Mnsic, vom Ritter\nGluck. Das, was man seit meiner Abreise von dieser Oper\ndenkt, ist mir noch nicht bekannt. Während meines Auf-\nenthaltes dort ward sie dreyzehnmal vorgestellt. Mir ist es\nnicht mehr als die beyden ersten Abende gelungen, sie gut\naufführen zu hören, und das aus besonderer Gefälligkeit\n{per grazia speciale); die andernmale habe ich nicht Lust\ngehabt, hinzugehen und zwev Stunden zu warten, um eine\nStelle zu bekommen; habe sie also nicht gut hören und\nsehen können. Einige Leute haben alles Gute, andere alles\nBöse davon gesagt; einige wollen, dass sie meine Arbeit\nsein soll, andere nicht; olmcrachtet der öffentlichen Erklä-\nrung des Ritter Gluck und meiner Antwort darauf. Was\nist also dabey weiter zu thun?\n~ „Die Direction der Oper in Paris hat mir nach jener\nErklärung des Ritter Gluck aufgetragen, zwey neue dra-\nmatische Gedichte in Music zu setzen, eines betitelt: Atar,\nlioi d'Ormus,und das andere:\nDieses letztere wird wahrscheinlich das erste seyn, das ich\nzu Ende bringen werde. Gluck räth's mir so; und das an-\ndere fordert zu viele Zeit wegen der Besonderheit, womit\ndas Sujet behandelt ist. Das Publicum in Paris liebt über-\nhaupt und sucht die Wahrheit in der Music; ich daher,\nder ich ohne diese Wahrheit meine Kunst hasse, fühle\nmich geneigt, höchst geneigt, alle meine Kräfte anzuwen-\nden, mich seines Bei falls werth zu machen, und glaube\ndesshalb und hoffe, dass ich schwerlich wieder italiänische\nOpern componiren werde.\"\"\nDie Erklärung des Ritters Gluck, auf welche sich Sa-\nlieri in diesem Briefe bezieht, erschien im 'Journal de Pa-\nris, nachdem die Oper bereits eine Reihe von Vorstellun-\ngen erlebt hatte. Gluck macht darin bekannt, dass die\nMusik zu den Danaiden ganz und gar von Herrn Salieri\nsei, und dass er keinen weiteren Antheil daran habe, als\ndurch die Rathschläge, die er dem Componisten ertheilt.\nDas Textbach, welches Salieri oben\nmus11 nennt, ist von ihm für Paris als Ballet\nfür Wien unter dem Titel: „Axur, König von Ormus\",\neomponirt und auf deutschen Bühnen noch bis in die\n18'20r Jahre gegeben worden.\nDer Inhalt und der Gang der Handlung in den Da-\nnniden ist folgender: Das Schauspiel ist in fünf Aufzüge\ngetheilt. Der erste Act geht am Ufer des Meeres vor, nahe\nbeim Tempel der Juno. Man sieht die Söhne des Aegyptus\naus ihren Schiffen steigen. Danaus, Hypermnestra, Linceus,\ndie Danaiden, die Brüder des Linceus, die Priester und\ndas Volk erfüllen die Scene.\nDie Exposition in den Danaiden bildet ein grosses\nGemälde. Danaus und seine Töchter, Linceus und seine\nBrüder schwören vor dein Altare der Juno, auf immer den\nGroll zu ersticken, der so lange gegenseitig die beiden Fa-\nmilien getrennt hat, und die Ehe der Töchter des Danaus\nsoll das Unterpfand dieser grossen Versöhnung sein. Da-\nnaus ladet die Neuvermählten ein, des Glückes zu gemes-\nsen, welches Hymen ihnen verspricht. Linceus und Hy-\npermnestra überlassen sich allen Entzückungen einer nach\nso langen Widerwärtigkeiten glücklichen Liebe. Der Act\nschliesst mit einer Anrufung des Hymen und mit Tänzen.\nDer zweite Act wird in einem unterirdischen, der Ne-\nmesis geweihten Tempel eröffnet. Die Statue dieser Göttin\nstellt in der Mitte; vorn ihr Altar. Den grausenvollen Ort\nerhellt nur der dunkle Leichenschein von Lampen. Danaus\nhat hier seine Töchter versammelt, um ihnen ein grosses\nGeheimniss zu offenbaren. Er erinnert sie daran, dass sein\nBruder Aegvptus ihn vom Throne vertrieben hat: er habe\nihn tödten wollen; sein immer grausamer und unversöhn-\nlicher Mass verberge sich jetzt unter dem Anscheine der\nFreundschaft; ihre Vermählung verhülle einen schreck-\nlichen Fallstrick: sie sollten durch die Hand ihrer Gatten\numkommen. Die Danaiden, Hypermnestra ausgenommen,\nwerden bei dieser Erzählung von seiner Wuth mit ent-\nflammt und theilen den Groll ihres Vaters. Er lässt sie auf\ndem Altare der Nemesis schwören, Werkzeuge seiner\nBache und seines Hasses zu sein; sie sagen ihm einen\nblinden Gehorsam zu; darauf enthüllt Danaus ein Bün-\ndel Dolche, die auf den Altar gelegt sind, gebietet ihnen,\nsich damit zu bewaffnen und sie in ihrem Busen zu ver-\nbergen, bis die Nacht ihre Gatten ihren Armen zuführen\nwerde. Alsdann sollten sie alle auf ein gegebenes Zeichen\ndie Gemahle ermorden. Sie schwören den schrecklichen\nEid und begeben sich aus dem Tempel weg. Danaus, der\ndie Bestürzung und das Stillschweigen der Hypermnestra\nbemerkt hat, hält sie zurück. Er macht ihr Vorwürfe. Hv-\npermriestra antwortet, dass sie nie einwilligen werde, den\nGemahl, dem sie Treue gelobt habe, zu tödten. Sie be-\nschwört ihren Vater, dieser schreck'ichen Bache zu entsa-\ngen; er ist unerbittlich und droht ihr und ihrem Gatten\nden Tod, wenn sie nicht schweige. Hypermnestra, allein\nzurückgeblieben, fühlt das ganze Grauenvolle ihrer Lage,\ndie sie in einer Arie schildert und den Tod als die einzige\nBettung, die ihr übrig bleibt, anruft.\nIm dritten Acte stellt das Theater einen Garten vor,\nder zu einem Feste geschmückt ist. Danaus, seine Töchter"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "339", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581023-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5448, "texte": "und ihre Gatten kommen mit Gefolge, das Fest des Hy-\nmenäus mit Gesang und Tanz za begehen, worauf ein\nMahl folgt, an dem jede Danaide an der Seite ihres Gat-\nten sitzt. Der ganze Act ist Chor und Ballet und hoch-\nzeitlicher Pomp.\nDas Theater verwandelt sich im vierten Aufzuge in\neine Galerie mit Zugängen zu den hochzeitlichen Zimmern\nder llypermnestra und ihrer Schwestern. llypermnestra\ntritt mit ihrem Vater auf, den sie noch zu erbitten ver-\nsucht; umsonst! Ihr Flehen, ihre Gründe, ihre Thränen\nkönnen sein Felsenherz nicht erschüttern; er verlangt von\nihr Gehorsam, Vollführung seiner Rache, und lässt sie un-\nter der Wache von Soldaten, die den Auftrag haben, die\nThür des Zimmers zu besetzen und Jedem, ausser dem\nLinceus, den Eingang zu wehren.\nllypermnestra, in Verzweiflung, hat weiter keinen\nWunsch, als den, dass Linceus sich auf immer von ihr\nentfernen möge. Indem tritt er herein, stürzt sich ihr zu\nFüssen, voll liebender Hoffnung. Sie gebietet ihm Flucht\n—er zögert. Da hört man das verhängnissvolle Zeichen,\nsie ruft ihm zu: Flieh! man mordet deine Brüder! Er\nstürzt hinaus, sie zu rächen oder mit ihnen zu sterben.\nKaum ist er hinaus, als man hinter der Scene das Geschrei\nder Unglücklichen hört, die ermordet werden, llyperm-\nnestra sinkt in Ohnmacht, und jener schreckliche Chor\nbeschliesst den Act.\nDie Decoration bleibt im fünften dieselbe. llyper-\nmnestra, die auf der Bühne noch immer in Ohnmacht liegt,\nkommt zu sich selber, unwissend des Schicksals ihres Ge-\nliebten. Danaus erscheint und fragt sie, ob Linceus von\nihrer Hand getödtet sei. Ich habe meinen Gatten gerettet,\nsagt sie, und trotze deiner Hache! Sie geht hinaus, und\nDanaus folgt ihr, den Linceus aufzusuchen. Hierauf strö-\nmen die Danaiden auf die Bühne, wutherfüllt, mit fliegen-\nden Haaren, halb mit Tigerhäuten bekleidet, in der einen\nHand einen Thyrsus, in der anderen einen blutigen Dolch.\nAndere haben Tympana in den Händen, die sie mit ihren\nDolchen schlagen; andere schütteln Fackeln. Danaus\nkommt zurück und kündigt seinen Töchtern an, ihre Hache\nsei verrathen, und Linceus entkomme seinem Zorne. Er\nwill llypermnestra mit eigener Hand hinopfern. In dem\nAugenblicke, da er den Stahl gegen sie erhebt, dringt Lin-\nceus mit den Seinigen auf ihn ein, Pelagus stürzt auf den\nDanaus zu und tödtet ihn. Nun verdunkelt das Theater\nsich, die Erde bebt, und der Donner brüllt. Alle fliehen\nbestürzt. Der Palast, vorn Donner getroffen und von den\nFlammen verzehrt, sinkt in sich ein und verschwindet. Die\nDecoration ändert sich und stellt den Tartarus vor. Man\nsieht die Höllenflüsse Blutströme wälzen und mitten auf\nder Bühne den Danaus, an einen Felsen angekettet, von\neinem Geier genagt; auf sein Haupt stürzen wiederholt\nDonnerkeile herab. Die Danaiden, gruppenweise gefesselt,\nvon den Dämonen gequält oder von Furien verfolgt, er-\nfüllen das Theater mit ihren Bewegungen und mit ihrem\nGeschrei; ein feuriger Regen ergiesst sich unaufhörlich\nherab. Während dass dieser pantomimische Tanz von Tän-\nzern executirt wird, drückt ein Chor das Geschrei und Ge-\nseufze der Danaiden aus, die sich umsonst bestreben, die\nverfolgenden und sie quälenden Dämone zu besänftigen.\nNachdem der kenntnissreiche und geschickte Beur-\ntheiler der Oper in dem Mai-Hefte des Mercure de France\ndie Vorzüge und Schwächen des Textbuches bezeichnet\nund sehr treffend charakterisirt hat, spricht er sich in dem\nBlatte vorn 22. Mai 1784 über die Musik aus. Er sagt:\n„Bei der noch immer schwankenden Meinung des Pu-\nblicums über den Werth der Musik der Danaiden wollen\nwir uns damit begnügen, die unsrige nach den Eindrücken\nzu sagen, die sie auf uns gemacht hat, und sie dem Ur-\ntheile erleuchteter und unparteiischer Kenner unterwerfen.\n„Die Ouvertüre ist mit einer schönen Intention ge-\nschrieben. Sie hebt gleich mit Ernst an. Es folgt darauf\neine Stelle voll lebhafter Bewegung und fröhlichem Ge-\nsänge, die auf die Feste, die vorkommen sollen, hindeutet,\nund dieses wird wieder von anderen Zügen unterbrochen,\nworin die starken Ausdrücke und pathetischen Accente zu\nfinsteren und tragischen Gedanken leiten. Diese verschie-\ndenen Charaktere sind mit Kunst zusammen contrastirt\nund in einander verschmolzen, et soutenus par im bei effet\nd'orchestre. Vielleicht ist das erste ernste Stück nicht ge-\nnug entwickelt, so dass der Eindruck davon zu bald durch\ndie fröhliche Bewegung, die darauf folgt, ausgelöscht wird,\ndie überhaupt wohl ein wenig zu viel in diesem Stücke\nzu herrschen scheint. Im Ganzen erkennt man den wahren\nGeist dieser Art von Composition darin, wovon Gluck auf\nunserem Theater das erste Muster in der erhabenen Ouver-\ntüre der Iphigenie in Aulis gegeben hat. Die vor den Da-\nnaiden, ohne mit jener verglichen werden zu können, ist\nweit über den unbedeutenden Symphonieen, die nichts ma-\nlen, nichts ankündigen, die in die gewöhnliche Form von\nSonaten gegossen, alle aus drei oder vier Stücken zusam-\nmengestoppelt sind, von verschiedenen Charakteren und\nBewegung, ohne Einheit, so wie ohne Absicht, und die\ndessungeachtet geschickte Componisten Ouvertüren nennen.\n„Das Recitativ ist uns überhaupt gut accentuirt, rasch,\nausdrucksvoll und wahr vorgekommen; allein bisweilen ein\nwenig allzu sehr singend, das heisst in zu grossen und\nvornehmlich consonirenden Intervallen einherschreitend.\nWir finden auch gewisse Schiussfälle von Phrasen, die zu\noft wiederkommen und dem Gange des italiänischen Reci-\ntativs eigen zu sein scheinen, darin. In den leidenschaft-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "340", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581023-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5485, "texte": "liehen Stellen sind die Bewegungen und Nuancen der Af-\nlecte durch starke und merkliche Modulationen ausgedrückt.\nEs ist fast immer accompagnirt, und immer mit Absicht;\ndie Begleitung des Orchesters, die es unterbricht oder ver-\nstärkt, hat mehr oder weniger Entwicklung und Ausdruck,\nje nachdem die Worte und die Situation es erheischen.\nDer Componist hat sich sehr davor gehütet, sich der will-\nkürlichen Distinction zu unterwerfen, die man zwischen\ndem einfachen und uneigentlich so genannten gebundenen,\naccompagnirten Recitative (recitatif oblige) macht; wovon\njenes, eintönig im Gesänge und nackt an Harmonie, die\nGrundlage der Scene auszumachen pflegt, und dieses, zwar\ndurch einige Phrasen ausdrückender Begleitung unter-\nbrochen, dennoch nur für einige leidenschaftliche Mono-\nloge aufgespart blieb, die fast immer eine Arie vorbereiten\nmussten. Von Gluck ist uns zuerst das Kindische dieses\nSchlendrians {de ces procedes de routine) fühlbar gemacht\nworden, der in der Kindheit der Kunst als Regel festge-\nsetzt war, jetzt aber sogar von den Componisten wegge-\nworfen wird, die noch am hartnäckigsten an der alten Me-\nthode kleben. Der Verfasser der Danaiden hat mit vieler\nKunst und Einsicht das einfache und so genannte beglei-\ntete Recitativ zusammen vermischt, hat beides bisweilen\ndurch Gesangstellen a tempo,die doch keine förmlichen\nArien sind, unterbrochen und darüber nichts als den Sinn\nder Worte, die Situation und die Empfindung der Perso-\nnen seines Stückes befragt. Dieses Lob ist indessen nicht\nohne seine Ausnahmen, und wir müssen gestehen, dass es\nverschiedene Stellen, selbst in den interessantesten Theilen\ndes Recitativs, darin gibt, wo die Accente uns nicht glück-\nlich gestellt scheinen, und wo die Declamation nicht so rich-\ntig ist, als wir es gewünscht hätten. Es thut uns leid, dass\ndie Gränzen dieses Journals uns nöthigen, uns mit einer\nso allgemeinen Kritik zu begnügen, und es nicht erlauben,\nBeispiele anzuführen, die unsere Meinung erläutern wür-\nden und die Leser in Stand setzen könnten, die Wahrheit\nunserer Bemerkung zu prüfen.\n„Die Arien scheinen uns im Ganzen die Charaktere\nund die Bewegung zu besitzen, die sich für die singenden\nPersonen und ihre ausgedrückten Leidenschaften schicken.\nDer Componist hat die Declamation mit dem Gesänge\nzu vereinigen gewusst, ohne der Entwicklung seiner The-\nma's und der Einheit des Ganzen zu nahe zu treten. Er\nwendet mit Geschmack die Wiederholungen an, die in der\nArien-Musik nothwendig sind und dazu beitragen, ihr eine\ngewisse Rundung zu geben, die aber, verschwendet, sie\nnur kraftlos machen, indem sie den Fortschritt der Hand-\nlung hemmen. Die Begleitung trägt immer das Ihrige dazu\nbei, den allgemeinen Charakter der Arie zu unterstützen\nund die besonders ausdrückenden Stellen darin zu verstär-\nken. Wir wollen als Beispiele hiervon die drei pathetischen\nArien der Hypermnestra anführen: Par les larmes de\nvotre fille, im zweiten Acte; fex-\npire, im dritten; Pere barbare, arrache moi la vie, im fünf-\nten. Besonders der erste Theil der ersten Arie ist vom ein-\nfachsten Gesänge mit der wahrsten Declamation; die Wie-\nderholung der Worte: Mon pere!hat herzdurchdringende\nTöne im Gesänge, auf eine bewunderungswürdige W eise\ndurch das Crescendo der Instrumente verstärkt, die ihre\nStimmen mit der Hypermnestra's zu vereinigen scheinen,\num das Herz des Danaus zu erweichen. Man könnte diese\nArie vielleicht als ein Muster von dem Umfange und dem\nwahren Maasse anführen, die eine leidenschaftliche Arie,\nmitten in einer interessanten Scene vorkommend, haben\ndarf. Vielleicht ist auch nie glücklicher der Accent der De-\nclamation mit der Schönheit des Gesanges als in der drit-\nten Arie: Pere barbare,vereinigt gewesen; die Wahrheit\nund der Reichthum des Accompagnements vollendet die\ngrosse Wirkung dieses Stückes. Linceus hat in seiner Rolle\nnur zwei; die erste: Reneis mo ist\nvon einem leichten und angenehmen, aber nicht sehr auf-\nfallenden Gesänge; die zweite: Des tourmens de la Jalou-\nsie, neuer im Charakter und von einer lebendigen Bewe-\ngung; das Accompagnement ist reich und interessant und\nhat immer eine grosse Wirkung hervorgebracht. Die erste\nArie des Danaus: Jotdssez du destin propice, scheint uns\nsowohl in der Erfindung als Ausführung von Meisterhand\nzu sein. Das Sujet der Arie ist im Geschmack der Alten\nund erinnert an die Strophen des Anakreon und des Ca-\ntull, wo der Gedanke an den Tod mit Bildern der Wollust\nzusammengestellt war. Dieser Absicht hat, unserem Bedün-\nken nach, der Componist eine volle Genüge gethan. Das\nThema der Arie ist von einem angenehmen und leichten\nGesänge, mit dem sich auf eine feine und natürliche Art\nder finstere Ausdruck der zweiten Idee verbindet. Die Be-\ngleitung athmet Geist und Wärme. Diese beiden so entge-\ngengesetzten Charaktere sind in der Arie mit einer Kunst\nund einem Glücke zusammengeschmolzen, die uns die Auf-\nmerksamkeit aller Leute von Geschmack zu verdienen\nscheint; dennoch gestehen wir, dass diese Arie bei der\nAufführung niemals die Wirkung hervorgebracht hat, die\nwir davon erwartet hätten*). Die andere Arie des Danaus\nim zweiten Acte: Je voas vo ist eine\nSituations-Arie, deren Wirkung fast ganz im Accompagne-\nment liegt. Der Gesang hat nichts Bemerkenswürdiges;\n\n*) An ihrer Statt hätte das nur eine Bravour-Arie mit gehörigem\nKliügklang von Coloraturen und einer Cadenz sein sollen, so\nwürde sie schon das Händegeklatsch der Götter erregt ha-\nben. Aber sie hätte dann vielleicht dem Cato nicht gefallen.\nC. F. C."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "341", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581023-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3786, "texte": "aber die Bewegung des Orchesters, die beinahe dem Un-\ngestüm des empörten Meeres gleicht, malt den Aufruhr\nund die wilde Leidenschaft, die in dem Augenblicke die\nSeele der Danaiden um den Danaus herum bestürmt; sie\nschwillt dabei an und schreitet fort mit einer Kraft und\nWärme, wovon die Wirkung sehr auffallend ist. Man hat\ngewünscht, es möchte in dieser Oper eine grössere Anzahl\nvon Arien sein, und vornehmlich, wie wir schon vorher\nerwähnt haben, von Arien, die eine sanfte und regelmäs-\nsige Melodie haben, in deren Genuss man von den zu star-\nken Bewegungen sich ausruht, und die im Ohr Eindrücke\nzurücklassen, welche man zu erhalten wünscht. W ir hal-\nten dieses Begehren für gegründet; noch mehr, wir glau-\nben, man könne dem Componisten mit Recht Gesänge von\neinem so gewöhnlichen Schlage verdenken, als die Arie\ndes Danaus im dritten Acte: Aux Dieux qui suivent l'hy-\nmenee. Wir finden auch in einigen Arien der Hyper-\nmnestra, dass der Gesang unbestimmt und unzusammenhän-\ngend ist, und dass die Melodie darin ohne Noth dem\ndeclamatorischen Ausdruck aufgeopfert worden: eine Sa-\nche, die man nur sehr mit Maass thun muss, nur dann,\nwenn eine grosse Wirkung für die Scene herauskommt.\nBei unserer Bewunderung des Reichthums in den Arien wol-\nlen wir auch noch hinzusetzen, dass sich dieser Reichthum\nbisweilen bis zur Ueppigkeit versteigt; und dass das Ohr,\nindem die interessanten Partieen des Orchesters allzu sehr\nvermehrt werden, vom Gesänge bisweilen abgewandt wird,\nwodurch der Wirkung der schönsten Melodieen Eintrag\ngeschieht.\n„Auch glauben wir, der Componisf habe sich allzu oft\nder Blas-Instrumente bedient; ihre Wirkung ist sehr reiz-\nvoll (piqiumt), wenn sie den Charakteren und den ihnen\neigentümlichen Ausdrücken angemessen sind; allein man\nschwächt natürlicher Weise den Effect, wenn man sie\nallenthalben anwendet und sie ohne Unterschied mit den\nanderen Instrumenten vermischt.\n„Die Chöre sind von allen Theilen dieser Oper derje-\nnige, der uns vornehmlich den grossen Meister zu erkennen\nzu geben scheint; sie haben fast alle Charakter, Melodie\nund treffliche harmonische Wirkungen; einige sind voll\nEinbildungskraft, Grazie und Empfindung. Der Chor des\nersten Actes: Descends des Cieux, doux Hymenee, ist ein\nMuster in dieser Gattung; der im dritten Acte: Descends\ndam le seind'Ampkitrite, verbindet mit einem höchst\nwollüstigen Ausdruck die reinste und sanfteste Harmonie.\nDer folgende Chor: L'amour\ndu Gange,noch glänzender und erweckender als die bei-\nden anderen, hat für uns einen unnennbaren Reiz. Der\nkleine Chor der Danaiden im zweiten Acte: A quels maux\nnous livra saerueUe poursuite? ist wieder von einem ganz\nverschiedenen Charakter; der Gesang davon sanft und ein-\nfach, allein der Ausdruck des Schmerzes und der Klage\nist darin durch eben so wahre als rührende Töne aus-\ngedrückt. Die Tanz-Melodieen haben im Ganzen Charakter\nund vornehmlich Mannigfaltigkeit.\n„Die Ballette des ersten und dritten Actes stellen eine\ngrosse Verschiedenheit von Gemälden und sehr wohl zu-\nsammengesetzten Figuren auf, die sehr gut gezeichnet sind\nund der Absicht des Werkes entsprechen. Die Pantomime,\ndie den dritten Act schliesst und uns die Hymenäen zeigt,\nwelche die Gatten zum hochzeitlichen Gemach leiten, ist\neine glückliche Idee von sehr angenehmer Ausführung.\nDie Pantomime der Bacchanten im fünften Acte hat schöne\nBewegungen, scheint uns aber an Abwechslung und nöthi-\ngem Fortschritt Mangel zu haben, welcher der Scene ihre\nganze Wirkung geben könnte. Das kühne Gemälde der\nDanaiden im Tartarus, von einem Chor vom erhabensten\nAusdruck und einer prächtigen Decoration begleitet, macht\ndie Schwäche der Katastrophe wieder gut und vereinigt\nAlles, um eines der frappantesten Schauspiele darzustellen,\ndie man noch je auf irgend einer Bühne gesehen hat.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-10-23-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-10-23_01#c003", "volume": "bmtnabi_1858-10-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "341", "page_fin": "343", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581023-01.2.3", "titre_corps": "Das Musikfest in Coblenz.", "titre_sommaire": "Das Musikfest in Coblenz.", "signature_source": "L. 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Zur Veranstaltung desselben hatten\nsich viele der angesehensten Einwohner vereinigt, der hohe\nSchutz Ihrer Königlichen Hoheit der Frau Prinzessin von\nPreussen wurde dem Unternehmen zu Theil, und so ge-\nlang es dem Eifer und den Bemühungen des Herrn Musik-\nDirectors Joseph Lenz, welcher seit eilf Jahren an der\nSpitze der genannten Anstalt steht, recht tüchtige musika-\nlische Kräfte zu versammeln, trefflich zu üben und zwei\ngrosse Concerte nach Art der niederrheinischen Musikfeste\nmit rühmlichem Erfolg zu Stande zu bringen.\nDas Musik-Institut wurde im Jahre 1808 von Joh.\nAndreas Anschüz (geboren zu Coblenz den 19. März\n1772, gestorben daselbst als k. Staats-Procurator den 26.\nDecember 1855) gestiftet. Der Zweck desselben war, einen\ntüchtigen Sängerchor für die Kirche und für Concert-Auf-\nführungen zu begründen, Schüler von Stimme und musi-\ncalischem Talent auszubilden, und überhaupt für die Stadt\nCoblenz das Fundament der musicalischen Zustände und\nder Pflege der Tonkunst in der Kirche und durch andere\nöffentliche Aufführungen zu legen und zu erhalten. Es ge-\nlang dem Stifter, durch den damaligen, um Coblenz über-\nhaupt wohlverdienten Präfecten Lezay-Marnesia eine jähr-\nliche Unterstützung von 2400 Francs aus Staatsmitteln zu"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "342", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581023-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5046, "texte": "erlangen, und diese verblieb dem Institut nach der Wie-\ndervereinigung mit Deutschland zunächst während der Pe-\nriode des General-Gouvernements, an dessen Spitze Justus\nGruner stand, und wurde späterhin auch von der königlich\npreussischen Regierung gut geheissen.\nJ. A. Anschiiz, ein kenntnissreicher Musiker, guter\nClavierspieler und Dirigent, der auch Mehreres componirt\nhat (vergl. dessen Nekrolog in Nr. 3 des Jahrgangs 1856\ndieser Blätter), leitete das Institut bis zum Jahre 1846\nund stand an der Spitze aller musicalischen Aufführungen\nin Coblenz. Sein Nachfolger war sein Sohn Karl Anschüz,\ndoch nur auf kurze Zeit; seit 1847 ist der Wirkungskreis\neines Dirigenten des Instituts und der Concerte dem Herrn\nLenz anvertraut.\nDa es in Coblenz noch an einem grossen Concertsaale\nfehlt, so hatte man die Reitbahn im südlichen Flügel des\nköniglichen Schlosses dazu eingerichtet, im Ganzen recht\nzweckmässig und geschmackvoll. Es klang gut darin, und\nder Raum fasste ausser den 500 Mitwirkenden auf der\nTonbühne an 1000 Zuhörer.\nDer Chor zählte 108 Personen im Sopran, 82 im\nAlt, 85 im Tenor, 111 im Bass, zusammen 386, von de-\nnen 280 290 den Stamm bildeten, den die Stadt Coblenz\nmit dem gegenüber liegenden Ehrenbreitstein geliefert\nhatte. Ausserdem war der stärkste Zuzug aus Neuwied ge-\np o\nkommen. Der Gesammtton war schön, die Männerstimmen\nfast klangvoller als die Frauenstimmen, ein seltener Fall!\nalle zusammen bewährten den Ruf der rheinischen Stim-\nmen und der rheinischen Gesangesfreude.\nDas Orchester hatte 48 Violinen (am ersten Pulte der\nConcertmeister Otto von Königs]öw aus Köln und\nFritz Wenigmann aus Aachen), 16 Bratschen, 14 Vio-\nloncello, 10 Contrabässe und doppelt besetzte, meist sehr\ngute Blas-Instrumente, im Ganzen 120 Personen.\nAm ersten Festabende wurde die fünfte Sinfonie\nvon Beelhoven und Händel's Oratorium Samson\naufgeführt.\nDie Sinfonie ging sehr gut; man merkte keineswegs,\ndass das Orchester ein nur zu dem Zwecke des Festes zu-\nsammengestelltes war; die Leistung desselben war präcis\nund schwungvoll, die Sinfonie wurde mit Feuer und Aus-\ndruck gespielt, nicht in möglichst kurzer Zeit herabge-\njagt. Auffassung und Leitung derselben gereichen dem Di-\nrigenten zur Ehre; das Tempo des Finale hätte um ein\nWeniges breiter gehalten werden können.\nDas Oratorium Samson, eine der herrlichsten Ton-\nschöpfungen Händel's, wurde in der Gestalt der Mosel'-\nschen Bearbeitung und Verkürzung gegeben. Herr Lenz\nhatte allerdings die Absicht gehabt, das Werk in seiner\nursprünglichen Gestalt aufzuführen und namentlich die\nScene zwischen Samson und dem Prahler Harapha Bass)\nwieder herzustellen (vergl. die Aufstätze und Text-Ueber-\nsetzungen von Gervinus in den Nummern 11, 12 und 22\ndes laufenden Jahrgangs der Niederrh. Musik-Zeitung);\nallein es stellten sich diesem Vorsatz unübersteigliche Hin-\ndernisse entgegen, bei denen namentlich der Kostenpunkt\neine Hauptrolle spielte, indem, um nur Eines anzuführen,\nalle Chor- und Orchesterstimmen aus der Original-Partitur\nhätten ausgezogen werden müssen, da sie im Musikhandel\nnur nach der Moserschen Ausgabe zu haben sind. Die\nAusführung war im Ganzen lobenswerth; die prächtigste\nLeistung war der sechsstimmige Chor: „Hör', Jakob's\nGott!\" aber auch die meisten anderen Chöre wurden\nwürdig und wirkungsvoll gesungen.\nHerr Ernst Koch aus Köln sang die Partie des\nSamson mit schöner, immer noch sehr klangvoller und aus-\ngiebiger Stimme und bewährte seinen Ruf als Sänger durch\ndie Behandlung derselben. Der Ausdruck war stellenweise\nsehr gelungen, hier und da aber etwas zu studirt. Fräul.\nAuguste Brenken (Dalilai und Fräul. Schreck (Micah)\nliessen recht schöne Stimmen ertönen, der Vortrag war\naber fast zu einfach in Bezug auf ausdrucksvolle Nuanci-\nrung. Die Partie desManoah hatte ein Dilettant aus Frank-\nfurt, Herr Kill, übernommen; er besitzt eine hohe Bass-\nstimme von sehr wohlthuendem Klang, der augenblicklich\ndie Sympathie des Hörers erregt. Einzelnes sang er auch\nrecht gut, und es wäre sehr zu wünschen, dass ihm Gele-\ngenheit und eine zeitweilige Befreiung von Berufsgeschäf-\nten würde, um die schönen Mittel, die ihm die Natur ge-\ngeben, kunstgemäss auszubilden und wirkungsvoll anwen-\nden zu lernen.\nDas Concert am zweiten Festabende begann mit einem\nTantum ergo für Chor und Orchester von J. A. Anschüz,\neiner Composition, deren Wahl nicht nur die Pietät für\nden Stifter des Instituts, sondern auch der Inhalt recht-\nfertigte.\nHierauf brachte das reiche Programm folgende Mu-\nsikstücke :\n1. Sinfonie Nr. IV., D-moll, von Robert Schu-\nmann. 2. Sopran-Arie aus Fidelio: „Abscheulicher!\" von\nBeethoven (Fräul. Brenken). 3. Erste Scene des 11.\nActes von Gluck's Orpheus (Fräul. Schreck und Chor.\n4. Bass-Arie aus Mendelssohn's Paulus: „Gott sei mir\ngnädig\" (Herr Hill). 5. Concert für die Violine (Gesang-\nscene) von L. Spohr (Herr von Königslöw).\n6. Vorträge des kölner Männergesang-Vereins\nunter Leitung seines Dirigenten Herrn Franz Weber\n(Fünf Lieder von F. Otto, J, Becker, F. Silcher und\nF.Mendelssohn-Bartholdy). Damit begann diezweite\nAbtheilung."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "343", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581023-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3192, "texte": "7. Ouvertüre zur Oper Euryanthe von C. M. von\nWeber. 8. Das letzte Finale aus Don Juan mit den\nSchlussnummern der Original-Partitur (die Soli gesungen\nvon Dilettanten, Mitgliedern des Instituts). 9. Tenor-Arie:\n„Mit Würd'und Hoheit'-, aus liaydn's Schöpfung (Herr\nKoch). 10. Finale aus der Lorelei von Mendelssohn.\nTrotz der Länge des Programms wurde das Concert\ndoch keineswegs langweilig, wenn auch vielleicht einige\nArien hätten weg bleiben können.\nSchumann's Sinfonie und Weber's Ouvertüre wurden\ntrefflich ausgeführt; in beiden war neben der Präcision\ngeistiger Ausdruck und schwungvolles Zusammenspiel; an\nkünstlerischer Vollkommenheit musste man der Ausführung\nder instrumentalwerke den Vorrang vor den Vocalwerken\nzuerkennen. Eben so errang die Violine durch Herrn von\nKönigslöw die Palme unter allen Solo-Vorträgen; der treff-\nliche Vortrag der Spohr'schcn Gesangsccne mit so reinem,\ngefühlvollem, wirklichem Gesangtone und eben so anmu-\nthigem als kräftigem Ausdruck erwarb dem Künstler rau-\nschenden Applaus und Hervorruf. Dennoch konnte Fräul.\nSchreck mit ihm um die Palme ringen; wir haben diese\nSängerin, deren Altstimme zu den vorzüglich klangvollen\ngehört, noch nie mit so viel Ausdruck und Seele singen\nhören; die Sccne aus Gluck's Orpheus war eine meister-\nliche Leistung.\nDie Gesänge des kölner Männergesang-Vereins, der\nauf den besonderen Wunsch der Durchlauchtigsten Prin-\nzessin zur Mitwirkung eingeladen worden war, riefen, wie\nüberall, so auch hier einen begeisterten Applaus hervor.\nDer Verein trat achtzig Mitglieder stark auf und bewährte\nseine künstlerische Vollkommenheit durch den wohllau-\ntendsten Gesammtton und die feinsten Schattirungen des\nVortrags.\nDas letzte Finale aus Don Juan war besonders auch\ndesswegen interessant, weil es auch das selten oder nie\nmehr gehörte Schluss-Sextett brachte. Wir machten dabei\ndie nämliche Erfahrung, die wir schon bei früheren Ver-\nsuchen der Art gemacht haben, dass die Vox populi Recht\nhat, wenn sie diesen Schluss dem grossen Drama für un-\nangemessen hält. Wir werden uns nächstens bei Anzeige\nder Schrift des Dr. W. Viol in Breslau über Mozart's\nDon Juan ausführlicher darüber aussprechen.\nIn der Aufführung von Mendelssohn's Lorelei-Finale\nzeigte sich das Zusammenwirken von Chor und Orchester\no\nam glänzendsten, und Fräul. Brenken führte die Haupt-\nPartie mit prachtvoller Stimme und begeistertem Vor-\ntrage aus.\nIhre Königliche Hoheit die Frau Prinzessin von Preus-\nsen verherrlichte beide Concerte durch Ihre Gegenwart,\nwie auch die Frau Grossherzogin von Weimar Kaiserliche\nHoheit der zweiten Abtheilung des zweiten Concertes durch\nIhre Anwesenheit Glanz verlieh. Die Durchlauchtigste\nFrau Prinzessin hatte ausserdem die Gnade, Höchstihre\nTheilnahme an dem Feste und an der Tonkunst überhaupt\nauch noch dadurch zu bezeigen, dass sie die Mitglieder\ndes Fest-Comite's, Herrn Commandanten von Zastrow,\nBürgermeister Cadenbach, Regierungsrath Lukas, den Di-\nrigenten Herrn Lenz, und von den auswärtigen Gästen die\nHerren Musik-Director Weber, Concertmeister von Kö-\n\\ 7\nnigslöw und Professor Bischoff aus Köln zur Tafel zu ziehen\n«\nund sich sehr huldreich über musicalische Interessen aus-\nzusprechen geruhte.\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-10-23-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-10-23_01#c004", "volume": "bmtnabi_1858-10-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "343", "page_fin": "344", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581023-01.2.4", "titre_corps": "Aus Düsseldorf.", "titre_sommaire": "Aus Düsseldorf.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "343", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581023-01.1.7", "debut_caractere": 3194, "fin_caractere_exclue": 5046, "texte": "Aus Düsseldorf.\nDer vierzehnte October wurde durch das Auftreten\nvon Frau Clara Schumann zu einem seltenen musicali-\nschen Festtage. Die trüben Erinnerungen an die letzte Pe-\nriode des Zusammenlebens mit ihrem Gatten bedurften des\nlindernden Einflusses der Zeit, ehe sich die gefeierte Künst-\nlerin entschlicssen konnte, dem Drängen der Freunde nach-\nzugeben und uns von Neuem durch den Zauber ihrer Töne\nzu beglücken. Endlich liess sie sich bewegen, eine Soiree\nzu veranstalten, in welcher sie die Beethoven'schea Varia-\ntionen über ein Thema, das er in der Eroi'ca benutzt hat,\nSchlummerlied von Schumann, Impromptu von Chopin und\nUngarische Tänze von Brahms, so wie mit Concertmeister\nvon Königs low aus Köln die 67-mi?//-Sona(e von Beetho-\nven spielte. Die Vorträge trugen den Stempel vollendetster\nMeisterschaft, ein zahlreiches und ausgewähltes Publicum\nempfing die geniale Frau auf das lebhafteste und folgte\nihren Tönen in lautloser Stille, bis es in stürmischen Bei-\nfall ausbrach.\nHerr von Königslöw trug die Komanze von Beetho-\nven, so wie eine Gavotte und Bonde von Seb. Bach vor;\nsein gediegenes Spiel fand volle Anerkennung.\nEine der interessantesten Leistungen des Abends bil-\ndeten die Schumann'schen Variationen für zwei Claviere,\nvorgetragen von Frau Schumann und Fräulein Agnes\nSchönerstedt, einer hier lebenden früheren Schülerin\nder ersteren. Fräul. Schönerstedt hat sich in den Geist der\nSchumann'schen Compositionen eingelebt und spielt die-\nselben geistreich und mit der hohen Ausbildung der Tech-\nnik, durch welche alle ihre Vorträge einen eigenthümli-\nchen und grossen Reiz gewinnen. Lehrerin und Schülerin\nführten uns daher die lieblichen, graziösen Variationen\nmit einer Vollendung und einem Zauber des Zusammen-\nspiels, gehoben durch zwei vortreffliche und in der Ton-\nfarbe sehr ähnliche Concertflügel von Klems, vor, das»"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "344", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581023-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 216, "texte": "sich nur mit Mühe der Illusion zu entreissen ver-\nhte, die Töne würden von nur Einer Künstlerin her-\ngerufen.\nFrau Schumann wird uns sehr bald verlassen; wir\nTen, sie entzieht sich uns nicht von Neuem für so\nge Zeit!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-10-23-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-10-23_01#c005", "volume": "bmtnabi_1858-10-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "344", "page_fin": "344", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581023-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "344", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581023-01.1.8", "debut_caractere": 218, "fin_caractere_exclue": 2982, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. Das erste Gesellschafts-Concert der diesjähri-\ni Saison fand am Dinstag den 19. d. Mts. Statt. Das Programm\n,r folgendes:\nErster Theil. 1. Sinfonie Nr. 8 in F-dur von Beethoven;\nConcert für das Ciavier in D-moll von Mozart, gespielt von\n•au Clara Schumann; 3. Finale aus Mendelssohn's Oper\norelei. Die Partie der Lorelei gesungen von Fräulein Auguste\nrenken.\nZweiter Theil. 4. Capriccio für Pianoforte allein von Men-\nelssohn, gespielt von Frau Schumann; 5. Sopran-Arie aus H.\nlaTSchner's Oper Hans Heiling, gesungen von Fräulein Bren-\n;en; 6. Phantasie für Pianoforte, Chor und Orchester von Beet ho-\nren, Op. 80. Die Ciavierstimme ausgeführt von Frau Schumann.\nEinen weiteren Bericht über dasselbe müssen wir aus Mangel an\nRaum bis auf die nächste Nummer verschieben.\nIn der letzten Versammlung der musicalischen Gesellschaft spiel-\nten die jüngeren Gebrüder Leopold und Gerhard Brassin,\njener das Clavier-Concert in G-moll von Mendelssohn, dieser eine\nPhantasie für Violine von Vieuxtemps und Bazzini7 s Danse des\nlutins mit bewundernswerther Fertigkeit und ärnteten rauschenden\nBeifall. Sie werden am Dinstag den 26. d. Mts. im Hotel\nDisch eine Soiree geben. Herr Louis Brassin, Pianist, ihr äl-\nterer Bruder, hält sich auf einige Zeit in Düsseldorf bei seinen\nEltern auf, nachdem er im Sommer in mehreren rheinischen Bädern\nsich mit demselben Erfolg, wie während des Winters in Belgien und\nHolland, hat hören lassen.\nKolli; 22. October. Gestern hat Fräulein Auguste Brenken\nihr Gastspiel an der hiesigen Bühne in der Rolle der Agathe im\nFreischütz mit ausserordentlichem Erfolg begonnen. Sie w7urde nach\nder grossen Scene und am Schlüsse der' Oper gerufen, und nicht\nnur am Ende der beiden Arien stürmisch applaudirt, sondern auch\nwährend des Gesanges wiederholt durch Beifallsbezeigungen unter-\nbrochen. Ihre starke und volle Stimme hat im Theater einen noch\nweicheren und wohllautenderen Klang, als in dem Gürzenichsaale,\nund die anmuthige Einfachheit und innige Wärme des Ausdrucks\nnahmen einen Jeden für ihre dem Charakter der Rolle und der Mu-\nsik ganz vortrefflich entsprechende Darstellung ein. Sie wird noch\nals Leonore in Stradella und als Amine in der Nachtwandlerin\nauftreten.\nMassel, 18. October. Dem Capellmeister C. Reiss ist in\nAnerkennung seiner Verdienste um den kasseler Gesang-Verein durch\nHerrn General-Musik-Director Dr. L. Spohr ein silberner Tactirstock\nüberreicht worden.\nStettin; 16. October. Fräulein Auguste Gebler trat als\nRosine im Barbier von Sevilla auf. Der Umfang und der Klang\nihrer Stimme, die leicht ansprechende Höhe fanden grosse Anerken-\nnung, so wie ausserdem eine ganz vorzügliche Coloratur, die ihr\ngestattet, die schwierigsten Passagen mit der grössten Leichtigkeit\nauszuführen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "337", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581023-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nErinnerung an Salieri und dessen Oper ~Die Danaiden\". Das Musikfest in Coblenz (Jubelfest des Musik-Instituts). Von\nL, B. Aus Düsseldorf (Concert von Frau Clara Schumann).—Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Erstes Gesellscliafts-\nConecrt im grossen Gürzenichsaale, Gebrüder Leopold und Gerhard Brassin, Gastspiel von Fräulein Auguste Brenken Kassel, Capell-\nmeister C. Reiss Stettin, Fräulein Auguste Gebler).\n\nErinnerung an Salieri und dessen Oper „Die\nDanaiden“.\nDie erste Vorstellung der Oper „Die Danaiden\"\nfand zu Paris den 26. April 1784 Statt mit der Ankün-\ndigung: „Text von Herrn ***, Musik von dem Herrn Rit-\nter Gluck und Salieri.\"\nNach einem Vorworte des Textbuches lag der Bear-\nbeitung des Gedichtes ein italiänisches Manuscript von Cal-\nsabigi, dem Dichter des Orpheus und der Alceste, zum\nGrunde, einige Scenen waren einem Ballet von Noverre\nentnommen. Das ganze Libretto hatte der Parlaments-\nAdvocat P. L. Moline verfasst.\nGluck hatte die Composition abgelehnt; als die Di-\nrection der grossen Oper ihn bat, ihr einen Componisten\nvorzuschlagen, der im Stande wäre, die Danaidcn in sei-\nnem Geiste und in dem Charakter seiner Musik zu com-\nponiren, -empfahl er Salieri. Man erzählt, er habe damals\ngeäussert: „nur der Ausländer Salieri lerne ihm alle seine\nManieren ab, weil kein Deutscher von ihm lernen wolle.\"\nEs geschah auch mit Gluck's Bewilligung, dass man in\nParis das Gerücht über seine Mitarbeitung an der Oper\n„Die Danaiden\" verbreitete und sogar öffentlich durch\ngedruckte Anzeigen bestätigte.\nDie Abschiedsworte des alten, kränkelnden Meisters\nan Salieri, als dieser zur Vorbereitung der Aufführung\nnach Paris ging, waren folgende: „Ainsi, mon eher ami\nlei parte domani per Parigi\ncuore un hon voyage Sie gehen in eine Stadt, wo\nman die fremden Künstler schätzt e lei si farä onore\nich zweifle nicht. Ci seriva Mais bien souvent.\"\nMosel, über das Leben Salieri's.)\nAus gleichzeitigen Blättern, namentlich dem Mercure\nde France,dem Journal de P und dem zweiten Jahr-\ngang von C. F. Cramer's Magazin, stellen wir folgende Er-\ninnerungen zusammen.\nC. F. Cramer schreibt darüber: „Dass die Danaiden\nAnfangs in Paris unter Gluck's Namen durchgehen sollten,\num mancher schiefen Bemerkung vorzubauen, die so Viele,\nwelche nur nach dem Namen des Verfassers und nicht\nnach innerem Werthe Werke des Genie's beurtheilen,\ndarüber zu machen bereit seyn würden, und auch die Auf-\nführung davon zu erleichtern, wusste ich schon lange vor-\nher, ehe Salieri von Wien nach Paris abging, durch Briefe.\nAls er in Frankreich angelangt war, erhielt ich sehr bald\naus Wien folgende Nachrichten von seinem Erfolge. „ „Den\nDanaiden\"\", schrieb man, „„geht's bis jetzt so gut, als\nmöglich. Man glaubt von Neuem, die ganze Oper sey von\nGluck, und der Componist ist dadurch vor tausend Placke-\nreyen in Absicht der Aufführung gedeckt, welches sonst\ngewiss bey einem zum ersten Male erscheinenden neuen\nMeister anders sein würde. Die Königin hat ihn dreymal\nnach Versailles kommen lassen, die Oper zu probiren, und\nselbst immer mit dem Professori gesungen. Noch einmal\nsoll er sie dort in Gegenwart des Königs, des Grafen von\nArtois und einiger Vornehmen des Hofes von beyderlev\nGeschlecht produziren. Er wird Ursache haben, zufrieden\nzu seyn, wenn sie bey dem Publico in Paris eben densel-\nben Beifall findet, welchen sie bey Hofe genossen hat.\"\"\n„In einem anderen Briefe, den Salieri von Paris aus\nan den Secretär der Finanzkammer in Wien, den Herrn\nParadies, Vater der berühmten blinden Ciavierspielerin,\ngeschrieben, sagt er unter Anderem: „ „Der Ritter Gluck\nhatte wohl Recht, zu versichern, dass, wenn er eine Oper\nzu componiren zwanzig Livres verlange, er für die Mühe,\nsie aufführen zu lassen, zwanzig Tausend haben müsse.\"\"\n„Endlich schrieb mir Salieri nach seiner Zurückkunft\nvon Paris Folgendes über den Erfolg seiner Oper, mit aller\nder edlen Bescheidenheit und unbefangenen Offenherzigkeit,\ndurch die der Werth seiner Talente so sehr erhöhet wird:\n„„Wien, den 20sten Julius 1784 Ich bin also\nendlich wieder von Paris zurück. Was die Nachrichten"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "338", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581023-01.1.2", "texte": "von den Danäiden, die Sie von mir verlangen, betrifft, so\nwürde ich nichts weiter thun können, als das zu wieder-\nholen, was Sie schon im Journ und im\ncure de France werden gelesen haben. Sie haben in jenem\nwohl die Indecision des pariser Publieums über den Werth\noder ünwerth dieser Oper und das Lob nebst der Kritik\nin Detail (in Nr. 21) bemerkt; so wie in diesem die Er-\nklärung über den wahren Verfasser der Mnsic, vom Ritter\nGluck. Das, was man seit meiner Abreise von dieser Oper\ndenkt, ist mir noch nicht bekannt. Während meines Auf-\nenthaltes dort ward sie dreyzehnmal vorgestellt. Mir ist es\nnicht mehr als die beyden ersten Abende gelungen, sie gut\naufführen zu hören, und das aus besonderer Gefälligkeit\n{per grazia speciale); die andernmale habe ich nicht Lust\ngehabt, hinzugehen und zwev Stunden zu warten, um eine\nStelle zu bekommen; habe sie also nicht gut hören und\nsehen können. Einige Leute haben alles Gute, andere alles\nBöse davon gesagt; einige wollen, dass sie meine Arbeit\nsein soll, andere nicht; olmcrachtet der öffentlichen Erklä-\nrung des Ritter Gluck und meiner Antwort darauf. Was\nist also dabey weiter zu thun?\n~ „Die Direction der Oper in Paris hat mir nach jener\nErklärung des Ritter Gluck aufgetragen, zwey neue dra-\nmatische Gedichte in Music zu setzen, eines betitelt: Atar,\nlioi d'Ormus,und das andere:\nDieses letztere wird wahrscheinlich das erste seyn, das ich\nzu Ende bringen werde. Gluck räth's mir so; und das an-\ndere fordert zu viele Zeit wegen der Besonderheit, womit\ndas Sujet behandelt ist. Das Publicum in Paris liebt über-\nhaupt und sucht die Wahrheit in der Music; ich daher,\nder ich ohne diese Wahrheit meine Kunst hasse, fühle\nmich geneigt, höchst geneigt, alle meine Kräfte anzuwen-\nden, mich seines Bei falls werth zu machen, und glaube\ndesshalb und hoffe, dass ich schwerlich wieder italiänische\nOpern componiren werde.\"\"\nDie Erklärung des Ritters Gluck, auf welche sich Sa-\nlieri in diesem Briefe bezieht, erschien im 'Journal de Pa-\nris, nachdem die Oper bereits eine Reihe von Vorstellun-\ngen erlebt hatte. Gluck macht darin bekannt, dass die\nMusik zu den Danaiden ganz und gar von Herrn Salieri\nsei, und dass er keinen weiteren Antheil daran habe, als\ndurch die Rathschläge, die er dem Componisten ertheilt.\nDas Textbach, welches Salieri oben\nmus11 nennt, ist von ihm für Paris als Ballet\nfür Wien unter dem Titel: „Axur, König von Ormus\",\neomponirt und auf deutschen Bühnen noch bis in die\n18'20r Jahre gegeben worden.\nDer Inhalt und der Gang der Handlung in den Da-\nnniden ist folgender: Das Schauspiel ist in fünf Aufzüge\ngetheilt. Der erste Act geht am Ufer des Meeres vor, nahe\nbeim Tempel der Juno. Man sieht die Söhne des Aegyptus\naus ihren Schiffen steigen. Danaus, Hypermnestra, Linceus,\ndie Danaiden, die Brüder des Linceus, die Priester und\ndas Volk erfüllen die Scene.\nDie Exposition in den Danaiden bildet ein grosses\nGemälde. Danaus und seine Töchter, Linceus und seine\nBrüder schwören vor dein Altare der Juno, auf immer den\nGroll zu ersticken, der so lange gegenseitig die beiden Fa-\nmilien getrennt hat, und die Ehe der Töchter des Danaus\nsoll das Unterpfand dieser grossen Versöhnung sein. Da-\nnaus ladet die Neuvermählten ein, des Glückes zu gemes-\nsen, welches Hymen ihnen verspricht. Linceus und Hy-\npermnestra überlassen sich allen Entzückungen einer nach\nso langen Widerwärtigkeiten glücklichen Liebe. Der Act\nschliesst mit einer Anrufung des Hymen und mit Tänzen.\nDer zweite Act wird in einem unterirdischen, der Ne-\nmesis geweihten Tempel eröffnet. Die Statue dieser Göttin\nstellt in der Mitte; vorn ihr Altar. Den grausenvollen Ort\nerhellt nur der dunkle Leichenschein von Lampen. Danaus\nhat hier seine Töchter versammelt, um ihnen ein grosses\nGeheimniss zu offenbaren. Er erinnert sie daran, dass sein\nBruder Aegvptus ihn vom Throne vertrieben hat: er habe\nihn tödten wollen; sein immer grausamer und unversöhn-\nlicher Mass verberge sich jetzt unter dem Anscheine der\nFreundschaft; ihre Vermählung verhülle einen schreck-\nlichen Fallstrick: sie sollten durch die Hand ihrer Gatten\numkommen. Die Danaiden, Hypermnestra ausgenommen,\nwerden bei dieser Erzählung von seiner Wuth mit ent-\nflammt und theilen den Groll ihres Vaters. Er lässt sie auf\ndem Altare der Nemesis schwören, Werkzeuge seiner\nBache und seines Hasses zu sein; sie sagen ihm einen\nblinden Gehorsam zu; darauf enthüllt Danaus ein Bün-\ndel Dolche, die auf den Altar gelegt sind, gebietet ihnen,\nsich damit zu bewaffnen und sie in ihrem Busen zu ver-\nbergen, bis die Nacht ihre Gatten ihren Armen zuführen\nwerde. Alsdann sollten sie alle auf ein gegebenes Zeichen\ndie Gemahle ermorden. Sie schwören den schrecklichen\nEid und begeben sich aus dem Tempel weg. Danaus, der\ndie Bestürzung und das Stillschweigen der Hypermnestra\nbemerkt hat, hält sie zurück. Er macht ihr Vorwürfe. Hv-\npermriestra antwortet, dass sie nie einwilligen werde, den\nGemahl, dem sie Treue gelobt habe, zu tödten. Sie be-\nschwört ihren Vater, dieser schreck'ichen Bache zu entsa-\ngen; er ist unerbittlich und droht ihr und ihrem Gatten\nden Tod, wenn sie nicht schweige. Hypermnestra, allein\nzurückgeblieben, fühlt das ganze Grauenvolle ihrer Lage,\ndie sie in einer Arie schildert und den Tod als die einzige\nBettung, die ihr übrig bleibt, anruft.\nIm dritten Acte stellt das Theater einen Garten vor,\nder zu einem Feste geschmückt ist. Danaus, seine Töchter"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "339", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581023-01.1.3", "texte": "und ihre Gatten kommen mit Gefolge, das Fest des Hy-\nmenäus mit Gesang und Tanz za begehen, worauf ein\nMahl folgt, an dem jede Danaide an der Seite ihres Gat-\nten sitzt. Der ganze Act ist Chor und Ballet und hoch-\nzeitlicher Pomp.\nDas Theater verwandelt sich im vierten Aufzuge in\neine Galerie mit Zugängen zu den hochzeitlichen Zimmern\nder llypermnestra und ihrer Schwestern. llypermnestra\ntritt mit ihrem Vater auf, den sie noch zu erbitten ver-\nsucht; umsonst! Ihr Flehen, ihre Gründe, ihre Thränen\nkönnen sein Felsenherz nicht erschüttern; er verlangt von\nihr Gehorsam, Vollführung seiner Rache, und lässt sie un-\nter der Wache von Soldaten, die den Auftrag haben, die\nThür des Zimmers zu besetzen und Jedem, ausser dem\nLinceus, den Eingang zu wehren.\nllypermnestra, in Verzweiflung, hat weiter keinen\nWunsch, als den, dass Linceus sich auf immer von ihr\nentfernen möge. Indem tritt er herein, stürzt sich ihr zu\nFüssen, voll liebender Hoffnung. Sie gebietet ihm Flucht\n—er zögert. Da hört man das verhängnissvolle Zeichen,\nsie ruft ihm zu: Flieh! man mordet deine Brüder! Er\nstürzt hinaus, sie zu rächen oder mit ihnen zu sterben.\nKaum ist er hinaus, als man hinter der Scene das Geschrei\nder Unglücklichen hört, die ermordet werden, llyperm-\nnestra sinkt in Ohnmacht, und jener schreckliche Chor\nbeschliesst den Act.\nDie Decoration bleibt im fünften dieselbe. llyper-\nmnestra, die auf der Bühne noch immer in Ohnmacht liegt,\nkommt zu sich selber, unwissend des Schicksals ihres Ge-\nliebten. Danaus erscheint und fragt sie, ob Linceus von\nihrer Hand getödtet sei. Ich habe meinen Gatten gerettet,\nsagt sie, und trotze deiner Hache! Sie geht hinaus, und\nDanaus folgt ihr, den Linceus aufzusuchen. Hierauf strö-\nmen die Danaiden auf die Bühne, wutherfüllt, mit fliegen-\nden Haaren, halb mit Tigerhäuten bekleidet, in der einen\nHand einen Thyrsus, in der anderen einen blutigen Dolch.\nAndere haben Tympana in den Händen, die sie mit ihren\nDolchen schlagen; andere schütteln Fackeln. Danaus\nkommt zurück und kündigt seinen Töchtern an, ihre Hache\nsei verrathen, und Linceus entkomme seinem Zorne. Er\nwill llypermnestra mit eigener Hand hinopfern. In dem\nAugenblicke, da er den Stahl gegen sie erhebt, dringt Lin-\nceus mit den Seinigen auf ihn ein, Pelagus stürzt auf den\nDanaus zu und tödtet ihn. Nun verdunkelt das Theater\nsich, die Erde bebt, und der Donner brüllt. Alle fliehen\nbestürzt. Der Palast, vorn Donner getroffen und von den\nFlammen verzehrt, sinkt in sich ein und verschwindet. Die\nDecoration ändert sich und stellt den Tartarus vor. Man\nsieht die Höllenflüsse Blutströme wälzen und mitten auf\nder Bühne den Danaus, an einen Felsen angekettet, von\neinem Geier genagt; auf sein Haupt stürzen wiederholt\nDonnerkeile herab. Die Danaiden, gruppenweise gefesselt,\nvon den Dämonen gequält oder von Furien verfolgt, er-\nfüllen das Theater mit ihren Bewegungen und mit ihrem\nGeschrei; ein feuriger Regen ergiesst sich unaufhörlich\nherab. Während dass dieser pantomimische Tanz von Tän-\nzern executirt wird, drückt ein Chor das Geschrei und Ge-\nseufze der Danaiden aus, die sich umsonst bestreben, die\nverfolgenden und sie quälenden Dämone zu besänftigen.\nNachdem der kenntnissreiche und geschickte Beur-\ntheiler der Oper in dem Mai-Hefte des Mercure de France\ndie Vorzüge und Schwächen des Textbuches bezeichnet\nund sehr treffend charakterisirt hat, spricht er sich in dem\nBlatte vorn 22. Mai 1784 über die Musik aus. Er sagt:\n„Bei der noch immer schwankenden Meinung des Pu-\nblicums über den Werth der Musik der Danaiden wollen\nwir uns damit begnügen, die unsrige nach den Eindrücken\nzu sagen, die sie auf uns gemacht hat, und sie dem Ur-\ntheile erleuchteter und unparteiischer Kenner unterwerfen.\n„Die Ouvertüre ist mit einer schönen Intention ge-\nschrieben. Sie hebt gleich mit Ernst an. Es folgt darauf\neine Stelle voll lebhafter Bewegung und fröhlichem Ge-\nsänge, die auf die Feste, die vorkommen sollen, hindeutet,\nund dieses wird wieder von anderen Zügen unterbrochen,\nworin die starken Ausdrücke und pathetischen Accente zu\nfinsteren und tragischen Gedanken leiten. Diese verschie-\ndenen Charaktere sind mit Kunst zusammen contrastirt\nund in einander verschmolzen, et soutenus par im bei effet\nd'orchestre. Vielleicht ist das erste ernste Stück nicht ge-\nnug entwickelt, so dass der Eindruck davon zu bald durch\ndie fröhliche Bewegung, die darauf folgt, ausgelöscht wird,\ndie überhaupt wohl ein wenig zu viel in diesem Stücke\nzu herrschen scheint. Im Ganzen erkennt man den wahren\nGeist dieser Art von Composition darin, wovon Gluck auf\nunserem Theater das erste Muster in der erhabenen Ouver-\ntüre der Iphigenie in Aulis gegeben hat. Die vor den Da-\nnaiden, ohne mit jener verglichen werden zu können, ist\nweit über den unbedeutenden Symphonieen, die nichts ma-\nlen, nichts ankündigen, die in die gewöhnliche Form von\nSonaten gegossen, alle aus drei oder vier Stücken zusam-\nmengestoppelt sind, von verschiedenen Charakteren und\nBewegung, ohne Einheit, so wie ohne Absicht, und die\ndessungeachtet geschickte Componisten Ouvertüren nennen.\n„Das Recitativ ist uns überhaupt gut accentuirt, rasch,\nausdrucksvoll und wahr vorgekommen; allein bisweilen ein\nwenig allzu sehr singend, das heisst in zu grossen und\nvornehmlich consonirenden Intervallen einherschreitend.\nWir finden auch gewisse Schiussfälle von Phrasen, die zu\noft wiederkommen und dem Gange des italiänischen Reci-\ntativs eigen zu sein scheinen, darin. In den leidenschaft-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "340", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581023-01.1.4", "texte": "liehen Stellen sind die Bewegungen und Nuancen der Af-\nlecte durch starke und merkliche Modulationen ausgedrückt.\nEs ist fast immer accompagnirt, und immer mit Absicht;\ndie Begleitung des Orchesters, die es unterbricht oder ver-\nstärkt, hat mehr oder weniger Entwicklung und Ausdruck,\nje nachdem die Worte und die Situation es erheischen.\nDer Componist hat sich sehr davor gehütet, sich der will-\nkürlichen Distinction zu unterwerfen, die man zwischen\ndem einfachen und uneigentlich so genannten gebundenen,\naccompagnirten Recitative (recitatif oblige) macht; wovon\njenes, eintönig im Gesänge und nackt an Harmonie, die\nGrundlage der Scene auszumachen pflegt, und dieses, zwar\ndurch einige Phrasen ausdrückender Begleitung unter-\nbrochen, dennoch nur für einige leidenschaftliche Mono-\nloge aufgespart blieb, die fast immer eine Arie vorbereiten\nmussten. Von Gluck ist uns zuerst das Kindische dieses\nSchlendrians {de ces procedes de routine) fühlbar gemacht\nworden, der in der Kindheit der Kunst als Regel festge-\nsetzt war, jetzt aber sogar von den Componisten wegge-\nworfen wird, die noch am hartnäckigsten an der alten Me-\nthode kleben. Der Verfasser der Danaiden hat mit vieler\nKunst und Einsicht das einfache und so genannte beglei-\ntete Recitativ zusammen vermischt, hat beides bisweilen\ndurch Gesangstellen a tempo,die doch keine förmlichen\nArien sind, unterbrochen und darüber nichts als den Sinn\nder Worte, die Situation und die Empfindung der Perso-\nnen seines Stückes befragt. Dieses Lob ist indessen nicht\nohne seine Ausnahmen, und wir müssen gestehen, dass es\nverschiedene Stellen, selbst in den interessantesten Theilen\ndes Recitativs, darin gibt, wo die Accente uns nicht glück-\nlich gestellt scheinen, und wo die Declamation nicht so rich-\ntig ist, als wir es gewünscht hätten. Es thut uns leid, dass\ndie Gränzen dieses Journals uns nöthigen, uns mit einer\nso allgemeinen Kritik zu begnügen, und es nicht erlauben,\nBeispiele anzuführen, die unsere Meinung erläutern wür-\nden und die Leser in Stand setzen könnten, die Wahrheit\nunserer Bemerkung zu prüfen.\n„Die Arien scheinen uns im Ganzen die Charaktere\nund die Bewegung zu besitzen, die sich für die singenden\nPersonen und ihre ausgedrückten Leidenschaften schicken.\nDer Componist hat die Declamation mit dem Gesänge\nzu vereinigen gewusst, ohne der Entwicklung seiner The-\nma's und der Einheit des Ganzen zu nahe zu treten. Er\nwendet mit Geschmack die Wiederholungen an, die in der\nArien-Musik nothwendig sind und dazu beitragen, ihr eine\ngewisse Rundung zu geben, die aber, verschwendet, sie\nnur kraftlos machen, indem sie den Fortschritt der Hand-\nlung hemmen. Die Begleitung trägt immer das Ihrige dazu\nbei, den allgemeinen Charakter der Arie zu unterstützen\nund die besonders ausdrückenden Stellen darin zu verstär-\nken. Wir wollen als Beispiele hiervon die drei pathetischen\nArien der Hypermnestra anführen: Par les larmes de\nvotre fille, im zweiten Acte; fex-\npire, im dritten; Pere barbare, arrache moi la vie, im fünf-\nten. Besonders der erste Theil der ersten Arie ist vom ein-\nfachsten Gesänge mit der wahrsten Declamation; die Wie-\nderholung der Worte: Mon pere!hat herzdurchdringende\nTöne im Gesänge, auf eine bewunderungswürdige W eise\ndurch das Crescendo der Instrumente verstärkt, die ihre\nStimmen mit der Hypermnestra's zu vereinigen scheinen,\num das Herz des Danaus zu erweichen. Man könnte diese\nArie vielleicht als ein Muster von dem Umfange und dem\nwahren Maasse anführen, die eine leidenschaftliche Arie,\nmitten in einer interessanten Scene vorkommend, haben\ndarf. Vielleicht ist auch nie glücklicher der Accent der De-\nclamation mit der Schönheit des Gesanges als in der drit-\nten Arie: Pere barbare,vereinigt gewesen; die Wahrheit\nund der Reichthum des Accompagnements vollendet die\ngrosse Wirkung dieses Stückes. Linceus hat in seiner Rolle\nnur zwei; die erste: Reneis mo ist\nvon einem leichten und angenehmen, aber nicht sehr auf-\nfallenden Gesänge; die zweite: Des tourmens de la Jalou-\nsie, neuer im Charakter und von einer lebendigen Bewe-\ngung; das Accompagnement ist reich und interessant und\nhat immer eine grosse Wirkung hervorgebracht. Die erste\nArie des Danaus: Jotdssez du destin propice, scheint uns\nsowohl in der Erfindung als Ausführung von Meisterhand\nzu sein. Das Sujet der Arie ist im Geschmack der Alten\nund erinnert an die Strophen des Anakreon und des Ca-\ntull, wo der Gedanke an den Tod mit Bildern der Wollust\nzusammengestellt war. Dieser Absicht hat, unserem Bedün-\nken nach, der Componist eine volle Genüge gethan. Das\nThema der Arie ist von einem angenehmen und leichten\nGesänge, mit dem sich auf eine feine und natürliche Art\nder finstere Ausdruck der zweiten Idee verbindet. Die Be-\ngleitung athmet Geist und Wärme. Diese beiden so entge-\ngengesetzten Charaktere sind in der Arie mit einer Kunst\nund einem Glücke zusammengeschmolzen, die uns die Auf-\nmerksamkeit aller Leute von Geschmack zu verdienen\nscheint; dennoch gestehen wir, dass diese Arie bei der\nAufführung niemals die Wirkung hervorgebracht hat, die\nwir davon erwartet hätten*). Die andere Arie des Danaus\nim zweiten Acte: Je voas vo ist eine\nSituations-Arie, deren Wirkung fast ganz im Accompagne-\nment liegt. Der Gesang hat nichts Bemerkenswürdiges;\n\n*) An ihrer Statt hätte das nur eine Bravour-Arie mit gehörigem\nKliügklang von Coloraturen und einer Cadenz sein sollen, so\nwürde sie schon das Händegeklatsch der Götter erregt ha-\nben. Aber sie hätte dann vielleicht dem Cato nicht gefallen.\nC. F. C."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "341", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581023-01.1.5", "texte": "aber die Bewegung des Orchesters, die beinahe dem Un-\ngestüm des empörten Meeres gleicht, malt den Aufruhr\nund die wilde Leidenschaft, die in dem Augenblicke die\nSeele der Danaiden um den Danaus herum bestürmt; sie\nschwillt dabei an und schreitet fort mit einer Kraft und\nWärme, wovon die Wirkung sehr auffallend ist. Man hat\ngewünscht, es möchte in dieser Oper eine grössere Anzahl\nvon Arien sein, und vornehmlich, wie wir schon vorher\nerwähnt haben, von Arien, die eine sanfte und regelmäs-\nsige Melodie haben, in deren Genuss man von den zu star-\nken Bewegungen sich ausruht, und die im Ohr Eindrücke\nzurücklassen, welche man zu erhalten wünscht. W ir hal-\nten dieses Begehren für gegründet; noch mehr, wir glau-\nben, man könne dem Componisten mit Recht Gesänge von\neinem so gewöhnlichen Schlage verdenken, als die Arie\ndes Danaus im dritten Acte: Aux Dieux qui suivent l'hy-\nmenee. Wir finden auch in einigen Arien der Hyper-\nmnestra, dass der Gesang unbestimmt und unzusammenhän-\ngend ist, und dass die Melodie darin ohne Noth dem\ndeclamatorischen Ausdruck aufgeopfert worden: eine Sa-\nche, die man nur sehr mit Maass thun muss, nur dann,\nwenn eine grosse Wirkung für die Scene herauskommt.\nBei unserer Bewunderung des Reichthums in den Arien wol-\nlen wir auch noch hinzusetzen, dass sich dieser Reichthum\nbisweilen bis zur Ueppigkeit versteigt; und dass das Ohr,\nindem die interessanten Partieen des Orchesters allzu sehr\nvermehrt werden, vom Gesänge bisweilen abgewandt wird,\nwodurch der Wirkung der schönsten Melodieen Eintrag\ngeschieht.\n„Auch glauben wir, der Componisf habe sich allzu oft\nder Blas-Instrumente bedient; ihre Wirkung ist sehr reiz-\nvoll (piqiumt), wenn sie den Charakteren und den ihnen\neigentümlichen Ausdrücken angemessen sind; allein man\nschwächt natürlicher Weise den Effect, wenn man sie\nallenthalben anwendet und sie ohne Unterschied mit den\nanderen Instrumenten vermischt.\n„Die Chöre sind von allen Theilen dieser Oper derje-\nnige, der uns vornehmlich den grossen Meister zu erkennen\nzu geben scheint; sie haben fast alle Charakter, Melodie\nund treffliche harmonische Wirkungen; einige sind voll\nEinbildungskraft, Grazie und Empfindung. Der Chor des\nersten Actes: Descends des Cieux, doux Hymenee, ist ein\nMuster in dieser Gattung; der im dritten Acte: Descends\ndam le seind'Ampkitrite, verbindet mit einem höchst\nwollüstigen Ausdruck die reinste und sanfteste Harmonie.\nDer folgende Chor: L'amour\ndu Gange,noch glänzender und erweckender als die bei-\nden anderen, hat für uns einen unnennbaren Reiz. Der\nkleine Chor der Danaiden im zweiten Acte: A quels maux\nnous livra saerueUe poursuite? ist wieder von einem ganz\nverschiedenen Charakter; der Gesang davon sanft und ein-\nfach, allein der Ausdruck des Schmerzes und der Klage\nist darin durch eben so wahre als rührende Töne aus-\ngedrückt. Die Tanz-Melodieen haben im Ganzen Charakter\nund vornehmlich Mannigfaltigkeit.\n„Die Ballette des ersten und dritten Actes stellen eine\ngrosse Verschiedenheit von Gemälden und sehr wohl zu-\nsammengesetzten Figuren auf, die sehr gut gezeichnet sind\nund der Absicht des Werkes entsprechen. Die Pantomime,\ndie den dritten Act schliesst und uns die Hymenäen zeigt,\nwelche die Gatten zum hochzeitlichen Gemach leiten, ist\neine glückliche Idee von sehr angenehmer Ausführung.\nDie Pantomime der Bacchanten im fünften Acte hat schöne\nBewegungen, scheint uns aber an Abwechslung und nöthi-\ngem Fortschritt Mangel zu haben, welcher der Scene ihre\nganze Wirkung geben könnte. Das kühne Gemälde der\nDanaiden im Tartarus, von einem Chor vom erhabensten\nAusdruck und einer prächtigen Decoration begleitet, macht\ndie Schwäche der Katastrophe wieder gut und vereinigt\nAlles, um eines der frappantesten Schauspiele darzustellen,\ndie man noch je auf irgend einer Bühne gesehen hat.\"\n\nDas Musikfest in Coblenz.\n\nAm 9. und 10. October feierte die Stadt Coblenz das\nfünfzigjährige Bestehen des dortigen Musik-Instituts\ndurch ein Musikfest. Zur Veranstaltung desselben hatten\nsich viele der angesehensten Einwohner vereinigt, der hohe\nSchutz Ihrer Königlichen Hoheit der Frau Prinzessin von\nPreussen wurde dem Unternehmen zu Theil, und so ge-\nlang es dem Eifer und den Bemühungen des Herrn Musik-\nDirectors Joseph Lenz, welcher seit eilf Jahren an der\nSpitze der genannten Anstalt steht, recht tüchtige musika-\nlische Kräfte zu versammeln, trefflich zu üben und zwei\ngrosse Concerte nach Art der niederrheinischen Musikfeste\nmit rühmlichem Erfolg zu Stande zu bringen.\nDas Musik-Institut wurde im Jahre 1808 von Joh.\nAndreas Anschüz (geboren zu Coblenz den 19. März\n1772, gestorben daselbst als k. Staats-Procurator den 26.\nDecember 1855) gestiftet. Der Zweck desselben war, einen\ntüchtigen Sängerchor für die Kirche und für Concert-Auf-\nführungen zu begründen, Schüler von Stimme und musi-\ncalischem Talent auszubilden, und überhaupt für die Stadt\nCoblenz das Fundament der musicalischen Zustände und\nder Pflege der Tonkunst in der Kirche und durch andere\nöffentliche Aufführungen zu legen und zu erhalten. Es ge-\nlang dem Stifter, durch den damaligen, um Coblenz über-\nhaupt wohlverdienten Präfecten Lezay-Marnesia eine jähr-\nliche Unterstützung von 2400 Francs aus Staatsmitteln zu"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "342", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581023-01.1.6", "texte": "erlangen, und diese verblieb dem Institut nach der Wie-\ndervereinigung mit Deutschland zunächst während der Pe-\nriode des General-Gouvernements, an dessen Spitze Justus\nGruner stand, und wurde späterhin auch von der königlich\npreussischen Regierung gut geheissen.\nJ. A. Anschiiz, ein kenntnissreicher Musiker, guter\nClavierspieler und Dirigent, der auch Mehreres componirt\nhat (vergl. dessen Nekrolog in Nr. 3 des Jahrgangs 1856\ndieser Blätter), leitete das Institut bis zum Jahre 1846\nund stand an der Spitze aller musicalischen Aufführungen\nin Coblenz. Sein Nachfolger war sein Sohn Karl Anschüz,\ndoch nur auf kurze Zeit; seit 1847 ist der Wirkungskreis\neines Dirigenten des Instituts und der Concerte dem Herrn\nLenz anvertraut.\nDa es in Coblenz noch an einem grossen Concertsaale\nfehlt, so hatte man die Reitbahn im südlichen Flügel des\nköniglichen Schlosses dazu eingerichtet, im Ganzen recht\nzweckmässig und geschmackvoll. Es klang gut darin, und\nder Raum fasste ausser den 500 Mitwirkenden auf der\nTonbühne an 1000 Zuhörer.\nDer Chor zählte 108 Personen im Sopran, 82 im\nAlt, 85 im Tenor, 111 im Bass, zusammen 386, von de-\nnen 280 290 den Stamm bildeten, den die Stadt Coblenz\nmit dem gegenüber liegenden Ehrenbreitstein geliefert\nhatte. Ausserdem war der stärkste Zuzug aus Neuwied ge-\np o\nkommen. Der Gesammtton war schön, die Männerstimmen\nfast klangvoller als die Frauenstimmen, ein seltener Fall!\nalle zusammen bewährten den Ruf der rheinischen Stim-\nmen und der rheinischen Gesangesfreude.\nDas Orchester hatte 48 Violinen (am ersten Pulte der\nConcertmeister Otto von Königs]öw aus Köln und\nFritz Wenigmann aus Aachen), 16 Bratschen, 14 Vio-\nloncello, 10 Contrabässe und doppelt besetzte, meist sehr\ngute Blas-Instrumente, im Ganzen 120 Personen.\nAm ersten Festabende wurde die fünfte Sinfonie\nvon Beelhoven und Händel's Oratorium Samson\naufgeführt.\nDie Sinfonie ging sehr gut; man merkte keineswegs,\ndass das Orchester ein nur zu dem Zwecke des Festes zu-\nsammengestelltes war; die Leistung desselben war präcis\nund schwungvoll, die Sinfonie wurde mit Feuer und Aus-\ndruck gespielt, nicht in möglichst kurzer Zeit herabge-\njagt. Auffassung und Leitung derselben gereichen dem Di-\nrigenten zur Ehre; das Tempo des Finale hätte um ein\nWeniges breiter gehalten werden können.\nDas Oratorium Samson, eine der herrlichsten Ton-\nschöpfungen Händel's, wurde in der Gestalt der Mosel'-\nschen Bearbeitung und Verkürzung gegeben. Herr Lenz\nhatte allerdings die Absicht gehabt, das Werk in seiner\nursprünglichen Gestalt aufzuführen und namentlich die\nScene zwischen Samson und dem Prahler Harapha Bass)\nwieder herzustellen (vergl. die Aufstätze und Text-Ueber-\nsetzungen von Gervinus in den Nummern 11, 12 und 22\ndes laufenden Jahrgangs der Niederrh. Musik-Zeitung);\nallein es stellten sich diesem Vorsatz unübersteigliche Hin-\ndernisse entgegen, bei denen namentlich der Kostenpunkt\neine Hauptrolle spielte, indem, um nur Eines anzuführen,\nalle Chor- und Orchesterstimmen aus der Original-Partitur\nhätten ausgezogen werden müssen, da sie im Musikhandel\nnur nach der Moserschen Ausgabe zu haben sind. Die\nAusführung war im Ganzen lobenswerth; die prächtigste\nLeistung war der sechsstimmige Chor: „Hör', Jakob's\nGott!\" aber auch die meisten anderen Chöre wurden\nwürdig und wirkungsvoll gesungen.\nHerr Ernst Koch aus Köln sang die Partie des\nSamson mit schöner, immer noch sehr klangvoller und aus-\ngiebiger Stimme und bewährte seinen Ruf als Sänger durch\ndie Behandlung derselben. Der Ausdruck war stellenweise\nsehr gelungen, hier und da aber etwas zu studirt. Fräul.\nAuguste Brenken (Dalilai und Fräul. Schreck (Micah)\nliessen recht schöne Stimmen ertönen, der Vortrag war\naber fast zu einfach in Bezug auf ausdrucksvolle Nuanci-\nrung. Die Partie desManoah hatte ein Dilettant aus Frank-\nfurt, Herr Kill, übernommen; er besitzt eine hohe Bass-\nstimme von sehr wohlthuendem Klang, der augenblicklich\ndie Sympathie des Hörers erregt. Einzelnes sang er auch\nrecht gut, und es wäre sehr zu wünschen, dass ihm Gele-\ngenheit und eine zeitweilige Befreiung von Berufsgeschäf-\nten würde, um die schönen Mittel, die ihm die Natur ge-\ngeben, kunstgemäss auszubilden und wirkungsvoll anwen-\nden zu lernen.\nDas Concert am zweiten Festabende begann mit einem\nTantum ergo für Chor und Orchester von J. A. Anschüz,\neiner Composition, deren Wahl nicht nur die Pietät für\nden Stifter des Instituts, sondern auch der Inhalt recht-\nfertigte.\nHierauf brachte das reiche Programm folgende Mu-\nsikstücke :\n1. Sinfonie Nr. IV., D-moll, von Robert Schu-\nmann. 2. Sopran-Arie aus Fidelio: „Abscheulicher!\" von\nBeethoven (Fräul. Brenken). 3. Erste Scene des 11.\nActes von Gluck's Orpheus (Fräul. Schreck und Chor.\n4. Bass-Arie aus Mendelssohn's Paulus: „Gott sei mir\ngnädig\" (Herr Hill). 5. Concert für die Violine (Gesang-\nscene) von L. Spohr (Herr von Königslöw).\n6. Vorträge des kölner Männergesang-Vereins\nunter Leitung seines Dirigenten Herrn Franz Weber\n(Fünf Lieder von F. Otto, J, Becker, F. Silcher und\nF.Mendelssohn-Bartholdy). Damit begann diezweite\nAbtheilung."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "343", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581023-01.1.7", "texte": "7. Ouvertüre zur Oper Euryanthe von C. M. von\nWeber. 8. Das letzte Finale aus Don Juan mit den\nSchlussnummern der Original-Partitur (die Soli gesungen\nvon Dilettanten, Mitgliedern des Instituts). 9. Tenor-Arie:\n„Mit Würd'und Hoheit'-, aus liaydn's Schöpfung (Herr\nKoch). 10. Finale aus der Lorelei von Mendelssohn.\nTrotz der Länge des Programms wurde das Concert\ndoch keineswegs langweilig, wenn auch vielleicht einige\nArien hätten weg bleiben können.\nSchumann's Sinfonie und Weber's Ouvertüre wurden\ntrefflich ausgeführt; in beiden war neben der Präcision\ngeistiger Ausdruck und schwungvolles Zusammenspiel; an\nkünstlerischer Vollkommenheit musste man der Ausführung\nder instrumentalwerke den Vorrang vor den Vocalwerken\nzuerkennen. Eben so errang die Violine durch Herrn von\nKönigslöw die Palme unter allen Solo-Vorträgen; der treff-\nliche Vortrag der Spohr'schcn Gesangsccne mit so reinem,\ngefühlvollem, wirklichem Gesangtone und eben so anmu-\nthigem als kräftigem Ausdruck erwarb dem Künstler rau-\nschenden Applaus und Hervorruf. Dennoch konnte Fräul.\nSchreck mit ihm um die Palme ringen; wir haben diese\nSängerin, deren Altstimme zu den vorzüglich klangvollen\ngehört, noch nie mit so viel Ausdruck und Seele singen\nhören; die Sccne aus Gluck's Orpheus war eine meister-\nliche Leistung.\nDie Gesänge des kölner Männergesang-Vereins, der\nauf den besonderen Wunsch der Durchlauchtigsten Prin-\nzessin zur Mitwirkung eingeladen worden war, riefen, wie\nüberall, so auch hier einen begeisterten Applaus hervor.\nDer Verein trat achtzig Mitglieder stark auf und bewährte\nseine künstlerische Vollkommenheit durch den wohllau-\ntendsten Gesammtton und die feinsten Schattirungen des\nVortrags.\nDas letzte Finale aus Don Juan war besonders auch\ndesswegen interessant, weil es auch das selten oder nie\nmehr gehörte Schluss-Sextett brachte. Wir machten dabei\ndie nämliche Erfahrung, die wir schon bei früheren Ver-\nsuchen der Art gemacht haben, dass die Vox populi Recht\nhat, wenn sie diesen Schluss dem grossen Drama für un-\nangemessen hält. Wir werden uns nächstens bei Anzeige\nder Schrift des Dr. W. Viol in Breslau über Mozart's\nDon Juan ausführlicher darüber aussprechen.\nIn der Aufführung von Mendelssohn's Lorelei-Finale\nzeigte sich das Zusammenwirken von Chor und Orchester\no\nam glänzendsten, und Fräul. Brenken führte die Haupt-\nPartie mit prachtvoller Stimme und begeistertem Vor-\ntrage aus.\nIhre Königliche Hoheit die Frau Prinzessin von Preus-\nsen verherrlichte beide Concerte durch Ihre Gegenwart,\nwie auch die Frau Grossherzogin von Weimar Kaiserliche\nHoheit der zweiten Abtheilung des zweiten Concertes durch\nIhre Anwesenheit Glanz verlieh. Die Durchlauchtigste\nFrau Prinzessin hatte ausserdem die Gnade, Höchstihre\nTheilnahme an dem Feste und an der Tonkunst überhaupt\nauch noch dadurch zu bezeigen, dass sie die Mitglieder\ndes Fest-Comite's, Herrn Commandanten von Zastrow,\nBürgermeister Cadenbach, Regierungsrath Lukas, den Di-\nrigenten Herrn Lenz, und von den auswärtigen Gästen die\nHerren Musik-Director Weber, Concertmeister von Kö-\n\\ 7\nnigslöw und Professor Bischoff aus Köln zur Tafel zu ziehen\n«\nund sich sehr huldreich über musicalische Interessen aus-\nzusprechen geruhte.\n\nL. B.\n\nAus Düsseldorf.\nDer vierzehnte October wurde durch das Auftreten\nvon Frau Clara Schumann zu einem seltenen musicali-\nschen Festtage. Die trüben Erinnerungen an die letzte Pe-\nriode des Zusammenlebens mit ihrem Gatten bedurften des\nlindernden Einflusses der Zeit, ehe sich die gefeierte Künst-\nlerin entschlicssen konnte, dem Drängen der Freunde nach-\nzugeben und uns von Neuem durch den Zauber ihrer Töne\nzu beglücken. Endlich liess sie sich bewegen, eine Soiree\nzu veranstalten, in welcher sie die Beethoven'schea Varia-\ntionen über ein Thema, das er in der Eroi'ca benutzt hat,\nSchlummerlied von Schumann, Impromptu von Chopin und\nUngarische Tänze von Brahms, so wie mit Concertmeister\nvon Königs low aus Köln die 67-mi?//-Sona(e von Beetho-\nven spielte. Die Vorträge trugen den Stempel vollendetster\nMeisterschaft, ein zahlreiches und ausgewähltes Publicum\nempfing die geniale Frau auf das lebhafteste und folgte\nihren Tönen in lautloser Stille, bis es in stürmischen Bei-\nfall ausbrach.\nHerr von Königslöw trug die Komanze von Beetho-\nven, so wie eine Gavotte und Bonde von Seb. Bach vor;\nsein gediegenes Spiel fand volle Anerkennung.\nEine der interessantesten Leistungen des Abends bil-\ndeten die Schumann'schen Variationen für zwei Claviere,\nvorgetragen von Frau Schumann und Fräulein Agnes\nSchönerstedt, einer hier lebenden früheren Schülerin\nder ersteren. Fräul. Schönerstedt hat sich in den Geist der\nSchumann'schen Compositionen eingelebt und spielt die-\nselben geistreich und mit der hohen Ausbildung der Tech-\nnik, durch welche alle ihre Vorträge einen eigenthümli-\nchen und grossen Reiz gewinnen. Lehrerin und Schülerin\nführten uns daher die lieblichen, graziösen Variationen\nmit einer Vollendung und einem Zauber des Zusammen-\nspiels, gehoben durch zwei vortreffliche und in der Ton-\nfarbe sehr ähnliche Concertflügel von Klems, vor, das»"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "344", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581023-01.1.8", "texte": "sich nur mit Mühe der Illusion zu entreissen ver-\nhte, die Töne würden von nur Einer Künstlerin her-\ngerufen.\nFrau Schumann wird uns sehr bald verlassen; wir\nTen, sie entzieht sich uns nicht von Neuem für so\nge Zeit!\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. Das erste Gesellschafts-Concert der diesjähri-\ni Saison fand am Dinstag den 19. d. Mts. Statt. Das Programm\n,r folgendes:\nErster Theil. 1. Sinfonie Nr. 8 in F-dur von Beethoven;\nConcert für das Ciavier in D-moll von Mozart, gespielt von\n•au Clara Schumann; 3. Finale aus Mendelssohn's Oper\norelei. Die Partie der Lorelei gesungen von Fräulein Auguste\nrenken.\nZweiter Theil. 4. Capriccio für Pianoforte allein von Men-\nelssohn, gespielt von Frau Schumann; 5. Sopran-Arie aus H.\nlaTSchner's Oper Hans Heiling, gesungen von Fräulein Bren-\n;en; 6. Phantasie für Pianoforte, Chor und Orchester von Beet ho-\nren, Op. 80. Die Ciavierstimme ausgeführt von Frau Schumann.\nEinen weiteren Bericht über dasselbe müssen wir aus Mangel an\nRaum bis auf die nächste Nummer verschieben.\nIn der letzten Versammlung der musicalischen Gesellschaft spiel-\nten die jüngeren Gebrüder Leopold und Gerhard Brassin,\njener das Clavier-Concert in G-moll von Mendelssohn, dieser eine\nPhantasie für Violine von Vieuxtemps und Bazzini7 s Danse des\nlutins mit bewundernswerther Fertigkeit und ärnteten rauschenden\nBeifall. Sie werden am Dinstag den 26. d. Mts. im Hotel\nDisch eine Soiree geben. Herr Louis Brassin, Pianist, ihr äl-\nterer Bruder, hält sich auf einige Zeit in Düsseldorf bei seinen\nEltern auf, nachdem er im Sommer in mehreren rheinischen Bädern\nsich mit demselben Erfolg, wie während des Winters in Belgien und\nHolland, hat hören lassen.\nKolli; 22. October. Gestern hat Fräulein Auguste Brenken\nihr Gastspiel an der hiesigen Bühne in der Rolle der Agathe im\nFreischütz mit ausserordentlichem Erfolg begonnen. Sie w7urde nach\nder grossen Scene und am Schlüsse der' Oper gerufen, und nicht\nnur am Ende der beiden Arien stürmisch applaudirt, sondern auch\nwährend des Gesanges wiederholt durch Beifallsbezeigungen unter-\nbrochen. Ihre starke und volle Stimme hat im Theater einen noch\nweicheren und wohllautenderen Klang, als in dem Gürzenichsaale,\nund die anmuthige Einfachheit und innige Wärme des Ausdrucks\nnahmen einen Jeden für ihre dem Charakter der Rolle und der Mu-\nsik ganz vortrefflich entsprechende Darstellung ein. Sie wird noch\nals Leonore in Stradella und als Amine in der Nachtwandlerin\nauftreten.\nMassel, 18. October. Dem Capellmeister C. Reiss ist in\nAnerkennung seiner Verdienste um den kasseler Gesang-Verein durch\nHerrn General-Musik-Director Dr. L. Spohr ein silberner Tactirstock\nüberreicht worden.\nStettin; 16. October. Fräulein Auguste Gebler trat als\nRosine im Barbier von Sevilla auf. Der Umfang und der Klang\nihrer Stimme, die leicht ansprechende Höhe fanden grosse Anerken-\nnung, so wie ausserdem eine ganz vorzügliche Coloratur, die ihr\ngestattet, die schwierigsten Passagen mit der grössten Leichtigkeit\nauszuführen."}]}